Indiana Tribüne, Volume 22, Number 221, Indianapolis, Marion County, 30 April 1899 — Page 7

LlebtSmal.

Von Paul Lang. HZet war's. Auf diesem grauen Stein, Der nun vom Epheu eingesponnen Verträumten wir im Abendschein Der ersten Liebe sel'ge Wonnen. Hoch aus dem grünen Blätterdach Der Buche, die am Steine lehnte. Sang uns ein Vöglein alles wach. Was aus der Brust ans Licht sich sehnte. Hier tauschten wir den ersten Kuß, Hier schwuren wir uns ew'ge Treue? Entzweiten Zwist uns und Verdruß, Hier fanden stets wir uns auf's neue. Mit Blüther.duft und Sonnenschein Ist mancher lichte Lenz verronnen; Der Epheu hat den grauen Stein, Entfremdung unsre Lieb' umsponnen. Die Buche nur, obschon zerfetzt Durch Wetterstrahl und Sturmeshiebe, Trägt auf dem mächt'gen Stamm noch jetzt Vernarbte Zeichen uns'rer Liebe: Ein Herz, auf das die Sonne scheint, Umrankt von Blüthen und von Blättern. Und in dem Herzen eng vereint Zwei Hände und verschlungene Lei- , tern. Und auf der Sonne Mitte hat ' Ein fremder Stift ein Kreuz geftochen. Ein Kreuz! und an der Sonne Statt! Wie hast du, Fremder, wahrgesprochen ! Jer Kuß. Einen Kuß in Ehren, Wer will es wehren? Hölty. Den vom Gefühl der Zuneigung hingerissenen Menschen treibt die Nalur in unwillkürlichem Verlangen von selbst zum Kusse an. Es genügt ihm nicht in solchen Augenblicken innerer Erregung, die Person oder den Gegenstand mit bti Hand zu berühren. Aloße Worte fehlen ihm oder genügen ihm erst recht nicht für den Ausdruck feiner Empfindung. Statt der Worte berührt er deshalb den Gegenstand seiner Empfindung mit dem Vermittler der Laute, dem Munde. Und wenn der Mensch, dem dies gilt, von gleichen Gefühlen gegen ihn beseelt ist, werden sich beider Lippen im Kusse begegnen. So ist der Kuß bei allen Völkern, sobald sie eine gewisse Culturstufe erreicht hatten, zu einem uralten Zeichen der Liebe, Freundschaft und Hochachiung geworden. Bei Völkern des rohesten Culturzustandes, deren gesellschaftliches Zujammenleben kaum von dem der Thiere sich unterscheidet, läßt es sich denken, daß der Kuß ihnen völlig fremd ist. Bei ihnen gibt es keine gegenseitige Liebe, Freundschaft und Hochachtung. Aber selbst Völker, die nicht wie eine Heerde wilder Thiere zusammenleben, die Häuslichkeit und Familienleben schätzen und Liebe und Freundschaft kennen, wissen nichts vom Kusse. Die Eskimos, Lappländer, Somalis, Malayen u. A. küssen nicht. Ihre Empfindungen sind zu einfach und natürlieh, als daß sie besonderer Zeichen dafür bedürften. Das ist auch bei hochcivilisirtm Völkern so. Die Menschen, die am einfachsten und natürlichsten empfinden, z. B. Landleute, Fischer und Schiffer, pflegen den Kuß fast nie anzuwenden. Sie schämen sich seiner sogar. Er erscheint ihnen als ein Ausdruck der Sinnlichkeit, gerade wie das Umarmen oder Arm in Arm führen. Damit soll nicht gesagt sein, daß der Kuß ein Zeichen höherer Bildung ist. Es gibt viele hochgebildete Leute, die keineswegs Freunde des Küssens sind. Der Kuß tritt eben nur dort auf, wo besondere Formen der Zärtlichkeit oder Ehrerbietung schon Sitte geworden sind. Und er bleibt in den Kreisen und bei den Völkerschaften beliebt, deren Herz an Formen hängt. Bei den Egyptern galt als besondere Artigkeit der Kuß auf die eigene Hand, die dann auf den Kopf gelegt wurde. Sie küßten auch vornehmen Männern, aber nicht Frauen die Hand. Die Abessinier fallen aus die Kniee und küssen die Erde zum Zeichen tiefster Ehrerbietung. Bei den Jsroeliten war das Küssen ungemein Sitte, und man kann noch heute überall die Beobachtung machen, daß ihre Nachkommen zäh daran festhalten und ihre Verwandten bei Besuchen oder beim Begrüßen und Abschiednehmen auf öffentlicher, starkbelebter Straße, in Wirthschaften u. s. w. ohne Scheu küssen. Nähere Bekannte schon pflegten bei den alten Jsraeliten einander beim Begrüßen Hand, Haupt und Schulter zu küssen, während sie die Grußformel Schdom lecha" (Friede sei mit dir) austauschten, den altorientalischen Gruß, der ursprünglich die Parole der sich Begegnenden bildete, die feindliches Mißtrauen durch diese Versicherung friedlicher Absichten abschnitten. Wollten die Jsraeliten Jemandem ihre besondere Ehrfurcht beweisen, so küßten sie ihm die Füße und drückten die Lippen sogar auf seine Fußspuren. Wenn Judas den Messias durch einen Kuß verrieth, so hatte diese Form bei der weitverbreiteten Gewohnheit des Küssens im jüdischen Volke durchaus nicht mehr Auffälliges an sich, als wenn wir Jemand die Hand reichen. Aber Jesus betrachtete. den Kuß nicht als eine alltägliche leere Form, sondern als ein Zeichen der Liebe, wenn er vorwurfsvoll sagt: Judas, verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kuß?" Und der Judaskuß, dieses nachgestochene Siesel der Treue, dieler Deckel

des Betruges, wurde fortan sprichwörtlich. Von den Juden ging der Kuß aus die altchristliche Kirche über. Die ersten Christen gaben sich nur den sog:nannten Bruder- und Schwesterkuß. Dann wurde es Brauch, daß sich Alle vor der Communion gegenseitig das osculiiiii pacis, den Friedenskuß, reichten. Dafür wurden späterhin die oft recht kostbar und kunstvoll ausgeführten Kußtafeln eingeführt, die von Hand zu Hand gingen. In der griechischen Kirche ist der sogenannteOsterkuß im altchristlichen Sinne noch üblich. Da küssen die sich begegnenden Gläubigen einander mit dem Gruße: Der Herr ist auferstanden!", dem der Gegengruß folgt: Er ist wahrhaftig auferstanden!" Die altkirchliche Sitte, Verstorbenen vor der Beisetzung den Abschiedskuß zu geben, verlor sich sehr früh wieder. Wohl zunächst aus Gesundheitsrücksichten, drang die Kirche selbst auf die Unterlassung. Als Verehrungsbezeugung gegen den Papst führte die katholische Kirche indessen den sogenannten Pantoffelkuß auf das den päpstlichen Pantoffeln aufgestickte Kreuz ein. Bei Bischöfen küßt man nur den Fingerring. Der ist gewöhnlich mit einem Saphir geschmückt, einem Stein, von dem man einst glaubte, er habe die Kraft, unkeusche Regungen zu ertödten. Als erste Adoration oder Verehrung wird im katholischen Cultus die feierliche Handlung bezeichnet, bei der ein neugewählter Papst, auf einem Sessel vor dem Altar sitzend, die ihn knieend küssenden Cardinäle aufhebt und ihnen aus beide Wangen den Friedenskuß gibt. Im alten Rom, in das mit der Eroberung des Orients auch so viele orientalische Unsitten einzogen, war das Küssen so an der Tagesordnung, daß es zur Zeit des Augustus wirklich unausstehlich war. Schon Romulus hatte durch ein Gesetz die Sitte abschaffen müssen, durch einen Kuß zu erforschen, ob die Frauen den ihnen verbotenen Wein getrunken hatten. Aber doch war noch damals, wie überhaupt in der Zeit der Republik, das Küssen bei den mannhaften, ernsten Römern ziemlich verpönt. Der Tyrann Pisistratus von Athen hatte, als ein Jüngling, der in seine Tochter verliebt war, diese beim Begegnen auf der Straße öffentlich geküßt hatte und seine Gemahlin dessen Tod wünschte, geantwortet: Wenn wir die, die uns lieben, aus dem Wege räumen, was sollen wir dann denen thun, die uns hassen?" In Rom aber ahndete es ein Publius Mävius ernstlich an einem ihm sonst recht lieb gewesenen Freigelassenen, daß er seiner erwachsenen Tochter einen Kuß gegeben hatte. Und der Censor Cato gab ein Gesetz, das Eheleuten verbot, sich in Gegenwart ihrer Tochter zu küssen. Das Verbot des Küssens in der Oeffentlichkeit oder auch nur in Gegenwart Dritter fand im römischen Rechte (S. C. Orsitianum, Dig. 1.5) Ausdruck und verlangte mehr Schamgefühl von den Frauen als von den Männern. Es gab ihnen aber auch mehr Rechte zur Vertheidigung ihrer weiblichen Ehre. Daß dies auch nothwendig war, beweisen die vielen Beispiele strenger Strafen für Verletzungen jenes Gesetzes. Eine Frau oder Jungfrau, die einen Kuß gewährt hatte, sank in der allgemeinen Achtung zu einem schämlosen Wesen herab. Männer wie die altrömischen Republikaner, denen Kosen und Zärtlichthun fremd war. vermochten sich den Kuß für sich allein gar nicht zu denken. Er galt als Zeichen des intimsten Verkehrs. Darum sagt Apulejus, daß der Kuß das Liebesvorspiel, das Plänklerfeuer der sieghaften Venus sei. Eine Frau, die einem Fremden einenKuß gestattet hatte, verlor nach altrömischem Gesetz ihre Mitgift. Eine Braut dagegen, die der sterbende Bräutigam im Beisein Dritter geküßt hatte, wurde rechtlich wie seine Frau betrachtet und erhielt nach seinem Tode die Hälfte seines Besitzes. Als Bestätigung der Verlobung hat ja noch heute in mehreren Ländern der Verlobungskuß rechtliche Giltigkeit. Mit der Kaiserzeit schlug diese sittlich ernste und edle Auffassung über die Grenzen des Kusses völlig um. Sueton schildert in seinen zwölf Kaiserbiographieen die Kußwuth jener Zeit, in der sich die allgemeine Sittenverderbniß spiegelte. Der Mißbrauch ging so weit und war von solch' entnervender Wirkung auf das Volk, daß Augustus und Tiberius Edicte qegen das Küssen erließen. Das Decret des Tiberius stieß besonders auf große Opposition. Bei Gastgelagen küßte man den Mund der kredenzenden Dienerinnen so oft, so viel Buchstaben der Name des Gastgebers oder des Gefeierten'enthielt. Nicht blos beim Essen, auch beim Schlafengehen, auf der Gasse, in den Schulen, den Berathungssälen, kurz, überall küßte man sich. Je höher Jemand stand, desto mehr war er dem Küssen ausgesetzt. Martial. der seine spitze Feder so gern gegen die Kußwüthigen richtete, geißelt das recht launig und derb in einem Spottgedicht, das mit dem Verse beginnt: Es süßere non vst, Flacce, basiatoros. Wie schon Homer dem edlen Odys-

seus von semen Dienern Haupt. Schultern und Hände küssen läßt, jedoch genau unterscheidet, welche Diener das thun dürfen und welche nur mit einem Händedruck davonkommen, so war es auch in Rom Sitte, hochstehenden Männern je nach dem Range der Küssenden Haupt. Hände, Gewand und Füße zu küssen. Im Anfange der Kaiserzeit konnte sich ein vornehmer Römer gar nicht zeigen, ohne sofort von kußwüthigen Verehrern belästigt zu werden. Dem Nero konnte man es nicht verzeihen, daß er sich von seinem Hofstaate nicht küssen lassen wollte. Aber weder er noch seine Nachfolger schafften die bis zum Ekel ausgebildete Unsitte des Küssens ab. Diocletian

empfahl sogar noch eine besondere auszeichnende Form, die Ehrenküsse, die wie jetzt die Orden für hohe Verdienste feierlich verliehen wurden. Daß der Kaiser selbst die an seinen Hof kommenden Vornehmen mit einem Kuß, der die scheinbare Gleichstellung andeuten sollte, empfing, war schon seit Augustus üblich. Der Kuß war eben vollständig wie bei den Juden zur Form des gewöhnlichen Grußes geworden. Sogar einem Bettler konnte man ein Almosen nicht reichen, ohne von ihm zum Dank geküßt zu werden. Und ein Candidat wäre eines Mißerfolges sicher gewesen, hätte er vor der Wahlrede seine Wähler nicht mit Küssen begrüßt. Konnte man nicht zum Kusse selbst gelangen, so warf man sich wenigstens mit den Händen Küsse zu. Die Kußhändchen sind, wie der Bartkuß. bei dem nur der Bart des Begrüßten mit den Lippen berührt wird, und der Handkuß, bei dem erst die Außen-, dann die Innenseite der Hand geküßt wurde, eine orientalische Erfindung. Die Anbeter des Baal sollen sie zuerst aufgebracht haben, um ihren Götzen und ihren Fürsten Küsse von fern zuwerfen zu können. Die weniger civilisirten Völker hal-, ten natürlich mehr am Kuß fest als die höher stehenden. In frühern Zeiten war daher auch in Deutschland das Küssen mehr als jetzt Sitte. Schon im germanischen Alterthum war der Kuß ein alter guter Brauch, der aber nicht entweiht wurde imd nur nach langer Trennung oder bei gemütherschlltternden Begegnungen zum Aus druck kam. Zur gewöhnlichen Begrllßung wie bei den weichlichen Orientslen und den Römern zur Zeit ihrer Entnervung ist der Kuß bei den fräs tigen, gesund fühlenden Germanen r.ie herabgesunken. Die Form herzlicher Begrüßung blieb bei ihnen der treue, feste Händedruck, der auch in sittlicher und gesundheitlicher Beziehung dem Kuß vorzuziehen ist. Nur bei außergewöhnlichen Gelegenheiten, 'wie schon bemerkt wurde, sprach sich die tiefe Bewegung der Seele einmal in einem innigen Kuß aus. Davon wird oft im Nibelungen- und Gudrunliede erzählt. Unter Männern wird dabei nie ein Kuß ausgetauscht. Das wäre den Deutschen lächerlich erschienen, wie sie die gewöhnliche Anwendung des Kusses auch als schamlos und sinnlich empfänden. Im Mittelaltcr wurde der Kuß oft symbolisch zur Bekräftigung rines Vcrtrages oder Versprechens gegeben. Bei Uebernahme eines Lehens mußte der Vasall den Lehenskun auf das Schwert des Lehnsherrn drücken. Bei feierlichen Eidesleistungen war es Sitte, das Crucifix oder Evangelienbuch zu küssen. Auch geistliche Lehen wurden einst mit einem Kuß verliehen, und selbst bei den Doctor- und Magisterpromotionen war ein ceremoniell bestätigender Kuß gebräuchlich. Alle diese formellen Küsse hat die fortschreitende Cultur beseitigt. Je weiter nach Osten und je weniger keusch und selbstbewußt empfindend das Volksleben, desto mehr ist dasKüssen profanirt. Schon im Osten Deutschlands trifft man den Handkuß häufiger als im Westen, wo er höchstens hochgestellten Personen gegenüber ceremoniell oder als Beweis außerordeutlicher Verehrung Damen gegenüber angewandt wird. Der echte Rheinländer kennt den Handkuß überHaupt nicht.. In Oesterreich hält man es für eine Anstandspflicht, Damen die Hand zu küssen. Gegen Männer aber übt man dort und in Süddeutschland diese Sitte nicht, sondern ersetzt sie durch den obligaten allgemeinen Gruß: Küss' die Hand!" In Italien gilt der Handkuß bei Damen für ein Zeichen von Vertraulichkeit. das sich nur die nächsten Freunde erlauben dürfen. Die russischen Damen lassen sich dagegen nicht die Hand, sondern die Stirn küssen. Und als ein Zeichen besonderer Hochachtung sieht man es bei den Russen an, wenn nach dem Mahl die Hausfrau ins Zimmer tritt und dem Gast mit einem Kuß eine Schale Branntwein überreicht. , Einem vornehmen Herrn wirft sich der Russe aus den ärmern Volksklassen zur Begrüßung zu Füßen nieder, umklammert dessen Kniee und küßt sie. Der Pole macht es ebenso oder küßt dem Herrn die Schulter oder verneigt sich auch nur bis zur Erde. Der Tscheche küßt die Kleider der Vornehmen. Bei den führenden Völkern unserer Zeit wie bei den wirklich Gebildeten, bei denen Geistes- und Herzensbildung gleich hoch stehen, tritt der Kuß wie die Thräne ganz selten, nur im höchsten Weh und in der höchsten Wonne und liebkosend nur Kindern gegenüber in die Erscheinung. Und das entspricht auch seinem Wesen: der ungesuchte zarte Ausdruck des in seinen heiligsten Tiefen bewegten Seelenlebens zu sein. DaS Weib in Musik.

Ein bekannter französischer Componist, der sich vor den ihm umschwärmenden, jüngeren und älteren Musikenthusiastinnen kaum zu retten weiß, schrieb kürzlich in das Album eines noch unverdorbenen Backfischchens folgende reizende Definition musirale" des Weibes, die wie eine Paraphrase von Shakespeares Seven Apis of Man" (Die sieben Alter des Mannes) klingt. Mit 15 Jahren ist die Frau meistentheils ein Arp?io" aus einer sentimentalen Serenade, mit 20 ist sie ei Allesro vivace", mit 30 gewöhnlich ein Accordio forto", mit 40 in Andante", mit 50 ein Rondo finale" und von 60 ab ein Tremolo alla Sordino." I m Kaffeekränzchen. Ob die junge Frau Doktor wohl ko chen kann?" O ja, aber nur aus Wutb."

Knöpfche. Von Hermine Villinger. Dies ist mein Uebername wegen meiner Kleinheit; eigentlich heiße ich Helene und bin in der freien Reichsstadt Frankfurt am Main, im Jahre 1850 geboren. Ich besuchte die Musterschule in der Friedberggasse und hatte eine unendliche Verachtung gegen alles was Jnstitutsschülerinnen waren denn ich war ein echt Frankfurter Kind, das kein affig Gethu' leiden konnte und nichts über fein Frankfurt kommen ließ. Ich hab mich drum einmal mit einer so frechen Mannemer - Wuppdich - 5ftott", die gesagt hatte, wir Frankfurter hätten all' lange Nasen, derart in der Fahrgass' mit dem Regenschirm herumgeschlagen, daß wir aussahen wie zwei gerupfte Gäns'. Meine Schwester Julie war sieben Jahre älter als ich und führte den 5)aushalt, denn unsere Mutter war früh gestorben. Vater, der Stadtrath ist, hatte nicht viel Zeit für uns, und war der einzige Mensch auf der Welt, vor dem ich Respekt hatte. Drum, wenn er mich schalt, ging ich einfach an meinen Wandschrank, steckte den Kopf hinein und sagte ungefähr zwanzig ordentliche Schimpfwörter; das hörte er nicht, und mich erleichterte es sehr. , Als kleines Kind war ich feig; aber Onkel Josef in Rödelheim, bei dem wir im Sommer zu Besuch waren, heilte mich davon; er hatte ein Gut mit einer großen Menge Hunde, die des Morgens all vor seiner Thüre lagen. Ich sollte kommen und ihm guten Morgen sagen und fürchtete mich entsetzlich, zwischen den vielen Hunden durchzugehen. Onkel versprach mir ein wunderhübsches kleines Kästchen aus lauter Muscheln, wenn ich Muth faßte. So stand ich viele Morgen hintereinander vor den Hunden, und das Herz klopfte mir wie ein Hammerwerk. Da rief mir der Onkel eines Tages zu: Nur frisch drauf los nicht lang besinnen!" Ich sprang über die Hunde weg. und von diesem Augenblick an war ich nicht mehr feig. Ebenso machte ich es. als ich in Rödelheim in die 'Strickschule geschickt wurde; hier saßen nämlich lauter kleine Dorfmädchen und glotzten mich sehr verwundert an, so daß ich mich plötzlich meines Hutes schämte und mich nicht getraute, ihn abzunehmen. Einen ganzen Morgen fast saß ich mit einem dunkelrothen Kopf und dem Hut da und versuchte zu stricken, auf einmal fielen mir Onkels Worte ein: Nur frisch drauf los. nicht lang besinnen da riß ich meinen Hut vom Kopf und setzte mich darauf. Am neunten October 1860 erhielt ich eine gewaltige Ohrfeige. Der Grund: ich war unartig gegen unsern Dienstboten, und gab auf des Vaters ZurechtWeisung die Antwort: Es ist ja nur ein Dienstmädchen." Er stand auf und gab- mir die bewußte Ohrfeige; ich schrie und hätte am liebsten die ganze Welt in Brand gesteckt; nachdem ich ausgetobt, sagte der Vater: Eine solche Antwort will ich nie wieder hören; merke Dir wohl, mein Kind, es gibt kein nur" für Dich, einem Menschen gegenüber; das nur" ist ein schreckliches Wort, so klein es ist; jeder, der es gebraucht, der sich anmaßt, zu sagen: es ist ja nur ein Dienstbote ein Arbeiter ein Bauer ein Jude trägt zu all dem Unfrieden der menschlichen Gesellschaft bei. Denn, indem ich einen Menschen für geringer halte, als ich bin, und es ihn fühlen lasse, kränke und verletze ich ihn und deshalb gehört jeder, der dies böe Wort seinen Mitlebenden gegenüber im Munde führt, unwiderruflich unter die Menschenschinder." Das Nächste, was passirte, war eine unangenehme Verhandlung mit Vater wegen Erpressung. Im ersten Stocke unseres Hauses wohnten nämlich Weideles; der Herr Weideles war ein guter Freund vom Vater, und die Frau Weideles hat der Julie in allen Haushaltungs - Angelegenheiten mit Rath und That beigestanden. Sie waren sehr' reich und aßen wunderbar gute Dinge zu Mittag. Drum wenn der Herr Weideles von der Börs' zu Haus kam, paßt ich ihn auf der Trepp ab und sagte: Guten Taa. Herr Weideles, wie stehe die Aktie?" Gott, was ä Kind!" rief er, nahm mich bei der Hand und ging mit mir den Vater zu fragen, ob ich oben essen dürfe. Frau Weideles, die ein groß weiß Häubche'bis in die Stirn trug, sagte fortwährend: Nimm der, nimm der, Knöpfche" und es wäre ein sehr schön Familienleben gewesen, wenn der Aron, ihr Sohn, nicht gewesen wär; der war so geizig, daß ich mir ihm zu leid jedesmal den Magen verdarb. Den Geiz hätte ich ihm zwar noch verziehen, was ich ihm aber nicht verzieh, war, daß er einmal sagte: Gott, der Herr Rath. Dein Vater, was is er denn reich is er nit " Da hab ich gesagt: Mein Vater ist viel mehr als reich, mein Vater ist tugendhaft." Stuß," hat der Aron gerufen, was ä Red, mehr als Geld is kei Tugend auf der Welt werth!" Eines Tages verreiste er und kam als Bräutigam zurück. , Wie sieht sie aus, Aron?" fragte ich. Wie werd se aussehn," rief er, sie is reich!" Kaum hatte ich die junge Frau gesehen, paßte ich den Aron ab, wie er oben von seinem Vater kam. Pfui Taibel," sagt ich, was e wüst' wüst' Frauche hast uns in's Haus gebracht!" - Nit so laut, nit so laut," bat er. Gewiß sag ich's laut, ick? sag's ihr sogar in's Gesicht, daß sie wüst ist!". -

'Gott, Knöpfche," jammerte der Aron. Du wirst doch nit ich bitt' Dich um Alles in der Welt sag so was nit wenn ich kann, will ich Dir gern ä Gefallen thun." Da hab ich mich eine Weil besonnen und gesagt: Gut, gieb mir einen Groschen für Pfeffernüss' für die letzte Bank in meiner Klass' " Er hat geseufzt und mir den Groschen gegeben, und wir haben uns in der Schul gefreut wie die Affen und die Pfeffernüss' gegessen. Ein paar Tage später hab' ich den Aron wieder abgepaßt: Aron." rief ich zur Treppe herunter, weißte was, ich sag's doch!" Gott." hat er geschrien, Knöpfche, Du wirst doch nit ich geb Der meinetwegen wieder en Groschen, wenn Du schweigst " Nein," hab ich gesagt, einer reicht nicht, ich muß auch für die zweit letzt' Bank Pfeffernüss' haben!" Da hat er geseufzt, lang und tief, und mir zwei Groschen gegeben. Und so ist's fortgegangen, und ich hab den Aron gesteigert bis auf zehn Groschen, und die ganz dritt' Klass' in der Musterschul hat alle Tag Pfeffernüss' gegessen. Auf einmal ist der Aron weggeblieben, der Herr Weideles aber ist zum Vater gekommen und hat lang mit ihm gesprochen; darauf als er weg war, würd' ich hineingerufen. Ich will Dir 'mal was vorlesen," sagte der Vater, hier aus dem Strafgesetzbuch: Geschah die Erpressung durch Gewalt gegen eine Person oder durch Anwendung von Drohungen, so wird der Thäter qleich einem Räuber bestraft." Kennst Du den Räuber, den ich meine?" Gewiß." sagt ich. Ja. schämst Du Dich denn nicht.' sagte der Vater, wie kannst Du denn so was thun?" Weil der Aron so geizig ist und das (Zeld über Alles setzt, auch über die Tugend." Hältst Du etwa Dein Betragen für tugendhaft?" Ich gab zu: Nein." Wieviel Geld hast Du Aron nach und nach abgeschwindelt kannst Du es berechnen?" Ich überlegte, machte einen Ueberschlag und sagte: Ungefähr änderthalb Thaler." Der Vater legte das Geld vor mich hin. Du wirst das dem Aron zurückgeben, ihm sagen, daß Dir Dein Betragen sehr leid thut und ihn um Verzeihung bitten." Das kann ich nicht," erklärte ich, denn es thut mir nicht leid." Dann komm mir überhaupt nicht mehr unter die Augen." sagte der Vater, weder bei Tisch noch sonst wo unter keiner Bedingung, bevor Du Deine Sache gut gemacht.' Ich aß an diesem Abend allein im hintern Stübchen; Julie strich fortwährend weinend und seufzend um mich herum und sagte: Ich begreife Dich nicht!" . Am andern Morgen mußte ich auch allein frühstücken, dann ging ich in die Schul; ich mußte immerfort zum offenen Fenster hinaus in das Feuer der drei Schmieden starren, denn der Schul gegenüber wohnten drei Schmiede, die den ganzen Tag hämmerten; an diesem Morgen aber war mir's, als sagte das Gehämmer immerzu: Aber Knöpfche! Aber Knöpfche! Aber Knöpfche!" Nach der Schul ging ich in Gottesnamen in die Eschenheimergass'. da wohnte der Aron; aber, well :ch mir überlegte, daß er sich am End sehr über das Geld freuen könnt, ging ich vorher in eine Konditorei und kaufte für einen und einen halben Thaler Pfeffernüss', ich bekam ein ganzes Kistchen voll, damit bin ich zum Aron gegangen, bei dem grad seine Mutter saß. Aron," sagte ich, ich bitt Dich meinetwegen um Verzeihung, aber nur dem Vater zu lieb und da hast Du auch Deine Pfeffernüss'." Gott. Knöpfche," rief er aus, ich verzeih Dir ja gern, ich bin gerührt aber was foll ich mit den vielen Pfeffernüss'?" Schenk sie den Buben auf der Gass'," sagte ich, denn Du mußt auch Deine Straf haben, nicht ich allein." Da hat mich die Frau Weideles bei der Hand genommen und gefragt: Kind, was hast Du gegen meinen Aron?" Und ich hab gesagt, daß er über meinen Vater die Achsel gezuckt, weil er nicht reich ist, und daß er das Geld über die Tugend gestellt. Aron," hat die Frau Weideles. gesagt, was e wüste Red' vor dem Kind seine Ohre, auf der Stell schämst Dich und nimmst dcPseffernüss' und schenkst se de Buwe.' Ich werd thun. Mutter, wie Du befiehlst," hat der Aron gesagt und ist mit seinen Pfeffernüssen unterm Arm abgezogen. Hierauf trat ein neues Ereigniß in t r Y i

mein eocn, namuaz meine reunomnen, Minchen Sulzer und Evchen Klepper, erklärten eines Tages ganz unverhofft, sie wollten nicht länger um zwölf Uhr nach der Schule mit mir über die Zeil gehen wegen meinem dummen kindischen Zöpfche, und weil ich so klein wär und keinen Schatz hätt. Besonders Letzteres verdroß mich sehr, und ich nahm mir vor, ihnen zu zeigen, daß ich gerade so viel werth war wie' sie. Eines Abends, beim Nachtessen, der Herr Dengler kam nämlich sehr ost bei uns essen, sagte ich zu ihm: Herr Dengler, möchten Sie mir vielleicht einen Gefallen thun?" Er sagte: Mit dem größten Vergnügen." Dann sind Sie so gut," sagte ich, und seien Sie mein Schatz." Julie wurde dunkelroth, und stieß mich unter dem Tische an, der Herr

Dengler aber sagte: Warum denn nicht, sage mir nur, was ich thun soll " Weiter nichts, als mich des Mittags um zwölf Uhr auf der Zeil grüßen, und ja nicht vergessen!" Er versprach. Am andern Tage nach der Schul zog ich ein paar nagelneue Handschuhe von der Schwester an und sagte zu meinen Freundinnen: Ihr könnt jetzt ruhig mit mir über die Zeil gehen, ich hab einen Schatz." Sie wollten mir's natürlich nicht glauben, nahmen mich aber aus Wunderfitzigkeit mit. Erst kamen ein paar miserableGymnasiasten daher und grüßten, und ich lachte laut und sagte: Da hab ich einen anderen!" Plötzlich sah ich den Herrn Dengler über den Weg auf uns zugehen. Schnell stieß ich meine Freundinnen an. Dort kommt er, der ganz Große mit dem Bart und dem braunen Hut!" Da wollten sie sich halb todt lachen und mir's nimmermehr glauben; mir aber klopfte' das Herz vor Angst, der Herr Dengler könnt am End nicht Wort halten und mich sitzen lassen und nicht gehörig grüßen. Er zog aber den Hut bis tief auf den Boden und machte ein Gesicht, fo ernsthaft, als wäre er wirklich mein Schatz. Da sind meine Freundinnen sehr kleinlaut an der nächsten Ecke von mir weggegangen, und keine hat mehr auf mein dumm kindisch Zöpfche angespielt. Was nun meine Schwester Julie anbelangte, so hatte ich sie zwar sehr gern, allein elf Sachen an ihr auszusetzen: 1) war sie langweilig, 2) viel zu brav, 3) unangenehm auf Ordnung aus, 4) weinte sie wegen nichts. 5) konnte sie sich nicht im Geringsten in die Natur eines anderen Menschen, zum Beispiel in meine, versetzen, 6) predigte sie in der unangenehmsten Weise, 7) war sie nicht von ihrer weiblichen Handarbeit zu trennen, 8) behauptete sie nichts mit Eharakterstärke, 9) legte sie den ungebührlichsten Werth auf Manieren, 10) war sie weit davon entfernt.Eourage zu haben und 11) wurde sie immer roth. Eines Tages hielt ich, nach nicht zu beschreibenden Streitereien, meiner Schwester ihre sämmtlichen Eigenschaften vor, indem ich ihr sagte, daß sie um Gotteswillen mit einem solchen Mangel an Energie nur nie an's Heirathen denken solle, denn Kindern müsse man vor allen Dingen imponiren, und dazu habe sie nicht das geringste Talent. Herr Dengler kam gerade zu unserer Unterhaltung herein, und ich habe ihn zum Schiedsrichter aufgestellt, indem ich fragte: Herr Dengler. welches ist denn eigentlich die Haupteigenschaft, die eine zukünftige Frau haben soll, doch gewiß nicht roth werden", wie's bei Julie alle Augenblicke der Fall ist?' Darauf hat sie sick schnell gegen's Fenster gekehrt, und als ich merkte, daß ihr schon wieder die Augen unter Was ser standen, sagte ich Herrn Dengler in's Ohr: Meinetwege. trösten Sie sie ein Bischen,", und machte mich aus dem Staub. Was aber erlebte ich. als ich zum Nachtessen in die Eßstube kam! Julie hatte sich mit Herrn Dengler verlobt, und wir tranken Champagner. Kurze Zeit darauf bin ich in's Institut gekommen; als ich ein Jahr später zur Hochzeit der Schwester in den Sommerferien zurückkam, verwunderte sich ganz Frankfurt über meine Veränderung hauptsächlich aber Aron Weideles. Gott," sagte er, wo ist denn's Knöpfche gebliebe ich kenn' ja das groß sittsam Fräuleinche gar nit widder! sage Se mer um Gotteswille, wie so ne vortheilhafte Veränderung möglich is?" Ja. sehen Sie, Aron," hab ich geantwortet, das kommt ganz allein von der Liebe zur Tugend, oder können Sie mir vielleicht zum Beispiel aus der Geschichte oder dem Leben einen Menschen nennen, den die Liebe zum Gelde besser gemacht?" Da hat er gesagt: Stuß!" aber mit einem sehr nachdenklichen Gesicht, und ich hab gerufen: Etsch. da haben wir's, die Tugend ist doch mehr werth!" Die erste Perücke.

Der Herzog Philipv der Gute von Burgund (13961467) hatte während einer langen Krankbeit sein ganzes Kopfhaar verloren. Dies war ihm um jo unangenehmer, als er sich damals gerade mit der schönen Jsabella von Portugal verlobt hatte. In seiner Noth nahm er Zuflucht zn einem schwar zen Sammtkäppchen, das auch den Mangcl an Haar sehr gut verdeckte. Sein Hofstaat beeilte sich natürlich sofo.t. die sonderbare Tracht des erhabenen Gebie ters nachzuahmen. Die Portugiesen erstaunten nicht wenig, den ganzen Hofstaat mit geschorenem Haar und ammtläppchen einziehen zu sehen, aber die Burgunder sagten ihnen, daß ein front mer Einsiedler diese Tracht anzulegen befohlen habe. Tie Bcrmählungsfeierlichkeiten begannen und wurden von Philipp mit höchstem Glänze ins Werk gesetzt. Eines Abend, als bereits tiefe Stille im ganzen Schlosse herrschte und die Jnfantin vor ihrem 'Betpulte ihr Nachtgebet sprach, trat leise der Herzog Philipp durch eine Seitenthüre in das selbe Gemach. Als galanter Ritter bat er seine liebliche Braut'um Verzeihugn seiner Kühnheit, indem er voll Zart lichkeit ein Knie vor ihr beugte. Nach und nach ließ sich die Schöne erflehen und lauschte nicht ohne Wohlgefallen den süßen Schmeichelworten ihres zu künftigen Gemahls. Da wollte das Unalück. daß bei einer unvorsichtigen

Wendung Des Herzogs dessen schwarzes Käppchen herabsiel. Beim Anblick ce ehrwürdigen Schädels, der so ganz iind gar seiner natürlichen Zierde beraubt war, konnte die Prinzessin sich eine laugten Auflachens nicht enthalten. tt Herzog war anfangs wie vom Blitze getrosten, dann, sich plötzlich besinnend eilte er aus dem Gemache, begleitet von dem schallenden Gelächter seiner Braut. Am nächsten Tage wurde die Hochzeit feierlich vollzogen. Aber finsterer Miß muth lag auf des Herzogs Zügen. End lich wagte es ein angesehener Hofmanrr ihn um den Grund seiner Verstimmtheit zu fragen. Gnädigster Herr," so sprach er, ganz Brüssel ist untröstlich über Euren Schmerz, vermag den Niemand zu Im dern?" Unmöglich," erwiderte traurig der gute Philipp, es gibt für mich keine Hilfe, und ich wäre doch so gern geliebt. Aber, gnädiger Herr, die Jnfantiir müßte doch blind sein, wenn " Wenn sie nicht sähe, daß unter die sem verfluchten Käppchen auch nicht die Spur eines winzigen Härchens ist." ..Der Hofmann setzte sofort einen hohen Preis für denjenigen aus, welcher diesem Mangel abhelfen oder ihn mit Hilse der Kunst ersetzen könnte. Schon war er daran, zu verzweifeln, daß je ein Mensch ein Ersatzmittel für verlöre ne Haare finden würde, da ließ ein bäurisch gekleideter Mann bitten, ihn vorzulassen. Kaum war dieser cinge treten, so zog er aus einem Sack ein. Käppchen heraus, das mit herrlichen, langen blonden Haaren versehen war. Beim Anblick dieses Meisterstückes lant der ehrwürdige Herr vor Freuden fast aus dem Häuschen. Wie heißt Du?" fragte er hastig den Fremden, sage mir Deinen Namen, würdiger Manu." Pierre Lorchart, Herr, ich bin au? Tijon und meines Gewerbes Bart scheerer." Am Abend dieses denkwürdigen Ta ges gab Philipp den Brüsselern einen glänzenden Ball und erschien auf die sem mit einer Perücke von Herrlichstern blonden Haare. Ter ehrwürdige Chronist verschweigt, ob die schöne Jsa bella seitdem mehr Neigung für ihren Herrn Gemahl empfunden hat. Dem sei nun, wie ihm wolle, viele unserer Leser werden sicher mit Empfindnngcn des Dankes an ihren Kopf greifen und das Andenken Pierre LorchartS segnen des Erfinders der Perücke. Merkwürdige Grabschriften. In einem kürzlich erschienenenBüch'lein 170 merkwürdige Grabstein-Jn schriftcn" etc., das von einigen Alpen Wanderern zusammengestellt ist, kom men die Frauen schlecht weg. So heißt es auf dem Leichenstein eines Ehemann nes im Duxerthal: Der Weg nach Golgatha, so muß ich"klagen. Konnt' nicht so schrecklich als mein Leben sein. Ich mußt' nicht nur mein Hauskreuz tragen. Nein, putzen, füttern obendrein. Auf dem Grabe einer Frau amBrenner heißt es: Thränen können dich nicht mehr zum Leben zurückrufen, darum weine ich." Der brave Ehemann dürfte das ganz anders gemeint haben, es kam ihm aber so heraus. Sehr räthselhaft ist die Inschrift eines Grab-, steins in Perchia im Pusterthal. Da. heißt es: Hier ruht Herr Tobias Mair, bürgerlicher Metzgermeister, und seine noch lebende Gattin." Auf cinern. Grabstein zu Fcldkirch ist zu lesen: Hier ruht Franz Joseph Matt, Der sich zu Tod gesoffen hat. Herr, gieb ihm die ewige Ruh" Und ein Gläsle Schnaps dazu. Eine neue Art von lebendigen Wesen entdeckt der Verfasser einer Marterln inschrift am Kaisertauern. Sie lau--tet: Im kalten Jahre 1853 sind hier zwei Menschen und zwei Böhmen er--trunken." Sehr gut meint es auch ein braver, aber offenbar unvorsichtiger Schwager auf einem Marterl im Lavanthal. Da heißt es: Hier ruht der ehrsame Johann Missegger, auf der Hirschjagd durch einen unvorsichtigen Schuß erschossen aus aufrichtiger Freundschaft von seinem Schwager Anton Steger." Nicht enthalten ist in dem Buche die einer anscheinend beispiellos bösen Sieben gewidmeten Inschrift, als de--ren Dichter sich der trauernde Ehemann bekennt: Nun ist sie todt; Gott sei's gedankt, Sie hat den ganzen Tag gezankt. Lieber Leser, geh' weg von hier, Sonst steht sie auf und zankt mit dir. Erster Gedanke.

I I .

k

Bummel (der früh Morgens vorn Kommers heimkehrt und sein ganzes Meublement, den Stiefelknecht, vor der Zimmerthüre findet): Sollte mich am Ende gar meine Zimmerfrau cn die Lust gesetzt haben?!" Ein Zweifler. Es ist Jemand im Wartesaal. Herr Doctor." Ein Herr oder eine Dame?" JH weiß nicht, die Verson ist im Svort--l koftüm.' r. ' ' ' -

Jwll

i 7nri

i i