Indiana Tribüne, Volume 22, Number 179, Indianapolis, Marion County, 19 March 1899 — Page 6
Sllürien als Soldkand. In überaus fesselnder Weise schilItxt der deutsche Bergingenieur- F. 4Sockdc eine Reise in das Innere Sibi'riens. die er in Gemeinschaft mit dem '.Wergassessor Gericke unternommen 'hatte, um die dortigen Goldwäschereien .Zennen zu lernen. Auf dem Dampfer .Modeste" fuhren die Reisenden den Jenissei stromaufwärts. Von beiden Seiten steile Felswände -von 1600 bis 2800 Fuß. direct in den Z?lub abfallend, wie mächtige aufgeitjiirmte Mauern aus rothem Granit, "Porphyr, Sandstein, Diabas, Kalksiein, Marmor und Alabaster. Ginge engt fließt der Jenissei mit reißender Geschwindigkeit dahin. Herrliche Seitenthäler und einzelstehende Steinrie1n meist aus rothem Granit, wetteifern mit bestem Erfolge mit hunderitn von kleinen und großen Inseln, die
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Jenissei-Dampfer. 'Landschaft vor der Eintönigkeit zu bewahren. Die Flora dieser Inseln ist eine geradezu entzückende, die färbenprächtigsten Lilien wechseln ab mit den herrlichsten Ranunkulaceen, Päonien -und Orchideen, eine der LieblingsbluMn unseres Kaisers, welche auch bei uns in der letzten Zeit mit dem besten Erfolge cultivirt werden. Auch Rho2)odendron fehlt nicht, das farbenprächckige Bild zu vollenden. Nach zweieinhalbtägiger Fahrt auf "der Modeste", welche mit allem Comfort eines guten europäischen Schiffes ausgestattet ist, gelangten wir nach Sarakino. Am Morgen des dritten Tages um 4 Uhr setzten wir uns in unsere Equi?age. Tilega" genannt, ein entsetzli.ches Gefährt, dessen Federn durch ein paar Birkenstämme ersetzt werden. 40 .tfilomei ging es in dem bekannten T-rasenden Tempo von 20 Kilometer in 'der Stunde, bis zum nächsten Dorfe, lvo wir zu Mittag die herrlichstenFische bekamen. Nach zweistündiger Rast ging die tolle Fahrt weiter über Berg :und Thal bis zum letzten Dorfe vor :htm Urwalde und um halb 2 Uhr 'Nachts stiegen wir zu Pferde, um die Reise in die mit Urwald bedeckten LZerge noch 120 Kilometer fortzusetzen. .1 -Gefährlicher Ritt. '' 'Zuerst ging es etwa 10 KiTometer in schlankem Trabe, dann den Berg hinauf über Wiesen und Geröll. Den Berg hinunter ging es in ziemlich steiler Nei.gung; es ist mir unbegreiflich, wie die Pferde den Weg überwinden konnten, :fca derselbe über große Steinplatten imd Geröll geht. Oft rutschten die Thiere 56 Meter wie auf Stahlstan--gen gestellt den Abhang hinunter, ohne -in die Knie zu sinken. Man bekommt tin solches Gefühl von Sicherheit, daß man schließlich nur darauf bedacht ist, seinen Kops vor überhängenden Zweisen und Bäumen zu schützen. Nun fing aber erst der richtige Urwald an, iie echte Taiga." Das Thal hinauf ging es über umgestürzte Baumriesen, Felsen, Geröll, dann wieder durch Sumpf, daß die Pferde bis an den Leib im Morast dersanken. Das Schlimmste aber ist der .sumpfige Weg zwischen Baumwurzeln, 'wo es uns öfters passirte, daß die 'Pferde einen Fuß zwischen die Wurzeln eingeklemmt hatten, ohne ihn herausziehen zu können, und dabei bis zum Sattel im Morast. Dann wieder mußte ein Fluß gekreuzt werden, den' mt Pferde einfach mit uns durchschwammen, und am anderen Ufer angelangt, stand eine so steile Wand tnx iitiö, daß man den Kopf fest auf den 'Pferdehals legen mußte, um nicht herunter zu rutschen. Nun folgten ein mal 10 Meter guten Weges, dann saßen wir wieder fest im Sumpfe. Jetzt versperrt ein mächtiger umgefalleW i n t e r s ch a ch t. Titi Baumriese den Weg; das Pferi kann mit den Vorderbeinen nicht hinüber, es steigt also einfach auf den Baum, wie es oben ist. bricht es mit cillen Vieren in den morschen Stamm ein und nun heißt es absteigen und den Gaul am Schwanz und am Kopse herauszuziehen. Im Freien wurde übernachtet und unserer Meinung nach konnten wir
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kaum eingeschlafen sein, als unser Führer uns weckte. Halb 2 Uhr Morgens durchschwammen wir den vor dem Lager vorüberziehenden Fluß. - Bis an die Hüften durchnäßt ritten wir ca. 35 Kilometer auf einem Wege von gleicher Güte, wie der oben geschilderte, nur mit der kleinen Abwechselung, daß es meinem Reisegenossen, dem Bergassessor Gericke, gelang, einen jungen Bären, der sich auf einen Baum geflüchtet hatte, mit seiner Mauserrepetierpistole herunterzuholen.
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Förderung der Goldseife. Jetzt machten wir Halt, um unser frugales Mittagbrod einzunehmen. Nach einstündiget Rast ging der beschwerliche Ritt 20 Kilometer weiter bis zu den verlassenen Goldwäschereien von Kusnirosf, wo der gastfreundliche Verwalter uns Bitt Thee und Eiern regalirte. Noch 10 Kilometer und wir erreichen das Ziel unserer Reise. Mit größter Liebenswürdigkeit empfangen, war unser erster Wunsch das in Rußland allgemein übliche Dampfbad, dem auch mit der größten Willfährigkeit entsprochen wurde. Durch die Nacht ruhe gestärkt, besichtigten wir am nächsten Moraen die Goldwäschereien. . Zuerst besuchten wir den Winterschacht, woselbst während . der FrostPeriode die Goldseife, d. h. Sandthongemisch mit eingelagertem Golde, im Winter gegraben und gefördert wird. Natürlich war die Anlage des fördernden Mechanismus eine äußerst primik i WAft Wasserforderung. tive. Trotzdem fuhren wir in den Schacht ein und erstaunten nicht wenig über 'den soliden Ausbau des Schachtes und der einzelnen Stollen, Baumstamm an Baumstamm ohne die kleinste Lücke war zu einem Gesüge wie ein Blockhaus vereint. Diese übersolide Arbeit läßt sich nur dadurch erklären, daß das Baumaterial nichts kostet. Was durch diese Schachtarbeit an Geld verloren geht, kann man sich leicht vorstellen, welcher Verlust noch dadurch erhöht wird, daß die Arbeiter durch unregelmäßige Bezahlung und schlechte Behandlung gezwungen sind, Gold zu stehlen, das sie an die fliegenden Schnapshändler, meistens Tartaren und Chinesen, für den vierten bis fünften Theil des reellen Werthes abgeben. Beispielsweise wurde mir erzählt, daß die Arbeiter für eine Flasche Schnaps im Werthe von 60 Kopeken ein Solotnik Gold abgeben Ein Solotnik hat jedoch den reellen Werth von 4 Rubel 50 Kopeken. Hierauf besichtigten wir die eigentliche Wäscherei, die nicht weniger primitiv eingerichtet ist, als die Förderung. Die ganze Goldseife, einschließlich des Gerölls, wird auf eine durchlöcherte Eisenplatte, welche in einer Holzrinne liegt, geschüttet, über das Ganze fließt Wasser und spült den Sand und feinere Theile in der Rinne fort. Die gröberen Goldstücke bis Haselnußgröße bleiben schon auf der unter der durchlochten Eisenplatte angebrachten Holzrinne liegen. Nun wird das übrige Geröll und die kleineren Steine mittelst Krücken über die sögenannte Amerikanka" (Amerikanerin) weitergeführt, wobei der Wasserstrom auch das seinige leistet. Diese Amerikanka besteht aus eisernen Rahmen mit Wasserzuführung. kleinen quadratischen Fächern, welche in die Holzrinne eingesetzt werden. In diese einzelnen Fächer setzt sich nun an der tiefsten Stelle das Gold ab und zwar die kleineren Stücke von Erbsengroße abwärts und die ganz großen bis zu 2$ Pfund, welche nicht in den Löchern der oben erwähnten Eisenplatte Platz finden. Man kann sich leicht vorstellen, daß bei dieser Art der Arbeit, das sögenannte Flimmergöld (kleine quadratische, äußerst dünne Goldplättchen) nicht gewonnen werden können, wodurch ein Verlust von wenigstens 1518 Procent eintritt. Alsdann bewunderten wir die wirklich genial einfache Pumpstation.' Das Wasser, welches sich im Schacht angesammelt, wird dadurch in zweckdienlichster Weise ausgepumpt. Eine einfache Holzrinne führt einem oberschlächtigem Mühlrade das nöthige Volumen Wasser zu. Dieses Rad bethätigt seine Kraft durch Uebertragung zweier Hebelstränge aus eine gewöhnliche Saugpumpe, welche ihrerseits das Wasser aus den Stollen zu Tage f'ördert. Dann besichtigten wir neben der
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Wasserzuführung eine Reservewäscherei. welche für den Fall, daß an der oben genannten eine Betriebsstörung eintreten sollte, in Thätigkeit tritt." Helden dcs MecreS. Berechtigte Bewunderung hat in drr ganzen civilisirten Welt der Heldenmuth erregt, mit welchem die Bemannung des Dampfers Bulgaria" von der Hamburg - Amerika - Linie" wochenlang mit den entfesselten Elementen kämpfte, um das auf das Aeußerste gefährdete Schiff vor dem Untergang zu retten. Unter der Führung des Capt. Schmitt trat die Bu! garia" mit 41 Passagieren, voller Ladung und einer aus 98 Köpfen bestehenden Bemannung von New Fork die Reise nach Hamburg an. Während eines furchtbaren Orkans schoß ein Theil der Ladung über, das Schiff legte sich auf die Seite und trotz aller Anstrengungen war die Mannschaft außer Stande, dasselbe wieder in die richtige Lage zu bringen. Während Capitän Schmitt und seine Leute in dieser gefahrvollen Situation einen Verzweiflungskampf mit den Elementen führten, nahten die Dampfer Antillian", Koordistan" und Weehawken", aber das Unwetter war so furchtbar, daß keiner derselben der bedrängten Bulgaria" Hilfe zu bringen vermochte. Allgemein galt das Schiff für verloren und diese Besorgniß erhielt neue Nah-
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C a p t. S ch m i t t. rung, als der Dampfer Victoria" mit 4 Mann von der Besatzung der Bulgaria", die während des Sturmes von ihrem Schiff weggetrieben waren, in Baltimore eintraf. Aber unter der Führung des wackeren Capt. Schmitt hatte die Bemannung der Vulgaria" den Kamps mit den Elementen nicht aufgegeben und unter unsäglichen Schwierigkeiten gelang es, das Schiff in den Hafen von Ponta Delegada auf den Azoren zu bringen. Während der furchtbaren Fahrt erlitten-viele Passagiere und Matrosen Verletzungen, aber nur ein Menschenleben ging verloren. Die Rettung der Vulgaria" unter so schwierigen Umständen ist eine That, welche in der Seegeschichte kaum ihres Gleichen haben dürfte, und welche den deutschen Seeleuten zu unvergänglicher Ehre gereicht. Rücksichtsvoll. Was kriechen Sie denn hier unter meinem Stuhl herum?" Ach, Pardon, ich wollte nur 'mal nachsehen, ob Sie vielleicht auf meinem Cylinder sitzen!" Auch einOpfer. Hausfrau: Anna, wo ist denn die große Leberwurst, die gestern noch hier hing?" ' Köchin: Jott, Madam', die hat ooch der Militarismus verschlungen!Ein praktischer Arzt. Dieser Doktor Knifflich hat doch ein riesiges Glück, kaum in paar Wo chen erst ist er hier und mußte schon das zweite Wartezimmer einrichten, namentlich die Damen sind, ganz erpicht auf ihn." Versteh' ich vollkommen, ist ja auf zwölf Modejournale abonnirt" Mahnung. In einer Familie kommt ein Vetter vom Lande und wird zu Tische geladen. Thun Sie ganz, als ob Sie bei sich wären!" muntert ihn die Hausfrau beim Essen auf. Das läßt sich der Vetter natürlich nicht umsonst gesagt sein und haut tüchtig ein, so daß die Platten sich bedenklich lichten und der kleine Karl fürchtet, beim Essen nicht auf seine Rechnung zu kommen. Eine Zeit lang sieht er noch zu, da sich aber der Appetit des Vetters nicht im geringsten zu vermindern scheint, benützt er eine Pause im Gespräche der Großen und sagt: Liebei Vetter, bitte, wollen Sie nicht jetzt einmal thun, als ob Sie bei uns waren?" .
Licyt ab Keilmitter. Wieder ein neues Heilmittel! wird mancher Leser ungläubig mit dem Kopfe schüttelnd ausrufen, und noch dazu Licht, unser gewöhnliches Licht als, Heilmittel?" Und doch ist die Sach gar nicht so wunderbar, fondern sehr einleuchtend und verständlich wird uns die Lehre von der heilenden Wirkung des Lichtes, wenn wir von den schon seit Jahren in den phhsiologischen Archiven niedergelegten Berichten über die Wirlungen des Lichtes auf krankheitserregende Bakterien, auf den pflanzlichen und thierischen StoffWechsel und die verschiedensten hochwichtigen Lebensvorgänge hören. Nach dem traurigen Vorkommnis in Wien, welches hoffnungsvolle Menschenleben an der schrecklichen Pesterkrankung dahinraffte, wird wohl selbst der Blödeste überzeugt sein, daß wir in den Bakterien die Erreger der ansteckenden Krankheiten zu suchen haben. Die Untersuchungen namhafter Gelehrter, wie Geißler, Buchner, Dieudonnö und vieler anderer, welche aufzuzählen zu weit führen würde, haben nun ergeben, daß alle diese pathogenen, d. h. krankheitserregenden Keime, wie Typhus-, Cholera-, Milzbrand-, Tu-berkel-, Diphtherie- und neuerdings auch Pestbacillen unter der Einwirkung des Sonnenlichtes und des elekirischen Lichtes zum Absterben gebracht werden. Ebenso haben mit den gefährlichen Milzbrand-, Tuberkelund Diphtheriebacillen geimpfte Thiere
Hauptgebäude. die Impfung überstanden, wenn sie beständig dem elektrischen Lichte'ausgesetzt waren. Das Licht ist ferner ein wichtiger Heilfaktor, weil der StoffWechsel energisch angeregt wird; specielle Untersuchungen haben darüber Moleschott, Selmi und Piacentini, Pott, Platen und andere Forscher angestellt. Es stellte sich im Allgemeinen heraus, daß die Sauerstoff - Aufnähme im Hellen und Dunkeln sich verhält wie 116:110, die KohlensäureAbgabe wie 114:1(X). Auf diesen physiologischen Thatsachen berührt die heilende Wirkung des Lichtes, wie sie bei allen mit Verlangsamung 'des Stoffwechsels einhergehenden Krankheiten, wie Fettsucht, Rheumatismus, Diabetis, Asthma.Gicht,Bleichsucht und anderen bisher beobachtet wurde. Man wandte bei derartigen Leiden Lichtbäder mit überraschendem Erfolge an, und so bestehen denn viele Anstalten, in welchen die Lichtbäder sich als die angenehmsten, saubersten und völlig gefahrlosen Heilbäder glänzend bewährt haben. Da der Druck des Wasserdampses auf die Haut, sowie das bei den Dampfbädern stets sich bildende Kondenswasser bei den Lichtbädern nicht vorhanden sind, so können dieselben auch von Herzkranken ohne Schaden genommen werden; ein Vorzug, welcher sie allen übrigen Schwitzbädern weit überlegen macht. Abgesehen von der schweißtreibenden Wirkung kommen den Lichtbädern noch andere Eigenschaften zu, welche sie in hohem Maße als Heilfaktoren geeignet erscheinen lassen. Da Innere Ansicht. der Kopf frei bleibt und jeder einzelne Patient für sich behandelt wird, bleibt ihm besonders erspart, dieAusdllnstungen vieler Menschen einathmen müssen, wie das z. V. in den russischrömischen Bädern der Fall ist.' Während ferner nach diesen und ähnlichen Schwitzbädern, welche z. B. für Herzkranke geradezu gefährlich sind, sehr häufig eine Schwächung eintritt, sieht man im Gegentheil nach den Lichtbädern eine Stärkung des ganzen Nervensystems, sowie auch - KörpergeWichtszunahme auftreten. So wurden schwere Fälle von Neurasthenie, Hysterie und verwandten Zuständen äußerst günstig beeinflußt. Auch die Rückenschwindsucht (Tabes dorsalis) erwies sich in vielen Fällen der Behandlung zugängig,' insofern jüls ein gewisser Stillstand der Erkrankung, in einigen sogar direkte Besserung des Gehvermögens eintrat; besonders bei derartigen Krankheitserscheinungen zeigte sich die Verbindung mit der Vibrationsmassage äußerst Vortheilhaft. Außer den Lichtbädern wird das Licht conzentrirter Form in Gestalt der örtlichen Bestrahlungen einzelner Körpertheile in Anwendung gebracht. Auf diese Weise wurden fehr hartnäckige Unterschenkelgeschwüre. Lupus. Flechten und parasitäre Hautkrankheiten zur Heilung gebracht. Diese Heilungsvorgänge erklären sich neben der bakterientödtenden Wirkung des Lichtes .durch die Blutverbesserung und lebhafterer Blutcirkulation der Haut. Diese zahlreichen Erfolge führten zu dem Gedanken, in Berlin ein allenAnforderungen der modernen Wissenschaft entsprechendes Institut zu gründen, in welchem die Lichttherpie
auf wissenschaftlicher Grundlage werter geprüft und ausgebaut werden könne, und so ist denn auf Veranlasfung -der volkswirthschaftlichen Gesellscbaft in Charlottenburg, die medizinifche Lichtheilanstalt Rothes Kreuz" gegründet und den Berliner Aerzten zur Behandlung ihrer Patienten zur Verfügung gestellt. Die Anstalt erfreute sich, dank ihrer allen berechtigten Ansprüchen Rechnung tragenden Einrichtung, schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens eines zahlreichen Besuches, die mit cllem
Behandlungsräume. Comfort eingerichteten Räume erwiesen sich schon als zu klein, so daß man bereits umfangreichen Erweiterungsprojekten näher zu treten gezwungen war. Das Grundprinzip der Behandlung ist möglichstes Vermeiden von Arzneien und operativen Eingriffen, möglichste Beschränkung auf physikalischdiätetische Maßnahmen, ohne erstere etwa grundsätzlich zu verwerfen. Ein neuer Fortschritt in der in der Anstalt geübtenLichtbehandlung liegt in dem combinirtem Verfahren, welches die gleichzeitige AllgemeinbeHandlung des transpirirenden Körpers und örtliche Behandlung einer erkrankten Körperstelle ermöglicht. In Verbindung mit der oben schon erwähnten Vibrations - Massage scheint das Lichtheilverfahren berufen, eine gewisse Umwälzung auf medizinischem Gebiete hervorzurufen, wie denn auch seine Bedeutung von den größten Autoritäten auf dem Gebiete der Physikalisch - diätetischen Medizin rückhaltslos anerkannt wird. Der allerhöchste Grundsatz für jeden Arzt soll und muß sein: Nil nocere", d. h. nichts schaden!" Hier haben wir ein solches Verfahren, welches nicht nur niemals irgendwie schaden kann, sondern in den weitaus meisten Fällen zur Genesung führt, ja sogar wiederholt schon Heilungen zu Wege gebracht hat, welche selbst von den das Versahren anwendenden Aerzten vorher nicht für möglich gehalten wurden. H ö ch st e s E n t z ü ck e n. r-rn 4 I li Köchin: Na, schau' 'mal in unsere Speisekammer!" Grenadier (entzückt): D, Juste. det Leben ist doch schön!" Immer zerstreut. Stationschef (zum Professor, welcher soeben angekommen): Erwarten Sie noch Jemand, Herr Professor?" Professor: Nein, ich. . ich will nur dem Kutscher ein Trinkgeld geben!" DieHauptsache. Siehst du's. Alte, demaschkiert is a ganz andrer Schwung; wos hilft uns die ganz' Protzerei, wenn d' Leut net Wissen, wer mir san." Vorsicht. Warum sitzen Sie immer am Klavier.Herr Lehmann, Sie können doch nicht spielen?" Ganz recht, aber ein Anderer auch nicht, so lange ich hier sitze." S p e k u l a n t i n. Freundin: Du, da drüben steht Dein Mann am Juwelierladen. Wollen wir ihn rusen?" Junge Fra: .Aber nicht doch. Cläre, nächste Woche ist doch mein Geburtstag!" In der Küche. Madame: Wie, Sie lesen Romane, Mina?" Köchin (mürrisch): Na, was bleibt mir anders übrig. . . erleben thut ja man doch keinen bei dem schlechten Essen, welches es hier gibt!"
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F r e u n d s ch a f t S d Z e n st. Auweh, eben schlägt's 2 Uhr! . . . Geh'. Freunder!, thu' mir den Gefallen und schau' nach, ob meine Alte schon schlaft!" O, rcht gern Du weißt ja. Taferl, daß ich Dir nichts abschlagen kann!" (Nach einigen Minuten.) Nun?" Nein, Freunder!, sie schlaft noch nicht!!" Im erstenSchreöen! Zwei Officiere, die zur Manöverzeit beim Adlerwirth einquartirt sind, haben sich zu Mittag zwei Beefsteaks bestellt und sind eben im Begriffe sich zu Tische zu setzen, als Alarm geblasen wird. Sie nehmen sich deßhalb lächt mehr Zeit zum Essen und stürzen davon. Nach einer Viertelstunde aber kehren sie zurück, weil sich die ganze Geschichte als blinder Lärm herausgestellt hat, und sagen zum Adlerwinh, er solle jetzt die Beefsteaks auftragen lassen. Der aber steht da wie die Butter an der Sonne und erwidert: Des thuat m'r loid, Ihr Herra, aber Beefsteak geit's koine meh'! Dia hau' n e scheint's im erst: Schrecka selber 'gessa!" NeuesEmpfehlungsmittel. u .. .Ihre Zeugnisse sind wohl nicht die besten?" Darauf ist auch nicht viel zu geben, gnädige Frau, aber ich habe hier eine Nummer der Morgenzeitung" bitte nur erst 'mal das graphologische Urtheil über mich zu lesen!" . Emancipirt. Nadfahrerin (zu ihrer Freundin): Denk' nur, Lene Müller will absolut nicht Radfahren lernen; sie sagt, ihr sei am wohlsten. wenn sie sich :m Hausyall beschäftigen könne!" Freundin: Ach Gott, die verdrehte Person war ja immer schon so emancipirt!" E i n I u n g g e s e ! l e ist über all zu Hause, aber ein Heim hat er nir, gends. BoShaft. Alte Jungfer: Mem Bräutigam ist zehn Jahre älter als ich." Herr: Das ist wohl nicht möglich!" Ein Gemüthsmensch. Komödiant (zu seiner Frau): Warum wendest Du alles dem Kaufmann Müller zu? Borg' doch auch mal bei 'nem Ändernd
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FrühlingSwunder. Von Anna Willen. Der Frühling hockt, ein frierend Kind, Verschneit im Wald tiefinnen Und sieht: schon läßt Thauwetterwind Die weiße Pracht zerrinnen; Sieht, wie mit grünem, weichem Sammt Ist Baum für Baum bezogen, Und über's Saatfeld zeh'n entflammt Der Hoffnung goldne Wog:n. Ein Griesgram schlendert durch den ' Wald Vorbei an Baum und Hecken: Will denn die Sonne nun nicht bald Den faulen Frühling wecken? Der Frühling hört's und denkt bei sich: Der soll noch lange warten! Für Nörgler mach' ich sicherlich Die Erde nicht zum Garten. Da kommt ein junges Paar daher Gesungen und gesprungen. Sie wandeln lachend kreuz und quer Und Hand in Hand verschlungen. Da rauscht derWald. dieSonne lacht O Wonnezeit des Märzen! Eh' es der Griesgram noch gedacht. Erscheint der Lenz in aller Pracht, Hat man ihn nur im Herzen! Qlinde Kuh.
Von Paul Stark. Ein Viertel nach Mitternacht. Eine Partie Carre aus zwei lustigen Pärchen in eleganten Fracks und DominoZ kreuzt die Straße vom Theater, wo heute Maskenredoute ist, zum gegenüberliegenden Restaurant. Unter Bücklingen und Serviettenschwenken wird die vornehme Gesellschaft von den diensteifrigen Kellnern in ein luzuriöles cabinet particulier geführt. Bald bringen die geschäftigen Ganymede Austern und Ehablis herbei. Indessen haben die Earnevals-Gäste lachend und lärmend das Menu des zu bestellenden Soupers ausgesucht. Kein Zweifel, es sind Eavaliere und Feinschmecker, die das Beste und Theuerste wählen und dabei in der Zusammenstellung raffinirten Geschmack mit bewährter Routine im Soupiren verrathen. Der Her: Oberkellner übernimmt in höchsteigener Person die Anordnung und Ueberwachung des reichen Liebesmahles uno entkorkt eigenhändig den Champagner. Trotz seiner langjährigen Fertigkeit darin nimmt das jedesmal mehrereMinuten in Anspruch. Denn immer wieder muß er sich vor Lachen schütteln. Die Anekdoten, die sich die lustigen Leutchen erzählen, sind doch zu toll! Hahahaha! Es ist zum Kugeln! Wißt Ihr", erzählt der Herr mit dem funkelnden Solitair in der Hemdbrust, wißt Ihr, mit einer ganz ähnlichen Farce habe ich erst ganz vor kurzem einen anderen Vielprozentigen reingelegt. Die Dummen werden nicht alle!". Die Dummen werden nicht alle!" crscholl es in heiterem Chöre. Der ccie moniöse Oberkellner sogar ertappte sich dabei, wie er in den Ausruf unwillkürlich einstimmt. Ihren Höhepunkt erreicht die Carnevalslaune, als einer der Herren sich beim .schwarzen Kaffee als Bauchredner producirt. Her Bzron", ruft die eine der beiden reizenden Damen, Sie folgen öffentlich auftceten!" Vorläufig habe ich das noch nicht nöthig", sagt der Angesprochene, eine dicke Brieftasche hervorholend. Kelluer, zahlen!" Gestatte, das ist meine Sache." sagt der andere vornehme Gast, die Rechnung von dem silbernen Teller nehmend. Ich habe Euch zum Souper eingeladen!" rief der Erste. Die Rechnung zahle aber ich!" rief der Zweite. Das gebe ich als Gentleman nicht zu!" Ich auch nicht!" Halt, eine Idee!" fuhr eine d:r Damen zwischen die Streitenden. Der Herr Oberkellner soll bestimmen." Das kann ich denn doch nicht," wehrte sich dieser. Ein kleiner Faschingsscherz Sie lassen sich die Augen verbind: und suchen blinde Kuh! Blin. de Kuh! Wen Sie eingefangen, der zahlt die Zeche." Und wenn er eine Dame einfängt?" fragte der eine Gentleman. Die zahlt doch". . . Die zahlt mit einem Kuß, und so geht's weiter, bis ein Herr eingefangen ist." Hahaha!" lachten alle im Chöre. und der Oberkellner ließ sich lachend die Augen verbinden. Blinde Knh. blinde Kuh!" hörte er einige Male um sich herum rufen. Dann tappte er auf den Corridor hinaus. Jetzt hab ich einen! Der wird das Souper bezahlen!" Was haben Sie, HerrOberkellner?" fragte Joseph, der Piccolo. Der Oberkellner riß sich die Binde 'Wo sind die Gäste?" Die sind fort, und Sie sind'Z, der die Zeche bezahlt.Logik. Stubenmädchen: Frau, v. Klatschbase ist da und wünscht die gnädige Frau zu sprechen." Gnädige: .Sag', ich sei unwohl ich habe furchtbare Zahnschmerzen." Stubenmädchen: Nein, das kann ich doch nicht sagen, da mache ich mich ja lächerlich." Gnädige: Wieso denn?" StubenMädchen: Weil Frau v. Klatschbase längst weiß, daß gnädige Frau falsche Zähne haben." - Im Dusel. Frau: Na. Du siehst ja recht nett aus!" Gatte: Thut mir hup sehr leid, kann Dir abe? hup das Compliment nicht zu rückgebenl"
