Indiana Tribüne, Volume 22, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1899 — Page 3
VeVnehMt
Criminal-Roman von M. E.Braddon. (12. Fortsetzung.) ..Cs ist, als ob der Geist deZ ErmoiDetcn unser Leben verwirrte, um uns anzueifern, ihn zu rächen," dachte Leonor. Es wird keinen Frieden für uns geben, bis das Verbrechen aufgeklärt ist." Aus diesen Gedanken, die ihn Tag und Nacht beschäftigten, entwickelte sich ein fester Entschluß in ihm. Er wollte nicht eher wieder eine Stelle annehmen, bis er jenes furchtbare Geheimniß gelöst haben würde, das jenes Verbrechen umgab. Wenige Tage, nachdem er zu diesem Entschluß gekommen war, erhielt er einen Brief von Ursula Wilmot. Sie sind ein edler Mensch, Herr Austin," schrieb sie, und obwohl Sie Grund haben, mich zu mißachten, fürchte ich doch nicht, daß Sie mein Zeugniß zu Gunsten eines Anderen, der fälschlich eines gesetzlichen Verbrechens angeklagt, und dem nun Gerechtigkeit werden muß. ablehnen werden. Alfred Tuwson war nicht der Mörder meines Vaters. Gott ist mein Zeuge, daß dies die Wahrheit ist. Möge diese Kenntniß Sie befriedigen, und lassen Sie dieses Geheimniß für immer unenthüllt bleiben. Der Allbarmherzige Z;nnt die Wahrheit und hat ohne Zweisei den Schuldigen gestraft, wie er früoer oder später Jeden bestraft, der seine Gebote verletzt. Ueberlassen Sie den Thäter, wo er sich auch befinden mag, dem Gerichte Gottes, und vergessen Sie mich und meine traurige Geschichte. Ursula Wilmot." Selbst dieser Brief erschütterte Leonors Entschluß nicht. Nein. Ursula." sagte er sich, selbst Deine Fürbitte soll mich von meinem Ziel nicht ablenken. Wer weiß auch, in welcher Weise dieser Brief geschrieben tourde? Er mag von Alfred Dawson diktirt und von ihm erzwungen worden sein." Leonor steckte Ursulas Brief in die Tasche und begab sich zu einem berühmten Mitglied der Geheimpolizei. Er ließ sich melden und wurde von einem untersetzten, kleinen Herrn empfangen, dessen kluger Blick ihm sofort Vertrauen einflößte. Ter Tetective versicherte Leonor. daß er augenblicklich nichts von Bedeutung vorhabe und bereit sei, sich in seinen Dienst zu stellen. Ich werde einen Stoß Zeitungen durchsehen. Herr Austin, um mich mit den Einzelheiten des Winchester Mordes genauer bekannt zu machen," versprach Carter. Ich war während des ganzen Sommers in Schottland beschäftigt, weiß also nicht, was in der Wilmot - Angelegenheit gethan wurde. Dawson setzte eine Belohnung für die Entdeckung des Mörders aus, nicht wahr?" , Ja. doch das geschah wohl nur, den Verdacht um so eher von sich abzulenlen." Sehr möglich, aber keineswegs getolfe. Man muß diese Dinge erst von allen Seiten betrachten. Fängt man mit der Ueberzeugung von der Schuld eines Menschen an. so jagt man den Beweisen nach, die diese Schuld unterstützen. Mein Plan ist, mit dem Anfang anzufangen." Ich würde Ihnen gern behilflich ''ein," sagte Leonor, denn ich habe an dim Ausgang der Sache ein persönlichcs Interesse." Sie würden mir eher hinderlich sein, als mir helfen," erwiderte Carter lächelnd, aber ich will mich gern von ihnen begleiten lassen, wenn Sie sich zu größter Schweigsamkeit verpflichten." Zwei Tage nach diese? Unterredung suchte der Tetective den jungen Mann auf. Ich habe den Fall Wilmot durchsiudirt, Herr Austin," sagte Carter. Das Nothwendigste ist jetzt, den Schauplatz des Verbrechens in Augenschein zu nehmen." Ich begleite Sie. Herr Carter." Gut. nehmen Sie nur viel Geld mit, den:: das werden wir brauchen." 37. Kapitel. Leonor trat in Begleitung Carters die Reise nach Winchester an. Unterwegs zog er den sonderbaren Brief Ursulas dreimal hervo, in der Abfitfit. ihn als Zeichen seines vollen Vertrauens dem Detective zu übergeben. aber um das zu können, hätte er ihm die Geschichte seiner Verlobung und der Trennung von seiner Braut erzählen müssen, jedoch dazu konnte er sich nickt entschließen. ?ln Winchester anaekommen. nahmen Leonor Austin und sein Begleiter im Gastbof zum Goldenen Adler , dem selben, wo Alfred Dawson nach der Kunde von dem im Walde verübten Morde gewohnt hatte. ihrAbsteigequariier. Wir können nichts Acheres thun, als in dem Gasthof einkehren, wo der Mann ficb aufaielt. den wir im Verdacht haben," sagte Carter zu seinem Auftraaaeber. Wir werden durch ge leaentliche Fragen und hingeworfene Bemerkunaen nirgends so werthvolle Auskunft erhalten, wie dort. Zunächst mache ich Sie daraus aufmerksam, datz wir auie Bekannte sind, die viel freie Zeit und ein recht anständiges Vermöaen baben. das uns gestattet, ganz un serem Vergnügen zu Utyn. Wir haben viel von der Fischerei in den hiesigen Gewässern aerYöit. Das Angeln ist unser Lieblingssp'ort, wir wollen uns in der Geaend umsehen, und wenn es uns gefällt, einige Monate hier bleiben. Wirtb und Kellner werden gute Kun den in uns wittern, und sie werden
uns gern Alles erzählen, was sie wissen. Von dem Ermordeten ist uns gar nichts bekannt, dagegen ist uns natürlich der Name Dawsons, des Millionärs, nicht fremd. Wir haben Einiges von der Geschichte in den Zeitungen gelesen, doch interessire sie uns nicht weiter. Das wird die Zunge der Leute in Bewegung setzen, und wir weiden die Geschichte des Mordes mit Allem, was in der Angelegenheit gesagt, gethan, gedacht und gemuthmaßt wurde, erfahren. Wir fangen nun auch an, uns für die Sache zu erwärmen, und nun rücke ich mit meinen Fragen heraus, bis ich Alles aus den Leuten herausgelockt habe, was sie wissen. Sie, Herr Austin, haben Briefe zu schreiben, und betheiligen sich deshalb weniger an der Unterhaltung. Begreisen Sie die Rolle, die ich Ihnen zugedacht habe?" Ich soll den Inhalt des Gesprächs niederschreiben." Stenographiren Sie, Herr Austin? Ja? Um so besser! Sie scheinen sich für die Mordgeschichte wenig zu in teressiren und sind ganz in Ihre Briefe vertieft, die noch mit der Londoner Post fort müssen. Meine Fragen beachten Sie gar nicht, nur die Antworten der Leute halten Sie fest." Leonor Austin versprach die ihm gegebenen Vorschriften genau zu befolgen. Er mußte des schönen Sommertages gedenken, an dem Alfred Dawson und sein Opfer in die Stadt gekommen waren. Die Ueberzeugung von der Schuld des Bankiers wurzelte schon so fest in ihm, daß er in dem Mann bereits den überführten Mörder sah. und staunte, daß der gewiegte Criminalbcamte von der Schuld Dawsons noch wie von einer Sache sprach, die erst bewiesen werden müsse. Der Wirth zum Goldenen Adler" empfing die Gäste mit ehrerbietiger 5)öflich!eit, geleitete sie in ein gut durchwärmtes Zimmer und nahm Bestellungen für das Abendessen entgegen. Es war ein kalter unfreundlicher Tag. und Leonor Austin froh, seinen Sessel an das Kaminseuer ziehen und es sich bequem machen zu können, während Carter mit den Händen in den Taschen und mit zusammengezogenen Brauen im Zimmer auf und ab ging. Die Belohnung, die die Regierung für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt hatte, betrug hundert Pfund, Austin hatte Carter gleichfalls hundert Pfund zugesichert, wenn er die ihm übertragene Aufgabe löste. Ich habe etwas sehr Wichtiges mit Ihnen zu besprechen," wendete sich der Detectiv plötzlich an Austin. Wenn Sie einen Mann wie mich, mit der Aufspürung eines Verbrechers betrauen, dürfen Sie keine auf iese Angelegenheit bezüglichen Geheimnisse vor ihm haben, soll er Ihnen wirklich von Nutzen sein. Erzählen Sie ihm nicht die eine Hälfte der Geschichte, und behalten Sie die andere für sich, denn es arbeitet sich im Zwielicht kaum besser, als im Dunkeln. Sie haben mir nur
halb vertraut, Herr Austin, und das ist ein großer Fehler." Ich sagte Ihnen Alles, was sie unbedingt wissen mußten, Herr Carter." .Nein. Serr Austin, das thaten Sie nicht. Wenn ich in der Sache etwas herausbringen soll, muß ich unbedingt Alles erfahren. Sie verbergen mir etwas, obwohl Sie halb und halb wunschen, mir das. was Sie mir noch vorenthalten, mitzutheilen. Im Eisenbahnwagen nahmen Sie mehreremale einenVrief hervor, und ich merkte oeullich genug, daß Sie Lust hatten, ihn mir zu zeigen. Nichts liegt näher, als die Vermuthung, oafj er mit der Ängelegenheit, die uns hierherführte. WVerbindung steht. Sie müssen mir rückhaltslos vertrauen. Herr Austin, wenn ich unser Vorhaben wirklich zu gluauchem Ende führen soll. Gerade das. was Sie mir verbergen, kann oit Schlüssel sein, der mir am unentbehrlicksten ist." -5ck babe allen Grund. Sie für einen braven Menschen zu halten und will deshalb ganz ossen gegen te lein. Sie wundern sich gewiß, datz ich mich für diese Angelegenheit so ledyast interessre?" Ja. erstaunlich ,st das allerdings. . , wenn Sie Nicht gerade ein Verwandter des Ermordeten und. Austin versicherte dem Detectiv, das; er den Ermordeten nie im Leben aesekien und dessen Namen erst nach seinem ?ode erfahren hatte. Dann bin ich außer Stande. Jyren Leweaarund zu errathen." rief Carter, wenn ich nicht etwa, wie die Jranzosen es Wallen hmlen Gingen zu tbun vtteaen. auck fraaen soll: M0u cst l:i fernme?" Sie haben das Nichtige getroffen, lieber Freund," gab Leonor Austin zu. Er erzählte dem Detectiv in aller Kürze die Geschichte seine Bekanntschaft mit Ursula Wilmot und von den verschiedenen Versuchen, die sie gemacht hatte, den Bankier zu sprechen, und wie er ihr immer, wieder zu entschlüpfen wußte, ebenso von der Reise nach shornk!iff und dem sonderbaren Benehmen Ursulas nach der heißersehnten Unterredung mit Dawson. Und nach jener Zusammenkunft in Mangoldshöh änderte die junge Dame ganz plötzlich ihre Meinung und behauptete. an die Schuldlosigkeit des Bankiers zu glauben, während sie vorher eigensinnig an der Ueberzeugung festhielt, daß Dawson der Mörder ihres Vaters ist?- fragte der Detectiv. als Leonor mit seinem Bericht zu Ende war. Ja; als Ursula von Mangoldshöh zurückkehrte, erklärte sie mit aller Entschiedenheit. sie sei von der Schuldlosigkeit Dawsons überzeugt." ' Und sie bestand darauf, die Verlobung mit Ihnen aufzuheben?" .Ja." Dawson ist ein sehr reicher Mann. Qalten Sie es für möglich, daß Frau-
lein Wilmot durch Bestechung zum
Schweigen zu düngen (et? Ob ich glaube, daß Ursula Wilmot von dem Manne, den sie im Verdacht hat, der Mörder ihres Vaters zu sein. Geld nehmen konnte? Nein," erwiderte Leonor mit aller Bestimmtheit, nein. einer solchen Niedrigkeit ist sie me und nimmer fähig. In der ersten Aufwallung meines Zornes kam es mir wohl einen Augenblick in den Sinn, sie habe sich bestechen lassen, aber selbst in meinem damaligen Gemütszustand verwarf ich diesen Gedanken sofort wieder. Wenn sie durch den Bankier beeinflußt wurde, geschah es durch Drohungen. Ein Mensch, der seinen alten Diener in ein abgelegenes Wäldchen lockte und dort erwürgte, der nie mehr eine Regung des Mitleids für das Werkzeug und den Mitschuldigen des ln der ?luaend beaanqenenVerbrechens, nicht einen Funken von Theilnahme für den Freund hatte, der ihm ernst seinen hrlichen Namen geopfert, macht sich auch kein Gewissen daraus, ein armes Mädchen, das als Anklägerin vor ihm zu erscheinen wagt, durch Drohungen einzuschüchtern." Sie sagten mir aber, Fraulem WUmot sei furchtlos und entschlossen im Denken und sandeln. Ist es wahrscheinlich, daß die junge Dame aus Angst vor dem Bankier sich dazu hergab, seine Schuldlosigkeit zu betheuern? Und womit tonnte Dawson ihr gedroht haben?" Das weiß ich so wenig wie Sie, erwiderte Austin, aber bei der Rückkehr von Mangoldshöh verrieth ihr aanz:s Wesen Furcht und Entsetzen, und sie wich so scheu vor mir zurück, als ob selbst meine Gegenwart ihr Grauen einflößte." Wären Sie im Stande, mir Wort für Wort zu wiederholen, was Ihre Braut Ihnen an jenem Tage sagte?" Der junge Mann erfüllte Carter s Wunsch, soweit es ihm möglich war. Umer den Aeußerungen der jungen Dame fällt mir nur die eine auf: Meine Nahe verunreinigt Sie, ich bin keine passende Frau für einen Mann von Ehre!" Das klingt wirklich so. als ob Dawson sie auf die eine oder die andere Art erkaufte, und sie sich dessen schämte. Wenn es Dawson wirklich gelungen wäre, sie von seiner Schuldlosigkeit zu überzeugen, weshalb kam sie nicht frei und offen zu Ihnen, um Ihnen zu gestehen, sie habe sich geirrt, der Mörder ihres Vaters müsse anderswo gesucht werden. Es wäre mir von größter Wichtigkeit, jenen Brief zu lesen, von dem wir vorhin sprachen." Leonor sträubte sich nicht länger. Carter den Brief Ursulas auszuhändigen. Der Detektive las den Brief wiederholt durch. Nun?" fragte Leonor, als Carter ihm das Schreiben zurückgab. Die junge Dame schrieb den Brief in hohem Ernst," sagte der Detektive. Er wurde ihr weder diktirt, noch wurde sie dafür bezahlt, ihn zu schreiben." In Carters Augen leuchtete plötzlich ein seltsames Feuer auf, und ein leichtes Roth überflog sein Gesicht. Sehen Sie einen Ausweg aus dem Labyrinth? Haben Sie jetzt den Schlüssel?" fragte Leonor gespannt. Noch kann ich Ihnen gar nichts darüber sogen. Wie wäre es, wenn wir jetzt einen Gang über den Münsterplatz und nach jener Stelle hin machten, wo die Leiche aufgefunden wurde? Jeder Vorübergehende wird uns über den Thatort des Verbrechens Auskunft geben können." Es war gegen 5 Uhr, als Leonor Austin und sein Begleiter auf die Straße hinaustraten. Der Detektive nahm Alles, was zu dem Morde in irgend einer Beziehung stand, genau in Augenschein. Er bezeichnete die Thür, durch die Dawson in die Kirche getreten und den Fußsteig, auf dem er mit seinem Begleiter weiter gegangen war. Ein in der Nähe angelnder Knabe zeigte den Fremden die zwischen einer Ulme und einer Buche liegende dunkle Stelle, wo man die Leich? des (?.rmordeten aufgefunden hatte. Im August, als der Mord hier derÜbt wurde, hatten wir sehr trockenes Wetter," sagte der junge Bursche, und das Wasser war nicht so tief wie jetzt." Hat es überall die gleiche Tiefe?" erkundigte sich Carter. Nein, stellenweise ist der Fluß ganz seicht, aber er hat eine ganze Menge ungeheuer tiefer Löcher." Für das empfangene Trinkgeld dankend, lief der Knabe wieder fort, während die beiden Männer ihren Weg fortsetzten, und dann langsam nach der Stadt zurückkehrten. Es war sieben Uhr, als die Fremden sich in ihrem Gasthof das bestellte Abendessen auftragen ließen. Der Kellner bediente sie mit großer Aufmerksamkeit und plauderte über Dieses und Jenes mit ihnen. Nach Tisch verlangte der Detective noch eine Flasche guten Portnxins. Ein sehr anständiges Glas Wem," bemerkte Carter, seinem Gefährten einen Wink gebend, der sich an den Schreibtisch zurückzog, seine Briefmappe ausschlug und scheinbar einen Brief zu schreiben begann. Ein sehr anständiges Glas Wein. Wissen Sie, wo Ihr Prinzipal ihn kaufte? Nein? Schänken Sie sich auch ein Glas ein, Freund. Ihre Weine sind mir übrigens neulich von einer sehr angesehenen Persönlichkeit gerühmt worden, von einem vornehmen Herrn, kann ich Ihnen sagen." Wirklich," murmelte der Kellner, der in ehrerbietiger Entfernung vom Tisch langsam seinen Wein austrank. Ja, kein Geringerer als Bankier Dawson empfahl mir Ihren Gasthof." Der Kellner spitzte die Ohren. Das war übrigens eine merkwürdige Geschichte," fuhr Carter fort. Schänken Sie sich noch ein Glas ein. Mein Freund trinkt keinen Portwein,
und wenn Sie mir bei der Flasche nicht helfen, thue ich zu viel des Guten.
Wurden Sie bei dem Todtenschauaericht nach der Ermordung Josef Wilmots auch vernommen?" Nein," erwiderte der Kellner eifrig. und die Leute behaupten, wir alle hätten vernommen werden müssen, denn der Eine hat Das bemerkt und der Andere Jenes. Freiwillig meldet man sich nicht mit solchen Kleinigkeiten, wenn sie aber Einem abgefragt wurden, konnte man schon darüber reden, und das wäre vielleicht gar nicht so unrichtig gewesen!" .Aber einige von Ihren College wurden doch vernommen?" Außer unserem Herrn noch der Oberkellner Briggs. Und Briggs ist so eingebildet, daß er auf weiter nichts achtet, als auf seine feine Kravatte und sein Oberhemd. Aber weshalb wurde gerade nur Briggs vernommen?" .Weil angenommen wurde, daß er mehr von der Geschichte wissen müsse. als wir Anderen, denn bei ihm war das Essen bestellt worden, aber Hanna, das Stubenmädchen, und ich, wir waren gerade im Hausflur, als die beiden Herren ankamen. Und Sie sahen sie also Beide?" Ja- so deutlich, wie ichSie jetzt sehe. Und Sie hätten mich mit einer Feder umwerfen können, als ich horte, der Ermordete wäre nur ein Diener gewesen." v Weshalb waren Sie so erstaunt darüber?" Weil er so vornehm aussah. Nicht etwa, daß er den Kopf höher getragen hatte, als Herr Dawson, oder daß er besser gekleidet gewesen wäre, denn Herr Dawson trug natürlich auch Alles vom Feinsten, aber der Andere hatte doch noch etwas Nobleres an sich. Wie sah er aus?" Blasser als Herr Dawson, blonder und schmächtiger." Blasser und schmächtiger?" wiederholte der Detektive. Aber was würden Sie sonst noch beim Verhör ausgesagt haben, wenn Sie als Zeuge vorgeladen worden wären?" Es ist nur eine Kleinigkeit, und icr habe es Briggs und den Anderen oft wiederholt, aber sie wollten es mir ausreden und sagten, ich müßte mich geirrt haben, und Hanna, die ein sehr alöernes Geschöpf ist, will sich auf gar nichts mehr besinnen können, doch betheure ich Ihnen, daß ich mich nicht täuschte. Als die beiden Herien in den Hausflur traten, hatte der Eine, der ermordet wurde, den Rock, mit Ausnahme eines Knopfes, über der Brust fest zugeknöpft und durch das offene Knopfloch sah ich eine goldene Kette schimmern." Nun, und?" Der andere Herr, Herr Dawson, trug den Rock offen, und ich sah so deutlich, wie- man nur etwas sehen kann, daß er keine Uhrkette hatte. Zwei Minuten später kam er in den Borsaal, und während er das Essen bestellte, knöpfte er sich auch den Rock zu. Und als er gegen Abend aus dem Münster zu uns zurückkehrte, war sein Rock osfen, und wenn ich nicht sehr irre, bemerkte ich an ihm dieselbe goldene Kette, die ich an dem Ermordeten gesehen hatte. Wegen der Farbe des Goldes, die von einem eigenthümlichen Gelb war, hätte ich beinahe auf die Kette schwören können. Erst später sind mir diese Dinge wieder eingefallen, und ich fand sie wirklich recht sonderbar." Gab es noch etwas Anderes?" Nichts, als daß Briggs einige Wochen später gelegentlich erwähnte, Herr Dawson habe damals, als er so lange auf Josef Wilmot wartete, seine Briefschatulle öffnen wollen und den rechten Schlüssel erst nach vielem Suchen und Probiren finden können." Er war sicher aufgeregt und seine Hände zitterten ihm!" Nein, Briggs meinte, Herr Dawson habe so kühl und gefaßt ausgesehen, als ob er von Eisen wäre. Er probirte ruhig einen Schlüssel nach dem anderen, bis er den rechten gesunden hatte." Merkwürdig! Und nun, Freund, möchte ich Sie bitten, uns etwas starken Thee zu bringen." Der Kellner räumte eiligst den Tisch ab und verschwand. Wenn mich nicht Alles täuscht," sagte der Detektive, halte ich jetzt meinen Freund, den Herrn v. Mangoldshöh, in der Hand." Wieso?" fragte Leonor Austin. Dieses Geschwätz über die goldene Kette, die bald der Eine, bald derlndere trug, ist offenbarer Unsinn. 'Was sollte Dawson mit der Kette Josef Wilmots?Da haben Sie recht. Was sollte Alfred Dawson mit der Kette Josef Wilmots? Das ist die eine Frage. Weshalb. war Josef Wilmots Tochter so ängstlich bemüht, für Alfred Dawson s Schuldlosigkeit einzutreten, nach dem sie ihn zum ersten Male seit jenem Mord gesehen hat? Das ist die zweite Frage. Wissen Sie, was ich morgen thun werde, Herr Austin? Ich habe nicht die leiseste Ahnung davon. Ich werde dasasser in der Nähe des Schauplatzes, wo der Mord derübt wurde, ausbaggern lassen, um zu sehen, ob man die Kleidungsstücke nicht findet, die man dem Ermordeten abge streift hat." 33. Kapitel. Leonor Austin hatte seiner Mutter geschrieben, und machte sich auf den Weg, den Brief selbst zur Post zu tra gen. Es war Vollmond, der ab und zu von vorüberziehenden Wolken ver dunkelt wurde. Aus der Straße zurückkehrend, wo das Postamt sich befand, wurde Leonor durch die Erscheinung einer mädchenhaften Gestalt erschreckt, die wie ein Gespenst an ihm vorüberglitt, und ganz wie Ursula aus sah.
Ungewiß, ob er j'ch getäuscht hzt!?, eilte er über die Straße der jungen Dame entgegen, deren Gesicht von einem Schleier verhüllt war. Fräulein Wilmot! Ursula!" rief er. Die junge Dame wendete sich ab und ging rasch die enge Gasse entlang, bis sie an der nächsten Straßenecke verschwand. Leonor war überzeugt, sich in seiner Vermuthung geirrt zu haben. Der folgende Morgen war trübe und regnerisch. Ich gkhe jetzt auf das Polizeiamt," sagte Carter nach beendigtem Frühstück. Genöthigt, mir die Unterstützung der Herren zu erbitten, muß ich mich ihnen vorstellen. Wenn Sie die Ausbaggerung mit ansehen wollen, treffen Sie mich um 12 Uhr im Wäldchen. Ich werde selbst die Arbeit beaufstchtigen." Um elf Uhr rüstete sich Leonor Austin, den Detektive aufzusuchen. Unter einem Seitenportal des Münsters fand er ihn in eifrigem Gespräch mit einem alten Manne. Carter schien seinen Austraggeber nicht kennen zu woll:n, deshalb entfernte Leonor sich auf demselben Wege, auf dem der Ermordete dem Tode entgegengegangen war. Wenige Minuten fpäter holte der Detektive ihn ein. Ich verleugneteSie eben jetzt," sagte er, weil ich fürchtete, der Alte werde sich in seinen Mittheilungen unterbrechen, wenn sich noch ein Dritter zu uns gesellte." Hat er Ihnen viel erzählt?" Nein. Er beschrieb mir Dawsons Uhr und Kette sehr genau. Die Uhr war in etwas ungewöhnlicher Art zu öfsnen, und der Herr soll, wie der Küstcr mir versicherte, sehr unbeholfen dabei zu Werke gegangen sein. Aehnlich wie die uns vom Kellner erzählte Sache mit dem Schlüssel zu seiner Briefschatulle. auch dort stellte er sich so ungeschickt CN." Sie meinen, daß er im Gefühl seiner Schuld so aufgeregt war, auch für die kleinsten Verrichtungen nicht die nöthige Ruhe fand." Ich will Ihnen sagen, was ich denke, Herr Austin. Ich glaube, zu wissen, weshalb htm Ermordeten Rock, Weste und Hemd abgenommen wurden. Bestätigt sich meine Vermuthung, so sollen Sie Alles erfahren; habe ich mich geirrt, so rede ich nicht weite: darüber." Das Fehlen der Kleider des Ermor-
deten war der einzige Umstand gewesen, der Leonor mit dem Verdacht auf den Bankier ganz unvereinbar schien. Die Baggerarbeiten hatten schon viele Stunden in Anspruch genommen, und noch immer war nichts zum Vorschein gekommen, das der Mühe lohnte. Als es dunkelte, zündeten die Leute Pechfackeln an. Leonor ging unter den regennassen Bäumen auf und ab. wie an Tage, und einmal, als er sich von dem rothen Schern der Fackeln am weitesten entfernt, glaubte er wieder dieselbe Gestalt zu erblicken, die er am Abend zuvor in der Nähe des Forstgebäudes bemerkt hatte. Er eilte vorwärts, aber die Gestalt schien zurückzuweichen und zu verschwinden, und wieder glaubte er. durch ein Gebilde seiner Phantasie genarrt zu sein. Sind Sie da, Austin?" rief plötzlich die Stimme Carters. Wir haben die Aachen gesunden. Sie waren in einer der tiefen Höhlungen des Flußbettes und die Wasserratten haben sie schon tüchtig zernagt." Leonor folgte dem Detectiv zu der Stelle, wo ein Bündel nasser Kleidungsstucke lag. Ich müßte mich sehr irren, wenn das nicht die Sachen sind, die ich brauche, sagte Marter. Hat Jemcmd ?men Korb? Einer der Arbeiter konnte ihm mit einem Korbe aushelfen. Carter packte das schlammdurchtränkte Bündel in den Korb und schob seinen Arm durch den Henkel. Er bezahlte die Leute, die den ganzen Tag über angestrengt gearbeitet hatten. reichlich und giig, von Leonor Austin und einigen Schutzleuten des Ortes be gleitet, so schnell, wie die zunehmende Dunkelheit und der strömende Regen es gestatteten, nach Hause. Es schlug 8 Uhr. als sie den Gasthof errelchten, und Carter begab sich mit seiner Beute sofort lN das' von ihm und Leonor be wohnte Zimmer. Einige Handtücher herbeiholend, breitete er sie auf den Tisch und legte das Bunde! daneben. . Stellen Sie die Lampe hierher bat er den Schutzmann, das Bünde aufknüpfend. Allerlei widriges Gethier kroch aus den zusammengerollten Sachen hervor Der äußere Theil des Bündels war ein Tuchrock, der fast in Stücke zernagt war. Innerhalb des Rockes lag eineWeste; ein Atlasshlips, ein leinenes und ein Flanellhemd waren ziemlich gut erhalten. Der Detectiv warf Rock, Steine und Weste in den Korb zurück, legte beide Hemden zwischen die Handtücher und that sein Möglichstes, das nasse Zeug zu trocknen. 2.r Schutzmann sah ihm aufmerksam zu, doch ohne eine Spur von Verständniß. Mir scheint, ich brauche Sie nicht länger aufzuhalten, Freund," sagte Carter zu ihm. Ich dachte mir gleich, daß dabei nicht viel herauskommen würde, erwiderte der Schutzmann, aber Sie wünschten die Sachen um jeden Preis und nun haben Sie Ihren Willen." Ja. und ich bin Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar. Darf ich Sie bitten, diese kleine Entschädigung für Ihre verlorene Zeit anzunehmen? Ich i habe mich in meinen Voraussetzungen geirrt und muß mir die Enttäuschung gefallen fassen." Der Schutzmann, erfreut, daß der Londoner College einen so lächerlichen Schnitzer gemacht hatte, steckte das ihm
angebotene Goldstück ein und schob sich zur Thür hinaus.
Also die Arbeit dieses aanzen Tages war verlorene Mühe," bemerkte Leonor. und wir sind unserem Ziele nicht um einen Schritt näher?" Wicht naher, Herr Austin? Glauben Sie. ich wäre Narr aenua. vor einem Menschen wie dem mein Geheimniß auszuplaudern, um die Belohnung mit ihm zu theilen? Die Arbeit heute hat die Entd:ckung herbeigeführt, auf me Ursulas Brief hinwies, aus die jedes Wort des Kellners hindeutete. Ich wußte, daß diese Kleidungsstücke ein Geheimniß enthalten müßten, sonst wären sie dem Ermordeten nicht abgenommen worden. Es geschieht nicht oft, daß em Morder lanaer neben seinem Opfer ausharrt, als unbedingt nöthig in, und lch sagte mir schon immer, daß er schwerwiegende Gründe haben mußle, den Todten zu entkleiden. Sehen Sie hierbei, Herr Austin." Der Detectiv reichte Leonor das nasse Hemd und zeigte mit dem Finger auf eine besondere Stelle. Wofür lesen Sie das? fragte er. . Leonor 9snfHn 9sifrS TnYr) m I v r son." Ist Ihnen nun Alles klar?" rief Carler. Deshalb wurden diese Sachen dem Todten ausaezoaen und in den Fluß versenkt, deshalb wechselten Uhr und Kette lhren Herrn. Weshalb brauchte der Mann, der nach dem verübten Verbrechen hierher zurückkehrte. so viel Zeit, den rechten Schlüssel zu der Briesschatulle zu finden? Sie begreifen nun, weshalb Ursula Wilmot so große Schwierigkeiten zu überwinden hatte. bei dem Mann in Mangoldshöh 5Zutritt zu erlangen und weshalb sie, nachdem sie ihn einmal gesehen hatte, ihn vor Anklage und Verfolgung fchützen wollte. Als sie versicherte. Alfred Dawson sei schuldlos an dem Tode ihres Baters, sagte sie Ihnen dieWahrheit. Der Ermordete war Alfred Dawson, der Mörder ist " Mehr borte Leonor Aust n nickt. Er sank ohnmächtig inseinenSessel zurück. Äls er wieder zu sich tam. iah er den Detectiv vor sich, der ihn mit kaltem Wasser bespritzte. Carter trug das Bündel mit den Sachen in sein Schlafzimmer und kehrte nach einiaer Äeit mit seinem Handkoffer zurück. Ich habe die im Wasser aufaefundenen Sachen hier eingeschlossen," sagte er, und werde sie nickt eher aus den Augen verlieren, als bis ich sie sicheren Händen übergeben haben werde. Der eingestickte Name auf dem Hemde Alsreo Dawsons überantwortet seinen Mörder dem Henker." Kann es sich denn nicht um einen Irrthum handeln?" fragte Leonor. Die Kleidungsstücke mögen in Wirklichkeit nicht Dawson gehört haben, er hat sie vielleicht Josef Wilmot geschenkt." Das ist mehr als unwahrscheinlich, denn Dawson traf erst zwei oder drei Stunden, ehe der Mord begangen wurde, in Southampton ein. Ich sehe nun Alles ganz klar. Es ist der merkwürdigste Fall, der mir je vorgekommen, und doch ist er einfach genug, wenn Sie erst den rechten Schlüssel haben. Es gab keinen annehmbaren Grund, Alfred Dawson, den Besitzer eines riesigen Vermögens und eines hochgeachteten Namens, zu veranlassen. sich in die Gefahr zu stürzen, der er sich vurch ein solches Verbrechen aussetzte, dagegen waren mancherlei Gründe für Josef Wilmot, den Zuchthäusler, den Äerveymten vorhanden, seinen früheren Herrn umzubrinaen und ficfc dadurck das Vermögen und die Lebensstellung des Ermordeten anzueignen. Es war ein gewagtes Spiel, und der Mann muß es meisterhaft gespielt haben, um vem verdacht )o lange zu entgehen. Die Gewissensbedenken feiner Tochter haben ihn verrathen." Ja. Carter sprach die Wahrheit. Ursula's Weigerung, die Frau Leonor Austins zu werden, hatte den Anstoß gegeben, daß das Geheimniß dieses schnöden Mordes entdeckt worden war. Leonor Austin war wie betäubt von dieser Enthüllung. Wie konnte das Entsetzliche geschehen sein? Der Mann, den er gesehen und aesprochen hatte. war also nicht Alfred Dawson, war Josef Wilmot, der Mörder seines Herrn, der mit teuflischem Vorbedacht den Mann aetödtet batte. dem er entgegengereist war, um ihn nach sünfunddreißigjähriger Abwesenheit von England angeblich willkommen zu heißen! Aber so etwas ist Unmöglich, ganz unmöglich!" rief Leonor. .Ich habe in Si. Gundolph seit vorigem August riefe, von Älsred Dawsons Hand ge schrieben, gesehen." Das ist sekrvadrscheinlick.. erwlderte der Detectiv kühl. .Während ich mich mit der Geschichte dieses Mordes beschäftige, mußte ick mick auck mit der Lebensgeschichte Jcsef Wilmots bekannt machen. Er wurde vor dreißig Jahren wegen Falschmünzerei zu langer ZuchthauZstrafe verurtheilt. Im Nachahmen fremder Handschriften besan er eine unbeimlicke Gesckicklickkeit. Er war ein kühner und verschlagener Ulcensch und doch selbst in ferner Gelunlenyett Nicht ohne gute Negungen Wiederholt versuchte er es. sick au? ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, immer stand dem Unglücklichen seine Vergangenheit im Weae" Und Ursula war die Tochter dieses Mannes! Ein unaussprechliches Gefühl der schwermuth kam der dieser Borstellung über Leonor Austin. Dieses edle Mädchen hatte heldenhaft die Möglichkeit einer sonnigen, glücklichen Zukunft zu rückgewiesen, um nicht die Schmach ihres, Vaters in das Haus des Gatten zu tragen. Jetzt verstand er ste ganz, chrc Verzweiflung, ihr Entsetzen, als n . . r ? rniVA.. .
ie ersuyr, wesyai? oer coroer iyr oe ständig ausgewichen war. (Fortsetzung folgt.)
Für die Küche. GrüneKlüßchenfurVrüh. s u P p e n. Eine Handvoll Petersilie, ebensoviel Spinat und halb soviel Kerbel und Schnittlauch verliest und Wäscht man sauber, hackt alles fein und dünstet es einige Minuten in But ter. Dann vermischt man sie mit zwei geriebenen Semmeln, zwei Eiern, Salz und etwas Pfeffer, formt mit zw Löffeln, die man mit Mehl bestreut, kleine Klößchen von der Masse und läßt sie in der fertigen Suppe nur eben aufwallen, da sie sonst zerfallen. Thüringer Kartoffelk l ö ß e. Man reibe drei Viertel der zu verwendenden Kartoffeln roh in lauwarmes Wasser (letzteres, damit sie nicht roth werden), wässert die zerriebene Masse öfters, ebenfalls lauwarm, ab und preßt sie dann in einen Sack, Tuch oder Serviette tüchtig aus, so daß sie luftig und weiß wie Schnee werden. Darauf in eine Schüssel g:than, übergießt man sie mit kochendem Kartoffelbrei (wozu man ein Viertel verwendete), mengt und arbeitet die Masse tüchtig durcheinander, nachdem man die nöthige Portion Salz hinzugethan. Alsdann formt man die Klöße um eine Anzahl gerösteter Semmelbröckchen und läßt sie etwa 8 Minuten nicht zugedeckt kochen. Wichtig ist, wenigstens für jeden Thüringer daß man die Klöße vor dem Verspeisen nicht schneide sondern reißt", d. h.
mit der Gabel allein oder auch mit Messer und Gabel auseinander zerrt. Pikante Cotelette s. Man schneidet Kalbfleischschnitzchen von der Dicke eines kleinen Fingers, eben solche Schmtzchen von Schweine- oder Hammelfleisch, legt die verschiedenen Fleischschnitten übereinander und hackt sie mit emem scharfen Messer odcr kautigen Fleischhammer gut ineinander. Diese Fleischmasse vermengt man noch mit etwas fein geschabtem Speck, feinen frischen Kräutern, formt daraus lanqllch runde Cotelettchen, bestreut sie leicht mit Salz, wendet sie fodann in heißer Butter um, weitcrs in fein geriebenen Semmelbröseln, worunter etwas Citronengelb, und backt die Cotelettchen nun in heiher Butter auf beiden Selten goldbraun. Man ordnet die fertigen Cotelettchen auf eine heiße Platte, ziert sie mit grüner Petersilie und reicht hierzu eine pikante Sauce von Champignons, Wein, Kapern etc. EnglischesFleischmus. Man schabt ein Pfund rohes, saftiges Rindfleisch sehr fein, nachdem man es von Haut und Sehnen gelost hat. In drei Unzen kochende Butter rührt man das Geschabte hinein, fügt den Sast einer Citrone, etwas Salz und Cayennepfeffer hinzu und laßt das Mus so lange am Feuer, bis es nicht mehr roth aussieht, aber nicht länger. Man gibt es sosort in eine erwärmte Schüssel und reicht Kartoffelbrei oder Salzkartoffeln dazu. Gebackene Kalbsfüße. Einige sauber geputzte Füße kocht man in gesalzenem Wasser weich, dem man zwei Eßlöffel voll Weißwein, eine. Zwiebel, ein Lorbeerblatt, Wurzelwerk Gewürz, einige Cltronenschelben zusetzt, löst dann die Knochen heraus, theilt jeden Fuß in vier gleiche Theile, taucht sie in den nachstehenden Ausbackteig, und backt sie schwimmend goldbraun, worauf man sie sogleich zu Tisch gibt. Ausbackteig: 6 7 Löffel Mehl rührt man mit etwas Milch zu einem dickflüssigen Teig, verarbeitet denselben gut, fügt drei Eier dazu, salzt ihn und verfährt wie angegeben. Franz LsischeEier. Recht frische Eier kocht man hart, schält sie und schneidet sie mitten durch. Zur Sauce dünstet man einen Löffel gewiegte Petersilie, ebensoviel Estragon und halb so viel Schnittlauch in Butter einige Minuten, röstet einen Löffel Mehl darin durch und verkocht alles mitFleischbrühe und emem Guß Rothwein. Die dünnflüssige Sauce wird mit zwei harten durchgestrichenen Eigelb dicklich gerührt, gesalzen, gepfeffert und mit etwas Citronensaft und Mostrich pikant gemacht. Die Sauce muß gerade fertig sein, wenn die Eier gekocht und geschält sind. Sie wird darüber gegossen und mfl gerösteten Brotschnitten seroirt. Gurken als Gemüse. Man nimmt schöne lange Gurken, schält und schneidet sie der Länge nach durch und schabt die Kerne mit einem silbernen Löffel heraus, salzt sie ein und deckt sie zu. Dann läßt man in einem Topf Butter brauet werden, thut' die eingesalzenen Gurken hinein und läßt sie etwas andampfen, überstreut ste mit einem bis zwei Löffeln Mehl, füllt das Ganze mit kochender Fleischbrühe oder auch nur mit kochendem Wasser auf und läßt sie so lange dämpfen, bis die Gurkenstücke glasig werden, dann schmeckt man sie mit Zucker und Essig ab und gibt sie mit Kartoffeln und etwas Gebratenem zu Tisch. Ungarischer Kirschkuchen. Ein Pint Milch lasse man mit 2 Unzen Butter kochend werden und unterfleißigem Rühren so viel groben Gries einlaufen, bis die Masse ganz dick ist, dann stellt man sie kalt. Nun gibt man reichlich geriebene Mandeln, eln Käs feelöffelchen voll Zimmt, vier Eidotter, ein Viertel Pfund Zucker und zuletzt zwei Pfund ausgekernte, schwarze Kirschen darunter, verrührt Alles gut und' hebt sodann noch den Schnee von den vier Eiweiß hinein. Eine Puddingform wird mit Butter ausgestrichen, mit Semmelbröscln bestreut, die Masse hineingefüllt und bei mäßig starkem Feuer bäckt man sie eine Stunde. Gefüllter Sellerie. Man schält überkochte Wurzeln, höhlt sie aus, füllt sie mit Schweinefleisch und Weckfülle und dünstet, sie, mit Butter und etwas Pfeffer fertig. Wenn man will, kann man die Sauce leicht stauch ben und geseiht daran geben. - -
