Indiana Tribüne, Volume 22, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1899 — Page 4

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Erscheiut Täglich und 8 c? :?,?-,-v täzltcke.TribSne'' kostet durch en Xxiitt z Sentfr per Ooch, die CoantaaÄ..Xrttfle! ttt$ per Woche. Ve'.de mj.ci IS t Ke, llgcntl per Vokt. Per Vft tafcr$t6 It Ufr igcht l ,rb,,hln2 V 9 Zahr. OffUfi 10 Süd kllataws Indianapolis, Ind., 11. Juni 1899. 5öniil(i85pit8cra. lieber Leser ! Bist du niemals in einer Gesellschaft gewesen, in welcher dich eine peinliche Stille drückte, ein Eesühl gähnen der Langeweile dich überkam, in der du dich vergeblich bemühtest, einen Ge danken zu finden, gut oder schlecht, einerlei wenn es nur ein Gedanke war, der Stoss zur Unterhaltung hätte die ten können ? Ist eS dir dabei noch nicht vorgekommen, daß dich Aerger und Scham zugleich beschlichen, weil dir so aar nichts einfallen wollte ? Siehst du!, sg ht es diese Woche dem Plauderer. ES will mir partout nichts einfallen, so sehr ich mir auch den Kopf zerbreche. Die Fliegen summen mir um den Kopf und ärgern mich. Wie sie hereinkommen, daS weiß ich nicht, denn Thüre und Fenster sind mit feinem Draht wohl verwahrt, aber sie sind da Da sihe ich nun mit eine? zusammengefalteten Zeitung und schlage Fliegen todt, aber darüber kann ich doch keine Plauderei schreiben und sonst fällt mir nichts ein. Ich könnte überS Wetter plaudern. Aber was soll man denn Gescheidteö über daS Wetter sagen ? Soll ich Dir, lieber Leser, die große Neuigkeit mit theilen, daß daS Wetter in der dergangenen Woche sehr heiß war ? Man lieft doch wahrhaftig keine Zeitung, um zu erfahren, vaS man selber weiß. SonS hilft daS Wetter allerdings sehr oft über Verlegenheitspausen hinweg, und von zehn Gesprächen werden neun mit Bemerkungen über daS Wetter eingeleitet. Ich habe mich schon oft gefragt, wie die Menschen eS ohne Wetter, oder bei stets gleichem Wetter, waS dasselbe wäre, aushalten könnten. Ich meine, sie müßten vor langer Weile sterben. SS wäre entsetzlich, wenn man seine Dummheit nicht hinter einem geistreichen Gespräch über daS Wetter verbergen und im Aerger kein Donnerwetter mehr fluchen könnte. Da ich aber Beides nicht will, so mußt Dudich, lieber Leser, heute ohne Plauderei begnügen. Der Plauderer. ttssenerZchreibebriesdcs Philipp Zauerampstr. CF7rfffct ity) by tke Ger FrM fc FWt C. S?0. 282. Mein lieber Herr Redaktionär! Ich sin Morgens nach den Breckfest zu den Wdesneiler gange, for n Eiopener zu ncmme un do Hot der Feller do gesosse un Hot das Pehper gelese. Ich hen geguckt was eS for t Pehper gewese is un schuhr genug, tl war englisch. Well, ich hen den Wedesweiler awwer emvl c Ding odder zwei gesagt, wisse Se, ich hen grad Un Weg gefiehlt. Ich hen gesagt: öc desweiler, du das st nit schlecht driwwer fiehle, wwer du bist n ganz trauriger seckendhändiger Saluhnkieper. Du bischt en deitscher Mann, Host n deitsche Treht un was Host du iwwerhaupt for c Vißnes, so t Pehper zu lese. For Dei bis'che Bißnes derstehst Du genug englisch un waS du in den Pehper do lese duhst, daS verstehst du doch mt. Awwer sell is grad, wo so viele Deitsche en Mistehk mache. Jnstett ihr deitsches Pehper zu lese un zu supporte. for daß se se in ihre schöne deitsche Lengwitsch noch e wenig impruhfe, do lese se liewer so en englische Wisch odder se äckte wenigstens als wann se duhn dehte. Se denke, die englische Leit hen dann mehr Riespeckt for se un dieselwe Zeit iS es inteierle disferent: die englische Leit denke e ganze Latt mehr von en deitsche Mann, wo sei Lengwitsch hochhalte duht, als wie einer wo tteie duht es die Jenkies nachzumache un dabei guckt doch aus jedem Bottenhol der Dotschmann eraus. So jetzt stopp das in bei Peis un schmohls, un dann geb mich en Drink.- Ich kann Jhne sage, do Hot der Wedeöweiler do gesosse un Hot e Fehs gemacht, als wann er en BulltrxlcöwallH b'itt. Ü5 frn ihn

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en Pusch in die SpehrnppS gewwe. for daß er Widder e wenig zu sich komme j is. Er Hot awwer nicks gesagt, als . r,, X?M rh htnlt !

JUIC. iixi3 muirnn xsy. t Z, ...- ' ich hen e wieke Spalt der tön genroae , un das iS ecksäcktlie was ich will. Bei ' Galle, wann mir deilsche Leit mt unser schöne Lengwitsch, wo mer uff deitsch Schermen rufe duht, uffrecht erKilit dubn. dann bot's aeschellt, dann hen mir bald ausgespielt un dann nimmrs mt mehr lang, vann wer n mer qrad so getriet, wie jetzt die Nick:rsch un die Scheinemenner getriet wer'n. Sell is awwer nies 3 for meim Vatter sein ältste Bub. Un denselwe Weg gehts bei die 5lids. Wann ich for instenz zu den Joynnle iae ozy : Johnnie, komm hier, ei giff juh e Spenking," dann deht er mich auslache; wann ich awwer uff gut deitsch saae: Du verdollte lohferige Schnatt1 i l c 1 t.t.tt. V...txfi no. wann DU oill) Nll cci;ei;ic uuyji un mich nit meinde duhst. dann nemm ich die Wipp un gewe dich e Sielen, daß du die Wahl enuff tschumpe duhst UN dich dei Bohns noch sor evau: acqi Tag ehke, du misserabliger Toff!" wann ich so zu ihn spreche duhn. dann bett ich Jhne einige?. daß er sich beheb fe duht un sehn Se, das is en Sieg von die densche Lengwitsch! Well, ich hen den Wedesweiler genug geiagl gehabt un hen mich en Witzkie gewwe losse. So for de erschte Drink im Morgen do gleich ich nit schon die p;rffab& in mein Stommeck zu hen. Der Wedesweiler Hot auch eins an mich genomme, wann ich for oezayie. Kinn is er immer aria liwerahl. Wie ich mein Witzkie inseit gehabt hen. do sin ich rettiq sor Blaues gewee. .frnfat Du schon e frisches Kehkche an Täpp." hen ich gefrogt un er sagt schuhr Ding." un well, vo Yen :a eins genomme. Es Hot nit lang genomme. do sm nocy 10 e paar cm komme un in les; denn no eim. oo yen mir an den runde Tehbel gehockt un hen Palleticks getahkt. Der Wedes- ' . , r i V Jd . : . weller yo: geagi, es roai vvaj r uiic Schehm. was die Sohlschers in den Krieg for Futter kriegt hätte, das wär noch mt emol fltt for en und gewese un dabei hätt unser Gowwernment en hohe Preis for bezahle müsse. In Fäckt müßte die Saluhnkieper for bezahle mit die verdollte Wahrtäcks. Do braucht mer nit zu wunnern, daß so viele von die bra.ve Sohlscherbeus zu Doht gestorwe sin. Sell wär all an ekaunt von den rattene Äies. ie vin nern Im auck mitaesproche. awwer ich hen kein Wort zu gesagt. Wisse Se. zwischen Sie un mich, hen ich noch gar nicks von den Mietbiknes in den Pehper gelese. Sehn Se. ich krieg die Zeit gar nit, viel in das Pehper zu lese. Mann ick die Gestorwene. die Verdorwene und die Geheirathe gelese hen. daS iS ebaut all, was icy uenve rann, tfvrnn kriea ick sckon Schlof un gehn dann auch reiteweg in's Bett un wisse Se. am Dag kommt dech unjer eins nit an'ö Lese: Die Lizzie, was mei Wüt is, die duht off Kohrs jede Lein in das Pehper lese, awwer die duht mich nienicks sage. Die Hot nor immer, wann ich heim sin, iwwer die Kids zu komvlekne un dak die Kids auck differend wäre, wenn se e wenig mehr 'llejpell sor micy yalle, awwer debte ia nicks diesentes von mick sebe. Well, ich hen mich die Sach emol von den Wedesweiler easpletzne geloise un ick muk saae. das aanze Biknes Kot mich arig mähd gemacht. Was wär dann rn den Kas zu duhns hen ich aesaat: der Keller, wo das Bief aeJ 1 J " w I fornischt Hot, wei, den sollt mer in die Pennitenjcyene 0jdt." Gatt'S Watt, Hot der Wedesweiler gesagt, awwer wie's gucke duht, werd der Feger mehdie gar mt geponnischt un werd noch owwedrein als Hof-Nindsvieh Lieferant eppeuntet." Well," hen ich gesagt, tU duht awwer einiges biete. Kann mer dann die Geschicht nit de eine odder de annere Weg fickse?Well," Hot der Wedesweiler gesagt, das einzige Ding is, wann emol en diesender Zittisen zu den Pressident gehn deht un deht ihn sehn in Riegahrd zu den Käs un deht ihn emol en aute Ettweis gewwe." Bei Galle, do hen ich gesosse un hen kein Wort gesagt, awwer ich hen e ganze Latt gedenkt. Es is in die paar Minnits mehr Stoff in mei Brehn erum gange, wie in e halwes Johr. Dann sin ich uffgetschumpt un hen uff de Tehbel gekloppt, daß de Wedesweiler schon gedenkt Hot, ich wollt ebbes for's Haus ordere. Dann sagt ich: Wedesweiler. geb uns en Drink, ichgehn zudenPressid e n t !" Do hen se all die Sprach verlöre gehabt. Nach e koppele Minnits sagt der Wedesweiler: Dumm genug wer'scht Du." Un wann ich so dumm, wie e Hornvieh un en Mjuhl sin, hen ich gesagt, ich weiß doch was ich sin un ich gehn doch. Womit ich verbleiwe Jhne Jhrn liewer PhilippSauerampfer. Ausgesperrt. Von Nnnie Latt'Felöberg. Mit vierzig Jahren war er ein richtiger Hagestolz. Voll kluger Vorsicht hatte er sich bis jetzt nicht einfangen" lassen. An Versuchungen hatte es ihm nicht gefehlt. Eine gute Partie, wie er war, hatten es sowohl MÄter wohlerzogener Töchter, wie diese selbst auf ihn abgesehen. Er war sehr stolz darauf, der Scylla und Eharybdis der ehelustigen Weiblein entronnen zu sein. Er hoffte und wartete darauf, daß es ihn einmal überkommen müßte beim ersten Sehen. Sein Herzschlag mußte stocken, wenn er sie sah, sie, die ihm zur Ergänzuno seines eigenen Ichs bestimmt war. Seit 20 Jahren hosste er auf diesen Moment. Heute sollte sich sein Schicksal ersüllen. x Es war eine rabenschwarze Nacht im

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No. Frühling. Warmer, feiner, desrucytender Regen fiel. Mit dem letzten Zug, dem Lumpensammler, hatte er den westlichen Borort Berlins mit seinen vornehmen, stillen Billen erreicht. Er hatte sich hier niedergelassen, um in beschaulicher Ruhe ein Werk zu vollenden, an dem er schon zehn Jahre arbeitete. Seine Vermögensverhältnisse gestatteten ihm das. Nach fröhlichem Kneipen im Freundeskreis befand er sich in riesig unternehmender Stimmung; so etwas wie Studentenhumor befiel ihn. Am liebsten hätte er, mit seinen vollzähligen vierzig Jahren irgend einen litt" verübt. Den Hut im Nacken ging er unter dem naßglänzenden Regenschirm und pfiff einen Gassenhauer vor sich hin. Ach, mein Herr, wissen Sie nicht, ob es hier einen Nachtwächter gibt? Ich bin nämlich ausgesperrt." tönte eine helle Frauenstimme an sein Ohr. So ausgesperrt? Warum haben Sie denn keinen Hausschlüssel mit?" Ich habe ihn verloren!" kam es kleinlaut zurück. Ich stehe schon eine Stunde hier. Eine ZUingel ist nicht an der Thür, einen Portier gibt es nicht im Hause. Was soll ich nur anfange?" Da ist guter Rath theuer. Haben Sie denn schon in die Hände geklatscht?" Das hilft nichts, die Schlafzimmer sind nach hinten, es würde mich Niemand hören. Wenn ich im Garten wäre, dann könnte ich ums Haus gehen. Aber das Gitter ist zu hoch!" Prüfend blickten beide an dem hohen Eisengitter mit den scharfen Spitzen empor. Dann sah er auf die zierliche Frauengestalt und lächelte. Sie hatte an Ueberklettern gedacht, sie schien muthig und der heiklen Situation gewachsen. Jetzt wandte sie sich, daß der Schein der Laterne in ihr Gesicht siel. Große, zaghaft blickende Augen in einem kleiren, feinen Gesicht. Es gab ihm einen kleinen Ruck. Sie wohnen hier?" fragte er sehr unnütz, nur um etwas zu sagen. Ja natürlich! Ich ich bin bei der Frau Doctor Gesellschafteu rin. Sooo " kam es gedehnt aus seincm Mund. Von der Dame, einer Wittwe, die sehr hübsch und lebenslustig sein sollte, hatte er bereits gehört. Wittwen mied er grundsätzlich. Wenn sie jung und hübsch waren, dünkten sie ihm die gefährlichste Spe cies der Weiblichkeit. E? wollte von keiner Wittwe sich einfangen lassen. Ihre Gesellschafterin erschien ihm nicht gefährlich. Ein Wesen in dienender Stellung nein das war unmöglich; die würde ihn doch nur nehmen, um für immer bei ihm geborgen zu sein in sicherster Lebensstellung.Darauf siel er sicher nicht hinein. Die hintere Gartenmauer ist nicht sehr hoch " klang es mit eigenthümlich vibrirendem Ton. Die Hintere Gartenmauer liegt in der Nebenstraße?" Nein, hinten nach den Wiesen zu." Möchten Sie da überklettern?" Ich muß wohl aber es wird nicht gehen. Die ganze Nacht kann ich doch nicht hier stehen bleiben." Allerdings, das geht nicht." Wäre er ein verheirateter Mann gewesen, hätte er sie auffordern können, in seinem Oause Zuflucht zu suchen:

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307 Maffachnsetts Avenue.

Die vollständigste aber so ging das nicht. Er, der Hagestolz durfte doch nicht daran denken. Mit einem Diener hauste er zusammen, nicht einmal eine Wirthschaften besaß er. Wirthschafterinnen können auch gefährlich werden. Nun seufzte sie und trippelte ungeduldig mit den Füßchen. Wenn wenn Sie mir helfen wollten, dann ginge es schon." Was denn?" Das Ueberklettern über die Hintermauer. Meine Herrin wird mich hören, wenn ich rufe und mir dasHaus aufmachen lassen." Versuchen wollen wir es. Sehen wir uns die Hintermauer ein Mal an," entgegnete er. Allein sie stehen zu lassen vor der verschlossenen Thür, das erschien ihm grausam. Ihr Vertrauen in ihn sollte sie nicht täuschen. Es schmeichelte ihm. daß sie sich gar nicht vor ihm fürchtete und jetzt mit ihm nach den einsamen Wiesen schritt.Hier, 'diese Mauer ist es. Dort in der Ecke ist eine Erhöhung des Gar tenbodens. wenn ich dort herauf könnte?" Ich werde Sie heben," sprach er kühn. ; . ; Sie schwieg. Sie standen sich gegenüber. Er lehnte den Regenschirm an die Mauer. Sie werden Ihre Füße auf meine Hände stellen müssen, so wird es gehen." Ich werde Ihre Handschuhe beschmutzen." Schadet nichts, mit denen ist es so wie so aus." Er' beugte sich nieder und hielt seine Hände bereit. Beim Aufsteigen auf ein Pferd leisten die Herren stets den Damen diesen Dienst ich denke die Noth gebietet." Einen Augenblick fühlte er die Last ihres Körpers. Leises Rascheln von Seidengewändern. Veilchenduft! Ein kräftiger Ruck. Nun war sie ooen. Helles schelmisches Lachen, so lustig und doch discret, wie er es noch nie gehört. Tausend Dank!" Sie reichte ihm die Hand und drückte die beschmutzte Rechte innig, die so ritterlich ihr aus der Noth geholfen. Nochmals tausend Dank!" Er, stand stumm. Das Lachen, der Händedruck, es durchschauerte ihn vom Kopf bis in die Zehenspitzen. Wie ein Magnetstrom war es von ihr ausgegangen. Wie angewurzelt stand er eine Weile und horchte. Leise, eilige Schritte, dann Hundegebell, kurz, hell, freudig. Nun Händeklatschen, ein, zwei Mal. Er stand noch immer. 'Was war das?- fragte er sich ganz verwirrt. ' Er fühlte noch den Druck der kleinen Füße in seinen Händen, fühlte die Last ihres zierlichen Körpers, hörte das Seidenrauschen, das süße, schelmische Lachen. Sie muß reizend sein! Aber eine Gesellschafterin so elegant in Seide, die feine, kleine Hand, die so innig die seine umspannt zum Dank unmöglich das war sie sie selbst die lebenslustige Wittwe. Um seine Nachtruhe war es geschehen. Oben im Hause tönte noch eineWeile helles, lustiges Lachen. Kopfschüttelnd stand eine lange, hagere Person vor der Lachenden. Natürlich werden Sie, wenn Jemand Sie kragt, hübsch sagen, daß Sie

leichtest laufenden Fahrräder

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Neparaturwerkftätte in der Stadt.

den Schlüssel verloren haben, daß Sie ausgesperrt waren, daß Sie übergeklettert sind." Mir glaubt das kein Mensch." Schadet nichts. Sie bleiben hübsch dabei und nun: Gute Nacht". Sie lachte noch, als sie unter die warm, weiche Decke schlüpfte. Auf Händen getragen." flüsterte sie und schlief schließlich fest und ruhig, mit einem Gefühl wunderbarer Sicherheit. Am andern Tage, um die Mittagszeit, saß sie, frisch und sonnig wie der leuchtende Frühlingstag, auf ihrem Balcon. Die Sonne fing sich in ihrem leuch tenden Blondhaar und der schillernden, hellen Seidenblouse. Er ging vorüber. Sein Blick hing an ihr wie gebannt. Er sah die Augen, das kleine Gesicht, den lächelnden Mund. Sein Anstarren fiel ihr auf. Sicher mein Ritter von der Nacht" dachte sie, zuckte zusammen und eilte ins Haus. Ein heller, lachender Ton drana iv lym hinaus. Siedendheiy uverttes es ihn. Er biß sich auf die Lippen und trat mit raschem Schritt in den Garten. Nun klingelte er an der erstenEtage. Ich wünsche die Gesellschafterin der gnädigen Frau zu sprechen." Die bin ich" entgegnete ihm die hagere, lange, ältliche Person, die öffnete. Dann wünsche ich, die gnädig; Frau zu sprechen." Wen darf ich melden?" Er gab seine Karte ab. Es dauerte eine Welle. Bedaure, gnädige Frau kann Sie nicht empfangen." Er ging mit Zorn. Liebe und Sehnsucht im Herzen. Abgewiesen, er abgewiesen! Täglich, um dieselbe Zeit, ging er vorüber, saß sie auf dem Balcon. verschwand sie wie der Blitz, wenn sie ihn sah. Immer dasselbe Manöver. Eine Woche später ließ er sich wieder bei ihr melden. Wieder vergebens. , Gnädige Frau ist mit Packen beschäftigt. Wir reisen morgen." Wohin?" Ins Gebirge.Die Thür fiel in's Schloß, dicht vor seiner Nase. In seinen Augen funkelte es. Sein Diener mußte kundschaften, dann packen. In einem Coupe des Schnellzugs, der nach Süden ging, trafen sie sich, eine Sekunde vor der Abfahrt. Sie fuhr herum, als sie ihn sah und verbarg ihr Gesicht unter einem dichten, weißen Schleier. Dann begann sie eifrig im neuesten Engelhorn zu lesen. Sie that, als ob sie ihn nie gesehen hätte. Er behauptete seinen Platz ihr gegenüber. Nun war sie gefangen. Er wollte sie festhalten, fest und sicher wie damals, als er sie auf seinen Händen trug. Er that ganz gleichgiltig, obgleich sein Herz in wildem Tempo schlug. Wohl sah er, wie sie zuweilen über ihr Buch hinwegschielte, zu ihm herauf. Auch las sie eine halbe Stunde, ohne umzuschlagen, und schließlich zitterten ihre Finger, die das Buch hielten so, daß sie es bei Seite legen mußte. Eine nervöse Unruhe befiel sie. Ein ihr ganz fremdes Gefühl. Sie fchlug den Schleier zurück und sah ihn plötzlich an mit ihren großen, forschenden Auaen wie kamvfbereit.

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Er erwiderte khren Blick. Warum haben Sie mich nicht empfangen wollen?" fragte er. Weil weil nun weil ich mich schämte!" Tiefe Röthe zog über ihre Wangen. Sie schlug die Augen nieder vor seinem brennenden Blick. Weshalb schämten Sie sich? Weil Sie mich belogen haben? " Sie schüttelte den Kopf und lächelte. Beide schwiegen. Sie dachten an mt Situation in der dunklen Regennacht, wie er sie hoch hob auf seinen starken Handen. Unwillkürlich blickte sie darauf, und er suchte amBoden ihre Füße, die rasch unter dem Saume ihres eleganten Reisekleides verschwanden. Nun lachte er, und sie stimmte ein. Das Els war gebrochen. Sie plauderten, sie waren glücklich wie zwei verirrte Kinder, die sich gefunden und gemeinsam weiter wanderten ihrem Ziele zu der gemeinsamen Wande rung durch s Leben. Die erste Rose. Es ward des Sommers letzte Rose Schon längst mit einem Lied geehrt. Ist denn die erste Frühlingsrose Nicht gleichfalls des Besingens werth? So dacht' ich heut', als duftumflossen Und vollerbluht sie vor mir stand. Von Purpurschimmer Übergossen, Die erste, die der Lenz gesandt. Ich hab', in stilles Glück versunken, Den Blick in ihren Kelch getaucht Und einen Kuß dann, wonnetrunken.. Auf ihre Blätter hingehaucht. Und doch kein ied?" wirst du nun fragen. Geh' schau die erste Rose an. Und sie wird Schöneres dir sagen ' Als je ein Dichter singen kann. Der verkannte Künstlername. Gemüthlich trollte der Mostbauer durch die Straßen der Residenzstadt. Plötzlich blieb er vor einer Kunsthandlung stehen, stutzte sich nach rückwärts aus seinen Stecken und betrachtete aufmerksam ein Bild. Mostbauer war kein Kunstfreund, noch weniger ein Kunstkenner, aber der schleichende Fuchs im Walde" fesselte ihn doch, denn das Raubvieh hatte ihm schon viel Verdruß bereitet; am liebsten hätte er sogar den gemalten Fuchs noch weidlich durchgeprügelt. Da las er rechts unten in der Ecke niit rother Farbe geschrieben: A. Wolf. Na", brummte er, des soll a Wolf sei', mi' stimmst!" Kopfschüttelnd stampfte er wieder seines Weges weiter.. Nester von Sturmvögeln. Räthselhaft und geheimnißvoll ist für uns noch ein Theil des Familienlebens derallbekanntenMeeres-Sturm-Vögel (hierzulande Petrels" genannt, von den Gelehrten l'i-ocellarndae" getaust.) Man wein indeß Einiaes darüber. das ihnen ejne curiose Stellung unter i- -r'ji .-u..:n rr". . in - r ihresgleichen umvcii. sie muen aus kleinen nordischen Inseln, und zwar unmittelbar über der Woaenbrandungsfläche. Daselbst graben sie sich, gleich kleinen geflügelten Mäusen, in den Boden hinein, und in ein Nest von gewissem See-Kräutickt leat der weibliche Vogel em einziges weißes Ei. xtt Flucht au dem Bereiche des Lichtes und' der Luft erscheint' für Voael ganz unnatürlich, und aewöbnllcd itt. daS unterirdische Nett sebr

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o heiß und muß sich nur mit größer Schwierigkeit in halbwegs geeignetem Zustand erhalten lassen, was Reinlichkeit und mäßige Temperatur anbelangt. Sogar Ratten, und viele andere Thiere, die sich in den Boden graben. versuchen wenigstens, ihr Verließ zu lüften; aber niemals nach Allem, was man weiß machen Sturmvögel einen solchen Äersuch. In der That wimmeln diese Nester oder Erdhöhlen häufig von den unangenehmsten Insecten, und man kann es kaum begreifen, daß hier Junge ausgebrütet und unter erträglichen Verhältnissen bewahrt werden sollen. Für die heiße Temperatur in diesen unterirdischen Vogelnestern ist auch das Auskommen eines merkwürdigen Volksglaubens sehr bezeichnend, welcher in manchen Gegenden in der Nachbarschaft der Sturmvögel-Geniste verbreitet ist und jedenfalls hübsch klingt; sogar Gelehrte haben für diesen Volksglauben ein paar gute Worte übrig. Man sagt nämlich im Volk, diese Sturmvögel brüteten ihre Eier nicht in der Weise aus, daß sie auf denselben saßen, wie e doch sonst in der Vogelwelt im Buch steht", . sondern von Weitem und auf musikalischem Wege! Es wird erzählt, sie säßen etwa 6 Zoll von dem Ei entfernt, zwischen diesem und der Oeffnung der Nesthöhle, und sie hielten blos das Köpfchen nach dem Ei gerichtet, gluckten dem Ei Tag und Nacht und brüteten es solcherart glücklich mit ihrem Gesang aus. Das hört sich freilich wie ein Märchen aus dem Orient an. Und doch meint ein Davenport Graham, es sei in gewisser Beziehung sehr zutreffend". Er, und andere Beobachter, die sich zurückhaltender darüber äußern, versichern gleich ihm, daß sie dieses Glucken häusig Abends gehört hätten, und dasselbe allerdings weniger an Vogelgesang, als an das Surren oder Spulen einer Katze erinnere. Auch hat man in Fällen, in denen das Nest plötzlich geöffnet wurde, den Vogel meistens nur in der Nähe des Eies kauernd gefunden. Natürlich soll dies nicht für einen Beweis ausgegeben werden; aber abenteuerlicher, als so manches Andere im Leben ver Sturmvögel, ist schließlich diese Angabe auch nicht. und man hat ja der Macht des Gesanges" schon noch viel wunderbarere Dinge zugeschrieben, als das Eier-Ausbriiten ! Die Sache ist aber einfach die: Ohne Zweifel trägt die ungemein heiße und dicke, Atmosphäre in diesen unterirdischen Nestern schon an sich einigermaßen zum Ausbrüten der Eier bei; denn so ein Nest ist ja die reinste natürliche Briite-Maschine! Doch wird es die Mutter wohl auch an directer Nachhilfe nicht ganz fehlen lassen Das Schicksal packt den aern an der Kehle, der alles durch die Gurael rinnen läßt. Gesellschastsreael. Im Denken darfst Du zurück sein, aber nicht in der Kleidung. . Ehesreuden. Mann: Was. daZ ist Deine Vorjahrsrechnung? Frau: Findest Du das sehr viel? Mann: Na, ich danke, da bleibt für mich den Sommer kein Glas Bier übria. ?rei an leidende Zrauen !

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