Indiana Tribüne, Volume 22, Number 193, Indianapolis, Marion County, 2 April 1899 — Page 6

Vorweggenommen. Cöl: Elizze aus dem Leben, von ElZbett Meöer.ISrster, (Berlin). Vor wenigen Wochen sah ich meine Freundin Nelly wieder; sie dürfte diewi Namen eigentlich nicht mehr fühxrn, von r?chtswegen. Denn sie sieht r,it 7ch Nelly" aus. Nelly ist etsehr Duftiges; es ist zart, farbig, tvie das Wort Nelke, Reseda zum Beispiel; aber meine Freundin dort hinien in der schlesischen Waldecke hat nichts Zartes. . Farbiges mehr. Sie Hatte es, vor fünfzehn Jahren. Dainals war sie gerade confirmirt. Jetzt ?ft sie neunundzwanzig. Nein nicht "davon wollte ich sprechen. Eine Jugend hatte Nelly einfach sounenvoll; ich war in Pension auf ihxtx Mutter kleinem Landgut, und da fielen auch auf mich die Strahlen dieser Idyllen - Jugend. Immerfort, tctnn ich mich ihrer erinnere, sehe ich Erntefarben. Getreidewagen, ächzend und stöhnend vor gelber praller Last, zin'o obenauf Auntes, Johlendes, Frohliches Mägde und Knechte mit nackixn Leinen, Hälsen und Armen, Banund Aehren auf den verblaßten 'Strohhüten, Kirschenbouquets an der Arust und hinter den Ohren; und ich sehe Wiesen, aus dere Morast sich Älüthenteppiche emporw'ölbtcn, und cn deren Rändern Tollkirschkraut in Vit Sonne hinaufglühte. Und wie Thiere lebken wir hin, gefund und strotzend, mit blühend roth efMterten Wangen. Muttel", Nelly's Mama, war eine Mutter, die nirgends Körend eintrat in unser vegetirendes 2tUn, ja, die üppiger und rosiger und kkonder fast war. als ihr heranreifenfce3 Kind. Sie war der Urtypus der schlesischen Gutsfrau, appetitlich und -resch, gesund und von einer wohlthätictn Unbedeutendheit. Dabei mit dem 'gewissen, nachsichtigen Temperament, das sehr an's Phlegma streift, und der T?wissen, echtschlesischen Nachsicht auch 2crt und auf den Gebieten, wo nordischere Frauen eine erhabeneWürde herauszukehren wissen. 0:3 ging halt manchmal sehr munter 311, auf Groß - Zeuschwitz, besonders fcc3 Sonntags, zu munter manchmal. Denn da kamen die Praktikanten der Nachbargüter zu Besuch, die Forstassessoren und Amtsrichter der Kreisstobt. Für sie Alle war das gastfreie Haus der wirtschaftlichen Wittwe von große: Anziehungskraft. Und sowie fit nur aus den schulpflichtigen Kinverjähren heraus war, begann Nelly in diesem Kreise ihre Rolle zu spielen. Frau Merkel auf Groß - Zeuschwitz konnte sich der freundlichen Besucher bald nicht mehr erwehren; da waren die Sonntage wie Gasthaussonntage: das kam und ging und aß und trank. Mit etwas bedrückter Miene, aber mit dem ein ganz klein wenig einfältigen, nachsichtigen Lächeln, das man an ihr kannte, ging Nelly's Mutter hin und her zwischen ihren Gästen. Sie kamen ihr nicht gerade erwünscht, aber, Du lieber Gott, so nette, liebe Leutel!" Sie konnte auch dem Forstassessor Walzer nicht gram sein, als er sichNelly gegenüber zu einer unpassenden Bertraulichkeit hatte hinreißen lassen, und sie. ein fünfzehnjähriges Mädchen, in Gegenwart einer Anzahl Gäste geküßt hatte. Sie wollte ihm das Haus vertsttftn; aber als er so reuig um Entschuldigung bat, brachte' sie's nicht Ober's Herz. Und so blieh Assessor .'Balzer, wie später Herr von Platte, itz Oberamtsrichter, blieb. Und am 'dauerndsten blieb Herr Zeuge von Kl.Aarschwitz. Denn der verrieth die Absicht, die schon öfter geküßte Nelly zu Hrirathen. Arme Nelly. Ich konnte es nicht Liehi miterleben. Denn urplötzlich fxrnide ich fortgenommen von GroßLeuschwitz und der nachsichtigen Muttda und dem blauen Himmel und den grellen Feldern und zur weiterenAusBildung" wieder in die Stadtschule gesteckt. Und dort blieb ich dann, wähteiid Nelly draußen im freien Lande Zoeiter blühte. Das ging wohl so Jahr um Jahr. .Ach. könntest Du hier sein!" schrieb -jic immer wieder. Es wird nur imritz schöner, das ist ein Leben wie im Sommer, und wenn's auch Schlossen Hagelt. Bald hat's Wohl mal ein Ende. denn dann heirathe ich, der Ellwitz lorani jetzt so oft. Ja. dann wird hinler den Ofen gegluckt, mein Schäfti Du! Aber bis dahin soll's noch, juppdich, 'ne Freude geben!" Doch nach dem Ellwitz war es , der S&nbe, dann der Forstassessor JllMann, dann der gräfliche Bereiter, .Hnr von Kröchel, die so oft" kamen. wechselten in den Briefen mit jeder Saison die Namen, und Nelly, die Weitere, sprühende Nelly, das Landkind Ort den braunen Wangen und dem kloPferden Herzen, warf nicht so oft ein Wuppdich" mehr auf's Papier. Es tarn etwas Stummeres in ihre Briefe, tann etwas Reizbares, zuletzt ein wenig Cynisches. Und endlich schrieb sie kurz und kalt. D: gingen Jahre darKber hin. Und eines Tages waren es fünfzehn Jahre. Da war es, daß ich wieder in die Heimath kam. Tiefblau wie einst lag der Himmel, daß er blendete; der Mumenteppich der morastigen Wiesen Volbte sich, und durch die Feldwege Zogen unter praller Last die ächzenden Getreidewagen. Mägde und Knechte sprangen von den Wagen herab, um zurZ zu binden", mit flatternden, ro?then und grünen Ernteschleifen.. An ihrer Brust, an ihren Wangen leuchteten die reifen Kirschen, und alles war z2ng und warm, der Sommer, sie selbst und die Erinnerung. Auf langer, staubiger Eha?:ssee ging eZ zu Nelly's Elternhaus hinan. Da sah ich leuchten, plötzlich, mit rothem, seMiem Aieaeldach, auf dem sich

ftxiilam Moos anzusetzen begann. Und

der Obstzarten tauchte auf, gelb und purpurfarbig angehaucht zwischen den Zweigen, und vor der Hausthür unter den Hollunderbüschen der freigebige Tisch, an dem wir so viele Jugendtage verjubelt. Da fielen die Jahre von mir ab wie ein Tag. und wie das Schulkind, das damals zu den Ferien kam, stand ich da, das Herz weltentrückt. Und Jugend und Thorheit und das erste Verliebtsein und Heimath und Weltvergessenheit. Alles in einem einzigen, starken, mächtigen Glücksgefühl durchrauschte mich; fort flog der starre Großstadtschlaf; alle Last des vernünftigen Lebens fiel von mir ab. Oh Oase mit den Wirthinnen, leuchtend von Freundlichkeit, Güte und Nachficht und ländlicher Lebenslust; endlich, endlich bist Du wieder erreicht, sonnen werde ich mich an Dir, begrüßen diese freundlichen Frauen, Ausgewählte ihres Geschlechts, und lange nicht mehr fortgehen von hier. So träumte ich. während ich vor der umrankten Hausthür stand. Und Nelly trat heraus. Sie ist achtundzwanzig Jahr. Aber nicht davon wollte ich sprechen. Und doch! Es ist ein so einfaches Wort. Zwanzig Jahr und acht. Jungfrauenzeit und Backfischzeit, in eins zusammengezogen. Nichts kann einfacher sein. Was mag da zwischen den Jahren liegen, daß es so werden konnte? Ich wollte ihr entgegengehen, aber ich that es nicht. Nelly sah so kalt und streng und hager aus. Um ihren Mund liefen tiefe Furchen. Und ihr Blick glitt scheu herab an mir. Du wunderst Dich wohl sehr? Ja, bedenke, Kind: es sind fünfzehn Jahre, daß wir uns nicht gesehen haben. Inzwischen ändert sich der Mensch. Aber komme doch herein!" Ganz anders noch war Muttel" alt geworden. Das nachsichtige Lächeln ezistirte zwar noch; aber nur schattenhast. Der letzte Rest hilfloser Herzcnsgllte. Alles Andere war zusammengeschrumpft; die Rosigkeit, die Fülle, die Freundlichkeit, die unbeholfene Einfalt geknickt. Scharf, aufmerksam. fast lauernd gingen Frau

Merkel's Augen in unbewachten Augenblicken an mir auf und nieder. ..Also verheirathet? Also ein Kind? Also Beruf? Also draußen in der lauten großen Welt!" Und das Ticktack der Kuckucksuhr fiel auf einmal in unser Gespräch, laut und scharf, als wollte es fieberhast mitsprechen; und zwischen dem Dampf der alten Kaffeetassen sah ich sinnend, staunend das alte aufhorchende, fast lauernde Muttergesicht; und sah ich schärfer und krasser die Linien um Nelly's Mund. Und hörte ich feiner den trocknen, metallnen Klang in ihrer Stimme. Du brauchst Dich nicht zu sorgen. daß wir heute Besuch bekommen. Uns stört seit Langem Niemand mehr. In ein Haus, wo 'ne Wittwe und 'ne alte Jungfer lauern, da wagt sich Keiner so leicht. Der Wende, na Du weint doch, er kam so oft, der sitzt jetzt aus Hochstetten und hat Frau und Kind, aber 'n Besuch hat er hier noch nicht ein einzigstes Mal gemacht. Und der Ellwitz ich war mit lhm so gut wie versprochen. Du weißt ja, ist jetzt unser Nachbar zur Linken geworden. Der Krochel er reitet noch immer die gräflichen Pferde ein kommt noch täglich vorbeigaloppirt. Aber sowie er Deine schöne Freundin am Fenster erblickt, sprengt er lieber über's feuchte Stoppelfeld, als daß er das Haus passirt. Eine nette Sorte Kavaliere hier, sag' ich Dir. Kerls, groß und lang wie die Holzblöcke, und eben so steifbockig. Ja, draußen in der Welt! Da mag noch Manier und Leben sein! Ich hab's versäumt." Die Mutter war aufgeregt aufgestanden und in den Garten hinausgegangen. Ihr lautes Husten tönte von der Veranda her in unser Gespräch. Ich hab' halt vorweg genoss e n, was zu genießen war," nahm Nelly, die einen Augenblick mechanisch nach der Mutter hingehört hatte, ihre Worte wieder auf. Das waren doch schöne Zeiten, gelt Du, damals, als man noch die junge Nelly war. Da war man gesucht und geliebt. Was jetzt kommt das ist der schäbige Rest." Sie stand auf und schob Tassen und Kuchenteller zusammen. Ihre Bewegungen waren steif, voll Unlust. Das Porzellan klirrte unter ihren Fingern. Und mit einem Seufzer trat sie mit mir in die Veranda hinaus. Vorweggenommen, was zu genießen war!" Das Wort stand vor mir da und erfüllte mich ganz mit. seinem Sinn. Und die harten Schultern der einstigen, schönen Nelly und das verbitterte Gesicht und die mürrische Greisenhaftigkeit der Mutter, das Alles schien mir plötzlich in einem grellen Licht. Nicht Altjungfernschaft, verbittertes, verstoßenes, verlassenes Leben! Nein, mit Nelly's Worten: nur der schäbige Rest. Vorweggenommen war Alles, was das Leben den Frauen gewährt schon damals, in den kindlichsten Mädchentagen. Genossen, was zu genießen war! Das ist über die Kraft! Das vernichtet das Frauendasein, wie es das Männerdasein zu erhalten scheint. Und Nelly. die einst so Sprühende, Lachende, Jubelnde, war nur das Opfer dieser Weltordnung wie die nachsichtige Mutter es gleichfalls war. Wir sprachen nur noch wenig. Gegen Abend ritt der schöne Kröchel am Hause vorbei, in gemessener Entfernung, auf dem Umwege des Feldrains. Und kurz und pflichtschuldigst grüßte er kühl hinauf. Nelly erröthete jäh und sah mich an. Es war wie Abendgluth in ihrem Geficht. ' Und die Mutter ging hustend in's au.

Zn ßentrak-Asten. Vor einiger Zeit brach im Azob,'einem kl-ien Dorfe in der Nähe Sanrarkands die Pest aus und von den Gelehrten ist bis jetzt noch nicht ergründet worden, wie die tückischen Krankheitskeime Tausende von Meilen weit von jenseits des mächtigen Hima laja in das stille, einsame Gebirgsdors Crt?al-Asiens verschleppt werden konn!?n. Dank der außerordentlichen Energie der russischen Regierung ist es gelungen, die Pest in jenem verlassenen Erdwinkel wenigstens bis jetzt festzuhalten und selbst dort die Seuche zum Rückgange zu bringen. Prinz Alexander Petrowitsch von Oldenburg, ein Mann von seltener Energie und Umsicht, der obwohl Soldat von Veruf, speciell dem Studium der Balteriologie so hohes Interesse entgegenbringt, daß er in St. Petersburg auf

Mfcil

B a z a r ZnBuchara. eigene Kosten tlzt bakteriologisches Institut gründete, frindc vom Zaren anicchlich des Ausbraches der Pest in Bombay zum Chef der russischen PestCommission erwählt und an der Spitze einer großen Ezpdition von Aerzten, Krankenpflegern und Militär in die Gegend von Samarkand abcommandir:, um die Verhältnisse an Ort und Stelle zu studiren und alle Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung eines Weiterschreitens der Seuche zu treffen. Das Schicksal Europas in sanitärer Hinsicht ruht somit für eine gewisseZeit in der Hand dieses Mannes, dessen Aufgabe es ist. den schwarzen Tod" in seinem Vorschreiten auf dem LandWege zu hindern. Bei dem hohen Interesse, das die Sache für die ganze cultivirte Welt besitzt, dürften auch einigeBilder aus dem Wirkungskreise der russischen PestCommission willkommen sein. In erster Linie muß Buchara in Bezug auf die Lebensweise der Bevölkerung, seinen Handelsverkehr nach außen und seine sanitären Zustände überwacht werden. Bon Seiten der dortigen Regierung ist nicht viel in dieGefesselte Verbrecher. ser Hinsicht zu erwarten, denn obgleich der Emir Said Abdul Achad Chan nach centralasiatischen Begriffen ein aufgeklärter Mann ist, so dürste doch bloß durch russische militärische Disciplin ein Erfolg zu erzielen sein. In erster Linie ist es die transkaspische Bahn, die in dem Falle, daß die Pest in Buchara und Samarkand stärker auftreten sollte, ein Verschleppen der Krankheit nach Westen ermöglichen würde, doch läßt sich da durch Quarantäne abhelfen. Schwieriger gestaltet sich die Ueberwachung der zahl losen Karawanen, die von jenen beiden Handelscentren aus ganz Mittelasien durchqueren und besonders zahlreich zwischen Buchara und Indien verkehren. Die Kameltreiber bilden in ihrer Unsauberkeit ein gefährliches Medium für die Verschleppung der Krankheit. Ferner muß bei dem regen Verkehre, der sich auf den Bazaren Turkmenen-Bauer. Bucharas und Samarkands täglich abspielt, wobei. Menschen aus allen Theilen Asiens bunt untereinandergewürfelt sind, auch dort die größte Strenge zur Anwendung kommen und womöglich allen Gelegenheiten vorgebeugt werden, bei denen größere Volksmassen an einem Orte dicht beisammen vereinigt sind. Derlei Gelegenheiten sind besonders Volksbelustigungen, denen die Vucharaten mitVorliebe huldigen. Hierbei sei einer eigenthümlichen Art von Belustigung Erwähnung gethan, die man überall in Asien, von Persien angefangen bis China, findet; das sind die Tanzaufsührungen von Knaben, Batschis" genannt. In Buchara kommen verhältnißmäßig wenige Verbrechen vor, doch immerhin ist das dortige Gefängniß stets gefüllt, und jederzeit finden sich unter den Sträflingen mehrere zum Tode Verurtheilte. Noch vor nicht zu langer Zeit wurde das Todesurtheil in der Weise vollstreckt, daß man das unselige Opfer in eine Grube warf, in der es von Wanzen einer großen Art wim melte'; der Delinquent wurde in wemgen Stunden skelettirt. Oder man warf den Verurtheilten vom Verbrecherthurm herab! Heute begnügt" man sich damit, den Dieben die Hände

abzuhacken und d:n schweren Verbrechern die Gurg.'l durchzuschneiden. Zwischen den eiger.tiM; gefährdeten Gebiete von Siira Samarkand liegt gegen 28ej:m Flusse AmuDarja (demOzus d?".il:;:tZums) und dem Kaspischen Wivt d.xt ungeheure Sandwüste, nur ai :i:. zu von Oasen unterbrochen ur: nur spärlich bevölkert. Dies?Z Tsirairi konnte die Seuche wohl nur V&nz des Schienenstranges der transkaspischen Eisenbahn überschreiten, denn der Karawanenverkehr ist dort infolge der Bahn stark zurückgegangen, und die Bevölkerung, in weit voneinander gelesenen Dörfern zerstreut, läßt sich leicht überwachen. Außerdem stehen die Turkmenen auf einem viel höheren Niveau der Cultur als die meisten andern Völker CentralAsiens. Es ist staunenswerth, wie dieses wilde, räuberische Volk, vor welchem ehedem ganz Mittelasien zitterte, nach der Unterwerfung von 1831 völlig friedlich wurde und heute sogar mit großer Liebe und Treue an Rußland hängt. Der wilde Räuber von früher bebaut heute fleißig seinen Acker oder dient als Soldat dem Zaren.

Turkmenenfamilie. Die Verhältnisse sind also nicht derartige, daß ein Weiterschreiten der Pest gegen Westen zu befürchten wäre, und man muß es vorläufig dem Geschick und der Energie des Prinzen von Oldenburg überlassen,die Seuche in ihrem Keime zu ersticken. , u.. Das letzte Bclt. In Kiefersselden, einem herrlich gelegenen Dorfe im romantischen Alpengebiete Bayerns, unweit der tiroler Grenze, ist der prächtige Sarkophag vollendet und ausgestellt, der die Leiche des Alt - Reichskanzlers Bismarck in sich aufnehmen und der Nachwelt zum Andenken bewahren soll. Auf dem Schneckenberge von Friedrichsruh, bei der Hirschgruppe, wo man das Mausoleum des großen Todten errichtet, wird er seine dauernde Stätte neben dem Sarge der treuen Gattin des Altreichskanzlers finden, die man in einen gleichen Sarkophag betten will. Ursprünglich sollte der Sarkophag aus schwedischem Granit gemeißelt werden. Aber der Gedanke drang durch, daß der erste Kanzler des neu erstandenen deutschen Reiches nur im deutschen Steine bestattet sein darf. Der Sarkophag ist aus Untersberger Marmor von Hellrosa Bismarck'sSarkophag. Farbe gestaltet, deren zarte Abtönung ihm den Eindruck des Starren und Kalten nimmt, das anderen Gesteinsarten anhaftet. Er ist 2,70 Meter lang, 1,40 Meter breit und 1.50 Meter hoch, also ein überaus stattliches und würdiges Grabmonument. Sein Sockel ist von schwarzem Syenit. Darüber erhebt sich der lichtrosafarbene Sarkophag, den sein Schöpfer, der Architekt Schorbach in Hannover, im romanischen Stil gehalten hat. Er wird von acht Säulen getragen, die an den Capitäten und Bogen Prächtig verziert sind. Stilisirte Ornamente nach Art eines reichen Zimmerschmuckes schmücken die Giebel und Deckelplattcn. Vorn liest man die Grabschrift, die der todte Kanzler sich selbst bestimmt hat. Vorbereitung. A (zu seinem Corpsbruder B): Mein Onkel läßt Dick für übermorgen zum Mittagessen einladen!" V (zum Kellner): Fritz, ich habe vorhin ein Cotelett bestellt .. bestellen Sie's wieder ab!" Neues Wort. Macht das Etablissement Geschäfte?" Na, es millionährt so seinen Mann." x Schlagfertig. Hausfrau: . . .Ich weiß nicht, Marie, sind Sie verrückt oder Ich!" Köchin: Gnädige Frau werden sich doch keine verrückte Köchin genommen haben!" Vorzügliches Mittel. Frau A.: Wenn ich nur wüßte, was ich mit unsern Thüren anfangen soll, sie knarren so entsetzlich." Frau B.: Ach, da weiß ich ein ganz vorzügliches Mittel." Frau A.: Ach bitte, nennen Sie es mir doch!" Frau B.: Nehmen Sie ein Dienstmädchen, das einen Bräutigam hat. .,", , .

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Kirchen in Indo-ßyina.

Eine wichtige Rolle in den Missionsländern spielt die Kirchenbaufrage. In den Gebieten noch wilder oder. erst halbcivilisirter Völkerschaften ist sie leichter zu lösen, da schon ein einfacher Ziegelbau gegen die rohen Hütten der Eingeborenen wie ein Wunderwer! sich abhebt. Schwieriger liegt die Sache in den alten Culturländern des Ostens mit ihren ausgebildeten alten Religionssystemen und ihren zahlreichen prachtschillernden Götzentempeln und Pagoden. Es begreift sich, daß. soll hier die christliche Religion auf die von der sinnlichen Form so stark beherrschten Heiden Eindruck machen, die Tempel . gegen die kostbaren Riesendenkmälern des heidnischen Cultus nicht allzu ungünstig abstechen dürfen. Kapelle i n B a u - N 0. Bekanntlich sind die reichen, fruchtbaren Länder Jndo-Chinas ganz besonders reich an schmucken, färbenschimmernden, meist prachtvoll gelegenen Pagoden und buddhistischen Götzentempeln. Ihnen konnten die Missionäre, zumal bei den fast beständigen Christenverfolgungen, lange Zeit nichts irgendwie Entsprechendes entgegensetzen. Erst mit der französischen Eroberung und der Gründung des großen indo-chinesischen Colonialreiches änderte sich die Sachlage. Es lag im Interesse der Regierung selbst, das Missionswerk auch nach dieser Seite hin zu fördern, und so entstanden in den letzten Jahrzehnten in den zehn Apostolischen Vicariaten von Tongking, Cochinchina und Cambodscha, eine große Anzahl zum Theil großartiger christlicher Gotteshäuser, die durch ihre 'ediern Formen recht günstig gegen die reichen, aber phantastisch geschmacklosen Formen der Heidentempel sich abheben. Es dürfte gewiß unsere Leser interessiren.'wenn wir ihnen in einer Reihe bildlicher Darstellungen diese stufenweise Entwicklung von der primitives Kirche inHoang-Fa. ärmlichen Missionscapelle bis zur stattlichen Cathedrale vor Augen führen und die Bilder so auswählen, daß sie zugleich die eigenartig gemischte Stilform dieserMissionskirchen veranschaulichen. Die Capelle von Bau-No in der noch jungen Mission von Ober-Tongking gibt den Typus eines echten armen Missionskirchleins wieder, wie sie in den kleinern Außenposten und abgelegenen Gemeinden sich noch finden und die, aus Bambus und Schilfrohr nach Art der einheimischen Wohnungen errichtet, dem Winde und Wetter offen stehen. Einen Fortschritt bezeichnet die Pfarrkirche von Hoang-Xa, einer 1886 gegründeten Gemeinde von rund 1000 Seelen, gleichfalls in Ober-Tongkina. Sie weist dem einheimischen Geschmack sich anpassend den Stil einer einfachen Bergpagode auf und ist nur durch das hoch aufragende Kreuz als christliches Gotteslpus erkenntlich. Im Allgemeinen zieht man es jedoch vor, auch durch die mehr oder fast ganz europäische Stilart auch schon äußerlich den scharfen Gegensatz zum heidnischen Tempel zu betonen. Reicher und kostspieliger sind die Kirchen der älteren Missionen in den übrigen Vicariaten von Tongking und von Cochinchina. Das Gotteshaus von Ngo-Keh. Süd-Tongking, ist noch ein gutes Beispiel der wunderlichen Anpassung des gothischen Stiles an Kathedrale in Saigon. den Geschmack der Einwohner, während die letztes, Jahr vollendete Kirche von Tan-Dinh in West-Cochinchina romanische Formen zeigt. In den bedeutenden, durch bauliche Denkmäler ausgezeichneten Orten, zumal den Hauptstädten, hat die Mission mit Unterstützung der Regierung vielfach prachtvolleCathedralen geschaffen, wie in Phu-Cam in der Nähe von Huie, der Hauptstadt Nord-Cochin-chinas, ferner in Hanoi, der Hauptstadt von West-Tongking u. s. w. Als Perle der hinterindischen Kirchen gilt jedoch die Cathedrale von Saigon, der Hauptstadt von WestCochinchina, von deren Schönheit unsere Abbildung nur eine unvollkommene Vorstellung gibt. Die Anregung zu diesem Prachtbau ging vom franösischen Admiral Duperrö auö, weshalb auch die Regierung die Baukosten von über 2 Millionen größtentheilö

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übernahm. - Als Architnt wurde M. Bourard von Paris berufen. 1877 legte man den Grundstein, 1880 war das herrliche, im romanischen Stile gehaliene Gotteshaus vollendet. Es mißt in der Länge 92 Meter, hat eine Breite von 35.50 Meter im Transept und eine Höhe von 21 Meter. Die mit einem prachtvollen Geläute von sechs Glocken ausgestatteten Thürme ragen, vom Boden aus gerechnet, 57 Meter hoch empor. Ein Kranz von 5 Capellen umgibt das Chor, 12 Capellen mit den Kreuzwegstationen schmücken die beiden Seiten des Lang-schiffes.

Die Mutter dcö Präsidenten. Aus einer kleinbürgerlichen Familie im südlichen Frankreich stammt Emile Loubet, dem die höchste Würde der französischen Republik, die des Präsidenten, anvertraut worden ist. Das allgemeine Interesse wandte sich naturgemäß alsbald den Angehörigen des neuen Staatsoberhauptes zu, in erster Linie seiner greisen Mutter, deren Bild wir heute, bringen. Madame Loubet ist die Wittwe des früheren Maires von Marsanne, eines Dorfes in der Nähe von Mont?limar, und lebt noch heute Mm. Loubet. mit einer Nichte in ihrem . einfachen Landhause, La Terrasse" . genannt. Loubet's verstorbener Vater war ein einfacher Bauer. Er hat sein kleines Gut immer selber bestellt und auf seinem Grund und Boden seinen Schweiß vergossen, wie der erste beste Ackerknecht. Die Mutter des Präsidenten bewohnt noch heute ihr bescheidenes Besitzthum. Sie zählt 86 Jahre und erfreut sich noch bemerkenswerther Rüstigkeit. Ein Beispiel. Nun, Moritz, kannst Du mir einen Gegenstand nennen, der kein Ende hat?" E' Total - Ausverkauf!" Schöner Gedanke. Kleiner Bruder: Sieh, Hans, wie sich mein Stehaufmännchen aus jeder Lac-.e immer wieder von selbst aufrichtet Studiosus Hans: Donnerwetter, so möcht' ich nach jeder Kneipe construirt sein!" Z u st a r k. Gast: Da schwimmt ja eine Spielkarte auf der Suppe. Herr Wirth . . (entrüstet): und sogar 'n KreuzBauer. Noch nie dagewesen! Herr Lieutenant, ich liebe Sie nicht!" Na, nu' möcht' ich Jesicht von Ben Akiba photographirt sehen!" Herbe Kritik. Symbolist: Nun. Herr Professor, was sagen Sie zu meinem Bild?" Medizinalrath: Ja. . hm. . wünschen Sie ein ärztliches Gutachten?" .Darum. Kennen Sie den Herrn da oben in der Loge?" Ja, das ist der Kommerzienrath Protzinger, der sich vor kurzem noch verheirathet hat Noch auf seine alten Tage!?" a, schaun S', wie könnt' er ohne Frau Zonst alle seine Diaten zeigen!-'.. . j . '

Aufmunterung.

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Studiosus: Wenn ich Ihnen jetzt einen Kuß geben 'würde?" Hübsche Köchin (eine Menge Teller in den Händen): O, ich habe noch nie Teller fallen lassen." Nach der Hochzeitsreise. Nun, Männchen, wie findest Du meinen ersten Versuch im Kaffeemachen ... ist er nicht heiß genug?" O, im Gegentheil heiß ist er schon ... aber.." Was aber?" Ach ... ich meinte ... ich wollte sag.n ... ich war mir nicht recht klar, ob es Kasfee oder Thee ist!" r Galgenhumor. no Strolch (dem Gefängnißwärter, der ihm eine Zelle aufschließt, ein Trinkgeld in die Hand drückend): Bitte sorgen Sie dafür, daß ich allein bleibe!" Denken Sie sich, Fräulein Irma, mir träumte heute Nacht, daß ich mich wegen unglücklicher Liebe zu Ihnen erschießen wollte!" Ach so sprechen Sie doch mit Mama!" Nein, nein das ließ ich mir nicht träumen . . .! - ! Kleine Verwechslung. Ein Major hat im Theater mit seinen Damen eben die Loge betreten und vermißt sein Opernglas. Donnerwetter, Fritz!" sagt er zu seinem Burschen, ich habe mein Glas vergessen hol' es mir sofort!" Zu Befehl, Herr Major!" Nach einer Viertelstunde erscheint Fritz athemlos in der Loge und stellt mit den Worten: I' han's glei' fülla lassa, Herr Major!" das mit schäumendem Gerstensaft gefüllte Stammglas des Herrn Major auf die Brii stung der Loge. Offenherzig. Wie lange studiren Sie schon?" Studiosus: Sett acht Semestern trage ich mich mit der Absicht." Recht empfehlend. Hat der Herr, den Sie mir als Schwiege?söhn empfehlen, auch keine Schulden?' Da können Sie ruhig sein kern . 4.1 -- x 1 l.i.l ,j

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