Indiana Tribüne, Volume 22, Number 193, Indianapolis, Marion County, 2 April 1899 — Page 3
MgeMSchlm.
Vornan von Llrthur Zapp. (12. For!setzung.) Dietrich stand noch immer in tiefster Erregung vor dem Kaufmann, der ge müthlich' in seinem bequemen Sessel -ruhte. Die Glut flammender Empörang stieg dem in seinem heiligsten Recht sich gekränkt fühlenden jungen Manne in die Wangen und mit, einer unbeugsamen Energie, die an dem Ruhigen, Nachgiebigen etwas ganz Außergewöhnliches war, erklärte er: Nein, nie werde ich Ihnen hierin nachgeben, Mr. Bradley. Und mag der Herr auch noch so befähigt sein, meine Erfindung liefere ich ihm unter keiner Bedingung aus. Es thut mir leid, wenn Ihnen daraus Schwierigkeiten erwachsen sollten, aber ich kann nicht anders. Mir, gab der Kaufmann in voller Seelenruhe zurück, mir können keinerlei Schwierigkeiten erwachsen, denn als ich die neue Abmachung mit demHerrn, von dem ich Ihnen sprach, einging, stützte ich mich auf das mir von Ihnen ausdrücklich ' eingeräumte Recht, Mr. Henning. Aber ich gab Ihnen dieses Recht doch nur für den Fall meines Todes. Für den Fall Ihres Todes, der als erwiesen betrachtet werden sollte, wenn Sie sich drei Monate nach der Rückkehr des De Kalb Regimentes auf meiner Office nicht wieder eingestellt haben würden. Ihr Regiment rückte Anfang Mai in New Fork ein, heute aber haben wir den 7. September. Wie was? rief Dietrich Henning erstaunt. Drei Monate nach der Rückkebr des De Kalb - Regiments? Gewiß, bestätigte Mr. Bradley. So heißt es in unserm Vertrag. Erinnern Sie sich denn dieser Bestimmung nicht? Der überraschte junge Mann faßte sich an die Stirn und sann. Ich nein, stammelte er, ich erinnere mich nicht. Der Kaufmann erhob sich und trat an den in einer Ecke des Zimmers stehenden eisernen Schrank. Einer großen Ledermappe, die sich unter den im Tresor aufbewahrten Werthgegenständen befand, entnahm er ein einfach zusammengefaltetes Blatt Papier, mit dem er jetzt zurückkam. Bitte, überzeugen Sie sich selbst, sagte er, und reichte das Schriftstück dem jungen Manne. Dietrich Henning überflog das Blatt mit flimmernden Augen. Und dann, mit aller Gewalt seine Aufregung zurückdrängend, las er noch einmal jeden einzelnen Paragraphen der seinerzeit zwischen ihm und seinem Chef getroffenen Abmachung langsam und bedachtig und prüfte jede Zeile, jedes Wort mit voller Genauigkeit. Es war kein Zweifel: das war der Vertrag, den Mr. Bradley aufgesetzt und den er unterschrieben hatte. Der betreffende Paragraph lautete genau, wie Mr. Bradley es soeben angegeben ' hatte. Und nun fiel es ihm schwer auf die Seele, daß er damals das wichtige Schriftstück nur flüchtig, zerstreut gelesen hatte. Dem verhängnißvollen Paragraphen aber hatte er wohl kaum fr gendwelche Wichtigkeit beigemessen, sonst hätte er ihm nicht so völlig aus vem Gedächtniß schwinden können. Er war so bestürzt und betroffen, daß er ganz blaß wurde und daß er rathlos, wortlos bald auf das in seiner Hand zitternde Papier, bald auf Mr. Bradley blickt. Aber was was wird denn nun werden? entrang es sich endlich seiner schwer athmenden Brust. Der Kaufmann zuckte die Achseln, nahm das inhaltschwere Blatt, faltete es sorgsam und brachte es an seinen Versteck zurück. Ja, Mr. Henning, .sagte er zurückkehrend. Es wird Ihnen nun wohl wieder nichts übrig bleiben, als sich in die Sachlage zu finden. Mr. Bradley nahm wieder behaglich aus seinem Sessel Platz und lud auch seinen Besuch ein, sich wieder zu setzen. Mit der Miene des wohlwollenden Biedermanns fuhr der Kaufmann alsdann fort: Selbstverständlich bin ich bereit, Sie in gewissem Maße zu entschädigen, obgleich ich ja vertragsmäßig nicht dazu gezwungen bin und obgleich es ja geschäftlich nicht Brauch ist, Zahlungen zu leisten, zu denen man nicht verpflichtet ist. Aber in Erwägung der besondern unglücklichen Umstände und unserer früheren guten Beziehungen will ich mich dazu verstehen, diejenige Tantieme, die ich für den Fall Ihres Todes an die Armen Ihrer Vaterstadt abzugeben hätte, zu verdoppeln, hören Sie, Mr. Henning, zu verdoppeln und an Sie zur AusZahlung zu bringen. Nun, Mr. Henjung, sind Sie mit mir zufrieden? Aber Dietrich Henning machte nur eine heftig abwehrende Bewegung. Der Geldpunkt ist für mich nicht die Hauptsache! rief er aufgeregt. Mir kommt es in erster Linie darauf an, daß meine Erfindung nicht verpfuscht wird, daß ich mein Werk selber zu Ende führe. Das ideale Interesse an meiner Arbeit steht mir weit, weit höher als das materielle. Der Kaufmann warf einen hastigen, verstohlenen, mißtrauisch .forschenden Blick nach seinemBesuch hinüber; dann zuckte ein kaum merkliches Lächeln um seine schmalen Lippen, das nichts weNiger als Bewunderung ausdrückte. Dietrich Henning beugte sich weit vor auf seinem Sitz; seine A?zaen richteten sich voll Spannung auf seinen ehemaligenChef, während er einem ihm durch den Kops zuckenden Gedanken Ausdruck gab: Und wenn Ihr Vertrauensmann nun mit der Arbeit nicht zustande kommt, Mr. Bradley? ' Der Kaufmann heuchelte eine unbesorgte Miene und gab sich den Aus-
druck eines seiner Sache sicheren Mannes. Er wird, Mr. Henning, er wird! Ich sagte Ihnen ja schon: ein feiner Kopf! Erst gestern hatte ich mit ihm eine Besprechung. Die Idee, auf welchem Wege der völlig synchrone Gang der Walzen zu erzielen ist, hat er schon gefunden und in ganz kurzer Frist wird er mir das endgültige Resultat seiner Versuche mittheilen. Dietrich Henning schüttelte jedoch ungläubig mit dem Kopf. Ich möchte wohl wissen, rief er hitzig, in welcher Weise Ihr Vertrauensmann die Schwierigkeit, an der ich seiner Zeit scheiterte, beseitigen will. Gespannt erwartete der Erfinder die Antwort des Kaufmanns. Mr. Bradley lächelte in sich hinein. Der gute Henning war wirklich naiv, wenn er glaubte, ihn überlisten zu können. Die Achseln zuckend erwiderte er ernst, mit der Miene des gewissenhaften, rechtschaffenen Mannes, der sich seiner Verpflichtungen wohl bewußt ist: Darüber bedaure ich Ihnen keine Auskunft geben zu können, Mr. Hcnning. Das ist noch das ausschließliche Geheimniß des Erfinders. Dietrich Henning fuhr mit einer Geberde der Verzweiflung mit der Hand durch sein Haar. Und Ihre Abmachung mit dem Herrn ist derart, daß Sie an ihn gebunden sind? fragte er. Kann ich denn den Vertrag nicht einmal sehen? Mr. Bradley verneinte mir einer entschiedenen Geberde. Ich bedaure abermals, Mr.' Henning. Das würde meinen geschäftlichen Grundsätzen widersprechen. Sie müssen sich schon an meiner Versicherung genügen lassen. Aber der Sprechende sprang ungestüm auf de? Herr wird, er muß zurücktreten, wenn er erfährt, daß ich, der Erfinder des Apparats, wieder da bin. Mr. Bradley zuckte wieder mit den Achseln. Das glaube ich nicht, Mr. Henning. In jedem Fall wird er die Tantiöme in Anspruch nehmen, die ihm Vertragsmäßig zugesichert ist. Und Mr. Henning, das werden Si: doch selbst einsehen: ich kann Ihnen doch nicht den vollen Erfinderantheil auszahlen und dem anderen auch. Was bliebe denn da für mich? Wieviel hat er denn zu verlangen? Der Kaufmann lächelte und erklärte trocken und bestimmt: Darüber zu einem Dritten zu sprechen, würde ebenfalls meinen Grundsätzen zuwiderlausen. Dietrich Henning ging aufgeregt in dem Zimmer auf und ab. Die Gedanken überstürzten sich in seinem Gehirn. Das. was ihm da zuzemuthet wurde, war einfach unmöglich. Er sollte zusehen, wie jemand sein Werk fortsetzte und in seiner Weise zum Abschluß brachte, während er seine eigene Idee, die dem Apparat die Vollkommenheit geben würde, unterdrücken sollte!. . . . Wie, wenn er trotzdem wenn er sich an einen anderen Fabrikanten wandle, mit dem er gemeinsam seine Idee zur Ausführung brachte? Es schauderte Un jungen Mann und ein schwerer Seufzer rang sich von seiner bedrängten Brust los. Nein! Unehrenhaft und wortbrüchig zu handeln, das würde er nie fertig bringen. Er hatte sich Mr. Bradley verpflichtet. Der Vertrag lautete klar und bestimmt, und wenn er nun in diese schwierige Lage gerathen, so war es seine eigene Schuld und höchstens die der besonderen unglücklichen Umstände, die er nicht vorausgesehen hatte. Mr. Bradley war vollkommen in seinem Recht und seine, Hennings, Pflicht war es, das Recht des anderen zu respectiren. Wenn der andere nun mit dem Apparat nicht zustande kam und Henning mit Hülfe eines Concurrenten seine Erfindung in einer etwas veränderten Weise zur Ausführung brachte, hatte er, Bradley, dann nicht das Nachsehen? Ein gerichtlicher Prozeß war jedenfalls ein langwieriges umständliches Ding und man wußte nie, was dabei herauskam. Darum war es jedenfalls das Gerathenste, sich mit dem ursprünglichen Erfinder des Copirtclegraphen zu einigen. Der andere arme Teufel würde sich mit einer kleinen Summe abfinden lassen, um so mehr, als er ja bisher ohne Ergebniß gearbeitet hatte und selbst im Zweifel fein mußte, ob er überhaupt je ein brauchbares Resultat erzielte. Es hieß nur noch, Hennings Lage klüglich benutzen und möglichst günstige Bedingungen von ihm herauszuschlagen. Der Kaufmann sah beobachtend zu dem jungen Mann hinüber, der mitten im Zimmer stand, die Stirn in Falten, stumm brütend zu Boden starrend. Er erhob sich von seinem Sessel, trat an den anderen heran und sagte, ihm wohlwollend die Hand auf die Schulter legend: Sie werden einsehen, mein lieber Mr. Henning, daß Sie sich in das Unabänderliche fügen müssen. Wir befinden uns beide in einer Zwangsläge. Ich bedaure ja selbst, daß ich nun gezwungen bin mit anderen zu arbeiten. Aber kann ich denn anders? Dietrich Henning aber schüttelte heftig mit dem Kopf, ergriff mit leidenschaftlichem Ungestüm die Hand des Kaufmanns und drang mit dem Eifer der Verzweiflung in ihn: Ich bitte Sie, ich beschwöre Sie, Mr. Bradley, er.nöglichen Sie mir, mein Werk selbst zu Ende zu führen. Ich bin zu jedem Opfer bereit. Ja, Mr. Henning, wie denken. Sie sich das? Der andere wird von seinen Ansprüchen nicht ein Jota ablassen. Meinetwegen mag er seinen vollen Antheil von den Erträgen der Erfindung erhalten, wenn er nur darauf verzichtet,' mir seine Hülfe aufzudrüngen, wenn er mir nur freie Hand läßt. Aber Sie. Mr. Henning ! Ich begnüge mich mit dem, waö Sie rni 'iwillig gewähren, Mr. Bradley.
Der Kaufmann strich überlegend an seinem Bart, zuckte mit den Achseln, heuchelte eine Miene der Rathlosigkeit und des Bedauerlls und drehte und wand sich, als befände er sich in der allerunglücklichsten Lage von der Welt, die ihn zwang, gegen sein eigenesWünschen und Wollen zu handeln. Ja, mein lieber Mr. Henning, erklärte er endlich, als Geschäftsmann, der für sein Ristco auf eine Entschädigung und für sein Capital doch eine bestimmte Verzinsung beanspruchen muß, kann ich wirklich nicht mehr bewilligen, als ich schon angeboten habe, das Doppelte der Tantieme, die wir in unserem Vertrag für die Armen Ihrer Vaterstadt für den Fall Ihres Todes ausgesetzt haben Ich thue da schon ein Uebriges und handle eigentlich gegen mein Interesse und gegen mein kaufmännisches Gewissen. Gut! Ich willige ein, Mr. Bradley. Aber Ihr Antheil würde dann nur zehn Procent vom Gewinn betragen, Mr. Henning. Der Deutsche zuckte mit den Achsein. Ich habe keine Wahl, sagte er. Soll ich lieber verzichten, meine Erfindung zur Ausführung zu bringen, soll ich meine Idee unterdrücken und meineArbeit durch einen anderen verpfuschen lassen? Ich will doch, daß das, was ich ersonnen und erdacht habe, auch Gestalt annimmt und sich bewährt. Denken Sie doch, Mr. Bradley. das Bewußtsein: du hast der Menschheit einen Dienst erwiesen, du hast der Entwicklung der menschlichen Cultur einen Schritt vorwärts geholfen! Die Augen des Erfinders leuchteten schwärmerisch und von seinem strahlenden Antlitz sprach alles eher als Bedauern oder gar Schmerz. Mr. Bradley aber sah den Erfinder an, wie man eine wunderbare, nie gesehene. merkwürdige Erscheinung betrachtet. Dann zuckte er still mit den Achseln und kehrte zu seinem Sessel am Schreibtisch zurück. DieStimmung des seltsamen Menschen da, der Rausch oder war es sonst was, mußte benutzt werden, um die Sache unwiderruflich zu machen und den errungenen großen, fast unglaublichen Vortheil ein für allemal sicher zu stellen. Ein neuer Vertrag war rasch entworfen. Dietrich Henning las und unterzeichnete aufathmend, freudestrahlend, als sei er es, der einen großen Gewinn errungen hätte und der nun am Ziel seiner höchsten Wünsche stände.
22. Erst draußen vor der Thür kam Dietrich Henning das Bewußtsein, daß er in einer anderen wichtigen Frage, die für seine ganze Zukunft fast ebensoviel Bedeutung hatte wie seine Erfindung, noch vollkommen im Unklaren war. Der Eifer des Gesprächs, ' die Angst um das Werk seines Erfindergeistes hatte die Frage ganz in. den Hintergrund gedrängt, die ihm während der Heimreise beständig auf den Lippen geschwebt hatte: Was war mit Carrie Bradley geschehen? War sie Mr. Cunninghams Frau geworden? Sollte er jetzt umkehren und noch einmal zu Mr. Bradley hinaufgehen? Rein! Am besten er begab sich geradenWegs nach Madison Square, nach Mr. Bradleys Privatwohnung. Von Harry oder von Carrie selbst wollte er sein Schicksal erfahren. . Aber da hatte er plötzlich, nachdem er ein paar weitere Schritte gethan, eine Begegnung, die bewirkte, daß sein Fuß plötzlich stockte und daß ihn ein heimliches Frösteln überlief. Mr. Cunningham kanr ihm entgegen, in Haltung und Mienen noch ganz der Alte. Das Herz krampfte sich dem Deutschen schmerzhaft zusammen bei' dem Anblick des Mannes, gegen den ein unwillkürlicher Haß in ihm emporglomm. Auch der Procurist der Firma George C. Bradley. blieb unwillkürlich stehen, als er Dietrich Henning, den er längst unter den Todten wähnte, plötzlich, ganz unerwartet sich gegenüberstehen sah. Er riß seine Augen weit auf; Schrecken, Bestürzung und Zweifel malten sich in dem geldlichen, mageren Gesichte. Und als ihn nun der sich ihm Nähernde grüßte ernst gemessen, da verzerrte ein zwiespältiger Ausdruck das Gesicht des entsetzten Joshua Cun ningham, der sicherlich auf den anderen komisch gewirkt haben würde, wenn sich dieser nicht in einer jeder humoristischen Anwandlung sehr fernen Stimmung befunden hätte. Der Procurist raffte sich endlich zu ein paar Worten auf. Also wirklich Sie sind es? sagte et mit einem gezwungenen Lächeln. Er kannte sie wahrhaftig im ersten Augenblick nicht. Oder vielmehr glaubte, daß mich nur eine Aehnlichkeit täusche. Ra, freue mich um so mehr, daß Sie von denTodten auferstanden sind, mein lieber Mr. Henning, freue mich wirklich außerordentlich. Joshua Cunningham beherrschte seine Gefühle sogar so weit, daß er dem anderen seine Hand entgegenstreckte, in die Henning die seine nur widerstrebend, mit einem inneren Fröstein legte. Aber woher in aller Welt kommen Sie denn, Sie lanast Verschollener. Todtgeglaubter? fragte Joshua Cunningham. Dietrich Henning gab eine kurze Er klärung. Das Herz hämmerte ihm hörbar in der Brust. Er mußte seine ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um sich seine fiebernde Erregung nicht, merken zu lassen. Und wie geht es Ihnen, Mr. Cunningham? brachte er endlich hervor. Der. Gefragte schmunzelte. Danke, entgegnete er mit seiner verkindlichsten Miene. Die Geschäfte ließen gerade in den letzten Jahren nichts zu wünschen übrig, und da mir Mt. Bradley einen Antheil am Gewinn der Firma eingeräumt hat, so kann ich wirklich nicht klagen. . . -
Joshua Cunningham machte eine kleine Pause. Dietrich Henning konnte ein leises Zusammenzucken nicht unterdrücken. Und sonst? stieß er hervor, den Athem anhaltend, mit stockendem Herz
Nun sagten Sie mir nicht einmal, daß Sie sich entschlossen hätten, zu heirathen? Ein Lächeln umspielte die schmalen Lippen Joshua Cunninghams. Allerdings! bestätigte er. Zu Ende des Jahres werde ich endlich Ernst machen. Wir wollten erst den Frieden und völlig ruhige, gesicherte Zustände abwarten, meine Braut und ich. Es kostete Dietrich Henning eine fast übermenschliche Anstrengung, um seine Haltung zu bewahren und sich nicht merken zu lassen, ein wie heftiger Sturm in seiner Seele tobte. Er hatte das Gefühl, daß Joshua Cunninghams Augen forschend, erwartungsvoll auf ihm hafteten und daß es wohl schicklich sein würde, mit ein paar beglückwünschenden Worten seiner Anthcilnahme Ausdruck zu geben. Aber es war ihm unmöglich, einen . Glückwünsch über die Lippen zu bringen. Er zwang sich nyr die höflich laue Bemerkung ab: Da haben Sie ja lange warten müssen, Sie und Miß Bradley. Ihre Braut befindet sich doch wohl? Haben Sie sie noch nicht gesprochen? fragte Joshua Cunningham etwas hastig und sah den ihm Gegenüberstehenden abermals mit seinen spähenden, durchdringenden Blicken an. Nein. Aber ich werde nicht verfehlen. Miß Bradley noch heute oder morgen meine Aufwartung zu machen. Und nun will ich Sie nicht länger aufhalten, Mr. Cunningham. Dietrich Henning athmete auf, als er endlich aus dem Bereiche dieses Menschen war, den er haßte, wie sonst niemand auf der Welt und den er doch beneiden mußte mit allen seinen Sinnen. Seinen Besuch in der Bradleyschen Privatwohnung schob' der Heimgekehrte vorläufig auf. In der Stimmung, in die ihn die Begegnung mit Joshua Cunningham versetzt hatte, wäre es ihm unmöglich gewesen, Carrie Bradley in der ruhigen, correcten Haltung, die er gerade ihr gegenüber an. den Tag legen mußte, zu begegnen. Freilick, die Pflicht der Höflichkeit und der Zwang der conventionellenSitte nöthigten ihn, sich des unumgänglichen Besuchs am nächsten Tage zu entledigen. Die vier Jahre seit er sie nicht gesehen, waren nicht spurlos an Carrie Bradley vorübergegangen. Ihr Teint war blasser geworden, ihr Antlitz hatte einen noch ernsteren, geistig reiferen Ausdruck, als er der einzigen Tochter Mr. Bradleys schon früher eigen gewesen. Wie ein Hauch von Schwermuth lag es auf den fein gezeichneten Zügen, denen für einen Seelenkundigen deutlich aufgeprägt war. daß die Besitzerin derselben seelisch viel erlebt und durchlitten haben mußte. Freilich, als jetzt Herr Dietrich Henning ihr entgegentrat, breitete sich ein zarter, rosiger Schimmer über das ganze Gesicht und aus den seelenvollen braunen Augen leuchtete ihm ungeheuchelte warme Herzlichkeit entgegen. Sie standen sich eine Weile wortlos gegenüber, Hand in Hand, beide, wie es schien, gleich tief ergriffen. Sie war es, die zuerst ihre Gemüthsbewegung soweit zu beherrschen wußte,, daß sie ihren Empfindungen in einigen Worten Ausdruck zu geben vermochte. Papa hat mir erzählt, was Sie überstanden, was Sie alles erlitten haben. Desto herzlicher begrüße ich Sie nun, desto größer ist meine Freude, daß Sie allen Gefahren glücklich entkommen sind, daß Sie nun wieder zu Haufe, daß Sie wieder bei uns sind. Ihre Stimme zitterte, ihre Augen schwammen in feuchtem Glanz. Dietrich Henning hatte das energische, willensstarke junge Mädchen nie so weich gesehen mit einer einzigen Ausnähme. Die Erinnerung an die Abschiedsscene, die sich vor vier Jahren zwischen ihnen beiden abgespielt hatte, tauchte unwillkürlich in ihm auf. Auch damals war sie ihm mit derselben Innigkeit, mit demselben warmen Gefühl begegnet. Er beugte sich über ihre Hand und rang nach Worten. Ein heißerSchmerz durchfuhr ihn. Aber er brachte es doch endlich über sich, ein paar conventionelle banale Worte zu stammeln. Ich danke Ihnen. Miß Bradley, Sie sind sehr liebenswürdig. Sie sah ihn erstaunt an, wie es schien ein wenig enttäuscht. Plötzlich zuckte ein leichtes Lächeln über ihr Ge stcht. Sie sprachen mit Harry? Nein, Miß Bradley. Aber mit Mr. Cunningham? , Ja, stieß er heraus, während er instinctiv sein Gesicht abwandte, auf das sich ein Schatten senkte. Und mit einer übermenschlichen Anstrengung zwanger sich, zu sagen: Gestatten Sie mir meinen aufrichtigsten Glückwunsch zu Ihrer bevorstehenden Heirath mit Mehr brachte er nicht heraus. Erzählte Ihnen Mr. Cunningham davon? fragte sie. Ja. Miß Bradley. Ihre Augen strahlten klar und energisch und ihre Stimme hatte einen festen, entschlossenen Klang, während sie fast hastig erklärte: Mr. Cunningham ist allzu vorschnell gewesen, als er Ihnen von einer Heirath mit mir als von einer feststehenden Thatsache gesprachen hat. Ich habe ihm nur zugcsagt, daß ich. wenn ich mich überhaupt noch zu heirathen entschließen könne, seine Frau zu werden bereit sei, weil Papa es wünschte, weil ich ihn mit Harry dadurch zu versöhnen gedachte und weil ich annahm : Sie brach plötzlich ab, während eine flammende Räthe in ihrem Gesicht auf-pieg.
In grenzenloser Ueberrafchung blickte Dietrich Henning auf; mil allen seinen Sinnen hörte er ihr zu, in athemloser Spannung. Carrie that einen tiefen Athemzug. Nie werde ich Mrs. Cunningham werden, nie! rief sie. Und mit einem Lächeln, aus dem halb Befangenheit, halb Schelmerei sprach, fuhr sie fort: Ich werde mich überhaupt nicht mehr verheirathen. Ich bin schon sechsundzwanzig Jahre alt. Außer Mr. Cunningham, den wohl nur geschäftliche Gründe leiteten, wird mich ja auch Niemand mehr mögen. Dietrich Henning fühlte sein Herz mit einer Heftigkeit in seiner Brust pochen, daß ihm bald die Sinne vergingen. Von Carries Antlitz strahlte ihm ein so bezwingender, hinreißender Ausdruck entgegen, daß er seine Bewegung nicht mehr zu beherrschen vermochte, daß er vollends in Ekstase gerieth. Wie im Taumel handelte er. als sich jetzt seine Arme gegen sie ausstreckten und als der jauchzende Ruf: Carrie! über seine Lippen trat. . Was sich in den nächsten Secunden ereignete, davon konnte er sich auch sp'äter bei ruhiger Gemüthsverfassung keine klare Rechenschaft geben. Er wußte nur. daß Carrie plötzlich an seiner Vrust ruhte und mit selig verklärten Augen zu ihm emporlächelte. Und dann hielten sie sich umschlungen, lang?, lange, ohne ein Wort zu sagen, einander tief, tief in die Augen schauend, bis plötzlich die ihren überströmten und sich ihr Glücksgefühl, das ihr beinahe das wildklopfende Herz zersprengte, in einem erlösenden, krampfhaften Schluchzen Luft machte. Da beugte er sich herab zu ihr und flüsterte ihr besänftigende, süße, kosende Liebesworte zu, bis sie ihm, sich zu ihm emporreckcnd, unter Thränen lächelnd, ihre Lippen zum ersten, flammenden Liebeskuß bot. Joshua Cunninghams ohnehin nicht liebliches Gesteht verzog sich zu einer so häßlichen Grimasse von Wuth, Zorn und Haß, daß er selbst vor sich erschrak, als sein Blick zufällig in den Spiegel fiel. Ein Brief, den er soeben mit der Morgenpost erhalten und den er hastig, in sich schnell steigender Erregung durchflogen, war es, der diese Wirkung hervorbrachte. Die festen, klaren Schriftzllge des mit einem wilden Fluch auf den Fußboden geschleuderten Briefchens rührten von Carrie Bradleys Hand her und der Inhalt war eine offene, ehrliche Mittheilung von dem, was sich gestern Nachmittag zwischen ihr und Dietrich Henning zugetragen hatte. Der arme Joshua Cunningham! Die Millionen, die er schon als Carriz Bradleys Mitgift und Erbe in seinem Besitze wähnte, geronnen ihm unter d;n Händen. Sein Acrger, feine Aufrcgung war so grvß, daß er eine volle Stunde später in den Geschäftsräumen erschien als gewöhnlich. Und seine Zerstreutheit war so auffällig, daß Mr. Bradley, der allerlei geschäftliche Ding? mit seinem Procuristen besprach, schließlich sich ärgerlich unterbrach mit der Frage: Aber was haben Sie denn nur, Cunningham? Sie hören mir ja gar nicht zu! Mir geht eben etwas durch den Kopf, antwortete der Gefragte. Was fangen wir nun mit Mr. Henning an? Seine Stellung ist besetzt. Mr. Bradley räusperte sich, schlug behaglich ein Bein über das andere mit der Miene eines Menschen, der mit sich selbst außerordentlich zufrieden ist. Sie bringen mich da auf ein Thema, antwortete er, das ich ohnedies noch heute mit Ihnen besprochen hätte. Ich habe nämlich mit Mr. Henning eine Abmachung, vorläufig privatim, die ich aber auf unsere Firma übertragen will. Und er berichtete nun ausführlich über den von Henning erfundenen Copir - Telegraphen und von feinen VerHandlungen mit Henning. Er legte den zwischen dem Erfinder und ihm geschlossenen Vertrag vor, der ihm fast den ganzen Ertrag aus der Ausbeutung der Erfindung sicherte, und er gab auch dem aufmerksam Zuhörenden, von dem mit einem Male alle Zerstreutheit gewichen war, mit der schmunzelnden Selbstzufriedenheit, die ihn erfüllte, eine offenherzige Darstellung der klugen Schachzüge, mit deren Hilfe er dem Erfinder den Hauptantheil an dem voraussichtlichen Gewinn abgelistet hatte. Ein Lächeln grimmiger Genugthuung zuckte um Joshua Cunninghams Lippen und aus seiner haßerfüllten, schadenfrohen Brust rang sich der Ausruf empor: Der Dummkopf! Dann erhob er sich und streckte seinem Chef aufrichtig bewundernd seine Hand entgegen. Großartig, Mr. Bradley! sagte er. Das war eine Meisterleistung. Sie sind der genialste Kaufmann, den ich je in meinem Leben kennen gelernt habe. Und dann, eilfertig seinen Hut vom Nagel nehmend, schloß er: Sie entschuldigen mich jetzt. Ich habe noch vor dem Lunch eine dringliche Privatbesorgung. Stracks nach Madison Square begad sich Jofyua Cunninghc.'m und ließ sich bei Carrie Bradley melden. Dem Procuristen und Vertrauensmanne ihres Vaters mußte Carrie schon so viel Rücksicht erweisen, ihm noch eine letzte persönliche Auseinandersetzung zu gewähren, obwohl doch auch für ihn nichts dabei herauskommen konnte, als höchstens Aerger und Aufregung. Aber Joshua Cunningham trat ihr statt mit Vorwürfen und Protesten mit seiner sanftesten, demüthigsten Miene entgegen. Er machte gar keinen Versuch, sie zu seinen Gunsten umzustimmen, sondern er erklärte mit großer Selbstverleugnung: Ich bescheide mich, ich füge mich Ihrem Willen, Miß Bradley; ich weiß ja, daß ich Ihrer nicht werth bin, obwohl Sie keinen
Menschen finden werden, der Sie mehr verehrt, der-sich mehr bestreben würde, Ihnen zu dienen und Ihnen das Leben angenehm zu machen. Aber ich halte es sür meine Pflicht, schon als Freund der Familie, Sie. zu warnen. Ich kann nicht ruhig zusehen, wie Sie Ihrem Verderben entgegengehen. Mr: Henning hat ja gewisse Eigenschaften, die eine junge Dame bestechen mögen. Aber ich hatte nie geglaubt, daß auch Sie Miß Bradley, sich von Äußerlichkeiten dermaßen beeinflussen lassen, daß Sie über alles Andere hinwegsehen. Ueber alles Andere? fragte Miß Carrie und zog ihre Augenbrauen zusammen. Nun ja, fuhr der Procurist fort, und seine wahren Gefühle durchbrachen die angenommene Maske des Biedermannes und wohlrathenden Freundes, er ist ein Träumer, ein unreifer Kopf, ein Mann, der nicht im Stande ist. für sich selbst zu sorgen, und dem das Leben noch übel mitspielen wird. Es fehlt ihm Alles, um vorwärts zu kommen: Energie, klarer Blick, Klugheit Carrie Bradley' unterbrach den Sprechenden mit einer stolzen Handbewegung. Ein feines, ironisches Lächeln schwebte um ihre Lippen. Ich danke Ihnen. Mr. Cunningham, sagte sie. Es war mir zwar interessant, Ihre Auffassung von dem Charakter meines zukünftigen Gatten kennen zu lernen. Ich habe mir aber mein eigenes Urtheil gebildet und sie richtete sich stolz empor und ihre Mienen nahmen einen kalten, abweisenden Ausdruck an deshalb will ich Sie nicht bemühen. Ich brauche wirklich Niemandes Rath in dieser wichtigsten An gelegenheit meines Lebens. Joshua Cunningham biß sich in stillem Ingrimm auf die Lippen. In seinen Augen züngelte zwar immer noch die Flamme des Hasses und der stillen Wuth, aber er bemühte sich im Uebrigen, wieder den Ton und die Haltung des selbstlosen Menschenfreundes anzunehmen. Ich wie werde ich mir denn erlauben, Ihnen einen Rath aufzudrängen. Miß Äradley! vertheidigte er sich. Ich weiß ja, daß Sie allein zu urtheilen im Stande sind. Aber ich befürchte, es fehlte Ihnen noch bisher an der richtigen Gelegenheit. Es ist ja bekannt, daß Mann und Frau einander erst in der Ehe kennen lernen, das heißt, wenn es zu spät ist. Ich will mir ja nur erlauben, Ihnen bestimmte Thatsachen mitzutheilen. Das halte ich, wie gesagt, für meine Pflicht. Sie mögen dann selbst urtheilen. Thatsachen? fragte Carrie und sah den ihr Gegenüberstehenden argwöhnisch an. Wirklich nur Thatsachen, Mr. Cunningham? Nur Thatsachen. Miß Bradley. deren Richtigkeit Mr. Bradley, Ihr Vater, Ihnen bestätigen kann. Carrie Bradley sah ein paar Augenblicke nachdenklich, zögernd zu Boden. Dann erhob sie in plötzlichem Entschluß ihre Augen, deutete auf einen in der Nähe des Procuristen stehenden Stuhl und nahm selbst Platz. Nun, dann thellen Sie mir, bitte, Ihre Thatsachen mit, Mr. Cunningham! forderte sie ihn auf. Ueber Joshua Cunninghams Züge flog ein hämisches, triumphirendes Zucken. Er setzte sich und begann nun, zu berichten von der Erfindung Dietrich Hennings und von dem Vertrage, den er als Erfinder mit Carries Vater geschlossen. Er rühmte dabei die Gewandtheit, die außerordentliche Klugheit und Geschicklichkeit, die Mr. Bradley bei dem ganzen Geschäft bewiesen habe, und schilderte die kindliche Unbeholfenheit des Erfinders in den schwärzesten Farben. Sie werden selbst einsehen. Miß Bradley, schloß er, daß Sie mit einem solchen Manne an den Bettelstab kommen müssen. Ein Mann, der so wenig seinen Vortheil wahrzunehmen versteht, der so blind und unerfahren im Leben herumtappt, wird es niemals zu etwas bringen, mag er beginnen, was er will. (Schluß folgt.)
Probe. Du kannst Künstler sein welcher Richtung Du willst zweifelst Du an Deinem Werke, so trinke Dir einen tüchtigen Rausch an gefällt Dir dann im Kater Dein Werk noch dann ist es etwas!" Ganz einfach. Sie: Du, sag' mal, Robert, warum werden denn die Männer in den modernen Ehen immer gröber?" Er: Weil sie es mit Frauen zu thun haben, die immer feiner werden." Vorschlag. Vertheidiger (nach der Verhandlung): Jetzt habe ich Sie schon zum dritten Mal wegen Diebstahl freigekriegt, Huber!" Angeklagter: Ja, wir sollten halten Compagniegeschäft aufmachen, Herr Doctor!" Nobler Bräutigam. Braut: Sagen Sie meinem Bräutigam für das schöne Bouquet besten Dank und hier haben Sie fllr's Ueberbringen einen Thaler vertrinken Sie ihn aber nicht gleich." Diener: I bewahre, die Blumenverkäuferin, die den kriegt, steht ja schon vor der Thüre." Er kennt sie. Frau (zum Manne, der schon zum wiederholten Male spät aus dem Wirthshause heim kommt): Du, Mann, wenn mir einmal der Geduldsfaden reißt, so . . ." Mann (schmeichelnd): Sei ruhig, mein Kind, wenn er reißt, so lasse ich ihn von der Kleidermacherin zusammenknüpfen." Schrecklich. Wäscherin (zu ihrer Nachbarin): Eine Schauspielerin thät' ich an Ihrer Stell' nicht in Logis nehmen! Bei mir hat einmal eine g'wohnt, die hat im Theater die Naive" g'spielt, und mir hat s' daheim einen ganzen Liter selbstang'setzten Calmus-Schnaps heimlich nach und nach ausgesofsen!"
Für die Lüche.
Vlumenkohl-Suppe. Man nimmt eine Staude Kohl, theilt sie in so viele kleine Röschen als thunlich und kocht sie in Salzwasser gar. Alsdann läßt man sie abtropfen und setzt in dem Kohlwasser eine Portion Suppenwurzelwerk cn, welches man ganz weich werden läßt und dann durch ein Haarsieb streicht. Nun macht man von einem Löffel voll Mehl mit Butter Schwitzmehl (nicht braun), verrührt dies mit etwas Bouillon aus Liebig's Fleischextract, fügt ein Eidotter hinzu und vermischt dies mit der Suppe, die man beim Serviren über den in eine Terrine gelegten Blumenkohl gießt. VerloreneEier mitbrauner Buttersauce. Recht frische Eier schlägt man behutsam in' mit Essig versetztes Salzwasser und läßt sie darin anderthalb Minuten kochen, bis . das Weiße sich ringsum zusammengezogen hat, der Dotter aber noch weich ist. Ein Stück Butter wird braun, bis zum Rauchen heiß gemacht, vorsichtig eine halbe Tasse Weinessig dazu gegossen. Salz und Pfeffer, feingehackte Petersilie und etwas Suppenwürze hinzugefügt und die Sauce über die glatt zu geschnittenen Eier gegossen. Kalte Leberpastete. Man wiegt zwei Pfund frische Kalsleber mir sieben Unzen frischem Schweinefleisch sehr fein. Sodann röstet man einige feingewiegte Schalotten (Zwiebeln) in frischer Butter und mengt es zur Leber, ebenso fünf Eidotter, geriebenen Parmcsankäse, einige Eßlöffel voll, einen halben Theelöffel Fleischextract und etwas geriebenes Mundbrot. Zuletzt den Schnee der Eiweiße. Diese Masse füllt man in eine ausgestrichene Form, kocht die Pastete zwei Stunden wie einen Pudding, stürzt dieselbe und servirt sie nach dem Erkalten, etwa ankern Tages, mit einer pikanten Sauce. Hauptsache bei diesem Recept ist, die richtige Dicke der Masse zu treffen und besonders gut altgebackenes Brot zu verwenden. Jrländer Fisch - Stew. Jeglicher frische, gute Fisch eignet sich zu dieser Speise. Er wird gut gereinigt, in Salzwasser gekocht und zum Abtropfen auf ein Sieb gelegt. Dann legt man ihn in eine gut zu verschließende Kasserolle, giebt erst eine gewiegte, in einem Weinglas Olivenöl oder einem Eidick Butter gedämpfte Zwiebel und danach drei hartgekochte, feingeriebene, mit dem Saft zweier Citronen und einem Löffel Mehl verrührte Eigelb über den Fisch, würzt die Speise noch mit etwas Salz und Pfeffer, dämpft sie fünf Minuten und giebt sie dann mit Rahmkartoffeln zur Tasei. Gebackener Sellerie mit Käse. Einige Sellerielnollen schneidet man, nachdem sie gewaschen und geschält, in mehrere Längsstücken und diese wieder, je nach der Größe, dreibis viermal quer durch und kocht sie in wallendem Wasser ungefähr eine Biertelstunde. Nachdem sie abgelaufen, vermischt man die Stücke mit einigen Eßlöffeln geriebenem Parmesankäse (Schweizerkäse thut es auch) und Salz nach Gutdünken, gibt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene, feuerfeste Porzellanform und bedeckt den Sellerie dick mit Käse. In 20 Minuten ist die Speise bei mäßigheißem Ofen gebacken. Bor dem Serviren gießt man eine fein abgeschmeckte braune Sauce beliebiger Art darüber und servirt die Speise heiß. (Übriggebliebene kräftige Bratensauce kann sehr gut dazu verwendet werden.) N i e r e n s u p p e. Man nehme 3 Eßlöffel Mehl, röste dieselben in reichlich guter Butter lichtbraun, lösche sie mit 23 Quart kalter Fleischbrühe ab, würze mit Salz und lasse es eine gute halbe Stunde kochen. Unterdessen häute man 2 frische Scheweinemeren, entferne alles Sehnige aus deniselben und wiege sie so fein, daß sie eine ganz dünne breiige Masse bilden. Ungesühr 5 Minuten vor dem Serviren gebe man die Nieren in die kochende Suppe und lasse dieselben zwei oder drei Mal aufkochen. Das Ganze richtet man über gerösteten Wnßbrotschnit. ten an und würzt nach. UngarischesGulyasch. Gewohnlich bereitet manGulyasch nur aus Rind- oder Kalbfleisch, während das eigentliche Gulyasq des Ungarn aus Rind- undSchweinefleisch besteht. Man nimmt nach Bedarf zu gleichen Theilen schönes Rind- und Schweinefleilch, befreit es von Fett und aller Haut und schneidet dasselbe in kleine, recht regelmäßige Würfelchen. Dann läßt man eine genügende Menge Butter heiß werden, in welcher man eine fein gehackte Zwiebel nebst einer reichlichen Messerspitze voll pulverisirten Paprika gelb rösten läßt. In dieser Butter wird das gemengte Fleisch mit dem nöthigenSalz fest zugedeckt gedämpft und wenn der Saft so ziemlich eingedünstet ist, nach Bedarf etwas heißes Wasser zugegossen, ohne vorher Mehl einzustäuben. Ist das Fleisch gar, so gibt man in der Größe der Fleischstückchen geschnittene Würfelkartoffeln dazu, doch legt man dieselben nur auf das Fleisch, ohne zu rühren, und läßt sie ganz weich werden. Durch das Ausschütten der Speise mengen sich dann schon Fleisch und Kartoffeln von selbst. Man achte aber darauf, daß die Sauce nicht ganz verkocht., sondern muß bis zuletzt ein wenig Wasser nachgießen, serner muß man das Gulyasch serviren, sobald die Kartoffelstüöchen gar sind, damit diese nicht etwa zu einem Brei verkochen. Wirsingsuppe. Meistentheils wird beim Einputzen des Wirsings als Gemüse der Strunk. mit den Rippen etc. weggeworfen, ob wohl sich diese Abfälle sehr gut verwerthen lassen. Man wiege sie im Verein mit einigen Blättern sehr fein, dünste sie weich, staube sie ein wenig mit Mehl und gieße mit Fleischbrühe nach und nach auf. Das wird eine sehr schmackhafte Suppe.
