Indiana Tribüne, Volume 22, Number 277, Indianapolis, Marion County, 25 June 1899 — Page 7

Victorias Urahne. .Nur wenige dürsten wissen, Baß KöUlgrn Victoria in ihrem Stammbaum eine Urahne besitzt, die Schän!mamsell war. ehe sie Mutter von Königinnen wurde. Es war am 10. Juni 1645, cn einem herrlichen Sommeitage. In dem wundervollen Seebade Mortage bei London saß ein bildhübsches, kaum fünfzehn Lenze zählendes Mädchen am Todtenlager seiner Mutter. Der Vater war schon seit einigen Jahren todt, und nun stand das arme Kind als verlassene Waise auf der weiten. GottesWelt. Als die Leichenfrau kam, um ihres Amtes zu walten, trat die Nachbarin mit in die Kammer. Aber anstatt das verwaiste Mädchen zu trösten und ihm Muth für das fernere Erdenleben zuzusprechen, äußerte sie abfällige Worte über die Verstorbene und deren Gatten, indem sie zur Leichenfrau sprach: Ja, nun kommt das End? vom Liede. Wäre der Mann sparsam und ordentlich gewesen, so hätte er feinErbtheil, wohl an dreihundert Pfund, ansehnlich vermehren, zum mindesten aber sparen können, denn sein Geschäft warf ihm eine stattliche Summe ab. Nun fällt die Tochter der Gemeinde alsBett!erin ur Last." Diese harten Worte nafen oas Herz de? Waise wie ein Dolchstich. Als Bettlerin! Nein, gewiß nicht! Sie wollte niemandem lästig werde?! Muthig wollte Ellen, so hieß die Waise, für ihr Fortkommen arbeiten und kämpfen oder in Ehren untergehen. Als die Mutter beerdigt war, lenkte Ellen ihre Schritte nach der nahen Residenz London, um irgend etwas zu er greifen. Aber es waren damals schwere Zeiten, erlitten die königlichen Truppen doch eben, am 15. Juni 1645, die Niederlage bei Naseby. Die Lebensmittel waren unermeßlich theuer, der Verkehr gerieth ins Stocken, was Wunder also, daß Ellens Baarschaft bis auf einen Schilling zusammenschmolz! Ellen war der Verzweiflung nahe, denn in jedem Hause, wo sie wegen Arbeit vorsprach, erhielt sie barsche Abweisung. Endlich, nachdem sie fast acht Tage lang unter den unsäglichsten Entbehrungen umhergeirrt, war ihr das Glück hold; sie erhielt eine Stelle als Schankmamsell in der großen Brauerei von Peasley. Durch das nun wieder beginnende geregelte Leben erhielten Ellens Wangen die alte Frische, und gutes Essen und Trinken machten aus dem verkümmerten Mädchen gar bald eine stattliche Jungfrau. Herr Peasley, der Besitzer der Brauerei, fand mit der Zeit Gefallen an seiner schmucken Schankmamsell, zumal er bemerkte, daß sie infolge ihrer bestechenden, ungekünstelten Freundlichkeit die Gäste erheiterte und das Geschäft zum Blühen brachte. Als er ihr dann nach einigem Zögern seine Hand fürs Leben anbot, sagte die um Vieles jüngere Ellen Ja", und zum Verdrusse der Frauen und Mädchen des Stadtbezirks wurde Ellen im Alter von kaum siebzehn Jahren die Gattin des reichen Brauereibesttzers Peasley. Doch schon einige Jahre später starb Peasley und vermachte seiner jungen Frau testamentarisch seine ganze Besitztümer. Die zahlreichen Verwandten fochten indes-

sen das Testament an, und nur der ausgezeichneten Vertheidigung ihres Anwaltes Hyde verdankte Ellen, daß das Gericht ihr das Erbtheil unverkürzt zusprach. Nun stand die vor wenigen Jahren noch Mittel- und rathlose Waise als steinreiche Wittwe da, und zahlreiche Sprößlinge des höchsten Adels, die tief verschuldet waren, bewarben sich um die Gunst Ellen's. Aber alle erhielten von ihr ein Körbchen. Nur Einem war sie zugethan: dem Anwalt Hyde. dem sie ja im Grunde genommen ihren Reichthum verdankte: denn ohne seine Vertheidigung wäre der Proceß schwerlich zu ihren Gunsten entschieden worden. Auch Hyde, der während des Processes täglich mit Ellen zu sprechen hatte, fühlte sich zu der jungen Wittwe hingezogen, und nach Jahresfrist war Ellen Frau Hyde. Mit außergewöhnlicher Klugheit beeabt. lenkte Hyde die Aufmerksamkeit auf sich und wurde, als er nach dem Sturze Strafford's, des mächtigen Staatsmannes und Statthalters von Irland, der am 12. Mai lGil auf dem Schaffst endete, sich in die Reihe der Königlichen stellte, SchatzZanzler von England und Mitglied de3 Geheimen Rathes. Für seine weiteren Verdienste er bemühte sich u. a. na.ch Karl's I. Hinrichtung, Frankreich und Spanien für König Karl II. zu gewinnen wurde er von diesem zum Lordkanzler und später zum Grafen vsn Clarendon ernannt. Das eheliche Band zwischen ihm und seiner Gemahlin Ellen war gefestigt worden durch einen Sohn und zwei reizende Mädchen, von denen besonders die Aeltere, Gräfin Anna, stattlich emporblühte. Der Herzog von York, der 1683 auf die Tauer von nur drei Jahren als König Jakob II. den englischen Thron bestieg, verkehrte viel in der Familie des Grafen von Clarendon und vermählte sich mit der Gräfin Anna. Ellen wurde somit Graf Clarendon war bereits am 9. September 1674 zu Rouen gestorben und ist in der Westminsterabtei beigesetzt 16S5 die Schwiegermutter Kö.NigS Jaloo s ii. teilen sqt eni, prüfen zwei Töchter: Maria und Anna, die später beide die Königskrone truoen. Maria vermählte sich 1677 mit dem Prinzen Wilhelm von Oranien, dem Erbstatthaller dcr Niederlande. .Dieser Prinz landete am 5. November ' 1 ?C0 !nirn n ? ' n S? srr n (- j r-K. tt f - i. r r J.U00 Hill tiii.ni iHiuiiiuiiuiu;ni ww schwader in Torby, zog am 18. December in London ein, erklärte seinen inzwischen nach Frankreich entflohenen Schwiegervater, König Jakob, II. als . des Thrones verlustig und wurde durch ein am 2" " "r 1639 zusammenge

tretenes. Conventionsparlament am 13. Februar 1689 zum König Wilhelm HI. von Großbritannien und Irland erhoben. Die zweite Tochter König Jakob's 1!., Anna, vermählte sich im Jahre 1683 mit dem Prinzen Georg von Dänemark und ' folgte ihrem Schwager, dem .Könige Wilhelm III., der am 19. März 1702 kinderlos gestorben war, auf dem englischen Thron. Am 1. August 1714 starb sie als letzte Königin aus dem Hause der Stuarts. Beide Königinnen, sowohl Maria wie Anna, nehmen in der englischen Geschichte nen ehrenvollen Platz ein, wenngleich letztere gegenüber dem genialen Oranier und seiner Gemahlin Maria als eine kurzsichtige und von den kleinlichen Einflüssen abhängige Herrscherin erscheint. Dies mag jedoch auf sich beruhen. Thatsache ist und bleibt daß England drei Königinnen der einst von aller Welt verlassenen und geschmähten Waise Ellen verdankt, die hinauszog, um nicht ihrer Gemeinde als Bettlerin zur Last zu fallen und schließlich durch ein gütiges Geschick die Schwiegermutter eines Königs und die Großmutter zweier Königinnen von England wurde, die auch in Königin Victorias Stammbaum zu finden sind. Kcldcnmtttyigc Srnuett. Es giebt wohl nur wenig Zeitabschnitte der Walgejchichte, wo nicht in irgend einer Art die Hand einer oder mehrerer Frauen bestimmend eingreift, bald versöhnend, bald die Grausamkeit des Mannes noch überbietend. Wie

sehr aber auch einzelne Frauen ihre Macht kennen und benutzen mochten, nur ausnahmsweise erhoben sie sich selbststöndig in Massen. Wie erklärlich es immer scheinen mag, daß nur einzelne Frauen, von den ältesten Zeiten an, es unternahmen, den Berufs kreis des Weibes zu übersck reiten, um gleich dem Manne zu handeln, so sind nichtsdestoweniger von Alters her viele Völker mit der Möglichkeit des Gegentheils vertraut gewesen. Man denke hierbei nur an die Amazonen, jene kriegerischen Weiber aus der griechischen Sage, welche, an den Ufern des Flusses Thermodon in Thracien wohnhaft, ihre Töchter in der Handhabung der Waffen übten und mit den griechischen Helden blutige Kriege führten. Ihre Gatten wählten sie aus benachKarten Stämmen. Von den Kindern, welche geboren wurden, behielten sie nur die Mädchen; die Knaben wurden getödtet oder ihren Vätern zugesandt. An Körpergröße und Stärke das Maß der gewöhnlichen Frauen weit überragend, verschmähten sie jede friedliche Arbeit und weiche Ruhe, liebten nur Waffenübungen, Jagd und das Tummeln der Rosse. Ihren Töchtern brannten sie, so erzählt die Sage, in frühester Jugend die rechte Brust aus, damit das Spannen des Bogens nicht gehindert war. Man denke ferner an die Walküren der nordischen Sage, die man für ursprünglich überirdische Wesen, für himmlische Mädchen hielt, und von welchen unsere Vorfahren, die alten Deutschen, glaubten, daß sie jede Schlacht umschwebten, die Helden auswählten, welche fallen sollten, und dann mit ihnen im Himmel, in Walhalla, als ihren ewigen Geliebten himmlische Freuden genossen. Tyrrhenische Frauen waren es fern;r. welche sich zusammentyaten und ihre von den Spartanern in's Gefängniß geworfenen Männer befreiten. Sie erschienen vor dem Gefängniß und wurden nach vielen anhaltenden und dringenden Bitten von den Wächtern eingelassen, weil sie ihre Männer noch einmal sprechen und begrüßen wollten. Kaum waren sie aber eingetreten, so baten sie ihre Männer, schnell die Kleider zu wechseln, ihnen die Männerkleider zu lassen, und dann in Weiberkleider eingehüllt, sich aus demGefängnisse zu entfernen. Darauf blieben die Weiber zurück, fest entschlossen, das Aeußerste zu wagen; die Männer aber wurden von den getäuschten Wachen als Weiber angesehen. Nun besetzten sie den Tayzetos. wiegelten die Heloten auf und verbanden sich mit ihnen, so daß die Spartaner voll Furcht zu ihnen schickten und sich mit ihnen dahin einigten, sie sollten ihre Weiber erhalten. nebst Geld und Schiffen zur Abfahrt, und fernerhin für Anverwandte und Bundesgenossen der Lacedämonier angesehen werden. Auch von den Frauen der Insel Chios wurde eine That ausgeführt, welche an Muth und Tapferkeit der der Tyrrhenerinnen nicht nachstand. Als der durch seine Grausamkeit bekannte König von Makedonien. Philipp III., die Stadt Leukonia belagerte, erließ er durch einen Herold einen barbarischen und übermüthigenAufrus an die Sclaven, in dem er sie aufforderte, zu ihm überzugehen und die Stadt zu übergeben, wofür sie ihre Freiheit und die Ehe mit den Frauen ihrer Herren erfalten sollten. Da wurden die Chio'innen auf's heftigste erbittert, eilten auf die Mauern, trugen Steine und Geschosse herbei und ermunterten unablässig die Streitenden, ja zuletzt betheiligten sie sich selbst am 5!ampfe und schlugen den König Philipp zurück, ohne daß auch nur ein einziger Sclave zu ihm übergegangen wäre. Aber nicht nur in fernen Ländern, nein, auch auf uns bekanntem Boden verzeichnet die Geschichte eine weibliche Massenerhebung kriegerischer Art. wir meinen den sogenannten böhmischen Mägdekrieg! Wlasta, die Gürtelmagd und Freundin der czechischen Königin Libussa. behauptete nach deren Tode mit ihren Gefährtinnen mehrere Jahre hindurch dieFestung Dewin und das umliegende Land, bis sie nach vielen, blutigen Kämpfen von den Männern besiegt wurden. 1 Im Jahre 1140, als Kaiser Kon-

rad HI. die schwabische - Stadt und Burg Weinsberg klagnte, da waren

wieder einmal alle Weiber zu einer That einig. Ueber den hartnäckigen Widerstand der Stadt erbittert, hatte Kaiser Konrad geschworen, daß alle männlichen Einwohner mit dem Leben büßen sollten; den Frauen aber war auf ihren Wunsch bewilligt worden, mit ihrem theuersten Kleinod, soviel sie tragen konnten, abzuziehen. Da luden die Frauen ihre Manner, die Jungfrauen ihre Freunde auf die Schultern und zogen durch das geöffnete Stadtthor. Herzog Friedrich, der Neffe des Kaisers, wollte diese List nicht gelten lassen, allein Konrad meinte: Ein KLnigswort soll man nicht drehen und deuten!" Also kamen die Frauen mit ihren Männern davon. Die Treue der Weinsbergerinnen aber lebt fort im Munde des Volks, und die Burg von Weinsberg heißt Weibertreue" bis auf den heutigen Tag. JmAndenken aller deutschen Frauen steht ferner die kühne That der Vürgermeisterin des schwäbischen Städtchens Schorndorf, der Frau Kllnkele oder Künkelin, welche bei der Belagerung der Festung durch die Franzosen die Frauen zum muthigen Ausharren ermuntert hat. Sie wird von den Zeitgenossen als eine nicht allzu große, dabei aber äußerst thätige, muthvolle, kluge und zugleich sehr angesehene Person geschildert. In jenen Zeiten besaß eine Bürgermeisterin einen ganz anderen Einfluß als heutzutage, und wo eine Frau von solchem Ansehen, dazu noch kühn und brav, sich an die Spitze stellte, ging eine Sache durch. Als die Männer der Stadt bereits alle Hoffnung aufzugeben anfingen und die Festung denFranzosen übergeben wollten, ließ die Frau Bürgermeisterin alle Frauen und Mädchen sich vor ihrem Hause versammeln. Die Frauen erschienen, ausgerüstet mit Ofen- und Heugabeln, Bratspießen, Hackmessern, Aexten, Sicheln, Stuhlfüßen, alten Partisanen und Hellebarden und wurden von der Frau Künkelin ordentlich in Compagnien eingetheilt. Die anstelligsten Frauen wählte sie zu Offirierinnen, und nachdem diese durch Degen ausgezeichnet waren, marschirte sie mit diesen seltsamen Truppen vor das. Rathhaus, wo die Stadtväter zu einer Sitzung versammelt waren. Nachdem die Oberfeldherrin des Sitzungszimmers sich von der Untreue der Stadträthe überzeugt hatte, drang sie an der Spitze der bewaffneten Frauen gleich in die Negimentsstub? ein, und hielt, mit dem Degen in der Faust, der hohen Versammlung die Schwere ihres Verbrechens vor, indem sie allen Verräthern mit dem Tode drohte. Ehe die Nathsherren vor Bestürzung und Erstaunen zu einem Beschlusse kamen, schritt die tapfere Oberfeldherrin zur Besetzung des RathHauses und der Stadtthore, wozu sie die Herzhaftesten ihrer Schaar verwendete. Wer von den Herren das Rathhaus verlassen wollte, wurde befragt, ob er für die Uebergabe gestimmt hätte; zum Glück hatte noch keine Abstimmung stattgefunden, was die Frauen vor Gattenmord bewahrte. Nur die Stuttgarter Herren blieben Gefangene. Das Rathhaus wurde das Hauptquartier der Frauen, welche vor jeder Thür desselben Wachen und Posten aufstellten. Zwei Tage und drei Nächte saßen auf diese Weise die Re-gierungs-Commissäre in der Rath stube, in steter Gefahr, entweder von den Frauen erschlagen zu werden oder Hungers zu sterben. Das Städtchen Schorndorf aber wurde durch diesen Heldenmuth derFrauen vor verrätherischer Uebergabe gerettet. Auch die neuere Zeit kennt eine Frauendemonstration. Diesmal sind es die beweglichen Französinnen, und zwar die energischsten unter ihnen, die Damen der Halle", Gemüse-, Obstund Fischweiber, die von Paris nach Versailles ziehen, die Vorboten' der schrecklichen Revolution, in langem, . ' . drohendem Zuge gegen ven onig uowig XVI. und Marie Antoinette. ernte versunkene StaOl. Von Robert Kolilrausch. Die Beiden saßen auf dem Verdeck des Dampfers und sahen einander unverwandt an, mit Augen, wie sie nur Hochzeitsreisende haben. Erst als die Sonne gar zu energisch mit dem Gatten concurrirte und der jungen Frau so hell in's Gesicht strahlte, daß ste's nicht mehr vertragen konnte, wandte sie die Blicke widerwillig zur Seite. Dabei trafen ihre Augen die zum Verdeck emporührenden Stufen und die fchmalen Jnschrifttafeln aus Messing, die auf jeder von ihnen eingelassen waren. Du.Karl, was ist das: Bcnaco" Der Name des Dampfers vermuthlieh. Fber wer ist Venaco?" Das kann ich Dir auch nicht sagen. Irgend em berühmter Italiener wahr fcheinlich." Dabei beruhigten sie sich und wech selten ihren Platz, um einander wieder, von der Sonne verschont, unverwandt zu betrachten. Ohne es zu wissen, hatte der junge Ehemann das Richtige getroffen: ein berühmter Italiener war der Benaco wirklich. Ein berühmter, schöner und mächtiger, der ihnen noch dazu weit naher war, als sie ahnten, der sie trug. sie umleuchtete, sie mit seinem reinen Athem umspielte der Gardasee lelvit! Es ist 'wunderlich, wie ein Name, der Jahrhunderte lang in Geltung war, so völlig vertauscht, vergessen werden kann. Selbst unter den klassisch Ge bildeten lebt er nur noch mumienhaft fort, weil Virgil den Vers gedichtet hat: .fcliiciibiis et ireirntii adsur Eeris Benaee marino", und weil die Reisebücher dafür sorgen, daß bei einer Fahrt über die weite blaue Jluth die

oalvverwtschte Erinnerung daran im

Gedächtniß wieder auflebt. Im Uebrigen ist der Name verklungen, vergessen. versunken, versunken wie die Stadt, von der er stammte. Denn wie heute der kleine Ort Garda am östlichen Ufer, so hat auch im Alterthum eine Stadt für den See die Bezeichnung geschaffen. Und von dieser Stadt erzählt der Volksmund wunderbare, gebeimnißvolle Dinge. Sie soll dort gelegen haben, wo heute Toskolano sich erhebt, an jener Stelle des westlichen Ufers, wo dieses die vorwiegend ludliche Richtung aufgibt und sich nun mit energischer Wendung nachWesten kehrt, um seine Felsen, Bauten und Garten in vollem Lichte der südlichen Sonne zu baden. Mit prächtigen Tempeln, Palästen und Villen soll zur Zeit der Etrusker und Romer das alte Benacum sich dort zwischen dem See und einer schroffen Felswand ausgedehnt haben, bis ein furchtbares Naturereigniß seinem stolzen Dasein ein Ende machte. Im Jahre 243 oder 245 nach Christi Geburt hat. wie erzählt wird. ein grausames Erdbeben den Grund und Boden verschüttet, auf dem die Stadt erbaut war, hat den Felsen, vor dem sie lag, von oben bis unten gespalten, hat einem See, der dort in der Höhe zwischen den Bergen ruhte, einen plötzlichen Abfluß verschafft und nun mit einem zerstörenden Strom von Wasser, Schlamm und Gestein die Bauten der Menschen überfluthet. Zum Theil wurden sie verschüttet, zum Theil hmemgerissen in den See, und wenn heute bei ruhigem Wetter die Flscher hinausfahren auf die Fluth, sollen sie mitunter noch die weißen Marmorbauten des alten, versunkenen Benacum hervorschimmern sehen aus dem klaren Wasser. Die Gelehrten sind bekanntlich die Feinde der Sage, und so haben sie auch diese zu zerstören gesucht. Theils leugnen sie die Existenz des alten Benacum an der genannten Stelle des Ufers und wollen es in dem heutigen Nago bei Riva erkennen, theils bezwelfeln sie den plötzlichen, tragischen Untergang der Stadt, weil bei den gleichzeitigen Schriftstellern die Mittheilungen über das gewaltige Ereigniß sehlen. Aber trotzdem hat die Volkserzählung diesmal mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als in anderen, ähnlichen Fällen. Der Spalt in den Felsen, die heutige Toskolanoschlucht, erscheint so scharf und jäh, daß man wohl an seine Entstehung durch eine plötzliche Erdrevolution glauben kann, und die in den See vortretende Landzunge, auf der jetzt Toscolano und Madeino liegen, ist im Vergleich zu den anderen Ufervorsprüngen dieser Art fast allzu mächtig, als daß sie wie in den übrigen Fallen lediglich durch die Ablagerungen des den Bergen entströmenden Wildbaches ohne Beihilfe eines großen Naturereignisses entstanden sein könnte. Was aber die Hauptsache ist: seit langer Zeit kennt man bei dem heutigen Toskolano eine zum Theil noch unter dem Seespiegel gelegene große, reiche Ruinenstätte, aus der im Laufe der Jahrhunderte eine bedeutende Zahl von Marmorwerken, Kapitälen. Säulen. Statuen, Denksteinen, Münzen u. s. w. an's Licht des Tages Wieder emporgetaucht ist. Die Erde selbst hat den Mund aufgethan und geredet; auch das Wort Benacenses", den Namen der Bewohner dieser Stätte, hat man von ihr vernommen. Auf ein paar Steinen, die hier ausgegraben wurden und eine Widmung für römische Kaiser tragen, findet sich dieser Name als Bezeichnung dercr, die den Stein gewidmet haben, und die meisten Forscher streiten sich nur noch darüber, ob er sich auf die Bewohner der bie? aeleaenen Stadt Benacum. oder aus die Anwohner des ganzen Küstenstriches von Solo nach Gargnono bezieht. Eine dritte Deutung hat ein gelehrter und eifriger Bürger Toskolanos. der vor einiger Zeit verstorbene Notar Claudio Fossati, versucht, der die Vergangenheit seines Heimathsortes mit großer Liebe durchforscht und eine schöne Sammlung ausgegrabener Gegenstände zusammengebracht hat. Unter dem Titel Eine römische Villa in Toskolano" hat er eine Schrift herausgegeben, in der er den Nachweis versucht, daß die Trümmerreste auf jener großen Ruincnstätte nicht von der Stadt Benacum selbst stammen, sondern von einer glänzenden römischen Villa aus dem Anfang des dritten Jahrhunderts ungefähr. Auch die Erbauer, und Bewohner dieser Villa glaubt er in dem reichen, angesehenen Geschlechte der Nonier und Arrier ausgefunden zu haben. Durch persönliche Verdienste, durch die Verwandtschaft mit verschicdenen Kaisern,' durch unermeßlichen Reichthum war dieses Geschlecht zu hohem Ansehen und großer Macht gelangt und hinterließ in Bre-cia sowobl, als auch in der gann Umzegeno zahlreiche Spuren seines Wirkens. In Brescia tragen die Reste des Forums den Namen dieser Mächtigen, und Fossati vermuthet, daß auch der herrliche Vespasianstempel dort von ihnen gestiftet worden sei. Mit großem Scharfsinn hat er darzulegen gesucht, daß die von ihm angenommene Villa in Toskolano gleichfalls durch sie erbaut worden sei. eine Anlage von echt römischer Große und Pracht, ne ben der die . modernen Bauten verschwinden. Aus dem Staube der Vergangenheit zaubert er die Tempel und Paläste, die Gärten. Springbrunnen. Marmorterrassen, die Rennbahnen und Palästren wieder hervor, die den Vorsprung des Seeufers dereinst geschmückt haben sollen. Ars den In schriften der aufgefundenen Steine weiß er seine Ansicht wahrscheinlich zu machen und er belebt seine Heimathsstätte durch die Schatten bedeutender, vornehmer Männer und Frauen aus einer fernen Vergangenheit. Er ist denn auch der Ansicht, daß die.Besitzer

der -Villa die Denksteine gestiftet und ;

gewissermaßen als Vertreter der dornaen Bevölkeruna. sich selbst als Benacenses bezeichnet haben. Die Natur selbst aber bestätigt noch heute vurcy das berrlicke Bild, das sie an dieser Stelle vor dem Auge entrollt, die Wahrscheinlichkeit prunkvoller Bauten gerade hier, einerlei ob sie einer Stadt oder einer Villa gehörten. Von jener Stelle, wo christliche Kirchen sich letzt auf den Fundamenten heidnischer Tempel erheben, wo sorgsam gepflegte Olivenpflanzungen die Trllmmerstätte selbst überdecken und vor weiterer Durcbforschuna beschützen, schweift der Blick hinweg über eine wundervolle Nähe und Ferne. Die Felsen reihen sich schroff aneinander in weitgedehnter Kette, weiße Kirchen blicken von den Hohen hernieder, die schlanken, dunkelarünen Cvvressen und mattfarbigen Oelbäume klimmen an den Höhen hinan, und die stachlige Agave umgibt sie wie zur Wehr; in der Tiefe aber ruht oder braust der große blaue See. der ewig schone, ewig wechjelnoe. Von den Ausarabunaen ist das meiste in die Museen von Brescia und Verona entführt worden. Einiges aber ist auch an Ort und Stelle verblieben und erzählt Geschichten aus alter Zeit. Am Hauptportal der Pfarrkirche, die unmittelbar neben oer einstigen Trümmerstatte steht, erheben sich zwei antike Säulen aus rothem Marmor, die lange Zeit in der Erde geruht haben und hier dann wieder aufgerichtet wurden. Am Thurme der Kirche sind ein paar von den ausgegradenen Inschriften und Altären eingemauert worden, und dem betrachtenden Auge zeigt sich auch hier der verklungene Name der Benaccnses. Nahebei steht noch eine andere kleinere Kirche, an deren Facade in großen Buchstaben die Inschrift zu lesen ist: D. 0. M. Et M. Viitfini Henacenti Dica turn", es gibt also auch eine heilige Jungfrau von Benaco. In dieser Kirche, die gleich der andere, benachKarten, ehemals ein römischer Tempel war. bewahrte man in früheren JohrHunderten ein Bild des Jupiter Amon in Widderaestalt. das die Etrusker vielleicht einstmals mit hierhergebracht hatten. An der Haupthrche aber befindet sich heute ein kleiner Anbau, wie man ihn bei italienischen Kirchen häusiaer siebt: ein Weinbaus, eine Schädelstätte. Aus den engen Fenstern hervor blicken Menschenschädel mit ihren boblen Auaen und an der Auen wand ist der Tod ein vaar Mal abaemalt. Und in der That ist er hier der Herr. Wenn auch neues Leben sich rinasum reat. wenn anoel und Wandel und Gottesdienst auf der alten Stätte von Neuem erblüht sind, hier haben die Geister einer gestorbenen Vergangenheit doch die größte Gewalt. Das moderne Toskolano ist Nichts. das verschwundene Benacum ist Alles. Die von verborgenen Trümmern erfüllte Fläche dort im Schatten der Oliven spricht lauter, als das Gelaute der Ebristenalocken. und ob es eine Stadt oder eine Villa ist, was hier in Jahr Hunderte lange Vergessenheit versank, die Veraanaenheit predigt an diesem Orte mit Tausenden von Stimmen Jedem, der ihre gehermnißvollen Laut? zu deuten weiß. Der Selbstmörder. 5?05 R. Berg. Etwa vor einem Jahre sagte ich also zu mir: Zu meinem Glücke fehlt mir nichts und doch ich bin gesund und reich, die Menschen behaupten, ich sei ziemlich bllbsch, und sie hätten mich gern. Ich habe mich kürzlich mit einem hübschen und reichen Madchen verheira thet, wir lieben uns sehr und leben ganz zufrieden. Es fehlt uns Nichts, wir haben eine hübsche Wohnung, einen vortrefflichen Koch, Wagen und Pferde, und das Uebel aller Uebel, die Schwiegermama lebt nicht bei uns. Die Welt beneidet mich um mein Glück und doch glücklich bin ich nicht. Ich bin sogar der Unglücklichste unter der Sonne! Woher kommt das? Haben sich denn die unzähligen Bacterien der materiellen Ideen und Nichtigkeiten so stark in meinem Kopfe vermehrt, daß sie mir das Messer in die Hand drücken, mich zum Selbstmord zwingen wollen? Ich weiß es nicht,-aber ich habe das Gefühl, als müßte ich mich tödten. Vielleicht bin ich ein Opfer der Selbstmordepidemie geworden. Fast jeden Tag setzt Jemand seinem Leben ein gewaltsames Ziel warum'sollte nicht auch ich? Eines Tages, als ich mit meiner Frau am offenen Fenster stand, sagte ich zu ihr: Wie wäre es, wenn ich jetzt herunterspringen würde?" Ich würde vor Gram vergehen," antwortete sie. Warum soll denn so eine reizende Frau, wie meine Agnes es ist, vergehen? Als meine Großmutter, eine Spanierin, starb, hinterließ sie mir unter Anderem einen wundervollen Toledaner Dolch; die Sachkundigen boten mir für die herrliche Waffe eine große Geldsumme, ich aber wollte den Dolch nicht verkaufen. Geld brauchte ich ja nicht, einen Dolch kann man doch immer einmal verwerthen. Meine Frau behauptet, es gäbe in der Wirthschaft keinen Gegenstand, der nutzlos sei. Meine reizende Agnes! Sie hat ja immer Recht! Wenn ich bei Tisch ein Rebhuhn zertheile, habe ich große Lust, mir selbst den Hals abzuschneiden; wenn ich die Gabel in die Brust eines Putenbratens senke, so lüstet es mich darnach, meine eigene Brust zu durchbohren. Wenn ich am Wasser stehe, so zieht es mich mit magnetischer Gewalt zu sich. Beim Anblick eines Baumes möchte ich mich aufhängen, auf Reisen möchte ich mein Haupt auf die Schienen legen, und ein Revolver wirkt auf mich, ' wie eine Tonne Schnaps auf einen Säufer.

Wenn ich dieser seltsamen Manie nicht trotzen würde, meine reizende Agnes

wurde dann sicher vor Kummer sterben Ich hab's vollbracht Ich habe mir den herrlichen Toledaner Dolch zwischen der vierten und fünften Rippe der linken Seite der Brust bis an's Heft hineingestoßen. Er flog nur so in's Herz hinein, fast ohne jeglichen Schmerz. Ich bin todt. Sterben ist keine große Kunst. Mein Körper ruht jetzt auf . einem Plüschsopha, er ist steif und kalt, mein Geist aber sieht Alles vorzüglico. In meiner Wohnung ist ein colossaler Lärm; es kommen Aerzte, Polizei und Gericht. Meine Frau jammert und weint, das ist Alles. Beim Anblick meiner Leiche hat sie sich nicht getödtet, sie weint nur krampfhaft. Der junge Arzt Dr. S., der sie schon einmal behandelt hat, meint, es werde bald vorübergehen. Nachdem Alle das Haus verlassen haben und meme irdischen Ueberreste m den Sarg gelegt worden sind, kommt meine Schwiegermama. Sie - kommt majestätisch in rauschender Seide sie sieht auf meinen Leichnam, und seufzend sagt sie: O Gott! Verzeih' diesem Narren!" Dies sind die sanftesten und gefühlvollsten Worte, die ich je aus ihrem Munde vernommen habe. Jetzt sehe ich meinen Körper auf dem Secirtische liegen. Die gelehrten Aerzte, welche die Ursache meines Todes finden sollen, unterhalten sich gemüthlich, sie scherzen, rauchen und besichtigen den Toledaner Dolch. Endlich beginnt's. Die Aerzte beschauen die Wunde zwischen den Rippen und stellen verständnißvoll fest, daß sie von einem scharfen Werkzeug herrühren müsse. Dann, nach langwieriger Untersuchung meines Körpers, begutachten sie schriftlich, derTod sei durch Verletzung der linken Herzkammer eingetreten. Nach dieser Diagnose ließen sie mich wieder zusammennähen, mit einem neuen Anzug bekleiden, in einen Metallsarg legen und denselben verlöthen. Mein Geist sieht dies Alles, er wohnt der Bestattung bei und begleitet meine Agnes, die fürchterlich am Grabe weint. Sie sieht entzückend im Trauerkleide aus. Dr. S. tröstet die Aermste. Meine Schwiegermama weint anstandshalber, aber beim Verlassen des Grabes sagt sie: Es ist ja reizend, daß dieser Thor Eile gehabt hat. sich zu entleiben, so lange mein Töchterchen noch jung ist." Eine unsichtbare Hand erfaßt mich und hebt mich in die Wolken. Ich bin in einer herrlichen, lichten Welt. Wie ist es prachtvoll dort! Da fühle ich über meinem Kopfe etwas wie einen Flügelschlag, es fröstelt mich, und ich sehe mich wieder auf Erdcn. Unsichtbar gehe ich mitten auf den Straßen zwischen Wagen und Pferdebahnen. Bei jedem Schritt werde ich von Pferdefüßen getreten, ich empfinde aber dabei keine Scbmerzen. So schlüpfe ich überall hinein durch die kleinste Fensterritze oder sogar durch das Schlüsselloch, da mein Wesen doch ohne Fleisch und Knochen ist. Ich bin gestorben, und trotzdem ist die Welt so, wie sie war. Das Fehlen meiner Person ist unbemerkt geblieben. Diese niederträchtige Welt! Sie bedauert mich nicht, sie hat mich gänzlich vergessen. Die Menschen sind so wie früher, sie essen, trinken amusiren sich, sind froh und lustig hol' sie der Teufel! Thränen, Thränen sind mir nöthig! Gebt mir Thränen! Ihr Händler! Ich würde Euch einen Thaler für jede Thräne geben! Ich werde jetzt zu Agnes gehen. Sie vergeht gewiß vor Kummer, die Aermste! Wirklich, sie sitzt in unserem früheren Schlafzimmer! Sie sitzt vor dem Spiegel und pudert ihr entzückendes Gesichtchen sie hat gewiß geweint. Die liebe Gute! Das Hausmädchen tritt ein. Gnädige Frau," sagt sie, Herr Dr. S. ist angekommen." Bitte nach dem Salon," antwortet der Engel. Sie sieht noch einmal in den Spiegel. Sie macht ein sehr trauriges Gesicht, dann erhellt ein liebreizendes Lächeln ihre Züge, und sie wirft einen so koketten Blick, daß ich erschaudere. Ich gehe mit nach dem Salon, und ein wunderbares Gefühl überkommt mich. Ach, warum habe' ich keine Hände! Keine menschlichen Hände aus Knochen und Muskeln, damit ich diesen infamen Doctor zermalmen könnte, der soeben die Hand meiner Agnes küßt. Meiner? Haben denn die Geister Eigenthum? Brr! Geht's Ihnen schon besser? fragt er. Haben Sie sich schon beruhigt? Sind die Nerven wieder in Ordnung nach dieser schrecllichen Erschütterung? Ich danke Ihnen, Herr Doctor, antwortet Agnes noch nicht vollständig, aber O, ich werde JhnenBromfält verschreiben, sagt er und driieft wieder seine Lippen auf ihre Hond. Agnes zieht ihre Hand zurück. Sie beginnen eine Unterhaltung, eine banale Unterhaltung vom Wetter, Theater, projectirten Vergnügungen, endlich von mir. Von mir! Meine Theure! (theuer ist sie ihm auch schon) sagt der galante Arzt heute können wir ja schon ruhig darüber sprechen. (Schon, es ist erst eine Woche 'nach meiner Beerdigung.) Ja antwortet Agnes seufzend. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß aus manchem Schlechten Gutes entstehen kann. . Ach, bitte sehr! Ja, ja, meine Theure, Ihr seliger Mann war seit einigen Monaten unheilbar krank, sein Leiden bestand darin, daß der Gedanke an Selbstmord ihn verfolgte. Warum haben Sie es mir nicht gleich g:sagt? Konnte ich Ihnen denn diesen schrecklichen Zustand offenbaren? Zu Ihrem Glück hat Sie der Selbstmörder vom Unglücke befreit. Ach! Doctor! Hole Euch das Donnerwetter! brülle ich. aber die Stimme des Geistes fand

lein Ohr bei den Falschen.

werde nach dem Club gehen. Im Club fand ich alltägliche Geselle schaft. Man bereitete sich zum Karten spiel vor. Man spricht von mir. Schade, sagt Einer, sehr schade, er hat immer verspielt und prompt bezahlt. -Oas glaub' ich, erwiderte einer von meinen intimsten Freunden mit fremdem Gelde ist es leicht, Schuldcru zu bezahlen. Was sagen Sie? Jch wiederhole nur das, wovon die ganze Stadt spricht. Was? Erzählen Sie doch! Alles, was man von seiner Geistesumnachtung, von seinen zerstörten Nerven erzahlt, ist em Märchen welches man erdacht hat, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Das ist unmöglich! Mein Ehrenwort! Du Schurke! dachte ich roiU thend. Ja, ja, sagte er weiter, daS- , ist ja bekannt; ich habe mit den Aerzten die ihn secirten, gesprochen. Nur was sagten sie? Sie meinen, er hätte eine Unterschlagung verübt. EineWittwe soll ihm ihr ganzes Capital anvertraut haben, welches er so bewacht habe, daß er das Geld losgeworden und die Mittwe bettelarm geblieben, fei. Lange Zeit täuschte er sie mit falschen Vorspiegelungen, bis sie die Sache.merkte und ihm miteiner Klage drohte Um also dem Skandal aus dem Wege zu gehen Nein, mein Herr, setzte ein; Zweiter hinzu (mein früherer guter Freund). Ich habe etwas Anderes gehört. Der Verstorbene hatte ein Ver--hältniß mit der Frau eines Bankiers,, wodurch ein amerikanisches Duell enistand. Er hat die schwarze Kugel gezogen und mußte sterben. Nein,, meine Herren, erwiderte ein Dritter das ist alles Unsinn. In diesem Falle-, muß man, wie wöhnlich in vielen an-' deren, sagen: iK.'rclio? la feminc!?' Ah! Sein verehrtes Weibcheir hatte ein Verhältniß! Genug davon! Ich konnte es nicht mehr anhören, wie man unverschämt nach meinem Tode, meinen gutenNamen und die Ehre meiner Frau schändete. Das ist scheuß--lich. empörend! Warum kann ich mich-, nicht zum zweiten Male tödten? Ich'' bin nach dem Kirchhof fortgelaufen. WO ich ein halbes Jahr zwischen den Grabern verbrachte. Dies wurde mir aber.7 zuwider, und ich ging nochmals unter..die Menschen. Im Stadtpark, auf einer Bank, saß -. meine Schwiegermama mit ihrer : Freundin. Vielleicht auch eine Schwie- -germama eines anderen Selbstmörders. . Wissen Sie, sagte meine Schwiege -mama, was für herrliche Spitzen habe" ich zur Aussteuer für meine Tochter ge kaukt! 5bre Tockter bat sich also doch getröstet und yelrathet? WaZ soll denn das arme Kind machen? Unter uns gesagt, war der verrückte 2 Mensch kein guter Mann was sollich es verheimlichen? Er war sogar tut -: infamer Kerl, er hat mein einziges ' Kind sehr schlecht behandelt, er war.' viel außer dem Hause, trank über dieMaßen und hatte sogar eine Geliebte.. Ich hatte genug gehört. Nuiu mußte ich sehen, was meine geliebte Agms macht. Entzückend! Sie sitzt ganzvergnügt auf einer Causeuse, neben ihr der gute Doctor. Sie sind allein. Sie küssen sich wie ein Paar Tauben. Ha!. Jetzt begreife ich, weshalb OthelloDesdemona erdrosselt hat. Warum, habe ich keine Hände? Vor Wuth schrie ich auf wie ein wildes Thier, undgleichzeitig merke ich, daß ich auf dem, Fußboden liege. Neben mir steht meine. Frau ganz erschrocken Ah, ich lebe also! Was hast Da. geträumt? fragt Agnes. Nichts,, nichts, mein Herz. War hier nicht Dr. S.? Wieso? Alle sind ja gesund. Auch Du? Natürlich! Und Mamaauch? Sie ist soeben spazieren gegangen. Weißt Du nicht, Kind, wo' mein Toledaner Dolch von meiner Großmama ist? In der Kommodr., brauchst Du ihn? Ich bitte Dich, gibihn mir. Wozu? Ich will ihn unserem Dr. S. schicken, er ist ja mein guter Freund! Seit einer Woche ist Dr. S. Besitzer des Dolches. Agnes und ich fahren, nach Ostende, meine Schwiegermama begleitet uns diesmal nicht, da fi Karlsbader trinkt. Möge es ihr helfen! Ich denke nicht mehr an Selbstmord, ich bin radikal von dieser gefähr lichen Manie geheilt. Ein abgesetzter Himmelödotc. Am 6. März 1S53 ereignete sich zu. Duruma in Ostafrika ein merkwürdi--ger Vorfall. Unter Donner und Blitz, fiel ein Gegenstand vom Himmel, der sich nachher als ein großer Stein erwies. Junge Hirten, die ihre Herden, hüteten, nahmen ihn auf. Die Eingeborenen des. Bezirks, wo er niedergefallen, sahen darin einen Bo.en auS den Himmelsräumen und eilten herbei,um ihm die gebührenden Ehren zu erWeisen, Unter großen Feierlichkeiten wurde der Stein mit Oel gesalbt, in kostbare Stoffe gehüllt, mit Perlen behängt und in einem dafür errichteten Tempel aufgestellt. Er galt nunmehr als Palladium des Stammes, das, wie die Priester sagten, ihm vom Himmel verliehen worden sei. Vergebens mach-' ten europäische Missionare die derlockendsten Gebote auf den 'Stein, er war dem Stamme um keinen Preis feil. Drei Jahre später machten die Massai einen kriegerischen Einfall, unt ein großer Theil des Stammes, denr das Palladium zutheil geworden, wurde bei dieser Gelegenheit niedergemetzelt. Den Ueberlebenden gingen jetzt die Augen auf über die Ohnmacht ihres Götzen, sie glaubten an dessenGöttlichkeit nicht mehr und verkauften ihn gegen baare Zahlung an Händler. C? erging diesem Himmclsboten eb?n nichd anders als den Göttern und Götzen al ler Länder und Zeiten, die auch von ih ren Anbetern verlassenlverden, sobald diesen über deren Ohnmacht die An--gen aufgehen. ' - -

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