Indiana Tribüne, Volume 22, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1899 — Page 9

Zudiana Tribüne

Vellage.

Die Zjochzeitsreife. Bon I. Barber. Im Park von Abbazia hatten wir daS junge'. Paar kennen gelernt. Ter Ingenieur Bretter war eine imposante Erscheinung, ferne kleine Lydia ein zartes Frauchen, daS etwa? nervös zu sein schien, viel Sinn für Naturschönheiten bekundete, und gern andächtig für das blaue Meer schwärmte, während ihr Gatte es vorzog im Cafe Guarnero Tarok zu spielen. Sie theilte uns mit, daß sie erst seit 4 Wochen verheirathet sei, ihren Karl' über Alles liebe, daß er ihr versprochen, ihr ein schön Stück Welt zu zeigen, Venedig, Genua, Nizza, Paris; Papa habe ja Geld genug, sei ein reicher Käufherr in Bremen, könne ihr keinen Wunsch abschlagen; und 'hr Karl wollte so gern nach dem Sü den, nur Schade, daß er hier nicht länger zu bleiben gedenke, sie sühle sich hier so wohl: wenn er sich nur zureden las sen wollte! Indeß Herr Karl Bretter; der durchaus als Gentleman auftrat, fand eS hier zu eintönig; er meinte an der französischen Riviera lebe man weit angenehmer, habe mehr Abwechslung, mehr Verkehr mit der Welt. Bleiben Sie lieber hier" mahnte ein alter Herr, mit dem Bretter zu spielen pflegte: so wie ich Sie kenne, werden Sie in vJlon teCarlo keine ruhig Stunde haben und nickt eher abreisen, bis Sie Ihr Geld da angebracht-. Halten Sie mich für einen Spieler?" fragte Bretter beleidigt. (fr blickte nach seiner kleinen Frau hinüber, die glücklicherweise von der Unterhaltung nichts gehört und harmlos ihren Mocca schlürfte. Am anderen Tage war da? junge Paar abgereist. Vier Wochen später begegneten wir ihnen m San Remo. nran Lydia sah bleich aus ; sie meinte. das viele Reisen habe sie angegriffen, sie wolle ietzt hier einige Wochen ausruhen. Auffallend war es unS, daß fie so viel allein war. Her? Bretter pflegte sie wohl auf ihrem Morgenspaziergang zu begleiten, dann aber mit dem Zuge, der um zehn Uhr nach Nina geht, adzu dampfen, und erst spät Abends heim zukehren. (5? ist ein so großer Naturfreund! sagte sie; seine einzige tfreube bestebt darin, m Wald und Flur herumzuflrel sen!" Frau Lydia gehörte zu jenen vertrau ensvollen Seelen, die nicht zweifeln wollen und ihr größtes Glück darin sin den, ihren Lieben aus's Wort glauben zu dürfen. Und sie vertraute ihrem Mann, vertraute ihm, weil sie seine Natur so wenig kannte, wie die Welt, in der sie jetzt lebten. Daß da eine hal be Bahnstunde von dem idyllisch ruhi aen San Remo die berüchtigte Spiel Hölle von Monte-Carlo sei, wußte sie nicht, sie würde es auch nicht geglaubt haben, wenn man ihr gesagt hätte, daß ihr Karl da am Spieltische zu den Stammgästen zähle und dem Spielten sel verfallen sei. Ter Zufall hatte uns wenige Tag später nach MonteCarlo geführt. Be zaubert von der Pracht der Anlagen. den herrlichen Bautenden Palmenhai nen, den in bnntesten Farben teppichartig arrangirten Blumenbeeten, wollten wir schon auf daS zweifelhafte Ber gnügen verzichten, einen Blick in die Spielsäle zu werfen, indeß Freund Al Phons, der unser Führer war, gab nicht nach. Da hieße ja, meinte er, in Rom gewesen sein und den Papst nicht gesehen haben; überdies," so fuhr er fort, will ich Sie mit einigen Spieler Typen bekannt machen, eS ist hochinte "7t, tt Leute beim Spiel zu beol ucn." Nachdem er eine Karte gelöst, betra ten wir die hohen, mit größter Eleganz ausgestatteten Spielsäle. Wie schwül war eö hier, wie balsamisch süß die Lust draußen! In sieben großen Sälen wurde gespielt. An den langen, grünen Tischen saßen, ihre Geldrollen vor sich aufgethürmt, die Spielenden, hinter ihnen standen in doppelten Reihen die Zuschauer, die aber auch dann und wann einen Hunderter hinschoben, elf rig dem Spiel folgend. Beobachten Sie dort jene blonde Schöne, sagte Freund AlphonS, sie hat gestern 11000 FrcS. gewonnen und heute bereits AlleS verloren; und jenen alten Herrn: er spielt nur um Tausende; sehen Sie, wie er jetzt die Banknote aus Rouge setzt? Warten wir . was gewinnt." Die Kugel kam ins Rollen und blieb auf Schwarz stehen. Gleichgültig, als handelte es sich um tU neu Gulden, den er verloren, plauderte er mit seinen Nachbarn und setzte einen anderen Tausender auf Nmr. Am Tische gegenüber beobachteten wir eine alte,' überreich mit Brillanten geschmückte Dame, die sebr lange mit .Vundertlrank'tücken gefüllte Rollen vor sich aufgespeichert hatte; ihr schien oasiucr günstig; mit gieriger Hast zog sie die Goldstücke ein. b:e der Croupier ihr zuschob. Mein Blick streifte die übrige Gesellschaft am grünen Tisch. Ich traute meinen Augen nicht. Saß da nicht gar Karl Bretter, mit Eifer 'lus einem Täfelchen markirend, die Gewinnstchancen wie ein professionirter Spieler berechnend? Und seiner Frau 'hatte er heute früh in meinem Beisein 'Skssgt, er mache eine Partie nach Men- , tone, gedenke da die in die Seealpen führenden Thäler zu durchstreifen, zu botanisiren, - photographische Aufnahmen zu machen! Er schien nach einem System zu spielen, berechnete auf dem roth puttktlrten Kartentäfelchen stets, ehe er setzte. ',Tas Glück schien ihm hold. Er gewann 5-6 mal, und zog gierig die lom vom Croupier zugewiejenen Geld ftf ein.

Eine Temimonde. die den -üitf) um

kreiste und stets bei den im Gewinn be findlichen Herren Halt machte, näherte sich jetzt auch ihm. Er flüsterte ihr ei nige Worte zu, setzte noch .etliche Male, stets mit gutem Glück, dann stand er auf, reichte der blonden Schönen den Arm, führte sie hinaus und bestieg mit il,r eine Equipage, dem Kutscher zurusenv: .Hotel Ecsmovolitain!" Das war das berüchtigte Hotel, in dem allerhand ä ? : x. iii ijtgien geseieri, oie gurniicycn vdciuhuici von koketten Pariserinnen ausgebeutet wurden. Mit dem lO Uhr-Zuge kehr ten wir nach San Remo zurück. Beim Aussteigen gewahrten wir Karl Brctter; er schien uns nicht zu sehen, blickte suchend um sich, dann einen Wiener Bauernburschen gewahrend, der am Eingang auf ihn gewartet zu haben schien, schritt er auf denselben zu. empfing ars seinen Händen einen riesigen Strauß Feldblumen und händigte ihm dafür eine Münze ein. Des andern Tactes sahen wir denselben Strauß an Lydias Fenster, ihr Karl habe gestern beim Bo tanisiren die herrlichen Blumen gesammelt, sagte sie, heute sei er schon früh nach Eap Martin; sie hätte ihn begleiten wollen, indeß er meinte dieAnstren gung sei für sie zu groß. Sollte man die ahnungslose Frau warnen? Ich brachte eS nicht übers Herz, obgleich ich wußte, daß Bretter über ihre aus 50000Mt. bestehende Mitgift frei es Berfügungsrecht hatte. Er kam Abends nach 10 Uhr wieder mit einem großen Buschen Blumen von der Bo tanil-Ercursion zurück, die er, wie uns gute Freunde erzählten, nicht in Eap Martin, sondern im Easino zu MonteEarlo gemacht. Die ahnungslose. junge Frau hing an ihm mit schwärmerischer Liebe; sie hatte keine Ahnung daß er stets nach der Spielstunde Stämmgast im Hotel Eosmopolitain war und das Geld mit vollen Händen ausstreute. Gar bald kam die Zeit, in der Bretter sich mehrere Tage von seiner Frau verabschiedete. Das stete Hin- und Herfahren Mschen Monte-Earlo und San Remo schien ihm verleidet. Frau Lydia war stets der Ansicht, daß er grö ßere Touren zu wiffenschastlichen Zwe cken mache und vor 2 3 Tage nicht zurück sein könne. Eines Sonntag? wir saßen gerade in Frau Bretters Gesellschaft ander Palmenstraße längs des Meeres, kam der zärtliche Gatte früher als gewöhn lich zurück. Sie schien sichtlich erfreut er verstört, aufgeregt, unruhig. Arm in '.Arm traten sie den Heimweg an. Schon nach einer Stunde sah ichFrau Lydia allein in ihrem Garten, ie bat mich naher zu kommen,' erzählte jnir, daß ihr Karl eilig einige Papiere zu sich gefleckt und nach Mentone zurückgesahren sei, wo ihn ein Jugendfreund erwar te; fein Wesen sei ihr sonderbar vorge kommen, so unstät, sie wäre am liebsten mit ihm gefahren, doch das habe er mit Rücksicht auf ihre Gesundheit entschieden aogeieynt. Jcy veruylgle d:e junge Frau, nahm aber Gelegenheit mit deni Sechs - Uhr - Zuge nach Monte Carlo zu fahren, sicher dort Näheres über den zärtlichen Gatten zu ersahren. In den Spielsälen sah ich ihn nicht. Freund Alphons, mit dem wir im Hotel de Paris zusammentrafen, empfing unsMit den Worten: Gut. daß Sie Nicht dabei waren! Man hat ihn soeben mit Zerschmettertem Schädel unten in der Schlucht gefunden!" Mit dem ihn" konnte nur Karl Bretter gemein sein. Sem Selbstmord war das-Ta gesgespräch in Monte - Carlo. Er hattt in vier Wochen 50.000 Mark, die Mitgift seiner Frau, verspielt, heute noch: ihren Schmuck, ohne daß sie es wußte, geholt, verpfändet, auch das ge löste 'Geld verspielt, dann keine .andere Rettung gewußt, als seinem Leben ein Ende zu machen. Ftau Lydia erfuhr zu spät, daß sie ihreLiebe einem notorischen Spieler zugewendet. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen, als man ihr schonend enthüllte, wo er seineZeit verbracht und wie er geendet. Sie beweinte ihr ver lorenes Lebensglück" wie sie sagte: eS war thatsächlich ein Glück, daö sie nie genossen, daö nur m ihrem Wahne ein Gluck, gewesen. Der Papa au? Bremen traf wenige Tage hierauf ein; er bezahlte die auf gelaufenen Schulden Bretter's, löste Lydia'S in Monte - Carlo versetzten Vrilläntschmuck ein und nahm sein Töchterchen mlt beim. Frau Lydia äußerte! ben Wunsch, vor ihrer Abreise das Grab ihres Mannes zu besuchen, doch dem widersetzte sich der alte Herr entschieden. Vergiß ihn.- sagte er. wie er Dich vergessen! Er ist nicht werth, daß Du ihm eine Thräne nachweinst!" Fräu'Lydia mochte daS sehr schnell eingesehen haben, denn als ich sie im nächsten Sommer in Ostende wiedersah. war sie die glückliche Gattin eines schneidigen preußischen Garde - Lieutenants. Papa hatte offenbar eine zweite Mitgift gegeben und war, so schien es, diesmal vorsichtiger in der Wahl seines Schwiegersohnes gewesen. 1 Schalten. , Sö schön war der Tag heute. Blauer, strahlend blauer Himmel, ohne !jede Wolke. Die Märzsonne leuchtet nicht nur trügerisch sondern kllbt mit wärmender Gluth die noch winterkalte Erde. Die ersten Knospen springen. Grüne Blattspitzen zeigen sich an Baum und Strauch. Und die ganze Natur scheint jubelnd zu frohlocken: der Lenz ist da. Man sollte meinen, es gäbe gar kein Leid mehr in der Welt, so schön ist es da draußen. , , Kann denn da einer traurig sein, wenn die Sonne so lacht und die linden Lüfte schmeichelnd wehen? Armer Mann Du! Hinter Deinem schmalen Fenster ist toofcl ewiae Nackt.

Oessne nur schnell. So offne doch!

Es thut ein. ,.r a weh, Dich im engen. Kämmerlein zu wissen, wo es finster und dumpf ist, während die Sonne am Himmel lacht. , Oeffnen soll er das Fenster. Mem Gott! Hat er denn dazu Zeit? Keine Minute darf er rasten, wenn er so viel verdienen will, daß sein Buhe Nicht hungert. Da sitzt er in dem langen, finsteren Zimmer am schmalen, abgenutzten Tisch tagaus, tagein und schreibt Noten. . . Es ist nicht immer so gewesen. Früher gab es für ihn auch Frühling und Sonne und Rast. Er war ja Künstler gewesen. Und Wie hatte man ihm zugejauchzt. O, wenn er jetzt daran dachte! Und gar so lange war es auch noch nicht her. Wart' einmal. Wenn man bedenkt, wie sich in sind es 10 oder 12 Jahre her, er weiß es nicht mehr genau alles ändern kann. Er war Violinist. Jung und auch schön, wie die Frauen ihm sagten. Er reiste von Stadt zu Stadt. Viel Geld bekam er dafür und unzählige Lorbeerkränze. Er kam auch nach Berlin und auch in Berlin hatte er Erfolg. So blieb er da. Er lernte viele Menschen kennen, verkehrte mit allen Berühmtheiten und der ganzen vornehmen Welt". Und da begegnete er auch ihr. Ihr, die von Stund an sein ganzes Sein beherrschte, sein Herz wie seinen Kopf erfüllte und von der er nicht los konnte. Sie liebte ihn. Auf ihre Weise. Sie war stolz auf seine Erfolge, und daß er, der berühmte Künstler, vor ihr so klein wurde und sich jedem ihrer Wünsche unterordnete, schmeichelte ihrer Eitelkeit. So wurde sie sein Weib. In der ersten Seligkeit verdoppelte sich sein Können. Er spielte nicht, er lebte in den Tönen und legte sein Bestes hinein, sein ganzes Lieben, seine ganze Gluth. Er spielte ja nur für sie. Nach kurzer Zeit schon war es ihr zuwider, daß er sie so bedingungslos anbetete und von ihr verlangte, sie solle auch nur für ihn leben. Erst gak es Aussprachen, dann Scenen, schließlich allerdings erst nach Jahr und Tag das Auseinandersetzen, das garnicht ausbleiben konnte. Inzwischen war seine Kraft gebrochen, sein Stre ben vernichtet, sein Vermögen und auch der Glaube an seine Kunst dahin. Ein aebrochener Mann war er und hatte nun nichts mehr als sein Kind, seinen Buben. Den wenigstens ließ sie ihm. Sie hatte ja nie ein Herz für ihn gehabt. Er war nun allein mit dem Kinde, ganz allein: denn alle die guten Freun de aus den Tagen des Glanzes blieben jetzt fern. Einen wahren Freund hatt, er me besessen. Seine Kunst selbst hatte ihn verlas sen. Er konnte sie nicht wieder finden. fo viel er auch suchte.blind tastend nur; denn das klare Bewußtsein dessen, was er wollte und wonach er strebte, fehlte ihm jetzt gänzlich. Er suchte die Kunst nicht mehr um ihrer selbst willen, son dern um Brod durch sie zu erlangen für sem Kind. Wäre er fortgezogen von Berlin, ganz weit weg von dem Ort, an dem er alles besessen, was sein Gluck ausmach te, und alles verloren, so hätte er wohl genesen können. Er aber konnte, er wollte nicht fort. Konnte und mochte sie nicht missen, die süßen Schmerzen. Es zwang ihn an die Stelle, wo er glücklich gewesen war. Er mußte täglich die Orte wiedersehen können, die ihn an sie erinnerten, an das Weib, dem er ja noch immer mit jeder Faser seines Herzens anhing, trotz allem. So blieb er in Berlin. Die alltäglichen Sorgen kamen an ihn heran. Der Monat war zu Ende und man verlangte die Wohnungsmiethe für den nächsten. Er konnte sie nicht bezahlen. So pfändete man all sein Hab und Gut. Und ohne jeden Sinn für das Praktische sah er sich ge zwungen, sich nach einem Obdach für sich und das Kind umzusehen. So kam er in die enge Gasse, in das sinstere, dumpfe Zimmer ganz im Norden Berlins. Da haust er nun schon so manches Jahr und schreibt Noten; im mer schreibt er Noten. Zu nichts anderem war er mehr nütze. Er hatte versucht. Stunden zu bekommen für ganz wenig Geld. Doch man scheute sich vor seinem düsteren Blick und oft wirren Reden. So blieb ihm nichts als Notenschrei ben. Er war für körperliche Arbeit viel zu schwach. -; . -; . Jetzt öffnet sichdie-Thür und ein r .?. n ts l." i f j- c viriler sbnnenuraui orangi ncy ourcu den Spalt. Eii? Minute lang ist das finstere Zimmer voll Licht. , Herein stürmt ein Junge. Gesund und schön wie daö Leben. Heiter und sorglos aussehend wie die verkörperte Jugend. Das ist sein Viktor, sein Alles. Und der Blick voll so unendlicher Zärtlichkeit, den er auf dem Kinde ruhen läßt, sag Alles, zeigt,' daß er mur lebt um deS Kindes willen, daß er nur arbeitet, um seinen Sohn vor Noth zu bewahren, daß er all sein Leid und Weh tief in sein' Innerstes zurück-' drängt, wenn daS Kind bei ihm ist,'um diesem Fröhlichkeit und Jugend zu bewahren. , Wie stark, . wie groß muß seine Liebe sein!. Sein Gesicht ist'vollkommen verändert, seit der Junge hereinkam. Nichts Vergrämtes, Verbittertes mehr darin, sondernMilde und Liebenswürdigkeit. Jetzt umschlingt ihn der Knabe mit aller Kraft seiner runden Arme und bittet stürmisch: Ein Lied, Vater, ja? War auch ganz brav in der Schule. Habe alles gekonnt, was der Lehrer mich fragte. Und die Arbeiten habe ich auch schon fertig..Geh. Junge, seh lieber ins jjrcje

zu ven unoerett Kindern. ?? Ist so schön und 1 die Luft wird Dir gut thun.-

Ach. lieber Vater.- schmeichelt der Knabe, spiele mir lieber ein Lied. Du weißt ja. daß das mein Schönstes ist!" Und schon ist er im Nebenraum, holt den Geigenkasten, öffnet ihn und nimmt dann dem Vater gar sanft und zart den Federhalter aus der Hand. Du wirst Dir überhaupt die Augen verderben mit. dem vielen Schreiben, Vater," meint Viktor altklug und küßt des Vaters beide ganz starren, kalten Hände, sie in seinen warmen Händchen druckend und reibend, als wollte er sie aufthauen. Und der Vater nimmt seine geliebte Violine, der er einst alles vertraute, was seine Seele erfüllte. Heut weiß er kaum mehr recht mit' ihr umzugehen; denn er benutzt sie nur, wenn der Junge gar zu fehr bittet. Und dann spielt er. Kein Lied, kein Stuck irgend eines Meisters, sondern nur Melodien. abgerissene, nicht zu einander gehörige. Er ist in einer anderen Welt, wenn er spielt. In jener Welt von damals, als sie noch bei ihm war, die er nie vergessen hat und die sein Schicksal war. Er hat ihr nie, auch nicht im tief sten Innern einen Vorwurf gemacht. Sie hatte ihn ja doch so unendlich beglückt.' Und daß sie ihn dann zerbrach. sein ganzes Leben zerstörte, was galt das im Vergleich zu der Wonne, die sie ihm kurze Zeit gewährt hatte? Und sie hatte ihm a auch das Kind gelassen, ln dem er sie weiter lieben durste; fein Kind war ja auch das ihre. Aus allen seinen Melodien sprach eine Zartheit des Empfindens, eine so einfache Ergebung in sein Gefchick, daß man darüber den Mangel an Uebung und Technik ganz vergessen könnte und meinte, eine müde aber vollkommen ruhige Seele Bekenntnisse flüstern zu hören. Der Knabe lauschte mit zurückgehaltenem Athem dem Spiel deS Vaters, mit großen verzückten Augen ihn anschauend, als wäre er ein Übermenschliches Wesen. Und wollte der Vater den Bogen bei Seite und die Geige in den Kasten legen, dann berührteVictor nur leise dessenHand mit seinenLippen und sah ihn mit so beredten, flehenden Augen an, daß der Vater d?r stummen Bitte nachkam und weiter spielte. So saßen sie bei einander, der Vater spielend, das Kind lauschend. Eö wurde Abend. Der schöneTag ging dahin und keineAbendröthe ließ auf einen neuen schönen Morgen hoffen, sondern tiefe düstere Schatten senkten sich auf die Erde. . . Und aus den Schatten da draußen stieg dem Vater plötzlich die Erinne rung auf an all sein Leid. DaS Gute, daS sein Weib ihm gethan, erlosch in seiner Erinnerung und er sah nur die Schatten. Grau und falb stand es vor ihm das Unglück; seine gebrochene Manneskraft, seine verlorene Kunst. sein ganzes zerstörtes, vernich tetes Leben erschien ihm sich kratz av hebend von den grauen gespenstischen Schatten. Und er spielte und spielte. 5immer wilder wurde die Melodie, im mer greller die Dissonanzen, immer härter der Ton. Der Knabe lauscht sprachlos. So hat der Vater noch nie gespielt. Es ist so anders wie sonst im mer. Der Knabe zittert. Was ist ae schehen? Wer hat seinem Vater etwas gethan? Aus den Saiten klingt's wie 'ein Hilfefruf, wie ein Flehen und Stöhnen nach Erlösung von etwas gurcytvarem. Vater. Vater.- schreit der Knabe, ln der Finsterniß nach dem Vater ta stend und ihn nicht findend. . Vater, was hast Du? Hat Dir Je mand etwas gethan?" Der Vater hört ihn nicht, zieht ihn nicht an sich wie sonst. Er spielt weiter in rascher und rascher werdendem Tempo. , Er rast. Die Saiten spnagen.. Er halt nicht ein. Dem Knaben , ist unheimlich. Er fürchtet sich vor dem Vater und wagt mcht mehr, sich zu rühren. Da plötzlich löst sich alle Erbitterung und aller Gram des Mannes in einem letzten Schmerzenöschrei der Seele. Eine schrille Dissonanz. Das Spiel ist l'a. 1 Dann ganz leise, sast schüchtern: ; Viktor..Ja, Vater.Komm zu mir, mein Kind." ' .Ja. Vater.Hier, hier bin ich. Fühlst Du mich? Hier.? .Vater - Beide Arme fest, fest um den Nacken des Vaters schlingend schmiegt er sich schluchzend und zitternd an dessen Brust, Vater, lieber Vater, sag' mir, wer hat Dir was zu Leide gethan?" Er.'bittet so rührend, de? Knabe. Er ist jaso verständig. Darf man ihm sazen,' wer? Würde er ihn dann nicht noch inniger lieben, noch mehr bestrebt sein, dem Vater Freude zu machen, dem die Mutter alles nahm? Beruf, Glück, Lebensmuth. Alles. Nur nicht ihn. seinen Viktor. Aber nein. Pfui. Wie konnte er dem Gedanken auch nur eine Sekunde Nauni geben.! ,Er hätte damit dem Kinde das Leben vergiftet, ihm das in einem Augen genblicke geraubt, was er in Jahren für ihn errungen hatte: Fröhlichkeit, Sorglosigkeit. Jugendmuth. '. Er zog feinen Viktor ganz nahe zu sich und flüsterte, dessen Kopf mit beiden Händen zärtlich Umschließend: . . - Schatten, Kind. Nichts als Schatten, die mir diese Melodien eingaben. Kein Mensch hat mir etwas gethan. Sie sind ja alle so gut. . Und Du, mein Kind,, mußt Alle lieben und immer brav bleiben. -Damit kannst Du mir alle die Schatten verscheuchen

Unreines Blut. kommt einem außer Ordnung ... gerathene Magen. . .

?r. August iKamburger V ' - '

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9lo. t LLefi Washington Strafte, (Merchants National Bankl)

i . Sin europäisches Departement.

sungen auf alle Städte Europas. Schisssscheine nach und von Europa. An.

und Berrauf ausländischen Geldes. OSSubtit sitzt im Olnt. Reines Blut bedeutet reine Haut. Ohne diese keine Schönheit. CaSea. retS, Candy Cathartie reinigen daS Blut, kräftigen die Lebe? und entferuen alles Unreine aus dem Körper. ? Zangen Sie heute an, Yufteln, 0echdüre, Mitesser und so weiter zu vertreiben, chönhett für Ive. So allen. Udotheken. Zufriedenftelluvg rtcan' - 10c aJ5c Silloon u. Billiard-Hall , Uo. m Oft Washington Ctr. i , -. Aokn Meilnrhor, i Tiaentbömn 401 unb 403 Virginia Ave. j. P. SCaiLTGES, Sm Jeffersoii Hans, da ist gut l n. . V sein, Da hiebt eS seines Essen, Die .Betten find auch gut und rein Und'nlchtS tsird knapp bemessen. Ein groß' SlaS Bier, 'nen guten Wein, Sin Silliärd, wollt Ihr spielen' Beim ?eter kehrt d'rum fleißig ein, Ihr verd't Euch heimisch fühlen. ' Geo. Peter Hamrnerle. : 115 119 Ost South Straße. I - ,! ' . " MttfM Jahre unermüdlichen deutschen Strebens in Indianapolis 0 ; THEODOR STEMPFEL. l Sest-Kchrift zur Feier der Bollendung dek' Deütschen Hauses i ' - vroqtrt öve ; gebunden 11.00. : Yoftporto beträgt löe.' hn ta Mt DtflJt tot .trttint." (an Ich et n O. tue tu ra tJijvx m suiCTtpQrn ,nkii nn.i l.'-JL-ppy" GÄRDEfi AI1D UUÖFLOnAL GUIDE l 1899' ' ft Th Ooldefi. Weddlof Edition Aa uihority all subjefts pertaining to the Garden 34 paees lüh graphed in colorc Sent with Due Bill for 15 cent' wortö 01 seeds, your own tclection, for IS Cts. Fre wlth any of the Followlns " j ,: Darsaln8. . Q. VIck's trial Veretabie Garden. 6 Standards m a 6 Dabliis4 Cactus; 4 Shöv, aarned rarities . . 6 Ia Qladlolus, auortcd colora . ......, 15 4 Toberbu Begoola; white, red, rose, jÄr. . 4a' 0 saagnincent Ulict, dilicrent -rarietles ; hardy ' &3 New Morning; Qoryt Rochester; Urg &owtn ) 15J Sweet Peti, coL of 1 2 pkts. of the finett rarieties 40J 1 fMl(HWM A. . M I . im K IU4 JLXUUUIi. 4JX fTTtlHB ..O r- WTJUJ OUKPfOOd. Kor tU ti tat Utf muj Uaa aaj ttker Vlck's klanzlnaBpeclal 189 oCar ziaguxae lye&r, and Uio Guldd Icr r 0 oeata. . q . -v vicx-i urai Gern CM&lOfu, fre. I

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