Indiana Tribüne, Volume 22, Number 214, Indianapolis, Marion County, 23 April 1899 — Page 3

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Criminal-Roman von M- E.Vraddon. (2. Fortsetzung.) O, doch, Vater," erwiderte sie. die Augen von ihrer Arbeit erhebend und traurig zu ihm aufblickend, ich bin sehr ehrgeizig für Dich." Dazu ist es zu spät, meine Tochitx," seufzte Peter Wenk. achselzuckend, damit ist es ein für alle Mal vorbei. Du weißt, wie ich gearbeitet und gekämpft habe, und wie mir Alles, n?aZ ich unternahm, fehlschlug. Du warst mir immer eine gute Tochter, mir imnier gleich treu in der Freude, wie im Kummer die Freuden waren spärlich genug, aber Du hast alles Leid ge'duldig ertragen. Nach meiner Empfindung bist Du die beste und edelste der Frauen, nur in einem Punkte un terscheidest Du Dich von den übrigen Deines Geschlechtes." Und was ist das. Vater?" Du zeigtest niemals Neugier. Du sahst mich zurückgestoßen, wo immer ich versuchte, Fuß zu fassen. Du sahst mich den einen und dann den andere. Äeruf ergreifen und in allem meinem Mühen und Streben stets erfolglos. Ich war Buchhalter, Schauspieler, Journalist, ein gewöhnlicher Arbeiter, der für täglichen Lohn arbeitet, doch was ich auch anfing, wohin ich mich auch wendete, Alles mißglückte mir. Du hast das Alles gesehen und darunier gelitten, aber mich niemals gefragt, weshalb das so war. Niemals versuchtest Du, das Geheimniß meines Lebens zu entdecken." Thränen stiegen Ursula in die Augen. Wenn ich es nicht gethan habe, theurer Vater," erwiderte sie, untzrließ ich es, weil ich wußte, daß Dein Geheimniß Dir schmerzlich sein mußte. Ich habe Nacht für Nacht wach gelegen und mich gefragt, was die Ursache des Mißgeschickes war, das Dich verfolgte. Aber weshalb sollte ich Dich mit Fragen bestürmen, die Du nicht ehne Schmerz beantworten konntest? Ich hörte die Leute viel Böses über Dich sprechen, aber sie wiederholten es nie ein zweites Mal in meiner Geg?ngenwart. O, Vater, theuerster Vater!" rief sie, ihre Arbeit bei Seite werfend und neben seinem Stuhl niederknieend, ich bitte Dich nicht um Dein Vertrauen, wenn es Dir schmerzlich ist, es mir zu schenken, aber glaube mir, daß ich Dir immer die gleiche Liebe bewahien werde, unddaß.ob DuDich mir anvertraust oder nicht, nichts auf Erden stark genug ist, mein Herz von Dir abzuwenden." Bist Du dessen gewiß. Ursula?" fragte Peter Wenk der Tochter völlig Gesicht blickend. Ganz gewiß." Nichts könnte mir Dein Herz tnl reißen?" Nichts in der Welt." Wie, wenn ich Deiner Liebe nicht würdig wäre?" Ich kann so etwas nicht denken, Vater, doch die Liebe richtet sich niernals nach den Verdiensten dessen, den wir lieben." Du bist ein hochsinniges Mädchen, Ursula, und ich glaube Dir, daß Du mich liebst. Solltest Du das Geheimniß meines Lebens nicht errathen haben. Kind?" Ursula senkte den Kopf, antwortete aber nicht. Kannst Du das Geheimniß nicht errathen, Ursula? Fürchte Dich nicht, es mir zu gestehen, meine Tochter." Ja, Vater, ich glaube, es errathen zu haben," erwiderte sie mit leiser Stimme. , , So sprich. Kind." Du mußt einst in Deiner frühen Jugend unüberlegt und ohne die Tragweite Deines Thuns zu verstehen, ein Unrecht begangen haben und obgleich Du später aufrichtig bereutest und ein tadelloses Leben zu führen wünschtest, wollte die Welt jenes alte Unrecht weder vergessen, noch vergeben. Ist es so, Vater?" Ja, Kind, Du hast. Alles ziemlich genau errathen, und nur einer Thatsache nicht erwähnt. Das Unrecht, das ich beging, war von mir um eines Anderen Willen begangen worden, der mich dazu verleitet hatte. Ich zog keinen Nutzen daraus und hatte niemals die Absicht, einen Vortheil aus jenem Vergehen zu ziehen, doch als die Enideckung erfolgte, war ich es, den Schmach und Verderben traf, während der Mann, der sich meiner als Werkzeug bedient hatte, mir kalt den Rücken kehrte, und sich weigerte, ein Wort zu meiner Rechtfertigung zu sagen, obgleich er sich dadurch nicht der geringsten Gefahr aussetzte und er mich durch seine Fürsprache hatte retten können. War das nicht sehr hart, Ursula?" Hart? Es war grausam, feige und niederträchtig!" rief das Mädchen mit zornbebender Stimme. Von jenem Tage an war ich ein verlorener Mensch, Kind, ein G:brandmarkter, von dem Jeder sich abwendete. Ein rechtschaffenes Leben zu führen war mir bei der allgemeinen Feindseligkeit gegen mich nicht möglich und so befand ich mich bald unter Genossen. die das Licht zu -scheuen hatten, wie ich. Ich wurde wegen Falschmllnzerei verhaftet, schuldig erklärt und zu langjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt. Am Ende meiner Strafzeit stellte mir der Anstaltsdirektor ein sehr gutes Zeugniß aus. Aber, was half es mir? Ich war und blieb ein entlassener Zuchthäusler, von dem Niemand etwas wissen wollte. Es war mir nicht möglich, das Vorurtheil der Welt zu überwinden und so sank ich tiefer und tiefer. . Aber für jede

Schmach, die ich erduldete, für jede Sünde, die ich beging, mache ich jenen Mann verantwortlich!" Ursula hatte sich erhoben. Bleich und zitternd stand sie vor ihrem Vater. Nenne mir seinen Namen, nenne mir den Namen des Ruchlosen." Weshalb willst Du seinen Namen wissen. Ursula?" Ich bitte Dich, Vater, nenne mir seinen Namen," wiederholte sie ungeduldig. Er heißt Alfred Dawson. Sein Vater, dessen Todesanzeige ich im März in der Zeitung las, war der bekannte reiche Bankier. Sein Onkel starb schon vor zehn Jahren und er wird das ungeheuere Vermögen von Vater und Onkel erben. Er hat niemals durch jenes Unrecht gelitten, das so unheilvoll für mich wurde. Jetzt wird er wahrscheinlich aus Indien heimkehren, um hier wie ein Fürst gefeiert zu werden." Alfred Dawson," flüsterte Ursula, Alfred Dawson. Ich werde diesen Namen nicht vergessen."

3. Kapitel. Fünf Minuten vor drei Uhr erhob sich Peter Wenk aus seinem Sessel und nahm seinen Hut von einem Seitentisch. Willst Du fort, Vater?" fragte das Mädchen. Ja, Kind, ich will noch nach London fahren. Das ewige Stillsitzen taugt nichts für mich. Ich werde versuchen, einige Schillinge zu verdienen. Sieh' nicht so erschroöen aus, Ursula, ich habe nichts Böses vor." Es wäre mir angenehmer, wenn Du zu Hause bliebest, lieber Vater." Das glaube ich schon, aber ich kann heute Nachmittag unmöglich still sitzen. Ich habe von Dingen gesprochen, die mein Hirn immer wie eine Brandfackel berühren. Ich verspreche Dir, Kind, daß Du von einem Ausflug keine schlimmen Folgen zu beklagen haben sollst. Das Aergste wird sein, daß ich in irgend einer Sch'anke einkehre, ein Glas Cognac trinke und die Zeitungen lese." Aber Du wirst doch nicht lange ausbleiben. Vater?" Was nennst Du lange, meine Tochter?" Bis zehn Uhr. Ich werde Dir etwas recht Gutes zum Abendessen zurechtmachen." Ich will noch vor zehn Uhr zurück sein, Ursula, hier meine Hand darauf." Er küßte das Mädchen auf beide Wangen, nahm seinen Stock und ging fort. Ursula blickte dem Enteilenden durch das offene Fenster nach. Habe Mitleid mit ihm, o mein Gott", betete sie, und behüte ihn vor neuer Sünde." Peter Wenk klimperte mit dem Geld in seiner Westentasche. Es waren nur wenige Silbermünzen, gerade genug, eine Rückfahrtkarte nach London und ein Glas Cognac zu bezahlen. Er kam drei Minuten vor dem Abgang des Zuges auf dem Bahnhof an, kaufte eine Fahrkarte und stieg in den Wagen. Eine halbe Stunde später war er in London, aber er hatte keine Eile, den Bahnsteig zu verlassen. Er haßte Stille und Einsamkeit, und hier fand er Leben, Geräusch und Abwechselung genug, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Die hin- und hereilenden Fahrgäste beobachtend, überlegte er, wo er die nächsten Stunden zubringen sollte. Eine Menge der verschiedensten Reisenden waren an ihm vorübergefluthet, als plötzlich ein kleiner ' alter Mann mit bleichem runzligem Gesicht seine Aufmerksamkeit fesselte. Der sehr behende, aber unverkennbar sehr kurzsichtige alte Herr übergab seine Reisetasche einem Dienstmann. Der Alte war Chlodwig Wilmot, der Buchhalter des Bankhauses Dawson und Balder. Peter Wenk folgte dem Alten und dem ihn begleitenden Dienstmann. Ich möchte wissen, ob er es ist," murmelte er, eine Aehnlichkeit ist jedenfalls vorhanden, aber es sind so viele Jahre her. so viele Jahre. Ich glaube nicht, daß ich ihn erkennen würde. Und dennoch erinnert mich dieser Alte an ihn." Chlodwig Wilmot war zehn Minuten vor Abgang des Zuges angekom men. Er richtete einige Fragen an den Dienstmann, überließ ihm die Reiseiäsche und begab sich an denSchalter, eine Fahrkarte zu lösen. Pete: Wen! hielt sich in seiner Nähe, warf einen Blick auf die Reisetasche und las auf dem aufgeklebten Zettel: Chlodwig Wilmot. Reiseziel Southampton. Dachte ich es doch," murmelte Peter Wenk, sich noch dichter an den Alten herandrängend, und ihn leicht an der Schulter berührend. Wilmot drehte sich um und sah ihm voll in's Gesicht, ohne ihn zu erkennen. Wünschen Sie etwas von mir?" fragte er, den schäbig gekleideten Fremden argwöhnisch musternd. Ja, Herr Wilmot, ich wünsche Sie zu sprechen. Haben Sie die Güte, mich in den Wartesaal zu begleiten." Der Buchhalter starrte den Fremden, der fast in gebieterischem Ton zu ihm sprach, verwundert an. Ich kenne Sie nicht, mein Lieber," stammelte Wilmot, 3 habe Sie nie gesehen, und wenn Sie ein Bote sind, der mir von unserem Bureau aus nachgeschickt wurde, befinden Sie sich in einem Irrthum über meine Person. Sie sind mir vollkommen fremd." Ich binJhnen weder fremd, noch ein Bote. Bitte, treten Sie hier ein." Pete? Wenk öffnete die in den War-

tesaal führende Thür. Der Saal wcrc leer, denn es fehlten nur noch fünf Minuten bis zum Abgang des Zuges, und die Reisenden beeilten sich, ihre Plätze aufzusuchen. Den Hut abnehmend, bürstete sich Peter Wenk das wirre graue Haar aus der Stirn. Setzen Sie Ihre Brille auf. Wilmot," rief er, und sehen Sie mich ordentlich an, und dann sagen Sie mir, ob ich Ihnen ein Fremder bin." Der alter Buchhalter gehorchte in Furcht und Bangen. Seine nervös zitternden Hände' waren kaum im Stande, die Brille zurechtzurücken. Er blickte dem Fremden einige Sekünden stumm in's Gesicht. Sein Athem ging schneller und sein Gesicht war sehr bleich. Ja, sieh' mich nur an und verleugne mich, wenn Du kannst." höhnte Peter Wenk. Es ist nur klug von Dir, mich zu verleugnen, denn mich zu kennen, gereicht Niemandem zu Ehre, am allerwenigsten einem so achtbaren altin Herrn, wie Du bist." Josef! Josef!" ächzte der BuchHalter, bist Du es, bist Du es wirklich, mein armer unglücklicher Bruder? Ich glaubte Dich längst todt und begraben." Das war natürlich ein frommer Wunsch von Dir," erwiderte der Andere bitter. Nein, Josef, nein. Gott weiß, daß ich Dir niemals etwas Böses wünschte, daß ich Dich tief betrauerte und selbst, als Du am tiefsten gefunken warst. Dich zu entschuldigen suchte." Merkwürdig, fehr merkwürdig!" höhnte Josef. Wenn Du mich so sehr liebtest, ist es nur zu verwundern, daß Du ruhig in dem Dawson'schen BankHause bliebst. Wenn Du auch nur einen Funken von Zuneigung für mich gehabt hättest, würde es Dir nicht möglich gewesen sein, das Brod dieser Leute zu essen." Wilmot schüttelle traurig den Kopf. Sei nicht so hart gegen mich Josef," sagte er vorwurfsvoll; wenn ich meine Stelle nicht behalten hätte, würde unsere Mutter in das bitterste Elend gerathen sein." Josef wendete das Gesicht ab und seufzte. Das Glockengeläute zum Abgänge des Zuges erdröhnte. Ich muß fort," rief Chlodwig Wilmot. Gib mir Deine Adresse, Josef, ich werde Dir schreiben." Darauf lasse ich mich nicht ein," erwiderte derBruder verächtlich. DerZufall hat Dich mir in den Weg geführt, und ich halte mich an Dich. Wohin gehst Du?" Nach Southampton." Zu welchem Zweck?" Alfred Dawson abzuholen." Josef Wilmots Gesicht wurde bleich vor Wuth. Es hatte sich plötzlich so grauenvoll verändert, daß der alte Mann entsetzt zurückfuhr, als ob er einen Geist gesehen hätte. Du holst ihn ab?" fragte Josef in heiserem Flüsterton. Er ist also in England'!" Nein, aber seine Ankunft wird In diesen Tagen erwartet. Weshalb siehst Du so fürchterlich aus. Josef?" Weshalb fragst Du? Ist denn schon alles menschliche Gefühl in Deine? Brust erstorben? Aber wie sollte auch ein Mensch wie Du begreifen, was in mir vorgeht? Doch es ist die höchst: Zeit einzusteigen. Ich werde Dich be gleiten." Die Brüder eilten auf den Bahnsteig. Nein, Josef." wehrte der alte Buchhalter ab. als sein Bruder hinter ihm in den Wagen stieg, fsir.tt richt mit." Ich werde mit Dir gehen Aber Du hast- keine Fahrkarte." Du wirst auf der nächsten Station eine für mich nehmen, denn ich selbst habe kein Geld dazu." Sie saßen in einem Wagen zweiter Klasse und der von Wagen zu Wagen hastende Schaffner war in so qroßer Eile, daß er nicht bemerkte, die ihm von Josef Wilmot vorgezeigte Fahrkarte sei nur zur Rückfahrt von London nach Wandsworth giltig. Die Lokomotive pfiff und zischte, und der Zug setzte sich in Bewegung. Der Buchhalter sah dem jüngeren Bruder angstvoll in das finstere unheilkündende Gesicht. Gott weiß." sagte der alte Mann, wie sehr ich mich freue, Dich nach einer Trennung von mehr als dreißig Jahren wiedergefunden zu haben. Gern, sehr gern will ich Dir aushelfen, so weit meine Mittel reichen, aber mitnehmen möchte ich Dich nicht. Ich sehe nicht ein, daß diese Reise zu etwas Gutem führen könnte." Das hilft nichts, Chlodwig. Ich muß mit Dir sprechen und es verlangt mich, ihn zu sehen. Wie die Welt mich in den letzten fünfunddreißig Jahren behandelte, weiß ich; jetzt . möchte ich sehen, wie dieselbe Welt Den behandelt, der mich zum Unrecht derleitete und mich dann verrieth. Ja, ich sehne mich darnach. Alfred Dawson zu begrüßen!" ChlodwigWilmot zitterte wie Espenlaub. Seit dem zweiten Schlaganfall war seine Gesundheit immer sehr schwach gewesen, und das unvermuthete Zusammentreffen mit diesem unglücklichen verlorenen Bruder, den er seit fünfundzwanzig Jahren todt geglaubt, hatte ihn tief erschüttert. Aber das war noch nicht Alles. Ein Grauen bemächtigte sich seiner, wenn er an eine Begegnung Josefs und Alfred Dawsons dachte. Der alte Mann erinnerte sich der Worte seines Bruders. .Lassen Sie es ihn als ein Glück betrachten, wenn er bei unserer nächsten Begegnung, ohne die Zeche zu zahlen, entkommt."

Josef," seufzte der alte Mann, es wäre mir lieber. Du träfest mit Alfred Dawson nicht zusammen. Du bist ungettcht und grausam behandelt worden. Niemand weiß das besser als ich, aber das ist schon lange her. Bittere Gefühle sterben mit der Zeit in des Menschen Brust, die Zeit heilt alle Wunden und wir lernen vergessen und vergeben." Die Arme über der Brust gefaltet, blickte Josef zum Wagenfenster hinaus, aber er sah nichts von der freundlichen Landschaft, die an ihm vorüberflog. Der Buchhalter nahm auf der nächsten Station eine Fahrkarte für seinen Bruder; Josef schwieg noch immer. Eine Stunde war vergangen und er hatte noch nicht wieder gesprochen. Er liebte den Bruder nicht. Die Welt hatte ihn verhärtet. Die Folgen seiner eigenen Sünden waren schwer auf . sein Haupt gefallen und hatten seine Na tur verbittert. Er sah in dem Mann, den er einst geliebt und dem er vertraut hatte, die Ursache seines Unglückes und dieser Gedanke beeinflußte ihn in seiner Meinung von der ganzen 'übrigen Menschheit. Sich erinnernd, wie sehr er einst Alfred Dawson vertraut hatte, glaubte er nicht mehr an die Güte eines menschlichen Wesens. Die Brüder waren allein in dem Wagen. Chlodwig beobachtete das düstere Gesicht Josefs, der ihm gegenübersaß. Die Augen schließend, lehnte er sich tief aufseufzend in die Wagenecke zurück, aber er schlief nicht. Ihm schwindelte und in seinen Ohren fauste es fo seltsam, er versuchte ein- oder zweimal zu sprechen, doch er war unfähig, einWort hervorzubringen. Der Zug näherte sich Basing, als Josef plötzlich aus seinem düsteren Hinbrüten aufgeschreckt wurde.

4. Kapitel. Der alte Buchhalter war von seinem Sitz herabgeglitten und lag regungslos am Boden des Eisenbahnwagens. Der dritte Schlaganfall, ohne Zweifel seit langer Zeit unvermeidlich, aber durch das aufregende Zusammentreffen mit dem Bruder beschleunigt, hatte ihn getroffen. . Josef Wilmot kniete neben ihm. Er war ein Ausgestoßener und Scenen des Grauens waren ihm nichts Neues. Der Tod. den er unter den verschiedensten Gestalten gesehen, hatte keine Schrecknisse für ihn. Hart geworden in einem schuldbeladenen Leben, kannte er kein Mitgefühl für die Leiden Anderer. Die Liebe zu seiner Tochter war der letzte Strahl wärmerer Empfindung in der verderbten Seele dieses Menschen. Dennoch that er Alles, was er frimie für den bewußtlosen alten Mann. Er lockerte ihm die Kravatte, knöpfte ihm die Weste auf und horchte, ob das Herz noch klopfte. Das Herz schlug sehr matt. Vielleicht wäre es besser, wenn er weggerafft würde," murmelte Josef ; ich würde Alfred Dawson allein cntgegenfahren." Der Zug erreichte Basing, Josef steckte seinen Kopf zum Fenster hinaus und rief laut um Hilfe. Ein Dienstmann eilte herbei. Mein Bruder hatte einen Schlaganfall," theilte ihm Josef mit. Helfen Sie mir, ihn aus dem Wagen heben und schicken Sie Jemanden nach einen Arzt." Der bewußtlose alte Herr wurde von den Armen der beiden starken Männer emporgehoben, in den Wartesaal getragcn und auf ein Sopha gebettet. Der Zug fuhr ohne die beiden Re!senden weiter. Im nächsten Augenblick war die ganze Station in Aufruhr. Ein Herr hatte einen Schlaganfall gehabt, und lag im Sterben. Der Arzt kam, untersuchte den Kranken und erklärte, es stehe schlecht um ihn. Ist Jemand in Begleitung des alten Herrn?" fragte er. Ja," erwiderte der Dienstmann, auf Josef Wilmot deutend. Sind Sie ein Verwandter dieses Herrn?" erkundigte sich der Arzt. Ja, ich bin sein Bruder." Ich würde Ihnen. rathen, ihn in einen Gasthof bringen zu lassen und werde Ihnen eine Wärterin schicken." Der bewußtlose Kranke wurden in den nächsten Gasthof getragen und zu Bett gebracht. Der Arzt that Alles, was die Wissenschaft ihm vorschrieb, aber er hatte keine Hoffnung, ihn zu retten. Die Wärterin erschien und nahm ihren Platz am Bette des Sterbenden. Ist Aussicht auf Genesung?" fragte Josef den Arzt, der sich anschickte fortzugehen. Ich fürchte, nein." Wird es bald vorüber sein?" Ich glaube nicht, daß er noch 24 Stunden zu leben hat." Die Schatten der Abenddämmerung erfüllten das Zimmer. Es ist gut so," .murmelte Josef Wilmot, ich werde Alfred Dawson allein abholen." Das Gepäck Chlodwig Wilmots war in dem an das Krankenzimmer anstoßenden Gemach untergebracht worden. Josef Wilmot durchsuchte die Taschen der Kleidungsstücke, die seinem bewußtlosen Bruder abgenommen worden waren. In der Westentasche fand er einiges Silbergeld und einen Bund Schlüssel, in der Seitentasche des Rockes eine Brieftasche. Josef begab sich mit diesen Sachen in sein Schlafzimmer, bestellte Licht und fing an, nachdem er die Thüre verriegelt hatte, den Inhalt der Briefrasche zu untersuchen. Er fand fünf

Fünfhundertpfundnoten und einen Brief darin. Der Brief war an Alfred Dawson adressirt und als Absender Roderich Balder vermerkt. Das ist der Brief des jüngeren Geschäftstheilhabers, den verehrten Chef zu begrüßen," lächelte Josef Wilmot, das Schreiben verwahrend, um dann die Aufzeichnungen in dem Notizbuch der Brieftasche zu überfliegen. Für ihn hatten nur die letzten Zeilen Interesse: A. D. Ankunft im Hafen vonSouthampton ungefähr am 19. ds. mit dem Dampfer Lady" erwartet. Mit Fräulein Laura D. am Portlandplatz zusammen zu treffen. Wer ist Laura D.?" fragte sich Josef, die Brieftasche einsteckend. Seine Tochter wahrscheinlich." Ein unheimliches Lächeln um den Mund und ein gefahrdrohendes Feuer in den Augen, saß Josef Wilmot noch einige Zeit finster vor sich hinbrütend am Tisch. Sich endlich aufraffend, durchwühlte er die Reisetasche und das kleine Köfferchcn seines Bruders. In beiden fand er nur einige Wäsche und Kleidungsstücke. Leise öffnete er die Thüre zwischen seinem und dem Krankenzimmer. Noch keine Veränderung?" fragte er die Wärterin. Nein, keine." Ich werde einen kurzen Spaziergang machen, in einer Stunde bin ich wieder zurück." Er verschloß wieder die Thür hinter sich, nahm die Zettel mit dem Namen seines Bruders von der Reisetasche und dem Koffer ab, und nachdem er die. losgelösten Blätter zerrissen und die Papierschnitzel zu sich gesteckt halte, durchmaß er das Zimmer mit, leisen Schritten. Die Lady" wird ungefähr am 19. erwartet", murmelte er nachdenklich. Sie kann einen Tag früher oder später ankommen. Morgen ist der 17., und wenn Chlodwig stirbt, werde ich hier wenigstens zwei oder drei Tage aufgehalten werden. Inzwischen könnte Alfred Dawson in Southampton ankommen, nach London Weiterreisen und ich die Gelegenheit versäumen, ihm von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Nein, um diese Begegnung will ich nicht betrogen werden. Weshalb sollt: ich hier an dem Sterbebett eines Bewußtlosen wachen? Nein! Das Schicksal hat Alfred Dawson wieder einmal auf meinen Weg geführt und ich will es nutzen." Seinen Hut auf den Kopf stülpend, verließ er das Haus, um nach dem Bahnhof zu gehen und sich nach den verschiedenen Zügen zu erkundigen.

6. Kapitel.. Der Zug von London nach Southampton mußte in einer Stunde eintreffen. Der Bahnwärter, der Josef Wilmot diese Auskunft gab, fragte ihn nach dem Befinden seines Bruders. Es geht ihm viel besser," versicherte Josef. Ich fahre ach Southampton, um für ihn dort eine sehr wichtige Angelegenheit zu erledigen und werde morgen sehr früh wieder zurück sein." Er bega' sich in den Wartesaal und setzte sich in eine Sophaecke, vor sich hin brütend. Sobald der Schalter geössnct war, nahm er eine Fahrkarte nach Soutb.mpton und wartete dann auf dem Bahnsteig, bis der Zug einlief und er einsteigen konnte. Es war spät, als er in Southampton ankam, aber er schien die Stadt sehr genau zu kennen und begab sich geradenwegs in ein kleines Wirthshaus am Fluß, verlangte ein Bett und vergewisserte sich, daß die Lady" noch nicht angekommen war. Das Abendessen ließ ?r sich in sein Zimmer bringen. Er schien es ängstlich zu vermciden, von den Leuten in's Gespräch gezogen zu werden und brütete immer noch über seinen finsteren Gedanken. Diese nahmen ihn so sehr in Anspruch' daß er wie ein Nachtwandler, Alles, was er vornahm, ganz mechanisch und ohne zu wissen, was er that, auszuführen schien. .Am nächsten Morgen stand er sehr früh auf. Er hatte während der Nacht nicht eine Stunde geschlafen, sondern sich ruhelos in seinem Bett hin- und hergeworfen, immer nachdenkend, ö:S die Thätigkeit seines Gehirns so mechanisch wurde, wie die einer Maschine, die an dem einmal begonnenen Werk ununterbrochen weiterhaspelte. Nachdem er für sein Quartier und sein Abendessen bezahlt hatte, begab er sich nach der Hochstraße in ein Herrenkleidergeschc'.ft, wo Alles zu bekomn.en war, roa zu einem vollständigen Anzug gehörte. Im Laden war nur! ein junger Mann anwesend, der den eintretenden Landstreicher mit mißtrau!schen Blicken musterte. Ich wünsche einen vollständigen Anzug von Kopf bis Fuß," erwiderte Josef Wilmot auf die barsche Frage des Verkäufers, womit er dienen könne. Wir verkaufen nur gegen baares Geld." Das kann ich mir denken." Inzwischen war auch der Besitzer der Handlung im Laden erschienen. . Ich wünsche einen vollständigen Anzug," wiederholte Josef Wilmot, auch einen Hut. Stiefeln, einen Regenschirm, eine Reisetasche, cin halbes Dutzend Hemden. Bürste. Kamm und Rasirzeug. Hier haben Sie fünf Pfund Anzahlung. Legen Sie mir Alles zurecht, was ich verlangt habe, ich gehe indessen zu einem Barbier, mir das 5)aar schneiden und den Bart zurechistutzen zu lassen. In einer halben Stunde bin ich zurück." Der Vagabund, den. breitrandigen, abgetragenen Hut tief in die Augen gedrückt, die Hände in. den Taschen, schlenderte die Hochstraße hinunter und

verfügte sich in, einen Barbierladen Zn der Nähe des Hafens. Hier ließ er sich den Bart abnehmen, dem Schnurrbart eine etwas militarische Form geben und seine langen grauen Haarsträhnen schneiden und nach seiner eigenen Angabe ordnen. Wenn er der eitelste der Menschen gewesen wäre und keinen anderen Lebenszweck als die Verschönerung seiner Person gehabt hätte, würde n nicht schwerer zu befriedigen gewesen sein. Als der Barbier fertig war, wusch sich Josef Wilmot das Gesicht, bürstete sich das Haar mehr in die Stirn und betrachtete sich in einem kleinen Spitfiel, der an der Wand hing. Was Kopf und Gesicht betraf, war die Umwandlung verblüffend. Ter Mensch war nicht mehr ein mißtrauenerweckender Landstreicher, er war nn vornehm aussehender, sehr hübscher Mann in mittleren Jahren. Sogar der Ausdruck seines. Gesichts war verändert, d-r höhnische Trotz in ein hochmüthiges Lächeln, der finster Blick in ein nachdenkliches Stirnrunzeln verwandelt. Wieder drückte er den Hut tief in die Stirn, bezahlte den Barbier u::d ging nach dem Hafen um Erkundigungen über die Lady" einzuziehen. Der Dampfer wurde frühestens am nächsten Tage erwartet. Ueber diesen Punkt beruhigt, ging er in das Kleidermagazin zurück. Die Wahl der Sacheu nahm ihn lange Zeit in Anspruch, denn auch darin war er ebenso schwer zu befriedigen wie im Barbierladen; aber in Allem, was er aussuchte, bekundete er einen, sehr guten Geschmack. Der von ihm gewählte dunkle Anzug harmonirte vollkommen, mit seiner- ganzen Erscheinung. Als er das kleine Hinterzimmer verließ, in dem er sich umgekleidet hatte, und wieder in den Laden: trat, einen sehr feinen Hut auf dem Kopf, spiegelblanke Stiefel cm seinen wohlgeformten Füßen, ein Paar von den besten Handschuhen lose zwischen den Rock geklemmt und einen Stock in der Hand, starrten ihn der Kaufmann und der Ladendiener verwundert an. Sie sehen aus wie ein Herzog," versicherte der Kaufmann-. Das freut mich," erwiderte Wilmot gleichgiltig. Er stand vor einem Pfeilerspiegel, drehte seinen Schnurrbari und betrachtete sich mit einem nachdenklichen Lächeln. Das Gold und Silber, das der Kaufmann ihm herausgab, steckte er in die Westentasche, nachdem er es gezählt hatte. Sein Wesen war so verändert, wie seine Person. Am Morgen war er wie ein Landstreicher in den Laden gekommen, jetzt verließ er ihn, in Haltung und Miene ein selbstbewußt ter vornehmer Herr. Könnten Sie mir meine alten Sa chen nicht in einem Bogen Papier verschnüren," bemerkte er, auf der Thürschwelle stehen bleibend, sehr gleichgiltig. Gegen Abend werde ich mir das Bündel abholen." Leichten Schrittes verließ er den Ladien; aber obgleich er jetzt tadellos gekleidet war, wendete er sich doch der ersten Seitengasse zu, um, der Stadt enteilend, auf einem einsamen Wege, am Wasser entlang weiterzugehen, bis er ein Dorf, etwa eine Stunde von Southampton entfernt, erreichte. In diesem Dorfe kehrte er in einem wenig besuchtenWirthshause ein. Im Schänkzimmer bestellte er sich ein Glas Bier und setzte sich, ein Zeitungsblatt in der Hand, an das offene Fenster. Er versuchte zu lesen, aber es ging nicht. Er konnte nicht lesen, er konnte nur an die wunderbare Gelegenheit denken, die sich ihm nach fünfunddreißig Jahren bot. Gegen 1 Uhr Nachmittags war er in dem Dorfwirthshaus eingekehrt, eine Stunde später ließ er sich etwas kaltes Fleisch und Brod geben. Er mußte immer und immer an Alfred Dawson denken. Diese Gedanken ließen ihn nicht mehr los. Von der Stunde des Zusammentreffens mit seinem Bruder, hatte er nicht aufgehört sich im Geist mit Alfred Dawson zu beschäftigen. Er dachte weder an feinen Bruder noch an seine Tochter, oder an die Angst, die seine lange AbWesenheit ihr bereiten mußte. Die Vergangenheit hatte er bei Seite geschoben, als wäre sie nie geWesen, all sein Sinnen und Trachten war nur dem einen Gegenstand zugewendet, dem einen Gedanken, der sich wie ein Dämon seiner bemächtigt hatte. Manchmal ergriff ihn ein plötzlicher Schrecken. Wie, wenn Alfred Dawson auf der Ueberfahrt gestorben , wäre, und die Lady" nur seine Leiche nach Hause brächte? Nein, diese Vorstellung war zu schauerlich! Das Schicksal hatte diese beiden Männer während eines Menschenalters getrennt, sie seit fünfunddreißig Jahren einander fern gehalten, um sie jetzt geheimnißvoll zusammenzuführen. War der Tag der Vergeltung gekommen? Als es zu dämmern begann, wanderte Josef Wilmot nach Southampton zurück. Es war beinahe ganz dunkel, als er in der Hochstraße anlangte, und der Kleiderhändler im Begnff, seinen Laden zu schließen. . Ich glaubte, Sie hätten Ihr Packet, vergessen. Darf ich es Ihnen zuschicken?" Nein, ich danke Ihnen, ich werde es selbst mitnehmen." (Fortsetzung folgt.)

Auch , ein Klaviervirt u o s. Ein Bauer (einige Tasten anschlagend, höchlichst verwundert): Dat hadd' ick ja jornich wußt, dat ick ook spalen künn!"

3 g Aür die üd)e. Lebersuppe. Ein Stückchen Rindsleber wird gewaschen und sammt der Haut gewiegt, mit Suppenwurzeln und deren Blättchen in gutem Fett, welchem ein Eßlöffel Mehl beigefügt wurde, so lange gedünstet, bis die Masse sich anlegt, hierauf mit Wasser verdünnt, Salz und Muskatnuß dazu gegeben und noch eine Stunde gekocht, dann die Suppe durch das Sieb getrieben, mit einem Eidotter, welchem zwei Eßlöfftl dicke, süße Sahne beigefügt wurden, angerührt, mit Schnittlauch bestreut und zu Tisch gegeben. Hierzu Suppenklößchen oder gebackene Weißbrotschnitten, die, ehe sie in's heiße Schmalz gebracht, in Eiermilch getaucht wurden. RussischeEier. Hartgekochte, geschälte und der Länge nach in Hälften getheilte Eier richtet man auf einer Schüssel mit folgender Sauce an. Ewige Schalotten etwas Estragon und Petersilie werden fein gewiegt, mit Butter einige Minuten geschnitzt, danach mit brauner Coulis aufgekocht und mit einigen hartgekochten Eigelben. die mit etwas Citronensaft glatt gerührt wurden, untermischt. Einige gewiegte und passirte Sardellen und etwas Pfeffer geben dem Gericht einen pikanteren Geschmack. Kartoffelauflauf mit K ä.se. Gesottene Kartoffeln schält mau, schneidet sie in nicht zu dünne Scheiben und salzt sie. Dann streicht man ein Bratbecken mit Butter aus, gibt eine Lage der Kartoffeln hinein, gießt Rahm, in welchem 12 Eidotter verrührt wurden, darüber, dann nochmals Kartoffeln und wieder Rahm und nun. eine dicke Schicht geriebenen Käse. Im Backrohr wird der.Auflauf gelb gebacken. , Rinderzunge, in Gelse. In eine passende, mit feinem Oel ausgestrichene Form gießt man etwa drei Viertel Zoll hoch eine Gelee, die in bekannte? Weise aus Kalbsfüßen bereitet und geklärt wurde, läßt sie auf dem Eise erstarren, dekorirt sie mit guirlandenartigen Verzierungen von kleinen grünen Bohnen, Pfeffergurken und dergleichen, ordnet die, zierlich geschnittenen Scheiben einer aus der Büchse genommenen, sauber beschnittenen Rinderzunge nebst ausgezackten Citronenscheibchen in der Form, füllt diese mit den Rest der Gel6e, stellt sie auf Eis und stürzt sie vor. dem Anrichten.' Lammfleischgericht. Man löst aus einer zarten Lammkeule alle Knochen.Haut und Sehnen und schneidet das Fleisch in große Würfel. Es wird in. Butter mit einer feingeschnittenen Zwiebel angebraten, mit Pfeffer und Salz bestreut und mit einer halben Flasche Rothwein überfüllt, mit dem man es langsam gar dämpft. Indeß werden gute Kartoffeln gekocht, abgegössen, gestampft und mit einem großen Stück Butter und einigenLöffeln süßer Sahne zu Brei gerührt. Die Brühe des fertigen Lammfleisches wird mit etwas Kartoffelmehl gebunden, mit einem Theelöffel Laebigs Fleischextrakt und vier Eßlöffel voll ferngeschnittener Edelpilze durchgekocht und alles um den auf heißer Schüssel bergförmig. angerichteten Kartoffelbrei angerichtet. Karthäuser Lammrücken. Man spickt den gehäuteten Rücken und dämpft ihn in einer guten Braise auf Speck-. Zwiebel- und Wurzelscheiben gar und saftig. Indeß bereitet man seine Garnitur. Man kocht jungen Spinat ab, drückt ihn fest aus und hackt ihn, worauf man ihn mit einer Messerspitze voll Fleischextrakt, einem Löffel dicker, süßer Sahne, knapp zwei ' Unzen Butter, etwas Reibbrot. Salz . und Pfeffer heiß und dick rührt und warm stellt. Vorher schon hat man . einen Blätterteig hergestellt, den man jetzt messerrückendick ausrollt. Man sticht runde Scheiben von ihm aus, legt auf jede Scheibe in die Mitte ein Häufchen Spinat, streicht um das GemüseHäufchen etwas Ei und schlägt den Teig von beiden Seiten darüber, drückt ihn fest an und formt ihn Halbmondförmig. Man wendet kurz vor dem -Anrichten die Teighalbmonde in Ei und Reibbrot und bäckt sie langsam in Backfett lichtbraun. Auch grüne Spargelspitzen kocht man, die man itt Butter durchschwenkt, ebenso Bouil lonreis, den man zur Hälfte mit gehackten Trüffeln mischt und dann in kleine Formen drückt. Der Rücken wird mit den Reisbechern, den Rissolen und Spargelspitzen abwechselnd garnirt, sein Bratensatz entfettet, mit Kartoffelmehl verdickt und mit Bouillon und etwas Madeira sämig gekocht. Man giebt die Sauce nebenher. Spinat. Man wäscht den Slnat gut, trocknet ihn mit reinem Tuch und wiegt ihn gröblich. Aus 5 Unzen Mehl, 4 Unzen Butter, 5 Unzen geriebenem Käse, 3 ganzen Eiern, 4 Lösfel Sahne, Salz, wenig Pfeffer und Muskatnuß rührt man einen Teig, unter den man den gehackten Spinat mischt. Man füllt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene Schüssel auS feuerfestem Porzellan, in der man daZ Gemüse zur Tafel schicken kann, und bäckt sie etwa 30 Minuten. Indeß kocht man 8 Eier hart, trennt das Dotter vom Eiweiß und reibt es fein. Man röstet es in Butter einige Minuten, giebt mehrere Löffel geriebenen Käse. Sahne, etwas Salz und Pfeffer daran und rührt hiervon eine Farce. Mit ihr werden die Eiweishälften, die man zum Heißhalten in warmes Was ser gelegt hat, gefüllt und diese Eier kranzförmig auf den fertigen Spinat gelegt. Kartoffe'lkuchen. Abgekochte, kalte Kartoffeln werden gerieben, etwas Salz hinzugefügt und in einen in Milch gekochten, nicht zu dicken Griesbrei gethan. Die Masse wird gut gerührt, kleine länglich runde Kochen daraus geformt und in reichlichem Schmalz schön gelb gebacken. . 1 .