Indiana Tribüne, Volume 22, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1899 — Page 7
AieArauen auf Sachalin. Die Insel im Ochotsttschen Meer wird neuerdings von der russischen Regierung in hervorragenderemMaße als weiblicheStrafcolonie benutzt. Es komnun jetzt dort auf hundert männliche Verbannte dreiundfunfzig weibliche. Wenn man die Soldaten mitrechnet, die do:t leben, so kommen freilich erst fünfundzwanzig Frauen auf hundert Männer. In Sibirien aber ist das Verhältniß an den meisten Deportationsorten nur zehn zu hundert. Die nach Sachalin deportirten Frauen sind meist junge Geschöpfe, die dort auf der kalten Insel die in der Hitze ihres Temperaments begangenen Vergehen büßen: Mord, begangen am verräthetischen Geliebten, am treulosen Mann, an der Schwiegermutter. Selbst die, welche wegen Fälschung oder wegen Brandstiftung zur Zwangsarbeit derurtheilt wurden, haben diese Verbrechen meist aus Liebe zu ihren Liebhabern oder Gatten begangen. Der bekannte, russische Schriftsteller Tschechow schildert in einer russischen Zeitschrift das Leben diese: Verbannten. Er entwirft folgendes interessante Bild. Am Tage nach der Ankunft des Transports vertheilt man die Frauen in die einzelnen Bezirke. Die Tschinowniks von Aleksandrowsk, der Hauptstadt der. Insel besorgen diese Verkeilung, und deshalb erhält der Aezirk natürlich den Löwenantheil sowohl hinsichtlich der Qualität wie der Quantität. Die hübschesten und jüngsten bleiben im Norden der Colonie. während der Süden nur alte Frauenzimmer erhält, die nicht die Gunst der Männer verdienen. Ein Theil der Frauen, der in Aleksandrowsk verbleibt, wird dort in der Eigenschaft als Dienstboten bei den Beamten untergebracht, ein anderer in deren Harem", während der dritte und-zahlreichste Theil zu den reicheren, von der Verwaltung protegierten Colonisten wandert. Die wohlhabenden Zwangsarbeiter bekommen auch Frauen. Der Bezirkschef und der Inspektor der Colonie entscheiden darüber, daß die einzelnen Eolonisten und Muschicks ihre weibliche Veute erhalten. Die glücklichen Erwählten werden eingeladen, an einem bestimmten Tage zur bestimmten Stunde eine Frau aussuchen zu kommen. An diesem Tage defilirt die Reihe von Bräutigams", wie man sie dortzulande nennt,längs der langen Straße, die von Naibutschsi zur Station führt, entlang. Sie haben wahrlich eine besondere Haltunz, die Haltung wirklicher Bräutigams: einzelne tragen ihre schönsten Costüme, andere wenigstens prächtige Pflanzerhüte; dieser Colonist hat neue Stiefel mit hohen Absätzen, die er,, weiß Gott wo und unter welchen Umständen, erworben hat. Alsbald nach ihrer Ankunft läßt man sie alle in eine Frauenabtheilung eintreten. In der ersten Viertelstunde scheinen Männer und Frauen geniert; die Bräutigams" gehen um die Frauen herum, die nachdenklich sitzen bleiben. Die Männer treffen ihre Wahl. Sie derrichten es ernsthaft, ohne Arglist, auch Häßlichkeit und vorgeschrittenes Alter behandeln sie ernsthaft, menschlich.Sie studiren aufmerksam die Gesichtszüge der deportirten Frauen und suchen sich Rechenschaft zu geben von ihren Hausfrauentug:nden. Die endlich scheint dem Einen passend, die dem Anlern. Er setzt sich zu ihr und beginnt eine intime Unterhaltung. Sie fragt, ob er einen Samowar hat, wie seine Hütte ist, mit Stroh oder Schindeln gedeckt. E? antwortet, daß er einen Samowar hat, ein Pferd, ein Kalb von einem Jahre. Und wenn das Examen zu Ende geht, fragt sie: Wirst Du mich nicht mißhandeln? Versprichst Du das?" Die Conversation ist beendet. Die Frau wird in die Register eingetragen als lebend mit dem Colonisten und die Civilehe ist geschlössen. Uebrigens hindert das Alter die Frau keineswegs, auf der Insel ihren Weg zu machen. Man trifft Frauen, die mehr als fünfzig Jahre alt sind und noch junge Bursche von fünfundzwanzig bekommen. Es giebt Fälle, wo Mutter und Tochter gleichzeitig ihren Mann" finden. Und daß das Klima von Sachalin dem ehrlichen Leben günstig ist, beweist der Umstand, daß es dort junge Mütter" in dem respektablen Alter von einigen fünfzig Jahren in Massen giebt. Religion und Nationalität spielen bei der Schließung dieser Scheinehen nicht die geringste Rolle. Tataren leben dort mit Protestanten. Katholiken oder Qrthodofpmit Juden. Im großen Ganzen werden die Frauen sogar gut bchandelt. Gelegentlich setzt es eben mal Peitschenhiebe, sonst aber gelten sie ja als seltener Schatz, um so mehr, als sie sich ihres Rechtes voll bewußt sind, daß sie den Mann, der ja eigentlich ihr Mann gar nicht ist, jederzeit verlassen dürfen,, und das lassen sie die Männer" gelegentlich mal fühlen. Rührende Züge fehlen auch nicht in dem Bilde das Tschechow malt. Er erzählt u. A.: In Dun sah ich eine arme Deportirte, die an epileptischen Anfällen litt. Ihr Mann" umgab sie mit der größten Sorge. Als ich ihm einmal bemerkte, daß es doch schrecklich sein müsse, mit einer so kranken Frau zusammenzuleben, da antwortete er mir heiter: Das thut nichts, man lebt doch menschlich." ; Nach all dem scheint die frei Liebeauf Sachalin guter Ton zu sein. Es kommen dabei die seltsamsten Dinge vor. Es giebt zum Beispiel Frauen, die nach sechsjährigem Zusammenleben Koch nicht einmal den wahren Namen Ihrer Männer kennen. Wenn der Nann arbeitet oder Karten spielt, liegt ie im Bette, langweilt sich oder schwätzt
mit der Nachbarin, die ihre LebenZgeschichte auskramt, und weshalb sie nach Sachalin kam. Wenn dann der Mann" heimkehrt, findet er weder Thee noch Zucker vor. Aber die UnterHaltung der beiden Frauen nimmt ihren ungestörten Fortgang. Schließlich wird ihm die Geschichte zu langweilig. und er legt sich auch zu Bett. Langweilt sich eine Frau gar zu sehr über einen Mann, so läuft sie ihm davon und geht zu einem reicheren, der ihr mehr Zerstreuung bieten kann, und der vor Allem mehr Schnaps hat. Da schließlich die deportirten Frauen auf Sachalin auch für ihre Zwangsarbeit bezahlt werden, und zwar ganz gut sie erhalten keinen niedrigeren Lohn als die Männer , so ist ihre Lage eine recht erträgliche. Und es giebt thatsächlich auch Frauen, denen es leid thut, nur ein paar Jahre nach Sachalin verbannt zu sein. Denn sobald sie freigelassen werden, hören die Löhne auf. Wer aber einmal auf der. Insel ist, kommt schwer fort; und so ist es, wenn man doch schon, ob freiwillig oder unfreiwillig, bis an's Ende dort bleiben muß, vortheilhafter, Zwangsarbeiterin zu bleiben, als Freigelassene zu werden.
X Ein Keller Schneck. Eine Tieslbvte!iGeIöiSIe von Maria Zanitschek. Wir schrieben die Stelle aus und suchten in .besseres" Mädchen. Wir sicherten ihm höfliche Behandlung und eine Aushilfefrau" zu. Wir bildeten uns ein, ein Mädchen aus feinerem Hause sei leichter zu behandeln. Sie erschien. Sie lächelte uns verständnißinnig an, vertraut, liebenswürdig, nachsichtig. Eigentlich wunderte ich mich, daß sie uns nicht gleich die Hand schüttelte. Sie hieß Elsa-Bethi Zeltinger von Zeltingen und war die Zweitälteste von vierzehn Kindern. Papa und Mama nicht zu wirthschaften verstanden usw., usw. Zuletzt war sie bei einer Schauspielerin bedienstet gewesen. Sie heißen Elisabeth," sagte ich nach einem Blick in ihr Buch, weshalb zertrennen Sie diesen lieben, schönen Namen?" Nein, ich heiße nicht Elisabeth, sondern Elsa-Bethi." Ich rief sie also Elsa. Sie .besaß nur Tändelschürzen", und ich mußte ihr von meinen eigenen langen, soliden Kuchenschürzen borgen. Ein bkmdes hübsches Mädchen! Die erste Woche war die reinste Flitterwoche für uns alle. Elsa-Bethi kochte leidlich und wartete nie ab, daß man einen Wunsch aussprach, sondern unterbrach einen schon nach den ersten Worten mit einem freundlichen: .Ja wohl, ja wohl, ich weiß schon." Manchmal wußte sie auch nicht. So z. B. an dem Tag, da ich sagte: Elsa, wir bekommen heute Graupen in die Suppe. Im Küchenschrank links " Weiß schon, weiß schon, gnädige Frau." Wir kommen mit tüchtigem Hunger nach Hause und setzen uns zu Tisch. Mein Mann will mir den Suppenteller füllen und zauiert plötzlich. Was ist denn das? Sieh mal her! das ist ja gekochtes Vogelfutter." Wir lachten zuerst sehr, dann ärgerten wir uns aber doch. Mein Gatte klingelte. Elsa, wo haben Sie denn Ihren Kopf?" Weiß schon, Herr Doctor. Das Zeug wollte mir nicht weich werden. Solche Graupen hab' ich noch nie gehabt." Ich auch nicht." rief ich. Es ist doch das Futter unseres Finken und keine Graupe." Deshalb," sie lachte auf, ich habe mir gleich so etwas gedacht." .Ich habe Ihnen doch die Büchse " Freilich, aber ich hab' sie neulich umgeleert und den Inhalt verwechselt. .Das ist ja noch kein Trauerdrama." Sie zeigte ihre hübschen Zähne und tänzelte hinaus. Aehnliche Dinge kamen fast jeden Tag vor. Sie glitt mit der Elasticität eines großen Geistes darüber hinweg. Die Backhendln". zu denen ich einige Freunde lud, machte sie englisch, und das Rostbeaf ließ sie zwei Stunden lang braten. Dabei war sie nie in der Küche, wenn man sie suchte. Wo steckte sie? In ihrem Zimmerchen über den Tisch geneigt, über ein Papier geneigt. Liebesbriefe? Eines Mittags wollte mein Mann eine Gabel mit Kraut zum Munde führen. Er legte sie entrüstet weg. Ein blondes Haar von der Länge eines halben Meters verband liebreicb die einzelnen Krautfasern miteinander. Als sich diese sonderbare Zusammensetzung nach einigen Tagen wiederholte, ging ich nach der Küche, um Elsa-Bethi Vorstellungen zu machen. Sie war nicht anwesend. Ihre Stubenthür stand offen.' Ein dunkler Verdacht erhob sich in mir, Sollte ein Liebhaber ihr den Kopf verrücken? Wo war der Elende? Warum gab sie nicht ihm, sondern uns Pillen aus ihrem Blondhaar? , Indeß ich zürnend aus sie wartete, fiel mein Blick auf das beschrieben? Papier, das auf dem Tischchen lag. Du giebst Zwar keinem Hunde Futter, Und hast auch keine rechte Mutter, Du bist das, was man herzlos nennt, nennen schönen Thränen Bohnen Böhnen Hilf Himmel! Elsa-Bethi! Bist du eine Dichterin? Ist dir hier der Reim ausgegangen? Ich schlug die' Seiten um. Auf dem Umschlag des Buches stand: Im Frühling, Fritz, der Erstling und anderes. Also auf's modernste! der Erstling
intf anderes. Aber Elsa-Bethi! Ich suchte ihren Namen. Gedichtetes von Dohn Schan. In diesem Augenblick geht die Cor ridorthüre. Ein Milchkännchen in der Hand, hupft sie herein. Das Stirnhaa? hängt ihr malerisch um den Kopf. Elsa, kämmen Sie sich netter. Wir finden nicht selten etwas im Gemüse." Ach, sonst war es immer in der Suppe. Ich versteh' nicht." sie lächelte erröthend und fuhr sich mit Hand über's Haar. Meine Geduld wurde auf die härtesten Proben gestellt. Eine geniale Köchin ist noch fürchterlicher als eine bornirte. Mit dem leichtfertigen Lächeln und der erhabenen Sorglosigkeit, womit sie über allen angebrannten Braten und dem englisch zubereiteten Geflügel steht, entwaffnet sie einen. Man duldet und duldet weiter. Eines Nachmittags hatte ich einige Bekannte
zum asfee gebeten. Ich yatte, um Vergeßlichkeiten Elsa-Vethis vorzubeugen, selbst den Tisch gedeckt, ihr das Quantum Kasfee in die Kaffeemühle gethan und die Kuchenschale geordnet. Meine Gäste erschienen. Wir plauderten eine Zeitlang und setzten uns um den Tisch. Nach einer Weile klingle ich. Es dauert sehr lange, bis der Kaffee kommt. Wahrscheinlich bereitete sie ihn besonders sorgsam zu. Ich habe ihr aufgetragen, das Wasser recht langsam aufzugießen. Endlich erscheint sie. Mit würdigem Gesicht nehme ich die Kaffeekanne und gieße der Frau Geheimrath ein, die schon Zeichen von Ungeduld gab, sie ist gewöhnt, eine Stunde früher ihr Schälchen zu trinken. Aber, o Himmel! Klares Wasser sprudelt aus der Kanne. Verwunderte Blicke. Mit rothen Wangen eile ich nach der Küche. Die Sünderin ist nicht da. In ihrer Stube vorm Tisch sitzt sie. Vor ihr ein aufgeschlagener Bogen. Oelegien an Josef. Wo ist der Kaffee, den ich Ihnen gegeben habe?" Ich habe ihn doch gekocht." Sie war etwas erschrocken aufgestanden. Nein, Sie haben uns klares Wasfer gebracht." Ach, wirklich? dann habe ich wohl richtig, ich habe ihn ja noch nicht gemahlen . . ." Elsa, das geht so nicht weiter. Wenn Sie dichten, dann thun Sie es in Ihren freien Stunden, dichten und dabei kochen, geht nicht." Meine frühere Dame," sie lichtete sich mit nachlässiger Grazie auf, aber etwas Entschiedenheit lag doch darin, meine frühere Dame hat mich immer ermuntert, es zu thun. Man ist eben nicht dazu erzogen, nur im Joch zu arbeiten." Also machen Sie schnell, daß wir den Kaffee bekommen." Am andern Tag war das Haar n der Suppe. Mein Mann wurde zornig. Er klingelte ihr. Das geht so nicht weiter, das dulde ich nicht. Kaufen Sie sich eine Haube." Ich?" Sie sah ihn entrüstet an. Ich trage nur Hüte." Nun meinetwegen, so setzen Sie einen Hut beim Kochen auf, aber auf die jetzige Weise darf's nicht weiter gehen. Wenn's noch schwarze Haare wären, aber blonde," sagte er leise hinter ihr her. Nachdem sich ihre Untugend wiederholte, wir wußten schon nicht mehr, war es unglücklicher Zufall oder beabsichtigt, kündigten wir ihr. Als ich am letzten Tag ihr ihr Dienstbuch übergeben wollte, war sie wie gewöhnlich abwesend. 'Auf dem Küchentisch lag ein Blatt mit frischerTinte beschrieben. Oede an die Freiheit. Zerrissen hängt der Absatz mir vom Fuße Und me:ne Wäsche ist ein trauriqes Bild, Doch lieber als in Sklavenknechtschaft schmachten Leb' ich im Walde wie das Wild. Für meine Kunst ist mir kein Lohn nicht feil Und trag ich auch den Hohn der meisten Menschen Der Ruhm der Dichtung ist mein triti . Theil. Menschen rentschen wünschen wänschen kränzen Ja, meine liebe Elsa-Bethi, das ist nicht so leicht! das geht auch andern Leuten so. Kein Dienstmädchen nöthig. Evas Gemahl brachte ihr weder Strümpfe zum Stopfen, noch Kleidungsstücke. an denen Knöpfe fehlten; er schwärzte die Gardinen nicht durch Tabakrauch und beschmutzte die Teppiche nicht mit seinen unsauberen Stiefeln, er bereitete sein Mittagessen selbst und brachte niemals unerwartete Gäste nach Hause, mit denen das Essen zu theilen wäre. Er blieb Abends nicht spat aus, mdem er sem Geld in Bier hallen ausgab, während Eva im Hause blieb und den kleinen Kain wiegte und bewachte. Kurz, alle Sorgen und Mu hen, die auf seinem Weibe lasteten, theilte er mit ihr, und das ist der Grund, weshalb Eva kein Dienstmädchen gebrauchte. Andere Triebfeder Student A.: Du brütest ja den gan zen Tag über dem Polizelstrasgesekbuch; willst wohl Dem Examen rna chen?" Student B.: Vewahre, aber ich habe drei Anklagen wegen Nacht ruhestörung etc. zu erwarten!" X Es ist merkwürdig, daß dem Menschen gewöhnlich da, wo de, .Schein trügt, kein Trug scheint. .
Das Zttllct douX. Humoreske von Alsred SchmidtBadekow. Romanhelden haben gewöhnlich ein erschütternd geistreiches Gesicht, wozu eventuell ein goldenes Pincenez gebräuchlich ist. Gleichzeitig sind sie von einer Größe des Characters, von einer
Erhabenheit der Lebensanschauung, daß man ein Nervensieber vor Bewunderung bekommen könnte. Oder sie gehören zu einer anderen ' Kategorie und besitzen eine ZUM Wahnsinnigwerden berrliche, hohe Gestalt nebst einem unbeschreiblich edeln Profil. In diesem Fal?c pflegt der Held auch über einen stonenerregenden Muskelbau zu verfügen und ist meistens Gardelieutenant. Wenn solche Leute zartduftende, r'othlich strahlende Briefe empfangen (sie thun es fortwährend), so überfliegt ein Ausdruck unsäglichster Langeweile ihr Antlitz, sie stoßen Laute der Verachtung aus und werfen das Billet doux, ohne es gelesen zu haben, in den eigens dazu mitgebrachten Papierkorb. Es ist ihnen eben nichts Neues mehr, es ödet sie an. Leider bin ich kein Romanheld. Meine Figur ist normal, mit meiner Bildung komme ich so eben aus, goldcne Pincenez zu tragen, fühle ich lein Vedürfniß. und meine Muskeln erlaubten mir gerade, meiner Militärpslicht zu genügen. Kein Wunder, daß ich einen Papierkorb für rofa Brieschen nicht anzuschaffen brauchte, und daß mich der Empfang eines solchen zum mindesten angenehm anregte. Denn, ohne Scherz, eines Morgens bekam ich eins.' Da lag es vor mir auf dem Schreibtisch, gehüllt in magische Düfte, ein .rosig angehauchtes Geheimniß. Der Romanheld erwachte bedauerlicherweise nicht in mir; statt dessen nahm ich das interessante Ding lieblich schmunzelnd in die Hand und führte es an die Nase. Sehr erfreuliches Parfüm! Von wem? Von wem? Mein Herz hatte bisher nur für ein Weib geschlagen, und für dieses Weib schlug es auch zur Stunde noch. Meine ebenso leidenschaftliche wie schmeichelhafte Neigung galt Margot, meiner Cousine. Nur daß ich diese Liebe längst als hoffnungslos begraben hatte. Wie konnte ich als mittelloser Referendar es wagen, um die glänzende, gefeierte Erbin anzuhalten? Das heißt, ich konnte es wohl, hatte mir aber aus Mangel an Unverfrorenheit und innerer Veranlassung den Gedanken längst wieder abgewöhnt. Nachdem wir uns als flügge gewordene Menschen begegnet, legte die schöne Margot eine Summe von Zurückhaltung mir gegenüber an den Tag, die für zehn weitere verliebte Vettern auch noch gereicht hätte. In meines Nichts durchbohrendem Gefühle zog ich mich zurück und war bereits drei Monate nicyt in das Haus meines Onkels geksmmen. Am nächsten Sonnabend war ich dorthin zu einer Soiree geladen, wollte mir's aber noch sehr überlegen, ob ich nicht im letzten Moment wegen bösartiger Erkrankung absagte. Krampfhaft wartete ich auf den Moment, da die thörichte Liebe mein gequältes Herz verlassen würde, ohne daß er bisher gekommen war. Sollte er nunmehr gekommen sein ? Sollte dieses rosige Couvert durch Ueberleitung meines Interesses auf einen anderen Gegenstand eine Anweisung auf radikale Heilung umschließen? Ich hielt es nicht länger aus, erbrach das Mysterium und las Folgendes: Liebster Willibald! Du kommst doch zu unserer Soiree am Sonnabend? Ich erwarte Dich bestimmt. Du weißt auch, daß ich sehr traurig wäre, wenn Du mich im Stiche ließest. Ach, thu es nicht. Nein, Willibaldchen? G. u. K. Deine Margot. Also vsn meiner Cousine! Recht verlockend! Das einzig Unangenehme an der Sache war, daß ich überhaupt nicht den Vorzug habe, Willibaldchen zu heißen. Durchaus nicht. Ich heiße Otto. Wie lam ich dazu, plötzlich Willibald zu heißen? Vorläufig trank ich zwei Flaschen Selterwasser und nahm ein viertel Pfund Vromkali, um die Geschichte in Ruhe überdenken zu können. Vergebens! Am Sonnabend sollte die Soiree bei meinem Onkel sein, der Brief kam von meiner Cousine Margot. ich hieß aber nicht im Entferntesten Willibald. ' Also war ich vermuthlich gar nicht der richtige Empfänger. Mein erstes Billet doux war gar nicht für mich bestimmt. So viel wurde mir schließlich klar, daß die Adressen verwechselt worden, daß man mir einen anderen, wohl weniger interessanten Brief zugedacht hatte. Was mir aber nicht klar wurde, das war das Verhalten Margot's. Sie, die Schöne, Stolze, Gefeierte, correspondirte in 'dieser Weise mit Willibald?! Welch perverser Name allein! O. Margot, hatte ich das um Dich verdient? Keine Idee! Und ich wollte mir überhaupt nichts daraus machen, da eine verlorene Sache nicht noch verlörener werden kann.' Und ich wollte auch ganz ruhig auf die Soiree am Sonnabend gehen und micq fein, aber nachdrücklich an Margot für meine LiebesPein rächen. O, ich würde diese Angelegenheit schon einfädeln, daß die Nabei mitsammt dem Faden ihren richtigen Weg finden sollte. Die Zeit bis zum Sonnabend derbrachte ich nicht ganz so guten Muthes. wie ich mir einzureden versuchte. Dagegen machte ich vor der Soiree, nach . . . n ... , i veenvettr ourttc, im picgu einen durchaus festlichen Eindruck. Ich konnte mir kaum einen Referendar denken, der weniger nach Qieböschmer- , zen aussah als ich. Ich fand mrch sogar unberufen recht $ic. JmUebrigen
naym ich mir vor, bei Erfüllung meiner Mission höchst juristisch und conse quent vorzugehen. Als ich Margot begrüßte, sah ich ihr ernst und bedeutungsvoll in die Augen. Das corpus delicti in derTasche meines Frackes verlieh mir nie gefühlte Sicherheit. Sie erschien mir weniger zurückhaltend als sonst und drückte mir
sogar äußerst verwandtschaftlich die Hand. Hatte sie die Verwechselung entdeckt, und wollte sie mich nun durch feile Coketterie bestechen? Nachdem ich mir verschiedene körperliche und moralische Rucks gegeben, fing ich damit an, nach Willibald zu forschen. Sie mußte doch mit sehnendenVlicken nach ihm ausschauen, mußte ihn heimlich bevorzugen oder wenn er etwa nicht kam, der arrogante Don Juan unruhig nach der Thür blicken. Nichts. Zwar begegneten sich ihre und meine Augen öfter, doch stellte ich hierbei mehr Uebermuth und Schalk in den ihren als Sehnsucht nach Willibald fest. Eins nur stand bei mir fest: Sie war anders als sonst, und das mußte mit Willibald zusammenhängen. Ich erlebte Die Ueberraschung, Margot als Tischdame zu erhalten. Wo steckte Willibald? Wer war Willibald? Man aß gut und reichlich, und ich wage nicht, zu behaupten, daß Mar got's Appetit zu wünschen übrig gelassen hätte. Von der Pute nahm sie sogar zweimal, was in meinen Augen keine Schmeichelei für Willibaldchen war. Bei Tische mich zu rächen, ging nicht an. Meine Cousine hätte vor Schreck zu auffallende Sauceslecken machen oder sich mit der Gabel in's Zahnfleisch stechen können. Also beschränkte ich mich darauf, mit einiger Reserve ihre merkwürdig lebhafte Unterhaltung durch mehrere bedeutende Bemerkungen zu würzen. Hierbei stieg in meinem Inneren der Groll immer bedenklicher. Wie sie da neben mir saß, in herrlicher Schöne, die Augen strahlend, die Wangen rosig ! Und daneben ich, mit dem Idol meines reinen Herzens Bratengespräche führend, während ein anderes Mal jener ruchlose Willibald die löstkicheren Schätze ihrer Lippen vielleicht freundlich zu empfangen gnädigst geruhte. Nein! Unmöglich! Margot," sagte ich mit bebender Stimme, ich kann mich nicht länger in dieser gleichgültigen Weise mit Dir unterhalten. Mein Inneres wird von Orkanen durchwühlt. Gestatte, daß Du mir ein Räthsel bist. Hier, in diesem Augenblick wird es nicht angehen, aber richte es so ein, daß Du mir im Laufe des Abends Gelegenheit zu einem ungestörten Gespräche giebst! Ernst ist's mir, blutiger Ernst, und darum wirst Du meinen Wunsch erfüllen!" Nun wurde sie doch etwas verlegen, der Ausdruck ihres Gesichtes jedoch zeugte unentwegt von heiterster Gemüthsstimmung. Also schön. Ich widme Dir die erste Quadrille." Daß ich bei ruhiger Ueberlegung mein Vorgehn diplomatisch gefunden hätte, kann ich nicht gerade sagen aber ich war zufrieden, bei der beneidenswerthen Verfassung, in die ich gerathen, nichts Aergeres angerichtet zu haben. Die Quadrille kam. Nachdem ich meine Coustne engagirt, führte sie mich in einen durch Blattpflanzen ganz pompös isolirten Winkel eines Seitengemaches. Du wünschest?" fragte sie, indem sie sich auf einen Divan niederließ und mir den gegenüberstehenden Fauteuil anwies. Behaglich war mir keineswegs zu Muthe. Hätte mir diese tete-iVtCte unter normalen Verhältnissen geblüht, der Einfluß ihres wunderschönen Gesichtes, ihrer holden Gestalt auf mein armes, armes Herz wäre nicht ohne gewichtige Folgen geblieben. Allein als Besitzer des Billet doux an Willibald ! Rache war die Losung. Trotzdem kam ich mir ebenso albern wie bemitleidenswert vor. Du nährst ein Geheimniß, liebe Cousine!" begann ich mit löblichem Muthe, feierlichst meinen Schnurrbart durch die Finger ziehend. Allerdings!" sagte sie, und dabei legte sie die Arme mit dem Fächer hinter dem Haupte zusammen. Das sah so nett aus, daß mir etwas schwül wurde. Du liebst, Margot!" Gerathen!" Sie lächelte und bog den Kopf nach hinten. Mir wurde noch etwas schwüler, ganz abgesehen davon, daß mir noch nie Jemand so räthselhaft vorgekommen war, wie dieses hübsche Mädchen. Du schreibst Liebesbriefe !" Warum denn nicht Ottochen?" Langsam neigte sie den Kopf ein wenig nach links und lächelte mich in einer Weise an, daß ich das Bewußtsein des rachedürstenden Referendars völlig verlor und nur noch ihre vernunftraubende, bestrickende Schönheit sah. Otiochen" hatte sie gesagt! Meine stolze Cousine schien neuerdings alle ihre männlichen Bekannten in der Di mw.utivform anzureden. In gelinde: Raserei sprang ich auf. Margot!" stammelte ich, Margot Du bist schön schon und kokett kokett wie ein ganz eitles, oberflächliches Mädchen jawohl, allerdings! Und an Willibald fchreibstDu Billets-doux, und mich machst Du hier dermaßen dermaßen torkelig, daß ich Dich vor Wuth und Liebe gleich küssen könnte " Und ich küßte sie auch, wüthend und selig zugleich, und sie sie bewegte sich gar nicht, und als ich sie längst steige geben hatte, lächelte sie immer noch. Ihre Augen aber waren geschlsflen..
. Jetzt hatte ich Muth, o. viel Muth! Zugleich jedoch fühlte ich, wie sich bit- j
tere Zornesthranen mir m s Auge drängten, nun endlich fand ich den ersehnten Ton beißenden Spottes. Also so hat sich meine erhabene Cousine verändert!" preßte ich zwischen den Zähnen hervor, von mir läßt sie sich küssen, und Willibald Willibaldchen !" Aber Ottochen!" Ich danke für die dritte Silbe! Und hier!" dabei schleuderte ich ihr mit einer altrömischen Bewegung mein erstes Billet-doux hin das thu' jetzt in das richtige Enveloppe!" Halb toll wollte ich davonlaufen, als sie sich plötzlich aufrichtete und sich bemühte, ein ernsthaftes Gesicht zu machen. Otto!" sagte sie bestimmt, Du hältst Dich natürlich für einen großen Schlaukopf?" Nein!" antwortete ich mit Ueberzeugung. Dann erleichterstDu mir die Sache. Also Du erklärst mich für ein flatterHaftes Geschöpf, trotzdem Du mich liebst, und trotzdem ich Willibald wirklich recht sehr liebe " hier erröthete Margot tief und verlor merklich an Sicherheit und dieser Willibald, lieber Cousin " sie versteckte sich hinter ihrem Fächer dieser Willibald bist Du!" War ich! Außerordentlich faßlich und klar. Dieser Willibald war ich! Natürlich! Nur den Grund sah ich nicht ein. Ich versuchte, ihn einzusehen, aber es gelang mir nicht. Da fuhr sie leise fort: Früher bin ich Dir nicht entgegengekommen, da ich mir dachte, ein talcntvoller Referendar müßte so was doch merken. Leider täuschte ich mich, und so trieb mich mein Herz dazu Dich ein wenig zu erleuchten." Und was sollte nun Willibald dabei?" fragte ich schüchtern, da mir die bewußte Erleuchtung noch immer nicht kommen wollte. Ja, mein lieber kleiner Referendar," sagte sie ganz schämig, Willibald ist meine Erfindung. Wenn ich auch von Deiner Liebe überzeugt war anbieten kann man sich als Mädchen doch nicht. Dein übertriebenes Zartgefühl schlug Dich rettungslos mit Blindheit. So weckte ich mit einem fingirten Willibald einfach Deine Eifersucht und brachte Dich ja auch glücklich aus Deiner Reserve heraus. Willibald existirt gar nicht Willibald bist eben Du! Hoffentlich nimmst Du'S ihm nicht übel, daß er seine Schuldigkeit so brav gethan hat ?" Wie lange ich meine Cousine Margot angestarrt habe, das weiß ich nicht. Der Kuß aber, den ich ihr darauf diesmal mit vollster Ueberzeugung auf die Lippen drückte, der dauerte noch länger, das weiß ich bestimmt. Und als ich mich, nachdem unsere Verlobung denselbenAbend bekannt gegeben, in meiner Wohnung vor dem Schlafengehen zufällig wieder im Spiegel besah, fand ich mich nicht mehr ganz so chic wie vor der Soiree, aber unberufen recht glücklich aussehend. Ein neuer Polykratc Humoreske von Rudolf Hirschberg. Niemand kann seinem Schicksal entgehen; das ist eine alte Wahrheit. Aber freilich besteht das Schicksal bisweilen eben darin, allem Ungemach mit fabelhaftem Gluck zu entschlüpfen, und ein solches Geschick lastete auf dem tugendhaften Eduard. Er war nämlich tugendhaft, geistreich, fleißig und sonst alles Gute. ganz gegen Willen und Absicht, nur vermöge eines unüberwindlichen Verhängnisses. Schon als Kind hatte ihn das beständige Lächeln, mit dem ihn Fortuna verfolgte, peinlich berührt und das brennende Verlangen in ihm erweckt, den Schmeicheleien der launischen Göttin einmal zu entfliehen. Aber alle seine Bemühungen in dieser Beziehung blieben fruchtlos. Versuchte er in der Schule einmal, eine möglichst dumme Antwort zu geben, und trug er dem Lehrer Sachen vor, die ihm als der Inbegriff alles Blödsinns erschienen, so förderte er bei seiner Dummheit natürlich gerade das Geistreichste und Richtigste zu Tage, was es nur geben konnte. Schwänzte er einmal in der Schule, so fiel diese sicher gerade an diesem Tage wegen Hitze, oder, wenn es kalt war, wegen Begräbniß des Rektors aus. Und wenn er dann später in seinen Flegeljahren Jemanden auf der Straße anrempelte, um nur einmal das süße Bewußtsein kennen zu lernen, etwas verbrochen zu haben, so war es sicher allemal ein durchgegangener Kassirer, der sich von ihm erkannt glaubte und sich ruhig verhaften ließ. So kam er natürlich statt in den Ruf eines Raufboldes in den eines findigen, scharfsinnigen und gerechtigkeitsliebenden Bürgers und war angesehen und beliebt bei Jung und Alt; nur in derselben Lotterie mochte Niemand gern mit ihm spielen, weil ihm gegenüber alles Gewinnen aussichtlos war. . Natürlich muß es den ruhigsten Menschen schließlich nervös machen, wenn es ihm nie gelingt, seine wahre Persönlichkeit zur Geltung zu bringen, und so war es kein Wunder, daß Eduard, um mit dem faden Einerlei seines Glückes endlich ein Ende zu machen, sich eines Tages zu einem verzweifelten Gewaltstreich entschloß. Er heirathete, Knall und Fall, die erste beste, hübsche, einzige Tochter einer reichen Wittwe, die ihm in. emem Seebade in den Weg kam. Gewiß eine leichtsinnige That. Aber auch hier blieb der erwartete Erfolg aus, und er sah sich in seinenHoffnungen schmählich getäuscht. Er hatte sich auf Gardinenpredigten ge-
freut und sah sich nun darum betrogen denn seine Frau war an Sanftmutr) ebenso ein Engel, wie an Schönheit. Er versuchte, sie zu kränken; sie nahm seine Schimpfworte für köstliche Scherze. Er beschloß, hinter ihrem Rücken mit jwu gen Mädchen zu charmiren. Es war ihm unmöglich, seine Tugend zu ver lieren, denn Niemand wollte sie nehmen. Kurz, sein unschuldiges Glück war nicht todt zu machen. Da theilte ihm seine Gattin in ihrer gewöhnlichen liebenswürdigen Weise eines Tages mit, sie würde gegen Abend Besuch von einer Dame erhalten, die einige Tage bei ihnen bleiben möchte. Sie hätte die Dame sehr gern und wäre überzeugt, daß auch er sie bald liebgewinnen würde. Da sie jedoch selbst einige Besorgungen vorhätte so müsse ihr Männchen schon so nett sein und die Dame für sie empfangen. Eduard sagte ihr diese Gefälligkeit mit tausend Freuden zu, schien sich ihm doch endlich einmal eine Gelegenheit zu dieten, seiner Tugend ein wenig zu entrinnen. Als nun seine Frau mit dem. Dienstmädchen die Wohnung verlasse. hatte, saß e? lange in tiefen Gedanken da. Endlich aber betete er inbrünstig: Himmel, daß ich zum wirklichen Unglücklichsein nun einmal nicht geboren bin, darein habe ich mich jetzt ergeben und verlange es nicht mehr anders Aber ein ganz klein wenig waö Böse? möcht' ich gar zu gern 'mal thun, ein ganz klein wenig Schlechtigkeit, nur ein. paar Küsse und Händedrücke voll Sünds!" Da klingelte es an der Thür. Mit freudigem Entschlüsse blies er die Lampe aus und öffnete. Eine ver--schleierte Dame trat rasch ein und schlang mit dem Ausrufe: D mein Eduard!" die Arme um feinen Hals Erschreckt und entzückt, führte er sie in das vom Dämmerlicht nur matt erhellte Zimmer und tauschte einen langen Kuß mit ihr. Dann überschüttetesie ihn mit endlosen Fragen, ob er seineFrau auch glücklich mache, und gestattete ihm, dabei ihre Hände mit feurigenKüssen zu bedecken. So schwebte er zum ersten Male eine Zeitlang in dem seligsten Sündenbewußtsein. Endlich aber bat sie ihn, Licht anzumachen, und eben, als er die Lampe anzündete, trat.seine Frau, die zurückgekommen war,, herein und begrüßte mit freudigeni v cm 1 1 V?- T V
AJJU l llil llll OJlUllk, Viv bis jetzt nur am Hochzeitstage gesehen: und daher in dem Halbdunkel nicht er--kannt hatte. So war ihm seine Vin schuld wieder geblieben; seine Liebkosungen waren auf ganz rechtmäßigen Boden gefallen, und Schwiegermutter wie Gattin waren ganz entzückt von. seinem liebenswürdigen Benehmen. Die letztere rief schließlich: Hätte: t i'i i.r. r iM.n inr iii?ttt nTP iTnurrm lU) vav uncii luuucu, uai xju u u.x nig die landläufigen Vorurtheile gegen k! IT. r(rX a n tmliHtr fiITsl fr 5A UIC UyiVllVllilUUll v uuv Mama schon längst einmal eingeladen,, und iü hätte Dich nicht so vorsichtige . .. c it.-.. m.r c t UU llltil ,JlUU UUlUUtitUCll UIUU chen. Wenn es Dir recht ist, kann sie ja aber nun gleich für immer bei uns bleiben?" Eduard erblickte in diesem Vorschlag einen letzten Hoffnungsschimmer und lächelte mit ein Ja." Es nützte aber wieder nichts Seine Schwiegermutter war wirklich eine so liebenswürdige, kaum vierzig Jahre alte Dame, daß Jedermann eben nur dem tugendhaften Eduard eine so seltene Schwiegermutter gönnte, und er es nack diesem lekten sckweren Glücksschlage ganz aufgab, jemals etwas un--glücklich oder schlecht zu werden. 'j L, diese Männer: Die Schachgesellschaft Silentium' hatte in einem der ersten Gasthöfe der Stadt ihr eigenes elegantes Clublokal,, das zuweilen auch von einem DamenKaffeekränzchen occupirt wurde. An. einem der regelmäßigen Spielabende: mußte das Thema der Mokka schlür senden Schwestern ein besonders interessantes gewesen sein, denn diese unterhielten sich weit über die . gewöhn--liche Trennungsstunde hinaus so lebhaft, daß sie die Anwesenheit der schon in größerer Anzahl erschienenen Jünger Caissens nicht bemerkten. Mit. gestützten Ellenbogen hatten diese das königliche Spiel bereits begonnen, als die Zungenthätigkeit der bei leeren Täßchen sitzenden Damen immer noch kein Ende absehen ließ. Einer der zuletzt angekommenen Herrn, der die Situation rasch erfaßte sann auf ein Mittel. Schnell entschlossen, erhob er sich und sagte: Meine Herren! Ich habe neulich das Versprechen gegeben, gelegentlich eine Probe meiner geheimen Zauberkünste abzulegen. Gestatten Sie also, daß ich heute davon einen kleinen Beweis liefere. Ich mache mich nämlich anheischig, von jeder anwesenden Person das Alter auf den Tag zu bestimmen." Kaum war der letzte Satz gesprochen, so gaben sich die Damen gegenseitig die Versicherung, daß si sich bald etwas verplaudert hätten und es nun die. höchste Zeit sei, nach Hause zu trachten. Die That folgte so rasch dem Entschlusse, daß nach wenigen Augenblicken keine Dame, außer den zürn Spiel Gehörigen, mehr sichtbar war. Ein kurzes Gelächter ob der gelungenen List erschallte, sodarm herrschte Silentium. Auch eine Ausrede. Gaktin (welche ihren Mann darüber ertappt, als er das Stubenmädchen küßt): Aber Arthur!" Gatte: Pardon . . . ich wollte nur Deine zarten Lippen schonen!" Vorschlag zur Gute. Großpapa: Wenn Du recht brav bist, dann bekommst Du zwei Aepfel. Enkelchen: Großpapa, laß mich unartig-, sein und schenk' mir dann blos einen
