Indiana Tribüne, Volume 22, Number 207, Indianapolis, Marion County, 16 April 1899 — Page 3

GsVVsHlM.

Criminal-Noman von M- E.Vraddon. 1. Capitel. Das englisch - indische Bankhaus IDawson & Balder war eine der reichsten Firmen Londons, so reich, daß ihr .Vermögen von den Leuten als geradezu fabelhaft bezeichnet wurde. Die Firma Dawson, eine der ältesten der City, war kurze Zeit' nachdem England in Indien zu so großer Macht gelangt war, begründet worden. Die letzten Inhaber der Firma waren die Brüder Lambert und Roland Dawson gewcsen. Roland, der jüngere, war vor wenigen Jahren im Alter von achtzig Jahren gestorben.seinen einzigen Sohn, Alfred, als alleinigen Erben seines ungeheuren Vermögens zurücklassend. Der jüngere Gesellschafter der Firma, Roderich Balder, hatte nur den vierten Theil des Geschäftsvermögens zu beanspruchen, die drei anderen Viertel waren Eigenthum der beiden Brüder gewesen und nach dem Tode Lamberts in die Hände Rolands übergegangen. Am Abend des 13. August 1880 saen drei Männer in einem der Bureaux des Bankhauses in der St. Gundolphstraßc beisammen. Diese drei Männer waren Roderich balder, der Kassirer Leonor Austin und ein Buchhalter im Alter von uncefähr fünfundsechzig Jahren, der der Firma von seiner frühesten Jugend an in treuer Diener gewesen war. Der Name des Buchhalters war Chlodwig Wilmot. Er sah noch viel älter aus als er war. Das silberweiße Haar hing ihm in dünnen Locken bis auf den Kragen seines Ueberziehers, den er trotz der Sommerschwüle trug. Sein Gesicht war hager und runzlig, 'die mattblauen Augen waren trübe und kurzsichtig. Er schien an Schwäche zu leiden, denn seine Hände zitterten in beständiger neivöser Bewegung. Schon zwei Mal war er vom Schlage getroffen worden und er wußte, daß ein dritter Anfall sein Ende herbeiführen müßte. Den Tod fürchtete er nicht, denn sein -Leben war freudlos gewesen, ein Dasein beständiger Arbeit, das nie durch eine Zerstreuung oder häusliche Annehmlichkeiten etwas Sonnenschein ergalten hatte. Er war ehrlich, gewissenhaft und fleißig. Die drei Männer, die an einem drüiZend heißen Augustabend nach Schluß "des Geschäftes zusammengekommen Toaren, beriethen miteinander, wie sie das neue Haupt der Firma, Alfred Dawson, empfangen sollten. Dieser war seit fünfunddreißigJah--ren von England abwesend und außer Chlodwig Wilmot hatte keine der zu dem Bankhause gehörenden Personen ihn je gesehen. Vor fünfunddreißig Jahren war er nach Kalkutta abgesegelt und seit jener Leit in den Bureaux des indischen Lweiges der Bank beschäftigt gewesen, erst als Buchhalter, später als G--schäftsführer und Direktor. Er war 7?egen eines in früher Jugend begangenen Fehltritts nach Indien geschickt worden. Alfred Dawson, der damals Drago--neroffizier war, hatte sich einer Fälschung schuldig gemacht. Er, oder vielmehr ein von ihm vorgeschobener Mitschuldiger, hatte die Unterschrift eines jungen Edelmannes gefälscht und Wechsel mit dieser gefälschten Unterschrift im Betrage von dreitausend Pfund in Zahlung gegeben. Sein Mitschuldiger, der Mensch, der die falschen Unterschriften angefertigt hatte, war der jüngere Bruder Chlodwig Wilmots, ein Bursche von neunzehnJahren, ein sorgloser unüberlegier Knabe, der sich von. dem flotten Offizier, der seiner Dienste bedürfte, leicht beeinflussen ließ. Der Wechselgent, dem die Wechsel übergeben worden waren, entdeckte die Fälschung sofort, aber er wußte, daß ihm das Geld sicher war. Die Wechsel sind auch von den Chefs der Firma prompt eingelöst worden. Rowland Dawson bezahlte diese dreitausend Psund sehr gern als Preis für die Ehre seines Sohnes, aber der junge Offizier wurde gezwungen, seinen Abschied zu nehmen und als Buchhalter in dem Bankhause von Kalkutta ein neues Leben zu beginnen. Das war eine schwere Kränkung für den stolzen Bankierssohn. Die in dem stillen Hinterzimmer des Bankgeschäftes versammelten drei Männer unterhielten sich von jener alitn Geschichte. . Ich habe Alfred Dawson nie gesehen," sagte Roderich Balder, denn wie Sie wissen, Wilmot. trat ich erst zehn Jahre nach seiner Abreise, von England in die Firma ein; aber in den Tagen, wo ich selbst noch Buchhalter war, hörte ich von den anderen jungen Leuten Anspielungen auf die Geschichte." Ich glaube nicht, daß Sie jemals etwas Richtiges darüber vernommen haben." erwiderte Wilmot, an. seinem rothen, baumwollenen Taschenruche zupfend, denn außer mir dürfte wohl kaum Jemand die Geschichte genau kennen, aber ich erinnere mich ihrer, als wäre Alles erst gestern ' geschehen." So erzählen Sie uns jene dunklen Vorgänge. Wilmot," rief Balder, Alfred Dawson kommt schon in wemgen Tagen nach Hause; es wird deshalb von Nutzen für uns sein, die Wahrheit zu erfahren, um darnach besser beurtheilen zu könuen, was für eine Art von Mensch uz:z neuer Chef ist Natürlich." entgegnete der Äuchhalier. Es sind in diesem Monat fünfunddreißig Jahr, her. seit das Alles geschah. Herr Alfred Dawson war damals ein hübscher junger Mann,

sehr vornehm aussehend, etwas hochmüthig in seinem Wesen gegen Fremde, aber leutselig und liebenswürdig gegen Leute, die ihm gefielen. Er war überspannt in seinem ganzen Auftreten, großmüthig und freigebig, aber leidenfchaftlich und eigenwillig, was kaum zu verwundern ist, denn er war das einzige Kind, und sein Onkel Lambert, damals fünfzig Jahre alt, dachte nicht daran, sich noch zu verheirathen, fo daß Alfred sich als den alleinigen Erben eines ungeheuren Vermögens betrachten durfte." Und er begann seine Laufbahn damit, jeden Heller, dessen er habhaft werden konnte, zu verschwenden?" Ja. Sein Vater hatte immer eine offene Hand für ihn, aber, so viel er ihm auch geben mochte, nie konnte er seinem Sohne genug geben, ihn von seinen Spielschulden und Verlusten auf den Rennplätzen freizumachen. Das Regiment des jungen Herrn stand in Kingsbridge in Garnison, aber er kam zwei- bis dreimal die Woche in dieses Bureau und, wie ich vermuthe, jedesmal nur, um Geld zu verlangen. Bei einer solchen Gelegenheit bemerkte er meinen Bruder, der Lehrling in unserem Geschäft war, ein so hübscher junger Mensch, wie der Lieutenant selbst, und so fein und vornehm in seinem Wesen, wie er, denn der arme Josef war wert über seinen Stand crzi gen worden. Er war der Lieblingssöhn meiner Mutter gewesen, und fünfzehn Jahre jünger als ich. Dem jungen Herrn schien Josef zu gefallen, und während er auf seinen Vater oder auf seinen Onkel wartete, unterhielt er sich gern mit dem munteren aufgewcckten Burschen. Eines Tages fragte er ihn, ob er nicht vorziehen würde, ftine Stelle bei der Bank aufzugeben und als Privatsckretär in sein: Dienste zu treten. Sie sollen mir ein Freund und Gefährte fein und mich überall hin begleiten, wohin ich gehe, liebe? Josef", sagte er ihm, und meine Wohnung werden Sie sicher angenehmer finden, als diese dumpfigen Geschäfts--räume." Josef nahm das Anerbieten an, so sehr meine arme Mutter auch dagegen war. Im Januar des Jahres, in dem die falschen Wechsel in unserer Bank vorgelegt wurden, siedelte er zu dem Lieutenant über." Und wann wurden die Wechsel vorgelegt?" Erst im August. Es scheint, daß der junge Herr beim Derbyrennen fünf oder sechstausend Pfund verloren hatte. So fehr er seinen Vater auch mit Bitten bestürmte, konnte er doch nicht mehr als dreitausend Pfund von ihm erlangen. In furchtbarer Aufregung kam er zu Josef und erklärte ihm, das Geld, dessen er bedürfe, werde er in etwa einem Monat im Stande sein, von seinem Vater zu erschmeicheln, und wenn er nur etwas thun könnte, für den Augenblick seinen Credit aufrecht zu erhalten und die ihn bedrängenden Gläubiger zu befriedigen, würde es ihm später ein Leichtes sein, Alles zu ordnen. Nach und nach wurde er deutlicher. E verlangte von meinem Bruder, der eine wunderbare Geschicklichkeit besaß, jede beliebige Handschrift nachzuahmen, die Untersckrift Lord Vandeleurs für ihn zu fälschen. Ich werde die Wechsel einlösen, ehe sie fällig sind, Josef", versicherte er. Es ist nur eine kleine List, mich für einige Zeit aus der Verlegenheit zu ziehen." Nun, meine Herren, der armc thörichte Knabe liebte feinen Freund und Gebieter, und war leichtsinnig genug, die schlechte That für ihn zu begehen." Glauben Sie, daß es die erste Fälschung Ihres Bruders war?" Ja, Herr Balder. Ich bin überzeugt davon. Oft genug habe ich ihn die Unterschrift unserer Firma und andere Unterschriften auf einem Bogen Briefpapier zum Spaß nachahmen fehen, aber ich möchte mich mit jedem heiligen Eid dafür verbürgen, daß Josef sich nie in seinem Leben einer unehrenhaften Handlung schuldig gemacht hat, bis er jene Wechsel fälschte. Wozu hätte er es auch thun sollen; war er zur Zeit doch erst achtzehn Jahre alt. Jung genug, jung genug!" murmelte Balder mitleidig. Ach, ja, sehr jung, um für das ganze Leben zu Grunde gerichtet zu werden, denn obgleich keine Schritte gegen ihn unternommen wurden, verweigerten ihm die Herren jedes Zeugniß und jede Empfehlung, fo daß es ihm unmöglich wurde, eine Stellung zu erlangen. Er verlor bald allen sittlichen Halt und drei Jahre, nachdem Alfred Dawson Europa verlassen hatte, wurde mein Bruder mit zwei anderen Genossen wegen Anfertigung falscher Banknoten zu longer Zuchthausstrafe verurtheilt." Eine sehr traurige Geschichte. Ich habe schon davon gehört, aber niemals die ganze Wahrheit. Ihr Bruder ist wahrscheinlich schon todt?" Ich habe alle Ursache, es zu glauden," erwiderte der alte Buchhalter, sich mit dem rothen baumwollenen Taschentuch die Thränen trocknend, die ihm langsam über die bleichen Wangen rollten. Während der ersten Jahre seiner Gefangenschaft schrieb er manchmal, sich bitterlich über sein Schicksal beklagend, aber seit fünfundzwanzig Jahren habe ich nie wieder etwas von ihm gehört, und ich kann kaum daran zweifeln, daß er todt ist. Armer, armer Josef! Das Unglück ihres Sohnes hat meiner Mutter das Herz gebrochen. Sie überlebte die Schmach, die sie in ihrem Kinde traf, nur kurze Zeit. Herr Alfred Dawson beging eine schwere Sünde,' als er den harmlosen jungen Menschen zum Unrecht verleitete, aus dun so viele grausame Sorgen erwuchsen. Die Vergeltung dafür wird ihn sicher früher oder später ereilen." .Alfred Dawson bli lange genug

straflos und es ist kaum wahrscheinlich, daß er seine Sünden auf Erden zu büßen haben wird." Ich weiß es nicht, aber ich habe die Vergeltung oft so spät eintreten sehen, daß der Mensch, der die Sünde beging, diese beinah: schon vergessen hatte." Aber, um auf unsere Geschichte von den gefälschten Wechseln zurückzukommen. . .", bemerkte Leonor Austin. der Kassirer, auf seine Uhr blickend. Eines Tages," rief Wilmot, diesen Wink beherzigend, wurde einer dieser Wechsel bei uns zur Einlösung vorgelegt, aber unserem Kassirer wollte die Unterschrift Lord Vandeleurs nicht recht gefallen und er ging damit zu unserem Inspektor. Zahlen Sie das Geld aus, befahl der Inspektor, aber stellen Sie es Lord Vandeleur nicht in Rechnung." Eine Stunde später trug er den Wechsel zu Herrn Roland Daw son und kaum hatte der alte Herr das Papier angesehen, so wußte er, daß Lord Vandeleurs Unterschrift gefälscht war. Er ließ mich in sein Zimmer rufen und als ich eintrat, war er kreidebleich. Er überreichte mir den Wechsel, ohne ein Wort zu sprechen, und als ich das Blatt betrachtet hatte, sagte er: Hinter dieser Geschichte steckt Ihr Bruder, Wilmot. Erinnern Sie sich des mit allerlei Unterschriften bedeckten Briefbogens, den ich eines Tages auf seinem Pult fand? Ich erkundigte mich, wer diese Unterschriften nachgeahmt hatte, und Ihr Bruder trat vor mich hin, und sich über seine Geschick lichkeit freuend, gestand er mir lachend, es gethan zu haben. Natürlich machte ich ihn auf die Gefährlichkeit einer solchen Geschicklichkeit aufmerksam. Jetzt hat er die Wahrheit meiner Worte bcwiesen, indem er meinem Sohn half, ein Betrüger und ein Dieb zu werden. Diese Unterschrift muß honorirt werden, und müßte ich mein halbes Vermögen dafür opfern. Gott weiß, bis zu welchem Betrage solche Papiere in Umlauf sind. Es gibt gefälschte Wechfel, die so gut sind, wie echte, und der Wucherer, der sie in Zahlung nahm, wußte das. Wenn mein Sohn heute hierher kommt, schicken Sie ihn sofort zu isir." Und kam der junge Mann?" Ja, Herr Balder. In weniger als einer halben Stunde, nachdem ich seinen Vater verlassen hatte, kam er, so stolz und selbstbewußt wie immer." Sie möchten sich zu Ihrem Herrn Vater bemühen!" sagte ich. er wünscht Sie in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen." Des Lieutenants rosiges Gesicht verfärbte sich, aber er folgte mir erhobenen Hauptes zu seinem Vater. Sie können bleiben. Wilmot." rief Herr Lambert Dawson, der seinem Bruder am Schreibtisch gegenüber saß, und mit anhören, was ich zu sagen habe. Ich wünsche, daß Jemand, auf den ich mich unbedingt verlassen kann, die wahre Sachlage erfahre, und ich glaube, wir dürfen Ihnen unbedingt vertrauen." Ja, meine Herren," antwortete ich, Sie dürfen mir vertrauen." Was soll das Alles bedeuten?" fragte Alfred Dawson, sich überrascht stellend, aber seine Lippen bebten vor innerer Eerregung. ' Was geht hier vor?" Sein Onkel überreichte ihm den gefälschten Wechsel. Das ist geschehen," sagte er. Der junge Mann stammelte einige Worte, bemüht, seine Kenntniß von dem Wechsel abzuleugnen.aber der Onkel unterbrach ifct. Füge nicht noch die Lüge dem schon begangenen Verbrechen hinzu," sagte er. Wie viele von diesen Papieren sind in Umlauf?" Wie viele?" wiederholte Alfred mit unsicherer Stimme. Ja," entgegnete der Onkel, wie viele und bis zu welchem Betrage?" Dreitausend Pfund," antwortete der Lieutenant mit gesenktem Kopf. . Ich beabsichtigte, sie einzulösen, ehe sie fällig wären,' denn ich rechnete mit Zuversicht darauf, bei dem SommerRennen in Liverpool ein hübsches Stück Geld gewinnen und mit dieser Summe die Wechsel auszuzahlen, hatte aber das ganze Jahr merkwürdiges Pech. Der Gedanke kam mir nicht einen Augenblick, daß diese Wechsel hier vorgelegt werden könnten." Alfred," sagte Herr Lambert Dawson feierlich, von zehn Menschen, die das thun, was Du gethan hast, denken neun, sie würden im Stande sein, den Folgen ihrer Thaten zu entgehen. Sie handeln unter dem Druck der Umstände und beabsichtigen keineswegs, sich eines Unrechts schuldig zu machen und irgend Jemanden um einen Heller zu betrügen, aber der erste falsche Schritt bringt sie auf. den Weg, der zum Verderben führt, und das Schlimmste, was einem Menschen geschehen kann, ist für ihn. mit seinem ersten Verbrechen Erfolg zu haben. Zum Glück für Dich würd? Dein Verqehen sofort ent deckt. Weshalb thatest Du einen so verhängnißvollen Schritt?" Der junge Mann versuchte, seine That damit in milderes Licht ?u rllcken. daß er sich auf die Nothwendigkeit berief, Ehrenschulden zu bezahlen. Sein Onkel fragte ihn, ob die gefälschte Unterschrift von ihm selbst herrühre, öder das Werk eines Anderen sei. Der Lieutenant zögerte ein wenig, dann nannte er den Namen seines Mitschuldigen. Das fand ich grausam und feige. Er hatte meinen Bruder zu dem Unrecht verleitet, und .das Mindeste, was er für ihn hätte thun müssen, wäre gewesen, dem Armen seinen Schutz zu gewähren. Ein Diener wurde abgeschickt, meinen Bruder zu holen. Josef kam ; er war ebenso bleich, wie. sein Herr, aber er zitterte nicht und zeigte eine

entschlossenere Miene als der Bankierssöhn. Herr Lamb:rt Dawson warf meinem BtXider die von ihm begangene That vor. Leugnen Sie, die Unterschrift gefälscht zu haben. Wilmot?" 'fragte er. Nein," erwiderte mein Bruder, einen verächtlichen Blick auf den Lieutenant werfend. Wenn mein .err mich verrieth, habe ich nicht den Wunsch, jrgend etwas abzuleugnen, aber ich denke, wir werden eines Tages miteinander abrechnen." Ich werde meinen Neffen nicht anzeigen," fuhr Herr Lambert Dawson fort, und' so werde ich natürlich auch unterlassen, Sie anzuzeigen, aber ich glaube, Sie waren ihm ein schlechter Rathqeber, und deshalb ist es mir unmöglich, Ihnen ein Zeugniß oder eine Empfehlung irgendwelcher Art zu geben. Ihren Bruder Clodwig schätze ich und werde ihn, trotz dessen, was Sie gethan haben, in meinem Dienste behalten, doch Sie wünsche ich nie wieder zu sehen. Es steht Ihnen frei, zu gehen, wohin Sie wollen, aber hüten Sie sich, anderer Leute Unterschriften zu mißbrauchen. Das nächste Mal dürften Sie nicht so leichten Kaufes davonkommen, wie heute." Josef nahm seinen Hut und ging langsam zur Thür. O, meine Herren," bat ich, haben Sie Mitleid mit ihm. Bedenken Sie, daß er fast noch ein Kind ist und nur aus Liebe zu seinem Herrn sündigte." Ich habe kein Mitleid mit ihm," erwiderte Lambert Dawson streng. Ohne ihn würde es meinem Neffen vielleicht nie eingefallen sein, ein solches Unrecht zu begehen." Josef erwiderte kein Wort auf alles das, aber als seine Hand auf der Thürklinke ruhte, wendete er sich noch einmal um und blickte auf Alfred Dawson. Haben Sie nichts zu meinen Gunsten zu sagen, Herr Lieutenant?" bemerkte n gelassen. Ich war Ihnen in Liebe und T.ue ergeben und möchte beim Scheiden nicht schlecht von Ihnen denken. Haben Sie kein Wort zu meiner Vertheidigung?" Alfred Dawson antwortete nicht. Den Kopf auf die Brust gesenkt, schien er es nicht zu wagen, die Augen zu seinem Onkel zu erheben. Nein!" rief Lambert Dawson so strenge wie zuvor, er hat nichts zu Ihrer Vertheidigung zu sagen und betrachten Sie es als ein Glück, daß Sie so entkommen." Mit glühenden Wangen und flammensprühenden Augen sah Josef dem Bankier in's Gesicht. Lassen Sie es ihn für ein Glück betrachten," grollte er, auf den Lieutenant deutend, wenn er bei unserer nächsten Begegnung, ohne die Zeche zu zahlen, entkommt." Im nächsten Augenblick war er verschwunden. Was Dich anbetrifft," redete Lambert Dawson jetzt seinen Neffen an. so warst Du immer ein vom Glück verwöhntes Kind, das die guten Dinge, die ihm die Vorsehung in den Schooß warf, nie nach ihrem vollen Werth zu schätzen wußte. Du hast das Leben auf stolzer Höhe begonnen, um in seine Tiefen zu sinken. Du mußt von Neuem anfangen und diesmal von der untersten Stufe der Leiter aufwärts klimmen. Du wirst um Deinen Abschied einkommen und mit dem nächsten Schiff, das von Southampton absegelt, nach Calcutta gehen. Heute haben wir den 23. August. Wie ich aus der Schiffszeitung" ersehe, segelt die Lady" am 10. September ab, Du hast also mehr als zwei Wochen Zeit, Deine Vorbereitungen zu treffen." Der junge Lieutenant fuhr, wie von einer Kugel getroffen, aus seinem Sessel in die Höhe. Meinen Abschied nehmen!" rief er. Nach Indien gehen! Das kann Dein Ernst nicht sein, Onkel. Vater, Du kannst nicht daran denken, mich dazu zu zwingen." Roland Dawson hatte seinen Sohn nicht ein einziges Mal angesehen, seit er in's Zimmer getreten war. Sein Gesicht mit der Hand beschaitend, hatte er auch noch kein Wort gesprachen. Dein Vater hat mich ermächtigt, in dieser Angelegenheit die Entscheidung zu treffen." sagte der ältere Bruder mit unerschütterlicher Ruhe. Ich werde mich nicht verheirathen. Alfred, und Du bist mein einziger Nesfe und mein anerkannter Erbeaber ich werde mein Vermögen nimmer einem unehrenhaften Menschen hinterlassen. Du hast zu beweisen, ob Du würdig bist, es zu erben. Deine vornehmen Kämeraden haben Dich in die Lage gebracht, in der Du Dich heute befindest. : Du mußt der Vergangenheit den Rücken kehren, Alfred. Natürlich steht es Dir frei, zu wählen. Nimm den Abschied, geh' nach Indien und tritt in unser Zweiggeschäft in Calcutta als BuchHalter ein. oder weise meinen Vorschlag zurück und verzichte auf die Hoffnung, Deines Vaters und mein Vermögen zu erben." Der junge Mann schwieg einige Minuten. Ich will gehen," sagte er endlich, finsterenBlickes, obwohl ich finde, daß ich mit übermäßiger Strenge behandelt werde." Und er ging?" fragte Balder. Ja," erwiderte der Buchhalter, den die von ihm erzählte Geschichte tief erschüttelt hatte. Er nahm seinen Abschied und verließ England mit dem Dampfer Beatrix", aber ich glaube nicht, daß er seinem Vater und seinem Onkel jemals verzieh, daß sie ihn in die Verbannung schickten. In Indien arbeitete er sich in unserem Bankhause vom untersten Buchhalter bis zum Leiter des Geschäftes empor, im Jahre 1871 verheirathete er sich, und er hat

ein einziges Kind, eine Tochter, die be! ihrem Großvater, Herrn Roland Dawson, erzogen wurde." Ja," nickte Balder, ich habe Laura Dawson auf dem Landsitz ihres GroßVaters öfters gesehen. Die ist ein sehr schönes Mädchen und Roland Dawson vergötterte sie. Aber jetzt wollen teil wieder zu dem Gegenstand unserer Bcrathung zurückkehren, mein lieber Wilmot. Ich glaube, Sie sind die einzige Person in diesem Hause, die unseren gegenwärtigen Chef Alfred Dawson je gesehen hat." So ist es." Seine Ankunft in Southampton wird in wenigen Tagen erwartet, und es muß ihm Jemand entgegenreisen, .um ihn zu empfangen. Nach einer Abwesenheit von fünfunddreißig Iahren wird er ein vollkommener Fremder in England sein und eines geschäftskundigen Menschen bedürfen, der ihm alleUnbequemlichkeiten abnimmt. Diese Anglo-Jndier sind so verwöhnte Leute. Sie kennen Alfred Dawson. mein lieber Wilmot, sind ein erfahrener und zuverlässiger Mann, deshalb möchte ich Ihnen die Aufgabe übertragen, ihn abzuholen. Sie haben doch nichts dagegen?" Nein. Herr Balder! Daß ich keine besondere Zuneigung für ihn habe, werden Sie begreiflich finden. Er ist an dem Unglück meines armen Bruders schuld, aber natürlich bin ich bereit zu thun, was Sie wünschen, wie meine Pflicht es gebietet. Wann soll ich meine Reise nach Southampton antreten?" Ich denke, es wird am besten sein, Sie fahren schon morgen, mit dem Nachmittagszug, lieber Wilmot. Sie treffen dann zwischen sieben und acht Uhr an dem Ort Ihrer Bestimmung ein. Laura Dawson wird nach der Stadt kommen, um ihren Vater in dem Hause am Portland-Platz zu erwarten. Das arme Mädchen ist voll Ungeduld, ihn zu begrüßen. Die Tochter hat ihrenVater nicht gesehen, seit sie zweiJahre alt war, und wird ihn selbstverständlich nicht wiedererkennen, und doch bewahrt sie ihm die zärtlichste Liebe in ihrem Herzen." Roderich Balder übergab dem alten Buchhalter eine Brieftasche, die sechs Fünf - Hundertpsundnoten enthielt. Sie werden viel Geld brauchen." sagte er, obgleich Herr Dawson zweifellos gut versorgt sein wird! Ich bin fehr neugierig auf ihn. Ist es nicht merkwürdig, daß nicht ein einziges Bild von ihm vorhanden ist? Als Alfred Dawson noch ein ganz junger Mann war, malte ein Künstler sein Porträt, nahm es aber mit nach Jtalicn. um es dort zu vollenden, aber Roland Dawson konnte, wie er mir klagte, über den Maler nichts mehr in Erfahrung bringen, und bedauerte cs lebhaft, nicht einmal eine Photographie von seinem Sohn zu haben. Sie sagen, er war in seiner Jugend ein sehr hübscher Mensch?" ' Ja," erwiderte Wilmot, er war sehr hübsch, hochgewachsen, blond, mit schönen blauen Augen." Nein, ihre Züge sind ganz anders, und der Ausdruck ihres Gesichts ist viel liebenswürdiger." Unterlassen Sie es nicht, in einem der besten Gasthöfe Southamptons, sagen wir im Delphin", abzusteigen, und warten Sie dort, bis das Schisf angekommen ist." Der alte Buchhalter verabschiedete sich und verließ das Zimmer. Wir werden also unseren neuen Chef sehr bald begrüßen können, mein lieber Austin," wendete sich Balder an den Kassirer. Er muß wissen, daß seine' Geschichte uns nicht ganz unbesannt ist und wird sich deshalb uns gegenüber nicht gar zu hochmüthig gebeiden dürfen." Wenn ich die menschliche Natur richtig beurtheile," entgegnete der Kassirer, wird Alfred Dawson uns gerade um so mehr hassen, weil wir das Geheimniß seines Verbrechens kennen, und darum im Verkehr mit uns um so unangenehme? und unliebenswürdiger sein, und uns möglichst fern von sich zu halten suchen."

2. K a p i t e l. Das Städtchen Wandsworth ist kein heiterer Ort, und der Fremde, der dorthin kommt, könnte sich viele Meilen weit von dem geräuschvollen Treiben Londons glauben, obgleich der raucherfüllte Athem der Riesenstadt ihn fast noch berührt. Von der bescheidenen Hauptstraße führen Seitengäßchen in die Nähe des Flußufers, und hier am Wasser erheben sich einige altmodisehe, von hübschen Gärten umgebene Häuser, die einen recht freundlichen Eindruck machen. In einem dieser Häuser wohnte eine junge Dame mit ihrem Vatcr, die für ein sehr geringes Honorar Musikunterricht gab. Sie war immer sehr schlicht gekleidet, aber die Leute schätzten und bewunderten sie doch. Ursula Wenk hatte keine Mutter mehr und konnte sich ihrer auch nicht erinnern, denn diese war vor siebzehn Jahren gestorben, ihr einziges, noch nicht zwölf Jahre altes Kind ihrem Manne, Peter Wenk, zur Obhut zurllcklassend. Aber Peter Wenk, ein Taugenichts, der seinen Lebensunterhalt auf eine Weise erwarb, die den Nachbarn ein Geheimniß war, vernachlässigte setn Töchterchen, obgleich es mit jedem Jahr der verstorbenen Mutter ähnlicher wurde, bis es sich im Alter von achtzehn Jahren zu einem wunderschönen Mädchen mit goldbraunem Haar und braunen Augen, und dem anmüthigstenWesen entwickelt hatte. Und doch liebte Peter Wenk sein einziges Kind nach seiner Art. Manchmal war er wochenlang zu Hause, die Beute schwermüthiger Anwandlungen,

unter deren Einfluß er schweigend vor sich hinbrütete. Zu anderen Zeiten verschwand er auf einige Tage, Wochen oder Monate und während dieser Abwesenheit erduldete Ursula Todesqualen angstvoller Ungewißheit. , Zuweilen brachte er ihr Geld, zuweilen lebte er von 'dem, was seine Tochter verdiente. Aber wie, er sie auch behandelte, !mmer war er stolz auf sie, immer war er ihr zärtlich zugethan, und sie liebte ifa innig, und hielt ihn für den edelsten, vortrefflichsten Menschen. Es war ihr kein Kummer, angestrengt arbeiten zu müssen und fasvj weilige Stunden für wenig Geld zx geben, ihr größter Schmerz blieb es, daß ihr Vater, der nach ihrer Ueberzeugung alle Eigenschaften besaß, in den höchsten Kreisen zu glänzen, ein mißachteter Bettler war. Das sagte sie ihm manchmal, wenn sie neben ihm saß, und ihre Arme liebkosend seinen Hals umschlangen, und es geschah mit unter, daß der große starke Mann laut weinend sein schon in früher Jugend von einem Gifthauch in seinen Wurzeln zerstörtes Leben beklagte. Du hast recht, Ursula," sagte tz, Du hast ganz recht, meine Tochter, ich hätte etwas Besseres werden sollen und wäre es vielleicht auch geworden, ohne denSchurken, dessen Verrath mich in's Verderben stürzte und mich zwang, den Kampf um's Dasein unter den schwierigsten Umständen aufzunchmen. Du weißt nicht, was es heißt, gegen die Vorurtheile der Welt anzukämpfen. Ein Mensch, der das Leben mit einem ehrlichen Namen begann und die besten Aussichten hatte, sieht sich plötzlich infolge eines verhängnißvollen Vergehens ausgestoßen, mit Schmach bedeckt und gebrochen, einer erbarmungslosenUmgebung gegenüber. Namenlos, freundlos, ohne jede Empfehlung, muß er seine Laufbahn von Neuem beginnen. Die Leute, die ihn einst ermuthigend anlächelten, wenden sich finster von ihm ab, die Stimmen, die sein Lob verkündeten, können ihn nicht laut genug verurtheilen. Von einem Ort zum andern vertrieben, wo sonst freudiges Willkommen ihn begrüßte, verbirgt sich der Unselige, einen falschen Namen annehmend, unter Fremden. Eine Zeit lang schenkt man ihm Vertrauen und von Natur ehrlich, ist er redlich bemüht, ehrlich zu bleiben, aber es ist unmöglich, der verhaßten Vergangenheit zu entrinnen. In der Stunde, in der er sich am stolzesten fühlt, sich wieder Achtung und Ansehen errungen zu haben glaubt, kreuzt vn alter Bekannter seinen Weg, eine grausame Stimme verräth ihn, und das so schwer eroberte Vertrauen ist verflogen. Die Welt ist unerbittlich, sie Hai keine Verzeihung für den Menschen, der einmal irrte und sidj dabei ertappen ließ. Am 16. August 1880, dem Tage, an dem Chlodwig Wilmot, der Buchhalter des Dawson'schen Bankhauses, nach Southampton reisen sollte, saß Peter Wenk in dem Wohnzimmer seiner Tochter rauchend am Fenster, während Ursula am Tisch mit einer Arbeit beschäftigt war. Peter Wenk war einst ein hübscher Mensch gewesen, das merkte man noch immer, und ohne den finsteren trotzigen Blick seiner Augen, konnte er jetzt noch hübsch genannt werden. Er war dreiundfünfzig Jahre alt und sein Haar bereits ergraut, aber das graue Haar, verlieh seiner Erscheinung nicht den Stempel der Greisenhaftigkeit. Seine hohe Gestalt, seine aufrechte Haltung, sein elastischer Gang, deuteten auf einen Menschen im besten Mannesalter. Der dichte braune Vollbart und der Schnurrbart war:n nur von wenigen Silberfäden durchzogen. Die Form feines Kopfes und sein Gesicht mit der Adlernase und der breiten hohen Stirn zeugten von scharfem Verstand, die muskulösen Arme von ungewöhnlicher physischer Kraft. Diesen Mann zu reizen war gefährlich! Unnachsichtig und beharrlich hielt er an einem einmal gefaßten Entschluß fest, gleichviel wie lange Zeit zwischen dem Entstehen seines Entschlusses und der Gelegenheit, ihn auszuführen, verstreichen mußte. Während er seine Tochter bei ihrer Arbeit beobachtete, umdüsterte der Schatten finsterer Gedanken seine Stirn. Und doch konnte das Bild vor ihm selbst einem sehr schwer zu befriedigenden Auge nicht unangenehm sein. Ursulas über ihre Arbeit geneigtes Gesicht war von seltener Schönheit, die strahlenden braunen Augen, deren Feuer ein Hauch der Schwermuth milderte, hatten etwas Schwärmerisches, das wellige braune -Haar umrahmte eine breite Stirn. Die hohe, schlanke und biegsame Gestalt des Mädchens verlieh dem einfachen Kattunkleid, das sie umschmiegte, Vornehmheit und Elcganz. Etwas in Ursulas Gesicht, der Schatten eines Ausdrucks, flüchtig und unbestimmterNatur, erinnerte an ihren Vater, aber die Aehnlichkeii war kaum bemerkbar. Ihre Schönheit hatte sie von der Mutter geerbt. Diese war anmuthig und liebenswürdig gewesen, aber eine Frau, deren Rachegefühl für ein ihr oder den Ihrigen zugefügtes großes Unrecht tief und dauernd sein konnte. Ursula," rief Peter Wenk, seine Pfeife bei Seite werfend, ich beobachte Dich oft, bis ich anfange, mich über Dich zu wundern. Du scheinst zufrieden und beinahe glücklich, obgleich das einförmigeLeben, das Du führst, manehe Frauen wahnsinnig machen würde. Hast Du denn gar keinen Ehrgeiz, Mädchen?" (Fortsetzung folgt.)

3 Mr die &M)C. Frühlingssuppe. Von zwei Hühnern und einem Pfund Kalbfleisch kocht man eine gute Brühe. Eine Anzahl Kartoffeln schält man, schneidet sie in Scheiben und kocht sie in Milch mit einem eigroßenStück Butter weich, worauf man sie durch ein Sieb streicht. Junge Gemüse, wie Blumenkohlröschen. Kohlrüben, Möhren, junge Schoten kocht man für sich, gar, ebenso Spargelstückchen. Die letzteren läßt man abtropfen und wendet sie in einem Backteig, um sie danach in Schmalz auszubacken. Die Brühe wird mit den durchgeriebenenKartoffeln verkocht, die Gemüfe hineingelegt, gewiegte feine Kräuter (Kerbel undPetersilie) hineingestreut und zuletzt die Suppe mit 3 bis 4 Eigelb abgezogen. Die ausgebackenen Spargel reicht man nebenher. Bayrische Leberknödel. Man schneidet sechs Semmeln in kleine Scheiben, gießt eine halbe Tasse Milch darüber, so daß sie angefeuchtet werden, und läßt sie eine Stunde stehen. Nun röstet man eine in Würfel ge schnittene Semmel mit feingeschnittenen Zwiebeln in Schmalz hellgelb und schüttet dies darüber. Ein halbes Pfund abgehäutete und feingeschabte Kalbsleber mit 1$ Unze recht feingewiegtem Nierenfett wird in die Masse gemengt, sodann drei bis vier Eier, Schnittlauch, Petersilie, Salz. Pfeffer, etwas Majoran, fowie zwei Kochlöffel Mehl. Ist alles gut verarbeitet, so formt man Klöße, legt sie in siedendes Salzwasser und kocht sie etwa 15 Minuten, bis sie aufsteigen und innen trocken sind. Jedenfalls macht man einenProbekloß. um, wenn nöthig, noch nachhelfen zu können. Gebackener Hecht. Man schuppt einen großen Hecht, nimmt ihn aus und spült ihn sauber ab. Dann häutet man den Fisch, bestreut ihn mit. Salz und läßt ihn eine Stunde stehen. Danach wird er leicht abgetrocknet, mit fein geschnittenem Speck, der mit wenig gestoßenem weißen Pfeffer vermischt ist, hübsch gleichmäßig gespickt. Jetzt läßt man ein halbes Pfund Butter in einer langen Pfanne heiß werden, bratet darin den. Fisch unter häufigem Begießen auf beiden Seiten braun, hebt ihn vorsichtig auf eine erwärmteSchüssel und kocht denBratenfcr.d mit einem Pint Rahm, etwas Citronensaft, sowie einem kleinen Glas Madeira, unter beständigem Umrühren, auf. Hammelragout mit Tomaten. Ein schönes, nicht fettes Stück Hammelfleisch wird von Haut und Knochen befreit und in Stücke geschnitten. Nachdem es gesalzen, setzt man es mit gutem Fett auf und giebt drei bis vier zerschnittene Tomaten, aus denen die Kerne entfernt sind, dazu und röstet alles zusammen gut durch. Nun stäubt man etwas Mehl darüber, füllt mit Fleischbrühe auf und läßt alles noch etwa zwei Stun den kochen. Jetzt nimmt man das Fleisch heraus, legt es in eine Ragoutschüssel und streicht die Brühe durch ein feines Sieb, ehe man sie darübergießt. Dazu passen Salzkartoffel oder geröstete Kartoffel. Pikante Schweinsherzchen. Für drei Personen rechnet man drei bis vier Herzchen. Die Herzchen werden gut gewaschen, halbirt und mit geräuchertem Speck entweder gut gespickt oder eingewickelt. Nachdem sie reichlich gesalzt und gepseffert sind, kommen sie in ein flaches Geschirr mit etwas Butter ausgelegt, und werden 14 2 Stunden langsam geschmort. Sind die Herzchen weich und haben schöneFarbe angenommen, nimmt man sie aus dem Tiegel, stäubt die Sauce mit etwas Mehl, seiht sie. würzt sie mit einer Messerspitze voll Liebigs Fleischertrakt und gießt sie über die auf einer Platte nebeneinander gereihten, halben Herzchen. Man kann sie mit Kartoffeln oder kleine gebackenen Klößchen garniren. Wilde Enten mit Hering. Zwei wilde Enten rupft man, wäscht sie, nachdem sie ausgenommen sind, und steckt in jede einen Hering, von dem man Kopf und Schwanz abschnitt und ihn gut reinigte. Damit bratet man die Enten in Butter halb gar. Inzwischen röstet man 4 gehäufte Theelöffel Mehl und 2 Zwiebeln, fein gewiegt, in Butter, rührt dies mit kräftiger Bouillon glatt, giebt etwas gestoßenes Gewürz, Pfeffer, einige Citronenscheiben, einen Löffel Kapern, Muscatnuß. den aus den Enten genommenen gewiegten Hering, ebenso die Lebern und etwas Schwarzbrot hinzu, läßt alles gut aufkochen und legt die Wildenten in diese Sauce, in der sie vollends weich braten müssen. Gut tranchirt auf einer Bratenschüssel angerichtet, umgiebt man sie mit kleinen gebratenen Kartoffeln zu Tisch. Gemüsepastetchen. Mit gutem Blätterteig oder Mürbeteig werden kleine, glatte Pastetenförmchen ausgelegt und dann mit folgender Mischung gefüllt. Man nimmt eine kleine Büchse Spargelköpfe, eine ebensolche feinster, grüner Erbsen und eine dritte Dose Morcheln. Alle drei Gemüsesorten werden aufgekocht, Spar gel und Morcheln in Würfel geschnitten und unter einen Teig aus einem Viertel Pfund schaumig gerührter Butter, vier Eigelb und einem Viertel Pfund geriebenem Weißbrot gemengt. Die Masse wird gesalzen, mit wenig Cayenne gewürzt und mit einem Teigdecke! versehen, sowie sie in die ausgelegten Förmchen gefüllt ist. Die Pastetchen werden bei guter Mittelhitze eine halbe Stunde gebacken. Gebackene Nieren. Gesottene Schweinsnieren, drei bis vier Stück, wiegt man recht fein, verrührt sie mit etwasMehl, Fleischbrühe, Muskatnuß, Pfeffer und Salz. In eine mit Butter bestrichene Platte füllt man die Masse und bäckt sie im Bratofen schön gelb. Dazu paßt Spinat oder, sonstiges leichtes Gemüse.