Indiana Tribüne, Volume 22, Number 200, Indianapolis, Marion County, 9 April 1899 — Page 2

per stlcutc Spion.

Von AlpHonse Sarlft.i (Stenne ljiefc er, der Utint Stenne. Sr war -ein ccht:s Pariser Kind, kränklich und blaß, das 10, vielleicht auch 15 Jahre clt sein mochte; genau' konnte man es gar nicht erkennen. Seine Mutter war todt; sein Vater, ein alter Mcrinesoldat. bewachte eine Parkanlage in der Nähe des Temple. Kinder, Bonnen, alte Damen, das ganze Paris, das überhaupt dorthin kam, kannte den Vater Stenne und bewunderte ihn. Sein struppiger Schnurrbart war der Schrecken der Hunde und Vagabunoen, aber man wußte auch, daß sich unter ihm ein gutmüthiges, fast mütterliches Lächeln verbarg und daß man, wenn man es sehen wollte, ihn nur zu fragen brauchte: Wie geht es Ihrem Jungen?" Denn er liebte seinen Knaben über Alles, der Vater Stenne. Er war so glücklich, wenn der Kleine des Abends zu ihm kam und sie dann gemeinschaftlich die Alleen auf- und abschritten. Bei jeder Bank mußten sie stehen bleiben. um die regelmäßigen Besucher zu grüßen und ihre freundlichen Grüße zu erwidern. Mit der Belagerung änderte sich unglücklicher Weise Alles. Der Park wurde geschlossen, man legte Petroleum hinein und der arme, zu unaufbörlicher Aufsicht verpflichtete Vater Stenne verbrachte sein Leben in dem verlassenen und verwüsteten Gehölz ganz allein, selbst ohne Pfeife. Nur noch in später Abendstunde hatte er daheim seinen Knaben um sich. Und dazu noch der Gram über die Erfolge der Preußen. Der kleine Stenne beklagte sich weniger über das neue Leben. Eine Belagerung! Die ist so amüsant für die Gassenjungen. Keine Schule mehr, die ganze Zeit Ferien, und die Straße bunt fcrie beim Jahrmarkt. Den ganzen Tag trieb sich derKleine draußen umher. Er begleitete die Bataillone seines Viertels, wenn sie nach den Wällen zogen, und wählte mit Vorliebe solche, die ein tüchtiges Musikkorps besaßen. Und darüber war der kleine Stenne ausgezeichnet unterrichtet. Er wußte ganz genau, daß die Musik der 96er nicht viel taugte, während die 55er ganz ausgezeichnet spielien. Dann beobachtete er ein anderes Mal die Mobilgarden beim Exerzieren und war beim Heimmarsch unter den Nachzüglern. Semen Korb am Arm mischte er sich in die Massen, die sich in der Dämmerung sonnenloser Wintervormittage bei den Läden der Fleischer und Bäcker ! versammelten. Da, die Füße im Schnee, machte man Bekanntschaften, trieb Politik, und als Sohn des alten Stenne wurde er natürlich von jedem um seine Ansicht befragt. Das Amusanteste von allem war aber doch das berüchtigte Galoschenspiel, das die bretonischen Soldaten während der Belagerung in Mode gebracht hatten. Wenn der kleine Stenne weder auf dem Wall noch bei den Bäckereien war, so konnte man sicher sein, ihn auf dem Spielplatz zu finden. Er spielte nicht mit, wohlverstanden; dazu fehlte es ihm am nöihlgen Gelde. Er begnügte sich damit, die Spieler zu beobachten. Einer hauptsächlich, ein großer Bursche, in blauem, langem Rock, der immer gleich lOOSous setzte, erregte seine Bewunderung. Wenn der lief, hörte man die Geldstücke in seiner Tdsche nur so klimpern. Eines Tages, als er ein Geldstück dufhob. das bis vor die Füße des kleinen Stenne gerollt war, sagte er zu ihm mit heiserer Stimme: Bist wohl neidisch, was? Na, wenn Du willst, sag' ich Dir, wo man sie bekommt." Als die Partie beendigt war, nothigte er ihn in eine Ecke und schlug ihm vor. gemeinschaftlich mit ihm den Preußen Zeitungen zu verkaufen. Man bekäme dreißig Franken für jeden Gang. Anfangs wies der Kleine seine Zumuthung in höchster Entrüstung zurück und blieb drei Tage dem Spielplatz fern. Drei schreckliche Tage! Er aß nicht mehr, er schlief nicht mehr. Des Nachts träumte er von nichts anderem als von dem Spiel und von Goldstücken, die zu seinen Füßen umherrollten. Die Versuchung war zu stark. Am vierten Tage kehrte er zurück, sah den Großen wieder und ließ sich verführen .... Einen Tuchsack hatten sie über die Achseln gehängt, die Zeitungen unter ihren Blousen versteckt und so schritten sie durch den schneeigen Morgen. Als sie beim Flandrischen Thore ankamen, war es kaum Tag. Der Große faßte Stenne bei der Hand, näherte sich dem Posten einem braven Landwehrinann mit rother Nase und gutmüthigem Gesicht und sagte mit zitternder Stimme: Lassen Sie uns Passiren, lieber Sjtxx .... Unsere Mutter ist krank, der Papa ist todt. Ich will mit meinem kleinen Bruder versuchen, auf dem -Felde ein paar Kartoffeln zu sammein." Er weinte, Stenne, ganz beschämt, senkte den Kopf. Der Posten besah sie einen Moment und warf dann einen flüchtigen Blick über die verlassene und verschneite Straße. Macht schnell!" rief er, sich abwend'end, den Kindern zu; und sie gingen weiter. - Der Große lachte. ' Verwirrt, wie in einem Traume, sah d'er kleine Stenne die in Kasernen umgewandelten Hüttenwerke, die verlassenen mit feuchten Lumpen gepolsterten Barrikaden und die durchlöcherten ho hen Schornsteine, die den Nebel durchbohrten und bis in den Himmel zu .steigen schienen. Von Zeit zu Zeit eine '.Schildwache. Officiere im Käppi, die.

mit Lorgnetten bewaffnet, d'en Nebel durchspähten und kleine Zelte vor verlöschenden Feuern. Der Große kannte die Wege und ging quer durch das Feld, um den Posten auszuweichen. Dennoch kamen sie, ohne diesmal entwischen zu können, an eine Hauptwache der Franktireurs. Die Franktireurs hatten sich die ganze Länge des Eisenbahnweges nach Soissons hin gelagert. Diesmal konnte der Große noch so schön erzählen, man wollte sie nicht passiren lassen. Aber während er noch jammerte, schritt aus dem Wachthause ein alter Sergeant mit weißem Haar und runzligem Antlitz auf sie zu, der dem Vater Stenne ähnlich sah. Allons, Jungens, heult nicht mehr! Ihr werden schon zu Euren Kartoffeln kommen; aber vorher kommt mal herein und wärmt Euch ein wenig ... Er ist wahrhaftig schon halb erfroren, dieser Schlingel da!" Ach, es war nicht die Kälte, es war die Furcht, die Schande, die den kleinen Stenne erzittern ließ ... In der Wache saßen einige Soldaten bei einem schwachen dürftigen Feuer, an dessen Flamme sie auf den Spitzen ihrer Bajonette Zwiebacks lufthauten. Sie rückten zusammen, um den Kindern Platz zu mizen und gaben ihnen ein wenig Kaffee. Während sie noch tranken, trat ein Officier in die Thür, rief den Sergeanten herbei, flüsterte ihm etwas zu und entfernte sich dann hastig. Jungens," sagte er, als er strahlend wieder eintrat, heute Nacht wird's was geben, wir haben das Losungswort der Preußen.... Ich glaube, heute holen wir uns Bourget wieder!" Er entfesselte einen Sturm freudiger Ausrufe. Man tanzte, sang, einige putzten ihre Bajonette und in dem 'allgemeinen Trubel gelang es den Kindern. sich unbemerkt zu entfernen Nachdem sie den Damm überschritten hatten, sahen sie nur noch eine lange, weiße, vonSchießscharten durchlöcherte Mauer vor sich. Gegen diese wandten sie sich, bei jedem Schritt siehen bleibend, und zum Scheine Kartoffeln aufzulesen. Kehren wir um, gehen wir nicht dorthin sagte der kleine Stenne immerzu. Aber der andere zuckte mit den Achseln und schritte immer weiter. Plötzlich hörten sie das Knacken eines gespannten Gewehrhahnes .... Duck Dich!" rief der Große und warf sich selbst zu Boden. Dann pfiff er, ein anderer Pfiff antwortete ihm. Sie krochen über den Schnee langsam näher. Vor der Mauer, wie aus der Erde gewachsen, erschien ein schnurrbärtiger, behelmter Kopf. Der Große sprang in denLaufgraben, an die Seite der Preußen. Das ist mein Bruder," sagte er, auf Stenne deutend. Er war so klein, dieser. Stenne. daß der Preuße, als er ihn ansah, lachen mußte und ihn in seinen Armen über die Bresche trug. Auf der anderen Seite, hinter gewaltigen Erdaufschüttungen und Barrikaden aus gefällten Baumstämmen waren eine Menge schwarzer Löcher im Schnee, und aus allen diesen Löchern sahen dieselben Pickelhauben, dieselben braunen Schnurrbärte hervor und lachten, als die Kinder vorübergingen. In einer Ecke erhob sich ein geräumiges, mit Kasematten versehenes Gebäude. Unten war es ganz voll von Soldaten, die Karten spielten und an einem großen lustigen Feuer Suppe beleiteten. Das duftete nur so nach Kohl und Speck. Und dagegen das Biwak der Franktireurs! Zu ebner Erde befanden sich die Officiere. Man 'hörte sie Klavier spielen, und die Ehampagnerpropfen knallten. Als die Pariser eintraten, wurden sie mit lebhaster Freude empfangen. Sie gaben ihre Zeitungen ab; dann gab man ihnen zu trinken und nöthigte sie zum Erzählen. Alle diese Officiere hatten ein etwas hochmütiges Ansehen, aber der Große erheiterte sie durchVorstadtverse und seine Gassenhauer. Sie lachten, wiederholten seine Worte und hörten sie sichtlich mit Vergnügen. Der kleine Stenne wollte gern reden und beweisen, daß er auch nicht so dumm wäre, aber etwas genirte ihn. Ihm gegenüber, abseits von den übrigen, saß ein älterer Preuße, der, ernster als die anderen, zu lesen schien. Jedenfalls hielt er eine Zeitung in der Hand, wenn auch seine Augen immer wieder über das Blatt hinweg zu dem kleinen Stenne glitten. Es lag in seinem Blick etwas von Zärtlichkeit, aber auch von Vorwurf. Gleich als ob dieser Mann auch einen Knaben daheim hätte und als ob er sich sagte: Lieber möchte ich ihn todt als so tief gesunken sehen." Dem kleinen Stenne war es, als ob sich eine stählerne Faust auf sein Herz' legte und es zu schlagen verhinderte. Um diese Beklemmung los zu werden, nahm er sich zu trinken. Bald drehte sich alles um ihn. Er hörte nur noch undeutlich die Officiere manchmal laut auflachen und dazwischen die Stimme seines Gefährten, der sich über die Nationalgarden lustig machte und ihre Uebungen nachäffte. Dann senkte der Große seine Stimme, die Officiere näherten sich ihm und die Gesichter wurden ernst. Der Elende war dabei, sie von dem geplanten Angriff der Franktireurs zu benachrichtigen . . . Diesmal erhob sich der kleine Stenne, ernüchtert, wüthend: Nicht, Du ... Du .... Ich Will es nicht!" Aber der Andere lachte nur und erzählte weiter. Bevor er noch geendigt, hatten sich alle Officiere erhoben. Einer von ihnen zeigte den Kindern die Thür. Geht hinaus!" Und sie sprachen hastig in deutscher Sprache mit einander. Der Große ging stolz wie ein Doge und klapperte mit l seinem Gelde. Stenne folgte ihm mit

gesenktem Kopf. Als er an dem Preu ßxn vorbeikam, dessen Blicke ihn so gepeinigt hatten, hörte er eine traurige Stimme. So verdorben ... so verdorben . . ." Da kamen ihm die Thränen in die Augen. Wieder, auf freiem Felde, fingen sie an zu laufen und beeilten sich, zurückzukehren. Ihren Sack hatten sie voll Kartoffeln, die ihnen die Preußen gegeben hatten. Mit diesen kamen sie denn auch ohne Hinderniß an denLaufgräben der Franktireurs vorüber. Man bereitete sich dort für den nächtlichen Angriff vor. Stillschweigend zogen die Truppen heran und sammelten sich hinter den Mauern. Der alte Sergeant war auch dabei. Er ordnete seine Leute mit einem ganz glücklichen Gcsicht. Als die Kinder vorbeigingen, erkannte er sie und lächelte ihnen freundlichst zu. Ach, wie dies Lächeln dem kleinen Stenne weh that! Einen Moment war es ihm, als müßte er schreien: Geht nicht da hinüber ... Wir haben Euch verrathen!" Aber der Große hatte ihm gesagt: Wenn Du klatschst, werden wir Beide erschossen!" und die Furcht hielt ihn zurück. In der Nähe der Stadt traten sie in ein verlassenes Haus, um das Geld zu theilen. Es muß gesagt werden, daß die Theilung ehrlich vollzogen wurde und daß dem kleinen Stenne, als er die schönen Geldstücke in seiner Tasche klingen hörte und an die vielen SpielPartien dachte, die nun auch ihm in Aussich! standen, sein Verbrechen schon nicht mehr ganz so entsetzlich vorkam. Aber als das unglückliche Kind allein war! Nachdem der Große ihn hinter den Thoren verlassen hatte, begannen seine Taschen so schwer zu werden, und er fühlte wieder die Hand, die sich langsam und drückend auf sein Herz legte. Das schien ihm nicht mehr dasselbe Paris zu sein! Die Leute, die an ihm vorübergingen, blickten ihn alle so strenge an, als wüßten sie, von wo er kam. Er hörte das Wort Spion in dem Rollen der Räder und in dem Trommelschlag der Tambours, die sich am Kanal übten. Endlich gelangte er nach Hause, und froh, daß sein Vater noch nicht zurückgekehrt war, eilte er in seine .Kammer und verbarg das Geld unter seinem Kopfkissen. Noch nie war der Vater Stenne so vergnügt gewesen wie an diesemAbend. Man hatte Nachrichten erhalten, die recht günstig lauteten. In der Provinz standen die Angelegenheiten bedeutend besser. Während er aß, betrachtete der alte Soldat die an der Wand hängende Flinte und sagte, gutmüthig lächelnd, zu seinem Knaben: Nicht wahr. Junge, wenn Du groß wärest, würdest Du auch losmarschiren, nicht?' Gegen 8 Uhr Abends hörte man Kauonendonner. Das ist Aubervilliers ... 5s geht gegen Bourget," sagte der Alte, der alle seine Forts kannte. Der Kleine erblaßte und ging, eine Müdigkeit vorschützend, zu Bett. Aber er schlief nicht. Die Kanonen donnerten unaufhörlich. Er sah im Geiste die Franktireurs, wie sie in der Dunkelheit ausmarschirten und die Preußen in einem Hinterhalte fanden. Er erinnerte sich des Sergeanten, der ihm freundlich zugelächelt hatte, und er sah ihn todt, hingestreckt dort unten im Schnee und so viele andere mit ihm! Der Preis für all das Blut lag da unter seinem Kopfkissen, und das hatte er gethan, er, der Sohn des alten Stenne, der Sohn eines Soldaten .... Die Thränen wollten ihn fast ersticken. .Im Zimmer nebenan hörte er seinen Vater, der das Fenster öffnete. Unten, auf dem Platz wurde Rappel geschlagen. Ein Bataillon der Mobilgarden sammelte sich zum Aufbruch. Entschieden, das war eine wichtige Schlacht. Der Unglückliche konnte ein Schluchzen nicht zurückhalten. Was' ist Dir denn?" fragte der eben eintretende Vater Stenne. Da hielt das Kind es nicht länger, es sprang aus feinem Bett und warf sich dem Vater zu Füßen. Bei dieser Bewegung fielen die Goldstücke klirrend zu Boden. Was ist das? Wüs hast Du?" sagte der Alte zitternd. Da erzählte der Kleine, Alles in einem Athem, daß er zu den Preußen gegangen sei und was er dort gemacht hätte. Nach und nach wurde es ihm viel freier ums Herz und das erleichterte ihm seine Beichte .... Vater Stenne hörte ihm zu, mit' einem fürchterlichen Gesicht. Als der Kleine geendet hatte, bedeckte er sein Gesicht mit beiden Händen und weinte. Vater. Vater . .'." rief das Kind. Aber er stieß es wortlos zurück und sammelte das Geld auf. Ist das alles?" fragte er. Der Kleine bejahte stumm. Da hakte der Alte sein Gewehr los, nahm seine Patronentasche und steckte das Geld ein. Es ist gut, ich will es ihnen zurückbringen." Und ohne ein Wort hinzuzufügen, ohne auch nur einmal das Haupt zu wenden, ging er hinaus und mischte sich unter die Truppen, die in die Nacht hinauszogen. Man hat ihn seitdem nicht mehr wie-dergesehen.

Dasgenügt. Dichter: Was hast Du denn mit dem Kerl angefangen, den Du Nachts unter Deinem Bette gefunden?" Freund: Ich hab' ihm Dein neues fünfaktiges Drama vorgelesen und ihn dann laufen lassen!" Ein echterVergfex. Vater: Wie kannst Du Fräulein Emma nur heirathen wollen, die hat ja nicht einen Pfennig Mitgift?" Bergkraxler: Aber sie ist schon einmal im Gebirae abaestüttt."

I Fräulein Dreier.

von V. v. Tchöntlian. Wenn man vielerlei Menschen, Lebensverhältnisse und Schicksale kennen gelernt hat und nicht mit verbundenen Augen durchs Leben geht, begegnet man zahlreichen Unbegreislichkeiten. Man ist mit weiblichen Wesen in Berührung gekommen, von denen man sich im Stillen gesagt hat: Warum hat die nicht geheirathet? Sie ist liebenswürdig, hübsch, von einnehmender Art, warmherzig und wäre gewiß eine gute Frau geworden, eine Gattin, die ihrem Mann das Leben geschmückt hätte, eine zärtliche und verständige Mutter u. s. w." Und wenn man dann Gelegenheit findet, der Frage nachzugehen und weiterzuforschen, bekommt man von den Aufrichtigen die Antwort: Weil der Richtige nicht gekommen ist," oder wohl gar: Weil Keiner gekommen ist." So wird man wenn es einem nicht schon früher eingefallen wäre zu der Frage gedrängt: Sollen die heranwachsenden Mädchen, die zur Ehe reifen und die Heirathslustigen aller Jahrgänge wirklich in alle Ewigkeil darauf angewiesen sein, den Zufall abzuwarten, der den Richtigen" oder überhaupt einen Bewerber herbei führt? Wie wär's, wenn die Damen in dieser wichtigen Angelegenheit ein wenig aus ihrer Reserve heraustreten würden, wenn sie selber unter den Söhnen des Landes Umschau hielten, wenn sie ihr Herz sprechen ließen, bevor es gefragt wird. Es ist ja so sehr ihre Sache, eine Lebensfrage, ein Ziel, für das sie wohl ohne Ausnahme bestimmt und erzogen werden. Wie wär's, wenn es dahin käme, daß die Damen freien, anstatt müßig abzuwarten, bis sie von ihrem zukünftigen Herrn und Gebieter" vorläufig in der bestechenden Berkleidung eines unterwürfigen Sklaven. aus dem Elternhaus geholt werden? Ich weiß, der Vorschlag ist so absurd, daß man ihn gar nicht auszusprechen wagt. Eine Frau hat mich dazu ermuthigt. Sie heißt Fernanda Lankes - Uhlemann, ist Philologin und hat soeben in einem Wiener Verlag eine Broschüre herausgegeben: Die Stellung und Erziehung der Frau zur Ehe". Ich bin angenehm überrascht, in dem Capitel über die Ehelosigkeit Ausführungen zu finden, die ich unter BeibeHaltung der Stil- und GrammatikEigenthümlichkeiten hier citire: . . . Nach unserer heutigen Sitte, und einer herrschenden Sitte entzieht sich die Frau sehr schwer, ist sie doch dadurch mancher Verkennung und Jsolirung ausgesetzt, die der Mann nicht kennt, ist es der Frau verboten, zu freien, sich selbst ihren Gatten zu wählen. Die Frau muß warten, bis der Mann kommt. Vielleicht die schönsten Jahre ihres Lebens wartet das Mädchen auf ihn, und kommt kein Freiersmann, da gehört sie zu denjenigen Frauen, die von der Gesellschaft achtlos bei Seite geworfen werden, die, wenn kein Beruf ihr Dasein ausfüllt, elend an Geist und Körper verkümmern und vielleicht gar als das alte Jungfer" dem Gespötte der Welt preisgegeben ist. Heute, wo die Frau mehr oder minder nur als ein Geschlechtswesen ihren vollen Werth in der Gesellschaft besitzt, heute, wo die Frau in Folge ihres kargen Wissens, ihrer wirthschaftlichen Abhängigkeit, ihres Unvermögens, auf eigenen Füßen zu stehen, den Mann als ihren Ernähre? und Erhalter betrachten muß. heute ist die Ehelosigkeit für die Masse der Frauen eine wenig beneidens- und begehrenswerthe Stellung. Da die. Ehe an sich infolge dessen für die Frau von wichtigerer Bedeutung ist, als für den Mann, so sollte ihr auch billigerweise die Gesellschaft und die Sitte däsRecht einräumen, dem Manne nach ihrer Wahl einenAntrag zu machen, wodurch sicher ein großer Procentsatz der heutigen Ehelosen der Ehe zugeführt würden, denn erfahrungsmäßig gelangt mancher Mann ausSchüchternheit nicht zur Ehe, andererseits bleibt mancher arme, vornehm denkende Mann ledig, weil er sich uicht getraut, einem ihm passenden, mit Glücksgütern gesegneten Mädchen einen Antrag zu machen, aus Furcht, sie werde denken, es triebe ih.: nur ihr Reichthum zu ihr." . . . Und weiter sagte die Verfasserin: Wohl versteht es die Frau, durch manche harmlose Zeichen dem Manne zu beweisen, daß sie ihn gern hat und dadurch dem Manne ihre Geneigtheit, ihn zu heirathen, kundzugeben. Aber das wird ihr nur zu häufig als Frivolität, gar Unanständigkeit ausgelegt, und der Mann zieht sich zurück, wenn er um den Besitz nicht mehr zu kämpfen braucht. Da wäre es doch für beide Theile würdiger, wenn das Mädchen dem Manne offen ihre Gunst und ihren Wunsch, zu heirathen, gestehen dürfte. Andererseits verstehen die Männer diese erwähnten kleinenKunstgriffe ebenso gut zu handhaben, so daß ich sicher bin, daß eine kluge Frau sich niemals der Unannehmlichkeit ausfetzen wird, sich einen Korb zu holen." . . . Die unverheiratheten Leserinnen werden, obwohl ich so schwach war. mich hinter eine weibliche Fürsprecherin zu stecken, davon bin ich überzeugt, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, und. da sie nun doch das Product einer durch viele, viele JahrHunderte vererbten Tradition und Erziehung sind, den meinerseits gewiß in uneigennützigster Weise unterstützten Vorschlag, der sich mir schon lange zuvor in die schüchterne Feder drängte, entrüstet von der Hand weisen. Die Gesetze, die sich geg'n das weibliche Herzenswahlrccht kehren, sind uralt; sie sind das Echo überlieferter Lehren. Das Mädchen", sagt der heilige Ambrosius von Rebecca, die in dieser Beziehung als Muster dienen soll, wird betreffs ihrer Heirathsneigungen gär

nicht gefragt, denn sie erwartet das Urtheil ihrer Eltern, da mädchenhafteBescheidenheit ihr die Selbstwahl eines GaUen verbietet!" In Smiths Wörterbuch der christlichen Alterthümer" lesen wir, daß ein irländischer Kirchenrath, in der Zeit des heiligen Patrik um das Jahr 450, se'.erlich erklärte, daß der Vater den Willen seiner Tochter zu befragen hat, daß jedoch dieTochter zu thun hat, was ihr Vater beschließt, da der Mann der Gebieter des Weibes ist." Diese Beschränkung des persönlichen Willens, die man für wohlgesittete, weibliche Zurückhaltung ausgiebt, hat ihren Ursprung in der tiefen Erniedrigung des Weibes zur Zeit, als man dasselbe als das Thor zur Hölle" darstellte und als die Mutter aller menschlichen Uebel! Noch im 17. Jahrhundert wurde die Frau als die Untergebene des Mannes betrachtet, in den unteren Clanen als Packesel, in den Höheren als ein Zierrath. Die Beispiele wären hundertfältig zu vermehren, man denke an den unwürdigen Mädchenkauf und Mädchenraub bei verschiedencn Völkerschaften, Sitten, die sich bei Nationen höherer Cultur strenggenommen, wenn auch in verfeinerter Form, noch jetzt erkennen lassen. Die Frau genießt noch heute vor dem Gesetz und vor der Gesellschaft begrenzte Rechte, und vor allem sie hat nicht die Freiheit, einen Gatten zu wählen. Die Heiratsfähigen empfinden dieseBeschränkung, besonders wenn sie mit dem Denken nicht ihre Zeit verlieren, wahrscheinlich nur undeutlich. Es ist ganz in der Ordnung, so wie es ist, und die Leserin wird vielleicht sagen: Ja, um alles in der Welt, ich kann doch nicht vor einen Mann hintreten mit dem Geständniß: Herr Assessor, Sie haben einen unauslöschlichen Eindruck auf mich gemacht; ich würde mich glücklich schätzenden ihrer Seite durchs Leben zu gehen. Bitte, werden Sie der Meine!" Also ein Assessor ist überhaupt schon da; er ist auch vielleicht erst Referendar, Leutnant, Bankbuchhalter, Makr, Beamter oder sonst was. Keinesfalls kann es zu dieser Erklärung kommen, denn der Himmel würde einstürzen. Man läßt ihn also zappeln und genießt das Schauspiel, daß er sich in übereifriger Servilität bis zur Erniedrigung erschöpft, oder daß er, des Kampfes vorzeitig müde, das Schwert streckt, wenn er die Sprödigkeit mißversteht oder sich nicht geschickt genug für den Kampf fühlt. Man weiß auf Grund unwiderlegbarer statistischer Ziffern, daß die Ehelosigkeit in Zunahme begriffen ist, daß die Männer in dieser Beziehung zaghafter werden. Die socialen und Wirthschaftlichen Gründe hierfür sind oft genug erörtert worden. Es ist darum wohl auch kein Verlaß darauf, daß sich die heirathsfähigen Männer, mit einer sehr standhaften Ausdauer in den Kampf des Werdens begeben; es müßte sich denn um eine sogenannte gute Partie handeln, um eine sehr gute noch dazu. Das ist dann etwas Ande res. Die Heirathsconcurrenz unter den Frauen ist eine bedrohliche. Um wieder die Statistik zu Hilfe zu rufen, es giebt in Europa 3 2s5 Millionen mehr Frauen als Männer. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen das Zuwarten sehr häufig zu einem negativen Resultat führen muß; die Thatsachen beweisen es. Ja, da müßte man sich doch rühren, meine Damen! Nun soll keineswegs der Sitte das Wort gesprochen werden, daß ein vollständiger Rollentausch stattfinden möge, und daß die Damen um den Mann ihrer Wahl schlechtweg anhalten sollten. Aber es ist wieder zweifellos und nach dem Geständniß vieler Männer erwiesen, daß eine große Zahl von Heirathsfähigen. die eine Ehe eingehen könnten, dazu nicht rechtzeitig den Weg finden. Unentschlossenheit, Schüchternheit, ja sogar eine gewisse Ungeschicklichkeit im Umgang mit jungen Damen, Eigenschaften, die sich in der Ehe sogar als Vorzüge bewähren könnten, veranlassen viele zum Aufschub dieses Planes, und allmälig gewöhnen sie sich an das Junggesellenthum. Haben sie gar einmal einen Korb bekommen, so werfen sie die Flinte für alle Zeit ins Korn, denn ein solche Erfahrung verletzt auch das robustere Männergemüth. Beruf und Existenzkampf nehmen viele vollständig in Anspruch, verwehren ihnen Gelegenheit und Zeit für das edle Waidwerk des Werdens, und mancher scheut sich, wie die Verfasserin der ciiirten Broschüre zutreffend bemerkt, seinen Antrag bei einer reichen Erbin anzubringen, weil er nicht für einen Mitgiftiäger gehalten werden will. So wie die Dinge jetzt liegen, wartet das Mädchen, bis der Herrlichste von allen", der oft gar nicht mal so herrlich ist, erscheint und sich um sie bewirbt. In vielen Fällen wird die Begehrte unter dem elterlichen Einfluß ihr Jawort geben. Ist es der, den sie lieben möchte, auf den ihre freie Wahl gefallen wäre? Kennt sie am Ende nicht einen Anderen, den sie schon früher im Stillen liebenswerther gefunden hat einen Ahnungslosen, der vielleicht auch mit beiden Händen nach ihr gegriffen hätte? Ist es der weiblichen Würde so viel angemessener, sich eine Neigung, wenn es sich überhaupt darum und nicht um andere Interessen handelt, sozusagen, aufdrängen 'zu lassen und sich in vielen Fällen überhaupt erst zu einer Gegenliebe zu erziehen? Freilich, wenn-die Ehe nur ein Capitel in dem romantischen Zauberspiel der Liebe bedeutet, ist die Auflehnpng des hypertrophirten weiblichen Zartgefühls gegen ein freimüthigeres Entgegenkommen begreiflich. Aber was nach der Hochzeit mit dem ganzen Festesjubel, denGlückwunschtelegrammen und Toasten und der glücklichen Hochzeitsreise kommt, ist ja mehr und etwas Ernsthaftereö. Und für dieses ungleich län-

gere Nachspiel sollte daS Weib doch einen Partner nach seinem. Geschmack wählen dürfen. Sie wird mit der Feinheit der weiblichen Empfindung wahrscheinlich das Nichtige treffen, und Irrthümer und Mißgriffe, die in unseren modernen Ehen so zahlreich sind, würden voraussichtlich verringert werden. Man hört so viel von den Kämpfen um die Frauenrcchte, die um dieGleichstellung der Frau entbrennen; nur in diesem einen Punkte scheint das Weib seine Unterordnung nicht deutlich zu fühlen. Wenn es das erlangt, was es in dem Kampf um die Frauenrechte erstrebt, nennen wir es die Gleichstellung mit dem Manne, die Zulassung zu männlichen Berufsarten u. s. w., so wird das weibliche Zartgefühl hundertfach und in viel derberer Weise verletzt werden, als es geschehen könnte, wenn es in der natürlichsten und wichtigsten Angelegenheit die von mißverstandener weiblicher Würde" dictirte Passivität aufgeben würde. Jemanden aus freien Stücken lieben und erwählen zu dürfen, das ist auch ein Frauenrecht!

Der Frühling kommt. Von Gustav ftalte. Nun schüttelt auch die Federn ab, Ihr Winterschläfer all'! Hört ihr nicht schon den Berg herab Des Frühlings Peitschenknall? ' Nicht wie ein Dieb in dunkler Nacht, Nem, brausend wie ein Held Kommt er und stürmt als wie zur Schlacht Durch das erschrock'ne Feld. Doch, kommt er auch ein wenig wild Und ungestüm rn's Land, Sein Herz ist gut, sein Blick ist mild Und fürstlich seine Hand. Rings theilt er Glück und Gaben aus, Und alles läuft ibm zu, Und du, mein Herz, bleib' nicht zu Haus, Gesegnet wirst auch du. Ungesunde Freundschaften. Wenn die Freundschaft in einem Leben eine wirkliche Macht geworden ist. dann hört man häufig von verständnißlosen Gemüthern spöttisch von ungesunder" Freundschaft reden. Gewiß gibt es ungesunde Freundschaften, aber die. welche das Schlagwort so bequem bei der Hand haben, sind sich oft am wenigsten klar, daß das Ungefünde seiner Freundschaft nicht in dem Grade der Liebe, fondern nur in der Art derselben besteht. Das Vertrauen, das sympathische Verständniß für einander ist allen Freundschaften gemeinsam, aber die Aeußerungen dieser Freundesliebe sind verschieden. Bei ruhigen Personen werden sie sich in den Grenzen halten, die dem landläufigen Begriffe der Freundschaft entsprechen, während impulsive Naturen einen ganz anderen Ausdruck für dasselbe Gefühl finden. Zärtlichkeit, sogar etwas Leidenschaftlichkeit ist einer gesunden Freundschaft erlaubt. Weshalb sollte die Freude über die edle Anregung, die aus einem Freundschaftsverhältniß fließt, sich nicht so äußern dürfen? Man hält Liebenden so manche Thorheit zu gute; sollte man der Freundesliebe in diesem Punkte so verständnißlos gegenüber stehen? Hier liegt aber zugleich die Klippe. Es darf nicht bei dem äußeren Gefallen an einander bleiben, es darf nicht allein das Liebebedürfniß befriedigt werden durch gegenseitiges Verzärteln; die Freundesliebe darf nie blind fein. Das Wohlgefallen an einander ist die sinnliche Seite der Freundschaft, das geistige Geben und Empfangen aber die sittliche Seite. Beruht ein Verhältniß nur auf der sinnlichen Seite, so ist es inhaltlose Schwärmerei. Eine solche Freundschaft verweichlicht durch die künstliche Atmosphäre von Bewunderung und Schmeichelei; sie nährt die Selbstliebe, statt das sittliche Leben zu stärken. Die Betheiligten werden nicht liebenswerther, nicht gewissenhafter, fondern empfindlicher gegen jedes mahnende, strafende Wort und ziehen sich vor jeder Berührung des Alltagslebens in ihre urtheilslose Freundschaft zurück. Einem solchen Verhältniß darf man mit Recht den Vorwurf des Ungesunden, Schädlichen machen. Ebenso ungesund sind die Freundschaften, bei denen der eine Theil ganz Unterordnung ist, während der andere den Ausschlag gibt, sogar in Ansichten und Anschauungen. Eine wahre Freundschaft erweitert den Jdeenlreis und macht die Anschauungen vielseitiger. , Dieser Segen geht natürlich verloren, wenn der eine nur mit den Augen des anderen sieht. Ein solches Verhältniß ist für beide sittlich schädigend, also mehr noch als ungesund. Das zeigt sich bei Menschen, die stets von einer Anzahl urtheilsloserFreunde umgeben sind. Dieser Schwärm verändert sich stets; die gesunderen Elemente, die sich auf sich selbst besinnen, scheiden aus und werden durch minderwerthigere ersetzt; ein sicheres Zeichen, das auch das herrschende Element dieses Kreises nicht ungeschädigt aus solchem Verhältniß hervorgeht. Man hat Liebe als Einheit von Wohlgefallen und Wohlwollen definirt. Diese Definition gibt den rechten Maßstab für jede gesunde Freundschaft, mögen ihre Aeußerungen sein, wie sie wollen. Die allein richtige Form schafft sich jede echte Freundschaft selbst und über diese steht nur den Betheiligten, nicht aber den lieben Nebenmenschen ein Urtheil zu. Unbewußte S.elbstkri. t i k. Der Meier ist doch ein entsetzlicher Säufers In jedem von den acht Dörfern, die wir passirt haben, treff' ich den Menschen im Wirthshaus!- : ,

Selbst. Unverzagt in all den Stürmen, Die das Leben allen bringt. Steht ein rechter Mann und dringt Vorwärts, ob sich Steine thürmen. Aber auf sich selbst beschränken Muß er lernen frühe schon. Und der andern Lob und Hohn Darf ihn freuen nicht noch kränken. 's Oachkatzl. Vei'm Hinterwimmcrsimmern hab'' s' g'rad' Dampfnudln 'gess'n zum Mittag da hat a' Handwerksbursch' g'klopft und g'sagt: I' bitt' gar schö' um an' Zehrpfennig!" Da hat eahm d' Bäu'rm an' Zehrpfennig geb'n und a' Dampfnudl, und der Handwerksbursch' hat g'sagt: Vergelt's Gott tausendmal!" Und im 'nausgeh' hat rt si' no'mal um'draht und g'sagt: Im Garten auf'm groß'n Nubaam is an Oachkatzl!" Da war'n s' glei' vom Tisch aufg'rumpelt. Laßt's des Oachkatzl Oachkatzl sei'", hat der Hin terwimmer g'sagt, Oes derwischt's ja do' net!" Aber der Bua is scho' bei der Thür' drauß' g'wen zum Oach katzlfanga. D'rauf is der Dtttterknecht aa' 'naus zum Oachkatzlfanga, und der Oberknecht und der Tagwerker hab'n d' Gabel wegg'schmiss'n und san aa' 'naus. Und 's Deandl und d' Mitterdirn und d' Oberdirn, de san Alli 'naus zum Zuaschaug'n bei'm Oachkatzlfanga. Da hat d' Hinterwimmerin g'sagt: Jetz' san s' Alli mitananda verruckt 'wor'n mit dem Oachkatzl!" Aber nach an' Zeitlang is s' aa' 'naus, weil s' aa' zuschaug'n will, wenn sie 's Oachkatzl fanga. Der Hintewimmer aber, der hat 'brummt nach an Zeitl is er aber do' aa' 'naus. Da san s' Alli um an' groß'n Nußbaam 'rumg'standen und hab'n nach'm Oachkatzl g'zchaut. Bei'm Oberwimmerwastl aber hab'n s' aa' g'rad' Mittag g'macht und hab'n a' G'selcht's 'gessen mit an' Sauerkraut. Da hat d' Mitterdirn zum Fenster 'naus g'schaut und hat g'sagt: Was gibt's denn bei'm 5)interwimmer? Da steh'n s' Alli mitananda im Garten um den großen Nußbaam und schaug'n ausi!" Da hab'n s' nüber g'schrian und hab'n g' fragt und da hat's g'hoaßen: Ja, auf dem großen Nußbaam, da is an Oachkatzl! Da san Alli vom Oberwimmer zum Hinterwimmer 'nüber g'lafa und hab'n si' zum groß'n Nußbaam hi'g'stellt und hab'n g'schaut, ob sie 'sOachkatzl net seg'n. Auf oamal hat der Hinterwimmersimmernwasterl g'sagt (des is der Bua g'wen vom Hinterwimmersimmern): I' siech' 's Oachkatzl!" Es is aber dees 's Oachkatzl net g'wen, sondern g'rad' a' braun's Nußbaamblattl an an' ober'n Ast. Aba glei' hat der Oberwimmersimmerl g'sagt (des is der Bua g'wen vom Oberwimmer): I' siech' 's Oachkatzl aa'!" Er hat aber net amal des braune Nußbaamblattl g'segn, und doch hat er g'schrian: I' siech"s Oachkatzl. Und nacha hat 's Hinterwimmersimmerwaberl ('s Deandl vom Hinterwimmer) aa' 's Oachkatzl g'segn, und de Weideten alli hab'n g'sagt, daß sie 's Oachkatzl segn. Und auf oamal hab'n's de Mannsleut' aa' g'segn. D'rauf hab'n s' g'schwinv zum Lehrer aufi g'schickt: Der Lehrer soll glei' kemma mit sein' Zimmerstutzen; denn im Garten auf dem großen Nußbaam war' an Oachkatzl!" Da is der Lehrer mit 'm Zimmerstutzen kemma und hat g'sagt: Wo i5 denn 's Oachkatzl?" Nacha hat der Hinterwimmersimmerioasterl g'sagt: Auf 'm obern Ast der braune Fleck der is 's Oachkatzl!" Da hat der Lehrer 'naufg'schaut und an Zimmerstutzen o'g'legt und 'zielt und g'schossen. Da is dees braune Nußbaamblattl richti' 'runta g'fall'n. Da hat der Lehrer an Kopf g'schüttelt und g'sagt: Ja, dees is ja gar koa' Oachkatzl dees is ja g'rad a' Nußbaamblattl!" Nacha hab'n s' alli mitananda an Kopf g'schüttelt und g'sagt: Ja, decs is a' Nußbaamblattl!" Da is derLehrer wieder hoam'ganga mit sein' Zimmerstutzen; und de Ander'n san aa' wieder eini'ganga. Wia aber de Leut' vom Hinterwimmersimmern in's Haus kemma san, da san schier koani Dampfnudel'n nimmer da g'wen, und an Bauern sei' silberne Uhr is aa' nimmer dag'wen. Und wia de Leut' vom Oberwimmerwastl inHaus kemma san, da is koaG'selcht's nimmer dag'wen. und der Bäu'rin ihra silber's G'schnür is aa' nimmer dag'wen. Wia s' aber außi g'lafa san und g'schaut hab'n, da is koa Handwerksbursch aa' nimmer dag'wen, sondern is auf und davo' g'wen über alli Berg. Glück". Löb Hersch ist in die Unfallversicherung gegangen, da er nun radfährt und alsbald bricht er sich den Arm. Entschädigung nach langer Kur achthundert Mark. Er geht eine neue Bcrsicherung mit der Gesellschaft ein und bricht das Bein. Ter Bruch ist complizirt, heilt langsam, bleibendes Hinken das Gericht spricht' ihm eine Entschädigung von eintausend Mark zu. Nach Vorschrift geht er nochmals einen Contrakt mit der Gesellschaft ein und nun fällt er auf den Kopf, so daß ihm dauernde Erwerbsbeschränktheit bleibt. .Nach langem hin und her vor Gericht zahlt die Gesellschaft schließlich dreitausendfünfhundert Mark. Selbstverständlich ist daraufhin abermals der Contrakt erloschen aber der Löb Hersch geht oder humpelt wieder zum Agenten: aufgenommen will er sein von neuem. Doch der Agent streckt die Hände weit von sich und schreit: Geh'n Se, Herr Hersch. geh'n Se, mit Sie schließ' ich nix mehr ab ä Contrakt Sie haben uns zu viel Glickl i