Indiana Tribüne, Volume 22, Number 207, Indianapolis, Marion County, 16 April 1899 — Page 2

- per Hraum. r " . " Von Mathilde ffcldern.Rolf. Nacht, grause Nacht! kein Sternlein am Himmel, undurchdringlich Finsterniß, ringsum Schweigen, nur die Gebirgswazser rauschen und der Wind jagt durch den Wald, knicket die dürren Aeste, wirbelt das Laub aus, sauset und brauset, und treibt sein 'unwirsches Spiel. Und in der Stube einer einsam stehenden Hütte liegt ein Weib auf den Knieen, und ihr Antlitz birgt sie in die Bettkissen ihres krankenKindes, das schwerathinend und mit geschlossenen Augen daliegt. Endlich hebt sie ihr Haupt empor, faltet die Hände, blickt gen Himniel und spricht: .Barmherziger Gott, sieb mein Kind! mein süßes Kind, der Tod streckt seineKnochenhand nach meiitem goldlockigen Liebling aus. O, Water im Himmel, erbarme Dich! Erhöre mein Flehen, rette mein Kind!" Und in wilder wahnsinniger Verzweislung wirft die Arme sich über ihren Lttbling, umklammert dessen beinahe schon erstarrten Körper, und schluchzet laut. Stiller und stiller wurde endlich ihr Weinen, und leiser, leiser die Athemzüge des Kindes. Es war Margarethen, als wehe ein Lufthauch über ihren Scheitel, und graue Schleier fentten sich vor ihren Augen, wirre Nebel irrten in seltsamen Gestalten auf und nieder, und sie fühlte sich lörprfreier. Plötzlich drang ein Lichtschimmer durch die Nebel, sie zerflössen gleich Dunst, und Margarethe wähnte in einer Kapelle zu stehen, in welch viele Lichter auf einem Altare flammten. Betend lagen ringsum viele Leute auf den Knieen, und in aller Augen glänzten Thränen. Das Bild schwand, und jetzt gewahrte sie ein schwach erhelltes grünes Gemach, und in demselben ein Gitterdettlein, darauf ruhte ein Kind. Margarethe wollte aufschreien und hinzueilen, denn sie glaubte, tZ sei ihr Kind, doch des Traumes Bande hielten sie zurück, und ihr Schrei rstickte. Jetzt sah sie st, daß es nicht ihr Rind, sondern ein fremdes Kind war! Ach wie schön teeren dieses Kindes Züge! wie lieblich, wie sanft! Wehe! uch nach diesem streckte der unerbittliche Sensenmann seine mähende Siöhel aus. Eine hohe bleiche Frau stand verzweifelnd am Bettlein, gleich Margarethen am Bettlein ihres Kindes. Die schöne bleiche Frau belauschte ängstlich, gleich Margarethen, die Athemzüge des Kindes." O! das war die Mutteil denn nur Mütter lonnen den Schmerz so fühlen, können so muthig aushalten in treuer Pflege, können die Schwäche besiegen und der Ermattung trotzen, ihr Beben verbergen, ihren Thränen gebieten. Mag der Mutter Haupt eine Fürstenkrone schmücken oder es die Sorgen der Bettlerin belasten, ein gleich empfänglich Herz schlägt für Mutterfreuden und für Mutterschmerz, in einer jeden Ausen. Noch mehrere Trauernde umstehen bangend das Krankenlager, ihre trüben Blicke sind wechselweise bald auf die hohe bleiche Frau, bald auf das sterbende Kind gerichtet. Ja, Wunder! sie sehen nicht den hehren lichtnmflossenen Seraph, welcher zu Haupt des Bettlein steht.' Wie ist sein Antlitz so milde und schön, wie flimmert sein Flügelpaar im rosigen Schein ; mit einer Hand deutet er nach einer schwebenden Krone, in der Andern hält er eine Lilie. Die bleiche Frau betet: Allmächtiger Vater, nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe ; willst Du mir nicht das Geschenk lassen, welches Du mir gegeben, Allbarmherziger, so rufe es denn zu Dir. Unschuldsvoll und fromm gebe ich mein Kind Deinen Vaterhänden zurück, nimm' es gnädig auf in die Schaaren Deiner Engel." Und der Seraph bog sich über des Kindes Antlitz, ein Lichtschimmer verklärte dasselbe, die Mutter sank in die Knie, der Seraph brach die Lilie, und entseelt lag die Hülle des Fürstenkindes. Der Ausdruck des Schmerzes war aus dem Antlitze gewichen, und ein sanftes Lächeln umspielte die erbleichten Lippen. Der Seraph entfaltete seine Schwingen, schwang sich empor, und schwebte mit dem verklärten Kinde hinauf in seine lichte Heiviath. Margarethe erwachte, die Morgensonne lächelte durch die Fenster, sie erhob sich, sah in das Antlitz ihres Kindes es athmete leicht und auf denWangen lag ein zart rother Schimmer. Freudedurchströmt sank sie nieder, blickte geaen den Himmel und flüsterte: Großer Gott, Du hast mich durch ein Traumbild gelehrt, wie man mit Ergebung die Leiden ertragen soll, welche Du uns sendest. Aber Dank, heißen Dank, daß Du sie mir erspart und mir meinen Liebling gelassen .hast." Die Fremdwörter. Da ine: Ja ja meine liebe Frau Poslsecretär'n, man kann die Kinder nicht streng genug halten, icke icke habe meine Jungen) mit dragonerischer Strenge erzogen."

Neid. Zwei elegante Taschendiebe befinden sich in einem sehr besuchten Concert und beobachten den vortragenden Pianisten. Du", meint plötzlich der eine zum andern, was könnte der Kerl in unserem Geschäft mit seiner Fingerfertigkeit verdienen; schade um das Talent!" Die Hauptsache. Fräulein A.: Also, es ist alles abgemacht, wir derheirathen uns in der nächsten Woche." Frl. B.: Habt Ihr denn schon eine Wohnung?- Frl. A.: Nein, erst kommen doch die Hauptsachen; zunächst haben wir uns ein Tan Hem gekauft." . ; ; . .

Zm Angesicht des Hodes.

Von M. Krause. Eintönig schlägt der. Regen gegen die Wagenfenster, während der Schnellzug durch die Nacht braust. Im Wagenabtheil erster Klasse sitzen zwei Damen, Mutter und Tochter, einander gegenüber. Beide vornehme Erscheinungen über Mittelgröße, beide dunkelblond, mit länglichem Gesicht, groß geschnittenen Junoaugen und jener Frische, die nur ein dauernder Landaufenhalt verleiht. Frau von Hassencamp sieht nach der kleinen emaillirten Uhr, wirft eine Pelzdecke über die Kniee der Tochter und sagt mit dem halb befehlenden Tone, der ihr eigen: Versuche zu schlafen, Eva! Wir haben noch eine lange Fahrt vor uns." Die Sechzehnjährige rückt sich in ihrer Ecke zurecht und schließt gehorsam die Augen, obwohl sie tausend Fragen zu stellen hätte. Aber das würde sie nicht wagen der Mutter gegenüber. Dein Vater ist so gut wie todt. Frage nie wieder nach ihm." hat die Mutter einst dem frühreifen Kinde in unaewohnt rauher Weise geantwortet, und die Französin hat ihm hinterdrein eine lange Rede gehalten, aus der es immer hervorklang: saut pas parier de Papa!" Und jetzt wird sie den Vater, nach dem sie sich heimlich oft gesehnt, endlich sehen um ihn dann zu verlieren; denn er steht vor dem Tode. Aber trotz aller Bangigkeit und scheuen Zärtlichkeit, mit der ihrHerz dieser Stunde entgegenschlägt, siegt die glückliche Jugend in ihr und nach einiger Zeit verrathen die tiefen, gleichmäßigen Athemzüge, daß sie schläft. Auch Frau von Hassencamp macht es sich bequem, aber es will nicht gehen mit dem Schlafen, obschon sie sich sagt, daß sie für den nächsten Tag ihre volle Kraft und Sammlung nöthig haben wird. Ist gleich der Mann, dessen Namen sie trägt, für sie" längst gestorben, so hat es ihr doch einen fühlbaren Ruck durch den Körper gegeben und ihr .Herz hat für Augenblicke ausgesetzt, als sie vorgestern das Blatt mit den wemgen Zeilen entfaltete eine Visitenkarte des Todes däuchte es ihr: Agues! Ich stehe an der Schwelle des Jenseits vor einer Operation, die nothwendig ist, und die ich voraussichtlich nicht überstehen werde. Es ist mir nicht leid darum, daß es zu Ende mit mir geht; denn mein Leben ist mir seit Langem werthlos. Doch hätte ich gern vor dem Scheiden Dich und Eva noch gesehen! Bruno v. Hassencamp." Der Geleitbrief des Directors der Anstalt, in welcher ihr Mann sich befand, schilderte seinen Zustand, erklärte die Operation als nothwendig. Doch verhehle er nicht, so schrieb der Arzt, daß er wenig Hoffnung hege, da des Patienten Wunsch und Wille zum Leben ein Moment, das sehr mitspreche nur gering sei. Nach dem Briefe mußte sie ihn als einen Sterbenden betrachten; und eines Sterbenden Wunsch ist heilig. Frau v. Hassencamp hatte sofort der Jungfer Auftrag gegeben, für eine mehrtägige Reise einzupacken, hatte wegen der Abfahrt der Züge nachgesehen und dem Kutscher Weisung zugehen lassen, hatte ihrer Tochter das Nöthige mitgetheilt und ihr größte Ruhe und Beherrschung ihrer Empfindungen anempfohlen, da im Interesse des Leidenden jede .starke Erregung zu vermeiden sei. Eine Thräne hatte sie nicht vergossen. Und doch hatte sie diesen Mann einst geliebt! Aber es scheint ihr, als seien Menschenalter seitdem dahingerauscht. Es war ein schwerer Irrthum gewesen, dies Ehebündniß: dennoch hatte Keiner von Beiden auf Scheidung beantragt, um wieder frei zu werden. Ihn freilich hatte die Fessel nicht gedrückt. Um ihren stolz geschürzten Mund zuckt es verächtlich: er ist nach der Hauptstadt gegangen und hat sich kopfüber in's Leben gestürzt. Sie dagegen hat treu ihren Pflichten gelebt, dem Kinde und dem Gute ihre Zeit gewidmet, und sie ist dabei eine noch immer in die Augen fallende schöne Frau geblieben, die jetzt Mitte der Dreißig in ihrer Vollkraft sieht, während er Also das war das Ende: noch nicht fünfundvierzig Jahre! Es war eigentlich schade um ihn! Er hätte gar nicht heirathen dürfen, er war nicht für die Ehe geschaffen, ein Falter,,der von einer Blüthe zur anderen flattert. Oder, er hätte ein Weib nehmen müssen ohne Stolz, ohne Charakter, das weichherzig gedacht und sich über Manches hinwegzusetzen vermocht hätte, nicht eine Natur wie die ihre, die, zu vornehm, um zu theilen, lieber ganz entsagte. Eine andere als sie hätte vielleicht einen Fehltritt nicht so tragisch genommen und dasTischtuch zwischen sich und dem bis dahin geliebtenManne zerschnitten! Eine zürnende, beleidigte Göttin, mit unnahbarer Kälte und Hoheit gepanzert, hatte sie ihm ihre Verachtung in's Gesicht geschleudert, von keiner Entschuldigung hören wollend. Wieder sieht sie sich, wie in jenem Augenblicke, als sie über die Schultern hinweg verächtlich nach ihm zurückblickte und dabei im großen Spiegel ihr Bild auffing, sieht ihre stolz gehobene Gestalt in dem hellseidenen Morgengewande und ihre Handbewegung, da er ihr näher treten will, als streife sie etwas Unreines von sich ab. Darauf war er fortgestürzt. Noch einen Brief hatte er geschrieben, einen heißen, flehenden Brief um Vergebung, mit der wiederholten Vetheuerung, daß er sich keines Abwendens des Herzens von ihr schuldig gemacht, sondern nur eines Sichvergessens in der Weinlaune, wie er, nach dreijähriger Einsamkeit des Landlebens, wieder in der Hauptstadt mit lustigen Kameraden zusammengewesen und dann jene Bekanntschaft gemacht, die ihn in dieser Stimmung für den Augenblick gereizt. Daß er sie später schroff zurückgewie

sen, sei doch cu3 dem Briefe ersichtlich, den ihr der Zufall in die Hände gespielt habe. Er bat fast demüthig um ein Zeichen von ihr, um eine Antwort, wel cher Art sie auch fei! Sie hatte ihm seinen Brief zurückgesandt. Charakterfestigkeit hatte sie es damals genannt: Man muß konsequent sein! Sonderbar! Ist es nicht gerade, als müßte sie sich vor sich selber vertheidigen? Er hatte nun einmal ihre Liebe getäuscht, getödtet, und die Liebe ist etwas Heiliges", will sie ergänzen und muß an das Apostelwort denken: Die Liebe höret nimmer auf." Wie fest eingewurzelt und den Gedankengang beeinflussend doch solche Sprüche im Kopfe sitzen. Ja, nach dem Buche der Bücher hätte sie ihn dann wohl nicht geliebt. Grübelnd neigt sie das Haupt in die Hand, geht ihre Erinnerungen zurück. Wie aus der Vogelperspektive schaut sie auf ihr vergangenes Leben. Es war der dritte Winter, den sie auf Besuch bei einer Tante in der kleinen Residenz verbrachte. Er war durch einen Zufall dahin verschneit und blieb, um seinen Nerven einmal wohlthätige Ruhe zu gönnen, wie er sagte. Offenbar belustigte ihn das kleinstädtische Thun und Treiben. Er kritisirte und glossirte Menschen und Verhältnisse in der ungenirtesten Weise. Man war nie sicher vor seinen lustigen Bosheiten, aber man schätzte sich glücklich, wenn er zusagte. Er hatte den Ruf eines Don Juans. Allein was schadet das einem jungen Manne, wenn er reich, aus guter Familie und unverheirathet ist?! Doch wem wenig daran gelegen Scheinet, ob er reizt und rührt. Der beleidigt, der verführt." Als sie ihn das erste Mal sah e3 war auf der Straße blitzte er sie mit seinen dunkelblauen Augen wie erschrocken an, so daß sie darüber erröthete. Kurz darauf begegneten sie sich in der Gesellschaft. Da wußte er ihren Freundinnen viel Schmeichelhaftes zu sagen, während er sie kaum beachtete. Die nöthigen Worte der Höflichkeit, mehr hatte er nicht für sie. Sie hatte sich darüber geärgert und eine abfällige Aeußerung über ihn gethan, die er hören mußte. Er hatte denn auch den Kopf mit dem dicken, krausen Blondhaar herumgeworfen und sie mit einem ironischen Lächeln fixirt. Darauf hatte er ihrer Herzensfreundin Amalie den ganzen Abend den Hof gemacht. Es regte sie auf, sie wußte selbst nicht weshalb. Sie trafen sich dann öfter und er trieb es in der Weise, daß er bald die eine, bald die andere ihrer Freundinnen auszeichnete. Sie hatte das dunkle Gefühl, all' das geschähe nur ihr zum Aerger, und fieberte schon immer vorher, wenn sie wußte, sie würde mit ihm zusammentreffen. Aber sie wollte sich dafür rächen: wenn er sich's später einfallen ließe, ihr den Hof zu machen, würde sie ihn glänzend abfallen lassen. Er mußte kommen, das wußte sie! Wenn sie ihn nur erst so weit hätte! Sie ersehnte diesen Tag mit glühender Ungeduld. War es Trotz. verletzteEitelkeit, oder war es eine Art Ehrgeiz, den anderen jungen Damen den Rang abzulaufen, genug, sie verrannte sich förmlich in die Idee, er müsse zu ihren Füßen liegen, und als es ihr zu lange währte, daß er sich ihr zuwandte, fing sie an, entgegenkommende Schritte zu thun. Er sollte ihr den Hof machen; sie hatte es sich nun einmal in den Kopf gesetzt. Allein er machte ihr nicht den Hof; dafür trat er eines Tages zu ihr, als sie abseits am Fenster stand, und fragte mit einem tiefen Ernste und einem Tone, der sie erschauern machte, ob sie sich entschließen könnte, seineFrau zu werden. Wie ein Rausch war es da über sie gekommen, triumphirender Stolz schwellte ihr das Herz. Ihr war er zugefallen! Sie hatte es verstanden, ihn zu zwingen, den Don Juan zu fesseln. Wie sie vor allen ihren Freunbinnen groß dastand, sie, die Bevorzugte und Auserwählte. Ja! Das war ihr Hauptempfinden damals gewesen! Ihr war es plötzlich, als thue sich ein Abgrund vor ihr auf! War das Liebe gewesen, bräutliches Glück? Gesättigte Eitelkeit." sagte der Ankläger in ihrem Gewissen, denn bräutliches Glück ist scheue, demüthige Seligkeit!" Riesengroß und untilgbar erwuchs ihre Schuld vor ihr: Liebe hat nur Liebe als Preis! Er hatte sie in heißer, großer Liebe begehrt was hatte sie ihm dafür gegeben? Ein von Stolz und Eitelkeit geschwelltes Herz! Sie hatte ihn um den Preis betrogen. Wohl suchte sie sich vor sich selber zu entschuldigen, sie sei kälter veranlagt, der Verstand, nicht die Leidenschaft herrsche bei ihr vor; aber trotzdem erschien sie sich mit einem Male ihm gegenüber klein, erbärmlich klein, unedel, sie, die sich immer für eine große und vornehm empfindende Natur gehalten. Und sie hatte über ihn denStab gebrochen, hatte ihn sür's Leben von sich gestoßen, weil er sich fernab von ihr in. einer unbewachten Stunde vergessen hatte. Sie, die ihn um ihres Lebens ganzen Inhalt betrogen, hatte ihm nicht verzeihen können trotz seiner heißen Reue, seiner drmüthigen Bitten. Etwa aus Liebe? Aus tödtlich verwundeter Liebe? Aus tödtlich verletzter Eitelkeit," sagte

der unerbittliche Richter in ihrem Innern, und sie mußte daran denken, wie sie nicht tiefen Schmerz, sondern nur Aorn, heißen Zorn empfunden hatte damals, als jener unselige Brief in ihre Hände gerathen. Sie hatte- sich in ihrem Stolze gedemüthigt gefühlt und hatte sich dafür gerächt, grausam gerächt! Er hatte es mit einem verwüsteten Leben bezahlen müssen; denn glücklich das wußte sie sehr wohl, als sie ihn von sich wies so recht von Herzen glücklich konnte er nie mehr sein: dazu hatte er sie zu heiß geliebt. Und jetzt ging er dem Tode entgegen! Ein eisiger Schauer lief durch

ihren Körper: Dem Tode!" Durch' wessen Schuld? Nein, nur das nicht! Nur diese Schuld nicht auf ihr Gewissen! Sie rang die Hände ineinander und preßte sie auf's Herz. Barmherzigkeit!" flüsterte sie, großer Gott, Barmherzigkeit! Laß ihn leben! Erhalte ihn mir! Ich will Alles sühnen, zu sühnen versuchen!" Und dann brachen sich die Thränen unaufhaltsam Bahn. ..... 5 Als Eva gegen Morgen erwachte, fand sie die Mutter ungewohnt bleich, mit gerötheten, umränderten Augen. Auf ihre Frage, ob die Mama gut geschlafen, erhielt sie ein in Zärtlichkeit bebendes Danke, mein liebes Kind" zur Antwort. Da schlang sie leidenschaftlich die Arme um den Nacken der Mutter und wagte es, aus sich herauszugehen. Meine arme, liebe Mama," sagte sie, es wird ja Alles noch gut werden, und Papa wird nicht sterben!" Vielleicht ist Gott um Deinetwillen gnädig, mein Kind," flüsterte Frau von Hassencamp und küßte sie auf die Stirn. Als der Zug in K. eintraf, harrte schon der Anstaltsdircctor ihrer mit dem Wagen. Während sie. langsam aufsteigend, durch prachtvollen LaubWald fuhren, gab er Bericht über den Patienten, erkundigte sich, ob die lange Fahrt gut verlaufen, ob man ein wenig geschlafen, und sagte, er habe im Interesse der Damen die Tischzeit für heute früher angesetzt. Frau von Hassencamp ist ihm sehr verbunden für diese liebenswürdige Fürsorge, aber in ihrem Innern seufzt es: Also erst nach dem Essen!" Endlich ist auch das überstanden und sie geht mit Eva an der Seite des Directors einen langen Gang hinunter, an nummerirten Thüren vorbei, bis es heißt: Hier, gnädige Frau", und der Director ihr die Thür öffnet. In diesem Augenblicke fühlt sie. wie ihr die Kraft schwinden will. Sie wendet sich nach Eva zurück: Geh, küsse Deinem Vater die Hand!" Ein halberstickter Jubelruf aus Männerbrust, den sie nie vergessen wird. Doch, doch! Mein Kind, meine Tochter, halte ich Dich endlich!" Zitternd und zagend sie fühlt sich wie eine Verbrecherin tritt Frau v. Hassencamp über die Schwelle und zieht die Thür heran. Die Empfindüngen, die sie überfallen, drohen sie zu überwältigen. Wie durch einen Nebel sieht sie ihn, das edelschöne Gesicht mit den einst so lebensprühenden Augen, die so oft in Liebe und Bewunderung für sie aufgeflammt die nun vielleicht bald sich schließen. Er ist noch immer ein schöner Mann, wenn auch seine Farbe geblich blaß und das üppige Kraushaar grau untermischt ist. Wie durch einen Nebel sieht sie, wie er über Eva's Schultern hinweg ihr die Hand entgegenstreckt, hört wie aus der Ferne seine weiche, tiefe Stimme: Ich danke Dir, Agnes!" Sie lächelt, schwankt und muß sich anlehnen, um nicht zu Boden zu gleiten. Gewaltsam rafft sie sich zusammen: Nein, ich danke Dir, Bruno, daß Du mich gerufen. Ich hatte es nicht um Dich verdient! Kannst Du mir vergeben?" Und dann sinkt sie bei ihm nieder und birgt. Alles um sich her vergebend, ihr thränenüberströmtes Gesicht in seine Hände. Und er läßt sie gewähren. Eine stumme.Weisung seines Auges hat Eva bedeutet, die Eltern allein zu lassen. Agnes, mein Weib, mein schönes Weib," flüsterte er, neigt sich leise über die Weinende und küßt ihr reiches Haar. Da schrickt sie empor: Sei nicht gut zu mir! Ich trage es nicht!" Wiederum birgt sie das heiße Antlitz in seine Hände, wirre, unzusammenhängend? Selbstanklagen stammelnd. Beruhigend, tröstend spricht er ihr ZU. Vor seiner Milde schmilzt der letzte Rest ihres Stolzes. Jetzt erst empfindet sie voll, was sie in der trotzig selbstgewählten Einsamkeit entbehrt hat und alle die Jahre hindurch unterdrückte, uneingestandene Sehnsucht in ihr nach Liebe strömt über und zwingt ihm den Seufzer ab: O Gott, noch dieses Glück vor dem Scheiden!" Bruno!" fährt sie entsetzt auf und ihre Thränen versiegen, Bruno, Du darfst, Du kannst, Du wirst nicht sterben! Oh ich wollte Dich ja nicht erregen, wollte mich beherrschen " Er lächelte. Glück schadet nicht!" sagte er mit tiefem, zärtlichem Tone. Ich danke Dir. Agnes! Aber jetzt wollen wir das Kind wieder hereinrufen. Ihm wird die Zeit schon lang geworden sein." . 5 Als Doctor Zeltinger am anderen Morgen bei dem Patienten eintrat, bat dieser: Können wir noch inen Tag warten mit der Operation?" , Der Arzt nickte. Auf einige Tage kommt es nicht an!" ! Allein als der zweite Tag zu Ende ging und der Arzt beim abendlichen Rundgang lächelnd fragte: Und morgen, wie heute?" lautete die Antwort: Nein, Herr Director, morgen die Operation! Es ist besser so. Sonst werde ich noch muthlos und verzagt vor Glüä. Wer es mir gesagt hätte, ich würde noch einmal so am Dasein hängen! Seit Jahren hatte ich nur den einen Wunsch: Je eher es zu Ende geht, desto besser! Und nun, im Angesicht des Todes es rächt sich eben Alles im Leben!" Ach was!" fuhr ihn der Arzt an. danken Sie Ihren Gott, daß Sie wieder am Dasein hängen, und nehmen Sie sich fest vor, Sie w o l l e n leben, müssen für die Ihren leben! Ist denn Ihre Frau Gemahlin damit einverstanden, schon morgen - . Die Meinen sollen eö nicht wissen. Es wird sich ja so einrichten lassen, daß

sie denken, es handelt sich nur um eine Untersuchung. Die Folterqual der Angst aber soll ihnen erspart bleiben." Doch als am nächsten Vormittag die Frau Directorin Frau von Hassencamp zu einem Spaziergang durch den Park bereden wollte, wurde diese sehr bleich. Täuschen Sie mich nicht," sagte sie tonlos. Es handelt sich nicht um ein: Untersuchung! Die Operation soll stattfinden. Aber feien Sie ruhig, wir sind gefaßt. Nicht wahr, Eva, wir thun Papa den Gefallen und sagen ihm lächelnd, daß wir inzwischen einen Waldstrauß für ihn pflücken werden!? Wenn Sie dann nachher dem Kinde ein wenig zusprechen wollen? Denn ich ich muß allein sein " Und während Eva bei Frau Zeltinger auf dem Sopha saß und von all' den schwierigen Operationen hörte, die d:m Director schon geglückt waren, lag Frau Hassencamp in ihrem Zimmer auf den Knieen, mit der Stirn fast den Boden berührend, die Hände ineinand:r gekrampft. Großer Gott, Erbarmen!" Weiter vermochte sie nichts zu denken. Ab und zu entrang sich ein Stöhnen ihrer Brust, ein tiefes Athemholen in namenloser Qual. Wie viel Zeit sie so zugebracht, sie wußte es nicht. Da klopste es. Gnädige Frau," rief die Directorin draußen vor der Thür, Frau von Hassencamp hörte den Jubel im Tone heraus. Sie richtete sich auf und öffnete. Es geht gut! Ueber Erwarten gut!" klang es ihr entgegen. Da schwanden ihr die Lebensgeister. Was ich in jener Stunde gelitten, Bruno," sagte sie ihm später, kann ich Dir nicht beschreiben. Aber ich glaube, die eine Stunde hat Vieles in meinem Schuldbuch ausgelöscht. Ich hätte auch an Gott verzweifelt, wenn ichDich hätte verlieren müssen, nachdem wir uns eben wiedergefunden. Seele zu Seele, im Angesicht des Todes!"

Die Lügenmaschine. Allabendlich versammelte sich im Meisten Hecht" eine Tafelrunde, die in gemüthlichster Weise die Feierstunden auszunützen verstand. Zuerst wurden politische Ereignisse und Tagesneuigkeiten besprochen, dann wurde der fröhlichen Unterhaltung das Feld geräumt; etwas Weniges wußte immer irgend Einer zu erzählen, und wenn eine Stockung eintrat, war der Förster Duselberg stets bereit, in die Lücke zu treten. Er bot dabei die übliche Jagerkost; aber man ließ sich seinen Aufschnitt" gerne bieten, weil er gewöhnlich mit einer Fülle von Humor gewürzt war, der das Ganze genießbar machte. Hie und da erzählte er eine Geschichte zweimal, und da passirte es ihm nicht selten, daß er das zweite Mal die Ereignisse anders darstellte, als das erste Mal. Wenn man ihn dann darauf aufmerksam machte, Pflegte er mit unbeugsamem Eigensinn zu behaupten, daß er so und nicht anders gesagt habe. Eines Tages traf in dem Städtchen ein Unternehmer von Schaustellungen ein, welcher einen Phonographen vorzeigte und mit dieser Neuheit nicht geringes Aufsehen erregte. Die Tafelrunde unterhielt sich Abends lebhaft über die so eigenartige Maschine, deren Leistung über den Horizont des guten Försters weit hinausqing. Man erklärte ihm nun, daß die Maschine im Stande sei. eine ihr erzählte Geschichte nach Wunsch wieder zu erzählen und veranlaßte schließlich den biederen Duselberger, den Versuch zu machen. Er hatte schon öfters von einer Fasanenjagd im Gehege des Grafen T. erzählt, bei welcher er in einer halben Stunde genau 25 Stück geschossen, während der herrschaftliche Jäger kaum 10 auf die Strecke gebracht habe. Diese Geschichte solle er in den Phonographen hineinsprechcn. Als der Apparat gebracht wurde, sah sich der Förster die Sache zuerst an und als er bemerkte, daß die Maschinerie so unscheinbar beisammen war, besann er sich nicht lange und trug die Erlebnisse auf der Fasanenjagd in den kräftigsten Farben vor. Ihm konnte wenig daran liegen, wenn die Maschine die Sache irgendwo auftischte; hier am Stammtisch hatte er sie ja schon öfter vorgebracht und Niemand hatte noch gewagt, einen Zweifel darüber auszusprechen. Zufälliger Weise traf ein paar Tage später sein College, der herrschaftliche Jäger. Abends im weißen Hecht ein, und ein boshafte? Tischgenosse brachte das Gespräch sofort auf die berühmte Fasanenjagd. Der Förster wurde sehr verlegen und als man von den 25 Stück in einer halben Stunde sprach und der Jager hellauf zu lachen ansing, wurde Duselberg wild und behauptete, daß er nie von 25 Stück gesprochen, sondern eine ganz andere Zahl erwähnt habe. Es entspann sich eine lebhafte Discussion. die ihren Abschluß in dem Beweisverfahren finden follte.das nunmehr eingeschlagen wurde. Man holte den Phonographen herbei; es wurden i Ohrenzeugen als Schiedsrichter ge.wählt und nun erhielt die Maschine das Wort. Zum allgemeinen Gaudium reproduzirte sie die Zahl 25 in deutlichster Weise und der Förster schien überführt. Die Garde stirbt und ergibt sich nicht" so heißt es bekanntlich. Auch Duselberg ergab sich nicht; er that ein vaar mächtige Züge aus der Tabakspfeife, schüttelte den ctopf und sprach im Tone der höchsten Entrüstung: Jetzt, das muß ich sagen: 'S ist bald nicht mehr schön aus der Welt; sogar eine Maschine, die lügt, hat man erfunden!" Der Ehrgeiz ist für die Blume Talent der weckende Sonnenstrahl, für das Pflänzchen Mittelmäßigkeit der nagende Wurm. ' ,

Wiener Damen - ßasc's. Won X. v. GayrSperg. Einsame Frauen und Mädchen hatten schon lange das Bedürfniß gefühlt, unaenirt von Männerblicken sich dem sogenannten Kaffeehaus - Vergnügen hinzugeben. Das ist erklärlich! Warum soll ein unbemanntes Frauenzimmer, besonders wenn es von seinen Renten lebt, den Kaffee nicht außer Hause trinken, nicht auch in den unterschiedlichenTagesblättern und illustrirten Journalen nach Herzenslust mühlen und eventuell auch eine Partie Piquet oder Tarok spielen dürfen? Die in besagter Sache ab und zu in den Tagesblättern veröffentlichten Nothschreie" verhallten deshalb auch nicht wirkungslos, und nach und nach hörte man von Erfolgen, welche ganz danach angethan waren, dieiHerzen der Emanzipirten höher schlagen zu lassen. Mancher Kaffeesieder" räumte seiner weiblichen Kundschaft einen Damensalon ein, in welchem Rauchverbot herrschte, und einige andere Geschäftsleute dieser Branche gingen sogar um einen Schritt weiter und erließen für ihre Damenabtheilung" auch das Herrenverbot. Im Anfange machte sich die Geschichte wirklich famos. Die Damen drängten sich geradezu in ihr" Kaffeehaus und es hatte den Anschein, als ob den Unternehmer der erste Schritt zum Millioneser" damit gelungen sei. ' Wie aber alles, was so nach Emanzipation schmeckt, den warmblütigen Oesterreicherinnen und namentlich den lebenslustigen Wienerinnen mit der Zeit eigentlich doch z'fad" wird, so ging ihnen in den Damensalons nur zu bald der Rauk'n", und weil dazu unter normalen Umständen auch die Mannsbilder" gehören, selbstverständlich auch die letzteren ab. Ohne Männer gibt's ka Leben, ohne Männer keine Freud'," heißt's ja im Liede. Die Damen rückten wieder zwischen die Männer und die Männer überschritten zuerst zögernd, dann aber' immer kühner die Schwelle des Damensalons", so daß schließlich der Status quo ante fast überall wieder hergestellt war. Aber das Damcnkaffeehaus blieb doch. Freilich blieb eS nicht so, wie es gedacht war. Die Frau Schachprofessorin", welche in den Zeitungen ihre Un--terrichtsmethode angepriesen hatte, verlor ihre Schülerinnen geradeso wie die Tarok - Lehrerin", welche ihre Elebinnen mit den Geheimnissen des Skus" bekannt machen und sie lehren wollte, den angesagten Pagat" kunstgerecht abzufangen". Im Anfang hatte dies Alles sehr verlockend ausgesehen. Die jüngsten Damen, welche höchstens schwarzen Peter" oder Zwicken" zu begreifen vorgaben, begannen sechzehn Blatt in den zierlichen Händen zu halten, und die Naivsten, welche zwar einen Husaren von einem Infanteristen, aber kaum den Bauer von der Königin unterscheiden konnten, warfen sich mit Eifer auf den Prätorius und ähnliche Schach - Lehrbücher. Der Eifer hielt aber, wie bemerkt, nicht vor. So kam es, daß die Damen schon nach kürzester Frist nicht mehr unter sich", aber doch noch im Damenkaffee' waren und so begab es sich, daß Wien DamenkaffeeHäuser hat, in welchem zu Zeiten mehr Männer als Frauen sitzen. Der Tirolerhof" (Eigenthum des Fürsten Wrede) und die Guntramsdorfer" (ursprünglich Milchtrinkhalle) behielten den Ruhm, Damenkasfeehäuser zu sein und es zu bleiben. Wir haben sie also und sie sind eine Spezialität für Wien. Bor allem ist ihnen sehr viel Gutes nachzusagen: Kaffee, Obers (Sahne), Chocolade etc. sind dort von bester Qualität. Das ist auch selbstverständlich. Einem Manne kann man bald was vorsetzen, was er, den Kopf voll Politik oder Geschäfte, mit Todesverachtung hinunterwürgt. Aber einer Frau? Niemals! Die fünfzehnjährigen Backfische riechen den Gottseibeiuns - Feigenkaffee auf tausend Schritte, und wenn auf der Schale nicht ein Gupf" des besten Obersschaumes (Schlagsahne) prangt, so schlagen sie einen Läxm, als ob dieKellnerin sie um die ewige Seligkeit hätte betrügen wollen. Es muß demnach alles schmackhaft und gut sein, sonst würde den Geschäften Freund- und Kundschaft gekündigt. Hier sitzt das liebliche" Wien wenigstens zum größeren Theil lieblich" herrliche Frauen, reizende Mädchen, eine Musterkarte weiblicher Schönheit. Es herrscht ziemliche Eintracht, obwohl es an bösen Blicken nicht mangelt, wenn eine recht Fesche" (die vielleicht kleine Nebenabsichten h?t),den besten Fensterplatz, von dem aus sich so gut mit den Vorübergehenden koketiren läßt, schon befetzt findet, etwa gar von einer faden Nocken" oder z'nift'n Gred'l", und dann inmitten des Lokales an einem Tische Platz nehmen muß, der gar keinen Ueberblick gestattet. Ueberblick!" -Das ist die Hauptsache. Sehen und gesehen werden. Es gibt eine Unzahl (und nicht nur unter den Saubern", die hierzu ein verbrieftes Recht haben), welche, durch einen raschen Blick von der UnmögLchkeit belehrt, einen guten" Platz zu erobern, sofort bei der Thüre umkehren. Denn was nutzt der beste Kaffee, wenn man ihn ungesehen vertilgen und mit jedem Bröck'rl den Gift schlucken muß, daß Aan ka Katz anschaut?" So groß der Gizigak" ist, wenn sich kein rückenfreies Plätzchen entdecken läßt, so groß ist die Befriedigung.wenn ein Fensterplatz erobert werden kann. So ein Platz wird im Sturm genommen, vertheidigt und behauptet und es soll Fräuleins geben (besonders an Sonntag Nachmittagen), die sich in den Fensterecken geradezu häuslich einrichten und auf ihren Plätzen ehnder ver-

schimpeln", bevor sie dieselben vor der Dämmerung räumen würden. Hier gibt sich die Mädchenwelt Ren? dezvous. Kommst Sonntag in' Tirolerhof Natt'l?" ist eine Frage, die sofort mit einem eideskräftigen Ja beantwortet wird, falls die Fragerin noch hinzusetzen sollte, weißt, der klaane Leutnant kommt auch." Aber dieser Lockung bedarf es nicht. Wo Venus ist, ist Mars nicht weit. Vorposten der bewaffneten Macht stehen überall. Sie unterhalten lebhaftes Plänklerfeuer. Schöne Augen blitzen zurück, abweisend, lockend, selten aber unfreundlich. Die Wienerinnen, können recht resch" sein, aber sie verzuckern ihre kleinen Grobheiten mit einem nachträglichen Lächeln. Es thut also gar nicht weh, wenn eine besondere Strenge mit niederschmetternden. Blicken auf kühnere Angriffe antwortet. Natürlich wird unbändig geschwätzt, gelacht, geflüstert und dabei kokettirt. Schandenhalber" blättert man in den Journalen, besieht die Bilder oder liest wirklich eine Romanfortsetzung oder die letzte Selbstmordgeschichte, bei welcher womöglich unglückliche Liebe eine Rolle spielen muß. Die Hauptsache ist aber, was diese oder jene anhat", der Schnitt und Aufputz der Kleider und Hüte, der Schmuck, das Benehmen. Die eine hat heute "'s G'wand aus der mitter'n Lad'" (das beste Kleid), die andere an narrischen Pumtschesterer" (übertrieben aufgeputzten Hut), die dritte sieht im Verdacht zwa linke Füaß" zu haben (das ist: ungelenk zu gehen), die vierte sitzt da wie a Bauernbraut" oder wiar die Nanderl bei'n Sterz", die fünfte kegelt si' d' Augen aus", die sechste macht Pavp" kurz, ungeschoren bleibt keine. Das hindert nicht, daß jede einzelne sich für schön und jeden forschenden, vielleicht auch bewundernden Männerblick ihr allein geltend hält. Denn . und wenn es auch die Majorität nicht wird Wort haben wollen die meisten wollen sich ja doch mehr von den Männern bewundern lasse, als von ihresgleichen, und sicher ist die Ueberzahl nicht so sehr des Obersschaumes" wegen da, als der grauslichen Mannsbilder", die rein glauben, ma' kommt nur wegen ihnen her". Und diese grauslichen Mannsbilder" glauben dies wirklich. Allerdings haben die Lokale auch Stammgäste, welche über solche Dummheiten" erhaben sind; schnöde Egoisten, die das Heizmaterial daheim sparen, und anderen hier den Platz versitzen", vertrocknete Hagestolze, darunter manche Originale, dürre und wohlgenährte alte Fräuleins, die den Strickstrumpf mitbringen, und Handelsangestellte, oder Geschäftsleute, die ihren Magen mit einer Melange" über das mangelnde Mittagmahl hinwegtäuschen. Das ist aber WerkeltagsPublikum. Den richtigen Eindruck gewinnt man nur an Sonntag-Nachmit-tagen, die, wenn regnerisch, eine ausdauernde, festgcpreßte Masse hier vereinigen, wenn schön, einen stets fluktuirenden Strom des feschesten" bürgerlichen Publikums zu Kaffee undObersschäum, zu Chocolade und G'frorenem" hereinlocken. Und man darf nichts Schlimmes denken. Hier gibt's keine zweideutige Gesellschaft etwa, sondern nur das lebenslustige, heitere, sorglose und fesche weibliche Wien, das sich unterhalten will. Jessas!, Wiar lang bleibt m'r denn jung und sauber? No alsdann! Und d'rum geh'n m'r so gern in's Damenkaffeehaus!"

Merkwürdiges Recht. In der Gegend von Edea (DeutschAfrika) gilt ein eigenthümliches. Frauenrecht. Die Eltern eines Mädchens schließen den Verkauf frühzeitig ab, oft wenn das Kind erst fünf oder sechs Jahre alt ist. Der Kaufpreis ist ziemlich hoch und läßt sich nach unserm Geld auf $125 bis $175 berechnen. Ist die Braut noch zu jung, so wird sie von den Eltern des Bräutigams erzogen. Da die Käufe vielfach auf AbZahlung abgeschlossen werden, bleibt dann dem Bräutigam Zeit, seine Schuld abzutragen. Sollte er etwa zahlungsunfähig werden, bevor die Schuld erloschen ist, so gibt er dieFrau einfach zurück, gleichviel wie lange sie in seinem Besitz gewesen ist. Wohlhabende pflegen ihrCapital in Weibern anzulegen; das ist sicher, denn der Besitz eines Weibes ist nicht übertragbar. Unter den manchen Freiheitsbeschränkungen, die das Weib erdulden muß, befindet sich das Verbot, Hühner zu essen. Eine Wittwe wird völlig frei, nur muß sie während eines Jahres ein Hüftentuch von besonderer Form tragen. Auch das Sclavenrecht ist bemerkenswerth, indem die Sclaven genöthigt sind, ihren Herren eine Abgabe von ihrer Ernte zu entrichten, von den Rechtsgedingen und Dorfversammlungen ausgeschlossen, sonst aber in nichts behindert sind. Bei allen. Freien wie Sclaven, ist der Vater verpflichtet, dem ehemündigen Sohne eine Frau zu kaufen. Stark entwickelt ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei der Sippe. Es bekundet sich namentlich in Fällen vonVerschuldung durch gemeinschaftliche Haftung der Verwandten, oder beiMordfällen durch Sippenrache, wenn nicht nach afrikanischem Brauch der nächste Anverwandte des Ermordeten durch eine Sühne in Weibern oder Schafen beschwichtigt wird. Dieben wird eine Hand oder ein Ohr abgehauen. AucheinErfinder. Frau A.: Ihr Mann ist ja wohl ein Erfinder?" Frau B.: Ja, einige von den Entschuldigungen, die er vorbringt, wenn er Nachts um 1 Uhr nach Hause kommt, sind in ganz Deutschland tw breitet.-