Indiana Tribüne, Volume 22, Number 207, Indianapolis, Marion County, 16 April 1899 — Page 6

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Mldcr aus LuTenlöurg. Jlech stet op engem Fielzentron Eng Stiedehen an der "Welt; toIzktikt si mrem Himmelsdon JVnd'Weit op WisaFeld; XJn Mrem Foss danscht d'lTolzecht durch, Dc Stiedehen das mei Letzeburg. Uebersetzung: Sod) stebt auf einem Felsenthron Ein Städtchen in der Welt; Stolz schaut es auf zum Himmelsdom Und fern auf Wies' und Feld; Die schöne Alzette rauscht hindurch, 2ies Städtchen ist mein Luxemburg. So fingt der alte Michel Lenz, den Vit Luxemburger mit Vorliebe ihren Nationaldichter nennen und schildert in dieser einen Strophe in unnachahmlicher Kürze das herrliche Städtchen, die Perle der Ardennen. Der Felsenthron, auf dem es steht, ist eine nach drei Seiten mehr als 50 Meter steil abfallende Felsplatte, die wie eine langgestreckte spitz auslaufende Zunge in das wunderschöne Thal der Alzette hinein reicht. Nur an der einen, der westlichen Seite, steht der Fels in Verbindung mit dem flachen Lande. Zu beiden Seiten der auf dieser Zunge liesenden Oberstadt laufen die unvergieichlich lieblichen Thäler des Flügchens Alzette hin, umgeben von Villen und zierlichen Häusern, Gärten und "Anlagen, die von oben herab aussehen, ls wären sie an den Felswänden angeklebte Schachteln oder auf demWeihnachtstische ausgestellte Gärten und Wiesenanlagen aus einem Spielwaarenladen. Beide Thäler sind so Herrlich, daß man bei einer Umschau von der Ecke ihres Zusammenstoßes in Wahrheit nicht weiß, welchem man den

r VorstadtElausen. Vorzug geben soll, dem nördlichen, dein Pfaffenthal", oder dem südlichen, dem Grund". Und mit diesen beiden Thälern und gleichnamigen Vorstädten -ringt noch eine dritte Vorstadt um den Preis der Schönheit. DieS ist die in 'der Verlängerung der beiden genannten Thäler liegende Vorstadt Clausen". Die Vorstadt Grund" ist von dem großartigen, über das Petrusthal führenden 250 Meter langen und 42 Meter hohen Viaduct aus gesehen. Dieser Viaduct, der in gerader Linie vom Bahnhof nach der Bahnhofstraße und in die Stadt führt, wurde im Jahre 1856 vollendet. Das Pfaffenthal hat seinen Namen von den zahlreichen Lehranstalten der in Luxemburg sehr stark vertretenen Jesuiten, die dort früher lagen und zum Theil noch jetzt liegen. Die Vorstadt Clausen hat ihren Namen nicht umsonst. Wie eine stille Clause lag sie ehedem, als noch die Festungswerke standen, da. Sie war ein Dorf, umgeben von einem Kranz starker Vorluerie, so eine Art Außenfort, wie die heutige Festungstechnik sie nennt, von denen zur Zeit nur noch einige Ueberteste, bekannt unter dem Namen die drei Eicheln", vorhanden sind. Das Jort führte den Namen ..Thungen" und auf unserm Bilde ist der Eingang zu demselben wiedergegeben, wie er bis zum Jahre 1867 bestand. Heute ist es dort ganz anders. Sämmtliche Höhen sind mit Bäumen bepflanzt und in Anjagen verwandelt worden und bilden inen beliebten Spaziergang. Da wo sonst die drohenden Schlünde der BatSerien hervorschauten, erheben sich jetzt die Schornsteine einer großen Mälzerei und mehrerer Bierbrauereien. .Äl FortThungen. Nicht nur wegen der unvergleichlich schönen Lage hat das kaum 20.000 Einwohner zählende Luxemburg, die Hauptstadt des gleichnamigen GroßHerzogtums, eine weit über das kleine Händchen hinausgehende Bedeutung, sondern auch vor allen Dingen wegen seiner Geschichte. Eingekeilt zwischen die deutschen Rheinlande, dem alten welschen Lothringen und Belgien, ist die Stadt von jeher der Zankapfel dieser drei Länder gewesen, und die Geschichte der Stadt schreiben, hieße eigentlich nichts andes, als einen Auszug geben aus den zahllosen Kämpfen zwischen der germanischen und romanischen Rasse. Als Kastell und Zwingburg der Röiner, um die umwohnenden Franken Ttiederzuhalten, reicht sie bis auf Kaiser Gallienus (253 268 n.'Chr.) zurück und ward nach Vertreibung des Römers Syagrius durch Chlodwig unter seinen Nachfolgern und den ersten Karolingern der Ausgangspunkt zur Christianisirung der noch heidnischen Bewohner. Karl Martell, der Zerrnalmer der letzten Neste des Heidenthums in jener Gegend, schenkte im Jahre 738 das Kastell bezw. den dasselbe umgebenden Ort unter dem Nainen Luzilienburg, d. h. die kleine Burg (luzil gleich klein), der neugegründeten, mächtig aufstrebenden Abtei Trier. Von da an datirt die Geschichte Luxemburgs und sie ist von Anfang an eine Geschichte voller blutiger Kämpfe und Fehden mit den streitlustigen Nachbarn. Durch den Londoner Vertrag

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wurde Stadt und' Land Luxemburg neutral erklärt. Nun begann die Niederlegung der Wälle, die bis 1872 vollendet wurde. Durch die Niederlegung der Wälle gewann die Stadt Luxemburg so viel Terrain, daß die Ausnutzung desselben zu Bauzwecken eine reine Unmöglichkeit war. Die ganze westliche und nördliche Seite ward deshalb in wunderschöne Anlagen verwandelt, aus denen zur Zeit an den Seiten einzelne Villen im modernen Prachtstile hervor-

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Alte Festun gsmauer. lugen. Kaum kann man sich etwas Herrlicheres denken, als an einem schönen Sommermorgen vom Viaduct ausgehend einen Weg links der alten Umwallung durch den Stadt'ark zu machen. An die hohen, schon vor der Schleifung bestehenden, die Waldpromenade zierenden Eichen und Tannen schließt sich in beträchtlicher Breite ein Gürtel von neueren Anlagen an, die sich in der Ferne in großen Gärten mit herrlichen Rosenculturen verlieren. Wegen dieser Rosenculturen ist Luxemburg berühmt. Während der eigentlichen Rosenzeit gehen fast jeden Abend mehrere Eisenbahnwagens dieser herrlichen Blumen nach Paris und Brüssel, und ein großer Theil der dort auf den Boulevards feilgebotenen Rosen stammt aus den einstigen Festungsgräben Luxemburgs. Das Innere der Stadt ist. wie bei einer alten Festung nicht anders möglich ist, eng und wtnkelig. An hervorragenden öffentlichen Gebäuden ist Luxemburg nicht sehr reich. Im Vordergrund steht natürlich das großherzogliche Schloß, gewöhnlich Palais genannt. Es ist ein großer, dreistöckiger Bau, dessen Vorderfront mit Thürmen und Zinnen verziert ist. Alle anderen öffentlichen Gebäude, wie das der Regierung, Stadtverwaltung, das Athenäum u. s. w. stammen größtentheils aus den beiden letzten Jahrhunderten und sind für die jetzigen Verhältnisse meistens zu klein und unbedeutend. Das Athenäum umfaßt ein vollständiges Gymnasium mit Realklassen, eine . Großh. Schloß. Industrie- und Handelsschule, in denen, wie in allen Schulen des Landes, die deutsche und französische Sprache gelehrt werden. Die Bjbliothek, Archive und Sammlungen aller Art sind hier ebenfalls größtentheils untergebracht. Die Bibliothek zählt reichlich 60.000 Bände, und in dem Archiv befinden sich zahlreiche Urkunden aus der ersten deutschen Kaiserzeit und aus der Zeit der luxemburgischen Kaiser. Auch für die Geschichte der benachbarten Rheinlande sowie Lothringens enthalten die Archive Luxemburgs noch manchen ungehobenen Schatz. Moderne Mädchen. 1. Radlerin: Denk' Dir, Müller's Bertha hat ihr Rad verkauft, beschäftigt sich fleißig in der Küche und strickt Strümpfe." 2. Radlerin: Wie kann Jemand nur so rasch sinken." R e g i e k n i f f. Schauspieler: Meine Stiefel sind nicht fertig, ich kann den Tell heute nicht spielen." Direktor: Dann spielen Sie den Parricida der tritt barfuß auf!" Kalt. Sie (vor einem Juwelierladen): Moritz, ich bin wie versteinert von dem Schmuck!" Er: Bleib's!" Ein Erfahrungssatz. Nein, Herr Meyer, so günstig dasGeschäft cuch ist, ich rathe Ihnen entschieden davon ab. Ds würde mein kaufmännisches Gewissen beschweren!" Junger Mann, was das Portemonnaie beschwert, beschwert nie das GeWissen das Geschäft wird gemacht SeinStandpunkt. Frau: Und jeder Doctor sagt mir dasselbe; nämlich es müsse etwas geschehen. Vor Allem sei ein regerer Stoffwechsel bei mir nöthig." Mann: Mach' nicht so viel Umschweife. Regerer Stoffwechsel! Das heißt auf Deutsch: Du brauchst halt wieder ein paar neue Kleider!" .. ... -

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Liechtenstein. Einer der kleinsten Staaten EuroPas, das 178,4 Quadratkilometer umfassende, am rechten Rheinufer gelegene Fürstenthum Liechtenstein, hat jüngst den Tag gefeiert, da es vor zwei JahrHunderten vom Kaiser Leopold dem Ersten zum selbstständigen Fürstenthum des heiligen römischen Reiches erhoben wurde. Fürst Johann Adam Andreas vonLiechtenstein hatte zu Anfang des Jahres 1699 die durch schlechte Wirthschaft und Kriegsereignisse heruntergekommene Herrschaft Schellenberg für 115,000 Gulden rheinisch mit allen reichsunmittelbaren Rechten und Freiheiten von dem damaligen Besitzer, dem Grafen Jakob Hannibal Friedrich von Hohenems, gekauft. Im Schellenbergischen, der jetzigen sogenannten Unterherrschaft im Fürstenthum Liechtenstein, sah es 1699 trostlos aus. Das Ländchen litt unter einer furchtbaren Schuldenlast. Die Steuern waren über alle Maßen hoch, und so wanderten diejenigen Einwohner, die es irgendwie ermöglichen konnten. aus. Das Land war nahe daran, vollständig zu veröden und menschenleer zu werden. Infolgedessen wurde eine kaiserliche Commission, mit dem Abt Rupert von Kempten an der Spitze, zur Ordnung der Zustände eingesetzt. Die Commission schlug als einziges Rettunsmittel den Verkauf der Herrschaft Schellenberg an einen zahlungsfähigen Käufer vor. Es fand sich auch ein solcher in dem Fürsten Johann Adam Andreas von Liechtenstein. Seit dieser Zeit existirt ein selbstständiges Fürstenthum Liechtenstein, das unter der Regierung eines der ältesten, glänzendsten und reichsten Fürstenhäuser ein sehr glückliches und wohlhabendes Ländchen geworden ist. Das regierende Fürstenhaus in Liechtenstein gehört der Liechtenstein - Nikolsburger Linie an.

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Fürst Johann II. Heute wird das Fürstenthum Liechtenstein von einem sehr zufriedenen, rund 10.000 Seelen zählenden Völkchen bewohnt, das sein gutes Auskommen hat, dessen Jugend in zahlreichen trefflichen Volks- und Fortbildungsschulen unentgeltlich unterrichtet wird und vollständig militärfrei ist. Das Liechtensteins che Heerescontingent", das bis zum Jahre 1863 bestand zur deutschen Bundesarmee hatte der Fürst bis zum Jahre 1866 fünfzig Scharfschützen und einen Trommler stellen müssen , wurde 1868 aufgelöst, aber der Liechtenstein'sche Landtag hat noch heute die Berechtigung, beziehungsweise dieBefugniß der MitWirkung zu einer Militäraushebung. Indessen wird es hierzu wohl nie wieder kommen. Staatsschulden hat das Fürstenthum Liechtenstein schon längst nicht mehr. Der Fürst (seit dem 12. November 1853 regiert Johann der Zweite Maria Ftanz Placidus) übt die gesetzgebende Gewalt nur unter Mitwirkung des Landtages aus. Von den fünfzehn Mitgliedern desselben werden zwölf durch Wahlmänner gewählt und drei durch den Fürsten ernannt. Urwähler ist jeder im Lande ansässige, großjährige, das heißt 24 Jahre alte, und im Genusse der bürgerlichen Rechte befindliche männliche Einwohner. Außerdem besteht in Liechtenstein Wahlzwang. Wer sich seiner Wahlpflicht ohne genügendeEntschuldigung entzieht, verfällt einer Geldbuße. Fürstl. J.agdschloß. Die Steuern im Lande sind außer--ordentlich mäßig. Post. Telegraph, Zoll und Münze stehen vertragsmäßig unter österreichischer Verwaltung, doch wird Liechtenstein mit Beginn des neuen Jahrhunderts sein eignes Geld besitzen. Der Fürst hält sich wenig im Lande auf. Er residirt abwechselnd in Wien und auf seinem prächtigen Schlosse Eisgrub in Mähren Das Residenzdorf Vaduz ist ein freundlicher, 1250 Einwohner zählender Platz mit einer schönen neuen Kirche in gotischem Stile, Landgericht das Appellationsgericht für das Fürstenthum befindet sich in Wien Unterrealschule, einer Baumwollspinnerei, Weberei, Brauerei und lebhaftem Wein- und Viehhandel. Der Wein wird zu einem großen Theile nach der Schweiz ausgeführt, wo er sehr gesucht ist. Uebrigens liegt auch Vaduz mitten von Weingärten umgeben und in landschaftlich bevorzugter Lage. Hier befindet sich ferner der Sitz des Landesverwesers. Von Va duz auS führt eine treffliche Fahrstraße durch einen herrlichen Wald hinauf zum Schlosse Hohen - Vaduz, auch

Hohen' Liechtenstein genannt. Umfangreiche, stattliche Laub- und NadelWälder wechseln miteinander ab, und die Wunder einer großartigenGebirgsweit entrollen sich, je höher wir steigen, mehr und mehr vor unsern Blicken. Der größere Theil des Landes ist Gebirgsland, und nur das Rheinthal kann als Flachland angesehen werden. Hier im Rheinthal liegen auch die meisten Ortschaften des Fürstenthums,

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Kurhaus G a f l e i. - die häufig, da das Land bis in das Mittelalter hinein von Romanen bewohnt wurde, romanische Namen tragen. Das Gesammtterrain des Fürstenthums besteht aus 5000 Hektar Culturland, 4700 Hektar Wald, 2700 Hektar Alpenweiden, 1500 HektarHutweiden und Streuried und 2000 Hektar unproduktiver Fläche. Wandern wir von Hohen - Vaduz (Hohen - Liechtenstein) höher hinauf, so gelangen wir an hübschen FörsterHäusern und an dem reizend gelegenen fürstlichen Jagdschlößchen vorüber. Fürst Johann, nebenbei bemerkt unvermählt, ist ein gewaltiger Nimrod, und die Jagd auf Gemsen und Hirsche lohnt sich auch heute im Fürstenthum Liechtenstein mit seinen wohlgepslegten, großartigen Jagdrevieren. Die 11,200 Hektar umfassende Hochgebirgsjagd ist vom Fürsten gepachtet, doch sind davon nur etwa 5500 Hektar in fürstlicher Benutzung, während etwa 5700 Hektar an Private weiter verpachtet sind. Bis auf die höchsten Bergerhebungen führen treffliche Straßen und Jagdwege. Der Glanzpunkt der landschaftlichen Schönheiten des Fürstenthums ist die hoch oben auf ebener Hochmatte liegende Sommerfrische Gaflei. Hier in einer Höhe von über 1500 Meter, die man nach einem etwa dreistündigen Marsche von Vaduz aus erreicht, dieten sich unseren Blicken nicht nur all die landschaftlichen Reize Liechtensteins, sondern auch diejenigen der angrenzenden Gebiete der Schweiz, Tirol und Vorarlberg dar. In diesem von der Natur und den Verhältnissen so besonders begnadeten Ländchen herrscht eine Musterwirthschaft in jeder Hinsicht, vor allem in Folge der außerordentlichen Munificenz des regierenden Fürsten. Aber auch die Gesammtverwaltung des Landes ist eine tadellose. Dqs ganze Flachland ist von einem breiten, wohlangelegten Netz von Entwässerungskanälen durchzogen. Nur dadurch ist es möglich geworden, das durch den Rheinund Bergdruck lange versumpft gewesene Tiefland der Cultur wieder zurückzuerobern. Vorzüglich sind vie Schulen, die nach dem Muster der württembergischen errichtet sind. Mißtrauisch. Heirathsvermittler: Fünfzigtausend Mark ist eine schöne Mitgift! Hier ist die Photographie der Dame!" Heirathslustiger (erschrocken über die große Häßlichkeit): Das Bild ist doch hoffentlich nicht auch noch geschmeichelt?!" Zarte Andeutung. Ich gratulire zur Verlobung Ihrer ältesten Tochter. Frau Geheimrath!" Ich danke Ihnen, Herr Doctor. . . . Ja, auf unseren zukünftigen Schwiegersohn sind wir stolz; es kann sich Einer glücklich schätzen, den als Schwager zu bekommen!" Unfaßbar. Nanu, du hast ja so'n noblen Spazierstock!" Nich wahr, nobel! Rath' mal, wo ick den jekooft hab'!" War, jekooft hasten?" So, So! Ich sag' Ihnen, mein Haar ist. wenn ich's aufmache, g'rad zwei Meter lang." ), das ist noch gar nichts. Wenn ich mein's aufmache, fällt's gleich auf die Erde." Kindlich. Fritz geht mit seiner Mama auf dem Lande spazieren und bei einem Hause vorüber, wo gerade ein Mann von seiner Frau geschlagen wird. Mama," fragt Fritzl. will sich der auch nicht waschen las-sen?"

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Untcrwasser-Arbcltcn. Der Hafen von Marseille fordert seit längerer Zeit eine Vergrößerung und deshalb soll der nördlich von dem jetzigen Hafen befindliche Außenhafen zu einem neuen ganz von Molen und Quais umschlossenen Becken gestaltet werden, dessen Tiefe den größten Seeschiffen die Landung gestattet. Zur Ausführung dieses Planes ist die Aufführung von Steinmauern aus einer Tiefe von 12 Metern unter dem Niedrigstand des Meeres erforderlich. Dies kann nur durch Arbeiten unter Wasser auf dem Meeresgrunde selbst geschehen, die durch eine interessante Einrichtung ermöglicht werden. Es werden große Caissons aus Eisenblech in das Wasser hinabgelassen. Diese riesigen eisernen Kästen messen 20 Meter in der Länge, 6z Meter in der Breite und 3.30 Meter in der Höhe. Ein! Boden besitzen sie nicht, sondern sie legen sich mit der scharfen Kante ihrer Wände auf den Meeresboden selbst auf. Die Decke dagegen ist doppelt und von außerordentlicher Festigkeit. Im Innern bleibt em Raum von 260 Cubikmetern für die Arbeiter, die, 20 in jedem Caisson, auf dem Meeresgründe thätig sein sollen. Von oben her wird durch eine Maschine von 80 Pferdestärken, die oberhalb desWassers auf einem Damme aufgestellt ist, die Luft derart in den eisernen Kasten hineingepreßt, daß sie das Eindringen des Wassers in den untermeerischen Arbeitsraum unmöglich macht. Um den Caisson unter Wasser festzuhalten.

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Ein Caisson. wird auf seine Decke eine große Menge von Ballast zusammengehäuft. Wenn der eiserne Kasten in das Wasser hinuntergelassen wird, befinden sich die Arbeiter natürlich noch nicht darin, diese steigen vielmehr erst nachträglich hinein, nachdem das Wasser aus dem Kasten durch die comprimirte Luft hinausgetrieben ist. Der Zugang und Ausgang wird durch eine schornsteinähnliche Röhre ermittelt, die aus dem Innern des Kastens bis über die Wasseroberfläche hinausragt; in dieser Röhre steigen die Arbeiter auf einer eisernen Leiter hinunter und - wieder hinauf. Außerdem befinden sich noch zwei andere ähnliche Röhren auf der Decke des Caisson, durch die das BauMaterial hinunter und der fortgeräumte Schutt hinaufbefördert wird. Das Innere ist durch zehn Glühlampen elektrisch erleuchtet. Mit Elektricität. Schon seit einer Reihe von Jahren beschäftigt man sich in verschiedenen Ländern damit, die so vielseitig angewandte Elektricität auch dem Betriebe von Eisenbahnen dienstbar zu machen. Die ersten practischen Erfolge hat man in Frankreich erzielt, . wo die französische Südbahn (Paris Lyon M6diterran6e) mit der von uns abgebildeten Locomotive ausgedehnte Versuche auf der Strecke Paris-Melun angestellt hat. Der Probezug bestand aus der elektrischen Locomotive von ganz eigenartiger Form, ihr folgte ein Wagen, der eine starte Accumulatorenbatterie enthielt und diesem ein solcher erster Classe, in dem die geladenenGäste Platz genommen hatten. Die Locomotive, jedenfalls der interessanteste Theil des Zuges, ist nach den Plänen des Ingenieurs Auvert construirt. Sie ruht aus 3 Achsen, von denen die vordere lediglich zur Stütze dient, während die beiden Hinteren mit einem Elektromotor in Verbindung stehen. Ein Blick auf unsere Abbildung zeigt uns die E l e k t r. Locomotive. Locomotive aus einem niedrigen und einem höheren Theil zusammengesetzt. Der erstere enthält 18 Accumulatoren zum Betrieb der Elektromotoren, falls geringe Geschwindigkeit gewünscht wird, außerdem einReservoir mit comprimirter Lust, die bestimmt, ist, die Bremsen, die Pfeife usw. in Thätigkeit zu setzen. Die höhere Abtheilung bildet den Aufenthaltsort für die die Locomotive bedienenden Leute. Soll eine höhere Geschwindigkeit erzielt werden, so wird die Kraft der 192 Accumulatoren, die der folgende Wagen enthält, in Anspruch genommen. Die Versuche haben ergeben, daß eine Schnelligkeit von 100 Kilometern (ca. 62 Meilen) in der Stunde mühelos zu erreichen ist, ja noch erheblich überschritten werden kann. Da auch sonst die Ergebnisse der Probefahrten durchaus zufriedenstellend ausfielen, so ist anzunehmen, daß in absehbarer Zeit die elektrischen Locomotiven auf allen Linien Frankreichs dahinsausen werden. D e r A u g u st. Dame: Du bist mir immer viel zu flatterhaft. Deine Vorgänger- hat ihr Ernst nie verlassen." Dienstmädchen: O, der. meine verläßt mich ja auch nicht der heißt aber nicht Ernst, sondern August."

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Einzige Möglichkeit.

,Darf ich um Feuer bitten? Danke bestens Kindermund. ptT Hänschen: Gelt. Tante, wer Dich .. jci- i-t crnir .v..(?" umuiuutc, iuui ciu xauuuuuuiut. So was! Feldwebel: Was sind Sie in Ihrem bürgerlichen Beruf?" Rekrut: Schauspieler!" Feldwebel: ..Weshalb blasen Sie die linke Backe so auf?" Rekrut: Herr Feldwebel, sie ist durch Zahnweh geschwollen!" Feldwebel: Ich glaubte schon, Sie wollten hier den Geschwollenen spielen!" Moderne Anschauung. Radlerin: Was, Emma, Dein Bräutigam radelt nicht? Ja, wie wollt' Ihr denn da glücklich werden?!" Bei'm Zahnarzt. Donnerwetter, schreien Sie doch nicht so!... Sie haben ja für eine schmerzlose Zahnoperation bezahlt!" Punsch-Essenz. Generallieutenant (am Geburtstag des Feldwebels): Nun, was habt Ihr denn da Schönes, Leute?" Soldat (verlegen): Eine Flasche Punsch - Excellenz, Herr General!" B l i n d e L i e b e. A.: Ich begreife nicht, wie Sie so für das Mädchen schwärmen können! Bedenken Sie, wie flatterhaft es ist!" B.: Ja, dafür ist es auch ein Engel." Verrathen. Vater (das Portr'ät seiner Tochter betrachtend): Der Maler hat Dir aber sehr gescheichelt, Laura." Laura: Merkt man denn das an dem Bilde?" Zartfühlend. Wenn Sie wirklich nicht in böser Absicht Nachts in die fremde Wohnung eingestiegen sind, warum haben Sie sich draußen die Stiefel ausgezogen?" Ja, Herr Eommissär, das war nämlich wegen dem, weil i' g'hört hab', daß a Kraner in der Wohnung iö. .

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Won Carl Bulcke. Deine ganze Sippschaft zu dir ist ge kommen Und raunte dir zu: Laß von ihm ab, es wird dir nichi frommen, Thörin du! Sie haben an deinem Stolz gerüttelt Und sprachen von Reu', Du hast nur leise den Kopf geschüttelt Und bliebst mir treu. Sie lachten und zeigten auf den Gassen Mit dem Finger nach dir, Sie haben dich alle und alle verlassen, Nicht ließt du von mir. Wohl hast du gebangt, wohl hast du ge litten, Mehr noch als ich. Bist muthig mit mir durch das Elend geschritten Und zwangest dich. Gequält von Sorgen und Kümmernissen. Ohn' Heimath und Haus, Wir haben die Zähne zusammengegebijftn Und hielten aus. Schau mir in's Auge, die Schmach ist zu Ende, Der Sieg gelang: Hier reich' ich vor aller Welt dir die Hände, . Hab Dank! -V. Sonne. Sonne! Sonne! Wie sie strahlend und hell durch die Butzenscheiben bricht! Ich ziehe die dunklen Vorhänge vor, nur ein kleiner Spalt, sie stiehlt sich durch, und ein kleiner Streifen küßt die Blumen auf dem Tisch in der Mitte meines Zimmers. Jetzt ziehe ich weit die Vorhänge auseinander. Große Sonnenflecke spielen an der Wand, auf den Teppichen und auf den Möbeln! Sieh, Frauchen, wie schön es ist, daß sie überallBlumen findet und küßt! Sieh die Maiglöckchen auf dem runden Tisch, auf dem Schreibtisch, sieh die Veilchen auf dem Klavier! Sieh, wie alle die Hälschen recken! Alles duftet, sonnt sich! Die Kätzchen am troScnen Holze in der hohen Glasvase auf dem Klavier blinken weißer; die hängenden Mimosen richten sich auf! Und schau die Farben im persischen Teppich! Wie gesättigt roth er leuchtet, dazwischen das tiefe Blau! Aus dem Perlmutter im persischen Tabouret scheint's in Regenbogenfarben zurück! Von denRLcken der Bücher im eichenen Gestell strahlt's zurück, glänzend, golden! Die liebe, liebe Sonne! Laß die Kinder kommen! Laß mehr Sonne herein durch Thüren und Fensier!" Und sie eilt lächelnd hinaus aus dem Zimmer, mein liebes, liebes Weibchen mit den Sonnenaugen, und kehret wieder, die Tilly auf dem Arm, den Jungen an der Hand! Und Tilly schaut mit großen, grün - bläulich schimmernden Augen aus dem pausbackigen Gesichtchen im Zimmer umher, und auf ihrem weißen kahlen Köpfchen schaukelt ein großer Sonnenfleck! Mit den Händchen greift sie um sich, nach den anderen haschend, die auf dem rothen Morgenkleid meines Frauchens liegen, und wie ihre Händchen in sie hineintappen, rosig leuchtend in ihnen, da girrt sie wie ein Täubchen und lacht über das ganze Gesicht! Und der Junge auf meinem Arm streichelt meine Wangen mit weichen Händchen und ruft in allen Tonarten Papa! " Er setzt beim ersten Pa" schmeichelnd an, hebt die zarte liebe Stimme bis zur höchsten Höhe und bricht dann jäh mit dem zweiten pa" ab. Dann reicht er mir sein Mäulcben zum Kuß, und Mama m immer gleich hinterher küssen! Jetzt strampelt er mit den Bcincken, zeigt mit beiden Händchen nach unten: er will auf den Teppich; und nachdem ich ihn hinunter habe gleiten lassen, bückt er sich, langsam. vorsichtig, immer abwiegend, daß er ja nicht nach vorn oder rückwärts falle. Endlich ist er so tief, daß er mit d:n Händchen den Teppich berühren kann. Er hebt etwas Glänzendes, eine Nadel, auf und reicht sie mir mit freudestrahlenden Augen: die Sonne hatte die Nadel im dicken Teppich sichtbar gemacht. Nun ruft er: Gange! Gange! Gange!" so lange, bis ich Danke" sage, und dann eilt er von Stuhl zu Stuhl, die Händchen hoch in der Luft, daß er das Gleichgewicht behalte, und wenn er den nächsten Stuhl erreicht hat. schlägt tr mit beiden Händchen drauf und schreit Bum! Vum!" Dann sieht er sich nach Beifall suchend um und trippelt weiter, durch unsere lachenden Mienen ermuntert. Und die Sonne streut ihm große Flecken in den Weg; er stutzt, tritt zaghaft hinein - und strahlt uns an, wenn er darüber hinweggetrippelt ist, ohne zu fallen. Jetzt schlagen vom benachbarten Thurme die Kirchenglocken. Er bleibt plötzlich stehen, und das rechte Händchen mit ausgestrecktem Zeige finger erhebend, ruft er: Horch! Horch!" Und wir horchen, still ganz still; es dröhnt dumpf und feierlich, und in das Zimmer scheint die liebe, lieb? Sonne! Ein Kindergemüth. Grenadier Tübbecke, weshalb drücken Sie denn beim Schießen immer die Augen zu?" Befehl, Herr Lieute nant, es sollte doch blind gefeuert totz den."

'Hab Dank.