Indiana Tribüne, Volume 22, Number 290, Indianapolis, Marion County, 9 July 1899 — Page 2
Zie Montenegrinerin. f Ein eigenartiges, dem deutschen v'öl Iiß unbekanntes Milieu ist es, dos das Wesen der Czernagoren ausmacht, es haftet ihm noch der Duft Ursprunglicher Poesie, warmer Romantik an Denn gerade der Montenegrineriimmt in der groß-slavischen Welt eine excepiionelle Stellung ein; man kann ihn ebenso wenig dem Großrussen unterordnen, wie irgend einem anderen slavischen Volke, den werben oder Ruthenen etwa, gleichstellen. Der einzige Stamm, mit dem die montenegrinische Frau hier und da einige Berührungspunkte aufweist, wäre höchstens ihre Hervetska Sestra", die kroatlsöhe Schwester, die der Czernagorska Sestra" nachzueifern sich bestrebt. Für gewöhnlich pflegt man zu h'ören. der Montenegriner sei durchaus Zricerisch und abenteuerlustig veranlagt, er liebe es, in den Bergen und tiefen Schluchten seines romantischen Vaterlandes zu Hausen, um von hier kühne Ausfälle in fremdes Gebiet zu machen; demgemäß sei auch die Stellung der Frau eine untergeordnete und nichts weniger als glückliche. Dies ist aber ganz unrichtig! Wohl ist im Charakter des Montenegriners ein scharfer Zug für dasKühne, Muthvolle und wild-Abenteuerliche ausgeprägt, in keinem Falle aber in dem Maße, daß darunter das Familienleben und die Stellung der Frau leiden würde. Man darf vor allem das Eine nicht vergessen, daß der Montenegriner in Gorale", ein Bergbewohner, ist, und daß es somit schon aus atavistischen Gründen in seinem Wesen liegt, die heimathlichen Berge zu lieben und sich zu ihnen hingezogen zu fühlen. Weiß er ja ganz gut, daß er nur diesen Bergen die Unabhängigkeit seines Landes verdankt; sie sind ein naiürlicher Wall, der ihn von der AußenWelt absperrt und den feindlichen EinZiringlingen ein energisches Halt gebieiet. Und der Montenegriner ist wie jeder orale" freiheitsliebend; die persönliche Ungebundenheit geht ihm über alles, er muß sich frei bewegen können, die ganze Welt und die ist ihm sein enges Vaterland im wahrsten Sinne des Wortes muß ihm offen .stehen. Das südslavische Tempera'ment läßt sich nie und nimmer verleuanen. Wohl übt dies seinen Einfluß auf die Stellung und das Leben der Frau OUZ. Keineswegs aber ins schlechtem Sinne; denn im Grunde genommen sind die Montenegriner ein Ackerbau jreibendes Volk, das ein wahrhaft pairiarchalisches Leben führt. Das beste und entschieden auch sympathischste Bild des montenegrinischen Volksiebens bietet die montenegrinische Frau. Auf den ersten Blick könnte man sie für eine Italienerin halten, deren frot, lebhafte Beweglichkeit sie theilt und der sie auch äußerlich sehr stark ähnelt. Der slavische Typus läßt sich aber in keinem Falle verleugnen, und er kommt überall dort zum Durchbruch, wo die Frau crus sich heraustritt und' sich in Un Vordergrund stellt. Dies ist stets Itz Fall, wenn es sich um AngelegenHeilen de Familie handelt. Die Monienegrinerin wird von frühester Kindheit an schon danach erzogen, das Haus und die Familie als ihre ureigensteDomäne anzusehen; hier schaltet und waliet sie nach eigenem Willen, dem sich auch der Gatte unterordnet, sie ist absolute Herrin, der in nichts widersprochen wird. Dafür steht sie dem Außenleben vollkommen fern und nimmt keiuerlei Antheil an Politik und ähnlichen Fragen, die die Männer beschäftigen. Der Ehrgeiz der Montenegrinerin liegt darin, dem Manne immer zu gefallen, für den sie sich stets in ihrer malerischen Art schmückt. Das montenegrinische Rationalcostüm bietet ihr hierfür reichliche Gelegenheit. Bald ist es ein buntes Tuch, bald' sind es farbige Perlen oder rothe Korallen, bald eine duftende, lebende Blume im schwarzblauen Haar, wodurch sie ihre Reize zu heben sucht. Besonderes Gewicht wird auf den Schmuck gelegt, mit dem sie sich sehr reich überladet. Diademe. Armspangen, Behänge mit orientalischen Münzen und kleinen, silbernen Zierrathen, großeOhrringe und Fingerringe bilden ihren Stolz. In vielen Familien gibt es manches Schmuckstück, das sich von Mutter auf Tochter vererbt, es bildet dies bei den Frauen fast ein Heiligthum, wie bei den Männern etwa ein schöner Dolch mit kostbarem Griff oder eme theure Flinte mit eingelegter Arbeit. Der Montenegriner hat für derlei schöne Waffen ein vorzügliches Verständniß, er konnte hierin ein Araber sein! Die Erziehung der Kinder liegt voll-
ständig der Frau ob. So lange der Knabe nicht die untere Schule verläßt. bleibt er mit den übrigen Geschwistern Iti der Mutter, die lhre Kinder nie außer Augen läßt und sie selbst bei Besuchen mitnimmt. Ihr Hauptaugenmerk wendet sie aber ausschließlich der Tochter zu, da der Knabe bald dem Vater folgen muß, um in das Leben eingeführt zu werden. Das Mädchen wird nun bis zu dem Alte?, in dem man daran denkt, es zu verloben, in stiller Abgeschiedenheit gebalter. Qier wäcöst es unter den Augen dir Mutter und der Freundinnen auf, hier entfaltet es sich zur Blüthe, hier wird es gehegt und gepflegt von ewigem Sonnenschein grenzenloser Eljernliebe. Das Mädchen kennt keine anderen Sorgen, als sich immer nur zu schmücken. Es lernt aber auch die Wirthschaft führen, das Haus in Ordnung halten, Feld und Wiese bestellen. Sehr oft muß es sich auch mit dem Webstuhl beschäftigen, um selbst die Leinwand fertigen zu können, die im Hause gebraucht wird. Soll sich das Mädchen endlich verheirathen, so st eS Sorge des Vaters, den Bräutigo'm zu linden. Meiüens wird dieser ata
schon viel früher bestimmt, da eS nichts 7 . i . . . n
Seltenes vel ven Alonlenegrmern iji, VmC VU SslnifT ihre Kinder fdbon im zartesten Alter einander versprechen. Bis zu ihrer ossittellen zeriooung aoer dürfen die jungen Leutchen mit einander nicht verkehren. Ja, es in logar titatn die oute Sitte, wenn sie miteinander einmal tanzen, falls sie sich mit ihren Eltern bti irgenv einem ene zu sammenfinden. Bei sollten Geleaenhriitn itrmtn die brauen und Mädcken ebenso ihr eigenes ftolo" wie die rm" m.. v:- (n.rA.:utn. otannct. viui uic .ou,ynuynni.n.ren", die auch andere nationale Eigen thümlichkeiten bereits abgelegt und dafür mehr von der Civilisation des Wefan3 anaenommen baben. aestatten das Tanzen ' beider Geschlechter zugleich. A m mm t m fS m 1 Ohne Ameise! lst rnce Ävjonoerung f- c i:::rjc rc ; c r , . mritiit noty au tuuiuyui viujiuj guvuwjsuyren. TV? 5s7?nnj?n?rinerin ist nnaemein religiös und liebt die kirchlichen Cere- ' '(-- r'-ti rt.m'Wsi niunicen; iqt iciuii. cucijuuic üuuu ist stets von einer heiligen Scheu vor dem aebeimnikvollen Unbekannten erfüllt,' in ihrem Glauben findet sie in allen Lagen des Lebens Stärkung und Trost. Sie ist deshalb eine fleißige Kirchenbesucherin, auch fehlen in ihrem Hause nie Heiligenbilder, die sie bei jeder Gelegenheit mit frischen Blumen bekränzt, und vor denen sie jeden Tag betet. (53 ist durckaus remes. unaetrübteS Familienglück, das die Montenegrinerin um sich derbreitet und auch findet. Rein und wahr ist ihr ursprüngliches, t t fw m i unverdorbenes Welen, es t alles an ihr noch natürlich und ungekünstelt. Die Radlerln. (Frei nach Schiller'S Alpenjäger"), von Matthias Mayer. Willst du nicht das Strümpflein lnüpfen? Strümpslein ist schon durchgewetzt. Laß die Nadeln lustig schlüpfen. Daß der Strumpf nicht ganz zerfcht! fiajj die Strümpfe, laß die Nadeln, Mutter, Mutter, laß mich radeln!" Willst du nicht die Wäsche waschen? Dann bekommst du einen Mann! Bügle Hemden und Gamaschen, Daß dich Niemand tadeln kann! Laß die Männer, laß sie tadeln, Mutter, Mutter, laß mich radeln!" i Willst du niebt die Knödel schöpfen? Dich am Hackbrett nicht erfreu'n? Aus den Ladeln. aus den Töpfen Willst du nicht Gewürze streu'n? Laß die Töpfe, laß die Ladeln, Mutter, Mutter, laß mich radeln!" Und die Jungfrau stieg zu Rade, Und es treibt und reißt sie fort Rastlos auf verbotenem Pfade, An des Gäßleins engem Ort. Bor ihr her mit Blitzesschnelle Flieht ein ängstlicher Geselle. Auf der Treppe nackte Rippen Klettert er mit leichtem Schwung; Durch des Rinnsteins enge Klippen Trägt ihn der gewagte Sprung. Aber hinten, ohne Gnade, Folgt sie mit dem Teufelsrade. Jetzo muß er stehen bleiben; Einen Graben schaut er hier. Drin die Knaben Kneippkur treiben, Kähne segeln aus Papier. Vor ihm des Morastes Schimmer, Hinter ihm das Frauenzimmer! Mit des Jammers stummen Blicken Fleht er um ein mild' Geschick; Fleht umsonst, denn auf dem Rücken Fühlt er schon den Pneumatik. Da in einem weiten Bogen, Kam es über ihn-geflogen. Und die Jungfrau fühlt's beklommen: Alles ist so furchtbar naß Und sie sieht den Schutzmann kommen, Hört ihn schreien und wird blaß: Unfug wirdhier nicht gelitten, Darf ich um den Namen bitten?" Japanische Frisuren. Die Kunst des Frisirens steht in Japan auf einer sehr hohen Stufe, was unsere Damen nicht weiter wundern wird, wenn sie hören, daß man an der Art des Kopfputzes dort den Rang und das Alter der Trägerinnen erkennen kann. Das Alter eines Babys wird durch das aufeinanderfolgende Arrangement des Haares zu einem kleinen nötchen hinten im Nacken oder einem Kränzchen oben auf dem Kopfe oder einer Haarlocke vorne auf der Stirn angegeben, während der übrige Theil des Hauptes glatt abrasirt erscheint. Mädchen von acht bis neun Jahren tragen es zur Schleife am Hinterkopf gewunden und schlingen um diese ein Stück rothen Krepp, die vordere HaarPartie wird entfernt, nur an iederSeite des Gesichtes baumeln ein paar lange Locken herunter. Die heirathsfähigen Jungfrauen nehmen das Haar hoch auf dem Kopf zusammen, sie sristren es entweder in der Gestalt eineo Schmetterlings oder Fächers und schmücken dann den Aufbau mit Gold- und Silberschnur oder glänzenden Kugeln. Eine Wittwe, die nach einem zweiten Gatten späht, wickelt ihre Locken um eine große Schildpatthaarnadel, die sie sich horizontal am Hinterkopf aufsteckt, eine trauernde Gattin aber, bis dem Verblichenen treu zu bleiben gedenkt, schneidet sich ihr ganzes Haar, ihren größten Stolz, kurz ab und trägt es, ohne Scheitel, glatt nach hinten gekämmt. Gefährliche Situation. Student (der Abends einen Spitzbuben unter seinem Bette liegend findet): Aber Mensch, wie können Sie sich so leichtsinnig in Gefahr begeben ... ich bin erst gestern mit dem Bett vurchge-brechen!?- -
Sem Schwiegervater. Humoreske von I. Jobst. .Ludwig, kann man in acht Tagen das .Radeln lernen?- Mit dieser Frage betrat der Architect Ernst Hahn das Zimmer seines Freundes, des Journalisten Ludwig Gerber. Mensche bist Du toll geworden. Du und radeln! Das lernst Du ja nie. Du kannst nicht turnen, nicht schwimmen, nicht reiten, hast überHaupt nichts Vernünftiges gelernt, außer büffeln und willst radeln. Ja, aber in drei Teufelsnamen sage nur, warum?" Ich muß." sagte Ernst und ließ sich ächzend aus einen Stuhl fallen, frage mich nicht weiter, quäle mich nicht, sondern hilf mir." Kopfschüttelnd ging Gerber auf und ab, dann blieb r vor Ernst stehen : Hast Du einen Anzug?'' Ja, von Neumann & John bezogen." Gut, das ist schon etwas. Uebrigens ausgezeichnete Firma. Nun aber zur Hauptsache, wie steht es mit dem Rad? Du weißt doch, was solch ein Ding kostet?" Natürlich, das Geld wird geborgt." Geborgt ! ! Und das sagst Du so leichtsinnig. Du Ernst Hahn, der noch nie einen Pfennig Schulden gemacht hat. Menschenkind, Du bist verliebt, so leichtsinnig wird Deine Art nur, wenn sie in Amors Fesseln liegt. Gestehe!- ' Schuldbewußt senkteErnst Hahn die Augen. Wer ist's, heraus damit! Mir mußt Du beichten, sonst helfe ich Dir nicht, so wahr ich Ludwig Gerber heiße.Stockend begann nun Ernst Hahn, ein junger Mann von etwa 30 Jahren, zu beichten und so erfuhr sein Freund, daß er sich bis über die Ohren verliebt habe in die Nichte seines Hauswirthes, ein leckes, reizendes Mädchen von 18 Jahren, Namens Wanda Bartholdy. welches zum Besuch bei ihrem Onkel sei. Jch verfolge sie auf Schritt und Tritt und ich habe auch bemerkt, daß ich ihr nicht gleichgültig bin." An was für Anzeichen? Das erzähle mir genau; ich habe Erfahrung in solchen Dingen." Sie lächelt mir zu." Hm, das will nichts sagen, das thun sie alle, die lieben Weibchen." Wenn ich ihre Hand drücke, so fühle ich leisen Gegendruck." Schon etwas mehr, aber noch nichtssagend." Und dann " Weiter, weiter, verschweigen darfst Du nichts." Sie liest meine Gedichte", kam es verschämt von Ernstens Lippen, und sie findet sie sehr schön." Freund Ludwig lachte laut hinaus: Na, das ist ja Geschmacksache, aber dieses Indizium fällt schwer in die Wagschale. Doch bei alledem brauchst Du noch nicht zu radeln." Nern," erwiderte Ernst kläglich, aber sie radelt und wie! Ich sage Dir, einfach göttlich und da saust sie mir nun bei jeder Gelegenheit davon, während ich mit langem Gesicht nachsehe. Dann ist auch so ein verfluchter Vetter da, der sie stets begleitet. Ludwig, wenn Du mein Freund bist, so hilfst Du mir.- . Zuerst noch eine Frage. Hat sie Mammon? Sonst lasse ich meine Hände davon, ich werde Dich doch nicht in Dein Unglück radeln." Darüber kannst Du ohne Sorgen sein, ich weiß aus bester Quelle, daß ihre Mutter, die Wittwe ist. ein sehr großes Vermögen bescht. Mich läßt dieses aber völlig kalt." Weiß ich, weiß ich, Du tugendsamer Jüngling, aber da ich mich nun doch einmal als Deine Vorsehung betrachte, so erlaubst Du wohl, daß ich Deinen getreuen Eckart spiele." Gott sei Dank," sagte aufathmend Ernst, denn bei diesem Lehrer und seinem festen Willen war er seines Erfol$es sicher. Die Stunden begannen, und da Liebe zu allem gelehrig macht. so konnte es Hahn wirklich nach acht Tagen wagen, sich seiner Angebeteten auf dem Rade zu zeigen. Die Linien seiner Bahn waren ja noch etwas chlängelnd, die Schnelligsei der Fahrt eine mäßige, aber es ging doch ganz leidlich, und was für ihn die Hauptsache war, er. sah in seinem Anzug so fesch und keck aus, daß Niemand ahnen konnte, wie ängstlich ihm sein Herz bei dem Wagniß klopfte. So nahm er die Mittheilung seines Freundes fehr befriedigt hin. daß derselbe ihn auf seinem ersten Ausflug mit Wanda begleiten wolle. Den Vetter nehme ich dann auf mich, damit Du freie Bahn hast." setzte Ludwig hinzu. Aber welche Augen machte letzterer, cls Hahn ihn bei seinem Hauswirth Meier einführte, der den stattlichen, jungen Mann freundlich aufnahm und die beiden Herren bat. ihm in den Salon zu folgen. Dort trat ihnen das junge Mädchen entgegen und Ludwig Gerber war. so verblüfft von ihrer Schönheit, daß seine Kaltblütigkeit ihn vollständig verließ und er nur einige understäudliche Worte murmelte. Wäre Ernst nicht wrch seine eigene Herzensongelegenheit so ganz in Anspruch geN5mmen gewesen, so hätte ihm das Benehmen Gerbers auffallen müssen, aber in seinem Gemüthszustand sah er nur bewundernd zu Wanda auf und lauschte verzückt ihren freundlichen Worten. Die kleine Schelmin merkte sofort, welch' tiefen Eindruck sie auf Ludwig Gerber machte, und beschloß auch auf diesen, der ihr weit besser gefiel, als sein viel zu schüchterne? Freund, die Sonne ihrer Huld scheinen zu lassen. - Bald darssf traf Wandas Mutter IzZi zum Besuch ein, ein rundliches,
freundliches Weibchen, der die LebenSlust aus den lustigen braunen Auzen funkelte. Von Thränen um den lieben Seligen war nichts mehr darin zu lesen. Sie hätte für die ältere Schwester der eigenen Tochter gelten können. Eifrig wurde nun eine Tour für den Nachmittag von den jungen Herren vorgcschlagen und angenommen. Um Vier Uhr harrten dic. Freunde am verabredeten Rendez-vous, aber sie trauten ihren Augen kaum, als Wanda, anstatt an der Seite des Vetters, mit ihrer dicken Mama angeradelt kam, beide in blau und weiß, wie zwei Schwestern, aber die eine schlank wie eine Gazelle, die andere blüh:nd in runder Fülle. Ach die langen Gesichter der Freunde, von denen der eine nur noch ächzen konnt:: Die Schwiegermutter !" Während Ludwig ihm zuraunte: Die mußt Du auf Dich nehmen, mit der mußt Du Dich gut halten," waren auch die Damen schon herangekommen und fort ging die. fröhliche Fahrt, wenn auch anders, als ursprünglich geplant war. Bald gewannen die vorzüglichen Fahrer Ludwig und Wanda die Töte, schneller und immer schneller rasten sie davon auf der freien Bahn. War das eine Lust! Rad an Rad, Auge in Auge flog er mit dem schönen Mädchen dahin. Wie ihre Wangen glühten und die Brust sich hob, die blonden Löckchen flatterten im Winde und die rosigen Lippen waren leicht geöffnet, als mußten sie laut hinausjubeln vor Lebenslust und Uebermuth. Da verlor Ludwig Gerber sein Herz, vergessen waren die Träume der goldenen Freiheit, vergessen all' sein Denken und in ihrer Hand allein lag sein künftiges Glück, seine Liebe. Langsam und bedächtig radelnd folgten die beiden andern, so kamen sie ohne Unfall am Bestimmungsorte an, wo sie lachend von den Vorausgeeilten empfangen wurden. Frau Bartholdy dankte Ernst mit herzlichen Worten für seine ruhige Begleitung, da das rasche Tempo nicht ihr Geschmack sei, worauf Ludwig sich vernehmlich räusperte, Wanda verschmitzt lächelte und Ernst Hahn tief erröthete. Dann vereinte alle ein.fröhliches Mahl. Auf dem Heimweg mäßigten Ludwig und Wanda ihre Fahrt, aber sie waren doch stets voran, sodaß Ernst den Anblick nur von ferne genießen konntet Er tröstete sich zwar damit, daß die Schwiegermutter bei der LLsung seiner Herzensfrage auch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden habe, aber das entschädigte ihn doch durchaus nicht für die Abwesenheit Wandas. Tag für Tag machte unser Quartett nun die schönsten Fahrten, aber nach und nach stieg in dem harmlos vertrauenden Gemüth Hahntz ein schwarzer Verdacht auf und er zweifelte an der Treue seines Freundes. Umsonst wies er ihn al5 unmöglich zurück, er begann mißtrauisch zu werden und heute beim Beginn der Fahrt fing er einen Blick des Einverständnisses auf. der wie der Blitz jähes Licht auf das Spiel der beiden warf. Gewißheit wollte er haben. Gewißheit um jeden Preis und als Ludwig mit dem jungen Mädchen wieder davonsauste, da spannte er alle seine Kräfte an und eilte ihnen nach, trotz der kläglichen Bitten der Schwiegermutter in spe, die sich vergeblich bemühte, ihm zu folgen. Keuchend trat Ernst sein Stahlrad, immer rascher und rascher, er flog dahin wie der Wind auf der glatten, einsamen Landstraße. Jetzt mußte er die Flüchtigen bald erblicken, hinter jener Biegung dort, so verminderte er seine Schnelligkeit. Jetzt war die Ecke erreicht aber was erblickt er? Nebeneinander gelehnt standen die beiden Fahrräder unter der großen Linde da vor ihm und hart- daneben standen Arm in Arm die Gesuchten ; sie waren so eifrig mit ihren süßen Angelegenheiten beschäftigt, daß sie des Nadfahrers nicht achteten, der abgesprungen war und leichenblaß zu ihnen hinübersah. Rache, Rache !" so schrie es in der Seele des geprellten jungen Mannes. Aber wie? Fordern konnte er Ludwig nicht, das wäre so gut wie Selbstmord gewesen. Sich auslachen lassen, noch viel weniger. Vor allen Dingen wollte er jetzt nicht gesehen werden und so bestieg er sein Rad, um sich zu seiner Gefährtin zu begeben, die ihn wohl schon ängstlich vermißte. Auch dieser mußte er wohl ein Märchen aufbinden, von einem Sturz oder so etwas ähnlichem. Doch halt ein Gedanke, ein glorreicher Gedanke! Ein triumphirendes Lächeln erhellte die. vorhin noch so gramvoll entstellten Züge und vor sich hinmurmelnd: Rache ist süß," radelte er mit wahrer Todesverachtung zu der verlassenen Schwiegermutter zurück. Unsere zärtlichen, jungen Leute hatten ihre Zeit wohl benutzt und harrten bei dem Fürstenhause, welches das Heu'nge Ziel war, als seliges Brautpaar der'langsam herannahenden Begleiter. Nun sprang Ernst vom Rade und half diensteifrig Frau Bartholdy beim Absteigen, dann zog er die Errathende in seine Arme und sagte zu ihr: Theure Therese, unsere nächsten Freunde müssen unser Glück zuerst erfahren. Hier brinqe ich meine liebe Braut." Donnerwetter entfuhr es kräftig den Lippen Gerbers, und während die Tocbter jubelnd die Mutter umarmte, drückte Ludwig scheinbar gerührt seinen Freund an das Herz, ihm zuflllsternd: Mansch, bist Du von Sinnen, Du nimmst die Schwiegermutter?" Ja und zugleich das Portemonnaie." Das war Ernst Hahn's Rache, doch das Rad, welches ihm zu derselben verbolfen hatte, strafte er künftig mit Ver-achtung.
Japanische Damen. Je inniaer unsere Veuebunaen au
dem fernen Osten werden, desto grötzeres Interesse gewinnen für uns alle o:e eiaenartwen. durck die aesckichtllcke Abgeschlossenheit begründeten Erscheinungen der Civilisation dieser Länder. Auch die Frauenwelt Ostassens beginnt , uns näher zu treten und unsere Phantasie zu beschäftigen. Die niedere Frauenwelt Japans ist uns' ja selbst aus den parodirenden Scenen der Geisha" ein wenig vertrauter geworden: Desto fremder steht uns noch immer vas Leben der Frauen in den höheren Classen Japans, die Damenwelt des ostasiatischen Adels gegenüber. Und wie Kenner des Orients versichern, ist selbst in dem unserer Civilisation leicht zugänglichen Japan in diesem Punkte keine Aussicht auf Aenderung der Verhältnisse vorhanden: Die japanische Damenwelt wird die Unberührtheit ihrer nationalen Cultur noch für lange Zeit wahren. Die Frau ist ja bekanntlich viel confervativer als dev Mann. Das einfachste und complicirteste Geschöpf zu gleicher Zeit", nennt eine Kennerin der ostasiatischen Verhältnksse die japanische Dame. aanzes Wesen, ihr Denken und Fühlen ist dem unsren fremd, ja unverständlich und völlig entgegengesetzt. Gegen Ausländer zeigt die japanische Dame wohl äußerlich die Höflichsien, liebenswürdigsten Formen; aber nie laßt sie es zu wirklich intimen Beziehungen kommen, auch nicht im Verkehr mit ihren weißen Schwestern. Etwas Undefinirbares, Fremdes, Kühles, eine trennende Schranke bleibt stets zwischen ihnen. Dabei sind ihre Umgangsformen die denkbar vornehmsten, höflichsten und elegantesten. Die Japanerin i st im allgemeinen kleiner und zarter als die Amerikanerin Sie ist in der Jugend oft sehr hübsch, auch von unserem Standpunkt, altert aber rasch, und ihre Züge verfallen dann. Ihr Teint ist blaß; aber sie legen alle Puder und Schminke so dick wie möglich auf, und eine scharfe Linie am Kinn bezeichnet die genaue Grenze von Kunst und Natur. Das japanische Schönheitsideal verlangt ein langes, ovales Antlitz, regelmäßige Züge, mandelförmige, ein wenig schräge Augen, eine hohe schmale Stirn und reiches, weiches schwarzes Haar. Körperliche Uebungen kennt die Japanerin nicht, der Fremde wundert sich stets, was sie mit ihrer Zeit anfängt; denn häusliche Arbeit giebt es kaum in einem japanischen Heim. Nicht einmal regelmäßige Mahlzeiten. Man ißt, wenn man gerade Hunger hat, und läßt das Nöthige aus einem Laden in der Nachbarschaft holen, der alles bietet, da die Ansprüche an die Küche in Japan die denkbar geringsten sind. -Die Speisekammer enthält fast nie etwas Anderes als ein wenig Reis, Kuchen und ein paar Früchte. Der Fischhändler geht von Haus zu Haus mit feinem Korbe, schneidet von dem lebendigen Thiere soviel ab, wie verlangt wird, wiegt es der Käuferin zu und wirft den Rest wieder in seine Butte. Die volksthümlichste Heroine Japans, deren Name dort von jederFrau mit Bewunderung genannt wird, ist eine Art gelber Lucretia. Die Geschichte spielt im Jahre 1646. Ein Edelmann, der eine junge Frau hatte, wurde zum Mikado berufen und läßt die hübsche Gattin allein zurück. Einer ihrer früheren Bewerber, den sie zurückgewiesen, hörte davon und benutzte die Gelegenheit, das Wesen, das er noch immer heiß liebte, zu entführen. Aber die Geraubte war ebenso klug wie schön und bevor noch ein Unglück geschah, gelang es ihr, aus dem Hause des Räubers wieder zu entfliehen. Dennoch hielt sie sich für entehrt für ewige Zeit. Als ihr Gatte von Hofe zurückkehrte, veranstaltete sie ihm zu Ehren ein großes Bewillkommungsfest, zu dem die ganze Verwandtschaft eingeladen wurde. Bei Tisch das Mahl fand auf dem Dach des Palastes statt erzählte sie, was ihr begegnet war und was noch niemand erfahren hatte, und bat ihren Gatten, sie als eine Entehrte zu todten. Der Gatte umarmte und küßte sie entsetzt und erklärte zärtlich, er liebe sie auch nach dieser Enthüllung genau so heiß wie vorher. Aber ihr feines Ehrgefühl war nicht befriedigt sie wandte sich an alle Anwesenden der Reihe nach, und als jeder Einzelne erklärte, daß sie nicht der leiseste VorWurf treffe, zog sie selbst einen Dolch hervor und tödtete sich. Der Entführer wurde ergriffen und als Adliger zum Harakiri verurtheilt. Eigenartig sind die Sitten der Brautwerbung und Hochzeit in den höheren Ständen Japans. Der Liebende befestigt einen Blüthenzweig am Thor des väterlichen Hauses seiner Erkorenen.' Wird dieser abgenommen. so ist seine Werbung erhört bleibt er unbeachtet, so gilt sein Antrag als abgelehnt. Eine seine Form voll echt orientalischen Taktes, die aufregende und beschämende Scenen persönlicher Aussprache erspart! Die Geschenke, die die Braut von ihren Verlobten erhält, giebt sie sogleich an ihre Eltern weiter, um sie' für die auf ihre Erziehung verwandte Mühe zu entschädigen. Bei der Hochzeit werden imFesträum, in dem sich die Vermählten gegenübcrsitzen. zwei Tische aufgestellt. Der eine trägt, eine Schale mit Saki und zwei Trinkröhren, aus denen das Brautpaar trinkt, so andeutend,, daß beide künftig Freuden und Leiden des Lebens gemeinsam kosten wollen. Der zweite Tisch trägt die Hochzeitssymbole: Eine Zwergkiefer als Zeichen der Stärke des Verlobten, einen Zwerg Pflaumenbaum als Zeichen der Anmuth der Braut, und einen Storch, auf einer Schildkröte stehend, als Zeichen der glücklichen Ehe. Die Braut trägt über
dem herkömmlichen Faltengewand den 5dimoni, einen Schleier, den sie ihr ganzes Leben lang aufbewahrt und der bei ihrem Tode verbrannt wird. Die
erste Psiicht der Japanerin ist Gehörsam: Als Mädchen gegen die Eltern, als Frau gegen den Gatten, alsWittwe (zweite Ehen finden selten statt) gegen den eigenen Sohn. Die Dritte. Von Helene Lang-Anton. Sie stand am Fenster und sah in die stürmische Nacht hinaus; sorgenvoll war ihr Blick, ihre Zähne gruben stch fest in die Unterlippe, als wollten sie jeden Laut zurückhalten, die kleine aber durchaus nicht wohlgepslegte Hand' strich nervös über die tiefe Falte, die ihre Stirn durchzog. Diese tiefe Falte! Das Alter hatte sie nicht gegraben, aber vielleicht Kummer oder Entbehrung? Guten Abend, Tantchen! Hu, welch' schauriges Wetter, es ist ein Glück, wieder daheim zu sein!" Mit diesen Worten hatte ein junges Mädchen die Thür geöffnet, schüttelte den Schnee von Hut und Mantel und trat ein. Die Frau neigte stumm den Kopf zum Gruße, es schien, als trübte sich ihr Blick noch mehr, als vertiefte sich die scharfe Falte. Konnte dieses schöne, , maiensrische Geschöpf die Veranlassung sein? Die eben noch so frostige, unheimlicheStube war plötzlich traulich und wohnlich geworden, seitdem das junge Mädchen darin auf und nieder ging, selbst die Lampe schien Heller zu brennen und das bis dahin so traurig zusammengekauerte Vöglein hüpfte fröhlich im Käfig umher und schmetterte sein Liedchen so kräftig, daß die kleine Kehle zu zerspringen drohte. Teller. Messer klapperten. Anna das junge Mädchen, deckte den Tisch zum Abendbrot und mit den Worten: Nun kann der Onkel kommen," stellte sie die Lampe auf den gedeckten Tisch. Diese Worte ließen die stille Frau am Fenster zusammenfahren, sie drehte sich fchnell um: Du sehnst Dich wohl nach dem Onkel?" Gewiß, Tantchen!" Du liebst ihn wohl sehr?' Wie komisch Du fragst. Tanichen. Gewiß, ist er nicht unendlich gut zu mir?" Ja. er ist gut zu Dir!" kam es bitter von den Lippen der jungen Frau. War sie noch jung ? Der Lichtschein der Lampe fiel auf ihr Gesicht, auf ein feines, bleiches, vor der Zeit gealtertes Gesicht, aus dem schöne blaue Augen traurig blickten. Erstaunt betrachtete sie Anna, als ob sie etwas erwidern wollte, da ertönte die Klingel. Der Onkel!" rief das junge Mädchen freudig und eilte nach dem Flur. Sie kann es garnicht erwarten, ihn wieder zu sehen", murmelte die junge Frau vor sich hin und trat tiefaufseufzend an den Tisch, um zu sehen, ob nichts fehle. Draußen hörte man scherzen und lachen. Der Onkel, eine hohe, schlanke Männergestalt, erschien alsbald auf der Schwelle. Lisbeth!" Mit ihrem müden, schleppenden Schritt ging sie dem Eintretenden entgegen. Er ergriff ihre Hände: Guten Abend, Schatz! oh. wie hart Deine Hände sind." Meine Hände sind weich wie Sammet, sagte jüngst der kleine Fritz von nebenan," rief Anna, und hielt ihre schönen Hände mit den rosigen Fingernägeln triumphirend dem Onkel vor die Augen. Glaub's schon", wehrte der so arg Bedrohte lachend ab. Hast auch nicht' so viel gearbeitet wie Deine Tante." Machst Du mir daraus einen Vorwurf?" Aber Lisbeth?!" Liebevoll umschlang er sie und küßte sie, sie ließ es ruhig geschehen, ohne die Liebkosung zu erwidern. Kann ich auftragen. Onkelchen?" Noch nicht, mein Kind, Freund Köhler kommt zum Abendbrot." Es klingelte. Da ist er schon, schnell, öffne." Er klopfte freundlich die Wange des jungen Mädchens, ohne zu bemerkten, wie Frau Lisbeth dabei erschauerte. Bald saßen sie beim Abendbrot unter heiterm Lachen und Plaudern, d. h. Werner und Anna plauderten und lachten. nirai, Oisbetb san still und IhK. da ! sie sich unbemerkt wähnte, ihr Auge ängstlich von ihrem Mann zu Änna und umgekehrt gleiten. Doch dies Augenspiel war nicht unbeachtet geblieben, die dunklen Augen des Freundes beobachteten scharf die junge Frau. Als nach beendeter Mahlzeit die Männer sich zurikzogen. weil sie raujhen wollten, sagte plötzlich Köhler ganz unvermittelt zum Freunde: Ich finde Deine Frau verändert?Verändert? Wie so?" Sie ist nicht mehr so hübsch wie früher!" Ich finde sie schön!" Sie ist alt geworden!" Wir sind alt geworden, denn wir sind fast in einem Alter." Sie sieht älter aus als Du; sie hat so frühzeitig Falten bekommen." Diese lieben Falten, die hat die Sorge um mich in ihr liebes Gesicht gezeichnet. Du, als mein, bester Freund, weißt ja, wie wir uns durchgerungen, wie wir gearbeitet, gekämpft, entbehrt haben; wollte ich erlahmen, Lisbeth wurde nicht müde, sie schaffte unaufhörlich mit ihren kleinen Händen, ihrem klugen Köpfchen und ihrem goldenen Herzen, sie war nicht nur mein geliebtes Weib, sondern auch mein
treuer Kamerad, mein redlicher Mitarbeiter. Ich liebe sie aus tiefster Seele, wie sie aussieht, habe ich nicht beachtet, doch muß sie schön sein, da eine schöne Seele in ihr wohnt." Erregt hatte Werner gesprochen, und ebenso erregt hatte Köhler seine Hand ergriffen und ausgerufen: Gott sei Dank! daß Du Deine Frau liebst!" Zweifeltest Du daran?" Ich nicht, aber vielleicht Deine Frau." Lisbeth? Lächerlich! . Doch sie ich werde Dir einen guten Rath geben: schicke Anna fort!" Anna, weshalb?" Weshalb? Ich habe da unlängst eine kleine Fabel gelesen, darf ich sie Dir erzählen?" Du mir eine Fabel, die Sache ist gut; na meinetwegen, versetzen wir uns in die Kinderjahre zu rück, schieb los." In einem Walde lebte ein alter Einsiedler, er wollte von den Menschen nichts wissen, wahrscheinlich hatten sie ihm zuviel Gutes erwiesen; desto mehr liebte er die Thiere, namentlich den Vögeln wendete er sein ganzes Herz zu. Auf. seinem Dache hatten sich ein Krahenmännchen und -Weibchen das Nest gebaut und lebten in friedlicher Ehe. Unser alter Einsiedler versorgte sie reichlich mit Speise und Trank und konnte sie nicht genug loben ob ihrer herrlichen Eintracht. Eines Tages fand er vor seiner Thür eine kleine halbverhungerteKrähe todtmüde liegen, er hob sie sorgsam auf, trug sie in das Krähennest und bat umAufnahme für das junge Thierchen. Das Ehepaar nahm es denn auch freundlich auf. bald war es wieder munter und schrie lustig darauf los. t? machte Ausslüge und das Krähen'" Männchen begleitete es und man hörte schon von weitem das Scherzen der heimkehrenden Aö'gel. Je lustiger das Männchen und die
kleme Krähe wurden, desto stiller und trauriger wurde das Weibchen und "s die beiden eines Tages fröhlich fortgeflogen waren, fanden sie bei ihrer Rückkehr das Weibchen todt. Der Einsiedler meinte trauernd: Gerade wie bei den Menschen, die Eifersucht tödtet!" Nun. und was hat dies mit Lisbeth. mit Anna zu thun?" Ich glaube " Was glaubst Du?" Daß Deine Frau eifersuchtig auf Anna ist?" 1 Auf Anna? lächerlich warum?" Warum? Du großes Kind! Weil Anna schön und jung und sie es nicht mehr ist, weil Du mit Anna scherzest und lachst. Dies täglich zu sehen, ist eine verblühende Frau, und wäre sie die beste, nicht im Stande, auf Dauer zu ertragen. Deine Frau leidet. Und selbst für Dich ist eine Trennung rathsam, er liegt Gefahr in diesem täglichen Verkehr mit einem schöuen, thaufrischen Geschöpf." Ist Anna schön?" Mensch, das hast Du gar nicht gesehen?" Nein, ich sehe nur Lisbeths liebe? Gesicht, aber Du magst Recht haben, Lisbeth ist verändert, sie ist ernst und traurig und müßte doch jetzt, wo es uns gut geht, wo die traurigen Tage hinter uns liegen, heiter und glücklich sein. Ich werde Anna zu meiner einsamen Schwester senden, die Gegenwart des jungen Mädchens wird ihr ein Sonnenstrahl sein." Thue das. mein Fr.'und, und nichts störe Euer ferneres Glück; Ihr seid einander werth." . Noch in später Abendstunde saßen Werner und Lisbeth auf dem Sofa Hand in Hand. Wie schnell hatte die Frau glückstrahlend lächeln gelernt, ein rosiger Schimmer lag auf ihren Wangen und verjüngte sie. Die tiefe Falte auf der Stirn war zwar noch da. diese Falte, die er so liebte, weil gemeinschaftliches Sorgen und Entbehren sie gegraben hatte. Neckend entzog sie ihm ihre Hände: "Laß doch, sie sind so hart, so abgearbeitet " Für mich," unterbrach er sie, und küßte sie immer und immer wieder und dabei sahen sie einander in die Augen mit treuer, echter, hingebender. alles um sich vergessender Liebe! Ja. das war die Liebe, die alles verzeiht und alles vergißt, nur nicht zu lieben! Splitter. Wer Alles mikroskopisch will ergründen. Der wird gar bald nichts mehr genießlich finden. Ein Wort zur rechten Zeit ist eine That. Die natürliche Strafe für das Nichtsthun ist die Langeweile. Die D ü m m st e n haben das meiste Glück. Aber damit ist nicht bewiesen, daß einer, der kein Glück hat, nicht auch dumm sein kann. D a s A l t e r brüstet sich immer mit seiner Erfahrung, selbst dann, wenn es nie eine gemacht hat. E s ist unrichtig, daß man sich nach der Decke stccckeu muß; meistens muß man sich nach der Decke zusammenziehen. Soll der Grundstein zu einem Charakter gelegt werden, so muß das Schiäsal die Hammerschläge führen. ,' . . Vers ch n ä p p t. Zwei Barone streiten s: i'.ber das Alter ihres Adels. Ach ras," meint der Eine, so alt ist Ihr Adel nicht wie der meine, ich kann JhneT' ute noch von meine? Ahnen Mahnbriefe aus Um 14. Jahr hundert zeig-n- -
