Indiana Tribüne, Volume 22, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1899 — Page 6
Sonnwendfeier. Die Sommersonnenwende wurde schon von den alten Germanen als ein von der Natur selber vorgeschriebenes jyt)i betrachtet und daher auch beson'ders gefeiert. Auf den Berghöhen, wo sie ihre Opferaltäre aus Steinblöcken ufgebaut hatten, versammelten sich die Männer und Frauen beim Anbruch der Dämmerung. Gar manche führten Opferthiere mit, die von den Opferern dann getödtet und in das entzündete Feuer geworfen wurden. Ter Holzstoß wurde auf den Steinblöäen des OpferQltars errichtet und mit einem neuangemachten Nothfeuer, das durch Anein'ndereiben von zwei Hölzern entzündet wurde, in Brand gesetzt. Wenn die durch reichliche Holzvorräthe genährten flammen hochaufzüngelten und mit blutrothem Scheine die ganze Umzebung färbten, wurden die Opferthiere und die Stücke eines geschlachteten Opferpferdes sammt dem Pferdeschädel in das Feuer gelegt, das der Opferer früher mit dem Blute der Opferthiere besprengt hatte. In der Zeit vor der Einführung des Christenthums wurden auch Menschen als Brandopfer dargebracht und mancher Jüngling, sowie manche Jungfrau, die sich der neuen Lehre angeschlossen Katten und dann plötzlich spurlos derschwanden, fanden in den Flammen des Sonnwendfeuers ein schreckliches
H!i, &jL''y hu f TL 8 -mMy 25 TI?" ? tCn a WJ&P&i mmmx MKX MiA VV'fcSv mA' iVimY s iltisßwh p ''-A h-i hs J I -Vs ' 2jLJsL
F e u e r t a n z. Ende. Wenn die Flammen zischend und prasselnd den Holzstoß' umleckten, begänne sich die Anwesenden in wilden Wirbeltänzen um das flammende Sonnwendfeuer zu drehen. Viele von den Tanzenden schwangen brennende Harzfackeln in den Händen, während sie das heilige Feuer umkreisten; Andere entzündeten mit Harz getränkte Räder und Kugeln, um sie dann unter lauten Jreudenrufen den Vergbanz abwärts rollen zu lassen. Das gebratene Fleisch der Opferthiere und desPferdes wurde von den heidnischen Tbeilnehmern des Festes schließlich als Leckerbissen verzehrt und sollte nach ihrem Glauben eine besondere Heilkraft gegen mancherlei Uebel haben. Die Erinnerung an diesen altgermairischen Cult war so lebendig, daß sie sich selbst, nachdem das Christenthum schon große Verbreitung gewonnen hatte, unvermindert erhielt. Die Sonnwendfeuer wurden als Johannisfeuer bezeichnet. Viele der alten Gebräuche wurden beibehalten und auch in die Johannisfeuer, die unter Theilnahme der Obrigkeit und der Fürsten abgebrannt wurden, warf man noch Pferdeköpfe, sowie Knochen und selbst lebende Ähiere. sssT ("' v i' J1 ir l))n i; Ä'.YJ tf?sU j,s"-"' t'vxvyi'j,. . r v T-vY t fTK SS-J IT m-mw ''v WZMZS W rc , F e u e r r a d. Die Zeitperiode der Tag- undNacht'gleiche' wird noch heute in allen österleichischen Gebirgsländern von altersIjer mit besonderen Festlichkeiten gefeiert. Am Vorabende des Sonnwendtages flammen auf allen Bergen hellleuchtende Feuer empor und die Berggipfel und Waldhänge erstrahlen bis hoch zu den Firnen hinauf in rothglühendem Scheine. Die nach dem Eintritte der Dunkelheit entzündeten Holzstoße werden schon mehrere Tage vorher aus freiwilligen Holzspenden aufgebaut. Da man dem Sonnwendfeuer eine besondere Bedeutung beirnißt. dürfen nur gänzlich unbescholtene Burschen Spenden zur Erbauung der oft riesenhoch aufgethürmten Holzstöße herbeibringen. Das von solchen Personen, die nach landläufigen Begriffen irgend einen Makel tragen, herbeigebrachte und gespendete Holz darf nicht zum Sonnwendfeuer verwendet werden. Die Johannisfeuer (Sonnwend- . feuer) sind in Brand gesetzt und geschäftige Hände schüren die Flammen, daß sie hoch auflohen. Die Burschen und Mädchen fassen sich bei den Händen und führen um den brennenden Holzstoß einen eigenartigen Neigentanz auf. Jubelnd und jauchzend umkreisen sie das Feuer, bis es niedersinkt. Burschen undMädck en springen über das Feuer, um sich vrn bösen kranken Stoffen zu reinigen. Brautleute springen, Hand in Hand über das Sonnwendfeuer, um alles Ueble von sich ab-zuwehren.
&
1
sJöPKM MMMchM f v( MimilH s M WI'' W?M ikuiimkWm
j, lYry-rf,
t ,, I L SS-J IT I
rrri
i
Die Burschen tragen noch Stangen mit Pechkränzen und harzgetränkten Lesen, die helllohend brennen, herum. Von den Berghängen werden brennende Feuerräder in das Thal hinunterlaufen gelassen. Diese Sonnwendfeuerräder (Johannisfeuerräder) sind besonders in den Weinländern Oester-
Feuerführen. reichs üblich, wo man denselben auch die Kraft zuschreibt, eine reiche Weinlese (Weinernte) herbeizuführen. Die thalabwärts laufenden Näder, die. von den züngelnden Flammen umlodert, mit großer Schnelligkeit Herniedersausen, gewähren einen ganz eigenartigen, überraschenden Anblick. Wenn der Holzstoß beinahe niedergebrannt ist, beginnt das Sonnwendfeuer - Führen". Bei demselben werden die Hausthiere durch das erlöschende Feuer durchgeführt oder hindurchgetrieben, um gegen verderbenbringende Seuchen geschützt zu sein. Es bedarf oft der ganzen Anstrengung der Burschen und Knechte, um die sich heftig sträubenden Thiere, die vor der Zluth zurückscheuen, vorwärts zu bringen und dieselben, nachdem sie das Sonnwendseuer pasnrt haben, wieder zu bändigen. Die Pferde bäumen sich laut wiehernd hoch auf und die Rinder drängen sich unter ängstlichem Gebrülle dicht aneinander. Das Blöken der Schafe und das Meckern der Ziegen mischt sich in dieses sonderbare nächtliche Concert. Die zusammengedrängten Thiere, die von den Burschen vorwärts getrieben werden und von dem Scheine des aufzuckenden Feuers grell. beleuchtet sind, bieten ein absonderliches Bild, das an die Zeiten der alten Nomadenvölker erinnert. Wenn der Holzstoß endlich in der Morgenfrühe zum Erlöschen kommt, nehmen sich die Anwesenden angekohlte Kranzwerfen. Brände und Kohlenstücke von demselben mit nach Hause. Dieselben werden bis zum nachten Sonnwendfeuer rn jedem Hause aufbewahrt und sollen nach der Meinung des Volkes die Blitzgefahr von dem Hause, wo sie aufbewahrt werden, abwenden. Kohlen vom Sonnwendfeuer werden auch in den Feldern und Gärten eingegraben, um dieselben besonders fruchtbar zu machen. Der Gebirgsbauer sagt von dem Sonnwendseuer, daß, soweit derSchein desselben leuchtet, kein Hagel niederfällt. Ein Acker, auf dem kein Sonnwendfeuer gebrannt hat, trauert nach seiner Meinung das ganze Jahr. In den Gebirgsthälern, die von Wasserläufen und Bächen durchzogen werden, üben die Mädchen in der Nacht vielfach einen alten Gebrauch aus, der als das sogenannte Kranzwerfen bekannt ist. Wie die Sonnwendfeuer, entstammt auch dieser den alten heidnischen Festen, von denen auch das Johannisbad herrührt. Der Johannistag zählt zu den sogenannten Lostagen, an denen in der heidnischen Zeit die Menschen im aberwitzigen Wahnglauben manche Mittel anwendeten, um die dunkle Zukunft zu erforschen. Das Kranzwerfen ist gleichfalls eine Erinnerung an diese heidnischen Gebräuche und wird von den Bauernmädchen besonders zur Erforschung der Frage benützt, die dem ewig Weiblichen schon in der grauen Urzeit als die bedeutungsvollste erschienen sein muß. Es ist die alte, ewig neue Frage nach dem bestimmten Gesponsen und der Zeit, wann sich derselbe endlich einfinden wird. Um diese Frage beantwortet zu erhalten, flechten die Mädchen am Abend vor dem Johannisfeste einen Kranz aus frischen Blumen und Blättern, mit dem sie dann im nächtlichen Dunkel zum Vachufer hinausschleichen, um das Johannis - Blumenopfer darzubringen. Der Kranz wird.in die rauschenden Wellen geworfen, in welchen sich der Schein der flammenden Sonnwendfeuer spiegelt und aus gewissen Zeichen will nun das Mädchen, die denselben dem Bache geopfert hat, ihr Schicksal errathen. Aufgeregt beobachtet sie daher, ob der Kranz rasch von dem Bache fortgetragen wird oder nur langsam wegschwimmt, sich an einem Stein oder Baumzweig verfängt und endlich gar an's Vachufer geschwemmt wird und dort liegen bleibt. Je nach dem Eintreffen des einen oder anderen Umstandes vermuthet sie dann, daß sich der Herzliebste rasch einstellen wird, um sie zu sreien, oder daß sie noch länger
s . Ii yW ; KISlm V&
warten muß, bis ihr Herzenswunsch !n Erfüllung geht, oder gar, daß ihr das schreckliche Loos bestimmt ist. sitzen zu bleiben. Daß die Mädchen bei solchen delicaten Fragen gerne allein sein wollen, ist leicht begreiflich, denn wenn der letztgenannte Fall eintritt, so erfahren es die Leute ohnehin noch immer früh Die Neugierigen schleichen sich daher auch gerne auein davon und suchen solche Punkte auf, wo sie unbeobachtet ihren Kranz den Wellen andertrauen können. Am Morgen des Johannistages ist cs in den Gebirgsgegenden üblich, den von den Sonnwendfeuern zurückkehrenden Hausgenossen einen Johannistrunk zu verabreichen. Dieser Minne (Gedächtnißtrunk), der auch mit dem Namen Johannisbecher bezeichnet wird, ist eine Erinnerung an die altgermanische Sitte, die Minne (Gedächtniß) der Götter durch einen Trunk zu ehren. Ein merkwürdiger Gebrauch findet sich in der Umgebung von Krems. Dort werden in jede der vier Ecken der einzelnen Aecker einige Tropfen geweihten Johannisweines geschüttet, wodurch die schädlichen Raupen und Käfer von dem betreffenden Acker abgehalten werden sollen.
Ein Gcschenl für Wilhelm II. Eine der schönsten Gegenden in den Vogesen ist die Umgebung der Höhkönigsburg im Westen von Schlettstadt, die neben Girbaden wohl die größte Burg im ganzen Elsaß ist. Diese weithin in die vom Rhein durchströmte Ebene schauende malerische Ruine hat Schlettstadt dem Deutschen Kaiser bei Gelegenheit ' des Besuches, den das Kaiserpaar der ragenden Feste abstattete, als Geschenk dargebracht. Das mächtige Schloß war einst ein Lehen des Hauses Oesterreich. Im Jahre 1480 belehnte Erzherzog Sigismund die Brüder Oswald und WilHelm von Thierstein mit der Burg. Später wurde sie von österreichischen Vögten verwaltet, in deren Reihe 1533 die Söhne des berühmten Ritters Franz von Sickingen erscheinen. Genau hundert Jahre später siel die Höh &ms. DZeHohk'önZgsburg. königsburg in die Hände der Schweden, die ihre Batterien auf der südwestlich vom Schloß gelegnen Anhöhe aufgefahren hatten, die noch heute im Volksmunde nach dem damals hier befehligenden schwedischen Obersten Fischer die Fischerschanze oder auch kurzweg das Schänzel heißt. Im Jahre 1756 befand sich die Burg immer noch im Besitz des Geschlechts der Sickingen; ob sie aber um jene Zeit schonRuine war oder erst in den Stürmen der französischen Revolution in Trümmer fiel, ist ungewiß. Im Jahre 1864 ging das verödete Schloß in den Besitz der Gemeinde Schlettstadt über. EinkleinerDiplomat. Carlchen (nach dem Abendessen zum Vater, der gern in'sWirthshaus geht): Du, Papa, hilf mir bei meiner Rechenaufgabe, dann sag' ich Dir 'was!" Vater: Hm, und was willst Du mir dann sagen," Carlchen: Dann sag' ich Dir auch, wohin Mama Deine Stiefel versteckt hat!" Ohnmacht. Wie. genau sechzehn Küsse hast Du gezählt, die Dir der Doktor gegeben? Aber wie konntest Du Dir das gefallen lassen?" Ich war ja vorher in tiefe Ohnmacht gefallen!" Ein gutes Mittel. Sie: Wie machen wir es nur, daß wir es morgen nicht verschlafen; denn um vier Uhr früh müssen wir aufstehen, wenn wir den Zug nicht versäumen wollen?" Er: Weißt Du, ich geh' halt um vier Uhr aus dem Gasthause und wecke Euch." Ein Gemüthsmensch. Richter: Sie geben also zu. dieScheibe eingeschlagen und den Inhalt des Schaufensters gestohlen zu haben?" Angeklagter: De Scheibe habe ick injeschlagen. det schtimmt; aber jeschtohlen nich in die Düte. Sehen Sie, Herr Jerichtshof, da schdand nämlich en Zettel im Schaufenster, wo drauf geschrieben war, daß uf jeden Fall und um jeden Preis bis morjen jttäumt werden müßte. Na, das war Nachts um zwelfe. Um Jotteswillen, dacht' ick wir. wie soll der bis morjen daö Lager räumen, jibtS ja jar nich und weil ick ebend so'n Jemiethsmensch bin. hab' ick es jeräumt und 'n Sechser davor hinjelegt, weil der Preis doch ejal war is det jestohlen?" . .
'A f fTl) jf. Ä i i l I i i ' i if' I 1 j "tLlry 'H T m , mmtm r n r w 7 ."y. . umJ j, ?.i.'
t "-llf MiMi
Pranger und Krüger. Aus der angeblich guten, alten Zeit ist auf die Bewohner des Staates Delaware ein Erbtheil gekommen, das in schlechtem Einklang mit der viel gerühmten Humanität unseres Zeitalters steht: die Pranger- und Prügelstrast. Dieser Strafmodus kann nach drei Jahren sein 150jähriges Jubiläum feiern, denn er wurde im Jahre 1752 von dem Hon. James Hamilton, Esqu., Lieutenant Governor und Ober-Com-mandeur der Counties New Castle, Kent und Sussex.am Delaware. und der Provinz Pennsylvania, auf Anrathen und mit Zustimmung der Repräsentanten derselben und mit königlicher Approbation eingeführt. Das betrefsende Gesetz, welches die Jestrafung des Diebstahls beweglicher Gegenstände im Werthe von mehr als fünf Shilling behandelt, besagt, daß beim erstenVergehen der Dieb dem rechtmäßigen Eigenthümer den doppelten Werth des Gestohlenen als Schadenersatz bezahlen soll, wenn dasselbe wieder erstattet wird; geschieht keine Wiedererstattung, so soll der Dieb den vierfachen Werth bezahlen und an dem öffentlichen Prügelpfosten bis zu 21 wohl applicirte Hiebe auf den nackten Rücken bekommen. Des Ferneren soll der Dieb an der Außenseite seines linken Armes zwischen Schulter und Ellenbogen ein römisches T in auffallender Farbe zur Kennzeichnung seines Verbrechens sechs Monate lang tragen, wenn immer er aus Reisen oder von seinem Wohnplatz abwesend ist; auch soll er bis zur
Schandpfahl in New Castle. Bezahlung des Restitutionsgeldes eingesperrt werden und alle .kosten des Verfahrens tragen. Im zweiten Falle werden die Prügel bis auf 31 Streiche erhöht, mit einer Stunde am Pranger. Todesstrafe, ohne geistlichen Zuspruch, war auf die Wiederholung des Verbrechens im dritten Falle gesetzt. Daß damals 5?leindiebstahl in so barbarischer Weise geahndet wurde, kann nicht Wunder nehmen, denn Pranger- und Prügelstrafe wurden bei allen Verbrechen in Anwendung gebracht, ja in gewissen Fällen wurden dem Verurtheilten bis 60 Streiche applicirt. Zahlreich sind die Stimmen, welche gegen die Beibehaltung dieses nichts weniger als humanen Ueberbleibsels aus der Colonialzeit erhoben wurden, allein es fehlt andererseits auch nicht an Männern, die dasselbe vertheidigen; ja, auch in anderen Staaten hat die Prügelstrafe Anhänger, die sie in gewissen Fällen zur Anwendung gebracht haben wollen, wie beispielsweise Gouverneur Roosevelt für Weiberprügler. Der OberRichter Charles B. Lore von Delaware führt zur Vertheidigung des Prangers und der Knute Folgendes an: Der nördliche und am meisten bevölkerte Theil des Staates Delaware ist ein schmaler Streifen Landes von ca. 12 Meilen Breite, der zwischen Pennsylvania auf der einen undMaryland auf der anderen Seite eingekeilt iX) l-: 1 4w" P Prügelpfosten in Kent. ist. Quer über diesen Keil laufen zwei große Stamm - Bahnen, die Pennsyl-vania-und die Baltimore & OhioEisenbahn, welche die Städte Philadelphia und New York im Norden mit Baltimore und Washington im Süden verbinden und die eine Güterstation unweit von der Stadt Wilmington, Del., haben. Daß bei der letzteren an manchen Tagen 30 bis 40 Landstreicher. die sich auf die Züge geschlichen haben, abgesetzt werden, gehört nicht zu den Seltenheiten, und meistens setzen sich diese Kerle aus dem Abschaum der Großstädte zusammen. Nahezu der vierte Theil aller Verbrecher in Delawäre gehört zu dieser Klasse. Bei einer jüngst in dem County New Castle abgehaltenen Gerichtsverhandlung wurde constatirt, daß beinahe die Hälfte der Verurtheilten bei Verübung ihres Verbrechens nicht über 24 Stunden im Staate Delaware gewesen war. Der Mehrzahl nach sind diese Kerle vollständig verroht, und sie prahlen oft damit, daß sie wohl Andere prügeln dürfen, an sie selbst aber Niemand Hand zu legen wage. Diese Prahlerei ist in Delaware nicht am Platze und
""sfV
; j
.
' I
? 1 IfciO
pSL)021 !ftßKf Trär 'Ji 4
mrm
i -a
sie haben eine solche Furcht vor dem Prügelpfosten, daß sie selten zurückkehren, um eventuell einer zweiten Dosis theilhaftig zu werden. Nur diese Furcht schützt das kleine Delaware davor, von Landstreichern, die zu allen Schandtha-
& 5 Ä taLs
l I L'Ü u i T?rZ4 t. y? i -WWPranger in K e n t. ten fähig sind, förmlich überfluthet zu werden. Es ist also die eigenthümliche geographische Lage des Staates, weicht die Beibehaltung der Knute gewissermaßen zu einer Nothwendigkeit macht. Aber der Hauptgrund, weshalb die Prügelstrafe nicht abgeschafft wird, liegt darin, daß sie als das wirksamste Abschreckungsmittel angesehen werden muß. Kein anderer Strafmodus wird so sehr gefürchtet und bei Gesuchen um Strafmilderung geht die Bitte fast im mer dahin, die Prügel nachzulassen. Auf verrohte Naturen macht nichts solch' nachhaltigen Eindruck und diesem Strafmodus ist es zu verdanken, daß die Zahl der Verbrecher in Delawäre verhältnißmäßig klein ist. Als die berüchtigten Bankdiebe Francis H. Carter alias Francis H. McDonald, Joseph Lawler, James Thomas alias James Watson alias James Hope und Edward Hurlburt im Jahre 1873 in New Castle bei dem Versuche, die Bank von Delaware zu plündern, ergriffen, verurtheilt wurden und jeder von ihnen 40 Streiche am Prügelpfosten erhielt, erklärten sie, daß sie nur die öffentliche Auspeitschung für eine Schmach hielten und sich aus dem Rest des Urtheils nichts machten. Später verübten diese Banditen in anderen Staaten schwere Verbrechen, allein vor Delaware hatten sie eine heilige Scheu bekommen. Für den verrohten Verbrecher gibt es keine empfindlichere Strafe: er bekommt seine eigene Medicin zu kosten, und wenn dieselbe auch auf sein Gewissen keinen Effect hat, so wirkt sie doch auf seine Furcht ein. Die Agitation zur Abschaffung der Prügelstrafe basirt zum großen Theile nur auf falscher Sentimentalität. In brutaler Weise wird die Strafe nie vollstreckt und die körperlichen Leiden der Geprügelten sind gering. Es ist die mit dem Prügelpfosten verbundene öffentliche Schmach und Schande, welche auch auf einen vollständig verrohten Menschen nicht ohne Effect bleiben. Das höchste Maß der Streiche, welche jetzt applicirt werden dürfen, beträgt in den schwersten Fällen nur 40 und der Pranger wird nur bei Verübung besonders verabscheuenswerthcr Verbrechen in AnWendung gebracht." SchlechteAusrede. Merkwürdig! Du sagtest, Du gingst nie in die Kneipe und Dein Hund will immer hinein!" Der ist eben mit dem Dackel des Studiosus Naß befreundet, Onkel, und der sitzt immer drin!" Ein freundlicher Nachbar. Guten Morgen! Ich soll hier ein Klavier stimmen!" . Hier? Ich habe keinen Klavierstimme? bestellt!" Sie nicht aber der Herr in der Wohnung nebenan!" Noch besser. Herr: Nun, Fräulein, haben Sie sich in der Kochschule eine recht große Prazis angeeignet?" Fräulein: Das gerade nicht, aber theoretisch koche ich vorzüglich!" Einzig. Du bist und bleibst ein ungezogenes und unfolgsames Kind." Sei nur froh, Mama, daß ich kein Zwilling bin. sonst hättest Du doppelten Aerger." Aus der Schule. Lehrer (eine Rechenaufgabe stellend): Wenn unser Großvater 80 Jahre ge--lebt hätte und in jedem Jahr 50 Gulden gespart und das Geld zu 6 Proc. angelegt hätte warum weinst Du denn. Jsaak? Jsaak: Weil mein Großväter das leider nicht gethan hat!
a IM 4s Ms lr5 WMms L
. EinguterKerl. In einem Dorfe wird ein Wunder der Neuzeit in Gestalt eines Phonographen vorgesührt. Das ganze Wirthshaus ist angefüllt mitZuhörern, welche die Vorstellung mit weit ausgerissenen Augen verfolgen. Da springt plötzlich gegen Ende der Produktion der Stoffelbauer Sepp auf die improvisirte Bühne und schüttet seine volle Maß in den weit gähnenden Schalltrichter des Wunderthieres.
Gel', armer Kerl," sagt er, den ganz'n Abend singa, pfeifa und blas'n, dös derfst schon; aba daß D' an' Durscht aa' hab'n kunnt'st, um dös kümmert sich kein Mensch!" SchlechtesGewissen. rzz Gast: Diesen Pudding haben Gnädige Wohl selbst zubereitet?" Hausfrau: Warum schmeckt er Ihnen nicht?" NeuerZahlungsmodus. Studiosus (zu einem Gläubiger, der ihm auf die Bude gerückt ist): Also 4 Mark bekommen Sie noch? Ich kann sie Ihnen leider nicht baar geben; hier hab' ich aber eine Hose, die mindestens noch 7 Mark werth ist können Sie mir die wechseln?" Immer zerstreut. Professor (beim Aufbruch vom Stammtisch einen seiner Gummischuhe vermissend): Sollte vielleicht gar einer der Herren Collegen in Gedanken drei Gummischuhe angezogen haben?" , JnCompagnie. A. (in der Kunstausstellung, vor einem Stillleben): Dieses Bild ist von mir und dem berühmten Maler Zucci!" B. : Wieso?" A.: Ich hab' nämlich die Würst' gemacht, und er hat sie abgemalt!" Einbildung. Schmul (zum Sohn, der bei der Aushebung nicht genommen wurde): Moritzl. sie haöen Dich nicht genommen?" Nu. wahrscheinlich haben sie Offlziere genug! Gutes Zeichen. Gelt Sepp. Deiner Bäuerin geht's wieder besser?" Ja. ja, Gott sei Dank! Es geht schon wieder. Vorgestern hat sie mich schon zum ersten Mal wieder durchhauen können .
9
Zf
füjkk LM iJ TVL i x:!V 2l ft A Ymml l vWj 1MV(mr&&WM mUwa h IwEJm&P'
Bewunderung. Von Fritz Ciegmann. Kann den Blick nicht von ihr wenden; Dieses Haares blonder Schein!
Dieser Teint, wie zart und rosig, Und die Zähne Elfenbein! Dann der Lippen Kirschenröthe, Diese Büste rund und voll! Wohlgefällig mißt mein Auge All' die Schönheit Zoll um Zoll. Wohlgefällig sieht's mein Auge, Denn was Schöneres sah es nie. Und ich beug' mein 5aupt mit Achtung, Vo: Europa's Industrie. Frischer Maitrank. L?on Willy Weder. Uff." stöhnte der RestaurateurKlotz und wischte sich den Schweiß von der Stirn, arbeiten muß man wie ein Pferd, wenn man sich ehrlich durch's Leben schlagen will." Der kleine dicke Mann hatte die Hemdsärmel hochgeschlagen, eine blaue Schürze vorgebunden und hantirte mit Schippe und Besen in seinem Hofe umher. So," meinte er schließlich befriedigt, das wäre soweit in Ordnung. Das Wetter läßt sich auch famos an. da muß sich doch das verfluchte Geschäft heute machen." Er wollte eben hineingehen, als ihm noch etwas einfiel. Johann!" rief er. Johann! Wo steckst Du denn wieder?" Johann erschien, rieb sich den Schlaf aus den Augen und gähnt: in die milde Frühlingsluft. Na, nun vorwärts!" rief der kleine Dicke wieder, bring' mir 'mal den Garten heraus!" Johann schleppte zwei dürftige Oleanderbäumchen herbei und stellte einen grün gestrichenen Kasten an die Mauer, an dem einige Epheuranken bescheidene Kletterversuche machten. Nun hängst Du noch die Plakate 'raus," commandirte der Wirth, und fertig ist die Laube!" Johann nagelte an den Eingang zwei Plakate: Der Garten ist eröffnet" und Heute frischer Maitrank". Der Wirth verschwand im Gastzimmer. Johann kroch in seinen Holzverschlag, rieb sich den Schlaf wieder in die Augen uns gähnte in vie milde Frühlingslust. fHerr Klotz nahm sich nun in ließe vollster Weise der Maibowle an. Hm." kostete er, ein Schuß Mbsel fehlt da wohl noch 'rein." Er entkorkte eine frische Flasche und ließ etwa die Hälfte ihres Inhalts in die Bowle plätschern. Das wird's thun," me.n!e er und füllte sein Glas. Na, etwas Zucker noch, einige Kräutlein Wald meister ah, das schmeckt ja wie V. ganzes Paradies!" Nun machte er es sich bequem i'. Sorgenstuhl in der Fensternische, sehte die Bowle auf das Tischchen daneben und brannte sich eine Cigarre an. Als er die bläulichen Rauchwolken in die Luft p-affte, hielt er ein Selbstgespräch. Eigentlich ein rechter Unsinn," räsonnirte er, daß ich mich noch für andere Leute quäle. Ich hab' min Heu herein und kann schon ganz nach meinem Gusto leben. Prost, Gustav," er nickte dem Spiegel zu, aus dem ihm sein wohlgenährtes Gesicht mit den kleinen buschigen Augen vergnüglich entgegen blinzelte. T)ann füllte er sein Glas wieder, kostete, schnalzte wohlgefällig mit der Zunge, trank aus und goß wieder ein. Dieses angenehme Spiel wiederholte sich so lange, bis die Schöpfkelle immer weniger des köstlichen Naß aus der Tiefe der Terrine empor beförderte. Ach herrjeh," lamentirte er, als er eine Inhalts - Besichtigung vornahm, da ist ja nur noch 'n schäbiger Rest drin. Daß mir diesen nun noch meine Gäste wegtränken, das könnte mir gerade passen. Nee, daraus wird nichts " Er erhob sich schwerfällig und trat unter die Thür. Johann," rief er, diesmal etwas weniger sicher, als eine Stunde vorher, Johann! Wo steckst Du denn wieder?" Johann erschien, rieb sich den Schlaf aus den Augen und gähnte in die Frühlingsluft. Trage 'mal den Garten wieder herein und nimm die Plakate ab," befahl Herr Klotz. Johann schleppte die Oleande:bäume und den Epheukasten bei Seite und heftete die Plakate ab. Na, also!" sagte der gastfreundliche Wirth befriedigt, pflanzte sich wieder in seinen Sorgenstuhl und ließ gleich darauf das Lob seines selbstgebrauten Maitranks in einem kräftigen Schnarchen ertönen. Gipfel d,ö Ehrgeizes. Freund Edi ist zum Director beför-' dert worden und ist stolz auf seinen neuen Titel. Eifersüchtig wacht er darüber, daß er nicht anders angeredet wird. Da erhält er einen Brief mit seinem früheren Character auf der Adresse. Entrüstet will er ihn zurückweisen, aber die, Neugierde hält ihn zurück. Da kommt, ihm plötzlich ein Gedanke: rasch greift er nach der Feder, streicht den alten Titel durch und setzt in kühnen Zügen das Wort Director" drüber. Jetzt erst öffnet' er ihn. Auch ein Grund. Frem der: Sagen Sie einmal, warum schla, gen sich denn diese Leute da drinnen im Saal einander so fürchterlich?". Wirth: Dös thuns blos aus Zorn darüber, weils heut all so schön bei nand g'wes'n san und not a mal a rt'f(f,ih? Naker ,'samma canaa i!" o in "wr"' w j n v ' -
