Indiana Tribüne, Volume 22, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1899 — Page 7

Alk Keil.

! Ein Nadfalzrerhumoreske von T. Resa. Ich kaufte mir ein Nad. Wer Lust hat, sich auf das Eklatanteste von der Bosheit der leblosen Dinge" zu überzeugen, dem rathe ich, hinzugehen und desgleichen zu thun. Ich bin noch heut fest überzeugt, daß mein Rad einen Willen hatte, denn was ich auch immer wollte, wir stimmten niemals übereilt, und jedesmal setzte das Rad seinen Willen durch und brachte mich, seinen unglücklichenHerrn, in die denkbarsten Ungelegenheiten oder gab-mich schonungslos der LächerlichZeit preis. Schon während ich lernte, war ich der Abscheu meines Lehrers und die ganze Freude meiner Lerngenossen. Nie ging es in der Rennbahn so lustig zu als wenn ich Stunde" hatte; die anderen konnten dann gewöhnlich nicht fahren, theils weil es lebensgefährlich war, theils weil sie wie eine Reihe boshafter Krähen an den Seiten herumsafcen und vor Lachen krächzten. Zwischen meinem Lehrer und mir begann dann eine für. mich höchst peinlicheKabalgerei, denn so wie er mich los ließ, fuhr ich sofort auf ihn zu und erreichte immer einen ungewollten Erfolg; entweder riß ich ihm den Rock vom Leibe oder fuhr ihm über die Zehen oder attackirte ihn trotz seines Flüchtens auf das Verabscheuungswürdigste. Das heißt, der Dämon, mein Rad that dies alles, ich selbst hatte keinerlei Theil an der bösen That. Vollkommen zerknirscht und den Edlen immer wieder um Verzeihung bittend, verließ ich dann die Bahn, verfolgt von dem schallenden Hohngelächter der Genossen und spießruthenlaufend durch eine Reihe Zaungäste", welche, die Nasen platt an die Astlöcher der Holzbude gedrückt, meine Niederlagen registrirt hatten und sich grinsend in die Seiten pufften, wenn ich durch sie hindurch mußte. Sicher wäre ich der Sache bald überdrüssig geworden, denn an meinem ganzen Leibe gab es kaum ein Fleckchen, das von den Küssen der Mutter Erde nicht grasgrün oder violett geschimmert hätte, doch mich hielt ein starker Beweggrund. Ou est l;i feinnie?" ist ein bekanntes Juristenwort, und auch hier war es eine Frau oder vielmehr ein Fräulein, um die ich taglich von neuem den Kampf mit dem Drachen wollte sagen Rade" aufnahm. Ella radelte. Fast jeden Morgen fuhr sie auf einem blitzblanken, weiß lackirten Rad die Promenade hinaus, und ich, der im Ballsaal zu schüchtern gewesen war. mich der heimlich Angebeteten zu erklären, hoffte in der Ungezwungenheit und dem Alleinsein in der Natur, mir ein Herz zu fassen. Vielleicht kam mir eine Gelegenheit dabei zu Hilfe, sie konnte fallen,und ich würde sie auffangen, sie konnte belästigt werden, und ich konnte sie befreien. Vorläufig allerdings fiel ich, und meine Kunst hätte ihr, statt Thränen der Angst zu trocknen, eher Thränen des Lachens entlockt. Aber das sollt- schon alles anders werden. Alles Ding hat ein Ende, also auch meine Lehrzeit. Nachdem ich in der Bahn leidlich fahren konnte und mein Probestück im Abenddämmern auf einsamer Landstraße leidlich bestanden, -wurde ich losgelassen", allerdings mit dem dringenden Rath, noch Wochenlang auf wenig belebten Wegen zu uoen. An einem Sonnabendmorgen im wunderschönen Monat Mai machte ich meinen ersten Ausflug. In wehmüthiger Erinnerung an die ernsten Warnungen meines Lehrers wollte ich den sehr belebten Platz, in dessen Nähe ich wohnte, vermeiden und. ihn nur seitwärts streifend, eine stille Gasse zur Ausfahrt benützen. Das wollte ich! Mein Rad aber wollte anders, und zu meinem betrübten Erstaunen trug es mich mitten über den Platz. Wie Gott will", dachte ich ergebungsvoll, wenn es mir nur gelingt, der Pferdebahn auszuweichen, dabei fuhr ich schon schnurgerade auf sie zu, es mußte rein mit Hererei zugehen. Die Insassen des vollgestopften Wacens schrieen, der Kutscher vollführte Vat Läuten einen Höllenspektakel, alles umsonst; Gott, ich wäre ja so gern ausgewichen; im nächsten Moment flog ich mit furchtbarer Vehemenz dem braven, dicken Scbimmel, der vorgespannt war, an denHals und hielt ihn fest umklammert. während ihm mein Rad in die Beine fuhr. Die Leute schrieen, fluchten und verwünschten mich, der Schimmei", das brave Thier, stand zum Glück still, obgleich es zitterte und bebte, der Kutscher fluchte, der Schaffner fluchte, und Beide pufften und knufften mich von dem Pferd weg und wieder auf die Beine. Tann fuhr der Wagen weiier, ein paar Radfahrer flogen m',t lachendem Alles heil?" an mir vorüber, und du Umstehenden, die mit Schimpfen, mißbilligendem Kopfschütteln und verächtlichemAchselzucken sich reichlich bei der Affaire betheiligt hatten, verzogen sich, nicht ohne mir anzügliche Redensarten nachzurufen. Ich saß auf und fuhr weiter. Diesmal gelang es, in eine stillere Gasse zu kommen. O Gott, da öffnet sich plötzlich ein Thor, und wie eine Horde Wilder stürzt eine Schaar Schuljungen in die Freiheit. Wenn das mein Rad nur nicht übel nimmt! ch fahre im schnellsten Tempc, schon verklingt das Schreien und Johlen hinter mir, da mit elegantem Bogen fahre ich gerade über ein kleines weißbuntes 5iätzchcn. das zu Füßen eines unglaublich dicken Metzgermeisters friedlich im Sonnenschein spielte. Es mauzte blos noch einmal jämmerlich, dann streckte es alle Viere von sich. Der Metzger sprach kein Wort. .Er sah mich blos an. In diesem Blick

svracb mebr Verachtuna und Hohn als

Bände ausdrücken könnten. Ich stand mit abgezogener Mutze wie ein oegoiiener Pudel vor ihm. die Ohren brann ten mir vor Scham. ..Es tbut mir schrecklich leid." stammelte ich. ich hab's wahrhaftig nicht mu Willen gethan Wenn ma halt noch nit fahre kann," begann der Metzger. Ich kann, ich kann sehr gut", log ich frech. Aber die Sonne blendete mick. und da sab ick das Thierchen nicht ; sehen Sie. so leid es mir auch ist. lebendig kann ich das Miezel nicht mehr machen; kommen Sie, trinken Sie 'ne gute Flasche Wein mit mir. dann vergessen wir das Malheur!" Der Metzger nickte mehrmals würdevoll; viel sprechen, schien seine Sache nicht. Dann band er die weiße Schürze ab, deutete auf ein 5)aus und meinte zwinkernd: Der Värenwirth hat den besten!" Wir gingen also zum Värenwirth. Der Wein war hübsch theuer, aber wenigstens war er gut. Mein Dicker trank dreiviertel der Flasche und thaute dann etwas auf. Er meinte dann, nun müsse er wieder ins Geschäft, und er danke auch schön. Darauf schloß er ein Auge, schlug mich derb auf die Schulter, und seinem Mund entquollen die denkwüreigen Worte: 'Wenn ma jetzt müßt', wen das lausige Vieh gehört hätt'!" Was die Katze gehörte mcht Ihnen?" schrie ich. I wo?" meinte er gemüthlich. J.'tzt macht halt, daß hr fortkommt, ey' Skandal wird, wenn der Eigenthümer kommt."' Geknickt bestieg ich mein Stahlroß; so was kann blos mir passiren. Drei Mark kostete der Wein. Abgesehen davon, dc.z mich nachher noch ein Schutzmann aufschrieb wegen todesgefährlichen Fahrens" und daß ich in einen Korb Eier fiel, den ich mit sechs Mark zu bezahlen hatte (das Schimpfen der Eierfrau war gratis), kam ich ohne weiteren Unfall, endlich endlich! auf die freie Landstraße. Mein Nad hatte große Lust, die weißen Chausseesteine als Hindernisse zu betrachten und zu nehmen"; auch wollte es mich gern an den Ebereschenbäumen abladen. Aber diesmal setzte ich mannhaft mit schöner Energie meinen Willen durch, und einen ganzen Kilometer fuhr ich ohne Abenteuer. Da sauste mir etwas entgegen. Sah ich recht? Ella auf ihrem Nad mit allen Zeichen des Entsetzens, den rothen Hut im Nacken. Und dann sah ich hinter den Büschen ein schnaubendes Ungeheuer, das sie mit gesenktem Haupt verfolgte. Der Bulle hatte den rothen Hut wohl übel genommen. Die große Gelegenheit war da! Der Bulle nahm den neuen Gegner an, er pflanzte sich mit auswärts gestemmten Beinen auf und hielt mir, in der liebenswürdigen Absicht, mich zu spießen, die Hörne?,' entgegen. In diesem Augenblick war alles vergessen Liebe, Heldenmuth, Gelegenheit ich hatte nur einen Gedanken: Flucht. Schnell vorbei und ins Weite; mochte kommen was wollte. Das wollte ich. mein Rad wollte anders. Es führte mich im tVnipo allerio sui-ioso gerade dem schnaubenden Höllenrachen entgegen. Im nächsten Augenblick flog ich hoch in die Luft und landete im eleganten Bogen auf einem Ackerfeld. Von allen Seiten eilten Landleute zu Hilfe, und ihren vereinten Kräften aelana es. das wüthende Thier zu fesseln, das unterdessen mein Rad als Fangball benützt und es dann zertrampelt hatte; nett sah es aus. Nachdem sie den Bullen hatten, stellten sie sich bewundernd vor mich. Donnerwetter. das war gehupft!" meinten sie mit höchster Anerkennung. Mir war noch etwas dumm im Kopf, deshalb blieb ich sitzen, auch als eine schlanke Gestalt herbeieilte, weinend bei mir niederkniete und mir tausendmal dankte, daß ich ihr durch meinen todesmuthigen. tollkühnen Wagemuth (hier spitzte ich die Ohren!) das Leben gerettet habe. In meinem Dusel drückte ich sie an's Herz und versicherte ihr. daß ich gern hundert Räder und hundert Leben für sie hingeben würde. Sie küßte mich wieder, und stolz an Ella's Arm humpelte ich bis zum nächsten Ort, von wo uns ein Wac,.i als Brautpaar der .Heimath zutrug. Das Rad war. Gott sei Dank, unreparirbar. Ella wollte nicht mehr fahren, sie hatte zu arge Angst ausgestanden. Ihr zu Liebe verzichtete auch ich. doch mein Ruf als schneidiger, tollkühner Fahrer sieht seitdem sest. Im Vcsstz des- lieblichsten Vräutchens rufe ich allen Mitbrüdern ein jubelndes All Heil!" zu. Der kluge Bauer. Der Krauthofbauer hat auf dem Wochenmarkte ein Ferkel gekaust und beabsichtigt nun. zur Heimfahrt die Eisenbahn zu benützen. Als er indessen frohen Muthes einsteigen will, bedeutet ihm der Schaffner, daß er das kleine Borstenvieh nicht in's Coupu' mitnehmen dürfe. Verlegen kratzt sich das Bäuerlein hinter'm Ohr. Da erblickt es auf dem Vahnstieg einen alten Bekannten, der für ein paar gute Worte das Schweinchen an sich nimmt, um es seinem eingestiegenen Besitzer im Augenblick, als der Zug abfährt, wieder zu überreichen. Und der Krauthofbauer dampft dergnügt schmunzelnd heimwärts und hält während der ganzen, nicht allzulangen Fahrt das Schweinerl zum Coupfenster hinaus. Mancher hemmt sich den Fortschritt dadurch, daß er keinen stillstand kennt. Freude kleidet jeden Menschen gut.

Vcrgeliuttg. Von E. Bcrger. Doktor, weshalb quälen Sie mich so grausam? Was wollen Sie denn missen? Ach, ich kann es Ihnen nich sagen, ich kann nicht!" Die Frau, welch: diese Worte gesprechen, war von ihrem Sitz aufgesprungen und stand nun mit zvsammengekrampften Händen vor dem Arzt. Ihre Gestalt wankte und erschauerte wie im Fieber. Doktor V:lten schüttelte den Kopf. Nein, nein, Sie verstehen mich nicht, Frau Irma! Der Arzt und der Freund zugleich mahnt Sie, Ihre Seele zu erleichtern. Sie werden Nach und nach Ihren Seelenschmerzen erlicgen, wenn Sie fernerhin alles in sich verschließen!" Die junge Frau hatte ihm stumm zugehört, dann ging sie hastigcnSchrittes durch das Zimmer und stand bald darauf wieder vor ihm. Doktor!" rief sie mit versagender Stimme aus. Ist es denn etwas so Seltsames, daß ich den Tod meines Knaben nicht in Ruhe und Ergebung hinnehmen kann? Er war, seit ich Wittwe geworden, mein Einziges, mein Liebstesuf der Welt." Haben Sie immer so leidenschaftlich an Ihr Kind gedacht? Nein. Frau Irma! Am Krankenbette Ihres Knaben haben Sie gesessen, die Pflicht de; Pflegerin haben Sie erfüllt; das ist wahr. Aber haben Sie den Knaben wie eine Mutter gepflegt? Haben Sie ihn nur'einmal mit jenem Blick ängstlicher Liebe angeschaut, der nur einer Mutter eigen, ihm nur . ein einziges Mal sein fieberhaftes Gesicht gestreichelt oder ihn in Ihre Arme genommen und ihn geküßt? An seinem Todtenbette standen Sie düsteren Blickes, aber eine gramgebeugte Mutter waren Sie nicht. Mas hatte der Knabe verschuldet, was Ihnen angethan, das Sie, die Weiche. Nachsichtige, so verändern konnte?" Doctor Welten faßte beide Hände der starrblickenden Frau und führte sie zu einem Sessel. Mein Sohn wa? ein Dieb! Der Junge nahm mir Geld, um sich Süßigkeiten dafür zu kaufen. Er war zwölf Jahre alt, also kein kleines Kind mehr, und mußte wissen, wie ehr-

los seine Handlung sei. Ich ertappte ihn bei dem Diebstahl. Er bat slehentlich, ihn nicht zu strafen. Nun, geschlagen habe ich ihn nicht. Alle Zärtlichkeit, alle Liebe zu ihm verwandelte sich in steinerne Gleichgiltigkeit. Wochenlang sprach ich nur das Nöthigste mit ihm, aber ein Wort hörte er täglich. Es hieß: Dieb!" Es ist gut so; ihm ist wohl im Grabe, und ich brauche keinen Schurken großzuziehen." Sie brauchen keinen Schurken großzuziehen! Wer sagt Ihnen denn, daß er durchaus ein Schurke werden mußte? Sehen Sie mich an, Frau Irma, erscheine ich Ihnen als Ehren mann?" Irma sah ihn verwundert an. Sie wissen selbst am besten, daß ich in Ihnen stets das Ideal männlicher Tugend verehrte," erwiderte sie ihm mit Wärme. Nun wohl. Der Mann, der vor Jhnen steht, war einst auf dem besten Wege, ein Schust zu werden. Auch ich bestahl als Kind meinen Vater, und als dieser mich halb todt geschlagen und ich infolge dessen noch störrischer und verstockter wurde, da war es meine edle Mutter, die mich mit unendlicher Liebe und gutem Beispiel auf den rechten Weg führte. Er ist Ihnen vorzeitig entrissen worden, und ich, gleichsam sein Sündengefährte, bitte für den klcinen Todten: Vergeben Sie ihm, gedenken Sie seiner ohne Bitterkeit, machen Sie mit sich und ihm Frieden!" Irma schüttelte verzweifelt den Kopf. Schlimmeres konnte ich kaum erfahren. Mit Ihrem Geständnlß rauben Sie mir den letzten Trost: das Vewujztsein, recht gehandelt zu haben. Ja, noch mehr, das Gewesen regt sich in mir. Vielleicht hat meine Härte seine Krankheit verursacht und ihn in den Tod getrieben. Nein, dieser Vorwurf bleibt Ihnen erspart. Daö Kind war zu zart organisirt. um länger leben zu können. Seine Lungen waren schon angcgriffen. als er sich noch scheinbarer Gesundheit erfreute. Der Tod war ihm gnädig; er hat dasselbe eines langen Siechthums enthoben. Doch jetzt gilt der Lebenden allein mein Denken. Irma, ich kann Sie nicht so leiden sehen. Irma, wollen Sie mich anhören?" fragte er dringend. Sie sah zu ihm auf, und als sie sein seltsam erregtes Gesicht bemerkte, da ahnte sie, was kommen würde. Schweigend nickte sie ihm Gewährung. Er ergrisf ihre Hand, und mit mühsam beherrschter Bewegung sprach er: Haben Sie den Muth. Ihr Lebcnsglück mit dem des einstigen Sünders zu verketten? Irma, geliebtes Weib, wirst Du meine Bitte erfüllen?" Keines Wortes mächtig, verbarg sie ihr Gesicht an der Brust des geliebten Mannes. Er streichelte ihr schönes, flimmerndes Haar, und tröstend sprach er: Durch mich sühnst Du DeineHärte und wirst wieder ein echtes, vergebendes Weib." EingesunderOrt. Ist die Gesundheit gut in Ihrem Städichen?" Bei uns sind Gott sei Dank nur die Aerzte krank aus Aerger darüber, daß sie nichts zu thun haben." Ein Trost. ...Das Clavier meiner Frau hat der Gerichtsvollzieher auch versiegelt!" Also Glück im Unglück!" . M a n ch e r k o m m t nie auf einen grünen Zweig, der doch ein leichkr Bosel ift.

Der verunglückte Zjut. Humoreske von Ir. W. Der Professor Eustachius Schlauberger befand sich auf dem Wege zum

Frühschoppen. Eben wollte er das Geleise der zu feinem Unwillen eingerichteten Straßenbahn überschreiten, als ein Wagen dieser Bahn Heranfuhr. Mit raschen Schritten eilte der Professor über die Schienen, wobei ihm der Wind den Hut vom Kopfe und gerade vor den anfahrenden Wagen wehte. Der Hut kam zwar nicht unter die Räder und entging so der völligen Zerstörung, wurde aber zerdrückt und übel zugerichtet. Der Professor hatte wohl mit Schrecken seinen Hut fallen sehen, aber er mußte sich beeilen, über die Schienen zu kommen, und als er drüben war, hatte er bereits den Hut vergessen. Er sah sich noch einmal flüchtig nach der Bahn um, und mit denWorten: Solch ein Unsinn, mit einer Bahn in den Straßen herumzufahren; weder die alten Römer noch die Griechen hatten Straßenbahnen und waren ,doch hochgebildete Völker!" lenkte er seine Schritte nach seinem Stammlokal. Mit verschmitztem Lächeln sah der Kellner auf den barhäuptig eintretenden Professor. Guten Tag," sagte dieser und griff nach seinem nicht vorhandenen Hut. Aber wo habe ich denn?" ' Herr Professor werden ihn schon hingehängt haben," versetzte der Kellner, ein Lachen unterdrückend. Ah! Hm!" Und der Professor gab dem Kellner seinen Stock, damit er ihn beiseite stelle, und setzte sich an seinen Platz. Gespannt wartete der Kellner auf die Beendigung des Frühschoppens. Endlich erhob sich der Professor mit ein paar College und schritt nach der Wand, an der die Hüte hingen. Er griff nach einem Cylinder, zog aber rasch die Hand zurück, als ein College rief: Halt, das ist ja der meinige!" Entschuldige!" sagte1 Herr Eustachius und nahm einen anderen. Der Kellner frohlockte innerlich, er wußte ja, daß der Professor ohne Hut gekommen war. Auf der Straße trennte sich der Professor Schlauberger von seinen Collegen und ging allein seinem Heim zu. Er hatte dasselbe noch nicht erreicht, als er von dem Kellner eingeholt wurde, der mit den Worten: Herr Professor, Sie haben einen falschen Hut mitgenommen!" äthemlos herantrat. Ich habe gar nichts mitgenommen!" entgegnete der Professor gereizt. Ich bitte um Entschuldigung." fuhr der Kellner, mühsam an sich haltend, fort, Herr Professor haben den Hut eines anderen Herrn aufgesetzt." Was ich?" Erschrocken griff er nach dem Hute und hielt it. dem Kellner hm: Ist das nicht meiner?" Nein, Herr Professor, das ist nicht der Ihrige, Sie sind heute überhaupt ohne Hut gekommen; wahrscheinlich haben Sie ihn zu Hause gelassen." Was fällt Ihnen ein, ich gehe doch nicht ohne Hut fort!" Aber, Herr Professor können ja zu Hause nachsehen, Sie sind ja gleich daheim!" Und respektwidrig zog der Kellner den Hut aus der Hand des vor ihm Stehenden. Geben Sie mir doch meinen Hut!" rief der verdutzte Professor, aber der Schelm von Kellner war schon mit dem Hute davongeeilt, und da fast ein Auflauf entstand, beeilte sich Herr Eustachius, die kurze Strecke bis zu seiner Wohnung wiederum barhäuptig zurückzulegen. Aber, Herr Professor, ohne Hut!" rief laut lachend seine, ihm die Wohnung öffnende Magd bei seinem Anblick. Aber, darum brauchen Sie sich doch gar nicht zu bekümmern," schalt der Professor, ich muß ihn zu Hause gelassen haben." Sie sind doch mit dem Hute fort " Ah! Also doch! Dann hat der Kellner mich hintergangen. Gehen Sie sofort in mein Stammlokal und verlangen Sie von dem Kellner meinen Hut; er hat ihn mir aus der Hand genommen unter dem Voraeben. er aehöre einem anderen Herrn. Treten Sie energisch auf, ich werde mich noch ver dem Nestaurateur beschweren. Ge hen Sie sogleich. Aber, ich kann doch nicht fort, ich muß a beim Knochen bleiben." Wo ist denn meine Frau?" Die Frau Professor macht Besuch." Mit diesen dummen Besuchen!" eiferte der Professor. Aber machen Sie keine Ausflüchte, gehen Sie sofort!" Wer soll denn aber auf das Essen Acht geben?" warf die gereizte Köchin ein. Ich werde so lange in der Küche aufpassen." Die Köchin brach in ein so schallendes Gelächter aus. daß der Professor Angst bekam, sie wäre von einem Lachkrampf befallen. Sie hielt sich die Seiten und bog sich, dazwischen kam es wie ein Stöhnen aus ihrem Munde, oder ein neues, schallendes Lachen erschütterte die Wohnung. Der arme Professor war rathlos. Nasch eilte er in sein Siudirzimmer. vm im Conversationslezikon den Art! Zel ..Lackkramvf" nachzuschlagen. Da dort aber von einer Stelle auf die andere verwiesen war, so dauerte es geraum Zeit, bis der Professor wieder aus stinem Zimmer kam. Inzwischen hatte die Magd sich von ihrem Lachanfall erholt, afcr als der Professor mit dem offenen Lexikon in derHand in die Küche trat, gab es ihr

auf's neue einen Ruck, und als er nun anfing: Sie müssen zu einem Arzt," da brach es wieder los, und die Köchin hätte wohl kein Ende gefunden, wenn nicht in ihr Lachen plötzlich ver schrille Klang der Hausglocke getönt hätte. Sie eilte aus der Küche, um zu öffnen; der Professor folgte ihr mit dem

offenen Buche. Ein Dienstmann kam und brachte den zerschundenen Hut des Professors. Cr kannte den Professor und hatte gesehen, wie derselbe seinen Hut verlor. der Professor war ihm aber durch den voruberfahrenden Wagen der Straßenbahn aus den Augen gekommen, die Wohnung hatte der Mann nicht gewußt und somit erst erfragen müssen, weshalb er den Hut nicht eher bringen konnte. Die Köchin vermochte vor erneutem Lachen kein Wort zu sagen, der Professor aber dankte höflich, gab demDienstmann ein gutes Trinkgeld und nahm seinen Hut. Ganz recht, jetzt fällt es Mir wieder ein, jagte er mumpylreno, o war es, ich habe ihn verloren, als ich dis Straßenbahngelelse überschritt. Nun hat mich der Kellner doch nicht angeführt." Dann brauche ich also nicht fort, stöhnte die Köchin. Nein, nein; aber es wird gut sein, wenn Sie sich gleich zu Bette lcgen." Abermals ein dröhnendes Lachen und dann ein scheltendes: Aber, Herr Professor, sagen Sie doch nicht gar so viele Dummheiten." Jetzt stieg aber dem Professor die Galle, das war denn doch zu stark; er hielt der Köchin eine strenge Strafrede, uiid endlich sagte er ihr sogar den Dienst auf. Alles aber, was sie darauf erwiderte, war ein unbändiges Gelächter, vor dem endlich der Professor in sein Arbeitszimmer entfloh, wo ihn nach einiger Zeii seine heimgekehrte Gemahlin antraf, wie er auf's Eifrigste das Lezikon durchsuchte und ein Pa?ier mit Notizen versah, wie: Tollwutch Wuthanfälle Lachkrampf . . ." Ein leises Gott sei Dank" entfuhr ihm. als er seine entschlossene EheHälfte erblickte. Höre," sagte er, die Köchin muß ungesäumt fort, sie leidet an " Ach was, Dummheit," unterbrich ihn die Frau Professor, die bereits von der Köchin gehört hatte, was vorgegangen, die Köchin muß nicht fort, aber, wenn Du! Du! Du. Eustachius! in der Küche aufpassen willst, dann möchte ich den sehen, der keiner. Lachkrampf bekommt." Und die Frau Professor lachte nun selbst laut auf. Meine Frau auch." flüsterte d?r Professor vor sich hin, dann ist es also ansteaeno. Mit schweren Sorgen verbrachte der Professor den Tag. während die Frau Professor und die Kochm alle Augenblicke laut auflachten. Es war am nächsten Tage, die KLchin hatte den schlechten Hut auf den Kleiderständer auf dem Flur gehängt ; die Professorin hatte zwar gesagt, sie solle den Hut wegschaffen, damit der Professor ihn nicht schließlich beim Fortgehen auch noch aufsetze, aber die Kochin wollte sich für die Strafpredigt vom Tage vorher rächen und wünschte gerade, daß der Professor den eigentlich unbrauchbaren Hut aufsetze. Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Mit den Büchern unter dem Arme schritt Herr Eustachius aus seinem Zimmer, griff gewohnheitsmäßig nach seinem auf dem Kleiderhaken befindlichen Hut und setzte dcn zerknitterten, zerstoßenen, zerschundenen zur heimlichen Freude der Köchin auf. Eben wollte er mit dieser schrecken?? regenden Kopfbedeckung seine Wohnung verlassen, als zufällig seine Frau aus dem Zimmer kam. Aber Mann, um Gotteswillen. Du hast ja den verdorbenen Hut auf, so kannst Du Dich doch nicht auf ver Straße sehen lassen!" Mit diesem Rufe eilte die Professorin auf ihren Mann zu, der schüchtern nach dem Hute griff. Aber Beide hielten wie gelähmt in ihren Bewegungen an. als im nämlichen Augenblick ein schrilles Klirren aus der Küche drang, das der Profefsorrn nur zu deutlich anzeigte, daß ein Geschirr m Trummer gegangen. Diese dumme Trine hat etwas zcrbrochen," rief sie, sich eilends nach der Küche wendend. Der Professor ließ mechanisch die erhobene Hand wieder sinken, und mit den Worten die zerbricht auch eine Menge Geschirr" verließ er die Wohnung und machte sich auf den Weg nach der Schule. Durch den kleinen Zwischenfall rou eine Verspätung eingetreten, und es begegnete ihm weder ein Schüler, noch ein College, der ihn aus seme Kopso deckuna aufmerksam gemacht hätte; die Witze, Bemerkungen und das Gelächt-r der Vorübergehenden gewahrte oer harmlose Profenor kaum. So kam er in die Schule und betrat sein Klassenzimmer, empfangen von einem dröhnenden Gelächter seiner Schüler. Nocb mit bedecktem Qauvte blieb er sleyen unv iay mit vroyendem Äiick tn die wilde Schaar, die sich vor AusgelasseNhelt kaum halten konnte. Ja. hat denn jetzt alles den Lachkrampf." hauchte der Professor vor sich hin, dann bestieg er seinen Katheder, hängte den Hut, ohne ihn anzusehen. an den Naael und hielt nun eine strenge Ansprache an seine Schüler, ohne sich erklaren zu können, warum diese trotz seiner tadelnden und drohenden Wort: in einem fort lachten. Endlich setzte er sich ermattet u.id stützte den Kopf in die Hand. Eine Papierkugel flog, von'sicherer Hand geschleudert, an dem Katheder vorüber und tra das an der Wand hängende

Hutexemplar. !

Der Professor sah zur Seite. Er schrak zusammen, dann erhob er drobend seme Stimme: Wer hat diesen Hut da hergehängt?" Eme gewaltige Lachsalve erschuterie das Schulzimmer. Der Professor kam schier außer sich. Was soll das heißen," rief er drohend, .das verbltt' ich mir! Wer hat den alen Hut hierher ?" Ein Schüler wollte antworten, aber Lachen erstickte seine Stimme. Da klopfte es an der Thüre. Stolp, sehen Sie nach, wer außen ist," befahl der Professor. Der Schuler öffnete die Thüre, und sofort trat die Magd des Professors i c c t r v l ein, einen zgui in oer ano, uno scnnn unter dem tollen Gelächter der Schüler resolut nach dem Katheder, nahm den erjchundenen Cylinder vom Nagel und hängte dafür den mitgebrachten Hut hin mit den Worten: Die Frau Professor schickt Ihnen den Hut, weil Sie aus Versehen den ruinirten mitgenommen haben." ' Der Professor war keines Wortes mächtig, und fchon hatte die Köchin lachend das Zimmer verlassen, als der Professor sich wieder faßte und mit einem tiefen Seufzer seinen Schülern zurief: Wir wollen anfangen; Branner, lesen Sie den ersten Absatz!" Der Angerufene erhoo sich und begann gravitätisch: Aber, die Gallier waren auf der Hut. . Bei dem mit Bctonnung ausgesprochenen Wort Hut" brach aber ein solcher Lärm in der Klasse los, daß der Professor seufzend sein Buch zuschlug und wehmüthig sagte: Wir wollen etwas Anderes nehmen. Wie von emer Last befreit, athmete er auf, als der Unterricht zu Ende war; noch lange Zeit aber spielte der verunglückte Hut eine aufregende Rolle sowohl m der iscyute, wie im Stammlokal, wie in dem Heim des Professors. 20 Groß Soretten. Humoreske von I. Jobft. Amor ist wirklich und wahrhaftig ein Schalk und geht die wundersamsten Schleichwege, um beimliche Liebe, von der Niemand nichts weiß, offenbar werden zu lassen zum Glück oder Verderben der entbrannten Herzen. Ave: so heimtückisch und so ausgesucht boslzast, wie der neckische Liebesgott Gustav Rösing, dem Kommis der Weltfirma Eggert in der alten Hansasiabt Hambürg, mitspielte, ist selbst in der Licbeschronik aller Länder wohl noch nie verzeichnet worden, und das ging so zu. Es war etwa in der Mitte unseres Jahrhunderts, als an einem wunderschönen Frühllngsmorgen die Welt stand gerade unter dem Scepter des wonnigsten MaienmondeS in den Hinteren Räumen der Kontore des bekannten Exporthauses von P. G. Eggert die Fenster weit geöffnet waren. Sie gingen auf einen geräumigen Hof, der durch ein zierliches, hohes Gitter von dem parkartigen Garten getrennt war. Syringcn, Goldregen, Schneebällen und Jasmin winkten von dort hinüber zu der Stätte der nüchternen Zahlenreihen, wo viele Federn in geschäftiger Eile über das Papier flogen, weit verzweigte Rehe über den größten Theil unseres Erdballs spannend, Netze, in denen die Goldkörncr gefilmt wurden. die immer neue Fluthen des goldenen Segens hierher leiteten und den Ehef der irma zu einem der begütertsten Bürger Hamburgs machten. Was ließ Gustav Rösing plötzlich so tief aufathmen? War es der Gedanke an diesen Reichthum und damit an die abgrundtiefe Nluft, die ihn in seiner bescheidenen Stelle von seinem Ehcf trennte, oder waren es die süßen be rauschenden Düfte, die von da drüben hergezogen kamen. Er fühlte sein hei ßcs Herz klopfen in wahnsinnigem Berlangen nach Glück, er war jung, von einnehmendem Aeußern, tüchtig rn sei nem Beruf, aber arm wie eine Kirchen maus 'Und doch er hatte dem Unheil nicht zu wehren vermocht er war verliebt in Dorettc. die einzige Tochter und Erbin seines Hau?es. S:e liebten sie wohl alle, die Angestellten der Firma P. G. Eggert, aber keiner so übermächtig, so glühend und verzehrend wie Rösing, und in schwachen Stunden wagte er es, sich zu gestchen, daß das liebliche Mädchen seinen achtungsvollen Gruß besonders holdselig erwiderte, wenn sie ihr Weg vom Hause zum Garten an dem Partcrrefcnstcr vorbeiführte, hinter welchem sein Schreibtisch stand, ja er hatte dann stets alle Mühe, sich wieder in seiner nüchternen Umgebung zurecht au nndcn. Der erste Buchhalter des Hauses be hauptcte sogar kürzlich, die berühmte Zurcrlässigkeit Rösings lalle bedeutend nach, und wenn er sich Nicht benere, so werde er sich wohl bald eine derbe Rüge bei seinem hohen Ehef zuziehen; bisher habe er, Aerger, nock jedesmal die Sachen vertuschen tonnen, ehe sie vor die Auqen des Gestrengen gelangten, nnd er wisse selbst nicht, wie er zu dieser Milde käme. Wenn doch nur der Schreibtisch Rö sinas nicht so nahe dem Fenster stände. so nahe, daß man deutlich die Hausthür überwachen konnte, diese Thür, über deren Schwelle fast täglich zur selben Stunde Torctte Eggert trat, um in den blühenden, dustenden Garten zu eilen bei Boaclsang und Sonnenschein. Heute waren nun sogar alle Fenster qcönnet und hinein schlupften aus den Schwingen des Frühlingswindes die wundersamsten Träume in Rösinqs Herz, ßs jubelte und sang in ihm. es klang und schalmeite, daß er bei dem tollen Liebesreigen seiner eigenen Gedanken nicht mehr Herr wurde und er eine ganze Weile die Feder ruhen ließ, die in geschäftlicher Kürze eine Sendung von so nnd soviel Groß Taschenmesser in Buenos Aires anzumelden hatte. - Ein verwunderter Blick seines Nach-

oars, der unermüdlich Brietaus Brief

vollendete, zog ihn in die Gegenwart zurück. Auch Nöfings Feder raschelte etzt über das Panier und so groß war ein Eifer, daß er es nicht bemerkte, als die bewußte Thür sich' öffnete und die lchte Gestalt seiner verweacncn Träume den Hof betrat, er sah es nicht, wie daS trahlcnde, blaue Augcnpaar sein Fcnster suchte, an dem nur sein schwarz, ocllgcs tles gebeugtes Haupt sichtbar wurde und daß sich der Blick des süßen Kindes schollend abwandte. Erst der eise Ruf: räulem Torctte", der dem Munde des nachbarlichen Kollegen entschlüpfte, ließ ihn iähllngs aussah rm, ehe das weiße Gewand sammt seiner Trägerin hinter dem kunstvollen Gitterwcrt verschwand. Wüthend ballte Rösing die aust und nne zornige Thräne feuchtete sein Auge, zumal der Kollege so glückselig zum Fenster hin auslächelte, als sei er in erzücluna ae rathen. Voller Grimm reihte Rösings Feder wieder Buchstaben an Buchstaben, Zahl an Zahl. Kicherten nicht tausend Koboldc um ihn her, als er dcn Brief in das Eouvcrt steckte um ihn mitsammt der ganzen Teufelei, die er enthielt. der Post überantwortete. Viele Wochen gingen dahin und fach 5cn das heimliche Feuer im Herzen Rö sings zu immer höher lodernder Flamme an, die durch dcn täglichen Anblick der Geliebten stets neue Nahrung ge wann und ihn bei gelegentlichem Zwiegespräch mit Torette auf den Gipfel aller menschlichen Glucksellgtelt führte. Ta kam em Tag, der die Post aüS Argentinien brachte die dammal eine gar iange Jeil zu lyrem ec;e vrauazieund der kein überseeisches Kabel als fliegender Bole zur Seite stand. Ber-. gcr, der erste Buchhalter, trat mit derselben m gewobnter Feierlichkeit m da Prlvatcomvtoir seines Eheis ein und erwartete stumm die weiteren Befehle. Ein Schreiben nach dem anderen wurde von Herrn Eggert eröffnet und je nachdem gleich dem Buchhalter zur Erledigung übergeben, cder von ihm selbst mit Bemerkungen versehen. Jetzt, hielt er wieder ein solches in Handen er las es einmal schüttelte dcn Kopf, dann begann er von neuem undlachte hell auf. Verwundert schaute der Buchhalterauf den Ehef und dann rundum. Weckte das Lachen nicht ein Kichern dort. in der dunklen Ecke? Jedenfalls war ein solches etwas Unerhörtes in diesem: feierlich ernsten Raum. Sagen Sie mal. Berger. wer be--sorgt doch noch die argentinische Post?" Gustav Rösing, Herr (5ggert." Richtig! Rufen Sie mir den jungen. Mann doch einmal her." Ten grauen Kopf hin und her wiegend, ging Berger hinaus und bald darauf erschien Rösing. die Augen ge senkt in augenscheinlichem Schuldbe wußtsein, hatte der Buchhalter doch gesagt, es müffe eine . besondere Geschichtepassirt sein. Mit wieder gewonnenem Ernst ruhte der Blick des Großkaufmanns auf der stattlichen Erscheinung des jungen Mannes, der jetzt die schönen dunklen Augen halb ängstlich, halb trotzig auf seinen Ehcf richtete. Sagen Sie mir mol, Rösing, können Sie mir nicht sagen, was die zwanzig Groß Torettcn ' bedeuten, die Sie im Mai in Buenos Aires anmeldeten? Man fragt von drüben an, welcher Artikel das sei." Gustav Rösing war es, als ob ein gewaltiges Erdbeben alles umher in Schwantungen setze, schwarze und bunte Ringe tanzten vor seinen, vor Entsetzen wen aufgerissenen Äugen, seine Fune trugen ihn nicht mehr und er ließ sich auf dcn nächsten Stuhl fallen und bara, dcn Kopf verzweifelt in die Hände Run war ja alles, alles aus! Tiefe Stille herrschte im Gemach, sodaß man die Athemzüge des erregten jungen Mannes deutlich hörte. Jetzt legte sich eine kräftige Männerhand auf seine Schulter und ließ Hn aufsehen gerade in die freundlich ernsten Augen Herrn Eggerts hinein. Ta sprang er auf und gewann den Muth, diese Hand an seine Lippen zu ziehen. Haben Sie denn mcin Kind so licb, WfSfirm?" VlVjllll) i Mehr als mein Leben!" Und haben Sie ihr diese Liebe ge standen?" Das hätte ich nie gewagt, Herr Eggert, ich bin ein armer'Mann." Wie ehrlich und stolz konnten die dunklen Augen blicken, es wurde Herrn Eggert ordentlich warm ums Herz, wie sollten diese nicht auch den Weg in jeneS Dorettens gefunden haben. Ich habe Ihren Batcr gut gekannt, er war ein Ehrenmann, Rösing, und Sie - Sie sind es auch. So will ich denn einmal l'ei meinem Kinde anklopfen, und wenn ich dort die Bestäti4. gung slnoe von oem, was mir icyl liar wird, dann, mcin junger Freund, sol len Sie freie Bahn haben. Sie sollen hinaus in die Welt und Ihre Kräfte regen, mit Beistand und Umsicht sollen Sie meinem Hause an verantwortlicher Stelle vorstehen, und kommen Sie einst wieder heim, als tüchtiger Mann, dann dürfen Sie Torctte fragen, wie die neue Firma heißen soll. Was meinen Sie zu P. G. Eggert u. Eo.?" fflüchtigcS Glück. Tänzelnd mit leichten Füßen Kam das Glück mir in's Haus: Wollt' dich eben nur grüben!" " Hui! war's wieder hinaus. v Lichter Schimmer funkelt Mir im Zimmer noch mild; Plötzlich wird er verdunkelt Durch, ein Schattenbild. V Leuchtende, tröstende Helle Lächelnden Glückes schwand: Auf des Hauses Schwelle Stumm Frau Sorge stand.