Indiana Tribüne, Volume 22, Number 186, Indianapolis, Marion County, 26 March 1899 — Page 7
Aesdemona's Hageöucy. Con Julius Stettenheim. Die Gerüchte, ich sei von meiner schlechteren schwarzen Hälfte ermordet Worden, sind merkwürdigerweise nicht nur falsch, sondern zum Glück auch endlich verstummt. Leider mußte ich, um diese Gerüchte zu widerlegen, häufiger als mir lieb gewesen, unter Men schen gehen, was ich seit meiner Verheirathung bekanntlich thunlichst dermeide. Das wird man begreiflich sin den. Wnn ich mit meinem Gatten über die Straße gehe, so stehen die Leute still, sehen uns nach und machen ihre Bemerkungen, Ich kann es ihnen nicht verdenken. Schwarz paßt nun mal nicht zu Weiß. Das hätte ich aber früher bedenken sollen. Wo hatte ich nur meine Augen? Diese Frage ist leicht beantwortet. Ich war bis über beide Ohren verliebt, und da war das Sehen ja absolut unmöglich. Und nachdem ich einmal A gesagt hatte, mußte ich auch B sagen und heiraten. Wenn ich hät aus meinen alten Vater gehört hätte! Der sah natürlich mit unverliebten und also klaren Augen und sprach von Hexenkünsten und QuaäsaNrtränken. Anders konnte er sich meine eigensinnige Zuneigung zu dem dunklen Ehrenmann nicht erklä reu. Natürlich lachte ich ihn aus, selbstverständlich wurde ich noch eigensinniger und ließ nun von meiner schwarzen Flamme erst ?echt nicht ab. Man braucht eine Verliebte nur vor ihrem Geliebten zu warnen, dann trenneQ Zl?ei keine zehn Pferde. Es ist dvch zu tonnm! Und darin sehen wir ims Alle ähnlich, wie eine Gans dei cmdern. Nun sitze ich da und habe inen schwarzen Mann. 1 Es ist richtig, daß ich ihn gern plau1ern und von seinen Abenteuern erzähkn hörte. Ich war eben jung, und er zählte wirklich besser und interessanizx, als irgend Einer, der in unser Haus kam. Bei Brabantios ist es ja immer sehr nett hieß es allgemein, -und Alles drängte sich zu uns. Unter ten Zielen Officieren waren ab sehr Wenige, die amüsant zu plaudern wußien, und unter diesen war Othello wohl der amüsanteste Causeur. Er Hatte enorm viel erlebt, wenigstensagte 's, und ich konnte ihm stundenlang zuhören. Er erzählte die merkwürdigsten Dinge, und ich glaubte ihm Alles, selbst die Menschen, deren Köpfe unter den Schultern wachsen. Un glaublich! Er selbst war sehr stolz auf dieWirkung.'die er ausübte, und sagt:: .Sie liebte mich um das, was .ich bestanden, ich liebte sie, weil es sie so gerührt." Das war auch richtig, inid bald konnte ich nicht mehr zurück und iüax eines schönen Tages Frau Othello. Wenn er nur nicht auch Anderen von seinen Abenteuern erzählen wollte! Wenn wir Leute bei uns sehen, oder in turn Gesellschaft sind, so trägt tx immer wiqder dieselben Geschichten vor. Ich stehe dabei Höllenqualen aus, ganz abgesehen von der Langweile, fortwäh?end eine und dieselbe Geschichte zu hören. Wenn er sich nur entschließen könnte, die Geschichte von den Menschen, deren Köpfe unter den Schulten? wachsen, nicht fortwährend zu variiren! Aber gestern wuchsen diescu Menschen die Köpfe unter den Schu iern, heute tragen sie die Köpfe unterm Arm, und morgen werden sie ihnen aus dem Rücken herauswachsen, wie mir längst aus dem Halse. Die, Hörer sehen sich dabei immer an, als wollten sie sagen: Wet's glaubt, zahlt zehn Lire!" Wenn ich wenigstens nicht dabei wäre! Unsere Kinder sind natürlich Mulatten. Ich wasche und wasche, und es nützt nichts. In der Schule stehen sie von den weißen Schlingeln viel aus, das ärgert mich täglich, wenn si weinend nach Hause kommen. Neulich wollte Othello einen der Lehrer dafür in den Canal werfen. Aber was konnte der arme Lehrer dafür? Manchmal bitte ich Othello, mit uv'i nach seiner Heimath auszuwandern, wo wir unsere Kinder in eine Mulattenschule schicken könnten. Er denkt nicht daran. Ich werde meine Pension im Stich lassen!" sagt er und schmeißt die Thür. Früher pflegte Othello im Hause bis an die Zähe bewaffnet herumzutoben. Er trug einen langen Dolch und seinen Ehrenfäbel. Das Dienstmädchen brauchte nur fünf Minuten länger als nöthig fortzubleiben oder ein Glas zu zerbrechen, gleich zog er blank. Wie viele Ohnmachten und M:cräne-An-falle hat mich diese üble Gewohnheit gekostet, bis ich es durchsetzte, daß er, wenn er nach Hause kam, abrüstete ! Trotzdem ist man in seiner Gesellschaft nicht immer ganz sicher. Wenn er wü thend wird, wirft er mit seinem Turban, und das ist für den Getroffenen auch keine Erfrischung. 5 Wenn wir nur keine Besuche von seinen Verwandten kriegen!. Eine schwarze und halbnackte Schwiegermutter im Hause zu haben, weiter fehlte mir nichts! Schon der Gedanke ist schrecklich. Lieber verlöre ich noch einmal ihr Taschentuch, das er mir geschenkt hat. Neulich kam eine? seiner Landsleute hier an, der bei uns wohnte. Er war noch eine Nummer schwärzer als Othello. Im Vergleiche mit ihm war ein Schornsteinfeger ein Schimmel. Das Schlimmste aber war, daß er die berechtigte Eigenthümlichkeit seines Volkes nicht abgelegt hatte: er war nickt aerucklos. 5?reilick konnte er
nichts' dafür. Aber ich doch auch nicht. : m m v I M
Eifersüchtig ist mein Schwarz ! Es ist bei ihm schon Sport. Ich lasse mir ja eine Priese Eifersucht gefallen, sie erfrischt. Aber mein Othello ist noch eifersüchtiger, als er schwarz ist. Wenn er mich allein im Zimmer findet, dann packt es ihn am schlimmsten, denn dann glaubt er, mein Geliebter sei eben fortgegangen oder werde gleich kommen. Jedesmal, wenn er nach Hause kommt, weiß er Alles. Dieser ewige Verdacht ärgert mich umsomehr, als ich ihm gar keinen Grund dazu gebe. Ein Mann, der eifersüchtig ist, sollte immer eine Frau haben, die ihn betrügt, damit sie nicht unschuldig verfolgt wird. Heute machte mir einer der Lieutenante meines Mannes seine Aufwartung. Ein reizender junger Mann. Er heißt Cassio. Ich schreibe dies nur, damit ich seinen Namen nicht vergesse. Denn wenn Othello mich fragt, ob Jemand dagewesen sei, und ich müßte diese Frage bejahen, ohne auf den Namen kommen zu können, so ist ihm das so verdächtig, daß er die ganze Nacht von Hörnern träumt und dann auffährt und irgend einen wollenen Fade für eine Strickleiter hält, was zur Folge hat, daß er einen Spiegel zertrllmmert. Ich glaube, er feiert nächstens seinen fünfundzwanzigsten zertrümmerten Spiegel. Cassio ist wirklich ein reizender junger Mann. Mein Othello haßt ihn natürlich deshalb. Er haßt alle reizenden jungen Männer, welche zu uns kommen. Sind sie dann fortgegangen, so folgt regelmäßig eine Eifersuchtsscene. Habe ich mit dem Einen zu viel geplaudert, so ist dies ein Ehebruch, habe ich mit dem Anderen gar nicht gesprochen, so ist dies eine verabredete Comödie. Dann fragt er mich regelmäßig mit fürchterlichem Augenrollen: Hast Du zu Nacht gebetet, Desdemono?" Die Schwarzen sind nämlich sehr fromm. Ach, meinetwegen dürfte er weniger fromm sein, wenn er dafür nur weniger eifersüchtig wäre. Das Taschentuch, welches er mir geschenlt hat, sieht ihm ähnlich. Es plagt mich fortwährend. Er hat es von seiner Mutter, die sich schon geraume Jahre hineinschneuzte. Außerdem benützte sie es dazu, meinen Schwiegervatu an ihre Liebe zu fesseln; in der .Heimath meines Othello geschieht dergleichen durch Schnupftücher, wie dies eine egyptische Zauberin behauptete, die t meiner Schwiegermutter gegeben hatte und versicherte, daß sie, wenn sie es verschenkte oder verlöre, ihrem Gatien zum Abscheu würde. Ein angenehmes Taschentuch! Täglich nun fragt mich mein Othello nach dem Tuch. Habe ich nun ein anderes bei mir, so schnaubt er. Man muß wissen, wie ein Mohr schnaubt, um zu begreifen, was das heißt. Die Kinder fangen zu schreien an. die Nachbarn kommen an die Fenster, die Garnison wird unruhig. Findet dann mein Alter Worte, so schreit er: Elende, du hast mich betrogen! Hast du zu Nacht gebetet?" Ich lache das ist meine einzige Rettung! und hole das Zaubertuch. Als ob man einen eifersüchtigen Gatien nicht betrügen könnte, ohne ein Taschentuch verloren oder verschenkt zu haben! Höchst merkwürdig ist es, daß Othello mit einer wahren Passion sich für einen Betrogenen hält. Er kann sich gar nicht denken, daß ich ihm treu sei Manchmal kommt mir der Gedanke, ihm doch einmal das kindliche Vergnügen zu machen und ihn zu betrügen. , Von Zeit zu .Zeit frage ich ihn, warum er denn gar kein Vertrauen zu mir habe. Ich bekomme dann regelmäßig dieselbe Antwort: Dein eigener Vater hat gesagt, daß du ihn betrogen habest, und daß es mir ebenso gehen würde." Das habe ich nun davon, daß ich das schwarze Ungeheuer mehr als meinen alten Vater liebte! Jetzt macht mir der Gatte einen Vorwurs daraus. Nein, so was! Wie schwer machen es doch manche Männer den Frauen, treu zu sein! Nicht nur die anderen Männer, fondern namentlich unsere eigenen. Ich war in letzter Zeit sehr fleißig, indem ich das mehrfach erwähnte Taschentuch nachstickte. Es ist mir sehr gelungen, so schwer das Erdbeerenmuster zu treffen war. Nun kann mir ja nichts mehr passiren, wenr ich eines verliere, oder dem Herrn Lieutenant Cassio, der es sich wünschte, zum Geburtstag schenke. j Heute war Cassio's Geburtstag. Wie sich der junge Mann über das Taschentuch gefreut hat. das kann ich nicht oejchreiben. Er küßte jede Erdbeere zweimal. Es fehlte wenig, und er hätte meinen Mund auch für eine Erdbeere gehalten und zweimal geküßt, wenn ich nach dem erstenmal mich nicht ernsthaft böse gestellt hätte. O. diese Männer! Wenn ich Talent zur Eifersucht hätte, jetzt würde ich mich darin zur Meisterin, zur würdigen Rivalin meines Gatten ausbilden können. Der Fähndrich Othello's, Jago, hat eine Frau Emilia, die in meinen Diensten ist. Von dieser behauptet nun der Herr Fähndrich, sie habe ein Verhältniß mit Othello gehabt. Emilia war ganz außer sich, als ich sie fragte, ob das wahr sei. Wie ich denken könne, daß sie mit einem Schwarzen in intimen Verkehr getreten sei! Sie ahnte nicht, daß sie mir mit ihrer Entrüstung einen Stich in's Herz gab. WaZ ist nun Wahrheit? Warum sollte eö denn nicht wahr sein? Es ist leicht, dergleichen in Abrede zu stellen. Es war
1a Niemand dabei. Ein Verhältniß ist
Um Skat, zu dem man emen Dritten brauchen kann, sagte Cassio neulich. Sehr richtig! Cassio kann überhaupt sehr amüsant sein. Irgend etwas hat zwischen Othello und Emilia bestanden. Herr Jago muß wohl mehr wissen, als den Beiden angenehm ist, denn er ist sehr gegen meinen Mann aufgebracht. Er ist hinier das Taschentuch gekommen, das ich Cassio geschenkt habe, und hat es dem Othello gesagt, um ihn zu ärgern. Das gab eine hübsche Scene zwischen mir und meinem Gatten. Er schnaubte ganz gewaltig über das Obsttaschentuch, daß die Kinder noch mehr schrien, die Nachbarn zahlreicher an die Fnster kamen und die Garnison unruhiger als bisher wurde. Verlustliste: zwei Spiegel, drei Paar Tassen, eine Vase. Aus die Frage: Hast du zu Nacht gebetet, Desdemona?" gab ich keine Antwort. Endlich habe ich meinem Vater mitgetheilt, in welcher Lage ich sei. Er kam unter irgend einem Vorwande und hat Othello veranlaßt, mich auf einige Zeit mit ihm nach Hause reisen zu lassen. . Diese Zeilen schreibe ich auf dem Schiffe. Die Seekrankheit kommt mir wie eine Unterhaltung vor. Ich bin froh, ich kann nicht sagen wie. Mein Vater lacht sich in's Fäustchen. Komme nur bald zurück!" rief mir Othello beim Abschied zurück. Ich winkte noch mit dem berühmten Taschentuch und dachte bei mir: Da kannst du warten, bis du weiß wirst!
Weiöcsschönßcit. Des Weibes Schönheit bildet gewissermaßen den Refrain in der ganzen Geschichte der Kunst. Das Ideal von Weibesschönheit findet wohl eine große Mehrheit in den griechischen Venusfiguren, und ganz speziell wohl in der Venus von Melos verkörpert. Aber Ideal und Wirklichkeitdie ewig streitenden, wie wenig entsprechen sie auch in diesem Falle einander! Denn aeschähe es. daß unsere liebe Frau von Milo wie Heine sie verehrend nannte, von ihrem Sockel herab- und in unser Leben hineinträte, so würde sie ihre Verehrer vermuthlich gar sehr enttäuschen. Vorausgesetzt, daß sie hübsch die Kleider unserer Zeit anlegte (wozu sie schon durch die löbliche Polizei genöthigt werden würde), aber als echte Hellenin das Corset verschmähte, so würden wir an ihr eme Taillenbreite entdecken, die der Mehrzahl ihrer bisherigen Verehrer sehr unschönerscheinen dürfte und jedenfalls ganz und gar nicht der Wespentaille" entspräche, die wir an unseren irdischmodernen Damen als ein hohes und nothwendiges Attribut der Schönheit schätzen. Auch von dem gleichfalls sehr gefeierten Schwanenhalse" müßten wir bei der Göttin absehen, und ihre Handschuhnummer um von der Größe der Fußbekleidungen discret nicht zu sprechen würde wohl ein mitleidiges Lächeln bei denen unter unseren Damen erregen, die sicher wissen müssen, was wahrhaft schön ist, weil sie selbst allgemein dafür gelten. Jene vielgefeierte zarte und poetische Venus des Sandro Botticcelli, wohl die berühmteste und ergreifendste Darsiellung weiblicher Schönheit aus der ganzen Frührenaissance. sie erscheint dem geübten Auge des Arztes als ein Typus der Schwindsüchtigen, und in der That ist es auch historisch im h'öchsten Grade wahrscheinlich, daß Simonetta Catanea, die in der Blüthe ihrer Jahre jener tückischen Krankheit erlegene Geliebte des Giuliano de Medici, das Modell dieser Venusgestalt abgegeben hat. Unter diesen Umständen wird die vielerörterte Frage nach den entscheidenden Momenten, auf denen Weibesschönheit beruht, sicherlich nicht, wie vordem versucht wurde, aus der Kunst allein zu lösen sein; man wird vielmehr auf das Leben selbst, das auch der Kunst die Grundlagen gab, zurückgehen müssen. Diesen Weg hat neuerdings ein Arzt, Dr. C. H. Stratz, in seinem bei Berd. Enkeln Stuttgart erschienenen ausgezeichneten und' höchst interessanten Buche Die Schönheit des weiblichen Körpers" eingeschlagen, indem er durch exacte Feststellungen, durch die Vergleichung der Eigentyümlichkeiten des lebenden Körpers, zum Resultate zu kommen sucht. Mit Recht acht Stratz in diesem Aerzten, Müttern und Künstlern" gewidmeten und für .alle gleich lesenswerthen Werke von dem Gedanken aus. daß die Begriffe gesund und schön immer, wenn nicht sich decken, so doch aus 3 engste zusammenhängen werden. Ebenso wird die Schönheit stets unter den Folgen der mangelnden Ernährung, oft auch unter denen der gewohnheitsmäßigen Beschäftigung leiden müssen. In letzterer Beziehung darf z. B. auf die Balleteusen hingewiesen werden, die gewöhnlich eine starke Entwickelung der Beinmuskeln aufweisen, während die Arme und Schultern zu schwach entwickelt sind ein Gegensatz, der den Forderungen der Schönheit nicht entspricht. Die Regel ist freilich bei den Frauen im allgemeinen die mangelhafte Entwickelung von Organen, die wiederum die harmonische Ausbildung des Körpers beeinträchtigt. So zeigt sich immer wieder, daß, je weiter der Körper von dem Wege der Natur abweicht, je mehr die Organe ihren natürlichen Funktionen entzogen oder andererseits überspannt werden, um so scheuer auch die dielerflehte, vielgesuchte Schönheit flieht. Unter dem nüchternen Blicke des mo dernen Arztes zerstiebt so manches geHeime Recept, auf daö man früher die WeibeSfchönheit zurückführen zu lön
nm meinte. "Zerstört werden aber durch die modernen exacten Beobach
tungen auch die Vorurthelle misogyner Feinde der Frauenschönheit. SchopenHauer's oft citirte Schilderung der Frauen als eines niedrig gewachsenen, schmalschultrigen. breithüftigen und kurzbeinigen Geschlechtes kann ebensowenig Stand halten wie die Behauptung des Cennino Cennini. der den Frauen überhaupt jede richtige KörperProportion abspricht. Dieses Urtheil entstammte freilich wohl eigentlich der Verzweiflung darüber, daß man das Geheimniß der Proportionen des Frauenkörpers und damit die Grundlage und oberste VorAussetzung der Frauenschönheit nicht au entdecken vermochte. Mit' diesem bedeutsamen und interessanten Probleme hat sich die, wenn man so sagen darf. Mathematik der Weibesschönheit seit den ältesten Zeiten beschäftigt. So nahmen die Egypter als Norm an, daß die Länge des Mittelfingers bei einer normal entwickelten Frauengestalt neunzehnmal in der Körperlänge enthalten sein müsse. Bei den Griechen gelangte der Kanon des Polyklet zu besondern Berühmtheit. Danach mußte das Gesicht ein Zehntel, der Kopf ein Achtel der Gesammthöhe, Kopf und Hals ein Sechstel und gleich der Fußlänge sein. Erst in neuerer Zeii hat man durch Vergleichung einer möglichst großen Zahl von Einzelmaßen ein durchschnittliches Normalmaaß der Menschen, je nach Rasse, Lebensalter und Geschlecht verschieden, zu constatiren versucht, haben Trotz der mannigfachen Schwierigkeiten, die dieser Methode entgegenstehen, Fritsch und Merkel auf ihr fußend ein System zur Bestimmung der menschlichen Proportionen angeben können, das, wieStratz mit Befriedigung feststellt, nicht allein auf die vollendetsten künstlerischen Jdealgestalten vollkommen zutrifft, sondern auch bei der Anwendung auf durchaus harmonisch ur.d frei entwickelte weibliche Körper, z. V. die von Mädchen von Naturstämmen, sich durchaus bewährt. Danach ergaben sich denn allerdings einige ganz bestimmte Formeln und Anhaltspunkte für die Beurtheilung des ebenmäßigen Baues eines Frauenkörpers. So ist die Körperhöhe 7 bis 7Z Mal so groß als die Kopshöhe. Was die Breitenmaße angeht, so ist unabhängig von der Körperlänge die Hüftbreite anscheinend regelmäßig um 4 Centimeter, die Taillenbreite um 16 Centimeter geringer als die Schulterbreite. Andcrerseits finden wir bei normaler Entwickelung mehrere bemerkenswerthe Uebereinstimmungen. So hat die moderne Wissenschaft auch zu dem vielerörterten geheimnißvollen Probleme der Bedingungen der Frauenschönheit den Schlüssel entdeckt und einen Maßstab gefunden, der von der Mode unabhängig ist. Es ist hochinteressant, daß unter den Kunstdenkmälern den Maßstäben der oben skizzirten wissenschaftlichen Proportionslehre keine so gut entsprechen wie die altgriechischen. Die Plastik der Hellenen zeigt uns in ihren Meisterwerken, besonders z. B. in den Parthenonsculpturen, durchweg ebenmäßig gebildete. von keiner Krankheit und ihren ffolgen entstellte, frei entwickelte Körper. So lehrt uns auch die Wissenschaft erkennen, daß der große Künstler instinktiv das sieht und befolgt, dessen Richtigkeit und Schönheit dann die messende, rechnende, vergleichende Wissenschaft hinterher erweist. Jc Nationen und ihre Charakterc. Von Carl Rlümle n. In einem der letzten Hefte der Nuova Antologia" hat Paolo Mantegazza einen Aufruf erlassen, der die Gelehrten der verschiedenen Nationen auffordert, ihm Mittel zur Erforschung und Bestimmung der Nationalcharakterc an die Hand zu geben. Es fällt auf, daß unter den Quellen, die diesem Zwecke dienen sollen, die Aeußerungen der Völker übereinander, wie sie uns in Sprüchen, Sprichwörtern, Gedichten u. f. w. erhalten sind, nicht genügend berücksichtigt sind. Und doch gibt es deren eine so große Anzahl, daß schon vor 36 Jahren O. v. Reinsberg - Düringsfeld davon eine Menge in einem zweibändigen Werk mit dem Titel Internationale Titulaturen" sammeln konnte. Mittlerweile ist noch mancherlei Material aufgetaucht. Wir geben daraus eine, kurze Auslese, um zu zeigen, daß das Volk oft mindestens ebenso treffend urtheilt, wie der italienische Professor. Am häufigsten finden wir Vergleiche der Deutschen. Italiener und Franzosen. Itali, heißt es, sapiunt ante factuni, Galliam facto, Gcrmani post sactum d. h. die Franzosen sind witzig vor der Sach'. die Welschen in der Sach', die Deutschen nach der Sach'zoder: die Italiener fluchen, die Franzosen schreien, die Engländer essen, die Spanier trotzen, und die Deutschen betrinken sich. Simon Dach berichtet, ein jedes Volk habe seine besondere Art. die Melancholie zu vertreiben, der Deutsche thue es mit Trinken, der Franzose mit Singen, der Spanier mit Weinen und der Jtaliener mit Schlafen. Ein fliegendes Blatt von 1844 erzählt, es gäbe weder Spanier, die gottesfürchtig sind, noch Franzosen, die demüthig sind, weder Welsche, die geistlich.sind. noch deutsche Knecht', die nüchtern sind. NichtGeldern, die ihrem Herrn sind treu, Friesen, die nicht machen Meuterei. SckweZz?r. KZ- nfo sind, Franken, die nicht martern und , fluchen, Hessen, die nicht gerne suchen, Böhmen, die nicht mausen, Sachsen, die nicht gerne zechen, Dänen, die nicht gerne stechen. Thüringer, die gewan- . dert haben, Meisner, die nicht hoch eink,ertraben, Schwaben, die keine H....
oaben, Bayern, die keine Säue aeaes
sen. und Polen, die das Stehlen vergessen. In dem 1784 zu Wien erschienenen Lustspiel Der Nationalstreit" rühmen die einzelnen Nationen den Leichtsinn der Franzosen, den Spleen der Engländer, die Zärtlichkeit des Welschen und den kalten Ernst der Deutschen. Ein König wünschte einst, er möchte seine Küche aus Frankreich, seinen Keller aus Spanien, seinen Stahl aus Welschland, seine Buhlschaft aus England und seine Betten aus Deutschland haben, und wenn er vom Himmel fallen sollte, daß er in Polen hinein fiele, da wäre es weich sumpfig Morast Der Spanier wünscht sich Italien zum Geburtsland, Frankreich zum Leben und Spanien (mit seinen vielen Klöstern) zum Sterben. Weniger höflich ist er, wenn er den Engländer einen Trunkenbold, den Franzosen einen Lumpenhund und den Holländer einen Butterbauer nennt; der Spanier ist natürlich ein echter Eavalier, ein gran caballero. Weniger damit einverstanden ist der Franzose. der in der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Sprüchlein verbreitete: Un Scnnor en Espagne, Un Mjiord en Engleterro, Un Monsieur en France, Un üidalgo en Portugal Un Eveque en Italie, Un Conte en Germanie Sont pauvre Compagnie. Der Deutsche muß am meisten mit dem Trinken herhalten. Was macht einen Deutschen verächtlich?" fragt ein Moralprediger, und die Antwort lautet: Das immerwährende Saufen." Das Thema wird auf die mannigfachsie Weise variirt: Wenn die Wahrheit im Wein verborgen liegt, so hat sie der Deutsche schon gefunden oder er wird sie noch finden. Gar viele Mühen vermag der Deutsche zu ertragen, o. daß er doch auch den Durst ertragen könnte! Iedes Land hat seinen Teufel, der von Deutschland heißt Weinschlauch und Saufaus. Ein Witzbold wirft die Frage auf: Wer hat das perpetnurn mobile erfunden? Die Teutsche; indem sie ihre Becher und Gläser niemalen stillstehen lassen, sondern immerzu in dem Eirkul herumbringen und ihrem Maul selten einen Feiertag vergönnen." Die Einigkeit des deutschen Michel" wird manchesmal verspottet, doch auch edlere Züge werden hervorgehoben: Deutscher Mann Ehrenmann. Das Deutsch und gut" ruft einem das maäe in Gtermanj-" in's Gedächtniß, das entgegen den ErWartungen der Engländer im Ausland die Bedeutung jenes Deutsch und gut" angenommen hat. Auf gut deutsch reden heißt frei von der Leber weg nicht ohne eine gewisse Derbheit reden. Der Tscheche ist allerdings auf den Deutschen nicht so gut zu sprechen; schon sein Xernec, mit dem er ihn bezeichnet, ist, wie das Bosnische Alaman. eine Beleidigung. Der Pole nennt Deutsch die Sprache der Böcke", der Kroat zieht türkische Feindschaft der deutschen Liebe vor, und der Däne, wenn er einen recht zornigen Menschen schildern will, bedient sich der Phrase: er ist erzürnt wie ein Deutscher. Schärfer werden die einzelnen Seui schen Völksstämme charakterisirt. Die Hessen werden schon im 16. Jahrhundert mit dem Scheltwort blinde Hessen" bedacht, und von ihrem Land wird gesungen: Hohe Berge, tiefe Thal, Grobe Speise überall, Harte Betten, saurer Wein Wer wollt'im Lande Hessen sein? Oder: Wo Hessen und Holländer verderben, wer könnte da sein Brod erwerben? Aehnlich heißt es von dem Westfalen. Wo ein Westfelmg verderbt und ein' Weide verdorrt, da mutz sein gar ein schräger Ort. Die prächtigen westfälischen Schinken werden genugsam gepriesen, aber sonst gilt das Sprüchwort: Ilospitium vile (mäßige Gastfreundschaft), grob Brod, dünn Bier, lange Meilen sunt in Westplialia, qui non vult credere, lop da." Etwas besser kommt der Sachse weg, seine Nüchternheit wird zwar oft bespöttelt, aber seine Höflichkeit. besonders die der Meißner, erhält des Lobes genug. Besonderen Ehik haben die Jungfrauen des Landes, wo die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen", und noch 1778 lesen wir, die sächsischen Frauenzimmer seien so außerordentlich reizend in Allem, daß die deutschen Jünglinge oft nach Sachsen gehen, um sich Gesellschafterinnen für ihr ganzes Leben zu wählen." Des Thüringers Bescheidenheit im Essen wird durch die Bemerkung gekennzeichnet. allein aus dem Kopf des Häring bereite er fünf Gänge. Besser ist der Bayer daran. Die Häringe mag er nur. wenn er zuviel von seinem Gerstensaft getrunken; so.st gilt das Schwein als das spezifisch bayerische Thier. Die Lust am Bier haben die Bayern mit ihren deutschen Brüdern gemein: wenn der Däne verläßt sein: Grütze, der Franzos' seinen Wein, der Schwab' die Suppen und der Bayer das Bier, so sind verloren alle vier. Die Schwaben, die doch in der Literatur vor den anderen deutschen Stämmen ssviel geleistet haben, müssen unter dem Spott arg leiden; die Schwabenstreiche sind allbekannt, ebenso die Behauptung. kein Schwabe werde vor dem vierzigsten Jahre gescheit; auch ist er übel daran, insofern er nur vier Sinne hat (schmecken bedeutet nämlich bei ihm auch soviel als riechen). Seinem Hang zum Träumen und Nachdenken wem fielen hier nicht die schwäbischen Theologen und Philosophen ein? verdankt er es, daß man ihn für einenTräumer hält; die Langsamkeit und Unbeholfenheit kam dazu, um ihn als einen dummen Menschen, einen Tölpel erscheinen zu lassen. Sein guter Appetit veranlaßte das Sprichwort: Ein Schwab hat kein Herz, aber
zwei Magen. 'Rühmend werden die
schwäbischen Magdlern erwähnt. Soviel oder sowenig denn wir können hier nur das besonders Eharakteristisch: geben von den deutschen Volksstämmen. England ist der Weiber Paradies, der Jungfrau Fegfeuer und der Pferde und Wagen Hölle. Die Bewohner des Landes gelten als große Esser und Trinker, und schon 1222 hießen sie potatores et caudatores. Der englische Krämer" wird zu den Uebeln der Welt erklärt, englische Zuverlässigkeit" ist nicht mehr werth als Plunder" und englisch Reden" wird .mit teuflisch Meinen" verbunden. Auch ist mit dem vielzitirten Spleen oft Schwermuth und Ernst verbunden; sie sind aber nicht deswegen schwermüthig. weil, wie ein Witzbold im vorigen Jahrhundert meinte, sie in steterFurcht sind, ihre Insel möchte wegschwimmen und zu nahe an Frankreich kommen. Wie der Punier bei den Römern, der Deutsche bei den Slaven, und dieser bei dem Deutschen, so gilt der Schotte bei den Engländern als falsch; falsch wie ein Schotte" ist sprichwörtlich geworden; auch als hartherzig ist er verschrieen. Daß man vom irischen Zeugniß gleich einem falschen Zeugniß redet, ist leicht erklärlich; irische Dreistigkeit ist so berüchtigt wie die irischen Aprikosen (die Kartoffeln.) Die Franzosen bilden bei allen Nationen eine willkommene Zielscheibe des Witzes. Die leichte Erreglichkeit und Unbeständigkeit, waren schon den Galliern eigen. Moritz von Nassau sagte einmal von jenen, sie seien wie Flöhe; sie können nie an einem Platze bleiben und springen beständig von einem Ort zum anderen. Die Lust am Schwatzen und die Eigenschaft, den Dingen stets die heitere Seite abzugewinnen, wird öfters betont. Als besondere Eigenschaft der Jtaliener gilt die Lust am Betrügen. Verschlagen und gerieben wie ein Jtaliener ist bei verschiedenen Völkern sprichwörtlich. Einen Wälschen zu hintergehen muß man morgens früh aufstehen, und noch in einer Reisebeschreibung von 1774 heißt es: Der Franzose ist ein Lasse, der Italiener ein Betrüger, der Deutsche ein Pedant und der Holländer ein Dummkopf. Ueberaus interessant ist die Eharakteristik der einzelnen italienischen Städte, vornehmlich Roms, das überall eines recht bösen Rufes genoß. Stolz lieb ich den Spanier, und Stolz ist die Eigenschaft, die ihm Mantegazza neben Aufrichtigkeit und Heißblütigkeit zuerkennt. Der Hildago dünkt sich ein König. Man muß. sagt ein alter Spruch, auf italienisch schreiben, spanisch sich rühmen und griechisch betrüaen. Von der Aufrichtigkeit, die der italienische Professor den Spaniern zuschreibt, findet sich unter den nationalen Titulaturen keine Spur; die ein5elnen spanischen Stämme schimpfen sich vielmehr gegenseitig Spitzbuben, die katalanische Gerechtigkeit, heißt es, ißt das Schaf sammt der Wolle auf, der Kastilier nennt den Katalonier verräterisch treu. Die Deutschen, hieß im Mittelalter, lernen von den Spaniern stehlen und Carl V., der seine Landsleute wohl kannte, erklärte, gegen der Spanier Mauserei, der Teutschen Sauffen und der Italiener Liebe könne man keine Gesetze geben. Sonst wird den Spomiern Trotz und Eifersucht vorgeworfen. Ich will mich nicht mit Spaniern überwerfen," das an die Zeit erinnert, wo im ?ieich derSpanier dieSonne niemals unterging, dürfte wohl nach den negativenErfolgen derHidalgos im letzten Kriege bald von der Bildfläche verschwinden. Das Erzbeiwort der Griechen ist betrügerisch; daher sagt der Russe, der Grieche spreche nur einmal im Jahre die Wahrheit, und der Jtaliener meint, wer einem Griechen Glauben schenke, habe kein Gehirn. Drei Türken und drei Griechen sind daher gleich sechs Heiden. Bekannt ist, daß der Franzose einen Falschspieler mit im Grec bezeichnet, und um auszudrücken, daß einer kein Hexenmeister ist, sagt er: ce n'est pas un grand Grec." Auch untereinander sprechen sie sich diese liebliche Eigenschaft zu. Der türkische Nachbar muß natürlich auch gehörig herhalten; allerdings rühmen slavische Sprüchwörter seine Kraft und Tapferkeit, doch gilt er. auch bei den Franzosen traiter ö, la Turc als grausam, und so sagt der Türke selbst dem Franken: hier schlägt keine Glocke, hier ist Türkenland, der Türke kann weise werden, aber nie menschlich. Diese kleine Blüthenlese zeigt hinlänglich, wie lohnend es sein wird, bei Aufstellung einer allgemeinen Eharakteristik der einzelnen Völker die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten zu Rathe zu ziehen. S?e geben als Wahrheit und Weisheit der Gasse" jedenfalls prägnantere und richtiaere Urtheile ab als einzelne Aussprüche berühmter Schriftsteller, auf denen Mantegazza vorwiegend fußt. Waö soll ich Jhne' sogen. Mei' Freund. Leiser Kalbsknopf, wird überall stark gehäckelt (gekneckt) wegen sei' Namen; reicht er ein wegen Namensveränderung und meint, weil er is' gebürtig aus Eger. wo worden is ermordet der große Wallenstein, Herzog von Friedland, so möcht' er heißen fortan nix mehr Leiser Kalbsköpf, sondern Ludwig Wallenstein. Werd er vorgeladen ins Magistratsbureau. wo ihm e' so e' Beamter sogt: Lieber HerrKalbskopf, das geht nicht, so können Sie nicht heißen." Sogt mei' Freund: Entweder ich heiß' Wallenstein. oder ich heiß' überhaupt nix." Nun," meint ber schlaue Beamte, ich hab' e' feinen Ausweg! Wallenstein das geht nix. Aber da er wor Herzog von Friedland, sollen Se heißen von beuit ab ?VncbIändttl"
Qualen der Lkede.
Von Franz Blume. Wie ein Falter zwischen Rosen,, Die in gleicher Schönheit prangen Schwankt mein Herz im ruhelosen. Aber seligen Verlangen. Denn zwei engelholden Schwestern Ward es gleich getheilt zur Beute; Liebt' ich noch die eine gestern, ; Lieb' ich nun die andre heute. Wie ich auch mit scharfer Sonde Prüfe diese Liebeslaune, Nicht ergründ' ich, ob die, Blonde Mehr mich fesselt, ob die Braune. Lockt mich hier der Augen Dunkel, Winkt mir dort die sanfte Bläue; Reizt mich hier des Geists Gefunkel, Rührt mich Güte dort und Treue. Ach, wie soll stch noch entscheiden Dieses schmerzlich - süße Neigen? Es muß eine von den beiden Sich in schlechterm Lichte zeigen! , Vlumenduft. Von Alfred Friedmann. Ein Blumenhändler hatte es gewagt, an des milden Winters Enl)e seine irdenen Töpfe mit dem froh tx blühten Inhalt in die lauliche Mittagsluft zu stellen. Zwischen frisch, grün angestrichenen Latten hoben stch gelbblühender Krokos und Narzissen in breitem Blattgrün hingen an geschmeidigen Stengeln wie Perlen, statt Thautropfen die schneeigen Kugeln deS Maiglöckchens. Alpenveilchen mit dem. satten Roth, Schneeveilchen in BuV scheln, die holde Violetta in Gebinden, zwischen feuchten Blättern, Alles, stand und lag umher, zu vergleichen mit' den Farben auf der Palette eines Malers, der stch anschickt, einen HymnuS auf die meerentstiegene Schönheit zu dichten. Oder der Gedankenreihe eines. Poeten, der eben anhebt einen unsterblichen Meistersang auf die griechischem Heldin Aphrodite. Vor Allem aber bewunderte eilt schlankwüchsiges, kaum zehnjähriges. Mägdelein die Hyazinthen. O, diese waren lila und blau undrosa und weiß, und eine prächtige,, stolze, die sich mit ihren drei den goldgelben Knollen enthobenen Kolbens sammetweich anfühlen mußte, die war.' fast schwarz, wie die Fittige eines Kolkraben oder eines sommerlichen, Trauermantels! Wie, wenn der auff einer Purpurrose wohlig die Flügel hebt und senkt, als ob er irgend eine, noch nie empfundene Sensation empfände, so hob sich die schwarze Ht)a. zinthe von einigen rothen dahinter glühenden ab. Und das Mädchen, nur mit einem einzigen glatten Röckchen bekleidet, dasdie feinen Formen der künftigen Jungfrau fchon in der Ehrysalide des Backfischchens errathen ließ, hob sich auf derr feinen Fußspitzen und beugte sein Häuptlein über jede einzelneBlume, den Duft mit dem kecken Stumpfnäschen einathmend. Dabei fielen goldene Lockenringel zwischen die stolzen Vlüthen, und so sah es aus, als ob eine kleine Fee mit goldigem Besen den silbernen Thau und den spinnwebfeinen Staub des Februarmorgens von den. lebensfrohen Blumen streifte. Und der Duft über ihnen war wundersam. berauschend, eine ganze Strecke weit spürte man ihn, und selbst auf den Wellen des drüben vorüberrauschenden Flusses schien er sichtbar zu verweilen wenigstens lag ein veilchenblauer Hauch darüber. Und das Mädchen vergrub ihr kleines Antlitz aus dem Volke immer tiefer: in die aristokratischen Hyazinthen, eilt Schimmer von Freude, ein Abglanz, von Glück lag auf ihren Wangen, kam. aus ihren Augen, selbst das stumpfe Näschen bekam etwas goldgelben Blütbnstaub ab und leuchtete. Da- trat der Herr der Blumen aus' der breit sich öffnenden Glasthür, und mit ihm zog ein neuer füßer Hauch von Rosen und Goldlack und Levkojen. Hart stieß er das Mädchen an, da, es zurücktaumelte. Er war noch jung, und hübsch, aber der Umgang mit den Kindern des Lenzes schien sein Herz nicht milde gemacht zu haben. Weg von hier. Dirne!" rief er Die Blumen sind mein, und ihr Duft.ist mein, und ich lasse mir nichts stehlen, ich nicht!" Unaussprechliche Betrübniß las ich auf dem Antlitz des Kindes aus dern Volke. Eine verwirrte Frage lag darin ob der Duft, der ungenutzt den ganzen lieben langen Tag in die Februarluft verströmte, nicht ihr. nicht Jedermann gehöre? Ob der Händler dieBlumen und den D'lft besonders ver--kaufe, ober ob der Duft nicht g?rade für die Elenden und Enterbten geschaffen sei, die sich nicht die Blume, das Bild,, die Statue selbst kaufen können, sich nur am Abglanz erfreuen? Und s ging etwas wie Haß durch die Gol!funken in des Mädchens Augen. Und ich las darin, daß sie sich für den Stofc an all' dem Männervolk rächen würde. Splitter. Mancher hat außer seiner Nase nichts Hervorragendes an sich. T53 ist ein merkwürdiges Räthsel de! Schicksals, daß in dem Strom des Lebens gerade die leichten Naturen fast immer untergehen. Die beste Reue sind gute Thaten. Immer Radlerin. Arzt: Können Sie die Schmerzen vielleicht etwas näher beschreiben, gnädige Frau?" Patientin: Ach. Herr Doktor, es ist so, wie wenn auf allen meiner; Nervenbahnen ierumgeradelt 5oürhe.
