Indiana Tribüne, Volume 22, Number 270, Indianapolis, Marion County, 18 June 1899 — Page 3

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VeVVshM. SriminaLRoman von E.Braddon. (10. ZZorifttzung.) Anton Hamd5n lehnte sich wüthend die Kij,en des Wagens zurück. Er schien nach einer Antwort zu suchen, aber er blieb schweigsam, bis sie vor dem Clarendon-Hotel ausstiegen. Leben Sie wohl, Major," sagte der Bankier mit kühler Gleichgiltigkeit, alZ der Thorwart ihm ehrerbiet'g entgegenkam. Während der wenigen Tage, die ich noch in der Stadt verweile, werde ich sehr beschäftigt sein, und mir das Vergnügen versagen müssen, Sie zu empfangen." Der Major war fassungslos über diese kühle Entlassung. Steht es so?" murmelte er. Nun, Sie müncn wissen, was am besten für Sie ist." Die Thür schloß sich vor Major Templin, alias Anton Hamden, der mißvergnügt die stille Westendstraße entlang ging. Sehr verwegen zischte er, aber die Geschichte von der Henne mit den goldenen Eiern ist doch beherzigenS, werth. Mein Freund ist ein verstockter Bursche und ich werde ein Auge aus ihn haben. Jetzt ist er oben auf, doch der Tag ist vielleicht nicht mehr fern, wo er mich braucht, und wenn er mich je brauchen sollte, wird er mir einen hohen Preis zu zahlen haben." 29. Kapitel. An dem festgesetzten Donnerstag Morgen erschien Dawson in dem Laden des Diamantenhändlers. Er kam in Begleitung Roderich Balders, den er abgeholt, die Diamanten zu besichtigen, die er für Laura gekaust hatte. Balder riß die Augen auf. als die Brillanten vor ihm ausgebreitet wurden, und erklärte die Freigebigkeit Dawsons für mehr als fürstlich. . Alfred Dawson verließ das Haus des Juwelenhändlers mit fest über der Brust zugeknöpftem Ueberzieher, unter dem er einen Schatz im Werth von beinahe achtzigtausend Pfund verborgen trug. Er ging nicht unmittelbar nach seinem Gasthof zurück, sondern suchte eine enge Geschäftsstraße auf, wo er in den Laden eines Lederhändlers eintrat, um ein Paar der dicksten Gemsenleder zu kaufen. In einem anderen Laden kaust: er mehrere große, starke Nabnadeln, Zwirn, eine Scheere, einige starke Schnallen und einen Schneiderfinzerhut, dann erst fuhr er nach dem Elarendon - Hotel. Nachdem er sein Abendessen verzehrt batte, bestellte er sich eine Taue starken Tcee auf sein Zimmer, entließ den ihn bedienenden Kellner und verschloß die einzige nach dem Hausflur führende Thüre. .Er trank den Thtt, badete den Kopf in kaltem Wasser und setzte sich an den Schreibtisch, doch schrieb er nicht, schob vielmehr das Schreibmaterial zur Seite und breitete die Einkäufe vom Nachmittag vor sich aus. Das Leder

zerschnitt er in zwei lange schmale Streifen, die er um seine Hüften legte, um das Maß zu nehmen, und nachdem das geschehen war, fing er an, die Streifen zusammenzunähen. Es war keine leichte Arbeit und kostete ihn viel Zeit. Als er die beiden Längenseiten und ein Querende des Gürtels zusammengestichelt hatte, war es zwölf Uhr vorüber. Das eine Ende des Gürtels hatte er offen gelassen. Zufrieden mit seinem Werke, zog er mehrere leinene Beutelchen, die voll loser Diamanten waren, aus seiner Tasche und ein Schauer des Entzückens durchrieselte ihn, als er jetzt mit den Fingern in den glitzernden Steinen wühlte. Langsam und sorgfältig ließ er sie in den Ledergürtel gleiten, um jeden einzelnen darin einzunähen. Das war ein zeitraubendes Werk. Es schlug vier Uhr, als er den letzten der Diamanten in den Gürtel eingenäht hatte. Mit einem eufzer der Erleichterung warf er die übrig gebliebenen Lederabfalle in das Kaminfeuer und sah zu, wie sie langsam zu Asche verglühten. Ten Ledergürtel unter das Kopfkien legend, ging er zu Bette. Am Morgen des folgenden Tages reiste der Bankier wieder nach Mangoldshöh zurück. Cr trug den Gürtel fest um den Leib geschnallt und kein Mensch konnte ahnen, welche Schätze er mit sich führe. Von Warwickshire schrieb er einem der vornehmsten Juweliere des Westends, ihm den tüchtigsten seiner Leute mit den neuesten Mustern für einen Diamantenschmuck nach Mangoldshöh' zuschicken. Doch als der Vertreter des Juweliers ankam, fand Dawson unter rei ihm unterbreiteten Zeichnungen ii.m, die ihm gefiel. Ich werde zwei oder drei dieser Zeichnungen hier behalten," sagte Dawson dem jrv.t Mann, und wenn ich mich für tMtZ der Muster entschließe, Herrn Griggs davon Kenntniß geben und ihm die Fassung des Schmuckes übertragen, wo nicht, werde ick? die Diamanten mit nach Paris nehmen und sie einem dortigen Geschäft übergeben." Der junge Mann kehrte nach Lon,don zurück, ohne die Steine auch nur gesehen zu haben. Major Templin war wieder im Krone1?virtkshaus in Lirdorf abgestiegen. Dis Urkunde, welche ihm den Besitz der asminvilla übertrug, war bereits in .feinen 5)änden und er siedelte sehr icith in das hübsche Landhaus über. Die Wirthschaften und ihr Neffe, die schon in des Admirals Diensten gestanden waren, freuten sich, von dem neuen Besitzer übernommen zu werden. i Der Jasminhof lag so, daß der Major Viangoldshoh' und Schlob

Wolkenstein sehr bequem überwachen konnte. Frau Sand, seine Wirthschafterin, hatte auf beiden Gütern Verbindüngen. Eine ihrer Nichten war Hausmädchen in Mangoldshöh', ihr Enkel Stallbursche bei dem Grafen v. Wolkenstein. Nichts konnte dem sJJlao: angenehmer sein und deshalb stellte er sich schleunigst auf guten Fuß mit der braven Alten. Durch sie erfuhr er, daß ein Londoner Juwelier dem Millionär eine Mappe mit Zeichnungen vorgelegt hatte. Die Leute erzählten berichtete Frau Sand weiter, Herr Dawson hätte beinahe eine Million für Diamanten ausgegeben, und er werde seiner Tochter einen Schmuck schenken, wie die Königin von England keinen schöneren besitze, aber der Londoner Juwelier hat den Auftrag nicht bekommen, das Halsband anzufertigen." Major Templin pfiff leise vor sich hin. als Frau Sand sich wieder in ihr Stübchen zurückgezogen hatte. Tu bist ein kluger Kopf, Freund." murmelte er, sich seine Cigarre anzün-. dend, ein sehr kluger Kopf, abe" ich kann auch noch viel weniger durchsichtige spanische Wände durchschauen, als diese hübsche Diamantengeschichte. Es ist Alles auf das Sinnreichste geplant, und ich wünsche Dir das beste Gelingen, aber Du mußt mir dafür zahlen, ordentlich zahlen, mein lieber Dawson." Der nächste Tag war Sonntag, -in kalter winterlicher Sonntag und Straßen und Dächer lagen unter einer hohen Schneeschicht begraben. Während die Kirchenglocken läuteten, öffnete der Major die Thüre seines Gartens und ging hinaus aus die Landstraße, in der Richtung des Parkes von Mangoldshöh'. Durch ein niedriges eisernes Thor gelangte er auf den Reitwea. den Baron Wolkenfels im Herbst so oft benützt hatte. Den frischen Fußstapfen im Schnee folgend, erreichte er das Schloß, wo er Alles noch in tiefer Ruhe fand. Herr Dawson ist noch beim Frühstück", sagte ihm der Diener, der ihm geöffnet harte. Thut nichts," erwiderte der Major. Mich anzumelden, haben Sie nicht nöthig, ich weiß den Weg." Ohne weitere Umstände begab er sich in das Zimmer des Bankiers. Auf der Schwelle blieb er stehen und betrachtete den Freund, der an dem reich gedeckten silberglitzernden Frühstückstisch saß. Es ist behaglich hier, ungeme'm behaglich!" rief er. Der Bankier sah nicht sonderlich erfreut aus, als er den Gast erblickte. Ich glaubte, Sie wären h London," sagte er. Was beweist, wie wenig Sie sich um die Angelegenheiten Ihrer Nachbarn kümmern," erwiderte der Major. Wenn Sie sich herabgelassen hätten, Ihren bescheidenen, sehr ergebenen Freund zu beobachten, würden Sie erfahren haben, daß er sich hie? in der Nachbarschaft sehr vortheilhast enge-

kauft hat, um für den Rest der ihm noch Geschiedenen Jahre als ehrbarer Grundbesitzer zu leben. Immer vorausgesetzt, daß die Freigebigkeit seines Gönners ihm das ermöglicht. Wollen Sie damit sagen, daß Sie sich in dieser Gegend angekauft haben?" Ja, ich bm Besitzer des sogenannten Jasminhofes, zwischen Lirdorf und Shornkliff." Und Sie beabsichtigen, in Warwickshire zu bleiben?" Ja, das will ich." Dawson lächelte vor sich hin, als sein Freund sich so bestimmt erklärte. Ich habe natürlich nicht das Geringste dagegen," sagte er. Der Major sah den Bankier mit forschendem Blick an. Sie sind die Güte selbst, mein verehrter Gönner, doch muß ich Sie daran erinnern, daß die Ausgaben, die mir durch den Ankauf meiner bescheidenen Besitzung erwuchsen, sehr bedeutend waren, und die zweitausend Pfund, die Sie mir so freigebig als erste Anzahlung überreichten, wie Schnee in der Sonne zusammengeschmolzen sind. Freund meiner Jugend, Beschützer meiner späteren Iahre, ich brauche abermals Geld. Lassen Sie es dieses Mal Zweitausendfünfhundert sein." Der Major verließ das Schloß nicht eher, als bis er den Zweck seines Besuchs erreicht und Checks im Betrage von zweitausendfünfhundert Pfund in der Tasche hatte. Ich schmeichelte mir, gerade im rechten Augenblick gekommen, zu sein," dachte der Major, sich auf den Heimweg begebend. denn es unterliegt keinem Zweifel daß mein Freund auf Flucht sinnt. (5r wird in allerkürzester Zeit durchbrennen, und das Geld, das er mir heute gab, ist das letzte, das ich je von ihm erlangen werde." Kaum hatte der Major sich entfernt, als der Bankier seinem Kammerdiener klingelte. Ich werde heute Abend nach Paris reisen. Jarvis", sagte er. Ehe ich die Anfertigung des Schmuckes für meine Tochter einem englischen Juwelier übertrage, will ich sehen, was die Franzosen zu leisten im Stande sind. Ich suhle mich auch nicht wohl und brauche Luftveränderung. Packen Sie in einen kleinen Handkoffer, was unbedingt unentbehrlich ist." Werde ich Sie begleiten, Herr Dawson?" Der Bankier sah auf seine Uhr und schien einige Augenblicke über die Frage nachzudenken, ehe er antwortete. Wie gehen die Züge am Sonntag?" Wenn Sie um 4 Uhr von Shornkliff abfahren, können Sie um 6 Uhr zu dem Schnellzug in Rugby ankommen." Das würde gehen. Jetzt ist's 3 Uhr. Packen Sie die Sachen und bestellen

Sie den Wagen auf Uhr. Sie kon nen mir in einigen Tagen mit dem übrigen Gepäck folgen." Der Diener verschwand, um die Befehle seines Herrn auszuführen. Der Wagen fuhr vor und der Bankier stieg ein. Um den Leib hatte er den Ledergürtel geschnallt, den er mit eigenen Händen genäht und seither nicht mehr abgelegt hatte. Der Wagen führte ihn schnell nach dem Shornkli'ffer Bahnhof. Auf dem Bahnsteig brannten bereits die Laternen, die den düsteren Raum nur spärlich erhellten. Dawson ging langsam auf dem Bahnsteig auf und ab. Er war so in seine Gedanken vertieft, daß er erschrocken zurückfuhr, als ein junger Mann eilig hinter ihm herkam und ihn anredete. Herr Dawson, Herr Dawson!" Der Bankier wendete sich um und erkannte Arthur Lowell. Reisen Sie mit dem nächsten Zuge ab? Ich wünschteso sehr, Sie noch vorher zu sprechen." Weshalb?" . Weil ein alter Freund von Ihnen angekommen ist, der sich danach sehnt, Sie wiederzusehen. Errathen Sie, wer es ist?" Nein, das kann ich nicht, denn ich habe sehr viele alte Freunde. Ich bin auch augenblicklich außer Stande, irgend Jemand zu sprechen, denn ich bin sehr krank und der Arzt, den ich in London zu Rathe gezogen, schärfte mir ein. ich müsse jede Aufregung wie tödtliches Gift meiden. Wer ist es, der mich zu sprechen wünscht?" Lord Spenser, der große angloindische Staatsmann. Er ist ein Freund meines Vaters und mir sehr gewogen. Als mein Bäte? ihm erzählte. Sie bewohnten jetzt Mangoldshöh', war er hocherfreut und e? würde Sie unbedingt besucht huben, wenn er nicht schon mit dem nächsten Zuge fort müßte." 23o ist Lord Spenser?" 'Im Wartesaal. Er war in Warwickshire bei Verwandten und hielt sich auf der Durchreise kurze Zeit bei uns auf. Jetzt fährt er nach Derby weiter. Sie kommen doch mit. ihn zu begrüßen?" Ja, es wird mich sehr freuen, ich " Alfred Dawson hielt plötzlich inne. Die Glocke hatte geläutet, während er mit dem jungen Anwalt sprach, und jetzt brauste der Zug heran. Ach, leider werde ich Lord Spenser heute nicht mehr sehen können." sagte er bedauernd, ich muß mit diesem Zuge fort, wenn ich nicht einen ganzen Tag verlieren will. Meine besten Gm pfehlungen an Lord Spenser. Sagen Sie ihm. daß ich sehr krank gewesen bin. Auf Wiedersehen. Herr Anwalt." Ihr Gepäck ist im Wagen. 5)err Dawson." meldete der Diener, auf einen geöffneten Wagen erster Classe deutend. Dawson nahm seinen Platz ein, in demselben Augenblick trat ein älterer Herr aus dem Wartezimmer. Ist das mein Zug. Lowell?" fragte er. R?in. Mylord. Herr Dawson fährt mit diesem Zuge, aber Sie haben noch Zeit, mit Ihrem Freund zu sprechen." Der Zug setzte sich in Bewegung. Lord Spenser war ein sehr beweglicher alter Herr; er lief den Bahnsteig entlang und blickte in jeden Wagen, vermochte aber den Gesuchten nicht zu ent-decken.

30. Kapitel. Dawson lehnte sich mit geschlossenen Augen in die Kissen seines bequemen Ecksitzes zurück, doch schlief er nicht, er dachte nur nach. Dann und wann beugte er sich vor und sah in die dunkle Nacht hinaus, auf weite fleckenlose Schneeflächen und kurze Strecken Waldes, deren Kiefern sich dunkel von dem glitzernden weißen Hintergrund abhoben. Der Zug hielt auf jeder Station, und obwohl die Fahrt von Shornkliff nach Rugby nur eine Stunde dauern sollte, erschien sie dem ungeduldigen Reisenden, der sich danach sehnte, in Dover den Dampfer zu, besteigen, endlos. Tr Bankier sah nach der Uhr und berechnete die Zeit. EZ war jetzt ein Viertel nach fünf, um sechs Uhr sollte der Zug Rugby verlassen, um acht London, um neun Dover erreichen; am nächsten Morgen um sieben- Uhr hoffte Alfred Dawson in Paris zu sein. Es ärgerte ihn. daß er die Namen der Stationen nicht verstehen konnte, die von dem Beamten laut, aber sehr undeutlich ausgerufen wurden. Er saß mit der Uhr in der Hand, denn immer von Neuem wurde er von plötzlichem Entsetzen ergriffen, weil er zu bemerken glaubte, der Zug fahre nicht mehr mit der gewohnten Schnelligkeit und schleiche langsam über die Schienen. Wenn er in Rugby den Londoner Schnellzug nicht erreichte? Was dann? Dawson erkundigte sich bei einem seiner Reisegefährten, ob der Zug immer pünktlich eintreffe. Ja, zieml'ch regelmäßig." erwiderte der Fremde kühl, doch weiß ich nicht, wie hinderlich diese Schneemassen der Maschine werden können. In einigen Theilen des Landes sind Unglllcksfälle vorgekommen." Infolge der tiefen Schneeverwehungen?" Ja. U scheint cs." Zehn Minuten später begann der Wagen, der schon von Anfang an stark geschaukelt hatte, heftig zu schwanken. Ein hagerer ältlicher Herr blickte feine Mitreisenden angstvoll an. aber der junge Mann, der mit Dawson ge sprochen hatte, und ein kahlköpfiger Handelsreisender ihm gegenüber lasen so ruhig in ihren Zeitungen, als hätte das zunchmendeSchaukeln nicht die geringste, Bedeutung. Dawlon batte das Auae fett asf daö

Zifferblatt seiner Uhr gerichtet und merkte nich!s von der Angst des nervosen Reisenden, der endlich das Fenster öffnete und sich weit hinausbeugte, um in die Ferne zu spähen. Ich fürchte, es ist etwas nicht richtig," tagte er, den Kopf wieder zurückziehend. Unser Zug hat sich um acht Minuten verspätet, das Warnungssiznal ist aufgezogen und die Geleise sind von Schneewehen versperrt." Er sah wieder hinaus und zog den Kopf plötzlich von Neuem zurück. Es kommt etwas", schrie er, eine Locomotive kommt, und " Er sprach nicht zu Ende. Ein rasendes Getöse erhob sich, das lauter war als Donnergeroll und fürchterlicher als das Krachen zusammenbrechender Mauern. Dieses schreckliche Geräusch wurde von ebenso entsetzlichem Geschrei übertönt und darauf nichts als Tod,' Schrecken, Dunkelheit und Berwirrung! Zerschmettertes Holz und Eisenwerk häufte sich in gräulichem Durcheinander auf dem blutbeflecktm Schnee; unter den zertrümmerten Wagen hervor hörte man schauerliches Stöhnen, das Jammern der Mütter, aus deren Armen ihre Kinder in den Rachen des Todes geschleudert waren, das Wimmern von Kindern, die sich an ihre im Tode erstarrten Mütter sestklammerten, man hörte Männer nach ihren Frauen, Frauen nach ihren Männern rufen, und zwischen allen diesen Unglücklichen sah man tapfere Menschen mit bleichen Gesichtern, oft selbst verwundet oder verstümmelt, mit Laternen in den Händen, in edlem Selbstvergessen, des eigenen Leides nicht achtend, hin- und hereilen, um Hilse zu bringen. Der nordwartsfahrende Schnellzug war in den von Shornkliff gerannt, der neun Minuten zu spät auf die Hauptlinie gelangt war. Nach und nach schaffte man die Todten und Verwundeten aus den Trümmermassen heraus, pflichtbewußte Männer trugen die verstümmelten und kaum noch erkennbaren Menschengestalten hinweg. Es war vor AI lem nothwendig, die Schienen frei zu machen und der Lärm der Aexte und Schaufeln erstickte fast das Aechzen der armen Verwundeten. Der von Shornkliff kommende Zug war fast gänzlich zerschmettert, der Schnellzug hatte viel weniger gelitten, aber der Führer war getödtet und mehrere der Reisenden waren verstümmelt. Alfred Dawson war unter denen, die hilflos und wie es schien, auch ohne Leben unter den Trümmern der geborstenen Wagen ausgefunden worden waren. Dem Bankier war ein Bein gebrochen worden und, von einem Schlage am Kopf getroffen, hatte er das Bewußtsein verloren. Der Arzt, der ihn untersuchte, erklärte, bei sorgfältiger Pflege werde Dawson in zwei oder drei Monaten wieder hergestellt sein. Ein halbes Dutzend Aerzte bemühte sich in den Wartesälen zu Rugby, wo man die Verletzten untergebracht hatte, um die Verunglückten. Einer dieser Aerzte übernahm die Behandlung Dawsons. In der Rocktasche des Bankiers hatte man Karten mit seinem Namen gefunden und eine Menge Leute in den Wartesälen wußte sofort, daß derHerr mit dem todtblassen Gesicht und dem grauen Schnurrbart, der regungslos auf einem der breiten Sophas lag, kein Geringerer als Alfred Dawson von Mangoldshöh. der Inhaber des BankHauses von St. Gundolph sei. Auch der Arzt wußte es, und ließ Dawson in das nächste Hotel tragen; eine Viertelstunde später war er wieder zum Bewußtsein erwacht. Er schlug die Augen auf, sah verstört um sich, und fragte wo er sich befinde. Von demEisenbahnunglllck wußte er nichts und hatte die Erinnerung von Allem, was diesem vorausging, bis zurück zu seiner Abreise von Mangoldshöh verloren. Das Gedächtniß kehrte erst nach und nach wieder und mit ihm die Erinnerung an die schauerlichen Ereignisse dieses Tages Er hatte von Mangoldshöh fort ge-

wollt, weit fort, er hatte eine lange geplante Reise anzutreten beabsichtigt, was aber war dann geschehen? Von dem Arzt erfuhr er, was vorgefallen war, und warum er sich an diescm unbekannten Ort befinde. Also das ist Rugby. Herr Doctor?" seufzte Dawson. Aber ich muß noch heute fort von hier." Noch diesen Abend? Unmöglich," erwiderte Dr. Martin, völlig unm'öglich. Ich bedaure, Ihnen sagen zu müssen, daß Sie wenigstens noch einen ganzen Monat mein Gefangener sein werden." Der Bankier stöhnte laut. Ich muß nach London," rief er, ich will nach London." Dr. Martin und ein Heilgehilfe entkleideten den Kranken. Die Beinkleider wurden heruntergeschnitten, Rock und Weste abgelegt, doch blieben das Hemd und der Gürtel darunter unberührt. Ich trage einen Ledergürtel unter meinem Nachthemde," sagte der Bankier, während die beiden Männer sich um ihn bemühten, und ich möchte nicht, daß er mir abgenommen werde." Er wurde ohnmächtig, denn sein Bein schmerzte ihn heftig und als er wieder zu sich kam. musterte er den Arzt und seinen Gehilfen mit mißtrauischen Blicken und befühlte die Schnalle seines Gürtels, um sich zu überzeugen, ob Alles daran in Ordr.ung sei. Die lange ruhelose Nacht hindurch brütete er über diese unselige Unterbrechung seiner Reise. Daß mir aber auch so etwas begegnen mußte", sagte er sich. Unter allen Dingen, die ich jemals fürchtete, habe ich an so etwas nicht gedacht." 2m Verlaufe des folgenden Tages

wurde dem gebrochenen Bein ein Verband angelegt, und am Abend hatte der Bankier eine lange Unterredung mit dem Arzte. Dawson schien nicht mehr so ängstlich besorgt, fortzukommen. Sein Diener Jarvis war am Morgen eingetroffen, denn die Nachricht von dem Eisenbahnzusammenstoß war auch nach Mangoldshöh gelangt, und man erfuhr gleichzeitig, daß der Bankier sich unter den Verwundeten befinde. Dawson klagte jetzt nur noch über das Unbehagen, in einem Gasthof krank liegen zu müssen. Ich möchte gern nach Hause zurück, Herr Doctor," sagte er. Wenn Sie es möglich machen fönnen, mich nach Mangoldshöh zu begleiten und mich dort so lange zu behandeln, bis ich geheilt bin, werde ich mit Freuden zu jeder Entschädigung der Verluste bereit sein, die Ihnen aus Jhrer Abwesenheit von Rugby entstehen." Am Ende der Woche war es ihm gelungen, Dr. Martin für die . Uebersiedelung nach Mangoldshöh zu gewinnen und in einem eigens für ihn hergerichteten Wagen wurde derBankier nach Shornkliff gebracht, und von dort aus Langte er, ohne seine Lage verändert zü haben, in Begleitung des Arztes und des Kammerdieners nach Mangoldshöh. In das Zimmer, in dem er sich immer am liebsten aufgehalten hatte,, wurde ein Bett gerollt, und dort lag er lange Tage und Nächte in ermüdendem Warten. Er war kein sehr geduldiger Kranker. DieSchmerzen würde er ohne vieles Murren ertragen haben, aber den Zeitverlust beklagte er unaushörlich. Wann werde ich aufstehen dürfen. Herr Doctor?" fragte er jeden Mor-gen.

31. Kapitel. Ursula Wilmot hatte versprochen, die Frau des Mannes zu werden, den sie liebte, dieses Versprechen jedoch nur unter der Bedingung gegeben, daß die Hochzeit erst folgen dürfe, wenn das Geheimniß von ihres Vaters Tode vollkommen aufgeklärt sein werde. Mein Vater besaß Niemanden in der Welt, ihn zu lieben, und feiner zu gedenken, als mich," sagte sie zu Leonor. Er war ein Ausgestoßener und die Leute finden es nur in der Ordnung, daß einem sündigen Leben ein so grausamer Tod folgte. Wenn Alfred Dawson, der reiche Bankier, ermordet worden wäre, würde die Polizei nicht geruht haben, bis sie den Thäter entdeckt hätte. Aber wer, außer seiner Tochter, fragt nach Josef WU mot?" Leonor Austin hatte sein Versprechen, für die Enthüllung der Schuld Dawsons Alles aufzubieten, nicht vergessen. Er hielt Dawson für den Mörder Wilmots, seit der Bankier sich wie ein ertappter Dieb durch die Hinterthüre des Hauses in St. Gundolph fortgeschlichen hatte. Je länger er über die Angelegenheit nachdachte, desto unabweislicher erschien ihm der Schluß, daß Alfred Dawson der Schuldige war, und er fügte sich der grauenvollen Nothwendigkeit. die Rotte des Rächers in diesem schauerlichen Drama zu übernehmen. Aber dem Kassierer in einem großen Vankhause bleibt wenig Zeit. tun solche Rolle durchzuführen, und Leonor Austin sah ein, daß er aus verschiedenen Gründen auf seine zukunftsreiche Stelle verzichten müsse, wenn er der Aufgabe genügen wolle, der gerecht zu werden ihm wie eine heilige Pflicht erschien. So lange er ein Amt in dem Dawson'schen Geschäft bekleidete und Gehalt von ihm bezog, durfte er nichts gegen den Chef dieses Hauses unternehmen, durfte er seine freie Zeit nicht darauf verwenden, dem furchtbaren Geheimniß de? Bankiers nachzuspüren und es an's Licht zu ziehen. So geschah es, daß am Ende jene? Woche, in der Dawson zum erstenMale seit seiner Heimkehr in den Bureaux der Bank erschien, Leonor Austin seine , schriftliche Kündigung einreichte. Wenn ein Blitzstrahl vor Balder niedergefahren wäre, würde er kaum mehr erstaunt gewesen sein als über diese ehrerbietige Kündigung. Es gab viele Gründe, die Leonor bestimmen sollten, in dem Bankhause zu bleiben. Sein Vater hatte ihm dreißig Jahre gedient und war in diesem Dienste gestorben. Die Brüder Dawson hatten ihn immer sehr gern gehabt und Leonor schon als Knabe in ihrem Geschäft angestellt und ihm ein ehrendes Vertrauen geschenkt; auch hatte er die Aussicht, früher oder später TheilHaber des Bankhauses zu werden und damit auf den Weg zu großem Reichthum zu gelangen. Mit dem offenen Brief in der Hand saß Balder vor seinem Schreibtisch und starrte auf die Zeilen, als. könne er sie nicht verstehen. Ist das Ihr Ernst, lieber Austin?" sagte er endlich. Ja, Herr Balder. Umstände, an denen ich nichts zu ändern vermag, betimmen mich, &it um meine Entlasung zu bitten. Haben Sie mit einem unserer Beamten Streit gehabt? Ist irgend Etwas geschehen, was Ihnen Ihre Stellung verleidet?" D nein, ich war immer sehr zusrieden." Und dennoch wollen Sie uns verlassen? Ah. ich verstehe. Man hat Jhnen eine vorteilhaftere Stellung angeboten?" Rein, Hm Balder, weder hat man mir eine solche angebot' i, noch habe ich mich um eine beworben. Es wird mir sehr schwer, meine Stelle und die damit verbundenen Aussichten aufzugeben. Meine Gründe zu nennen, ist mir jetzt noch nicht vergönnt; wenn aber t

der Tag kommt, wo eZ mir gestattet sein wird, mich Ihnen zu erklären, werden Sie mir gewiß die Hand reichen und sagen: .Sie thaten nur Ihn Pflicht. Austin.'" Sie sind ein vortrefflicher Mensch. Austin. Sie haben sich aber eine xomantische Grille in den Kopf gesetzt, sonst wäre es Ihnen sicher mcht eingefallen, uns zu kündigen. Wollen Sie heirathen, und ist das der Grund, weswegen Sie uns verlassen wollen? Hat sich etwa eine reiche Erbin in Sie verliebt?" Nein, Herr Balder. ich bin zwai

verlobt und will heirathen, aber meine Braut ist arm, und ich werde es wohl immer nöthig haben, tüchtig zu arbeiten." Ueberlegen Sie sich die Sache noch einmal, mein Freund, und sagen Sik mir morgen Bescheid." Leonor Austin blieb bei seinem Entschluß. Ursula theilte er mit, was el gethan hatte, doch ohne die Größe des ihr gebrachten Opfers ahnen zu lassen. Sie war die einzige Person, welche dik wirkliche Veranlassung zu seiner Handlungsweise kannte, denn seiner Mutter hatte er kaum mehr gesagt als Balder. In späterer Zeit werde ich im Stande sein. Dir zu erklären, was mich bestimmte, das Bankhaus zu verlassen, liebe Mutter." sagte er; jetzt kann ich Dich nur bitten, mir zu 'vertrauen, daß ich so handeln mußte, wie ich handelte." Ja, ich bin davon llbcrzeugt, mein Sohn," erwiderte die Wittwe einfach; wann hättest Du j: etwas gethan, was nicht gut und klug war?" Ihr einziger Sohn war der Abgott dieser Frau, und in Allem, was er beginnen mochte, war er ihres Beifalls sicher. Unsere Einnahmen werden wohl geringer sein", bemerkte sie, doch das hat nicht viel zu bedeuten, denn Dein Vater ließ mich in so guten Verhältnissen zurück, daß ich recht bequem sin meinen einzigen Sohn mit Haus halten kann." Ja, Mutter. Die Angelegenheit, die mich in Anspruch nimmt, ist sehr verwickelt, für die ich den Rath eines Rechtsgelehrten bedarf; ich will mich deswegen an meinen alten Schulkameraden Arthur Lowell wenden, und wenn Tu mich mit Ursula, der eine Luftveränderung sehr gut thäte, begleiten wolltest, könnten wir einige recht angenehme Tage in Shornkliff verleben." Der Januar ist nicht die beste Zeit für einen Ausflug auf das Land, lieder Sohn," bemerkte die Mutter, doch will ich Dir Deinen Wunsch gern gewähren. Ursula wird sicher nichts dagegen haben, sich uns anzuschließen." Der Ausflug sollte in den nächsten Tagen unternommen werden. Von Shornkliff aus wird es uns schon möglich sein, eine Unterredung mit Dawson zu erlangen," sagte Leonor zu Ursula. Er ist ein Gefangener in Mangoldshöh, sein Unfall von neulich fesselt ihn an's Zimmer, obwohl ei nicht so krank ist, um nicht Besuche em pfangen zu können. Wenn Du noch immer auf Deinem Wunsch beharrst, ihn zu sehen und zu sprechen, wird sich jetzt am ehesten die Gelegenheit dazu sin den." Ja. ich habe noch immer das lebhafte Verlangen, dem Manne von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten, in dem ich den Mörder meines Vaters vermuthe." Gut. so sollst Du Alfred Dawson sehen. Arthur Lowell, mein alter Schulfreund, wird mir dazu behilflich sein." Der Londoner Zug traf zeitig am Nachmittag in Shornkliff ein, und Leonor führte Mutter und Braut nach dem sehr behaglichen Wirthshaus zum Rcnnthier. Der Wirth wies ihm das beste Zim mer im Hause an. . Macht es Euch hier so gemüthlich wie möglich, meine Lieben," bat Leonor die beiden Damen. Ich gehe jetzt, meinen Freund Arthur Lowell aufzusuchen, werde aber in spätestens einer Stunde wieder zurück fein." Seit drei Jahren war Leonor nicht in Shornkliff gewesen, aber er wußte hier vortrefflich Bescheid. Er fand Ar thur Lowell zu Haus und wurde von ihm freudig begrüßt uild in sein Zim mer geführt. Hier saßen sie wohl eine Stunde lang zusammen und unterhiel ten sich über die Umstände des Mordes in Winchester und das seltsame Benehmen Alfred Dawsons seit jenem Ereigniß. Leonor entging es nicht, daß auch Arthur Lowell den Bankier im Ver dacht hatte, an dem Morde nicht unbetheiligt zu sein. Ich kann den Gedanken nicht ertra gen." sagte der junge Anwalt, der nicht recht mit der Sprache herauswollte, daß der Vater der Baronin Wolkenstein, meiner Jugendgefährtin, dieses Verbrechens schuldig sein soll. Es wäre ein furchtbarer Schlag für sie. wenn er dafür zur Verantwortung gezogen wer den müßte." Ja, es würde für die Baronin zwe' fellos entsetzlich sein." erwiderteLeonor, aber Gesetz und Recht können keine Rücksicht darauf nehmen. Ich glaube, die Stellung und der Reichthum Dawsons haben ihm von Anfang an als Schild gedient. Die Leute hielten es für unmöglich, daß der Millionär sich eines solchen Verbrechens schuldig machen könne." Arthur Lowell erzählte Leonor. daß der Bankier sein Zimmer noch immer nicht verlassen dürfe. Die Teilung des Beinbruches mache nur langsame Fortschritte. (Fortsetzung folgt.) Ein Schlaucher l. Na, wie gefällt Dir Deine Puppe, Lieschen?" Sehr hübsch, Mama, aber ich möchte doch lieber Zwilliige!-

Jür die Küche.

Heringskartoffeln. Die Kartoffeln werden hierzu in der Schale mit Salz gar gekocht, abgezogen und in Scheiben geschnitten, jedoch so heiß als möglich gehalten. Inzwischen läßt man in einen pan?nden Schnioriorj einige fein geschnittene Zwiebeln mit nicht so wenig Butter und etwas Mehl gelb schwitzen, verkocht dieses mit Bouillon zu einer sämigen Sauce, fügt ein Lorbeerblatt, einige Gewurzkörner und Pfeffer hinzu, läßt die Sauce noch einige Minuten kochen, schüttet dann die Kartoffelscheiben hinein und. nach dem dieselben gut durchzogen sind, erst die Heringstückchen, schwenkt die Speise nun ordentlich durch, giebt noch ein Stückchen frische Butter dazu. schmeckt ab, ob genügend salzig (nach Belieben kann man auch etwas Essig hinzufügen) und stellt die Heringskartoffeln bei Seite, wo sie noch ewige Zeit gut durchziehen, nicht kochen. Buntes Gemüse. Man nimmt junge Aioylravi, einen mittelgroßen Kopf Blumenkohl, junge Earotten, Cchotenkörner. Spargel und Morcheln. -Die Gemüse werden geputzt, der Spargel m Stucke geschnitten, der Blumenkohl zertheilt, die kleinen Carottenje doch ganz gelassen und die Kohlrabi in Scheiben geschnitten. Alle Gemüse, die Blätter des Kohlrabi mit eingeschlos sen. werden jedes für sich in leichtem Salzwasser halb gar gckoch!. Die gut gesäuberten Morcheln werden gebrüht, mit kaltem Wasser aufgesetzt, gut abge kocht und das Wasser abgegossen. Es wird reichlich Butter erhitzt, ein Eßlös sei gehackte grüne Petersilie, die Gemüse, die Kohlrabiblätter fein ge wiegt, sowie auch die Morcheln hineingethan. Man fügt etwas Muskatnuß, nach Geschmack, ein wenig Zucker und Salz bei, stäubt es mit Mehl an und löst etwas Flcischextract in kochendem Wasser auf, schüttet dieses über das Gemüse, das man so leicht sämig kochen läßt. HechtmitMakkaroni. Sechs Pfund Lecht. 1 Pfund Makkaroni. Der Hecht wird gereinigt und geschuppt, in Stücke geschnitten und, wie gewöhnlich, in Salzwasser nebst Gewürz abgekocht. Wenn er erkaltet ist, entgrätet man ihn und schneidet ihn in kleinere Stücke. Währenddem hat man die Makkaroni ebenfalls in Salzwasser weich gekocht, abgegossen und abtropfen gelauen. 1 Pfund Butter wird nun zerlassen. 4 große geriebene Zwiebeln hinzugefügt, nebst vier gehäuften Eßlöffeln voll Mehl. Ist das Mehl gar. so rührt man unter beständigem Rühren 1 Quart süße Sahne dazu und läßt sie ordeut-. lich mit aufkochen, giebt die Fischstücke' und die Makkaroni hinein, läßt alles leicht durchschmoren und thut ganz zuletzt 1 Pfund geriebenen Parmesankäse dazu. Die Makkaroni sind in fingerlange Stücke zu brechen, um den Rand auf der Schüssel zu arrangiren und mit kleinen gebackenen Halbmonden aus Blätterteig zu garniren. Rhabarberkuchen. Man rührt einen Mehlteig, giebt hierzu drei Fünftel Pfund Gitter, ein Pint Milch, ein Achtel Pfund Zucker und etwas Hefe, welche in warmer Milch aufgelöst wurde. Salz und etwas feinen Zimmt. Der nicht zu steife Teig wird so lange durchgearbeitet, bis er Blasen schlägt; dann läßt man ihn an einem warmen Ort etwa 1 Stunde aufgehen. Darauf wird der Teig dünn mit einemRollholz ausgerollt und auf ein mit Butter bestrichenes Kuchenblech gelegt. Jetzt wird mit Zeigefinger und Daumen einNand eingedrückt, dann läßt man den Teig abermals aufgehen, füllt ihn mit einer Schicht Rhabarbercompot, bestreut den Kuchen mit gehackten Mandeln und gestoßenem Zucker und backt den Rhabarberkuchen in mäßigerOfenhitze langsam gar.' Schmorfleisch. Bon einem Rinderschwanzstück wird der obere Fleischmuskel ausgelöst, hierauf klopft man ihn mit dem 5)olzschlägel breit, häutet, spickt ihn und giebt in eine mit Speckscheiben ausgelegte Kasserolle. Mit Salz bestreut, bedeckt man das Fleisch zunächst mit Speck, dann mit einem gebutterten Papier, und füllt NUN eine Flasche Weißwein nebst der aleichen Menge Brübe auf. Ist dies geschchen, so wird der Tops mittelst eines mit Mehlkleister bestrichenen Papierstreifens fest verklebt, und muß das Fleisch auf aelinder Kohlenzluth langsam drei bis vier Stunden schmoren. Nach Verlauf dieser Zeit wird die Kasserolle geöffnet, das Fleisch herausgenommen, in gleichmäßige Scheiben geschnitten, angerichtet und mit der durch einige Löffel brauner Eoulis seimig gemachten Sauce Übergossen. Kalbsbraten auf Wildart mit geschnittenem Sal a t. Man lasse Kalbsrücken wie einen Nehziemer zuschneiden und lege ihn über Nacht in süße Milch. Dann wird er mit Speck schön gespickt, mit Pfeffer und Salz bestreut und in reichlicher Butter anderthalb bis zwei Stunden lang unter fleißigem Begießen in der Röhre gebraten; hierauf, ctwa 20 Mlnuten vor dem Anrichten, auf allenSciten mit dickem sauren Rahm bestrichen und wieder in die Röhre gestellt. Die Bratenjus verkocht man, gut abgefettet, mit einem Theelöffel Fleischextrakt, ein wenig Kartoffelmehl und etwas saurem Rahm zu einer dicken Sauce und servirt sie, n:bst dem Salat, zu dem Braten. Gebackene Kalbsleber. Die Kalbsleber wird abgehäutet, in halb fingerdicke Schnitten geschnitten und auf einer Seite geklopft. Nun pfeffert man die Stückchen auf beiden Seiten, kehrt sie in Mehl um und bäckt sie bei starkem Feuer auf beiden Seiten. Es ist besonders' zu beobachten, daß die Leber innen nicht mehr blutig, aber noch saftig und weich ist. Erst vor dem Anrichten bestreut man beide Seiten mit feingestoßemm Salz. ..a..

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