Indiana Tribüne, Volume 22, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1899 — Page 7
Wann wird'S ffrühling sein ?
Lon P. Bohnstedt. Wenn des Büchleins Rand Bunte Blumen schmücken. Und mit frischem Duft Wälder uns beglücken, Vöglein in dem Hain Singt vom Glücklichsein Dann, ja dann muß Frühling sein! Wenn der Busen bebt. Und die W-rte stocken, SSeim ein leuchtend Aug' Unter blonden Locken Strahlt wie Sonnenschein Ties in's Herz hinein Dann, ja dann muß Frühling sein! Wenn vom ersten Kuß Hold d Lippen glühen. In der Brust die Gluth Läßt ein Glück erblühen. Dessen ganzes Sein Nur ein Traum schließt ein Dann, ja dann muß Frühling sein! Araucr Dunst. Die Cigarette soll in Acht und Bann gethan werden, so decretirte die Pariser Gesellschaft gegen den Mißbrauch deTabak". Wir wollen es ihr die Cigarette im Munde sehr gern glauben, daß das Nikotin unter den derschiedenen Giften, an denen ein Mensch anständigerweise zu Grunde gehen kann, eines der sichersten ist. Aber all Leute sind nun einmal nicht des alten Laternenmannes Rochefort Ansicht, der nicht versteht, wie man schlecht riechen des trockenes Gras mit dem einen Ende in den Mund stecken und es beim ande?en anstecken kann, nur um Rauch zu machen!" Und ganz besonders scheinen die Mitglieder dieser Gesellschaft gegen den Tabak" im Privatleben von einer Zerstreutheit zu sein, die sie ihre strengsten Principien vergessen läßt. Wir erinnern uns eines wüthenden Gegners des Tabak, der nach einer anstrengenden Rede, in der wie ein Erzengel gegen Alkohol und Nikotin gesprochen hatte, kaum auf die Straße gekommen mit einem Ausdruck unendlichen Behagens seine Henry Clay der überfüllten Cigarrentasche entnahm und hierauf eiligen Schrittes das nächste Cafö aufsuchte, um sich durch einige Cognacs von der gehabten Anstrengung zu erholen. Da man als sündiger Mensch wohl auf zwei bis drei kleine Laster berechtigten Anspruch erheben darf, ist schließlich das Rauchen eines der kleinsten, und deshalb darf es nicht Wunder nehmen, daß die Frauen, die von jeher ein Faible für blauen Dunst gehabt, sich nach und nach dieses kleine Laster beigelegt haben. Di- Tage sind vorüber, wo die Cigarette im Munde einer Frau Aufsehen erregte, wie zu George Sand's Zeiten. Heute ringeln sich die Rauchwölkchen bis an die Stufen der Königsthrone. Im Gegensatze zur jungen Zarin Alexandra Feodorowna. die eine Abneigung gegen den Tabakrauch hat und ihre Hofdamen ersuchte, in ihrer Gegenwart nicht zu rauchen, ist die verwittwete Kaiserin Maria Feodorowna eine leidenschaftliche Raucherin, nicht minder sind die Herzogin von Leuchtenberg und die Großfürstinnen wie alle Russinnen der Papyros leidenschaftlich ergeben. Die Herzogin Thyra von Cumberland liebt die Cigarette ebenso wie die Prinzessin Heinrich, die Gräfin von Paris und die Kömgin Amalic von Portugal. Die unglückliche Kaiserin Elisabeth von Oesterreich rauchte ebenso leidenschaftlich, wie sie ritt und jagte, und Marie Christine, Spaniens KöniginRegentin, hat oft mit dem blauen Rauch ihrer Cigarette ihre zerflatterUn und zerstobenen Träume von Frieden und Glück verglichen. Auch Carrnen Sylva, die Königin von Rumänien, liebt sie. die sie zur geistigen Arbeit, der sie sich wie eine Schriftstellerin von Beruf widmet, anregt, und eine Unmenge fürstlicher Frauen verstehen die Kunst, Cigaretten zu drehen, mit einer Vollendung, um die ein Mann sie beneiden könnte. Keinesfalls hat die Cigarette die Frauen verhindert, muthige Thaten zu begehen, falls sie dazu veranlagt waren, wie es Herzogin Marie von Bayern bewies, die in der Uniform eines der Infanterie - Regimenter ihres Gatten. König Franz II. von Neapel, die Cigarette zwischen den Lippen, mitten im Feuer der Piemontesen die Festung Gaeta vertheidigen half. Dagegen hat es auch Damen gegeben, die den jetzt so beliebten Spazierstock in der Hand Befehl gegeben haben, Kanonen auf Truppen abzufeuern, die von Verwandten befehligt wurden, wie es die Nichte Ludwigs XIV. that. Man sieht daraus mit erschreckender Deutlichkeit, wie furchtbar schlecht der Einsluß von Spazierstöcken auf die verwandtschaftlichen Gefühle der Damen ist!. Abgesehen von anderen unpassenden Dingen, an denen das Zeitalter jenes Fürsten so reich war. zeitigte es eine Modelaune, die in ihrer Derbheit im krassesten Widerspruch mit der prunkvollen Eleganz der damaligen Frauen stand. die Pfeife! Abraham Boß. der berühmte Kupferstecher und Radirer jener Zeit, hat in seinen Blattern ein interessantes Zeugniß von culturgeschichtlichem Werth darüber niedergelegt. Ganz anders cm Hofe Napoleons III., der ein leidenschaftlicher Raucher war und eine Vorliebe für in Thee getauchte Cigaretten hatte, an denen schließlich auch Kaiserin Eugenie. wenn auch maßvoll. Gefallen fand. Dageaen rauchten die Hofdamen, daß es, um einen Berliner Ausdruck zu gebrauchen, eine Affenschande war. Die OberhofMeisterin Gräfin Lezay - Marnesia consumirte täglich mehr als ein Packet Rauchtabak, Frau v. Pourtalös rauchte Ciaarten und Madame Ratazzi de
Rute qualmte vom späten Abend biZ zum frühen Morgen. Heute hat sich die Cigarette demokra tisirt, Frauen lieben sie in den meisten Ländern -im Geheimen, in den slavischen Ländern öffentlich, in Frankreich officiell. Dort hat sozar soeben die Herzogin von Uzs, die eine vassionirte Raucherin ist, von der Gesellschaft gegen den Mißbrauch des Tabak" die goldene Medaille erhalten! Wohl für ihre Verdienste um den blauen Dunst, für den man in Frankreich von jehe? viel Verständniß gehabt hat. Wenn man unter zwei Uebeln w'ählen muß, ist es dann nicht besser, den Frauen die Cigarette zu concediren, als daß man zugibt, daß sie sich für das Pfeifen zu interessiren beginnen, das eigentlich als gesellschaftliche Unterhaltung in Vergessenheit gerathen ist? Vor wenigen Wochen, während eines Lunch, das der Trauungsceremonie eines der reichsten Erbinnen New Jorks folgte, erhoben sich die zwölf in züchti ges Weiß gehüllten Brautjungfern und pfiffen eine Anzahl Couplets mit einer Virtuosität, die Kunstpfeifern aus dem Tingeltangel zur Ehre gereicht hätte. Sollte sich diese zarte Sitte einbürgern, dann schlagen wir vor. an Stelle des gesprochenen Wortes (wozu sich anstrengen?) einfach das gepfiffene zu setzen. Ist man z. B. im Restaurant und wünscht noch etwas zu trinken. hat man nur nöthig, die ersten Tacte einer bekannten Melodie zu pfeifen, etwa das Lied aus flamm": He. schafft irgend ein Getränke, Unser Durst ist riesengroß!" Oder ist man zu schüchtern, um seiner Auserwählten seine Liebe zu gestehen, hat man nur nöthig, ihr etwas aus der Canzone des Pagen in Figaro's Hochzeit" vorzupfeifen: Ihr, die Ihr die Triebe des Herzens kennt!" Betritt man den Gerichtssaal (man thut gut, auf solche Eventualitäten immer vorbereitet zu sein), pseife man möglichst melodisch Faustens: Sei mir gegrüßt. Du heil'ge Stätte!" Und auf die Frage des Vorsitzenden, ob man noch etwas zu erwidern habe, pfeife man mit dem Mikado: Was mir die Gerechtigkeit Neues bringt. Nur launig sei's unbedingt!" Diese Ausdrucksweise hat den Vorzug großer Bequemlichkeit und außerdem wird man sich dabei zweifelsohne sehr beliebt machen.
Acr letzte Schritt. Von Franz KurZ'Elsdeim. Mit einem wüsten Brummschädel wachte der Lieutenant von Schellhausen auf und starrte verwundert in das blinkende Sonnenlicht, dos voll zum Fenster hereinströmte. Zunächst war es ihm unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen, nur das sah er ein. daß ihm etwas höchst unbehaglich zu Muthe war. Schnell sprang er aus dem Bette und tauchte seinen Kopf tief vr. ds Waschbecken. Ha. das kühlt," rief er aus, und dann klingelte er dem Burschen, er solle ihm schnell eine starke Tasse Kaffee brauen, worauf er sich langsam daran machte, seine Toilette zu vervollständigen. Allmälig kehrte ihm auch das Bewußtsein zurück, und die Gedanken waren gar nicht danach angethan, seine griesgrämige Laune zu verbessern. Sein Johann schien das sofort zu bemerken, denn es brachte ihn gar nicht aus dem seelischen Gleichgewichte, als ihm sein Herr bei der denkbar ungünstigsten Gelegenheit einenStiefel an den Kopf warf. Ist der Zangenberg noch nicht dagewesen?" Doch, bereits vor einer Stunde." .Und -" Hab' ich ihn heruntergcworsen, als er nicht gehen wollte. Hat er gesagt, er käme nach 11 Uhr wieder." S'ist gut. Abtreten!" Himmel, woher sollte er bis 11 Uhr 3000 Mark beschaffen; denn so viel war er dem Wucherer schuldig. Und eigentlich konnte er es dem Manne nicht verdenken, wenn er keine Geduld mehr haben, sich sogar an das Regiment wenden wollte. Er hatte ihn lange genug hingehalten. Aber was thun? Sein Credit wa? längst erschöpft, das Vermögen seiner Eltern hatte er längst durchgebracht. Und wenn Zangenberg seine Drohung ausführte, pah. dann gab es noch das Letzte, um der Schande nicht direkt in's Auge sehen zu müssen: die Kugel. In verflossener Nacht hatte er gespielt, er hoffte, sich so vielleicht zu retten. Aber auch das -war vergeblich. Im Gegentheil hatte er eine neue Schuld gemacht. Eine Ehrenschuld, die er ebenfalls nicht einlösen kann. Er nimmt den Revolver zur Hand. Wie der Lauf in dem funkelnden Sonnengolde blitzt! Dann wirft er sich auf's Sopha. Was soll er eigentlich noch umherlaufen. Geld erhält er doch nirgends. Ob seinen Tod Jemand bedauern wird? Er bezweifelt's. Seine Eltern sind todt, Geschwister hat er nie gehabt. Höchstens werden seine Kameraden sagen: Schade um ihn. er war ein schneidiger, treuer Kamerad." Und Mrie vielleicht, jenes arme kleine Mädchen, das ihn so lieb hatte. Er hztte das Mädchen wirklich gerne, das hübsche, muntere Ding. Und wie sie an ihm hing! Die hätte ihn am Ende zu einem tüchtigen Menschen machen können, hätte sie ihn nur früher kennen gelernt. Vielleicht auch Commerzieraths Lore, die eine schiefe Schulter hatte und bisher trotz ihres Reichthums nicht unter die Haube 'gebracht werden konnte. Denn alle Männer fürchteten, sich vor ihr und ihrer bösen Zunge.
Und unbarmherzig rückte der Uhrzeiger weiter und in seinem Schädel hämmert's und tost's, zZ hätte Krupp cine Werkstätte hineingebaut. Und die Machende Sonne! Ach, noch einmal muß er hinaus, noch einmal muß er die fri sche Luft' genießen. .. . Draußen begegnet ihm Mimi, die Opernsängerin, die ihn ob seiner Gala zu demWege muß er sich in Paradeuniform werfen verwundert ansieht. Ach, auch die hat manchen Goldfuchs von ihm in Champagner davongetragen. Hätte er jetzt das Geld, er wäre gerettet. Und wie sich seine Gedanken drehen und wirbeln. Er athmet weit auf, athmet die köstliche Duft mit vollem Behagen ein. Da fällt's ihm ein, von Marie muß er doch Abschied nehmen. Er trifft sie auch glücklich zu Hause. Wie sie sich freut! Nein, er kann ihr wirklich nicht sagen, daß sie sich jetzt auf ewig trennen müßten. Wohl merkt sie. daß ihm etwas fehlt, sie fragt ihn, sie quält ihn. sie küßt ihn. Nein, er scheidet mit einem Auf Wiedersehen." Er hätte gar nicht geglaubt, daß es ihm so schwer sällt, auch das Mädchen lassen zu müssen. Da, da läuft ihm Zangenberg gerade in die Arme. Ein Ausweichen ist unmöglich. Der hätte ihm jetzt nicht kommen brauchen. Natürlich redet er ihn sofort an. Das alte Lied. Aber er läßt sich noch beruhigen bis heute Abend. Dann muß es aber bestimmt sein, Herr Lieutenant." So. Auch das wäre noch überstand den. Vom Kirchthurm schlägt es 11. Mehrere Kameraden kreuzen seinen Weg. Wenn die wüßten, was in ihm vorgeht! Und in einem Anfall von Galgenhumor lacht er sogar belustigt auf. Auch die werden ihn bei ihren fidelen Abenden missen. Ja. das alles geht zu Ende, und nur das trostlose Nichts bleibt. Er greift nach seiner Cigarrentasche. Gerade noch ein Stück drinnen. Mit einer gewissen Andacht brennt er sie an, saugt den Rauch ein. Es dürfte wohl die letzte sein. Dann zählt er seine Baarschaft. Sie reicht zu einem opulenten Frühstück sogar. Gut, auch das muß er sich noch leisten. Wenn nur jetzt schon alles vorüber wäre! Noch schwankt er. Giebt es denn gar keinen Ausweg? Keinen? So sehr er sich aber auch anstrengt und sein Gehirn martert, es bleibt ihm nur der letzte Schritt. Noch einmal reckt er seine stolze Gestalt, noch einmal denkt er an Marie. In weitem Bogen fliegt der Rest der Cigarre weg. Und dann
acht er schnurstracks zum Commercienrath und hält um Lore's Hand an. Der Ursprung des Kusscö. Der Kuß als Liebesäußerung ist eine verhältnißmäßig neue Erfindung". Weder Homer noch Hesiod jene großen Dichter des alten Hellas, kennen den Kuß in unserem Sinne. Der helmumflatterte Hektor nimmt von seiner Andromache Abschied, um in die Feldschlacht zu gehen, aber tz küßt sie nicht, als er sich ewig von -ihr wenden will", der schöne Paris küßr seine Helena nicht; Odysseus, der Vielgereiste und Vielgeliebte, hat weder bei der schönen Atlantide Kalypso, noch bei der Zauberin Circe den Kuß gelernt, und bei leiner endlichen Heim kehr nach jahrelangen Irrfahrten begrüßt er seine Gattin, die züchtige Penelope, nur mit einer Umarmung ohne Kuß. Das Sanskrit und die Hieroglyphen haben keine Bezeichnung für den Kuß. Woher rührt nun aber die Mode des Küssens?" so fragen wir uns. Der berühmte Physiologe Cesare Lombroso aus Turin sagt, daß das Küssen bei den Bewohnern des Feuerlandes nichts weiter sei als eine Art mütterlicher Sorgfalt für die junge Brüt. Die Feuerländer kennen nämlich nicht den Gebrauch von Trinkgefäßen; sie legen sich zu dem Quell nieder und verschaffen sich den erfrischenden Trank, wenn sie ihn nicht direkt mit den Lippen erreichen können, vermittelst eines hohlen Halms, eines Rohrs, durch das sie das Wasser aufsaugen. Bei dieser Methode.Wasser zu schöpfen, müßten aber die kleinen Feuerlander, die noch im hilflosen Kindesalter stehen, verdursten. Also nehmen die feuerländischen Mütter das Wasser in den Mund, und indem sie ihn auf das Mündchen ihrer Kleinen pressen, flößen sie ihnen den Trank ein. Das ist ganz dasselbe Verfahren wie bei den Vögeln, die ihrer Brüt in die aufgesperrten Schnäbelchen das Wasser gießen, daß sie selbst mit ihren Schnäbeln aufgeschöpft haden. Aus diesem fürsorglichen, mütterlichen Mund an Mund" hat sich die Uebung desKüssens entwickelt, die also eigentlich, nach dem Turiner Lombroso, ein Atavismus ist, eine Erinnerung an jene Urzeit der menschlichen Entwickelung, da noch nicht das Weib über die Mutter, die Liebe über die Mutterschaft triumphirt hatte." Moderner Haushalt. Madame (zum Dienstmädchen): Ach, Bertha, können Sie mir nicht mal schnell zehn Dollars leihen." Dienstmädchen: Nein, bedaure, habe auch gar nichts bei mir." Madame: Sie sind mir eine schöne Stütze der 5)ausfrau." VomExercierplatz. Unterofficier (yi einem Studiosus der Philosophie): Einjähriger, Sie haben die Kniebeugen wunderschön gemacht in Ihnen steckt entschieden ein Aesthetiker!" Boshaft. Alte Jungfer: Wie gefällt Ihnen mein Bild als junges Mädchen? Besuch: Sehr gut, aber ich wußte wirklich nicht, daß die Photographie eine so a l t e Erfindung ist.
, Slyach öem Zaren.
Won Otto Schilling. Es war zur Zeit der glänzendsten Negierungsjahre Nikolaus' I. Im Winterpalais . zu Petersburg war Hofball. Rauschende Roben, leuchtende Blumen, funkelnde Diamanten, blendende Schultern, schimmernde Ordenssterne, goldstrotzende Uniformen, alles vereinigte sich zu einem überaus lebendigen, farbenprächtigen, allcSinne berückenden Bilde. Aus der großen Schaar reizvoller Gestalten strahlte Anna Pawlowna Fürstin Barjatinski- wie ein heller Stern hervor. Sie war in der That ein bezauberndes Wesen, in der ersten warmen Maienblüthe der Jugend, von schlanken, zarten Linien, mit tiefschwarzem, seidenweichem, sanft g:welltem Haar, mit großen, graublauen, dunkelbewimperten Augen. Ihr Reichthum war sprichwörtlich; dazu war sie frei und unabhängig, da ihre Eltern früh gestorben waren. Eine glänzende Partie! Die Söhne der edelsten Familien des Reiches machten sich ihre Gunst streitig; aber bis jetzt war es anscheinend noch keinem gelungen, Herz und Hand der schönen Fürstin zu erobern. Die meiste Aussicht hatte, wie es schien. Konstantin Wassljewitsch Fürst Gallizin, ihr Vetter, ein Liebling des Zaren, von unbestrittenem Einflusse. trotz seiner dreißig Jahre. Der Kaiser hatte ihn vor Kurzem zu seinem Generaladjutanten gemacht. Als der Blick des Herrschers einmal über den Saal hinschweifte, traf er zufällig auf die junge Fürstin Barjatinski, die in dem dämmerigen Halbdunkel einer Fensternische saß und mit einem schlanken, wohlgebauten, jungen Manne sprach, der vor ihr stand und sich in der Vertraulichkeit des Gesprächs zu ihr hinabgebeugt hatte. Auf der Stirn des Herrschers runzelten sich die wohlbekannten, gesürchteten Falten. Er wandte sich zu seinem jungen General - Adjutanten. Konstantin Wasiljewitsch! Warum vernachlässigen Sie heute Ihre Cousine Anna Pawlowna?" Der Angeredete schreckte wie aus einer Träumerei auf, verneigte sich tief und schritt zu dem Fenster, wo er die Fürstin schon lange bemerkt hatte. Im Auftrage Seiner Majestät!" sagte er mit einer flüchtigen Neigung des Kopfes zu dem jungen Edelmann, der mit einer etwas widerwilligen Bewegung zur Seite trat. Dann legte der Officier den Arm um die Taille der jungen Dame und glitt mit ihr nach den prickelnden Klängen des Walzers über den glitzernden Parkettboden dahin. Anna Pawlowna", flüsterte er im Gewoge des Tanzes, hast Du meinen Brief erhalten?" Ja, Konstantin Wasiljewitsch", erwiderte sie leise, ohne aufzusehen. . Und die Antwort?" Ach. Konstantin, Du bist immer so gut, so nachsichtig. Wie ein Bruder. Ich bin Dir ja auch gut, von Herzen gut, aber ..." Sprich nicht weiter", sagte der junge Mann hastig. Du sprichst mein Todesurtheil." Sie fühlte, wie seine Brust wogte, wie sein Arm schlaff wurde. Sie scch zu ihm empor und begegnete einem Blicke von unsagbarer Traurigkeit. Sei mir nicht böse, Konstantin", sagte sie. Aber ich . . . ich kann nicht anders." Du liebst?" . Ja!" Ich wußte es." Du sollst alles wissen. Es ist Iwan Alezejewitsch." Graf Romanzow! Ich habe es so eben gesehen, als er am Fenster mit Dir sprach." Er holte den Athem mühsam aus der Tiefe der Brust herauf. Ein Entschluß schien in ihm zu kämpfen. Er drehte sich mit ihr nur noch ganz langsam, wie eine Marionette, fast auf derselben Stelle. Anna Pawlowna", sagte er nach einer Weile, wirst Du glücklich mit ihm werden?" Mit ihm, oder mit keinem sonst." Er ist ein Libertin." Ich weiß es." Er ist ein Verschwender. Ganz Petersburg spricht davon." Was thut's?" Er ist verdächtig. Er unterhält Verkehr mit anrüchigen Existenzen." Und wenn er noch schlimmer wäre, Konstantin, wenn er selbst ein . . . Verbreche? wäre, ich müßte ihn doch lieben. Ich kann nicht anders." Der Tänzer hielt an und ließ das junge Weib aus seiner Umarmung. Sie ergrisf seine beiden Hände und tauchte einen warmen, innigen Blick in sein Auge. Bleiben wir Freunde, Konstantin?" Er schwieg eine Weile und sah auf den Boden. Plötzlich raffte er sich zusammen, schüttelte in überquellendem Gefühl die weißen, schmalen, zarten Hände und sagte mit gepreßter Stimme: Freunde. Anna Pawlowna? Nun ja. Freunde!" Er ließ sie allein. Sie blickte ihm mit einem langen, mitleidsvollen Blicke nach. Wie gut er war! Wie schön! Wie edel! Und doch! Sie sah ihn den ganzen Abend nicht wieder. Erst ganz spät, als Mitternacht schon vorüber war. näherte er sich ihr in beabsichtigter Unaufsälligkeit und raunte ihr im Vorüberaeben ein paar Worte zu. Eine jähe Blässe sloa über ibr Gesichts Ihre Glieder waren wie gelähmt, teit stand einen Augenblick regungslos wie eine antike Statue. Allmälig kehrte das Blut in ihre Adern zurück. Mit einem matten, gequälten Lächeln sah sie sich um. Als sie gefunden hatte, was sie suchte, ging sie zu dem hinteren Theile des Saales, wo ein junger Mann in behaglicher ' Gleichgültigkeit gegen einen Pfeiler ge-'
lehnt stanv'. Es war Gras NomanZ0w. Iwan Alexejewitsch". flüsterte sie im Vorübergehen. Fliehen Sie!" Romanzow schien sie nicht zu begreifen. Was?" stotterte er. Alles ist entdeckt. Fliehen Sie! Sofort! Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist und meines." Dann kehrte sie in die Mitte des Saales zurück. Ein
bleigraue, feuchte Blässe überschattete ihre Züge. Sie schlich mehr, als sie ging. Es war ihr, als hätte sie Ketten an ihren Füßen. Plötzlich sah sie etwas wie einen Schatten vor sich. Eine helle, messerscharfe Stimme ertönte. Es war die Stimme des Zaren. Sie hörte sie nicht, sie fühlte sie. Da sind Sie endlich, Anna Pawlowna. Sie machen sich heute sehr selten. Ich gestehe, Sie haben Grund dazu. Ich habe Konstantin Wasiljewitsch schon gescholten, baß er Sie so vernachlässigt hat." Eure Majestät sind überaus gnädig", stammelte sie in Verwirrung. Es ist unverantwortlich. Aber Sie müssen ihn entschuldigen. Ich finde, er ist in der letzten Zeit etwas zerstreut. Was mag er haben, der arme Junge? Er verzehrt sich in irgend einer Sehnsucht, vermuthe ich. Wäre es nicht gut, wenn ihm seine reizende Cousine bei Hofe gelegentlich Gesellschaft leistete? Meinen Sie nicht auch, Anna Pawlowna? Man hat mir berichtet, daß Sie eine ausgezeichnete Schachspielerin sind.' Man ist so nachsichtig, meine bescheidene Fertigkeit anzuerkennen", flüsterte die Fürstin, die ihre Sicherheit langsam zurückkehren fühlte. Diesen Donnerstag ist Spielabend bei der Kaiserin", fuhr der Kaiser fort. Es würde mir ein großes Vergnügen machen, meine Waffen einmal mit solcher Gegnerin zu kreuzen." ' Ich bin Euer Majestät alleruntcrthänigste Dienerin." Inzwischen war Graf Romanzow den Newsky-Prospect hinunter gestürzt und hatte seine Wohnung im Fluge erreicht. Als er in das Vorzimmer trat, war er erstaunt, seinen Diener nicht vorzufinden. Er ging in sein Arbcitskabinet. Es war dunkel. Er tastete sich zu seinem Schreibtisch, um Licht zu machen. Plötzlich vernahm er ein Geräusch. In demselben Augenblick fühlte er, wie mehrere muskelstrotzende, stahlharte Arme ihn umklammerten. Ein Licht blitzte auf. Ein schneller Blick genügte, um seine Lage zu erkennen. Er war verloren! Graf Romanzow! Sie sind mein Gefangener", sagte der Polizeibeamte. Würden Sie mir gestatten, noch zwei Zeilen zu schreiben? Es handelt sich um jemand, der meinetwegen in großer Vesorgniß sein wird, um... um eine Dame ..." Ich bedauere," erwiderte der Beamte, es ist mir ausdrücklich untersagt." Man führte ihn fort. Wenige Minuten später schlössen sich die eisernen Thore der Peter-Paulsfestung hinter ihm. Am nächsten Donnerstag war Spielabend in den Gemächern der Zarin. Nur ein ganz kleiner, auserlesener Kreis von Damen und Herren des Hofes hatte sich versammelt. Die erlauchte Monarchin nahm an einer Whistpartie Theil. Anna Pawlowna. mit einem gemachten nichtssagenden Hoflächeln auf dem fieberheißen Gesicht. aber mit gramdurchwühltem, blutenden Herzen, stand abseits im Hintergrunde, des Zimmers. Ihr Blick hing unverwandt an der Thür, durch welche der Zar eintreten ' mußte. Endlich erschien der Zar, begleitet von Konstantin Wasiljewitsch. Alles erhob sich. Während der Herrscher seine Gemahlin und ihre Gäste begrüßte, trat der General-Adjutant unauffällig in die Nähe der Fürstin Barjatinski. Ein ängstlich fragender Blick bohrte sich in sein Auge. Er zuckte in ohnmächtiger Verzweiflung mit den Achseln. Verloren?" flüsterte sie tonlos. Der Fürst nickte stumm. Keine Hoffnung?" Keine!' Wann?" Morgen früh!" Sie wußte alles. Wie eine Wolke legte es sich über ihr Bewußtsein. Wie aus endloser Ferne vernahm sie die Stimme des Monarchen, der plötzlich vor ihr stand. Sieh da! Anna Pawlowna! Meine reizende Partnerin! Darf ich bitten?" Sie legte ihren bleichschweren Arm in den des Zaren, der sie in das anstoßende Cabinet führte. Konstantin Wasiljewitsch folgte aus einen Wink seines Herrn. Bevor der Kaiser an dem in der Mitte des Raumes aufgestellten Spieltische Platz nahm, sagte er wie scherzend: Aber ich pflege nur um einen Einsatz zu spielen. Anna Pawlowna, und zwar um einen möglichst hohen. Sonst hat das Spiel keinen Reiz für mich." Die junge Fürstin sah überrascht zu ihrem Gegner auf. Ihr Auge leuchtete auf, als wäre eine plötzliche Eingebung über sie gekommen. So hoch Ew. Majestät belieben," erwiderte sie nach einer kleinen Pause. Ei. ei! Eine Verschwenderin?" drohte der Zar launig. Davon haben Sie mir ja noch gar nichts gesagt, Konstantin Wasiljewitsch. Aber meinetwegen! Bestimmen Sie! Um was spielen wir?" Ich fürchte, der Einsatz könnte Eurer Majestät zu hoch sein", antwortete sie zögernd. ' Bitte! Um was spielen wir?" Um... um Gnade für ei- ! nen Unglücklichen." I Der Zar sah das junge Mädchen mit ! einem Blick an, in dem sich Ueberrai schung mit leisem Unwillen verschwi
steril Ein wunderlicher Einfall!" sagte er. Wen meinen Sie?" Würde mir Eure Majestät gestatten, nach der Partie ..." Sie sind eine kleine, wunderliche Närrin, Anna Pawlowna. Wie kommt sie nur auf so etwas, Konstantin Wasiljewitsch? Uebrigens... ich bin zufrieden. Also, bitte!" Die Partie begann. Der Fürst Gallizin nahm hinter dem Sessel seines Herrn Platz. Er sah mit einem Blick verängstigter Bewunderung zu dem klugen und kühnen, jungen Mädchen hinüber. Schon nach den ersten Zügen zeigte es sich, daß die Gegner einander gewachsen waren. Je mehr sich die Partie dem kritischen Punkte näherte, desto eisiger wurde der Zar, desto aufgeregter seine Gegnerin. Jetzt war die Entscheidung nahe. Die Fürstin war am Zuge. Sie sah instinctiv, daß die Partie von diesem einzigen Zuge abhing, die Partie und ihr Glück, ihr Dasein! Sie gewahrte mit Schrecken, daß ihre Ueberlegung sich zu verwirren begann. Ihre Finger zitterten. In nervöser Hast schob sie einen Bauern vor. Kaum hatte sie den Finger von der Figur genommen, als sie in einer plötzlichen Erleuchtung sah, daß der Zug ein Fehler war. Dort, der feindliche Springer auf . dem schwarzen Felde, den sie eben ganz übersehen hatte, mußte sie in der nächsten Minute matt machen. Eine furchtbare Erregung bemächtigte sich ihrer. Wie in Verzweiflung biß sie in das Battisttuch, das sie in der linken Hand hielt. Der Zar vertiefte sich in die neue Situation, langsam, ruhig, überlegend. Jetzt wandte sich sein Blick der gefährdeten Stelle zu. Im nächsten Äugenblick mußte er den entscheidenden Zug entdecken. Jetzt... Das Taschentuch der Fürstin glitt wie zufällig auf den Boden. Sie machte Miene, es aufzuheben. Fürst Gallizin sprang dienstbeflissen hinzu. Der Kaiser war schneller als er. Er bückte sich tief hinunter, hob das Tuch auf und reichte es mit einer verbindlichen Verbeugung seiner Gegnerin hinüber. Dann sah er wieder auf das Brett. Es war, als ob er unruhig wurde. Er rückte ungeduldig auf feinem Sessel hin und her. Dem Fürsten Konstantin stockte der Athem. Anna Pawlowna war ganz ruhig geworden. Konstantin Wasiljewitsch", sagte der Zar nach einer Weile, ohne vom Brett aufzusehen; irre ich mich, oder hat dieser Springer vorhin nicht auf einem schwarzen Felde gestanden?" Fürst Gallizin sah zu dem jungen Mädchen hinüber. Sein Blick traf in zwei weit geöffnete Augen, die mit der ruhigen Zuversicht eines Kindes zu ihm heraufblickten. Einen Augenblick zögerte er mit der Antwort. Ich bitte Eure Majestät um Verzeihung," sagte er dann mit etwas belegter Stimme. Der Springer stand, qlaube ich, immer auf dem weißen Felde." Der Kaiser schob eine Figur vor, nachlässig, ohne Interesse, wie auf's Gerathewohl. Die Fürstin zog nach, langsam überlegend. Die Spieler schienen ihre Rollen vertauscht zu ha'ben. Wieder ein Zug! Noch einer! Und noch einer! Schach dem Zaren!" sagte Anna Pawlowna. Der Kaiser warf noch einen nachläfgen Blick auf das Brett. Dann erhob er sich und verneigte sich leicht vor der Siegerin. Ich danke Ihnen, Anna Pawlowna." Er schickte sich zum Gehen an. Plötzlich besann er sich. Ja so!... Der Einsatz?" Eine bange Pause. Man hörte das Knistern der Kerzen am Kronleuchter. Iwan Alexejewitsch." sagte das Mädchen leise, indem sie ihre Augen mit den langen, seidenen Wimpern beschattete. Die Stirnader des Zaren schwoll plötzlich an. Die Spitzen seines Schnurrbarts bewegten sich lebhaft. Ein stahlscharfer Blitz traf das Weib, das das kühne Wort gesprochen hatte. Das war der Blick, unter dem schon Könige erbebt hatten. Die Unglückliche stand noch eine Secunde regungslos. Dann sank sie in die Kniee. Ich liebe ihn!" flüsterte sie, indem sie die Hand des Herrschers ergriff und an ihren Mund führte. Einen Augenblick blieb der Zar unbeweglich. Seine Zähne zernagten die Unterlippe. Hinter der gerunzelten Stirn schien ein schwerer, verschwiegener Kampf zu toben. Endlich glitt sein Auge langsam zu seinem Adjutanten hinüber. Konstantin Wasiljewitsch senkte den Blick, wie in schmerzlicher Entsagung. Konstantin Wasiljewitsch!" sagte Nikolaus mit einer Milde im Ton, die bei ihm das Lächeln ersetzte: Mein Plizeiminister soll dafür sorgen, daß Iwan Alexejewitsch in fünfTagen über die österreichische Grenze ist." Er löste sanft seine Hand aus der Umklammerung und schritt aus dem Zimmer. i , m m m per ZZcquiltteur.
Zu den unentbehrlichen Unsichtbaren", die hinter den Eoulissen der Theatcr ibres Amtes walten, gehört der Requisiteur, und seiner vielseitigen Thätigkcit widmet ein Wiener Fcuilletonist eine Schilderung, der wir folgende Stcl len entnehmen: Ein Souper für fünfzehn Personen, das im Hotel erster Klasse zweihundert Gulden kostet, stellt der Requisiteur um den bescheidenen Preis von neunzig Kreuzern her. Er gruppirt den köstlichen Salat auö grünen Papierschnitzeln um einen cachirten. Fasan, der für jede Vorftellung frisch lackirt.wird. Er bereitet
das appetitlichste Eis aus gefärbter Baumwolle und fabricirt aus Pappen decke! einen Hummer von so täuschen der Naturtreue, daß ich fest überzeugt bin, derselbe würde Jedem eben so schwer im Magen liegen, wie ein wirklicher. Das leistungsfähigste Weingroßhand lungshaüs kann sich in der Geschicklich seit, aus Wasser die feinsten und theuersten Weine zu bereiten, nicht mit dem Re quisitcur messen. Natürlich werden diese kostbaren Flüssigkeiten in den Bühnensalons meist aus grünen Gläsern genossen, damit man nicht merkt, dast die vornehmen Wüstlinge nichts trinkm. Die sprödesten Stosse versteht der Requisiteur sich dienstbar machen. Er macht aus Holz Havannacigarren und (Jarnarbrötchen, Ehrenkettcn aus alten Kasten beschlagen und Schmuckschatullen von unermeßlichem Werthe aus (sjgarrentistchcn. Er erzeugt Papiergeld aller Län der nach Bedarf uud vertheilt mit vollen Handen das Gold an leichtfertigeSpieler. Alle die kolossalen Summen, die jeden Abend auf dem Theater geerbt, gestohlen oder verschcnkt werden,' fiammen aus seiner unerschöpflichen Kassa. Tem Requisiteur ist nichts Menschlichefremd, nichts Irdisches unmöglich. Ten Rosenkranz der Stuart, die Leier der Sappho, das Gistfläschchen dcr Julia, die große Brieftasche des Onlcls, der immer wieder aus Amerika kommt, und ähnliche Requisiten des thcatralischen Alltagslebens hat er beständig auf Lager; aber auch die seltensten unv unbekanntesten Tinge, von denen er mein seinem Leben etwas gehört hat, schasst er auf irgend eine Weise irgendwoher: herbei. Hier sei eines eigenthümlichen Hin standes Erwähnung gethan der in seiner Unerklärlichkett besonders charakteristisch ist für die an Wundern so reiche Welt. der Bretter. Hauptsächlich an kleine Bühnen, wo der Requisiteur sparen und sich die meisten Gegenstände in seinem Bekanntenkreise gegen Theaterbillets oder andere Revanche zusammenborgen, muß, stößt die Beschaffung eines wich iig.en Requisits oft auf unüberwind--liche Schwierigkeiten. Es wird beispiels weise zur Vorstellung ein Papagei.'gebraucht, ein Todtenaerippe oder eine Armbrust, durchwegs Gegenstände, die man nur in den seltensten Fällen in den guten Bürgerhäusern findet. Umsonst ist der Requisiteur von Pontius zu Pi latus gelaufen, vergeblich hat er sich m. schlaflosen Rächten den. Kopf zcrbrocheiram Tage der Vorstellung ist das Gcsuchte noch immer nicht vorhandei? Ter erste Held flucht, die Direktion verzweifelt, der Requisiteur ist spurlos öerschwunden. und man ist bereits fest überzeugt, er habe sich aus gekränktem Ehr--geiz ein Leid angethan als er vlöSlich fünf Minuten vor sieben mit dem Papagei, dem Todtcngerippe oder der Armbrust zun Vorschein kommt, jhir: keine Aufregung, Kinder!" sagte GötzBaumeister, der seine eiserne Hand irr: Wien vergessen hatte und in der Trypaucr Garderobe nichts dergleichen vorfand. Rur keine Aufregung, um sieden Uhr ist Alles da!" Und so war c wirklich. Cd in solchen Fällen die anf regende Dringlichkeit der Situation daSgeistige Gesicht der Requisiteure zu übernatürlicher Schärfe entwickelt, oder ol es einen bis jett nicht bekannten Requi sttengott gibt, der helfend e'.ngreift, wenn menschliches Können erlahmt jedenfalls ist es eine feststehende von tausend Schauspielern bestätigte Thatsache, daiy. auch die unmöglichsten Tinae im IcjUeri. Augenblicke immer zur Stelle sind. Tas Brünner Stadttheater hatte zwei Stvnden vor der ersten Austührunc', deSBruder Martin" noch keinen Esel.. Tie Boten, die in alle Fabriken undlandwirthschaftlichcn Betriebe der Umgebung ausgesendet wurden, kchrteir. trostlos und unverrichtetcr Tinge zurück.. Ein Esel war gestorben, ein anderernach Bcskowitz verkauft, der dritte durch, die zweite Hcirath einer Gemüsefrau in. festen Händen u. s. w. Ter Tirektor.stand grollend am Fenster, als mit dein. Glockenschlage sechs der Requisiteure, be--gleitet von einer johlenden Straßenjugend, mit drei Eseln, einem großen und. zwei kleinen, um die Ecke schwenkte. Während der Vorstellung kam noch ein, vierter (5sel aus Schöllschiy. Reben den geschilderten Aufregungen und Mühen, die der Beruf des Requisit teurs mit sich bringt, hat der Wacker? noch schwer zu leiden unter den Kränk ungcn und Beleidigungen, die überspannte Künstlernaturen in der Hihe des Gefechtes ihm zufügen. Glücklicher weise hat sich der Requisiteur durch jähre langes Wirken in dem nervösen Miliere des Coulissenzaubers eine philosophische Ruhe angeeignet. Er weiß ganz genou daß man die Flüche des Marquis Posa. und die Injurien des Egmont nicht ernst, nehmen darf, und setzt den Liebeswortcn reizbarer Romeos einen eisernen. Stoicismus entgegen. In Preßburg sagte Mitterwurzer zudem Requisiteur, der ihm in .Kean statt eines holländischen Thoupscifchen eine wunderschöne Mecrschaumpfeise brachte: Reitmann, Sie sind ein Ochs!" Tas weiß ich, Herr vonMitterwur zer," antwortete Rcitmann. wir sinc za alte Bekannte." Und der wackere alte Michely fcoia Burgtbcater, dem einst die übelgelaun te Wolter als Gräfin Orsina den gelic. fcrten Tolch als unbrauchbar vor Xc' Füße warf, cntgegncte mit der größten Seelenruhe: ,,Abcr grau Gräfin, zwanzig Jahr spielst jetzt schon mit dem Tolch, und heut' is er Tir aus einmal nct rccht V"
Vorbereitung. A.: 2?te lassen Ihren Sohn also Musik studbren?" A.: Ja." A.: "Na, hat er denn schon einen Lehrer?" V.: .Nein, noch nicht; vorläufig läßt er sich erst die Haare wachsen!" Beim Wort genommen. .Mein Fräulein, Ihre Stimme ist herrlich! Ich wollte, ich könnte Sie je den Tag singen hören!" .Da d. müssen Sie mit meiner Mama spre $i! .
