Indiana Tribüne, Volume 22, Number 277, Indianapolis, Marion County, 25 June 1899 — Page 6
AZeWärchm-Eommisston. 'Zine böse Geschichte von Richard Greinz. Es war einmal ein guter König, der um das Wohl seiner Unterthanen besorgt war. Er hatte wie jeder Fürst ewenRath ton alten, erfahrenen Männern an seiner Seite, und diesen beauftragte er mit der Herausgabe eines Märchenbuches für die Jugend, indem er der Ansicht war, daß ein neues, derartiges Werk nur nützen könne. Die Aufgabe der Herren des Rathes war aber keineswegs eine leichte. Der König möge nur selbst versuchen, diese harte Nuß zu knacken, meinten die einen. Da kann man sich ordentlich die Zähne daran ausbeißen. Wenn man die Sache ungeschickt anpackt, ist rnan zuletzt noch für all' die Mühe dem Spott und Gelächter des Volkes preisgegeben." So sprach ein griesgrämiger Alter vom Rathe. Nun. wohl oder übel, der König hatte es befohlen und die Arbeit mußte so bald als möglich in Angriff genominen werden. Es wurde der Märd)ti - Commission", wie man sie im Volke nannte, ein größer Saal angewiesen; in dem Saal stand ein großer 5Tisch und auf diesem ein großes Tintenfaß, so groß, daß man ganz gut eine Katze darin hätte ertränken können. Die Rathsherrn nahmen auf hohen, gepolsterten Stühlen Platz und räusperten sich der Reihe nach. Dann nahm jeder eine der fein zugespitzten Kielfedern zur Hand, tauchte sie in die schwarze Tintenfluth und betrachtete hierauf mit sorgenvollem Blick die vor ihm liegenden leeren Pergamentblätter. Das war der Anfang. Wenn's nur auch schon zu Ende wäre, mochten sich viele gedacht haben. Die Art und Weise, toi die Herren arbeiteten, war eine ganz verschiedene. So viel ist aber gewiß, daß die Diener den ganzen Jlag still fluchend die Federn spitzten, welche die Räthe auf die mannigfachste Weise, nur nicht durch eifriges Schreiben, zu Grunde gerichtet hatten. Der König betrachtete denn auch bei einemBesuche der feierlichen lLersamm'lung die verschiedenen Märchenanfänge schweigend und entfernte sich dann kopfschüttelnd aus dem Saale. Hierauf erhob sich einer der Herren, der wegen seiner erst vor Kurzem erfolgten ErNennung der Junge" genannt wurde, und richtete folgende weise Worte an das Consilium: Meine Herren! Ich habe entdeckt, was uns eigentlich zum Märchendichten fehlt." Und das wäre?" rief man unisono. Es ist die nöthige Stimmung." gab der Junge" zur Antwort. Ich beantrage 'daher," fuhr er fort, den Ort der Sitzung von diesem nüchternen Saale mitten in die freie Natur, in den Wald mit seinem Vogelgesang' und Quellengemurmel zu verlegen. Dort werden uns die guten Ideen nur so zufliegen!" Es bedürfte keiner langen Debatte, um diesen Vorschlag zur Annahme zu bringen. Denn darüber war man einig schlechter konnte es dort unmöglich .gehen als bisher. Die Uebersiedelung machte keine zroße Schwierigkeiten. Ein Tisch und eine Vank im Walde war bald aus einigen Brettern zusammengezimmert. Die Versammlung wäre vollzählig gewesen, wenn der Junge" nicht gefehlt hätte. Dieser kam erst nach einiger ..Zeit, mit einem dickleibigen Codex, den etwas aufsteigenden Waldweg keuchend .heraufgeschritten. Nachdem er ein wenig Athem geholt, begann der große 'Redner wiederum: Meine Herren, ich ' habe in diesem alten Buche, das ich rnitbringe. eine Stelle entdeckt, welche uns eine treffliche Grundlage für ein Märchen bilden kann. Die Hauptperson in der Geschichte ist eine Hexe." .Ah! eine Hexe," murmelten die andextn vor sich hin und lächelten. Sie unterbrechen mich! Lesen Sie vie Geschichte selbst? ich glaube, es läßt )ich etwas daraus machen. Der Codex ging von Hand zu Hand und nach Verlauf von einer halben Stunde schrieb bereits ein jeder an seinem Märchen. Die Federn flogen nur so über das Papier hin. Der Mond schien bereits auf ihre ?Zergamentblätter. als sie endlich ferrig waren und sich auf den Heimweg inachten. Mein Märchen ist schaurig schön geworden," sagte der eine, es möchte einem völlig gruseln." Schon wegen der Hexe," fiel ihm ein anderer lachend in's Wort. Bei der Prüfung der Märchen hob der König namentlich die ausführliche und mannigfaltige Schilderung der Hexe anerkennend hervor. Nur der .Junge" hatte es hierin zu nichts Ordentlichem gebracht. Die Frauen der 'Räthe waren natürlich begierig, die belobten Arbeiten ihrer Gatten zu lesen. 'Diese machten daraus ein Geheimniß; eine neugierige Frau findet aber bekanntlich alles. Am nächsten Tage sollte die beste Äearbeitung ausgewählt und prämmt werden. Der Junge" allein war frohen Muthes und erstaunte über die trübseligen Gesichter seiner Collegen. Bald klärte sich der Sachverhalt auf: Die alten Räthe hatten heute früh ihre Arbeiten in kleine Stücke zerrissen gefunden. Es war aber auch zu schändlich! Jeder hatte seine bessere Ehehälfte als Modell zu der Gestalt der Here be-
nützt und der König hatte diese Veschreibungen gelobt! Oh! diese ManTier! Da war nun guter Rath theuer. Man hatte aber die Rechnung ohne den ..Jungen" gemacht. Triumphirend überreichte dieser er war Junggeselle dem König das erste Märchen. E,s liegt auf der Hand. -. Schöne Cousine, darf ich Dir meinen Arm anbieten?" Wenige wäre nehr gewesen."
West omt. Auf den malerischen Highlands", hart an dem westlichen Ufer des Hudsonstromes belegen,' ist die Militärakademie West Point, welche sich aus sehr bescheidenen Anfängen zu einem Achtung gebietenden Institut entwickelt hat. Schon zu Beginn des Unabhangigkeitskrieges wurde die strategische Wichtigkeit von West Point anerkannt und auf den den Strom beherrschenden Anhöhen Fortificationen angelegt, die man aber nach dem Friedensschluß wieder verfallen ließ. Die erste Anregung zur Errichtung einer Militärschule in West Point ist auf den General - Quartiermeister der Armee Col. Pickering zurückzuführen, der schon im Jahre 1733 die Nothwendigkeit eines solchen Instituts betonte, aber erst durch Gesek vom 7. Mai
1794 wurden vom Congreß Verordnungen betreffs Etablirung der Akademie getroffen. Diese waren freilich nock sebr vrimitiver Natur, wie denn in den ersten Jahren ihres Bestehens die Akademie unter Schwierigkeiten zu laboriren hatte, die zeitweise sogar ihre Existenz gefährdeten. Bis zum Jahre 1810 wurde weder eine physische noch eine wissenschaftliche Aufnahmsprüfung verlangt, der Lehrkursus dauerte etwa acht Monate, von April bis November, und der Unterricht in Mathematik, Felddienstkunde und Taktik Akademiegebäude. wurde täglich von 8 Uhr Vormittags bis Abends ertheilt. Wegen der armseligen Quartiere und mit Rücksicht auf den strengen Winter, welcher auf den Hügelketten am Hudson herrscht, wurde vom 1. December bis Ende März kein Unterricht ertheilt. Die Schülerzahl schwankte in diesem Zeiträume von 10 bis 30 Cadeiten. die sich im Alter von 12 bis 24 Jahren befanden. Im September des Jahres 1812 beherbergte West Point sogar nur einen einzigen Cadetten. In den folgendcn Jahren konnte die Akademie sich wieder einer größeren Fürsorge erfreuen. Die Regulationen wurden verbessert, die Unterrichtscurse erweitert, das Klassensystem und die Eintheilung der einzelnen Jahrgänge durchgeführt, bessere Lehrbücher eingeführt und allmälig der Grund zu der noch heute bestehenden Organisation gelegt. Bor Allen war es Col. Sylvanus Thayer, der Vater der Akademie, wie er auf dem Standbilde vor der Turnhalle genannt wird, welcher als langjähriger Superintendent energisch bemüht war, die Anstalt nach Kräften zu heben. Da Col. Thayer nur die englischen und französischen Militärschulen kannte, wurde West Point fast ganz nach sranzösischem Muster eingerichtet und auch die französische Sprache als obligater Lehrgegenstand aufgenommen, der Taktik und den anderen exakten Militärwissenschaften ein größerer Spielräum gestattet, und der Lehrkursus allmählig aus vier Jahre ausgedehnt. Daß Col. Thayer sich namentlich die französische Militärschule St. Cyr zum Vorbild nahm, kann nicht Wunder nehmen, denn damals galt Frankreich als Militärstaat par excellence. Von der 2500 Acres umfassenden Militär - Reservation auf West Point, dienen einige hundert Acres ausschließlich den Zwecken der Akademie. In einem einfachen, aber praktisch eingerichteten Gebäude befinden sich das Bureau des Superintendenten, sowie dieAmtsstuben der Verwaltungsofficiere. Im Festungsstyl gehalten ist das dem Administrationsgebäude gegenüber lieKadettenmesse und Hospital. gende Akademiegebäude, welches die Lehrzimmer, Laboratorien, Zeichensäle und sonstigen Unterrichtslokale enthält. An dieses Gebäude schließen sich im rechten Winkel die Cadettenquartiere. während seitwärts nach Süden die Cadettenmesse und das Hospital, nordöstlich die Kapelle, das Waffenmuseum und die Bibliothek, nördlich die prachtvolleTurnhalle und nordwestlich die billenartlgen Officiersquartiere liegen. Die Akademie steht unter der unmittelbaren Controle des Congres ses und des Präsidenten und wird alljährlich von einem Aufsichtsrathe inspicirt, der aus zwölf Mitgliedern be steht; sieben derselben ernennt der Präsident, zwei der Vice - Präsident als Vorsitzer des Bundessenates, und drei Mitglieder des Board of Visitors ernennt der Sprecher des Repräsentantenhauses. Die Zahl der Cadetten ist aus 381 begrenzt, deren Unterhalt. Vekleidung u. s. w. sofort nach ihrerAufnähme die Bundes - Regierung übernimmt. Die Besetzung der Cadettenstellen liegt theilweise in der Hand des Präsidentes und theilweise bildet sie eine Prärogative der Congreßmänner. Jeder Congreßdistrict, jedes Territorium sowie der District Columbia ist I zu einer Stelle berechtigt und die Erj Nennungen ersolgen der Reihe nach aus
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Empfehlung der betreffenden Congreß männer durch den Kriegssecretär und zwar in der Regel ein Jahr vor dem Eintritt. Der Ernannte muß seinen Wohnsitz in dem betreffenden Congreßdistrict haben. Da diese Bestimmung die Söhne von Officieren von der ErNennung beinahe vollständig ausschlie ßen würde, hat der Präsident die Befugniß zur Ernennung von 20 Cadetten at large" und diese werden fast immer aus Officierssöhnen genommen. Für die Aufnahme ist die Altersgrenze zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr festgesetzt. Bei der Ernennung muß zugleich ein Ersatzmann in Vorschlag gebracht werden, welcher zum Eintritt in die Akademie berechtigt ist, falls der Erstgenannte die Aufnahme - Prüfung nicht bestehen sollte. Die körperliche Untersuchung der Candidaten findet am 1. März jedes Jahres vor einer strengen Assentirungs - Commission statt, worauf Anfangs Juni eine weitere körperliche Untersuchung sowie die wissenschaftliche.Aufnahmsprllfung in West Point selbst abgehalten wird. Für die körperliche Brauchbarkeit gelten so rigoroseVorschriften.daß thatsächlich nur durchaus gesunde und kräftige Junglinge für tauglich erklärt werden können. Der Mangel einiger Zähne, kariöse Zähne, Nervosität. Hautausschlüge und andere Kleinigkeiten werden rücksichtslos als Grund für Untauglichkeit angesehen. Verhaltnißmäßig leicht ist die wissenschaftliche Aufnahmeprüfung, denn diese umfaßt nur Lesen, Schreiben, Orthographie, Arithmetik (ganze und Decimalzahlen, sowie gemeine Brüche, jedoch weder Geometrie noch Algebra), englische Grammatik, ferner Geographie und Geschichte (Vereinigte Staaten- und Weltgeschichte). Das ganze Corps ist in vier Compagnien eingetheilt, von denen jede unter einem Capitän steht. Diese und die zwölf Lieutenants werden aus der Seniorklasse genommen, während die 20 Sergeanten von den Juniors" und die zwanzig? Corporäle aus dem 2. Jahrgang ernannt werden. Die Cadetten sind einer überaus strengen Disciplin unterworfen und ihr Leben ist genau geregelt. Morgenreveille 5 Uhr 45, Appell, Jnspection, Waffenputzen; 6.15 Frühstück; Morgenparade 7:15; Pause. Von 8 bis 1 Uhr findet der Unterricht, Vorlesung
Turnhalle. (recitation) und Hausarbeit (study), statt. Mittagsmahl 1 Uhr; Erholung; Unterricht von 2 bis 4 Uhr; Exercieren bis 5 Uhr; Pause; Retrait - Parade 6 Uhr und Marsch zumAbendbrot; Pau se; Erper Zapfenstreich (call io quar tora) 7 Uhr 30; Hausarbeit bis 9:30; zweiter Zapfenstreich oder Tattoo", und um 10 Uhr dritter Zapfenstreich oder Taps", wonach alle Lichter ausgelöscht werden und die JnspectionsOfficiere nachsehen, ob alleCadetten im Bette liegen. Gottesdienst findet nur Sonntags statt. Von Mitte Juni bis Ende August beziehen die Zöglinge, wie erwähnt, ein Feldlager (ausgenommen die Juniors, welche den gesetzlichen Ferienürlaub genießen und diejenigen, welche wegenDemerits" Kasernenarrest haben.) Behufs Aufrechterhaltung der Disciplin ist das sogenannte Verdienstsystem eingeführt und für jede geringe Nachlässigkeit wird ein Demerit" notirt und wer die erlaubteZahl derselben überschreitet, wird unbarmherzig entlassen. Jeder Cadett führt sein eigenes Conto über alle Anschaffungen von Kleidern. Büchern. Wäsche, Board etc. mit der Intendantur und erhält beim Verlassen der Anstalt den Restbetrag ausbezahlt, abzüglich von $4 monatlich ($192), die für seine Equipirung als Officier für ihn zurückgehalten werden. Da nur $15 monatlich für Pension berechnet werden, alle Kleidungsstücke jedoch zum Kostenpreise geliefert werden, hängt es nur von jedem einzelnen Zögling ab, wie viel er von den $540 jährlicher Löhnung verbrauchen, respective ersparen will. Baares Geld hat kein Cadet in Händen und solches braucht er in West Point auch nicht, da die Verpflegung ausgezeichnet ist. Trotzdem die Akademie mit den ersten europäischen Anstalten dieser Art wohl nicht auf gleicherStufe steht, muß die Ausbildung der Cadetten, welche für alleTruppengattungen erfolgt, doch als eine vorzügliche bezeichnet werden, da in allen Lehrgegenständen, so gründlich auch dieselben durchgenommen werden, weniger auf die theoretische Behandlung, als aus die praktische Anwendung Rücksicht genommen wird. M a ß st a b. Du hast ja eine viel.hübschere Mantille, als ich!" Ich bin aber auch länger in Ohnmacht gelegen!" Gemüthlich. Ja. Niederhubersepp, bei der Kälten gehst auf die Jagd!?" 0 nei auf Jagd bin ich nicht ganga Sonntag kommen die sperren Jäger aus der Stadt, und da hab' ich nur nachsehen müssen, ob unser Has'n" noch da ist! !" Sie weiß Rath. Tourist (in der Sommerfrische zum'Wirth): Bitte, geben Sie mir Tinte, ich möchte einen Bries schreiben." Wirth: Tinte is bei uns net zu habe." Wirthin: Geh' Alter, gib do dem Herrn a Ctückl Kreide." .
Klaus Hrotp. Für immer hat Klaus Groth, der Schöpfer der neu - plattdeutschen Lite-
ratur, die Leyer aus der Hand gelegt, nachdem ihm erst vor Kurzem, aus Anlaß der Feier seines 80. Geburtstages, großartige Ehrungen geworden waren. Eine Herzlähmung, welche sich in Folge einer Rlppenfell - Entzündung einstellte, hat dem Leben des greisen Dichters ein Ende bereitet. Am 2A. April 1819 hat Klaus Groth in Heide, dem Hauptstädtchen von Rorderdithmarschen, das Licht der Welt erblickt: sein Vater Hartwig Groth, ein wackerer, in der Gemeinde angesehener Mann, betrieb einen Mehl- undMilchhandel und die Müllerei. Se.in Grotzvater lehrte ihn frühzeitig lesen und schreiben. Im Jahre 1834 trat der junge Klaus als Schreiber in die Dienste des KirchspielVogts zu Heide. In dessen Bibliothek fand er die langgesuchten deutschen Klassiker, die ihm eine ganz neue Welt erschlossen und ihn selbst zu poetischen Versuchen anregten. Sein Wunsch, zu studlren, war Nicht ausführbar, und er mußte sich auf dem Seminar zu Tondern mit der Bildung eines Volksschullehrers begnügen. Er wurde Madchenlehrer in Heide, wo er sich in seinen Mußestunden eifrig mit naturwissenschaftlichen, mathematischen und philosophischen Studien beschäftigte. Im Jahre 1847 ging er nach Kiel, um sich für das höhere Lehrfach vorzubereiten; indeß hatte übermäßige geistige Anstrengung seine Gesundheit derart angegriffen, daß er nur an deren WiederKlaus Groth's GeburtsHaus. Herstellung denken konnte. Er begab sich zu seinem Freunde Leonhard Selle nach der Insel Fehmarn. Hier in der Einsamkeit studirte er noch eifriger und schrieb den größten Theil seiner Gedichte, die ihn mit Pros. Karl MüllenHof. dem bekannten Germanisten, in Berührung brachten. Im April 1855 begab er sich nach Bonn zu Otto Iahn, wo er mit Germanisten. Dichtern und Gelehrten, wie Karl Simrock, Ernst Moritz Arndt, Dahlmann u. A., freundschaftlich verkehrte. Eine größere Erholungsreise brachte ihn im Herbst nach Deutschland und der Schweiz. Von hier aus gedachte er im Winter nach Italien zu gehen, doch kehrte er seines leidenden Zustandes wegen wieder nach Bonn zurück, wo ihm im März 1856 die philosophische Facultät den Doctortitel honoris causa ertheilte. Nachdem er dann eine Zeit lang in Leipzig und Dresden geweilt hatte, ging er im Sommer 1357 nach Kiel zurück und habilitirte sich im folgenden Jahre an der dortigen Universität als Privatdocent für deutsche Literatur und Sprache. Im Jahre 1866 erfolgte seine Ernennung zum Professor. Hier hatte er endlich einen stillen Port gefunden, von dem auS er wohl singen konnte: Nord und Süd. De Welt is wid; Ost und West. To Hus is't best. In seinem kleinen Hause am KlausGroth - Platze in Kiel, in der niederen Gartenlaube, in seiner Kajüte" entstand manche treffliche Dichtung und in jenem Hause ist er auch gestorben. Klaus Groth war ein echter Sohn Klaus Groth. der Scholle, auf der er geboren wurde. Niemand vor ihm hat das Leben der Marschen so poetisch reizvoll zu schildern verstanden, wie er. Wie trefflich zeichnet er das Leben und Weben im Moor, mit offenem Auge erschaut er Alles, selbst das Kleinste, und mit packender Gestaltungskraft stellt er uns die Bilder vor Augen. Vor die große Oeffentlichkeit trat Klaus Groth zuerst im Jahre 1852 mit seinem Quickborn", einer Sammlung von Gedichten in dithmarsischer Mundart, die eine förmliche Revolution auf literarischem Gebiete hervorriefen und seinen Ruf als Dichter begründeten. Hier erklangen plötzlich die herzerfrischenden Töne einer lang verachteten Sprache, die die Freude und Liebe, das geheimste Denken und Fühlen eines ganzen unter"drückten Volksstammes zu lebendigem Ausdruck brachten. Was diesen plattdeutschen Gesängen einen so ungemeinen Reiz verlieh, war eben der Umstand, dak fast Alles aus der Volks--seele heraus gedichtet, schlicht und doch unendlich ergreifend in seiner Sehnsucht wie in seiner Wehmuth war. Die-
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ses Hauptwerk KlauS Groth's erschien in unzähligen Auflagen, wurde auch vielfach in's Hochdeutsche ' übertragen, und die Kritik bezeichnete es einstim-
mig als ein sehr hervorragendes poetischeS Product. Diese Volkslieder schlugen zündend ein in alle Herzen: bei Bürgern und Bauern, Kindern und Erwachsenen, Gebildeten und Ungebubeten, überall fanden sie Widerhall, und begeistert jauchzte ihnen namentlich der engere Landsmann Beifall zu. Stlauä Groth's Wohnhaus. Der Dichter entwirft hier entzückende und graziöse Genrebilder aus dem Leben des kleinen Handwerkers, des Fischers, des Schiffers, des Bauern, und von den Gebildeten gehört in diesen Kreis höchstens der alte Pastor inmitt:n seiner Gemeinde. Sowohl derbe. realistische Charaktere als auch zarte, tief empfindende Seelen werden mit gleicher Naturwahrheit veranschaulicht. Besonders vortrefflich weiß er das Leben und Weben im Moor wiederzuge ben, und die höchste Meisterschaft bekündet er in der dichterischen Verkörperung des Thierlebens. Immer zeigt er sich als stimmungsvoller Lyriker und als Meister des Volksliedes. Auch seine Balladen und Novellen sind von diesem Grundcharakter beeinflußt. Seine hochdeutschen Gedichte enthalten gleichfalls viele stimmungsvolle Lieder, aber sie fanden lange nicht solchen Beifall wie die im niederdeutschen Idiom geschriebenen. In größerem Maße wurde dieser den Prosa - ErZahlungen des Dichters, wie Vertelln", Geschichten aus dem Volksleben der Heimath des Dichters, Trina", Um de Heid", ..Rothgerber Meister Lamp un sin Dochder", zutheil. Doch kann sich der dithmarsische Poet als Erzähler mit Zritz Reuter nicht messen, und er ist seinem mecklenburger Collegen nur auf dem Gebiete des Reims überlegen, auch verfügt er lange nicht über solchen frischen, natürlichen und herzerquickenden Humor wie der unsterbliche Dichter des Onkel Vräsig". Noch erschienen von ihm unter Anderem Voer de Goern", Kinderreime, Rothgerber - Meister Lamp un sin Dochter", Fif nie Lieder", eine Schrift über ..Mundarten und mundartige Dichtung" und Lebenserinnerungen". Seine gesammelten Werke umfassen vier Bände. Der kleine Spekulant. Veiteles junior kommt aus der Schule nach Hause und bemerkt, wie sein Vater den Verdienst der letzten Einnahmen zählt. Jsaakche", fragt ihn dieser, was thät'st De machen, wenn ich Dir schenken thät' ein's von de Goldstickcher?" Ich thät's hintrage zu Einem und ließ' es mir wechseln in Markstickcher!" Und dann?" Ließ ich's wechsein in Fünfzigpfennigstickcher!" Und dann?" Dann wieder in Markstickcher oder in Aweimarkstickcher!" Jsaakche sagte der Alte, was bist De dumm und ainfältig! Aus Dir . . Wie haißt Edde? Ich bin dumm und einfältig! ... Es wird sich doch Einer emal irr'n!" Schwer zu befriedigen. Bäuerin: G'rad' z' todt könnt' ich mich weinen, wenn ich Dich sö aus 'in Wirthshaus 'rauskommen seh'!" Bauer: Da weiß ma' scho' nimmer, was ma' thun soll! Heut' früh hat der Herr Pfarrer aufbegehrt, weil er's g'sehen hat. wie ich in 's Wirthshaus 'nein'ganga bin, und Du weinst jetzt, weil ich aus 'm Wirthshaus 'rauskomm'!" Probe. A.: Ich habe mir nie darüber klar werden können, ob ich ein Genie bin oder nicht." B.: Das können Sie sehr leicht herausbekommen. Benehmen Sie sich wie toll, wenn Sie in Gesellschaft sind und wenn Sie ein Genie sind, dann werden die Lete Sie bewundern und es Ihnen nachmachen." Besserung. Also Sie versprechen, wenn wir heirathen. werden Sie das Rauchen aufgeben?" Ja." Das Trinken, und Spielen auch?" Ja." Den Club werden Sie auch aufgeben?" Ja." Haben Sie sonst noch Dummheiten, die Sie aufgeben werden?" Jawohl, das Heirachen."
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Zoyann Strauß. Der Walzerkönig" JohannStrauß, dessen Vater freilich auch schon diesen Titel führte, ist in seiner Vaterstadt Wien aus dem Leben geschieden. Geboren war er am 25. October 1825 in einer stillen Vorstadt der Kaiserstadt an der Donau, der Erbe der Kunst und des Genies seines Vaters, der zu yleicher Zeit mit Lanner den Dirigentenstab führte. Ursprünglich war der junge Johann von seinem Vater für das Studium der technischen Wissenschaften bestimmt, allein das junge Genie folgte seinen eigenen, künstlerischen Neigungen und widmete sich der Frau Musica. Seinen ersten Musikunterricht nahm er bei dem damals berühmten Domkapellmeister Joseph Drechsler und am 15. October 1844 trat John Strauß Sohn" beimDommayer in Hietzing mit seiner eigenen Kapelle als Rivale seines berühmten Vaters auf. Voller Erfolg wurde dem jungen Dirigenten und Comvonisten zu Theil
und schon in den Fünfziger Jahren stanor :m Zenith seiner Popularität. Sein heiterer Genius bewegte nicht nur die Massen, auck Geister ersten Ranges wie Richard Wagner zollten ihm Anerkennung. Merkwürdigerweise batte die erste Aufführung des weltbekanntenWalzers . Of v . t. . u nn oer Iconen oiauen )onau , oie am 13. Februar 1867 im DianaSaale bei einem Narrenabend des Männergesang - Vereins stattfand keinen Erfolg. Beiden Proben fand die Novität nur geringen Anklang unter oen bangern, und Präsident Nikolaus Dumba mußte seinen vollen Einfluß aufbieten, damit der Walzer nicht vom Concert - Programme des Narrenabends gestrichen werde. Erst später wurde diese herrliche Musik, die Krone aller Strauß'schen Walzer, populär und machte eine Reise um mt ganze Welt, nachdem sie zum ersten Male auf der Welt-Ausstelluna in Varis im Jahre 1867 einen ungeahnten, blendenoen Erfolg errungen hatte. Die Straußschen Walzer zählen nach Hunderten, jene nicht gerechnet, welche in seinen Operetten klinaen und singen. Am 10. Februar 1871 war es. vak iq der Walzer-Eomponist auch Johann Strauß. die Bühne im Sturme eroberte. Der Erfolg seiner ersten Operette Indigo" war ein unbestrittener, obgleich dieses Werk in Wien keine nachhaltige Popularität genoß. Das zweitcBühnenopus, die Operette Carneval in Rom", welche das Zugstück des Ausstellungsjahres 1873 bildete, errang einen triumphartigen Erfolg; den Vogel schoß jedoch Strauß erst mit seiner Fledermaus" ab, welche bestimmt war, sein Meisterwerk und die Königin aller Operetten zu werden. Die Zahl seiner Bühnenwerke beträgt fünfzehn. Ihre Titel : Indigo" (1871), Carneval in Rom" (1873). Die Fledermaus" (1874). Cagliostro" (1875). Prinz Methusalem" (1877), Blindekuh" (1878), Das Spitzentuch der Königin (1880). Eine Nacht in Venedig" (1883), Der Zigeuner - Baron" (1885). Simplirius" (1887), RitterPasman" (1891). FürsiinNinetta" (1893). Das Apfelfest" (Jabuka") 1894. Waldmeister" (1895). AngenehmerZweifel. Was sagte die Dame, als Sie ihr mein Bouquet überreicht haben?" Schafskops", hat s g'sagt . . . aber ich glaub', sie hat mich damit g'meint!" Qualifikations-Nach-weis. Assistent Langbein hat sich zur Aufnahme in unsern Sport-Clud gemeldet." Wieviel' üöerradelte Passanten kann er denn nachweisen?" V e n ü'tz t e Gelegenheit. Liebe Frau, für nächste Woche habe ich ein Paar Jugendfreunde zu Tisch geladen, da servirst Du uns 'mal 'was recht Feines!" Gewiß, Männchen und in einem recht hübschen neuen Kleide!" Ein Optimist. Dame: Wenn Sie unverfrorener Windbeutel es noch einmal wagen, mir einen Antrag zu machen, lasse ich Sie durch meinen Hausknecht aus dem Hause hinauswerfen!" Geck: Adelgunda, soll das vielleicht ein Korb sein?!"
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A e q u ! v a l e n t.
Cf I jl 1 J!jjjri
Merkwürdig! Je häßlicher der Mann, desto scköncr ist d:r Anzug sei ncr zz-rau! Häuslicher Blitzableiter. Mann: Ich bitt' Dich. Weiberl, hör' auf zu singen, sonst denken unsere Nachbarn, wir haben uns schon wieder gezankt!" Stimmt. Der Falb versteht doch was! Für heut' hat er an' kritischen Tag erster Ordnung" angesagt und richtig hab' ich an' Kanonenrausch!" ...Du willst Dich von Deiner Frau scheiden lassen?! Ja was soll denn dann aus Eurer Wirthschaft, den Kindern und dem Geschäfte werden?" ,,D, das ist nicht so schlimm! Nach der Scheidung engagire ich meine Frau als Wirthschaft! und sie mich als Geschäftsführer!" Mißverstanden. Bauerndirne (zum Doktor, welcher, der starken Brustschmerzen wegen, ihr Herz untersuchen will): Na. mei' Liaba. so g'freund' san mir Zwei net!" Der Pantoffelheld. Fährt meine Frau aus. ölise?" Ja, gnädiger Herr!" Weißt Du nicht, fahre Ich mit?" GuteMedizin. Thierarzt: ,Nun, wie hat denn die Medizin bei dem Füllen gewirkt, , Huberbauer?" Bauer: Ausgezeichnet, Herr Doctor, es scherzt scho' wieder grad hat's m Michel auf'n Bauch ausfi g'schlagen!"
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