Indiana Tribüne, Volume 22, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1899 — Page 7
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Seroismus.
Von 5L Rene. - ki Ohne ein Wort zu sprechen, hatte der berühmte Componist G. einen heftigen Ausfall gegen die dramatischen KunstIei bis zur letzten Silbe mit angehört, und scheinbar in tiefe Gedanken derfunken, sog er den scharfen Duft einer weisen Nelke ein, die Frau von Altendach, als sie nach dem Diner von dem Speisezimmer in den Salon gegangen war, aus ihrem Mieder hatte fallen lassen. Als man ihn fragte, versetzte der Componist mit seiner gewöhnlichen Heftigkeit: Jch liebe sie nicht und derabscheue sie auch nicht. Wohl hundertmal glaubte ich bei den Proben, sie würden mich verrückt machen, sie würden mir die Kunst auf immer durch ihre elenden Kabalen, ihre Rücksichtslosigkeiten, ihre Eitelkeit verekeln. Doch neben diesem landläufigen Komödianienthum findet man gerade beim Theater eine Seelengröße, einen Heroismus, eine Kunstauffassung, wie man sie in anderen Kreisen nicht findet. Namentlich unter den Frauen! Wie ost haben sie durch ihre zarte Empfindung, durch ihre leidenschaftliche Begeisterung, durch die absolute Hingebung ihres Wesens zu der Persönlichkeit, die sie schaffen sollen, zu der Chimäre, die sie durchleben mußten, die schwierige Partie zum Siege geführt, die ein Künstler ihnen anvertraute. Wie oft haben sie Ermüdungen, Abspannungen, Widerwillen, ja. selbst die Leiden des wirklichen Lebens vergessen, um für einen Abend strahlend und triumphirend zu erscheinen. Auf wie viele paßt die Grabschrift, die man der Malibran setzte: Die Kunst war Deine ganze Liebe und nahm Dein , ganzes Leben ein!" Weil einzelne sich mit erborgter Künstlerschaft drapiren, weil sie mit ihrer betäubenden Reclame jeden feinfühligenMenschen verletzen und nur daran denken. Geld zusammen zu scharren, weil es Theater giebt, die den Namen Kunstinstitut nicht verdienen, weil ein großer Theil der Schauspieler dumm und eingebildet ist, ist das ein Grund, unerbittlich zu sein und alle zu dem großen Haufen zu zählen?" Der Componist schwieg und fuhr dann mit etwas langsamerer Stimme fort: Eine besonders, die ich sowohl wegen ihrer schlanken, eleganten Gestalt, wie auch wegen ihrer vollendetenKünstlerschaft und der fast kindlichen Güte ihres Herzens verehrt habe, hat mich die Bedeutung des Heroismus gelehrt. Ich nenne sie nicht. Sie lebt noch, aber sie ist . nicht mehr active Künstlerin. Wir waren uns damals so ziemlich unbekannt. Ich war noch in meinen Anfängen und sie kam ausSüddeutschland mit einem Manne und einem Kinde von einem obscuren Provinztheater. Ter Mann war ein elender Charakter, der nicht arbeiten wollte und sich von seiner Frau ernähren ließ. Kein Wunder, daß das Elend in der Familie herrschte. Die SchimpfWorte und Schläge waren an der Tagesordnung. weil sie ihm nicht genug Geld geben konnte. Ich lernte diese Künstlerin kennen, die die Erscheinung einer tragischen Königin besaß und geschaffen schien, im die Herrlichsien Schöpfungen zu erkörpern. Mit wunderbarem Vertrauen, das .inen Augenblick zurückweicht und das nmal gegebene Wort auch. hält, hatte die Rolle der Eva" in meinem Oratorium Das verlorene Paradies" übernommen, in der ich versucht habe, die Schöpfungsgeschichte und das Leben der ersten Menschen musikalisch zu illustriren. ' . - Zusammen hatten wir uns an die Arbeit gemacht, und sie lebte sich nach und nach in die Gestalt der Eva" ein, in der so mannigfaltige Gefühle und Empfindungen zum Ausdruck gebracht werden mußten. Sie errieth die verschiedenartigen Nuancen ihres Charakters und übertrug auch auf die Andern ihre mächtige Energie. . Das Werk war vollständig studirt, es sollte zu Ende der Woche zur Aufführung gelangen, als das Kind der Sängerin von einer jener geheimnißvollen Krankheiten ergriffen wurde, gegen die die Aerzte machtlos sind. Es hustete, ward blaß und welkte dahin wie eine des Lichtes beraubte Blume. Das Kind, das bisher die Ruhe und die Sanftmuth selbst gewesen, wurde anspruchsvoll und heftig; es jammerte, sobald seine Mutter ihm nicht mehr die Hand auf den Kopf legte oder ihm einige Lieder vorsang, um es zu beruhigen. So schrecklich war der Schmerz diefer Mutter die wie eine Gefangene, die auf ihr Urtheil wartet, an das Bett des Kleinen gebannt war, daß sie nicht mehr an den Zusammenbruch unserer Hoffnungen und an das Werk dachte, dessen Erfolg vielleicht am Vorabend eines Sieges beeinträchtigt wurde. Doch als wenn sie in meinem Herzen gelesen, als wenn sie mit tiefer Dankbarkeit das Mitleid errathen hatte, das sie mir einflößte, wiederholte sie nir alle Tage: Seien Sie unbesorgt, seien Sie unbesorgt, es wird besser werden und ich werde singen." 1 Äm Abend der ersten Aufführung war sie auf ihrem Posten, doch sie sah in ihrem schwarzen Sammetkleide so blaß aus. daß man sie kaum erkannte. Ihr ganzes Leben lag in ihren starren Augen, und man sah. daß sie ihre blassen Lippen stark roth, geschminkt hatte. Geht es dem Kleinen besser?" fragte ich, ihre kalten Hände drückend. Sie. zeigte nicht das geringste Zittern und murmelte mit erstickter Stimme, die irgend ein geheimer Wille beherrschte: , .
BB Ja, ja. ich danke Ihnen, viel besser, viel besser." Und nun sang sie wunderbar, mit einem Schrei der Leidenschaft, die allen wie ein Messerstich ins Herz dräng. Man fühlte etwas Überirdisches. Verwirrende. Betäubendes in den Tönen, die die Klänge der Geigen und die Schärfe der Blechinstrumente vollständig übertönten. Das Publikum saß athemlos und bewegt da, und schließlich rief man sie sechsmal unter frenetischem Be'.fall heraus. Ich erwartete sie an der Thür ihrer Garderobe, ich war tiefer erschüttert, alsich es sagen könnte, und hatte Lust, sie zu umarmen und ihr all' das auszudrücken, was ich empfand. Sie sagte mir in einem Tone, der mir in seiner scheinbaren und falschen Freude wehe that: Nun, sind Sie zufrieden Ich bin niemals so glücklich gewesen", erwiderte ich, und werde nie vergessen, daß ich das Ihnen zu verdanken habe." Dann fügte ich, ihr ihren Pelzmantel reichend, hinzu: Mein Wagen erwartet uns, beeilen wir uns, damit Sie schnell wieder zu Ihrem Kinde kommen. Dem armen Kleinen muß die Zeit ohne seine Mama recht lang geworden sein." Als ich diese Worte gesprochen, sagte sie. und lebte ich hundert Jahre, so würde ich doch den düstern, eisigen Grabeston ihrer Stimme nie vergessen: Das ist nicht nöthig; mein Sohn ist heute Nacht gestorben. Doch ich hatte Ihnen versprochen, zu singen und habe mein Versprechen gehalten." . Nach diesen Worten sank sie ohnmächtig in meinen Armen zusammen." 'Der berühmte Componist hatte in seiner Erzählung in, 'gehalten, und unwillkürlich wischte er mit der .Hand zwei große Thränen fort, die unter seinen Wimpern perlten. Tann fügte er hinzu: Dieses Erlebniß hat mich besser als alle Geschichten von großen Helden gelehrt, was eigentlich der Heroismus ist. . . Und darum, meine Herren, vertheidige ich die Bühnenkünstler, wenn man sie alle zu dem großen Haufen wirft und keine Unterschiede zu machen weiß."
Ein Sieg der Bildung. Frau Schulze, eine geborene Adel!ge, arbeitete unermüdlich daran, ihrem Ehegatten, der etwas wenig auf Formen gab, einen guten gesellschaftlichen Ton beizubringen. Nach Jahren fortgesetzten energischen Anspornens gelang es ihr denn auch, Herrn Schulze's Bildung so weit zu verfeinern, daß er wenigstens in ihrer Gegenwart einen tadellosen Schliff zeigte. Anläßlich der Abschiedsfeier eines alten Stammtischfreundes war ihm heute von seiner strengen Gebieterin der Hausschlüssel bewilligt worden. Sie mußte aber mit Entrüstung wahrnhmen, daß er diese Erlaubniß sehr mißbrauchte. Es wurde spät und später er kam nicht. Endlich hörte sie zu ihrem Schrecken ein lebhaftes Getrappel und Gepolter die Treppe herauf in die Wohnung herein bis in das Nebenzimmer. Dann wurde Alles still. In große? Unruhe warf Frau ,Schulze den Schlafrock über und öffnete die Thüre. Da sah sie drei sanft schlummernde Gestalten auf dem Divan sitzen und erkannte in der mittleren ihren Mann. Heinrich!'' rief sie empört. Kaum hatte Herr Schulze ihre Stimme vernommen, erhob er sich mühsam und sagte etwas schwankend zwar, aber mit tadelloser Handbewegung: Die Herrschaften gestatten, daß ich Sie einander vorstelle: Nachtwächter No. 3. Nachtwächter No. 17 meine liebe Frau!" Soldaten auf der Bühne. Ein ergötzlicher Zwischenfall ereignete sich im Warschauer Operntheater während der Vorstellung der Oper Carmen". Die spanischen Soldaten wurden von russischen Soldaten dargestellt, die dazu die Erlaubniß ihrer Vorgesetzten selbstverständlich erhalten hatten. Im zweiten Akt. als sie auf das Commando des Don Jose auf die Scene und unter Anführung eines Unteroffiziers vor. die Rampe traten, geriethen sie in große Verwirrung. In der ersten Reihe des Parterres saß ihr Commandeur, der bekannte General P ski. Dem Unteroffizier war es unbekannt geblieben, daß er und die Soldaten von der Scene herab die Borgesetzten nicht zu grüßen hatten, und die Folge davon war, daß die Söhne des Mars nicht wußten, was sie thun sollten. Aber der Unteroffizier gewann seine Fassung bald wieder und donnerte mit erregter Stimme: ssmirno o" (stillgestanden!). Und die spanischen Soldaten blieben wie angedonnert vor dem russischen General stehen. Anfangs hatte das Publikum auf den Hergang gar nicht geachtet. Kaum hatte der General bemerkt, daß die Handlung auf der Scene nicht weiter gehe, da die Soldaten sich nicht von derStelle rührten, so machte er eine Bewegung, daß sie in der Handlung fortfahren sollten. Das blieb ohne Folgen und deshalb fügte er halblaut hinzu: Cliarasclio .clianisclio, relriata!" (Gut, gut. Kinder!) und die Soldaten besannen sich nicht lange und ihre Antwort hallte durch das ganze Theater: Rady taratsza, wasche prewo sehoditelstwo" (wir sind froh, uns bemühen zu dürfen. Ew. Ezcellenz). Noch keine Lustspielscene hat jemals im Theater solch ein homerisches Gelächter entfesselt, als die Antwort der wackeren Marssöhne. Dann erst nahm die Oper ihren Fortgang. '
Grasel's SSzah. Eon Julius Löwy Ihr Bater war der Schinder den
Autcndorf und die Burschen im Torfe hielten sich von ihr fern. Das ärgerte die Anna aar sehr und oft. weinte sie bittere Thränen, wenn sie allein war im stillen Kämmerlein und aus dem nahen Wirthshause die Juche-' zer der Burschen zu ihr drangen, wenn die Schatten der tanzenden Paare an ihr vorüberflogen und so einschmeichelnd süß, so verlockend Fidel, Flöte und Baßgeige zu ihr herübertönten. Da riß sie wohl den Spiegel von der Wand und ihr thränenseuchter Blick fiel auf da Glas, das ihre Züge wie bergab: Was ist denn 'an mir auszusetzen? Daß ich brav bin, weiß ich, daß ich nicht die häßlichste von den Mädeln bin. die bis nach Trosendorf und selbst bis nach Horn am ganzen Boden wachsen, sagt mir der Spiegel, also warum mag gerade mich Niemand? Warum führt mich kein Bursche zum Tanze? Warum kommt in lauschiger Abend stunde Niemand zu unscrcm'Hause, um dei mir zu fensterln? " Die arme Anna rang verzweifelt die Hände, warf sich dann auf das Bett und hielt die Endendes Polsters fest an die Ohren, damit ja kein Laut, kein Ton vom Torswirthshause zu ihr dringe. Ta klopfte es an ihr Fenster. Anna horchte auf! Sollte dieses Geräusch zu fällig entstanden sein? Zum zweiten Male klopfte es und Anna sprang em por. Ein seliges Schauern ging durch ihr Gemüth! Bielleicht hast Tu doch irgendwo Anwerth gefunden?" Sie schritt zum Fenster. Pst! Pst! Anna! Bist allein?Ja!" Anna beugte sich hinaus, liinc Wolke zog gerade an dem Mond vorüber und es war stockfinstere Nacht; so sehr sie auch ihr Auge anstrengte, sie sah keinen Menschen. Da knackte und raschelte es unter dem Fenster, es trat Jemand auf dürres !iaub und morsches Holz, die Wolke schob sich langsam weg und die Mondscheibe ergoß ihr mildes Licht auf die Gestalt eines Mannes, der zu ihr aufblickte. Anna! Zum vierten Male steh' ich da und paß und paß und hab' Tich net derwischen können. Ich bitt' Dich, komm' herunter." Ich bin ein ehrsames Mädchen und kann nicht in pcchschwarzer Nacht zu einem fremden Menschen gehen!" Ich bin ja nicht fremd. Du wirst mich schon kennen! Kennst Tu den Amtmann von Horn! Den Herrn von Thielmann? Ja!" Ich bin sein Sohn und hab Tir etwas Wichtiges zu sagen!" TieAnna warf rasch ein Tuch um und stand im nächsten Momente vor dem jungen, vornehm bäuerlich gekleideten Manne. Nettl! Ich dank' Tir, daß Du herun. ter gekommen bist. Ich muß Dir nämlich sagen, daß ich Tich gern' hab', und dazu so gern, daß ich sofort hin--über renn' in's nächste Ort und in den Teich spring', wenn Tu mich nicht magst!" Na, lr is aber ordentlich zutraulich und red't glei' per Tu mit aner Tirn, die Er sei' Lebtag net g'seg'n hat!" Verzuh's! Aber ich kann nicht anders! Weißt, ich komm' taljer in dem G'wand g'schlich'n, weil Niemand weiß, daß ich da bin, und es darf's auch Niemand wissen. Mein Vater will's, daß ich die Zenzi vom Schwabenbauer in Rosenburg heirothen soll, und wenn nicht, muß ich gastlich werden! Aber ich kann die Zenzi nicht hcirathen, ich kann nicht geistlich werden, weil ich Tich zu gern, viel zu gern habe!" Das Herz der vuxn yupsle vor Freude. Ta sie sich umwendete und ihr Blick auf die hellerlcuchtcten Fenster des Wirthshauses fiel, aus dem der frohe Lärm der Tänzer, Sänger, Trinker und Musikanten drang, flog ein höhnischer, spöttischer Zug um ihre Lippen, als wollte sie sagen: Na, so hat die Schinderstochter doch ihren Anwerth gefunden und kein Mädchen kann sich rühmen, einen solchen vornehmen Geliebten zu besitzen, w die Nettl von Autendorf." Tarf ich morgen kommen?" Ja, Herr von Thielmann!" Sag. nicht Herr von" zu mir; nenn' mich Georg, Ja?" Wie Er will, lieber Georg!" Und der Georg kam oft, sehr oft, und immer kam er in einer anderen Verkleidung. Er erzählte, wie er von den Verwandten verfolgt werde, weil r. die Zenzi vom Schwabenbauern nicht hcirathen wolle, und eines Tage?, da der Vater fort war, um aus den benachbarten Dörfern die gefallenen Thiere zu holen, bat er die Nettl, ihn im Hause zu beherbergen, denn sein Vater sei im Stande, ihn von dem Feldjäger abholen zu lassen und ihn unter das Militär zu stecken. So oft her stfnr nti nrnrnn frislr batte er fft V . k? W msW9W9V9 V ZL I ncr Geliebten irgend ein schönes Präsent mitgebracht; bald einen Ring, dann wieder ein seidenes Tuch, dann wieder eine Broche und zuletzt übergab er ihr ein kostbares Perlenhalsband mit kostbarer Schließe, in deren Mitte ein mächtiger Brillant funkelte. Zeig's Niemandem! Die Perlenschnur ist ein Erbstück von meiner Mutter, der ersten Frau meines VaterS; wenn man sie bei Dir sehen würde, wäre ich verrathen und kein Mensch darf es wissen, wo ich bin, sonst muß ich doch die Zenzi heira then, wenn ich nicht zum Militär kommen will. Du weißt es, daß der Grasel, der große Hansjörgl", mit seinen Gesellen in der Gegend baust, und da sind die Wälder von Schönaraben, Ernstbrunn. Mugl bis hinein nach Göllersdorf von den Teutfchmeistern defekt und auch Eavallerie ist da. Mein ater yar icyon irrn dem Nmmemer Baron Aichelburg gesprochen, und ich hörte es, wie der Baron sagte: Schicken Sie ihn nur zu mir. Ta werde ich dem Burschen den opf zurechtsetzen! Und wie ich das gehört habe, bin ich fort." Kein Mensch im Dorfe ahnte, daß die Anna einen Menschen bei sich verborgen balte. . . . .
Ter Bater blieb lange aus und dem
Mädchen wurde es schon angst und bange. Weißt Du, Georg, ich fürcht' mich, dein der Vater dem Grascl m die Hände gefallen ist." Georg lachte, und zwar so laut, daß es der Anna auffiel. ,,No, was gibt's denn da zn lachen?" fragte die Anna. Und Georg lachte noch einige Secunden fort, dann leuchte er: Fürcht' Tich nicht, Nctt'l! So lange ich bei Tir bin, thut Euch der Graiel Nichts zu Leide!" Ja. Gccrg. Tu bist ja stark und wirst uns hclscn!" Tcs a-ndcren Taacs verließ der Geliebte das Haus. Man hatte den Vater Annas, den Wasenmeister Harbcr ger, im Nachbarorte gesehen, er befand ssch aus der Ruckrclse. Also war des Bleibens des Amtsmannssohnes nicht länger hier. Sei stumm und verschwiegen! Ich muß jet trachten, daß ich so bald wie möglich nach Wien komme und mir dort ein Plätzchen suche. Tann hol' ich Tich und Du wirst mein Weib." Die Anna begleitete den Georg im Abcnddunkel bis' zum Marterl" an der Troscndorfcr Straße und ging zurück, dem Geliebten, der rüstig vorwärts schritt, noch lange, lange nachschauend. Von Georg hörte sie lange Zeit Nichts, Sie dachte viel an ihn und eines Tages, da sie die Schublade öffnete, blickte ihr der Brillant an der Perlenschnur entgegen. Es war Sonntags. Sie legte die Schnur um den Hals und stellte sich vor den Spiegel. Wie schön kleidete sie dieser Schmuck. Warum sollte sie sich nicht putzen, wenn alle anderen Mädchen reich geschmückt zur Kirche ziehen? Sie legte das Seidentuch um die Schultern, steckte den Ring an den Finger und ging in die Kirche. Ter rothe Meier", der Kaffcesieder vom Jesuiterhof in Wien der heutigen Treihufcisengasse neben dem Gasthause zum Waisen"), hatte es sich in den Kopf gesetzt, daß er sich die 500 Gulden, die auf den Kopf des Räubers Grasel gesetzt wurden, verdienen werde. Während die Commissäre Bieringer, Muth uno Tumbache: mit einer Assistenz von siebzig Mann Deutschmeistern und einer Abtheilung Cavallerie unter Commando des Barons Aichelburg sich vergeblich abmühten, des kühnen Räubers habhaft zu werden, verließ der rothe Meier" in Gesellschaft einer älteren Frau P. (in den Acten wird sie nur mit diesem Buchstaben bezeichnet) Wien und durchstreifte als Hausircr oder Harfenist die Gegenden, in denen Grasel hauste. Eines Tages kam der Wiener Kaffeefieder athemlos zum Eriminalgcrichtsverwalter von Trosen dorf Franz Schöpf und hatte mit ihm eine längere Unterredung. Noch am selben Tage fuhren Beide nach Autendorf und brachten die Anna Harberger gefesselt in das Drosendorfer Gefängniß. In dem Torfe war Alles auf, die Leute zischelten und wispclten, daß die Anna die Geliebte des Räubers Grasel gewesen sei und daß sie von ihm den kostbaren Schmuck erhalten, den sie letz ten Sonntag in der Kirche stolz zur Schau getragen habe. Nur die Anna wußte nichts hievon. Sie gab wohl in den Verhören zu, daß ein Mann bei ihr gewesen, daß sie wisse, wer er sei, aber sie könne ihn nicht verrathen, ohne namenloses Unheil über den Menschen heraufzubeschwören. Nun, dann werde ich's Ihnen sagen, wer der Mann war, der Ihnen die Perlenschnur, den Ring, da Tuch geschenkt hat, es war Johann Georg Grasel, der Deserteur und Räuberhauptmann. Alle die Gegenstände, die in Ihrem Besitze gefunden wurden, sind Eigenthum der Schwabenbäuerin und ihrer Tochter Erescentia und wurden vergangenen Monate von Grasel und seiner Bände geraubt!" Anna brach zusammen. Es dämmerte in ihr, daß der Geliebte sie betrogen habe, daß er sie nur dazu benützt, um im Nothfalle ein sicheres Versteck zu finden, aber noch konnte sie eö nicht glauben, noch sträubte sich ein braves Herz gegen die Annahme, daß der Mann, dem sie sich voll und ganz hin gegeben, der von allen Lippen verfluchte Räuberhauptmann sei, und sie schleppte sich in die Zelle, in welche man indeß eine ältere Frau gesteckt hatte. Die Anna brauchte ein Herz, dem sie das ihre vertrauensvoll mittheilen konnte, und die Zellengenossin, die sich ihr mit mütterlicher Zärtlichkeit näherte, schien ihr dil richtige Person, Ihr gestand sie AlleS, ihr sagte sie es auch, daß der Amtmannssohn von Trosen dorf ihr auch unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit erklärt habe, daß in der Torfschänke von Mugl Briefe yder Meldungen für ihn zu hinterlegen sind. Tes anderen Tages wurde die Zellengenossin zum Verhöre gebracht. Es war Frau P., die Freundin und Ver traute des rothen Meier". Ein geschlossener Wagen führte in rauher Rovcmbernacht die Anna nach Mugl. Vor dem Orte mußte sie das Gefährte verlassen und zu Fuß, von Meier begleitet, durch den fußhohen cynee naaz oem orswirrysyauje, wo man bei Morgenanbruch ankam. .,Jch bin die Nett'l von Autendorf und das ist meine Teilte! War der Amtmannösohn da?" Ob er dawar? Er ist da! Er hat bis zum Morgen gekartet und schläft jetzt mit seinen Freunden auf dem Heu bodcn!" Ich werde warten!" Tie Anna wartete, die Tante lies jedoch durch die Straße, wo Militär stand, und eine Stunde danach war der berüchtigte Johann Georg Grasel, der Schrecken des Wiener Waldes, mit seinen Genossen Jacob Füding und Jgnaz Stange! in den Handen der Be hörde. Als man den Räuber gefesselt auf die -Straße brachte, da, kgnnte AnM st,
daß der Amtmannssohn von Drosen
dorf und der Grasel. die Geißel lhrer Gegend, eine und dieselbe Person seien. JeNt begriff sie sein Lächeln, als sie die Besorgniß ausgesprochen hatte, daß ihr Vater in die Hände des Räubers gefallen sei. Im Jahre 1816 wurde der Grasel vor dem Schottenthore im Beisein einer tausendköpfigen Menge hingerichtet, und als man im Jahre 1863 bet den Erdaushebungen auf dem Exercirplatze zwischen dem Franzens- und Burgthore ein Skelett fand, da waren die Wiener der festen Ueberzeugung, daß es die Gebeine des gerichteten Räubers seien, und man kaufte die einzelnen Knochen um hohe Preise. Die Anna vom Autendors wurde in Freiheit gesetzt. Sie hatte den Betheuerungen des Elenden geglaubt und ihre Ehre, ihren Namen, ihr Herz geopfert. Im halbzerfallenen Schindcrhäuschen ihres Heimathsortes starb die. , Braut Grasels", wie sie in der ganzen Gegend hieß, im Jahre 1875 im Alter von 83 Jahren. Der Dclcgitte zur Zriedcnskonsercnz. Humoreske von Tr.Max Hirschfcld (Berlins Am ersten April dieses Jahres erhielt der Gutsbesitzer Dollmann ein großes officielles, zum Theil gedrucktes Schreiben, das hinlänglich mit Stempeln und Siegeln überladen war, um seine amtliche Herkunft zu bescheinigen. Das Schreiben lautete wörtlich: Herrn Rittergutsbesitzer Dollmann auf Groß - Gerstendorf. Ew. Hochwohlgeboren gestatten wir uns hiermit feierlichst zu der im Mai d. I. im Haag stattfindenden Friedensconferenz als ständigen Beirath der RegierungsVertreter einzuladen. Das musterhast friedliche Familienleben, das Sie mit Ihrer Gattin führen, sowie Ihre vorzüglichen Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der Friedensbewegung lassen diese Einladung als gerechtfertigt erscheinen. Selbstverständlich werden wir Sie nach Beendigung der Conferenz zu den höchsten Auszeichnungen vorschlagen. Das Ministerium des Aeußeren." Anfangs war Dollmann nach Lektüre dieses Schreibens ganz bestürzt, er wußte nicht, was damit anzufangen sei. Wie kam er, der seit zehn Jahren keinen anderen Ehrgeiz kannte, als möglichst rationell seinen Kohl zu bauen, zu solcher Auszeichnmig? Er betrachtete das Document von allen Seiten, bis er schließlich laut auflachte. Denn neben der Unterschrift Ministerium des Aeußeren" hatte er die Umschrift des Stempels entziffert: Abtheilung für Witz und Ulk", und nun bemerkte er auch das Datum des ersten April. Also nur ein Scherz seiner Freunde vom landwirthschaftlichen Verein. Lächelnd las er das Schreiben noch einmal. Damit muß ich heute noch jemand narren," murmelte er. Natürlich fiel ihm zunächst seine Frau ein. Auf dem Wege zu ihr blieb er plötzlich stehen. Ein zieuer Gedanke durchzuckte ihn. Dollmann befand sich etwa im vierzigsten Lebensjahre, also in einem Alter, in welchem man von den Freuden der ausgelassenen Jugend Abschied nimmt. Still für sich hegte er fchon längere Zeit den Plan, diesen Abschied ganz gründlich zu feiern, und zwar in Gestalt einer Reise nach Paris, die ihm von einigen Bekannten, welche dort gewesen waren, als ein Eldorado aller Vergnügungen geschildert worden war. Wie, wenn es ihm gelänge, seine Frau mittelst dieses scherzhasten Documentes zu überzeugen, daß er als Delegirter der Friedensconferenz die Reise nach dem Haag unternehmen mußte? Er könnte dann statt nach dem Haag nach Paris reisen. Die mit seiner Frau zu führende Correspondenz machte ihm keine Sorge. Im Haag, das wußte er, etablirte sich während der Dauer der Friedensconferenz ein Ansichtskartenbureau, das seine Verbindungen mit allen Welttheilen hatte. Diesem Bureau wollte er einige Ansichtskarten zur Beförderung anvertrauen, von denen die erste so lauten sollte: Glücklich angekommen. Gruß und Kuß!", und alle folgenden: Deinen lieben Brief habe ich erhalten. Antwort mündlich. Taufend Grüße und Küsse!" Ein Versuch konnte ja nichts schaden, und so trat er denn in das Wohnzimmer, in welchem seine Gattin, mit einer Handarbeit beschäftigt, saß. Dollmann stellte sich mit der Absicht, diese Frau zu hintergehen, kein gutes Zeugniß aus, denn auch der wenigst wohlwollende Beurtheiler hätte ihr die Epitheta jung und hübsch nicht vorenkhalten können. Außerdem war er erst 6 Jahre verheirathet, gewiß eine zu kurze Zeit, um nicht in der Ehe mit dieser äußerlich und innerlich vorzüglichen Frau volle Befriedigung zu finden. Aber die Männer sind nun einmal das wankelmüthige Geschlecht, wenn diese Eigenschaft auch fälschlich den Frauen beigelegt wird. Frau Dollmann las das Schreiben des Aeußeren Ministeriums" flüchtig durch. Nein, diese Ehre!" sagte sie. das Schreiben au3 der Hand legend und den Gatten voll Bewunderung anblickend. Aber Du freust Dich ja gar nicht, Eugenie", versetzte der Gutsbesitzer mit fühlbarem Herzklopfen. Für Dich ist keine Ehre zu groß, die ich nicht erwartet hätte", erwiderte Frau Dollmann. Er blickte sie mißtrauisch an, aber ihre freundlich blickenden Augen zeigten keinen verdächtigen Schimmer. Du meinst also, daß ich hinreisen soll?" .Ohne Aweifel. Die Conferenz. und
also auch unsere Trennung, dauert ja nicht lange, oder," fügte sie zögernd hinzu, meinst Du nicht, daß ich mitkommen.könnte?" Nur das nicyt, Gugente, ' ti er hastig ein, ich nichte Dich keinenfalls der Gefahr einer solchen Reise aussetzen, und wie Du selbst richtig benrnkst, bin ich ja bald wieder bei Dir." 5 Da die Friedensconferenz erst Mitte Mai stattfinden sollte, wurde in den nächster. Wochen wenig von der Reise gesprochen. Nur ab und zu ließ Dollcaim eine darauf bezügliche Aeußerung im Gespräch einfließen, um zu ptüfen, ob seine Frau den Glauben an die Richtigkeit seiner Berufung noch nicht de?l?ren habe. Ja, als er einmal den Wunsch äußerte, ließ sie sofort den großen lieisekoffer vom Boden holen. Am dreißigsten April erhielt der Gutsbesitzer ein ganz ähnliches Schreiben, wie das vom ersten April. Zur Erklärung sei hier erwähnt, daß in vielen Gegenden Deutschlands der dreißigste April, gerade so wie der erste als Narrentag betrachtet wird. Dieses Schreiben lautete also: Berlin, den 30. April. Herrn Gutsbesitzer Dollmann aus Groß-Ger-stendorf. Bezugnehmend auf unser Schreiben vom 1. April theilen wir ihnen mit, daß wir nunmehr unsere Ansicht in Betreff Ihrer werthen Perfon völlig geändert haben. Schon die Absicht. Ihre Frau in doppelter Beziehung täuschen zu wollen, spricht durchaus nicht für Ihre friedliche Familienbefähigung. Reisen Sie immerhin nach Paris. Sie gehören jedenfalls als eine Merkwürdigkeit auf die Ausstellung hin. Aber von der Friedensconferenz müssen wir Sie grundsätzlich ausschließen. Ja, wir müssen selbst unsere Zweifel aussprechen, ob Ihre Verstan-
vesiraste m der letzten Zelt n:az: zu sehr gelitten haben, um nur das Ortsvorsteheramt in Ihrem Gutsbezirk zu bekleiden. Das Ministerium des Aeußeren Abtheilung für ehelicheAngelegenheiten gez. Eugenie Dollmann." Donnerwetter!" war alles, was der Adressat, des Briefes nach der Lectüre des Briefes sagen konnte. Nicht wahr?" sagte Frau Eugenie schalkhaft, während sie leise eintretend ihm auf die Schulter klopfte. Aber wie in aller Welt wußtest Du" Daß Du nach Paris reisen wolltest? Nun, Du hast es ja unserem Gutsnachbar in der letzten landwirthschaftlichen Sitzung als strenges Geheimniß anvertraut. Ja so," brummte er. Nun beruhige Dich, Alter, im nächsten Jahre reisen wir beide zusammen zur Weltausstellung nach Paris." Mit Dir reise.. ich. noch viel lieber als allein," sagte er mit süßsauremGesicht. Den ganzen Tag ging er wie ein begossener Pudel herum. Bei späterem Nachdenken aber erfüllte es ihn mit Genugthuung, eine so kluge Frau zu haben. Zlntcr'm Pantoffel. (Münchener Gerichtsscene). Der 35jährige Kaufmann Josef X. ist inMann von fast sechs Fuß Größe, er rühmt sich, die Landmanneschaft der Niederbayern zu haben und gerade nicht leinen zu sein, wenn ein Paar aufeinanderschlagen, er fürchtet einfach gar nichts auf der Welt als so a ganze ganze kleine Frau. Geht er auf der Straße und ein guter Bekannter meint: Aa Pepi! nehma mer g'schwindsi a Halbe mit! dann erwidert er: Is mer net mögli, woaßt, mei' Alte wartet schon seit Bier auf mi und außerdem hab i erst gestern Abend an Ausländer g'macht, hab beim Mathäfer a Maß g'nomma! Woast ja, wie's is Weiber hat mer. Kinder kriegt mer Servus. Obwohl der Pepi nominell der Haushaltungsvorstand ist, der öffentlichen Ordnung wegen auch die Hosen anhat, im Grunde genommen ist er als Mann nicht einmal eine richtige Null, er ist Großkomthur des Pantoffelritterordens. Gleichwohl hat er einmal in seinen häuslichen Penaten einen argen Skandal verübt, um aus seinem Botmäßigkeitsverhältniß herauszukommen und wenn schon die Nachbarn dachten: diesmal hat's was! der Sklave bricht seine Ketten, nichts wurde daraus der Pepi kam nur noch besser in das Joch und figurirt heute als Angeklagter. Richter: Sagen Sie einmal, wie Sie dazu kamen, am Sonntag, den 26. Februar. Nachts, einen solchen Skandal auszuführen, daß in der ganzen Straße die Ruhe gestört war? Angekl.: 's war net so g'fährlich, Herr Stadtrichter!' Ueberhaupt war die G'schicht in meiner Wohnung und da bin ich der Herr. . . Im Zuhörerräum räusperte sich eine Frau etwas auffällig, der Pepi zuckte zusammen, j als wäre er auf einer Lüge ertappt t wrden, worauf er etwas deprimirt fortfuhr: Dös hoaßt, i hab mir denkt, i brauch mir net Alles zu gefallen zu gelassen, indem daß i a g'heiratheter Mann bin und d' Leut nixn thuan. als an meiner Frau Hetzen, daß mi sckirt, daß nimmer schön is. Sie wär ja so a ganz guate Frau und ließ mi' recht schön mitkemma, aber die Hetzereien san Schuld und nacher geht's an mir naus. :'-,, ' Richter: Das heißt mit anderen Worten: Ihre Frau spielt den Herrn in Ihrem Haushalt und Sie sind zufrieden, daß Sie mitkommen dürfen. Angekl.: Na, na, Herr Staatsanwalt, da sans am Holzweg, der Herr bin i alleweil, nur laß i der Frau auch a bisserl a Recht. Wenn i zum Beispiel sag: Geh Alte, gib mir a Zwanzgerl zu drei Quart! Bier, na' kriag i's diamal, wenn i.. die drei Ouartl da-
hoam trink, natürlich in's Wirthshaus darf i 7iet, ausgenommen sie geht mU und da hat's ganz Recht, der Mann g'hört hoam,- der braucht net alloanig a Vergnügen. Richter: Nun Ihre Grundsä wären soweit ganz löblich, am Ende könnten Sie sich das Trinken ganz abgewöhnen, dann sind Sie der solideste Mann der Stadt. . Angell.: Hab's a schon probirt unv vierzehn Tag lang ausg'halten mit Wasser und Milch, mit Obst und Gras hambrod, aber net guat hat's mir thuan. der Magen is mir so schlotteret worden, daß i g'moant hab. er hängt nur mehr an drei Zwirnfäden unö nacher. wenn mer steht, wie's andere Leut machen, na' kimmt der Gusto. Richter: Um wieder auf die SaÄS zu kommen warum haben Sie s kaii dalirt? . Angekl.: Ja wohl! Sonntag war'Z und schön war's. Um Dreie wollt i a wengl fort, aher dürfen hab i net. Um Mere hab i von mein Vschorres-z geld drei Quartl wollen, da sagt mti Frau: sie mag die Sauferei net. Um Fünfe ruft a gueter Freund von der Straß'n 'rauf: Gehst mit auf a Maß? da sagt mei Frau, ob 's net bald an Ruah kriagt mit denne ewigen Maß'n und i bleib wieder dahoam. Um a Achte kimmt a Spezi von mir und will mich im Verein haben, wo i Vorstand bin, da sagt mei Frau, die sollen an andern Vorstand wähl'n, a gheierte? Mann hat koa Zeit für solchene Ehrcn Posten. Na moan i: laß mi' halt fort auf a Stünderl. ... Richter: Nun lassen Sie mich auZ mit Ihrer Frau, Sie sind ein Kind. Ein Mann in Ihrem Alter soll docfj schon etwas mehr selbstständig sein. Angekl.: Sie san g'wiß ledig, Herr Staatsanwalt, oder Sie kennen meine Frau net? Schaugen's 'mal hinter aus's Publikum unter Hundert müessens die Oane 'rauskennen. Wart', g'sreu' Dich, wennst hoama kimmst!" hörte man im Zuhörerraum eine Altstimme brummen, und eine Dame mit einer bezeichnenden tiefere Stirnfalte zwischen den Brauen ballte die rechte Faust. Der Richter heftete einen prüfenden Blick auf die Erzürnte. der Pantoffelritter duckte merklich zu sammen, er mochte das freudige Ereign niß ahnen, das ihm bei der Heimkunft Zn Aussicht gestellt worden, und mit leiser Stimme fuhr er dann fort: I hab' ja selber g'moant. 's kunnt anders werden, wenn i a mal richtig auftreten thua und deswegen hab' i g'schimpst und resonnirt, daß 's andere Leut? g'hört ham. Was hab' i aber Profit tirt? Sieben blaue Haferl hat's mir an' Kopf g'schmissen und an Eimer Wasser dazua. bis i's Bitten ang'fangt bab' Erlaubens. öerr Staatöanwalt! avcn ie a mal o:e Ichwarzen ama zonen im Panoptikum g'sehgn. die wie Soldaten mit Säbel und Gewehr g'fochten,ham? Sehgen's, da g'hört die Mein' von rechtswegen dazua. Die wenn erst no' schießen und sabelnt kunnt. na' wär' alle Tag a Leich' im Haus. Richter: Demnach scheint es. daß an dem Skandal weniger Sie als Ihre Frau schuld war? Angekl.: San mer stad! Wenn Je mand g'strast wer'n mueß. na nehmen's mich dafür her. sonst kommen meine heurigen Hundstag' schon im. April. Richter: Gegen Ihre Frau kannt nicht mehr vorgegangen werden, da ist die Sache verspätet. Angekl.: Dös hab' i mir denkt, die hat's Glück überall und i Pechvogel bleib' pappen. Das Gericht mußte das Martyrium! des Herrn X. wohl erkannt haben, weil es gegen ihn die geringste zulässige Geldstrafe von nur einer Mark aussprach. Na! Das hätten mir." sagte der Verurtheilte. wenn nur der. angesagte Sturm dahoam ebenfalls vor-, über wär", fügte er resignirt bei. Und alles dies bewirkt so a ganze, ganze ganze, ganze kleine Frau", summte er leise, nachdem er aus dem Saal getreu ten war. Guter ttäse.
Ein altes lateinisches Distichon gibt die Eigenschaften eines guten Käses folgendermaßen an, in dem es freilich der Metrik der venwendeten Eigenna? men Methusalem, Magdalena und La zarus einige Gewalt anthut: Xoa Argus, largtis; non Methusalem, Magdalena; non llabacuc, Laza rus: caseus iste bonus. In wörtlich cher Uebersetzung: .Richt Argus, (son dern) breit; nicht Methusalem, (son dern) Magdalena; nicht Habakuk, (sondern) Lazarus: dieser Käse ist gut," Erklärung: Der Käse soll nicht, wie Argus, viele Augen (Höhlungen, Lo cher) haben, sondern breit und zusammenhängend auf dem Teller liegen; er soll nicht überalt, wieMethusalem sein, sondern wie die Büßerin Magdalena Thränen zeigen, d. h. jene kleinen, fettigen Ausflüsse am Rande, welche für Feinschmecker die richtige Reife andeuten; er soll nicht breiig sein (der Prophet Habakuk kochte nach der apokryphischen Stelle Drache zu Babel, V. 32, einen Brei), soll aber einen starken G?ruch verbreiten (von Lazarus heißt es Joh. 11. 39: Er stinket schon-). Bei dem Allen ist natürlich nur von aewöbnlickiem Kubkäfc die Rede. Lachende Gedanken. Manche Mädchen, die von ihrem Liebhaber verlassen werden, hängen sich an einen Andern. Das Mißtrauen ist die Klugheit der Dummen. Man kann ein schlechter Dichter, aber dabei doch ein Hohlkopf sein. Jeder Mann liebt in seinem Leben nur einmal ein und dieselbe! Aus Kindern werden Leute, und u Leuten Kinder! . .
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