Indiana Tribüne, Volume 22, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1899 — Page 2
Ein Wendepunkt.
Skizze au! den Eheleben von A. A. ? Ermüdet läßt sie das Buch in d-n Cchooß sinken. Das ewige Einerlei! Aeberschwängliche Liebe, viele Hinderuisse und zuletzt dieLösung all?r Gern stifte vor dem Standesamt! Ein bitterer Zug legt sich um den Mund der jungen Frau. Wie unwahr und lächerlich, die Ehe immer als den Ab schluß eines Romans zu wählen; da beginnen erst die inhaltsreichen Comöjbicn und Tragödien. Ach! da sind ja ihre Gedanken schon Kieder auf abschüssiger Bahn! Also zu ihm. zu ihrem Gatten! Vor der Thür seines Arbeitszimmers bleibt sie zögernd stehen. Schon, lange hat sie es nicht mehr betreten. Was will sie eigentlich? Wahrheit und Klarheit! Er soll kh? entweder die häßlichen Worte, die er ihr vorhin im höchsten Zorn in's Gesicht geschleudert, nochmals bei ruhiger Besinnung wiederholen, oder Bei diesem oder" fliegt ein leichter Hoffnungsschimmer über ihr blasses Gesicht. Rasch öffnet sie die Thüre. War der tizfe Seufzer ihren eigenen Lippen entflohen? Das Zimmer ist leer. Erregt sucht sie auf seinem Schreibtisch. Nichts! gar nichts! keine versöhnende Zeile hat er ihr zurückgelanen; aber vielleicht kommt er bald wieder; sie will ihn erwarten. Ihr Blick schweift durch den stillen Raum; alles, was darin ist, mit welcher Liebe und Freude haben sie Beide es gewählt. Der einsamen Frau ist es, als ob die Sachen Leben gewännen und erzählten: von all' den ernsten Arbeitsplänen, die ein junges, glückliches Menschenpaar hier getauscht hatte. Und die stille Frau lauscht wie einer Offenbarung diesem lautlosen Flüstern. So glücklich sind sie also gewesen? so glücklich? Warum sind sie es dann jetzt schon so lange nicht mehr? Ja! Pläne und Träume! eine Zeitlang sind sie ja recht schön, besonders in den Flitterwochen; da ist alles in Morgensonne getaucht, das Leben scheint ein endloser Feiertag zu sein aber dann kommt die flimmernde Mittagsschwüle. Die Zärtlichkeit, das stete Spielen auf den höchsten Gefühlsskalen ermüden der helle, wackc Tag, der Werktag fordert kräfiige Thaten. Hier hätte sie einsetzen sollen mit dem Einleben in ihres Gatten Eigenart, in seinen Beruf, in sein Streben, in sein Seelenleben. Wo waren ihre Vorsätze geblieben? Schamröthe färbt ihr Antlitz, wenn sie denkt, wie oft er sie zu sich heranziehen wollte in Gesprächen, im Lesen guter Bücher, im Studiren von Kunstwerken. Trägen Geistes, ohne sichtliche Begeisterung war sie seinen Ideen gefolgt, ihre thätige Mitwirkung imnier auf später verschiebend. Da hatte er auch zuletzt die Freude an ihrer Gesellschaft verloren. War's zu verwundern, daß nun ihr Verkehrston, der nur noch an materielle Interessen anknüpfte, immer gereizter und erbitterter wurde? Die junge Frau blickte verstört im Zimmer umher. Nein, nein! Das kann, das darf nicht fein! Sie will sich seine Liebe wieder zurückerobern; sie will alle Kräfte einsetzen, um ihn derstehen zu lernen, um ganz in ihm aufzugehen; sie will Sie liebt ihn! O! wie sie ihn liebte! Erst jetzt fühlte sie es wieder, da sie ihn vielleicht verloren hatte. Und auch mit dem andern! Etwas von der alten Begeiste?ung wurde in ihr wach. Wenn sie doch mit ihren heißen Reuethränen all die verträumten, verquälten Stunden zurückbringen könnte! Nutzloses Wünschen! Aber die Zukunft wenigstens gehört noch ihr. Sie will alles Bersäumte nachholen. Tausend Pläne und Hoffnungen kreuzen sich hinter ihrer Stirne. Und zuletzt erstirbt alles in dem einem Sehnsuchtsschrei: wenn er nur käme, damit ich an seinem Herzen Ruke finden könnte nach all diesen Zweifeln und Schmerzen! In ihrer Aufregung hat sie das Oeffnen der Thüre draußen überhört, und als ihr Gatte nun über die Schwelle seines Arbeitszimmers schreitet, blickt sie ihn erst stumm wie eine Erscheinung an. Aber auch er scheint überrascht. Du hier?" fragt er endlich mit einem weichen, guten Ton in der Stimme. Da fliegt sie ihm mit einem Aufschrei der Erlösung um den Hals. Und all die Qualen und Selbstvorwürfe der letzten Stunden machen sich in dem Rufe Luft: Ver zeih! Du liebst mich also noch? O! nun ist alles gut." Und dann feierlich, wie ein Schwur: Nun soll alles, alles anders werden!" Draußen wehen dichte Schneeflocken nieder; in den Herzen des jungen EhePaares aber ist heller Jubel. Ihre Erlöserin war die Liebe. Verunglückte Beschönigung. Sohn: Was, Papa, die Dame soll, ich heirathen?" Vater: Ja, denn sie ist sehr reich." Sohn: Mir egal das Fräulein scheint aber doch viel älter zu sein als Du mir sagtest, das sieht man deutlich auf dem Bilde." Vater: Ja, Heinrich, das ist ja auch schon eine alte Photographie." Surrogat. Hausfrau: Mina, warum rasselst Du denn so furchtbar mit dem Blechgeschirr?" Kochin: Ach Jott, Madam, mein Dragoner kann heut' nich' kommen und da imitire ick mir 'n bißchen Säbeljerassel." Gebogen. Warum hat sich die hübsche Wittwe nur diesen Kerl mit Frau, welche im Ballkostüm, betrachtend): Mein Gott,' um das anzuziehen gebrauchst Du so viel Zeit?" Unerklärlich. Er (seine den 0-Beinen geheirathet?" Er Z?aßt yi ihrem Mobiliar."
Die Bergpartie. Von Peter Rosegger. Anfangs war die Bergpartie überaus heiter angegangen. Die Kinder pflückten Blumen, die Frauen suchten lustig plaudernd nach Pilzen, die sie in freier Hand auf dem kleinen Umweg über das Gebirge nach Hause tragen wollten. Die Herren kletterten auf Gefällen und losgerissenen Baumwurzeln herum und bewarfen sich mit dürren Fichtennadeln eines entvölkerten Ameisenhaufens. Solange der glatte, sachte ansteigende Waldweg dauerte, währte auch der Schabernack; als es steiler wurde, verscholl der übermüthigeLärmund als es noch steiler wurde, began;ten etliche zu schnaufen irnb zu brummen, und als es ganz steil in einer Holzriese empor ging, blieben sie stehen und sagten untereinander, sie wollten nicht der Narr sein und da hinaufkraxeln, ohne eigentlich zu wissen warum. Da thäten sie die Berge lieber von unten ansehen, vom JochwirthsHaus, in welchem sie sich den Tag über häuslich niederlassen wollten. Des waren sie einig und das wollten sie thun. Nur der Oberbuchhalter Nagerl, seine niedliche Frau und seine schlanken Töchter waren Bergfexen genug, um dem ebenen Mattenweg bis zum JochWirthshause die steile Holzriese vorzuziehen, und so haben sie sich von der Gesellschaft unter frohen Zurufen getrennt. Die Weibsleute des Herrn Nagerl hatten ihre Pilze unter einen Tannling gelegt in der Absicht, auf der Rückkehr die vortrefflichen Ge-wächs.-. wieder mitzunehmen, und hatten dafür aus Geäst derbe Bergstecken gebrochen und derb in die Hand gefaßt. Der Oberbuchhalter gab den Befehl aus, daß beim Bergwärtsgehen kein Wort gesprochen werden dürfe und erläuterte unterwegs so lange die Schädlichkeit des Sprechens beim Bergsteigen, bis er athemlos war und in solchem Zustande noch etwas gereizt die Frage herausstieß,was ihnen denn über die Leber gelaufen sei, daß sie so verschlössen und verdrossen hinter ihm einhersumpften. Die Holzriese hatte sich endlich in drei Arme verzweigt und im Gefälle und Erlgebüsche verloren. Der Mann fand zwar, daß ein Weg auf die Bergspitze etwas ganz Ueberflüssiges wäre, weil diese ohnehin nicht zu verfehlen sei, wenn der Mensch immer redlich aufwärts stiege. Die Frauen waren wohl auch dieser Meinung, doch wurden sie am Aufwärtssteigen immer wi:der verhindert durch Spieße undHaken. mit denen das Gestrüpp sich an ihre Kleider festkletterte. Besonders daZ Brombeergeräuch war zuthunlich und legte der tugendhaften Mutter nicht minder, als den heranblllhenden Töchtern geradezu Fallstricke! Sie hatten stch wohl vorgenommen, auf Beratouren unter keiner Bedingung den Humor zu verlieren. Sie verloren ihn
auch nicht, aber ihre kleine Nahe-Ne-cessaire verlor die eine der Töchter.und ihren Taschenkamm die andere, und ihren Mann die Frau Mutter. Denn der Oberbuchhalter war voraus auf eine Höhung geeilt, um sich zurechtzuschauen. Da sah er, daß die Berge, Schluchten und Wege eigensinnig waren und sich den Angaben der LandZarte nur sehr unvollkommen fügen wollten. Die hohe Biere, deren Gipfel ihr heutiges Ziel sein sollte, lag boshafter Weise noch sehr weit drüben.verschanzt hinter ganz unrechtmäßig dastehenden Vorbergen. Als die Frauen schnaufend nachkamen. fand es der Herr Vater an der Zeit, einen kleinen Imbiß zu nehmen. Die Frau Mutter dachte auch ungefähr so, als sie jedoch ihr Handkörbchen durchsuchte, war- das Packetlein mit Brot und Schinken ebenfalls verloren. Darob wollte er seinen häuslichen Zorn hervorbrüllen, die Weibsleute aber lachten und meinten, wenn der Hunger denn schon einmal da sei, so solle man ihn nicht durch Aerger verscheuchen, sondern fleißigBlaubeeren und Erdbeeren suchen, die Gott für den Fall erschaffen habe, wenn unachtsame Frauenzimmer unterwegs das Brotpacket verthäten. Da mußte der Herr Vater doch beigeben und sie begannen nach altbekanntem Bibelbrauch im , Schweiße ihres Angesichtes Die jüngere Tochter hatte ihn zuerst bemerkt, den rothbärtigen Halter mit dem schmierigen Seitenzegger. Was war drin in seinem Sack? Etwas, das auswendig nit häng? bleibt." Ob es was zu :ssen wäre? Das ist gewiß. Viehmehl." Ob da herum nicht irgendwo ein Holzerhaus wäre, oder eine Almhütte, oder so was? Der Teuzel!" schalt der wüsteRothbart, das sind ihrer wieder solche! So herrische Jodeln, die nix zu thun haben und alleweil nur so herumsieigen und die Thör' offen lassen, daß sich '3 Vieh verlauft! Die Sakra! Just gestern ist so ein Rudel dagewest, alle Zäun aufreißen, alle Löcher offen lassen. Jetzt such' ich sie schon den ganzen Tag, meine zwei Kalben, die sich gewiß verlaufen haben, bis in den Risfelgraben. Die Sakra, die! Ueberall, wo sie hinschmecken, thun's Schaden. Vorig Wochen ist's gewest, haben ihrer drei Herrische drunten auf dem Speierschlag Feuer g'macht. daß bald der ganz' Wald wär' brennend worden, wenn nit der heilige Florian einen Wolkenbruch hätt' niedergelassen. Sakra sein's! Letzt' Jahr her hat auf der Speikalm so einer die Küh ausduldet und kein' Schnaigerin geht sicher. Die Höllsakra, die Herrischen!" Während dieser eindringlichen Rede hatte er mit dem schwammigen Filzhut kin- ums andremal auf den Oberschenkel geschlagen, daß es nur so klatschte. Unserer .Oberbuchhalters - Familie Dard' ganz lausig zu Muthe, daß sie
jetzt den für alle bösartigen Touristen aufgespeicherten Halterzorn , so ganz allein über sich ergehen lassen mußten, und sie waren doch gar nicht bösartig, sie waren nur hungrig. Darum that der Herr Vater, als hätte er die schneidige Rede gar nicht verstanden und fragte nochmals überaus geschmeidig, ob' da herum nicht irgendwo eine Leuthütte wäre? Hütten ist keine da", antwortete der Halter. Aber das Scheidsteinhaus steht da drenten hinter dem Wald. Geht's nur überi, die werden's Euch schon auch sagen. Sakra!" Sprach's, Pfottete thalwärts und rief mit klingender Stimme die Namen seiner Kalben, die sich verlaufen hatten. Der Oberbuchhalter sagte zu den Seinen: Ueber uns soll keine Klage sein, wir werden Niemanden Schaden thun, wir werden zeigen, daß es auch unter den Herrischen noch anständige Leute giebt." Als hernach unsere vierspännige Gesellschaft durch den Schachen war, sah sie hoch an 'der Lehne ein Gehöft. Unterwegs sieilan fragte der Vater seine Ehegesponstin, wie viel Schinkenbrot sie eigentlich mitgehabt und verloren habe? Wie viel Uhr es etwa sein möchte? Warum sie an so einem Tag ihre Taschenuhr zu Hause gelassen? Ob der Kanarienvogel daheim in seinem Bauer wohl versorgt wäre mit Futter und Wsser? Als die Frau derlei Fragen schnaufend beantwortet, rief er ihr ebenso schnaufend zu: daß die Weibsbilder aber den Mund fchon einmal gar nicht halten können! Schwatzen sollst nicht, beim Bergsteigen, sage ich!" Endlich waren sie am Gehöft. Das lag breit und behäbig da, und weil sie weder sprechen durften noch konnten, so dachten sie sich ihr. Gottlob und daß sie doch endlich was würden zu essen bekommen. Die Thore der Stallungen und Scheunen standen offen, und auch die Hausthür, zu sehen aber war kein lebendiges Federlein. Sie gingen in das luftige Vorgelaß, in die große dumpfige Stube, dort setzten sie sich auf die Bank und hörten, daß es todtenstill war und sahen, daß niemand zu sehen war. Der Herr Vater ging zuerst im Hause herum, ging in den Ställen und Stadeln herum und suchte Leut'. Er fandRiemand. Dann ging die Frau Mutter in die Küche, machte einen großen Kasten auf und fand Milch, Brot, Butter und Honig. Alsogleich wollten sie Hand anlegen, besonders die schlanken Töchter, da sprach aber und sehr zur Unzeit beim Herrn Vater das Gewissen drein. Sie hatten stch gesagt, daß sie Niemandem Schaden thun wollten, und jetzt sollten ste da einen Naub ausführen? Sollten sich Sachen aneignen, ohne ein Recht darauf zu haben? Das dars platterdings nicht sein. Die ältere Tochter aber tauchte ihren Zeigesinget in den Rahmtops und leckte ihn ab. Die Frau Mutter verwies heftig, daß sich so was nicht schickt ohne Löffel in die Töpfe zu greifen. Sie fand in der Tischlad' Eßzeug, und gerade als ob sie daheim wäre am eigenen Herd, deckte ste den Tisch und trug die lockenden Sachen ordentlich auf. Der Herr Vater erging sich solange in schönen Moralbetrachtungen über Mein und Dein, bis er mit einer großen Schnitte Butterbrot seinen Mund zustopfte. Wir werden ja Geld da lassen ! Einen ganzen Gulden'" Mit diesem Vorsaß beschwichtigten sie ihre grübelnden Gemüther. Dock als der erste HeißHunger gestillt war, fand der Herr Vater. daß ein halber Guide?, such genug wäre. Reichlich genug!" rief die Frau Mutter, auf der Alm wachsen solche Sachen ja soviel als umsonst. Wär' nicht schlecht, so ein Töpfel Milch und ein Laib Brot um einen halben alten zu zahlen!" Mit großerTapferkeit griffln sie zu. alle vier, und ausdauernd nährten sie sich. Es wird's thatsächlich auch ein Viertelgulden thun", meinte der Herr Vain und strich sich Honig auf ein zweites Stück Brot. Die ältere Tochter fand, als sie gesättiqt ihre rothen Lippen mit einem Sacktüchlein abwischte: Wenn dieBäuerin bei ihrer Rückkehr einen Silberzwanziger vorfände auf dem Tische, so würde sie höchlich überrascht und zufrieden sein. Man dürfte die Naturmenschen mit Geld nicht verderben, gab die Frau Mutter weise dazu, übrigens sei die Milch schon sauer, die Butter ranzig und das Brot schimmelig. Der Honigtopf könnte auch sauberer gehalten sein. Da vergehe einem schon der ganze ApPetit denn sie war ebenfalls bereits satt geworden. Die jüngere Tochter warf das Bedenken auf: Wie, rvenn jetzt plötzlich der Bauer käme! Der rohe Bauer mit dem großen Stock, und die fremde Sippe sähe, die sich mir nichts Dir nichts häuslich eingerichtet und über den Vorrath hergemacht hatte! Wenn man in dieser schönen Gegend den Hcrrischen. überhaupt nicht grün ist.so kann's wohl sein, daß sich da etwas Absonderliches zuträgt. Die Stube hatte so dunkle Winkel, und Nägel an der Wand. Der große Ofen konnte einen Scheiterstoß und eine ganze Familie fassen. Der jüngeren Tochter fielen allerlei unheimliche Geschichten
r.m. In Erwägung von Möglichkeiten that der Herr Vater doch einen halben Gulden auS seinem Ledertä'schlein und legte ihn auf das Fensterbrett, damit im Falle einer plötzlichen Ueberraschng die Absicht redlicher Abstattung offen daliegt. Durch das Fensterchen blickn ht Töckter und saben nicktS j Erquickliches. Vom Lerchenwald h:ran ' kamen zwei Männer. Der rothbärtige Halter und ein schwarzer Riesenkerl, der auf der Achsel ein Schock Heupan-
gen trug. Sie sprachen sehr eifrig mit einander und schienen es eilig zu baren, das herrische Gesinde!" in den Berten auszurotten. Unsere Familie wollte versuchen, ob durch die Hinterthür noch zu entkommen wäre, da trat ein stämmiges Weib ein. Das hatte Rechen und Futtergabela bei sich und einen großen Handkorb mit leerem Eßgeschirr. Die Bäuerin selber war's, man merkte es an der Überlegsamen Gelassenheit, als sie die fremde Einsiedlung sah. Die Frau Oberbuchhalterin trat vor und sagte ganz anmuthig: Wenn das die Hausmutter ist. so wird sie sich was Schönes denken! Wie wir uns da eingenistet haben, als ob wir daheim wären!" So!" sagte die Bäuerin, dieweilen sie ihreSachen ablegte, das ist ja recht. Werdet wohl Platz haben in der Stuben." Und uns gleich was zu essen genommen haben. Wir waren hungrig zum Umfallen. Müsset schon verzeihen, daß wir's derweil gleich selber genommen haben." Seids doch so gescheit gewesen!" rief die Bäuerin heitzr aus. Wenn eins Hunger hat und kein Mensch im Haus ist, da muß man's freilich selber nehmen. Wir haben auf der Wiese geheut, wird bald's Wetter umschlagen." Einerseits seid auch Ihr schuld, liebe Frau," sprang nun auch derOberbuchhalter mit gemüthlicher Betonung ein, daß Ihr alles so offen laßt, wenn Ihr in's Heuen geht." Narren!" lachte sie, das ist wohl gut gewesen, wenn ihr etwas zu essen habt haben wollen. Den Kasten zusperren, das wär' schon gar zum lachen! Dafür ist's ja da. Ist ja dafür da, daß es gegessen wird." Wir haben allerdings dafür Geld hergelegt." Was nit noch!" rief die Bäuerin imd stemmte ihre dicken Arme in die Seite, so daß sie wie die jüngere Tochter später darthat aussah, wie
ein großer Pluger mit zwei Henkeln. Zahlen wollt's das Bissel Milch!" Wir haben auch Brot, Butter und Honig genommen." Recht habt's gehabt, 's ist ja da. Dafür ist's ja da. Geh', nehmen thu' ich nix dafür. Ein Vergeltsgott, wenn 's mir geben wollt's, den hat der Bauersmensch alleweil zu brauchen, daß ein anderes Jahr wieder was wachst. Thut's doch weiter essen, wenn's schmeckt, ich füll' noch nach. Die jungen Menscherln möchten gewiß noch ein' Honig! Aber freilich, dafür ist er ja da!" Nun trat aber der Niesenkerl in die Stube. Er mußte sich in der Mitte fast einschnappen wie ein Taschenmesser, daß er durch die niedere Thür konnte. Auf dem klobigen Kops hockte ein ganz schmächtiges Hütel, aus dem zu allen Seiten wild und üppig die schwarzen Haarwuchten hervorquollen. Das braune viereckige Gesicht war rasirt. denn es war zwei Tage vorher erst Samstag gewesen. Die Augen und der breite Mund waren eingekniffen und zeigten ein böses Vorhaben. Du Vaterl," redete ihn die Bäuerin an, hungrige Leutln hab'n mir kriegt, derweil mir auf der Wiesen g'wesen sein!" Stand der Riesenkerl da und blickte finster auf die Gäst'. Dann schnob er zwei-, dreimal durch die Nase und sprach mit zarter Fistelstimme: 's Essen soll ihna vergunnt sein. Aber nachher soll'ns schaun, daß 's weiterkummen und sollen die Thör zumachen, daß stch 's Vieh nit wieder verlauft!" Das war Alles. Als unsere Touristensamilie später draußen im Lerchenwald stand am gabelnden Weg, um zu berathen, ob man den Berg vollends besteigen oder um kehren soll, meinte die Frau Mutter : Mir wär's schon bald lieber, wieder thalwärts. Es ist nicht gemüthlich. heute. Mutter," sagte darauf die jüngere Tochter, ganz leise sagte sie es: Trach ten wir, von diesem Bauernhause wegzukommen, 's ist gar nicht zu sagen, wie sehr ich mich schäme. Du, ich auch!" gab die andere Tochter bei. Hätt's nimmer geglaubt, daß einen diese ungebildeten Leute so demu thigen könnten." Sagte die Frau zu ihrem Mann: Du hättest doch einen ganzen Gulden auf's Fensterbrett sollen legen." Einen Dukaten, wenn ich mitgehabt hatte , ruf der Oberbuchhalter degei stert aus, das sind goldene Leute! Ich bitte Euch, Kinder, macht allemal die Thorschranken zu auf dem Land, laßt Euch's gesagt sein. Man ist auf srem dem Eigenthum. Wir Stadtleut sollten einmal bedenken, ob es uns angenehm wäre, wenn unberufene Leute in unseren Gärten so herumspazieren th'ä-' ten. Man sollte sich immer vor Augen halten, daß auch andere Rechte respektirt werden müssen. Lasset es Euch gesagt sein, Kinder! Alles was recht ist!" Dieweilen der Herr Vater in würdiger Weise solche Moral entwickelte und die drei Weisleute munter einer Amsel zuhörten, die im Walde sang, gingen sie durch eine Thorschranke und ue ßen sie offen. Im Examen. Professor: Bei uns sind die Fremdwörter so ein aewuritelt. dan wir' soaar als Ab sckiedsaruk noch immer das französische Adieu" beibehalten haben. Können Sie mir als Ersatz einen ecyt oeul schen Gruß nennen, Müller?" Müller: Pros't!" Ein Dampfer. Ob ick Ebbes riskir. wenn ick um die Rahe! bei Commerzienraths anhalte?" Nein, Sie riskiren nichts, aber fcei ommerzlenrattz!"
Hilveryochzett. L?on A. Fromm. In einigen Wochen sollten Werner
Bredow und seine Frau ihre SilberHochzeit ferern. FunfundzwanzigJahre lang hatten sie zusammen verlebt, wie zwei parallele Linien, die einander nie berühren. Ihre Ehe war ohne Sturm, aber auch ohne Sonnenschein verlausen. Sie waren kinderlos und so, ohne jedes Band, das sie an die Häuslichkeit oder an einander fesselte. Gefund und in behaglichen Verhältnissen, hatte jedes sein Leben nach seiner Weise und Neigung einrichten können. Der Mann hatte außer seinem Veruf und seinen städtischenEhrenämtern seine Vereine und seinen Club; die Frau fand in den verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten der Stadt ein weites Feld für ihre Thätigkeit und im geselligen Verkehr mit ihren Freunbinnen, im Theater und Concert Zerstreuung und Unterhaltung. Im Sommer bezog Frau Emma irgend eine Sommerfrische, wo der Gatte sie gelegentlich aufsuchte. Eine größere Reise hin und wieder, und jeden Winter einige große Gesellschaften, das war so ziemlich alles, was sie gemeinschaftlich unternahmen. Es war keine leidenschaftliche Liebe gewesen, was sie zu einander geführt hatte. Als sie sich verlobten, war Emma dreiundzwanzig Jahre alt und hatte mit Liebeslust und Liebesleid abgeschlossen, wie er wohl wußte. Der Gegenstand ihrer jugendlichen Herzensneigung war sein Vetter gewesen, der sie gleichfalls innig liebte. Aber sie waren beide sehr jung, und die Aussichten der Liebenden sehr ungewiß geWesen, so daß die Eltern beider sich entschieden gegen die Verbindung erklärt hatten. Sie hatten sich gefügt und hatten sich getrennt gebrochenen Herzens, wieEmma wenigstens meinte. Sie machte indessen wie viele andere die Erfahrung, daß Herzen nicht so leicht brechen, und ging einige Jahre darauf die Ehe mit Werner Bredow ein, der ihr wenigstens nicht unsympathisch war. Es war von beiden Seiten eine Vernunftehe im wahren Sinne des Wortes; schade nur, daß die einzige Illusion, die sie sich machten, sie würden im Laufe der Zeit einander näher kommen und liebgewinnen, nichts als eine Illusion blieb. So waren, wie gesagt, fünfundzwanzig Jahre verflossen; die SilberHochzeit kam heran und mit ihr die Verpflichtung, sie auf herkömmliche Weise zu feiern. Gesellschaften in großem Stil zu arrangiren, war fast das Einzige, woran sie gleiche Freude hatten. Ihr tzaus wurde in dieser Beziehung vor allen anderen Häusern der Stadt gerühmt, und wer nur bei solchen Anlässen Gelegenheit hatte, sie zu beobachten, der hätte sicherlich den stattlichen Mann und die Frau mit ihrer vornehmen, gefälligen Erscheinung für ein glückliches Paar gehalten. Sie saßen eben recht einträchtig bei einander, um die Liste der von auswärts einzuladenden Gäste festzustellen. Onkel und Tante Bredow inGumbinnen," sagte Werner, indem er die Namen niederschrieb. Es ist zwar nicht anzunehmen, daß die alten Leute die weite Reise wagen werden, aber einladen muß man sie doch." Ich erhielt heute einen Brief von Vetter Robert," sagte Frau Emma mit einiger Lebhaftigkeit, er erkundigt sich, ob das Fest am achtzehnten oder am neunzehnten ist. Er will seine Erholungsreise so einrichten, daß er an dem betreffenden Tage hier ist." Aeußerst gütig," erwiderte Werner sarkastisch. Robert war Emmas Jugendgeliebter, und so gleichgültig Werner auch seiner Frau gegenüber war, die Erwähnung jenes Namens verfehlte nie, ihn wenigstens für den Augenblick zu reizen. Gewiß, eZ ist sehr freundlich von ihm," sagte seine Frau ruhig. Er ist der einzige nahe Verwandte, den ich noch habe, und er ist überhaupt der einzige, der " Dich versteht .oder etwas Aehnli ches; gewiß unterbrach Werner sie, laden wir lhn also em! Das wäre ohnehin selbstverständlich." Selbstverständlich, meinetwegen. Also Robert Broneck und Frau. Die Frau begleitet ihn doch auf seiner Reise?" Sie kann nicht fort. Die beiden jüngsten Kinder haben Scharlachfieber gehabt und müssen noch lange seh sorgsam gepflegt werden, schreibt er. Sie kann sie Nicht fremden Händen an vertrauen." Sieh' einmal," sagte Bredow, legte seine Feder hin und lehnte stch Mit einem behaglichen Lächeln zurück. Da bist Du doch trotz Allem nicht so übel daran. Nicht wahr, das wäre etwas für Dich: den Mann sich auf Reisen vergnügen lassen und selber zu Hause bleiben, um kranke Kinder zu pflegen? Wie würdest Du Dir dabei vorkommen. Emma. Du, die Du immer Deine uneingeschränkte Freiheit gehabt hast?" Das wäre etwas ganz anderes.' antwortete sie und sah mit zusammen gezogenen Brauen vor sich hin. Ja wohl, etwas ganz anderes. Also weiter: die Cousine Hoyer wo wohnen die eigentlich? Du,Emma!' mahnte er, da sie seine Frage nicht be antwortete. Ich weiß wirklich nicht, warum wir unsere silberne Hochzeit überhaupt feiern," sagte sie nach einer kleinen Pause, ohne ihn anzusehen. .Hm, Kind, mir wäre es eigentlich auch lieber, wenn ich den Abend in meinem Club zubringen könnte; es ist noch gar nicht die rechte Zeit für Ge sellschaften. Aber es ist einmal so ub lich, und wir machen bei dieser Gele genheit, gleich eine Menge von Ver pflichtungen ab."
Das ist wahr," sagte sie kühl, stand auf und ging hinaus. Werner sah ihr verdutzt nach. Sie ist bei übler Laune, dachte er.
obgleich das sonst nicht ihre Art ist. Sollte der Brief ihres Vetters etwas in ihr aufgerührt haben? Bah! ich vergesse immer, daß sie mittlerweile eine alte Frau geworden und über solche Kindereien hinweg ist. Sie wird schon wiederkommen. Sie kam aber Nicht, und nach einer kleinen Weile nahm er die angefangene Liste wieder vor und schrieb einige Namen hinzu. Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, wo Hoyers wohnen," sagte er unwillkürlich nach einigem Besinnen, brütete vor sich hin, stand auf und ging hinüber in das Zimmer seiner Frau. Emma, willst Du mir " Das Wort erstarb ihm im Munde. Da saß seine immer ruhige Frau, das Gesicht in beiden Händen auf denTisch gelegt, und weinte bitterlich. Bist Du krank," stammelte er. Sie schüttelte heftig den Kopf, ohne ihn zu erheben. O, ich wußte es wohl, daß Du Dir bei unserer SilberHochzeit nichts denken würdest! Aber ich !" Emma!" Du weißt es nicht, wie ich diese fünfundzwanzig Jahre hingelebt habe! Ohne Wärme, ohne den kleinsten Sonnenstrahl! In den ersten Jahren freilich. da hoffte ich; aber dann wurde die Hoffnung immer schwächer, der Zweifel kam und zuletzt die Verzweiflung. Und so lebe ich fort und muß fortleben bis zum Ende!" Emma, wenn Du meinst, daß ich " Wieder schüttelte sie den Kopf wie vorher. Ich höbe es in mir betäuben, tödten wollen; aber jetzt, wo ich auf die ganze Zeit zurückblicke kein Wesen alle diese Jahre hindurch, das zu mir gehörte kein Kind!" Hätte ich eins gehabt," fuhr sie nach einer Pause fort, in der ihr Schluchzen sie fast zu ersticken drohte und es wäre gestorben, wenn auch noch so klein ich hätte es doch einmal gehabt, es hätte an meinem Herzen gelegen, ich hätte die Erinnerung daran! Aber so nichts, nichts, nichts!" Emma," fing er schüchtern an, ich glaubte Du mochtest gar keine Kinder leiden, weil Du sie alle so fernhieltest." . Jetzt erhob sie den Kopf und sah ihn aus den verweinten Augen fast zornig an. Fremde Kinder? Was sollten mir die. wenn mein Herz nach dem eigenen schrie? Wenn eines fremden Kindes Hand mich berührte, und ich dachte, so weich und warm müßte das Händchen meines Kindes sein oh!" Ihr Gesicht fiel wieder in ihre Hände zurück. Der Mann trat zu ihr und strich sanft über ihre Haare. Ar mes Weib!" sagte er mit tiefem Mit gefühl. Die Berührung seiner Hand, der warme Ton seiner Stimme schienen ihr wohl zu thun. Sie wurde ruhiger, endlich ricktete sie sich auf. Das ist noch nicht alles." sprach sie mit einem wehmüthigen Blick auf ihn. Ich habe lange gedacht, ich hätte ganz allein daran zu tragen.. Ich meinte, Dir wäre unsere Kinderlosigkeit gleichgiltig. Wir denken oft so von den Mannern. Aber einmal weißt Du noch da war die Rede von dem Präsidenten Mahr und von dem schwe ren Kummer, den sein einziger Sohn ihm macht. Besser, er hätte nie einen Sohn gehabt," meinteJemand. Nein!" riefest Du, dann hätte er ja Niemand, für den er lebte!" Da wußte ich, wie es mit Dir stand. Und der Gedanke, daß ich Dir nichts geben und nichts sein kann. Dir mcht einmal ein Kind gegeben habe der Gedanke hat nackidem wie eine Bergeslast auf mir aelsgen. Er saß jetzt neben ihr und zog sie an sich. Ich habe wohl manchmal ge dacht," sagte er leise, ich hätte gern einenSohn gehabt oder auch eine Tochter. Aber das ist verwunden, Emma, das ist verwunden." Sie weinte noch leise vor sich hin, er zog sie fester an sich und. drückte ihren Kopf an seine Schulter. Das thut gut," flüsterte sie. Und so saßen sie still beieinander, und es wurde dämmeria im Zimmer. Weißt Du," sagte sie endlich, was ich gedacht habe? Nun?" Daß es besser für uns wäre, wenn wir jemals vorher so zusammengesesscn bätien." Er nickte. Wessen war die Schuld, daß es niemals geschah? Meine." sagte sie zögernd. ' Deine, ja, aber meine auch. Wir haben uns beide gesagt, der andere will U!X1? V tni fntrt 1M1 2 Illlia UUU Will, UHU UVfril UU dabei auch beruhigt. Wir haben uns Beide nicht Mühe gegeben, einander kennen zu lernen, uns etwas zu sein." awobl. leider." Und wenn wir nun, nach fünfundzwanzig Jahren, noch anfingen, uns Mühe miteinander zu geben. Leicht würden wir es nicht haben; wir sind beide alt für ein solches Studium. Aber wenn Du konntest." Ich kann es." sagte sie mit einem Aufleuchten in ihren Augen. Und ich auch!" sprach er innig und küßte sie auf die Stirn. Da umschlang sie ihn und küßte ihn wieder und w:cder auf den Mund. Mein Weib, mein Weib!" stam melte er. dann faßte er sie in den Arm und rief in übermüthiger Fröhlichkeit: Nun mögen sie alle kommen und die Silberhochzeit des jungen, alten Paa res feiern, auch der Vetter Robert mit oder ohne Frau! Aber Werner," lachte Frau Emma, wie kann man so unvernünftig sein nach funfundzwanzigiahrlger Ehe! Sckilt mir meine Unvernunft nicht." entgegnete er lustig. Ich halte an ihr fest, denn sie ist mir ein Beweis.
daß ich meine Frau immer lieb gehabt
habe, immer, hörst Du?" Ja, Werner, sagte Frau E.?sMZ, ich frage jeht noch einmal: ist es den? nöthig, daß wir unsere Silberhochzeit feiern? Ich meine, mit all den fremden Leuten." Er sah sie einen Augenblick an. Herz," rief er dann, Du hast Recht. Wir feiern sie, ja, aber ganz unter uns!" Haben Sie es schon gehört?" hiesl es eines Tages in der Stadt. Bre-Z dows haben die Feier ihrer SilberHochzeit aufgegeben. Sie haben das Geld, das für diesen Zweck bestimmt war, wohlthätigen Stiftungen überwiesen und verreisen für einige Zeit, um den Tag ganz still auswärts zu verleben." Nobel und klug gehandelt. Man Weiß ja, wie wenig Ursache sie haben, ihren Hochzeitstag festlich zu begehen. Vor der Welt scheinen sie wohl ein ganz glückliches Ehepaar aber wir wissen es besser." Jene Beiden wußten es noch besser. Glücklich wie ein neuvermähltes Ehepaar rückten sie in einer Ecke des Coupees zusammen, froh, daß Niemand von ihren Bekannten sie bei ihrer Abreise gesehen hatte. Ah. der Zug geht ab! Glück auf. Frau Emma, zu unserer Silberhoch, zeitweise!" Abzeichen der Ehefrau. Bei den Deutschen ist das Häubchen das Symbol der verheiratheten Frau, und in einzelnen Gegenden bildet 'das Aufsetzen der Haube einen wichtigen Act der Hochzeitsfeierlichkeiten bis auf den heutigen Tag. Bei den lileinrussen tragen die Frauen auch bei größter Hitze ein dickes baumwollenes Tuch von dunkler Farbe um den Kopf, wodurch ste stch von den Mädchen unterscheiden. Die verheiratheten Frauen der Mongolen legen ihr Haar in eine Flechte, während die Mädchen ihren Haarschmuck in zwei Flechten ordnen. Im östlichen Neu - Guinea halten d'.e Frauen ihr Haar- kurz geschnitten, Männer und Jungfrauen dagegen lassen es lang herunterhängen. Bei den Tschuktschen, einem sibirifän Volksstamm, wissen die Frauen ihr Haar auf das Künstlichste zusammenzuflechten, so daß es eine Art Helm bildet. Die Ehefrauen der Mau-tse. eines Völkerstammes auf den hohen Gebirgen zwischen Mong-ku und Hwei-le-tschau. haben die sonderbare Eigenthümlichkeit, ein Körbchen voll Baumwolle, an welchem die mit der linken Hand zu drehende Spindel befestigt ist. an das Ohl zi: hängen. Die verheiratheten Frauen der Babuckur in Afrika durchstechen nicht nur die Ränder der Ohrmuscheln, sondern auch die Lippen mit einer ganzen Reihe von Grashalmen, die etwa, einen Zoll lang sind. Auch die Nasenflügel werden auf ähnliche Weise behandelt. Die Frauen Wadais im mittleren Sudan halten viel .aus gefärbte Lippen, die ste durch Akazienstacheln Punktiren und mit Eisenfeilspänen einreiben. Modenarryeit.
In der zweiten Hälfte des 18. JahrHunderts machte die vornehme Welt in Paris trotz ihrer Sittenlosigkeit viel in Sentimentalität. Für diesen Charakterzug sind die Namen bedeutsam, mit denen costümliche Einzelheiten bezeichnet wurden. Eine Sammlung von wahren Goldsprüchen dieser Art überliefert ein Pariser Blatt aus dem Jahre 1778, das die Kleidung einer eleganten Dame beschreibt. .Fräulein Duth; erschien in der Oper in einer Robe von erstickten Seufzern" (das war der Name für eine Art broschirten Atlas), verziert mit überflüssigem Bedauern", in der Mitte bestickt mit vollkommener Aufrichtigkeit" und besetzt mit lauten Klagen", ferner mit Bändern von ausgezeichneten Aufmerks amkeiten", mitSchuhen in Königinhaar" (Maria Antoinette hatte graues Haar), geschmückt mit perfiden Streichdiamanten und Smaragden". Sie war frisirt in immergleichen Gefühlen", mit einer Mütze von gesicherter Eroberung", die bepflanzt war mit flatterhaften Federn". Sie hatte eine Katze" um den Hals in der Farbe von frisch angelangtem Bettelmann" und einen Muff von momentaner Aufregung". Nach diesem Bericht kann man es begreifen, daß im vorigen Jahrhundert die Mode- und Toilettefragen Stunden und Stunden der vornehmen Frau ausfüllten. m Verfehlte Spekulation. Ein junger Arzt hat in der Stadt seine Praxis eröffnet. Damit es nun in der ersten Zeit im Sprechzimmer nicht gar so leer aussieht, bic ten sich seine Verwandten" 'und Bekannten an, einige Wochen. z::r 'Zeit der Sprechstunde, Kranke zu '.c:rk-' ren". Füns Tage haben sie )$on dieses Opfer gebracht und kein Kraüer stellt sich ein. Da erscheint ein bicresBäucrlein unter der Thüre. Wi er die vielen Wartenden sieht, sagt er cia iz verschiichicrt: Naa, da i's ma'z''.!dreht sich um, und ward Nicht mehr s sehen. Theorie und Praxis. Gnädige (zum neu eingetretenen Dienst. Mädchen): Emma, Sie müssen sich angewöhnen, über Alles, was Sie bei Ihrer Herrschaft sehen und hören, Stillschweigen zu beobachten! Bei Ihrer früheren Herrschaft gab es fcofa auch oft recht häßliche Auftritte?" Jaso! Mein Sohn wird das Capital Ihrer Mitgift nicht beruh, ren! .Hat er denn selbst Vermögen?" Das nicht aber er will von den Zinsen der Mitgift leben können!-
