Indiana Tribüne, Volume 22, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1899 — Page 3
6VVShMt Criminal-Noman von M. E. Braddon. (14. Fortsetzung.) Ein Diam2ntenschmuck! Sie haben den Schmuck schon erhalten, gnädige Frau?" Nein, die Steine sind allerdings gekauft, aber sie sind noch nicht gefaßt." Herr Dawson kaufte ungefaßte Diamanten?" Ja, wie ich höre, zu einem ungeheuren Preis. Während ich in Paris war, schrieb mir mein Äater, er hätte in England keine Zeichnung gefunden, die ihn vollkommen befriedige, und werde die Fassung des Schmuckes einem französischen Juwelier übertragen, sobald er im Stande sein werde, die längst geplante Reise anzutreten." Ich glaube gern, daß es ihm Schwierigkeiten machte, das Rechte zu finden." Laura blickte fragend auf den Detectiv. Es lag etwas sehr Unehrerbietiges, fast Ironisches in seinem Ton. Ich danke Ihnen, gnädige Frau," fuhr der Detectiv fort. Seien Sie versichert, daß ich in dieser Angelegenheit Ihre Interessen beständig vor Augen haben werde. Es wird Zweifellos gelingen, den vermißten Herrn aufzufinden. Darf ich Sie nun noch bitten, mir zu gestatten, mit dem Kammerdiener des Herrn Dawson zu sprechen und mich in diesen Gemächern mit ihm allein zu lassen? Ich könnte bei dieser Gelegenheit Manches erfahren, das mir bei dem Suchen nach Ihrem Herrn Vater von Nutzen wäre. Haben Sie kein Bild, keine Photographie von ihm zur Hand?" Nein, unglücklicherweise ist nicht ein einziges Bild von meinem Vater vorHanden." Oh, das trifft sich schlecht, doch wird es auch so gehen müjjen." ' Laura klingelte, befahl, den Kammerdiener zu Herrn Carter zu schicken, und entfernte sich. Der Kammerdiener stand dem Detectiv sehr gern Rede und theilte ihm Alles mit, was er über die Abreise seines Herrn wußte. Hm!" murmelte der Detectiv zwisehen den Zähnen. Ich habe Si also richtig verstanden! Ihr Herr hatte nur einen vertrauten Freund, der bei ihm aus- und einging, ein Herr, der sich Templin nannte und seit Kurzem den von ihm angekauften. Jasminhof bewohnt. Herr Templin pflegte zu jeder Tageszeit zu kommen, tauchte zuerst am Hochzeitstage des Fräulein Dawson auf. war damals sehr schäbig gekleidet, fpuler trat er wie ein Stutzer auf und gab in Lixdorf diel Geld aus. Hm! Sie haben Ihren Herrn und diesen Freund einmal in lautem WortWechsel gehört, wenn Sie auch nichts davon verstanden? Und wenn Sie Ihrem Herrn aus dem Bett halfen, fühlten Sie, daß er einen Gürtel unter dem Hemde trug; er war immer sehr beunruhigt, wenn er die Wäsche wechselte. und schien nicht zu wünschen, daß Sie diesen Gürtel zu Gesicht bekämen. Sie glaubten, zu bemerken, daß ein Druck auf dem Gemüth Ihres Herrn laste, und meinten, dieser Umstand sei darauf zurückzuführen, daß man ihn in Winchester anfangs in dem Verdacht gehabt habe, er hätte den dort verübten Mord begangen." Während Carter in dieser Weise seine Unterredung mit dem Diener kurz wiederholte, schrieb er einige Bemerkungen in sein Notizbuch, das er wieder in die Tasche steckte. Langsam durch die Zimmer schlendernd, musterte er Alles aufmerksam. Der Diener folgte ihm auf Schritt und Tritt. Welchen Anzug trug Herr Dawson, als er fortging?" Beinkleid, Weste und Rock von dunkelblauem Cheviot und einem Zobelpelz." Mit schwarzem Ueberzug?" Nein, der Ueberzug war von dunflauern Tuch." Wie ist die persönliche Erscheinung des Herrn Dawson?" Der Diener gab eine genaue Veschreibung von dem Aussehen seines Herrn. Hm!" murmelte Carter. Groß, breitschultrig, Adlernase, mit Grau gemischtes braunes Haar." Der Detectiv nahm seinen Hut, doch hielt er sich noch eine Weile vor dem Tische auf, auf welchem die Lampe stand. War diese Lampe gestern Abend gefüllt?" fragte er. . Ja, sie wird täglich frisch gefüllt." Wie lange brennt sie?" Zehn Stunden." Wann wurde sie angezündet?" Kurz vor sieben Uhr." Carter nahm die Glocke und den Cylinder ab, trug die Lampe zum Kamin und goß das Petroleum in ein dort stehendes Gefäß, das er sorgsam zur Seite schob. Sie muß dies:n Morgen bis nach 4 Uhr gebrannt haben." sagte er. Der Detectiv hatte Alles erfahren, was er zu wissen wünschte, und entfernte sich jetzt eiligst. Vor dem Thore wartete Herr Tribbs, den er mit dem Auftrage nach dem Shornkliffer BahnHof schickte, dem etwa ankommenden Flüchtling nicht von der Seite zu gehen, aber einige Zeilen in den Händen des Stationsvorstehers zurückzulassen, die Carter über alles Vorgefallene genau unterrichten sollten. 41. K a p i t e l. In weniger als einer Viertelstunde, nachdem Carter in seinem Wagen Mangoldshöh verlassen hatte, hielt die Droschke vor dem Jasminhof. Der Detectiv bezahlte, entließ den Kutscher und trat allein in den Garten. Er zog eine neben der Glasthür bekindliche Glocke und hatte Muße genug,
sich all' die ausgestopften Vögel und die überseeischen Merkwürdigkeiten zu betrachten, die den breiten Hausflur schmückten, denn Niemand erschien, um zu öffnen. Er klingelte ein zweites Mal und nun kam nach weiteren fünf Minuten eine junge Person, deren Geficht mit einem bunten Tuch verbunden war. Der Detectiv wünschte Major Templin zu sprechen, und das junge Mädchen führte ihn ungesäumt in das nach dem Hofe liegende Wohnzimmer. In einem Sessel vor dem Kaminfeuer saß ein Herr. Es war nicht sehr hell in dem Zimmer, da dessen einziges Fenster auf ein kleines Treibhaus ging, das mit allerlei Kaktusarten, die der frühere Eigenthümer der Besitzung besonders bevorzugt hatte, angefüllt war. Der Detectiv musterte den Herrn im Sessel sehr scharf, aber die sorgsamste Beobachtung zeigte ihm nichts, als einen gut conservirten Mann zwischen fünfzig und sechzig fahren, mit entschlossenem Ausdruck um den Mund, den ein grauer Schnurrbart überschattete. Ich komme, einige Erkundigungen über einen Ihrer Freunde einzuziehen, Her? Major," sagte der Detectiv, Herrn Alfred Dawson, der seit heute Morgen um 4 Uhr vermißt wird." Der Herr im Sessel rauchte seine Mcerschaumpfeife. Als Carter die Zeit des Verjchwindens erwähnte, schlugen die Zähne des Rauchenden auf das Bernsteinmundstück der Pfeife. So leise das Geräusch auch war, hörte der Detectiv es doch, und er folgerte daraus, daß Templin seinen Freund gesprochen hatte und wußte, daß der Flüchtling um 4 Uhr das Schloß verlassen hatte. Sie wissen, wohin Herr Dawson sich gewendet hat?" fragte Carter. Im Gegentheil, ich hatte die Absicht. ihn heute Abend zu besuchen." Hm! Dann sind mein? Fragen über den Gegenstand nutzlos." Natürlich. Herr Dawso:: hat Mangoldshöh verlassen, sagen Sie? Und ich war der Meinung, er stehe n?ch in ärztlicher Behandlung und könne sich nur auf seinen Krücken einige Schritte fortbewegen." Ich glaube, daß es so war, nichtsdestoweniger ist er verschwunden." Was meinen Sie mit dem Verschwinden? Ich vermuthe, er ist verreist, und es stand ihm doch wohl frei, zu reisen, wohin es ihm beliebte?" Selbstverständlich." Dann kann ich mich auch nicht so sehr darüber wundern, daß er sich auf den Weg machte," rief der Major, sich über das Feuer beugend und die Asche aus seiner Meerschaumpfeife klopfend. Der arme Teufel war lange genug durch sein gebrochenes Bein an das Haus gefesselt. Aber weshalb laufen Sie ihm nach, wie einem Kinde, das seiner Mutter ausgerückt ist? Sie sind doch nicht der Arzt, der ihn behandelte?" Nein! Ihnen die Wahrheit zu gestehen," lächelte Carter mit bezaubernder Treuherzigkeit, hat mich die Frau Baronin von Wolkenfels aus London hierher berufen, um mir den Auftrag zu ertheilen, mich nach ihrem verschwundenen Vater umzusehen, bei dem es seit seiner Krankheit im Oberstübchen nicht ganz richtig sein soll. Ich bin nämlich meines Zeichens Privatdetectiv. Dieses plötzliche Verschwinden scheint mir auch in der That nicht geheuer und ich glaube, wir müssen auf einen Selbstmord vorbereitet sein. Wie denken Sie über die Sache, Herr Ma-
oxr Auf mein Wort," erwiderte der Major lächelnd, ich glaube, Sie haben in's Schwarze getroffen. Alfred Dawson war seit dem Eisenbahnunglück immer sehr wunderlich." Sie haben doch nichts dagegen, Herr Major, wenn ich mich in Ihrem Hause, im Gartert und den Außengebäuden nach ihm umsehe? Der arme Herr könnte sich doch irgendwo bei Ihnen versteckt haben. Wenn bei solchen Leuten erst eine Schraube los ist, läßt sich gar nicht absehen, welche Dummheiten sie machen." Major Templin zuckte die Achseln. Ich halte es nicht für wahrschein lich, daß Dawson ohne mein Wissen in mein Haus gekommen sein sollte," sagte er, aber Sie mögen immerhin das ganze Haus vom Boden bis zum Keller durchsuchen, wenn es Sie beruhigt." Er klingelte und das Mädchen mit dem verbundenen Gesicht erschien. Ach. Nelly, Sie haben schon wieder Ihre Zahnschmerzen? Das ist ein guter Vorwand, sich von der Arbeit zu drücken. Dieser Herr will sich im Hause und im Garten umsehen. Führen Sie ihn überall umher, aber beeilen Sie sich ein Bischen, ich möchte endlich mein Essen haben. Das Mädchen begleitete den Fremden in den Flur. Nelly." brüllte der Hausherr, als das Maocyen mit dem elccttv am Fuße der Treppe stand. Nelly. kommen Sie noch auf einen Augenblick zurück." Das Mädchen gehorchte und Carter hörte eine leise geflüsterte Unterhaltung, von der er nur den letzten Satz verstand: Wenn Sie den Mund nicht halten. sollen Sie es mir büßen. Carter folgte seiner Führerin zuerst in die unteren Räume und als er diese am das Gründlichste untersucht hatte, stieg er zu den oberen Stockwerken empor und durchsuchte auch hier Alles mit peinlicher Genauigkeit. Zuerst beglel tete ihn Nelly in das Schlafzimmer des Majors. Plötzlich stürzte sich der Detectlv aus die offen stehende Thur. ver- . schloß sie und steckte den Schlüssel in seine Tasche. Bemühen Sie sich nicht weiter. Fräulein Unschuld, rief er, und kom men Sie hierher an's Fenster." Das Mädchen gehorchte. SU scheinen mir ein sehr verscbmiktes Dina.- schalt der Detectiv.
und Ihre Zahnschmerzen scheinen mir
eine verdiente Strafe. Was sagte Ihr Herr eben zu Ihnen? Weshalb befahl er Ihnen, den Mund zu halten?" Nelly schüttelte den Kopf und zupfte , verlegen an dem Zipfel ihrer Schürze. Der Herr hat mir nichts gesagt, antwortete sie unwirsch. Der Herr sagte Ihnen nichts? Nun, Sie werden sich durch Ihre Verstocktheit in eine recht unangenehme Lage bringen. Wissen Sie. daß ich Sie einsperren lassen kann?" Mich einsperren?" stammelte Nelly. Mein Gott, ich habe ja gar nichts gethan. Es ist doch nicht meine Schuld, wenn ich thue, was der Herr mir befiehlt. Er wird gleich so wüthend, wenn ich ihm nicht gehorche. Ich darf doch nichts gegen ihn sagen, lieber will ich in's Gefängniß." Das sollten Sie sich doch überlegen. Ein Mädchen, das einmal im Gefängniß war, ist für immer verloren." So will ich Ihnen denn Alles gestehen,"" rief Nelly unter Thränen. Nein, in s Gefängniß will ich doch nicht." Das dachte ich mir, spottete Carter, aber es ist gerade nicht viel, was Sie mir zu erzählen h?ben werden. Herr Dawson kam Morgens zwischen fünf und sechs uyr hier ans Ja, zehn Minuten nach sechs. Ich öffnete eben die Fensterladen." Ganz recht. Und der arme Herr Dawson war nahe daran, vor Schmerzen ohnmächtlg zu werden. Ich mußte den Herrn Major rufen, der half ihm vom Pferde und führte das Pferd in den Stall. Herr Dawson setzte sich im Wohnzimmer m einen Sestel, um auszuruhen. und mich schickten Sie in die Krone" nach Lixdorf, einen Wagen zu holen, und um acht Uhr fuhr Herr Dawson fort." Um acht und letzt war drei vorüber! Carter sah auf seine Uhr. Erzählen Sie dem Herrn nicht, was ich Ihnen gesagt habe," bat das Mädchen. Es war keine Zeit zu verlieren und doch zögerte der Detectiv noch einen Augenblick. Hatte die junge Person ihm die Wahrheit gesagt oder diese Geschichte erfunden, um ihn von der rechten Spur abzubringen? Aber die Angst Nellys vor ihrem Herrn schien aufrichtlg. Sie weinte jetzt, sie weinte echte Thränen, die ihr über die Wangen liefen und das Tuch netzten, das den unteren Theil ihres Gesichtes verhüllte. Ich kann es in der Krone ersahren, ob Jemand den Wagen des Wirthes benutzt hat, dachte der Detectiv. Sagen Sie Ihrem Herrn," rief er dem Mädchen zu, daß ich seinen Freund mcht gefunden und keine Zeit mehr habe, mich von ihm zu verabschieden." Carter legte die ganze Entfernung nach dem Gasthof fast laufend zurück, denn der Gedanke, der Verbrecher könne ihm entschlüpfen, brachte ihn zur Verzweiflung. ,,.Er hat einen großen Vorsprung, sagte er sich, aber sein lahmes Bein wird ihn nicht wenig hindern." In der Krone" hörte Carter, daß der Wagen um sieben Uhr Morgens durch em Madchen aus dem Jasminhof bestellt worden und das Fuhrwerk erst vor einer Viertelstunde zurückgekommen war. Der Kutscher wurde gerufen und besiätigte Carter, daß er einen Herrn in einem dunkelblauenPelz und sehr lahm gehend, das Gesicht von einem dicken Shawl beinahe bis an die Nase verhüllt, vom Jasminhof abgeholt hatte und mit ihm nach Shornklisf gefahren, aber trotz größter Eile zu dem Zuge, den er zu erreichen gewünscht, zu spät gekommen war, denn der Herr kam humpelnd zu demWagen zurück und befahl, ihn nach Maning zu bringen, einem kleinen Dorfe in der Nähe von Shornklisf. Hier war der Herr im Pelz im Bierhause abgestiegen, hatte dort zu Mittag gegessen, die Zeitung gelesen und sich bis nach ein Uhr ausgehalten. Um zwei Uhr waren sie wieder auf dem Bahnhof in Shornklisf, wo der Herr den Kutscher bezahlte, ihm ein reichliches Trinkgeld gab und ihn entließ. Carter bestellte gleichfalls einen Wagen nach dem Bahnhof von Shornklisf. Auf dem Bahnhof in Shornklisf angekommen, sah Carter sich zunächst nach Tribbs um. Der kleine Mann war nirgends zu entdecken, aber bei dem Stationsvorsteher fand er einen Brief vor: Herr im Pelz traf 2.10 M. ein," schrieb Tribbs, nahm Fahrkarte erster Klasse nach Derby, ich eine zweiter Klasse. Tr." . Der'nächste Zug nachDerby ging erst um sieben Uhr Abends ab. Carter hatte also noch mehr als drei Stunden frei. Derby," murmelte er, Derby. Er geht also nordwärts. Was in des Himmels Namen führt ihn diesen Weg?" 42. Kapitel. Die Eisenbahnfahrt zwischen Shornkliff und Derby war in der kalten Frühlingsnacht keineswegs angenehm. Die Finsterniß breitete sich wie ein schwarzes Leichentuch über die Felder, und der Wind umheulte schwermüthig den vorwärtseilenden Zug. An Beschwerlichkeiten jeder Art gewöhnt, wußte Carter es sich auch in dieser Lage bequem zu machen, und bald schnarchte er sehr behaglich in seiner Wagenecke, bis ihn der Ruf: Wagenwechsel!" ausschreckte. Es war noch dunkle Nacht, als Carter in Derby ankam. Hier wendete er sich sofort an den Stationsvorsteher, der ihm ein Billet von Tribbs überreichte. Alles richtig bis Derby. Mann im Pelz nahm Fahrkarte bis Hull. Ich begleite ihn natürlich. Tr." Auf seine Erkundigungen bei dem Stationsvorsteher erfuhr er, daß tz n?ch mehrere Stunden auf den Zug
nach Normantown und dort wiederum eine Stunde auf den nach Hull abgehenden Zug zu warten haben würde. So sehr es ihn auch verlaxgte, dem lahmen Flüchtling und Tribbs nachzueilen, mußt; er sich doch mit Geduld in das Unabänderliche zu schicken suchen. Er begab sich in das Nestaurationszimmer, bestellte eine Tasse heißen Kaffees und etwas Gebäck, und nachdem er sich gestärkt hatte, zog er sich in den Wartesaal zurück, um auszuruhen, bis ein Gepäckträger, den er damit beauftragt, ihn weckte, ihm mitzutheilen, der Zug nach Hull sei angekommen. Hull! Hull!" murmelte er. Er scheint nach Rotterdam, Hamburg oder Petersburg flüchten zu wollen, nach irgend einem Ort, wohin abzusegeln ein Schiff in Bereitschaft liegt; ein schlauer Plan, und wenn Tribbs nicht auf dem Bahnhof gewesen wäre, würde Josef Wilmot ganz gemüthlich entschlüpft sein." Es war Morgen und heller Sonnenschein, als der Zug, mit dem Carter fuhr, in die große Bahnhofshalle von Hull eindampfte. Sich reckend, betrat der Detectiv in erwartungsfroher Stimmung den Bahnsteig. Er sah sich aufmerksam nach allen Seiten um und erblickte sofort den getreuen Tribbs, der die aussteigendenReisenden beobachtete. Der arme Tribbs schien sehr verstimmt. Es muß etwas schief gegangen sein," sagte sich der Detectiv, sich seinem Untergebenen nähernd. Nun, Tribbs," rief er, ihm auf die Schulter klopfend, ist er Ihnen entwischt?" Ja, aber es ist nicht meine Schuld," erwiderte Tribbs verdrießlich. Ich folgte dem lahmen Burjchen, der sich so behende bewegte, als ob ihn das lahme Bein gar nicht hinderte, auf Schritt und Tritt. Am Bahnhofschalter in Shornklisf hatte ich aus ihn gewartet, und richtig hinkte der Lahme im Pelz an mir vorüber und verlangte eine Fahrkarte nach Derby, ich nehme mir natürlich auch eine und verliere ihn nicht eine Minute aus den Augen. So oft er aussteigt, bin ich hinter ihm her, denn ihn herauszufinden, war eine Kleinigkeit. Er hinkte entsetzlich und sah sich immer scheu um, ob er nicht beobachtet und verfolgt werde. Ich erzähle einem Mitreisenden so laut, daß der Mann im Pelz es hören mußte, der Anwalt, dessen Schreiber ich bin, hätte mir telegraphirt, ihm ungesäumt nach
Hull zu folgen, wohin er in emer Wahlangelegenheit gereist wäre. Wir kommen nach Derby und der Mann im Pelz nimmt eine Fahrkarte nach Hull, in Normanten humpelt der Lahme auf den Bahnsteig, in Hull nimmt er eine Droschke und ich höre ihn dem Kutscher sagen: Victoria - Hotel." Ich springe hinten auf es war inzwischen 10Uhr geworden und schon ganz dunkel. Wir kommen in dem Gasthof an. Er geht in das Kaffeezimmer, offenbar von furchtbaren Schmerzen in seinem kranken Bein gequält, und wärmt es am Kaminfeuer. Neben ihm auf dem Tische, in dessen Nähe ich ganz unauffällig Platz genommen hatte, steht sein Handkoffer, seine Reisedecke und noch allerhand Kram. Nach einer Weile geht er fort und ich höre ihn draußen wegen der besten Züge nach Edinburg fragen. Ich warte einige Minuten, damit es nicht aussehe, als wollte ich ihm nachspioniren; wie ich aber in den Hausflur komme, war er v?rschwunden. Ich frage den Kellner nach ihm, und der sagt mir, der lahme Herr wäre auf den Quai hinausgegangen und käme sehr bald wieder In größter Ausregung eile ich nun auf die Straße, renne hierhin und dorthin, und kein Mensch will den Lahmen gesehen haben. Ich gehe wieder in den (Rasthof 1 zurück seine Sachen waren noch alle da nochmals auf die Straße hinaus und habe mich bis 1 Uhr Nachts draußen herumgetrieben. Alles umsonst! Ich lasse mir im Victoria - Hotel ein Zimmer geben, bin aber schon in aller Herrgottsfrühe wieder aus dem Bett und am Hafen, um mich nach den absegelnden Schiffen zu erkundigen. Es geht keins vor heute Abend ab und das heute Abend nach Kopenhagen abgehende Schiff nimmt keine Passagiere an Bord, aber nach dem Aussehen des Ca- ' pitäns zu schließen, nimmt er Alles und : Jedes aus, wenn er nur dafür bezahlt ' wird." Hm! Ein nach Kopenhagen bestimmtes Segelschiff, und der Capitän macht den Eindruck eines Schurken, sagen Sie?" bemerkte der Detectiv. Noch nie haben meine Augen etwas Schurkenhafteres gesehen, als das Gesicht dieses Eapitäns," erwiderte Tribbs. ,6s ist eine böse Geschichte, lieber Tribbs, aber ich bin überzeugt, daß Sie Ihre Schuldigkeit gethan haben. Das Beste wird sein, Sie bleiben hier und beobachten den Abgang der Züge, während ich den Bahnhof drüben jenseits des Wassers überwache. Diese Reise nach Hull war doch vielleicht nur eine List, uns von der Spur abzulenken, während er ruhig nach London zurückdampfte." Carter nahm eine Droschke und fuhr zum Hafendamm am anderen Ende der Stadt, wo er sich in einem Boot nach ' dem Bahnhof auf der anderen Seite des Flusses übersetzen ließ. Hier unterrichtete er sich genau über den Abgang der Londoner Züge und überwachte die zur Abfahrt bereit stehenden. Die Zwischenzeit von mehre- ! ren Stunden, die bis zum Anfang des folgenden Zuges verstreichen mußte, benützte er dazu, wieder über den Humber zurückzukehren, um in der Stadt seine .Nachforschung nach dem Flüchtling zu beginnen. Zuerst wanderte er am Hasen hin und her und musterte die vor Anker liegenden Schiffe. Er wußte Alles über diese Schiffe in Erfahrung zu bringen, ihr Reiseziel, wie Tag und Stunde ihres AbgehenS, und machte sich in dieser einen Stunde mit dem, was den
gesammten Schiffsverkehr betraf, so vertraut, wie es Anderen in einerWoche nicht gelungen wäre. Auch mit dem Fahrzeug, das nach Kopenhagen segeln sollte, einem schwarzen, unfreundlichen Schiff, das sehr angemessen die Krähe" getauft war, mit einem unfreundlichen Capitän, der auf dem Verdeck ausgestreckt lag und im Halbschlaf seine Pfeise rauchte, gewann er Fühlung. Der Mensch sieht unheimlich genug aus." murmelte Carter, den Capitän musternd. Tribbs hat ganz Recht, diesem Burschen ist Alles zuzutrauen." Der Detectiv lenkte seine Schritte zur Stadt und schenkte den Juwelierlüden seine Aufmerksamkeit, verschmähte es aber auch nicht, einigen Pfandleihern Besuche abzustatten. Erst bei dem dritten dieser Herren entdeckte er etwas, was ihm von Nutzen, sein konnte. Sein Verfahren solchen Leuten gegenüber war sehr einfach. Ich bin Beamter der Criminalpolizei," führte er sich ein, und beaü. ragt.
einen Mann zu verhaften, von v em man annimmt, er halte sich hier in Hull versteckt. Man weiß, daß er im Besitze einer Menge ungefaßter Diamanten ist, doch sind diese Steine keineswegs gestöhlen. Ueber diesen Punkt können Sie ganz beruhigt sein." Mit den Diamanten hat es also seine Nichtigkeit?" fragte der Pfandleiher nervös. Jawohl. Ich sehe schon, der Mann ist bei Ihnen gewesen. Die Juwelen gehen mich nichts weiter an, sie waren sein rechtmäßiges Eigenthum, nur über seine Person wünsche ich Auskunft. Um welche Zeit war er bei Ihnen?" Vor noch nicht einer Stunde, ein Mann in dunkelblauem Ueberzieher und Pelzkragen." Ja. der lahm geht." Davon habe ich nichts bemerkt." Sie werden nicht darauf geachtet haben. Wahrscheinlich saß er, während er bei Ihnen war." Ja, er saß die ganze Zeit über." Ich danke Ihnen, das genügt." sagte Carter, sich zur großen Erleichterung des Psandleihers rasch verabschiedend. Der Detectiv sah aus seine Uhr. Es war halb zwei; es blieben ihm also noch einige Stunden bis zum Abgang des Londoner Zuges von dem Bahnhofe jenseits des Humbers. Den anderen Bahnhof überwachte Tribbs. Carter zögerte deshalb nicht, abermals eine Umschau im Hafen zu halten, und überzeugte sich, daß inzwischen weder ein Schiff angekommen noch abgegangen war. Joses Wilmot hielt sich also in der Stadt auf. Aber wo? Ein Mann, der stark hinkte und einen dunkelblauen Zobclpelz trug, konnte nirgends unbemerkt bleiben, und doch war es ihm nicht möglich gewesen, ihn aufzufinden. Noch einmal wendete er seine Aufmerksamkeit der Krähe und ihrem Herrn zu. Der Capitän lag noch immer auf dem Verdeck. ..Es sollte mich nicht wundern," dachte Carter, wenn der Mensch, den ich so unermüdlich suche, sich in dem Zwischendeck dieses Schiffes versteckt hielte. Ich hätte Lust, an Bord zu gehen und eine Untersuchung vorzunehmen." 43. K a p i t e l. Ehe der Detectiv an diese Aufgabe ging, hatte er noch auf dem Bahnhofe den nächsten, London abwärts absahrenden Zug zu überwachen, und war froh, sich überzeugt zu haben, daß keine verdächtige Persönlichkeit eingestiegen war. Wenige Minuten später richtete er seine Schritte jenem Theile des Hafens zu. wo er die Krähe" vor Anker liegen gesehen hatte. Zu seinem Erstaunen bemerkte er ein fremdes Schiff an Stelle der Krähe , und auf seine ängstlichen Nachfragen erhielt er den Bescheid, daß sie vor einer halben Stunde abgesegelt war. Man deutete aus einen dunklen Fleck in weiter Ferne, der, wie die Leute ihm versicherten, das nach Kopenhagen bestimmte Schiff war. Carter erkundigte sich, ob man er wartet habe, daß das Schiff so bald abgehen werde. Nein," erwiderte man ihm. es sollte erst am nächsten Morgen die Anker lichten; das Schiff hatte sogar noch nicht einmal zwei Drittel seiner Laduna an Bord genommen. Der Detectiv fragte, ob das nicht sehr auffallend sei. Ja, das sei auffallend genug; aber der Eapitän der Krähe" sei ein sonderbarer Kauz, der schon manchem Flüchtling fortgeholfen hätte. Einer der Umstehenden behauptete, zehn Ml nuten vor dem Absegeln des Schiffes einen recht unheimlichen Gesellen an Bord der Krähe" aesehen zu haben. Wer von Euch, Ihr Leute, holt sie ein?" rief Carter. Ich zahle Dem, der sie einholt, einige Sovereign. Die Krähe" hätte einen zu großen Vorsprung und segelte bei zu günstigem Winde, meinten die Schisser. Der Wind kann aber bei einbrechender Dunkel'! umschlagen," erwiderte der Detectiv. Kommt, Freunde, seid nicht zaghaft. Wer i nternimmt es. die Krähe" für eine Fünfpfundnote einzuholen?" Ich," rief ein junger Bursche in scharlachrother Jacke, ich und mein Kamerad, nicht wahr. Thomas?" Thomas, gleichfalls ein junger Fischer, eilte mit dem Freunde davon, das ihnen gemeinsam gehörende Boot fertig zu machen. Wir thäten gut, etwas zu essen und zu trinken mitzunehmen," sagte Thomas. Es ist möglich, daß wir die ganze Nacht ausbleiben müssen, wenn wir das Schiff einholen wollen." Carter gab ihm Geld, zu besorgen, was er für nöthig hielt. Der Detectiv stieg nach den beiden Fischern in das Boot und das kleine Fahrzeug schoß hinaus in das offene Meer. Es war Heller Mondschein, und daö Boot zog lange , plberglitzernde
Furchen durch das Wasser. Fern am Horizont schimmerte etwas Weißes; es war das Segel der Krähe". Es wird nicht mehr lange dauern, und wir haben sie eing?holt," frohlockte Thomas. Von allen gefährlichen Wagnissen, in die der Detectiv schon verwickelt gewesen, war das, auf das er jetzt sich einzulassen im Begriff stand, nicht das am wenigsten bedenkliche. Er rüstete sich, an Bord eines fremden Schiffes zu gehen, dessen Capitän übelberüchtigt und desscnBemannung voraussichtlich kaum besser war; er wollte einen Verbrecher festnehmen, der sicher keine Mittel scheuen würde, sich der Verhaftung und dem seiner harrenden Loose zu entziehen. Unverwandt nach dem schimmernden Segel ausschauend, faßte Carter nach seiner Brusttasche, in der er einen Revolver verborgen hatte, eine unwillkürliche Bewegung, die verrieth, daß er auf die bevorstehenden Gefahren vorbereitet war.
T er Mond strahlte Heller und Heller am wolkenlosen Himmel; das Boot glitt leicht über das blaue Wasser und immer heller leuchteten ie Segel vor den Verfolgern auf. Als das Boot die Krähe" beinahe erreicht hatte, thülte der Detectiv den beiden Fischern mit, daß er im Namen des Gesetzes den Flüchtling zu verhaften ausgeschickt sei, und gab sich ihnen als den zu erkennen, der er war. Ich darf hoffentlich auf Eure muthige Unterstützung rechnen, meine Freunde?" sagte er. Ja, erwiderten die zungen Leute, wir wollen treu zu Ihnen stehen." Ihr Muth schien mit er sich nähernden Gefahr zu wachsen und der Hinweis auf eine nicht unbeträchtliche Belohnung mochtelyre Wirkung gleichfalls nicht verfehlt haben. Bald kamen sie dicht an die Seite des Schiffes und Carter brüllte den üblichen Anruf, der dröhnend über das Wajftr schallte. Ein Mann mit einer Pfeife im Munde blickte über das Verdeck. Was ist los?" fragte er zornig. Ich wünsche den Capitän zu sprechen." Was wollen Sie von ihm?" Das ist meine Sache." Jetzt kam noch eine zweite Person, gleichfalls die Pfeife im Munde, zum Vorschein. Was zum Teufel wollen Sie?" schrie er. Macht, daß Ihr fortkommt, oder wir fahren Euch in den Grund." O, nein, da.2 werden Sie nicht, Herr Spalter,"' antwortete Fischer Thomas. Sie werden sich die Sache zweimal überlegen, Sie könnten sonst, wie vor Kurzem erst, wieder in arge Ungelegenheiten gerathen." Ich muß Sie bitten, beizulegen, während icq an Bord komme," sagte der Detectiv. Sie verbergen einen Herrn auf Ihrem Schiff, den ich zu verhaften beauftragt bin. Es kann Ihnen gleich sein, ob ich ihn jetzt festnehme oder in Kopenhagen; entrinnen wird er mir in keinem Falle; aber für Sie dürfte es sehr unangenehme Folgen haben, wenn Sie mir, einem Beamten der GeheimPolizei, Widerstand leisteten." Der Capitän zögerte einige Augenblicke. Zeigen Sie mir Ihren Verhaftsbefehl," sagte er finster. Der Detectiv, der sich für alle Fälle einen solchen Befehl zur Verhaftung des muthmaßlichen Mörders von seiner vorgesetzten Behörde hatte ausstellen lassen, reichte Spalter das Schriftstück hinauf. So thun Sie, was Ihres Amtes ist," rief der Capitän, nachdem er die Urlunde genau geprüft hatte. Wenige Minuten später war Carter mit einem Fischer an Bord des Schisfes. Haben Sie die Güte, mir eine Laterne geben zu lassen. Herr Capitän," sagte er, ich möchte die unteren Räume Ihres Fahrzeuges besichtigen." Diesem Verlangen wurde auf das Vereitwilligste genügt. Mit der trübe brennenden Laterne in der Hand, stolperte Carter die Treppe hinunter. Die sehr niedrige Kajüte entlang gehend, musterte er die in ihren Hängematten ruhenden Schläfer, bis er einen Menschen in blauem Ueberzieher mit breitem Pelzkragen bemerkte. Das Gesicht des Mannes war der Wand zugekehrt. Der Detectiv packte den Schlafenden beim Kragen und schüttelte ihn sehr derb. Josef Wilmot," rief er, stehen Sie auf! Das war ne mühselige Jagd, bis es mn endliü) gluckte, Sie zu erwi schen." Der Mann lichtete sich auf und starrte Carter in's Gesicht. Wovon reden Sie, verdammter Narr!" polterte er. Was habe ich mit Josef Wilmot zu schaffen?" Carter hielt noch immer den Pelzkragen mit festem Griff. Die Gesichter der Beiden berührten sich beinahe, waren aber m dem matten Licht der La terne nur wenig zu sehen. Der Mann im Pelz zeigte zwei Reihen von Wolfszahnen, üit txn boshaftes Grinsen Iv an das Zahnfleisch bloslegte. (Fortsetzung folgt.) Noble Schuhe. In ein sehr vornehmes Schuhwaarengeschäft tritt eine Dame und beschwert sich, daß ein Paar Stiefel, die sie erst vor wenigen Tagen gekauft habe, bereits völlig zerrissen seien. Der Geschäftsinhaber schüttelt den Kopf. Wie ist das möglich?" Endlich nach langem Besinnen ruft er aus: Ah, jetzt hab' ich es! Sie werden mit diesen Stiefeln auf der Straße gegangen sein. Wir haben sonst nurKundschaft, welche m Equipage . fahrt! M anvergrößert jede Versuchung: sowohl die, der man unterlegen, als auch die, der man glücklich entrönnen ist.
Für die Suche.
Suppe von gefülltem Kopfsalat. Sechs bis acht Salatköpfe werden fauber gewaschen, zehn Minuten in Salzwasser blanchirt, in kaltes Wasser gelegt, ausgedrückt, auf eine Serviette gelegt, mit einer feinen Geflügel- oder Kalbfleischfarce gefüllt, diese mit den Salatblättern eingehüllt, mit Bindfaden gebunden und mit drei viertel Quart guter Brühe oder Ins 2 Stunden gut zugedeckt gekocht. Zu der in der Suppenterrine aufgetragenen Brühe reicht man in einer Gemüse schüssel den gefüllten Kopfsalat. Kohlrabi ohne Fleisch. Nachdem die Kohlrabi geschält, gewaschen und in Scheiben geschnitten, die grünen Blätter in Salzwasser abgewellt und fein gehackt sind, werden sie mit kochendem Wasser, in welchem ein Theelöffel voll Liebig's Fleischextrakt aufgelöst wurde, auf's Feuer gesetzt ; nun fügt man etwas Salz und ein Stückchen Butter hinzu und, sobald die Kohlrabi weich sind, macht man sie mit Braunmehl sämig, giebt ein wenig g:hackte Petersilie hinein und läßt sie noch einmal aufkochen. Nach Belieben kann man auch in Salzwasser abgekochte und in kleine Stücke geschnittene Kartoffeln darunter mengen. Rinderklops. 1 Pfund Oberschale wird entweder fein aus den Sehnen geschabt oder wiederholt durch die Fleischhackmaschine getrieben, so daß es ganz rein und sehnenfrei ist; dasselbe geschieht mit einem Viertel Pfund frischem Rinder-Nierentalz. Beides wird mit einer eingeweichten, gut ausgedrückten Semmel, Salz, ein wenig gestoßenem weißen Pfeffer, einem ganzen und zwei Eigelben vermischt, im Napf tüchtig durchgerührt und zu kleinen, etwa einen Zoll dicken Klößen von beliebiger Große geformt. Nun streicht man - eine flache Pfanne mit Butter aus, bestreut sie mit den verschiedensten fein gewiegten Kräutern und laßt die darauf gelegten Klopse von beiden Seiten je eine Minute schwitzen. Hierauf thut man einige Löffel voll braune Coullssauce, etwas Weißwein und einen halben Theelöffel aufgelösten Liebigschen Fleischextrakt hinzu, läßt die Klößchen einige Minii ten darin kochen und richtet sie kränzförmig auf einer Schussel an. Von der Sauce fülle man das Fett ab, scharfe sie mit Citronensast und Sardellenbutter oder mehreren fein gewiegten Sardellen und gieße sie über die Klopse. Als Garnitur gebe man in die Mitte braun gedämpfte Kartoffeln, die mit der Schale gekocht, geschält, in Butter und emem Zusatz von ausgelostem Liebigs Fleischcxtralt kurz eingeschmort und schon braun qlacut sind. Italienische N e i s s u p p e. Zwei Zwiebeln werden in kleine Würfel geschnitten und 10 Minuten in 3k Unzen Butter geschwitzt; dann fügt man drei Viertel Pfund olanchlrten und sorgsam abgetrockneten Reis, etwas Salz und Pfeffer hinzu, verrührt alles 5 Minuten über gelindem Feuer, gießt iz Quart Bouillon aus Fleischeztrakt auf, läßt den Reis darin aufquellen, thut ihn, sobald er weich geworden ist, in eine Suppenterrine, übergießt ihn mit einem weiteren Quart kochend heißer Bouillon und reicht die Suppe mit geriebenem Parmesankäse. G e d ü n st e t e s K a l bs h e r z. Man wäscht dasKalbsherz rein, schneidet es in zweiTheile und spickt es reichlich mit gesalzenem Speck. Nun läßt man gutes Fett heiß werden, gibt eine kleine Zwiebel, mit ein oder zwei Nelken besteckt, und das Kalbsherz hinein und wendet es auf alle Seiten. Etwas Fleischbrühe. Essig, Salz und Pfeffer thut man nach und nach daran und dünstet so das Herz eine Stunde langsam weich. Die Tunke muß kurz gebunden sein und sehr pikant schmecken, deshalb ist es rathsam, dieselbe mehrere Male zu versuchen. TaubenmitGewürz. Tauben werden in vier Theile geschnitten. Auf eine Taube nimmt man einen Eßlösfel Rheinwein, ein Ei, großes Stück Butter, Citronenschale, englisches Gewürz, Salz, Lorbeerblatt, Muskatblüthe. Weinessig, geriebenen Zraiebarf und Wasser nach Gutdünken. Alles wird NUN so lange in einem festgeschlossenen Gefäß gekocht, bis es weich ist. Dann werden die Tauben angerichtet und mit kleinen, runden, gebratenen Kartoffeln, die in geriebener Semmel gewälzt waren, gereicht. Gedämpfte Kalbsleber in Weißwein. Die Leber wird von den Häuten befreit, die Gefäße werden von der Mitte so gut als möglich herausgezogen, ohne das Fleisch zu sehr zu zerreißen, alsdann wird die Leber reichlich mit Trüffelschnitzeln gespickt und gesalzen. Inzwischen hat man etwas Sellerie und Zwiebel in Butter weich geschmort und durchgestrichen. Nun giebt man an diesen Brei etwas Fleischextrakt und eine halbe Flasche leichten Rheinwein, legt die Leber hinein, rückt das Gefäß rom Feuer und läßt dieLcber nun etwa eine halbe Stunde langsam darin ziehen. Die Sauce wird noch mit 2 Eidottern und einem Löffel voll gut zerquirlter und durch ein Sieb gegossener Sahne verdickt. Schotensuppe mit Brock chen. Man setzt eine Portion Wurzelwerk an. schmort es in Butter weich, streicht es durch ein feines Sieb in den Suppentopf und gibt einen Theelöffel Fleischextrakt und etwa ein Quart heißes Wasser dazu. Alsdann drückt man abgekochte grobe Schoten gleichfalls durch ein Sieb an die Suppe und schmeckt sie ab. Inzwischen hat man eine kleine Portion frischer feinerer Schoten in Salzwasser gar gekocht und die Brotbröckchen gebraten. - Beides gibt man in die Suppenterrine und richtet die heiße Suppe darüber an
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