Indiana Tribüne, Volume 22, Number 249, Indianapolis, Marion County, 28 May 1899 — Page 2

Ein mobmus Hcspenst. s Die Zeit der Geister und Gespenster ist vorüber, wir glauben nicht mehr an derlei. Höchstens erregte Gemüther, durch verkehrte Erziehung furchtsam gewordene Wesen möge zeitweilig mehr oder minder an Gespenster glauden und unter dem Joche der Furcht vor ihnen seufzen. Die Mehrzahl der Menschen in civilistrten Ländern aber lächelt spöttisch und ungläubig, wenn das Gespräch auf den bewußten Ge-

genstand kommt! Und doch wandelt auch noch heute ein Gespenst unter uns. das nie sieht bar. nie greifbar wird, aber tausendmal verderblicher wirkt, als alle eingebildeten Flattergeister mit grinsenden Mienen und windenden Armen; ein Gespenst, das bei Hoch und Nieder Eingang und Glauben findet, von dem man nicht weiß, wsher es kommt und wohin es geht, das keine Finsterniß, keine furchtsamen, schreckhaften Menschen braucht, um zu wirken. Das Gespenst heißt: Man sagt!" Manches Lebensglück, mancher Haus- und Familienfriede wird getrübt und nicht selten vollends zu Grunde gerichtet, manch' ehrenvoller Weg verhängnißvoll unterbrochen und viel, unendlich viel Herzeleid in die Welt gebracht durch die kleinen, unscheinbaren Wörtchen: Man sagt!" Sie bergen eine Macht, deren Größe und Umfang unser kurzsichtiger Menschengeist kaum ahnen kann! Und wie kann der Arme, über den dieses grauenvolle Gespenst seine Arme breitet, sich dessen erwehren? Durch welche Mittel sich frei machen von den giftigen Dünsten, die über ihn hinzieYen und ihn zu verderben suchen? Nicht abzuschütteln ist das Ungeheuer, nicht zu bekämpfen, nicht zu besiegen; es ist überall und nirgendwo; es ist da und doch nicht zu finden; es lastet mit drückender Schwere, es peinigt und quält mit furchtbarer Grausamkeit und doch strecken wir vergebens die Arme aus, um es zu fassen, zu zerreißen, zu vernichten. Wir bleiben ein hilfloser Sklave des modernen Gespenstes: Man sagt!". Wer ist eigentlich dieses Man"? Ist's Der, ist's Jene? Ist's Feind. ist'S Freund? Der böse, schadenbringende Geist ist da, und jeder. Feind wie Freund, unterstützt und nährt ihn, aus Bosheit. Gedankenlosigkeit, Klatschsucht, Neid und Haß! Natürlich nur so lange, wie das Gespenst seinen schwarzen Schatten über Andere wirft. Wie oft. ach. wie oft nehmen wir selbst die häßlichen und folgenschweren Worte Man sagt" in den Mund! Wir. o wir meinen nichts, wir wollen nicht dieses und jenes behaupten, aber Man sagt"! Wir hörten es da, wir hörten es dort, und ohne uns weiter in die mehr oder minder schlimme Sache mischen zu wollen, expediren wir nur weiter, was man sagt", und glauben somit Ungehöriges oder gar Böses nicht verbrochen zu haben. Welch' ein- irriger Glaube, welch' ein falscher Wahn! Wir haben dem fürchterlichen Gespenste Raum und Nahrung gegeben, wir haden ihm einen neuen Weg gewiesen, auf dem es weiterziehen kann, wohl tausendmal eher zum Leid und Unheil unseres Nächsten, als zu dessen Nutz und Frommen! Wir können aber auch mehr als genug beitragen, dieses moderne Gespenst zu bekämpfen und in das Reich der Fa beln zu drängen; denn auch dieses tückische, hundertköpfiae Gespenst ist auszurotten. Wir müssen aber zu nächst dem schädlichen Man sagt" das Ohr verschließen und ihm den Weg in unser Herz und über unsere Lippen verweigern, und dann mit allen Straf ten bestrebt sein, Neid und Haß aus unserer Seele zu verbannen, müßige Neugierde zu unterdrücken, von der Klatschsucht zu lassen, kleinliche Vorur- . theile abzustreifen und in unser Herz eine große, warme, allumfassende Men schenliebe aufnehmen, welche mit ihrem lichten Strahl das dunkle Gespenst alsbald gründlich verscheuchen wird! Und wir müssen dies Bestreben auch auf unsere Umgebung übertragen und besonders in die empfänglichen Kinderherzen zu pflanzen suchen. Handeln wir so, Abscheu empfindend vor dem gemeinen Man sagt", Abscheu weckend in manch' anderem Gemüthe durch unser' Wort und Beispiel, dann dürfen wir uns sagen, daß wir unseren redlichen Theil beigetragen zur Ver nichtung dieses Ungeheuers, dann dürfen wir hoffen, daß das moderne Ge spenst versinken wird in Nacht und Nichts, wie so mancher Aberwitz und blinder Glaube vergangener Tage! Kasernenhofblüthen. Unleroficier: Der brave Soldat muß stets seine und seines Gewehres Seele rein halten." Sergeant (zu einemRekruten) Nicht rasirt nicht gewaschen das soll ein Gesicht sein? Das ist ja ein gedüngtes Stoppelfeld!" Feldwebel: Grenadier Meier, machen Sie nicht solch dummes Gesicht wie in Goldfisch, den sein Herr versilbert!" Wachtmeister: Huber, Sie sind aber ein nettes Roß. Sagen Sie einmal, was ist denn Ihr Vater?" Rekrut: Pferdezüchter." . Wachtmeister: Na, da hab'n wir's lal" N a, N a ! Wie geht es Ihrer Frau?" O schlecht, sehr schlecht, sie leidet an Schlaflosigkeit." An Schlaflosigkeit?" r- Ja, ich mag nun um vier sder drei Uhr nach Hause komsten, immer ist sie wach." Dereinewirbelte Staub auf, denr anderrl fliegt er in die Augtn. .

Mimnker 5007".

59 c Von Bertha Wegner.Zell. Wir traten, von einer Tanzgesellschaft kommend, als die letzten Gäste hinaus in die klare Winternacht. Es war 2 Uhr Morgens. Der weißhaarige Kutscher, der stundenlang, durch die erleuchteten Fenster angezogen, gewartet hatte, ob ihm heut' noch eine Fuhre" zutheil würde, kletterte diensteifrig, wenn auch unbeholfen vom Bock, um mir den Schlag zu öffnen. Da dies nicht auf den ersten Griff gelang, entschuldigte er sich: Man ist so verflammt, Herr. Es ja eigentlich keine Kälte nich, aber das lange Stillsitzen. . . Ich hatte schon den Schlag geoffnet. Kann mir denken, Alterchen. Steigt nur wieder auf. Dabei nannte ich meine Wohnung und horchte dann unwillkürlich hinaus. Von einer zweiten Droschke tönten laute Stimmen zu uns herüber. Skandal! sagte ein junger Herr. Nicht mal Droschken erster Classe da. in so 'nem Marterkasten kann doch kein anständiger Mensch fahren. Na, denn hatten Se sich doch Ihren Vierspänner herbestellen sollen, kam darauf grob des Kutschers Entgegnung. Schönst das alte Wort sagt, daß der Deibel in der Noth Fließen frißt, un 'ne Fliej? is meine solide Droschke noch lange nich, wenn se ooch man zweeter Jüte is. Lassen Sie die dummen Redensarten und fahren Sie los, schnauzte der andere. Mein alter Kutscher hatte stehend das Zwiegespräch mit angehört und kletterte erst jetzt auf den Bock. Auch so 'n Jroßartiger, meinte er dabei kopsschüttelnd. Wird doch gewiß 'n Bankhalter sind, Hllh, hott! Die Fahrt beaann. Aber es war feucht und dumpfig in dem geschlossenen Wagen. Fünf Minuten hielt ichs aus, dann rief ich kurz entschlossen dem Kutscher ein Halt! zu und sprang hinaus. Is was passirt? fragte er verwundert. Nein. Ich möchte nur ein Stückchen Himmel über mir sehen, und darum rückt zur Seite. Alterchen. Er sah mich verdutzt an, that aoer schweigend nach meinem Geheiß. Ah! sagte ich, gieria die frischeNachtluft einziehend, das ist ein ander Bild, eigentlich doch famos, so hoch auf dem Bock zu thronen und die Welt um sich her von oben herab anzusehen. Na, na! meinte er bedächtig. Obs wohl dem Herrn Spaß machen thäte, ein janzes Leben hier zu sitzen, in Hitze un Kalte, bei Tag un Nacht? Mir je fällts ja, denn ich möchte mir kein ander Leben wünschen un wär ja auch zu nichts anderm nütze. Aber so'n Herr wie Sie, der mochts wohl bald über kriejen. Lächelnd gab ich ihm recht und fragte dann: Sagt mal, Freundchen, was meintet ihr denn mit dem Bankhalter" vorhin. und was versteht ihr überhaupt unter dem Wort? I nu, das is doch mal klar, sagte er ruhig, n' Bankhalter, das is 'n Mann, der 'ne Bank hat oder auch so'n Bankgeschäft, wo Dumme ihr bisken Jeld verlieren. Un die Menschen kenn' ich nu schonst, die is nie nichts fein un bequem un jroßartig jenug. bis sie denn einen schönen Tags futsch sind un das schöne Jeld mit. Famose Schilderung eines Banquiers! lachte ich. Haben Sie übrigens Erfahrungen mit dem Geldvxrlieren gemacht? Er antwortete eine Weile gar nicht und ließ den Gaul langsam, im echtesten Nachtwandlerschritt dahintrotten. Endlich meinte er: Na, un ob! Hab das bißchen Jeld, das ich mir zeitlcbens mit saurem Schweiß zusammengefuchst hatt', vor nu fünf Jahre verloren. War übrigens jar nich so'n bißchen, sondern vor unser einen ein schönes Vermöjen, fünftausend Thaler, Herr. . . Aber Mann, wie habt ihr soviel ersparen, und vor allem, wie es so leichtsmnlg anlegen tonnen! Sparen? I. Herr, es is doch meine eijene Droschke, die ich fahre, ich steh' ja nich in Lohn un Brot, sondern bin mem eijener Herr. Un wenn man denn fünfzig Jahr fährt wie ich nu schonst. un sparsam un solide is, un auch 'ne Frau hat, die zusammenhält un noch was mitverdient, denn läppert sich das schon so zusammen. Erst hatt' ich das Geld auch sicher auf der Sparkasse, un nachher auf der Reichsbank. Aber wie es nu mehr un mehr wurde, lag mir meine Alte immer in den Ohren, wie schön es doch wäre un wie sehr sich un)ti Gapial vermehren konnte, wenn w:r statt drei Procent sechs un noch mehr bekämen, wie man das so manchmal in die Zeitung las. Da werd' ich denn auch aufsässig, fragte so überall rum, wie man Jeld am besten anlejen thäte, un Fuhrherr Knobbe, was ein reicher Mann is un 'nen janzen Wagenplatz für sich hat, schickte mich endlich zu demselben Bankhalter, der ihm sein Jeld mit acht Procent verwaltete. Na, un was soll ich viel davon reden, ein Jahr drauf war mein Vermögen futsch. Schrecklich ! rief ich. Und blieb denn gar nichts für die Gläubiger übrig? Nichts, sagte er dumpf. Es haben so ville ihr Jeld verloren, die wenig sten aber hatten es wohl so sauer erworben un Jroschen auf Jorschen zusammenjespart wie ich. Dabei war dieser Bankhalter noch nich mal einer von die schlimmsten. . Er hatte wirklich auch sein jenes schönes Vermöjen zugesetzt, un es muß doch wol alles in Ordnung mit den Büchern gewesen sind, denn die Jerichte konnten ihm nichts anhaben. Der Mann hat eben

mit seinem un unserm Jeld speculiri und verloren, dett war die Sache. Und ihr trugt den schweren Verlust mit Ergebung? Ja, wär' denn mein Jeld wieder re tour geflogen, wenn ich den wildsten Mann jespielt un um mir jeschlagen hätte? Meine Alte freilich konnt' sich

nich in das Schicksal finden, wol, weil sie mir so arg zujeredet hatte, das Jeld von der Reichsbank zu nehmen. Un als denn det andre Unglück noch dazu kam, klappte sie vollends zusammen un ein paar Monat später haben wir sie beiraben. Er sagte auch das ruhig, eintönig, mit einer Ergebung, wie sie nur der bare Stumpfsinn oder philosophische Erkenntniß von der Nichtigkeit alles Irdischen zu zeitigen vermag. Meine vollste Theilnahme war erweckt, besonders durch seine letzte Aeußerung. Welches andere Unglück, alter Mann? War's nicht genug an dem einen? Lassens Sie gut sind, Herr, davon wollen wir heut' lieber nich mehr reden, sagte er abwehrend. Un was das verlorene Jeld betrifft, so kann ich wirklich sagen, daß ich s nicht so sehr vermisse als meine gute Alte. Man is nu so allein, hat keine Aussprache un keine Pfleje, un wenn ich nach 'm Nachtdienst steifjefroren und todmüde zu Hause anlange, is mein Stübeken kalt, un das bißchen warmen Kaffee muß ich Mir erst selber kochen. Sie haben keine Kinder, die sich um den alten Vater kummern können? Nein, sagte er, und zum ersten Mal horte ich einen rauhen, herben lang in der Stimme. Zwei Jungens hat ten wir, die starben früh am Scharlach. Aber nu sind wir rn wohl am Ziel, Herr. Richtig, die Droschke hielt vor mtl nem Hause, und mir blieb nichts Linderes übrig, als von meinem lustigen Sitz herabzuklettern und dem Alten einen reichlichen Obolus für die Fahrt in die Hand zu drucken. Er wollte herausgeben, ich wehrte ab. Lassen Sie nur, mein Freund. Und sollten Sie je einen Rath oder Hilfe brauchen, so kommen Sie zu mir, ich wohne dort im ersten Stock. Schönen Dank auch, Herr. Un der zeehrte Name? Man kann ja nich wissen, wie's komt, un so'n oller Mann braucht wohl mal 'n jütigcn Jonner. Ich nannte meinen Namen, sah noch nach der Droschkennumver, die 5007 aufwies, und reichte dann unwillkürlich dem weißhaarigen Rosselenker die Hand. Man könnte von euch lernen, Mann, wie ein Schicksal zu tragen ist, sagte ich theilnehmend. Dann schritt ich dem Hausthor zu, und in langsamstem Tempo rasselte das Gefährt von dannen. Ich hatte seitdem oft an den alten philosophischen Kutscher gedacht, mir auch vorgenommen, gelegentlich auf dem Polizeipräsidium seinen' Namen, Standort und Wohnung zu erfragen, aber wie das so geht in der Hetze des großstädtischen Lebens und einer angestrengten Thätigkeit: es kam nicht dazu. Längst war der Winter und mit ihm, Gott sei Dank, alle Tanz strapazen dahingegangen und ein son niger Frühling ins Land gezogen, als ich eines Mittags, von der Kothener straße kommend, von der Seite her zum Potsdamer Bahnhof einbog. Der aus gedehnte P!atz ist gewöhnlich voll mit Droschken besetzt, welche die ankommenden Zuge erwarten und deren Nummern von einem Polizisten an wagenheischende Ankömmlinge vertheilt werden. Auch heute dehnte sich hier eine Wagenburg aus, doch mochte vorlausig nicht an Ankunft eines neuen Fernzu qes zu denken sein, denn die Kutscher sitze waren überall leer, und gemächlich ließen die Rosse sichs aus den vorgehängten Futterkobern schmecken. Wo aber die Rosselenker sich befanden, darauf ließ die auf einem verstimmten Klavier heruntergepaukte Tanzmusik schließen, die aus emem Niedern An bau am Ende des freien Platzes schallte und augenblicklich von einem wüsten Stimmengewirr noch übertönt wurde. Da alle Fenster des Baues, der doch jedenfalls eine Wirthschaft enthielt, weit offen standen, war das nicht weiter verwunderlich, und interessirt schritt ich hinüber, einmal in das Treiben dort hineinzuschauen. Ein buntes, lebhaft bewegtes Bild bot sich memen Augen. .Die Kutscher saßen, meist m Hemdärmeln und rother We ste, während die Röcke über den niedern Stuhllehnen lagen, an einzelnen Tischen oder hatten ein Glas Bier vor sich stehen. Am Schanktisch drängte sich eine Gruppe um den kleinen, wohlge nährten, gleichfalls in Hemdärmeln hantirenden Wirth, der aus einer machtigen Branntwelnslasche den vielbegehrten Halb und halb" einschenkte, und ein frischwangiaes, einfach und sauber aekleidetes Madchen war emsig bemüht, die übrigen Gäste so schnell als möglich zu bedienen. Ohne Schakerei und Necken gings dabei an keinem Tisch ab. doch geschah es in harrn losester Weise und' eilig, eilig, denn viel Zeit hatte die flinke Kellnerin für keinen übrig. Ueberall Schwatzen, Lachen, Gläserklirren, Stuhlrücken, und über dem allem Tabakqualm. Als der Klavierspieler mit einem harten Accord den heruntergetrommelten . Morsch schloß und, ohne eine Secunde an die Pause zu vergeuden, mit der Schönen blauen Donau" fortfuhr, kam noch mehr Leben in die Gruppen. Mitten in das Gewirr hinein tönte plötzlich die Stentorstimme des Wirthes: Auf den Posten, Jungens! der Zug fährt eben ein! ' Eine Zauberformel kann nicht elek trisirender wirken als diese Mahnung hier. Aufspringen, alles stehen und Ut gen lassen, in aieriaen Zücken die Gla ser leeren und mit der. andern Hand

den Rock greifen, der im Davonstürniev angezogen wurde, war für alle das Werk einer Secunde und in der nach

sten war der Raum leer. Doch nicht ganz. Ein Tanzwüthiger hielt noch die Kellnerin umschlullaen. Latz doch.MlNka, rief er.alS Pe ihn fortdrängen wollte, hab heut noch gar nichts von dir ge habt, und es kann doch höchstens drei Märker Strafe kosten, wenn ich das Pech habe, daß grade meine Nummer zuerst rankommt. Sei nicht leichtsinnig, Franz. Die drei Mark braucht man schon zur Aussteuer, wenn einer so n armes Maoel heirathen will wie du. 3482! schallte es da über den Platz. erst einmal, dann von vielen rauhen Kehlen aufgenommen und fortgetragcn: 3482 3482! Donner und Dona wirklich ich zuerst! Und Franz stürzl davon, ohne Rock, und sein Schatz fliegt an den Ecktlsch, wo dieser auf einem Stuhl liegt und jagt dann hinter dem Flüchtigen her, ihn mit Müh und Noth zum Stehen bringend und beim Anziehen helfend. Wieder nicht dagewesen, Schwerenther drei Mark Strafe aufbrummen! hört sie noch eine barsche Stim me und kehrt nun betrübt zurück, die Tische für den nachfolgenden Schwärm frei zu machen. Auch ich wende mich eben zum Gehen, als sich aus einer Ecke des Raumes schwerfällig eine Ge stalt erhebt und langsam auf mich zuschreitet mein alter Kutscher, 5007. Ei was! rief ich erfreut. Das nenn ich nett vom Zufall! Aber Sie werden zu spät und auch in Strafe kommen, Freundchen. Bin nich im Dienst hier, meinte er ruhig, hab nur mein Mittag jejessen. Aber Zufall? Nein Herr. Zufall is das nicht, sondern jeradezu Schickung. Seit drei Tagen überlese ich immer, ob ich zu Ihnen jehen soll oder nich. Kann ich irgend etwas für Sie thun? Gern! Ja, Herr, glaub schon, daß Sie s iut mit mir altem Kerl meinen. Aber hier läßt sich das nich so sagen. So seien Sie heute sieben Uhr vor meinem Hause. Ich bestelle Sie hiermit für eine längere Spazierfahrt auss Land hinaus, da wird man ja wohl ungestört reden können. Er dankte, ich reichte ihm d:: Hand und ging. Und am Abend desselben Tages fuhren wir, weit abseits vom Trubel der Weltstadt, über die Felder auf einsamen Wegen dahin. Ich war wieder auf den Kutscherbock geklettert und saß gemüthlich neben dem Alten, dem cs augenscheinlich schwer wurde, die Unterredung einzuleiten. So mußte ich denn fragen, und zwar wiederholt und recht diplomatisch fragen, bevor ihm das Herz auf die Zunge trat, und cr berichtete, wie ihm ja eben von den Bankhaltern" alles Unheil gekommen sei. auch jenes andere, von dem er damals nicht habe sprechen mögen. Denn er hätic mich belogen, es wäre noch ein Kind da gewesen, und zwar eine Tochter, ein bildsauberes, feines Mädel, gar nicht wie ein Kutscherkind. Und da sie es ja mit ihrem Gelde gekonnt, Ware das Mädchen auch weit über ihren Stand erzogen und zur Buchhalterin ausgebildet worden. Als dann jene Zeit kam, wo das Geld von der Reichsdank genommen und dem Banquier übergeben wurde, habe sie die VerHandlungen geführt und dabei einen jungen Bankhalter, das heißt einen Angestellten jenes Bankgeschäfts, kennen gelernt, der sich in sie verliebt und auch regelrecht um ihre Hand angehal ten habe. Wir wollten Nich, fuhr er fort, denn wir meinten, er thäte es man bloß um unsere schönen Sparjroschen, un denn mochten wir das Mädel auch nich so jung fortjeben, weil sie doch unsre jrößte Freude war. Als aber das Jeld verloren war un er trotzdem nich von ihr ließ, waren wir viel zu erbost auf alle Bankhalters, als daß wir unser Kind so einem an den Hals hängen sollten. Auch hatte er a dazumalen kein Brot un keine Stellung. Es gab ville Bitten un Thränen von unsrer Paulchen, wir blieben aber fest, bis ei- , m w rv nes ages oas vut .leer un Paunn: mit ihrem Schatz auf un davon war. Na, soll ich ville von reden? Meiner Alten hat's den Rest jejeben, un mir zum alten Mann jemacht. Wir haben me lesragt un zesorscht, un.also auch nichts erfahren. Wenn er sie man wenigstens zur ehrlichen Frau jemacht hat. Ich tröstete den ganz zerknirschten Alten - und fragte theilnehmend, was ich denn nun in der Sache thun könnte. Vorläufig nischt, sagte er lakonisch. Aber da is nu vor drei Tagen so'n jroßer Schreibebrief an mich jekommen, aus Schlesien. Mit alles Jeschriebene stand ich aber immer auf'n jespannten Fuß. un von einem Collejen wollt' ich mir den Brief nich vorlesen lassen, man kann doch nich wissen, was drin steht, un ob man sich nich blamiren thut, von wejen die Pauline, die sie alle kannten un Ue mancher stattliche FuhrHerr jern zur Frau jehabt hätte. Wollen Sie nu so jut sind, mir das da vorlesen? Damit zog er einen ziemlich zerknitterten Brief aus der Tasche und reichte ihn mir mit abgewandtem Gesicht hin. Die Aufschrift lautete: An den Fuhrherrn Johann Kotter" und war mit flüssigen Zügen geschrieben. Ich öffnete und überflog das Schreiben eilig. Hurrah, Freund Kotier, gute und nur gute Nachrichten! Von eurem Schwiegersohn ist der Brief, sie leben glücklich als Mann und Frau und haben sogar die euch so verhaßte Bankhalterei" aufgegeben und bewirthschaften im Schweiß ihres , Angesichts ein kleines Ländgütchen. Die Zügel entsanken der Hand deö

Men, das Pferd stand still, aber wn merkten es nicht. Un Sie spotten nich, Herr? kam tl zitternd von seinen Lippen. Nein, nein! Gleich sollt ihr Wo?-, für Wort den Brief des Schwiegersohnes hören.. Oder nicht doch, erst du Nachschrift eurer Paula. Sie schreibt: Geliebte Eltern! Dem alten Mann tropften hellt Thränen in den struppigen Bart. Noch weiß sie's nich mal, daß ich allein bin. murmelte er erschüttert Ich aber las weiter: Verzeiht eurer Tochter in Liebe, was sie euch angethan. Wir wußten uns keinen andern Rath und konnten doch nicht von einander lassen. Nicht eher wollten wir vor euch hintreten, bis Wilhelm sich eine Existenz errungen hatte und sagen konnte: Kommt, liebe Eltern, und laßts euch nach allem Leid wohl sein bei euern Kindern. Aber in der kleinen, kaufmännischen Stellung, die mein Mann anfangs einnahm, war daran nicht zu denken. Dann ward er obenein schwer krank, der Arzt verbot ihm die Beschäftigung im Comptoir und rieth dringend zum Landaufenthalt, an den Wilhelm als Bauernsohn ja von Jugend auf gewöhnt war. Da schickte Gott Hilfe in der Noth; ein kleines Pachtgut war unter günstigen Bedingungen, fast ohne jede Anzahlung zu übernehmen, und wir hatten Glück und erhielten es. Wir arbeiten schwer, sind aber glücklich und haben nur noch den einen Wunsch, euch, liebe Eltern, hier zu haben. Und unser kleiner Johann, der bald zwei Jahr alt wird, kann schon ganz deutlich Großvaier sagen."

Johann haben sie ihn genannt nach mir. murmelte der Alte, mannhaft ein Ausschluchzen unterdrückend. Dann horte er mit gefalteten Händen die sehr herzliche Nachschrift seines Schwiegersohnes an. Und nun, Johann Kotier, würdiger Echwieger- und Großvater, was wer den wir nun thun? Hinfahren natürlich, un jleich morjen. I, natürlich! Von wem anders soll denn die Pauline erfahren, daß ihre alteMutter nich mehr is? Die Droschke un den Jaul stell ich so lange unter un kann ja denn noch immer thun, was ich will! Ganz aufgeregt griff er nach Zügeln und Peitsche und spornte das Roß zur Eile. Und noch nie hat ein Berliner Droschkenpfcrd zweiter Güte denHeim weg so pfeilschnell zurückgelegt, als Johann Kotters abgetriebene Rosinante an diesem Abend. Acht Tage darauf trat ein alter, würdig gekleideter Mann in ziemlich früher Stunde bei mir ein. Sieh da, Herr Kotier! Schon zurück von' der Reise? Setzen Sie sich und erzählen Sie, wie Sie alles gefunden. Nein, Herr, sagte er eilig, setzen nich. Aber Adjes wollte ich Ihnen doch sagen un nochmal danken vor Ihre geehrte Theilname an mir altem Mann. Denn sie brauchen mir da in Warndorf, un ich kann den jungen Ansängern manches nützen. Mein Pferd nehm ich mit. un die Droschke hab ich schon gestern jejen einen Arbeitswagen umgetauscht. Na, das freut mich herzlich, Kotter. Eure Verlassenheit hat doch nun ein Ende. Und daß es dort auch was zu fahren für euch gibt, ist euch wohl be sonders lieb? Er lächelte verlegen: Ach. zu fahren mehr als Sie zlauben. Erst den Johann, den lieben kleinen Kerl, un denn den alten, gelähmten Mann im Roll stuhl. . . . Wen denn? forschte ich verwundert. Ja, sehen Sie, eben den Bankhalter, bei dem mein Jeld verloren jing. Mein Schwiegersohn wollt den Mann, der ihn hat ausbilden lassen, nich im Elend verlassen un hat ihn mitienommen. Das aber jefällt mir jrade von dem Wilhelm, un ich werd den ollen Mann wohl manchmal rumfahren. Da mit ich aber nie jroßartig werde in allem Jlück, hab ich zur Erinnerung an meinen Kutscherstand schon hinten auf seinen Fahrstuhl: Nummer 5007 geschrieben. Ihr wart ja doch Fuhrherr, rief ich lachend. 6r war schon draußen und wmkte glücklich zurück. Gemüthlich. Jainkef Ohrwurm aus Tarnopol reist nach Wien zum Einkauf, besucht verschiedene Großhandlungshauser und kommt auch in eine Manusakturwaa ren Niederlage, wo er seinen Bedarf an Schnittwaaren deckt. Er sucht eine hübsche Anzahl vonArtikeln aus, wählt dies und das, und läßt bei ihm günstig scheinender Gelegenheit ein Dutzend Seidentaschentücher in seinen Kaftan verschwinden. Der Eommis, der ihn bedient, hat den Vorgang ganz cnit be merkt, thut aber nicht dergleichen, sondern stellt die Seidentucher als letzten Posten auf die Rechnung, die er nach beendeter Auswahl dem Käufer überreicht. Was sind das für Seidentucher?" fragt Herr Ohrwurm, nachdem er die einzelnen Rechnungsposten mit der ein gekauften Waare verglichen. Das sind, ich bitte erwidert der Commis, die Seidentucher, die Sie einzustecken beliebt haben." ' Sie Gauner, Sie!" sagt Ohrwurm und droht verständnißinnig mit dem Zeigesinger.. ' K l a t s ch. . . Die ganze Stadt spricht bereits davon, "wie großartig die jungen Eheleute nach der Hochzeit wohnen werden!" Ja, die sind schon ausgerichtet, eh' sie sich eingerichtet ha ben!" Boshaft. Wisser Sie kein . ff t . m r r m t V ! panenoes ucy für meine nuqiz, oz Sängerin?" Schenken Sie ihr doch: .Der gute Ton in allen Lagen-! .

's Mutterl. Von Wilhelm Herbert. Der Jagdgehilfe Hans aalt bei dem

Herrn Grafen ein großes Stück. Ei war ein famoser Jager immer zu Schwanken und Schnurren aufaeleaj dabei eine goldtreue Seele. Hans," sagte der Graf, morgen Abend will ich aus den Rehbock pirschen im Silberholzl du weißt schon sorg', daß mir kein altes Weib in den Weg kommt!" Zu Befehl. Herr Graf!" lachte bet Hans und trollte sich vom Schlosse in'ö Dorf hinunter. Unterwegs ließ er die alten Weiber durch seinen. Kopf passiren; sonst gingen ihm mehr die jungen d'rin um. Er schmunzelte vergnügt vor sich hin. wie er sich ausdachte, daß er sie alle mit Lügen und Listen morgen Abend aus einandersprengen wollte nur weit weg vom Silberholzl, daß Keine dem Herrn Grafen dasWaidwerk verderben könnte. Plötzlich blieb er stehen und stutzte. Saperlot! Sein Mutterl! An sein Mutterl hatte er noch gar nicht gedacht. , Aber ein Mutterl is ja kein altes Weib!" murmelte er vor sich.hin. und doch, wie er an die tausend Flltten in ihrem guten Gesicht. dachte und an die grauen Haare und weiße waren's schier noch mehr und an den gebeugten Rücken, auf dem ihr die Jahre hockten, da wär's ihm schier b:denkllch aeworden. Für ein Kind, für einen Sohn blieb ja's Mutterl ewig jung aber für ei nen Jager und gar emen Grasen! Ein alt's Weib ist's ja net," brummte er, aber ein alt's Weiberl halt doch!" Er kraute sich hinter den Ohren. Und gerade um die Zeit herum, wo's am Besten pürschen war, hatte sie's alleweil nothwendig vor dem Hüttl die Hennen hereinjagen, die gesonnten Betten in dieStube schleppen und wie's halt hm und her ging. Und just auf dem Weg zum Silberh'ölzl mußte die Hütte stehn. Noch nie hatte sie ihn genirt heut' auf einmal hatt er sie in der Buckelkrax n wegtragen können sammt dem Mutterl d'rin. Eine harte Nuß das! schlau mußte er s ansangen ganz schlau; denn merken durfte 's Mutterl nichts davon bei Leib nicht, daß er sie wegen dem Rehbock wegschaffen mußte: es hätt' sie ewig gekränkt, wenn ihr Sohn ihr Bub' ihr Hans ihr Ein und Alles ferne Mutter für ein altes Weib erklärt hätte. Ja, Herrendienst ist schwer! Er seufzte tief auf, schaute seine Joppe an und brummte: Thust mir leid, Joppl! Wirst es für den reinen Muthwillen halten; aber 's geht net anders! Dann zog er die Joppe aus. hängte sie über einen Zaunstock am Weg und riß und zerrte und gab nicht nach, bis sie unten im Arm einen Mvrdstriangel von einem Loch drinnen hatte. Befriedigt sah er sein Werk an. hing die Joppe über die Schulter und ging heim. Schau, Mutterl," sagte er, einen Mordstriangel hab' ich in das Jöppl relngenssen hangen bm ich 'blie ben!" 's war alles die pure Wahrheit bis auf s Hängenbleiben. Reißteufel! Reißteufel!" murmelte sie und betrachtete bedenklich den. Schaden. Wirst mir's ivohl. morgen flicken müssen!" meinte er bedauernd. Kann Dir's net schenken!" Gleich flick ich's heut gleich! sagte sie geschäftig und suchte nach ihrer Hornbrille. Er stutzte. Na, na," wehrte er dann und fuhr schnell in dieJoppe hinein, morgen am Abend morgen! Sieht's ja Keiner bis dahin und morgen brauch ich's net da zieh' ich den alten Janker an. weil ich mich draußen in s Holz legen und auf den Grafen warten muß, der den Rehbock anpürscht!" So, so, auf den Grafen mußt' warten morgen Abend! Und genau da muß ich dad Jöppl flicken! Und der Trian gel schaut aus, als wär er mit Fleiß hineingemacht! Holla.' dachte sich das schlaue Mutterl, mich lügst net an! Da steckt was Anderes dahinter! Und sie studirte sich's auch bald aus, was es war. Die Reitbauerntochter die Liest das hoffahrtige Ding, hatte fchon alleweil ern Aug' auf den Hans. Natur lich sauber war er ja und Frau Försterin einmal werden, thät' auch nicht bitter schmecken. Aber die ungute, geld stolze Dirn', bei der er nie eine lachende Stund' hätt' nichts damit! Wenn das Mutterl ihren Hans ja einmal sollt' hergeben müssen, dann sollt's wemgstens sem sicher s Gluck sein! Ein Kreuz ist's mit so etnem sauberen Buben!. Aufpassen darf man d'rauf schier wie auf ein Dirndl Sicher hatte ihn die Liest auf ihre Seite gebracht und für morgen Abend in s Silberholzl bestellt aber wart' nur, da kommt noch ein drittes reiß du nur 's Jöppl zusammen 's Mutterl weiß doch, wie sie o'ran ist! Gelt, Mutterl,' sagte er andern Abend, wie die Schatten länger wurden, ich muß jetzt fort wegen dem Grafen, weißt' jetzt flickst' mir mein Jöppl? Da setzt'st dich . an's Fenster und da bleibst' sitzen und schaust' auf die Beig' 'naus und flickst mein Jöppl! Und laß dir nur Zeit laß dir nur Zeit, daß 's gut und schon wird! ' O du falscher Tropf du! Den Sessel trags er ihr auch noch hin und dazu hinführen thut er sie und nicht h geht er, bis sie sitzt, damit er ja sicher weiß, daß sie nur rückwärts auf die Wiesen hinausschauen kann und vorn' vom Weg nichts sieht und mchtö Hort. .

Aber wart' ein im Mußt schor

früher aufsteh'n, wenn du ein altesMutterl betrügen willst, da! selber ein. mal jung und verliebt war! Schnell hat sie die Hornbrille herunter, horcht und wartet noch eine Weil; und lauft dann dem Wald zu, dort ver, steckt sie sich und lauert, bis die Lies! kommt. Denn kommen wird sie da ist keir. Zweifel! Lang geht's her nichts rührt sich. Da auf einmal hörte man so cine vorsichtigen Schritt. Aha, das ist sie! Wart'. Du stiehl' mir meinen Bu. ben! Schnell springt das Mutterl auf den Weg hinaus. Aber da stehen alle zwei paff. Dann aber fanat sie zu zamen und. fast gleich damit zu weinen an voi Glück. Der gute Bub'! Der ehrliche' Teufel! Also wirklich nicht gelogen! Gruß' Gott. Herr Graf!" ruft sie und knizt. Grüß' Gott! Wie mich oos sreul! Mich auch!" sagt der Graf, und macht ein Gesicht, als hätt er einen ganzen Holzblrnoaum verschluckt, und verschwindet. Sapra," denkt der Hans, wie er's erfährt, der Rehbock hin 's Jöppl hin und dem Herrn Grafen sein Humor hin 's ist halt doch was d'ran: Ein Bißl ein altes Weib ist's Mutterl haltdoch!" Anstand und Höflichkeit. Es ist ganz naturaemäk, daß Vt allmälige Gewöhnung der Kind on die allgemeinen Formen des Anstandet und der Höflichkeit mit zu den Aufgaben der Erziehung gehört. In geblldcten Kreisen gilt das als etwas so Selbstverständliches, daß wir uns den. Nachweis, daß die Erziehung auch dafür Sorge tragen muß, ersparen könnten. Was indessen nicht überflüssig ist. das ist die Mahnung, hier nicht des Guten zu viel zu thun und durch eine zu frühzeitige Gewöhnung an dieseFormen den Wahrheitssinn der Kinder zu schädigen oder ihre Natürlichkeit zu beeinträchtigen. Viele Eltern glauben,, mit der Eingewöhnung in die co.iventionellen Formen des Verkehrs nie früh genug beginnen zu können. Die liebe Eitelkeit verleitet sie, mit ihren Kindern in jeder Gesellschaft prunken zu wollen. Den wahren Kinderfreund kann esnur mit tiefemBedauern erfüllen, wenn er sieht, wie das vierjährige Töcht'.rchen vor jedem bekannten Herrn einen regelrechtenKnix zu machen versteht, aus der dargebotenen Schüssel voll Kuchen daskleinste Stück wählt und ein größeresdankend ablehnt, beim Weggehen dem Fremden den Vortritt läßt, kurz, wenn sie alles Kindische" abgestreift und das Benehmen der Erwachsenen angenommen hat. Wie viel muß an dieser armen Kleinen . getadelt und gemodelt worden sein, Iis sie ihre reine Kindesnatur verlor und zur lebenden Anstandspuppe hinabsank! Nein, solche künstliche Anstandsund Höflichkeitsformeln, die nur dazu da sind, um den Anstrich höherer gesellfchaftlicher Bildung zu verleihen, gehören nicht in das Kindesalter. Es ist früh genug, wenn unsere Jünglinge und Jungfrauen nach dem Abstreifen der Kinderschuhe die gesellschaftliche Routine sich aneignen, soweit es sein muß. Kinder lasse man sich natürlich geben, wie sie sind. Eltern, die ihre Kinder zu früh aus der dustigen, reinen Kindlichkeit herausreißen, berauben sich selbst des reinsten, schönsten Genusses ihres Lebens. Nur so lange die Kinder reine Kinder sind, sind sie ganz unser; mit dem Eintritt in die Gesellschaft verflüchtigt sich der poetische Zauber, der sie umgibt, immer mehr. Die Höflichkeit ist der Widerschein der Sittlichkeit mit diesen Worten. kennzeichnet Jean Paul den Anstand, den wir fordern den natürlichenAnstand. Er ist der nothwendige Ausfluß eines sittlichen Gemüthes, er bildet sich in jedem Kinde mit dem Fortschreiten seiner in richtiger Weise geführten Erziehung von selbst aus, ohne besonderer Maßnahmen zu bedürfen. Bestimmte Anstandsformen, die dem inneren Gemüthsleben eng angepaßt Ausdruck geben, unsere Kinder zu lehren. stößt nie auf Schwierigkeiten. Der natürliche Anstand wird am besten gelehrt durch das gute Beispiel. Durch Worte erzielt man keine Erfolge. Es muß der Geist des Anstandes die ganze Familie durchwehen, dann gewöhnen.sich auch die Kinder ohne alle Mühe an ihn. Der Spielftuhl. Konig Friedrich der Dicke von Württemberg, ein wegen seiner ungezügelten Heftigkeit und. tyrannischen Gemüthsart gefürchtet Mann, hatte einen sogenannten Spielstuhl, der, wenn man sich, darauf setzte, die beliebtesten Volksmelodieen spielte. Das Uhrwerk im Stuhl war einst aufgezogen, wurde aber durch irgend eine Störung gehemmt; kurz, als sich der Leibarzt eines Tages auf den Sessel niederließ, um den im Sterben liegenden König zu beobachten, kam das Walzwerk wieder in Bewegung und die Melodie des Liedes: Du bist der beste Bruder auch nicht!" ertönte zum Entsetzen aller Anwesenden durch das Zimmer. '' Zurückgewiesener Verdacht. A.: Na, Karl, jetzt bist Du erst zwei Wochen verheirathet und hast schon ein blaues Auge.- Karl: Bitte, lieber Freund, das hab' ich außerebelich erhalten." Verblümt. Madame: Auf dieser Bank hat mir mein Mann ewie Liebe undTreue geschworen!" Dienstmädchen: .Ja . . . f . diese