Indiana Tribüne, Volume 22, Number 214, Indianapolis, Marion County, 23 April 1899 — Page 2

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Lenz. t .1 ' ' Bon Helene Rittberg. Ueber der alten, grauen Gruft, ' Den verwitterten Mauern Zittert lebend'ger Blüthenduft Im leisen Windesschauern; Drunten ruhen sie lang und lies Aus von des Lebens Schmerzen, Jene, die Gott von hinncn rief. Alle die müden Herzen. Leise gehst du mit sachtem Schritt, Kränze hinabzutragen; Nimmst Du den Todten Grüße mit Aus goldenen Frühlingstagen? Sprichst du: Der Lenz ist aufgewacht, Ahnt ihr's in eurem Frieden? Fühlt ihr's in eurer tiefen Nacht? Ist er auch euch beschieden?" Droben im feuchten Himmelsblau Höre ich Lerchen fingen. Wie ich versunken aufwärts schau'. Lauschend dem süßen Klingen, Will mir's scheinen, als schwebten dort, Die in der Gruft gelegen. Selig, erlöst zum Lichte fort. Ewigen Lenz entgegen.

Irüßling". Von 51. v. Klinckowström. Dii Märzsonne .sah lachend zum herein. Sie that dies mit dem scharfen uner!ittlichen Blick der Jugend, dem nichts entgeht. Frau Grete Hallwger zog haftig die xrünseidenen, geblümten Stores zu, so daß mit einem Schlage sanfte Dämrcerimg im Salon herrschte. Wie sie es verabscheute dieses helle grausameLicht, das die kleinen Fältchen .in den Augenwinkeln so unangenehm genau hervortreten -liefe ! Sie war allein, trotzdem sie heute ihren Empfangstag hatte. Ein Gefühl der Oede überkam sie beim Anblick des großen, mit allerlei eleganten LuxusLegenständen überfüllten Raumes. Die hohen Lampen, deren bunte Seidenschirme sonst im Winter an ihren jours einen so wunderbaren Schein Verbreiteten, der verjüngend und derschönend wirkte, fanden jetzt bei Beginn des Sommers fa,st keine V:rwenvung mehr, und vergeblich einladend summte der silberne Theekessel. Wo waren sie geblieben alle bie liebenswürdigen Männer und lebenslustigen Frauen, vie sich an kalten und regnerisehen Nachmittagen, wenn sie nichts mit ihrer Zeit anzufangen wußten, hin plaudernd zu drängen und der geistreichen Hausfrau schöne Sachen zu sagen pflegten? Einer nach dem anderen hatte ssch entschuldigen lassen. Auf dem runden Mitteltisch stand ein Niesenstrauß weißen Flieders, der zugleich mit einer flüchtigen Absage gekommen war, neven der Chaiselongue ein zweiter von herrlichen Rosen. Die Karte, welche ihn begleitete, lag noch dabei. Franz von Wildegg bittet seine schöne Gönnerin, heute statt persönlicher Huldigung beifolgende Blumen gütigst entgegen zu uehmen, da er verhindert ist, zu erschei nen. Frau Grete fühlte, daß ihr die Thränen in die Augen traten. .Sie drückte ihr Gesicht in die duftende Rosenspende. Daß dieser, ihr Getreuester, ausblieb, schmerzte sie besonders. Wie reizend wäre es gewesen, wenn einmal die Anderen fortgeblieben wären, und sie mit ihm, gerade mit ihm ein Plauderstündchen unter vierAugen hätte haben können. Dann richtete sie sich auf und sah prüfend, wie infolge eines plötzlichen Gedankens in den Spiegel. Oh ja.schön war sie noch immer, ber doch schon auf jener Grenze, die den Beginn des Abstiegs markirt. Auch welkende Blumen haben noch eine kurze Zeit, an der sie, besonders bei gewisser Beleuchtung, schöner und graziöser sind, als junge, kaum entfaltete Blüthen. Frau Grete fing an unruhig auf und nieder zu gehen. Ob dennNiemand heute kommen würde? Sie nahm noch einmal die Karte auf, und las die Worte: da er verhindert ist, zu erscheinen". Was für ein Hinderniß das wohl sein mochte? Vielleicht war es wirklich etwas Dringliches. Es wäre ihr so lieb gewesen, eine stichhaltigeEntschuldigung zu wissen. Ans Fenster tretend, lüftete sie ein wenig den Vorhang, vnd schaute durch den Spalt auf die menschenbelebte Straße. Wie das Alles durcheinander schwärmte! Die Frühlingssonne hatte die Menschen aus den Häusern gelockt und trieb sie so eilig als möglich aus d?r Stadt. Ganze Schaaren von Radlern flogen pfeilschnell auf demAsphalt dahin, Frauen und Mädchen in flotten Anzügen, Männer in fescher Ausrüstung, kleine Buben mit rasch strampelnden Füßchen. Ein spöttischer Ausdruck ging über das Gesicht der einsamen Beobachterin oben am Fenster. Sie verabscheute das Radeln, fand es unfein und hätte sich auch um keinen Preis ohne Schirm dem Sonnenbrand und Wind aussetzen mögen. Es war ihr ganz klar, daß es sie nicht kleidete, wenn sie erhitzt aussah. Mit einmal gab es ihr einen formlichen Ruck. Aus dem Durcheinander von radelnden Gestalten hoben sich zwei mit greifbarer Deutlichkeit heraus. Unter Tausenden hätte sie den Mann da im eleganten Sportanzug erkannt. Dieses hellblonde Haar und diesen schöngebuten Körper besaß eben nach ihrer Ansicht nur Einer in der Welt. Auch das j.nge Geschöpf an seiner Seite war ih: bekannt, ein lustiges, kleines Ding, über dessen achtzehnjährige Naivetät Franz Wildegg sich oft genug lustig gemacht hatte. Jetzt aber plauderte er ganz interessirt mit ihr und lächelte wohlge fällig. Es war aber auj wirkUch

hübsch anzusehen, rore das knappe Jackchen eng die schlanken jugendlichen Formen umschloß, und wie flott das Matrosenhütchen auf dem braunen Krauskopf saß! Ihre Bewegungen waren leicht und sicher, und das Gesichtchen strahlte wie ein rosiges Mairöschen. Als das Paar unten an dem Hause vorüberflog, hob der Mann unwillkürlich den Kcpf und blickte ein wenig zerstreut hinauf. Hastig trat Frau Grete vom Fenster zurück, als hätte man sie von der Straße aus hinter dem schmalen Spalt des Vorhangs bemerken können. Sie hätte auch ruhig stehen bleiben dürfen, denn der, dessen Anblick ihr solch ein Herzweh verursachte, wandte sich gleich wieder seiner jungen Begleiterin zu, und fuhr in der Unterhaltung fort, die ihn offenbar fesselte. Die einsame Frau in dem verödeten Salon aber warf sich auf den Divan -nieder, und brach in leidenschaftliches Schluchzen aus. Jetzt wußte sie, was ihn verhindert hatte zu kommen. Nie zuvor hatte sie es so lebhaft empfunden, daß die Mittagshöhe ihrer gesellschaftlichen Triumphe vorüber sei. Die Jugend fehlte ihr, die köstliche Frische und Genußfähigkeit, das harmlose Lachen, die rosigen Wangen. Was galt dagegen ihre ganze raffinirte Eleganz, ihre geistreiche Unterhaltung! Jetzt im vollen strahlendenFrühling fragte Niemand mehr danach. Ob, wie sie wünschte, daß erst der Wintersturm wieder durch die Straßen brausen möge! Dann würde sich dieser leere Raum wieder füllen, und beim magischen Schein der beschirmten Lampen, das Rauschen seidener Röcke mit dem sanften Geflüster leicht hingeworfener pikanter Worte den angenehmen Nervenkitzel hervorrufen, der nun einmal ihr Lebenselement war. Ihre Hand glitt leicht, wie mitleidig liebkosend iÄer dieRosen hin, und ganz leise, mit sebstironisirendem Lächeln sagte sie vor sich hin: Geliebt werden wir nur im Winter. wir älteren rasch vergessenen Frauen, wir Verdrängten!" Nordische Arauen. Won Conrad Alberti. Der Unterschied zwischen den beiden nordgermanischen Nationen giebt sich schon äußerlich kund, und von dem hochgewachsenen, schlanken, feierlich ernsten Schweden unterscheidet sich der kleinere, stämmige, flinke Norweger ganz deutlich. Der Schwede hat die Natur eines Bauern, in den oberen Klassen die eines Hofmannes, derNorweger zeigt sich in seinem Auftreten mehr als Kaufmann oder Künstler. Er faßt schneller auf, er ist geschmeidiger, wo sich jener umständlich, ceremoniös, steif giebt. Christiania besitzt, was Stockholm fehlt, eine Art Boheme. Die schwedische Hauptstadt mit ihren ruhigen Gestalten hat etwas von unseren mittleren deutschen Residenzen, die norwegische mit den btzarren Erscheinungen ihrer jungen Studenten und Künstler in den lebhaften Cafes erinnert an Batignolles oder St. Denis. Der Schwede zeigt gelegentlich etwas Muckerthum, der Norweger eher Neigung zur Schauspielerei. In der Frauenwelt besonders machen sich deutliche Unterschiede bemerkbar. Die Schwedin ist meist groß, blond und schlank. Sie hat Stil. Die Erscheinung erinnert oft an die Engländerin, nur jene Geschmeidigkeit der Linien fehlt, welche dieser die beständige Uebung im Lawn-Tennis giebt. Sie kleidet sich mit wahrhaft gesuchter Schlichtheit, im Winter fast ausschließlich in dunkle Wollstoffe. In ganz Schweden habe ich keinen seidenen Jupon gesehen. Und selbst vom Pelz werk wählt sie nur das dunkle. Sie sucht ersichtlich einenRuhm darin, nicht modisch, nicht elegant zu erscheinen, sie will als einfach gelten. Die Norwegerin ist meist kleiner, zierlicher, über ihrem ganzen Wesen liegt Pikanterie die Schwedin giebt sich als Heroine, die Norwegerin als Soubrette: Sie kokettirt und lächelt, ja lacht, was man selbst im Theater bei jener nur selten bemerkt. Ihre Kleidung ist moderner, sie will als chic gelten, man sieht auf der Straße Christianias unendlich mehr helle Stoffe als in Stockholm während der Mann in Norwegen viel schlichter und unbesorgter geht, als der selbst im tiefsten Winter ohne Cylinder und schwarzen Rock undenkbare Stockholmer. Das Gesicht der Schwedin hat mehr von dem, was die Franzosen l.i ligne nennen die Norwegerin ist reizvoller. Und fast jede Christianierin hat ein paar Augen im Kopf, die dem Mann bis ins Innerste des Herzens greifen. Es liegt in ihr so viel erstaunte Kindlichkeit und doch so viel energisches Verlangen nach den Werthen dieses Lebens, es ist, als erwarte, jede von ihnen das Wunderbare; jedes weibliche Wesen auf der Carl Johan-nes-Gade scheint eine Nora. Die Schwedin blickt kälter, bewußter, als habe sie keine Illusionen mehr, sondern nur noch Ziele, die sie um jeden Preis zu erreichen entschlossen ist; in den Augen der Schwedin liegt eine harte Ironie, die der Norwegerin fehlt. Darin allerdings stimmen beide überein, daß sie die volle Ueberzeugung von ihrer Ebenbürtigkeit mit dem Manne besitzen und gelernt haben, ihre Ansprüche geltend zu machen. Aber diese Gleichberechtigung ist durchaus praktischer Natur. Jede Skandinavierin hat das Ziel, möglichst viel zu lernen, möglichst viel zu verdienen, möglichst selbstständig zu sein. Die Männer im Norden sind meist erst spät in der Lage zu heirathen, selten vor dem 30. 32. Jahre. Der Kampf ums Dasein ist hart, das Land ist arm, die Studienzeit lang. Selbst vom Kaufmann verlangt man einen jahrelangen

Aufenthalt im Ausland, er muß Deutschland, Frankreich, England und ihre Sprachen genau kennen. Die Rolle der müßigen, das bescheidene Geld der Eltern verzehrenden Haustochter paßt der Nordländerin nicht. Brünhildens Enkelinnen sind 'stolz, sie wollen, daß der Mann ihnen im praktischen Können mindestens gleich fei. Die Skandinavierin würde es als tiefste Entehrung empfinden, einen Schlag von ihrem Manne zu erhalten. Sie macht zumeist bei der Ehe einen Vertrag mit dem Manne vor der Behörde, der ihr als persönliche Eigenthum sichert, was sie an Baarem in die Ehe mitbringt und was sie als Frau durch eigene Arbeit verdient. Ein Beweis der Armuth der Länder! Und es geht durch die gebildeteSkandinavierin ein lebendiger Zug. von den geistigen Schätzen, die sie sich in ernster Arbeit erworben, auch anderen minder. Begünstigten mitzutheilen. Als eine der edelsten Frauen Stockholms gilt die Schriftstellerin Fräulein Ellen Key. Ihre freie, von ergrauenden Haaren umrahmte Stirn verräth den kühnen Muth, mit dem sie. einer der vornehmsten Familien Schwedens entsprossen, nach Jahre langen Kämpfen das Recht durchsetzte, sich zu ihren radicalen Grundsätzen zu bekennen. Aus ihren Augen spricht die unendliche Güte, mit der sie ihr Wissen, ihre Erfahrung heut den Töchtern der feinsten Familien der Residenz, morgen armen Arbeiterinnen draußen in der Vorstadt mittheilt. Ihre einfache Wohnung, aus deren Fenstern man weit über die Wälder, die rauchende Stadt und das Meer blickt, ist voll moderner Kunstwerke: Geschenke der Li?be und Verehrung; und am Sonnlag Vormittag trifft man dort die gebildetsten und vornehmsten Damen von Stockholm, die ihre Angelegenheiten mit ihr besprechen, und für jede hat sie einen Rath, ein gutes Wort. Häusliche Tugenden sind es nicht zuletzt, die die Skandinavierin übt.und in denen sie sich vervollkommnet. Fast jedes junge Mädchen im Norden hat die Haushaltungsschule absolvirt. Als eine echt weibliche Beschäftigung gilt im ganzen Norden das Weben. Die meisten jungen Damen Stockholms besuchen Webschulen, und der Webstuhl gilt dort als ein so wünschenswerthes Stück der Wohnungseinrichtung, wie bei uns das Piano, und wird fleißig benutzt. In der Ausstellung der Handarbetets Benner" sieht man, bis zu welchem Grade der Vollendung die Stockholmerinnen in der Arbeit am einfachen Webstuhl gelangen nur die complicirtesten Muster werden an einem besonderen Kunstwebstuhl hergestellt. Alle Muster des sogenannten Krabastils, in Carreaux aufgelöst, werden in den schönen, stumpfen nordischen Farben hergestellt; graugrün auf erdbeerrothem Grunde ist besonders bevorzugt, nur die Streifenmuster aus Dalarne sind grellfarbig, aber die am wenigsten künstlerischen. Jedes Muster verräth den bäurischen Ursprung; die Ornamente sind spitz, die Figuren steif wie Pfefferkuchen oder die Ritzzeichnungen auf Pfahlbautenfunden: Schiffe mit Matrosen (Frithjof?) u. dergl. Meist wird Wolle auf Leinewand gewebt. Es werden nur Jahrhunderte alte Muster nach historisch echten Vorlagen gearbeitet, und die hohen Preise, die gefordert und erzielt werden, beweisen das Ansehen, in dem die neumodische Frauenwelt in der Welt steht. Norwegen ist ein Land, wo Pietät und Würde nicht nur im Verhältniß der Geschlechter, sondern auch des Alters bestehen. Daß in der Pferdebahn junge Männer vor Damen aufstehen und ihnen Platz machen, ist in Normegen selbstverständlich. Ja, es stehen sogar die jungen Männer vor älteren Herren aus und lassen sie niedersitzen ! Und welches Vertrauen zur Ehrlichkeit des Publikums! Auf keinem Pferdebahnwagen in Skandinavien giebt es einen Schaffner: Jeder Gast legt seine 10 Oere in eine Büchse. Und sie legen wirklich richtiges Geld hinein keine Hosenknöpfe! Und was mich am meisten in Erstaunen versetzt: Was für prachtvolle Zähne hier alle Menschen haben, Männer und Frauen, weiß und glänzend, alles Elfenbein und keine Spur von Gold! Nichts beweist mehr die innere Kraft einer Rasse als gefünde Gebisse und jene wahre Achtung vor den Frauen, die das Gegentheil von Galanterie ist. Ich habe in ganz Skandinavien noch nicht einen Herrn gesehen, der öffentlich richtig poussirt" hätte! Im Norden lebt noch dieSchamhaftigkeit! Goldblondes Haar ist Mode.

Die Mode ist allmächtig und wandelt die Natur um. Deshalb sind in Paris innerhalbJahresfrist alle ModeDamen goldblond geworden. Ihr Haar ist jetzt so schön, daß die Natur in den Schatten gestellt wird. Das goldblonde Haar ist so gleichmäßig schön, die Färbung so echt, daß es eigentlich eine Majestätsbeleidigung wäre, hierin etwas Anderes als das Spiel der Natur zu sehen, welche dieses Jahr sich gewandelt har. Sie thut Wunder. Voriges Jahr hatten alle Damen starke Ansätze zur Körperfülle und sahen gar stattlich aus.' Dieses Jahr wenden sie sich alle der mädchenhaften, ja backfischwürdigen Schmäch tigkeit zu. Wer hätte das geglaubt, daß die gewöhnlich gar vollen, rundlichen Pariserinnen solche WespenSchlankheit zu erringen vermöchten? Aber in Paris und in der weiblichen, so ausnehmend willensstarken Welt ist alles möglich, selbst das Wunderbare. Was ist aus den vollen Schultern, den starken Hüften und sonstigen Rundungen geworden? Selbstverständlich wollen wir uns nicht vermessen, solche GeHeimnisse der Natur oder gar derKunst näher zu erkläre. . - - - ' '

AieLompagnke-Schuke. Von Freiherr v. Schlicht. Ich glaube, seitdem Europa zistirt, ist kein Schüler jemals mit größerem Widerwillen zur Schule gewandert, als ick es tbat. Der Absckied aus der

Schulstube wurde mir sehr leicht, und clZ 'ch zum ersten Mal als neugebacke ner Fähnrich in großer Uniform durch die St.-aßen der Stadt ging und mich umsah, ob sich auch Jemand nach mir umsähe, sagte ich zu mir: Jetzt liegt die Schule Gott sei Dank für alle Zeiten hinter Dir, jetzt wird das Leben erst schön. Bis jetzt war es Essig, jetzt wird es wenigstens Wein-Essig, wenn auch vorläufig noch kein reiner Wein." Der Mensch irrt sich bekanntlich immer dann, wenn er nicht Recht hat. und so mußte auch ich einsehen, daß es außer der Schule noch eine andere Schule gab. Von der sogen, dramatisirten Schule des Lebens will ich nicht sprechen, wohl aber von der CompagnieSchule". Die hat der Teufel erfunden. Es ist jetzt die Zeit des CompagnieExercierens, und jeden Morgen zieht der Hauptmann mit seiner Heldenschaar hinaus nach dem Exercierplatz. Ihm macht das keinen Spaß, den Lieutenants auch nicht und den Kerls erst recht nicht aber es nützt nichts, es muß sein. Der Herr Oberst hat das große Wort gesprochen: Meine Herren, ein CompagnieExercieren auf dem Kasernenhof, wie es unter meinem Herren Vorgänger Mode war, kenne ich nicht." Wenn der Oberst das nicht kennt, gibt es das natürlich auch nicht mehr also hinaus in die Natur! Wozu hat Gott denn schließlich auch die Welt erschaffen, wenn der Soldat nicht in ihr exercieren soll? Na also nur immer hinaus in das Gelände! Neben dem Hauptmann, der hoch zu Roß voranreitet, geht der Herr Premier, oder wie es jetzt heißt, der Herr Ober". Der steht sich ausgezeichnet mit seinem Brodherrn und so fragt er denn: Wird's' heute lange dauern, Herr Hauptmann?" I wo," gibt der zur Antwort, roem die Sache gut geht, höre ich bald auf, ich will nur die Schule durchmachen, das Gefecht schenke ich mir." DaS ist wenigstens inTrost," denkt der Ober, und muthig schreitet er dem Kommenden entgegen. Sein Muth ist um so mehr zu bewundern, da er ganz genau weiß, was ihm bevorsteht. Jetzt ist man auf dem Exercierplatz angelangt, inen Augenblick dürfen die Leute sich verpusten", dann heißt es: Compagnie in Linie zu zwei Gliedern antreten, marsch, marsch!" Der Hauptmann hat sein Schlachtschwert gezogen, und seufzend folgen die Lieutenants seinem Beispiel. Stillgestanden richt Euch, rechts die Nasen!... Meier, Sie NachtWächter, hierher ist die Richtung! Wenn Sie bei der Besichtigung auch links sehen, sperre ich Sie drei Tage ein hierher ist die Richtung!... Ich muß aber sehr bitten, daß die Herrn Lieutenants sich auch ausrichten. Der Herr Zugführer vom zweiten Zug steht eine halbe Meile vor. Bitte, gehen Sie zurück noch mehr noch mehr nun ist es zu viel geworden . . Ja, meine Herren, wenn ich mich auch noch mit Ihnen aufhalten soll, dann..." Und da er nicht weiß, was dann" ist, reitet er vor die Front und commandirt: Augen gerade aus!" Das war nichts, Leute," tadelt er, das war gar nichts! Es muß in den Halswirbeln knacken, wenn Ihr die Köpfe dreht, . . . noch einmal!" Es gibt ein gar hübsches Lied mit dem Refrain: Noch n'mal." Sicher ist der Verfasser Soldat geWesen, denn beim Militär wird Alles noch n'mal" gemocht, wenn es schlecht war. damit es besser wird, wenn es gut war, damit es nock besser wird. Zufrieden ist dr Mensch nie, in Vorgesetzter ich wollte sagen am niesten", aber das Wort gibt es wohl nicht. Daß es schwer ist, einen Hauptmann zufrieden zu stellen, merken die Leute, als nun die Griffe" kommen. Mit Gewehr über" fängt die Sache an und mit Gewehr ab" hört sie auf, zwischendurch wird noch mal präsentirt und das Gewehr ohne Patronen" geladen das ist die ganze Geschichte, aber, du großer Bimbam, wieviel Trara wird daraus gemacht! Ein Soldat übt in den zwei Jahren, die er dient, sicher zwölfhundert volle und geschlagene Stunden Gewehrgriffe aber r lernt sie deshalb doch nicht. Ein Oberlieutenant hat in seinem Leben ganz sicher wenigstens sechstausend Stunden weiter nichts gethan, als den Leuten die Griffe beizubringen versucht; aber trotzdem behaupten die Vorgesetzten, die Lieutenants hätten nicht die Gabe, der Mannschaft auch nur das Gewehr über" beizubringen. Meine Herren." donnert derHauptmann vom hohen Gerüste, solch Griffe der Leute verbitte ich mir! Ihre Sache ist es, den Kerls die Griffe beizubringen ich habe dazu hier keine Zeit." Die Lieutenants denken sich ihr Theil für einen Augenblick will sich auch der Ober" ärgern, aber er sagt sich: Aergern dürfen sich nur die Vorgesetzten, der Untergebene darf sich nur wundern." Und er wundert sich, ob über sich selbst oder . über seinen Hauptmann, weiß ich nicht. Nach den Griffen kommen die Mndüngen: Linksum, rechtsum, Front

und Kehrt nein, da ist nicht rich tig: linksum, Kehrt, rechtsum, Front so wird's gemacht und nicht anders. Ich erinnere mich noch, wie in LandWehrhauptmann einmal mit der Wendung: Rechts um" anfing. Hätte der Major, der zugegen war, es nicht vorgezogen, oben zu bleiben, r wäre ganz sicher vom Pferde . gefallen. Herr," schalt er, Sie wollen im nach sten Kriege eine Compagnie führen und können nicht einmal die Wendungen commandiren?" Ein wahres Glück, daß wir inzwischen noch keinen Feldzug gehabt haben sicher hätten wir alle Schlachten, in denen der Landwehrhauptmann mitwirke, verloren. Meine Herren," ruft der Hauptmann, die Leute haben von den Wendüngen keine blasse Ahnung, die Kerls drehen sich mchV (Nanu?" denkt der Ober, wir haben uns doch ein geschlagen? Viertelstunde um unsere Längsachse gedreht, oder sollen wir uns in Zukunft auch noch um unsere Querachse drehen und einen Salto schlagen?) Points vor!" erfolgt das Commando. Nach den Wendungen kommt die Richtung". Das war so, das ist so und das wird so bleiben. Der Hauptmann hat die Points, die vorgetretenen Officierc, angesetzt; sie stehen nun schon fünf Minuten, aber sie stehen" immer noch nicht. Das stimmt immer noch nicht," ruft der Hauptmann, beim zweiten Officier ist die Sache nicht in Ordnung. Bitte, Herr Lieutenant, nehmen Sie Ihren Bauch zurück." Das ist nun viel leichter gesagt, als gethan trotzdem bemüht sich der Lieutenant seinen Bauch einzuziehen" er zieht und zieht, er hält den Athem an und denkt: Komm, süßes Turteltäubchen, komm." Langsam verschwindet der Bauch aus der Natur, er geht zurück mehr oder weniger ist ja jeder Soldat in Kautschuckmann der Bauch geht zurück, dafür legt sich der Officier zu weit vorne über und streckt die Brust vor. Herr Lieutenant, zurück mit der Brust," schilt der Vorgesetzte, nehmen Sie den Brustkasten fort." Ich kann mir doch nicht sämmtliche Bestandtheile meines in Deinen Augen krüppelhaften Körpers abnehmen," denkt der Lieutenant, und sie nachher wieder anstecken, das geht doch bei dem besten Willen nicht. Ich kann mich doch nicht anders machen, als ich bin." Schließlich gibt der Häuptling es auf, seinen Officier aufzubauen", er knurrt nur etwas vor sich hin von Flitzbogen, Bierbäuchen" und anderen schönen Sachen, dann läßt er die Leute sich nach Points und Rotten, mit geraden und mit schräger Front einrichten. Für den, der es mag, ist das Einrichten" etwas ser Schönes. Aber s mag's nur Keiner, das ist das Traurige bei der Sache. Und daß es Keiner mag, kann man Niemanden verdenken. Wenn man richtig eingerichtet ist, soll man mit dem rechten Auge die Brust seines Nebenmannes, mit dem linken Auge die Knopfreihe aller andern Leute schimmern sehen". Man rutscht mit den Füßen nach vorne und zurück, nach rechts und nach links, bis man endlich schimmern" sieht, was schimmern" soll. Und dann kommt der Hauptmann und setzt Einem auseinander, daß man von der Richtung keinen Schimmer" habe. Das ist dann gerade was Schönes, und unwillkürlich sehnt man sich nach einem Stuhl da für seine Hulda. Die Beine schmerzen von dem langen Stillstehen, daß man sie kaum bewegen kann, wenn es heißt: Noch n'mal". Und dann fängt der letzte Vers wieder von vorne an. Die Richterei" hat der Teufel erfunden, als er einmal darüber nachdachte, womit er die Menschen elenden könnte. Ganz besonders schwer ist ö bei der Richtung, die berühmte Knopfreihe schimmern" zu sehen, wenn die Leute die Litewka tragen. Diese Blouse hat keine Knöpfe, aber schimmern" sehen soll man sie doch. Und was befohlen wird, wird gemacht. Der Schule auf der Stelle" folgt die Schule in der Bewegung". Mit dem Sectionsmarsch fängt die an da soll die ganze Compagnie auf Vordermann marschiren und Einer soll genau so treten wie der Andere, damit der Tritt rein ist wie der Rheinwein im Glase" und der Lieutenant vom rechten Flügel der ersten Section soll gerade ausgehen. Er soll und muß es unter allen Umständen aber er thut es doch nicht, weil er s nicht kann. Nehmen Sie sich einen Punkt im Gelände und marschiren Sie auf den gerade los," ruft der Hauptmann. Aber woher einen Punkt nehmen und nicht stehlen, wenn nun keiner da ist? Der Lieutenant möchte wohl daß sein Hauptmann ihm nur n einziges Mal diese Frage beantwortete der aber wird sich hüten, es zu thun. Wohin sollte das auch führen, wenn jeder Vorgesetzte jede Frage seiner Untergebenen beantworten wollte? Was käme dabei wohl heraus? Wer das nicht weiß, dem nützt es auch nichts, wenn ich es ihm sag. Und der Lieutenant am rechten Flügcl marschirt immer noch nicht gerade aus. Die Herren Officiere!" ruft da der Hauptmann. Nun gibt es etwas auf den Hut," sagen sich die Lieutenants. Auch Untergebene irren sich zuweilen nicht, und so machen sie denn gar kein erstauntes Gesicht, als der

Haupimann inen s hr grob wird. Am meisten bekommt der Lieutenant des rechten Flügels zu hören aber er ist Kummer und Elend gewöhnt und bemüht sich, das Unvermeidliche mit Würde zu tragen. Ich danke sehr, meine Herren." Bitte, bitte," denken die Lieutenants. dann treten sie wieder ein und der Sectionsmarsch beginnt von Neuem. Der Lieutenant macht seine Sache so gut er kann, das hat er von Anfang an gethan, das versteht sich bei einem Officier überhaupt anz von selbst. So ist's besser," ruft der Hauptmann, der fest davon überzeugt ist, daß seine Grobheit ihre Früchte trägt, so ist's viel besser." Na, na, wenn das nur wahr ist," denkt der Lieutenant, ich glaub' nicht recht daran." In Züge links marschirt auf marsch, marsch!" Ein leises Stöhnen geht durch die Compagnie die Rennsaison" nimmt ihren Anfang. O wär' ich weiter, o wär' ich zu Haus, ich glaube die Puste geht hierbei mir aus," denkt so Mancher aber sie laufen, wohin es befohlen ist. Die beiden schließenden" Unterofficiere am rechten und linken Flügel, die den weitesten Weg bei jedem Aufmarsch haben, stöhnen am meisten. Am wenigsten klagt der Feldwebel der hat, als das Laufen seinen Anfang nahm, zufällig seinen Bleistift verloren. Er ist ohne Weiteres ausgetreten und sucht und sucht. Ohne die Bleifeder des Feldwebels geht es nicht, denn die Hauptsache ist doch, daß die Kerls, die da bummeln, zum Nachexercieren aufgeschrieben werden können. Wenigstens ist die Mutter derCompagnie" dieser Ansicht, und als Mutter muß sie doch am besten wissen, was ihren Kindern gut thut. Die Compagnie läuft immer noch, und der Feldwebel denkt: Lauft nur, Kinder, wenn's Euch nur Spaß macht." Von rechtswegen müßte er nun wieder mitlaufen, denn er hat die Bleifeder wiedergefunden, aber nun sieht er, daß die Spitze abgebrochen ist. Er muß den rechten Handschuh ausziehen, das Taschenmesser hervorholen, das Blei spitzen, es Probiren, ob es auch gut schreibt, dann das Messer abwischen, wieder fortstecken, den rechten Handschuh wieder anziehen und sich dann umsehen, wo dieCompagnie denn eigentlich ist. Das Alles erfordert viel, sehr viel Zeit. Die Compagnie übt indeß immer noch Aufmärsche im Anfang aus der Zug-, nun aus der Sectionscolonne, und als die Kerls nicht so laufen, wie der Hauptmann sich das gedacht hat, übt er das Aufmarschiren aus dem Reihenmarsch. Da gilt es jedesmal eine Entfernung von hundert Metern zu durchlaufen. Nur immer lustig, fidel und munter, die hundert Meter, die kriegen uns nicht unter" denken die Kerls. Aber zehn mal hundert sind tausend, das ist eine alte Geschichte, und als die Compagnie den. berüchtigtenAufmarsch zehn mal gemacht hat, macht ihr die Sache keinen Spaß mehr. Verdenken kann es ihr Niemand. Die Kerls haben keine Lust mehr, die Herren Kerls erst recht nicht der Ober" hat seinem Hauptmann schon ein paarmal einen Blick zugeworfen, der da zu sagen scheint: Freue Dich, Liebster, daß ich Dich nicht eintreten lassen kann, sonst solltest Du auch einmal etwas erleben." Der Hauptmann sieht nach der Uhr: So, nun noch einen Parademarsch." Aber aus dem einen Parademarsch werden drei: einer in Zügen, einer in Compagniefront und einer in Compagniecolonne." Und damit die Leute das Laufen, das sie ben so schön gelernt haben, nicht gleich wieder verlernen, gibt es auch noch einen Parademarsch im Lausschritt nach dem Text: Stiefelputzer war mein Vater, Im Victoriatheater, Meine Mutter wusch Manschetten Für Off'ciere und Cadetten." So ich danke, nun ist's genug für heute," spricht der Häuptling, eigentlich wollte ich schon lange zu Hause sein." Ich hätte nichts dagegen, wenn wir schon lange zu Hause wären," denkt der Ober". Gleich darauf rückt die Compagnie ab. Der Vornrittagsdienst ist vorbei. Leider folgt aber jedem Vormittag auch ein Nachmittag und da wird geübt, was am Morgen bei der Com-pagnie-Schule nicht klappte, und das war so ziemlich Alles. Also los mit den Griffen, den Wendüngen und der Richtung! Siehe, es will Abend werden und der Tag neigt sich zu Ende," spricht der Feldwebel schließlich zum Hauptmann. Da läßt er endlich die Leute wegtreten und hört für heute mit dem königlichen Dienst auf. Morgen früh geht es aber wieder zur Schule, zur Compagnie-Schule, in der man nur mit den Armen und den Beinen zu lernen braucht. Seinen Kopf und seinett Verstand braucht der Soldat nur im Gefecht. Bei der Compagnie - Schule kann aber der Soldat den Kops ruhig zu Haus e lassen. . sinniges Geschenk. Und was haben Sie denn Ihrer reichen Tante zum Geburtstag geschenkt?" Ein Portemonnaie mit derAufschrist: Gedenke mein!" . Modern. Mutter: Aber Anna, Du mußt zurückhaltender sein." Tochter: Mit meiner guten Erziehung werde ich mir keinen Mann er obern!" ' '

Sparsamkeit. ., Sparsamkeit ist die erüe Bedingung des Reichthums, des werdenden wie des bereits bestehenden Reichthums! Wer nicht sparsam ist, wird nie auf einen grünen Zweig kommen; wer nicht sparsam ist. wird nicht für die Länge im Besitze sicherer Wohlhabenheit bleiben! Sparen muß der Minderbegüterte, der mit Pfennigen, wie der Millionär, der mit Tausenden rechnet; denn für den ersten wie für den zweiten giebt es Dinge genug, die ihn locken, die zu erreichen aber sein Vermögen nicht gestattet, ohne Schaden zu nehmen. Dieser wie jener hat Grenzen inne zu halten, die er ungestraft nicht überschreitet. Sparsamkeit sei aber vor allem die Devise der Frau! Sie kann Wunder wirken, wenn sie diese Eigenschaft besitzt! Es ist für sie ein Spiel und Vergnügen, sozusagen aus nichts etwas zu machen, jede Kleinigkeit zu verwenden und mit Geschick und Fleiß Altes oder Ueberflüssiges in etwas Hübsches. Brauchbares, Nützliches umzugestalten. Sie kann im Kleinsten sparsam sein und soll es sein und nicht befangen von dem Gedanken ach. diese Bagatelle! Da ist es ja nicht der Mühe werth!" nachlässig das Geringe verschmähen und verachten! Nichts ist zu gering, nichts zu werthlos, um nicht immer wieder bis zum völligen Verbrauche benützt zu werden! Und nun gar in dem der Frau unterstellten Haushalt! Da läßt sich ja eigentlich nur im kleinen sparen und, dies bedenkend, übersehe sie nicht leichtsinnig die sich ihr bietenden Vortheile! Viele Tropfen geben einen See, viele kleine Theile ein Ganzes! Und doch ist zugleich vor einem Zuviel" zu warnen! Die Sparsamkeit hat gerne einen aufdringlichen Gefährten. den Geiz! Dieser häßliche Geselle soll eben keine Heimstätte finden in der Gesinnung einer Frau, an dem Herde eines gemüthlichen Haushaltes; denn sonst ist es um den Segen der Sparsamkeit geschehen, und der Segen wandelt sich in Fluch! Sparsamkeit, die dem Geize ähnelt, finden wir nicht selten in den höchsten Kreisen. Friedrich Wilhelm I. bewirthete seine Freunde nur mit Bier und Käse und Tabak, hie und da noch mit Häringen; dies aber selten genug, weil er einen vermehrten Durst seiner Gäste fürchtete. Auch am Hofe des alten Fritz" herrschte bekanntlich eine große Sparsamkeit, und Friedrich II. selbst trieb diese gern etwas zu weit. So war sein Anzug einmal so fadenscheinig und abgetragen, daß sich sein Kammerdiener hinreißen ließ, zu sagen, kein Mann der ganzen preußischen Armee zöge solch eine schäbige Uniform an. Der spanische König Philipp II. fuhr einst in der kalten Jahreszeit durch die Straßen von Madrid; da flehte ihn einBettler an, der seine-Füße nothdürftig mit Lumpen umhüllt hatte. Der König zog seine eigenen Stiefel aus und schenkte sie ihm; der Bettler aber gab sie ihm zurück; denn sie waren so schlecht, daß er sie nicht mehr tragen mochte! Der sparsamste Fürst der Bergangenheit war aber wohl Ludwig XI. von Frankreich. Sein Anzug war derart, daß ihm einmal ein spanischer Beamter, der erst in Paris angekommen war und den König nicht kannte, auf der Straße ein Almosen bot. An seinem Hose gab es vor lauter Sparsamkeit niemals ein Fest! Er selbst verkehrte ständig mit den ärmeren Klassen des Volkes und ging nicht selten an den Abenden in die Bürgerhäuser, um dort mitzuspeisen! Dabei kümmerte er sich um die Familienverhältnisse seiner unfreiwilligen Gasigeber bis in's Kleinste und konnte sehr aufgebracht sein, wenn er einen besonderen Luxus gewahrte. Nicht selten wohnen Sparsamkeit und Verschwendung ganz dicht nebeneinander, und was die erstere in langen Wochen zusammenbringt, giebt die zweite in einer Stunde aus. Ein Beispiel davon zeigt uns der römische Kaiser Vespasian. Er war so sparsam, daß sein Haushalt eine . geradezu ärmlicher war; dennoch ließ er mehrere großartige Prachtbauten, die zum Theil heute noch in Rom bestehen, aufführen und scheute dabei keinerlei Ausgaben. Auch in unserem Alltagsleben wird es uns auffallen, daß wir. was wir lange zusammengespart haben mit dieler Mühe und Entsagung oft, plötzlich leichtsinnig und gedankenlos ausgeben. Es ist dies eine Berührung der Extreme, die in dem Charakter des seltsamen Wesens, Mensch genannt, nicht einzig dasteht. Schlechtes (fsscn.

Du hascht doch a sehr gute Platz g'h'ät. warum bischt Du denn da fortg'laufe? Z'weg'n der Esserei. Ja, wie is dös mögli'? Siehst'e, z'erscht is a Kalb eingange, un des habe se eing'salze, UN dann habe mer's z'esse kriegt. Oh. des is freili' net schä' g'wese. Nee, dann is a Schwein kaput worre, des habe se au eing'salze un wir Habe's esse müsse. Na, des is aber ekli. Gelt! es is aber no wilder worre, (flüsternd): gestern is ve alte Großmutter g'storbe. ... Ja, und? Ich ha' nimmer länger g'wart'; wie se den letzte Schnaufer getha' hat, bin i' ausg'risse! Kindlich. Aeltere Schwester: Luise, du hast heute ein kleines Brüderchen bekommen! Luise: Ach . wie freue ich mich! Weiß es die Mama schon? Aus der Praxis eines P u m p g e n i e s. Wie willst Du eigentlich die gewünschte Summe anlegen?" Als Betriebskapital zum .iuldenmachen.- . '