Indiana Tribüne, Volume 22, Number 249, Indianapolis, Marion County, 28 May 1899 — Page 7

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Vierzkytt "gaflc Schüleritt. Von einer Mutter. . Trübe geht nun zur Schule seit vierzehn Tagen. Ihr glaubt, daß dies eine Kleinigkeit ist, Ihr. die Ihr vielleicht schon vergessen habt, wie Euch selbst zu Muthe war, da Ihr zum ersten Male Zn Eurem Leben mit der Schultasche auch die Bürde einer Pflicht auf Euch nahmt, Jh.- jungen Mütter?! .. Aber wartet nur, bis Euere Trude oder Käthe oder Grete mal so weit ist ... Von dem Kinde selbst will, ich zunächst abgehen. Die kleinen Erschütterungen, von denen so eine junge Menschenseele in den ersten Schultagen heimgesucht wird, die überraschenden Veränderungen, die das allmählich nwachende Bewußtsein, von bestimmten Pflichten abhängig zu sein, in dem Wesen eines oder einer Sechsjährigen hervorruft, macht zweifellos jedes Kind durch. Stark und ursprünglich sind die ersten Eindrücke der Schule auf das Gemüth des Kindes, das in seinem Innern gleichsam eine Revolution durchzumachen hat, einen formlichen Aufruhr, der auf sein ganzes Wesen nicht ohne Einfluß bleibt! Aber auch nicht ohne Einfluß auf die junge Mama, nicht ohne Einfluß auf den engeren Kreis der Familie, Papa ebensowohl wie die jüngeren Geschwister und auch das Dienstmädchen! Jawohl, dies alles hängt mit Trufce's erstem Schulbesuch Zusammen, der schon äußerlich, im Haushalt, in der Wirthschaft eine wahre Umwälzung hervorruft. Man möchte es nicht glauben. was für ein wichtiges Perfönchen Trude mit einem Male geworden ist. Nach ihr und ihren Schulstunden muß sich nun alles richten, ja, sie sieht sogar mit einer gewissen Strenge darauf, daß dies so gehalten werde, denn sie ist sehr, sehr eifrig, sie ist Feuer und Flamme für die Sache in diesen Tagen. Fast die ganze Zeiteintheilung für die häuslichen Geschäfte steht jetzt unter dem Einflüsse der kleinen Tyrannin. Mama muß eine Stunde früher aufstehen als sonst. Aber brauche ich den Frauen wirklich zu erzählen, wie der Tag eine andere Eintheilung erfährt und erfahren muß, weil Trude die Schule besucht? Wer weiv das nicht selbst? Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, vom Frühstück bis zum Abendbrot führen sich, wie von selbst, Aenderungen ein, die zu bleibenden werden, bis die Kinder insgesummt erwachsen sind und in's praktische Leben eintreten. Das älteste Kind veranlaßt diese Reformen; wenn die jüngeren schulreif geworden sind, finden sie bereits eine feststehende Ordnung vor, die sich als gut und zweckdienlich erwiesen und der selbst der Papa wohl oder übel sich hat fügen' müssen. Daß dies nicht ganz ohne Schwiengkeiten und allerlei kleine Opfer abgeht, daß hier fo Manches mancher Mama nicht paßt und nicht recht ist. läßt sich denken, aber wenn die Mama eine rechte, eine vernünftige Mutter ist. mit einem Herzen voll Liebe und Theilr.ahme für ihr Kind und seine ersten Sorgen und Kämpfe, dann vollzieht sich die häusliche Umwälzung in friedlicher Weise, ohne Aerger und Nervosität. Keineswegs darf in dieser Zeit das Kind unter der mütterlichen Nervosität zu leiden haben. Befindet es sich doch selbst in einem Zustande der merkwürdigsten Aufregung, einer Art seelischer Erschütterung, wie ich sagte, und bedarf mehr als je ganz besonderer Ausmerksamkeit. mehr noch, eines liebevollen Verständnisses! Ich könnte nicht behaupten, daß" alle Mütter so ohne weiteres dieses Verständniß besitzen. Woher auch? Die Trude von gestern, mit der Mama sich so gut verstanden, ist nicht mehr so ganz und gar die Trude von heute es ist eben etwas zwischen sie getreten, ein Unbekanntes und Fremdes, das sich beider Willen und Einfluß entzieht: Eine neue Autorität. Nun. ein Bischen eifersüchtig sind wir Mütter alle, wenn es sich um unsereKinder handelt, und was die Väter betrifft, so ist mir ein Fall bekannt, in dem ein sonst sehr würdiger Papa einer Trude. die eigentlich Marianne heißt, ein junger Gelehrter, in komischem Unwillen ausrief: Seit sie zur Schule geht, hat sie gar keinen Respekt vor mir und meinen Kenntnissen. Ihre Lehrerin weiß alles besser!" In dieser drolligen Aeußerung, so übertrieben sie klingt, steckt gewiß etwas Wahres. Es ist schmerzlich, ganz besonders schmerzlich für eine Mutter, einen großen Theil ihrer bisber unbeschrankten Autorität an den Lehrer oder die Lehrerin abgeben zu müssen, und man wird es, wenn auch nicht billigen, so doch verstehen können, daß überempfindsame Mamas es gibt deren mehr, als man glaubt mit einer gewissen Erbitterung an den Lehrer oder die Lehrerin ihres Kindes als an eine Art feindlichen Wesens denken, zumal wenn Trudchen in der Schule die Gelegenheit nicht wahrnimmt, sich auszuzeichnen. Man muß auch vor dem Kinde in dieser Weise nicht sprechen... In diesem Falle heißt freilich verstehen" nicht verzeihen." Von solchen Müttern kann man dreist saaen, es fehle ihnen jedes Verständniß für die junge Seele ihres Lieblings", der von seiner Mama denn doch erwartet, daß stc seinen schönen Glauben an die neu? Auiorität" theile und stärke. Ich war einmal Zeugin, wie ein Mädchen von sechs Jahren, ein stilles, durchaus nicht hervorragend begabtesKind, zu weinen anfing, als ihre Mutter die Toilette der Lehrerin.bekrittelte. Das gab mir zu denken

Aber glücklicherweise sind nicht alle Mütter überempfindsam und unverständig, es giebt auch vernünftige. Die rechte Mutter, die Herzensmama," die wird auch in den eisten Schultagen ihres Kindes das Rechte treffen. Mi! ihrem Töchterchen wird sie selbst zum Kinde werden, mit ihm empfinden und mit ihm die neue Autorität" verehren und an sie glauben. Und nicht blos dem Scheine nach! Gehört denn ein so scharfer Verstand zu der Erkenntniß, daß eine Mutter vom Lehrer oder von der Lehrerin ihres Kindes durch die Vermittelung eben dieses selben Kindes unendlich viel lernt? DaKind lernt sie kennen und sein Fühlen und Denken, das sich täglich und stündlich ihr so vertrauensvoll offenbart. Ist die Lehrerin die größere Autorität, so ist die Mutter die bessere Freundin Die wird all zukleinlichen Ehrgeiz eher dämpfen als fördern und dem Tadel oft seine Schärfe nehmen, sie, die doch alles weiß und versteht. Täglich lernt sie etwas von ihrem Kinde: Die Kunst des Erziehers vor allem. Eine bessere Schul dafür giebt es nicht, als so ein schulebesuchendes Töchterchen von sechs Iahren: Kein Pädagogium und kein Seminar kann es besser und gründliche? lehren als unsere Trude. Der kommt dies auch in erster Reihe zu Gute, in zweiter ihren jüngeren Geschwistern, denen ein gutes Vorbild geschaffen wird. Sehen Sie, Her? Pastor," sagte ein Bauer zu dem Geistlichen, der ihn gefragt hatte, wie er so wohlgerathene Kinder erzogen, sehen Sie, Kinder sind, Gott verzeih mir bis Sünde, die reinen Affen. Ich habe nur mein erstes gezogen, dem sind die andern eben von selbst nachgerathen!" Ich meine, der schlichte Mann taitt Recht. Trude geht nun zur Schule, die Schülerin aber ist Trude's Mama seit vierzehn Tagen.

Schlaft, sei rnyig! Von ffrancesco ffranceschini. Ich habe einen trüben Traum ge träumt und in meinen Augen stehen noch die Thränen. Ich habe in dunkler Nacht die stille, einsame Straße einer mir fremden Skadt gesehen. Die Luft hatte einen leisen Schimmer von Licht sich bewahrt und dunkel und drohend gleich stummen Phantomen ragten die Häuser und Mauern empor. Auf den kalten Stufen vor dem Thore eines Palastes saßen eng aneinander geschmiegt zwei arme, zerlumpte, frierende Kinder. Auf ihrem Antlitze lag der Ausdruck des Leids tief eingegraben mit seinen Runen und auf ihrer Seele lastete in der dunklen Nacht eine unbestimmte Furcht. Ihre kleinen Händchen waren ineinander verschlungen und er, der Stärkere, zog den kleinen, schwächlichen Körpe? von ihr dichter an sich heran, während er unbeweglich, starr hinausblickte in das Dunkel, die Finsterniß um ihn her. Sie aber blickte, kaum athmend, zu ihm auf. als hätte sie die ganze Flamme ihres Lebens nur in ih.rem Blicke vereint. Von Weitem her hörte man ein Geheul, das näher und näher kam. Ein kalter, eisiger Hauch fuhr über ihre Glieder und eine Wolke von Staub huschte über sie weg, wie eine Schaar schreckhafter Gespenster. Das kleine Mädchen hob ihr Köpfchen und in dem bleichen Antlitz malte sich die Angst, der Schreck, das Entsetzen. Hast Du den Schatten gese--hen?" fragte sie und krallte ihre Hand ein in das Fleisch seines Armes. Er aber fuhr ihr mit der Hand liebkosend durch das Haar und sagte ihr tröstend: Schlafe, sei ruhig; es ist nur der Wind, der vorbeizieht." Gleich darauf hörte man aus dem Hause ein silberhelles Klingen. Es war zwei Uhr Nachts. Und'diesemGer'äusche folgte ein ähnliches und von oben herab schnarrte es und dann schlug es zweimal an und auch dieser Ton wiederholte sich, bald in der Nähe, bald in der Ferne. Die beiden Kinder aber schmiegten sich noch inniger aneinander an und in ihren Herzen wuchs die Furcht, die Angst, die Beklemmung. Eine Stunde, eine einzige war wieder vorbei, und wie viel Leid, wie viel Kummer mochten die kommenden wohl wieder bringen? Und als auch die letzte Stimme der Glocken verstummte, da ging ein neuer Schauer durch die Glieder der Kleinen. Er aber, der Knabe, hüllte das Schwesterchen fester ein in die Lumpen und suchte sie mit der Wärme seines hageren Leibes zu wärmen. Wie als Trost aber sprach er: Schlafe, sei ruhig; es ist nur die Zeit, die vorbeigeht." Er jedoch fühlte, daß die kleinen Händchen in den seinen immer kälter und kälter wurden und daß seine Warme nicht mehr genügte, die Starre der anderen zu hindern. Und, da nahm er auch das letzte Stück Kleid noch ab und legte eS dem Kinde um die Brust und die Schultern. Plötzlich, ihm gegenüber wurden zwei Fenster des Hauses weit aufgerissen und di? Okffnungen starrten wie große, leere Augenhöhlen entgegen, und man hörte eir.en verzweifelten, gellenden Schrei und dann ein leises, schluchzendes Weinen. Sie verstanden sofort, was da vorging, und erhoben erschreckt ihre Augen zu den Fenstern empor, die so weit geöffnet waren, gleichsam als wolle man der Seele, die da die irdische Hülle verließ, den Weg frei machen zum Himmel empor. Und wieder überlief sie ein Schauer und ihr Herz krampfte sich zusammen. Des Mädchens Augen aber schlössen'

sich und der zarte, gebrechliche Körpei erkaltete an seiner pochenden Brust. Er aber hielt den kleinen Leichnam fest, fest umfangen, Thränen traten ihm in die'Augen und das Schluchzen gewaltsam verhalten, stammelten seine zitternden Lippen: Schlafe, sei ru hig, es ist nur der Tod, der vorbei-geht.- . M Das Kompagnic-Vefeäzt. Bon Freiherr von Schlicht.

,Z?änf Sinne hat tak Menschenkind: Im Rahm? fünf Patronen finb!" Den Spruch kennt jeder Soldat, abgesehen von Denen, die ihn nicht kennen. Auf dem Kasernenhof vertheilt der Schießunterofficier an die zum Abmarsch bereite Compagnie die Platzpatronen, jeder Mann bekommt einen ganzen Rahmen, dem Schießunterofficier thut es in der Seele weh, daß mit den Patronen so geeest" wird, aber er kann es nicht ändern, denn der Hauptmann hat's befohlen, sintemalen er heute ein Gefecht durchnehmen will. Die Patronen sind vertheilt, gleich darauf wird abmarschirt, und je nachdem das heißt auf Deutsch: je nachdem der Exercierplatz in der Nähe oder in der Ferne liegt erreicht man den Geländeaöschnitt, an dessen Eingang eine Tafel mit der Inschrift prangt: Zwei und vierbeinigen Unbefugten ist der Zutritt verboten!" Bei einem Gefecht braucht man einen Feind hat man keinen, so markirt man einen; irgendwelche Leute werden niit einer rothen, weißen und gelben Flagge bewaffnet und markiren" Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Gewöhnlich sind es krumme Teusei" oder sonstige Krüppel, die die Flaggen tragen; und da jetzt der Herr Hauptmann befiehlt: Der markirte Feind vortreten!" iommen die Humpelbrüder" nach vorne. Es ist eine kleine, aber auserlesene Heldenschaar, und nicht nur das Herz, sondern auch der Mund lacht bei dem Anblick Vieses Feindes". Lachen im Gliede wird mit Todtschießen, hundert Jahr Festung und dreißig Jahr Ehrverlust bestraft. Heute aber ist der Hauptmann, wenigstens so lange es dauert, sehr gut bei Laune, und er lacht mit. wie der Feind unter Führung eines Unterofficiers von dannen zieht, um sich an einer ihm bezeichneten Stelle aufzubauen". Jedem Gefecht soll eine, Idee" zu Grunde liegen, und zwar soll diese Idee", damit die Leute auch wirklich" etwas lernen und im Stande sind, sich in die Gefechtslage hineinzuwerfen, jeoesmal eine andere sein. Hört mal zu, Leute," beginnt jetzt der Hauptmann seine Rede, wie Ihr wohl wissen werdet, legte ich dem letzten Gefecht die Idee zu Grunde, daß wir zu einem Westdetachement gehörten und von diesem abgezweigt waren, und nach dem Dorfe Aberg zu marschiren Wir sollten nachsehen, ob sich dort noch feindselige Kräfte befinden. Heute haben wir nun einen neuen Auftrag. Heute gehören wir zu einem Ostdetachement merkt Euch das wohl, das ist sehr wichtig, das muß Jeder wissen!" Warum das sehr wichtig ist und warum das Jeder wissen muß, weiß, glaube ich, der Hauptmann selbst nicht. Doch, pardon, ich thue ihm bitter Unrecht, er weiß es doch, denn soeben sagt er mit erhobener Stimme, das muß Jeder wissen, denn wenn nachher der Herr Major oder gar der Herr Oberst kommen sollte und Ihr nicht wißt, was los ist, ist da Teufel los." Wir gehören also zu einem Ostdetachement," fährt der Hauptmann fort. Dasselbe hat uns abgezweigt mit dem Auftrag, nach dem Dorfe Aberg zu marschiren. Das vorige Mal sollten wir in Erfahrung bringen, ob sich dort noch ein Feind aufhielte heute wissen wir, daß ein schwacher Gegner dort ist, und diesen sollen wir zurückschlagen. So, nun wißt Ihr Bescheid!" DerHauptmann lüftet ein wenig den Helm, ihm ist warm geworden; so leicht ist es doch nicht, so einfach auf Befehl eines Vorgesetzten immer eine neue Idee zu gebären. Na, nun ist das Geisteskind ja da, und in diesemSinne kann das Gefecht beginnen. Kriegsgemäß" ist die Lösung, die ausgegeben ' wird, dann tritt die Spitze" ein Officier. ein Unterofficier und acht Mann den Vormarsch an. Der Rest der Compagnie legt sich auf den Bauch, nicht um zu schlafen, sondern um sich den Blicken des Feindes zu entziehen. Es wäre ja auch schrecklich, wenn der böseFeind, der mit der Compagnie zusammen marschirte, wüßte, wir groß die Heldenschaar ist, die ihm Tod und Verderben geschworen hat. Der Lieutenant geht mit seiner Spitze durch die ihn umgebende Na tue. Er hat Muth in derBrust und regt sich weiter nicht auf er weiß ganz genau: sobald er mit seiner Spitze die vor ihm liegende kleine Anhöhe erreicht hat, fällt von der anderen Seite ein Schuß. Dann hat der Feind ihn bemerkt und macht seinem weiteren Vordringen ein Ende. Er selbst wird sich hierauf mit seinen Leuten hinlegen, das Feuer eröffnen, seinemHauptmann Meldung schicken und daraufhin von dem Rest der Compagnie unterstützt werden. Und dann wird sich die Sache historisch weiterentwickeln. Ebensogut wie derLieutnant wissen, das auch der Unterofficier und die Mannschaften sie haben auf dem Gefechtsfeld schon so viel gelernt, daß ihnen zu lernen nichts mehr übrig bleibt. Aber lernen müssen sie dennoch etwas, schon aus dem einfachen Grunde. weil es befohlen ist. Mit vieler List und Tücke nähern sie sich der Anhohe und ohne einen weiteren Befehl abzuwarten, werfen sie sich, oben angekom-

men, auf den Bauch. Um das Feuet gleich eröffnen zu können, legen die Leute den Sicherungsflügel herum, und dabei geht einem Mann das Gewehr los. Es fällt ein Schuß. ' " " ' DerLieutnant hat gar nicht darauf geachtet, daß dies kein feindlicher, sondern ein freundlicher Schuß ist, er freut sich, daß überhaupt geschossen wird: Na ja also." sagter sich. , ist ja einmal wieder Alles in schönster Ordnung", dann commandirt er, wie er es schon das letzte Male gethan hat und wie er es auch beim nächsten Mal thun wird: Geradeaus feindliche Schützen, Visir 800 Schützen - Feuer!" Das Feuer beginnt, die Leute schießen ein Loch nach dem anderen in die Natur, und der Vorschrift gemäß gehen sie bei dem Laden mit dem Kopf in Deckung, um erst bei demSchießen wieder sichtbar zu werden. Von hinten her. besieht sich der Hauptmann das Verhalten und daZ kriegsgemäße Benehmen seiner Leute an: er ist wohl mit ihnen zufrieden, am meisten aber lobt er sich selbst: Die ganze Anlage und Leitung des Gefechts ist auch heute wieder einmal tadellos. Die Leute müssen ja bei ihm etwas lernen, selbst wenn sie nicht wollen, und erbarmungslos sperrt er Jeden drei Tage ein, der da etwa nicht wollen wollte, das wäre noch schöner, nicht wollen, das gibt es nicht! Da naht im Galopp eine Patrouille, die die Verbindung mit der Spitze und der Compagnie aufrecht erhielt; die Kerls laufen, daß ihnen die Zunge bis auf die Patronentasche hinausbängt. Schöne Zungen." denkt der Hauptmann, dann fragt er interessirt, als habe er keine Ahnung, was denn im Vorgelände los sei: Nun, was gibt's?" Dreimal schnappen die Leute noch nach Luft, dann ziehen sie kurz und energisch, wie sich das für einen Soldaten gehört, der dafür pro Tag zweiund zwanzig Pfennig erhält, die Zungen ein und sagen: Meldung von der Spitze: der Lieutenant lassen melden, der Unterofficier Haase, der den markirtenFeind führe, sei garnicht da. Das Gewehr, das losgegangen fei, sei Meier seins gewesen und Meier sei an dem ganzen Unglück Schuld." So'n Rindsvieh!" tobt der Hauptmann, u?id ich will es hier nicht untersuchen, ob er damit sich selbst, seinen Leutnant, den Unterofficier oder den Meier meint. Er gibt seinemGaul die Sporen, um nach vorne zu reiten und um sich die Schw nein, die Scheererei anzusehen; aber mit einem lauten Schmerzensschrei bricht er fast zusammen. Er hat nicht daran gedacht, daß er abgestiegen ist und hat sich den rechten Sporen in den linken Unterschenkel geschlagen. - Freue Dich. Pferdchen! Das Streitroß wird herbeigeführt, er klettert in den Sattel und stürmt von dannen gerade auf die Schützenlinie los. Ach wie nett, ach wie nett, ist die Paula vom Ballet!" denkt der Lieutenant, als er den Hauptmann mit dunkelrothem Kopf auf sich zukommen sieht, ob der Häuptling wohl ebenso nett ist? Ich wollt', der Gaul verlöre mit einem Mal alle vier Beine, dann hätte dieser Ritt wenigstens vorläufig ein Ende, und ich könnte mich in aller Ruhe auf eine Ausrede besinnen." Aber die Angst des Lieutenants ist unnöthig, der Hauptmann hält sich gar nicht bei ihm auf. der stürmt weiter, mit dem ihm innewohnenden Heldenmuth direkt auf die feindliche Abtheilung zu, die er endlich entdeckt hat. Denn nicht nur, weil er Hauptmann ist, sondern hauptsächlich, weil er zu Pferde einen besseren Ueberblick hat, sieht er weiter als die Leute, die zu Fuß herumlaufen. Als der Unterofficier, der sich verlaufen hat, seinen Hauptmann kommen sieht, überlegt er, ob er nicht auf der Hinterhand" kurz Kehrt machen und davon laufen kann. Er weiß, daß selbst wirkliche Feinde sich bei einem Angriff unter Umständen so benehmen, und er ist doch nur ein markirter"..Er wendet sich wirklich zur Flucht unter dem Vorwande, sich auf den richtigen Platz begeben zu wollen, aber ein donnerndes: Bleiben Sie stehen oder ich reite Sie um!" klingt an sein Ohr. Dann bleibt er stehen und läßt sein Schicksal über sich ergehen, ach, und das Schicksal ist oft hart und unerbittlich. Endlich hat der Vorgesetzte den Untergebenen, wenn auch nicht gerade in wohlwollender Weise instruirt, an welchem Fleck der Erde der markirte Feind aufzubauen sei und warum gerade da und nicht wo anders. Nun reitet der Hauptmann zu seiner Truppe zurück; die soll ja heute etwas lernen; der Herr Oberst verlangt es. und erst kürzlich hat er wieder gesagt: Meine Herrn Hauptleute, ich wünsche, daß dem Mann bei den CompagnieGefechten Gelegenheit geboten wird, die geistige Fähigkeit zu entwickeln. Beim Exercieren sind die Beine die Hauptsache, beim Gefecht der Kopf." Wie jede Bemerkung des Herrn Oberst ist auch diese sehr tiefsinnig: es ist eine bekannte Thatsache, daß die Augen, soweit es keine Hühneraugen sind, im Kopf sitzen. Ohne Kopf und damit ohne Augen kann selbst der beste Schütze nicht schießen, geschweige denn ein schlechter. Der Hauptmann ist sehr trauria nun ist er schon beinahe zwei Stunden von der Kaserne weg, aber seine Leute haben noch nichts gelernt. Die Spitze eintreten!" ruft er seinem Lieutenant zu, und der begibt sich mit seinen Leuten in die Compagnie zurück. Er macht sich auf einen gewaltigen Anpfiff gefaßt und Herr Meier erwartet die obligaten drei Tage

aber der Hauptmann hat sich an seinem Unterofficier abgekaut", er ist nicht mehr in der Geberlaune". Er begnügt sich damit, seinem. Officier ein Aber Herr Lieutenant!" und dem Meier ein Schafskopf!" zuzurufen das läßt jedoch Beide völlig kalt. Das Gefecht beginnt von neuem damit jetzt aber auch andere Leute etwas lernen, wird eine neue Spitze genommen. Und dieses Mal hat der Hauptmann Glück, der Schuß, der dieses Mal abgegeben wird, als die Spitze sich der Höhe der Situation genähert hat, kommt vom Feind. Der Officier läßt halten, eröffnet das Feuer, selbstverständlich mit dem Visir 800, schickt seine Meldung und erwartet Verstärkung. ' Die kommt oenn auch, derLieutenant braucht sich gar nicht umzusehen, er hört das Klappern nicht das des Storches, sondern das der unordentlich aufgeschnallten Kochgeschirre, und ohne sich das Geringste dabei zu .denken, commandirt er: . Lebhafter feuern!" ' Fünf Patronen hat der Mann aber nur, und so setzt der Officier dann hinzu: Nur eine Patrone verfeuern!" Nur Soldaten bringen das Kunststück fertig, mit einer Patrone lebhafter zu feuern, als mit den zwei oder dreien, die sie schon verschossen haben. Der erste Zug verstärkt die Spitze links, der zweite Zug rechts' sprungweise geht man nun vor. Erst springt der eine Zug und dann der andere Alles geht nach Schema F. Wenn der andere Zug, anfinge, würde es ein Unglück geben. Bis auf dreihundert Meter springt man heran an den Feind. Nun heißt es den Gegner mit Feuer niederkämpfen", soweit dies nicht schon auf den Feuerstationen, die jedem Sprung folgte, geschehen ist. Schnellfeuer!" commandiren die beiden Zugführer und setzen dann hinzu: Den Rest der Patronen verfeuern!" Bange, erwartungsvolle Stille endlich haucht eine einzige Platzpatrone mit einem leisen Seufzer ihr Dasein aus. Die Munition ist verschossen, das Schnellfeuer" beendet. Von hinten naht der letzte Zug geschlössen als Unterstützungstruppe. Die beiden Trommler und die beidenSpielleute schlagen und blasen den Avancirmarsch und die beiden Zugführer vorne in der Schützenlinie befehlen: Lebhafter feuern!" Noch lebhafter als Schnellfeuer und noch dazu ohne Patronen? Aber Herr Lieutenant! Nun ist der Unterstützungstrupp heran und zuerst im Schritt, dann im Marsch - Marsch" mit lautem Hurrah wirst man sich auf den Feind Allen voran hoch zu Roß der Herr Hauptmann. Zum Donnerwetter, Unterofficier, machen Sie, daß Sie mit Ihren Leuten fortkommen," ruft er dem markirten Feind zu, und der commandirt: Kehrt marsch!" In Wirklichkeit hätte der Unterofficier sechzig Bajonnetstiche in der Brust. Auf den abziehenden Feind Verfolgungsfeuer wer schießt, fliegt drei Tage in's Loch", ruft der Hauptmann. Auf zehn Meter darf nicht geschossen werden, weil das leicht ein Unglück geben kann, aber Verfolgungsfeuer soll doch abgegeben werden. Endlich ist der böse Feind verschwunden, das Gefecht ist beendet, und nun kommt die Kritik, bei der der Hauptmann seine Leute auf das aufmerksam macht, was sie heute Morgen gelernt haben. Es ist nur gut, daß er es ihnen sagt, denn sonst würden sie es auch nicht wissen. Er selbst weiß es zwar auch nicht, was seine Leute gelernt haben, trotzdem hält er ihnen eine lange Rede. Zuerst spricht er über das Gefecht im Allgemeinen. Wie er damit fertig ist, kommt er auf die heutige Schlacht. Er wiederholt noch einmal, den Auftrag, den die Compagnie gehabt hat, dann läßt er sich den Auftrag noch einmal von einem Mann wiederholen, um zu sehen, ob die Kerls auch wußten, was los war. und dann wiederholt er ihn selbst noch einmal. Und schließlich sagt er: Zu weiteren Bemerkungen gibt mir das heutige Gefecht keinen Anlaß. SDaß Meier ein Esel ist, wissen wir Alle, ohne daß ich es besonders zu betonen brauche." Ein Compagnie - Gefecht gleicht dem andern aufsHaar. Du großerGott. was soll er da viel sagen dieHauptfache ist, daß die Kerls etwas gelernt haben und am besten lernt man ja durch die Praxis. - Ergo, machen wir morgen wieder ein Gefecht, selbstverständlich dasselbe. Seine stille Hoffnung, daß der mar kirte Feind sich morgen nicht verläuft, wird sich nicht erfüllen der markirte Feind verläuft sich immer. Die Compagnie rückt nach Haus, und auf dem Kasernenhof geben die Leute die Patronenhülsen und die Patronenrahmen wieder ab. Alles was der Soldat zum Dienst nicht braucht, wird ihm abaenommen. Unwillkürlich faßt ein ZNann nach seinem Kopf, um auch diesen abzugeben da dringt auS der Küche ein gar lieblicher Geruch von Speck und dicken Erbsen an seine'Nase. . Plötzlich sieht er ein. daß man selbst als Soldat den Schädel nicht ganz missen kann, und ?? läßt den Kopf sitzen, wo er der Vorschrift nach hingehö?t. Verplappert. Herr: Heute sollen Sie einmal eine von meinen Cigarren rauchen, Jean! (In eine Kiste greifend): Wollen Sie eine starke?" Diener: Bitte, gnä' Herr, nehmen Sie lieber eine aus der anderen Kiste!" ...... . .. Man kann auch lügen, wenn man scbweiat und zubort.

?le Kleine.

Von Elsbeth Meyer.örstcr. , Es war spät am Abend das Gartenthor schon geschlossen als ich durch den Eilboten einen Brief bekam:Liebste Gute! Bitt' Sie herzlich, kommen Sie sofort! Ich hab' eben Gift genommen, Arsehnik. Beinah hätt' ich sterben können. Vber sie Habens mir wieder ausgepumpt. Aber bitt' schön, kommens halt!! Ihre Kleine." Ich war vollkommen starr. Ich blickte wie entgeistert noch in's Blatt, nachdem ich schon lange gelesen, und stumpfsinnig überlegte ich, daß Arsehnik" einen Buchstaben zu viel bekommen hatte, die Kleine" also ersichtlich auch in der Orthographie nicht ganz sattelfest war nicht nur in der Heimathskunde. Gift hatte sie also genommen! Es war ihr so ähnlich, man hätte es eigentlich täglich von ihr haben erwarten können die letzte Zeit über und dennoch!' Dieser blühende, runde, kleine Posaunenengel! Es ging mir nicht in den Kopf. Zehn Minuten später war ich auf dem Weg zur Stadtbahn. Mein Mädchen trug die Handlaterne. Das ganze Villenviertel schlief. Nur die Nachtzüge donnerten aus der Ferne und die letzte Dampfbahn brauste an der schweigenden Kieferschonung vorbei. Denken Sie. Anna, das 'Fräulein Rosel hat sich vergiften wollen!" Ach nee die Kleene?!" Anna blieb stehen, und vor maßlosem Staunen ließ sie fast die Laterne fallen. Ihr Ausdruck, war so theilnahmsvoll und wahrhaftig, daß mir der Muth fehlte, ihr die familiäre BeZeichnung meiner kleinen Freundin zu verbieten. . Ja. Fräulein Grüttenauer. Sie Haben's ihr aber wieder ausgepumpt." Der Zusatz war von Segen. Annas Mund schloß sich wieder automatenhaft und sie nahm die im Schrecken niedergesetzte Laterne energisch wieder vom Boden auf. Nee, daß mich aber ooch gleich der Schlach gerührt hätte!" Und umfassender in ihrem Wortschwall, als sie je nur in ihren Leistungen gewesen, begann sie sich über das Thema auszubreiten. Die Kleine wartete gewiß mit Schmerzen! Hatte sie doch Niemanden in dieser großen Stadt als mich! Die Leute in der Pension, die sie bewohnte, waren ihr fremd geblieben. Man war ihr dort anfänglich, noch ehe sie persönlich im Pensionate eintraf, mit großen Sympathien entgegen gekommen Eine Schauspielerin für's Goethe - Theater! Bisheriger Stern des Brllnner Stadttheaters, wie man hörte! Als sie sich all diesen erwartungsvollen Herren und Damen endlich persönlich präsentirte. da war man recht enttäuscht. Ein kleiner, dicker, rosiger Pummel, mit einem Blasengelgesicht. keine Spur von Theaterallüren, hervorstechender Genialität ein bescheidenes, erröthendes Wickelkind Niemand wollte hinter dieser vergnüglichen Außenseite das heiße Feuerseelchen vermuthen. Nein, das sollte Liebhaberin" werden?? Rosels Chancen fielen gleich beim ersten Mittagstisch. Und sie hoben sich so bald nicht. Ueberhaupt nicht." Und bei Niemand." Und darum hatte sie Gift nehmen wollen . . . Zusammengekrümmt wie ein Igel lag sie auf der Chaiselongue, in dem kleinen, durch ein Nachtlicht erhellten Studierzimmerchen. Ihre Pausengelbacken hatten die Farbe verloren. Das Wiener Nasel war förmlich spitz geworden. Aber Nosel. Kind was haben Sie gemacht?! Um Gotteshimmclswillen!!" Ach. mein gnäd'ges, liebes Herzel!" (Sie ist so devot, unsere Rosel! Das gnädige Frau" glückt ihr nicht, aber das vertrauliche Herzel" ohne einen verbrämenden Zusatz eben auch nicht.) Das war freilich ka' Spaß! Schauen's mei Zungen an. Ausg'brannt is's mir halb. A ganze ganze Stund' lang hat der Doktor 'rumgepumpt in mir, wie in einer Kalkgruben. Hätten's mich doch lieber liegen lassen!... Was soll ich noch weiter dahier? ... Für a Liebhaberin Haben's mich engagirt. fortg'rissen aus meinem lieben Brünn, und jetzt' krieg' ich die Stubenmädeln zu spiel'n. mit Madam, der Kaffee is fertig", oder die Pagenbub'n mit die Schlitzh'ösln " Aber Rosel! Rosel! Klein fängt man doch an, vor Allem in der Kunst!" Ach, meine allerliebste Gute! Klein, das ist a Wort! Das sagen also auch Sie!! Wann i das Wort schon hör!" Und sie sprang auf vom Sopha, das kleine, runde Ding, und Pflanzte sich glühend vor mir auf: Das is es ja eben! Dieses sackerische Wort! Klein! Die Kleine! Das, das hat mir die Statute' zerstört! Und das zerstört mir noch amal das Leben. Klein! Für unser Brünner Stadttheater war ich der Stern. Aber an dem Wort is der auch eines Tags gePlatzt ... In der Lieb' warum sollt' ich nit amal geliebt haben, trotz meiner Kleinheit is'S . mir ebenso gangen. Davon les' ich Ihnen nachher a Briefe! vor 'Und jetz' mei letzter. vorgestriger Freudentaa! Die Christine hab ich geben soI7n. in Lie belei". das erste Mal in'r ersten, großen, modernen Rolle vor's Publikum treten, ach, i kann's nit b'schreiben, wie i voll war von Erwartung und von Jubel und Glück. A so a Glück wie m'eins, hab' i gedacht, das giebt's den Augenblick vielleicht in der ganzen Welt nit wieder . . . Da krieg'

ich, am Morgen vor der ersten Prob', a Schreiben vom Sekretär. I denk' nir. arg's und mach' auf aber nach'er stockt mir grad 's Herz. Sie hätten, sich's anders besonnen, im letzten Au--genblick ... Die Schwalbeck hat dieRoll' bekommen, anstatt meine: weil sie noch im letzten Moment Be--denken verspürt haben, wegen meiner Kleinheit! Und die Rolle, gerade die erfordert etwas mehr Herausgewachsenes, gleichsam auch körperlich von. Akt zu Akt sich Hebendes Na, und das hat die Schwalbeck ja; gegen die bin ich freili, was vielleicht a Dachsel gegen an langen Jagd--Hund is. Aber wie ich den Sinn von. dem Brief erst erfaßt g'habt hab!! Lang hingeschlagen bin ich. An mei' Talent, an mei' Können Haben's mt gedacht, mit kei' Gedanken blos die Jleinheit, die Haben's wieder amal so recht 'rausgehabt! Schauen's mei'' Liebe, da war's, als ständ' alles stiT um mich; wie a Pagod' hab' ich dann g'sessen und blos immer an mir niederg'schaut! An dieser entsetzlichen Kleinheit! Und wie ich noch so hocke unt nix mehr denken kann, kommt dieser Brief " Sie reichte ihn mir. mit ihrer Heinen, runden, lieben Mädchenhand, die zitterte. Und ich las, den ersten. Bogen hatte sie zurückbehalten: ... Und so mußt Du denn ver--nllnftig sein, mein lieber. kleinerSchatz Sieh, ich, ein Künstler, habe daSSorgenleben einer Künstlerlaufbahrr vor mir Dornenwege; auf diese paßt kein Kinderfüßchen, wie daS Deine. Ein Weib, herangereift in eigenem Leid, weitsichtig, groß, mit star ken Schultern das gehört an meiner Seite. Du, mein Kleinchen, würdest: Dich dort nie am Platze fühlen . . Laß uns vergessen, daß alles so schön war, liebe, herzige, kleine Maus! DaS Leben reißt gern auseinander, was ein innigsten verbunden war. Ich werde in eine Ehe untertauchen müssen, die mir Kraft und Hilfe verspricht, Gewähr für die mich erwartenden trübere Schicksalssorgen. Dir, Kleinchen, sec ein besserer Weg beschießen. Wie Kinder thun, wirst Du ein Weilchen umc mich weinen. Dann wird das kleineHerz getröstet sein! Leb wohl!" Ich faltete den Brief zusammen und sah in ihr Gesicht. Es war voll Hohn und Schmerz, der förmlich Runen in. die runden, weichen Züge grub. Hier", sagte sie. und schob ihr Por temonnaie vor meine Augen. DaS wird ihm wohl hauptsächlich zu klein gewesen sein. Das is freilich noch kleiner als ich . . . Die mit die siar ken Schultern" ich kenn' sie schon:. hat a größeres." Sie stand auf und legte den Arm. um mich. Ja, ja, so ist es halt. Arsenik hab ich genommen, aber das Fluchwort von meinem Dasein hat sich auch da bewährt: die Dosis war zu klein... Und jek'.kann ich mei' kleines" Leben, frisch wieder von vorn anfangen." Ich tröstete sie und sprach lange auf sie ein. Konnte ich ihr nicht alles sagen, was ich fühlte? Daß sie in ihrer Kleinheit", der für sie so verzweiflungsvollen, das entzückendste, liebste Wesen war, das es nur auf Gottes weiter Welt geben konnte für feiner und tiefer empfindende Seelen?! Und daß die ganze Kleinheit"' ihres Lebens nur außerhalb ihrer selbst lag. in der Misere, Kälte und Rohheid ihrer Umgebung, dieser Theater- irniVerehrer - Umgebung, an der sie einst.' doch noch zu Grunde gehen würde fein und zart und grüblerisch, wie siewar weit sicherer wie am Arse nik? Ich sprach noch zu ihr, als schon der Morgen zu grauen begann und Zn der: lauten Potsdamerstraße vor ihren Fen stern das erste Tagesleben erwachte Aber sie hörte nur blaß, mit ungläubiger Miene zu. Die Sache mit denn Abschiedsbrief, das sah ich, die würden? ihr tausendMenschenzungen nicht mehr aus dem verlassenen, kleinen Herzen reden . . .

Artillerieretyt. Bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts hatte in den meisten europäischen Kriegsheeren die Artillerie ein eigenthümliches Recht.. Sobald es nämlich ihrer Thätigkeit gelungen war, einen Platz zur Uebergabe zu 'bringen, durften die Artilleristen von den besiegt-n Gegnern die Auslieferung der größten Geschütze und der größten Kirchenglocken verlangen. Für den Fall, da& . die unterlegene Partei es vorzog, tne Ablösungssumme zu entrichten, mußte mit der Artillerie unmittelbar verhandelt werden, da der Oberbefehlshaber der Armee nichts mit der Angelegenheit zu schaffen hatte. So ist beispielsweise noch folgendes Schreiben erhalten. daS im Jahre 1645 an den Bürgermeister und Rath der von den Hessen eingcnommenen Stadt Butzbach gerichtet wurde: Dieweilen es bräuchlich, auch vorn Kaiser Carolo V. verwilligt worden, so eine Stadt oder Festung durch die Artolleren - Personen eröffnet wird, dessentwegen ihnen Satiöfaction zu thun, oder die Glocken und großen Stücke verfallen fein sollen. Alß gelangt cm Herrn Bürgermeister vnd Rath vnser dienstlich Ersuchen, vns hierinnen auch Satisfaction zu erweisen vnd vns also alte Gerechtigkeit nit absprechen. Verbleiben der Herren Willige ' allzeit, Sämptliche fürstlich hessische Petardirer vnd Feverwerker. am 28. OctobriS 1645." Es blieb den Butzbachera hierauf nichts Anderes übrig, als ihre großen Geschütze und Klrchenglocken mit 1000 Gulden auszulösen. Schmerzhafte Begrlln d u n g. Sie haben, aber schrecklich lang an dem Zahn gezogen!" Schau'n S' waö ich mach', das m mach' ich aründlich!" .