Indiana Tribüne, Volume 22, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1899 — Page 3

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BsVVehMjb:

CrimZnsl.Noman von 2ft. E.Vraddon. (9. Fortsetzung.) Herr Dawson ist Dor einer Stunde Qbzereist," erwiderte der Diener hochrnüthig. ober er lieb eine Bestellung für Sie zurück, falls Sie vorsprechen sollten. Die. Dauer seiner Abwesenheit ist ungewiß, und wenn Sie ihm etwas niitzutheilen hätten, möchtenTie bis zu seiner Rückkehr warten.Der Major schob den Diener bei Seite und trat in den Flur. Die Thuren der verschiedenen Zimmer waren alle geöffnet, und er überzeugte sich, daß die Zimmer des Bankiers dunkel und leer waren. Er konnte nicht daran zweifeln, daß Dawson ihn überlistet hatte, für den Augenblick wenigstens. Aber was bedeutete diese plötzlicke Abreise? Was hatte der Bankier vor? Ich werde Ihrem Herrn schreiben," sagte der Major nach einer Pause, wie ist seine Londoner Adresse?" Herr Dawson hat keine Adresse zurückgelassen." Hm! Schadet nichts. Ich kann meinen Brief an das Bankhaus adressiren. Gute Nacht." 26. K a p i t e l. Alfred Dawson kam einige Stunfcen. nachdem Templin Mangoldshöh' Verteilen hatte, in London an und stieg im Clarendon - Hotel ab. Einen Dier.n hatte er nicht mitgenommen und sein Gepäck bestand nur aus einem Handkoffer und seiner Briefschatulle, derselben, deren Inhalt er während jenti Nacht, in der der Moch im Walde begangen worden war, in seinem Gasthofzimmer in Winchester so sorgfältig durchsucht, und deren Inhalt er so genau geprüft hatte. Der Tag nach seiner Ankunft war ein Sonntag und diesen ganzenSonntag benutzte der Bankier, ein in Leder gebundenes Manuscript durchzulescn, ras er aus seiner Schatulle hervorgeholt hatte. Noch lange nach eingetretener Dunkelheit saß Alfred Dawson vor dem Kaminfeuer, rauchend, Wein trinkend und in dem Manuscript lesend. Nur hier und da unterbrach er sich, um mit dem Bleistift einige Bemerkungen in sein Notizbuch zu schreiben. Es war sieben Uhr, als der Kellner, der Dawson zu bedienen hatte, ihm meldete, daß sein Abendessen' in dem anstoßenden Zimmer aufgetragen sei. Der Bankier erhob sich, um das Buch wieder in die Schatulle einzuschließen. Während er die anderen Papiere verwahrte, legte er das Buch auf den Tisch nebe.', sich, und die erste Seite fiel auf. Auf dieser ersten Seite stand in Alfred Dawsons kühner, leserlicher Schrift: Tagebuch meines Lebens in Indien von meiner Ankunft imJahre 1S50 bis zu meiner Abreise im Jahre 1883." Das war das Manuscript, das der Bankier den ganzen Tag hindurch studirt hatte. Am nächsten Tage um zwölf Uhr bestellte er einen Wagen, um nach dem Bankhause in der Gundolph - Straße zu fahren. Es war das erste Mal nach seiner Rückkehr aus Indien, daß Alfred Dawson das alte düstere Haus besuchte. Wer die Geschichte des gegenwärtigen Chefs des Bankhauses kannte, wunderte sich über diese Thatsache nicht. Man wußte, daß Alfred Dawson als junger Mann die Neigungen und Gewohnheiten der jungen Edelleute angenommen hatte, mit denen er verkehrte, und daß, wenn er sich später zu einem tüchtigen und erfolgreichen Geschäftsmann entwickelte, es nur die Macht der Umstände war, die ihm eine ihm verhaßte Stellung aufgezwungen hatte. Es war also in keinem Falle verwunderlich, daß Alfred Dawson, nachdem er in den Besitz des Vermögens seines Vaters und seines Onkels gekommen war, sich den Räumen fern hielt, an die sich für ihn nur unangenehme Erinnerungen knüpften. Das Geschäft war während feiner Abwesenheit ohne ihn sehr gut gegangen und es ging auch jetzt ohne ihn in gewohnter Weise fort, denn der Cassirer, der seit Zwanzig Jahren in dem Bankhause in Kalkutta thätig gewesen, war an seine Stelle getreten. Vielleicht schwebte dem Bankier die unfreundliche Erinnerung an seinen letzten Besuch in der St. Gundolphstraße vor, die Erinnerung an jene fürchterliche Stunde, in der das VorHandensein der gefälschten Wechsel von Lambert und Roland Dawson entdeckt wurde. Fünfunddreißig Jahre lagen zwischen dem gegenwärtigen und jenem Tage und dennoch mochte dieser Zeiträum noch nicht groß genug sein, das Andenken an die Vergangenheit von den Gedanken zu trennen, die heute das Gemüth Alfred Dawsons beschäftigten. Seine Betrachtungen an diesemTage roaren unverkennbar nicht heiterer Natut. Er war sehr blaß und sein Gesicht zeigte einen strengen, entschlossenen Ausdruck. Seine Mundwinkel zuckten nervös, als er vor den Mahagonithüren des Bankhauses in St. Gundolph aus dem Wagen stieg, aber tief Athem hoZend und den Kopf hochaufgerichtet, überschritt er die Schwelle des Comptoirs. Niemals seit jenem Tage, an dem man die gefälschten Wechsel entdeckte, hatte er das Bankhaus wieder betreten. Finstere Gedanken umdunkelten seine Seele und die Schatten vertieften sich auf seinem Gesicht, als er einen raschen ZZlick über das Geschäftszimmer warf. Er ging geradeweg; nach jenem Pridatbureau. wo. vor fünfunddreißig Jahren jener unvergessene Auftritt yattgesundn hatte, aber ehe er es er-

reichte, kam ihm Lonor Austin, der

Cassirer, entgegen. Wünschen Sie Herrn Balder zu sprechen, mein Herri fragte er. Ja, ich habe mich ihm auf ein Uhr angemeldet. Mein Name ist Dawson. Der Cassirer verneigte sich und tf i. i. ' vssneie oie .yur. Leonor Austin war kaum weniger blaß, als Alfred Dawson selbst. Er hatte von dem beabuchtiaten Besuch des Bankiers gehört und sah mit einer eigenthümlichen Unruhe der Begegnung mit dem Manne entgegen, den Ursula für den Mörder ihres Vaters erklärte. Ernst und forschend blickte er auf Dawson, als wollte er das Geheimniß von Schuld oder Unschuld aus des Bankiers Zügen lesen. Das Gesicht Alfred Dawsons war bleich, ernst und hart, aber Leonor Austin wußte, daß für den Bankier sehr beschämende, ihn tief demüthigende Er.' innerungen mit diesen Räumen verbunden waren, und es von ihm nicht erwartet werden konnte, -daß er die Stätte lächelnd betrete, die er einst als entehrter und schmachbedeckter junger Mensch verlassen hatte. Die beiden Männer standen eine Weile still und sahen einander an. Der Blick des Bankiers senkte sich nicht. Seine Augen ruhten fest auf dem Beamten seines Hauses. Es gilt als ein starker Beweis von der Schuldlosigkeit eines Menschen, wenn er dem argwöhnisch forschenden Auge klaren unverwandten Blickes begegnen kann, aber gerade der Schurke ist auf diese Proben vorbereitet, während die Unschuld sich durch solche anklagende Blicke verblüffen läßt. Leonor Austin öffnete Roderich Balders Zimmer und Dawson trat unangemeldet ein. Der Cassirer kehrte nach den Geschäftsräumen und an sein Pult zurück. Balder erhob sich von seinem Sessel, in dem er vor seinem Schreibtisch ge sessen war und ging dem Bankier entgegen. Die beiden Männer reichten einander die Hand, Balder rollte für den älteren Collegen einen Sessel heran und setzte sich ihm gegenüber. Dawson blickte sich in dem kleinen Zimmer um, sich des Tages erinnernd, an dem er es zuletzt gesehen hatte. Es schien wenig darin verändert. Ihren Brief, in dem Sie mir Ihre Reise noch London ankündigten, habe ich am Samstag erhalten", sagte Balder. Ich habe selbstverständlich dafür gesorgt, daß wir keinerlei Störung zu fürchten haben. Wenn Sie die Geschäftslage zu prüfen beabsichtigen" C. nichts liegt mir ferner", erwiderte Dawson abwehrend. Ich bin ganz zufrieden, nach wie vor stiller Theilhaber dieses Hauses zu sein. Mein Vater nahm schon zehn Jahre vor seinem Tode keinen thätigen Antheil mehr an unserem Geschäft, und das Haus blühte weiter und wird auch ohne mich weiter gedeihen. Die Angelegenheit, die mich nach London führte, ist eine ganz persönliche. Ich bin ein reicher Mann, aber ich weiß nicht genau, wie viel ich habe. Ich wünsche nämlich eine ziemlich bedeutende Summe zu erheben. Balder verneigte sich, aber seine Brauen zogen sich in die Höhe. Es war ihm unmöglich, jedes Zeichen des Erstaunens zu unterdrücken. Vor der Verhcirathung meiner Tochter übertrug ich ihr das Haus am Portlandplatz und das Gut in Yorkshire als Eigenthum. Wenn ich sterbe, fällt ihr mein ganzes Vermögen zu. Baron v. Wolkenfels, mein Schwieger fohn, ist ein sehr reicher Mann und so weit ist Alles gut. Weder Laura noch der Baron werden Ursache haben, unzufrieden zu sein; aber das genügt mir nicht, Herr Balder." Dawson hielt einige Male inne, um sich mit dem Taschentuch über die Stirn zu fahren. Wir Anglo - Jndier thun das, was wir uns zu thun vorgenommen haben, gern in großartiger Weise. Ich wünsche meiner Tochter einen Halsschmuck als Hochzeitsgeschenk zu geben, wie es ein orientalischer Fürst seinem einzigen Kinde bieten würde. Alles was ich brauche, ist eine große Summe baaren Geldes zu freier Verfügung. Dieser Schmuck soll eine würdige Hinterlassenschaft der Baronin v. Wolkenfels an ihre Kinder sein. Sie und Dr. Lowell in Shornkliff waren die von meinem Vater ernannten TestamentsVollstrecker, und Sie Herr Balder, unterzeichneten im September eine AnWeisung zur Ucbertragung des Vermögens meines Vaters an mich." Ja, in Gemeinschaft mit Dr. Lowell." Ganz recht. Dr. Lowell schrieb mir über diese Angelegenheit. - Mein Vater hielt hier zwei laufende Rechnungen, so viel ich weiß, die eine für die Einnahmen, die andere für die Ausgaben." So ist es." Und diese Bücher sind seit meiner Rückkehr in derselben Weise fortgeführt worden, wie bei meines Vaters Leben?" Selbstverständlich." Können Sie mir diese Bücher zeigen?" Natürlich." Balder klingelte. Bitten Sie Herrn Austin, mir die beiden Hauptbücher zu bringen," sagte er dem auf sein Glockenzeichen erscheinenden Diener. Fünf Minuten später legte Leonor Austin die beiden Bücher vor. Balder schlug sie auf, und schob sie Dawson zu. Der Bankier sah zuerst nach seinem Guthaben. Seine Augen überflogen die langen Zahlenreihen, bis sie auf der Gesammtsumme ruhten. Seine Brust hob sich und er holte tief Athem, wie einMensch, der sich vor Erregung fast ersticken fühlt. Es war eine schwindelnd hohe Summe. .Und wie ist dieses Geld, angelegt?" i

fragte Dawson, uf das Blatt weisend. Balder gab die gewünschte Auskunft. Sie können diese Papiere jederzeit in baares Geld umsetzen?" Es ist ein sehr beträchtliches Capital das in diesem Falle dem Geschäft entzogen würde," entgegnete Balder, sich nachdenklich das Kinn reibend. Ich nehme an, daß die Bank es vertragen kann." O, ja. Das Capital gehört Ihnen und Sie haben das Recht, nach Belieben darüber zu verfügen." Ich wünsche nur so viel, wie ich für die Diamanten brauche, aber das ist allerdings eine sehr hohe Summe. Ich will dieSteine direkt von den Diamantenhändlern, nicht vom Juwelier kaufen. Sie werden sich bereit halten, vom Mittwoch ab einige sehr bedeutende Anweisungen für mich auszuzahlen?" Gewiß, Herr Dawson." Fünf Minuten später erhob sich Dawson zum Fortgehen. Er trat in den. Balders Zimmer und die übrigen Geschäftsräume verbindenden etwas dunklen Flur. Die Bureaux erhielten durch hohe Bogenfenster ausreichendes Licht, so daß Dawson die Gestalt einer Frau deutlich zu erkennen vermochte, die mit Leonor Austin sprach. Der Bankier kehrte plötzlich wieder in Balders Zimmer zurück. Ich glaube einen Stock mitgebracht zu haben, Herr Balder," sagte er etwas verlegen. , Ich habe nichts davon bemerkt," er widerte Balder, sich von seinem Pult erhebend. Ich erinnere micht nicht, einen in Ihrer Hand gesehen zu haben." Ah. dann muß ich wohl irren." Dawson blieb noch, zog sehr langsam seine Handschuhe an und sah aus dem Fenster auf den düsteren HinterHof. den eine Mauer abschloß, in deren Mitte eine kleine hölzerne Thür eingelassen war. Während der Bankier noch am Fenster stand, kam Leonor Austin in das Zimmer, um Balder ein Schriftstück vorzulegen. Ich sah Sie soeben im Bureau mit einer Frau sprechen, Herr Austin," sagte Alfred Dawson sich umwendend. Wer ist die Person?" Eine junge Dame, die ich kenne." Und was führt sie hierher?" Der Cassirer zögerte einen Augenblick, ehe er antwortete. Sie sie wünscht Sie zu sprechen. Herr Dawson", sagte er nach einer Pause. Wie heißt sie? Wer wer ist sie?" Ursula Wilmot." Ich kenne eine Person dieses Namens nicht", erwiderte der Bankier hochmüthig, sah aber nervös nach der halbgeöffneten Thür. Bitte, machen Sie die Thür zu, fügte er ungeduldig hinzu. Es kommt ein furchtbarer Zug aus dem Flur. Wer ist diese Ursula Wilmot?" Die Tochter des unglücklichen Josef

Wilmot, der in Winchester so grausam ermordet wurde!" erwKerteAustln sehr ernst, dem Bankier voll in's Gesicht blickend. Der Bankier erwiderte diesen Blick so kalt und gelassen, wie er es zuvor gethan hatte. Sagen Sie dieser Ursula Wilmot," rief er ärgerlich, daß ich mich heute weigere, sie hier zu sprechen, wie ich ihr Anliegen in meinem Hause am Portland - Platz, und wie ich es ihr in. Winchester verweigerte. Sagen Sie ihr, daß ich es ihr immer verweigern werde, wann und wo es ihr auch belieben sollte, mich zu überfallen. Ich habe schon mehr als genug von jener scheußliehen Mordangelegenheit in Winchester gelitten, und werde mich vor ferneren Verfolgungen zu schützen wissen. Die junge Dame hat nicht die geringste Veranlassung, mich sprechen zu wollen. Wenn sie arm ist und Geld braucht, bin ich gern bereit, sie zu unterstutzen, wie ich ihr schon früher angeboten habe; mehr kann ich nicht für sie thun. Wenn sie sich in Noth befindet " Das ist'nicht der Fall, Herr Dawson," unterbrach ihn Leonor Austin. Sie hat Freunde, die ihr gern zur Seite stehen und es nie dahin kommen lassen werden, daß sie mit Noth zu kämpfen hat." Wirklich? Und zu diesen Freunden gehören wahrscheinlich auch Sie selbst, Herr Austin?" Ja, Herr Dawson." Dann beweisen Sie Ihre Freundschaft damit, daß Sie Ursula Wilmot lehren, sie besitze in mir einen Freund und keinen Feind. Wenn Sie ihr, wie ich aus der Art und Weise schließe, in der Sie von ihr sprechen, mehr sind als ein Freund, wenn Sie das junge Mäd--chen lieben und Ihre Liebe erwidert wird, dann heirathen Sie die Waise, und sie soll Ihnen eine Mitgift zu bringen, deren sie sich nicht zu schämen haben soll!" In der Stimme des Bankiers war jetzt weder Zorn noch Ungeduld, sondern ein Ton tiefen Gefühls. Leonor Austin bemerkte diese Wandlung seines Wesens mit Erstaunen. Alfred Dawson fing diesen verwunderten Blick auf und es schien, als ob er ihn beantworten wolle. Es darf Sie nicht befremd: sagte er, daß ich vor einer Unterredung mit Ursula Wilmot zurückschrecke. Begreifen Sie nicht, daß meine Nerven nicht die stärksten sind und ich dieBorstellung nicht vertragen kann, diesem Mädchen gegenüber zu treten, das mir durch die Beharrlichkeit, mit der es mich verfolgt, den Beweis gibt, es habe mich im Aerdacht, der Mörder des unglücklichen Wilmot zu sein? Ich bin ein alter Mann und habe fllnsunddreißig Jahre in Indien gelebt. Meine Gesundheit ist erschüttert und mir graut vor allen tragischen Scenen! Ich habe mich noch nicht von der Erschütterung über jenes schauerliche Ereigniß in Winchester erholt. Sagen Sie Ursula Wilmot $alt

sagen Sie ihr ferner, daß ich sie nicht eher sprechen werde, als bis sie gelernt hat, besser von mir zu denken." Es lag etwas Offenes, Einfaches in den soeben vernommenen Worten. Einige Zeit schwankte Austin in seiner Ueberzeugung. Vielleicht hatte Ursula doch Unrecht und' Alfred Dawson war trotz ihrer Voreingenommenheit ein schuldloser Mann. Leonor war es gewesen, der Ursula von dem zu erwartenden Besuch Dawsons benachrichtigt, und auf dessen Veranlassung sie sich in St. Gundolph eingefunden hatte, entschlossen, den Mann zu sprechen, in dem sie den Mörder ihres Vaters vermuthete. Der junge Mann kehrte in das Geschäftszimmer zurück, um Ursula die Botschaft Dawsons zu überbringen. Kaum hatte sich die Thür hinter ihm geschlossen, als Dawson sich an seinen Compagnon wendete. Ist dort nicht ein Pförtchen?" fragte er. Ja. dort ist eine Thür." Ist sie verschlossen?" Nein, bis vier Uhr nicht." Dann werde ich mich durch diese Thür entfernen," erklärte Dawson. Schicken Sie gefälligst meinen Wagen nach dem Clarendon - Hotel zurück. Ich mag das Mädchen nicht sehen. Guten Morgen!" Er eilte in den nach dem Hofe führenden Flur, öffnete das Pförtchen und verschwand. So entzog er sich zum dritten Male der Unterredung mit Ursula.

27. Kapitel. Er wird es nicht wagen, Ihnen auszuweichen, wenn er zu uns kommt," hatte Leonor am Abend vorher zu Ursula gesagt, denn er muß wissen, daß eine solche Weigerung seine Umgebung argwöhnisch machen würde." Das hätte er auch in Winchester wissen müssen," erwiderte Ursula, und dennoch wich er mir aus! Er muß es in seinem Hause am Portlandplatze gewußt haben, und es hinderte ihn nicht, mich zurückweisen zu lassen. Die einzige Gelegenheit für mich, ihn zu sprechen, wäre ein zufälliges Zusammentreffen. Glauben Sie, das für mich herbeiführen zu können, Herr Austin?" Leonor versprach bereitwilligst, eine solche scheinbar zufällige Begegnung veranlassen zu wollen und so geschah es, daß Josef Wilmots Tochter in dem Geschäftszimmer des Bankhauses wartete. Sie hatte nur wenige Minuten nach Dawson das Haus betreten und wollte, wenn der Bankier seinen Wagen wieder zu besteigen im Begriff sein werde, die Gelegenheit wahrnehmen, ihn zu sprechen, sein Gesicht zu sehen und darin zu lesen, ob er schuldig sei oder nicht. Nun war sie zum dritten Male getäuscht worden und tief betrübt, beständig an ihren verstorbenen Vater denkend, ging sie nack Hauje, während der Bankier in einer Droschke nach seinem Gasthof zurückkehrte. Mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand, saß Ursula vor ihrem kleinen runden Tifch, aber sie konnte nicht lesen. Aus ihrem dumpfen Hinbrüten wurde sie plötzlich durch ein wiederholtes Pochen an der Thür aufgeschreckt. Ein unerwarteter Gast trat bei ihr ein, Leonor Austin, der Sohn ihrer Freundin. Ich fürchte, Sie erschreckt zu haben, Fräulein Wilmot", sagte er. 0 nein, durchaus nicht, ich dachte nur " Ueber unseren heutigen Mißerfolg nach?" Ja, Herr Austin." Ursula setzte sich wieder an den Tisch und Leonor Austin ging nachdenklich im Zimmer auf und ab. Plötzlich blieb er vor Ursula stehen. Sie war roth geworden als er eintrat, jetzt war sie blaß. Ursula," sagte Leonor, sie zum ersten Male mit ihrem Vornamen anredend, das heuteGeschehene bringt mich auf den Gedanken, daß Ihre Ueberzeugung der grauenvollen Wahrheit entspricht und Alfred Dawson, der Sohn und Neffe zweier Ehrenmänner, in deren Dienst vor mir mein Vater gestanden hat,, in der That ein Mörder ist. verhält es sich so, dann verlangen Gesetz und Gerechtigkeit, daß sein Verbrechen an's Licht gezogen werde. Ich bin der Ansicht, daß die Polizei in dieser Angelegenheit mit strasbarer Nachlässigkeit verfuhr." Sie glauben, man habe sie bestochen?" Nein, sie war nur voreingenommen diesem Millionär gegenüber, dem sie ein solches Verbrechen nicht zuzutrauen wagte, aber ich glaube jetzt bestimmt, daß Dawson der Mörders Ihres Vaters ist und werde nichts unversucht lassen, sein Verbrechen an's Licht zu ziehen, iwd ihn der verdienten Strafe überantworten." .Ist das Ihr Ernst?" rief Ursula mit leuchtenden Augen. Jhres Vaters Mörder soll nicht ungestraft davon kommen, wenn ich es verhindern kann! Aber es war nicht das allein, weswegen ich Sie heute aufsuchte. Ich habe Ihnen noch mehr zu sagen, Ursula." In Leonors Ton lag eine Zärtlichkeit. die wieder heiße Gluth auf des Mädchens blasse Wangen zurückrief. Sie wissen, daß ich Sie liebe, Ursula," fuhr Leonor mit ernster Stimme' fort, ich liebte Sie seit jenem Abend, wo ich Sie zum ersten Male in Ihrem Gärtchen erblickte, und seitdem ist dieses Gefühl in meinem Herzen gewachsen und erstärkt, und heute bin ich hier, Sie zu fragen, ob Sie meine Liebe erwidern können." ' Ursula blickte erschrocken zu dem jungen Mann auf. Ja, sie erwiderte seine Liebe, aber sie gehörte nicht zu den Glücklichen, für die so herrliche Gaben vorhanden waren. Liebe und Pflicht kämpften in ih-

rer Seele und die Pflicht blieb Siegerin. O, Leonor," rief sie, vergessen Sie denn, wer ich bin? Vergessen Sie den Brief, den ich Ihnen zeigte. jenenVrief, der an das Zuchthaus adressirt war, in dem mein Vater die Strafe für seine Schuld verbüßte? Vergessen Sie, wer ich bin, und den Makel, der an meinem Namen haftet? Ich bin stslz darauf, daß Sie mich Ihrer Liebe würdigten, aber ich bin keine passende Frau für Sie!" Sie sind gut und edel, Ursula, und ich bin kein so vornehmer Mann, daß ich bei meiner Frau auf ihren Stammbäum sehen müßte. Meine Mutter liebt Sie wie eine Tochter, und sie weiß, daß Sie das Mädchen sind, das ich mir zur Lebensgefährtin gewinnen möchte. Vergessen Sie den Flecken auf dem Namen Ihres Vaters so bereitwillig, wie ich, und beantworten Sie mir nur die Frage, ob meine Liebe hoffnungslos ist?" Ich werde niemals einwilligen, Ihre Frau zu werden, Herr Austin," erwiderte Ursula mit leiser Stimme. Weil Sie mich nicht Neben?" Weil ich nicht will, daß Sie Ursache haben, über die Familiengeschichte Ihrer Frau zu erröthen." . Das ist keine Antwort auf meine Frage, Ursula," rief Leonor, sie an sich ziehend. Sehen Sie mir in's Gesicht und gestehen Sie mir, daß Sie meine Liebe erwidern. Theuerste." ' Verlangen Sie das nicht von mir," bat Ursula. Der Tag würde kommen, an dem Sie Ihre Wahl bitter bereuen müßten, und das könnte ich nicht ertragen. Ich würde Ihre Güte schlecht belohnen, wenn " Wenn Du mich namenlos glücklich machtest. Theuerste? Du sprichst beständig von Dankbarkeit, und die erste Gunst, die ich von Dir verlange das Geschenk dieser kleinen Hand, vnweigerst Du mir." Ursula schluchzte leise. Du weinst, Theuerste? O, nun weiß ich, daß Du mich liebst und ich werde dieses Zimmer nur als Dein Bräutigam verlassen." Hilf mir, mein Gott." murmelte Josef Wilmots Tochter, lehre mich die richtige Entscheidung treffen. Ja, Leonor, ich liebe Dich von ganzem Her-zen."

28. Kapitel. Alfred Dawson verlor nicht viel Zeit, ehe er an das Geschäft ging, das ihn nach London geführt batte, nämlich eine Anzahl von Diamanten zu kaufen, aus welchen das Halsband für feine Tochter zusammengesetzt werden sollte. Früh am nächsten Morgen nach jenem Besuch in der Bank, ging Alfred Dawson in einem einfachen Anzug aus und bestieg die erste leere Droschke, der er begegnete. Er befahl dem Kutscher ihn nach einer in der Nähe von Holborn gelegenen sehr ruhigen Straße zu fahren, in der man so viele Diamanten kaufen konnte, wie alle Juweliere des Palais Royal und der Rue de la Paiz zusammen sie nicht aufzuweisen hatten. Am Eingang der Straße verließ er seinen Wagen und wanderte langsam weiter, bis er zu einem Hause kam, an dem auf einem Mcssingschild zu lesen war. daß sich das Geschäft des Diamantenhändlers Gottfried Hartgold hier befinde. Er klingelte, ein junger Mensch öffnete ihm und führte ihn in ein zweifenstriges Zimmer, wo vor einem Pult ein ältlicher Herr in seine Geschäftsbücher vertieft, auf einem drehbaren Schreibsessel hockte. Ich wünsche eine Anzahl Diamanten für ein Halsband zu kaufen," sagte Dawson und ich möchte, daß dieses Halsband etwas ganz Ungewöhnliches werde. Wenn ich die Steine nicht selbst auswählen und sie nach meiner eigenen Zeichnung fassen lassen wollte, würde ich es in Paris bestellen. Können Sie mir geben, waS ich brauche? Wieviel Steine wünschen Sie, mein Herr? Man hat Diamantenhalsbänder für tausend Pfund, Sie können aber auch welche für zweitausend Pfund haben. Wie weit beabsichtigen Sie zu gehen?" Ich beabsichtige fünfzig bis achtzigtausend Pfund dafür zu verwenden." Der Diamantenhändler blickte nachdenklich vor sich hin. Sie wissen, daß bei solchen Geschäften baares Geld unerläßlich ist?" sagte er. Natürlich weiß ich das", erwiderte Dawson kühl und überreichte Gottfried Hartgold seine Karte. Jeder mit diefern Namen unterzeichnete Check wird in dem Bankhause in der St. Gundolphstraße anstandslos ausgezahlt werden." Hartgold verneigte sich ehrerbietig. Jeder Geschäftsmann in London kannte die Firma Dawson und Balder genau. Im Augenblick bin ich außer Stande, Ihnen Juwelen, im Werth von fünfzigtausend Pfund vorzulegen, aber ich werde Sie Ihnen schon in wenigen Taqen verschaffen." Ich will Ihnen gern bis Donnerstag Zeit lassen." Am Donnerstag werden die Steine zu Ihrer Verfügung stehen, Herr Dawson." Das ist mir lieb und damit Sie sehen, wie ernst es mir mit dem Geschäft ist, werde ich Ihnen ; Conto der zu kaufenden Diamanten einen Check auf zehntausend Pfund ausschreiben. Darf ich Sie um Feder und Tinte bitten?" Gottfried Hartgold murrnelte einige Worte, die versichern sollten, diese Bürgschaft sei vollkommen überflüssig, doch beeilte er sich, dem Bankier Tinte und, Feder zu bringen und sah mit beifälligem Lächeln zu. wie Dawson in der ihm eigenen steilen Schrift die AnWeisung langsam unterfertigte.

Und was die Fassung des HalS bands betrifft," sagte der DiamantenHändler, den Check in die Westentasche steckend, vermuthe ich, daß Sie-irgend eine Idee haben, die Sie ausgeführt zu sehen wünschen. Ich werde mir erlauben, Ihnen einige Muster vorzulegen. Wie gefallen Ihnen diese herzförmigen Steine?" Nein, ich brauche nichts derartiges," erwiderte Dawson, die vor ihm ausgebreiteten Diamanten von ungewöhn licher Größe zurückschiebend. Ich suche Juwelen, deren wirklicher Werth sich auf achtzigtausend Pfund beläuft. Es könnte ein Tag kommen, wo meine Tochter oder ihre Kinder genöthigt wären, den Schmuck umzusetzen und sie sollen ihn jederzeit für den Preis verkaufen können, den ich dafür angelegt habe. Wählen Sie die Steine von mittlerer Größe, im Durchschnittspreis von vierzig bis fünfzig Pfund. Ich will gute Waare für gutes Geld." Sie sollen zu Ihrer Zufriedenheit bedient werden." Also auf Donnerstag. Sie können inzwischen den Check einlösen, und sich dadurch vergewissern, mit wem Sie es zu thun haben. Guten Morgen." Der Bankier war im Begriff, in die Droschke zu steigen, die auf ihn gewartet hatte, als ihm Jemand vertraulich auf die Schulter klopfte. Sich verdrießlich umwendend, erkannte er denHerrn, der sich Major Templin nannte. Aber der Major war keineswegs der schäbige Fremde, der sich die Trauung des Freiherrn Herwarth von Wolkenfels in der 'Dorfkirche von Lixdorf angesehen hatte. Der abgetragene Ueberzieher mit dem mottenzerfressenen Pelzkragen war verschwunden, ebenso der verbogene und zerfaserte Hut und die absatzlosen Stiefeln. Den nenen bläulichgrünen Ueberzieher zierte ein breiter Pelzkragen, den ein Vertrauensseliges Gemüth leicht für echten Zobel halten konnte. Der feine Kastorhut war tadellos und auch an den Lackstiefeln war nichts auszusetzen. Die Cigarre im Munde und einen Stock in der Hand, stand er lächelnd vor dem Bankier, der sich der Begegnung mit seinem indischen Bekannten nicht zu freuen schien. Was wollen Sie von mir?" fragte er in ärgerlichem Ton. Weshalb verfolgen Sie mich wie ein Spion, weshalb reden Sie mich auf offener Straße an? Habe ich nicht genug für Sie gethan? Sind Sie noch immer nicht befriedigt?" O. für jetzt gewiß, doch erwarte ich auch für die Zukunft, nicht von Ihnen vergessen zu werden. Gestatten Sie mir, mit Ihnen cinzusteigen und Sie zu begleiten. Sie haben also Diamanten gekauft, mein Lieber?" Wer sagt Ihnen das?" Sie selb", denn zufällig ging ich an diesem Hause vorbei, als Sie eintraten, und ebenso zufällig kam ich wieder des Weges, als Sie heraustraten." Sie heften sich also als Spion an meine Fersen?" Durchaus nicht, lieber Freund. Es war der reine Zufall. Gestern war ich in ihrem Bankhause, um meinen Check auszahlen zu lassen, erkundigte mich nach Ihrer Adresse, erfuhr, daß Sie eben fortgegangen seien, blickte die Straße hinunter, bemerkte Sie sogleich, sah Sie in einen Wagen steigen, folgte Ihnen in einem anderen, und kam gleich hinter Ihnen an dieser Straßenecke an." Dawson wendete sich mit finsterer Miene ab. Der Major beobachtete ihn mit demselben boshaften Grinsen, das sein Gesicht unter dem Portal von Mangoldshöh verzerrt hatte. Sie haben also Diamanten gekauft?" wiederholte er nach einer Pause. Ja, ich kaufte sie zu einem Halsband für meine Tochter." Sie lieben Ihre Tochter überaus zärtlich!" spottete der Major. Es ist nothwendig, daß ich ihr ein Hochzeitsgeschenk mache." Und Sie wollen die Sache nicht einem Juwelier anvertrauen?" Ich besorge sie billiger als der Juwelier." Das ist so klar wie der Tag." Der Major schwieg einige Minuten, dann legte er seine Hand schwer auf die Schulter Dawsons. neigte seine Lippen dicht an das Ohr des Bankiers und sagte mit lauter Stimme, denn es war nicht leicht, sich bei dem Rasseln und Stoßen des Wagens verständlich zu machen: Du bist ein schlauer Bursche, mein lieber Dawson, und hältst Dich für viel klüger, als ich bin; aber beim Himmel, wenn Du versuchen solltest, mich zu überlisten, würdest Du Dich sehr verrechnen. Du mußt mir eine angemessene Jahresrente sichern, undehe das nicht geschehen ist, darfst Du weder nach rechts noch nach links gehen." Der Bankier schüttelte die Hand seines Begleiters ab. Nehmen Sie sich in Acht, Humden," rief er, sich streng und herausfordernd nach dem Major umwendend, ehe Sie es wagen, mir zu drohen. Sie sollten mich genugsam von früher kennen, um Maß zu halten. Was Sie von mir verlangen, werde ich thun oder lassen, wie ich es für gut finde. Wenn ich es thue, werde ich selbst die Zeit dazu bestimmen, nicht Sie." Sie fürchten mich also nicht?" fragte der Major. Nein!" Sie sind sehr kübn." Vielleicht. Erinnern Sie sich der Geschichte von jenen Leuten, die eine Henne besaßen, die goldene Eier legte? In ihr?m beschränkten Geiz schlugen sie die Henne todt. Nkin. Anton Hamden, ich fürchte Sie nicht." (Fortse.'lng folgt.)

Inder traurigsten Lage macht man oft die besten Witze.

Aür d!e Küche. Kalbs Fricandeau. Zuthaten: Fünf Pfund Kalbskeule, ein Viertel Pfund Speck, ein halbes Pfund Butter, Salz nach Geschmack, 2 Löffel klein geschnitteneLWurzelwerk, 3 Scbalotten, 3 Citronenscheiben, 10 Pfesferund 5 Gewllrzkörner, 1 Löffel Mehl, 1 Glas Weißwein, eine Unze Fleischextrakt. Die Fleischmuskeln werden gehäatet, saub mit. feinen Speckstreifen gespickt, mit der Butter, dem Wurzelwerk und den genannten anderen Zuthaten, unter Zurücklassung von Mehl und Wein, in eine Kasserolle gethan, unter fleißigem Begießn saftig, goldgelb gebraten. Ist dies geschehen, nimmt man die Fricandeaux aus der Sauce, giebt das in ein wenig Wasser klar gerührte Mehl, den Fleischextrakt und Wein hinzu, läßt die Sauce aufkochen, tranchirt unterdeß das Fleisch, richtet es an, füllt einige Löffel der Sauce über und scrvirt die übrige in einer Sauciere. Krankenfleisch. Recht zartes abgelegenes Kalbfleisch, man braucht ein Viertel Pfund aus einer Keule, schneidet man in Würfel und vermischt sie mit zwei gewässerten, entgräteten und fein gewiegten Sardellen. In 150 Gran feinster zerlassener Sahnenbutter schmort man beides fünf Minuten auf lebhaftem Feuer, giebt nun 2 Löffel Weißwein, eir große Messerspitze Fleischpepton, eine halben Theelöffel geriebene Semmel und einige Tropfen Citronensaft an das Gericht, kocht eS kurz mit allen Zuthaten auf und giebt es sofort ins Krankenzimmer. Gefülltes Lamm. Ein halbes Pfund Kalbfleisch, ein Viertel Pfund mageres Schweinefleisch, 23 Champignons hackt man fein, fügt 4 Unzen eingeweichte und ausgedrückte Semmelkrumen, halb so viel trockene Krumen, gehackte Schalotte, dies beides in etwas Butter geschwitzt, 2 Eidotter, 2 ganze Eier, etwas Muskatnuß und Salz hinzu, verrührt alles gut und streicht es durch ein Sieb. Von einem jungen, fetten Lamm schneidet man die Vorderbeine ab, hackt den Schluß et was ein und knickt die Rippen ab, füllt die Farce ein, näht die Oeffnung zu, bindet die Keulen zusammen und brät das Lamm unter fleißigem Begießen gar und recht saftig. Die Sauce wird entfettet und mit saurem Rahm verrührt. Diese Zubereitung-weise ist auch bei der Brust eines großen Lammes zu empfehlen. Wie sollen Leute, die an schwachem Magen leiden, einen schwer verdaulichen Gurkensalat vertragen? Ihnen kann geholfen werden. Wenn es auch kein Kochbuch bringt, so ist es doch nicht minder wahr, daß man nicht nur einen wohlschmeckenden, sondern auch weit bekömmlicheren Gurkensalat erhält, wenn man die geschälten Gurken erst mehrere Minutm kochen läßt. Nach dem Erkalten werden sie geschnitten und ganz wie sonst zum Gurkensalat zubereitet. Sauerampfer - Suppe. Drei Hände voll Sauerampfer-Blätter stielt man ab, wäscht sie, drückt sie zwischen einem Tuch trocken, dünstet sie in Butter und ihrem eigenen Saft weich, streicht sie durch ein Sieb, verrührt sie mit zwei Löffeln Mehl, gießt zwei Quart Brühe auf und läßt die Suppe kurze Zeit kochen. Beim Anrichten verrührt man sie mit einem Stück Butter, fügt falls sie nicht säuerlich genug wäre ein wenig Citronensast hinzu und gibt sie mit verlorenen Eieren oder Semmelscheiben zur Tafel. Die sehr fein schmeckende Suppe kann auch mit saurcrSahne und einigen Eigelben abgezogen werden. Eier mit Curry. Man kocht mehrere Eier hart und theil sie in Vier tel. Dann schneidet man zwei Zwiebeln in Scheiben, bräunt sie in Butter, bestreut sie mit einem Eßlöffel, CurryPulver, fügt einen Löffel Mehl und ein halbes Pint Fleischbrühe an und tocht die Sauce so lange, bis die Zwiebeln weich sind. Darauf fügt man noch mehrereEßlöffel süßen Rahm hinzu. läßt die Eier darin durch und durch heiß werden und giebt sie dann sogleich ZU Tisch. ' Schinkenweinschnitte. Von zartem gekochtem Schinken schneidet man eine ziemlich dicke Scheibe. Dann quilt man 5 Löffel kräftige Bouillon mit 2 Eigelb. 150 Gran Butter und 1 Glas Burgunderwein im Wasserbade dicklich, giebt eine Messerspitze Fleischpepton dazu, löst dies darin und schmeckt die Sauce mit ganz wenig Pfeffer und Citronensast ab. Die Schinkenscheibe wird in dies?r Sauce im Wasserbade langsam erh'.Zt und dann sofort mit geröstetem Weißbrot angerichtet. Rhabarber-Pudding (teU ter). Zu 12 Unzen Zucker thue man die abgeriebene Schale einer Citrone und den Saft derselben, füge 1 Pfund geschälten, feingeschnittenen Rhabarber, 1 Prise Salz, sowie 6 feingehackte bittere Mandeln hinzu, rührt dies auf raschem Feuer zu einem dicken Brei, setzt nun noch Vanillezucker und ein wenig in 2 Eßlöffeln voll heißem Wasser aufgelöste Gelatine dazu, verrührt die Masse gut und füllt sie in eine mit frischem Wasser ausgespülte Form. Nachdem sie gestürzt, giebt man eine Rahmsauce mit Maraschinogeschmack dazu und verziert die Schüssel mit buntfarbigen Baisers. Schweinsfilet wie Veefst e a k. Man häutet das Filet und schneidet es in zweifingerdicke Scheiben, bestreut es mit Pfeffer und Salz und stellt es einige Zeit beiseite. Nun macht man etwas geschnittene Zwiebel in heißer Butter goldgelb, nimmt sodann die ,Zwiebeln heraus, legt das Fleisch hinein und brät es auf beiden Seiten schön braun, etwa sechs Minuten lang. Die Zwiebeln werden wie der hinzugeben vor dem Anrichten.