Indiana Tribüne, Volume 22, Number 304, Indianapolis, Marion County, 23 July 1899 — Page 3

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Crimmal.Noman von M. E.Braddon. (15. Fortsetzung und Schluß.) Was soll das heißen, daß Sie mich ous dem Schlaft wecken?" fragte er. 2Bie können Sie sich erdreisten, mich anzufassen? Das werde ich Ihnen anstreichen. Sie sind Beamter der GeHeirripoliz:i und natürlich im Stande, sich auszuweisen? Sie verfolgten mich wahrscheinlich den ganzen Weg von Warwickshire bis hierher. Weshalb sah:r. Sie sich denn den Herrn nicht an, der ruhig zu Hause geblieben ist? Weshalb suchten Sie nicht die nähere Bekanntschaft des armen lahmen Herrn zu machen, der sich im Jasminhof einquartierte, seine Tochter als Dienstmädchen verkleidete und Ihnen eine hübsche kleine Komödie vorsp.ielte, um Sie, den schlauen Polizeibeamten in schlechtem, bürgerlichem Anzug zu nasführen? Nehmen Sie mich nur mit, Herr Tetectiv, und verhindern Sie mich, meine Reise in's Ausland fortzusetzen. Ich werde Sie dafür bei Ihrer vorgesetzten Behörde anzeigen und Ihre Bestrafung beantragen!" In dem herausfordernden Ton des Mannes lag etwas, das seinen Bhauptungen den Stempel der Wahrheit aufdrückte. Gatter biß in schweigender Wuth die Zähne übereinander. Bon diesem braunäugigen Mädche mit dem verbundenen Gesicht am Nar ?enseil herumgeführt, auf eine falsche Fährte geschickt, während der gesuchte Aerbrecher sich in aller Gemüthsruhe in Sicherheit brachte! Getäuscht, überlistet, ausgelacht, nach zwanzigjährigem, erfahrungsreichem Dienst, das war zu bitter! Nicht Josef Wilmot?" murmelte Carter. Nicht Josef Wilmot?" Nicht mehr als Sie, mein Bester," antwortete der Reisende in frechem Ton. Noch immer standen sich die Beiden von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Etwas in dem Gebahren des Menschen erweckte in Carter eine Erinnerung an ferne, halbvergessene Zeiten. Er hob die Laterne in die Höhe und beleuchtete das Gesicht des Mannes im Pelz. Nicht Josef Wilmot?" wiederholte er wie geistesabwesend. Nein," rief er plötzlich in triumphirendem Ton, nicht Josef Wilmot, aber Anton Hamven, der Falschmünzer, der Mann, der aus dem Zuchthaus entkam, nachdem er den Gefangenwärter erschlagen hatte. Ja, Freund, wir suchien schon lange nach Ihnen, aber es gelang Ihnen immer, uns zu entschlüpfen. Ja, das ist ein alter Fall, aber trotzdem steht noch eine Belohnung auf.Jhrer Festnahme. - Ich habe also meine Reise doch nicht vergebens gemacht." Der Tetectiv legte seine andere Hand auf Anton Hamdens Schulter, aber der Verbrecher schlug die erhobene Hand mit seiner Faust weg, entwand sich dem Detectio und rannte die Treppe hinauf. Carter folgte ihm dicht auf den Fersen. Halten Sie den Menschen jet!" brüllte er. Thomas, halten Sie ihn fest!" Dem Detectiv entschlüpfend, war Anton Hamven auf das Verdeck geeilt, aber Thomas in die Arme gelaufen. Von dem Mondlicht geblendet, nachdem er aus der Finsterniß unten heraufgekommen war, taumelte er gegen eine ungeschützte Stelle der Schiffswand, verlor das Uebergewicht und stürzte mit schwerem Fall in das Wasser. Rettet ihn!" rkf der Detectiv. - Er trägt einen mit Diamanten gefüllten Gürtel um den Leib!" Carter sagte das auf's Gerathewohl, denn er wußte nicht, welcher von den beiden Männern den Diamantengürtel hatte. Einer der Leute zog seine Schuhe aus und sprang in's Wasser. Die Uebrigen beobachteten in athemloser Spannung die in den mondbeleuchteten Wellen auf- und niedertauchenden tfopfe und Arme. Die Gewalt der Strömung führte die Kämpfenden vom Schooner hinweg. Für einige Minu.ten, die Allen wie eine Ewigkeit erschien, herrschte peinliche Ungewißheit. Endlich ertönte ein Ruf vom Wasser her, und ein Kopf, der sich rasch dem Schiff näherte, erschien über den Wogen. Ich habe ihn," triumphirte der muthige Fischer, ich halte ihn beim Güriel!" Mit dem einen Arm mächtig rudernd, schien er eine schwere Last nach sich zu ziehen. Als er den Cch?oner erreich: hatte, warf der Capitän ihm ein Tau zu, doch im Begriff, es zu krassen, erhob der Mann mit einem Ruf des Erstaunens auch die andere Hand aus dem Wasser. Der Gürtel ist gevlatzt und er sinkt unter!" Der Gürtel war -zerrissen, und ein leuchtendes Geriesel erglänzte im Mondlicht und sank glitzernd in das Wasser hinab und mit ihnen sank Anton Hamden, alias Major Templin, unter, um nie wieder .lufzutauchen. 44. K a pi t e l. Das Vcjjc$e Carter in der grauen Morgendämmerung in den Hafen zurück. Der l Tetectiv fühlte sich tief beschämt und gedemüthigt. Von einem Mädchen irregeleitet, dessen aufopfernde Liebe für den unglücklichen Vater die Tochter mit einem Heiligenschein umgab. ihmblindlings in eine Falle gelaufen und nährend der ganzen Zeit von der eigenenUeberlegenheit und Schlauheit durchdrungen gewesen zu sein, war für einen Mann von dem Rufe Carters eine fast unerträgliche Ernpiirüng. ' . .

Und nun mußte der elende Kerl, dieser Hamden, sich mir zum Trotz noch ertränken," grübelte Carter. Es würde mein Ansehen und den Glauben an meine Umsicht und Tüchtigkeit nicht wenig erhöht haben, wenn ich ihn zurückgebracht hätte, aber nein, er muß in's Wasser fallen und mich um alle die Vortheile betrügen, die seine Verhaftung mir gesichert haben würde." Es blieb Carter nun nichts weiter zu thun übrig, als sich wieder nach Lixdorf zu begeben und sein Glück von Neuem zu versuchen. Wie ich es aber auch ansänge," dachte er, Josef Wilmot wird doch immer einen Vorsprung von achtundvierzig Stunden haben und er wird diesen gewaltigen Vortheil auszunützen wissen." Es war eine recht kalte, unbehagliche Morgenstunde, als die beiden Fischer den Detectiv wieder an's Land setzten. Carter zahlte den jungen Leuten die versprochene Fünspfundnote und legte, da um diese Zeit noch kein Wagen zu haben war, den Weg vom Hafen zum Bahnhof zu Fuß zurück. Wie er erwartete, fand er Tribbs dort vor, aber der Arme war in sehr gereizter Stimmung. Seine Zähne klapperten vor Frost und sein Magen knurrte. Sie haben mir einen hübschen Streich gespielt," sagte Tribbs entrüstet. Mit dem Versprechen, rechtzeitig zum Essen zurück zu sein, beauftragen Sie mich, auf jeden Zug Acht zu geben, und ich stehe denn auch hier und warte und warte und friere und hungere." Beruhigen Sie sich, lieber Freund," erwiderte Carter tröstend und zog Tribbs in die Bahnhofs-Restauration, ein gediegenes Frühstück für ihn bestellend. Während sein Untergebener sich gütlich that, erzählte er ihm sein trübseliges Abenteuer. Er habe Zeit und Mühe verschwendet und wolle jetzt die ganze Geschichte aufgeben. Tribbs hörte schweigend zu, nahm die versprochene Entschädigung in Empfang und erklärte sich bereit, mit dem Zehnuhrzuge nach London zurückzukehren. Was ich fortan in dieser Sache thue, besorge ich allein," dachte Carter, dem auf den Bahnsteig eilenden Tribbs nachblickend. Um fünf Uhr Nachmittags war oer Detectiv auf dem Bahnhof in Shornkliff und fuhr von dort nach dem Jasminhof. Die hübsche kleine Besitzung sah noch ganz so aus. wie Carier sie zuletzt gesehen hatte, nur hing an einem der Fenster ein rother Zettel, auf dem zu lesen war. daß die Besitzung zu verkaufen sei und nähere Auskunft darüber bri Herrn Godwin in Lixdorf ertheilt werde. Der Vogel ist ausgeflogen," dachte Carter. Es war auch nicht anzunehmen, daß er warten werde, um sich fangen zu lassen." Er klingelte wiederholt, aber es wurde ihm nicht geöffnet. Alles blieb still. Das Haus machte den Eindruck, vollständig unbewohnt zu sein. Fort," murmelte Carter. leise st'öhnend, ausgerissen auf Nimmerwiedersehen." Zu seinem Wagen zurückkehrend, befahl er dem Kutscher, nach Lixdorf zu Herrn Godwin zu fahren. Hier theilte man dem Detectiv mit, daß die Schlüssel der Besitzung genau an dem Abend jenes Tages abgegeben worden waren, als er Josef Wilmot in dem kleinen Wohnzimmer gesprochen hatte. Es war vorgestern Abend," erzählte Godwin, als ein sehr einfach gekleidetes junges Mädchen mit verbundenem Gesicht hier vor der Thür aus dem Wagen stieg und mich bat, die Schlüssel zu verwahren und Kauflustigen die Besitzung zu zeigen, die vermiethet oder verkauft werden solle, da ihr Herr auf längere Zeit verreise, um einen Sohn zu besuchen, der aus Indien heimgekehrt, sich verheirathet und in Devonshire niedergelassen habe. Wenn Sie den Jasminhof zu besichtigen wünschen " Sie sind sehr gütig." erwiderte Carter. Nein, heute ist es mir dazu schon zu spät. Um welche Zeit war es, als der Wagen vor Ihrem Hause hielt?" Zwischen sieben und acht Uhr." Sie wollten also nach dem Bahnhof von Rugby. War es der Wagen aus dem Gasthof zur Krone?" Ja, den Kutscher. Stefan Baling, erkannte ich gleich." Im Gasthof suchte Carter den Kutscher auf, der ihm schon einmal Rede gestanden hatte. Der Alte erzählte ihm, daß er Abends von demselben jungen Mädchen geholt worden sei, das ihn schon am Morgen bestellt hatte, und er wieder einen anderen lahmen Herrn, der auch in Pelz und Shawl so vermummt war, daß man sein Gesicht nicht sehen konnte, fahren mußte, aber nicht nach Shornkliff, sondern nach Paddington, in der Nähe von Rugby, wo der Herr und das junge Mädchen in einen Eisenbahnwagen zweiter Klasse eingestiegen waren. Der Detectiv benutzte denselben Zug, mit dem, wie er zu vermuthen Ursache hatte. Josef Wilmot zwei Tage vorher von Shornkliff nach London gefahren war. Vergebens bemühte sich Carter nach seiner Ankunft in London, den Flüchtlingen auf die Spur zu kommen. Josef Wilmot war nur ein Tropfen im Ocean des Londoner Lebens. Weder den Schaffnern, noch den Stationsvorsichern und den Droschkenkutschern war er aufgefallen. In dem Gedränge und dem Wirrwarr, das dem Eintreffen jener großen, nordwärts gehenden Züge zu folgen pflegt, konnten ein halbes Dutzend Lahme sich unbeachtet verloren haben. Es gibt nur noch einen Weg, seiner habhaft zu werden," sagte sich Carter, und das sind die Diamanten. Er kann nicht viel Geld bei sich gehabt haden, und in diesem Falle mußte er einige dieser Steine in Geld umseden."

Am nächsten Tage erschien in den Times" folgende Anzeige: An Pfandleiher und Andere. Eine beträchtliche Belohnung wird Dem zugesichert, der zur Festnahme eines hochgewachsenen, hinkenden Mannes behilflich ist. Der Lahme hat eine Menge ungefaßter Diamanten im Besitz und wird wahrscheinlich versucht haben, sie zu verkaufen." Aber die Anzeige blieb unbeaniwor-tet.

45. K a p i t e l. Leonor Austin kehrte enttäuscht und tief betrübt zu seiner Mutter zurück. Das räthselhafte Benehmen Ursulas war aufgeklärt, aber damit zugleich eine Scheidewand zwischen ihm und dem von ihm geliebten Mädchen aufgerichtet. In Ursulas Augen mußte er immer Derjenige bleiben, der sich freiwillig zum Werkzeug hergegeben hatte, die Entdeckung ihres Vaters und seine Ucberantwortung an den Henker herbeizuführen. Konnte sie ihn mit diesem Gedanken im Herzen je wieder lieben? Schon der Klang seines Namens mußte ihr in Zukunft verhaßt sein. Der junge Mann wußte, wie sehr Ursula ihren Vater liebte, so schlecht er auch war; er hatte gesehen, wie muthvoll sie für ihn eintrat, wie leidenschastlich.ihr Schmerz war, als sie von seinem angeblichen Tode, und ihr Kummer, als sie von seiner Schuld Kenntniß erhielt. Das Verbrechen war grauenvoll und beinahe ohnegleichen, dennoch zweifelte Leonor Austin nicht, daß Ursula in ihrer treuen Liebe zu dem ehrlosen Vater verharren werde. Daß Wilmot seinen Verfolgern entrinnen könnte, war eine Möglichkeit, kie Austin niemals in den Sinn kam. und jeden Morgen, wenn er eine Zeitung in die Hand nahm, erwartete ee einen Bericht über die Verhaftung des Mörders zu lesen. Nach Ablauf' einer Woche las er von dem Zusammentreffen Eduard Carters an Bord eines Schooners mit einem langgesuchten Verbrecher, Anton Hamden, der bei dieser Gelegenheit den Tod in den Wellen gefunden hatte. Nach Verlauf einer zweiten Woche erschien Carter sehr ernst und niedergeschlagen in der Wohnung Austins. Es hilft nichts," sagte er, so beschämend es auch für mich ist, muß ich es doch gestehen, daß ich überlistet, von einem jungen Mädchen überlistet worden bin." ' Soll das heißen, daß es Wilmot gelang, zu entfliehen?" fragte Leonor Austin mit ungestüm pochendem Herzen. Ja, aber nach meiner Meinung hat er das Land nicht verlassen, denn ich habe die genauesten Nachforschungen angestellt. Aber was thut das? Wenn er im Lande bleibt, desto besser für ihn und desto schlimmer für Diejenigen, die ihn festgenommen zu sehen wünschen. Josef Wilmot ist ein zu erfahrener Schurke, um das nicht zu wissen. Ich möchte wetten, er lebt irgendwo im Lande ehröar und still und von Niemandem. belästigt." Carter fuhr fort, die ganze Geschichte seiner Enttäuschungen und Kränkungen zu erzählen. Leonor Austin verstand jetzt Alles, die vom Mondlicht überstrahlte Gestalt in der Hochstraße von Wincheste:, die Erscheinung unter den Bäumen im Wäldchen, Alles, Alles.i Als Austin wieder allein war, nkte er Gott für dir Wendung, die diese Angelegenheit genommen hatte. Er hatte nichts gethan, den Gang der Gerechtigkeit zu hemmen, obgleich er gewußt, daß die Bestrafung des Verbrechers das Herz des von ihm so heißgeliebten Mädchens brechen würde, aber er freute sich unsagbar, daß die Vorsehung ihn dem irdischen Gericht entzogen hatte und ihm Zeit gewährte, seine Schuld zu bereuen. Jetzt wird keine schauerliche Erinnerung mein Bild in ihrer Seele trüben," dachte er. Sie wird mir verzeihen, wenn ich ihr die Geschichte meiner Reise nach Winchester erzähle, und mir gestatten, sie als meine Frau in mein Haus zu führen." Er rückte einige Zeilen in die Anzcigespalten der Times" ein, Ursula seiner unwandelbaren Liebe zu versichern und sie zu bitten, zu ihm zurückzukehren. Natürlich war seine Ausforderung so abgefaßt, daß sie für jeden Anderen als für Ursula unverständlich blieb, aber auf seinen Aufruf erfolgte keine Antwort. Wochen und Monate gingen vorüber. Die Geschichte von den in Winchester aufgefundenen Sachen machte ebenso die Runde durch die Zeitungen, wie die Geschichte von der Flucht Wilmots. Die Enthüllung erregte überall im Lande berechtigtes Aufsehen und Loro Spenscr begab sich selbst nach Winchester, um der Ausgrabung der Ueberreste des Mannes beizuwohnen, der dort unter dem Namen Josef Wilmots bestattet worden war. An dem kleinen Finger der linken Hand des Todten war ein einfacher Ring gefunden worden, der bei der Leichenschau unbeachtet geblieben war, den aber Lord Spenser für indische Arbeit erklärte und siets an Alfred Dawsons Hand gesehen zu haben eidlich erhärtete. Im Innern des Ringes waren die Worte eingravirt: Zur Erinnerung an meine geliebte Frau. A. D." Der Sarg mit den Ueberresten des Ermordeten wurde in der von Roland Dawson erbauten Familiengruft beigesetzt und der Sohn fand seine letzte Ruhestätte neben der seines Vaters. Die Baronin von Wolkenstein weilte in der Fremde, als ihr die Geschichte von dem vorzeitigen Tode ihrcs Vaters mitgetheilt wurde. Sie betrauerte den Verlust tief und innig. Jetzt erst begriff sie, weshalb der Mann, der sich für ihren Vater auszugeben gewagt hatte, ihr immer so fremd geblieben war.

Leonor Austin konnte nach den in die Öffentlichkeit gelangten Enthüllungen Über Josef Wilmot seine alte Stellung in dem Dawson'schen Hause wieder übernehmen. Balder, jetzt der alleinige Inhaber des Geschäfts, war selbst bei Leonor erschienen, um ihn dazu zu veranlassen und ihm gleichzeitig anzukündigen, er wünsche ihn als Gesellschafter in der Firma zu haben, die Last der alleinigen Verantwortlichkeit drücke ihn bei feiner Kränklichkeit zu schwer. Frau Austin, die die Geschichte Ursulas längst in allen ihren Einzelheiten kannte, theilte die Bewunderung ihres Sohnes für das heldenmüthige Mädchen und ermuthigte ihn, auf eine Wiedervereinigung zu hoffen. Eines Abends saßen Mutter und Sohn im Wohnzimmer, als noch um neun Uhr an der Gartenthür geklingelt wurde. Drei Minuten später trat das Stubenmädchen ein und legte ein kleines Packet vor Leonor auf den Tisch. Leonor warf die Zeitung, in der er eben gelesen hatte, bei Seite und nahm das Packet in die Hand, die darauf geschriebene Adresse zu lesen. Ein freudiger Schauer durchrieselte ihn. als er die Schrift erblickte. Wer hat dieses Packetchen gebracht?" fragte er, dem Stubenmädchen in den Flur nacheilend. Eine schwarzgekleidete und tiefver-, schleierte Dame, die wenige Schritte von hier in ihren Wagen stieg." erwiderte das Mädchen. Leonor stürmte auf die Straße, aber von einem Wagen war nichts mehr zu entdecken. Er war außer sich vor Schmerz. Ursula selbst war vor seiner Thür gewesen, und er hatte die Gele genheit versäumt, sie zu sehen! Einige Minuten starrte er die Straße entlang, ehe er wieder in das Zimmer zurückkehrte, wo seine Mutter in sehr verzeihlicher Schwäche das kleine Packet von allen Seiten musterte. Es ist Ursulas Landschrist," rief sie dem Sohn entgegen, öffne das Packet nur schnell. Mein Sohn, was kann das nur sein?" Leonor riß den Papierumschlag ab und fand darunter eine sorgfältig verschnürte Pappschachtel. Er schnitt den Bindfaden entzwei, schlug den Deckel zurück, nahm die Schicht Watte, die darunter lag, -ab und erblickte eine große Anzahl ungefaßter, herrlicher Diamanten. Frau Austin stieß einen Ruf des Erstaunens und der Verwunderung aus. Die Schachtel enthielt ein Vermögen. Innerhalb des Deckels war ein zusammengefalteter Briefbogen befestigt. Mein theurer Leonor!" schrieb Ursula. Das unselige Geheimniß, das unsere Trennung herbeiführte, ist nun keines mehr. Du weißt jetzt Alles und hast mir verziehen und das unglückliche Mädchen vergessen, dem Deine Liebe der einzige Sonnenschein ihres Lebens war und dem diese Liebe für ewig eine trostvolle Erinnerung sein wird. Der Unglückliche, dessen Geheimniß Du kennst, ist zu schuldbeladen, als daß ich es wagen dürfte, Dein Mitleid für ihn zu erflehen, aber ich bitte Dich in seinem Namen, der Frau Baronin von Wolkenstein die Diamanten zu überbringen, die ich Dir hier übergebe. Ich beklage auf's Tiefste, daß sie nur einen Theil des Geldes ersetzen, das auf den Namen Alfred Dawsons erhoben wurde. Leb' wohl, Du theurer, großmüthiger freund. Das ist das Letzte, was Du je von der Beklagenswerthen hören wirst, die um Ihres Vaters Willen allen redlichen Menschen Abscheu und Widerwillen einflößen muß. Möge eine Glücklichere Dir werden, was ich Dir nie sein darf. U.W." Das war Alles. Ursula war ossenbar des festen Glaubens, daß die sich an ihren Namen knüpfende schauerliche Geschichte in Leonor jeden Gedanken an eine Verbindung mit ihr ertödten müsse, während der junge Mann in unentwegter Treue ihr seine Liebe bewahrte und nichts sehnlicher wünschte, als sie seine Frau nennen zu dürfen. Leonor verlor keine Zeit, sich des ihm gegebenen Auftrages zu entledigen, reiste nach Shornkliff und übergab die Diamanten dem Rechtsanwalt Stefan Lowell, dem Vater Arthurs, denn die Baronin von Wolkenstein hielt sich zur Zeit in Italien auf. ' Ursula scheint den Augenblick ihrer Abreise in emen fernen Welttheil als den geeignetsten betrachtet zu haben, mir das werthvolle Packet anzuvertrauen," sagte sich Leonor. Ihr Einfluß aus den Vater muß unbegrenzt sein, wenn sie ihn zu bestimmen vermochte, solch' einen Schatz Herauszugeben." Achtzehn Monate waren seit jenem Winterabend verflossen, an dem die Juwelen Leonor anvertraut worden waren. Es war Hochsommer und die Luft in dem Bureau in St. Gundolph besonders heiß und drückend. Leonor war deshalb früher als gewöhnlich nach Hause zurückgekehrt. Unter alten PaPieren kramend, fiel ihm jenes Blatt in die Hand, in das Ursula die Juwelenschachte! eingewickelt hatte. Leonor faltete den Bogen wieder zierlich zusammen. um ihn als Andenken an die theure Verschwundene aufzubewahren. Sein Blick streifte zerstreut darüber hin, als er den Namen des PapierHändlers bemerkte, bei dem der Bogen gekauft worden war. Emil Sinell, Kylmington. Er entsann sich, daß ein kleines Seebad in Hampshire so hieß. Konnte es wirklich sein, daß dieses unscheinbare Blatt ihn auf die Spur Ursulas führte? Sollte es das Mittel werden, ihm die Verlorene Wiederzugeben? Leonor sah nach seiner Uhr. Es war drei und er mußte sich beeilen. Als er in das Zimmer seiner Mutter trat, bemerkte die alte Frau mit Erstaunen den hoffnungsfrohen Ausdruck seines Gesichts. .Du siehst so vergnügt aus, als ob

Du eine Schad gefunden hättest." rief sie. Ich glaube eine Spur gefunden zu haben, die mich zu Ursula führt," lächelte Leonor; und ich bin im Begriff, nach Kylmington u fahren, um sie aufzusuchen. Morgen Abend bin ich wieder zurück." Nach Sonnenuntergang traf Leonor in Kylmington ein und begab sich ungesäumt in den kleinen Laden EmilSinells. Eine alte Frau beantwortete alle Fragen, die er ihr vorlegte, mit größter Zuvorkommenheit. Zunächst erkundigte sich Leonor, ob es im Städtchen eine Musiklehrerin gebe. Ja," erwiderte Frau Sinell, ein Fräulein Wilson. eine sehr geachtete und allgemein beliebte junge Dame, ebenso geachtet, wie ihr Vater, ein frommer und ehrwürdiger Herr." Fräulein Wilson wohnt bei ' dem Vater?" Ja. bis zu seinem Tode wohnte die junge Dame bei ihm." Wann ist Herr Wilson gestorben?" Im December. Seine Tochter hat ihn mit der größten Hingebung gepflegt. Der alte Herr war immer sehr schwermüthig. Man hat ihn niemals lächeln gesehen." Frau Sinell überreichte Leonor eine Karte, auf der Ursula in ihrer ihm so wohlbekannten Handschrift sich als Klavier- und Gesangslehrerin empfahl. Ja, das ist d junge Dame, die ich zu sprechen wünsche," sagte Leonor tief bewegt. Morgen früh werde ich sie aufsuchen." Sie können sie noch heute sprechen, wenn Sie sich auf den Friedhof bemühen wollen. Bei schönem Wetter ist sie jeden Abend dort." Wenige Minuten später öffnete Leonor die Pforte zu dem kleinen Friedhof. Er sah sich nach den neuesten Grabsteinen um, bis er in dem dunkelsten Winkel. von der niedrigen Mauer fast verborgen, einen bescheidenen Grabstein erblickte, dessen Inschrift lautete: . Zur Erinnerung an I. W. Gestorben am 19. December 1883. . Herr, sei barmherzig mit mir, dem Sünder! Leonor betrachtete noch diese Inschrift, als er das Rascheln eines Frauenkleides hörte, und, sich umwendend, Ursula vor sich sah. Ursula schrak zusammen, als sie ihn erblickte. Sie drückte ihre Hände-gegen die Brust, als ob sie den Aufruhr in ihrem Herzen beschwichtigen wollte. Er reichte ihr den Arm und sie gingen den schmalen Weg auf und nieder, bis der letzte Lichtstrahl am Himmel erloschen war. Es wurde Leonor sehr schwer, Ursula von ihrer Ueberzeugung abzubringen, daß ihres Vaters Schuld als eine unübersteigliche Schranke zwischen ihr und dem geliebten Mann stehe; doch nach und nach gelang es ihm, ihren Entschluß, nie die Seine zu werden, zu erschüttern. Was willst Du den Leuten antworten, wenn sie nach dem Namen Deiner Frau fragen?" sagte sie. Ich werde ihnen antworten, daß. sie keinen anderen Namen hat. als den. den sie anzunehmen mich beehrte, daß sie die edelste und beste der Frauen und ihre Vergangenheit eine Geschichte unvergleichlicher Tugend und Aufopferung ist." Früh am nächsten Morgen, telegraphirte Leonor Austin an seine Mutter und Nachmittags traf sie in Kylmington ein, ihre Schwiegertochter zu umarmen. Am Abend erzählte Ursula dem Bräutigam und seiner Mutter von ihres Vaters tiefer Reue. Als wir hierherkamen," sagte sie, schien er seine That noch als etwas Berechtigtes zu halten, als eine verzeihliche Rache, eine erlaubte WiederVergeltung an Dem, der ihm so schweres Unrecht zugefügt und ihn auf die abschüssige Bahn gedrängt hatte. Nach und nach brachte ich ihn von dieser Auffassung ab, bis er endlich an Alfred Dawson ohne Haß dachte. Die Reue zog in sein Herz ein und die bittersten Qualen marterten ihn. Mit dem reuigen Sünder wird Gott Erbarmen haben!" Sieben Jahre waren seit jenen Ereignissen vergangen, als Leonor und seine Frau mit ihren beiden Kindern einer Einladung nach Schloß Wolkenstein folgten. Die Baronin, die die traurige Geschichte Ursulas nicht kannte, hatte eine große Vorliebe, für die schöne junge Frau, in deren glückverklärtem Gesicht Niemand die Geschichte der Vergangenheit zu lesen vermochte, an die zu denken sie kaum Zeit fand. Niemand von der aufwartenden Dienerschaft ahnte, daß sie die Tochter von Alfred Dawsons Mörder, des falschen Herrn des Schlosses Mangoldsh'öh, bedienten. Ende.

Kafernettkiofblüthen. Mensch, ich hab'sJhnen schon zehnmal gesagt und Sie machen immer das Geaentheil Sie Prinzipien - Kavallerist." Unterofficier: Jungens. der Parademarsch muß gewissermaßen ein militärischer Elfentanz sein!" Sergeant: Rekrut Wurstmüller, rutschen Sie mit Ihren Händen nicht auf der Hosennaht herum, wie ein scheu gewordener Komet auf der Milchstraße!" Schneidig. Lieutenant (findet an Infanterist Schultzes Uniform ein Frauenhaar): Donnerwetter, was soll denn das heißen! Sie wollen doch wohl nicht aus einem Kaiserlich Deutschen Kasernenhof einen türkischen Haar-em machen!"

Er muß halt lachen. Münchener Gerichtsscene.) Der Baumeister Gottfried X. ist ein braver, harmloser Mann, der noch keiner Seele etwas zu leid gethan hat und dies auch gar nicht thun könnte, denn er schaut mit seinem gerötheten Vollmondsgesichte so fröhlich in die Welt hinein, als hinge der Himmel voller Baßgeigen. Nur etwas haftet an ihm wie eine veritable Krankheit, er muß lachen und zwar nicht nur bei fidelen Anlässen, wie es ganz natürlich wäre, nein, auch bei wirklich ernsten Dingen, er kann nicht anders und meint selber, daß er sich einmal krank, wenn nicht gar todt lachen wird. Vor einem Monat erhielt er ein Strafmandat zu zehn Mark eventuell zwei Tagen Haft, weil er einen Polizei - Bediensteten während einer Ämtsverhandlung verhöhnt haben soll. Herr 26. nahm den Zettel zur Hand, zog die Augenbrauen in die Höhe, fing zu lesen an und lachte dann derart, daß der Gerichtsbote glaubte: der Mann sei total verrückt geworden. Hierauf ging er mit dem Zettel zur Gerichtsschreiberei und erhob Einspruch. Richter: Sie haben am 1. April einen Thierauseher während seiner Diensthandlung in der Dingsbräuerei nicht nur gestört, sondern derart lächerlich gemacht, daß er, um weiteren Unfug zu vermeiden, die Controlle aufgab und sich entfernte. Was wollen Sie gegen diese Anschuldigung vorbringen? Angekl.: Herr Stadtrichter, i bin so a lächerlicher Mensch, i kann mir nimmer helfe, wenn i in's Lachen komm; schaugns . . . hihihi, hahaha, ooohoho... Der Herr Aktuar lacht hahaha jetzt selber, köpfen wenn's mi' thuan, i kann net aufhörn. Richter: Nun das ist doch nicht männlich! Ein Sprichwort sagt: am Lacken erkennt man die Narren. Was war denn so Lächerliches daran, wenn ein Bediensteter einen Hund controllirt? Angekl.: Hihihi . . . zum Hinwerden war's, sag i Eahna. Mein Freund, der Kaufmann W., hat sein Foxterrier dabei g'habt und hat eahm grad a Wurschthaut geb'n, da -sagt er: Dös Vieh wär mir net um zwang Mark feil! Derweil klopft eahm a Herr auf d' Schulter und moant: A nettes Hunderl, g'h'ört's Eahna? Na, wem denn? sagt mein Freund, wollen's n' kaufen? Augenblicklich net, erwidert der Andere, nur a wengl z' leihen nehmen, Wissen's i bin . . . hihihi . . . der . . . hohoho hahaha Thieraufscher. I mueß lachen, daß si der Tisch bog'n hat und die Andern lachen mit. da kimmt wieder oaner von unsere Bekannten mit an Mordsbernhardiner; der Foxterrier mueß kennt haben, daß da was hat, er springt gegen den Bernhardiner zua und der neue Herr war a koan Bleß und hat sich mit alle zwoa Hund druckt. Der Thieraufseher nimmt's Büchl raus und will's Aufschreiben anfangen, derweil sag i: Mein Freund hat ja gar koan Hund, der wo da war, g'hört in's äußere Zimmer, hihihi ... da müssen's draußen nachschauen, hahaha. Nichtig! Wie koan Hund mehr da war, sagt mein Freund: I woaß net a mal, was Sie von mir wollen? Net a mal sein Bier kann ma mehr mit Ruah trinken! Kellnerin, zahlen! Der steht auf und geht. Jetzt hab i erst recht lachen müssen. Js ja wahr aa, da soll ma 'net lacha, hahaha. Richter: Zum Lachen war da wenig Anlaß; aber durch Ihr Gelächter haben Sie erzielt, daß der andere Herr der Strafe entgehen konnte. Auch darnach haben Sie den Aufseher durch Ihr Gelächter noch verhöhnt. Angekl.: Aber koa Idee, HerrStadtrichte?. Wissens, der Ausseher war von mir nimmer wegz'bringen und weil i so g'lacht hab', san die andern Leut' aufmerksam worden. Die Frau Doctor am nächsten Tisch hat ihr Pinscher! glei im Rüdekil einapackt, derHerr Lchrer hat sich mit sein Spitzl verzogen, a Frau Räthin hat si' ganz von ihrem Moperl wcgg'leugnet und wia i da drüber lachen mueß, kimmt der Franzl vom Kramer nebenan, hat an Pudel dabei, und sagt: Vater! geh laß mi' a mal trinka! Wissen Sie, wie der Kramer mit seiner G'sellschaft g'roast is? ... da sollt ma net lachen mllessen. Richter: Wollen wir einmal den Zeugen hören. Der vernommene Thieraufseher erklärte: Jetzt hätten es wir so weit, daß uns Niemand mehr Hundsfanger heißen darf und gepfiffen darf auch nimmer werden. Derweil gewöhnt sich Einer um den Andern das Lachen an, da wären wir noch mehr verspottet. Ich bitte, daß der Mann gestraft wird, weil er gelacht hat. Angekl.: Sie! des wär guet! da g'langet bei mir lebenslänglich nimmer, weil i so lächerlich bin, käm i aus der Straf gar nimmer raus. Hihaha, hihaha . . . und die Augen, wo tt g'macht hat, wie Alle verschwunden waren. Dann hat er g'moant, für'n Gottfried wären zehn Mark reif und hat an Wirth um mein Namen g'fragt. Richter: Haben Sie etwa die Namensangabe verweigert? Angekl.: O nein! Er hat mi' gar net g'fragt darum. I hätt' aa gar koa Zeit g'habt vor lauterLachen. Ueberhaupt's! hab' i selber gar koan Hund und deswegen mit diesem Herrn gar nichts z'schaffen auf der Welt. Der Angeklagte erzielte seine Freisprechung. Er betrachtete zuerst erstaunt den Richter, dann den Secretär, der ein Schmunzeln nicht verbergen konnte, hierauf seinen wie versteinert dasitzenden Ankläger. Jetzt brach er in ein wahres Gewieher aus, er lachte, daß seine Thränen gewaltsam hervorbrachen. Mit den flachen Händen patschte er auf seinen Bauch und rief mit von Schluchzen unterbrochener Stimme: G'rad' recht hamer! Guet

3 3 is' ganga! Wenigstens lachen darf ma no'. Na' wart' a mal, wenn heut'Abend' der W. kimmt, da werden mer die zehn Markl in Feuchtigkeit umwandeln! Wär' ja net sauer, wenn's Lacha aa no' straffällig wär'! Dank' Eahna recht schön, meine Herren! V'hüet Gott miteinander! Bleiben S' g'sund! Servus, hahaha, hihihi!

Iur die MHc. Julienne - Suppe. ' Man schneidet 34 Möhren, einen Kohlrabi, einen kleinen Selleriekopf, 2 Pastena ken, 23 Porr6zwiebeln, die zarten Blätter von 2 Kopfsalathäuptchen und einem Welschkohlkopf in nudelartiz feine Streifen, dämpft dieselben mit ca. ein Viertel Pfund Butter beinahe eine halbe Stunde, ohne daß sie im Geringsten anbrennen dürfen, gießt dann 3 Quart gute, kräf:ige Fleischbrühe hinzu, läßt die Gemüse noch eine Stunde langsam dann kochn und richtet die Suppe über gerösteten Semmelscheibchen an. Saure Ochsenzunge. Die Zunge wird wie Zchsenfleisch gebeizt und einige Tage unter öfterem Wenden in der Beize gelassen. Nun mach: man ein Stück Butter h?iß, bräunt einen, kleinen Kochlöffel Mehl und ebenso viel Brosamen darin, auch etw.is feingewiegten Speck kann man mitdämpfen, und löscht es dann mit einem holben Glas Wein und guter Fleischbrühe ab. Siedet die Sauce, so legt man die Zunge hinein, würzt mit Citrone, Pseffer, einer Zwiebel mit Nelken besteckt und zwei Lorbeerblättern. Zugedeckt, läßt man die Zunge schön weich kochen. Bor dem Anrichten gibt man noch ein kleines Stückchen Butter in die Sauce und gießt diese durch einen Seiher über die Zunge. Gebackene Kartoffelku g e l n. Einen Teller voll Kartoffeln, die am vorigen Tage gesotten wurden, schäle und reibe man. Dann bereite man auf dem Nudelbrett davon nebst drei Eiern, Salz und etwas Pfeffer einen Teig und setze etwas Mehl zu, bis er ganz fest ist. Man formt nun Kugeln, größer ein wenig wie Kastanien, dreht sie in verklopftem Eiweiß und dann Semmelbröseln und bäckt sie schwimmend in Schmalz. Man giebt sie als Suppeneinlage oder zu Saucen. Junge Hühner in Rahmtunke. Zwei junge Hühner werden in Viertel geschnitten und in Salzwasser mit etwas Muskatnuß, einem Lorbeerblatt, einer Nelke, etwas Petersilie und einem Stückchen Zwiebel weichgekocht. Nun macht man aus llnz; Butter, einem kleinen Kochlöffel voll Mehl, drei Eidottern, einemPint süßen Rahm, Salz und Muskatnuß eine feingerührte Tunke und legt, sobald dieselbe zu kochen anfängt, die Hühnertheile hinein. Man läßt Alles nur einmal noch aufkochen. Rindfleisch mit Remou-laden-Sauce. Nicht zu weich gekochtes Rindfleisch wird in Scheiben geschnitten und kuppelförmig auf einer Assiette oder runden Schüssel angerichtet. Folgende Sauce gießt man eine Stunde vor dem Anrichten darüber: Man rührt drei Eßlöffel voll Provenceröl mit Salz eine Zeit lang nach einer Seite, fügt dann einen Theelöffel Senf hinzu, verrührt auch diesen und läßt dann U Theelöffel voll Essig folgen, wiegt dann reichlich Kapern, Petersilie, Schnittlauch und eine Zwiebel zusammen und mengt Alles in die Sauce, die man nebst einer Prise Pfeffer über das Fleisch vertheilt. Noch schöner wird dieSauce, wenn man zwei rohe und ein gekochtes und durch'Z Haarsieb gestrichenes Eidotter hinzu mengt. Diese Eier müssen zuerst mit dem Salz verrührt werden, worauf das Oel tropfenweise hinzukommt. Thee -Gebäck.' (Haltbar.) Ein Viertel Pfund Butter wird zu Schnee gerührt, ein halbes Pfund Zucker dazu gethan, dann werden 3 ganze Eier zerquirlt, jedoch nur 2 hinzugethan, die Hälfte des dritten bleibt zum Bestreichen der kleinen Kuchen. Dieser Masse fügt man so viel bestes gesiebtes Weizenmehl hinzu, daß sich der Teig gut ausrollen läßt (es werden etwa drei Viertel Pfund Mehl erforderlich sein). Nun rollt man den Teig aus, sticht ihn mit beliebigen Formen aus und bestreicht die Kuchen mit dem Ei, um es dann bei Mittelhitze zu backen. Diese Kuchen können auch zur Hälfte mit gehackten Mandeln, zur Hälfte mit zerhackten Pistazien bestreut und dann gebacken werden. Die grünen wie die goldgelben Kuchen nehmen sich nett aus. Dieses Gebäck hält sich 14 Tage lang in einer Blechbüchse ganz vorzüglich. Am ersten Tage ist es kroß, wird afox nachher weicher. Ausgezeichnet zu Thee, Kaffee und Wein. Elsässer Salat. Der Salat setzt sich aus in Scheiben geschnittenen, mit der Schale gekochten und abgezogenen Kartoffeln, ebenso zertheilten Tomaten, in Streifen geschnittener Pökelzunge, einigen Trüffeln, abgekochten grünen Bohnen und kleinen Stücken rohen Selleries, der beim Schneiden sofort in schwaches Citronenwasser geworfen wird, zusammen. Zur Sauce rührt man mehrere durchgestrichem, harte Eigelb mit Oel, Essig, wenig Sahne, Salz, Pfeffer und 1012 Tropfen Worcestcrshiresauce zusammen. Die Sauce muß sämig, aber nicht allzu dick sein. Beim Anrichten häuft man die Kartoffeln bergförmig in der Mitte an. vertheilt Zungenstreifen, Sellerie, Bohnen und Trüffeln darauf, wobei man von Zunge, Sellerie und Trüffeln etwa ein Drittel zurückbehält, und theilt damit den Salatberg in Felder, die man mit den Tomatenscheiden füllt. Die Sauce wird zuletzt darüber gegosser, der Salat mit gehackter Petersilie bestreut und mit einem Kranz von in Essig und Oel geschwenkt tenEndivienjalat garnirt.