Indiana Tribüne, Volume 22, Number 193, Indianapolis, Marion County, 2 April 1899 — Page 7
Die Sieger. Lg Frida Echauz. Der milde Lenz brach über Nacht Durch, Schnee- und Eisesmauern. Da fand er, dornenüberdacht. Am Weg die Liebe kauern. Sie war ihm ewigkeitsverwandt, Jn's Herz Hang ihm ihr Klagen.
Sie sprach: Sie haben mich verbannt. Gekettet uno geschlagen! Ein fremder, stolzer, harter Mann Band mir die armen Hände!" Der Lenz sah sie frohlockend an. Jetzt ist Dein Leid zu Ende! Steh auf, komm mit. Du süßes Kind, Aald duften Tag und Nachte. Nichts kann uns widerstehn! Wir sind iDit starlsten Erdenmachte!" Weiöliche SnnQQefetten. k' ' Gigncr Ferrero, der gelehrte SckiLler Lombrosos, hat gelegentlich der Untersuchungen über die Lösung der socialen Probleme, in seinem Werke L'Europa Gwvane" ein größeres Capitel dem drohenden Uebergewicht der alten Jungfer in der englischen Gesellschaft" gewidmet, das ihn mit sinsteren Befüchtungen für die Zukunft erfüllt. Seine Theorien haben einen englischen Essayisten. Mr. Stephen Gwynn, veranlaßt, Stellung dazu zu nehmen. Er thut dies keineswegs als Pessimist, wie der gelehrte Italiener, der, in dem Capitel über die charaktelistische emancipirte englische Miß von einem dritten Geschlecht (i! terzo Sesso) spricht, vielmehr geht er mit einem gewissen Humor an die Sache und erfindet auch für die moderne alte Jungfer" die gewiß viel freundlichere Bezeichnung Weibliche Junggesellen" (Baclielor Wornea). Es ist die große Ueberzahl der alten Mädchen, in der englischen Gesellschaft, die Signor Ferrero zu pessimistischen Grübeleien veranlassen. Er spricht von dem stets wachsenden Mitbewerb der Frau auf all den Gebieten, die früher nur allein dem Manne zu gänglich waren; aber es ist ein ganz neuer Typus der Frau. Es sind Frauen, die sich der Nothwendigkeit des Einzel-Lebens gebeugt haben und welche an ihr Werk mit all der Energie herangehen, mit der die Natur sie eigentlich für ihre Mutterschaft bedacht hat. Bis vor Kurzem war für das tugendhafte Mädchen nur Heirath der einzige Beruf, der einzige Erfolg in ihrem Bereich. Dies ist freimüthig von allen Frauen anerkannt, denn jedem Mädchen erscheint noch heute die , Heirath an und für sich als eine höhere Etappe in ihrem Leben. Vielerlei Umstände mögen dagegen sprechen, aber immer bleibt die Verheirathunz an und für sich das Ziel ihres Wunsches, etwas, wozu man sich Glück wünschen lassen kann und läßt. Bei' dem Manne ist es umgekehrt. Heirathet ein Mann, so werden seine Freunde zugeben, daß vieles dafür sprechen mag, aber die Position des einzelnen Mannes wird beneidet, die der einzelnen Frau sicherlich nicht. In England hat die alleinstehende Frau schon immer in gewissem Sinne Freiheit und Ansehen gehabt. Aber bis vor kurzer Zeit war ihr keine andere Cartierc offen als die der Mildthätigkeits-bestrebung-n, welche weder -den Reiz des Mitbewerbs, noch den des Erfolgs in sich schließt. Heutzutage wird jede Frau vor die Alternative gestellt: entweder zu heirathen oder einen Beruf zu wählen; aber wie Ferrero bemerkt, wählt sie bereits den Beruf. Er illustrirt das an folgendem Beispiel: Ich kannte eine Familie, die aus folgenden Mitgliedem bestand: Die Mutter, die Wittwe eines Cambridger Professors, ging ganz und gar in Politik auf und focht in den erstenReihcn der radikalen Partei; die älteste unverheirathete Tochter von 30 Jahren war Schriftstellerin, wohnte für sich allein und empfing ihre Freunde beiderlei Geschlechts bei sich. Die zweite Tochter war Prosessor der Geschichte in Girton, während die dritte eine Gartenschule gegründet hatte, in welcher jungen Mädchen Gelegenheit gegeben werden sollte, sich für den gärtnerischen Beruf vorzubereiten. Die vierte endlich widmete sich der Bildhauerkunst. Nicht eines dieser vier Mädchen hatte den geringsten Wunsch, sich zu verheirathen oder auch nur einen Mann zu fesseln. Und trotzdem möchten sie leicht einen gefunden haden, denn sie waren in guten Verhältnissen und, besonders die jüngsten beiden, sehr hübsch. Indeß sie wollten ihre Freiheit nicht durchHeirath aufgeUn, die dabei mindestens beeinträchtigt worden wäre und ihre Vergnügen verkürzt hätte. Sie wählten die Ehelosigkeit nicht aus religiösem Motiv, sondern aus reiner Berechnung." Obgleich Ferrero selbst zugiebt, daß diese Familie eine Ausnahme bildet, so hält er sie doch für typisch und meint, daß sie sehr bald keine Ausnahme mehr sein dürfte. Der Wunsch zu heirathen ist an und für sich weniger der der Frau als der des Mannes. In der Ehe ist stets ein Theil, der liebt, und einer, der sich lieben läßt und in neun Fällen von zehn wird es stets die Frau sein, die sich lieben läßt, meint S. Ferrero: Gieb ihr eine Entschädigung, und sie heirathet nicht." Die englische Gesellschaft ließe sich in zwei Klassen eintheilen mit sehr verschiedenen Funktionen: Eine ist die der Frauen, die demüthig für die ErHaltung der Art Sorge tragen; die anfcere die der geschlechtlosen Geschöpfe, intelligent, gelehrt, fleißig, aber nur mit dem Gehirn lebend, Herz und Sinne versteinert. So würde die h'öhere Erziehung der Frauen, weit davon entfernt des Mannes GMckselig Zeit zu vervollständigen, zu der Lösung
des Räthsels der Liebe einen, neuen Reiz fügen, aber auch die Ursache neuer Enttäuschungen, bitterer Conflicte und schlimmerer Dinge werden. Schon jetzt geschieht es nicht selten, daß ein junger Mann ein hübsches Mädchen heirathcn möchte, fände er nicht ihr Leben dem Studium römischer Mänzen oder dem Propagandamachen für allgemeines Ctimmenwahlrecht völlig ergeben. Solche Fälle werden sich mehr und mehr häufen, und der Mann wird schließlich Herzen von Eis um Liebe anzuflehen haben, die zu fühlen diese mehr und mehr unfähig werden. Das wäre in der That eine trübe Aussicht. Indessen, sagt Mr. Gwynn, muß man diesen italienischen Vernünftler nicht zu ernst nehmen. Niemand, der London nur einigermaßen kennt, könnte zwar leugnen, daß die Klasse Frauen von der S. Ferrero fpricht, vorhanden ist und anwächst. Ziemlich jedermann hat in seinem Bekanntenkreis verschiedene Damen, die völlig durch sich und für sich leben, gerade wie ihreBrüder es thäten. Sicherlich ist es eine neue Gesellschaftsklasse, die sich bald mehr oder weniger bemerkbar machen wird. Aber in welcher Weise? Durch Ab...igung zur Ehe? Offen gestanden, man möchte es bezweifeln. So war zum Beispiel Miß Clough, das frühere Oberhaupt von Newnham College, nicht nur weit hervorragend über alle ihre Mitschwestern, die sich selbst eineCarriere schafften, sondern auch eine Frau, deren Lebensaufgabe darin gipfelte, dieser Species junger Damen, die wir mit Weiblichen Junggesellen" bezeichnen möchten, entgegen zu arbeiten.. Viele Stellen in ihrer Biographie zeugen für den lebhaften Wunsch dieser durchaus selbstständigen und sehr energischen Dame zur Hcirath, für den Wunsch, jemand zu haben, auf den sich zu stützen eine Freude sein müßte. Doch es ist durchaus nicht . wünschenswerth, das alles mit Bezug aus bestimmte Individuen weiter zu discutiren, die entweder noch leben oder erst kürzlich gestorben sein müßten, und glücklicherweise haben wir andere Hilfsquellen. Viele dieser Bachclor - Wonien" fristen ihr Dasein durch Schreiben", und fast alle schreiben Romane. Guckt man in ihre Bücher hinein, so läßt sich unschwer erkennen, wie die Probleme
des Lebens und ihr Verhalten zur Ehescheu sich denjenigen darstellen, die direct dabei interessirt sind. Ich will nur auf ein unlängst erschienenes Buch von Miß Evelyn Sharp hinweisen, das den Titel Wie man naseweis wird" (Tlie Making of a Prig) führt. Die Heldin, eme lunge Dame, kommt nach London mit dem. Vorsatz, sich mir ihres Geistes Arbeit eine Existenz zu gründen. Katharine Austen, Miß E. Sharps Herome und Lehrerin, repräsentirt eines der zahlreichen Beispiele derjenigen, die ihr Heim und ihre Heimath verlassen, weil sie ihrer Umgebung überdrüssig oder mit ihr uneinig sind. Lauschen wirMißSharps Ausführungen. Denke an den Fortschritt, der nur allein in meiner Zeit gemacht worden ist," sagt eine enthusiastische Dame zu Katharine, und in zehn weiteren Jahren wird kein einziger Berufszweig mehr die Frau von der Concurrenz mit dem Manne ausschließen." Ich glaube kaum, daß es das sein wird," entgegnete Katharine, das alles hat garnichts mit Erziehung oder solch ähnlichen Dingen zu thun. Eine Frau ist gefesselt, eben weil sie eine Frau ist, und hat zu leben gleich einer solchen. Sie wird immer irgend welche häusliche Beschäftigungen zu verrichten nöthig haben, jemand zu pflegen oder an der Garderobe zu bessern. Ein Mann hat nur seine Arbeit, während man von der Frau erwartet, daß sie sowohl seine als die ihre thue. Und beides gut zu thun, .ist zuviel. Ich selbst gehöre der Klasse der wirkenden Frauen an, und ich kann Dir versichern, daß es durchaus nicht so angenehm ist, als es den Anschein hat." . Wahrscheinlich nun werden diese Art Frauen, wenn sie schließlich doch noch heirathen, die socialen Gewohnheiten in ziemlichem Umfange modificiren. wenngleich mcht ln der Weise, wie Signor Ferrero es meint. Und was wird aus der Junggcsellin", wenn sie alt wird? Schon allein um den Namen ist man verlegen, mit dem man sie bezeichnen könnte. Alter Junggeselle klingt nicht gar so schlecht. auch selbst der Hagestolz laßt sich ertragen. Aber welchen den alten baclielorwomen" dem weiblichen alten Junggesellen, geben? Und was wird aus dem alten Junggesellen in Zukunft werden, der das Clubleben satt hat? Durste er es wagen, seiner Genossin die Annehmlichkeiten eines eigenen Heims anzubieten? Würde sie ihm nicht antworten: Die Annehmlichkeiten sind für den Gatten, die Frau hat die Sorgen." Mit einem Worte, wir werden nicht nur die Junaaesellin", sondern auch die .alte Junggesellin" erleben, eine Species die von der alten Jungser" gar icyr verschieden sein wird. Aber ob diese neue Spielart nur vorübergehend und vereinzelt auftauchen oder, wie Signor Ferrero meint, von Grund auf die Natur der Frauen und die Constitution der englischen Gesellschaft ummodeln wird, das sind, wie Mr. Gwynn memt, offene Fragen, die wohl hochstens ein Schüler Lombrosos sich schon heut zu beantworten getraut. Soviel aber steht fest, daß der englische pater farnilias. . der die geringste elterlicke Verantwortlichkeit von allen Vätern Europas fühlt, der stets bestrebt ist, die Selbstständigkeit seiner Kinder nach allen Kräften in entwickeln,' seine Töchter nur bestärken wird In. dem Wunsche, auf eigenen Füßen zu stehen.
5tt vestillcnbarde.
(Berliner Gerichtsscene). Mit der Miene einer gekränkten Unschuld betrat der etwa 40jährige Mann die Anklagebank. Er machte mit seinem bis über den Rock fallenden Haar und dem das etwas geröthete Gesicht abschließenden Spihbart den Eindruck eines fahrenden Sängers, zumal er unter seinem Rockschooß eine Guitarre hervorholte, die er vorsichtig neben sich auf die Anklagebank legte. Dann strich er sich mit der Rechten durch das Haar, wobei ein selten großer, im höchsten Grade unechter Siegelring und eine nicht im Geringsten saubere Manschette zum Vorschein kamen, warf den im Zuhörerraum befindlichen Personen einen Blick unsäglicher Verachtung zu und gab seinem Körper eine halbeWendung nach dem Richtertische zu, worauf er eine Pose einnahm, die an das bekannte Bild Napoleon bei Austerlitz" erinnerte. Vors.: Sie sind der frühere Schauspieler, jetzige Artist und Klavierspieler Amadeus Müller, genannt Molitor? Angekl.: Jawohl, aber Molitor war nur mein Schauspielername, den ick seit langer Zeit nich mehr benutze. Vors.: Schön. Aber sagen Sie mal, ich habe Sie sistiren lassen müssen; warum sind Sie zum vorigen Termin nicht gekommen? Angekl.: Det war ooch nich in der jeringsten Entfernung meine Schuld. Ick saß schon eene Stunde vor dem Termine draußen uf die Bank un lauerte uf mein Stichwort, da hörte ick. det der Jerichtsdiener een paar Leite wegwies, indem er sagte, det sie m den Saal nich rin können, weil sie keen Vorhemde anhatten. Wer hier rin will, der muß wenigstens een bisken Halswäsche anhaben," meente er. Na, mir war det een bisken anzüglich; denn et war Sonnabend un die Wäscherin wollte mir mein Vorhemde erst uf'n Abend liefern. Ick denke, ach wat, denke ick, du rennst schnell hin un koofst dir eenen Papierkrajen, damit du uf die hohen Richter eenen anjenehmen Indruck machst. Ick denn nu los un loofe Laden for Laden ab, ohne det ick so'n Dings ufjabeln kann. Als ick endlich vollständig außer Lust UN Athem hier wieder ankomme, is mein Name uf'n Zettel schon durchgestrichen. Vors.: Was an der Geschichte Wahres ist, mag dahingestellt bleiben. Wie ist es nun aber mit Ihren Vorstrafen? Angekl.: Indem ick stets das Banner der Wahrheit hochjehalten habe, erkenne ick sie im vollen Umfange an un lege keenen Werth daruf, det sie mir vorjclesen wer'n. Vors.: Das will ich Ihnen glauben; ich will also nur constatiren, daß Sie außer wegen anderer Verfehlungen einmal auch wegen Diebstahls bestraft sind. Jetzt sind Sie wiederum des Diebstahls beschuldigt. Sie sollen am Nachmittag des 17. März bei dem Schankwirth G. in der Coepenickerstraße eine Schürze gestohlen haben. Bekennen Sie sich schuldig? Angekl. (mitleidig lächelnd): Herr Jerichtshof, ick -bin mein Lebdage keen Schürzenjäger jewesen. Un denn noch dazu eene weibliche, wat soll ick wohl damit machen? Vors.: Nun, Sie haben vor der Polizei einen Grund angegeben, wozu sie die Schürze gebrauchen wollten. Sie wissen ja, was die Zeugen vor der Polizei angegeben haben. Sie seien sowohl der Wirthin wie den Gasten völlia fremd gewesen, hätten sich aber bald in etwas zudringlicher Weise bekannt gemacht und dann gegen einige Schnäpse und Vier verschiedene Gassenhauer vorgetragen. Angekl.: Ö, bitte sehr, erst habe ick ihnen uf die Mandoline den hinterpommerschen Sehnsuchtswalzer" un denn ' Mein Herze is ein Bienenhaus" vorjedragen. Det sind Stucke, die in die feinsten Locale verzappt werden. Vors.: Sie sind dann nach dem Hofe hinausgegangen. Auf dem kleinen Flur, den Sie zu Passiren hatten, hing die Schürze der Wirthin hinter der Thur. Sie haben uch die Schurze angeeignet und unter ihrer Weste verborgen. Ein Band guckte aber hervor, die Wirthin sah es und weckte nun ihren Mann, der im Nebenzimmer sein Nachmittagsschläfchen hielt. Dieser kam gerade in s Gastzimmer, als Sie bereits die Thürklmke in der Hand hatten; er hielt Sie fest und holte die Schürze unter Ihrer Weste hervor. Wenn das kein Diebstahl ist, dann weiß ich nicht. An gekl.: Un doch war's keener. Ick bin hier det Opfer von eenen falschen Schein. Die Zeugen werden bekunden, det ick kurz vorher einige komische Sachen vorjedragen habe, z. B. Der Eckensteher Nante war lebensmüd un matt, un weil er't Leben kannte, war er et herzlich satt." Un sie freuten sich alle un ick kriegte viel Appläuse un sie fragten Mir, ob lck rnch noch wat Besseret uff'n Kasten hätte. Na, ick wollte denn nu ooch mch so sind un sagte, a hatte noch n Cabinetstück, wat ick zum Besten leben wollte. Ick wollte sie mit dem jebildeten Hausknecht überraschen. een sehr semet Stuck, wo die scheene Stelle in vorkommt: .Ob der Schatten vom Jatten, wen soll man da fragen? Das weiß ja allein nur der Hausknecht zu sagen." Als ick nu vom Hof wieder rin usf'n Flur komme, da sehe ick de Wirthin ihre blaue Pichelschürze hängen. Herrjeh, denke ick, du sollst sie wat überraschen un den Hausknecht in Costüm spielen, det macht mehr Fourasche un Jndruck. Ick also knöppe mir det Ding unter. Vors.: Aber so ein Unsinn! Sie waren ja im Begriff, sich zu entfernen, als derWirth kam. Angekl.: Doch blos zum Schein. Seben Sie. Herr Jericbtsbok ick habe die Mandoline mitjebracht. So hatte ick ihr unter dem linken Arm, als wenn ick auf ihr spielen wollte, un so stand ick in der Thür. Ick wollte nu sozusagen als Künstler, rinkommen, wollte mir vorstellen un dann so thun, ls wenn ick eben rinkomme un denn die hohen Herrschaften fragen, ob et
ihnen recht wäre, wenn ick eenen kleenen Vordrag hielte. Ehe ick aber Hierzu kommen konnte, kam mir der Wirth in die Quere un verunjenirte mir det janze Projramm. Natierlich wären die Jäste sonst uff den Scherz injejangen, ick hätte mir uff een paar Oojenblicke in die Nebenstube bejeben, hätte mir die fcfoue Schürze vorjebunden un wäre als der jebildete Hausknecht wieder vor det Publikum getreten. Vors.: Aber Mann! So etwas erlauben Sie sich, uns aufzutischen? Angekl.: Ja. wat wahr is. is wahr. Der Angeklagte schien höchst verwundert, als er wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängniß verurtheilt wurde. m m m Eine Cragööte öer Müste. Von Udo Brachvogel. Die nachstehende Geschichte ist wuhi". Daß sie es ist. ist das Entsetzliche an ihr. Das Versöhnliche daran ist. daß sie sich so nur vor 25 Jahren ereignen konnte. Ein heißer, wolkenloser Sommertag. Aus einem ganzen Abgrund tiefblauen Azurs strömt die grimmige Sonne ihre alles versengenden und ausdörrenden Strahlen in ganzen Bündeln und Garben auf die Wüste von Süd-Arizona aus. Kein Hauch, kein leisestes Regen in der Luft. Kein Grün, kein ärmlichstes Leben auf der Erde. In der Höhe alles erstickend, in der Tiefe alles erstickt. . Jetzt erscheint auf dem Kamm der nach Westen zu den Horizont abschließenden, wie gelbliches Silber flimmernden Sanddüne eine Gruppe. . Sie kommt näher. Männer auf Pferden, Männer, ihre Pferde hinter sich am Zaum herziehend, voran eine Hand voll Männer zu Fuß. Indianer, etwa 20 bis 25 an der Zahl. In der Mitte der den Zug zu Fuß eröffnenden Gruppe befindet sich ein Weißer. Die Rothhäute man möchte sie die rothen Teufel nennen sehen fürchterlich in ihren Kriegsfarben aus. Obgleich ihre Gesichter unter den sie kreuz und quer bedeckenden Streifen und Klexen von Roth und Grün etwas Starres. Unbewegliches haben, sind es doch die Gesichter von menschlichen Wölfen. Und was hinter dieser Unbeweglichkeit lauert und sich zum Sprung rüstet, ist die lechzende Erwartung der schlimmsten, weil wie beim Thier zur instinktiv-abgeklärten Methode gewordenen Grausamkeit. Frische Skalpe hängen von dem Gürtel zweier oder dreier von ihnen herunter. Der weiße Mann trägt die siaubbedeckte, zerrissene Uniform eines Officiers der Vereinigten Staaten-Armee. Eines Capitäns. Seine Arme sind weit hinter dem Rücken zurückgezogen. Und dort wieder an den Ellbogen mit Lederriemen zusammengeschnürt, die scharf in's Fleisch schneiden. Um den Hals liegt ihm eine JuccaHanfschlinge, wie einem Thier. Einer der Indianer hält das Ende derselben. Des weißen Mannes Gesicht ist mit Vlut bedeckt. Es ist bereits aufgetrocknet. Nur in der Mitte der geronnenen braunen Kruste befindet sich ein frisch quellendes rothes Rinnsel. Es erhält feine rieselnde Nahrung aus einer breiten Kopfwunde, deren dickste Tropfen auf den gelben Boden niederfallen, wo sie im ersten Augenblick wie rothe Flämmchen aufleuchten, um schon im nächsten zu erlöschen. Ein Ruck an der Schlinge, und der weiße Mann hält in seinem erschöpften Gange, es war mehr ein Vorantaumein als ein Vorangehen, inne. Wie erschöpft er auch ist. die Muskein seines Gesichtes sind straff angezogen, die Zähne fest übereinander gebissen. Si? halten auf dem ebenen Grunde einer weiten, muldenartigen Vertiefung in der Pfad- und spurenlosen Wüste. Vier Holzpflöcke werden in den Grund getrieben. Lange Pflocke, die oben schließlich nur zwei Fuß aus dem
Sande herausstehen, sodaß sie etn Obiong vlloen. Ein Oblong acht bei vier Fuß. Jetzt werden des Gefangenen Arme aufgebunden. Sie fallen, als gehörten n . . I je. j. r jic gut moji zu Inem norper, wie todt an den beiden Seiten desselben herunter. Im nächsten Augenblick ist er gepackt und der Länge des Oblongs nach zwischen die vier Holzpflöcke mit dem Rucken aus den Boden aeleat. Arm und Bein erst so aestreckt. daß jedes auf den nächsten Holzpflock weist, . ,W 1.1.1 !l N1 . er' rocrocn icgi mii niemen an vielem nächsten Pflock befestigt. Und nun wird zeder dieser Riemen angezogen. So fest und so stramm angezogen, bis er nicht fester angezogen werden kann, und bis der Mann, ein schiefes menschliches Kreuz, so fest daliegt, daß er, mit Ausnahme des Kopfes, auch nicht den geringsten Theil seines Körpers rühren kann. Ein menschliches Kreuz, aus dessen schutzlosem Kopf zwei Auaen in eine Höhe emporstarren, von der nicht bloß eine Sonne, sondern ein ganzes Firmament von Tonnen ganze Hollen von Gluther herniederregnen läßt! Nun wird ein Stück Leinewand wie eine Decke über die vier Holzpflöcke gespannt und sorglich an ihnen befestigt. Um den Mann zu beschützen? Geduld! Die Indianer beugen sich nieder und schöpfen mit den hohlen Händen von dem feinen trockenen Sande in die Decke, welche sich unter dieser Last mehr und mehr nacy unten zu ausbaucht, gerade über dem Gesicht des Mannes am tiefsten hinunterbaucht. , . Und nun zieht ner sein Messer aus dem Gürtel und kriecht mit demselben in der Hand unter die hinunterbauchcude Decke zu dem Gefangenerz,
" Jetzt hat die Messerspitze ein kleines, ganz kleines Loch in die Decke gemacht, gerade groß genug, um immer ein paar Sandkörner auf einmal durchrinnen zu lassen, und gerade dort, wo die Sandlast in btx Decke am tiefsten herunterhängt, gerade in des Mannes Gesicht hineinhängt. Um dem Manne Luft zu machen ? Geduld! Der Indianer, d es gethan, ist jtzt unter der Deck wieder hervorgekrochen. Nun erhebt er sich ohne Eile, und ohne Eile auch, doch zugleich auch ohne einen Blick auf sein Werk oder sein Opfer zu werfen, verschwindet er geräuschlos über denRand der nächsten Sanddüne. Die andern folgen ihm ebenso geräuschlos. Auch nicht der leiseste Zweifel, nicht die leifeste Frage, ob es gelungen, spricht aus ihren Mienen. Sie wissen, es ist gelungen und entfernen sich lautlos dem Führer nach. Nur die beiden Wüstengeier bcginnen mit weiteren Flügelschlägen, um etwas niedriger zu fliegen. Der Mann liegt unter der Decke mit dem aufwärts gerichteten Antlitz, gerade unter dem zu rinnen beginnenden Sande. Er hat die ersten ihm auf das Gesicht fallenden Körner mit einer Kvpfbewegung abgeschüttelt. Er denkt an seine Frau daheim. Seine geliebte, junge Frau. Sandkorn fällt um Sandkorn. Wieder schüttelt er die Körner ab. Nun denkt er an seine Kinder. Es sind ihrer zwei. Das jüngste ist eben drei Jahre geworden. Mehr und mehr Sand fällt. Er wirft den Kopf abwehrend und abschüttelnd hin und her. Und nun denkt er an den Ueberfall von heute früh. Wie die rothen Teufel auf einmal, und als es am wenigsten zu vermuthen war, wie aus dem Wüstensande emporwachsend, um sie herum waren, und wie er, der Letzte hinter seinen Leuten, eben gleich diesen, zur unvermeidlichen Flucht ausholend, den Schlag auf den Kopf erhielt, der ihn vomPferde riß; und wie er mit schwindendem Bewußtsein in einer blendenden Vision von rothen und weißen Streifen mit einem ganzen Himmel voll silberner Sterne darüber zurücksank. Leise und langsam rinnt der Sand und so gleichmäßig, als ob die Parzen selber die einzelnen Körner abzählten. Zwei seiner Leute, die gleich ihm in einer Stunde das Fort erreicht zu haben. hofften, hat er während des Ueberfalls todt von den Pferden fallen gesehen. Oh wie er sie beneidet! Die Fliegen, das einzige, aber um so intensivere Leben der Wüste, haben den Weg unter die Decke, auf sein Gesicht aefunden. Sie gesellen sich mit ihren fernen, kikelnden Beinen zu dem fal-
lenden Sande und vermehren seine' Qualen. Schon werden 'die Bewegungen seines Kopfes schwächer. Schon hat der von seinem Gesicht abgeschüttelte und herunterrinnende, sich zu beiden Seiten desselben aufhäufende Sand die Ohren erreicht. Mechanisch rollt, schiebt und zuckt er mit dem Kopf, schnaubt, zittert und zuckt er mit den Nüstern, den Lippen, den Augenlidern und den Stirnmuskeln. An seinen Hand- und Fußbanden zu rucken und zu reißen, hat er längst aufgegeben. Jetzt geht der Sand über seine Ohren hinweg.' Die Sandanhäufung auf beiden Seiten des Kopfes ist so hoch, daß er ihn kaum noch dazwischen bewegen kann. Zwei Kissen, weich wie Flaum und unerbittlich, nachgiebig zugleich, wie Granit. Schon haben -seine mechanisch kämpfenden, auf und nieder zuckenden, hin und herflatterndenLippen und Nüstern die größte Schwierigkeit, das gelbe Mord-Gerinne von Mund und Nase fortzuhalten. Nun wird sein Kopf unbeweglich. Der Sand bedeckt den Hals. Bald hat er die Seitenwinkel der Augen erreicht. Die Fliegen machen sich die noch freien Stellen der geronnenen Blutfläche mit dem noch halb feuchten Wundrinnsel darin streitag. Keine Kopfbwegung mehr. Kaum noch ein verlorenes Flickern und Flackern der Stirn- und Gesichtsmuskeln. Jetzt verschwindet mit einem letzten krampfhaften Jrrlichtaufzucken der Lippen der Mund unter dem sich leise, mit fast zärtlicher Weichheit über alles fortschiebenden Sande. Jetzt hat er die Nasenlöcher erreicht, jetzt füllt er sie aus, und jetzt jetzt ist das ganze delgeschnittene, trotzige Gesicht wie in einen einzigen gelben Sandabguß gehüllt. Und immer noch trickelt und dribbelt der Sand, und schon ist auch die letzte erkennbare Contur aus dem Sandhaufen verschwunden, welch? rund und weich, wie ein von liebender MutterHand glatt gestrichener SchlummerPfühl nur noch ein Paar Haarbreiten weiter zu wachsen hat, bis er zu der CVnfi Kir JVrfi mhnrrrtTrtmin itn I VV ).-J I" I und die kleine mörderische Oesfnung erreicht und verschlossen haben wird, welche das Messer des Apache-Häupt-lings dort so kunstvoll und fein angebracht hat. Die junge, schöne Capitänsfrau daheim im Osten erzählt ihren aufhorchenden 5Nndern von Pa's" Heldenthaten als Jndianer-Fighter". Sie hat keine Idee, daß sie Wittwe ist. und daß ihr stolzer Jndianerkämpfer" für immer usakamvkt bat. und rotf " u r i w -.w , . .i.....fi i r. ausgciampsl yal, oa orauyen im Wüstensand von Arizona! Gläserfreundsckaft aebt leicht in Brüche. 1
Ein Gpser sördie Zrau. Nach dem Fraiizösischen, von A. F. Wer ist die reizende Frau, die mit Max Remi tanzt?" flüsterte mir der Graf Helvar zu, welcher zum ersten Mal zu den Gästen des Hauses gehörte. Wieder eine, die dem schönen Max, dem berühmten Dichter, dem Liebling des Tages den Kopf verdrehen wird! Wie sie ihn ansieht! Wie ihre Augen sich in die seinigen Versenken! Welche Grazie in den Bewegungen! Eine wahre Augenweide, die Beiden zusammen tanzen zu sehen!...." Und eS war in der That ein schönes Paar, das dem Saal der Gräfin von Moubri zum Schmuck gereichte. Allgemein war die Bewunderung, die Gäste schienen sich nicht satt seh?n zu können an der reizenden jungen Frau, in der vollen Blüthe ihrer Jugend, wie sie da, von dem berühmten Schriftsteller halb getragen, im Walzertakt durch den'Saal flog. Ich vergaß selbst fast über dem Anblick die Antwort auf die an mich gerichtete Frage meines Freundes. Er wiederholte dieselbe, und da sah ich ihn lachend an. Was? Das wissen Sie nicht? Aber die Dame ist ja seine Frau!" Seine Frau?" meinte er erstaunt. Jawohl!" Sie müssen meine Unwissenheit schon entschuldigen, liebster Freund, aber ich bin über zwei Jahre auf Reisen gewesen, und als ich Paris verließ, da war Max Remi nicht verheirathet." Der junge Fontang war bei den Worten Helvars an uns herangetreten und meinte: Tour Paris" weiß, wie glücklich die Beiden sind. Frau Remi ist die reizendste, liebenswürdigste und die glücklichste Frau. Max ist nicht nur ihr Mann, sondern im wahren Sinne des Wortes der Abgott der schönen Louise!" Und liebt er sie ebenso?" Leidenschaftlich! Und ich finde das um so netter, da es so gar nicht sin de siecle" ist und für ganz unmodern gilt! Und bei ihr kommt noch das Gefühl des Stolzes hinzu, die Frau des berühmten Schriftstellers, des Helden des Tages zu fein, der mit Einladungen überschüttet wird!" Kennen Sie sie näher?" fragte mich der Graf Helvar, als Fontang uns verlassen. Früher habe ich sie genau gekannt," war mein: Antwort. Ist es denn wirklich nicht übertrieben, was Fontang soeben gesagt?" Vollständig wahr. Frau Remi, die schöne Louise, wie sie von Allen genannt wird, ist eine von den sentimentalen, etwas exaltirten Naturen, für die ein Mann wie Max wie geschafft ist. Als junges Mädchen, als ich im Hause ihrer Eltern verkehrte, hat sie mir ost gesagt, daß sie sich einen Helden, einen berühmten Mann, Jemand,' der einer großeif, selbstlosen Handlung fähig sei, zum Gatten wünsche. Sie hatte immer ihr Köpfchen für sich, war ein kleines, entzückendes Original. Sehen Sie sie nur an, betrachten Sie die großen, leuchtenden Augen, die wie zum Träumen geschaffen sind dabei ein Weib im wahren Sinne des Wortes, gut, sanft, aufrichtig in ihrer Liebe zu Max." Während wir so sprachen, hatte sich das Paar in unserer Nähe niedergelassen. Die junge Frau war entzückend! Die rothen, feuchten Lippen waren halb geöffnet, die helle Lebenslust ging von ihr aus. und eine gewisse, verhaltene Leidenschaft sprach aus allen ihren Bewegungem Neben ihr saß der schöne Max. Ihr zugeneigt, sprach er im Flüsterton wie ein Verliebter auf sie ein. Es schien wie eine Fülle des Glückes von dem Paare auszuströmen. Haben Sie die junge Frau denn heute Abend schon begrüßt?" meinte der Graf. Nein, ich will es auch nicht thun, ich habe sie nur in den trüben Stunden ihres Lebens gekannt." In den trüben Stunden? Hat sie die denn gehabt?" Ja, wenn auch vielleicht nicht direkt, so gab es doch deren in ihrer Umgebung, zur Zeit ihrer ersten Ehe." Was! Frau Remi war schon einmal verheirathet?" Ja." antwortete ich leise, änderthalb Jahre und ich war ein guter Freund des'armen Verstorbenen." Erzählen Sie mir das doch!" Das Orchester begann eine rauschende Quadrille, und wir hatten uns beide in einen kleinen Salon geflüchtet. Gedämpftes Licht erfüllte den Raum, und unwillkürlich fing ich an, von meinem Jugendfreunde Elaude Tirau zu erzählen, der nun drei Jahre zu den Todten gehörte. Wie ich schon gesagt, habe ich Louise in ihrem Elternhaus kennen gelernt. Es waren einfache Leute in bürgerlichen Verhältnissen, und weder von Vater noch Mutter hatte Louise die rvmantischen Ideen geerbt. Woher sie ihr kamen, weiß ich nicht, vielleicht aus den Büchern, die sie gelesen, vielleicht auch war sie in der Pension darauf gekommen. Jedenfalls wurde von ihren Eltern nicht viel Werth darauf gelegt, und ver Vater, ein biederer Mann, beschloß, der Tochter einen Beamten zum Mann zu geben, der sie sicher in geordneten Verhältnissen glücklich machen würde. Und es fand sich auch einer, und zwar mein Freund Claude Tirau, ein prächtiger, bescheidener Mensch, derBeamter in der Stadtverwaltung war. Er liebte Louise über alles. Claude war kein Romanheld, hatte nichts Bestechendes an sich, aber das junge Mädchen schien mit der Wahl des Vaters zufrieden und versuchte lhren Mann zu lieben. Ich sagte Ihnen ja schon, daß sie gut und sanft sti. .. Welche Qualen hat der arme Claude
in den ersten Monaten seiner Ehe aus--gestanden! Nur mir schüttete er sein liebevolles Herz aus, denn er hatte sehr bald eingesehen, daß nichts, auch gar nichts in seiner Person, in seiner Stellung, in seinem ganzen Leben den xo mantisch - sentimentalen Vorstellungerz Louisens entsprach. Wo war in dem geregelten Bureau leben eine Spur von Heroismus, von Opferfählgkeit! Seine Vorgesetzten achteten ihn, er konnte im Laufe der Jahre in seiner Stellung aufrücken, er war gebildet und wußte sich zu beneh men. Aber was bedeutete das alle5 für die kleine, hübsche Frau, die er sei nannte! Er fühlte sich so klein, so tat bedeutend, und da er Louise leidai--schastlich liebte und sein einziger Wunsch war, sie glücklich zu machen, so litt er entsetzlich, denn er fühlte, dafc die Zuneigung seiner Frau mit jedem Tage geringer wurde, daß sich Louise ihm immer mehr entfremdete. Eines Tages suchte er mich in mtU ner Wohnung auf, es war das letzte Mal. Ein Jahr war er gerade derheirathet. Ich bin zu unglücklich! sagte er. Ich kann Louise nie daZ Glück geben, das sie verdient. Ich will mir das Leben nehmen, daim ist sie frei und kann noch glücklich werden!" Ich sprach ihm vernünftig zu, rielh ihm, zu versuchen, aufLouisens roman--tische Ideen ein wenig einzugehen. Mein Gott," rief ich. es kann doch nicht so schwer sein, ein bischen sentimental und romantisch zu sein!" Er versprach mir, sich zu beruhigen, meinem Rath zu folgen und irgend etwas zu ersinnen, wodurch er Louisens Lieber gewinnen könne. Ein halbes Jahr später war er todt der arme Mensch! und zwar ganz bürgerlich, ohne jeden romantischen Anstrich. Die Aerzte wußten nicht recht,, was es gewesen. Louise, ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht," hatte er seiner Frau gesagt, verheirathe Dich wieder, damit Du mit einem Anderes glücklich wirst!" Nun endlich hatte er den Weg gefurlden, um Louise zu dem erträumten Glück zu verhelfen, und zufriedttr schloß er die Augen zum letzten. Schlaf." Die Quadrille war zu Ende. Wir standen auf und konnten wieder Frarr. Remi sehen, wie sie, vor Glück strahlend, auf dem Arm ihres Gatten gelehnt, durch den Saal schritt. Ja, Claudes Wunsch war in Ersul--lung gegangen. Hat sie ihn betrauert?" fragte mich) der Graf. Ja, aber wohl nicht tief. Nichtsfesselte sie an ihn, keine Kinder, Uint: Familienmitglieder. Sie wurde sehr.' gefeiert, und eines Abends führte ihrdas Schicksal Max Remi zu, den Held ihrer Träume." Armer Mann!" meinte der Graf. indem er an Claude dachte. Ja, armer Mann!" wiederholte ich Wie arm, weiß nur ich, denn ich allne kenne die Todesursache Claudes. Er war doch ein Held, wenn auch allesgegen ihn sprach und hat wohl daZ. schwerste Opfer gebracht, dessen eirr Mensch fähig ist! Er hatte sich ein langsam wirkendes Gift verschafft, die Aerzte haben nichts davon gemerkt aber monatelang hat er das Ziel vor Augen gehabt, täglich einen Schritt zu seinem Tode gethan und sich selbst. Louisens Glück geopfert." Hat sie eine Ahnung davon?" Nein! wozu auch? Ich hätte e5' ihr doch nicht sagen können. Nun ist. sie ja auch glücklich!" Das Fest nahte sich seinem Endc.. Frau Remi stand aufrecht mitten im Saal neben ihrem Gatten, und stokz und strahlend vor Glück, hörte sie le Schmeicheleien an, die ihr und.ihrenr Mann, dem großen Dichter, gemacht wurden. Es war mir, als hörte ich sie flüstern: Mein Held, mein Abgott!" Und ich mußte an den anderen He7den denken, der vergessen auf dem Friedhof von seiner Heldenthat ausruhte. Bürefasenacht.
Im Münsterthal, wohl dem schön--sten Thal der Hochvogesen, herrscht noch heute ein eigenthümlicher Brauchs an dem die Bevölkerung zähe festhält. Wenn anderwärts vom Asch:rmittwoch ab alles Maskentreiben von den Straßen verbannt ist, findet in dieser bergumschlossenen Gegend am Sonntags Montag und Dienstag nach Aschermittwoch erst der richtige Karneval statt.. Im Gegensatz zur ersten Fastnacht ' hier die Herrefasenacht" (Herrenfastnacht) geheißen nennt man dies die: Bürefasenacht" (Bauernfastnacht). Auch die Stadt Münster, welche durch die noch zu Anfang unseres Jahrhunderts bestehende gemeinsame Berwaltung. mit den 9 Thalgemeinden sich diesen gehörig betrachtet, feiert ' nach Kräften mit. Vor Jahren verbot inmal ein übereifriger Verwaltungsbeamter, daß sich an der Bürefasenacht Jemand maskirt auf der Straße zeige. Die Bevölkerung mußte sich fügen, suchte aber doch der strengen Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen. So wurden denn vorsir.lfluthliche Fräcke, uralte Kopfbedeckungen, Sommerkleider und Strohhüte, blaue Brillen angelegt und so spazierte man, unmaskirt, aber doch in ungewöhnlichem Costüm, durch die: Straßen. Jetzt ist es im Münsterthal wieder erlaubt wie man sich dort ausdrückt den Narr zu machend Ein Geschäftsmann. Charcutier : Guten Abend, Herr Rath, wie geht's?" Rath: Ach. ich hab' einen fürchterlichen Schnupfen! Charcutier (leise zur Ladnerin)5 .Dem gibst Du von der alten Wurscht der riecht's heut' doch nicht!" Auch auf seiner HofsnnnFM Srab pflanzt der Mensch sich BlurttU.
