Indiana Tribüne, Volume 22, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1899 — Page 2

Pfingstzeit. Ccn R. Pfanschinidt.Veutner. . j Wie tragen die Winde . ' -So süßen Hauch. Noch duftet es linde Vom Fliedcistrauch. : Noch blüht es voll Wonne i Wie Maienaruß, - Doch sendet die Sonne j Schon heißeren Kuß. : Die Blätter entrollen ! Ein tieferes Grün, l Und üppiger wollen Die Blumen blüh'n. ! Nun ist in dein Moose - ! Nach linder Nacht Die Königin Rose Verschämt erwacht. ' 4 ! O bräutliches Pfingsten, ' ', Du Segenszeit, ' Die auch dem Geringsten Erquickung beut, Die Thäler und Hügel Du lieblich schmückst. Ein flammendes Siegel Vom Himmel schickst, Gib neu Deiner Erd: Das Höchste auch: Im schwellenden Werde . Des Geistes Hauch!

Z-cfltag am Lasen. Con Hermann Hciberg. S Die kleinen Boote an der Wisborger Schiffbrücke schaukelten leise auf und ab. Die Kutter, die Schoner, die Zweimaster, die Fracht- und Vergnü-gungs-Dampfcr lagen unbeweglich, so unbeweglich, als ob's Sonntag wäre und als ob's in der Welt gar keinen Wind gäbe Allerdings flog auch nur ab und zu eine ganz sanfte Brise über das blaue Wasser, und Sonntag war's wirklich, Pfingstsonntag sogar, und eine sonnendurchwirkte Stille und gleichsam fromme Feierlichkeit war über Land und See ausgebreitet, als ob die Natur ebenfalls ein Kirchenfest feiere. Vom Dom herüber erklangen brausend Orgelklänge und erhebender Ehorgefang, und die Töne, die bis ans Wasser herüber schollen, trafen das Oh? des Eapitäns Ohlsen, der oben auf seinem neuen, seit dem Frühmorgen bereits mit Pfingstgrün geschmückttn Dampfer saß und eine Pfeife rauchte. Blauer Rauch stieg in feinen Windungen in die Luft -empor, und auch daran und an dem köstlichen Duft des Kanasters erfreute er sich. Eben schritt aus dem Wirthshaus zum Anker", das sich gleich links am Ende der Reihe der vielen niedlichen Hafenhäuser erhob, eine kleine.schmucke und adrette Frau mit bloßem Kopf heraus, sie ging an den Fahrzeugen vorüber und trat dann an den Dampfer heran, auf dem Eapitän Ohlsen, der nun schon seit siebzehn Jahren für den Rheder Heinrich Klügemann und Comp. Schiffe führte, oben auf dem Deck saß und Orgelmusik, Chorgesang, goldstrahlenden Sonnenschein, blaue Luft und zartfarbiges Pfingstgrün umsonst genoß. Morgen, Eapitän nickte sie und sah ihn schelmisch an. Morgen, Grete," gab er zurück. Sie sitzen hier und schmauchen! Ich denk', Sie wollten nach Ihrer Schwester, nach Tönning zum Fest " Ja, ich wollte. Aber ich hab mich besonnen " So so. Wer hei Ihnen denn den Dampfer so fein gemacht? Schon heute früh wollte ich mich erkundigen. Daß man den Pferden so was hinter die Ohren, und daß man so was hinter die Spiegel steckt, kenne ich wohl, aber ein Dampfschiff" Ja. man hat so seine Einfälle, Grete Heute ist Pfingsten. Da bin ich lustig aufgelegt." So, so, was ist denn passirt?" Ich will heute Verlobungsfest feiern " I, der Tausend!? Noch auf Ihre Jahre? Na, das ist eine Neuigkeit! Davon hat man ja garnichts gehört " Konnte auch keiner was 'davon ho ren. Grete, ich wußte es gestern selbst noch nicht. Es ist erst vorige Woche gekommen " So so Darf man denn fragen, wer es ist?" Ja, bitte! Kommen Sie man ein büschen näher in die Cajüte, da will ich Ihnen meiner Braut Bild zeigen." Was sie sagen! Ja, auf's Schiff steigen? Ich kann eigentlich nicht gut weg. Da können Gäste kommen " Ach, das geht wohl. Mamsell Line ist ja da " Zufolge dieser beruhigenden Worte beschritt die Wittwe GreteFehrs, Inhaberin des Hauses und der Wirthschaft zum Anker, den Dampfer, und wenig später folgte sie dem ihr voranschreitenden, vorher vertraulich die Hand schüttelnden Eapitän Ohlsen in die Cajüte. Nun sagen Sie mir doch blos, Capitän. wie Sie plödlich auf so was gekbmmen sind?"' stieß 'Grete, während sie die Treppe herabstiegen, heraus. Da werden sie in Zisborg Augen machen! Und Consul Klügemann! Weiß der schon was?" Nein! Aber er soll's auch gleich erfahren, und freuen, werden sich alle meine Freunde und Bekannte, Grete. Das ist sicher! Auch Sie, denke ich. Wie lange kennen wir uns eigentlich schon?" Ach, das wollen wir lieber nicht ausrechnen Olde " Aber wir wollen davon sprechen! Wissen Sie, Grete, daß ich mich eiL?ntlicü bös ärgerte, als Sie vor zehn

Jahren Fehrö heiratheten. E isi man gut, daß er vor anderthalb Jahr starb " Na, wenn man so was hört! Ei war doch ein sehr respeciabler Mann" Lang nicht gut genug für Sie, Grete. Wenn er heftig und wenn cr betrunken war, schlug er Sie! Und Sie, Sie haben sich nie beklagt, es nie beklagt, es nie gesagt. Ich hab' Sie bewundert, wir alle, Grete" Man muß Alles nehmen, wies der liebe Gott giebt. Eapitän! Er hatte auch seine guten Seiten. Ich hatte nichts; er nahm mich mit den Paar Sachen in meiner Drahtkiste " Ja, er konnte sich gratuliren. So eine hübsche, adrette, fleißige und gute Frau konnte er an der ganzen Ostseeküste nicht finden. Er zog das große Loos." Heute schmeicheln Sie, Olde! Das thaten Sie früher niemals. Es ist etwas nicht richtig mit Jnen! Der Dampfer mit Grün, und Verlobung, und anderen Frauen schmeicheln?" Anderen Frauen Wie so? Bitte, setzen Sie sich! Nein, bitte, hierher, da haben Sie's bequemer. Ein Genever gefällig und 'n kleinen Cakes. Grete?" Nein, nein, danke, Eapitän! Aber lassen Sie mich nun schnell Ihre Braut sehen. Ich bin fürchterlich neugierig, ja beinah ein büschen eifersüchtig " Ja. und das ist gut sehr gut, Grete!" Wieso gut?" ..Daß Sie eifersüchtig sind. Nu sind wir im richtigen Fahrwasser " Na, wer daraus klug wird! Wo haben Sie sie denn? Ist sie aus Wisborg?" Ja. sie ist aus Wisborg " Gott, spannen Sie mich doch nicht so auf die Folter. Eine Alte oder Junge?" So mittelalt! Ss alt wie Sie, Grete, zufällig gerade so alt " Na, ja. So eine Junge hätte auch für Sie nicht mehr gepaßt. Und hat sie was?" Das will ich meinen! Sie hat ein Herz wie der liebe Gott, und sie hat ein eigenes Haus." Na, denn kommt ja was zu was " Ja, Grete. Es ist nur eins bei der Sache gewiß, gewiß, das Bild sollen Sie gleich sehen Sie hat noch, gar keine Ahnung von der Verlobung." Na, nu! Was ist das wieder? Ich kann mich heute nicht in Sie hereinfinden! Wogen Sie mich ein büschen zum Narren haben, Olde?" I Gott bewahre! Und nu passen Sie mal auf. Sehen Sie mal in meinen Spiegel herein!" In Ihren Spiegel? Warum das denn nun wieder!" Ich hab meine Gründe. Grete" Na ja denn! Und nun?" Da sehen Sie auch meine Braut! Sehen Sie sie?" Wie soll ich sie denn sehen! Ich seh mich ja selbst" Na ja! Das ist auch ganz richtig. Meine Braut heißt Grete Fehrs. Das heißt, wenn sie will " Eapitän! Olde! Sie wollen mich wirklich aufziehen!" Nein, gewiß nicht, Grete! Aber bitte, kommen Sie mal einen Augenblick her! Sehen Sie, ich sehne mich nach ein büschen Warmes in Herz und Gemüth. Immer auf dem Wasser, Monate lang, oft ein Jahr, und wenn ich hier wiederkomme, wie ein Halbfremder. Ich möchte gern ein Haus, ein eigenes Nest haben, ja, ich möchte mich mit der Zeit zur Ruhe setzen. Ich fahre ja nun schon im Ganzen fünfunddreißig Jahr. Und da habe ich gedacht ich wollte Sie fragen, ob Sie nicht Lust hätten, Ihren alten Schulkameraden bei sich aufzunehmen, ihn anzulernen in der Wirthschaft, da mit er später auch den Gästen einen heißen Grog über den Tisch schieben kann Wissen Sie. Grete! Ich habe Sie schon lieb gehabt als wir zusammen in die Confirmationsstunden gingen, ach, noch früher, als wir im Kirschbaum bei Neckelmanns saßen. Und das ist immer so geblieben, und hingehen wollte ich nu grade heute Vormittag und Sie einladen, sich den raiien Dampfer mal von innen anzusehen, und dann, dann wollte ich Jhnen das sagen. Und da kommen Sie nu selbst an, als ob Sie der heilige Geist, von dem sie heute in der Kirche predigen, herbestellt hätte. Und das ist denn nun auch alles!" ..Wollen Sie, Grete?" Durch das kleine, geöffnete Rundfenster der Cajüte drängten sich graoe abermals die Töne der Orgel vom Dom herüber. Ein frischer Hauch von der Seele belebte die Sinne der Frau, die erst voll Staunen, nun voll Glückseligkeit zugehört hatte. Und als er sich dann mit seiner kurzen, kräftigen Gestalt, seinem ehrlichen Gesicht und seinen guten Augen vor ihr aufrichtete, da schmiegte sie sich still und zärtlich an ihn und flüsterte: Ja, ja, Olde, ich will ja, ich will!" Ach, min lütt söte Grete, min lewe Fru!" gab der Mann zurück und stürmisch wie ein Jüngling umschlang er seine alte Jugendfreundin.

Vereinfachung. Dircctor (zum Autor): Ihr Stück trägt ja gar keine Bezeichnunq, ob es ein Traueroder ein Lustspiel ist?" Autor: Das will ich eben ganz der Auffassung des Publikums überlassen!" Treffend. Frau Professor Redeviel verabschiedet ihre Kaffegesell" schaft im Vorzimmer. Der Herr Professor kommt zufällig etwas früher als gewöhnlich nach Hause und überrascht die Damen noch im eifrigsten Geplauder. Nun. nun", meint er lächelnd, bitte sich nur nicht im Postscriptum" Ihres Besuches stören zu raffen!" I

Aus Wordlnst.

Bon Emil Roland. Ich stand in Augsburg vor dem Hause des Fabrikanten Sedlmayr und klingelte. Der Sommerabend begann bereits seine großen, bläulichen Schatten über die alte stolze Augusta Vindelicorum" zu breiten, und nur wenige Gegenstände reckten sich noch deutlich erkennbar in das Zwielicht: das hohe Stadtwappen, die Zirbelnuß auf dem Rathhaus und das eherne Denkmal des großen Eäsar, der wie aus mythischer Vergangenheit empor in die blühende schwäbische Stadt von heute ragt. Ich war wandermüde und sehmüde und sehnte mich nach Menschen, nach heiterer Ansprache, nach einem Interieur und einem Familientheetisch. Da waren mir Sedlmayrs eingefallen. Ich kannte sie nicht, aber sie waren mir warm empfohlen. Du, hatte mein Freund gesagt, als wir , vor etlichen Wochen im Bremer Rathskeller saßen und unsere beiderseitigen Reisepläne besprachen, wenn du in Augsburg Zeit hast, thu mir den Gefallen und besuche Bekannte von mir, reizende Leute. Sedlmayr heißen sie. Fabrikant in irgend was. Solch ein fideles Ehepaar! lustige Seelen in beständiger Champagnerstimmung. Ganz zufällig traf ich sie. Droben im Spracher Thal, da ober Meran. Da saß ich stolz, daß ich so tapfer gestiegen war, und fühlte mich bloß etwas einsam. Aber plötzlich kam Gesellschaft. Von den Zauberseen ganz da droben kamen sie herunter, alle im Vergcostüm. nicht die Spur müde und so begeistert! Zu -nette Leute! Mann und Frau und hinterher zwei allerliebste Bengcl, der eine der fillius, solch frech - frommes Sextanergesicht, der andere der Pensionär, ein gebräunter, exotisch aussehender Bobby oder Freddy von jenseit des Oceans das Gesicht, halb verschmitzt. halb rührend, erinnerte mich so an die kleinen pays chausls in irgend einem Daudet - Roman. Wir wurden schnell bekannt, und vier Tage lang bin ich dann mit ihnen gewandert, auf Bergen und Burgen, nach Schloß Tirol und zur Mondola. Dann, wie's auf Reisen geht, plötzlich auseinander. Herzlichster Abschied. Besuch in Augsbürg beschworen und weiter nichts. Eorrespondenzen sind mir ein Greuel und Sedlmayrs auch. Aber zu gern wüßte ich. wie es ihnen geht, also, wenn du in Augsburg Zeit hast . . . So hatte mein 'Freund gesprochen, und nun stand ich vor Sedlmayrs Haus und klingelte voll freulzer ErWartung. Ein verzagt dreinschauendes Dienstmädchen öffnete. Sie sah ungemein tragisch aus! Ich taxirte sie aufZahnweh und wunderte mich weiter nicht. Dann stand ich vor der Frau des Hausei. Ja, hübsch war sie, aber so seltsam befangen die Finger so nervös, tiefe Ränder um die Augen. Wäre ihr Kleid nicht so pfauenblau gewesen, ich hätte an einen frischen Trauerfall gedacht. Sechs Minuten lang hielt der gemeinsame Bekannte her. Die Orientreise, die er gemacht, ein verstauchter Fuß mit schwierigen Nebenumständen, das Gerede, in dem er mit einem hübschen Mädchen stand alles hatte ich entwickelt ... So ach so Dann ein unachtsames Fortlauschen in mir räthselvolle Fernen. War ich etwa in ein falsches Haus gekommen? War unser Bekannter am Ende gar nicht gemeinsam? Ließ sie ihn nur aus Verlegenheiten gelten? Wußte in Wahrheit-vielleicht nichts von ihm? Ich begann mich zu empfehlen. Die Hoffnung auf den behaglichen Familientheetisch war bereits ins Wesenlose verschwommen. Da plötzlich trat Frau Sedlmayr auf mich zu, ergriff meine beiden Hände, drückte sie krampfhaft und rief: Herr Doctor, wenn Sie in Augsburg Schlechtes von unserem Hause hören, verurtheilenSie uns nicht zu hart, und vor allem: sprechen Sie es nicht weiter! Die Lage war für mich unleugbar recht unangenehm. Schließlich stotterte ich: O gewiß nicht, wie sollte ich auch? erreichte die Thür, stolperte eilig weite? und entwich auf den Eorridor, immer im Gefühl, sehr indiscret eingebrochen zu sein. Auf dem Eorridor war es sehr dämmerig. Etwas - Schattenhaftes schlich leise an der Wand entlang, und als ich den Klemmer aufwarf, sah ich. was es war: ein Jungenpaar, etwa um die Zwölf herum, der eine mager, wie ein Probirstock in den Kleidern hängend. mit fahlem, exotischem Gelb in einem starkknochigen Gesicht, der andere kleiner, wohlgenährt, mit runden, aufgetriebenen Bäckchen. wie man sie wohl bei jenen posaunenblasenden Cherubsgestalten findet, die vom Schnitzwerk kirchlicher Chorstühle oft so naiv - lustig in die Welt sehen. Beide drückten sich scheu an der Wand hin. Ein verängstigter Ausdruck lag in den vier Augen, die mich von unten streiften, und als ich harmlos Guten Abend" wünschte, glitt das sonderbare Paar schleunig und wortlos die Treppe hinauf. Was in aller Welt war in diesem Hause geschehen? Jetzt erschien das Mädchen mit dem verspäteten Anerbieten, mir den Mantel anzuziehen. Ist hier jemand krank? fragte ich. Krank? wimmerte die Alte. Ach Gott, wenn nur jemand krank wäre! Es ist ja viel schlimmer. Solch ein gemeines Verbrechen ... und aus bloßer Mordlust ... Auf weitere Fragen hörte sie nicht. Ich entzog mich ihren Thränenarien und stand gleich darauf auf der j Straße. Mein Blick flog verstohlen über die. Front. Die edlen Linien der Renaissancefassaden hoben sich malerisch in

den bläulichen Abend. Nichts erinnerte an ein Mordhaus. Aber haben die Borgia nicht auch in Renaissance-Pa-läsien gesündigt und gemordet? Friedlich Anschein kann trügen Ein gemeines Verbrechen und aus bloßer Mordlust? Sollte etwa der Hausherr . . .? Ich hatte ihn ja nie gesehen, und die Bekanntschaft meines Freundes datirte von einer Reise. Bckanntlich zeigen sich die Menschen auf Reisen meist sehr anders als sie sind. Sollte am Ende mein Freund unbewußt mit einem Mörder im Spracher Thal gesessen haben? Mein Aufenthalt in Augsburg n'äherte sich dem Ende und ich mich dem Bahnhof! Ich beschloß mit dem Nachtzug zu fahren, denn mit Augusta Bindelicorum war ich fertig und meine Stimmung allzusehr ins Criminalistisch? gerathen. Im Bahnhofsrestaurant griff ich sofort nach dem frischen Abendblatt und durchflog die Spalten: ein politischer. Leitartikel oben, Volksschulgesetz. Graf Zedlitz, Stimmung in Vaiern. Unten: Zweimal gestorben, historischer Roman von Soudso. Da, endlich die Localnachrichten: Gestern entlud sich ein heftiges Gewitter über unsere Stadt u. s. w. Die erstaunlichen Leistungen von Mrs. Homes und Mme. Fay . . . Armbruch eines Zimmergesellen u. s. w. Nichts von einem Mord! Keine jener Greuelgeschichten, wie sie harmlosen Lesern die Haare sträuben und das Blut in den Adern erstarren machen. Mein Zug kam. Ich stieg ein. Da vlvtzlich hörte ich meinen Namen rufen. Wildfremde Lippen sprachen ihn aus. Ein sorglich gekleideter Herr stand vor mir, echter, ehrlicher Bajuvarentypus, treu und bieder, die Augen so rund, daß man auf kein allzugroßes Geistesquantum schließen konnte: der Freund meines Freundes. Er hatte von meinem Besuch gehört, war mir sogleich nachgestürzt, fragte, erzählte, trug Grüße auf, that alles, was seine Gattin versäumte. Aber seltsam! auch auf seinem Gesicht lagerten secundenlang dieselben Spuren einer inneren Verstörung, einer unruhig quälenden Angst. Bester, rief er und umklammerte meinen Arm. Denken Sie nicht ungleich von meiner Pädagogik! Wenn man nur das Gute will . . . ach, du lieber Himmel! Aeußerliche Eigenheiten erzieht man fort, aber wenn der Kern verdorben ist, so hilft alle Mühsal nichts . . . und wenn mans an seinem eigenen Kinde erleben muß! Aber was ist denn nur geschehen? Was geschehen ist? Wissen Sie's denn wirklich nicht? Aber die Spatzen pfeifen es hier ja von den Dächern! Nun, ich tröste meine Frau, so sehr ich kann. Zuweilen sind ja noch anständige Menschen daraus geworden. Sie haben nur den einen Sohn? stammelte ich. Ich wäre in diesem Moment viel lieber selbst der Verbrecher gewesen, als daß ich dies väterliche Elend noch länger mit ansehen mußte. Nur den einen! Aber er ist ja nur der Verführte. Seppi hat einen guten Grund wirklich einen guten Grund! Aber unser Pensionär, der Bobby, hat ihn verführt. Ich wollte weiterfragen, da bahnte sich durch das mäßige Gewühl jenes selbe Factotum den Weg. das ich vor einer Viertelstunde im Flur des MordHauses gesehen hatte. Herr Sedlmayr, rief sie heiser, die Bohlizei ist da . . . Sedlmayr erblaßte. Der Schaffner schob mich in den Zug. Grüßen Sie Herrn Otto! rief er mir noch nach, und, ich beschwöre Sie bei allen Heiligen, verschweigen Sie unser Unglück! Und ich verschwieg es Geschickt wie ein Schlangenmensch wand ich mich um jede Nachfrage des gemeinsamen Freundes herum. Trotz gelegentlichen Nachfragens erfuhr ich auch in der nächsten Zeit nichts von jenem mystischen Ereigniß jenem Verbrechen aus bloßer Mordlust. Nur eins wußte ich aus meinem eifrigen Zeitungslesen mit großer Sicherheit: eine juristische cause cdlebre war nicht daraus geworden. Aber nach Monaten kam ich doch hinter den Thatbestand. Ein Brief des Herrn Sedlmayr klärte mich auf, und nun weiß ich alles, und vor mir entrollt sich das Bild eines ebenso scheußlichtn als jugendlichen Verbrechens. . Leider", so begann der Brief, haben Sie unser Haus zu einer unseligen Stunde betreten, und ich fühle, daß ich Ihnen Rechenschaft schuldig bin. Verzeihen Sie, wenn ich etwas aushole! Neben uns wohnt seit langen Jahren eine alte Dame, Fräulein Fortunat. ein aus Liebe und Freigebigkeit zusnmengewobenes Wesen, die mit wahrhaft rührender Schwärmerei an unserem einzigen Sohne hing. Außerdem hing sie unendlich an einer alten Katze, die ein Stsick von ihrem Leben war. Kambyses hieß dasThier. Es sah bereits auf einem Auge nicht mehr, war aber sonst noch rüstig und hätte das Fraulein noch jahrelang erfreuen können. Und dieses Thier, diesen unseligen Kambyses, haben mein Sohn und unser Pensionär weggefangen, getödtet, ausgebalgt und sich für den Erlös des Felles Apfeltörtchen aekauft. Meine Feder sträubt sich, während ich dies schreibe. Wir haben viel ausgehalten. Die ganze Straße war starr. All unsere Bekannten sahen fort, wenn unser Sepp ihnen begegnete. Wie geächtet sind wir, denn Fräulein Fortunat hat großenAnhang hier. Sie war außer sich und arbeitete mit der Polizei. Wir haben unseren Sohn und den Pensionär einer strengen Erziehungsanftalt übergeben; ob ihre See- . len aber nach diesem entsetzlichen Act ! der Roheit noch zu retten sind, wer I weiß es! Dies die Erklärung unserer Ungastlichkeit. Ob Sie dem gemeinsamen Freund Mittheilung machen wollen, überlasse ich Ihnen. 'Bedauern

Sie Ihren ergebenen Sedlmayr, Maschinensabrikbesitzer." Das also war das Verbrechen aus Mordlust"! Ich mußte lächeln So deutlich sah ich die ganze Scene vor mir. Im Dunkel des alten Augsburger PatricierHauses sah ich zur Abendzeit zwei Bubengestalten auftauchen, den strammen, kleinen Bajuvaren und neben ihm das exotische Antlitz des jungen pays cliaud", ein entmenschtes Paar" wie die Kohlenbrenner des Saverner Grafen, sah sie hinuntersteigen in denGarten. mit Mordwerkzeugen bewaffnet und kampfbereit den Weg hinunterspähen, auf dem der unseligeKambyses herabgewandelt kam. Natürlich war ich empört, aber nur wenig, denn mir fielen plötzlich die Apfeltörtchen ein. Wer weiß? Vielleicht waren es ganz wunderbare Apfeltörtchen, um die es sich handelte, mit gelbem Creme darauf, und Kambyses war alt und abständig, und das wunderliche Fräulein Fortunat hatte gewiß bald wieder sine neue Katze. Die Apfeltörtchen, wer weiß? Vielleicht war auch Schlagsahne darauf. Ich fing an, sehr tolerant über die beiden Mörder zu denken. Ilomines surnus. Der Machtigste.

Ein Märchen. Neben einem stolzen Fürstenschlosse lag einst der Hof eines Bauern, und Konigsj chloß und Bauernhaus hielten gute Nachbarschaft. Bejlinders aber waren es die Söhne beider Häuser, die an ihre ungleiche Geburt sich nicht kehrten und einander treue Spielgenossen waren. Die Knaben wuchsen zu Jünglingen heran, und da mußte der Bauernsohn gar bald -einsehen, welche breite Kluft ihn von dem bisherigen Gespielen trennte. Da erwachte in dem Sohne der Hütte brennender Ehrgeiz, und er zog aus, solcheMacht zu gewinnen, wie sie der Königssohn besaß. Und endlich gelangte er zu einem großen und berühmten Zauberer. Sage mir. womit ich große Macht gewinnen kenn, soviel wie ein Herr dieser Erde," bat er den Alten, und dann will ich Dir gerne dienen, dienen, so .lange Du willst." Gut." sagte der Alte. Und auf seinen Wink erschienen seine Kinder: Da waren die Schönheit, die Wissenschaft, die Kunst: alles ragende, stolze Gestalten. Mehr im Hintergründe hielt sich die anspruchslosere. ernst wägende Klugheit, und ganz zuletzt trat ein verwachsener, häßlicher Mann, der Reichthum, ein. Wähle!" sagte der Zauberer. . Ohne lange zu prüfen, griff der Jüngling nach der stolzesten der drei Gestalten, die ihn umstanden, nach der ernsten, königlichen Wissenschaft. Diese nahm ihn in strengen Dienst, sieben lange Jahre. Dann zog er hinaus in die Welt. Man sah ihn nun ganz anders an denn früher, grüßte ihn tief, fast so wie den Königsohn, den einstigen Gespielen; doch waren auch viele, die sich auch jetzt noch garnichts aus ihm machten. Das kränkte ihn. Er ging wieder zu dem Alten und sagte: Ich habe noch nicht Macht über alle." Der Zauberer sah ihn greng an. Wenn nicht über alle, dann doch über die Besten." Nein, alle sollen sich vor mir neigen!" schrie aber der Abblendete. Und nach einander wählte er die Schönheit und die Kunst. Aber auch sie gaben ihm nicht die unbeschränkte Macht, die ! cr ersehnte, und wieder begab er sich zu dem Alten. Gib mir," saale er voller Gier, ! höchste Macht, das Höchste, was Du hast " Unersättlicher Mensch!" brauste da der Zauoerer auf,, hättest Du die Klugheit Dir gewählt und die Kunst oder Wissenschaft dazu; Du hättest glücklich und geehrt leben können! Aber nun. Du Unmäßiger, nun nimm, was Dir bestimmt ist, da nimm das Geld!" Dabei deutete er auf den buckligen Häßlichen, und wies den Gierigen aus dem Schlosse. Nun stand er mit jenem' vor dem Thor und fragte den VZißgestalteten: Du wirst mir geben können, was ich verlange?" Der Angesprochene grinste. Ja", sagte er, aber Du mußt mir dafür auch etwas geben: Deine Seele, Dich ganz und gar für immer" ... Der Mann erschrak; dann aber siegte die Gier und er rief: Nimm mich, nimm tnt 5ttt, Nmetn alles, wenn Du nur machst, daß ich Macht habe. Macht" .... Die sollst Du haben," antwortete der Mißgestaltete. Alles soll Dich beneiden, Dich fürchten, soll Dir schmeicheln; aber auch Du sollst Tag fürTag mit meinen Ketten Dich schleppen. Und nun komm!" Sie gingen, und wie der Reichthum versprochen hatte, so geschah es. Er überhäufte seinen Diener mit Gold und wieder mit Gold, und nun neigten sie sich vor ihm und schmeichelten ihm,- hoch und gering, jung und alt, sinn und reich. Mann und Weib. Sie achteten sein Gold weit mehr, wie ' seine Kunst und sein Wissen geehrt, ehrten und priesen es weit mehr wie Schönheit und Klugheit. Aber trotzdem fand der Unersättliche daran keine Freude. Und Tag vor Tag.lag er vor dem Reichthum auf den Knieen und bat um mehr; nichts erfreute, keine: liebte ihn. Er starb mit sich und der Welt und Gott zerfallen. HöhereProtzerei. Vater (zu seiner Tochter): Was. aus Liebe willst Du Dich heirathen lassen, wo Du Dir den . aussuchen kannst, der die meisten Schulden hat!" -

Schön Stttteke.

Von E. Michael. Jung war mein süßes Schwesterlein, sogar jung und unerfahren, als sie ihn erblickte, der in der ersten Stunde ihr Herz gefangen nahm. Sie war nicht von großer Schönheit, sondern ehe? hold und anmuthig, mit feinem Köpfchen und großen, seelenvollen blauen Augen. Warmes Blondhaar umrahmte ihr liebliches Antlitz,. das mit seinem herzigen Lächeln Jung und Alt entzückte. Lilli war geliebt und beliebt bei Allen, die sie kannten, gefeiert von denen, welche ihre zahlreichen Talente bewunderten. Ihr größtes, ihr unbewußtes Talent war eben, alle Herzen zu bezaubern. So bezauberte sie auch ihn, dem sie sich zu eigen gab. Auf ganz alltägliche Weise lernte sie ihn kennen: in einer Gesellschaft, in welcher er durch die Gewalt der Töne er war ein Meister in der Musik sich in ihr Herz stahl. Was verstand sie von der Kluft, die sie trennte: den hochgeborenen Herrn von dem schlichten Bürgerlinde? Und wenn sie je angstvoll daran rührte, so lächelte sein Mund ihre Sorgen weg, und sein Arm umschloß sie nur fester, so daß sie es gern glaubte, ihr Platz an seinem Herzen sei für die Ewigkeit. Aber stolz war meine kleine Schwester, und als der Kampf begann zwischen Stolz und Liebe, da gab es in ihren unschuldigen Augen nur einen Ausweg, den auch er zu seiner Ehre sei es 'gesagt zu gehen nicht zögerte: einen ehelichen Bund. Sie ward sein Weib vor Gott und dem Gesetz, aber ohne unser Aller Wissen, ohne Wissen seiner hochmüthigen, vornehmen Familie. welche in diese Verbindung niemals gewilligt haben würde. Was kümmerte das meine Lilli? Ihr Gewissen war beruhigt; sie war sein angetrautes Weib, und gerade in ihrer vor aller Wtlt geheimen Ehe verlebte sie Jahre eines heißen, berauschenden Glückes. Mich hatte sie endlich eingeweiht, mich allein. Ich war zu Tode tu schrocken, aber so oft ich sie auch warnen wollte vor zu blindem Vertrauen, im mer wieder verstummte das Wort auf meinen Lippen. Diese Liebe, war ihr Leben! Ich sah es und zitterte, daß ein Tag kommen könnte, an welchem ihre Liebe und ihr Leben den Todesstoß erhalten würden. Der Tag kam. Das Drängen der Verwandten, eine Heirath zu schließen eine standesgemäße war natürlich nur gemeint der ihm vielleicht lästig werdende Zwang der Heimlichkeit, die Scheu, durch ein Bekenntniß seiner längst eingegangenen Ehe einen schlimmen Kampf heraufzubeschwören; alle dies veranlaßte Lilli's Gatten, auf Trennung zu sinnen. Trennung! Ich weiß es, auch seir. Herz zuckte bei diesem Gedanken. Jedoch seine Feigheit trug den Sieg davon über seine Liebe. Er opferte meine Schwester. Ja, er opferte sie. Er wußte, daß n ihr Tod sein mußte. Sie gab ihn frei willigte in die Trennung, als er ihr sagte, diese se: zu seinem Glücke nothwendig. Geheim, wie die Trauung, wurde auch die Scheidung vollzogen. Sie verzichtete auf Alles. Sie war nicht zu bewegen, ihm die Fürsorge für ihr! Zukunft zu überlassen. Er ging von ihr. gedehmüthigt durch die Hoheit seines schlichten Weibes. Die Tage, welche hierauf folgten, vermag ich nicht zu beschreiben. Ich weinte heimlich in der Nacht, damii Lilli meine Thränen nicht sehen sollte Ihre Lebenskraft war gebrochen. Sie verging zusehends. Wahnsinn ode, Tod ' wohin würde die Waage neigen? Bald wußte ich es. Sie wartetk und wartete Anfangs. Dem öder Herbste folgte ein banger Winter. Als er nicht zurückkehrte, legte sie sich. Verzeihung für ihn auf den Lippen, niedei und wir betteten sie bald zur Ruhe. Ich wahrte ihr Geheimniß, aber ick gab Acht, ob das Schicksal ihr gebrochenes Leben nicht rächen würde. Ja, sie ist gerächt! Elend und mit sich selbst zerfallen, ist er, der sie vernichtet hat. inmitten seiner Ehren und Würden, und stiege er höher noch, das Unglüö heftet sich an seine Fersen. Doch Lilli hat ihm verziehen! Ursprung der Banknoten. Die Banknoten sind ursprünglick eine Erfindung der Chinesen unglaublich, aber doch wahr. Um da Jahr 807 unser'r Zeitrechnung, untei der Regierung des Kaisers HianTsung von der Dynastie Thang, wurden sie in Folge großer Geldnoth ir? Hunmlischen Reich" eingeführt, ganz wie die Assignaten in Frankreich zui Zeit der großen Revolution. Sie warer ursprünglich Münze in Papier uni sollten eine Anweisung auf den Wert! des Nationalvermögens darstellen. Bekanntlich nahm auch England dieses System im Jahre 1696 an. Das berüchtigte System Law (dieser gründet 1716 in Frankreich eine P?'vatban1 auf Aktien, die 1718 in eine Staatsbank verwandelt wurde, da ihre PaPiere viel Kredit genossen) war im Grunde nichts anderes, als die genauk Anwendung jenes Systems.

S i ch e r e s Z c i ch e n. Wirth des Dorfes (zum Fremden): Ja. dös glauben's Jhna gar net. der Toni und der Seppl könn'n sich auf'n Tod net leid'n. Die raufen sogar net e mal mit anand!" . E o l l e g e n. Förster: n Tag David.- David: 'n Tag. Herr College." Förster: Wieso College?" David: Nu, wenn ich mer's recht überlege, sind wer doch eigentlichCollegen. bloö das Sie schießen das Wild xnd ich nrkaus' de gell?ch:ö.-

Pflnsstlichteltt.

Altheidnische und christliche Sittehaben sich vereint, um an zahlreiche Zeitpunkte im Jahre gewisse Bräuche anzuknüpfen, die theils mit Wandlungen des Naturkreislaufes, theils mit den Erinnerungen an kirchengeschichtliche Ereignisse und Personen zusam- ' menhängen. Als ein solcher Zeitpunkt erscheint auch das Pfingstfest. Die Zeit, um welche der Lenz in seine vollste Pracht eintritt, mag wohl bei unser?n germanischen Vorvätern im grauen Heidenthume noch eine viel dringendere Veranlassung zu festlicher Stimmung, gewesen sein als heutzutage. Jene Festlichkeiten, welche da, wo sich och alter Brauch im Volke erhalten hat,, um Pfingsten gefeiert werden, lassen deutlich erkennen, wie in manchen Gegenden räthselhafte heidnische Ueberlieferung. anderwärts dagegen christliche Anschauungen den Grundzug der Festveranstaltungen bilden. Man wird solche Sitten immer am lebendige sten in rein ländlichen Gegenden sinden, wo noch nicht die Aufklärung und die modernen Interessen einer industriellen Bevölkerung das Althergebrachte weggewischt haben. So ist eS insbesondere in dcn verschiedenen. Landbezirken Altbayerns der Fall. In den Ortschaften .der zur Donau sich abdachenden Hochebene herrschen Pfingstbräuche, die nur aus einer kaum mehr verständlichen heimischen Ueber--lieferung erklärt werden können. So namentlich der Umritt eines Zugetv dessenHauptperson eine komische Figur, der Pfingstl," ist. welcher schließlich in's Wasser geworfen wird. Wo durch ein viclhundertjährigesHausen unter dem Krummstabe die Bevölkerung veranlaßt worden ist, sich tiefer in das Christenthum einzuleben, hat auch die Pfingstsitte ein christlichesGepräge angenommen. So in dem bergumschlossenen Berchtesgadener Ländchen, dessen Volk seit achthundert Jahren von den Pröbsten und Mönchen des Berchtesgadener Stistes in christlicher Sitte erzogen ward. Hier hat sich die Sitte der Pfingstlichteln" bis in die neueste Zeit erhalten. Zur Erinnerung an die Ausgießung des heiligen Geistes über die Apostel w?r den hier Kerzchen angezündet, die entweder von Kindern durch die Straßen getragen oder auch auf Balkongeländern, Brüstungen und Planken befestigt werden. Manchmal sieht man zwölf solcher Kerzen nebeneinander auf einem Balkon oder Mäuerchen bn nen; dahinter sitzt dann gewöhnlich, in einem Gebetbuche lesend, eine alte Frau, die außer ihrer Freude an den Lichtern auch zu sorgen hat, daß durch dieselben kein Schadenfeuer entsteht. Es macht einen eigenen Eindruck, diese kleinen Lichtchen im Kampfe mit der großen, auf die Felsberge des Thales niederstrahlenden Frühlingssonne zu sehen. Lnne Ordcn. Der Herr Regierungsrath M. war ein tüchtiger Beamter, aber schlechter Redner; daß sein Knopfloch ewig zugenäht blieb, glaubte er nur ungünstigen Zufälligkeiten danken zu müssen. Die Nachricht, Seine Hoheit der Prinz Christian von Oldenburg werde anderen Tages in Eutin eintreffen, wo cr selbst gerade dienstlich. anwesend war, versetzte ihn daher in nicht geringeAufregung, denn in diesem Neste war er zweifellos die Spitze der Spitzen, an welcher bei solchen Gelegenheiten herumflatternde Ordensbänder bekanntlich leicht hängen bleiben. Das Festmahl im Gasthof zur Post wurde bestellt, die Platzfrage durch Machtspruch gelöst, wenn auch unter Verstimmung zahlreicher Ortseingesessener. Zum dritten Male schon hatte der Herr Rath im kleinen Gasthofzimmer seine zündcnde Rede heruntergesagt, auch unter Beobachtung des Geschäftskniffes, am Anzuredenden bei der Probe ein eiserner Ofen dicht vorbei zu sehen, um ja nicht das grinsend - lauernde Auge zu erblicken, mit welchem Seine Hoheit die Redner zu beobachten liebt. Ließ er sich aus dem Concept bringen, dann gab es keinen Orden; dieses stand fest. Die große Stunde kam, sie rückte vor, Alles machte sich gut. es nahte der entscheidende Augenblick. Offenbar war die Stimmung sehr animirt. denn verschiedene Herren ver wechselten öfter die Anfangsbuchstaben zweier Wörter. Wollte man ihn etwa gar irre machen? Also Muth! Es ging vortrefflich. Wie ein Wasserfall rauschte der Rede Strom von seinen 'Lippen; am Schlüsse angekommen, war er von den eigenen Worten so hingerissen. daß er nicht umhin konnte. Demjenigen in's Auge zu blicken, den er so begeistert gefeiert hatte. Dieses hätte er unterlassen sollen, denn unter einem dreiviertel zugekniffenen Augenlid hervor schoß ein höhnischer, ein grinsender Blick. Es war zu eigenthümlich; wie gebannt stotterte er weiter: Ja, meine Herren! dieses, meine Herren, ist der Kritz Prinzian, der Pritz, der Prinz der Pritz Krinzian. der Prinz Grinsian " Hurrah! hurrah, hurrah!" donnerte es zwar laut durch den Saal jedoch der Herr Regierungsrath erhielt keinen Orden. Traurig, aber wahr. Bescheidene Abwehr. Die reiche Spende für die Nothleidenden macht Ihrem mitleidigen Herzen alle Ehre, Herr Kommerzienrat." Schon gut schon gut der Kommerzienrath Goldsteinn ist nie unter tausend Mark mitleidig." , Modern. Herr und Frau Müller scheinen in einer ganz glücklichen Ehe zu leben?" Ganz sicher, die haben sich gegenseitig ja noch nie durch Geheimdektives überwachen las-sen."