Indiana Tribüne, Volume 22, Number 256, Indianapolis, Marion County, 4 June 1899 — Page 7
?er tzeist. Humoreske von Wilhelm Herbert. Eine vorzügliche Köchin zur Frau zu haben, ist viel werth dilleicht alles. Fritz Wallner hatte eine solche Frau. Darum ging er heute wieder einmal vergnügt zum Mittagbrote heim, zog seinen Hausrock an und setzte sich mit Festtagsmiene an den Tisch. Merkwürdigerweise war die Suppe versalzen. Na ja, wenn man so einen hübschen, klugen Mann hatte! Verliebt selbstverständlich! Er warf ihr einen zärtlichen Blick zu und löffelte die Suppe hinunter. . Wie unruhig sie war das arme Kind machte sich Sorgen um die Suppe. Lächerlich! Seine gute Laune hätte es nicht stören können, wenn auch der Braten verbrannt gewesen wäre. Da war auch der Braten verbrannt! Nie dagewesen unglaublich! Er streifte mit einem flüchtigen Blick ihr Gesicht. Sie saß schamroth mit gesenkten Augen wie auf den Kohlen, die dem Braten zu nahe gekommen waren. Sei getrost, liebe Ella, Du sollst einmal den Heroismus der Gattenliede kennen lernen! Er schnitt sich ein breites Stück ab, verzehrte es mit Heldenmuth und ohne Appetit und verwand jede kränkende Bemerkung. Seine schweigende Hinopferung that ihr freilich um so weher. Aber ein großer Gedanke erfüllte sie ein Gedanke, der ihr über solche verhältnißmäßig kleine Sorgen wieder hinweghalf. Ihm gab sie beim Kaffee, schüchtern einsetzend, Ausdruck. Fritz, heute war meine Freundin Mimi da!" Die Malerin?" Jawohl! Die immer so großes Maltalent in mir entdeckte!" Hm! Hm!" Sie meinte auch heute wieder, ich sollte es doch nicht verkümmern lassen es wäre ein Frevel und ein Schande! Denk' Dir auch, wie reizend es wäre, wenn ich wirklich gute Bilder malen könnte wenn ich etwas Bedeutendes leistete wenn ich eine berühmte Malerin würde wenn ich Tausende zu unserem Haushalte beisteuerte." j&m!" Ich ha5e mir gleich mit ihrer Hilfe das Hinterstübchen als Atelier eingerichtet!" -!" Diesmal sah er sie bloß an. Daher also das heutige verunglückte Mittagessen! Eine Reihe gleieher, ja noch viel schlimmerer Mahlzeiten ahnte ihm. Da hieß es um alle die deliciösen Sächelchen, die er bisher gespeist, einen heißen Kampf fechten. Aber nur Ruhe, Vorsicht und List! Ich habe auch schon ein Bild ängefangen!" fuhr sie mit glühenden Wangen fort. Du siehst ein: Wenn man sich in dieser blasirten, entnervten Zeit durchschlagen will, muß man packen schon der Stoff muß frappiren, fesseln " Na, was malst Du denn?" Einen Geist!" Einen Geist?" Hui warte. Kleine! Ja, denke Dir nur die Scene. Ein bleicher, dürrer Wucherer kauert im Pelzmantel bei flackerndem Lämpchen vor seinem Schreibtisch und zählt seine Schätze da erscheint ihm zwischen den Flügeln des Thürvorhangs sein Opfer, dem er sie geraubt. Mit der einen Hand bedeckt er die Goldhäufchen, die andere streckt er entsetzt, abwehrend dem Spukbild entgegen was hast Du denn, warum siehst Du Dich denn um?" Es war mir eben, als hätte es ge!l?pft!" Geklopft wer sollte klopfen?" Er sah nach. Es war nichts! Ich meinte nur, es onnte sich vielleicht Dein Modell zu dem Geist noch draußen herumtreiben und keinen Ausweg finden Du hast doch jedenfalls ein Modell dazu?" Aber, Fritz , solche Scherze macht man doch nicht!" Ihre Augen blickten momentan ängstlich es fröstelte sie und sie rückte in den warmen Strahl der HerbstMittagsonne und näher zu ihrem Manne hin. Scherz?" meinte dieser. Fällt mir gar nicht ein! Der Maler braucht Vorwürfe er muß sich hineinleben er muß erst sehen wenigstens mit geistigem Auge um dann nachbilden zu können! Wenn Du nicht aufSchritt und Tritt, wo Du gehst und stehst, die fahle, bange, grinsende Erscheinung des Gespenstes vor Dir siehst mit der Schußwunde in der Stirne, oder malst Du ihn mit durchschossenem Herzen?" Ihre Augen wurden immer größer. Daran habe ich wirklich noch nicht gedacht?" flüsterte sie. Sie hatte eben darüber nachgesonnen. daß die Herbstabcnde so lang, die Heimkunft ihres Mannes vom Bureau so spät und ihr Dienstmädchen genau so so furchtsam war wie sie. Das sage ich Dir," fuhr er mit großer Seelenruhe fort und steckte sich vor dem Abschiednehmen eine Cigarre an, wenn der Geist nicht jede Nacht, sobald Du die Augen öffnest, lebenswahr vor Deinem Bette steht und Dir seine Anerkennung über sein naturwahres Konterfei ausspricht, wird aus dem Bilde nichts!" Fritz, hör' auf!" rief sie und klammerte sich an die Stuhllehne. Sie hätte ihn zu gerne gebeten, noch etwas dazubleiben? aber sie bezwäng sich und nickte sogar mit dem Kopfe, als er ihr beim Gehen freundlich zurief: Mal' nur recht fleißig Nachmittags!" Wie er eine Weile weg war, faßte sie denn auch dn Entschluß, unbeirrt an ihrem Werke fortzufahren. Ihr Benehmen war doch zu kindisch. Sie war ja auch nicht furchtsam nur schwache Nerven hatte .sie aber selbst diese
durfte man nicht so über sich Hm werden lassen. Sie ging in ihr Atelier" das Dienstmädchen mußte mit man brauchte sie doch zu nothwendig und begann zu entwerfen: das Fenster, der Schreibtisch, den Alten. Der Geist käme dann morgen oder übermorgen oder später einmal. Alle Augenblicke krachte es in den Möbeln allerlei Geräusche, die man sonst nie vernommen, gingen in den Wänden um einmal strich ganz deutlich ein kalter Hauch über sie hin und Marie, die Unausstehliche, sah. so oft man sie betrachtete, so unbehaglich, gedrückt und scheu aus, daß einem selbst ganz eigenthümlich dabei wurde. Für heute ist's genug!" sagte sie, noch ehe es richtig dämmerte. Daß sie dabei im Innersten aufathmete, wollte sie sich selbst nicht eingestehen. Mit einer gewissen Beschleunigung huschten sie beide aus dem Zimmer, und Ella erinnerte sich eigentlich erst nachträglich im wohligen, warmen, von Lampenlicht durchflutheten Wohnzimmer, daß sie den Schlüssel des Ateliers" auf dem Korridor zweimal umgedreht hatte. Na, wie leicht hätte auch dort gestohlen werden können! Es war ein gewisser Genuß, das Abendessen zu bereiten. Solche rein körperliche Thätigkeit spannt einen wohlthätig ab," sagte sie, wenn man künstlerisch gearbeitet hat." Eine Kartoffel ist auch nicht so graulich wie ein Gespenst," fügte Marie bei und traf damit den Kern viel näher. Fritz schien heute endlos lange auszubleiben. Als er schließlich -kam, wurde er mit einem wahr?n Jubel empfangen. Ich habe Dir auch etwas mitgebracht!" sagte er und stellte ein großes Paket auf den Tisch. O, Dü Guter Du Bester!" jauchzte sie und hätte bald beigefügt: Für ein solches Mittagessen!" Mit hastiger Neugier löste sie die Umhüllungen dann plötzlich stieß sie einen lauten Schrei aus. Marie stürzte mit einem Schreckensgeheul und erklärte später in der Küche, in einem Hause, wo solche Dinge vorkämen, bliebe sie nicht länger. Ein Todtenkopf!" stammelte Ella. Ein Schäixl!" sagte Fritz. Er ist nicht echt, aber famos aus Gips nachgebildet! So was gehört in Zukunft zu Deinem nothwendigsten Handwerkszeug zum A-B-C Deines Schaffens; denn einen Kopf soll ja Dein Geist doch jedenfalls bekommen! Nun, Du bist ja ganz starr vor Freude! Gelt, ich errathe Deine geheimsten Gedanken diesmal habe ich's wieder getroffen dafür bekomme ich aber auch einen Kuß!" Armes Kind! Was sie für kalte Lippen hatte! Nun laß uns aber essen!" sagte er dann, Du kannst Dich ja morgen satt daran studiren! Trage das Dmg jetzt immerhin einstweilen in Dein Ateliu!" Sie machte eine rasche abwehrende Bewegung; dann hielt sie an sich. Mir auch recht!" meinte er. Dann lassen wir ihn hier!" Nein, nein, nein!" rief sie hastig. Er gehört in das Atelier! Bitte," fügte sie stockend bei, trag' Du ihn mir vor ich muß noch rasch den Tisch decken!" Er betrachtete das vollendete Arrangement auf dem Tische, nickte ihr freundlich zu und ging mit seinem Geschenk aus der Stube. Sie preßte die Hände ineinander und sah rathlos vor sich hin. Nun," meinte Fritz am anderen Morgen, Du scheinst ja heute Nacht etwas unruhig geschlafen zu haben, Kind wohl gestern ein wenig übermalt? lauter Gespenster gesehen!" Wie er Recht hatte! Und wie sie ihm eigentlich leid that mit ihrem blassen, lieben Gesichtchen! Aber wenn sie einmal malen wollte mein Gott! Das giebt sich schon das ist nur anfangs das Ungewohnte mal' nur tapfer weiter!" rief er im Gehen. Als er Mittags kam, ging er gleich nack dem Atelier. Ella!" rief er hier. Da kam ihre Stimme aus der entgegengesetztenRichtung: Ich bin hier!" Ich bin hier!" wiederholte sie noch einmal und trat unter die Küchenthllre. Du malst nicht?" frug er. Doch, ich mahle!" antwortete sie erröthend und wies auf die Kaffeemühle in ihrer Hand. Und der arhtxt liegt da drinnen und verbrenr rief Marie triumphirend und zeigre in das Herdfeuer. Was der schöne Schädel mein Geschenk!" that Fritz gekränkt. Komm nur!" nickte Ella und zog ihn in die Stube, Du Grausamer Du Schlauer Du Guter die Welt hat eine Künstlerin verloren die Küche hat mich wieder!" Die englische Gesellschaft zum Schutze der Singvögel hat ihre Propaganda durch Eröffnung eines Modistenladens zur That gemacht, der, in einer der elegantesten Straßen Londons gelegen, von einer -der besten Modistinnen, Mrs. Alys White. geleitet wird. In diesem Laden werden die schönsten und modernsten Hüte verkauft werden, doch wird in ihrem Aufputz nichts aus dem Reiche der Singvögel zu finden sein, keine Feder, keine Flügel und besonders kein ganzer ausgestopft Vogel werden dre Kunstwerke der Mrs. White zieren. Dagegen will sie das Gefieder der Hühner. Tauben etc.. die den Menschen zur Nahrung dienen, gern verwenden. Die Idee ist nicht nur gut, sondern auch leicht durchführbar. Modern. Gouvernante: Karlchen, der Storch hat Dir eben zwei Schwesterchen gebracht." Karlchen: Nun, das hätten Sie mir auch etwas schonender beibringen können."
HoikttenluFus Im zweiten Bande seines neuen Werkes Josephine Beauharnais", zeigt uns Fr6dric Masson die Kaiserin in einem weniger verklärenden Lichte, als es sonst geschieht. Die anmuthige Creolin, die Sardou jüngst zur Heldin eines Theaterstückes gemacht und dadurch unserer Erinnerung wieder näher gebracht hat, war, wie der Verfasser documentirt, wohl die verschwenderischste Frau, welche je gelebt hat. Nach dem Ausstehen verbrachte Josephine endlose Zeit in ihrem Toilettezimmer. Mit der für die Creolin charakteristischen, peinlichen, fast übertriebenen Sauberkeit ging sie zunächst an's Baden. Dazu bediente sie sich der kostbarsten Seifen. In silbernen Kesseln wurde das heiße Wasser gebracht. Silberne Fußwannen und Badewannen in allen Größen aus Silber mußten ihr, wohin sich Josephine auch begab, folgen. Stundenlang beschäftigte sie sich nach dem Bade damit, die Falten ihres Gesichtes zu glätten, die Haut zu massiren, die Krähenfüße an den Schläfen zu verwischen, den Wangen lebhafte Farben aufzutragen und die Haarfrisur mit aller Kunst aufzubauen. Josephine pflegte so viele Schminke auf ihre Haut zu legen, daß im Jahre 1804 das Weiß", womit sie ihr Kinn verschönern wollte, nicht mehr hielt. Es genügte ihr nicht, die Wangen mit einem leichten Roth zu bedecken, sie überzog fast das ganze Gesicht mit Schminke. Ihr Verbrauch an diesen Farbstoffen spottet fast der Beschreibung. In einem einzigen Jahre, 1808 war es, entnahm sie von dem berühmten Martin für 2749 Francs von Madame Chaumeton für 598 Francs Schminke. Außerdem setzte sie noch andere Parfürmerie - Händler in Nahrung. Josephine hatte Napoleons Auge dermaßen an das künstliche Roth der Wangen gewöhnt, daß er keine Dame bei Hofe sehen wollte, welche sich in ihren natürlichen Farben zeigte. Gehen Sie nach Hause, Madame, und legen Sie Roth auf! Sie sehen wie eine Leiche aus," sagte er einer Dame. Alle vierzehn Tage erschien der Pödicure in der Tracht der Kammerdiener, den Degen an der Seite. Mit tiefem Ernst entledigte er sich seiner Aufgabe und bezog für seine Dienste ein Jahresgehalt von 1200 Francs. Waren alle derartigen Manipulationen beendet, so begann die eigentliche Toilette. Josephine warf ein feines Hemd aus holländischer. Leinewand, Batist oder Mousseline über; am unteren Saum war es gestickt und am Ausschnitt mit Valenciennes-Spi-tzen reich garnirt. Vierhundert und achtzehn solcher Hemden besaß die Kaiserin. Der Batist kostete achtzehn Francs die Elle. Zu einem Hemd gehörten zwei und eine halbe Elle. Der Arbeitslohn betrug pro Stück sieben Francs. Der Spitzenbesatz am Hals und an den Aermeln wurde mit fünfzehn Francs berechnet. Dieser Satz galt für die einfachen Hemden; er stieg aber bis auf hundert Francs. Die Stickerei des unteren Saumes wurde mit sechsunddreißig, ja sogar mit zweihundert Francs bezahlt. Josephine trug weiß-, mitunter auch rosaseidene Strümpfe. Sie besaß deren 158 Paar weiße, 32 Paar rosa und 18 Paar fleischfarbene. Das Paar kostete zwischen 18 und 72 Francs. In einem Jahre bestellte und bezahlte sie 520 Paar seidener Strümpfe. Ihre Sommerkleider bestanden aus Mousseline, aus Batist oder Percal. Im Winter trug sie Gewänder aus Wollstoffen oder Sammet. Im Jahre 1809 befanden sich in ihrer Garderobe 202 Sommertoiletten. Obgleich sie meistens aus weißem, leichtem Gewebe gefertigt waren, kostete doch jedes einzelne 500, ja manche sogar 2000 Frcs. Die Stickereien vertheuertcn eben diese Toiletten in hohem Grade. Aber die Stickereien waren auch mit einerKünstlerschaft und Originalität ausgeführt, daß unsere heutigen Fabrikate den Vergleich mit ihnen ' nicht aushalten können. Ohne die Jagdkleider und Morgentoiletten wies Josephmens Toilettenbestand im Jahre 1809 nicht weniger als 33 Wollkleider auf. Unter ihren 677 Toiletten hatte sie folgende für den regelmäßigen Gebrauch ausgewählt: 5 amaranthfarbene; 12 rothe; 17 weiße; 9 gelbe; 6 in unbestimmbarer Farben 3 blaue; 2 schwarze und 3 gestreifte.' Es sollen die schönsten Costüme gewe-' sen sein, welche 'Europa je gesehen hat. Die Preise betrugen zwischen 3000 und 4000 Francs für das Stück. In einem einzigen Jahre kaufte Josephine 23 Stück Spitzen, 7 Staatskleider, 136 Toiletten, 20 indische Shawls, 73 Corsets. 48 Stücke Stoff. 87 Hüte. 61 Paar seidene Strümpfe, 980 Paar Handschuhe. ' 520 Paar Stiefeln. Im Verlaufe von s?chs Jahren hat sie der Mode einen Tribut von 1,573.653 Frcs. 79 Ctr. gebrächt, ohne die Schulden zu rechnen, ohne des Putzes bei kirchlichen und fesilichen Gelegenheiten zuZedenken, für welche der Kaiser ihr einen besonderen Credit eröffnet hatte. Fast in jedem Jahr mußte Napoleon das Nadelgeld seiner Gemahlin erhöhen. Im Durchschnitt gab Josephine jährlich 1,100,000 Frcs. für ihre Toilette aus. GuteAusred. Du, Otto, sieh Dir einmal diese Auslagen an !" Liebstes Marthchen. die Liebe macht blind!" Im Weinrestaurant. Du, Süffel, trink nicht zu viel .Mum", Du schwatzst sonst nachher zu diel Mumpitz!"
Eine seltsame Zlacht. Von Paul Hervieu. I. - Es war an einem Sonnabend bei Madame Gilbert, zu der Stunde, da einige intime Freunde in der behaglichen Wohnung in der Rue Rünes bei ihr den Thee einnahmen. Seit dem Tode des Obersten Gilbert waren bereits zwei Jahre verflossen. Seine Wittwe lebte in bescheidener Zurückgezogenheit und bemühte sich zweifellos. so manches Unrecht der Bergangenheit wieder gut zu machen, indem sie alle Zuneigung ihrer romantischen Seele auf ihren Sohn Andr6 veschränkte. Dieser, der kaum 18 Jahre zählte und infolge eines zu schnellen Wachsthums eine-zarte und schwache Constitution besaß, bezeugte seiner Mutter stets die größte Zärtlichkeit, in die sich eine fast furchtsame Achtung mischte. Er entzückte die Damen auch durch den Ausdruck jugendlicher Schamhaftigkeit, der sein Jünglingsgesicht in Frauengesellschaft stets schmückte und färbte. An diesem Abend nun war die Gesellschaft in dem kleinen und koketten Salon der Madame Gilbert etwas zahlreicher als gewöhnlich.
I Diese, eine sehr schöne und noch r V I . L . . Tl .
reizvoue Xlme, oracme oie voue Grazie ihrer 35 Jahre unter ihren Gästen zur vollen Geltung. Plötzlich machte ein Freund Andres, der an einem Fenster auf einem Tabouret gesessen hatte, mit der Hand und den Lippen ein energisches Pst". Ein heftiger Lärm stieg von der Straße herauf; die rauhe Stimme eines Ausrufers, der in allen möglichen Tonarten schrie: Soeben erschienen! Der schreckliche Mord aus der Rue " Der Rest ging im Rollen eines Omnibusses verloren. Eine Minute später nahm dieselbe Stimme ihre düsteren Worte wieder auf. Im Salon schwieg man noch immer, und man fragte sich neugierig, worauf sich der Schluß des Satzes beziehen mochte. Nach einigen vergeblichen Versuchen lächelten dieZuHörer einander zerstreut zu und schüttelten in gemeinsamen Zeichen eines leichten Aergers die Köpfe. Dann nahm dieUnterhaltung wieder ihren gewöhnlichen Lauf, während sich der gedämpfte und bereits ferne Lärm einer anderen Straße zuwandte. Es ist jeden Tag dieselbe Geschichte," rief einer, ein neuer Mord, ein neues Opfer. Ich möchte hinzufügen, ein neuer Verbrecher, doch dieser Behauptung würde es an Wahrscheinlichkeit fehlen, denn das Personal des Verbrechens bedarf, dank der skandalösen Straflosigkeit, deren es sich unter dem augenblicklichen Regime erfreut, keiner Erneuerung." Der Mann der eben gesprochen, fing wieder an, aus einer großen Tasse zu trinken, die augenblicklich sein Gesicht mit dem schwarzen, etwas gefärbten Barte bedeckte. Ein früherer Präfect des Kaiserreichs, hatte er zu Madame Gilbert Beziehungen unterhalten, die zu mancherlei Geschwätz Anlaß gegeben hatten. Außerdem war er gleich nach dem Tode des Obersten verschwunden, und seit dieser Zeit war es an diesem Abend das erste Mal, daß er wieder im Salon der Madame Gilbert erschien. Ein Mitglied der Akademie erwiderte ihm: Ich will nicht entscheiden, ob die Regierungen in diesen Dingen wirklich verantwortlich sind. Auf jeden Fall kann man nicht ohne Verzweiflung daran denken, daß trotz der vollkommensten Gesetze und trotz der Vorsichtsmaßregeln, die wir persönlich ergreifen, unsere individuelle Existenz stets der augenblicklichen Gewaltthätigkeit irgend eines anderen Individuums auf Gnade und Ungnade anheim gegeben ist." Allerdings," bestätigte Madame Gilbert, bin auch ich empört bei dem Gedanken, daß unser Leben beständig von der Gnade des letzten unserer Mitmenschen abhängt. Wir hegen alle Pläne für die Zukunft; wir schonen unsere Gesundheit, unser Geld " Und gerade in einem solchen Augenblick," meinte ein mit Orden geschmückter Violinist, geht ein Verrückter vorüber und schießt einem eine Kugel in den Leib." Oder," meinte die dicke, brave Frau des Akademikers, eine entlassene Köchin rächt sich mit einer vergifteten Speise." Nun wurde eine Reihe von Anekdoten berichtet, wie sie die Lectüre, die eigene Erfahrung oder die Erzählung eines abwesenden Helden lieferten. Man erinnerte an Morde, die im Waggon, in Theaterlogen und Restaurants begangen worden waren. Man citirte nächtliche Angriffe, dann kam die Reihe an die Dienstboten, die ihre Herrin erwürgten; endlich kam eine ganze Reihe von Vater-, Bruder- und Kindesmor-' den auf's Tapet. Unwillkürlich war die Stimmung der Versammlung düster geworden. In dem dunklen Labyrinth. in dem sie herumirrten, hatten die Phantasien eine schwarze Färbung angenommen. Die . Stimme des Zeitungsausrufers, die sich jetzt auf dem gegenüberliegenden Trottoir vernehmen ließ, drang wieder in den Salon, und unter den Gästen, die sich bereits zum Abschiednehmen erhoben hatten, gestanden sich einige ganz lcise ihre Befürchtung? ein. Die Unterhaltung zog sich noch eine Weile hin; dann nahm man Abschied, obwohl es noch nicht spät war; denn die Uhr zeigte kaum auf halb elf. Nur eine einziae Person bielt sieb nocb ir Vorzimmer aus, unv von ihrem saicn aus schalt Madame Gilbert, welche glaubte, die ganze Gesellschaft wäre fortgegangen: Nun, Andr6. geh' schnell zu Bett, Du strengst Dich zu sehr an. Hast Du bemerkt, wie schlecht Du heute Abend aussahst?" Alle Abend wiederholte sie ihm' die-
selben Worte mit derselben Besorgniß. Aber nicht. doch, Mama," versetzte dann ihr großer Junge, die Achsel zuckend. Und diese mechanische Bcmerkung war nothwendig, aber auch genügend, um die Mutter bis zum nächsten Tage zu beruhigen, die, wie so viele andere, sich in ihrer täglichen Besorgniß nicht genug zu thun wußte. Andr6 ist gegangen, um mir eine Cigarre zu holen," murmelte eine Stimme, deren wohlbekannte Töne sie dennoch von den Füßen bis zur Wurzel ihrer stolzen schwarzen Haare erbeben ließen. Der Sprecher war da Präfect. Er trat mit leisen Schritten auf sie zu und sagte demüthig und leidenschaftlich: Gestatten Sie mir doch, Ihnen Alles zu erklären und mein Unrecht gut zu machen. Ja, es war thöricht von mir, diese grausame, unsinnige Prüfung zu wagen; doch heute stehe ich als reuiger Sünder vor Ihnen und biete Ihnen mit meinem Herzen meine Hand. Jeanne, Jeanne, ich liebe Sie!" Madame Gilbert rang die Hände, ihr Gesicht verzerrte sich unter so dielen widerspruchsvollen Gefühlen, daß man nicht wußte, ob sich der Schmerz oder der Zorn in ihren Zügen malte. Niemals," stotterte sie endlich, ich hasse Sie, ich still, mein Sohn!" II. Als die Dienerschaft den Salon ein wenig in Ordnung gebracht hatte, verabschiedete sie Madame Gilbert, dann machte sie einen Rundgang durch die Wohnung, sah, ihrer Gewohnheit gemäß, nach, ob die Thüren gut verschlössen waren, und zog sich endlich r ihr Zimmer zurück. Als sie hier ange. langt war, schwächte eine ungewöhnliche Mattigkeit alle ihre Nerven. Anstatt sich in weniger als einer Viertelstunde auszukleiden und in's Bett zu legen, wie sie es gewöhnlich that, brachte sie die' doppelte Zeit zu, um auf einem weichen Fauteuil zu träumen. Durch die Holzwand hörte sie, wie im Nebenzimmer Andr6 sich entkleidete und auf- und abging, dann wurde wieder Alles still um sie her. Ihre Finger, mit denen sie sich die Haare lösen wollte, wurden ungeschickt und begannen zu zittern. Was bedeuteten diese Worte? Was war das für eine Prüfung, von der er gesprochen hatte? Endlich erhob sie sich, reckte die Arme und ging mit schwankendem Schritte in ihr Ankleidezimmer, wo sie sinnend vor einem großen Stehspiegel stehen blieb. Kurze Zeit darauf legte sie sich in's Bett, ihre Uhr zeigte 11 Uhr 30 Minuten. Schnell zündete sie eine kleine Nachtlampe an und löschte die große Lampe aus. Doch anstatt des erwarteten Schlummers versank sie nur in einen kurzen Halbschlaf. Der Lärm eines vorüberfahrenden Wagens weckte sie, und eine unbestimmte Furcht vermischte 'ich mit den Erinnerungen an die vorhcrgegangene Unterhaltung. Ohne zu wissen, aus welchem Grunde, lauschte sie auf'das Rollen der Räder, bis der Ton sich in der Ferne verlor. Plötzlich vernahm ihr geschärftes Ohr auf dem nahen Corridor ein ganz leises Knarren. Welche thörichte Aufregung, welche Dummheit. Nuir, und wenn es schon wäre? Würde sie nicht mit einem Satze ihr Fenster erreichen? Dort würde sie eine Scheibe zerschlagen und stark genug sein, um nach Hilfe zu schreien. Welcher Bandit würde wohl nicht vor dieser unerwarteten Energie und der unfehlbaren Wirkung dieses gellenden Geschreis fliehen? Ein Mann ist doch schließlich nur ein Mann! Mit dieser weisen Betrachtung steckte sie, da das Geräusch sich nicht wiederholt hatte, den Kopf in das weiche Kissen, mit dem festen Entschlüsse, jetzt endlich zu schlafen. Dennoch quälte sie die Erinnerung an den Präfecten, der sie schon als Mädchen geliebt und dessen Beziehungen. zu ihr trotz des Geredes der Welt und der Eifersucht ihres Gatten stets in den Grenzen der Freundschaft geblieben waren. Nervös hoben sich ihre Lider von Neuem. Plötzlich ließ ein übermenschliches Entsetzen eine Eiseskälte durch ihre Adern rinnen. Dort unten, gerade am Fuße des Bettes, bewegte sich die Portiere und auf dem dunklen Grunde der Tapisserie zeichnete sich eine große scharlachrothe Hand ab. Entsetzt, unfähig, einen Ton zu sprechen, hoffte Madame Gilbert zunächst, sie täusche sich; dennoch wagte sie nicht, eine Bewegung zu machen. Bald begann es, Mitternacht im Zimmer zu schlagen, und mit jedem Schlage war es Jeanne, als dringe eine Nadel tief in ihr Herz. Leise hob sich die Portiere immer höhe?, und beim letzten Schlage erschien eine unheimliche Gestalt. Es war ein scharlachrothes Gesicht, das gräßlich von einem grünen Schnurrbart durchschnitten wurde, über dem sich eine noch röthere und wie ein Adlerschnabel krumme Nase aU zeichnete. Zwischen zwei rothen Hörnern stand ein Büschel grüner Haare. Dieser schreckliche Kopf, der wie von einer Feder vorwärts geschnellt wurde, fiel auf die scharlachrothe Hand und legte darauf sein Kinn, von dem ein sehr langer und seiner grüner Bocksbart herabhing. ' Sie erkannte sie ganz genau, diese grünlichen Augen, die sich mit so wilder Hartnäckigkeit in die ihrigen bohrten. Das waren ganz bestimmt die Augen ihres todten Gatten. Ja, sie erkannte sie ohne das geringste Zögern und auch seinen rauhen Schnurrbart mit seinem langen, diabolisch von der Hölle gefärbten langen Spitzbart iu kannte sie. Aber was wollte denn dieses Ge-
spenst, welches sie noch niemals ge sehen hatte? Und gerade an diesem Abend? Welch' seltsames Zusammentreffen, welche Qual! Nach kurzer Zeit zeigte das phantastische Wesen seine volle Gestalt. Es war groß und mager.' Mit einem schwarzen Frack betleidet, eine weiße Cravatte um den Hals, schaukelte es seine knochigen Arme, die links in einer scharlachrothen und rechts in einer grünen Hand endigten. Seine schmalen Füße staken in spitzen, übermäßig spitzen Lackschuhen. Langsam setzte er erst einen, dann den anderen Fuß auf den Teppich, machte dann in der Art, wie wohl die Gespenster sie machen müssen, drei neue Schritte und blieb endlich, sich leicht hin- und herwiegend, stehen. Die Lippen der Wittwe waren außer Stande, ein Gebet zu murmeln. Schlaff und regungslos wartete sie auf das Ende des Mirakels. Das Bild des Dämons näherte sich dem Bette immer mehr und mehr, die zweifelhaften Reflexe der Nachtlampe beleuchteten das flammende Gesicht. Doch jetzt zeigte die gespenstische Gestalt den Rücken, und die aus dem Fracke hervortretenden Schultern zeichneten sich wie das Knochengerüst eines Skelettes ab. Seine grüne und seine scharlachrothe Hand öffneten mit satanischer Gewandtheit ven Spiegelschrank, ohne daß derselbe wie gewöhnlich knarrte. , Jeanne Gilbert war genügend wieder zu sich gekommen, um sich unter den Schutz Gottes zu flüchten. Sie wollte eben das Zeichen des Kreuzes machen.
als der grun-rothe Teufel sich plötzlich umdrehte und seine Augen einen fahlen Blitz auf die Wittwe warfen. Sie konnte wahrnehmen, daß die grüne Hand unter einem Haufen reicher Spitzen wühlte, während die scharlachrothe eben in eine Kassette tauchte, in die die Wittwe ihren Trauring gelegt. Der seltsame Besucher wollte eben den Flügel des Schrankes schließen, als er sich eines Anderen besann und die Hand auf einen Parfümzerstäuber legte. Mit seltsamem Ernst ergriff er den Apparat und besprengte seinen Bocksbart, seine grünen Haare, seine rothen Wangen mit wohlriechendem Wasser. Danr drehte er sich um und verschwand hinter der Portidre. Die schwere Draperie bewegte sich noch lange nach diesem Verscb 'inden, und noch lange zitterten die i öfteren Falten. Sobald dieser dichte Schleier auf der Schwelle unbeweglich ward, hatte Jeanne, die ihn mit tödtlicher Angst beobachtete, fich im Parozysmus der Aufregung auf ihrem Bette aufgerichtet, sie betastete ihre Augen, ihre Wimpern und kniff sich in die Ohren und in die Schläfen. Sie richtete an sich selbst das Wort und befragte ihren Verstand und ihre Sinne. Während sie sich noch in diesem Zustände des Zweifels befand, nahm die Existenz der äußeren Welt, die ihr unterbrochen zu sein schien, ihren ruhigen Gang wieder auf. In der Ferne rollte das Rollen eines schweren Wagens über das Pflaster. Es schlug balbeins, und irgend ein Nachtschwärmer ließ ein lautes Pfeifen hören. Diese Kundgebung der Wirklichkeit erleichterte Jeanne's Herz, und ihre Lungen athmeten freier und schneller. Schnell warf sie ein Morgengewand über, zündete ihre Lampe wieder an und vor Ungeduld brennend, ob auch wirklich Alles verschwunden war, verließ sie auf den Fußspitzen ihr Zimmer. Der Salon befand sich noch immer in derselben Unordnung, in die ihn die kleine Gesellschaft versetzt hatte. Das Eßzimmer war leer, und in der Küche und im Vorzimmer war nichts Verdächtiges zu bemerken. Der Muth kehrte Madame Gilbert zurück, nicht aber die Ruhe. Im Augenblick, da sie den Corridor entlang ging, auf den die beiden Schlafzimmer hinausführten, faßte sie ein heft'ges Verlangen, ihren Sohn zu sehen und mit stummem Bewunderung diesen geliebten Kopf zu betrachten, der in unschuldigem Schlummer schlief und den kein Gespenst heimzusu?hen das Recht hatte. Mit welcher zärtlichen Schüchternheit sie die Thür öffnete! Aber mit Bestürzung bemerkte, sie, daß Andres Bett leer war! Mit einem Verzweiflungsschrei stürzte die arme Mutter näher. Das Bett, nach dem sie zuerst lief, war unberührt auf dem Kamin erlosch das Stümpfchen einer erst vor Kurzem ausgeblasenen Kerze mit qualmigem Rauch; auf einem Siuhle lagen die Kleider durcheinandergeworfen; auf dem Nachttische bemerkte man einen in eine Bürste gedrückten Kamm, während in einer Ecke des Zimmers nocb warme Stiefel standen. Die arme Mutt eilt klagend um her und wühlt Alles durch. Oben in der ersten Schublade der Kommode bilden ein Handschuh aus grüner Seide und einer aus scharlachrother Seide ein ungleiches Paar darunter Cravatten, Halstücher, andere Handschuhe, Taschentücher eine Schachtel Courerts Doch mein Gott, was ist das? Die Frau Gräfin Antoniette von Clem bittet Herrn Andrö Gilbert, ihr das Vergnügen zu macher? und den Fastnachtssonnabend bei ihr zuzubringen. Es wird ein Cotillon getanzt. Maskenkopf Bedingung!" Ein plötzliches Licht schoß in dem verstörten Geiste der Madame Gilbert auf. Sie begreift Alles. Mit fieberhafter Lebhaftigkeit kehrt sie wieder in ihr Zimmer zurück und untersucht schnell den Inhalt ihres Schrankes ja, es ist richtig. Aus der unter den Spitzen versteckten Brieftasche ist ein Hundertfrancsschein entwendet, worden in . der
assette, in der die Rinae der Wittroe auf einem Haufen Goldstücke lagen, fehlten zwei, vielleicht drei Louisdors. Ach. der Unglückliche, der Unglück? liche!" stöhnte die Mutter. Jetzt erklärte sie sich den unglaubUch chen Vorfall der Nacht. , ; Vor Tagesanbruch hörte Madame Gilbert, die in Thränen und Gebet ver sunken war, die scheuen Schritte, die den verlorenen Sohn nach Hause zu rückführten. Ein heftiges Zittern hol ihre Brust, doch dieses Zittern war nur noch das des Mitleids und der iriurn phirenden Liebe. Mit tiefer Rührung dachte sie jetzt an Andrö. an sich selbst und an den Präfecten, in der innigen. Glückseligkeit einer endlosen Verzeih hung. Die uiirHiliuc. Won Alvbvnse Allais ($ar:8). Bei dieser Erzählung flog ein un gläubiges Lächeln über meine Lippen und kleine Blitze der Lustbarkeit belebten den Glanz meines Blickes. Meint. Gegenüber zuckte mit keiner Wimper was den Leser nicht weiter überraschen, wird, wenn er erfährt, daß dies 3lt" mand Anderer war. als der Capitäri Cap, ehemaliger Starter an der Stern--warte zu Quebeck (er gab den Fixster--nen das Zeichen zum Ablauf.) Cap begnügte sich, den Kellner htz Bar" zu rufen und l'roinore" zu bestellen, was auf amerikanisch so viel bcdcutet als: Noch eine Lage!" Ich kenne den Capitän Cap seit seh? langer Zeit; ich habe oft Gelegenheit gehabt, ihm in den zahlreichen Anic rican bars" zu begegnen, die in der Nähe der großen Oper und der Madelaine - Kirche liegen; ich bin an seine Hyperbeln und an seine bluffs" gewöhnt, doch diese Geschichte war wirklich zu toll; sie überstieg doch allzusehr die Grenzen der kanadischen Aufschneiderei. Die Canadier übrigens reizend: Leutchen sind sozusagen transatlantische Gascogner. Cap hatte mir nämlich kaltblütig erzählt, man hätte soeben sechs Meilen von Arthurville (Provinz von Quebeck) eine Wurstmine entdeckt! Ich hatte richtig gehört, und Du, ge--ehrter Leser, hast richtig gelesen: eine. Wurstmine! ein Meatland, wie sie da. drüben sagen. Ich beschloß, der Sache auf dem Grund zu gehen und begab mich arm nächsten Morgen zu dem Generalcommissär von Canada, Rue de Rome 10. In Abwesenheit des liebenswürdigen Generalcommissärs Herrn Fabre empfingen mich sein Sohn Paul und der ehrenwerthe Maurice O'Reilley, ein junger Diplomat, dem eine schöne. Zukunft bevorsteht. Das Meatland!" riefen die beide rr Gentlemen. Aber die Sache ist vollständig ernst! Wie! Sie glauben eS nicht?" Ich mußte meinen Skeptizismus be kennen. Die Herren hatten die Güte, mir nähere Auskunft zu geben, und ich erfuhr viele seltsame Dinge. In der Umgegend von Arthurville existirte mitten im Urwalde eine ungeheure, kreisförmige Schlucht, die auS steilen Felsen gebildet wird und mit tausend Arten wohlriechender Pflanzen förmlich tapezirt ist: Thymian, La-
vendel, Lorbeer, Kapern u. s. w. Dieser Wald war mit Hirschen. Rehböcken. Antilopen. Kaninchen, Hasen etc. bevölkert. Nun. an einem Tage, wo die Hitze und die Trockenheit außerordentlich groß waren, brach in diesem Gehölz Feuer aus, das sich schnell durch die ganze Gegend verbreitete. Entsetzt, entflohen die unglücklichen Thiere und suchten Schutz vor dem furchtbaren. Brande. Sie fanden die Schlucht mit ihren steilen, aber unverbrennbaren Felsen, und die Thiere hielten sich für gerettet! ... Sie hatten ohne die Temperatur gerechnet, die von diesem Riesenbrande hervorgebracht wurde. Hirsche, Antilopen, Rehböcke. Kaninchen. Hasen etc. stürzten sich zu Tausenden in diese angeblich Rettung bietende Schlucht uiri fanden dort den Tod durch Ersticken. Das Wild starb nicht nur, sondern e5 wurde auch gleich gekocht. So lange die Temperatur nicht auf ihren gewöhnlichen Grad zurückgekehrt war. brodelte all' dieseSFleisch in seinem Fett. Die schweren Stoffe: Knochen. Haut, Hörner fielen langsam auf den Grund dieses ungeheuren Kessels ... Das leichtere Fett stieg an die Oberfläche, wurde dort fest und bildete auf diese Weise eine schützende Hülle. Andererseits parfümirten die wohlriechenden Kräuter diese Pastete und machten ein leckeres Gericht daraus. Wir wollen noch hinzufügen, daß eine Niederlage des Meatland demnächst in Paris eröffnet werden wird, und zwar in dem großen Gebäude. daS sich an der Ecke der Rue des MartyrS und des Boulevard Saint-Michel befindet. ' Eine Gesellschaft wird sich in der nächsten Zeit 'zur Ausbeutung dieser einzig dastehenden Mine bilden. Wir werden auf die Angelegenheit noch zurückkommen. Wer es nicht glaubt, braucht mir nach Arthurville zu fahren und sich dort an Ort und Stelle zu überzeugen. iSln netttö Wort. Nirvanin" heißt ein seit Kurzer im Handel erschienenes schmerzstillendes Mittel. Nach einer Mittheilung irr. zahnärztlichen Wochenblatt ist Nirvamn das salzsaure Salz des Diäthyl-glycocollamidoorybenzoesäuremethy-lest! Ein prächtige ZungenschlagÜbung. Je weniger einer hat, desto mehr wagen ihm die Menschen zir fcfcn. -
