Indiana Tribüne, Volume 22, Number 228, Indianapolis, Marion County, 7 May 1899 — Page 7
Aie ßngrändcrin. . . Won C. v. Zcdlitz (London). 4 . Auf die Gefahr hin, mir den VorWurf der Unritterlichkeit gegen das schöne Geschlecht meines Heimathslandes und das der Reichshauptstadt im Besonderen zuzuziehen, behaupte ich, daß die moderne feminine Cultur nicht an der Spree, sondern an der Seine und an der Themse ihre vollendtesten Resultate erzZelt. Dort in intellektueller, hier in körperlicher Hinsicht. Im Gegensatz zur Pariserin ist die Britin anstatt eines überwiegend psychologischen ein vornehmlich physiologischanatomisches Problem. Bei jener ist der Geist, bei dieser die Erscheinung die Hauptsache. Darum eignet sich die Tochter Lutetias mehr als Thema für den Schriftsteller, die Albionstochter mehr als Vorwurf für den Maler. Eine häßliche Pariserin kann trotzdem ein bezauberndes Wesen sein. Eine häßliche Engländerin ich danke bestens. Die liomesiiinS9ritm ist unter den vielen nationalen Frauentypen wohl die am wenigsten complexc Natur. Sie ' ist einfach veranlagt, aber gesund. Tcnnyson und seine Geistesverwandten sind ihreLieblingsschriftsteller. Nietzsche würde hier wenig Verehrerinnen finden. Die moderne schmerzliche Sehnsucht nach einem neuen Ideal, nach eincm unbekannten Gotte, die anderswo auch in Frauenseelen schon eingezogen ist, ist der Engländerin fremd. In ihrem Kopfe ist kein Platz für grandiose Träume, in ihrem Busen kein Raum für lodernde Leidenschaft. Gleichgewicht herrscht in ihrer Seele, besser, ein deutliches Uebergewicht hausbackener Verständigkeit; denn auch Sentimentalität ist durchaus nicht ihre Sache. Man lese den Briefwechsel Jane Welsh Carlyles, der Gattin des berühmten Schriftstellers den sie während ihres Brautstandes mit ihm führtt. .Es wäre unklug" ist eine Wendung. die auf jeder Seite wiederkehrt. Praktische Erwägungen in einer Lebensepoche, wo bei unseren jungen Mädchen die Stimme des Herzens allein ausschlaggebend zu sein pflegt. Solcher Gemüthsruhe liegt der TypuZ der prande arnoureuse" ebenso fern wie der der dtraque". Liebesabenteuer alltäglicher Art giebt es auch hier natürlich in Hülle und Fülle; daß auch in England jeder Hans seine Grete findet, versteht sich von selbst, zuweilen sogar mehrere. Aber keine Frauen mit glühenden Seelen und flammenden Herzen Wie ledern und langweilig muthet selbst eine George Eliot, du doch der nationalen Prüderie so muthig zu trotzen wußte, neben einer George Sand an! Die kühle Königin Elisabeth ist, zum Unterschiede etwa von einer Maria Theresia, so recht der Typus der echten Britin. Die Unterhaltung mit einer Engländerin wirkt daher mehr beruhigend als anregend. Die englische Frau ist nüchtern wie die englische Küche, man vermißt bei beiden das Salz. Aber sie ist auch anspruchslos. Sie langweilt unte? Umständen, aber sie langweilt sich auch geduldig. Mit einer jungen Engländerin zu plaudern, ist eine Erholung. Keine g:istige Mensur, wie dasGespräch mit einer Pariserin. Man fühlt sich wohl dabei, ruht sich aus. Die Britin verlangt nicht wie dieFranzösin, ununterbrochen mit pikantem Anekdotenkram, mit Theater- und Gesellschafts klatsch regalirt zu werden. it ist nachsichtig.gutmüthig. Man hat bei ihr weniger das unbestimmte Ge-
fühl, unausgesprochen in Grund und Boden kritisirt, muthwillig mißverstanden, ausgelacht zu werden. Sie ist ebensowenig moquant wie kokett. Auf die äußere Erscheinung, die körperliche Entwicklung sind das Klima und die dadurch bewirkte Lebensweise von entscheidendem Einfluß. Dieses Jnselland mit seiner beklemmenden Nebelatmosphäre, in der das Herz bang und sehnsüchtig der Sonne entgegenschlägt, verlangt kräftige Nahning ohne viel Näschereien von Kindesdeinen an. Diese wieder erfordert viel Aufenthalt im Freien, Sportübungen aller Art, gymnastische Spiele. Alles das zeitigt schlankgewachsene Gestalten mit ebenmäßigen Gliedern, strahlender Haut und blühenden Farben. Es ist zwar eine Uebertreibung, wenn ein großer Franzose, Taine, behauptet, unter zehn jungen Frauen und Mädchen treffe man in England eine bewunderungswürdige und fünf, deren Anblick jedes Malerherz erfreuen müsse. So viel aber ist gewiß, man wird lange suchen können, ehe man zum zweiten Male in einem Kreise so viel herz- und sinnerfreuende körperliche Frische beisammen findet, wie in einem solchen englischer Frauen. Freilich darf dancben nicht verschwiegen werden, daß, was sich ja von selbst versteht, an demselben Stamm derselbe Saft bei Uebernährung auch mißrathene Früchte treibt. 'Ist die Schönheit hier schöner, so ist dafür auch die Häßlichkeit häßlicher als anderswo. Neben anbetungswürdigen Erscheinungen mit Engelsgesichtern sieht man knochige Gestalten, die weiblichen Landsknechten gleich mit ihren Raubthiergebissen und riesigen Füßen auch dem Muthigen mehr Respekt einflößen als Liebe. Dazu kommt noch etwas anderes. Der Leib, besonders das Antlitz, ist nur der Spiegel der Seele. Das wird vielleicht nirgends so deutlich wie hierzulande. In den Augen liegt nicht nur das Herz, auch der Geist, vorausgesetzt, daß solcher vorhanden ist. Der Mangel an Witz und Temperament.von dem ich sprach, prägt sich auch auf den schönsten englischen Gesichtern aus und beeinträchtigt den Eindruck, den sie hervorrufen. Es hat eine Zeit ge geben, wo der englische Hof alles an sich zog, was schön, jung und begeh renwerth in britischen Landen war; fca2 war unter Karl II., als der Rück-
schlag gegen die Weltflucht des Purita. nismus eintrat. Der Chevalier Hamilton hat in einem berühmten Buch mit klassischer Feder viele der Damen jener Hofgesellschaft geschillert, deren Tugend in umgekehrtem Verhältniß zu ihrer Schönheit stand. Mrs. Wetenhall, so schreibt er z. B., war eine echt englische Schönheit. Wie aus Lilien und Rosen geknetet, die Haut von schneeiger Weiße, Arme und Hände von wächserner Durchsichtigkeit. Aber seelenlos, ohne Ausdrück. Ein allerliebstes Gesicht, aber immer dasselbe. Man konnte glauben, sie stecke es Abends in ein Futteral, um es Morgens beim Aufstehen unversehrt wieder herauszuziehen. Von der Richtigkeit dieser Schilderung, die noch heute auf die typische englische Schönheit paßt wie vor zweihundert Jahren, kann sich ein Jeder überzeugen. Er braucht nur in die National Portrait Gallery" am Trafalgar-Square zu gehen. Von der Hand eines großen Malers, Sir Peter Lely. gemalt, hängen dort die Bilder vieler berümter schöner Frauen der damaligen Zeit, der Mary Davis, der Grammont. der Mrs. Jane Middleton und Anderer. Namentlich beim Anblick der zuletzt Genannten wird man, aller Reinheit und alles Ebenmaßes der von dichtem goldblonden Haar umrahmten Züge ungeachtet, den frivolen Gedanken an eine ungefiederte Gans nicht los. Auch die Gesichter der anderen sehen beängstigend phlegmatisch drein. Ein Bildniß macht eine Ausnähme, das der süßen Nelly Gw,nn, die als junge Schauspielerin die Gunst König Karls II. gewonnen und Stammmutter der Herzöge von St. Albans wurde. Man sieht aber auf den ersten Blick, das war keine Vollbutengländerin. Dazu sieht sie viel zu schlagfertig aus, wie denn die Chronisten ready wliit" ganz besonders an ihr zu rühmen wissen. Die gerade Nase der volle Mund, die frischen Farben sind zwar englisch. Aus den braunen Augen aber sprüht Einem derselbe esprit nioqiieur entgegen.der der Pariserin so viel Reiz verleiht. Es ist keine Täuschung: NellysEltcrn stammten aus Wales, waren also keltischen Ursprungs. Britannien gehört das Meer. Bei den bekannten uralten Beziehungen der Göttin der Schönheit zum Meere ist es
kein Wunder, wenn die Töchter des von ihm bevorzugten Landes den Preis der Schönheit davongetragen. Dagegen hat sich das Meer aus elementaren Gründen zumFeuer. aus dem bekanntlich der Geist geschaffen ward, von je feindlich gestellt. Das müssen die schönen Britinnen büßen. Noch mehr freilich ihre Tischnachbarn. Aas neue Fortemonnaic. Humoreske von B. Leiser. Mein Mann verehrte mir zu meinein letzten Geburtstage ein neues Portemonnaie. Sein praktischer Sinn erfreute mich ungemein, zudem mein altes enige Risse, und Beulen aufwies und außer Kurs gesetzt werden mußte. Als er es mir nun am Geburtstagsmorgen überreichte, lächelte er so gewichtig und ausdrucksvoll, als ob dies eine neue Erfindung sei, die sein schöpferischer Geist ersonnen. Es war ein sehr schönes Exemplar, ein gelbrother, weicher Lederbeutel mit glänzendem Metallbügel. Ich fand zwar, daß es als Haushaltungsportemonnaie, zu welchem Zwecke ich es benöthigte, zu elegant und aus diesem Grunde nicht recht geeignet war; doch schwieg ich diese meine Ansicht wohlweislich aus, wie ich das manchmal für gut befinde. Im tiefen Grunde ruhten ein paar Goldfüchse, die mich verführerisch anlächelten. Befriedigt wollte ich nun meine neue Acquisition verschwinden lassen, als mein Mann, wie um mich auf etwas aufmerksam zu machen, meine Hand faßte. Was denn. Mann, hast Du etwas zu sagen?" fragte ich erwartungsvoll mit jenem Lächeln, das reichbeschenkte Geburtstagskinder immer auf Lager haben. Ich wollte eben ausnahmsweise so frei sein, liebes Kind! Sieh dieses Schloß an, es veranlaßte mich, gerade dieses Portemonnaie zu kaufen, es ist ganz neu. patentirt. eine sehr sinnreiehe Construction. Siehst Du, so!" Ja. ich sah; es wollte mir zwar nicht recht einleuchten, noch praktisch erscheinen, daß es nur aufschnappte, wenn man ein Ringelchen drehte und zugleich den Bügel von beiden Seiten liebreich drückte, aber ich staunte trotzdem diese neue Errungenschaft gebührender Maßen an. wie man es so für seinePflicht hält und die Herren der Schöpfung" es lieben, wenn sie uns überraschen", sei es auch mit dem nutzlosesten Gegenstand. Ich bin doch sonst nicht gerade, was man dumm nennt, aber mit diesem neuen, patentirten Artikel wußte ich nichts anzufangen. Wenn ich zahlen wollte, klappte die Geschichte, wollte sagen, das Ding, nicht auf, trotz verzweifelter Anstrengung, und in meiner Tasche funktionirte es ohne jede Hülfe, so daß meine in ihm aufbewahrten Schätze einen klingenden Reigen in derselben aufführten. Abends bei der Geburtstagsbowle wurden wie jiblich meine Präsente bewundert, auch das neue Portemonnaie mußte ein vorwitziges Cousinchen sehen, und ich erklärte auch bereitwilligst den Musterschutz" des Schlosses und noch so Verschiedenes an diesem Wunderwerke. Da. ich wollte es eben wieder in die Tasche stecken, schnappt das Ungeheuer natürlich von seKst wieder auf und kling, kling" liegt mein ganzer Reichthum im Zimmer umher. Nun ging's an's Suchen. Pfennige und Silberlinge brachte man mir in Menge. Aber das Zwanzigmarkstlick," rief iö ungeduldig, .findet es Niemand?-
Kleinen, die noch kein Tagewerk irgend welcherArt zu verrichten haben, bei solchem Warten die Zeit, welche uns älteren Leuten, deren Gedanken von Arbeit, Sorge und tausenderlei Dingen erfüllt sind, oftmals Flügel zu haben scheint! Jenen aber erscheint eine Woche oder gar ein Monat wie ein halbes Menschenalter, und ein Jahr dünkt sie eine Ewigkeit. Hüten wir uns daher, unseren kleinen Lieblinge etwas zu. versprechen. ' ...
Zwanzig Mark sind , kein Vermogen, aber für eine pro' tsche Hausfrau immer schon etwas. j Wie kann man ruf so dumm sein," rief m:in Mann, wie kann einem so etwas nur Passiren!" Wie kann man nur so dumm sein und ein so lächerlich schlechtes Portemonnaie sich aufschwatzen lassen, das immer von selbst aufgeht!" Ein Blick voll strafender Verachtung: Davon hast Du ja bis jetzt nichts gesagt!" Ich schwieg aus Anstand, umDein Geschenk nicht zu bemäkeln!" So? Wenn Du mich nur mal lehren wolltest, wie Du es fertig gebracht, die Mechanik entzwei zu schlagen," klang es nun ironisch, denn es gehört meiner Ansicht nach ein Studium dazu, um dieses Kunststück fertig zu bringen." Gesehen hab' ich's auch nicht, wie es passirt ist." rief ich nun auch fuchswild, denn meine Tasche sitzt im Rücken, weißt Du!" Nachdem derartige und ähnlicheLiebenswürdigkeiten zum sichtbaren Erstaunen unserer Gäste noch eine Weile zwischen uns ausgetauscht worden, wobei der Ton immer heftiger wurde, ging es an ein allgemeines Suchen. Bald sah unsere gemüthliche Wohnung wie ein Möbelladen aus, kein Stück stand mehr an seinem Platze. Sofas, Stühle, Tische, ja Schränke wurden gerückt, wanderten umher, alles verlorene Liebesmüh'. Eine unsichtbareZauberhand mußte meinen blitzenden Goldfuchs in irgend einer Versenkung haben verschwinden lassen. Guste, Guste!" rief ich plötzlich und ließ mich lachend in einen Sessel fallen. Ja, icb mußte lachen, hellauf lachen, trotz des fürchterlichen Aergers, der äußerlich zwar nicht sichtbar, von innen" desto heftiger wühlte und bohrte und in der Hauptsache hervorgerufen worden war durch die aufreizenden, unpassenden Reden meines Mannes. Daß die Männer nun einmal so wenig Sinn für Takt und den guten ' Ton haben, daß sie nicht wenigstens warten können, bis man allein ist, um sich zu blamiren! Guste. Guste!" Nun sahen und lachten Alle, selbst mein Mann. Da stand unsere Guste, wie sie aus der Küche in Eile herbeigelaufen, und stemmte sich mit ihrer Herkulesgestalt gegen unseren Feuerfesten", der gut und gern seine 9 Centner wiegt, um ihn hinwcgzuschieben. Aber, Guste. das geht ja nicht, hören Sie doch auf!" Na, das wäre aber, wenn der nicht wollte!" Und Guste stemmte und drückte. Zwei Stunden lang suchten wir Salon und Wohnzimmer ab ohne Erfolg. Den neuen Patentartikel" warf ich noch selbigen Abends in die untersten Tiefen meiner Commode mein schönes Zwanzigmarkstück" aber sah ich niemals wieder. Leere Versprechen. - Versprecht Kindern nicht zuviel! Kindern gegenüber pflegen wir es mit einem Versprechen mitunter nicht sehr genau zu nehmen. Ach," denken wir leichthin, sie sind ja noch so klein, sie werden gar nicht mehr daran denken," oder sie werden sich nichts daraus machen" und es kann ja auch ein anderes Mal sein". Damit begehen wir jedoch ein schweres Unrecht an der vertrauenden Kinderseele, die in uns Erwachsenen zumeist die personifizirte Unfehlbarkeit sieht und an unser Wort wie an ein Evangelium glaubt. Wie weh thut jedem wahrhaften Kinderfreunde der enttäuschte Blick, der die erwartungsvollen Kinderaugen trübt, wenn die Kleinen zu der Erkenntniß kommen. daß jemand ihnen nicht Wort hält, mag es sich nun um ein langersehntes Spielzeug, einen längst -ver-sprochenen Besuch oder sonst ein in Aussicht gestelltes Vergnügen handeln, das nun wieder auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wird. Ihr könnt ein anderes Mal gehen" oder das hatte ich ganz vergessen, nun nächstens einmal!" Wie oft hört man das in der Kinderstube, und gewöhnlich setzen wir uns ohne besondere Skrupel über ein vergessenes oder unbedacht gegebenes Versprechen hinweg. Von so geringem Belang es uns aber auch erscheinen mag, was es den wartenden Kleinen bedeutet, das wissen und verstehen nur diejenigen, die beständig mit ihnen und um sie sind und ein allezeit offenes Auge und Ohr für die Freuden und Leiden der Kinderseele haben. Wieviel Mal im Lauf des Tages, ja selbst in einer Stunde, spricht das Kind von dem Spielzeug, dem Besuch, oder was man ihm sonst versprochen, und so lebhaft die Freude der ErWartung, so bitter ist hinterher das Leid der Enttäuschung. Das schreckliche ein ander Mal." oder bald einmal," womit wir die Kleinen so gern und freigiebig vertrösten, es ist ein Wort, das mir in meiner Kindheit geradezu verhaßt war, von dem ich tausendmal gewünscht habe, es wäre nie und nimmer erdacht worden. ' Einen wie großen Theil ihres Daseins verbringen die jungen Menschenknospen hoffend und harrend, harrend auf dieses verheißene, doch so trügerische bald einmal," das niemals kommen will. Und wie lang wird den armen
Zn Stcssvcrtrctttng. Humoreske von A. Hatsek. Die Opereltensängerin, Fräulein Melanie, war heute etwas früher als sonst erwacht und kaum aus den Federn, schlüpfte sie in ihren Schlafrock und klingelte dem Stubenmädchen. Nun, wie war's auf dem gestrigen Maskenball, Betti?" war die , erste
vrage. Das offenbar sehr schläfrige Stubenmädchen erröthete ein wenig und wollte mcht recht mit der Sprache her aus. Nach einer Weile stieß sie endlich hervor: Sehr hüosch war's, verlobt haben wir uns! Was?" schrie Fräulein Melanie. indem sie an Händen und Füßen zitterte. Ja, wir hatten uns ganz vortreff lich unterhalten, nachher gingen wir an's Büffet, tranken Sekt, aßen Torte und Naschwerk, dann frug er mich, ob ich seine Gattin werden wolle." Du bist wohl nicht bei Trost." sagte das Fräulein. Wer ist Dein Verlobter, von wem sprichst Du?" Nun, von dem H:rrn in der Maske eines Jagerburschen, den mir das gna dige Fräulein bezeichnet haben." Betti, Du bist nicht klug, das muß aus einem Irrthum beruhen, der Graf wird doch nicht !" Sie holte schwer Athem und die auffallende Blässe ihres Gesichtchen verrieth den inneren Sturm, der im Anzüge war. Erzähle mir den Hergang der Sache, befahl die Herrin. . Nun, das gnädige Fräulein hab:n mir die Karte geschenkt, welche zum Eintritt in den Saal berechtigt und mir aufgetragen, ich solle ein wachsames Auge haben auf eine, als Jagerbursche dort erscheinende Maske. Als ich in den Saal trat, erblickte ich diesen Jägerburschen sofort und ließ kein Auge von ihm. Dieser schien bemerkt zu haben, daß ich mich für ihn inter essire und nach wenigen Minuten war er auch schon an meiner Seite und bot mir den Arm. Das war mir natürlich sehr willkommen, zumindest brauchte ich ihn Nicht immer mit meinen Blicken zu verfolgen. Nun das andere wissen gnädiges Fräulein bereits. Heute erwarte ich seinen Besuch." Sonderbar und Du hast sein Gesicht garnicht gesehen!" Q ja. sehr hübsch ist er. Blonden Schnurrbart, blaue Augen Blaue Augen seufzte Melanie und nickte betrübt und scheinbar sich ganz vergessend mit dem Kopfe. Als Betti sich entfernt hatte, da wurde ihr erst die wahre Situation klar. Was war das aber auch für 'ne Dummheit, das Stubenmädchen auf den Maskenball zu schicken und diesem die Maske zu bezeichnen, welche ihr selbst ein Rendezvous für dort gegeben hatte. Betti war erst seit drei Tagen hier, demnach kannte sie den Grafen nicht und die Möglichkeit, daß dieser sich in das bildhübsche Mädchen sterblich verliebt hatte, war auch nicht ausgeschlossen. Im Uebrigen war der Graf excentrischen Charakters und es war ihm zuzutrauen, daß er pikirt darüber, weil sie ihr Stubenmädchen den Elite - Ball besuchen ließ, in einer Anwandlung boshafter Laune dem Mädchen einen Heirathsantrag machte. Melanie's Grübeleien über die Folgen ihrcrUnvorsichtigkeit wurden durch Betti's Eintreten unterbrochen, die eine Visitenkarte überreichte. Graf Eulenhorst ab Dein Verlobter;" stieß Melanie ünvorsichtigerweise hervor. Nein, ein anderer Herr," erwiderte Betti treuherzig, welche Antwort dem Fräulein eine Centnerlast vom Herzen nahm. Melanie wäre nicht die treffliche Schauspielerin gewesen, die sie war, wenn sie nicht im Augenblick ihrem Benehmen und ihrem ganzen Auftreten jene Aenderung verliehen hätte, welche die geänderte Situation bedürfte. Mit dem unschuldigsten, liebenswürdigsten Lächeln trat sie dem Grafen entgegen: Wahrscheinlich hatten Herr Graf keine Ahnung davon, daß ich durch Unwohlsein verhindert. denMaskenball nicht besucht," sagte sie. O, das bedauere ich wahrlich lebhaft; aber auch ich konnte den Ball nicht besuchen und schickte meine Karte meinem Förster. Der junge Mensch, hier noch fremd, war ganz glücklich darüber." Mir hatten gleiche Ideen, Herr Graf," warf Fräulein Melanie ein. um die Gelegenheit zu benutzen, ihr Vorgehen gerechtfertigt zu haben, nachdem der Graf früher oder später von der Verlobung ihres Stubenmädchens mit dem jungen Förster Kenntniß erlangen mußte. Und denken Sie mein Freund, welch' sonderbarer, glücklicher Zufall dabei im Spiele war, indem Ihr Förster um die Hand meines Stubenmädchens an Ort und Stelle dort anhielt." Ja, davon habe ich bereits gehört, nun. nachdem wir solch' glückliche Ehestifter sind, wird es wohl nicht schwer fallen, auch über unser eigenes, zukünftiges Glück schlüssig zu werden." Sie lächelte verschämt und ließ es geschehen, daß er ihr den Verlobungs kuß auf die Lippen drückte. D e r P a n t o f f e l h e l d. Patient: Von dem lästigen Husten mllssen .Sie mich aber befreien, Stix Doctor. ..." Arzt: Quält er'Sie denn so sehr?" Patient: Das weniger, aber ich huste meine Frau jeden Abend wach, wenn ich nach Hause komme." Große Auswahl. Heirathscandidat: Die Dame gefällt mir aber nicht, mit der Sie mich bekannt gemacht haben. Die schielt ja auf dem rechten Auge." Vermittler:, Wollen Sie eine haben, die auf dem linken Auge schielt?"
Die Entfuhrung.
Von Tom Kanter. Durch das Gewühl der Bowery in Nr. Jork gingen zwei Männer, deren Aeußeres hinsichtlich ihres Alters und ihre? Kleidung eine nicht unbeträchtliche Verschiedenheit aufwies. Der Jüngere hatte, zerlumpt an einem Stocke dahinschleichend. entschieden das Aussehen eines Tramp, während dem Aclteren. der in Lackschuhen, den spie.elblanken Cylinder auf dem tadellos frisirten Graukopf und in durchaus faftionablem Straßenanzug flott dahinschritt, zum Gentleman eigentlich nur die entsprechende Gesichtsbildung mangelte. Aber wahrhaftig! Dies Gesicht mit den kleinen, rothdurchäderten Augen unter den buschigen Brauen und dem fatalen, beutegierigen Zug um die schmalen Lippen, bartlos und von einer suhlen, blaugrauen Farbe diese mehr als verdächtige Visage hätte man eher in Sing-Sing, als in einem der aristokratischen Salons des Westcnds gesucht. Die Beiden mußten einander ubrigens erst vor Kurzem wiederbegegnet sein, denn der Aeltere erkundigte sich eben, allerdings mit ziemlichem Gleichmuth. nach den Schicksalen seines Gefährten. Die Luft ist nicht gut in Alabama, nicht wahr, mein Junge? Du siehst lin wenig blaß aus, he? Wie lange hast Du Dich denn in diesem gesegneten Landstrich aufgehalten?" Der Andere stieß einen Fluch hervor. Laßt die Witze, Bill," sagte er dann, wenn's nach denen gegangen wär', so wär' ich heute noch drüben. Aber, zum Teufel, die Geschichte wurde mir langweilig, und ich quittirte ihre Verpflegung, die ich, nebenbei bemerkt, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ein paar Monate lang wünschte, dann würde er vielleicht nicht so ekelhafte Gesetze machen, die einen ruhigen, unschuldigen Menschen zum Erdekarren zwingen." Der Aeltere lachte; ein unheimliches, wie aus der Tiefe kommendes Gelächter. Dann meinte er spöttisch: Ruhig und unschuldig?! Hör mal, Dick Flower, da mußt Du Dich aber seither merkwürdig verändert haben. Erinnerst Du Dich zufällig noch an den Eilzug, Lieber, der vor vier Jahren an einem Winterabend nicht eintraf in Boston, wohin er doch schon signalisirt war? Soviel ich weiß, begegnete er auf seinem Wege einem Hinderniß ich glaube, ein Lastwagen voll Eisenbahnschienen war's-über das er nicht fortkam ..." Der Jüngere schüttelte widerwillig mit den Schultern, aber sein Kamerad ließ sich nicht stören, er that, als überlegte er, und fuhr dann fort: Laß mich mal nachdenken. Dick, wie war das doch? Ja so, es kamen über hundert Menschen dabei ums Leben, und den Führer des Lastwagens Martin Lennox hieß er, wenn ich nicht irre ja, also den Führer fand man später, mit einer Kugel in der Brust dicht neben demPostschaffner, der ebenfalls todt war, und dem man eine beträchtliche Summe in Papierdollars geraubt hatte . . . ." Dick Flower hatte den Kopf gesenkt und blickte den Sprecher scheu und heimtückisch von der Seite an. Wozu erzählst Du mir das alles?" fragte er dann leise und unsicher. Bill Dudley. der Aeltere. lachte wieder, daß es klang wie ein heiseres Schluchzen. Ich wollt Dich nur erinnern, mein Junge, daß es gut ist. sich mit Leuten zu verhalten, die den Strick in'Händen haben, den man sich doch möglichst nicht als Halsbinde wünscht. Aber nichts für ungut, ich hab' ein Geschäft für uns Beide." Jnteressirt blickte der Jüngere auf. Na, also raus damit! Ich bin dabei, Bill! Auf mich kannst Du zählen." Allright, das ist vernünftig von Dir. Komm' mit, ich will's Dir auseinandersetzen. Aber da drüben ist ein Saloon. Kalkulire, daß Du Dich nicht übermäßig gepflegt hast, seit Du wieder in New Jork bist, he?" Dick Flower schnitt eine ärgerliche Grimasse, dann brummte er: Verdämmt, ja, mich hungert, und andere Kleider könnt' ich auch brauchen." Well, die sollst Du auch haben. Aber erst wollen wir da drüben auf unser Wiedersehen Eins trinken." Und die beiden Biedermänner strebten gemeinschaftlich der Kneipe zu. Das Marlowe Squaretheater war bis auf den letzten Platz ausverkauft. In den mit Gold und Purpursammt verschwenderisch dekorirten Logen traf sich seit einiger Zeit ganz New gork. Und nicht nur die Vertreter der LebeWelt waren es, die sich hier ein Stelldichein gaben, nein, sogar d!s elegante und vornehme Damenwelt beehrte daZ an sich nicht im besten Rufe stehende Spezialitätentheater jetzt vielfach mit ihrem Besuch. Aber es war auch ein Star" allerersten Ranges, den der Besitzer des Etablissements mit, wie er sagte, ganz horrenden Opfern an seine Bühne gefesselt hatte. Eine Sängerin. Eine junge Frau von einiaen zwanzia 5abren. blond und von entzückender Lieblichkeit. The I German Nightingale" nannte man sie, I und ihre wundersame Stimme, die, rerne, herrliche onsluly, die gleich n nem Goldquell aus der edelgeformten Brust emporstieg, batte ihr wie im Fluge die Herzen dieser nervösen und in ihrer Sensationslust unglaublich enthusiastischen Gentlemen und Ladies gewonnen. Soeben hatte sie einZ ihrer heimathlichen Lieder beendet. Nun trat sie, in ihrem weißen, nur mit ein paar La frace - Rosen geschmückten Kleide lachelnd und sich verneigend zurück. Als
der. Jubel und die Cheer - Rufe kein Ende nahmen, sang sie daS letzte Lied
noch einmal: Wär' ich geblieben doch auf meiner Heiden, Da hätt ich nichts verspürt von all dem Leiden. Auf meiner Heiden wär' ich doch geblieben, Da hätt' ich nichts gewußt von all' dem Lieben. Bleiben, ach, darf ich nicht und kann nicht scheiden, -Wär' ich geblieben doch " Mitten im Satz brach die Sängerin ab. Ihre Gestalt durchlief ein Beben, und ihre großen, tiefdunkelblauen Augen richteten sich starr und ungläubig auf einen Punkt im Parkett. Das Publikum ermunterte seinen Liebling durch Bravos und freundliche Worte, aber die schöne Margarethe trat noch einen Schritt weiter vor, und mit cinerBewegung, als wollte sie die Arme ausbreiten, sank sie bewußtlos zusammen. In dem Tumult, der beim Niedersinken der Sängerin entstanden war, hatten zwei Männer, die im Parket gesessen. unauffällig ihren Platz verlassen. Mir schien, das blonde Frauenzimmer meinte Dich, als sie ihre übrigens verdammt hübschen Arme ausstreckte," meinte Bill Dudley draußens zu seinem Begleiter. Der erwiderte erst nichts. Dann sagte er, scheinbar nachlässig: Nonsens! Aber ich glaube, es ist Zeit, auf unsere Posten zu gehen. Also, sobald sie erscheint, nimmst Du sie, hüllst sie in den Mantel und gibst sie mir in den Wagen. Nimmst dann selber eine Droschke und fährst hinterher war's nicht so?" Der Andere nickte zustimmend. Sei aber recht vorsichtig mit ihr. Bill! Die Belohnung könnte uns leicht entgehen!' Keine Sorge, mein Junge! Was sie für Augen machen wird, die kleine blonde Kröte." Und er krächzte wieder wie ein heiserer Rabe. Hätte er jetzt Dick Flowers Gesicht sehen können, so würde er vielleicht nicht so seelenruhig gewesen sein, aber Dick hielt, wie das seine Gewohnheit war. den Kopf gesenkt. Sie bogen nun in eine Seitengasse. Dort hielt der Wagen. Dick stieg ein und lehnte hinter sich den Schlag nur an. Bill Dudley ging bis zu? nächsten Ecke. Und keine zwei Minuten, da kam auch schon die Erwartete. Margarethe hatte, um allen Begegnungen auszuweichen, das Theater durch eine Hinterpforte verlassen und ging schnell, tief in ihren Mantel gehüllt, dahin. Ihre Tante, die sie sonst gewöhnlich begleitete, war heute Abend nicht recht wohl gewesen. Plötzlich fühlte sich die junge Frau umschlungen, es wurde dunkel um sie her, man hob sie auf und trug sie schnell fort, ohne daß ihre durch das dicke. Tuch erstickten Hilferufe gehört worden wären. Ja, der Ueberfall geschah so schnell und wurde mit solcher Geschicklichkeit ausgeführt, daß ein nicht allzuweit stationirter Polizist nichts davon bemerkte. In der Dunkelheit des Wagens aber spielte sich nun eine erschütterndeScene ab. Dick Flower, der Verbrecher und Raubmörder, Hatte das Tuch von der Gestalt der jungen Frau gerissen und hatte mit dem Ruf Mein Weib! Meine Grethe!" ihre Hände ergriffen und inbrünstig geküßt. Die junge Frau war halb betäubt und erholte sich nur langsam. Sie schauderte, als er ihr erklärte, daß man sie überfallen habe, um sie einem reichen Schurken auszuliefern. Aber, wie kommst Du dazu, mich zu retten, Ferdinand?" Er schwieg. Da erfaßte ihr klare: Geist die ganze Situation. Ferdinand." schrie sie auf, Du warst mit diesem Menschen im Bunde, und erst, als Du vorhin im Theater Dein Weib erkanntest, hast Du den schändlichen Plan aufgegeben! - Sage, ist es nicht so?" Er nickte nur leise. Endlich sagte er mit müder Stimme: Als ich damals vor sechs Jahren Dich und die Heimath verließ, da hoffte ich, hier in Amerika emporzukommen durch meiner .Hände Arbeit. Es gelang mir nicht und kurz und gut, ich will Dein armes Herz nicht mit all den schrecklichen Einzelheiten quälen, ich bin geworden, was ich jetzt bin ein Verbrecher." Ferdinand," schrie sie. Still!" raunte er ihr zu, sei still! Ich rette Dich, und sobald Du in Sicherheit bist, tauche ich wieder hinab in die Dunkelheit, in das Vergessen. Ich werde Deinen Weg nie wieder kreuzen, aber ich verspreche Dir, daß ich von heute an eher sterben würde, als daß ich etwas -Unrechtes thue." Da umfaßte sie. ihn und küßte ihn lange, lange. Kannst Du l,enn nicht mehr zurück. Ferdinand? Irgend ein Ort der Erde, wo Dich Niemand kennt, da wollen wir binaeben und still , und alücklich leben. Ich bin ja reich! Seit man meine Stimme entdeckte, ist das Goldiur so auf mich herabgeströmt. Ferdinand, komm' mit mir, wir können, wir wollen noch glücklich sein!" Und wieder küßten sie sich sekundenlang. Dann machte er sich los und stieß den Schlag auf. Ein Pfiff, der Wagen stand. Was gibt'S?" rief Jemand vom Bock herab. Verdammt, das ist Vill Dudley Stimme," murmelte der Mann drinnen. aber rubia und mit aedäinviter Stimme sagte er. aus dem Wagen stei-! gend: Die Frau ist bewußtlos, sie ' kann uns nicht schaden. .Dich . ab, 1
Bill Dudley. Dich möcht' ich. ehe wr sie abliefern, fragen, wie Du es mit dem Gelde halten willst? Ich bin nicht, sicher, daß Du schlauer Fuchs uns nicht, über's Ohr haust, mich und den ande--ren da er zeigte nach dem Kutscher hinauf, der neben Bill Dudley saß. Vill Dudley grinste höhnisch, und lakonisch sagte er: Steig ein, oder wir fahren ohne Dich." Aber schon stand Dick Flower vorn bei den Pferden. Du kommst nicht von der Stelle bis wir im Reinen sind." Ja. ja," mischte sich nun auch der Kutscher hinein. Dick hat recht, besser vor- als nachher! Du hast wohl daS Geld schon, alter Fuchs?! Dann im mer 'raus damit." Indem kam eine starke Polizeiüa trouille die Avenue herab, in der der Wagen hielt. Ja, erst theilen!" schrie Dick Flower absichtlich nochmals recht laut. Die Patrouille 603 ab und der Ser geant trat an den Wagen. Was gibt's hier?" Die beiden Kerle wollen eine Dame, die drin im Wagen liegt, entführen, entgegnete Dick Flower furchtlos. Was, Ihr Schufte! Runter mit Euch vom Bock!" Im Nu standen ein paar Polizisten vor den Pferden, während zwei andere die Wagenthür aufrissen. Da knallte ein Schuß, und Bill Dudley und der Kutscher sprangen fast gleichzertig vom Bock herab. Sie wurden jedoch von den Polizisten gefaßt und überwältigt. Dick Flower aber, der eigentlich Fer--dinand Blum hieß, lag sterbend, von der Kugel Bill Dudley's Revolver getroffen, am Bilden. Und ...r blondes schönes Weib, sein Weib, kniete neben ihm und küßte seine erkaltenden Lippen. Zur Kinderpflege. Das gründliche Waschen unserer Kinder ist zu ihrem Wohlsein unbedingt nöthig, leider wird es oft nur nach Kämpfen mit dem sich heftig sträubenden Menschlein möglich, die sich alltäglich wiederholen, für Mutter und Kind eine Pein sind und für die Hausgenossen nicht minder, welche das. ohrenzerreißende Geschrei mit anhöreru müssen. Oft ist es die Kühle desWassers, die die Kleinen abschreckt, noch; öfter die Ungeschicktheit Derer, die siezu Bett bringen. Man weiß ja, daßviele Kinder sich Abends in einem gereizten Zustande befinden, der einfach, der Müdigkeit entspringt, und soll da--her die Zeit des Schlafengehens nicht, zu weit hinausschieben, wenn auch dieKinder noch so darum bitten. Wer; klug ist, braucht keine Gewalt, sondern weiß den Kleinen das Unangenehmereizvoll zu gestalten. Es kommt ja in den meisten Dingen darauf an, mit.' welchen Augen man sich gewöhnt, sie zu. betrachten. Man muß die Kleinen, überzeugen, daß das Zubettgehen und' Gewaschenwerden eine Annehmlichkeit, ist, auf die sie sich zu freuen haben, daS ihnen kleine Ueberraschungen bringt und wird dann mit ihnen eine frohe.Stunde verleben, statt einer unangenehmen. Kinder sollen, wenn irgend möglich, nichts genießen, ohne sich vor--her die Hände zu waschen; das ist mcht nur vom ästhetischen Standpunkte Gebot, sondern auch von dem viel wichtig geren sanitären. Die Sitte, sich zum. Essen sorgfältig anzuziehen, hat volle: Berechtigung. Bekanntlich fassen ftinder alles an und am liebsten das, wassie nicht anfassen sollen, daher dieHändchen säubern, bevor sie dieselben. zumMunde führen, es wird ihnen alleäbesser bekommen, was sie genießen, undunwillkürlich essen sie auch reinlicher, wenn sie eben frisch gewaschen wurden.. Ganz besondere Sorgfalt muß mam den Zähnen der Kleinen angedeihen. lassen. Sie thun weh, wenn sie körnmen, sie thun oftmals weh. so lange: wir sie haben; dies schmerzhafte Lied--chen können leider immer mehr Menschen singen. Zur Erhaltung der: Zähne ist wieder Reinlichkeit erste Bedingung; wer sich nicht nach jeder Mahlzeit die Zähne bürsten kann, der trachte wenigstens, den Mund danach zu spülen und entferne mit einem Zahnstocher die Speisereste, die sich zwischen den Zähnen festsetzen. Auf jeden Fall müssen wir die Zähne Abends vor dem Schlafengehen bittsten, da ist es noch wichtiger als Morgens. Der Mund soll während der längsten Ruhezeit, die wir haben, möglichst frei sein von Stoffen, die sich zersetzen, in Fäulniß übergehen, da?. Zahnbein angreifen und es nach und nach zerstören. Es ist nicht zu versau--men, jeden noch so kleinen Schaden an. den Zähnen gleich ausbessern zu lassen hier wird sehr viel durch Rachlässigkeir gesündigt. Sehr oft geht man erst zum Zahnarzt, wenn der Zahn nicht rnibe deutend schmerzt, und dann ist es meist
zu spät, dann liegt entweder schon der Nerv bloß oder er ist gar in Entzün--dung übergegangen. Man leidet große Schmerzen beim Todten oder Herausziehen des Nervs, und der Zahn ift. schwer geschädigt. Wie aber finden: wir die kleinen Schäden bei unsere Kindern? Zunächst dadurch, daß wir uns einen kleinen Spiegel kaufen, wie ihn die Zahnärzte benutzen, die Mutter erhält mit dessen Hilfe ein genaues Bild von der Mundhöhle der Kleinen. Findet, sie irgend etwas Verdächtiges, so geht sie gleich zum Arzt und wird ihre Kinder dadurch oft vor unerträglichen Schmerzen bewahren und ihnen dcn schönsten Schmuck, weiße, gesunde Zähne erhalten. Fein gegeben. Richter: . . . . und drei Vierteljahre haben Sie dort im Zuchthaus gesessen?" Angeklagter: Ja!" Richter: Warunr denn?" Angeklagter: Hatte in ei---ner Sache andere Ansicht wie's Straf aesetzbuch!" ...... ' , ' -
