Indiana Tribüne, Volume 22, Number 221, Indianapolis, Marion County, 30 April 1899 — Page 6
Zlm einen Kuß.
Won H. von Remagen. Am wolkenlosen Himmel sieht die 'onne und sendet glühende Strahlen herab auf die ungarische Pußta. Ich lag nicht weit vom Ufer der Theiß, gab Erich dem ganzen melancholischen ZauDer der Natur hin und träumte; es summte in meinem Hirn; ich schwankte zwischen Bewußtsein und Schlaf. Da schien es mir, als ob sich etwas über inich beugte, doch mir fehlte, die Kraft, Vic Augen zu öffnen, ich fühlte nur, mit irgend ein Wesen über meinen Körper geneigt stand. In Folge einer ungeschickten Bewegung stieß dieses Wesen an meinen Schirm. Tiefer fiel auf mich, ich erwachte. Bor mir stand ein Märchen der Pußta, ein hübsches .Kind im Alter von vielleicht sechzehn Jahren. Sie sah erst mein Bild, dann rnich an, der ich ruhig, die Arme unter 7?em Kopfe verschränkt, liegen geblieben N?ar. Du haft dies gemalt?" Ich nickte. Kannst Du mich auch malen?" ja, gewiß." Wieder sah sie bald das Bild, bald roich an. Endlich trat sie ganz nahe cuf mich zu. Male mich." bat sie. Ich erhob mich halb. Ich will Dich malen, aber Du gibst mir dafür einen Kuß." Du sollst einen Kuß haben, aber txux einen male mich." Ich nahm mein Skizzenbuch und tnaz bald mit dem zwar flüchtig hingeworfenen, aber doch wohlgetroffenen Vildchen fertig. Des Mädchens Gesicht strahlte, als fch das Konterfei in ihre kleine Hand legte. Und nun mnne Belohnung?" Ich legte den Arm um ihre Taille, um das Versprochene mir selbst zu nehinen, da entschlüpfte das Mädchen mir wie ein Aal. Heute Abend," sagte sie, wenn wir uns wiedersehen. Ich bin Daniela, W Tochter vom Wirth drüben in der Csarda!" Daniela war verschwunden. Ich siellte den Schirm wieder in Ordnung und griff auf's Neue zu Pinsel und Palette. Es war bereits dunkel geworden, als ich in der Csarda anlangte. Vor der Thüre stand der Wirth, eine kräftige, große Gestalt mit grauem Haar und Bart. Er reichte mir gutmüthig die Hand und wies mich nach der Schenkstube, us der mir Musik und Tanz entgeg?nschallte. Ich trat ein. stellte mich in nie Ecke und sah zu. Daniela schwang sich mit einem dunkeläugigen, verwegen aussehenden Burschen. Als die Musik geendet, ging ich hinaus in's Freie. Vor der Thür floß die Theiß ruhig und murmelnd dahin. Als ich in das fluthende Waffer sah, berührte Jemand meine Schulter. Ich drehte mich um, Daniela stand vor mir, noch erhitzt vom Tanze. Sie sah berückend schön aus. Ich will mein Bild von heute Morgen bezahlen," begann sie. Doch darf es Niemand sehen, vor Allem Gyulai nicht." Wer ist Gyulai? Dein Schatz?" Sie nickte und hielt mir ihren z ihen Mund hin. Ich legte den Arm um ihre Taille, 'beugte mich über sie und preßte mei'nen Mund auf ihre schönen, halb ge'öffneten Lippen. In diesem Augenblicke fühlte ich mich von einer Riescnfaust im Genick gepackt und in mächtigem Schwünge flog ich in's Wasser. Aeußerst schnell war mein Blut getühlt durch dieses Sturzbad. Mit einiger Anstrengung erreichte ich la Ufer. - Mir war dabei etwas unbehaglich zu Muthe. Daß ich Gyulai das Bad ver"dankte, war mir völlig klar. Wie aber, lütrm er jetzt auf mich wartete? Aber, Gott sei Dank der Platz "war leer. Ich schlüpfte durch die Thür, an der ?chan!stube vorbei und stand eben im Aegriff, mein Schlafgemach, den Heuboden. aufzusuchen, als sich eine kräfitQt Hand auf meine Schulter legte. W war Gyulai. Ich möchte Dir auch danken," be'gann derselbe, daß Du mir den Schatz so schön gemalt." Jcki athmete auf. Ich that's gern, lZyulci. hatte aber doch wohl eine B?lohnung dafür verdient. Du hast mich jedoch zum Dank in's Wasser geworfen. Wie, wenn ich nun nicht hätte schwimmen können?" Daran hatte der Bursche schwerlich g:dacht, denn er sah mich höchst erstaunt an. Diesmal hat's nicht's geschadet, ober lieber wär' mir's doch, ich hätte jetzt trockene Kleider an." Dann klopfte ich ihm auf die Schulter und kroch in's Heu. Am anderen Morgen wanderte ich 'weiter, Daniela nickte mir aus dem Fenster zu. Um einen Kuß aber habe ich nie wieder ein hübsches Mädchen gemalt. Ein gefährlicher Auf trag. Arzt: Sie müssen Ihrer ifxau befehlen, daß sie infolge der Luftrohren - Entzündung einige Tage so wenig als möglich spricht." Ehemann: Möchtens Ihr das nicht selbst befehlen, Herr Doctor?" Verdacht. Dichter: Ihr Hund hat mir die Hosen zerrissen." Hausherr: Ja, da werden Sie ihm vuhl wieder etwas vordeklamirt haUn" EinechterNange. SchuStclritlinq (den sein alter Meister derhaut): Meester, weeß Jott, ick muß Ihnen zu . Ihrer seltenen Rüstigkeit ratu.rren!
Kildesyeim. Wo der Harz seine letzten Ausläufer gegen den Norden aussendet und die Innerste, durch keinen Gebirgszug mehr gehemmt, durch ebener gewordenes Land langsam dahinfließt, erstreckt sich eine fruchtbare und freundliche Landschaft. Mit dunklen Wäldern reich geschmückte Höhenzllge bilden ihren Rahmen, prangende Felder wechsein mit grünen Wiesen ab, und Dorf reiht sich an Dorf. Inmitten dieses friedlichen Geländes ragen die stolzen Thürme von Hildesheim empor.
Wir stehen hier an einer uralten Stätte menschlichen Schaffens und Wirkens; denn an diesem Punkte, in em alle Weae lim schneiden, die von den Bergen herabführen, befand sich, wie vorgeschichtliche Funde beweisen, schon lanqe vor christlicher Zeit eine Ansiedelung. Berühmt sind die AusAltdeutsche Herberge. grabungen, die auf Spuren altgermanischen Lebens in dieser Gegend hinführen. Am Galgenberge wurde im Jahre 1868 der Hildesheimer Silberschätz" gefunden, kostbare Gefäße und (eräthe, die als Werke der Schmiedeunst aus römischer Kaiserzeit erkannt worden sind und die vermuthlich ein Beutestück aus der Varusschlacht bildeten. Schwere Stürme zogen über das Land, als Karls des Großen wuchtiges Schwer! dem Sachsenvolke tiese Wunden schlug. Doch als die trotzigen Heiden bezwungen waren, da blühte junges, frisches Leben auf, da wurde der Keim gelegt zu Hildesheims künftiger Blüthe. Karl der Große gründete im Jahre 796 ein Bisthum zu Elze, und sein Nachfolger, Ludwig der Fromme, verlegte es nach Hildesheim. Das Snft wuchs mit der Zeit an Macht und Bedeutung und s wurde auch zu einer Stätte, an welcher die Kunst eifrige Pflege fand. Unvergeßllche Verdienste haben sich m dieser Hinsicht vor allem die Bischöfe BernR a t h h a u s. ward (9931022). Godehard (1022 1038) und Hezilo (10541079) erworden. Ihnen verdankt Hlldesheim den Besitz von Bauten und Erzarbeiten, die heute zu den herrlichsten Denkm'alern romanischer Kunst zählen. In den Mauern Hildesheims wetteiferte jedoch auch der Bürgersinn mit den kirchlichen Fürsten. In den Einwohnern der Stadt lebte der Trotz der alten Sachsen fort. Sie strebten nach Unabhängigkeit, und sie schüttelten die Herrschaft der Bischöfe ab. Die Stadt trat im Jahre 1241 der Hansa bei und erfreute sich wichtiger Rechte und Privilegien. Ein wackerer, arbeitslustiger, aber auch lebensfroher Sinn belebte die Bürger, und sie bauten ihre Häuser so kunstsinnig und eigenartig, leisteten so Meisterhaftes im Holzbau, daß die alten mit Holzschnitzereien und Malereien geschmückten Häuser Hildesheims heute zu den größten (ÄhensWürdigkeiten zählen. Sie werden auch pietätvoll erhalten, obwohl die Stadt Eckemeckerstraße. in fröhlichem Wachsthum begriffen ist und im Laufe der letzten Jahrzehnte ein durchaus modernes Viertel in der Nähe des Bahnhofes entstand. Der Fremde wandert jedoch' rasch durch die neuen Straßen; ihn locken die Altstadt und die Domfreiheit. Hat er die Häuserfluchten mit den modernen Hotels und den großen Schauläden hinter sich, so ändert sich langsam das Städtebild. Die Straßen werden enger, hier und dort zieht ein Fachwerkhaus mit etagenweise vorspringendem Giebel die Aufmerksamkeit auf sich, man erkennt an den Balken Schnitzerei und bunte Bemalung, man dringt weiter vor und steht plötzlich vor einem Straßenbilde wie vor einer fremden Welt: die bunten Häuser, die reichverzierten Erker, die spitzen Giebel, das alles gehört der Gegenwart nicht mehr an. Man möchte beinah' erwarten, i den Erkern holde, blauäugige Jungfrauen in altdeutschern Gewände züchtig am Spinn-
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rocken sitzend zu schauen und würdige Rathsherren in Amtstracht aus den ich mit Schnitzereien verzierten Hauskhüren hervortreten zu sehen. An der Altdeutschen Herberge' vorbei, die zu den ansehnlichsten FachwerkHäusern gehört, gelangen wir bald auf den Mittelpunkt der Stadt, den Marktplatz. Die eine Seite füllt ganz die wundervolle Fassade des schönen Rathhauses aus. an der anderen lenken das an Farbcnschmuck überreiche Wedekindsche Haus mit seinen vorspringenden Erkern und Giebeln, daneben der merkwürdige Steinbau des Templerhauses mit den beiden Thürmen rechts und links und dem Rathhause gegenüber das prächtige ctno chenhaueramtshaus" die Aufmerksamkeit auf sich. Von künstlerischem Reiz ist auch der alte Rolandsbrunnen auf dem Markte. Die größte Zierde des Marktplatzes ist ohne Zweifel das Rathhaus. Es ist im spätgothischenStil gehalten und mit Laubengängen versehen; seine Errichtung fiel in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Verlassen wir den Marktplatz und wenden uns an der alten Rathsapotheke vorbei, nach einem Blicke auf den Hohenweg. die Hauptverkehrsstraße der Stadt, wo die alten Fachwerkbauten mehr und mehr verschwinden, unter dem Säulenhaus hindurch dem Platze an der Andreaskirche zu, so stehen wir wiederum in einem berühmten Viertel Alt-Hildes-heims. In der Mitte die Kirche mit ihrem gewaltigen Thurme, ringsherum ein Kranz hübscher Fachwerkbauten, die überall durch den eigenartigen Schmuck der Schnitzerei. und Vemalung das Auge erfreuen, aus allen
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Rolandsstift. Seiten die Ausgänge enger Gassen und Gäßchen, in die das Sonnenlicht kaum eindringt. In eine dieser Straßen, die Eckemecker, treten wir ein. Hier fesselt uns der Anblick der von Godehard erbauten Andreaskirche, die neuerdings restaurirt wurde; wir gehen dann am Rolandsstist vorbei und wenden uns durch die Poststraße dem Domhofe zu. . Empfand man am Markte, daß man auf dem Boden einer selbstbewußten, stolzen Hansastadt mit kräftiger, reicher Bürgerschaft stand, so fühlt man hier, daß man am Sitz: kirchlicher Fürsten sich befindet. Seit mehr als tausend Jahren ist hier der MittelPunkt des kirchlichen Lebens. Der Dom ist ein Bauwerk der frühromanischen Zeit und zeigt in seinem Grundriß die sächsische Anlage der Basilika; er geht in seinen Anfängen auf die BiHaus Wedekind. schöfe Altfried (f 874) und Godehard (t 1079) zurück, doch haben auch die folgenden Zeiten daran mitgearbeitet und ihm ihr Gepräge aufgedrückt, so daß eine Wanderung durch sein Jnneres gleichsam ein Gang durch die Kunstgeschichte eines Jahrtausends ist. Was aber den Dom in aller Welt berühmt gemacht hat, das ist der Annenfriedhof, den nach Westen die östliche Apsis und die Kreuzesarme des Domes, auf den drei anderen Seiten die malerischen Kreuzgänge der Klostergebäude umschließen, und in dessen Mitte die rein gotisch Annenkapelle sich erhebt. Jahrhunderte alter Epheu bedeckt die Strebepfeiler und die Säulen der Arkaden, grüner Rasen überzieht die mit Blüthensträuchern geschmückten Gräber, und an der halbrunden Apsis des Domes breitet bis zum Dache der tausendjährige" Rosenstock seine Zweige aus. Wir verlassen den weihevollen Ort und wenden uns der Dammstraße zu, da öffnet sich nach wenig Schritten wieder ein etwas größerer Platz, der durch drei große Bauten beherrscht wird. Vor uns liegt das Landschaftsgebäude, rechts ein moderner Palast mit gewaltigen Schaufenstern, links endlich das Roemer-Museum mit der wohlgelungenen Büste seines Gründers vor der Psorte. Wir wenden uns rechts hinauf zur hochgelegenen Michaeliskirche. Dieser Bau geht in seinen Ansängen auf Bernward zurück, der im Pestjahre 995 dem heiligen Michael zu Ehren hier ein Benediltinerkloster baute. Erst Godehard aber hat 1033 den Bau vollendet, der dann leider schon ein Jahr darauf durch einen Blitzstrahl wieder zerstört wurde. Abt Theoderich nahm später eine umfassende Erneuerung vor. Ursprünglich war die Kirche doppelchörig und hatte zwei Querschiffe und sechs Thuren; auch ist bemerkenswerth. daß der hohe Chor hier im Westen lieat statt I wie gewöhnlich im Osten. Die Kirche enthält im Innern mancherlei Pracht-
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werke romanischer Jhinst, wundervolle Kapitäle an den Säulen und besonders ein berühmtes Deckengemälde. Zu Ehren Godehard's wurde im 12. Jahrhundert die Godehardi-Kirche gebaut, ein vollendetes Werk romanischen Stiles. Wir begeben uns hinab zu
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Dom. dem ernsten Bau, der in stiller Abgeschiedenheit daliegt; hier wird der Sinn durch nichts abgezogen, weltentrückt kann man sich in Betrachtungen verlieren über die Vergangenheit, deren Geist das Gemüth mächtig ergreift. v; Tcr Schüttina." in Bremen. In dem architektonischen Gewand der alten Hansestadt Bremen vollzieht sich gegenwärtig eine bedeutsameWandlung. Viele der alterthümlichen ngen Verkehrsadern der inneren Stadt mit ihren hohen, spitzgiebeligen Häusern, Charakteristika altnorddeutscher Bauart, mußten, um den gesteigerten Verkehrsanforderungen der Neuzeit zu genügen, einer beträchtlichen Verbreiterung unterzogen werden. Dabei sank leider auch manch prächtiger Zeuge mittelalterlicher Baukunst zur Erde, aber ein neuerPhönix entstand jedesmal aus seiner Asche. Sorgfältig verwendete man von altem Ornamentalschmuck, Reliefs u. s. w., was zu retten war, oder copirte sie, um, wenn auch in moderner Fassung, der Stadt ihr charakteristisches alterthümliches Aeußeres zu bewahren. Nachdem im vorigen Jahre die ErNeuerung des altberühmten Essighauses" glanzvoll beendet worden ist, hat nunmehr ein weiteres architektonisch hervorragendes und historisch merkwürdiges Gebäude Bremens seine Auferstehung gefeiert, der Schütting. Zur Erklärung dieses merkwürdigen Namens diene folgendes: In der Blüthezeit der Hansa, am Ende des 14.JahrDer Schütting-. Hunderts, vereinigten sich, durch die Ausdehnung ihrer Handelsinteressen veranlaßt, bremische Kaufleute zu einer Corporation, aus deren Mitte Borsteher oder Aelterleute gewählt wurden, die die Interessen der Kaufmannschaft wahrnehmen sollten. Da die Geschäfte in Kürze einen bedeutenden Umfang erreichten, stellte sich bald die Nothwendigkeit heraus, ein eigenes Gildehaus zu errichten, zu welchem Zweck aus den Kreisen der Kaufmannschaft Geld zusammengeschossen oder -geschüttet" wurde, und so entstand etwa im Jahre 1426 der Schütting". Nach einem vollen Jahrhundert wurde dieser erste bescheidene Bau unter Leitung des berühmten holländischen Baumeisters Johann dem Buschener von Antwerpen durch einen prächtigeren ersetzt, der in nen neunzigerJahren des 14.Jahrhunderts theilweise eine Erneuerung erfuhr. In der nun folgenden Periode des Niederganges der Hansa fand sich kein Geld, um das Aeußere des ehrwürdigen Baus zu erhalten, so daß. als in jüngster Zeit am Marktplatz stattliche Neubauten an seiner Seite erstanden, wie der prächtige gothische Börsenpalast, der Schütting in seinem verwitterten grauen Gewand die Gegenwart anzuklagen schien. So bildete seine Renovirung einen der Hauptpunkte eines großangelegten städtischen VerschönerungsplaneZ, den der Bremer Kaufmann und Kunstmäcen F. E. Schütte aufstellte und in freigebigster Weise durch Wort und That förderte. Die Renovirungsarbeiten, welche sast zwei Jahre dauerten, sind nunmehr vollendet. N euer Sprachunterricht. Das Amtsgericht in S. ist in großer Verlegenheit. Es ist ein des Einbruchdiebst'ahls beschuldigter Italiener eingebracht worden, der kein Wort deutsch kann, und im ganzen Städtchen ist kein des Italienischen Kundiger aufzutreiben. Wie soll da der Richter in der gesetzlichen Frist die Vernehmung bewerkstelligen? Da erscheint Hilfe, wo sie am wenigsten zu erwarten ist. In der Nacht versucht der Jnhaftirte auszubrechen. Der Gcfangenwärter erwischt ihn, bringt ihn gut unter und mißt ihm wahrscheinlich um die Personalbeschreibung zu vervollständigen mit einem dicken Rohrstock die Rückseite nach ihren verschiedenenAusDehnungen so gründlich ab, daß man am andern Tag die Spuren dieser weisen Maßregel noch deutlich sieht. Der Gefangene läßt sich infolge dieser Behandlung vorführen und beschwert sich in fließendem Deutsch über die erliitene Mißhandlung. . . ,
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Würg Lauenstein. Von der Station Probstzella an der Eisenbahnlinie Verlin-Nürnberg Windet sich der Bahnzug durch das enge und romantische Thal der Loquitz unter dem Stöhnen der Locomotive in starker Steigung dem Kamm des Gebirges zu; es sind die Ausläufer des Thüringerwaldes nach dem FrankenWald zu, die hier, wenige Kilometer hinter dem bayerischen Städtchen Ludwigstadt, die Wasserscheide zwischen Elbe und Rhein bilden. Das Loquitzthal war, wie man schon aus seinem Namen erkennen kann, von Wenden, und zwar bis weit nach Franken hinein von dem Stamme der Sorben bewohnt, den Karl der Große in zwei Kriegszügen unterjochte. Die Linie, die jetzt die Bahn einnimmt, bildet einen Gebirgspaß, der während des frühen Mittelalters eine wichtige Berkehrsstraße gewesen zu sein scheint und die Verbindung zwischen Thüringen und Franken herstellte. Zwischen Probstzella und Ludwigstadt liegt auf einem hohen Bergkegel, der das Thal der Loquitz weithin beherrscht, bei dem gleichnamigen Dorf die Burg Lauenstein. Wahrscheinlich ist sie vom König Konrad I. von Iranken um das Jahr 915 gegründet worden und war zuerst im Besitze der Grafen von Henneberg. Bereits um das Jahr 1000 kam Lauenstein in den Besitz der Grafen von Orlamünde. eines in der dortigen Gegend vielfach begüterten Geschlechts. Das Christenthum hatte damals in den ehemals
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Gesammtansicht. Wendischen Gebieten noch wenig Verbreitung gefunden, und dieser Umstand veranlaßte die Gründung des Bisthums Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007. Im Jahre 1002 weilte dieser als Gast auf der Burg Lauenstein und versah sie mit werthvollen Privilegien und Rechten. Im 13. Jahrhundert gericthen die Grafen von Orlamünde mit den Erfurtern in Streit und fügten ihnen viel Schaden zu, so daß diese sich beschwerdeführend an Rudolf von Habsburg wandten, der ihnen den Auftrag ertheilte, Lauenflein zu zerstören. Im Jahre 1290 mußte sich die Burg den Erfurtern ergeben und wurde ein Raub der Flammen. Durch Erbtheilung kam die Herrschaft Lauenstein Ende des 14. Jahrhunderts an Otto VII. von Orlamünde, der die Burg neu aufbaute.. Lange scheint er sich seines Besitzes nicht erfreut zu haben, denn schon im Jahre 1400 starb er. Sein Grabstein, auf dem er mit seinem Ahnenwappen abgebildet ist, befindet sich in der Pfarrkirche zu Ludwigstadt. Durch vielfache Fehden, namentlich mit den Landgrafen von Thüringen und den Grafen von Schwarzburg, welch' letztere im Anfang des 15. JahrHunderts die Burg vergeblich zu erstürmen versucht hatten, rieben die Orlamünde ihre Kräfte auf. Im Jahre 1430 erwarben die Grafen von Gleichen die Herrschaft Lauenstein, dann gehörte sie in kurzer Aufeinanderfolge den Herren v. Mosin, v. Heimburg, v. Seldeneck, den Grafen v. Mansfeld, und schließlich erwarb sie im Jahre 1506 Friedrich Frhr. v. Thüna, der einen Aufstand, den die Ludwigstädter während des Bauernkrieges versucht hatten, mit starker Hand niederwarf. Sein Sohn Christoph v. Thüna war sehr kunstsinnig; er führte den nördlichen Flügel der Burg um 1560 vollständig neu auf und gab dieser in der Hauptsache das Gepräge, das sie noch heute besitzt. Im Jahre 1622 erwarben die Markgrafen von KulmbachBurghof. Baireuth die Herrschaft Lauenstein, von denen sie 1791 durch Erbschaft an Preußen und 113 durch Tausch an Bayern kam. Die bayerische Regierung verlauste die Burg, und schließlich befand sich diese im Besitz einer Genossenschaft, die das Geschäft der Schiefertafelfabrikation darin betrieb. , Im Jahre 1896 erwarb , Dr. jur. Meßmer aus Halle a. S. die Burg Lauenstein, um sie durch die Architekten Lehmann und Wolsf als Wohnsitz ausbauen zu lassen. Bei der Renovirung wurde nach Möglichkeit erstrebt, den muthmaßlichen früheren Zustand wiederherzustellen und moderne Zuthaten zu vermeiden. Namentlich der stattliche Thllna'sche Flügel mit seiner mächtigen, überwölbten Pmnkhalle im Erdgeschoß, den reichgeschnitzten Holz, decken und Bertäfelungen im Obergeschoß, seiner stattlicden Haupttreppe
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und der im Mauerwerk versteckten Geheimtreppe dürften das Interesse des Besuchers erwecken. Auch den von Otto' VII. von Orlamünde um 1400 errichteten Pallas läßt der Besitzer gegenwärtig unter Leitung der genannten Architekten wiederherstellen. Die große gewölbte Halle, die das ganze Erdgeschoß einnimmt, soll von der Hand des Kunstmalers Kellner in
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P r u n k h a l l e. Nürnberg mit Fresken geschmückt werden und die Geschichte der Grafen von Orlamünde fowie die Sage von der Weißen Frau zur Darstellung bringen. Letztere war eine Gräfin von Orlamünde und auf Lauenstein geboren. Der ehemalige Bergfried, ein Rundthurm mit starken Mauern, der jedenfalls zu den ältesten Theilen der Burg gehört, da sein Mauerwerk in dem schon bei den Römern vorkommenden opus spicatum (Fis chgrätenverband) ausgeführt ist, wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts bis auf etwa 16 Fuß abgebrochen. Es ist Aussicht vorhanden, daß auch er von dem kunstsinnigen Besitzer in nicht allzu ferner Zeit wieder aufgebaut werden wird. Einen ganz besonderen Reiz erhalten die Räume der Burg durch eine reiche und werthvolle Sammlung von altem Geräth, Waffen und Möbeln, die hier ihre Aufstellung gefunden haben, und deren Besichtigung Jedermann gestattet ist. Ein schöner Gedanke. Seppl (den der Lehrer tüchtig geprügelt hat): Groß möcht' i jetzt sein und Kirchweih sollt' sein und der Lehra sollt' auch Hinkomma und i könnt mit ihm raufen!" Nach dem Frühschoppen. Da hab' ich meiner Alten heut' früh einen Hasen versprochen; statt dem . . . bring' ich ihr jetzt einen Affen, bin nur neugierig auf die Sauce, die sie mir dazu machen wird!" Vereinfachung. Wie, Sie kennen keine Copirpresse? Sie waren doch Kaufmann!" Ja, aber in Indien; da legten wir das Copirbuch einfach zwischen zwei Bretter und benutzten Elephanten als Presse!" . Eingegangen. Strolch: Ach, entschuldigen Sie, haben Sie vielleichl einen Gendarmen gesehen?" Spaziergänger: Nein!" Strolch: Nicht? Dann haben Sie wohl die Güte und geben mir Ihre Uhr und das Portemonnaie !" Mo derne Ehe. Mutter: Es ist wahr: er ist ein bischen alt, aber er ist reich! Hoffentlich hast Du ihm nicht gesagt, daß Du ihn nicht liebst? Töchter: Was fällt Dir ein? Damit wart' ich, bis wir verheirathet sind. Bissig. A.: Wann haben Sie denn Ihre Braut kennen gelernt?" I.: Nie!! Sonst wär' ich jetzt nicht verheirathet!" .,.
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Dame (die Hausthür öffnend, mitleidig): Was ist denn hier für ein armes Hundchen, das so jämmerlich winselt?" Bettler: Entschuldigen Sie. Madame, ein reisender Thierstimmenimitator, der seit drei Tagen keinen warmen Löffel" mehr im Leib hat!" - Auch eine Hochzeitsreise. Der Hausmeister Schnaky hat heute gcheirathet und da seine Herrschaft gerade abwesend ist und er nicht das Haus verlassen darf, macht er seine Hochzeitsreise im Fahrstuhl. Affenliebe. Nun hören Sie's selbst, gnädige Frau, wie ungezogen Ihr Liebling ist! Eben wollte ich ihm eine Aufgabe geben und er erwidert: er pfeife auf meine Anordnungen!" Gott, was kann das Kind dafor, das es ist so musikalisch?!" Einfach. Kritiker (zu einem jungen Schrift, steller): Sie haben gar kein Talent, lieber Freund, Sie sollten sich lieber einen anderen Beruf wählen!" Junger Schriftsteller: Aber es drängt mich zur Feder, Herr Doktor!" Kritiker: Nun dann würde ich doch Geflügelhändler werden!" Vielversprechender Sohn. Moritzl: Tateleben, kauf mir einen neuen Anzug!" Ich hab' ka Geld!" Moritzl: Warum machst De nix Concurs?" Aus der Schule. In welcher Stelle der Bibel sieht denn, daß der Mann nur ein Weib nehmen soll?" Wahrscheinlich da, wo es heißt: Niemand .kann zween Herren dienen!" Splitter. Auch dem Unglücklichen, schlägt keine Stunbe.'wenu die Uhr im Leihamt sich befindet.
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