Indiana Tribüne, Volume 22, Number 228, Indianapolis, Marion County, 7 May 1899 — Page 3

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Kriminal-Roman von M. E.Braddon. (4. Fortsetzung.) Der Kirchendiener war entzückt von dein eben erst aus Indien heimgekehr ren vornehmen Herrn, der so bereit war. Alles großartig und schön zu sinden, was er in seinem Geburtslande .erblickte. Dem alten Mann gefiel der Bankier -noch besser, als er ihm für seine Bemü hungen mehrere Schillinge in die Hand drückte. Ich danke Ihnen sehr, gnädiger Herr rief der Alte. Sie sind seh? gütig. Es kommt äußerst selten vor, 'daß ich so freigebig belohnt werde. Ich habe diese Kathedrale schon einem Herzog gezeigt, aber er schenkte mir nicht so viel wie Sie." Ter Bankier lächelte. Trotz seines HerzogthumZ mag er nicht so reich gewesen sein wie ich." erwiderte er, sich auf eine Bank neben der niedrigen Eingangsthür setzend und auf seine Uhr sehend. Auch der Küster warf einen Blick auf den prachtvollen Chronometer, auf dem das Monogramm Dawsons sichtbar war. An der schweren goldenen Kette war ein Medaillon befestigt, das Medaillon mit dem Bilde Laura Dalvsons. Sieben Uhr!" rief der Bankier. .MeinSekretär müßte jetzt schon längst zurück sein." Ja. wenn er nur bis Farren gegangen ist, könnte er schon recht gut hier sein." Ich werde eine Cigarre rauchen, während ich hier auf ihn warte," be merkte der Bankier, denn an dieser Stelle, die ich ihm besonders bezeichnete, wird er mich aufsuchen." Alfred Tawson rauchte schon die 'dritte Cigarre, und die Thurmuhr hatte schon dreiviertel auf acht geschlagen. aber Josef Wilmot war immer noch nicht aus Farren zurück. Es ist wirklich unverantwortlich," ief der Bankier. Wilmot weiß, daß ich um acht Uhr zu speisen wünsche und mit dem Abendessen auf ihn warit. Ich werde jetzt nach dem Goldenen 'Adler" zurückkehren. Vielleicht haben Sie die Güte, ihm, wenn er kommt, zu sagen, er solle mir folgen." Der Bankier entfernte sich und der Küster wartete gehorsam vor der Kaihedrale, um den Auftrag des freigedigen Fremden auszuführen, aber er wartete vergebens. Josef Wilmot kehrte nicht zurück. Im Goldenen Adler" war bereits "der Tisch für den Bankier gedeckt. Bitte bestellen Sie das Essen einst' weilen ab." sagte Alfred Dawson offenbar sehr verdrießlich zu einem der Kellner. Ich werde nicht eher zu Tisch gehen, als bis Wilmot, mein Sekretär, zurück ist." Ist er weit fortgegangen?" Nach dem Gute Farren bei St. Croß. Ich werde unter allen Umstän den mit dem Essen auf ihn warten. Bitte setzen Sie mir eine Lampe auf den Schreibtisch und stellen Sie mir meine Briefschatulle zure'cht, ich werde inzwischen arbeiten." Ter Kellner gehorchte. Die Scha--tulle, die er auf den Schreibtisch stellte, war von ungewöhnlichem Umfang und das Kostbarste in ihrer Art, und wie Alles, was der Bankier hatte, trug sie den Stempel großen Reichthums. Alfred Tawson zog einen Schlüsselbund aus der Tasche, es dauerte aber ine Weile, ehe er den rechten Schlüssel finden konnte. Er nahm eines der zahlreichen Packete von allerlei Schriftstücken, die methodisch geordnet, sorgfältig zusammengebunden, und mit zierlich geschriebener Inhaltsangabe versehen waren, aus der Schatulle. Wollen Sie mit dem Essen noch immer warten, mein Herr?" fragte der Kellner noch einmal. Gewiß, ich will nicht eher speisen, ls bis mein Freund zurück ist. Sollte Ich mich eines Anderen besinnen, so werde ich klingeln." Ter Kellner zog sich zurück und der Bankier blieb allein. Beinahe eine Stunde prüfte er jedes -einzelne der vor ihm aufgestapelten Papiere, um sie dann wieder wohlgeordnet zusammenzubinden. Brief um Arief lesend' machte er mit Beistifi Anmerkungen in seinem Notizbuch. Er verrieth nichts von der Ungeduld ines Mannes, der gezwungen ist, auf einen Anderen zu warten. In seine Beschäftigung vertieft, hatte er des Verschwundenen vielleicht vergessen. Um 9 Uhr schloß er dke Schatulle, erHob sich und klingelte. Das Ausbleiben meines Freundes fängt an, mich zu beunrubigen," sagte r. Bitten Sie den Wirth, sich zu mir zu bemühen." Dawson ging zum Fenster und blickit auf die Straße, während der Kellner sich entfernte, um seinen Herrn von dem Wunsch des Gastes zu benachrichtigen.' Auf der Straße war es sehr ruhig, hier und da schimmerte das Licht einer Laterne und das Pflaster, vomMondschein überstrahlt, sah silberweiß aus. Ter Schritt eines Vorübergehenden klang beinahe so feierlich, wie die Schritte eines Andächtigen in der Kathedrale. Der Wirth kam und stellte sich seinein Gast zur Verfügung. Womit kann ich Ihnen dienen?" fragte er ehrerbietig. Sie würden mich zu großem Dank verpflichten, wenn Sie meinen Freund auffinden könnten. Ich fange wirtlich an, mich um ihn zu ängstigen." Alfred Tawson erzählte nun, wie er s?ch auf dem Wege nach St. Crcß im Wäldchen mit der Verabredung von Wilmot getrennt habe, daß sein ehemaliger Privatsekretär nach Farren weiter

wandern, und ihn in der Kathedrale abholen sollte. Ich glaube nicht, daß ein ernster Grund zu Besorgnissen vorhanden ist schloß der Bankier, aber Wilmot ha! mir gestanden, daß er in den letzte Jahren die Gewohnheit angenommen hat, mehr zu trinken, als ihm gut ist. Er sitzt jetzt vielleicht in irgend einer Schänke, um zu kneipen. Es ist zu rüsichtslos von ihm, mich so zu vernachlässigen." Ja. das ist es." stimmte der SÖitifc zu. doch ich hoffe, Sie werden mit dem Essen nicht länger warten." Nein, nein, schicken Sie es nur herauf, obgleich mir der Appetit beinahe durch den Aerger vergangen ist." Ter Wirth brachte mit eigenen Händen die silberne Suppenterrine und entkorkte selbst die Flasche Hochheime?, die Dawson auf der Weinliste ausgesucht hatte. Etwas in dem Wesen des Bankiers verrieth ihn als eine Persönlichkeit von nicht geringer Bedeutung und der Besitzer desGasthofes wünschte den vornehmen Fremden in jeder Weise zufrieden zu stellen. Dawson hatte von seinem Appetit die Wahrheit gesagt. Er nahm einige Löffel Suppe, aß einige Bissen Lachs und schob dann seinen Teller bei Seite. Es hilft nichts." rief er, sich plötz. lich erhebend und wieder an dasFensie: gehend, das Ausbleiben dieses Menschen peinigt mich." Die Augustnachi war heiß und still. Tie Schatten der Giebeldächer zeichneten sich von dem mondlichtüberflutheten Pflaster scharf ab. Das goldig schimmernde Kreuz, der niedrige steinerne Säulengang, die feierlichen Thürme der Kathedrale, verliehen der Stadt ein alterthümliches Aussehen. Die Münsteruhr schlug zehn, während der Bankier am offenen Fen ster stand und auf die Straße hinausblickte. Ich werde hier übernachten," sagte er, ohne sich nach dem Wirth umzusehen, der hinter ihm stand. Es ist mir unmöglich, Winchester ohne diesen Wilmot zu verlassen, so sehr ich ihm auch zürne, mir so übel mitgespielt zu haben." Dawson sprach in dem, gekränkten Ton eines hochmüthigen und selbstsüchtigen Menschen, der sich von seinem Untergebenen beleidigt fühlt. Der Wirth murmelte einige zustimmende Worte und tadelte das Benehmen des Vermißten auf das Entschi denste. Nein, ich werde heute nicht mehr nach London fahren," seufzte der Bankier, obgleich meine Tochter, mein einziges Kind, das ich seit sechzehn

Jahren nicht gesehen habe, mich in meinem Hause erwartet. Ich werde Wmchester nicht ohne Josef Wilmot verlas sen." Sie sind außerordentlich gütig, sich so lebhaft für Ihren Begleiter zu inieressiren." Mich beängstigt sein Ausbleiben immer mehr." rief Dawson endlich. Können Sie nicht einen Boten nach Schloß Farren schicken, um sich zu erkundigen, ob Wilmot dort gewesen ist?" Natürlich, einer meiner Stallburschen soll sofort hinüberreiten. Woll? Sie ihm einen Brief an Frau v. Talboys mitgeben?" Einen Brief? Nein. Frau v. Talboys ist mir eine Fremde. Mein Freund Talboys verheirathete sich erst, nachdem ich England verlassen hatt. Der Bursche braucht nur zu fragen, ob ein Bote des Bankiers Dawson auf Schloß Farren vorgesprochen hat. und wenn es so ist, um welche Zeit er dort war. und um welche Stunde er wieder fortgegangen ist. Das ist Alles, was ich zu winen wünsche. Wird der junge Mensch über die Wiese, oder über die Landstraße reiten?" Ueber die Landstraße, Herr Dawson, über die Wiese führt nur ein Fußpfad. Der kürzeste Weg nach Farren ist der zwischen unserem Wäldchen und St. Croß, aber der ist eben nur für Fußgänger zu benützen." Ja, ich weiß es, dort war es, wo ich mich von Wilmot trennte. Schicken Sie den Boten gleich ab. Josef Wilmot sitzt vielleicht in der Dorfsch'änke von Farren, so angetrunken, daß er nicht wieder zurückfindet." Der-Wirth ging, um den Auftrag seines Gastes zu besorgen. Alfred Dawson warf sich in einen Sessel und nahm eine Zeitung in die Hand, aber er las nicht eine Zeile. Er war in dem Gemüthszustand, der auch nicht nervösen Personen eigen ist, wenn sie durch irgend ein unvorgesehenes Ereigniß in Ungewißheit erhalten werden. Die Abwesenheit Josef Wilmots wurde mit jedem Augenblick unerllärlicher, und sein ehemaliger Herr oersuchte gar nicht, seine Unruhe zu vcrbergen. Die Zeitung entglitt seiner Hand und, den Blick unablässig nach der Thür gerichtet, lauschte er in athemloser Spannung auf jedes Gerausch. Nach etwa einer Stunde erschien der Wirth wieder. Nun?" rief Alfred Dawson. Mein Bote ist wieder zurück. Heute den ganzen Tag ist kein Fremder in Farren gewesen." Der Bankier fuhr überrascht in die Höhe und starrte den Wirth entscht an. Ich fürchte, daß ihm ein Unfall begegnet ist," sagte er langsam und dedächtig. Ja, es ist seltsam ; aber Sie glauben doch nicht " Ich weiß nicht, was ich denken soll. Vergessen Sie doch nicht, daß ich fainahe so fremd in diesem Lande bin, als ob ich je zuvor den britischen Boden betreten hätte. Vielleicht hat dieser Wilmot mir einen Streich gespielt und sich in aller Stille und Heimlichkeit ent fernt, obgleich es für seine eigenen In-

teressen am besten gewesen Ware, in meinem Dienst zu bleiben. Andererseits ist es nicht ausgeschlossen, daß ihm etwas begegnet ist. Aber was kann das sein?" Der Wirth zählte verschiedene Möglichkeiten auf. Der Vermißte konnte plötzlich in der Mitte des Weges erkrankt sein, oder sich verspätet, im Dunkeln verirrt haben und im Mühlbach oder einem der anderen tiefen GeWässer zwischen Winchester und Schloß Farren verunglückt sein. Lassen Sie morgen bei Tagesanbruch die ganze Gegend durchsuchen!" rief Dawson, gleichviel, was es kostet. Die Sache muß aufgeklärt sein, ehe ich Winchester verlasse. Jeder Zollbreit des Bodens zwischen Winchester und Schloß Farren mu;j auf das Sorgsamste abgesucht werden und " Er vollendete den Satz nicht, denn unten im Flur erhob sich plötzlich ein Lärm, ein Rufen und Stampfen, so daß der Wirth verwundert die Thür öffnete, und von Dawson gefolgt, zur Treppe ging. Unten im Flur war eine Menge Menschen zusammengeströmt und in heiserem Gemurmel. das lauter und lauter wurde, ertönte das grauenvolle Wort: Mord!" Alfred. Dawson hörte und verstand es. denn sein hübsches Gesicht verfärbte sich. Es sah bläulich weiß aus. wie der Schnee im Mondlicht, und wie gebrochen stützte er sich auf das eichene Treppengeländer. Der Wirth drängte sich an seinem Gast vorüber und eilte die Treppe hinunter. Es war keine Zeit, Umstände zu machen. In weniger als fünf Minuten kam er zurück, beinahe ebenso fcaß wie der Bankier. Ich fürchte." stammelte er, daß Ihr Freund gefunden ist." Sie glauben doch nicht, daß er " Ich fürchte, es ist so. Zwei irische Schnitter, die von einem Felde jenseits St. Croß nach Haufe gingen, stolperten über einen Menschen, der in einem Flüßchen unter den Bäumen " Unter den Bäumen! Wo?" An derselben Stelle, wo Sie sich von diesem Herrn Wilmot trennten." Großer Gott! Und?" Der Mann war todt. Sie trugen ihn in das nächste Wirthshaus, wo rasch ein Arzt zur Stelle war. aber Dr. Sanders erklärte, der Mann müsse schon seit Stunden im Wasser gelegen haben, und der Mord schon vor vielen Stunden begangen worden sein." - Mord?" rief Dawson entsetzt. Aber vielleicht ist er gar nicht ermordet worden! Sein Tod mag zufällig gewesen fein; er mag einen Fehltritt gethan haben und in's Wasser gestürzt sein." nein, das ist es nicht. Er ist nicht ertrunken, denn wo er gefunden wurde, ist das Wasser nicht drei Fuß tief. Er ist erwürgt worden, eine Schlinge aus einer hanfleinenen Schnur ist ihm von hinten überwarfen worden, denn der Knoten war im Nacken zusammengezogen. Dr. Sanders ist noch unten, wenn Sie ihn zu sprechen wünschen, wird er Ihnen Alles ganz genau erzählen können. Nach dem. was die beiden Jrländer sagten, wurde die Leiche an dem Strick in's Wasser geschleift. Die Spuren waren noch deutlich im Grase zu sehen. Ich bedauere schmerzlich, daß Ihr Begleiter das Opfer eines solchen Verbrechers wurde." Alfred Dawson bedürfte in der That der Theilnahme. - Sein bleiches Gesicht war dem Wirthe zugewendet. Er sah aus, als hätte er dem Bericht über das begangene Verbrechen gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, und doch hatte er offenbar'jedes Wort gehört. Erwürgt!" wiederholte er tonlos, und die Leiche in's Wasser geschleppt! Wer wer könnte das gethan haben?" Ja, das ist die Frage. Es muß ein Raubmord vorliegen, denn neben der Leiche am Rande desWassers wurde eine leere Briestasche gefunden. Landstreicher und solches Gelichter gibt es um diese Zeit des Jahres auf dem Lande genug, die einiger Pfund wegen kalten Blutes einen Menschen umbringen." Kann oder soll ich in dieser Angelegenheit etwas thun?" fragte der Bankier tief aufseufzend. Vor morgen gar nichts. Morgen wird jedenfalls das Todtenschaugericht abgehalten werden." Sollten nicht jetzt schon Schritte zur Aufsuchung des Mörders geschehen?" Gewiß. Ich zweifle nicht daran, daß die Polizei bereits auf seine Verfolgung bedacht ist, und alle Anstren(jungen machen wird, seiner habhaft zu werden. Leider scheint mir das ein Fall, in welchem der Mörder sich der Gerechtigkeit entziehen wird." Weshalb?" Weil er Zeit genug hatte, zu verduften. Er ist jetzt sicher schon über alle Berge; auch gibt es nichts, woran er zu erkennen wäre, wenn Sie nies gerade im Stande sind, Uhr und Kette oder was der Ermordete sonst noch bei sich trug, genau zu beschreiben." . Dawson schüttelte den Kopf. Ich weiß nicht einmal, ob er Uhr und Kette besaß, und kann umso wemger über ihn Auskunft geben, als ich ihm heute Morgen nach Jahren zum ersten Male begegnete." Wünschen Sie Dr. Sanders nicht zu sprechen?" O nein, ich vermuthe, daß Sie mit Alles mitgetheilt haben, was mitzutheilen ist." Natürlich." Ich werde zu Bett gehen. Diese traurige Geschichte hat mich furchtbar mitgenommen. Noch ein Wort, Herr Wirth. Steht es unumstößlich fest, daß der Ermordete die Person ist, die mich heute hierher begleitete?"

Daran ist nicht zu zweifeln. Einer meiner Leute war drüben in der Grü. nen Tanne" und erkannte in dem Ermordeten sofort den Herrn, mit dem Sie heute Nachmittag um vier Uhr in meinen Gasthof kamen." Dawson zog sich in sein Schlafzimmer zurück. Am nächsten Morgen stand er zeitig auf und noch vor dem Frühstück schickte er eine telegraphische Depesche an das Bankhaus in der St. Gundolphstraßc. zu Händen Roderich Balders: Bitte, kommen Sie sofort Goldenen Adler". Winchester. Ein schreckliches Ereigniß bringt mich in eine sehr unangenehme Lage. Nehmen Sie einen Nechtsanwalt mit. Benachrichtigen Sie meine Tochter, daß ich erst in einigen Tagen in London eintreffen werde." Die Leiche des Ermordeten lag in einem verdunkelten Zimmer des Wirthshaufts zur Grünen Tanne" auf einem langen Tisch. Die Thür dieser Zimmers war verschlossen und vor der Ankunft des Kronbeamten, der das Leichenschaugerichtsverfahren eröffnete, durfte es Niemand betreten. Alfred Dawson erwartete in seinem Zimmer die Antwort auf die nach London abgeschickte Depesche. 10. K a p i t e l. Mährend diese Dinge sich zwischen London und Southampton zutrugen, hatte Laura Dawson die Ankunft ihres Vaters mit schmerzlicher Ungeduld erwartet. Sie glich ihrer Mutter, der jüngsten Tochter des Grasen v. Saldern' einer schönen Frau von aristokratischer Erscheinung. Sidnie v. Clavering hatte nach dem Tode ihres ersten Mannes, eines Rittmeisters, der ein Jahr nach seiner Hochzeit in ehum Scharmützel gegen Aufständische gefallen war und seine junge Wittwe mit einem sechs Wochen alten Töchterchen fast Mittellos in Indien zurückgelassen, die Bekanntschaft Alfred Dawson's gemacht. Sidonie war sehr arm und wußte, daß ihre Verwandten in England sich in kaum besserer Lage befanden. Tiefgebeugt durch den Verlust ihres heiß geliebten Mannes, krank und von Sorgen gequält, lebte sie in Kalkutta von ihrer dürftigen Pension, zu schwach, sich den Gefahren der Heimreise auszusetzen. Mit Alfred Dawson war sie infolge einiger für ihren verstorbenen Mann zu ordnenden Geldangelegenheiten zusammengekommen. und der Bankier, jetzt schon vierzig Jahre alt, entflammte in heißer Leidenschaft für die junge Wittwe. Achtzehn Monate nach dem Tode ihres ersten Mannes heirathete Sidonie den Bankier. Myra v. Clavering wurde unter der Obhut einer vertrauenswerthen Kinderfrau nach England zu Verwandten ihrer Mutter geschickt, und Alfred Dawson's schöne Gemahlin wurde die Königin der besten Gesellschaft in der Stadt der Paläste. Alfred Dawson liebte seine Frau mit fast vergötternder Liebe, Sidonie jedoch erwiderte diese Zuneigung des Millionärs niemals aufrichtig. Sie machte sich bittere Vorwürfe darüber, ihr vaterloses Kind erbarmungslos aus ihrer Nähe verbannt zu haben, aber ihr Mann war so eifersüchtiger Natur, daß er dem 5Iinde seines todten Nebenbuhlers die Liebe der Mutter mißgönnte. Auf seine Veranlassung wurde die Kleine fortgeschickt. Zwei Jahre hatte Sidonie Dawson in der Gesellschaft, von Kalkutta geglänzt, als sie ganz plötzlich starb. Der Bankier beweinte sie in tiefer und ausrichtiger Trauer. , Alle Liebe, . deren sein kaltes Herz fähig gewesen war, hatte ihr gehört und mit ihr war für ihn alle Poesie, aller Sonnenschein des Lebens entschwunden. Auch sein kleines T'öchterchen schickte er nach England. Nicht aus Gleichgültigkeit trennte er sich von Laura, sondern weil er sie vergötterte. Es war die einzige selbstlose Handlung seines Lebens. Er ' fürchtete, das Klima könnte ihr schaden und er würde das Kind verlieren, wenn er es bei sich behielte, wie er die Mutter verloren hatte. Als Alfred Dawson das Bankhaus in der Gundolphstraße nach der Entdeckung der gefälschten Wechsel verlassen, hatte er sich zugeschworen, seinem Vater nie wieder in's Gesicht zu sehen, und er hatte sein Wort gehalten. Der Ankunft dieses Mannes nun sah Laura mit der liebenden Ungeduld einer zärtlichen Tochter entgegen. Sie war ein schönes Mädchen von königlicher Haltung, aber ohne jeden Hochmuth. Seit ihrer frühesten Kindheit von Allen, die sie umgaben, verwöhnt und vergöttert, durfte sie immer thun, was ihr beliebte, und trotzdem war die junge Erbin von Mangoldshöh das liebenswürdigste und bezauberndste Geschöpf in ganz Warwickshire. Sie war erst achtzehn Jahre alt und noch nicht in die Gesellschaft eingeführt, aber sie besaß schon einen recht großen Bekanntenkreis, denn es war die größte Freude ihres Großvaters gewesen, sie beständig um sich zu haben. FrauElisabeth Maddin. eine Freundin der verstorbenen Mutter Lauras, hatte ihre Erziehung überwacht und sie unter ihre Obhut genommen. In Gefellschaft Elisabeths war sie von Mangoldshöh nach dem Portlandplatz gekommen. Aber Frau Maddin war nicht d einzige Begleiterin Lauras bei dieser Gelegenheit, auch ihre Halbschwester, Myra von Clavering, die seit Jahren fast beständig in Mangoldshöh lebte, war mit nach London gekommen und als männlicher Schutz hatte sich Arthur Lowell. einer der gesuchtesten Rechtsanwälte in der Stadt , Shornkliff, in der Nähe des Gutes Mangoldshöh. der kleinen Gesellschaft angeschlossen. Dieser Zunge Mensch war ein Liebling des verstorbenen Roland Dawson gewesen.

Ehe der alte Herr starb, hatte er Arthur Lowell gebeten, in allen Dingen als Freund und Berather Lauras zu handeln und der junge Rechtsgelehrte war entzückt, das schöne junge Mädchen als seine Klientin betrachten zu dürfen. Er liebte Laura, fürchtete aber, daß seineLiebe immer hoffnungslos bleiben werde. Durch ihr großes Vermögen stand Laura so hoch über ihm. als wäre sie eine Herzogstochter. Arthur Lowell war der einzige Sohn, hübsch, geistvoll und hochsinnig und sein Vater ein sehr wohlhabender Mann, aber Alfred Dawson. der Millionär. würde ihn ausgelacht haben, Wenn er es gewagt hätte, ihn um die Hand seiner Tochter zu bitten. Aber sollte seine Liebe auch für die Zukunft aussichtslos sein? Das war die Frage, die er sich unaufhörlich vorlegte. Er war stolz und ehrgeizig und durfte sich ohne Selbstüberhebung für einen begabten und tüchtigen Menschen halten. Es war ihm eine Anstellung bei der Regierung in Indien durch einen Edelmann, einen Freund seines Vaters, angeboten worden. Diese Anstellung würde ihm die Aussicht auf eine glänzende Zukunft eröffnen. m Der Edelmann, der Arthur Lowell dieses Anerbieten gemacht hatte, hatte ihm geschrieben, er brauche sich nicht sofort zu entscheiden, die Stelle werde erst in Jahresfrist frei. Arthur Lowell hatte sich aber sofort für Lord Spenser's Anerbieten entschieden. Ich werde nach Indien gehen," sagte er sich; denn wenn ich mir Laura Dawson gewinnen will, muß ich eine stolze Lebenshöhe erreichen, doch ehe ich fortgehe, werde ich ihr meine Liebe gestehen. Erwidert sie meine Gefühle, so wird kein Kampf zu schwer sein. Wo nicht " Er mochte diesen Satz nicht vollenden. der ihm wie die Verkündigung seincs Todesurtheils gewesen wäre. Ich werde mit ihr sprechen, ehe ihr Vater zurückkehrt. Sie wird mir ohne Scheu und Furcht die Wahrheit sagen." dachte er. denn es liegt in ihrer Natur. wahr und offen zu sein. Ist ihr Vater erst da. so dürfte sie sich von ihm beherrschen lassen." Am 17. August trafen Laura und Frau Madden in London ein. Am Bahnhof verabschiedete sich Arthur Lowell von ihnen, um sich nach seinem Gasthof zu begeben. Am 18. wünschte er Laura in Portlandplatz seine AufWartung zu machen, traf sie aber nicht zu Hause. Am 19:, jenem ' sonnigen Augustvormittag, an dem 7er Ern'rdete in dem verdunkelten Wirthshauszimmer in Winchester lag, kam der junge Rechtsgelehrte wieder. Laura und Myra v. Clzvcring sanen am offenen Fenster, als ihr F:cund eintrat. Die beiden Schwcjtern begrüßten ihn mit großer Herzlichkeit. Ich freue mich sehr, Sie zu seyen. Herr Rechtsanwalt." rief Laura. Myra und ich, wir waren Beide so verstimmt, weil Papa noch immer nicht da ist. Ach, wenn er mich nur liebte, wenn sein TLchterch:n ihm nur nicht gleichgiltig ist!" Wer müßte Sie nicht lieben. ?aura?" fragte Arthur Lowell selbstvcrgessen. Wer " Er hielt beschämt inne. In dnsen wenigen Worten hatte er das Geheimniß seines Herzens verrath-n. aber Laura war zu unschuldig, die Bedeutung dieser leidenschaftlichen Wuti zu errathen. Frau Madden verstand fi vollkommen, und sah den jungen Mann mit ermuthigendem Lächeln an. Arthur Lowell war ihr Liebling.

Sie wußte, daß er Laura anbetet, j und in den Augen der braven ;H:n Frau war er der beste und edelste dir Menschen. Myra v. Clavering betrachtete iie beiden jugendlichen Gesichter in dem sonnigen Fenster und eine Wolke des Kummers breitete sich über ihre schönen ausdrucksvollen Züge. Liebste Myra. möchten Sie mich nicht in Ihr Zimmer begleiten.'' rief Frau Madden mit itwas schriller Stimme. Sie wollten mir d'N neuen Hut zeigen, den Sie sich gestern kau ten." Meinen neuen Hut?" murmelte Myra zerstreut. ' Ja. kommen Sie nur, kommen Sie nur. liebe Myra." Das junge Mädchen gehicche und Laura blieb mit dem Rechtsanwaii allein zurück. Arthur Lowell rückte seinen Sessel in Laura's Nähe. Weshalb sind Sie so schweigsam, Laura?" fragte er. Außer an de.n Tage, an dem Ihr Großvater starb, habe ich Sie noch niemals so ernst gesehen." Ich denke an meinen Vater." crwiderte sie mit leiser zitternder Stimme, ich fürchte, daß er mich vielleicht nicht mehr lieben wird." Sie nicht lieben, Laura: Acr könnte Sie sehen, mit Ihnen sprechen, und sie nicht lieben? Ich für.btete immer. Ihnen zu gestehen, wie heiß und innig ich Sie liebe, aber Ihr großer Reichthum ist die cherne Scheidewand, die mich von Ihnen lrcnnt. zbwchl ich der Sohn eines sehe wohlhabenden Mannes bin. und diese: Umstand legte mir Schweigen auf. Doch daS Gefühl, das mich zu Jhrun zieht, ist zu mächtig in mir. und zwingt mich, offzn und rückhaltlos mit Ihnen zu reoen." ; Das Mädchen sah ihn ersaun! an. Ich liebe Sie, Lciura, ich lieve Sie, und aus Liebe zu Ihnen werde iÄ im Stande sein, alle Hindernisse zu überWinden, wird mein Ehrgeiz mich zu der gesellschaftlichen Höhe emportragen. die Ihnen und den Ansprüchen Ihres Vaters genügen wird. Ich will nach Indien gehen, wo sich mir der Weg zu Ehren und Reichthümern offnet. Meine Liebe zu Ihnen Pflanzt:

sich mir schon in den Kna(?njahren ir.'Z Herz und ist mit den Jahren gewachsen. O, sagen Sie mic, ob Sie meine Liebe erwidern können, Laura." Ich liebe Sie," widerte Laura mit einem. Lächeln, wtt ich einen Bruder geliebt haben würde." Der junge Mann senkte schweigend den Kopf. ' , Sie lieben mich nur wie ein:n Bruder. Laura?" Wie anders sollt: ich Sie lieben, Arthur? Waren Sie nur nicht immer ein Bruder?" Arthur Lowell blickte jie mit einem trauervollen Lächeln an. ' Genug. Laura." szgtc er ruhig. Ich habe mein Uriheil empfangtn. Sie lieben mich nicht, Theuerste " , Sie zürnen mir doch rncht, Arthur?" Ich Ihnen zürnen?" Und Sie werden fortfahren, mich zu lieben?" Ja, Laura, mit all' der Hingebung eines Bruders. Und -?enn Sie jemals meiner Dienste bedürfen sollten, werden Sie finden, was es heißt, einen treuen Freund zu ö;sitz:n, .er Ihr Glück höher schätzt, als sein Leben." Er sägte nichts i.utc, denn unter dem Fenster hörte .nan Rädergerossel und das Oeffnen der Hausthür. Mein Vater ist angekommen!" rief Laura erregt. Aber es war nicht ihr Vater, es war Roderich Bälde?, der aus der St. Gundolphstraße kam. wo er die Depesche Alfred Dawsons empfangen hatte. Laura wurde bleich wie der Tod, als sie Roderich Balder erkannte. Meinem Vater ist etwas zugestoßen!" sagte sie erschrocken. Nein, nein," erwiderte Balder in beruhigendem Ton. Ihr Herr Vater ist glücklich in England .angekommen und hält sich augenblicklich in Winchester auf. Er telegrapttrt mir, ihn ungesäumt dort aufzusuchen." So ist ihm doch etwas geschehen?" Ihm persönlich nicht, wie es scheint. Ihr Herr Vater beauftragte mich, Ihnen mitzutheilen, Sie möchten ihn erst in einigen Tagen erwarten, auch soll ich einen Rechtsanwalt mit nach Winchester nehmen." Einen Rechtsanwlt?" Ja. ich fahre von hier aus zu unserem Anwalt. Dr. Walford." Lassen Sie sich doch von Herrn Lowell, dem Anwalt meines Großvaters begleiten," rief Lcura. Ja, Herr Balder," stimmte der junge Mann zu, gestatten Sie mir, Sie zu begleiten. Ich würde mich fehr freuen, Herrn Dawson von Nutzen sein zu können." Um so besser," erwiderte Balder, Sie ersparen mir dadurch viel Zeit und wir können auf dese Weise noch den Eilzug erreichen, aber wir haben keinen Augenblick mehr zu verlieren. Auf Wiedersehen, Fräulein Dawson. Wir werden Ihnen den Herrn Papa im Triumph zuführen. Kommen Sie, Herr Lowell."

11. K a p ! t e l. Das Todtenschaugcricht war auf den Wunsch Alfred Dawsons um einige Stunden nach der in Aussicht genommenen Zeit verschoben worden. Der Kronanwalt, ein kleines selbstgefälliges Männchen, harre sich den Äitten des Bankiers sehr bereitwillig gefügt. Ich bin ein Fremder in England," sagte der Anglo - Jndier und war niemals bei einem Todtenschaugcricht zugegen. Der Ermordete, ein früherer Untergebener von mir, wurde zuletzt in '.neiner Begleitung gesehen. Es ist deshalb eine Nothwendigkeit für mich, einen Rechtsbeistand zur Seite zu hacen. der dem Verfahren beiwohnt. Wer weiß, welcher dunkle Argwohn entsteyen mag, der meinen Namen und meine Ehre verunglimpft." Der Bankier machte diese Bemerkung in Gegenwart einiger der Geschworenen. des Kronanwalts und Dr. Sanders. der berufen war, die Leiche zu untersuchen. Alle die Herren erhoben Widerspruch gegen die bloße Möglichkeit eines solchen Verdachtes. Der Anglo - Jndier saß in seinem Zimmer im Gasthof zum Goldenen Adler, schreibend, seine Papiere durchblätternd und die verschiedenen Briefpackete durchsehend und wieder zusammenbindend, während er die Ankunft Roderich BalderS erwartete. Der Mord in dem Wäldchen zwischen der Stadt und St. Croß war das Tagesgespräch der ganzen Gegend. Roderich Balder und Arthur Lowell kamen wenige Minuten vor zwei Uhr an und wurden sofort in das Zimmer des Bankiers geführt. Der erste Eindruck, den Alfred Dawson auf den jungen Anwalt machte, war kein günstiger. Dawson war ein sehr stattlicher Mann, von aristokratischer Erscheinung, etwas hochmüthig in seinem Wesen, aber verbindlich in seinem Benehmen und trotz alledem fühlte sich Arthur Lowell nicht angenehm berührt von dem Mann, dem er als dem Vater Laura's sehr gern ein herzliches Gefühl entgegengebracht haben würde. Der Anwalt hatte allerlei Anspielungen auf die Wechselfälschungen von Denen gehört, die mit der Geschichte der Dawson'schen Familie bekannt waren. ferner war ihm erzählt worden, daß Alfred Dawson in seiner Jugend ein selbstsüchtiger Verschwender gewesen sei. Diese alte Geschichte mochte die Gefühle Alfred Lowell's bei seiner ersten Begegnung mit dem Bankier beeinflußt haben. Alfred Dawson erzählte, was er über den Mord erfahren hatte. Aber wo ist Chlodwig Wilmot?" rief Balder. Er war es. den ich Ihnen entgegenschickte, denn er war der einzige in unserem Geschäft, der sich Ihrer noch erinnerte, und dessen auch Sie sich noch erinnern mußten." (Fortsetzung folgt.)

Kür die Küche.

Fisch-Makkaroni. Zu einer beliebigen Menge feingewiegten, gekochten Fisches gibt man doppelt soviel abgekochte Makkaroni. Dann bereitet man für jedes Pfund Makkaroni und Fisch je ein halbes Pint gute weiße Sauce, der man 2 Unzen geriebenen Käse zufügt und sie mit der Mischung vereinigt. Zuletzt gibt man rasch ebenfalls auf je ein halbes Pint ein Ei darunter, streicht eine Porcellan - Backform sorgfältig aus, gibt die Masse hinein, bestreut sie dick mit geriebenem Käse, belegt sie mit Butterstückchen und läßt die Speise in heißem Ofen braun backen. Eier a la Malelot. Man hackt ein: Zwiebel und zwei Schalotten, gibt sie mit einem guten Eßlöffel Oel, einem halben Lorbeerblatt, etwas Thymian und einigen Pfefferkörnern in eine Kasserolle und läßt dies alles rösien; dann gibt man es auf ein mit Löschpapier belegtes Sieb, damit das Oel abtropfe, mischt die Masse in einer anderen Kasserolle mit einem halben Glas Roth- oder Weißwein und läßt sie einige Minuten langsam dämpfen, passirt sie durch ein feines Sieb und mischt eine Handvoll kleine Perlcnzwiebeln darunter. Man bäät eine genügende Anzahl Spiegeleier, die man hübsch gleichmäßig schneidet und auf geröstetem Brot anrichtet; dann übergießt man die Eier mit der Sauce und servirt sie sogleich. Gebackene Taubn. Zwei bis drei fette junge Tauben werden gerupft, gesengt, ausgenommen, gewaschen und in Hälften oder Viertel zerlegt, die man mit Salz bestreut, in einem Topf mit Wurzelwerk, einer Zwiebel, einem Kräutcrbündelchen und etwas Fleischbrühe ziemlich weich dünstet, herausnimmt, abtropfen läßt, in zerquirltem Ei und geriebener Semmel umwendet und dann in heißem Schmalz auf beidenSeiten schön braun backt. Man garnirt sie beim Anrichten mit gebackener Petersilie oder gibt sie als Beilage zu jungen Gemüsen. Hamburger Lammkeule. Die jungen Lammkeulen, deren Fett man ja nicht ablösen darf, sind bei folgender Zubereitung eine wahre Delikatesse. ' Man häutet und spickt sie und brät sie in steigender Butter unter fleißigem Begießen etwa eine Stunde. Längerer Vratzeit bedürfen sie bei guter gleichmäßiger Hitze nicht. Man' nimmt eine halbe Stunde vor dem Anrichten zwei Gurken, schält sie, schneidet sie in Scheiben und blanchirt sie. Diese Scheiben schmort man dann rasch in Butter mit einer Messerspitze Liebig's Fleischeztrakt, etwas Salz. Pfeffer und einigen Tropfen Citronensaft weich, ohne sie zerfallen zu lassen. Auch kleine Schalotten werden gebrüht und weich geschmort und ebenso eine kleine Büchse eingemachter Erbsen in Butter heiß geschwenkt. Wenn die Lammkcule fertig ist, wird ihr Bratensatz entfettet und mit etwas Sahne und Madeira nebst glatt gerührtem Mehl verkocht. Die Keule wird tranchirt, wieder zusammengeschoben und mit den abgetropften Gurkenscheiben, die in der Mitte abwechselnd mit den jungen Erbsen und Schalotten belegt werden, garnirt. Die Sauce w?rd nebenher ge reicht. Kartoffel - Auflauf mit Schinken. Eine große,, grob geschnitten? Zwiebel wird in 1 Unze gutem Kochfett gedämpft, das Fett dann durch ein Sieb geschüttet und diesem 2 Pfund gekochte, geriebene Kartoffeln, 1 Pfund feingekochter Schinken und sechs bis sieben Eidotter, die man in zwei Tassen frischer Milch gequirlt hat, zugegeben. Zuletzt mischt mair den steifgeschlagenen Eierschnee darunter und füllt die Masse in eine mit Butter bestrichene und mit geriebener Semmel ausgestreute Form, gibt diese in den heißen Ofen und bäckt die Speise schön goldgelb. Sobald sie aus, dem Ofen kommt, lost man den Rand mit einenr dünnen Messer von der Form und stürzt den Auflauf auf eine flache, erwärmte Platte zum sofortigen Auftragen. A Endrvien Jl la creme. Von schonen Endivien werden die grünen Blätter entfernt, die Endivien in mehrere Theile geschnitten in Salzwasser blanchirt. abgekühlt und fest ausgedrückt. - Man wiegt sie fein, schwitzt siein Butter durch, bis alle Feuchtigkeit verdampft ist, gibt mehrere Löffel dicke Bechamelsauce daran, fügt ein wenig Muskatnuß, einen Löffel Jus, etwas frische Butter, wenig Salz und einePrise Zucker dazu und kocht die Endivien unter Rühren nun zu richtiger Be--schaffenheit ein. Sie müssen gleich scrvirt werden, und man garnirt sie mir gerösteten Brodstreifm und verlorenen Eiern. Sellerre-Gemüfe. 4 bis 5 junge Selleriekopfe werden geputzt, gewaschen und in gleichmäßige Scheiben geschnitten, 15 Minuten in schwäch r salzenem Wasser gekocht, abgegossen: und in kaltes Wasser gelegt. Weiter thue man auf den Boden einer flache Kasserole einige Scheiben fetten Schin ken, gebe den abgetropften Sellerie hin zu, gieße ein wenig mit Liebig'schem Fleisch - Extract hergestellte Bouillon auf und lasse das Gemüse bei gelindem Feuer weichkochen. Vor dem Anrichten wird die Sauce mit Schwitzmehl gebunden und erhält, da sie sehr kräftig schmecken muß, eine weitere Beigabe von Liebig'schem Fleisch-Eztrakt nebst einem Glas starkem Weißwein. Wiener Ro st braten mit S a l a t u n d C o m p o t. Die von einem altschlachtenen, saftigen Rippen stück geschnittenen Rostbraten werden geklopft, mitPfeffer und Salz bestreut, mit ein wenig Knoblauch gespickt, über starkem Feuer auf dem Rost gebraien. wob man sie fleißig mit Butter be träufelt.' und sofort mit Salat Lompot zu Tische gibt.