Indiana Tribüne, Volume 22, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1899 — Page 2
Cpaziergang. Von Z)?arie Stona. ' Fühlst du, wie die Sonne leuchtet, Liebster, fühlst du das? Wie im Tust sich thauig feuchtet Schon das Wiesengras? Häslcin huscht vor uns am Wege, Aufschwirrt der Fasan. Kommt uns keiner in's Gehege, deiner schaut uns an. Welch' ein Locken in den Zweigen, Rufen dort und hier, Alle Frühlingsblüthen neigen Sich vor dir und mir lind die Sonne küßt im Scheiden Zärtlich Baum und Strauch Liebster, will es gerne leiden, Küe du mich auch! Aas Wodcll. Tm Guy de Maupassant. Wie ein Halbmond geschweift ruhte das Städtchen Etretat mit seinen weißen Klippen, seinem weißen Strand und seinem blauen Meer in der Sonne eines hellen Julitages. An den beiden Spitzen dieses Halbmonds ragten die beiden Thore in das ruhige Wasser hinein, das kleine links, das große
rechts, das eme mit Zwergsutzen, dav andere mit seinen kolossalen Beinen; und der unten breite nach oben sich verjungende Kirchthurm, der beinahe so hoch ist wie die Uferfelsen, reckte seine dünne Spitze zum Himmel empor. Am Strande längs des Meeres saßen eine Menge Menschen und beobachteten die Badenden. Auf der Terrasse des Kasinos saß oder promeuirte die übrige Menge und bildete unter dem lichtstrahlenden Himmel einen Garten von Toiletten, aus dem rothe und blaue Sonnenschirme mit großen, gestickten Seidenblumen hervorglänzten. Auf der Promenade am Ende der Terrasse schritten andere Leute, die Ruhigen und Bedächtigen, fern von dem eleganten Getriebe langsam auf und ab. Ein junger Mann, der bekannte, ja berühmte Maler Jean Tummer, ging mit düsterem Gesicht neben einem kleiuen Krankenwagen her, in dem eine junge Frau lag, seine Frau. Ein Dieuer schob den rollenden Sessel sacht vorwärts und die Verkrüppelte sah aus traurigen Augen auf den lachenden Himmel, den lachenden Tag und die lachenden Menfchen. Sie sprachen nichts. Sie wechselten keinen Blick. Wir wollen ein wenig rasten," sagte die junge Frau. Sie machten Halt und der Maler setzte sich auf einen Klappstuhl, den der Diener ihm zurechtstellte. Die Menschen, die hinter dem stuminen, regungslosen Paar vorbeigingen, betrachteten es mit mitleidigen Blicken. Eine ganze Geschichte voller Aufopferung war über die Beiden im Umlauf. Er habe sie, gerührt durch ihre Liebe, trotz ihres Gebrechens geheirathet, erzahlten die Leute. Nicht weit davon saßen zwei junge Männer auf einer Ankerwinde, ließen ihre Blicke in die Ferne schweifen und plauderten. Nein, es ist nicht wahr. Ich sage Dir ja, ich kannte Jean Tummer ganz genau." Aber warum hat er sie dann geheirathet? Sie war doch schon bei der Hochzeit ein Krüppel, nicht wahr?" Allerdings. Er hat sie geheiraltt ... er hat sie geheirathet . . . zum Henker, wie man eben heirathet, aus Dummheit." Und was weiter?" Was weiter . . . was weiter! Lieber Freund, weiter gar nichts! Man ist dumm, eben weil man dumm ist. Und außerdem weißt Du ja, bei den Malern sind die thörichten Heirathen eine Spezialität. Fast Alle heirathen ihre Modelle oder früheren Geliebten, kurz Frauen, die in jeder Beziehung Schiffbruch gelitten haben. Warum? Wer weiß es? Man sollte im Gegeniheil glauben, daß der beständige Verkehr mit dieser Klasse dummer Gänse, die man Modelle nennt, ihnen für immer den Geschmack an dieser Art von Weibern verderben würde. Ganz und gar nicht! Erst sind sie ihre Modelle, dann werden sie geheirathet. Lies nur Alphonse Daudets kleines Buch Die Künstlerfrauen", das so wahr, so grausam und so wundervoll ist." Für das Paar da drüben vollzog sich das Unglück auf ganz besondere furchtbare Art. Die kleine Frau spielte Komödie oder vielmehr ein entsetzliches Drama. Sie setzte Alles auf eme Karte. War sie ehrlich? Liebte sie Jean? Das wird man wohl nie erfahren! Wer kann je genau entscheiden, wie viel Berechnung und wie viel echtes Gefühl in dem ist. was eine Frau ihut? In ihren ewig wechselnden Eindrücken sind sie stets aufrichtig. Sie sind leidenschaftlich, verbrecherisch, hingebend und bewundernswerth unter dem Einfluß ungreifbarerErregungen. Sie lügen unaufhörlich, ohne es zu wollen, zu wissen und zu begreifen, und trotzdem oder gerade deshalb sind sie absolut aufrichtig in ihren Gefühlen und Empfindungen. Sie bethätigen sie durch gewaltsame, überraschende, unbegreifliche, tolle Entschlüsse, die uns in unserer Logik, in unserem angewohnten Gleichmaß und in allen unseren egoistischen Combinationen irre inachen. Das Unvorhergesehene und das Plötzliche in ihren Entschlüssen sind der Grund, weshalb sie für uns unlösbare Räthsel bleiben. Wir fragen un.s beständig: Sind sie ehrlich? Sind sie falsch? AVer, lieber Freund, sie sind gleichzeitig ehrlich und falsch, denn es liegt in der Natur. Beides bis zum Aeußer-
sien, und doch weder das Eine, noch das Andere zu sein. Betrachte die Mittel, deren sie sich, selbst die anstattdigsten bedienen, um von uns zu erlangen, was sie wollen. Diese Mittel sind complizirt und einfach. So complizirt, wie wir e2 im Loraus nie erwartet hatten, und so einfach, wenn wir ihnen erst zum Opfer gefallen sind, daß wir unwillkürlich verblüfft sind und uns sagen: Was. so albern hat sie mich hinter's Licht geführt?" Und sie kommen immer zum 3iel. lieber
Freund, namentlich wenn es sich darum handelt, daß sie geheirathet werden. Doch höre Tummers Geschichte: Die kleine Frau ist natürlich ein Modell. Sie saß ihm. Sie war hübsch, namentlich elegant und , sie hatte, wie es scheint, eine himmlische Figur. Er verliebte sich in sie, wie man sich in jede einigermaßen reizende Frau verliebt, mit der man oft zusammen kommt. Er bildete sich ein, er liebe sie von ganzer Seele. Das ist eine eigenthümliche Erscheinung. Sobald man eine Frau begehrt, glaubt man ganz ehrlich, man könne nun in aller Zukunft nicht mehr ohne sie leben. Man weiß genau, daß Einem das schon öfters passirt- ist, daß dem Besitz stets der Ekel folgte und daß, will man sein Leben an der Seite eines anderen Gefchöpfes verbringen, nicht blos der brutale, so schnell verlöschende physische Appetit, fondern die Uebereinstimmung im Denken, Wollen und Empfinden erforderlich ist. Man muß in dem Reiz, dem man unterliegt, zu unterscheiden, reinen, ob er rein körperlich ist und einem gewissen sinnlichen Rausch entstammt, oder einem tieferen geistigen Zauber. Er glaubte also, er liebe sie, gelobte ihr immer wieder Treue und lebte vollständig mit ihr. Sie war in der That allerliebst und besaß jene elegante Albernheit, die den kleinen Pariserinnen so ost eigen ist. Sie plapperte und-schwatzte und redete Thorheiten, die in der drolligen Art, in der sie vorgebracht wurden, fast geistreich erschienen. Bei, jeder Gelegenheit hatte sie anmuthige Bewegungen. die ein Malerauge entzücken mußten. Wenn sie in den Wagen stieg oder uns die Hand reichte, stets waren ihre Bewegungen angemessen und geschmackvoll. Drei Monate lang wurde Jean sich nicht darüber klar, daß sie im Grunde genau so war wie alle Modelle. Für den Sommer mietheten sie ein Häuschen in Andressy. Dort war ich eines Abends, als in meinem Freunde die ersten Sorgen aufkeimten. Es war eine wundervolle Nacht und wir Drei wollten einen Spaziergang am Flußufer machen. Der Mond goß einen Lichtregen über das zitternde Wasser und streute seine gelben Blitze über jeden Strudel, über die Strömung und über den ganzen breiten, langsam dahinziehenden Strom. Wir gingen am Ufer entlang, und die unklare Begeisterung, die solch träumerische Abende in uns erwecken, kam über uns wie ein leichter Rausch. Wir hätten übermenschliche Thaten vollbringen mögen und uns für unbekannte, wundervoll poetische Wesen begeistern. Wir fühlten uns erbeben von seltsamem, überschwenglichem Begehren und Verlangen. Und wir ver-: stummten, so sehr erfüllte uns die heitere, athmende Frische der wundervollcn Nacht und des Mondlichts, das unseren Körper zu durchdringen und zu durchströmen und unseren Geist wie in einem Duft von Glück zu baden schien. Plötzlich schrie sie: )! Hast Du den dicken Fisch gesehen, der da unten aufsprang?" Ohne hinzublicken und ohne darauf zu achten, erwiderte er: Ja, mein Lieb." Sie wurde ärgerlich. Nein, Du hast ihn nicht gesehen. Du hattest Dich gerade abgewendet." Allerdings, das ist wahr." lächelte er. Es ist so schön, daß ich an nichts denke." Sie schwieg. Aber nach einer Minute packte sie das Bedürfniß, zu sprechen und sie fragte: Fährst Du morgen nach Paris?" Ich habe keine Ahnung," sagte er. Sie wurde wieder ärgerlich; Du glaubst doch nicht, daß ein Spaziergang amüsant ist, wenn man kein j Wort dabei spricht. Wenn man kein Dummkopf ist, spricht man." Er antwortete nicht. Dank ihrem vererbten Weiberinstinkt fühlte sie nun ganz genau, daß er sich ärgern würde, und sie begann jenes entsetzliche Lied zu singen, mit dem man uns seit zwei Jahren Ohren und Verstand mürbe gemacht hat: Ich starrte in die Luft..." Ich bitte Dich, sei still," murmelte er. Wüthend rief sie: Warum soll ich still sein?" Du störst uns das ganze Bild," erwiderte er. Und nun kam die häßliche, alberne Scene, mit ihren unerwarteten Vorwürfen, ihren vom Zaun gebrochenen Beschuldigungen, schließlich mit ihren Thränen. Nichts fehlte. Sie gingen heim. Ohne ein Wort zu erwidern, ließ er sie neben sich hergehen, der Herrliebe Abend batte ibn taub aemacht und die Fluth von Albernheiten schmetterte ihn nieder. Drei Monate später wand er sich verzweifelt in den unsichtbaren und unzerreißbaren Banden, mit denen eine solche Gewohnheit unser Leben umstrikt. Sie hielt ihn fest, machte ihn zum Sklaven und marterte ihn. Sie stritten sich von Morgens bis Abends, beschimpften und prügelten sich. Schließlich wollte er ein Ende machen und um jeden Preis mit ihr brechen. Er verkaufte seine Bilder, lieh sich Geld von seinen Freunden, machte so zwanzigtausend Francs flüssig er war damals noch wenia bekannt
und legte ihr diese Summe elneö Morgens mit einem Abschiedsbrief auf den Kamin. Dann flüchtete er sich zu mir. Gegen drei Uhr Nachmittags klingelte es. Ich öffncte. Eine Frau sprang mir entgegen, stieß mich bei Seite, trat ein und drang in mein Atelicr. Sie war es. Als er sie kommen sah, war er aufgestanden.' Sie warf ihm das Couvert mit den Banknoten mit einer wirklich vorneh-
men Bewegung vor die Fuße und sagte kurz: Da haben S'e Ihr Geld! Ich Will es nicht!" Sie war sehr bleich, sie zitterte und war sicherlich zu jeder Thorheit fähig. Und ich sah, wie auch er erbleichte vor Zorn und höchster Erregung. Erwar jetzt vielleicht zu jeder Gewaltthätigkeit fähig. Was wollen Sie?" fragte er. Ich will nicht wie eine Dirne behandelt werden," erwiderte sie. Sie haben mir zuFüßen gelegen. Sie haben mich an sich gerissen. Ich habe nichts von Ihnen verlangt. Behalten Sie mich bei sich." Er stampfte mit dem Fuße. Nein, das ist zu stark! Du glaubst wirklich, daß Du . . Ich faßte ihn am Arm. Sei still, Jean. Laß mich die Sache erledigen." Ich trat zu ihr, sprach sanft und vernünftig mit ihr und erschöpfte alle Gründe, die man in derartigen Fällen bei der Hand hat. Sie hörte mir unbeweglich mit starren Augen, stumm und eigensinnig zu. Als ich schließlich nichts mehr zu sagen wußte und sah, daß die Scene ein übles Ende nehmen würde, . grisf ich zum letzten Mittel und sagte: Er liebt Dich ja immer noch, Kind, aber seine Familie will ihn verheirathen, und da begreifst Du wohl . . ." Sie fuhr in die Höhe. Ach so . . . dann begreife ich freilich . ; ." Und sie wandte sich zu ihm: Du willst... Du willst . . . heirathen?" Ja," erwiderte er rücksichtslos. Sie trat einen Schritt vor. Wenn Du Dich verheirathest, tödte ich mich ... verstehst Du mich?" Achselzuckend sagte er; Bitte ... tödte Dich!" Die entsetzlichste Angst schien ihr die Kehle zuzuschnüren und sie sagte zwei-, dreimal hintereinander: Was sagst Du... Was sagst Du ... Was? ... Sag' es noch einmal!" Er wiederholte: Bitte, tödte Dich, wenn es Dir Spaß macht!" Immer noch todtenbleich sagte sie: Reize mich nicht! - Ich springe zum Fenster hinaus!" Er lachte auf, trat an's Fenster, öffnete es und verbeugte sich wie Jemand, der dem Anderen den Vortritt lassen will: Der Weg ist frei! Bitte, nach Ihnen!" Sie sah ihn eine Sekunde lang mit starren, furchtbaren, verstörten Augen an. nahm einen Anlauf, als wollte sie auf dem Feld über eine Hecke springen, lief än mir und an ihm vorüber, sprang über die Brüstung und verschwand. . . . Niemals werde ich den Eindruck vergessen. den das offne Fenster auf mich machte, das ich eben noch von dem herabstürzenden Körper durchschnitten gesehen hatte. Es schien mir nach dieser Sekunde weit wie der Himmel und leer wie der Weltenraum. Unwillkürlich wich ich zurück und wagte nicht hinzublicken, als sollte ich selbst hinabstürzen. Jean stand maßlos bestürzt und rühmte sich nicht. Man brachte das arme Mädchen wieder herauf. Sie hatte beide Beine gebrochen. Ihr Geliebter war wie unsinnig vor Gewissensbissen, und vielleicht auch aus Dankbarkeit nahm er sie wieder zu sich und heirathete sie. Das ist die Geschichte, lieber Freund." Der Abend kam. Die junge Frau fröstelte und sie wollte aufbrechen. Der Diener begann wieder den kleincn Krankenwagen dem Städtchen zuzuschieben. Der Maler schritt neben seiner Frau. Seit einer Stunde hatten sie kein Wort mit einander gewechselt. LSaö Hähne in Nuszland müssen. Im Gouvernement Chärßon wird ein eigenartiges Mittel angewendet. um Regen heraufzubeschwören. Wehe dem, der an dem Erfolg dieses Mittels zu zweifeln wagt. Den Regen herbeizuführen, ist nach Ansicht der Chärßonesen Sache der Hähne, und um sie zu diesem nützlichen Thun zu zwingen, reißt man ihnen die alten Federn aus und badet die Thiere in kaltem Wasser. Dann läßt man sie wieder laufen und wartet auf den Erfolg. Tritt dieser nicht em. so werden die benachbarten Dörfer beschuldigt, diese nothwendige Maßregel unterlassen zu haben. Erdre'stet sich gar einer der Dprfleute, diesen Unsinn nicht mitzumachen, so packen ihn die anderen und begießen ihn mit kaltem Brunnenwasser, bis er keinen trockenen Faden mehr an sich hat. Jeden Morgen wird die Prozedur m'.t den Hähnen vorgenommen, bis endlich der ersehnte Regen eintritt und die Hahne von weiteren Quälereien auf einige Zelt befielt sind. ttostvare Ukren. Die werthvollste Uhr. die eristirt. ist aus Ludwigs XVI. Zeit und befindet sich heute :m Besitze der Famnie Rothschild, die nicht weniger als $165,000 dafür bezahlte. Eme andere werth volle Uhr befindet sich in Brüssel und eine in Petersburg mit 95 Zisferblättern, die gleichzeitig die Zeit an 30 verschiedenen Punkten der Erde und Planeten anzeigen.
Aireltantenkünftc.
S?Cit Vaul von Schönthan. .y Die weiblicben Handarbeiten", mit denen unsere Mütter und Frauen ein gi Theil ihrer Mädchenjahre hinbrachten, gehören heute fast einer überwundenen Epoche an. Ein Theil der heranwachsenden weiblichen FrauenWelt hat sich anderen ernsthafterenAufgaben zugewendet. Vorbereitungen zu einem nährhaften Beruf. Betheiliauna an Vereinen, active Antheilnahme an vem Ztamps um die Frauenrechte, Wohlthätigkeits- und Samariterpflichten geben manchem Frauenleben eine ernsthaftere Richtung und die Gedanken. die die jungen Damen einst in die Hauskäppchen und Pantoffel stickten, werden heute laut auf dem Markt und Kampfplatz des Lebens ausgerufen, im Dienste irgend einer Idee"; man verliert die Zeit nicht mehr mit geheimnißreichen Tagebüchern, sondern macht gleich lieber Romane und Erzählungen daraus und derDilettantismus'steht in voller Blüthe. Die Strick- und Häkelnadeln ruhen, die zarten Hände haben Pinsel und Feder ergriffen und andere Werkzeuge der Kunstübung. Der Unselige aber, der den Imperativ Schmücke Dein Heim!" erfand, hat dem Dilettantismus, sofern er nicht zu Erwerbszwecken getrieben wird, den eigentlichenTummelplatz angewiesen ünd einen Feuerbrand in die Häuser der Bürgerschaft geworfen. Die hauptsächlich von Frauen undMädchen gelesenen Zeitschriften haben diesem Worte eigene Rubulen gewidmet und überbieten sich in Vorschlägen für eine umfassende Ausschmückung derWohnstätten, in der Aneiferung des kunstgewerblichen Dilettantcnthums. Ein Wiener Mode - Journal gab vor einiger Zeit den schönen Leserinnen und welche ..Leserin" wäre nicht schön eine Unterweisung, wie die ausgebrannten Glasbirnen der häuslichen elektrischen Beleuchtung in gefälliger und nutzbringender Weise zu verwenden sind. Man weiß, daß sich in jedem Haus, wo man sich des Segens elektrischer Beleuchtung erfreut, eine Menge werthlos gewordener Beleuchtungskörper ansammeln, und es lohnre sich wirklich, darüber nachzudenken, ob denn eine solche zierliche Glasbirne ihren Zweck erfüllt hat, wenn sie als Lichtquelle untauglich geworden ist. Ganz und gar nicht. Man befreie, natürlich unter Anwendung von Borficht, die Birne von dem angekitteten Beschluß, suche dabei eine Explosion zu vermeiden, die mit einer Detonation verbunden ist, reinige den Glaskörper sodann, versehe ihn mit bunten Bandrüschen und stecke zierliche künstliche Blümchen hinein. Auf diese Art erhält man sehr niedliche kleine Vasen und Blumenampeln. Die genauen Vorschriften zu Kiefer Behandlung will ich nicht wiedergeben, um die Leserinnen nicht etwa in Versuchung zu führen. Abgesehen von den unvermeidlichen schweren Verletzungen, die sich junge Damen bei dieser Procedur zuziehen werden, denn ohne Schnittwunden mit schwierig zu entfernenden Glassplittern wird es nicht leicht abgehen, ist diese Unterweisung gewiß segensreich. In einem anderen Journal fand ich praktische Winke, wie man aus den seidenen Eigarrenbändchen orientalische" Kopftllcher und bunte Tischdecken zusammenfügt, wie sich durch häuslichen Kunstfleiß eine leere Fleischeztraktbüchse in einen reizenden Streichholzständer verwandeln läßt, wie man abgethanen Cacaobüchsen verlockende Nistkästchen für die Aöglein in Wald und Garten herstellt, wie aus geleerten Cigarrenkisten elegante PhotographieSchatullen werden können, und selbst gebrauchte Pferdebahnbillets, über deren schließliche Verwerthung sich die tiefsinnigsten Grübler lange Zeit ohne Resultat die Köpfe zerbrachen, haben eine dekorative Verwendung gefunden indem empfohlen wurde, Ofenschirme damit zu bekleben. Auch die traditionelle Unsitte, Krebs- und Hummerscheeren und Gehäuse in den Müllkasten zu werfen, ist einer besseren Einsicht gewichen, nachdem ein künstlerisches Gemüth die Entdeckung gemacht hat, daß aus diesen einst gering geachteten Tafel - Ueberresten mit kaum nenenswerther Mühe Nadelbüchsen, Stricknadelbeschützer u. dergl. geformt werden können. Man ist noch weiter gegangen und hat die Kirschkerne, die nur von der sorglosen ersten Jugend verschluckt werden, vor dem Untergang bewahrt. Ich habe einmal die Anleitung gelesen, wie sie sorgfältig gewaschen, gereinigt und gebleicht dazu dienen können, die Wände und den Deckel unansehnlich gewordener Schachteln zu schmücken, indem man sie auf heißem Leimgrund dicht aneinander fügt. Der Erfinder dieser Kirschkerntechnii hat vermuthlich auch einige Zeit damit zugebracht, über die kunstgewerblicheVerWendung der ungenießbaren SpargelEnden und Häringsgräten nachzudenke'n. Thatsächlich hat ein Familienblatt einmal folgendes Recept zur Hcrstel'lung einer botanischen Zimmerdecoration veröffentlicht: Eine möglichst große, rothe Rübe, an der sich noch die Blätterkrone befindet, wird oberhalb der Wurzel quer durchschnitten und der obere Theil derart mit einem scharfen Messer ausgehöhlt, daß man in denselben eine Hyacinthenzwiebel einbetten kann. Die Letztere wird beim Einsetzen angefeuchtet, an einer Ampelschnur aufgehängt. Da bei entsprechender Pflege auch die Blätterkronc der Rübe fortwächst, so gewährt hieß es in der Beschreibung diese originelle Zimmerzierde durch die lebhaften Cotttraste einen sehr hübschen Anblick." Ich meine, das heißt eine harmlose rothe Rübe geflissentlich wahnsinnig machen und eine Hyacinthe frevelhast in die Enge treiben.
Wo mehrere Töchter im Hause sind, wird es schwer zu vermeiden sein, daß Möbelstücke, Requisiten. Gebrauchsoder Decorationsgegenstände von der Spritzmalerei oder Brandtechnik verschont bleiben. Nur die phantasielosen, weiblichen Dutzendnaturen' toben sich noch in Tischläufern aus, sticken hundertfach dagewesene Sprüche in Kreuzstich nach, oder kleben transparente Lampenschirme, den beleuchteten Markusplatz in Venedig darstellend. Das sind überwundene Stümpereien. Man lernt heutzutage so rasch malen, daß auch Minderbegabte junge Damen neben dem Notenumtauschen noch Zeit finden werden, zu HauseMöbel, Schüssein. Trinkgläser, Paravents. Besenstiele und Plättbretter mit Chrysanthemensträußen und secessionistisch" stilisirtcn Schwertlilien, zu versehen. Auch durch das Bemalen von Sophakissen aus Plüsch oder Sammet sind siestabedürftige Familienväter ohne Kunstsinn schon häufig in stillen Schrecken versetzt worden. Eine verbreitete Manie des häuslichen Kunstfleißes besteht in dem keine gründlichen technischen Kenntnisse voraussetzenden Vergolden, im Ueberziehen der Gegenstände mit flüssiger Bronze, wodurch besonders so lange der gleißende Schimmer anhält, ein bestechender Effect erzielt, und in Milieus von mäßiger Eleganz ein Schimmer von Prunk und Reichthum geworfen wird. Ich selbst kenne eine Dame eine jung verheirathete Frau, die ihr ganze Umgebung in das goldene Zeitalter versetzt und die rettungslos der im Grund unverfänglichenLeidenschaft des Bronzirens verfallen ist. Ich glaube, sie würde ihren eigenen Gatten nicht verschonen und wenn er nicht gutmüthigen Widerstand entgegensetzte, ihm mit dem Bronzirpinsel an den Leib rücken. Da er eine ausgebildete Glatze besitzt, ist gewiß in ihr schon der Wunsch aufgestiegen, diese Kuppel seines Gedankentempels zu vergolden. Sie verwandelt Austernschalen in Aschenbecher, indem sie die rauhe Außenseite vergoldet und, natürlich in Goldbuchstaben, auf die glatte Innenfeite Ashes" schreibt; auch eine in ähnlicher Weise veredelte ehemalige Sardinenbüchse sah ich auf demNauchtischchen stehen. Auf dem Rande des gedeckten Balcons sind billige Zierpflanzen aufgestellt .aus den Treibhäufern der Markthallen stammend, aber der ordinäre Thon der Gartentöpfe heuchelt gleichfalls den Glanz des edelsten Metalls. Und der Salon"! Flimmernd, gleißend Gold, wohin das Auge blickt. Sehen Sie, damit habe ich angefangen!" sagte die junge Hausfrau aus der Bronzezeit, indem sie auf den mächtigen Ofen in der Zimmerecke wies, der von oben bis unten mitGoldfarbe überzogen war; für das Reliefmedaillon in der Mitte hatte ihr feiner Geschmack Kupferbronze gewählt. Und nun", erklärte sie weiter, kam eins zum Andern." Natürlich, der vergoldete Kachelthurm mit seinem hoffährtigen Glanz schlug alles todt, wie die Maler sagen, nun mußte auch sonst, wo es nur anging, mit Bronze nachgeholfen werden. Ueber dem Pianio eine Fischschüssel selbstverständlich bronzirt und in der Mitte ein Abziehbild, Beethoven darstellend, daneben ein Tambourin mit einer spanischen Tänzerin auf Goldgründ. Aber kein gewöhnliches Decorationstambourin, nein, vielmehr ein alter Damenstrohhut, von dem die Krempe entfernt wurde, die obere runde Fläche weiß lackirt, die Ränder roth mit Bronze. In der Nähe hing etwas wie eine Mandoline, aber ich wollte nicht lange Hinsehen und nicht fragen, ich hätte vielleicht eine noch märchenhaftere Herkunft erfahren. Der Kreislauf der Materie wird durch erfinderische Heimschmücker in ungeahnter Weise aus der Bahn gelenkt. Die Visitenkartenphotographie 'steckt die goldene Frau in sehr originelle Rahmen, die sie aus gebrauchten Skatkarten herstellt, indem sie an drei Seiten einen Schnitt vollführt, aber so, daß ringsherum ein Rand bleibt; den mit dem ausgeschnittenen Kartenblatt noch zusammenhängenden Theil biegt sie nach hinten, das ist der Fuß des Rähmchens. Die Ränder bestreicht sie mit einem zähen Klebestoff, auf den sie groben, getrockneten Kaffeesud" streut. Zuletzt wird dieser gekörnte Ucberzug natürlich bronzirt. Auch die Milchglasglocke der Hängelampe mußte ihre weiße Farbe dem .Göldglanz opfern, was ich, nebenbei gesagt, wegen der
Undurchlässigkeit für unzweckmäßig halte. Auf dem Ofenbrett erblickte ich zwei merkwürdige Pyramiden, die aus ausgeblasenen Eiern aufgebaut waren; das oberste Ei war derart aufgeschnitten, daß es die Bestimmung einer Vase verrieth. alles bronzirt; der Wandkalcnder war durch ein Stillleben aus Krebsschwänzen und GartenschneckenHäusern verziert, man kann sich denken, irf welcher Färbung. Kein Vergaügen ohne Bronze! Vom Bücherbrett grüßten die Statuetten der beiden Dichterfürsten herab, brauche ich erst zu sagen, daß dem charakterlosen, billigen Gips der Schein grünlich schimmernden Erzes angeheuchelt wurde? Am Fenster stand einVogelbauer mit einer Zustiaen Amsel. das Gefäng niß des unschuldig Verurtheilten war vermuthlich einmal grun wie alle Bogelhäuser, ich kann mir ersparen, von der Veränderung, die damit borgegangen ist, besonders zu sprechen. Die Lebensdevise dieser Frau ist: Bronzire Dein Heim!" Man kann sich in so etwas hineinleben. Ich erinnere mich genau, daß mich während des Besuches, bei dem mir all diese Wunder gezeigt wurden, Verwirrungen des Geuchtssmncs vevroylen, daß ich. vom Goldglanz geblendet, di; Düsterkeit dort, wo er noch fehlte, wie
eine Disharmonie empfand, und beim ! Abschied küßte ich die nach Lack duftende Hand der liebenswürdigen Zauberin, wobei ich im Banne der empfangenen Eindrück den Abschiedsgrüß: Bronziren Sie wohl!" von mir gab. Doppelt schwer fiel mir dann die Schmucklosigkeit meines goldarmen
jgetms aus die -eele. Zutti. Von Antonio de Nararro. . Jahre sind darüber vergangen. Er war in die Farm gekommen, sich einen Trunk Wasser zu erbitten und war geblieben. Hier war's weit schöner und malerischer als in seiner Wohnung drunten im Dorfe, und er hatte ja sein Leben der Kunst und der schönen Natur geweiht. Sie hatte ihm die Gartenthür neben dem Jasminstrauch geöffnet den Hauch der ersten Jugend hatte sie bercits abgestreift und wie er nun ihr Haus betrat, war es, um nie wieder aus ihrem Leben zu schwinden. Es war Anfangs Juni ein herrlicher Sommertag für sie wie das leise Ahnen kommenden Glückes wilde Rosen in den Hecken, edle Rosen im Garten die Zeit der Rosen. Und die Luft warm und windstill, durchsummt von goldenen Bienen, die ganze Natur sprossend und keimend in der zitternden Mittagsgluth. Nur hier und da ein vereinsamter Tritt auf den Steinfließen der Hütte und das Geräusch des nahen Dorftreibens, das wie ein fernes Echo herüberklang sonst Todtenstille. So gut erinnerte sie sich alles dessen später. Damals hatte sie nicht Acht darauf gegeben. Es war Mittagszeit, als er kam. Und er ging wieder, als die Blätter fielen: ein früher Herbst, wie traurig! Der Sommer war plötzlich vorbei eine eilige Ernte die Zweige der Bäume bogen sich im Winde, kalte Nebel verhüllten die Sonne, und der Sturm trieb die trockenen, gelben Blätter im hastigen Wirbel vor sich her. Am ersten Tage war ihr Herz gleichsam wie erstarrt; dann belebte es sich wieder an den Wundern der glücklichen vergangenen Zeit: der frühen Morgenmahlzeit; der täglichen häuslichen Arbeit. die plötzlich alle Einförmigkeit verloren; dem regelmäßigen Weg nach dem Gehölz, um ihm fein Mittagessen zu bringen; den freundlichen Worten, mit denen er sie regelmäßig begrüßte und die sie dann jedesmal noch unbeholfener, noch scheuer, noch glücklicher machten; der hastigen, fluchtähnlichen Rückkehr, bei welcher die Scheu sich wieder legte; dem Sturm ungehemmter Empfindungen, mit denen sie athemlos vor Geschäftigkeit, ihre unvollendete Arbeit wieder aufnahm, alles zuerst so seltsam, so fremd und dann im Laufe der Tage so gleichmäßig, so ängstlich in ihrem Herzen gehütet, bis sie aufgerüttelt wurde, als die Scheidestunde kam, als er gegangen. Frei, allein, unbeobachtet, hatte sich ihr Herz mit Erinnerungen erfüllt, dann hatte es sich wieder verschlossen. Und in diesem Sichverschließen lag das Trauerspiel ihres Lebens. Das erste, heimliche, bis dahin ungekanntc Gefühl der Liebe durchbebte sie mit verwirrender Freude oder mit Staunen sie war sich dessen nicht recht bewußt. Und dann das Erwachen! Ihre niedere Herkunft, seine Ueberlegenheit wie sollte seine edle Gestalt in ihrem Herzen Raum finden? Die Erregung, der Schrecken, als ihr das zum Bewußtfein kam! Und die plötzliche, feierliche Wandlung von Liebe zurVerehrung einer stillen Verehrung seines Andenkens, einzig und allein seines Andenkens, der geheimen Hingabe ihres Lebens an dieses treue Gedenken und alles, was ihm verwandt war. Und dann zog wieder der Friede in ihr Herz. Seit jenem Tage war manche Ernte gereift und eingebracht. Für sie aber war es beständig Juni. Ihre Liebe kannte keinen Herbst. Und doch war ihr Herz frei von Bitterkeit. Denn ihr Leben war ausgefüllt, hatte einen festen Halt, war für immer mit der Vergangenheit verknüpft. Jeder Einzelheit erinnerte sie sich, rief sie sich mit unermüdlicher Treue und Hingebung zurück; jedes Wort, das er gesprochen und dem sie mit ungetheilter Aufmerksamkeit gelauscht, hörte sie von neuem; jede Stunde barg einen Schatz von Erinnerungen; die Tage folgten sich in unveränderter Gleichförmigkeit. Nur eine einzige Abwechslung: jedes Jahr einmal eine Reise nach der großen Stadt, um seine Werke zu schauen, jie mit andern von Tausenden bewundert wurden. Dann eine Rückkehr zu der geliebten Einförmigkeit, eine hastigeRückkehr, wie in einen sichern Hafen, ihr Herz durchdrungen von dem Gefühl sein Ueberlegenhei.', sich der eigenen Werthlosigkeit voll bewußt. Trübe Tage folgten, mühevolle Tage harter Arbeit.' Tage, wo sie seine Erinnerung floh und gleichsam unbewußt zu der alten Lebensweise zurückkehrte, und dann das fast wunderbare Erwachen neuer Hoffnung, neuen Friedens. Während all der Jahre hatte Niemand im Dorf eine Ahnung von dem, was sie innerlich bewegte, so eiferfüchttg, so stolz hütete sie ihr Geheimniß. Aber endlich siel doch ihr täglicher Gang ins Gehölz, um die Mittagsstunde, auf und erweckte die Neugierde. Man erinnerte sich des Fremden auf der Farm, und bald grüßte sie hier und da ein bedeutungsvolles Lächeln auf der Dorfstraße. Aber sie gab kaum Acht darauf. Im Gegentheil, sie trug, das Haupt um so höher, war um so stolzer auf ihren verborgenen Schatz. Wolken zogen an ihrem Horizont herauf.
Plötzliche Gerüchte von dem Erwachen seines Genius, von seinem weit verbreiteten Ruhm drangen bis in'Z Dorf. Und sie? In ihrem Leben aab es keinen Wechsel, keinen Fortschritt. Für einen Augenblick erfaßte sie Schrecken, blinde Angst. Dann ein Strahl der Vernunft, der Demuth, und sie sah alles, begriff alles, alles, was ihr Herz jahrelang ihrem Verstand vorenthalten hatte, die Verwegenheit ihrer Liebe, die Lächerlichkeit ihrer Verehrung, dieVergangenheit, die sich überlebt und der Zukunft niemals gleichkommt. Juni! die Rosen der Jasminstrauch und der erste Rauhreif. ... 4 Der Frühling brachte eineWendung;'' ihre Erinnerung wurde frisch belebt eine unendliche Sehnsucht, die dem Leben neue Nahrung, neue Kraft verlieh. Sie mußte leben bis zum Juni, bis zu einem letzten Besuch. Juni!" Wo ist wohl die Nummer einhundert und achtzig?" Einen Augenblick stand sie am Eingang, erschöpft, athemlos, die Antwort erwartend. Die Stufen, die sie sonst so leicht erstiegen hatte, einst alte liebe Freunde, und jetzt. . . . Die ungeduldige Menge schob sie fast durch die Thür; drittes Zimmer rechts" klang es in ihren müden Ohren, und mit unsicheren Schritten folgte sie der Weisung. Sie mußte sogleich, ohne Aufenthalt, die Nummer suchen. Schon drehte sich' alles um sie her. immer neue vergoldetc Rahmen! Ach. wäre sie doch nur erst am Ziel! Der Fußboden so glatt. Und vor einem Jähre ging sich's doch so sicher. Hatten sie kein Mitleid mit ihr? Und die Räume so endlos lang! Aber sie nahm ihre ganze Willenskraft zusammen und drang weiter vor, dorthin, wo vor einem großen Bilde die Menge sich zusammendrängte. Es war das Seine. Darüber herrschte kein Zweifel. Noch wenige Schritte vorwärts. Sein Ruhm erfüllte das ganze Land. Und dort stand die bewundernde Menge. Ihr erster Impuls war, sich wieder abzuwenden. Was für ein Recht hatte sie? .... Juni ... die Nosen Sie bahnte sich unaufhaltsam ihren Weg durch die Menge, man machte dem zarten Geschöpf Platz und so stand sie endlich vor dem Bilde. . Ihr Herzschlag stockte. Ein Augenblick der Ruhe und als sie die Augen zu dem Bilde erhob, da war es die Gartenthür der Jasminstrauch und unter ihm stand sie. Zwei Arme hielten sie im Fallen auf. Und sie kehrte nicht in die Farm zurück. Kinder bei Tisch.
Soll man Kinder zwingen. Alles zu essen? Das ist gewiß eine Frage, die schon mancher Mutter das Herz schwer gemacht und manchen Vater in unnöthige Aufregung versetzt hat. Der UnfugJemand zum Essen zu zwingen, wird bei uns namentlich Gästen und Kindern gegenüber getrieben, insbesondere sind es die Letzteren, die oft genug ihre Gesundheit dem unsinnigen Vorurtheil der Eltern, das Kind müsse essen, was auf den Tisch kommt, zum Opfer bringen müssen; s wäre das noch viel häufiger der Fall, wenn nicht de? kindliche Magen in den meisten Fällen, wo gegen dieses Naturgesetz gesündigt wird, revvltirte und das Unzweckmäßige wieder heraus beförderte. Den Kindern gegenüber sollte folgende Praxis eingehalten werden: Man soll sie nie zwingen, mit einer Speise, die ihnen widersteht, ihren Magen zu füllen, beziehungsweise ihren Hunger zu stillen, wohl aber soll man jedesmal den Versuch machen, das Kind an die Nahrung zu gewöhnen. Dieser Proceß verlangt nicht das Essen größerer Quantitäten derselben Nahrung; es genügt hierzu vollständig das bloße Kosten. Der Satz: das Kind soll essen, was auf den Tisch kommt",' ist deshalb dahin abzuändern: das Kind soll von Allem kosten, was auf den Tisch kommt, aber seinen Hunger nur mit dem stillen, was ihm schmeckt." Manche Hausfrau wird einwerfen, es sei, naj mentlich in einer größeren Familie, ! praktisch undurchführbar, dem indivi- ' duellen Geschmack jedes einzelnen ' Tischgenossen Rechnung zu tragen, man könne mcht Jedem besonders lochen. Der Einwand ist aber nicht stichhaltig. Denn es macht einer Hausfrau gewiß keine besondere Mühe, wenn sie bei jedem Mittagsmahle neben den besonders gekochten Speisen noch Brot, Butter, Obst, Ei und Milch aufstellt oder wenigstens bereit hält. Das sind Speisen, welche die meisten Kinder sehr gern essen. In sehr vielen Fällen, in denen man Kinder, besonders die größeren, zum Essen noch besonders zwin--gen muß, ist gewöhnlich dadurch gesündigt werden, daß man das zweite Frühstück zu reichlich gewährte oder womöglich gar unmittelbar vor dem Mittagessen noch einmal aufschüttete". Wer seine Kinder von früh auf in Allem, so auch in der NahrungsaufnahMe, an Ordnung gewöhnte, vor Allem nur zu ganz bestimmten Zeiten ihneu Kost reichte, der wird selten in die Lage kommen, auf seine Kinder einen. Zwang ausüben zu müssen, wenn es zum Essen geht; ' die geleerten Teller und Schüsseln sagen dann der glückstrahlend dreinschauenden Mutter, daß der Appetit ihrer Lieblinge vorzüglich ist, daß es ihnen geschmeckt hat, daß ste Alles essen, was ihnen vor ihren kleinen Schnabel" kommt. EinJnteressent. Wie, Ihren Schatz haben Sie in der Küche gelassen, ist der Mensch denn auch zuverlässig?" Köchin: O ja. Madame; der paßt besser auf das Essen auf, wie
