Indiana Tribüne, Volume 22, Number 256, Indianapolis, Marion County, 4 June 1899 — Page 6
Bacchus im AatMus. In Wien entstanden in letzterer Zeit förmliche Bierpaläste; große Mengen in- und ausländischen Bieres fanden Eingang und Absatz, und es schien fast, als ob die alte Weinstadt zur Bierstadt geworden sei. Für. den herrlichen Wem. der in Niederösterreich wächst, geschah nicht viel; die lieblichen Weinblumen insbesondere, die in der unmittelbaren Umgebung der Stadt an 'den Abhängen des reizenden Wiener Waldes gedeihen, waren verdammt, in stiller Bescheidenheit ihr berühmtes Dasein zu enden; ja, mit Mißtrauen wurde mancher Flasche der Hals gebrochen, da in neuerer Zeit so viele Grinzinger. Vöslauer, Gumpoldskirchner, und wie die edeln Prinzen alle heißen mögen, in die Welt hinauszogen, ohne daß man ihnen nachsagen konnte, daß sie sich des Geblütes erfreuten, das man ihnen andichtete. Jüngst ist nun auch in Wien dem Weine, und zwar speziell dem niederösterreichischen, eine mirdige Stätte geschaffen, in der die vielen vorzüglichen einheimischenWeine unverfälscht und in den besten Sorten kredenzt werden, während jedem halbwegs anrüchigen Gewächse der Einlaß verwehrt ist. Die Stadt Wien hat nach langem Laudern endlich den Gedanken, ihren Nathhauskeller auszugestalten, verwirklicht. Der akademische Maler Hinrich Lefler hat im Verein mit dem Architekten Josef Urban und einem Stäbe von Künstlern und KunsthandWirkern die Aufgabe der Ausstattung und Ausschmückung des Wiener RathHauskellers in vorzüglicher Weise gelöst und die Erwartungen weit übertroffen. Der Wiener Lokalpatriotis--mus wird seinen Rathhauskeller als den schönsten der Welt erklären, der unparteiische Beurtheiler jedoch neidlos zugeben, daß jener den schönsten derartigen Anlagen in deutschen Städten beizuzählen sei.
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Großer Saal. Der Rathhauskeller umfaßt dermaTen folgende Räume: den Rathskeller, das Rathsherrenstübchen, das Rosenzimmer, die Schwemme" und den Volkskeller; letzterer ist vorläufig nur einfach hergestellt, denn die heutige Herrichtung gilt bis zur Bewilligung der erforderlichen Geldmittel alsProvisorium; die übrigen aufgezählten Räume prangen in herrlichem Schmucke. Der Rathskeller, charakteristisch durch sein Tonnengewölbe, ist ein großer Raum in blaugrüner Dekorationsmalerei und mit alt-eichen Lambris; die eine Seite enthält eine Anzahl großer Fenster mit schöner Glasmalerei, während die gegenüberliegende Seite init Wandmalereien bedeckt ist und Scenen festlichen Charakters aus der älteren und jüngeren Vergangenheit der Stadt veranschaulicht. Es sind -nachstehende große Gemälde angebracht: die drei Mittelbilder zur Erinnerung an das fünfzigjährige Regie.rungsjubiläum Kaiser Franz Josephs -mit der Huldigung des Bürgermeisters, der Jugend und der Zünfte, das Veilchenfest unter Otto III.. dem Frohlichen. das Weinlesefest im Wiener Rathhause, das Weihnachtsfest unter Leopold dem Vabenberger. zubenannt derGlorreiche (1227), und das Maienfest, wie es in der Vabenbergerzeit in Wien gefeiert wurde. Die Seitenwände enthalten das Turnier zu Penzing und die Bildnisse von Neidhart Fuchs, dem Bauernfeinde, und dem Minnesänger Ulrich von Lichtenstein, R a t h Z h e r r e n st ü b ch e n. sowie, ein Porträt des Stadtraths und Obmanns der Rathhauskellercommission, Dr. Theodor Wähner. Vom Rathskeller gelangt man in fcas Rosenzimmer, einen Verhältnißmäßig kleinen Raum, dessen Decke von zwei mächtigen Steinsäulen getragen wird. Der Schmuck dieses Zimmers besteht in Rosenornamenten, denen diese Oertlichkeit ihren Namen verdankt. An den Wänden befinden sich Gemälde, entworfen und ausgeführt vom akademischen Maler Darnarrt. Ansichten von Gumpoldskirchen, Netz, Falkenstein und Klosterneuburg, hervorragenden Weinorten in NiederÖsterreich. Vom Nosenzimmer gelangt man in die Schwemme", das heißt fcas Schenkzimmer. In diesem Raume sind nebst kernigen Sprüchen Scenen uZ der derberen heiteren Wiener Äolkssage und Dichtung dargestellt, so Der Wiener Meerfahrt." nach einer iveinseligen Dichtung von einem unbeZannten Verfasser; Meister Mux und daö rothe Mandl", eine Beziehung auf
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die Stock im Eisen- - Sage; Man soll den Teufel nicht an die Wand malen", eine Erinnerung an die Anwesenheit des Dr. Johannes Faust in Wien; Wie die Pognerin mit dem Teufel rauft", ein Bild von einem selbst gegen den Gottseibeiuns steghaften bösen Weibe; Der liebe Augustin", Porträt des ersten Wiener Volkssängers, dessen Lied O du lieber Augustin" heute noch weit und breit bekannt ist; Die Speckseite am Rothenthurmthore", eine launige Verspottung
Schwemme. des Pantoffelhelden; Der Stadtweinkoster in alter Zeit" und ein Bild Der Efel in der Wiege", das einen Scherz mit dem lustigen Rath Ottos III., Neidhart Fuchs, zum Gegenstand hat. Von den übrigen Räumlichkeiten getrennt und durch einen Gang erreichbar, wurde das Rathsherrenstübchen mit einem Vorzimmer und Vorraum hergestellt. Im Vorraum sind unter Weinlaubornamenten die besten Weinsorten Niederösterreichs verzeichnet. Dem Rathsherrenstübchen selbst haben die Künstler ihre ganze Liebe und Sorgfalt zugewendet, einen ungemein traulichen Raum geschaffen und ihn bis in die kleinsten Einzelheiten schön und harmonisch gestaltet. Geschahtliche Erinnerungen an bedeutende Männer aus Wiens Vergangenheit sind durch Porträts und Medaillons geweckt, die Ahornfüllungen der Eckbanse mitDarstellungen alter, berühmter und sagenhafter Wiener Bauten bedeckt; die Seitenwände schmücken die Abbildungen des Wiener Rathhauses im fünfzehnten Jahrhundert und des Neubaues des Wiener Rathhauses durch den Dombaumeister' Friedrich Schmidt. Zwischen den Lobsprüchen alter deutscher Dichter auf die Stadt Wien sind- Scenen aus den Wiener Sagen von Herrn Schab den Rüssel" und Küß den Pfennig" dargestellt und kernige Sprüche angebracht. Die Zimmereinrichtung mact einen modernen. höchst geschmackvollen Eindruck und bildet mit Recht einen Stolz des Wiener Kunsthandwerks. Die Hinterwand wird ganz von einem Wandgemälde eingenommen, das die Verleihung des Rechtes der Stadttaverne" unter Albrecht III. (1370) darstellt, das heißt das von der landesfürstlichen Regierung der Stadt eingeräumte Recht, ausländische Weine ausschenken zu dürfen. An der Seitenwand hängt in einem getriebenen Kupferrahmen das Bildniß des gegenwärtigen Bürgermeisters Dr. Karl Lueger, vom akademischen Maler Gsur; in der Nische rechts vom Ofen gewahrt man die Bildnisse - der Vice - Bürgermeister Strobach und Dr. Neumarzer, gemalt vom akademischen Maler Wilda. Die von der Reichsrathsstraße und der Magistratsstraße zum Keller führenden Stiegen sind gleichfalls würdig ausgestattet. Der pfiffige Peperl. Lehrer: So Kinder, jetzt rechnet einmal ohne Finger!. . . Wie viel ist 3 und 4?" Peperl- (unter die Bank schauend, nach einer Pause): 7!" Lehrer: Recht!. . . 4 und 6!" Peperl (wieder unter die Bank sehend): 10!" Lehrer: Wart', Lump, ich rechn: Dir mit den Fingern!. . . (Legt ihm die Hände auf dem Rücken zusammen.) So jetzt! 5 und 3?" Peperl (nach einem langen Blick unter die Bank): 8!" Lehrer: Ja wie hast Du denn das herausgebracht?" Peperl: Mit den Zehen, Herr Lehrer!" Stark. Bauer (zu dem der ambulante Zauberer mit dem Sammelteller kommt, für sich): So a UnverschÄntheit, zieht mir der Kerl drei Markstückeln aus der Nas'n und jetzt verlangt er no extra a Trinkgeld!" Kurirt. A: Wie verträgst Du Dich jetzt mit Deiner Frau, ist sie von ihrer Eifersucht geheilt?" B.: .Vollkommen, vor Kurzem machten wir Abends zusammen einen Spazierc.ang und am andern Morgen erhielt sie ein anonymes Billet: Gestern Abend wurde Ihr Herr Gemahl wieder mit der bekannten häßlichen alten Person gesehen." Seitdem habe ich Ruhe." . .
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Aas Veichs-Fostmuscum. Die deutsche ReichZ-Hauptstadt Berlin kann sich des Besitzes einer SehensWürdigkeit rühmen, wie sie in solcher vornehmen Form kakm eine zweite Weltstadt aufzuweisen hat. Diese Sehenswürdigkeit ist das neu untergebrachte und neu geordnete Reichs-Post-museum. Dieses Museum ist eine Gründung des verstorbenen Staatssekretärs Stephan. Entstanden ist dieses originelle Museum, das zum Muster für verschiedene andere Culturstaaten geworden ist. aus der Sammlung von Modellen, Briefkasten. Karten, Cursbüchern, Feldpostzeräthen, die die Reichspostverwaltung im Jahre 1873 auf der Wiener Weltausstellung vorführte. Als diese Sachen von der Ausstellung zurückkamen, entstand aus ihnen die Plan- und Modellkammer" des Reichspostamts, und aus dieser entwickelte sich im Laufe der Jahr-zehnte-das Postmuseum durch Ankaufe, amtliche Ueberweisungen, Geschenke von Privaten und von den Staaten des Weltpostvereins. Das umfangreicheMufeum kam früher nicht zur Geltung, weil es sich nicht in den rechten Räumlichkeiten befand. Nach dem großen Umbau des Neichspostamts hat die Sammlung endlich ein würdiges Heim und einen Rahmen gesunden, wie er prächtiger und großartiger nicht gedacht werden kann.- Das Reichs - Postgebäude liegt an der Ecke der Leipziger und Äauerstraße. Diese Ecke selbst ist abgerundet und bildet das Hauptportal des imposanten Bauwerks. Betritt man durch eine der drei mächtigen Thüren des Portals das Innere, so gelangt man in einen Lichthof von der Form eines an der Spitze abgestumpften gleichseiiigen Dreiecks. Um diesen Lichthof herum ist in drei Etagen in offenen Galerien das Reichs - Postmuseum
Hauptportal im Licht ho f. untergebracht, es hart also den vornehmsten und wirkungsvollsten Platz des ganzen Neubaus erhalten. Die bunten Fenster mit Glasmalerei, die weißen Marmortreppen, die rothpolirten Granitwangen dieser Treppen, die Wandgemälde, die Bronzecandelaber, die Bronzestatuen, die gewaltigen, aus Stein gehauenen Gruppen, das alles zusammen bildet mit den weiten, lichtdurchflutheten Galerien durch drei Stockwerke hindurch die Umrahmung der eigenartigen Sammlung. Im Erdgeschoß befindet sich außer den Garderoben die historische Abtheilung" mitGipsabgllssen, Copien, Nachbildungen. Abschriften u. s. w. Im Erdgeschoß befindet sich auch die berühmte Postwerihzeichensammlung" des Reichspostamts, wohl eine der vollständigsten der Welt, denn alle Staaten des Weltpostvereins haben Beiträge für diese Abtheilung geliefert, die das Entzücken jedes Philatelisten erregen muß. Durch Modelle. Figuren. Bücher, Karten, Gebrauchsgegenstände des PostVerkehrs ist im Erdgeschoß das Deutsche Postwesen im 19. Jahrhundert" zur Darstellung gebracht worden. Den Mittelpunkt des zweiten Geschösse bildet ein großer saalartiger Raum, der über dem Vestibül liegt und prächtige Schiffsmodelle alter und neuer Postschiffe enthält. In der Abtheilung Verkehrswesen der Neuzeit im Ausland" ziehen die allgemeine Aufmerksamkeit die auf Schienen lausenden verkleinerten Nachbildungen Das Stephan Denkmal. amerikanischer, englischer Bahnpostwagen, die Fangvorrichtungen für Postzüge, um auf Stationen, in denen die PoMllge nicht halten, Briefsäcke mitzunehmen und abzusetzen, aus sich. Originell ist eine Brieskastensammlung. eine Sammlung von Briefsäcken des Auslands in den verschiedensten Modellen, dazu Wagen, Boote. Schlitten aller Länder für den Postverkehr bestimmt, Modelle von ausländischen Postanstalten, Costümfiguren, darunter Hunderte von Costümpüppchen uus dem indischen, chinesischen, japa nischen PostVerkehr zu Wasser und zu, Lande. Der Pietät gegen den Begründer des Postmuseums ist die StephanSammlung" gewidmet. Sie enthätt Rellefs. Büsten. Bilder des Berstorbe
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nen, dessen Marmorstatue im Lichthose selbst errichtet ist. Hier findet man Stephan's Ehrenbürgerbriefe. Ehrendiplome, Adressen und allerlei Andenken an den großen Verkehrsmann. Das Geschoß enthält außerdem noch die Sammlungen der elektrischen und optischen Telegraphie, darunter hochinteressante Curiositäten und werthvolle Originale, die Unica sind. Stephan war bekanntlich ein Freund monumentaler Postbauien, und es gibt kaum eine größere Stadt im Reichspostgebiet, die er nicht. aus eigecpgx 1 1 1 rm WrVi l ( I i tJiAUM 1 N I TTT W 'WM iMlMtkMli: Postdampfer-Modelle. ner Initiative und unter eifriger Mitarbeit an den Entwürfen mit einem monumentalen oder wenigstens architektonisch interessanten und schönen Postgebäude geschmückt Hat. Die genau gearbeiteten Modelle dieser äußerst zahlreichen Postbauten findet man im Erdgeschoß, aber auch im dritten Geschoß. Hier oben befinden sich das Archiv mit wcrthvollen alten Karten, Cursbüchern, Postbüchern. Fahrplänen, Bildern. Reliefmodellen, ferner die Abtheilungen: Eisenbahnsignalapparate, Kabeltelegraphie (wohl das beste Material der Welt zum Studium der Entwickelung der Kabelverwendung unterirdisch und unterseeisch) soWie das Fernsprechwesen. Unterirdische Gewalten. Zwischen dem majestätischen Gardasee im Westen und dem Etschthal im Osten steigt der langgestreckte Bergzug des Monte Baldo auf, der in der Cima di Bal Dritta eine Höhe von 2218 Meter erreicht. Im Süden endigt er im Vorgebirge San Vigilio, im Norden im aalreichen Lago di Loppio, zu dem von Norden her die grauen Kalkwände des Monte Stivo abstürzen. Der Monte Baldo, aus Kalkstein der Juraformation aufgebaut und am Ostabfall von Basalt durchsetzt, ist von jeher der Mittelpunkt von Erderschütterungen gewesen, die vor Zeiten am Ostufer des Gardasees manche Verwüstung angerichtet haben, so im Jahre 1810 und dann wieder in den sechziger Iahren, wovon noch jetzt Spuren zwischen Malcesine. Assenza und Eastelletto zeugen. Daß auch heute der Berg noch nicht zu völligerRuhe gekommen ist, künden verschiedene Anzeichen, die sich jüngst recht bemerkbar gemacht haben. Aus dem Inneren des Monte Baldo dröhnte ein dumpfes Rollen hervor. Die kleine, mit Ruinen besetzte Jsola Trimelloue wuchs um 12 Zoll aus den Fluthen des Sees heraus und nahm an Umfang zu. Ebenso konnte im Norden des am Fuße des Berges gelegenen Ortes Malcesine, der durch ein Reiseabenteuer Goethe's bekannt ist, eine Hebung des Ufers festgestellt werden, die besonders bei Navene augenfällig war. In der Einsattelung zwischen dem Monte Altisstmo und der Varagna bildeten sich tiefe Felsspalten, aus denen von Zeit zu Zeit weißliche Rauchwolken emporwirbelten, die den Schnee ringsum zum Schmelzen brachten. Bei dem Dorfe Zocchi trat eine bittere Thermalquelle zu Tage. Alle diese Erscheinungen haben unter der Bevölkerung große Besorgniß hervorgerufen. Zorn. Kreuz Kruzifix, jetzt welschen dö Kerl schon dreiviertel Stunde' vor mein Fenster! Wenn i nur. müßt, wie a Rindviech a saudummes auf Englisch hoaßt. thät i a mitred'n!" Höflich. Denk Dir, vorgestern hat sich endlich ein Verleger bereit erklärt, meine Gedichte drucken zu lassen und gestern " Gestern kommt er in's Irrenhaus." Wer hat Dir das gesagt?" Niemand-, aber ich hab' mir's gleich gedacht." Auch eine Zurechtweisung. Tochter: Denk' 'mal an. Mama, heute Morgen hat mich der Herr Referendar geküßt!" Mutter: Du hast ihn doch gehörig zurechtgewiesen!" .Tochter: Gewiß, ich sagte ihm: Herr Referendar, thun Sie das nur nicht, wenn Mama oder Papa da bei sind, sonst Siebt's was!" . i
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Macht der Gewohnheit.
Herr Peterl, wohlbestallter Stadtsekretär in einer kleinen Stadt, liebte schon einige Zeit die jüngere Tochter des Kaufmanns Glomberger und umschwärmte sie mit allem Sehnen aufkeimender Liebe, schenkte ihr Blumen und Bouquets und Süßigkeiten, erwies ihr Aufmerksamkeiten aller Art kurz, gab sich die allerredlichste Mühe, den Gegenstand seiner Liebe zur Begründung eines ehelichen Hausstandes zu gewinnen. Unglücklicherweise war er aber nicht der einzige Bewerber; sein Nebenbuhler war ein junger Kaufmann lang aufgeschossen, gesellschaftlich wohlgebildet, wenn auch nur mittelmäßig beanlagt. Als nun der Geburistag der angebeteten Schönen herankam, traten natürlich beide Bewerber mit ihren Geschenken an, die sie mit bitterböser Miene gegenseitig musterten. Dem Stadtsekretär standen mehr Mittel zur Verfügung als dem jungen Kaufmann; er schien den Vogel abgeschossen zu haben. Indessen, als er auf dem Hausballe, der Abends stattfand, seine Dame zur Polonaise und zumCotillon, diesen für die Liebe bezeichnendsten Tänzen, engagiren wollte, fand sich's, daß ihm der ?lndere zuvorgekommen war. Begütigend sagte indessen der zukünftige Schwiegervater: Nehmen Sie doch meine ältere Tochter!" Und der Herr Stadtsekretär nahm sie. ' Ij : vsv.:. V vi! -H'-V-t ' l'i " .xfUid'3 .' OJir; i' z l Bald darauf fand eine Landpartie statt. Herr Peterl arrangirte sie und traf alle Vorbereitungen, strapazirte und mühte sich in Sonnenbrand und Hitze. Schließlich war Alles bereit. Triumphirend fuhr er im Kremser vor dem Hause seiner Geliebten vor. Und siehe! sie stand schon an der Thür am Arm des jungen Kaufmannes. Des Herrn Stadtsekretärs Zorn schwoll. Indessen der zukünftige Schwicgervater sagte wieder begütigend: Nehmen Sie doch meine ältere Tochter!" Und der Herr Stadtsekretär nahm sie. - Nachdem sich dieser Vorgang in ähnlicher Weise noch öfter wiederholt hatte, kam der feierliche Moment, daß Herr Peterl werben wollte. Im Frack und weißer Binde klomm er die zwei Treppen zu der Wohnung seiner Geliebten empor. Aber nachdem er geklingelt hatte und eingetreten war wer beschreibt sein Erstaunen, als er den jungen Kaufmann erblickt und in seinen Armen die angebetete Tochter! Herr Peterl stand erst wie versteinert, dann aber konnte er den langverhaltenen Ingrimm nicht mehr unterdrücken, und er rief: Zum Donnerwetter!" Doch der Vater wendete sich begütigend an ihn: Nehmen Sie doch meine ältere Fochter!" Und der Herr Stadtsekretär ar das nun schon gewöhnt und er nahm sie. Kein Durchgehenme.hr. . Bremse für Sonniagsreiter. Nicht so schlimm. Was habe ich gehört? Ihr Kassier ist mit einem bedeutenden Betrage und Ihrer Tochter durchgebrannt?" Na, na, es ist nicht so arg. Er schreibt mir soeben, er wird mir Alles zurückzahlen; die Tochter hat er mir schon zurückgeschickt." , .... ...
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NeueBezahlung.
Ein Bauersmann schickt seinenSohn Scpp in die Stadt mit einem Thaler und dem Auftrage, ein Packet bei der Postexpedition aufzugeben Und für die übrig bleibenden 50 Pfennig' beim Fleischer Wurst einzukaufen. Sepp geht aber zuerst zum Fleischer und kauft für 50 Pfennig' Wurst. Als er nun auf die Post kommt, reicht das Geld nicht es fehlen 10 Pfennig'. Da", sagt er zum ' Beamten, um ihm das Fehlende zu ersetzen, beiß' amal!" Vorbereitung. Wirth: Ja, Seppel. was ist denn das. Du holst hcut' schon die zehnte Maß. was ist denn los bei euch daheim?" Seppel: Ja. wissen S'. der Vater hat morgen einen Toast auszubringen und da probirt er heut' das Austrinken auf einen Zug!" Zofen-Bosheit. Ich finde, meme neueste Photographie sieht mir gar nicht ähnlich!" Madam haben eben in Allem Glück!" Jnventar-Transport. Studiosus Amandeus Tümperl will ausgehen und nimmt, gegen seine Gewohnheit und trotz des schönen Wetters. seinen Regenschirm mit. Auf der Treppe trifft er die Wirthin, die bei seinem Anblick erschrocken und Protest!rend ausruft: Aber, Herr Tümperl. Sie haben mir ja noch gar nicht gekündigt!" Gegenvorschlag. Ach, Marie, für Dich könnt- ich in den Tod gehen." . . Geh' lieber für mich heute mcht in Gasthaus." , Auf dem Markt. Ich finde, daß Sie die jungen Gänse viel zu theuer geben." Natürlich! So glauben leicht, daß es bei die Ganserln so ist, wie bei unsere jungen Fräul'ns, das wer's nimmt, a no a Mitgift d'raufkriegt." , - ;
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Lerchenflug
Jrr Von Hedtvig Gräfin Rittberz. Es ist im stillen, feuchten Walde ' Das erste Blümlein just erblüht, Doch ob der kaum enteisten Halde Klingt schon ein jauchzend Lerchenlieb. Ich schaue still, den Blia erhoben, Ihr nach, wie s sich aufwärts schwing!; Wie mir dein Lied voll Dank und Loben. Du kleines Thier, zu Herzen dringt. Es schwellt die Brust mir zum Zerspringen Ein ungestümer Sehnsuchtsschmerz Dürft' ich, wie Du, mich aufwärts schwingen In's tiese Blau und himmelwärts! Die zarten Flügel, die dich tragen Hinan hinan ermatten nicht. Wie mag dein kleines Herze schlagen. So fern der Welt so nah' demLicht! Noch höre ich dein süßes Singen. Da dich mein Blick schon längst verlor Ach. trügest du auf deinen Schwingen Auch meine Seele mit empor! Tcr Ursprung der Hutfcdcrn. Die schöne Königin Marie Antoinette von Frankreich trat eines Tages gedankenvoll in ihr Toilettenzimmer. Noch ahnte die junge Fürstin nichts von dem Leid, welches furchtbar wie über wenige Sterbliche über sie hereinbrechen sollte; dennoch drückte sie eine Sorge, ernsthaft genug für eine junge, schöne, prunkliebende Frau; denn es war eine Toilettcnsorge. Ein glänzendes Hoffest sollte zu Ehren eines fremden Gastes gefeiert werden, und die Königin beabsichtigte, bei demselben in einer Toilette zu erscheinen, durch welche sie, die Gesetzgeberin der Mode für ganz Europa, sich selbst übertreffen wollte. Bereits waren alle Anordnungen für die mannigfachen, zu einem Galaanzuge gehörigen Toilettengegenstände getroffen, nur wegen des KopfPutzes war dieKönigin noch unentschieden, das Arrangement desselben sollte etwas Neues, Niegesehcnes sein. In diesem Sinnen fiel ihr Blick auf den Toilettentisch und bemerkte unter den dort aufgestellten, zierlichen und kostbaren Gegenständen einen neuen. Es war eine kunstvoll aus Elfenbein geschnitzte Vase, welche der König Tags zuvor von einem Künstler gekauft und auf den Toilettentisch der Königin zu stellen befohlen falte. War es die Absicht Ludwig XVI. gewesen, mit diesem Geschenke seiner Gemahlin ' eine Freude zu bereiten, so erreichte er dieselbe in hohem Maße; allerdings aber auf andere Weise, als er vermuthet. Die Blicke der jungen Königin glitten flüchtig über das Kunstwerk hin und hafteten dann auf den Pfauenfedern, welche zum Schmucke in die Vase gesteckt waren. Sie nahm eine davon und steckte sie in das Haar. Ein zufriedenes Lächeln umspielte ihren Mund, als der Spiegel ihr Bild zurückwarf, das sonniger wurde, als die' zweite Feder den hübschen Effect noch erhöhte. Die Königin sah sich ihrer Sorge entledigt. Bei dem am Tage darauf stattfindenden Hoffeste erregte Marie Antoinette die größte Bewunderung des Hofes durch einen Kopfputz, zusammengesetzt us Pfauenfedern, kleinen Straußfedern. , Perlen und künstlichen Blumen.- Der Köniz erklärte, noch nie eine kleidsamere Tracht gesehen zu haben, und die Mode verbreitete sich schnell über Frankreich tfü ganz Europa. Mit wenigen Unterbrechunaen hat sie sich erhalten bis auf unsere Zeit; wohl selten aber denkt eine Dame, wenn sie geschmückt mit Federn vor den Spiegel tritt, daß das schöne Haupt, welches dieselben zuerst getragen. einem furchtbaren Geschicke erliegend. unter dem Beile des Henkers fiel. m m m j . Für (fhekandidaten. Auch in unserer Zeit, da sich die Frauen mehr und mehr vom Man? zu emancipiren versuchen, gehört es immer noch zu den Havptbeschäftigungen des schönen Geschlechts, nach einem dauernden Lebensgefährten zu suchen. Die hartnäckigen Junggesellen sind also auch heute noch überall der Gefahr ausgesetzt, geheirathet zu werden. Das ist nun an und für sich kein großes Unglück: aber weil es ein Unglück ist. in eine Situation zu gerathen, der man nicht gewachsen ist. so sei hiermit jedem Manne empfohlen, sich, ehe er an's Heirathen denkt, folgende zehn Fragen gewissenhaft zu beantworten: 1. Liebst Du den Körper oder die Seele oder das Vermögen Deiner Braut? 2. Hast Du soviel Charakter und Energie, um Deiner Ueberzeugung selbst gegen den Willen eines Weibes treu zu blelben und andererseits Deinem Weibe den Aerger, den Du Dir außer tan Hause geholt hast, beim Heimkommen nicht fühlen zu lassen? 3. Kannst Du auf eine Mahlzeit warten und selbst bei versalzenen und ganz mißrathenen Gerichten die Miene vollster Zufriedenheit festhalten? 4.Kannst Du beim Kinderschreien arbeiten? 5. Kannst Du eine Nacht über wachen, ohne am andern Tage mürrisch zu sein? 6.v Kannst Du den lustigen Genossen Deiner Junggesellentage für immer enisa gen? 7. Kannst Du Dich mit dem vor- -setzten Worte begnügen? 8. Kannst Du heiter bleiben, wenn Waschtag oder Groß-Reinemachen ist? 9. Kannst Du Widerspruch vertragen, wenn ' Du weißt, daß Du Recht hast? 10.' Kannst Du ein Kind auf den Arm nehmen und t ruhig bleiben, wenn es schreit oderDich verunreinigt? Wer diese 10 Fragen rrll ka" beantworten kann, der man' hnrathen' roer nicht, der lasse es blei r
Wv.
