Indiana Tribüne, Volume 22, Number 228, Indianapolis, Marion County, 7 May 1899 — Page 2
- Zyr Zdeal. .
Xozi A. Werner. ' Zu? Maienzeit war es, bei Fliedcr luttt so süß, die Vögel sangen ihre alten, uralten Lieder, -und die Liebes Pärchen, die an lauen Abenden im Mondenschein lustwandelten, machten es genau so, wie die Liebespaare längst vergangener Jahre, wenn sie in den Schatten alter, jungbelaubter Baum riefen kamen, die heimlich flüsterten, dann blieben sie stehen und flüsterten auch zuweilen aber verstummten sie und der bleiche Mond läckelte dazu mit seinem überlegenen. Kalb mitleidsvollen, halb spöttischen Läckcln. das ihn tausend und abertausendjäyrige Erfahrung gelehrt. Auf einer kleinen, weißen Garten bank, die von allerlei blübendcm Strauchwerk umbusöt war. saßen zwei Damen, eine ältere und eine junge. XU ältere, rundlich von Gestalt, seufzte viel und schüttelte den Kopf; die junge, schlank und sckmiegsam, scküttelte zwar auch das kecke Köpfchen, aber sie that es ehre Seufzen. Nein. derLarcn gefällt mir nun ein. mal ntl rief üe. unv in der dcllcn Stimme laa ein fast lindliier Trotz. Tie ältere sagte mit loebmüldigem Vorkurs: Aber' Liebste, was daden Sie eigentlich an diesem netten jungen Mann: auszusetzend Eben daß er juna ist. lautete die rasche Antwort. Und wie jungl'Veinahe so jung wie ich! Ick verlange nicht, daß er, wie mein guter Tmitri es war, dreißia Iakre älter ist als ick. doch mindestens zehn Jabre müßte er älter sein. Ich brauche eine führende Hand. Tas war Selbsterkenntniß! Die dicke Dame seufzte, jedoch das Kopfschütteln unterblieb. Statt dessen nickte sie bestätigend ein-, zwei-, dreimal. Freilich brauchte sie eine führende Hand, die hübsche, kleine Baronin. In ihrem feingeschnittenen, dun keln Köpfchen gab es viele Einfälle und wenig Ueberlegung. Niemand wußte dies besser als ihre Gesellschaftsdame Ilona Hörner. Niemand sah sich ernstlicher als sie nach dieser führenden Hand um. Man konnt? dies wohl thun, nachdem zwei Jahre verflossen, seit die kleine Baronin ihren getreuen Eckard, der ihr als Vormund und Gatte er- und verziehend zur Seite gestanden, verloren hatte. Und man mußte es thun, nachdem die kleine Baronin bei dem gestrigen Concert einer Zigeunerkapelle die Sammetaugendes ersten Violinisten verführerisch" gefunden hatte. Wer konnte wissen, was sie morgen fand, die kleine Baronin Marietta? Ilona benutzte klüglich den stimmungsvollen Abend, um zu sondiren. Mit dem Baron war es nichts! Ter nette Baron mit dem harmlosen Wesen und dem vielen Geld. Er war ihr zu jung. Hm. also mehr Reife! Wie finden Sie. liebe Baronin, den Rittmeister von Oden? Ist das nicht ein ganz charmanter Mann? Keiner von den jüngsten, o nein, er hat etwas erlebt, doch nicht zu viel! Reise, aber nicht Ueberreife! Er ist liebenswur dig. unterhaltend, vergnügt! Seine lustig klingende Stimme, sein, ich möckte sagen, linderfrohes Lachen sind.... Unausstehlich. unterbrach die kleine Baronin. Unausstehlich? Ja! Gerade dieses sogenannte km derfrohe" Lachen! Aber, liebe Baronin, ein yeiieres Temperament an einem Manne ist Goldes werth! Wo bleibt der männliche Ernst? Aber Beste. .. . Unausstehlich, sagte die kleine Baronin nochmals, schob die rothe Unterlippe etwas vor und sah sehr eigensinnig aus. Ilona seufzte und schüttelte aberinals den Kopf. Dieser arme, nette, veranügliche Rittmeister. Männlicher Ernst war also die Parole. Ilona dachte nach. Ein Weilchen, dann schlug sie hoffnungsfreudig in die runden Hände: Jetzt, liebe Baronin, weiß ich. wer Ihnen gefällt! Das ist freilich ein prächtiger Mensch! Dieses ruhige, gesetzte Wesen, dieser männliche Ernst in seinem Benehmen, seinen Worten. . . Wer? Wer anders als der Regierungsrath Holzendorf? Er drängt sich nie aus und sieht Sie doch immer an mit einem so treuherzigen Blick in seinen blauen Augen. Der, liebe Baronin, wäre ein würdiger Nachfolger. Niemals! Die kleine Baronin sah geradezu entrüstet aus und versuchte eine dramatische Ceberde. Aber Liebste, Beste, ich verstehe gar nicht. Ilona! Ein Mann, der blaue Augen, blaue Augen mit treuherzigem Blick hat! Kann es auf der Welt etwas Uninteressanteres geben? Ist so ein Vergißmeinnicht nicht das non plus ultra von ungefährlich"? Jetzt sah Ilona entrüstet aus, und sie schickte sich an, eine kleine Rede zu halten. Doch sie kam nicht über den ersten Satz hinaus, der von Aeußerlichkeiten", Liebe" und Innerlichkeit" handelte, denn die kleine Baronin hielt sich die Ohren zu. Ilona schwieg. Sie seufzte und schüttelte den Kopf. Der nicht und dieser nicht und jener nicht! " Zu jung der eine, zu lustig der andere, zu blauaugig der dritte. Ilona, ich habe ein Ideal! sagte die kleine Baronin mit einem schwärmen sehen Blick in's Blaue, Ferne, Wesenlose. Sin Ideal? Etwas ganz Apartes! Hoch, gebletend, dunkelblickend. Eine' Art Uebermensch, heißi das wohl? Bezwingend, geheimnißvoll, unergründlich. ... . Sie unterbrach sick und borcktc auf.
Der Kies knirschte unter raschen, von der Villa näherkommenden Schritten, um den nächsten Jliederstrauch bog eine scklanke Männergestalt und stand gleich darauf in militärisch grüßender Haltung vor ihr. Gestatten Gnädigste: Vetter Fritz. Die Baronin sah in ein hübsches, junaes Antlitz mit heitern Zügen, in ein Paar freundliche Augen, die genau so juqendlick neugierig zu ihr herabblickten, wie sie hinauf. Das also war Vetter Fritz, der junge Verwandte des anten Dmitri". ibr bisher noch unbelannt, seit drei Tagen aber hierher vcrsetzt. Zweimal battc er sie verfehlt, einmal Vormittags, einmal Nachmittags, nun kam er Abends, und siehe es lrar itnn geglückt, dem Vetter Fritz. Seine stimme klang frisch und fröIick. und frisch und jugendlich sah er aus. der Vetter Fritz. Ein niedlicker. kleiner Lieutenant, lustig und darmlos. Ungefäbr das Gegentheil ibres Ideals, so dackte Ilona. Die Damen hatten sick erhoben, und heiter weckselte man die ersten Begrüßungsredensarten. Bald darauf war der Garten verlassen. Der kleine Amor, der neben der loeißen Bank aus dem Gebüsck bervorguckte. hatte nichts mebr zu belauschen; ein zitternder M?ndst?aM traf i!m durch eine Baumlüde, und der kleine steinerne Gott f:en spöttisch zu lächeln, wie einer, der etwas besser weiß. Ackt Tage später war es, wieder ein flieerduftender und stimmungsvoller Abend. Auf der kleinen, weißen Gartenbank saßen die Baronin Marietta und Vetttr Fritz. Sie mußten sich wohl gut unterhalten, denn ihr lustiges Lachen klang hell durch den Garten. Nach und nach aber wurden sie still, sie lauschten der Amsel, die vom blühenden Baume herab ein Liebcslied sang, lockend und schmelzend. Und als die Amsel schwieg, und es still um sie wurde, und der Mond aufstieg, da hielten sie sich umschlungen. Sie blickten einander in die Augen, lautlos und tief. Am folgenden Abend saßen auf der kleinen, weißen Gartenbank Baronin Marietta und die gutmüthige, runde Gesellschaftsdame Ilona Römer. Diese letztere schüttelte den Kopf; aber diesmal nicht seufzend, sondern lächelnd. Wer hätte das gedacht! So rasch! Wir kennen uns doch schon neun Tage, sagte die kleine Baronin. Neun Tage! Freilich, das ist lang,, wenn man jung ist, und daS Herz spricht. Ilona nickte, in Erinnerung versunken. Ja, die Jugend, sagte sie und seufzte leicht. Dann aber lächelte sie wieder, zukunftsfroh. Ein reizendes Paar werden Sie abgeben. Beide so jung, so frühlingsfrisch. Das eben ist es, unterbrach die kleine Baronin, was mir an meinem Fritz so gut gefällt. Er ist jung, jung und froh wie ich es bin. Und lachen kann er! So herzig, so .... ich möchte sagen kinderfroh, zum Küssen. Und haben sie schon bemerkt. Ilona, was für süße Augen er hat? Blaue! Und einen so lieben, treuherzigen Blick. Ach, Ilona! Die kleine Baronin drückte die verschlungenen Hände gegen ihr Herz, sah mit glänzenden Augen zum Himmel auf und sagte mit einem Aufathmen innersten Glückes: Er ist mein Ideal! Ilona lachte leise vor sich hin und der lauschende Amor zwinkerte vertraulich dem hellen Monde zu und über sein Steingesicht schien ein Lächeln zu zucken, schalkhaft und doch voll bescheidenen Stolzes.
j - Verlorene Tage. Von Max Haushofer. Die Sonne schien, und die Knospe sprang. Und es rauscht im grünenden Hage; Ter Schmetterling flog, und der Vogel sang Es waren Verlorne Tage! Das Herz war so jung und die Welt so weit, Und es schimmerte Sang und Sage; Von Wundern sprühte die sausende Zeit Und doch Verlorne Tage! Und wenn ich in Wald und in Wüstenei Den alten Bäumen klage. So fragen sie leis: War Liebe dabei? Darum die Verlornen Tage! Hahn.Nennen. Eine der eigenartigsten Sitten, die sich in Mexiko erhalten haben, ist das Hahn - Rennen", das alljährlich zu Ostern stattfindet. Die besten Reiter von Nah und Fern "stellen sich dann zum Wettbewerb ein. Die Preise, die von einigen reichen Besitzern ausgesetzt sind, bestehen aus einem mit Gold rder Silber besetzten Hut, einem schönen Paar Sporen, einem Sattel u. A. Der Hergang des Rennens ist der Folgende: Ein lebender Hahn wird unter Sand und Asche begraben, so daß er sich nicht selbst befreien kann. Nur der Hals streckt heraus, er kann ihn frei bewegen und dem Griff des Reiters ausweichen. Die Reiter rasen nun in vollem Galopp an ihm vorbei und müssen währenddessen versuchen, mit einer, Handbewegung den Hahn zu be freien und laufen zu lassen. Natürlich müssen it strenge Regeln dabel befol gen. Dilemma. Freier (der sich um die schielende Tochter des Hauses bewirbt): Jetzt weiß ich nicht, schaut sie mich nur an, oder liebäugelt sie schon Litt mir! RichtigeDiagnose. Arzt: Ra. wo fehlt's eigentlich, gnädige Frau?" Dame (auf den Kopf deutend): Hier.", Arzt: Aha, ein neuer Sommeryut!" .
Seine Rcschästigung. Humoreö'e von Rudolf Braune. Max Jüngling war htx reichste Mann der Stadt. Infolgedessen kamen die Crllectenlisten immer zuerst zu ihm, und er ließ sich nicht lumpen, denn er war wohlthätig und gab ebenso gern für arme Studirende der Theologie als für Findelkinder, ebenso y.zn für die Verbesserung der städtischen Promenadenwege als für großenwahnsinnige Handwerksburschen. Sein stadtbekannter Reichthum und seine stadtbekannte Gutmüthigkeit hatten aber noch die Folge, daß alle Töchter besitzenden Mütter ihre Netze nach ihm auswarfen. Und noch schlimmer warcn die Töchter selber, doch halt! schlimmer wie die Mütter konnten sie gar nicht sein, die konnte kein Mensch übertreffen. Wie singt der Dichter? Da werden Weiber zu Hyänen." Wo Max sich sehen ließ, war er eins, zwei, drei! von einer Schaar Weiber umzingelt. Er sagte mir einmal im Vertrauen, die Situation, als er in Jnnerafrika von eine? Schaar betrunkener Negerweiber mit dem Tode bedroht worden, wäre auch nicht peinlicher gewesen. Kurz, die ganze Stadt wollte ihn hcirathen. Aber Freund Max, sonst die Gutmiithigkeit selbst manches Zwanzigmarksti'lk. das er uns auf Nimmerwiedersehen lieh, ist Beweis dafür war in punkto Hcirathen durchaus nicht gutmüthig. Er stellte sich auf die Hinterbeine und wollte sich nicht hcirathen lassen. Und wir alle, die wir unter dem Ehejoche seufzten, konnten es ihm nicht verdenken. Vierzig Jahre alt also im Vollbesitze seines Verstandes gesund und reich, weshalb sollte er heirathen? Er hatte es ja nicht nöthig, denn eine Pflegerin brauchte er nicht und eine Mitgift auch nicht. Denn er war nicht nur reich, sondern sogar sehr reich. ' Wenn einer reich ist, spielt er in der Kleinstadt jedesmal eine Rolle, selbst wenn er nicht lesen und schreiben könnte. denn die Kleinstädter haben vor dem Gelde noch viel mehr Respekt als die weitsichtigeren Großstädter. Und Max konnte nicht nur nothdürftig lesen und schreiben, sondern er war sogar gebildet, sehr gebildet sogar. Er wußte auf der ganzen Erde Bescheid, hatte alles gesehen und alles gehört. Man konnte berühren.was man wollte, er war immer au fait. ohne erst im Conversationslexikon studiren zu müssen. Und ein solcher Mann, der förmlich dazu bestimmt war. im öffentlichen Leben zu glänzen, wurde durch die heirathstollen Weiber aus diesem ösfentlichen Leben vertrieben. Es kam so weit, daß Max sich nicht mehr in ein Concert oder ins Theater traute. So ein bücherkluger Philosoph wird nun vielleicht behaupten, Max sei nicht besonders muthig gewesen. Nun, lassen wir ihm dies Vergnügen, denn wir armen Ehemänner, die wir das Leben nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben selbst kennen, wissen es besser. Wir wissen, daß zwei Heirathstolle Weiber gefährlicher sind als hundert bis an die Zähne bewaffnete Krieger. Wir wissen auch, daß im Kampf erprobte Helden beim Anblick einer Schwiegermutter es brauchte noch nicht einmal die eigene zu sein erbleichten und wie Espenlaub zitterten. Ja, es kam so weit, daß Max auf das ganze weibliche Geschlecht einen furchtbaren Haß warf. Früher freilich. als er noch nicht reich war und noch keine Rolle spielte, muß er den Feminis durchaus nicht abgeneigt gewesen sein. Wenn das alles wahr ist, was er erzählt und ich habe durchaus keine Veranlassung, an seiner Wahrheitsliebe zu zweifeln muß er früher ein toller Kunde gewesen sein. Gott, was er da manchmal von seinen Liebschaften erzählt! Er liebte an allen Orten, zu allen Zeiten, unter den schwierigsten Umständen, und da den armen Peter keine heirathen wollte, war für ihn das Lieben ohne Gefahr. Was er da manchmal erzählte . . . doch ich will und darf nichts verrathen. Nachdem er auf das öffentliche Lcben verzichtet hatte, spielte sich einer seiner vergnügten Lebenstage wie der andere ab. Früh um zehn erschien er in der Weinstube von Eduard Schmidt und frühstückte. Er aß gern etwas Gutes und trank noch viel lieber 'was Besseres. Dann ging er zum Frühschoppen in die Goldene Sonne." Nachdem er zu Hause zu Mittag gegessen seine alte Haushälterin kochte großartig ein Nickerchen gemacht und den Kaffee geschlürft hatte, ging er auf den Bahnhof zum Dämmerschoppen, und Abends war er im Deutschen Kaiser" zum Abendschoppen. Angenehme Gesellschaft fand er immer, denn er war ein sehr guter Unterhalter und erzählte gern und viel aus seinem Leben. Wenn die Gesellschaft noch so stumpfsinnig da saß, wenn man die hohe, etwas zur Fülle neigende Gestalt Max Jünglings erblickte, lebte sie auf. Und wenn Max den langen, blonden Schnurrbart strich, lauschten alle, denn dann fing er an zu erzählen. Was hatte er ober auch alles durchgemacht. Ich kannte ihn noch von der Schule auö. ES war ein Heller Kopf, aber fahrig, zerstreut, stets zu dummen Streichen aufgelegt, seine Gedanken waren stets wo anders, nur nicht in der Schule, so daß er noch mit siebzehn Jahren in Obertertia saß. Er lernte zwei Jahre als Kaufmann und ging dann zur Marine. Als seine Dienstzeit vorüber war, durchstreifte er alle fünf Erdtheile als Geschäftsreisender. Aber er war kein Geschäftsreisender im gewöhnlichen Sinns des Wortes, nein, er war ein genialer. Er schwor sich, nicht auf eine bestimmte Branche ein, er machte" in allem. . Zu den Es-
kimos ging r mit Seise. zu den Kaffern mit weißgepuderten Rokokoperücken, nach Amerika mit Dampsmaschinen. nach Iadien mit Telegraphen stangen. nach Australien mit Cigarren, zu den Patagoniern mit wollenenLeibbinden. Und trotzdem er keine fremde Sprache richtig beherrschte, machte er feine Geschäfte. Hatte er nun sein Geld verjuzt. denn er war sehr leichtlebig mtd einem kleinen Jeu" nicht abgeneigt, oder hat!: er keine Aufträge erhalten was selbst dem gewandtesten Reisenden einmal passiren kann so griff er zu den landesüblichen 'Beschäftigungsarten, um sein Leben zu fristen. In Californien grub er nach Gold, in New Aork war er Sprachlehrer, in Transvaal zog er mit dem Hausirkasten herum und bot Dynamitbomben und Dolche zum Kaufe an, in Australien hütete er Schafe, in Indien war er Lehrer im Hause eines englischen Officiers. Da, gerade als er sich die Hörner abgestoßen hatte und anfing, reuig in sich zu gehen, starb sein Onkel und hinterließ ihm eine halbe Million. .Sofort gab er das Herumstrolchen auf und zog in sein Heimathstädtchen, um sich hier von den bisherig Strapazen zu erholen. Anfangs hatte er zwar die Absicht, in eine Großstadt zu ziehen, aber schließlich sehnt sich der Hase immer wieder nach dem Acker, auf dem er das Licht der Welt erblickt hat. So führte er denn ein ganz famoses Leben, ohne Wunsch, ohne Sorge. Sein noch vor ihm liegendes Leben war geregelt nach dem Glockenschlag der Uhr. Aber eines Morgens erschien Max nicht in der Schmidt'schen Weinstube darvb allgemeines Erstaunen seines Bekanntenkreises. Er kam auch nicht zum Frühschoppen stiller Schmerz. Er kam Nachmittags nicht auf den Bahnhof Schrecken, Entsetzen. Ich wurde deputirt. ihn aufzusuchen, denn man nahm an, es müsse ihm etwas Fürchterliches widerfahren sein, und mir' als seinem intimsten Freunde liege es ob, ihn zu interviewen und ihm eventuell beizustehen. Da ich gerade nichts vor hatte.nahm ich die Mission mit Freuden an, mit Freuden sage ich, denn ich glaubte nicht, daß Max etwas Ernstliches Passirt sei. O weh! meine Freude schwand bald;Max hatte das Zipperlein und saß, in Decken gehüllt und mit der Wärmeflasche unter den Füßen im Großvaterstuhl, stöhnend und jammernd. Vor ihm stand eine Tasse Fliederthee, und mit cynischem Lächeln bot er mir auch eine Tasse an mir, der ich eben vom Münchener Leistenbräu kam. . . . Fliederthee. Mit Gewalt mußte ich die alte Haushälterin, die auf Filzsocken um den Kranken herumgondelte, abhalten, mich durch ihren Höllentrank ins Jenseits zu befördern. Große Lust hatte sie dazu. Max litt große Schmerzen, aber noch viel mehr litt er unter der Langeweile. Ich mußte mich zu ihm setzen und ihm alle Neuigkeiten des Städtchens berichten. Zum Unglück waren es heute nicht viele, und die wenigen wußte er schon von der Haushälterin. Ich mußte ihm zwei Mann zum Skat holen, aber nach zwei Stunden warf er die Karten hin und erklärte, vor Schmerzen nicht weiter spielen zu können. Da wurde ich aber fuchtig. Alter Freund," sprach ich, Du hast Langeweile, weil Du Dich an ein Lotterleben gewöhnt hast. Hättest Du eine ernsthafte Beschäftigung, langweiltest Du Dich auch nicht während Deiner Krankheit. So aber läufst Du von Kneipe zu Kneipe, kriegst dann das Zipperlein und stirbst vor Langeweile." Ich will aber noch nicht sterben," murrte er. Und ich erkläre Dir, Du stirbst," schrie ich. Die Freunde nickten bedächng. Hättest Du eine ernsthafte Beschäftigung," wiederholte ich, langweiltest Du Dich auch nicht. Jeder vernünftige Mensch hat eine ernsthafte Beschäftigung." Aber was soll ich thun?" fragte er kleinlaut. Kanarienvögel züchten," schlug Meyer vor. Mein Lieber,"' entgegnete Max scharf, ein Mann, der alle fünf Erdtheile gesehen hat. züchtet nicht Kanaricnvögel. Das überläßt er Ihnen." Bitte sehr," sagte Meyer pickirt. ich habe auch alle fünf Erdtheile gesehen auf dem Globus." Rofen okuliren." meinte Lehmann. Max schüttelte triibe den Kopf. Ra. so schreib' Deine Memoiren als moderner Don Juan," rief ich. Du erzählst doch immer so viel von Deinen Abenteuern, schreib' sie auf und belege sie mit den Bildern Deiner Liebsten, dann" ich spielte meinen höchsten Trupf aus aber auch nur dann wollen wir sie Dir glauben." Max sah mich starr an, meineWorte schienen gewirkt zu haben. Du hast recht." murmelte er, die Idee ist nicht schlecht." Er versank in Nachdenken und wir verließen ihn mit dem Wunsche baldiger. Besserung. Er dankte uns und leerte auf unser Wohl eine Tasse Fliederthee. Als ich am nächsten Morgen zu ihm kam, stürzte mir die Haushälterin mit gerungenen Händen entgegen und jammerte, Herr Jüngling sei gar nicht zu B:tt gegangen und stampfe trotz des Zipperleins fchon seit Stunden jln ckend im Zimmer umher. Nanu, was ist denn das wieder für eine Verrücktheit?" sagte ich und ging zu ihm hinein. Sofort hinkte er auf 'mich zu und überhäufte mich mit einer Fluth Vorwürfe und Grobheiten. Ich sei Schuld an seinem Unglück, habe ihm 'die' Ruhe geraubt u. s. w. Ich ließ mich aber nicht aus der Contenance bringen, steckte mir eine von seinen gu-
ten Cigarren an und sah mich auf dem Kriegsschauplatze um. Max hatte sich gestern Abend gleich ein Buch Papier holen lassen und sich thatsächlich daran gemacht, seine Memoircn als Don Juan in der Weise zu schreiben, daß er auf jeden Bogen PaPier eine Photographie klebte und darunter mit einigen Sätzen den Namen der Damen schrieb, ihren Charakter schilderte u. s. rol u. s. w. Vier Damen lagen fix und fertig vor: eine von Schmutz starrende Eskimo, eine schlitzäugige Mongolin und zwei Berliner Damen von der Friedrichstraße. Ein großes Packet lsg noch unerledigt auf dem Tische, und mit einer Photogra--phie in der Hand tobte er im Zimmer herum. Nur ruhig Blut. Anton." sagte ich gemüthlich, was ist denn eigentlich?" Was eigentlich ist?" donnerte er. Ich komme nicht auf den verdammten Namen ... Da, da haben wir's ja, ich kann sie nicht anreden, denn ich habe ihren holden Namen vergessen. O. wie genau ich mich ihrer entsinne. In Faschoda war's.... Faschoda? Um das sich jetzt Engländer und Franzosen streiten?" Ja, dasselbe." Da konntest Du wohl Häuptling Werden?" Konnt' ich, wenn ich wollte, aber mein unruhiges Blut trieb mich weiter nach Persien. Aber das sage ich Dir. ich hätte weder Franzosen noch Engländer 'reingelassen. Oh, der biedere Mann,- ihr Vater, der alte ehrwürdige König! Ob er noch lebt oder ob er von den weißen Barbaren niedergemetzelt wurde. Oh, meine Süße! Was hatte sie für feingeschwungene Lippen, was für seelenvolle Augen! Mit meinem eigesen Amateurapparat hatte ich sie photographirt." Erlaub' mal." Ich nahm ihm die Photographie ohne weiteres aus der Hand. Ich erblickte einen allerdings nicht üblen Negerkopf, der aber merkwürdigerweise mit einer Rokokoperücke gekrönt war. Du kommst nicht auf ihren Namen?" Nein." Nun, sie ist Negerin und wird wohl Wuriburihullilulh heißen oder so ähnlich." O nein." entrüstete er sich, sie war getauft und hatte einen christlichen Namen." Ich hatte keine Lust, die Tausends christlicher Namen mit Hilfe meines Gedächtnisses und diverser Kalender herzusagen und zuckte die Achseln. Max fluchte und rannte wieder auf und ab. Auf einmal griff er ächzend an sein rechtes Bein und sank auf einen Stuhl. Da trat die Haushälterin ein. Sie hatte verweinte Augen und erzähte, ihre Nichte, die Lehrerin auf einem pommer'schen Gute gewesen sei, habe plötzlich ihre Stellung verloren. Der Herr habe ihr nachgestellt und da sei sie gegangen. Nun habe sie keine Mev.schenseele außer ihr in der ganzen weiten Welt, ob Herr Jüngling nicht erlaube, daß sie einstweilen zu 'ihr käme, bis sie eine andere Stelle habe. Max verzog das Gesicht. Eine Lehrerin? Mit Brille und falschem Zopf? Ich danke." O nein, so ist sie nicht." Sie brachte die Photographie eines hübschen blühenden Mädchens zum Vorschein. Selbst Max mußte beifällig winken. Wie heißt sie denn? fragte er. Adele Müller." A Adele," jauchzte er, schnellte wie ein Pfeil in die Höhe und warf beide Arme empor: Adele, da ist ja der Name." Er wurde ruhiger und verglich beide Bilder. Aber diese Adele, Ihre Nichte, ist doch hübscher." Das versteht sich," stimmte ich zu. Ich kann's eigentlich dem alten Stoppelhopser nicht verdenken." Ich auch nicht." . Na. lassen Sie sie kommen," bestimmte Max. schreiben Sie ihr, oder besser, telegraphiren Sie ihr, das arme Kind wird auf Nachricht warten. Au, au, mein Bein." Er schnappte zusammen wie ein Taschenmesser. In's Bett," erklärte ich, die Natur fordert nach der durch schwärmten Nacht ihr Recht. Und Sie, Fräulcm, kochen sie einen großen Topf voll Fliederthee, das Telegramm kann noch zehn Minuten warten, wir geben es dann als dringend auf." Eine Viertelstunde später lag Max im Bett, hatte seinen Topf Fliederthee hinter und schwitzte. Ich hatte das dringende Telegramm geschrieben und zugleich den Haufen Photographien in's Feuer befördert. - Die der weißen Adele war die einzige, die ich auf dem Tische liegen ließ. Fräulein' sprach ich zu der alten Dame, wenn Herr Jüngling nach den Photographien fragt, sagen Sie, Sie wüßten von nichts." Aber er fragte nicht. Er schien gar nicht wieder an sie zu denken, und das war eigentlich kein Wunder, denn er hatte vom nächsten Tage ab eine viel ernsthaftere, aber auch nettere Beschäftigung: er mußte Fräulein Adele Müller unterhalten und in Concerte und Theater führen, Er fürchtete sich nicht mehr vor den Heirathstollen Weibern, in Adeles Gegenwart schien er sich sicher zu fühlen. Vierzehn Tage später hatte Adele eine neue Stelle, aber Max bat sie so herzlich und dringend, dieselbe nicht anzunehmen und lieber seine Frau zu werden, daß sie nicht gut abschlagen konnte. Sie waren vernüstig, sie verlobten sich gar nicht, sondern Heiratheten sogleich natürlich, zur großen Verwunderung und Entrüstung der ganzen Stadt. Da es aber das Leben eines Mannes nicht ausfüllen kann, nur die Frau auf Händen zu tragen, ist Max Agent einer Lebens- und Unfallversicherungsgesellschaft geworden. Er vertritt eine Gesellschaft, die in der Stadt noch gar nicht eingeführt war.
erzZelt glänzende Resultate und hat alle übrigen Gesellschaften lahmgelegt. Er ist den ganzen Tag auf den Beinen und infolge seiner veränderten Lebensweise hat sich auch das Zipperlein nicht wieder eingestellt. SYr Kuß. Bon E. Vilmar. Als ich Hedwigs Bekanntschaft machte, war ich eine imposante Persönlichkeit von neun Jahren, während sie kaum sieben Jahre zählte. Wie deutlich entsinne ich mich noch jenes ersten Begegnens und des schwarzgekleideten kleinen Mädchens, das sich schüchtern an seinen Vater, einen großen, melancholisch blickenden Herrn, schmiegte. Sie schien sehr zart für ihr Alter, und in ihrem blassen Gesichtchen fielen nur die großen, herrlichen Augen auf, zwei intelligente, sprechende Augen, deren unergründliche Tiefe etwas seltsam Ergreifendes hatte. Als sie uns damals verlassen, hatte ich gefragt, warum sie ein so düsteres Kleid trüge, und zu? Antwort erhalten, sie hätte keine Mutter mehr und trüge Trauer um dieselbe. Das arme Kind," hatte Mutter dann zu Vater geäußert, es hat keinen anderen Schutz und Schirm auf der Welt als diesen großen Narren, seinen Vater. Der Himmel verhüte, daß er sich vollends ruinirt." Erst viel später wurde es mir klar, daß dieser Narr, ihr Vater, ein Gelebrter war, der, nur der Wissenschaft leoend, die materiellen Lebensanforderungen achtlos übersah, daß er, in einer Welt unmöglicher Chimären verloren, nicht bedachte, daß die mehr oder minder glücklichen Experimente, mit denen er sich beschäftigte, seine pecuniäre Existenz ernstlich gefährdeten. Diesem ersten Besuche waren andere gefolgt, und sehr bald war das Eis zwischen Hedwig und mir gebrochen. Da sie auf all meine Phantasieen einging und sich bei unsern Spielen mir mit nahezu sklavischer Passivität unterordnete. so waren wir bald die besten Freunde. Ich war stolz auf ihre Unterordnung. Nur der Gedanke an ihren Vater vermochte meinen Triumph zu schmälern. Hedwig liebte ihn bis zur Vergötterung. ein Wort von ihm galt ihr als Befehl. Sie empfand für ihn eine übermäßige, blinde Bewunderung. Jahre vergingen. Unsere Spiele hatten allgemach einen anderen Charakter angenommen, und nun hatten wir das ehrwürdige Alter von siebzehn respective neunzehn Jahren erreicht, wo man überhaupt nicht mehr spielt. Doch trotz ihrer siebzehn Jahre sah ich in Hedwig immer noch das kleine, schüchterne Mädchen, ja, ich bemerkte es kaum, daß sie, anstatt der kurzen Kleidchen, jetzt lange trug. Aber alles an ihr war noch kindlich, mit Ausnahme der großen, dunklen Augen, in denen etwas Resignirtes, Gereiftes, Sinnendes lag, das an einem so jungen Ween frappirte. Spann dieser große Narr, ihr Vater" sich nach wie vor in seine unsinnigen Illusionen ein? Nie tönte eine Klage von ihren Lippen, ihr Auftreten war stets würdig und stolz. Nur bisweilen, wenn sie allein mit mir war, ließ Hedwig sich einen vagen Seufzer entschlüpfen. Ach wie schwer ist doch das Leben!" Ein Ausdruck tiefer Schwermuth malte sich dann auf ihrem blassen Kindergesicht und in ihren Augen, diesen übergroßen, ernsten Frauenaugen, und verrieth mir, daß es in ihrem Dasein einen wunden Punkt, einen Quell geheimer Sorgen gab. Eines Abends weilten Vater und Tochter bei uns. Gleich bei ihrem Eintritt überraschte es mich, daß Hedwig anstatt ihres schlichten Alltagskleides in sonntäglicher Toilette erschien. Ihr Haar, das sonst nach Kindesart in einem dicken Zopfe herabhing, war heute sorglich emporgekämmt und auf dem Scheitel zu einem üppigen Knoten geordnet. Ein blaues Band, das ihren klaren, blassen Teint wunderbar hob, schmückte ihren Hals, und in ihrem Gürtel steckte ihr elegantestes Spitzentuch. Nie zuvor war Hedwigs Wesen mir so frei und ungezwungen erschienen. Ein fieberischesRoth brannte aus ihren Wangen, ein seltsames Leuchten schimmerte in ihren dunklen Augen. Plötzlich wandte sie sich zu mir. .Wollen wir ein Weilchen hinaus auf den Balcon geben?" Erstaunt blickte ich sie an. Zwar war es draußen nicht !alt, der Mai stand bereits vor der Thür, doch war es noch keineswegs so warm, um einen zu dieser Zeit in's Freie zu locken. Dennoch stimmte ich schweigend zu und trat mit ihr auf den Balcon hinaus. Minutenlang standen wir neben einander, nur hin und wieder eine Banalität äußernd. Da plötzlich fühlte ich mich fest von zwei Armen umschlungen, sah Hedwigs Kopf dicht neben dem meinen und fühlte einen langen, unbeschreiblich innigen Kuß auf meiner Wange. Obwohl Jugendfreunde, waren wir an derartige Gefühlsausbrüche nicht gewöhnt, und sekundenlang war ich vollkommen starr vor Ueberraschung. Dann kam mir der Gedanke, diesen keuschen, vwesterlichen Kuß zu erwidern, allein meine Verwirrung war zu groß, und überdies lehnte meine Dummezungeneitelkeit sich auf gegen diese seelische Regung, diese Schwäche. Es schien mir männlicher, diesen Kuß des kleinen Mädchens wort- und reglos hinzunehmen und dadurch zu be weisen, wie gleichgiltig er mich gelassen. Hedwig hatte sich ein wenig von mir zurückgezogen und sagte nach einigen Augenblicken in vollkommen ruhigem Tone: Ich. denke, wir gehen jetzt hinein." Als Vater und Tochter uns verlas-
sen, begab ich mich zu Bette, allein ich vermochte keinen Schlaf zu finden. Als ich mich am anderen Morgen zu später Stunde erhob, siel mir eine seltsame Unruhe im Hause auf. Meine Mutter fand ich in Thränen, eine Beute unsagbarer Erregung. Was ist geschehen?" rief ich bestürzt. O mein Gott! . . . ." stieß sie abgerissen hervor. Gestern Abend noch keine Ahnung! .... Sie schienen so ruhig! Und nur die Noth hat sie dazu getrieben!.... Hedwig!" Ich wankte. Nach einigen weiteren Mittheilungen hatte ich das furchtbare Drama errathen, begriffen. Dieser Narr von Vater" hatte angesichts des krassen Elends, das er weder zu ertragen noch zu bekämpfen vermocht, den Entschluß gefaßt, Leid und Leben zu enden, und Hedwig in ihrer abgöttischen, todesmuthigen Liebe hatte darein gewilligt.
mit iym zu sterben. Man hatte sie in der Morgenfrühe im Todeskampfe gefunden. Seit jener Stunde auf dem Balcon habe ich nie wieder einen Kuß empfangen können, ohne voll Reue, voll Verzweiflung jenes anderen Kusses zu' gedenken, den ich leider unerwidert gelassen. Und noch heute foltert mich der Gedanke, ob Hedwig mich damals, als sie für immer von den Jugendgespielen scheiden sollte, in einem "jähen Ausbruch naiver Zärtlichkeit in die Arme geschlossen, oder ob sie. ein tieferes Gefühl verrathend, nicht sterben wollte, ohne sich die Wonne dieser schüchternen Liebkosunq zu gestatten. Doch nie, niemals werde ich es erfahren.... Modernes Licbcslied. Von T. Mendonis. Melodie: .Mein Liebster ist im Torf der Schmied. Mein Liebster ist Wirthschaftsmamsell Beim Grafen auf dem Gut, Ein frommer, züchtiger Gesell, Ein frisches, junges Blut. Als Bräutigam ging er auf's Schloß Zur Köchin in die Lehr', Nun trifft er's selbst schon ganz famos: Kocht Keiner so, wie er. Er scheuert, näht und stickt bei Tcrg Und träumt von mir bei Nacht, Und wenn ich frag', ob er mich mag. Erröthet er und lacht. Sein denk' ich stets mit treuem Sinn Und weih' ihm manchen Reim, Und wenn ich erst 'mal Doctor" bin. Führ' ich den Liebsten heim! . Eigenartige Autographen. Viele berühmte englische Schriftsteller haben mit Vorliebe ihren Namen auf Fensterscheiben eingeritzt. So finden sich die Namen von Charles Dickens und seinen Freunden auf dem Fenster einer alten Kutscherkneipe in Jorkshire eingeritzt. Vor einigen Jahren wurde auch eine Fensterscheibe mit Thomas Moore's Namenszug verkauft, und für jeden Buchstaben verlangte man mehr als sechs Pfund sicher das höchste Honorar, das je für eine Zeile von ihm bezahlt wurde. Den wcrthvollsten Glasautographen besitzt aber Dänemark, und zwar in den Fenstern eines königlichen SalonWagens. Es ist dies der Wagen, in dem die dänische Königsfamilie mit ihren königlichen Gästen und Ver- . wandten zu ihrem Sommeraufenthalt fährt. Die Fürstlichkeiten haben sich hier alle mit ihren Kosenamen, die ihnen im engen Familienkreise beigelegt werden, eingeschrieben. Ter verstorbene russische Kaiser erscheint hier als Sasch"; denn im Familienkreise wurde er Onkel Sascha" g:nannt. Sein Sohn, der jetzige Zar Nikolaus, hat sich als Nicky" in großen kritzeligen Buchstaben eingetragen, die Zarin als Alix". Noch merkwürdiger als die mit Signaturen beschriebenen Fensterscheiben sind die Tische, Stühle und Kaminsimse, die jetzt häufig in der englischen Gesellschaft als geeignete Gegenstände für Autographen benutzt werden. Am beliebtesten ist der Tisch. Die Oberfläche ist von einer besonderen Art von weißem Holz oder Papiermache, und auf diefe werden die Autographen mit besonders präparirter Tinte geschrieben. Oft trägt man auch Verse. Skizzen oder kurze Mustkcompositionen auf die Platte ein. Ist der Tisch dann mit solchen Autographen - Schätzen bedeckt, so wird er ertweder lackirt oder mit einer Glasplatte versehen, um die werthvollen Namenszüge für alle Zeiten zu bewahrcn. Die interessantesten Tische dieser Art sind im Besitz der Mrs. Stanley, der Frau des berühmten Reisenden. Die Autographen, die auf seidene Ueberzüge von Möbeln geschrieben werden, überarbeitet man, um sie zu bewahren, mit verschiedenfarbiger Seide. Die hübscheste Form, die die Autographensammler erfunden haben, ist die auf Fächer. Gefährlicher Auftrag. Arzt: Sie müssen Ihrer Frau befehlen, daß sie infolge der LuftröhrenEntzündung einige Tage so wenig als möglich spricht." Ehemann: Möchten's ihr nicht das selbst befehlen, Herr Doctor." Eigenthümlich taxirt. Heirathsvermittler: Die Dame spielt Klavier, turnt, radelt, singt und spricht englisch, französisch und italienisch " Heirathscandidat: ,Hören Sie auf, so viel Geld giebt's ja ga? nicht, was die haben muß!" Frech. Herr: Sind Sie SßtlU ler von Beruf?" BeUl: Nein, aus Leidenschaft." -
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