Indiana Tribüne, Volume 22, Number 304, Indianapolis, Marion County, 23 July 1899 — Page 2
Oor Jahren. C " ' 1 Von Vaul Remar.
Das war im Frühling unsres Lebens, Am Himmel stand in Mcrgenroth, Da folgten unsre jungen Kerzen Der Liebe ewigem Gebot. Wie prangte weit die Welt in Hoffnung, Und Sehnsucht selig uns umfing, Won unsern Händen blinkte lockend Dr kleine, gold'nc Schicksalsring. Froh gab die'Freiheit sich gefangen. Wir wurden eins in Noth und Tod Das war im Frühling unsres Lebens, Am Himmel stand ein Morgenroth. Klatsch." . Non Emmy flinjle. ' Frau Maier und Frau Müller stanfcen am Fuße der schmalen halbdunklen Treppe, welche beide Stockwerke verband. Die Beiden erholten sich nach des Tages Last und Mühen und zwar bestand diese Erholung darin, so über Dies und Jenes, was die Leute sagen", zu sprechen. Wenn sich Hand und Fuß muß Plagen, will die Zunge auch was haben!" So ungefähr lautete die Meinung von Frau Maier und Frau Müller, der Grund, welcher die Beiden regelmäßig täglich zusammenführte, zu einer Zeit, wo man sicher sein konnte, von naseweisen Männern oder neugie?igen Dienstmädchen nicht gestört zu werden. Manchmal, wenn dieser Gedankenaustausch allzulange dauerte, öffnete sich wohl die Thüre eines zur Aftermiethe wohnenden Junggesellen, und er selbst erschien auf der Schwelle, mit höflicher, harmlos theilnehmender Miene und bot denDamen zwei Stühle an, damit sie sich setzen könnten, weil es doch gar zu anstrengend sei, so lange zu stehen. Das war dann das Signal zum Aufbruch und mit einigen nicht gerade salonfähigen Ausdrücken gegen diesen unverschämten Menschen stoben die Beiden auseinander. Heute hielt Frau Fama eine besonders reiche Ernte! Unter vielem Ach" und 0h" und Ei, Ei", wer hätte das gedacht, unter heftigem Kopfschütteln, Händeineinanderschlagen, lauschte Frau Maier dem Erguue von Frau Müller, die heute als Erste dasStändchen eröffnete. Nein, es ist wirklich zu arg in unserer jetzigen Zeit!" sagte sie mit einem anklagenden Augenausschlag gegen die verrußte Korridordccke. Wo man nur hört, überall Lug und Trug, Schlechtigkeit und Schwindel in der Welt! Denken Sie nur, liebe Maiern, des Fleischers Aelteste, die stolze Lina, der kein Mädchen in der ganzen Nachbarschaft als Kameradin gut genug war, ist " Frau Müller machte eine Kunstpause Ist mit ihres Vaters Burschen durchgebrannt! Ja! In aller Frühe! Ha, ha! Am Morgen kam die Fräulein Tochter nicht herunter zum Kaffee, und als die dicke Frau Mama hinauf in das Zimmer des sauberen Kindchens keuchte, fand sie das Nest leer den Vogel ausgeflogen! Und was meinen Sie noch " Frau Maier hielt den Athem an vor Erwartung Sechstausend Mark hat die gute Tochter auf der Sparkasse erhoben und mitgehen heißen!" schloß Frau Müller triumphirend. Nicht übel, was?" Sie fuhr sich in sittlicher Entrüstung durch die dünnen, zerzausten Scheitelhaare. Ich, wenn mir mein Luischen so etwas anthäte verstoßen, verfluchen würde ich sie!" Aber, liebe Müllern!" meinte Frau Maier salbungsvoll, bedenken Sie doch Ihr sanftes, braves, liebes Luischen und so etwas thun! Oh! So wenig als mein Josephinchen . im Stande wäre, solchen wie soll ich doch sagen verwegenen unmoralischen Streich zu vollbringen!" Da haben Sie recht, meine gute Maiern," seufzte elegisch Frau Müller, wir haben doch, Gott sei's gedankt, musterhafte Töchter! Das sind liebe Mädchen! Mein Luischen wird roth bis unter die Haarwurzeln, wenn ihr ein lediger junger Mann begegnet, und wagt die Augen nicht aufzuschlagen" Und mein Josephinchen will in's Kloster gehen, das fromme Kind!" vollendete Frau Maier. Da hätte die Frau Fleischermeisterin ihre Fräulein Tochter nicht ein volles Jahr in ein Institut zu schicken brauchen! Mit einem Burschen durchzubrennen hätte sie auch ohne ihre seine Bildung" fertig gebracht!" Ganz meine Meinung, liebe Müllern! Aber das schöne Sprichwort trifft hier wieder einmal so recht zu: Wie der Acker so die Rüben, wie der Vater so die Buben! Wie die Mutter so die Töchter, höchstens noch ein bissel .schlechter!" Ja, ja! Hm, hm! Erinnern Sie sich noch, beste Müllern, was man seiner Zeit für Dinqe über die Frau Meisterin munkelte?"" ' Und ob!" bekräftigte eifrig Frau Müller. Solche Dinge pflege ich selten zu vergessen! Ja, ja, man munfeite! Aber dieses Mal dieser Streich der Fräulein Tochter der läßt sich, Gott sei Dank, nicht mit Geld zudecken!" Die Beiden wisperten nun offenbar über Dinge, die unter allen Umständen Stint Ohrenzeugen haben durften! Die Treppe herab polterten einige Schritte, klipp, klapp von hochhackigen 'Pantoffeln. i .Es ist heute .wieder recht india
draußen," sagte überlaut Frau Mater. Recht windig!" wiederholte ärgerlich über die Störung Frau Müller. Ach so Sie sind es Fräulein Adelgunde?" Das ältliche Fräulein befand sich offenbar in großer Erregung. Sie hatte sich noch nicht die Mühe genommen, sich zu frisiren. Ihr langes, spitzes Gesicht war von ein?m Walde Papierpapillotten umstarrt, die einander zuzunicken schienen. Der zerknitterte Morgenrock von unklarer Farbe schlotterte um ihre hageren Glieder, und der Mund, dessen Oberlippe ein nettes Bärtchen zierte, wies die Spuren von eben genossenem Kaffee auf. Wissen die Damen auch schon? Nicht? Wirklich nicht? Ach der Schrecken ich muß mich setzen!" Fräulein Adelgunde lich sich auf der untersten Treppenstufe nieder und hielt oben daj Kleid zusammen, weil zwei Knöpfe fehlten. Was ist denn passirt? Sie sind ja außer Athem, erzählen Sie doch, liebes Fräulein!" Begierig drängten sich die beiden Damen um Fräulein Adelgunde heran; denn wenn die alte Jungfer" etwas wußte, pflegte es gewöhnlich pikant zu sein. Oben bei Amtsdieners ist der Gerichtsvollzieher!" hauchte Fräulein Adelgunde. Wer? Der der Gerichtsvollzieher?" schrieen entsetzt Frau Maier und Frau Müller wie aus einem Munde. Fräulein Adelgunde holte tief Athem. Ja, ja. ja!" stieß sie fast kreischend hervor. Nun eigentlich im Grunde genommen daß der Gerichtsvollzieher oben beweist noch gar nichts!" Er siegelt!" stöhnte Fräulein Adelgunde und ließ ermattet den papillottengeschmückten Kopf auf die Brust sinken. Er siegelt!" echoten starr vor Entsetzen die beiden Anderen. Minuten, lang herrschte Todtenstille unter den Dreien. Eine solch' fürchterliche Thatfache wollte erst gehörig verdaut sein! Schränke, Kommoden, Spiegel. Tafeln, Tische Alles versiegelt!" kam es jetzt dumpf überFräulein Adelgunde's Lippen. Do soll aber gleich!" Frau Müller warf entrüstet den Kopf in den Nacken. Sagt ich es nicht immer, Hochmuth pommt vor dem Fall." Da ist nur der eitle Narr, die Kläre, schuld! Immer hoch hinaus! Immer nach neuester Mode! Nun hat man die Bescheerung! Ei, diese Schande!" Eigentlich, meine Damen," fiel Frau Maier ein und zog die Augenbrauen hoch, wenn ich es recht bedenke
die Leute aus der Nachbarschaft sahen sicher den Gerichtsvollzieher hereintreten! Nun bitte ich Sie, meine Damen! Können wir da nicht in falschen Verdacht kommen? Alle werden eher an uns arme, ehrliche Leute denken. Daß bei dem Amtsdiener gepfändet wird, glaubt kein Mensch! Aber ich werde gleich hinüber zur Gemüsefrau springen, ihr klaren Wein einschenken! In zehn Minuten ist dann die ganze Umgebung vom wahren Stande der Dinge unterrichtet!" Und ich werde mich Ihnen anschließen, beste Maiern! Sie trafen wie immer das Richtige!" Die Frau desAmtsdieners kam eben in Hut und Mantel die Treppe herab, bester Laune, wie es schien. Mit vernichtendem Höhne bohrten sich drei Augenpaare in das ihre. Ach, wie nett, daß ich die Damen treffe!" meinte sie freundlich. Meine Tochter Klara hat sich verlobt und möchte ich Sie bitten, als Hausgenossinnen an der heute Abend stattfindenden Verlobung theilzunehmen. Nicht wahr, ich darf auf Ihr Kommen rechnen?" Alle drei starrten völlig verdutzt einander an. Endlich ermannte sich Frau Müller. Na, ja! Eine Verlobung inmitten von versiegelten Möbeln! Das möchte interessant sein! Ich werde nicht verfehlen!" stammelte sie. Wer ist der Herr Bräutigam?" hauchte Fräulein Adelgunde ahnungsvoll. Gerichtsvollzieher Herr Auaust Petri!" entgegnete die Frau Amtsdiener. Meine Klara macht eine recht gute Partie! Er ist ein honetter Mann und die Kinder lieben sich schon lange! Also nicht wahr, meine Damen, heute Abend 8 Uhr? Und nun guten Nachmittag!. Ich habe noch dringende Einkäufe zu machen!" Ich werde sicherlich gehen!" unterbrach endlich Frau Maier das schreckliche Schweigen. Ganz mein Fall, beste Maiern!" lobte Frau Müller, auch ich gehe! Bei so netten Leuten! Ja, diese Klara! Ein schönes Mädchen! Ich sagte ja immer, sie wird nicht allzulange zu warten brauchen! Wo hatten Sie denn Ihre Augen, Fräulein Adelgunde?" wandte sie sich dann mit sanftem Vorwurf an die völlig Niedergeschmetterte. Ich bitte Sie, Siegel zu sehen, wo keine sind! Das ist denn doch " Meine leidige Kurzsichtigkeit," jammerte Fräulein Adelgunde. Irren ist menschlich!" tröstete nachsichtig Frau Maier und gedachte der vielen Irrungen, die sie selbst in diesem Punkte erlebt. Das wird einen vergnügten Abend geben, liebe Müllern; ich will nur eilends mein gutes Kleid ausbügeln! Bei einer Verlobung muß man respektabel aussehen! Auf Wiedersehen heute Abend!" Auf Wiedersehen!" ; Wenn man sagt: Die Welt spricht," ist diese oft nur ein altes siZeib.
Arabische. Von Valrska Gräfin BethustzHuc.
Es war der Sonntag vor Pfingsten. Der Bauer Solowsky war mit sein jungen Frau in der Kirche. Seine er wachsene Tochter aus erster Ehe, dit Rouja, saß in der Stube des altoberschlesischen, ganz aus braunen, mäch tigen Holzbalken zusammengefügten Hauses und fütterte den Franzischek, ihr Halbbrüderchen. Der dreijährige Blondkopf saß auf Roums Knieen, sperrte den rothen Mund auf wie ein hungriger Vogel, und strampelte dann, wenn er auf beiden Backen kaute, vor Vergnügen mit den drallen Bemchen. Das Haus stand an einem Abhang. Gleich hinter dem schmalen Garten sickerte der Bach, der in diesem an Regen armen Fruhmhr fast ausgetrocknet war, über das steinige Geröll hin, das er bei jedem Gewitterregen vom Berge herabbrachte; denn so harmlos das Wasser jetzt aussah, so wild und brausend konnte es werden, sobald derHimmel seine Schleusen öffnete. Jetzt stieg ein junger Bursche trockenen Fußes über das Geröll hin, bis er an dem niedrigen, blas eingefaßten Fenster des Holzhauses stand. Er drückte sein Geficht dicht an das Glas. Die Kröte von Jungen, murmelte er, wenn die nicht wäre! Rouja drehte dem Fenster den Rücken zu. Hast du genug, Franzischek? Der Junge nickte und lachte sie vergnügt und befriedigt an. So geh und spiele. Sie stand auf. Da sah sie Woitek hinter dem Fenster stehen. Sie wurde roth bis unter das hellblonde Haar, das sie sonntäglich glatt gescheitelt und in zwei festen Zöpfen im Nacken aufgesteckt trug. Jesus, Maria, murmelte sie, während sie der Thür zuschritt, denn das Fenster war noch vom Winter her mit Moos und Nägeln fest verschlossen. Der Oberschlesier von alter Art hält nichts vom Lüften. Was willst du, Woitek? redete sie den Burschen an, der ihr an der Thür entgegenkam. Dich, du weißt's doch! Der Vater leidet's nicht! Was kümmert's uns? Du willst mich, wie ich dich will, und der Vater hat mich von Kind an gekannt und hat immer was auf mich gehalten, bis der verdammte Junge, der Franzischek kam. an dem er einen Narren gefressen hat und dem er alles zustecken will. Damit der Franzischek mal mehr kriegt, sollst du nicht heirathen und sollst womöglich in's Kloster gehn. Ach, Woitek, der Vater hat ja schon mit der Frau Oberin gesprochen, und er und die Frau reden so viel, daß es doch so'n heiliger Beruf ist aber wenn ich daran denke, daß ich fort von hier sollte, und daß ich dich nicht wieversehen sollte und den Franzischek... Na, das hätte noch gefehlt, daß du mich und den Franzischek zusammen nennst! Aber er ist doch so ein kluges und gutes Kind. Und seitdem er da ist, wirst du wie eine Magd gehalten, in die Kirche kommst du nicht, zum Tanz kommst du nicht immer mußt du bei dem Bengel sitzen, während der Alte sich mit der jungen Frau amüsirt. Ich thu's doch gern, Woitek. Geh, geh. Du bist ein dummes Mädel, hast du denn den Franzischek lieber als mich? Sie schlang beide Arme um seinen Hals. Er riß sie ungestüm an sich. Siehst du wohl, daß du mich willst! Da erhob sich ein mörderisches Geschrei vom Rinnsal des Baches aus, daß Rouja sich erschreckt losmachte und mit dem lauten Rufe: Franzischek! durch den Garten eilte. Woitek folgte ihr mit einem bitterbösen Gesicht. Er sah, wie Rouja das Kind aufhob, das weinend zwischen den Bachkieseln lag. mit denen es gespielt hatte, wie sie die Schürze in das seichte Wässerchen tauchte und die blutige Schramme abwusch. die der Kleine sich geholt hatte; und das war ein Herzen und Kiissen. Ich hasse die Kreatur, murmelte der Woitek, ohne den Jungen wäre die Rouja langst mein Weib. Wenn er sich doch den Hals gebrochen hätte, der Schreihals! Von der Kirche her klangen die Glocken und verkündeten das Ende des Gottesdienstes. Rouja kam eilig die ausgetretenen Stufen herauf, die zum Garten führten. Geh jetzt, Woitek, bat sie, der Vater muß gleich zurückkommen, es ist besser, er sieht dich nicht. Woitek blickte finster vor sich hin. Ich hab's satt, das ewige Verstecken, gerade als meinte ich es nicht ehrlich. Sie hatte das Kind zur Erde gestellt und nahm Woiteks Hand. Sei gut, habe Geduld, und. Woitek. was ich dir schon immer sagen wollte, bitte. thue es mir zuliebe, setze mir keinen Maibaum vor die Thür zum Fest, ich weiß ja. wie du es meinst, aber der Vater ist so heftig, wenn er erst böse wird. . . . Mama! rief Franzischek und stolperte der Dorfstraße zu, auf der jetzt die heimkehrenden Kirchgänger sichtbar wurden. Geh, geh, bat Rouja und drängte Woitek die Stufen hinab. Und setze mir keinen Maibaum. Und Woitek ging, unzufrieden mit sich und mit Rouja. am meisten abei mit Franzischek. Eins aber stand fest bei ihm, den Maibaum würde er sich nicht nehmen lassen. Alter Sitte gemäß binden die jungen Burschen diesei Gegend eine Fichtenkrone an eine lange, mit Bändern und bunten Papierstreifen geschmückte Stange, die sie vor bet Thür ihrer Auserwählten in der Nacht, die dem Pfingstfest vorangeht, aufstellen. Und die längste Stange, deren er habhaft werden konnte, wollte Woitel
zu seiner Huldigung nehmen, daß man
selns Herzens Meinung weit und brel erkennen sollte. Wer aber am Pfingstmorgen nächs! Rouja den Maibaum zuerst bemerkte, das war Franzischek. Er krähte und muchzte, wahrend er sein Stumpfnaschen am Fensterglas platt drückte, bis der Bauer zu ihm trat, um nach der Ursache seiner Freude zu sehen. Rouja! rief der Bauer, und die Zornader schwoll ihm auf der Stirn. Rouja war zum Brunnen gegangen, um Wasser zu holen. Die Bäuerin, die am Herde das Frühstück bereitete, seufzte laut: Ja. ja, die jungen Leute! Der Bauer ging mit bösem Gesicht hinaus und trat seiner Tochter ent gegen. . Was ist das für ein Narrenbaum? Welcher Hundsfott hat ihn hergeschleppt? Rouja zuckte die Achseln und ging an ihm vorüber, ihre Wasserkannen, die sie an einem Holzjoch über den Schultern trug, balancrrend. Lauf nur, schrie der Bauer ihr nach, ich weiß allein, was ich zu denken habe. und nun wird's Zeit, daß ich ein letztes Wort mit dem Woitek rede. Er .holte die Azt hinter dem Ziegenstall hervor, ging auf den Maibaum an und zerhieb ihn in kleine Stücke. Die sammelte er in einen Holzkorb, setzte ihn auf eine Schubkarre und fuhr damit zum Hofe hinaus. Er fuhr bis vor das Haus, in dem der Woitek wohnte, und ließ ihn herausrufen. , Und kaum erschien er unter der Hausthür, da begann der Bauer seinen Korb zu leeren, indem er die einzelnen Scheite, an denen zum Theil noch Bänder und Papierfetzen hingen, über den Zaun warf, dem Woltek vor die Zsuße. Du kannst dein Brennholz behalten. sagte er dabei,- ich habe selber welches! Wenn du mir aber noch einmal solches Zeug bringst, da mach ich Knüppel da raus und zerhaue sie dir auf dem Rücken! Verstanden? Damit flog die letzte Holzladung polternd über den Zaun. Aber jetzt stand Woitek auch schon an des Bauern Seite, und er blickte weder freundlicher noch sanftc . - l 1 muimger oareln als oer Alte. Wenns nicht um die Rouja wäre, probirte ich gleich mal dein Brennholz als Knüppel, schrie er den Bauern an, und ich denke, meine Arme nehmen es mit deinen schon lange auf! Aber weils um die Rouja ist und du der Vater dazu bist, sage ich es dir ,noch einmal im guten: richte uns die Hochzeit aus, und ich will dein Brennholz da vergessen! Ich, die Hochzeit! schrie der Bauer dagegen; was denkst du dir denn? Da sehe mir doch einer diesen Habenichts, dieses Hundeblut an! Ich bin kein Hundeblut, ich bin ein ehrlicher Arbeiter, und ich verdiene in der Fabrik täglich zwei Mark fünfzig Pfennig, und nächstens komme ich auf drei Mark. Da kann unsereiner schon lange heirathen, und ich will heirathen. und ich will die Rouja heirathen, und wenn du noch zehn solche Zuckerbengel hast wie den Franzischek, den verwünschten Rangen, dem du alles zustecken willst und der nur schuld ist. Bis hierher hatten Woiteks Wirthin und einige Nachbarn, die sich als Zuschauer eingesunden hatten, noch oie Einzelreden verstehen können, aber nun begannen die Streitenden zu gleicher Zeit aufeinander loszuzanken, und dem wüsten Larm waren am Ende doch Thätlichkeiten gefolgt, wenn die Nachbarn sich nicht darein gemischt und sie getrennt hätten. Ein Theil brachte den Solovsky auf den Heimweg, der andere hielt den Woitek vor seiner Thür fest; die Männer lachten, die Frauen bekreuzten sich, denn gerade begannen die Glocken zur Kirche zu lauten und erinnerten daran, daß es sündhast sei, den Pfingstmorgen mit Zank und Streit zu beginnen. Ueber die Dorfstraße daher aber fegte ein scharfer Windstoß und wirbelte weißen Staub vor sich her, und über demBergrücken hinter dem Dorf stieg dunkles Gewölk auf. Vorigen Sonntag war schon eine Procession zum Wallfahrtsort auf dem Berge hinaufgestiegen und hatte um Regen gebeten. Nun standen die Leute vor der Kirchthür, sahen nach den Wolken über dem Berge und nickten einander zu. Diesmal kommts, der liebe Gott hat ein Emsehen. Und es kam noch während des Gottesdienstes. Der Regen, der so lange auf sich hatte warten lassen, ergoß sich nun in vollen Strömen, daß die Dorfstraße schon nach einer Stunde einem gelben Fluß glich und die Leute Mühe hatten, nach Haufe zu kommen. Woitek war an diesem Morgen nicht ausgegangen. Der Auftritt mit Roujas Vater hatte ihm die Lust dazu verleidet. Am Nachmittage, als der Regen aufgehört hatte, verließ er endlich das Haus. Allenthalben riefelte das Wasser in Rjnnen und Gräben, und vom Berge herab rauschte - und brauste es in gelben Wassermassen, wo nur ein Weg zu Thale führte. Der Bach war stark angeschwollen, das Wasser schäumte und brodelte ordentlich um die Steine, die im Rinnsal lagen. Mißmuthig ging Woitek zwischen all dem Rauschen und Nieseln dahin. Er fühlte, sein letztes Wort mit NouiasVater warnoch nicht gesprochen. Aber es war nun Zeit dazu, und einen vernünftigen Grund, ihm die Tochter zu verweigern, hatte der alte Solowsky nicht. Woitek, der auf die gesunde Kraft seiner Arme vertraute, meinte, er könne wohl sein Weib allein ernähren, und erwog, ob es nicht ausschlaggebend bei dem Alten sein sollte, wenn er erklärte, er verlange keine andere Mitgift, als was der Bauer seiner Tochter auch in's Kloster hätte mitgeben müssen, und er wolle im Uebrigen verzichten. Ihm wäre es recht gewesen wenn er nur die Rouja hatte, und wenn sie eine arme Magd gewesen wäre, er hätte sie genommen. Aber dann fiel ihm wieder der Franzischek
ein, wegen deS Jungen sollte die Rouja verzichten auf das, was ihr zukam? Der Zorn stieg wieder heiß in Woitek auf. Nein, und tausendmal nein, dem Jungen wich er nicht. Drüben, auf der andern Seite des Baches stand das Holzhaus Solowskys Woitek hatte unwillkürlich diese Richtung eingeschlagen. Da sah er hinüber, da klangen dumpfe Schläge vom Solowsky-Hofe, dazwischen ein Schreien von Weiberstimmen. Dann wieder die Schläge, als ob Holz gehackt würde. Arbeiteten sie drüben, heute am Feiertage, und zankten dabei? Woitek konnte nicht klug daraus werden. Als der Bauer Solowsky am Morgen mit seiner leeren Schubkarre nach Hause gekommen war, hatten die Glocken zur Kirche geläutet. Solowsky hatte noch nicht gefrühstückt, er war
verärgert und war auch noch nicht zur Kirche angezogen. Die Frau und die Rouja standen in Feiertagskleidern vor der Thur und weinten, aus ver schiedenen Gründen, aber mit gleicher Ojtcntatlon. Franzischek spielte ver gnügt in der Ofenecke mit des Vaters Holzschuhen. Geht in die Kirche, marsch, schrie Solowsky die Weiber an, ich will mein Frühstück und meine Ruhe! Macht, daß ihr fortkommt, und ich will nichts mehr hören! Da gingen die Beiden, und der Alte blieb mit dem Kinde zu Hause. Solowsky holte aus dem Strohsack seines Bettes eine Flasche hervor. Das war ein besonders seiner Tropfen, den hatte der Wirth des Kretschams ihm neulich aufgeschwatzt. Nun wollte er prüfen, was daran war. Die Prüfung fiel zu seiner Zufriedenheit aus. Das Wässerchen wärmte angenehm im Magen, schmeckte gut und man kam dabei auf andere Gedanken. So saß der Alte bald seinen Aerger vergessend bei der Flasche. Ab und zu sah er nach dem Franzischek, und, weil das Wässerchen ihm gar so gut schmeckte, gab er auch dem Kinde davon zu kosten. Aber Franzischek verzog sein Mäulchen, schüttelte sich und lief zurück zu seinen Holzschuhen. Solowsky lachte: Warte nur, wirst du erst größer, wirst du auch klüger." Als die Frauen zurückkehrten, war die Flasche leer und Solowsky ging von der stillen Vergnüglichkeit, in der er sich zuletzt befunden hatte, bei Roujas Anblick plötzlich zu einer anderen Stimmung über. Er zankte und wetterte, und als sie widersprach, sperrte er sie in eine Bodenkammer ein, in der sie gerade ihren Sonntagsstaat, den der Regen durchnäßt hatte, aufhängen wollte. Nachdem er erst Geschmack daran gefunden hatte, den Herrn zu spielen, setzte er die Uebung seiner Frau gegenüber weiter fort, und als diese in ihrem Widerspruch noch eneraischer wurde als Rouja und ihm seine Trunkenheit vorwarf, über die er vergessen habe, das Vieh zu füttern, da stieß er sie in den Stall, schloß dieThür hinter ihr und steckte den Schlüssel in die Tasche. Nun stimmte er ein Lied, das er noch von seiner Soldatenzeit her behalten hatte, im Ton eines Streit- und Siegesgesanges an, suchte alles, was noch trinkbar im Hause war, zusammen, und trank Schnaps und Bier, bis er zwischen den leeren Flaschen. den Kopf auf den Tisch gelegt. fest einschlief. Franzischek hatte, inzwischen Semmel und Pfefferkuchen, die Rouja ihm beim Fortgehen zugesteckt hatte, aufgegessen und die Holzschuhe hatten für ihn den Reiz der Neuheit verloren. Er sah sich nach einem neuen Spielzeug um. Der Vater hatte die Thür offen gelassen. Franzischek schlüpfte. hinaus und es machte ihm großes Vergnügen, draußen in den Wasserpflltzcn. die der Regen zurückgelassen hatte, herumzupatschen. Gerade als Woitek meinte, es sei seltsam, daß man drüben am Feiertage offenbar Holz hackte, entdeckte Franzischek das neue Spiel in den Wasserpfützen. Und plötzlich sah Woitek. wie die halb offene Brettcrthür des Gärtchens aufgestoßen wurde und wie eine kleine Gestalt sich dazwischen schob und begann, die Stufen. die zum Bach führten, hinabzuklettern. Woitel erkannte sofort den Blondkopf Franzischeks. Der Vengel. murmelte er. und allein, aus den schlüpfrigen Stufen, und darunter der wildschäumende Bach. Blitzschnell zog es an seinem Geist vorüber, wie oft er qehört hatte, daß ein Kind bei solchem plötzlichen Hochwasser ertrunken war, und eine wilde Freude gährte in ihm auf. Der Himmel hatte ein Einsehen, er würde den ZVrannschek, den er o überflüssigerweise in das Blockhaus geschickt hatte, aus Woiteks Wege räui , fiMCN. auerno ouaie er ginuoci. jiciu Mensch lieft sich sehen, und er. der Woitek. würde gewiß nicht rufen und warnen. Franzischek. kletterte, rückwärts kriechend, die Stufen herab, abwechselnd mit den bloßen Beinen strampelnd und vergnügt mit den Händchen auf die nassen Stufen patschend. Wie geschickt der Bengel war! Er kam wahrhaftig ohne auszugleiten bis hinunter. Woiteks Augen waren weit geöffnet in fieberhafter Erregung. So eine Kröte, murmelte er, so eine Kröte. Franzischek stand jetzt am Bach und sah sich das schnellfließende Wasser erstaunt an. Er hob einen Stecken auf. der an's Ufer gespült war, und begann damit auf das Wasser zu schlagen. So recht, murmelte Woitek. schlag nur. bis du selber 'rein fällst. Ich rühr' gewiß keinen Finger um dich wenn nur kein Anderer kommt. Scheu blickte er um sich. Aber weit und breit war keine menschliche Gestalt z'.l erkennen. Als er die Augen wieder Franzischek zuwandte, stand der Junge im Wasser und griff nach vorübertreibenden Aesten und Holzstucken. Recht so, recht so, murmelte Woitek der Athem stockte ihm vorSpannung. letzt mußte es ja geschehen wenn nur keiner dazu kam! Wieder sah er prü
send' um sich da ein Schrei ein Plätschern es fuhr dem Woitek wie ein kaltes Eisen durch die Glieder. Er schauerte zusammen. Endlich, stöhnte er, endlich! Vom jenseitigen Ufer war Franzischek verschwunden, aber dort in dem wirbelnden braunen Wasser tauchte sein Blondkopf auf, und der Bach trug ihn mit rasender Schnelligkeit einem großen Steinblock zu, der mitten im Rinnsal lag, und au dem die kleine Gestalt zerschellen mußte. Und in rasender Schnelligkeit, wie die Wasser des Baches,, überstürzten sich die widersprechcndsten .Empfindungen in Woiteks Seele, und plötzlich stand er mitten drin in dem wirbelnden Wasserstrudel und kämpfte sich durH mit Einsetzung aller Kräfte, und ehe Franzischek den Felsblock erreichte, hatten Woiteks Arme ihn aufgefangen. Und weiter kämpfte er sich durch
die Zähne zusammengebissen, das Kind fest im Arme haltend, bis sie beide außer Gefahr waren am jenseitigen Ufer. Du infamer Bengel du! brummte Woitek und drückte das Kind fast zärtlich an sich. Das lag mit geschlossenen Augen und blassem Gesichtchen auf seinem Arm und Woitek packte plötzlich die Angst, daß es todt sein könne und daß er sich dann wie sein Mörder vorkommen würde. Er lief, so schnell seine Füße ihn tragen konnten, dem -Block-hause zu. Dort wurde es jetzt lebenbig. Vorübergehende Nachbarn hatten das Klopfen und Rufen der gefangenen Frauen gehört und hatten sie befreit. Sofort war Franzischek vermißt worden und Solowsky hatte sich schnell ernüchtert, als man ihm zurief, das unbewachte Kind sei sicher zum Bach hinabgelaufen und ertrunken. Mein Kind, mein Kind, mein Franzischek! heulte der Bauer und lief durch den Garten. Da stieg der Woitek die Treppe hinauf, triefend und frostschauernd und hielt ihm den geretteten Franzischek entgegen, der gerade die Äugen aufschlug. Da hast du ihn, ertrinken konnte ich ihn nicht sehen, aber nun gib mir die Rouja dafür! Solowsky nahm seinen Jungen in die Arme und dicke Thränen liefen über seine Backen, er schluchzte wie ein Kind. Franzischek, mein Franzischek! Meinen Dank will ich! rief Woitek. Du kannst das Aufgebot bestellen! sagte Solowsky und trug seinen Jungen in das Haus. Hurrah. der Franzischek soll, leben! rief Woitek, und er vergaß seine durchnäßten Kleider so sehr, daß er die Rouja an sich drückte. Sie hat sich auch nicht gewehrt. Wenn die Vosen ölüyn. Von . ?Zr. Als Hedwig Sarko durch einige liebe Freundinnen" erfuhr, daß ihr Mann, der Dichter Fritz Sarko, ihr nicht die Treue hielt, sondern sich mit einer Schauspielerin dritten Ranges eingelassen hatte, da war es ein harter Schlag für sie. Nun aber, nachdem die erste Erreauna vorüber, beherrschte sie nur der Wunsch, den Skandal einer Scheidung zu vermeiden, und er bestimmte sie dazu, trotz aller Bitten um Verzeihung, welche Fritz an. sie richtete, zu ihrer Mutter überzusiedeln. Vor allen Dingen wollte Hedwig alles thun, um ihre Privatangelegenheiten nicht von dem großen Bekanntenkreis durchgehechelt zu sehen, wie das besonders dann der Fall ist, wenn die betreffende Persönlichkeit sich aus der großen Menge durch Rangstellung oder Talent abhebt. Im innersten Herzen war auch trotz der Kränkung, die ihr widerfahren, die Liebe zum Gatten noch geblieben, und sie dachte: Warum foll man den Menschen zeigen, daß ihr Dichter, der ihnen so sympathisch ist, dessen Talent von allen bewundert wird, dessen Gedichte in aller Mund sind, nur ein schwacher und sehlerhafter Mensch ist, wie alle anderen wozu den lieben Collegen" di Gelegenheit geben, mit ihren Glossen über ihre sprichwörtlich gewesene, glückliche Ehe herzuziehen?... Hatten sie nicht genug davon in den Zeitungen geschrieben, und würden sie sich nun eine so günstige Gelegenheit entgehen lassen? Nein, sicherlich nicht! Um jeden Preis mußte der Name des Dichters, unantastbar der Öffentlichkeit gegenüber, weit über alle Alltäglichkeit erhaben dastehen: Das hatte die in ihrer Frauenwürde Gekränkte sich als Richtschnur ihres Handelnsgesetzt. Fritz Sarko that alles, um die Gattin zur Rückkehr zu bestimmen. Vergebenes Bemühen! Hedwig blieb unerbittlich bei ihrem einmal gefaßten Entschluß; ganz verzweifelt vertiefte der Dichter sich in seine Arbeiten, und suchte Diejenige zu vergessen, welche,, das wußte er wohl, die Muse seiner schönsten Schöpfungen gewesen war. Er bewohnte in Lichterfelde ein klcines Haus, das rings von Gärten umgeben war. Eines Morgens, es war ein schöner Junitag, saß Fritz schon in frühester Morgenstunde über seiner Arbeit; von seinem Platz aus sah er die großen Kastanienbäume, unter deren Schatten Hedwig sonst gern mit ihrer Handarbeit gesessen, ihm so manchen Handkuß zugeworfen hatte. Fritz hatte die Feder aus der Hand gelegt; eine Fluth von Erinnerungen überkam ihn da fiel sein Auge zufällig auf den Kalender der 22. Juni! Der Dichter fuhr zusammen das Datum rief ihm einen der glücklichsten Tage der Vergangenheit zurück. . . . Ein 22. Juni war es gewesen drei Jahre lagen dazwischen wenige Tage nur nach ihrer Hochzeit, da hatte er mit seiner Hedwig einen Ausflug gemacht. . . . Oh, wie genau er alles wußte! Hedwig trug einen kleinen Matrosenhut, der ihr entzückend stand, und die Vorübergehenden sahen dem
hübschen, jungen Paar, das so gut zusammen paßte, vollBewunderung nach. Er, groß und schlank, sie zierlich, graziös, und beide so glückstrahlend. Sie hatten den ersten Zug benutzt, der gerade abging, und waren in Potsdam ausgestiegen. Dann hatten sie in einem kleinen Restaurant gefrühstückt .... in einer altmodischen Laube war es gewesen. Nach der Mahlzeit waren, sie fortgewandert. Arm in Arm nach Charlottenhof zu, das wie ein großer Rosengarten da lag. Und da Hedwig in helles Entzücken über die Blumen- j Pracht gerathen war, da hatte er beis einem Gärtner einen großen Strauß herrlicher, frischer Rosen schneiden las-; sen. Leider hatte sich der Himmel dann bewölkt; große, schwarze Wolken waren am Horizont aufgezogen, sie hatten umkehren und in dem RestaurantSchutz suchen müssen. Dort hatten sie j sich im Garten in eineLaube gesetzt und ' waren den ganzen Nachmittag dort ge-' blieben .... rasch genug war ihnen die Zeit, trotz des monotonen Geräusches, das die Regentropfen auf dem Dach i der Laube vollführten, vergangen. Sie hatten sich so viel zu sagen gehabt und hatten doch fast schweigend, Hand in Hand, zusammengesessen. Und dann waren sie Abends nach Lichterfelde zurückgefahren, Hedwig mit einem großen. Rosenstrauß, an dem die hellen Regentropfen wie Perlen geschimmert hatten. Fritz erinnerte sich jetzt ganz genau, daß sie denStrauß damals in sein Arbeitszimmer gestellt, und daß er sich noch tagelang an dem Duft erfreut hatte. Und während der Dichter an all daS dachte, traten ihm die Thränen in die Augen vorbei war das alles! Hedwig würde ihm den Fehler, für den er schon so schwer gebüßt, nie verzeihen! Plötzlich wie von einer Eingebung getrieben, sprang er auf. Der heiße Wunsch überkam ihn, den kleinen Garten bei Potsdam wiederzusehen und dort allein noch einmal die schonen Stunden zu durchleben, die ihm so in der Erinnerung geblieben! ... Potsdam" riefen die Schaffner. Sarko verließ den Zug. In tiefem Sinnen schritt er den Weg dahin, in der Richtung auf das Wirthshaus zu, welches er in der Entfernung schon erkannte In Gedanken und Träumen verloren, ging er vorwärts, und ein Gefühl grenzenlose? Traurigkeit überkam ihn hier, wo alles von unwiederbringlich verlorenem Glück sprach. Da plötzlich fuhr er zusammen. Vielleicht 100 Schritt vor ihm schritt eine Frau in dunkler Kleidung, die einen großen Rosenstrauß trug, auf das Wirthshaus zu . . . Fritz blieb stehen... seine Schläfe pochten . . . war es Einbildung? Aber nein, die Frau, wie sie da so vor ihm ging in dem hellen blendenden Sonnenschein, glich Hedwig. Das war ihre Kopfhaltung, ihr graziöser, wiegender Gang . . . Der Dichter ging schneller vorwärts und holte die Frau vor sich in dem Moment ein, als sie die Gartenpforte öffnen wollte. Hedwig!" Fritz!" kam es zu gleicher Zeit. Da standen die Beiden sich gegen-
über, er. in einer Erregung, der er nicht Herr werden konnte, sie, ihn mit ihren schönen, dunklen Augen ernst anfehend. Oh!" begann er, das ist ein höherer Wille, der mich hierhergeführt hat! Ich war mit der Absicht gekommen, um das Fleckchen Erde wiederzusehen, auf dem wir so glücklich zusammen waren! Es fehlte nur mein Schutzengel, nur die Frau, welche die Seele meines jetzt verödeten Heims gewesen! Ich danke Gott, der mir diesen Moment des Glücks gewährt, er weiß, was ich seit dem unseligen Tage gelitten habe." Er hatte den Arm um Hedwig geschlungen, und mit sanfter Gewalt zog er sie mit sich in die Laube dann wies er mit dem Finger auf eine Schwalbe, die einen Strohhalm im Schnabel, durch den blauen Azur dahergeschwirrt kam, und sagte: Sieh, die Schwalben kehren in ihr altes Heim zurück! Willst Du es ihnen nicht nachthun? Gestehe es! Unsere Liebe ist nicht todt! Du bist auch nur hierhergekommen, weil Dich die Erinnerung daran gepackt hat! Und darum trägst Du den Rosenstrauß! Hedwig. sag mir, daß ich recht habe! Sag mir, daß Du mir verzeihen willst, und daß mit Dir in mein Haus wieder die Sonne einziehen soll!" Sie sah ihn an, lange mit innigem Blick, bewegt von seinen flehenden, bittenden Worten. Dann sagte sie mit leisem Lächeln: Fritz, Du bist ein berllhmter Dichter; aber die.Herzen der Menschen kennst Du doch nicht ganz genau .... für mich soll ich die Rosen hier gewollt haben? ... für mich? . . . nein, sie waren von Anfang an für Dich bestimmt ich wußte, daß Tu kommen würdest Ich wollte sie bereit halten .... und nun können wir sie zusammen heut Abend heimtragen!" Neuer Verein. Erster Student: Ich bin Mitglied des Vereins für abstincnte Academiker geworden, dieSauferei ist mir doch endlich zu theuer 'geworden!" Zweiter Student: Na. was trinkst Du jetzt? Du kannst, doch ohne etwas Nasses nicht leben!"' Erster Student: Wasser natürlich nur aiia pura!" Zweiter Student Da heißt Euer Verein wohl Veri--nigung der Aquademiker" !" Beim Hei rathsvermittI e r. Dame: Also bitte ich habe eine complette Aussteuer, keinen Anlhang und habe das dreißigste zurückgelegt." Vermittler: Ja, pinn Sie nichts anderes zurückgelegt haben, wird sich wohl nichts machen lassen Ein G ries grämiger. Ehemann: Ich begreife nicht, warum Du vor jedem Schaufenster stehen, .bfcibst . . . Habe ich Dir schon jemals etwas aekauft?"
