Indiana Tribüne, Volume 22, Number 179, Indianapolis, Marion County, 19 March 1899 — Page 2

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ßine modmie Aido.

Von Anna Mevmund. ' Die Klostersttbauerin war früh Wittwe geworden. Mit zweiundzwanzig Jahren war sie unumschränkte Herrin des großen Hofes, der am ein samen Elbdeich in Dittmarschen lag. Ein ehemaliges Kloster, von dem nur die altersgrauen Umfassungsmauern mit dem eisenbeschlagenen Flügelthore und einem davorliegenden, schilfumwachsenen Zleinur 5iz übrig geblieben waren, gab dem Besitz seinen Namen. Schön war iic Klosterseebäuerin Jngeborg, groß und schlank, und ihre blanden Flechten trug sie so stolz. Wie eine Königin ihre Krone. Sie hatte viele Bewerber; Alle wies sie zurück. Aber ein Herz hatte sie doch, und das schlug für einen einfachen Bauern knecht, der seit manchem Jahr in ihren Diensten stand. . Jens Jversen hatte kluge, braune Augen, tin ruhiges, bestimmtes Wesen und trotz seiner emfachen Lebensverhältnisse eine Herzensbildung, die ihn ivtit über seine Standesund Altersgenossen emporhob. FrauJngeborg hatte ihn nach und nach mit den wichtigsten Posten der Wervaltung betraut, ihm auch das Gestüt übertragen, das in ganz Dittmarschen berühmt war. Wie sehr sie Jens aber auch bevorzugte, er hielt sich stets in seinen Grenzen, und das grämte sie tief, obwohl ihr Stolz .ihr jede Aeußerung darüber verbot. Sie fand des Räthsels Lösung eines Abends, als sie ihn mit einem barfüßigen, jungen Ding im Arme traf, einem Kleinmädchen des Hofes, das nichts sein Eigen nannte als 'das Röckchen, das es trug, und ein püar große, unschuldige Kinderaugen. Ein Vorwand, die Magd zu entlassen, ergab ,sich für die Herrin bald, aber das besserte nichts; beim nächsten Termin kündigte Jens seine Stelle, da .er zu Martini heirathen wolle. Die schöne Jngeborg fuhr von ihrem Sitze auf, dann sagte sie sanft, so sanft, wie tzt$ noch nie von ihr gehört hatte: Ich kann Euch in der Wirthschaft nicht entbehren! Ich bitte Euch, bleibt! Ich will EurenLohn verdoppeln." Es geht nicht, .Klostersbäuerin, die Liese steht allein in der Welt; wenn ich sie nicht zu mir -nehme, wird sie mir verdorben, und dazu hab' ich sie zu lieb." Die Frau zuckte hochmüthig die Achseln: Um solch ein dummes Ding" sagte sie zornig, und wandte sich ab. Da sie nichts hinzufügie, nahm er den ausgezahlten Lohn vom Tische, seine Papiere und wandte sich zumGehen. Aber ti hatte noch ,nicht die Thürklinke in der Hand, als sie Jens" rief und wieder Jens"!!" rief mit einem Tone, der ihm durch Mark und Bein ging. Er wandte sich um. Sie stand vor ihm, das stolze, schöne Gesicht von Thränen überfluthet und schluchzte: Begreifst Du es denn garnicht, Jens, daß ich Dich nicht lassen kann, daß ich Dich lieb habe? Äimm den halben nein" sagte sie und stieß den Fensterflügel auf. daß man weit in die blühende Landschaft hinaus sah nimm den ganzen Hof imd mich dazu". Ich kann nicht, Frau Ingeborg", sagt er mit bebender Stimme, und wenn Sie mir Angeln und Schwansen und ganz Dittmarschen dazu anbieten ich kann die Liese nicht lassen." Er wollte nach ihrerHand fassen, doch mit einer stummen Bewegung stieß sie dieselbe zurück und derließ den Raum. x Jens schritt aus dem Hause, rrm den Wagen, auf dem schon sein. Koffer stand, und ging noch einmal in den Pferdestall. Ein kleines Füllen, das er mit derSaugflasche aufgezogen, sprang ihm zutraulich entgegen, und ein edelgeborener Rappe, dessen Wartung tx in all den Jahren nie in eines andern Hand gegeben, wieherte und schnupperte nach den gewohnten Leckerbissen. Er gab ihm das Stückchen Zucker, daZ er für das Pferd stets bei sich trug und schlang seine Arme um des treuen Thieres glänzenden Hals. Der eben erlebte unerwartete Austritt mit der herrischen, schönen Frau, der Abschied von der lieb gewordenen Arbeitsstätte und ein banges Gefühl, daß Frau Jngeborg nicht ungestraft sich habe verschmähen lassen, durchzogen seine Seele. Dann fuhr er ohne sich umzusehen davon. Die Hcchzeit wurde wenige Wochen später in dem etwa eine halbe Stunde vom Klostersee entfernt liegenden nachsten Dorfkruge gefeiert. Jens hatte keine große Betheiligung erwartet; um so erstaunter war er, als das gesummte Klostergesinde zum Kaffeepunsch und Tanz bei ihm eintraf. Frau Jngeborg hatte Allen bis zum nächsten Morgen Urlaub gegeben. Obgleich es sein Ehrentag war, konnte Jens seines Glücks nicht froh werden; aufathmend trat er vor die grünumwachsene Thür des Kruges und blickte über die weiten Marschen hinaus ein leiser rother Schein lag verglimmend am fernen Horizonte. Sein jungeö Weib trat im schwarzen Kleide, im Schleier und Myrthenkranz zu ihm; im zärtlichen Geflüster mit ihr vergaß er für den Augenblick, was ihn bedrückte. Der rothe Schein am Horizonte verschwand nicht; er wurde größer, breitete sich aus. ein arauer Dunstschleier hing in der 'Luft und Feuer" rief es plötzlich hinter ihm. Der Ruf wiederholte sich, die tanzenden Paare kamen herausgestürzt. Sollte es der Klosterseehof sein? Während die anderen noch beriethen, ob es dieser sei oder ein am Wege liegender Strohdiemen sein könne, hatte Jens sich auf ein Pferd geschwungen und war davon gesprengt. Sein Herz sagte es ihm sofort: das war der Gruß der Klofterseebäuerin zu seinem Hochzeitstage! Als er um die Windung des Deiches bog, stutzten Pferd und Reiter: vor ihnen, nur durch den kleinen See getrennt, stand fc Klosterhof in vollen Flammen

Auö den massiven Mauern empor leckte das Feuer an vier, fünf Stellen zugleich in die Luft; eö war so still umher, daß man das Knistern der Flam-

i men und das Krachen des berstenden j Gebälkes über den kleinen See herhören konnte. Kein Mensch war zu sehen. Jngeborg!" schrie er auf. stürmte in rasender Eile um den stillen Weiher, sprang vomPferde und rüttelte an dem mächtigen Thor. Aber es war verschlössen wie die beiden kleinen Fenster im tiefen Mauerwerk daneben, und wie höhnend stieg jetzt eine breite Feuergaröe aus dem Kornboden empor, das brennende Getreide wie einen funkelnden Schleie: L6er den Hof ausbreitend. Jens schrie auf. Das war Ingeborgs Wert, sie hatte den Brand angelegt! Sie hatte sich selbst den Holzstoß angezündet, um den Hochzeitstag des Geliebten nicht zu überleben, um der Qual des Verschmähtseins zu entgehen. Jetzt endlich erschienen andere auf der Brandstätte. Jens überließ es ihnen, das Hofthor einzustoßen, und wandte sich nach den Ställen zu seinen Pferden. Ein furchtbarer Anblick bot j sich ihm dar. Durch den Rauch und die Helle geangsvgt, bäumten sich mt edlen Thiere And rissen verzweifelnd an den Ketten irnd Halftern. Das junge Fül"len hatte sich in seiner Todesangst überschlagen und das Rllckgrad gebrochen; es lag verendend quer über den Krippen. Aus dem Heuboden darüber, wo das Feuer jetzt Eingang gefunden, fiel das .Heu in Llühenden Flocken aus die dicht aneinander gepreßten Thiere nieder. Mit übermenschlicher Anstrengung, mit dlutüberströmten, rauchgeschwärzten .Händen suchte Jens die verwickelten Halfter zu lösen, riß seinen Hans heraus, zog das stch sträubende, nach allen Seiten ausschlagende Thier ins Freie, übergab es einem .Knechte nnd stürzte zum Stalle zurück. Aber zu spät! Ein Strom brennenden Heues quoll aus der Decke nieder auf die .unglücklichen Thiere. Um ihre Todesqual ju .kürzen, schlug Jens die 'Thür zu und mit donnerndem Geprassel stürzten wenige Augenblicke später die Stallgebaude zusammen. Beim Morgengrauen war man des 'Feuers Herr geworden. Im SchlafZimmer deiKlostersecbäuerin fand man verkohlte menschliche Ueberreste. Unter einem schweren Balken war .ein Theil derselben unversehrt geblieben; es war der Arm irnd die Hand der schönen jngeborg mit all ihrem kostbaren Geschmeide und ihren'Äingen. Wie zu einem Feste hatte sie sich geschmückt. Tags zuvor hatte sie dem Ortsvorsteher einen versiegelten Brief übergeben, den man jetzt erbrach, uno in dem sie bestimmte, daß .Alles was vom Klosterseehof übrig bliebe, dem Jens Jversen erb- und eigenthümlich gehören solle.-" Aber wo war rr? Seme jungeFrau. welche Schleier und Kranz abgelegr -und in ihrem schwarzen Kleidchen überall mit geholfen hatte, fand ihn ausgestreckt am Abhang des Klostersees liegen. Als sie neben ihm niederkniete, hörte sie, daß er bitterlich schluchzte. Warum meinst Du?" fragte sie, sein Besicht sanft emporhebend. Er deutete schweigend seitwärts, wo im Schilfe ein Pferd todt hingestreckt lag. .Ich habe den Hans mit Gefahr meines Lebens gerettet", sagte er leise, aber es half nichts. Der Rucken roar ihm bis auf den Wirbel durchgebrannt; er litt fürchterlich! Ich führte ihn hierher. Wii ict PrnYrn brfirft ick nnA einmal zärtlich seinen Kopf an mich, mit der , Rechten schoß ich ihn dnrch's Hrez. Er ; sank sofort zusammen, sah mich noch ernmal irrn sernen guten großen Augen, den Augen eines Freundes, lincn Menschen an, und dann wars vorbei." Und der neue Gutsherr des Klosterseehofes und seiner reick'gesegnetenLändereien legte den Kopf in seines jungen Weibes Schooß und weinte um seinen Hans. Weißt Du, daß man die Klosterseebäuerin verbrannt gefunden hat?" fragte Liese zaghast, die versengten Haare ihres Gatten streichelnd. Er fuhr entsetzt empor. Also doch!" stieß er heraus ich dachte es mir wohl." Warum dachtest Du es?" fragte sie leise. Er aber antwortete nicht und schloß ihr den Kindermund j mit einem langen, innigen Kusse. Trinklustige Dnmen. Es gab eine Zeit, in der auch die weibliche Welt Gefallen daran fand, zum .Schoppen" zu gehen, und diese Zeit war das sechzehnte Jahrhundert. Damals wurde das Kneipen der Damen so sehr Mode, daß sogar die BeHorden wiederholt gegen die Weiberzechen" einschritten. In Aktenstücken aus jenen Jahren begegnet man immer und immer wieder den Namen von Frauen, die eine Bermahnung deswegen erhielten, weil sie den Weg aus der Kneipe nach Hause nicht ohne-Hilfe zurückzulegen vermochten.Dabei waren es oft Frauen aus den besten Kreisen, die auf diese Weise Skandal erregten, wie z. B. im Jahre 1591 die Frauen der Tübinger UniversitätsprofessorenCrusius und Hornberger, von denen es in einer Prozeßschrift aus genanntem Jahre heißt, daß sie oftmals nach Lustnau und Derendingen ziehen, sich dem Trunke ergeben und sich dabei ungebührlich halten und ziemlich verdächtig erzeigen". Naive Frage. Herr: Ich hatte mir doch ausbedungen, daß meine Zukünftige keinen Körpermangel haben darf, und nun hat die Dame, die Sie mir verschafft haben, einen kolossalen Buckel!" Heiraths - Agent: Ja, mein Herr, halten Sie denn einen Buckel für einen Mangel?-

Die Bache es Vajay.

Von Mattm Weber. Um Gotteswillen, wir sind verloren!" schrie eine junge Mädchenstimme. Gleich darauf ein kreischender Aufschrei, einige unterdrückte Flüche aus Männermund, ein Knatkern von Flintenschüssen und der langgezogene Trompetenton eines von Scymerz und Angst geschüttelten Elephanten... das Äschungelgebüsch der indischen Landschaft brach links und rechts zur Seite und der Thiercoloß sank aufschnaubend und mit rollendem Rüssel die Luft peitschend, in die Knie. drin neuer Aufschrei und aus dem hölzernen Thurm, den der Elephant auf seinem Rücken trug, stürzte, von der Tatze des Tigers, der seine Pranken in den Widerrist des zuckenden Tragthieres geschlagen hatte, getroffen, ein formloser, zerfetzter und blutender Mcnschenkörper in die Tiefe. Es war der eine von den beiden Männern, in deren Gemeinschaft das junge Mädchen, die Amerikanerin Miß Kitty Evans, den Thurm zur Tigerjagd be-' stiegen hatte. Fast in demselben Augenblicke, als der eü;e Gefährte den tödtlichen Streich von der Bestie erhielt, trachte ein neuer Schuß, und unten, neben seinem Opfer, wand sich das königliche Thier in den letzten, krankhaften Zuckungen. Kitty Evans hatte mit versteinertem Angesicht und stieren Augen dagesessen. JetS athmete sie auf. Der zerrissene Gefährte, der am Boden lag. kümmerte sie offenbar sehr wenig; sie warf kaum einen Blick auf ihn. Die Freude, selber mit dem Leben davongekommen zu sein, erfüllte sie ganz. Oh. Sir, das ist furchtbar," sagte sie leise zu ihrem Begleiter. Ist nun alles vorüber?" Der Angeredete wandte den Kopf hastig herum. Das Lastthier hatte sich wieder erhoben und streckte nun in wilder Aufregung den Rüssel spürend vor sich aus. Dann wieder jener schnaubende Trompetenton. und mit ungestümer Wucht suchte sich das geängstigte Thier rückwärts in das Dschungelgebüsch zurückzuziehen. Um Gotteswillen ! Was bedeutet das?" rief die blonde Amerikanerin und faßte ihre Büchse fester mit den bebenden Fingerm Da scheint die Tigerin ihren Gatten rächen zu wollen," entgegnete der Andere kaltblütig. Da in der That sehen Sie, Miß. die Augen der Bestie ja... schießen Sie nicht..." Die Mahnung kam zu spät. Miß Kitty's Büchse hatte sich entladen, ohne das Thier zu treffen. Ein heiseres Wuthgebrüll aber verrieth, daß es den ihm entgegengesandten Gruß wohl terstanden habe. Gleichzeitig krachte der Schuß des Mannes und gleichzeitig saß der Tiger auf dem Kopfe des Elephanten. Dieser stürzte und suchte vergeblich mit dem Rüssel seinen Peiniger zu fass en. Ein Prasseln des Thurmes, glühend heißer Athem, der ihr eine Secunde lang in dasGcsicht wehte, dann Blut, das ihr über die Augen rann sie konnte nicht mehr unterscheiden, ob es das Blut des Thieres, oder das ihres Gefährten oder ihr eigenes war dann hörte sie och einen scharfen Knall und ein kurzes Zischen dicht neben ihrem Ohr, und dann war elles vorbei: Miß Kitty hatte das Bewußtsein verloren. Als sie, immer noch mit geschlossenen Augen, langsam ein verworrenes Träumen wiederfand, fühlte sie einen brennenden Schmerz und einen dumpfen Druck auf Stirn und Schädeldecke. Sie hörte eine tiefe, fremdländische Männerstimme leise reden, spürte die zärtliche Brührung einer weichen Hand, und wie ein vibrirender, wonnesüßer Ton zitterte es durch ihre Rerven. Ihre Augenlider öffneten sich halb und sahen ein tiefgebräuntes, feingeschnittenes Mannesantlitz über sich gebeugt, das von blauschwarzem Haar und Bart dicht umrahmt war. und aus dem zwei dunkle, abgrundtiefe Augensterne ihr entgegenleuchteten. Das war nur ein Moment, ihre Lider schlössen sich sofort wieder, aber die seltsamen schwarzen Augen, in denen Gluth und Weichheit sich zu mischen schienen, folgten ihr auch in die Nacht ihres bewußtlosen Dahindämmerns. Ein Gefühl der Ruhe, des Geborgenseins und einer geheimen Seligkeit überkam sie, und trotz ihrer Schmerzen flog ein leichtes Lächeln über ihre Züge. Als sie zum zweiten Mal erwachte, fand sie sich auf weichem Pfühle ausgestreckt; kostbare Teppiche waren über sie gebreitet. Der Raum, in dem sie sich erblickte, machte die Märchenpracht aus Tausend und eine Nacht lebendig. Indisch gekleidete Frauen machten sich im Saale und um die Kranke zu schaffen. Sie schien aus ihrem Traum erwacht zu sein, um einen viel glänzenderen Traum zu erleben. Drüben an der Wand stand die Gestatt eines hochgewachsenen, schlanken Mannes, die Arme verschränkt auf der Brust. Kitty erkannte den Kopf wieder, mit dem sich so lange ihre verschwiegenen Träume beschäftigt hatten. Es ging wie ein magischer Bann von diesen Augen aus, wie die Sterne auö unergründlichen Welträumen aufleuchteten. Sie konnte ihre Blicke nicht loslösen von diesem Gesicht mit seiner fernen, fremden Schönheit. Der Mann gab den Frauen einen leisen Wink mit dem Kopfe, und diese zogen sich ebenso geräuschlos zurück wie sie bisher hantirt hatten. Beide waren jetzt allein, die Kranke und der indische Rajah; denn daß der Mann ein Fürst sein müsse, sah sie an der Pracht, die ihn umgab, an seiner .stolzen, adligen Haltung, an dem schwelgenden Gehorsam, mit dem man seinen Befehlen nachkam. Kaum hatten die Frauen das Gfe

mach verlassen, als er die Arme aus ihrer Verschränkung fallen ließ, mit hastigen Schritten aus das Lager Kitty's zuschritt und mit einem Knie den teppichbelegten Boden berührte. Eine lange, beängstigende Stille trat

! ein.. Endlich brach Miß Evans das Schweigen. Ihr habt mir das Leben gerettet, Fürst. Ich danke Euch. Wo si.'.d meine Gefährten?" sagte sie. Eure Gefährten, Miß?" antwoc.et: der Inder, hätten bessere Schützen sein müssen, um Euer Leben und ihr eigenes schützen zu können. Sie sind todt. Ich danke dem Himmel, daß ich noch rechtzeitig kam. Einige Hautwunden, aber viel Blutverlust. In wenigen Tagen ist alles vorüber. Ich danke Euch, Fürst! Ich werde Euch 'immer danken!" sagte sie und reichte ihm mit leisem Lächeln ihre schmale weiße Hand. Der Rajah hielt sie umschlossen; seine brennenden Blicke schienen in ihre Seele dringen zu wollen, als er mit verschleierter Stimme entgegnete: Dankt mir nicht. Miß ! Ich that's für mich! Nicht nach Eurer Dankbarkeit verlangt's mich..'." Es schien, als wollte er noch etwas hinzufügen; aber er unterbrach sich,, während eine leichte Nöthe über sein feines gebräuntes Gesicht flog. Dann beugte er sein Antlitz hastig nieder und drückte einen Kuß auf die kleine Hand, die er in der seinigen hielt. Bei der Berührung seiner Lippen fuhr es blitzähnlich wie ein heißer, rollender Strom durch ihre Nerven. Die Hand zitterte. Ihr Augen richteten sich groß, fast erschrocken, auf den Mann, der immer noch auf seinem Knie vor ihr lag, und dessen Blicke, die aus der Lavagluth eines Vulkans zu kommen schienen, sie mit einem magischen Netz umspannten. Kitty schloß einen Moment die Augen: denn sie fühlte, wie jähe Purpurröthe in ihr Gesicht emporgeschossen war. Der Inder ließ ihre Hand fahren und erhob sich. Die Welt . steht Euch offen. Miß," sagte er. Was Ihr auch wünschet es soll geschehen! Nichts sei mein, was nicht auch Euer ist, mein Schloß, meine Schätze, meine Dienerschaft, mein Blut und mein Herz. Nehmt alles, und icy werde reicher sein als ich war. Wenn Ihr, die ein gütiges Schicksal so wunderbar auf meinen Weg geführt hat, mir dafür einen anderen Wunsch gestatten wolltet... verlaßt diese Mauern und diese Gärten so bald nicht! Mögen meine Augen noch lange Zeit die strahlende Sonne sehen, die ihnen so plötzlich aufgegangen ist! Wenigstens bis zu Eurer Genesung . . . laßt mein Herz hoffen. Miß! Ihr sollt hier Königin sein und herrschen ! Segnet das Haus noch, in welchem Ihr jetzt weilt! Eine hohe Göttin ist eingezogen; möge es ihr gefallen, immer darinnen zu weilen." An dem Ausgang blieb er stehen, wandte sich noch einmal um und schien die Absicht zu haben, zurückzukehren. Er besann sich aber und entfernte sich dann hastigen Schrittes, Miß Evans in einer Sturmfluth widerstreitender Empfindungen zurücklsssend. Kitty blieb. Diese neuen Verhältnisse hatten sie wie ein schwüler, wunderbarer Traum umfangen. - Die märchenhaft exotische Pracht schmeichelte ihren Sinnen; dr Troß von Sclaven, und Sclavinnen, die der leifeste Wink kommen und gehen hieß, befriedigte ihre Eitelkeit; das Bewußtsein, den Besitzer all' dieses Reich thums, den indischen Nabob als den gefügigsten aller Sclaven zu ihren Füßen zu sehen, erfüllte sie mit triumphirendem Stolz, und die glühende, wilde Leidenschaft, die aus seinen Augen brach und in das Eis ihrer kalten Secle nie gekannte Feuerbrände warf, thaten ihrem Verlangen nach dem Seltsamen und Romantischen wohl. So vergingen Wochen und Monate. . Endlich hatte sie dem Drängen des Nabob stattgegeben und ihm versprochen, sein Weib zu werden. Der Rajah war außer sich vor Glückseligkeit. Alles wurde zur feierlichen Vermählung vorbereitet. Am Tage vor derHochzeit war Kitty verschwunden. Der von einem Jagd, zuge heimkehrende Rajah fand nur einen Brief von ihrer Hand, in welchem sie ihm mittheilte, daß sie angefangen habe, sich, hier zu langweilen, und daß sie es vorzöge, in ihre Heimath zurückzukehren. Kein Wort um Verzeihung, kein Wort von Liebe! Wie vom Blitzstrahl zerschmettert sank der Fürst zu Boden. Drei volle Jahre .waren darüber hingegangen. Miß Evans lebte in New York und hatte jene romantische Episode ihres Lebens fast vergessen. Sie hatte unterdessen die Liebe eines vielfachen Millionärs errungen und sollte in. einigen Tagen in den Hafen einer Ehe einlausen, die sie mit ganzem Herzen herbeisehnte. Der Hochzeitsmorgen war herangekommen. Vergebens warteten die Dienerinnen im Vorzimmer auf das Erscheinen ihrer Herrin. Endlich wagte es die Vertraute, hineinzugehen. Da vernahmen die Genossinnen plötzlich einen lauten, kreischenden Aufschrei und das dumpfe Fallen eines Körpers. Man stürzte zitternd in das Schlafzimmer Kitty's. Am Boden lag ohnmächtig die Zofe; auf dem Bett ausgestreckt, kalt und starr, mit marmorweißem Angesicht Miß Evans, die königliche Gestalt umschlossen von einem weißen Gewände von wunderbarer, märchenhafter Pracht, halb Brautkleid, halbTodtenhemd, mit blutrothen Edelsteinen um Arm und Busen seltsam besetzt. Nichts deutete darauf hin, wodurch sie den Tod gefunden. Eine ganz leichte braune Linie um den Hals gab den einzigen Anhalt. Um den linken Arm befand sich ein breiter kunstvoller Goldreif, flimmernd von Edelsteinen.

Und bei genauerer Betrachtung setzten sich die feinen Diamanten zu Schriftzügen zusammen, die da lauteten: Der Rajah seinem ihm für die Ewigkeit angetrauten Weibe' Kitty Evans." Es wäre nicht möglich gewesen, den Ring zu entfernen, ohne die Leiche zu verletzen; man begrub sie so, wie man sie gefunden hatte. Die Nachforschungen der Polizei nach dem Thäter blieden erfolglos; aber etliche Stunden nach dem Begräbniß fand der Kivchbofswärter einen Mann mit schwarzem öockttl- und Varthaar, todt auf dem Grabe Kitty's hingestreckt, die Pistole noch in der krampfhaft geschlossenen Hand. Niemand hat erfahren, wer der Fremde war. Die ßreolin. Cubanische Skizze von Max Rene. Die Sonne goß eine Höllengluth auf Havana. Mein Gaul stolperce aus der staubigen Straße vor Uebermüdung. Gott sei Dank, daß die Dcpeschen abgegeben waren. Endlich Rube,' Kühle. Bald wird das Sternenöanner über der schönen Stadt wehen; die Feindseligkeiten waren ja schon einge stellt. O, diese unerträgliche Gluth' Der Schweiß rann mir in die hohen Reiterstiefel und drang auf den Schulterblättern durch die Uniform. Nun, Bob, wo ist denn das Quartier?" Der Diener wies auf ein weißes, in lauschigem Grün gelegenes Haus, da? sich wie ein Schmuckkästchen ausnahm. Na, dann links ab. ' Der Huf meines Pferdes schlug den Kiesweg, der bis zum Hause führte. Alle Jalousieen waren heruntergelassen eine Todtenstille. Ich ritt bis zur Treppe kein Mensch ließ sich sehen. Ich sprang vom Pferde; mein Säbel rasselte etwas absichtlich, und meine Sporen klirrten, als ich die Treppe betrat. Da erscholl aus dem Hause ein langer, klagender Ruf. Ich hielt einen Augenblick erschreckt inne, dann öffnete ich mit festem Griffe die Thüre und trat in den kühlen Flur. Geräuschlos öffnete sich eine Thür neben mir, ein hochgewachsener Mann mit schwarzem Bart und brennenden Augen trat heraus. Sie verzeihen, daß wir eine Einquartirung ablehnen müssen, es ist eine Kranke im Hause." Eine zornige Erregung erfaßte mich: Sie gestatten Sennor, mein Name ist Hartmann, Adjutant des Oberst Campbell. Ich werde die Kranke nicht belästigen; aber bis morgen früh werde ich in diesem Hause bleiben." Das gelbe Gesicht des Spaniers verzerrte sich. Da erscholl von neuem der durchdringende, klagende Ruf. Die Thür öffnete sich abermass, und ein zweiter Herr erschien. Ich bin Arzt. Drinnen liegt eine Kranke in Fieberphantasien auf Tod und Leben. Sie können sie retten, wenn Sie eine kleine Viertelstunde eintreten und mit der Kranken reden wollen." Ich war aufs höchste erstaunt. Der Spanier faßte den Arzt an der Schulter. Aber ich bitte Sie, Sennor." Der Arzt führte ihn fort und redete ihm eifrig und erfolgreich zu, wie es schien. Ich stand unterdessen auf dem kühlen Flur; der Schweiß lief an meinem Körper herunter. Drei Nächte hatte ich nicht mehr geschlafen, seit gestern nichts gegessen, meine Geduld riß. Ich stieß den Säbel auf die Fliesen, näherte mich den Herren und wollte um eine Erklärung ihres Verhaltens bitten, als zum dritten Male der Ruf erscholl, wilder als vordem, der Schrei einer Wahnsinnigen. Der Arzt eilte auf mich zu und ergriff meinen Arm. Bitte, seien Sie menschlich, retten Sie ein Leben." Er führte mich in ein Zimmer, das groß und prachtvoll ausgestattet war. Ueberall standen Kühlgefäße und an der Wand ein Bett, auf dem ein Weib ruhte. Als ich eintrat, wandte sie sich um, und durch ihre prachtvollen Augensterne glitt ein seliges Leuchten. Sie warf ihr schweres, schwarzes Haar zurück und streckte mir ihre Hand entgegen. Es war klar, sie verwechselte mich im Fieber mit einem . Anderen. Sie war wunderbar schön eine Creolensch'önheit. Sie ' faßte meine Hand und zog mich auf einen Stuhl nieder, der neben ihrem Lager stand. Ehe ich wußte, was geschah, hatte sie beide Arme um meinen Hals gelegt und küßte mich mit ihren fiebernden, trockenen, rothen Lippen, als wolle sie mir das Blut aus den Adern saugen. h, Juan, was habe ich auf Dich gewartet: aber endlich bist Du doch da. Du füßer, guter. Du lieber, schlechter Mann." Jetz: wußte ich es. Sie verwechselte mich mit einem Geliebten, einem sparn schen Ofsicier. Die Uniform, das Rassein des Säbels, das Klirren der Sporen täuschten ihre fieberhaft erregten Sinne. Ich fühlte mich höchst unbe haglich in der Rolle. MeiL Auge suchte das Antlitz des Mannes, der an der gegenüberliegenden Wand stand. Die wilde Eifersucht und zugleich der zermalmende Schmerz in seinen mageren Zügen ließen mich erbeben. Ich wollte aufstehen, da drückte das junge Weib meine Hand an die Brust. Oh bleib, Juan, bleib, ich sterbe Ich setzte, mich nieder.' Du hast wohl Hunger von dem langen Ritte, Du mußt essen." Man brachte Früchte, Speisen und Wein. Jchlß ohne Appetit. Die Uniform klebte mir am Körper und die Fieberzärtlichkeit des Weibes jagte mir selbst ein Fieber durch die Adern. Sie zog mich näher an sich, legte ihr Köpfchen an meine Brust, lächelte mich an und drehte schelmisch meinen Schnunbart.

.Weißt Du, Schlechter, als ich das letzte Mal bei Dir war! Wie die Sonne so blutroth hinter den Bergen untergmg, wie der Mond empor kam und sein silbernes Licht über die Wellen warf und dann " Ich bebte am ganzen Körper. Durfte ich bleiben und das süße Geflüster anhören? Ich blickte auf; der Arzt winkte mir gebieterisch zu. Ach sieh, die kühlen, thaufrischen Granatblüthen rieseln, über meine Schultern." Ich zog die leichte Decke über ihre Schultern. Sie ergriff meine Hand und küßte sie zärtlich. Endlich schien sie einzuschlafen. Ich wollte leise meine Hand aus der ihren lösen, da wachte sie auf und flehte, doch die arme Margerita nicht allein zu lassen. Ich saß den ganzen Abend, die lange Nacht am Lager der Kranken. Nach Mitternacht verfiel sie in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Die Krisis ist überstanden flüsterte der Arzt. Als ich am . nächsten Morgen Abschied nehmen wollte, wandte mir der Spanier wortlos den Rücken. Er schien um zehn Jahre gealtert zu sein. Worgm um zwölf. Von E. S. Tupver. Mit rasender Eile sauste derSchnellZug von Chicago nach New York. Aber für die Ungeduld des jungen Mannes, der seit Stunden ruhelos in den engen Gängen auf- und abwanderte, fuhr er viel zu langsam. Er war ein schöner, stattlicher Mensch; sein gebräuntes Gesicht, der feste, entschlossene Zug um den Mund, die grauen, von schwarzen Wimpern und Brauen beschatteten Augen wären jederzeit aufgefallen. Jetzt aber, den großen, silbergestickten Sombrero auf dem Kopf und verzweifelte Ungeduld in allen Zügen, fesselte er doppelt die Neugicr der Mitfahrenden. Der Kerl muß einen Mord auf dem Gewissen haben", sagte ein Handlungsreisender aus Omaha zu dem Eisenbahnangestellten aus Buffalo. ' Oder er ist auf der Fahrt zu seinem Schatz", erwiderte dieser und hatte damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Tom Weir. Ansiedler im Thale des Flusses der verlorenen Seelen in Colorado, war auf dem Wege nach New York, auf dem Wege zu seiner Braut. Während er mißmuthig das Ende einer unangebrannten Cigarre zerbiß und die Telegraphenstangen zählte, kam ihm wie im Traume die ßrim rung an die erste Begegnung mit ihr. Deutlich erinnerte er sich des hellen, sonnigen Morgens, wo er nach Durango geritten und gerade vom Pferde gesprungen war, als der Zug in die Station einlief. Noch meinte er die bewundernden Ausrufe zu hören, mit denen die Menge ihr Platz machte, als sie mit der Miene und Haltung einer Königin durch sie hindurchschritt. Wie er sich jetzt die Masse rothgoldenen Haares, die schwellenden Lippen, die Augen, die in so unheiligem Blau leuchteten dem Blau der Bergsaphire und die ganze entzückende, Herrliche Gestalt vergegenwärtigte, schlug ihm das Herz wild in der Brust. . Dann eilten seine Gedanken zurück zu dem Nachmittag, wo er sie kennen gelernt hatte. Sie war zu Besuch bei Freunden, deren Ansiedlung an die seine grenzte. In ihren duftigen, spitzenbesetzten Gewändern erschien sie ihm wie eine Fee, und vom ersten Augenblick an, wo sie mit ihm sprach, ward er ihr willenloser Sklave und legte ihr sein unbeflecktes, ehrliches Herz zu Füßen. Und sie nahm es auf in ihre keinen Hände, sie erwiderte seine lcidenschaftlichen Küsse, sie drückte sich fest in seine Arme und verlobte sich mit ihm. Jetzt sollte er sie endlich wiedersehen! Zwei Jahre waren vergangen, seitdem sie ihm Lebewohl gesagt, seitdem er sie mit umflorten Blicken und stockender Stimme gebeten rsatte, ihn nicht zu vergessen. Er empfing öfters Briefe von ihr, liebe, herzliche, zärtliche Zeilen, die er küßte, über die er weinte, und die er Nachts unter sein Kopfkissen legte. Und sie hatte ihr Wort gehalten. Sie hatte ihn nicht vergessen sie, die Einzige. Herrliche. Gab es denn in Gottes weiter Welt einen glücklicheren Menschen als ihn? Wann endlich würde dieser entsetzlich langweiligeZug in New Iork eintreffen? Nur ein kleines, unbedeutendes Etwas mischte sich in seine Seligkeit es war so wenig, aber es war doch da. Ein paar Worte in ihrem letztenSchreiben hatten ihn stutzig gemacht. Er hatte sie wieder und wieder gelesen, um den Grund seiner unerklärlichen Unruhe herauszufinden, aber es war ihm nicht gelungen. Ich bin des Unterrichtens müde", hatte sie geschrieben, das Leben einer Lehrerin ist so begrenzt, so stumpflinmg. deshalb habe ich mich der Kunst gewidmet." Das war alles. Kunst Kunst? Kunst ist doch harmlos genug. Aber seltsam, er hatte sie nie zeichnen oder malen sehen, er e? innerte sich sogar, daß sie. als er ihr die Schönheiten seiner westlichen Berge voller Begeisterung zeigte, verstohlen dabei gegähnt hatte. Sein Entschluß war gefaßt, er wollte nach New York, er wollte sie sehen und sie anflehen, ihren Beruf aufzugeben und endlich die Seine zu werden. Er konnte ihr ein behagliches Heim bieten, und wenn sie sich auch manchmal einsam da draußen fühlen sollte war er nicht da mit seiner schützenden Liebe? In Colorado konnte sie ebensogut wie in New tyoxl Bilder malen.

Donnernd fuhr dc? Zug in d'eBahn, Hofshalle ein, und Tom Weir sprang wie elektrisirt empor. Die Adresse des Brkfes. den er übe? dem Herzen trug, führte ihn tief in die, Stadt hinein. Als er sich endlich durchgefunden t,atteund klingelte, öffnete ihm ein keck aussehendes Kammerzöfchen. Mißtrauisch sah es den großen, breitschultrigen Fremden, seine Kleidung, seinen Sombrero an. Ist Fräulein Cameron zu Hause?" Nein-, erwiderte sie gedehnt, sie fährt im Park spazieren." Kann ich sie heute Abend sprechen?" fragte er gebieterisch. Nein, selbstverständlich nicht", entgegnete sie verwundert, des Abends ist das ganz unmöglich." Nun, wann denn eigentlich?" Es wurde" ihm abwechselnd heiß und kalt. Vielleicht morgen um zwölf", sagte sie schnippisch, vor zwölf sieht sie jedoch nie auf", und mit ewem Nuck warf sie die Thüre ins Schloß. Verletzt, zornig, argwöhnisch wandte er sich weg. Was. zum Henker, sollte das heißen? Kunst, ein Wagen, im Ueberfluß leben, nie vor 12 Uhr aufstehen? Er hielt plötzlich im Gehen inne und schalt sich selbst einen Narren, einen gemeinen, verächtlichen Hund, daß er sie in seinen Gedanken so verdächti gen konnte. Als er sein Hotel betrat, rannte er gegen einen Bekannten aus Denver. Sie drückten sich die Hände und bega ben sich zusammen an die Bar. Toni freute sich des Landsmanns von Herzen um die Wahrheit zu gestehen, fühlte er sich einsam und hatte Heimweh. Kopf hoch. Junge", lachte der Andere, geh ins Theater und amusire Dich. Zeig mal den Vergnügungsanzeiger her. Geh ins Gotham, große Menschenausstellung dort. Haben die 'ne junge Schönheit aufgefischt, über die ganz New Fork verrückt geworden ist! Sie zeigt sich nur für ein paar Minuten, aber sie hinterläßt einen Eindruck, einen Eindruck! Na, ich sage Dir, das Wasser läufi einem im Mund zusammen. Morgen um Zwölf hol' ich Dich ab. Gute Nacht, hab' große Eile." Und fort war er, noch ehe Tom ihm nachrufen konnte, daß er morgen um zwölf Uhr nicht frei sei. Das Theater war dicht besetzt. Auf der Bühne drängte sich eine Menge hübscher Mädchen, alle mit dem gleichen stereotypen Lächeln und den gleichen einschmeichelnden Blicken. Musik und Gespräch, Tanz und Gerächter gab es genug. Doch Tom langweilte sich. Vielleicht war sein gewohntes einsames Leben daran schuld, vielleicht fühlte sich das Herz, das die Frauen so hoch verehrte, angeekelt von der gemeinen Schaustellung, die sich ihm hier darbot. Wie konnten nur die anständigen Damen um ihn herum Gefallen an so etwas finden! Zeitweise entschwanden die Vorgänge um ihn her seinenBlicken, Morgen um zwölf", tönte es ihm ins Ohr. Er hörte es durch die Melodie de5 Orchesters, aus dem Refrain des Liedes heraus, die Geigen athmeten und flüsterten und seufzten es immer wieder und wieder: Morgen um zwölf morgen um zwölf." Jetzt wurde die Bühne verdunkelt. Zwei Herren hinter ihm unterhielten sich flüsternd über das schöne Geschöpf, das sich als Statue zeigen werde. Tom beugte sich vor. Der Vorhang theilte sich. Auf einem Sockel stand ein Weib; ihr rothgoldenes Haar fiel in schweren, lockigen Massen auf die weißen Schultern lneder. Wie Marmor hob sich die Prachtvolle Gestalt gegen den dunklen Hintergründ ab. Dort stand sie unter ,dem vollen Schein des Calciumlichtes den Kopf zurückgeworfen, die Augen halb oeschlössen, all die süßen Reize, von denen er kaum zu träumen gewagt hatte, den verschlingenden Blicken der Menge schamlos preisgebend. ' Der Freund aus Denver klopfte an Toms Thüre und rüttelte und schüttelte daran. Mach auf, Weir öffne doch, ich bin's Darling aus Denver. Steh auf, Faulpelz, ich will Dich zum Luncheon abholen." Keine Antwort. Mach auf. Weir schrie er noch einmal und verschaffte sich mit einem Faustschlag Eingang. Aber der stille Schläfer, der.ausgestreckt auf dem Bette lag, rührte sich nicht. Langsam, in schweren Tropfen rieselte das Blut aus der rechten Schläfe herab, in die der junge Mann mit sicherer Hand die tödtliche Kugel gesandt hatte. Jetzt war ihm wohl, jetzt war es morgen um zwölf". Kasernenhofblüthen. Unterofsicier (sich einen recht ungeschickten Rekruten betrachtend): Und aus solchem Menschen soll man nun einen Helden machen!" Rekrut Murstmeier, machen Sie schon wieder solch dummes Gesicht wie ein Dickhäuter, der mit einer dünnen Haut zur Welt gekommen!" Himmel, Kerls, wenn euch die GLtter zu Tantalus' Zeiten gekannt hätten, ich glaube, sie hätten den armen Kerl zu eurem Unterofsicier gemacht! (Beim Stiefelappell.) Sergeant: Kerl. Ihnen fehlt ja eine Stiefelstrippe wie wollen Sie in solchem Stiefel siegen?!" Einjähriger, schauen Sie nicht immer so stolz drein, als ob Ihr: Vorsahren schon in der Arche Noah die Beletage bewohnt hätten!" Sein Stolz. Kaufmann: Wie, Sie junger Mann wollen mir aliem Hause Lehren geben? Ich habe schon Concurs gemacht, als Sie noch garcht aus der Welt waren!"