Indiana Tribüne, Volume 22, Number 172, Indianapolis, Marion County, 12 March 1899 — Page 7

Erloschene Aranenorden.

De? älteste uns bekannt gewordene Dammorden war der Orden der Damm vom Beil" in Spanien, der Orden des darnes de la hache", aber auch des darnes du passe-teraps". Also der Orden vom Beil oder vom Zeitvertreib. Woher diese zweite Benennung, woher der Zeitvertreib, ist nicht klar; die erste Benennung aber, das Beil, ist geschichtlich zu begründen. Als die Araber um die Mitte des 32. Jahrhunderts Tortosa in Arragontcn belagerten, wurde ihr letzter Sturm siegreich durch die heldenhafte Hilfe der Frauen und Jungfrauen abgeschlagen, welche mit dem Hausbeil in der Hand ihren bereits ermatteten Vätern, Gatten und Brüdern zu Hilfe eilten und die Araber von den Mauern warfen, welche dieselben bereit erstiegen hatten. Aum Andenken an diese muthize That stiftete der Landesherr Raimund Berengar, der letzte Gras von Barcelona, den Orden der Damen vom Beil". Jede Frau und Jungfrau der Stadt Tortosa war Dame dieses Ordens, dessen Jnhaberschaft mit Abgabenfreiheit. vielen Ehrenrechten so hatten z. B. die Damen bei Processionen und feierlichen Umzügen den Vortritt vor den Männern kirchlichen Freiheiten u. a. m. verbunden war. Die äußere Auszeichnung bestand in einem gelben Halstuch, das im Nacken sowohl wie auf der Brust mit einem rothen ZZeile bestickt oder benäht war. Es steht nicht genau fest, ob dies:? Orden mit der letzten muthigen Vertheidigerw von Tortosa ausgestorben ist, oder vb er fortbestanden hat durchVerrbimg auf Töchter und Enkelinnen; letzteres ist vermuthlich der Fall, da es zu Tortosa noch im vorigen Jahrhunitxl eine Kapelle der Damen vom Beil .gab, And der Orden Altäre m verschie'denen Stadtkirchen hatte. Einen ähnlichen Ursprung hatte de? 'Orden der Damen von der Schärpe (öckarpe). Die Frauen von Placenzia vertheidigten im Jahre 1333 mit seltenem Heldenmuth ihre Vater.stadt gegen die Engländer, welche dem .Könige Dom Juan I. von Portugal gegen die Spam Bundesgenossm waren. Nach Aufhebung der Belage-, rung stiftete König Dom Juan von Eastilien für diese tapferen Damen, welche, gar.z militärisch in Compagnien eingetheilt, 'die Vertheidigung ,aeführt hatten, den Frauenorden von der Schärpe. Das Ädenszeichen bestand in einer breiten, .gelben Schärpe, welche von der rechten Schulter herabfiel und an der linken Hüfte befestigt wurde. Es ist nicht bekannt, wie lange dieser Orden bestand, u:nd welche Äorrechte seine Mitgliede? genossen. Noch weniger ist leide? von einem schottischen Frauenorden bekannt, welcher den schönen Namen "bei .Kranzes der Liebe" führte. Derselbe soll .um das Jahr 1480 gestiftet .worden sein. Man weiß von dieser Stiftung aber nur, daß es von dieser oder jenerDame heißt, ste habe auch zum Orden des Kranzes der Liebe gehört, uind aß sich auf den Grabdenkmälern 'on vielen schottischen Frauen ein .Kranz von Distelblumen, dem WahrzeichenSchoitlands. und Akantusblättern findet. Dieser Kranz soll das Ordenszeichen der Damen des Kranzes der Liebe von Schottland gewesen sein. Genaueres ist über den französischen Hoforden der ritterlichen Damen vom Gürtelstrick", l'ordre des darnea ebevalieres de la cordeliere, iibe?liefert worden. Die Königin Anna von Bretagne stiftete denselben im Jahre 1498 nach dem Tode ihres Gemahls, des Königs Karl VIII. von Frankreich. Der Strick sollte an die Stricke erinnern, mit welchen ier Herr bei der Geißelung gebunden worden, -vielleicht auch nur an den Gürtel- xwb Geißelstrick des heiligen Frcmz von Assissi, nach welchem die Franziskaner in Frankreich Eordeliers genannt wurden. Einige schreiben diesem ritterlichen Damenorden sehr strenge religiöse Pflichten zu, namentlich auch die Freitagsfasten und schwere SelbstgeißelunSen. Der erste protestantischeFrauenorden ivurke nach dem Tode Gustav Adolfs von Schweden in der Schlacht bei Lützen von seiner Wittwe Eleonore von Brandenburg gestiftet. Dieser Orden hatte keinen besonderen Namen und ist auch jedenfalls bald wieder erloschen. Die Dekoration wurde von den Damen um den Hals getragen und bestand in einem goldenen Herzen mit der königlichen Krone darüber und dem Bildniß des Königs auf der einen Seite. Den Amaranthenorden (l'ordre de Tamaranthe) stiftete die Königin Christine von Schweden am heiligen Dreikönigstage 1653 für 15 Ritter und 15 Damen. D' etwas sonderbare Zweck des Ordens war die Ehelosigkeit, in welcher die Königin selbst zu verharren beschlossen, am schwedischen Hose herrschend zu machen. Wer den Orden empfing, mußte das Gelübde ablegen, ehelos zu bleiben; wer aber schon derheirathet war, mußte sich wenigstens verpflichten, niemals eine zweite Ehe einzugehen. Die Dekoration bestand aus einem goldenen Lorbeerkranz, in dessen Mitte sich zwei verschlungene A befanden; dieselbe wurde an einem amaranthfarbigen Bande um den Hals getragen; auf dem Bande stand die Inschrift: dolce nella niemoria". Die weitere Geschichte dieses Ordens ist dunkel. Den Orden der Sklavinnen der Tugend", l'ordre des esclaves de la vertu, stiftete die Kaiserin Eleonore vor: Bonzaga, die Wittwe Kaiser Fcrdinani IH., im Jahre 1662 für 30 Damen außer den Prinzessinnen. Das Ordenszeichen wurde an einer goldenen Kette um den linken Oberarm getragen und bestand aus einer goldenen Medaille, auf welcher die von einem Lorbeerkranz umgebene Sonne mit der

Devise: Sol ubique triumphal" zu sehen war. Dieser Orden soll gegen fünfzig Jahre bestanden haben. Es gibt noch eine ziemliche Anzahl von Orden und Stiftungen in älterer und neuerer Zeit, so z. B. den Orden der Treue, den Orden der lustigenEinsiedler, den Orden der goldenen Bienen u. a. m.; dieselben sind aber nach kurzem Bestehen wieder erloschen und eigentlich nichts weiter gewesen als gesellschaftliche Vereinigungen. Ferner gibt es noch Orden, die, wenn auch nicht für Frauen gestiftet, doch plötzlich an Frauen verliehen worden sind, z. B. den Orden vom Stachelschwein. Diesen Orden stiftete Herzog Ludwig ton Orleans um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, als ihm seine Gemahlin Valentine von Mailand den ersten Sohn gebar, für 25 Ritter. Diese Ritter trugen einen Mantel von violettem Sammet mit einer Kapuze von Hermelin, dazu an goldener Kette ein goldenes Stachelschwein. Diesen Orden erhielten plötzlich im Jahre 1438 ein Fräulein von Murat und Frau Pothron de Saintrailles. Die letzten Spuren dieses merkwürdigen Ordens finden sich am Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Wer' war es?

Von Torotbe Goebeler. Wenn meine Großtante sich träume risch sinnend in der Dämmerstunde in ihren Lehnstuhl zurücklegte, dann wußte ich, daß ihre Gedanken in das merkwürdige Land wanderten, in dem Ahnung und Wirklichkeit eng aneinander grenzen. Sie trat gern für das Recht einer übersinnlichen Welt ein, die, wie sie meinte, zuweilen und wunderbar in das Leben der Menschen eingriffe. Als ich sie an einem Winterabend wieder so sinnen sah, kamen wir in die Unterhaltung über die Dinge zwischen Himmel und Erde". Sie versuchte mich für ihre Ansichten zu gewinnen und deutete an, daß sie ein Erlebniß erzählen könnte, das mich überzeugen würde. Aber meinte sie zögernd, die Geschichte schweift weit zurück". Ich wurde sehr neugierig. .Je weiter, je besser, rief ich, die alten Geschichten sind meist die interessantesten." .Dann muß, so begann it, die -meine es ganz entschieden sein, denn sie beginnt schon vor langen Jahren, und .nun chöre. Wie Du weißt, stammt unsere Familie aus Stettin. Dort am Bollwerk, wo die Scbiffe anlegen, hatten die Danneckers schon seit uudenklichen Zeiten ein Logirhaus für die von der See herkommenden Fremden. Damals war mem Großvater Wirth im Dreimaster", und wie es heißt, soll er ein tüchtiger Wirth gewesen sein. Trotzdem lag es auf seinem Thun wie UnI segcn. Bei aller Mühe ging das Geschäft zurück. Der Gäste wurden weNiger und immer weniger, und manch ein Tag und manch ein Abend kam, wo Wirth und Wirthin die einzigen Gäste in der leeren und dunklen Gaststube waren, und an einem solchen Tage geschah es. Ich habe das ja alles. nur vom. Horensagen, aber ich kann mir tach denken, mit es gewesen ist. Ein dunkler .Novemberabend lag über der Stadt, der Sturm heulte durch die Gassen und peitschte die Wellen der Oder hoch am Bollwerk empor. Am Ofen der leeren Gaststube saßen meine Großeltern, hinter der Schänke aber hantirte Franz Heinrich, ein junger Mann von etwa .zwanzig Jahren, den mein Großvater einst als armen Waisenjungen in das Haus genommen und erzogen hatte. .Keiner von den Dreien sprach ein Wort, jeder hing seinen Gedanken nach. Da ließ ein Pochen an der Hausthür alle emporschrecken. Franz Heinrich, ging, um zu öffnen, es war noch in Gast, ein Fremder, der Obdach für pie Nacht begehrte. Natürlich nahm man ihn mit Freuden auf, und schon eine Viertelstunde spater zeigte die eben noch so düstere Gaststube ein völlig verändertes Bild. Das Feuer im Ofen flackerte hell, zu neuer Gluth entfacht, und um den runden Stammtisch saß eine fröhliche Gesellschaft. Der Fremde hatte eine dampfende Punschbowle auftragen lassen und Wirth und Wirthin zu Gast geladen, sogarFranz Heinrich mußte mitthun, die Becher kreisten, und der feurige Trank löste die Zuge. Der Fremde begann zu erzählen. Er war schon am Morgen mit dem Schiff gekommen von Rußland her hatte aber den Tage mit Suchen und Forschen nach einer Verwandten verbracht, einer Schwester, die er vor Jahrzehnten schon verlassen und wie er dunkel andeutete, wohl einst auch leichtsinnig um Hab und Gut be trogen. Erst spät am Abend hatte er ihre Spur gefunden, die nach einem kleinen pommerschen Landstädtchen wies, und nun zählte er schon die Minuten, die ihn noch von dem Augenblick trennten, da er sie wieder in die Arme schließen, ihr ein Vermögen zu Füßen, legen konnte, sein Vermögen, das er in jahrelanger Arbeit neu erwarben und nun in der kleinen Handtasche bei sich trug. Früh wollte er wieder aufbrechen, er suchte daher auch sehr bald sein Lager auf, und der Wirth selbst geleitete ihn zur Ruhe. Ja, zur Ruhe, zu einer Ruhe, daraus es kein Erwachen giebt. Als er am nächsten Morgen geweckt werden sollte, öffnete er nicht, und als man endlich die Thür aufbrach, fand man ihn todt am Bettpsosten erhängt.Sie brach ab und sah finster vor sich hin. Und was weiter es ging alles seinen Gang. Die Gerichte kamen und untersuchten, es war aber nichts festzustellen. Er hatte keinerlei Papiere bei sich und auch keinerlei Geld. Aber das große Vermögen V Nichts war da auch nicht das Geringste, Dr Befund lautete auf Selbstmord.-

Und warum nicht? Es kommen viel Selbstmorde vor." Ja, es kommen viel Selbstmorde vor. so dachte auch mein Großvater. In der Stadt aber sagten sie: Erhängt sei der Todte zwar, aber selbst habe er es nicht gethan,und derDannecker sei ein alter Fuchs, und wenn man ihn zum Reden bringen könne, würde man auch hören, wo das Geld geblieben sei." Ah! Es kam zu einer Anklage!" Leiter eben nicht. Anklage bringt wenigstens Rechtfertigung oder doch Verurtheilung, hier aber blieb alles nur Gerücht und Verdacht, und nicht einmal ausgesprochener Verdacht, nur ein Ausweichen, ein unerwiderter Gruß, alles das, weißt Du. was tiefer treffen kann als offener Schimpf." Und hat man niemals Näheres erfahren?" Wenigstens damals nicht, und wie sollt' man auch? Es waren ja in zener Nacht außer dem Verdächtigten nur noch zwei Menschen im Hause, seine Frau, die als Zeugin nicht in Betracht kam, und Franz Heinrich, und der " Nun und der ?" War am Tage nach der Untersuchung spurlos verschwunden " Ich fuhr empor: Er war der Mörder!" Ein merkwürdiges Lächeln glitt um den Mund der alten Frau: Meinst Du? Der Verdacht liegt wohl nahe, in der Stadt aber hieß es. er sei nur gegangen, um nicht gegen seinen Wohlthäter aussagen zu müssen, und dieses Gerede verstärkte sich noch, als sie ihn fanden." Ah! Sie fanden-ihn?" Sie nickte gedankenvoll: Ja im Frühling, draußen in der Oder. Die Leiche war vom Wasser schon ganz entstellt. Sie machte eine Pause und seufzte schwer. Dann begann sie von neuem: Mein Großvater hat die ganzen Geschichten nicht lange überlebt, derGram zehrte an seinem Herzen, die Sorge noch mehr; noch ehe der Tod des Rufsen sich jährte, trug man auch ihn hinaus. Seine Wittwe verließ mit ihrem Knaben Stettin, das Erbhaus der Dannccker, das jetzt niemand mehr bewohnen mochte, wurde als Speicher vermiethet, meine Großmutter hat es nie wieder gesehen, und auch mein Vater betrat es nicht. Erst als es nach seinem Tode an meinen Bruder und mich fiel, kam wieder Leben in den alten Bau. Wir Geschwister waren Kinder einer neuen Zeit, die Gespenster der Vergangenheit hatten keine Macht mehr über uns. Mein Bruder war Kaufmann, Stettin versprach seinem Geschäft eine Zukunft, die Lage desDreimaster" war ihm gleichfalls sehr vortheilhaft, wir beschlossen also unser Haus" zu bewohnen. Aber wo mein Bruder Verdienst hoffte, fand er Verlust, das Geschäft kam nicht in Gang, und schon ein haldes Jahr nach unserem Einzug brachen die Sorgen fast über uns zusammeu. Meine Stimmung litt unter alledem furchtbar, ich wurde melancholisch, und meine aufgeregte Phantasie sah an allen &ien und Enden Schreckgestalten die Geister der Vergangenheit. Dabei grübelte und sann ich unausgesetzt, wie meinem einziggeliebten Bruder zu helfen sei, und eines Tages kam mir eine Idee, ich machte ihm den Vorschlag, die Lagerräume als Wohnung zu vermiethen und uns dadurch eine Einnahmequelle zu verschaffen. . Am Tage darauf in der Dämmerzeit saß ick in unserem Wohnzimmer und träumte vor mich hin. Ich war allein in der ganzen Etage, unserMädchen befand sich auf ihrem. Giebelstübchen, und da mir die Ruhe unheimlich war, hatte ich die Thür nach der Treppe nur angelehnt, so hörte ich wenigstens unseren Lehrling herumwirthschaften, der unten im Hausflur Kisten vernagelte. Also wie gesagt, ich sitze und träume vor mich hin, auf einmal habe ich das Gefühl: Es sieht Dich jemand an. Und nun fahre ich auf, und richtig, im Zimmer sieht Einer, ein Mann in , merkwürdig altmodischer Tracht, wie ich sie im ganzen Leben noch nie gesehen. Sein Gesicht ist weiß, wie todesfahl, seine großen, dunklen Augen aber bohren sich mit brennendem Blick in Nie meinen, und von diesem Blick geht ein Bann aus, der mir fast die Glieder lähmt, ich bringe .keine Silbe hervor, er aber sagt langsam mit tiefer Stimme: Ich will die Zimmer sehen." Ich starre ihn an, als hab' ich nicht recht gehört. Langsam kommt mir die Erinnerung, und der Gedanke, daß mein Bruder ihn schickt, und wie einer Eingebung folgend stehe ich auf und gehe an ihm vorbei nach der anderen Hälfte der Etage: Die hier sind es." Er geht neben mir her, durch die zwei, drei Vorderräume; ob er sie gesehen, ich weiß es nicht, seine Augen gingen immer gerade aus, vor der letzten Thür bleibt er stehen. Und das?" Er hat schon die Klinke aufgedrückt, und wie er auf der Schwelle steht, ist mir's, als' überfiele ihn ein Zittern, er aber sagt: Das ist es" und geht an mir vorbei direct auf den großen Ofen zu und zeigt auf die Ziegel vor dem Feuttloch und spricht: Die müssen weg, die reißen Sie auflMich überläuft es bei seinen Worten wie kaltes ' Grauen. Ich fühle, daß mir alle Glieder zittern, und bringe kein Wort hervor, erst als wir wieder draußen auf dem Treppenflur stehen und ich unten Fritzens Hammerschläge höre, kommt mir mühsam die Fassung wieder, und ich Zwinge mich zu einem: Wer sind Sie denn?" Aber ehe ich es noch ausgesprochen, ist er um den Treppenpfeiler und verschwunden. Ich sieh' einen Augenblick noch wie erstarrt, dann .hör' ich plötzlich unten meinen Bruder mit dem Lehrling sprechen, und nun hält mich nichts mehr, ich eil' ihm entgegen: Ist er fort?" Er steht mich erstaunt an: Wer?-

De'r fremde Mann!" Welcher Mann?" Der eben das Haus verließ!" Er schüttelt den Kopf: Es ist keiner in den letzten zehn Minuten aus dem Hause gegangen. Du träumst." In mir steigt es wie Aerger auf. Ich träume gar nicht, ich habe mit ihm gesprochen und ihm die Zimmer gezeigt, und er will es haben, das nun das Zimmer". Wir sagten immer nur das Zimmer", wenn wir von jenem Raume sprachen. Mein Bruder lacht etwas g:zwungen cuf: So? Und wie sah er denn aus. Dein fremder Mann?" Da fährt es mir heraus, ich weiß selbst nicht wie: Als wär' er schon lange gestorben." Und nun springt mein Bruder auf mich zu und packt meine Hand und schüttelt mich: Du redest ja irr. was ist Dir? Besinne Dich doch! Es ist kein Fremder im Hause gewesen." Und ich: Und er war doch hier! Und die Ziegel sollen wir aufreißen lassen, die Ziegel vor dem Ofen. Ich ruhte nicht, bis er meiner verrückten Idee", wie er fagte, nachgab und den Töpfer holen ließ. Der Töpfer kam. und die Ziegel flogen heraus, und alles war klar. Die mittelsten Steine waren fchon einmal herausgewesen und nur lose an ihren Platz zurückgelegt, darunter aber lag Gold, das Gold des Russen mitsammt seinen Papieren. Es war doch ein Mord geschehen, damals vor siebzig Jahren, und nur die Frage blieb: Wer hat's gethan? Der, der uns auf die Ziegel gewiesen, hätte wohl Antwort darauf gewußt. Und wer war das? Sie antwortete nicht, erst nach einer langen Pause sprach sie leise: Er kam niemals wieder." Dann schwiegen wir beide geraume Zeit, endlich sagte ich: Bitte sage mir, was Du von alledem hältst." Es war Franz Heinrich." Der den Mord beging?" .3 Und der auf die Ziegel wies?" Auch der!" Aber Franz Heinrich war, denk' ich, lange todt?" Sie sah mich einen Moment schweigend an, dann sagte sie langsam: Ja, er war todt, und jener sah aus, als als wäre er lange gestorben." Aber Tante, Du meinst doch nicht?" Aber sie stand auf, und indem sie rasch die Lampe anzündete, sagte sie scheu: Laß uns von anderen Dingen reden."

iUenn man ZZckanntschast hat. Humoreske von Julius Weiß. Seitdem ich bei dem Champagnerund Cognachaus Gebrüder Hengstenberger als Vertreter angestellt war, hatte ich von Geschäftswegen diePflicht und Schuldigkeit, so viel als möglich Bekanntschaft zu machen. Wenn man Bekanntschaft hat," hatte der Chef gesagt, kann es Einem an Kunden nicht fehlen. Also nur frisch d'ran!" Als ich Käthchen die Nothwendigkeit auseinandersetzte, von nun an stark auf Bekanntschaften bedacht zu sein und uns uf Geselligkeit einzurichten, gab sie mir die tröstliche Versicherung, sie wäre viel zu sehr eine moderneFrau, um nicht zu wissen, daß es ihre Psicht sei, Seite an Seite mit ihrem Mann den Kampf des Lebens auszufechten, und daß sie sich gleich morgen einen neuen Hut und eine neue Cape kaufen werde. Eine freudige Unruhe war über sie gekommen. Sie legte sich die Mühe auf, ihre ganze Garderobe durchzusehen und das Meiste modernisiren zu lassen. Sie machte sich Umstände mit der Einrichtung und rückte alles Bewegliche von der Stelle, um geschmackvollereAnOrdnungen zu treffen. Sie glühte vor Eifer, indem sie die alten Teppiche verkaufte und neue einhandelte. Angesichts der Opferfreudigkeit und strahlenden Zuversicht meiner Frau, machte ich meiner eigenen Person bittere Vorwürfe über die Zaghaftigkeit und Gedrücktheit, mit der ich der neuen Aufgabe gegenüberstand, ein geselliger, leichtbeweglicher Mensch zu werden. Leider hatte mir die Natur weit mehr Talent und Anlage zu einem beschaulichen Millionär, als zu einem bewegungsfrohen Cognac- und Champagneragenten verliehen. Es geht aber meistens so, daß man gerade in den Wirkungskreis nicht gelangen kann, zu dem man am allerbefähigsten wäre. Vergebens hatte ich gehofft, meine ganz gewiß hervorragende Begabung, das Leben eines Millionärs zu führen, endlich doch einmal an den Tag' legen zu können. In meiner Gedrücktheit war es mir eine wahre Freude, als Käthchen, wenige Tage nachdem sie sich auf die geschilderte Weise für den Kampf gerüstet hatte, mir mit freuderothem Geflcht die Offenbarung machte, daß sie ihrerseits schon eine Bekanntschaft gemacht habe. Siehst Du sagte sie, wenn ich die neue Cape nicht gehabt hätte!" sagte sie und schluckte vor Aufregung nach jedem vierten Wort. Wie ichmit der neuen Cape in den Augarten komme," sagte sie, ich hatte noch keine zehn Schritte gemacht, da hör' ich hinter mir sagen: Ach, die schöne Cape. hör' ich sagen. Und ich dreh' mich um. Und die Dame sagt noch einmal: Ach, die schöne Cape; wo haben - Sie die her, wenn ich fragen darf? O, bitte, sag' ich d'rauf, und die Dame sagt dann . . ." Kurz, nachdem Käthchen Einiges gesagt und die Dame ebenfalls Einiges gesagt hatte, was zusammen kaum zwei Stunden ausgefüllt hatte in der Wiedererzählung dauerte e3 nicht einmal ganz eine Stunde hatten mein Käthchen und jene Dame, die Frau Rosa Wenger hieß, als intime Freundinnen Arm in Arm den Augar-

lin verlassen. Käthchen hatte ihr rückhaltlos die Adresse für die Cape preisgegeben, während Frau Wenger wiederum meiner lieben Frau großmüthig ihren Schuhlieferanten verrathen hatte. Käthchen hatte Rosa, Rosa hatte Käthchen eingeladen. Käthchen hatte gedrungen, Rosa solle doch auch ihren Mann mitbringen, denn ihr Mann habe so gerne Gesellschaft für den Abends; und Rosa hatte Käthchen mit geradezu lodernder Freude die Erfüllung dieses Wunsches zugesagt. Denn ihren Mann werde es gewiß nicht weniger freuen, mit ihrem Mann Bekanntschaft zu machen, als sich ihr Mann auf ihren Mann freuen möge. Ihr Mann, nämlich Käthchen's Mann, freute sich in der That auf ihren Mann, und lebte der Hoffnung, daß es mit Gottes Hülfe ein Mensch sein werde, der sich gegen Cognac und Champagner nicht gerade zu kebenslänglicher unversöhnlicher Feindschaft verschworen habe. Ein Lächeln wird wohl auf meine Lippen getreten sein, als ich mir vorstellte, schon morgen in aller Frühe in's Comptoir eine Bestellung auf so und so viel Flaschen Cognac und so und so viel Bouteillen Champagner auf Kosten und Gefahr des Herrn N. Wenger" abzusenden. Morgen schon in aller Frühe. Denn noch heute Abend sollten wir den Besuch von Wenger und Frau empfanaen. $i drückte meinem kampfesmukhtgen" Welbchen elnen Kuß auf die Lippen, als sie nach kaum einer ganzen Stunde zu wirbeln aufgehört hatten, worauf meine Frau hurtig daran ging, mit Hilfe ihres Dienstmädchens und meiner Wenigkeit ein würdiges Souper zuzurichten, ein Souper, dessen Köstlichkeit es dem Herrn Wenger glatterdings zur moralischen Unmöglichkeit machen sollte, gegen einen Antrag von hundert Bouteillen Cognac und zwanzig Kisten Champagner auch nur den leisesten Versuch einer Weigerung zu unternehmen. Mein Part bei der Herstellung dieses suggestiven Soupers bei dem es mich keineswegs verdroß, daß es ein schönes Geld kostete, denn ohne Betriebskosten geht nun einmal gar nichts mein Part also bestand darin, daß ich Eis beschasste für zwei, drei Kübel, die ich sämmtlich mit Champagnerflaschen Marke Hengstenberqer bestecke, daß ,erner aucy orei Bouteillen Cognac Marke ditto bereitstellte, und daß ich ein Kistchen Havanna - Cigarren besorgte. Während unserer Vorbereitungen hAtte ich inbrünstiglich gewünscht, in Herrn Wenger einen liebenswürdigen Mann von frohgemuther, genußfreudiger Sinnesart kennen zu lernen, einen Mann, der gern intim wird, leicht Freundschaft schließt und nur schwer nein sagen kann. Als nun nachdem wir mit großer SMnung den Gästen entgegengesehen hatten Herr Wenger und Frau da waren und wir alle am Eßtisch saßen, durfte ich mir innigst erfreut sagen, daß mein Wunsch in Erfüllung gegangen war. Herr Wenger war ein liebenswürdiger frohgemuther Mann, der mich und meine Frau, Leute, die er doch in seinem Leben noch nicht gesehen hatte, sogleich mit lachender, übersprudelnder Herzlichkeit begrüßte und umarmte. Herr Wenger war ein genußfreudiger Herr, der mit wahrhaft lukullischer Wonne einen zwei Kilo wiegenden Sulzhecht in kurzer Zeit aus der Schüssel in seinen Magen befördert hatte. Herr Wenger konnte nicht nein sägen: nicht ein einzigesmal legte er gegen meine Aufforderungen, zu trinken, auch nur den leisesten Protest ein, sondern zeigte sich von so imponirender Konsumfähigkeit in Cognac und Champagner, daß ich mit meinem Käthchen mehr als einmal wonneberauschte Blicke austauschte. Was aber allen diesen glllckhaften Umständen die Krone aufsetzte: Herr Wenger entpuppte sich als einen geradezu glühenden Freundschaftsenthusiasten. Denn nach der fünften oder der sechsten Flasche schon beschwor er uns, Bruderschast zu trinken! Wir wechselten, Käthe und ich, verständnißinnige, hocherfreute Blicke, als die vierChampagnekelche zusammenklänge. Ich muß gestehen, daß ich, bevor die Dinge diesen Gipfelpunkt erreicht hatten, noch immer ein höchst peinliches Gefühl von Gedrücktheit nicht los werden konnte, von Gedrücktheit und Zaghaftigkeit, ob ich es denn wohl über mich bringen werde, Herrn Wenger endlich mit der Aufforderung an den Leib zu rücken, daß er eine Bestellung bei mir mache. Mußte er nicht hinterher die Absicht unserer Aufwartung durchschauen und verstimmt' werden? Jetzt aber, wo wir Brüder" waren, wo HerrWenger nicht nur meine Frau, sondern, was noch viel mehr sagen wollte, auch mich mit überströmender brüderlicher Liebe geküßt und abermals geküßt hatte jetzt fiel mir der letzte Druck vom Herzen. Ich brauchte nur meinen Antrag auf eine ungezwungene gleichsam selbstverständliche Weise . ttorzubringen und der Bruder" würde ihn mit einem ebenso selbstverständlichen Kopfnicken annehmen. Fürwahr, daL Herz war mir so leicht und froh wie im Frllhlingshauch geworden. Bruder", sagte ich und nhm die zehnte Flasche aus den Kübeln, Bruder, bevor wir heut' auseinandergehen..." Aber ach, du lieber Himmel, wo soll ich Worte hernehmen, eindringlich und kräftig genug, um das Entsetzliche zu schildern, das ich jetzt erleben . sollte, den bitteren Verdruß über die nutzlos hinausgeworfenen Gelder und die vielen, vielen leeren Flaschen, die Empörung über die warmen Küsse, die er mit sichtbarem Wohlgenuß auf meines Käthchen's Lippen gepflückt hatte, kurz, meine komplete fahle Betnichtung! Bruder," sagte ich also und überlegte noch schnell, ob ich es bei dreihundert Flaschen bewenden lassen oder lie-

be? gleich fünfhundert anbieten sollte, Bruder, bevor wir auseinander gehen. . . ." Er aber fiel mir. in's Wort und zugleich in den Arm und sagte: Bruder," sagte er, laß mich erst ein Wort reden, wir werden sie ja dann noch leeren, diese Deine Flasche. Aber erst laß mich ein Wort reden, lieber Bruder! Sag' mir, haben wir Bruderschaft getrunken oder nicht?" Freilich haben wir Bruderschaft getrunken," erwiderte ich. Sind wir also liebevolle Brüder oder nicht?" Das will ich hoffen!" bekräftigte ich mit großer Entschiedenheit, indem ich zugleich endgültig beschloß, daß es doch fünfhundert sein sollten.. Nun denn, mein liebevoller Herr Bruder," ergänzte er und jetzt kam der entsetzliche Stoß und verwandelte alle meine Hoffnungen in Trümmer nun denn, so mußt Du mir die Hand d'rauf geben, daß Du, Du großer Champagner- und Cognackonsument, Du Musterbild aller Abnehmer, daß Du, sag' ich. Deinen Champagnerund Cognacbedarf von nun an bei mir bestellst, verstehst Du, bei mir. Deinem liebevollen Bruder, der ich der Bertreter bin vom Haus Witte & Co., erstes Haus, beste Marke!"

Ach ja, wenn man Bekanntschaft hat kann es Einem an Champagnerlieferanten nicht fehlen. Jungfrauenartikel. Unsere Frauenrechtsvertreterinnen täuschen sich, wenn sie glauben, erst das 19. Jahrhundert habe die Emanzipation des Weibes in Fluß gebracht, schon vor 250 Jahren gab es im alten Polen eine Frauenbewegung". In der Universitätsbibliothek zu Krakau befindet sich ein originelles Dokument aus dem 17. Jahrhundert, die Jungfrauenartikel", in denen die Frauen und Mädchen Großpolens und Lithauens dem von König Wladislaus IV. einberufenen hohen Landtag" ihre Wünsche unterbreiten. Ueberbracht wurde das Schriftstück durch verschiedene Gesandtschaftscommissärinnen", von denen dasselbe auch aufgesetzt war. Es enthält 25 Forderüngen, jede von ihnen ist culturhistorisch interessant. So lautet Artikel 1: In Anbetracht, daß es zur allgemeinen Sitte wird, daß die Herren Jünglinge In der Brautwerbung allzu viel Zeit verwenden und uns mit dem endlichen Eheschluß allzu lange hinhalten, haben unsere Gesandtinnen Fürsorge zu tragen, daß ein Pr'äklusionstermin hinsichtlich der Werbung bis zum thatsächlichen Eheschluß, das ist längstens bis zum Juni jedes Jahres festgesetzt werde." Artikel 5 knüpft hieran an: Für Jünglinge, die in der Faschingszeit um ein Mädchen werben und es bis zum Juni nicht heirathen, soll eine Geldstrafe von 1000 polnischen Gulden festgesetzt werden, zahlbar an eine Unterstützungskasse für verwaiste polnische Jungfrauen." Artikel 2 und 3 fordern sehr vernünftig Verbot und Bestrafung der Geldheirathen und das Recht der freien Gattenwahl. Kein Vater sollte mehr seine Tochter zur Ehe mit einem ungeliebten Manne zwingen dürfen. Ganz kurios ist wieder Artikel 6: Aus Anlaß dessen, daß viele von den Herren Jünglingen dieFamilienwirthschafi (!) vernachlässigen und somit, ohne eine Ehe einzugehen, ein allzuhohes Alter erreichen, drängt sich die Nothwendigkeit auf, gewisse Termine in jedem Bczirk wenigstens viermal im Jahre an einem bestimmten Ort zur allgemeinen Versammlung festzusetzen, wo sich Jünglinge und Jungfrauen einzufinden haben, um eine wechselseitige Bekanntschaft nach gegenseitiger HerzensNeigung einzufädeln. Wer von den Herren Jünglinge!? ohne Grund ausbleibt, ist der Ehre für verlustig zu erklären." Artikel 10 lautet wörtlich: Da die Wittwen sich trotz des Verlustes eines ob mehrerer Männer nicht entblöden, junge Muttersöhnchen anzulocken, wünschen wir, daß den Wittwen nach zurückgelegtem 40. Lebensjahre unter der Strafe der Ehrlosigkeit verboten werde, zu heirathen, und zwar aus dem Grunde, weil o:rartige Wittwen, anstatt Jünglinge heranzuziehen, vielmehr dem Spinnen obzuliegen und das Gebet nicht außer Acht zu lassen haben." Artikel 13 vertritt die Häßlichen", indem er für alle Schönheitsmittel Steuerfreiheit fordert, denn da nicht jede Jungfrau mit blendender Schönheit ausgestattet ist, seien den Minderbegünstigten keinesWegs die Mittel zur Hebung ihrer Reize zu versagen." Artikel 14 bittet um ein Gesetz. da3 jeden Jüngling zwingt, mit 30 Jahren spätestens zu heirathen. Die Krone des Ganzen sind indessen die Artikel 18 und 19. In ersterem wird der hohe Landtag" ersucht, doch dafür zu sorgen, daß Leute mit gleichem Charakter sich heirathen, also z. V. ein schlechter Mann nur ein schlechtes Mädchen, ein einfältiger Jüngling nur eine einfältige Jungfrau u. s. w. Artikel 19 bittet dagegen UNterthänigst, für den Dienst im Heere doch von NUN an nur solche Männer ZU verwenden, die aller Lebensenergie bar und mit auffälligen Gebresten behaftet, also zum Heirathen untauglich wären". Ob der "hohe Landtag" die Forderungen alle bewilligt hat, und ob die Herren Jünglinge" sich nachher gebessert haben, verräth die Geschichte leider nicht. ' Die Hauptsache. Regierungspräsident (zum Bürgermeister cZnes Dorfes): Nun, Herr Bürgermeister, jetzt haben wir uns ja eine Reihe von fahren nicht mehr gesehen. Hat sich in Euerem Dorfe viel verändert, seitdem ich das letzte Mal hier war?" Bürgermeister: Dös wollt i moana, Herr Präsident vier neue Wirthshäuser ham mer kriagt!"

9J Der Aermste.

Won Th. Kiesler. Ein Dichter, den die Schöne mied, Die er geliebt vom Herzensgrunde, Der sang ein rührend süßes Lied Von Liebesweh und Todeswunde. Und wer es hörte, seufzte auf Ob dieses Menschenglücks ZertrÄmmern. Wohl hier und dort sah man darauf' Im feuchten Glanz ein Auge sdjinumern. Da las es sie, durch die allein Das kranke Herz noch konnt' gesun den Den Mund umspielt ein Lächeln fein? Dann sagt sie ruhig: Nett empfun--den!" Die beiden Chinesen. Märchen von Tr. Granariu?. Es waren einmal zwei kleine Chine--sen, zierliche Figürchen. denen man auf den ersten Blick ansehen konnte, dajj, sie Zwillingsbrüder seien. Sie glicherr einander aufs Haar, wie ein Ei denr. andern, hockten beide auf den Füßchen an denen sie kleine goldene Pantoffeln, trugen, hatten hübsche weiße Gew'änder an mit gelben und blauen Blumen, und trugen jeder auf dem glattgescho renen Kopfe ein langes Zöpfchen. Nur in einem waren sie ungleich. Der erstem bewegte seinen Kopf von oben nach unten und nickte ja"; der zweite aber drehte den Kopf von rechts nach links und sagte nein." So thaten sie derr ganzen Tag. Keiner von ihnen konnte: etwas dafür, daß es so war, sondern:. einzig und allein der Künstler, der sie. verfertigt hatte, aber büßen mußten es darum doch sie selbst; höret nur, wie das zuging. Die chinesischen Brüderlein wurderr. mit einander verkauft an einen vornehm men Herren um viele Dukaten, denn sie waren aus feinem, kostbarem Porzellan gemacht. Der Herr stellte die beiden in seinem Prunkgemache auf einen, zierlichen Schrank rechts und links vom einer goldenen Uhr. Die Uhr stammteaus Frankreich, sagte tick tack" und wenn eine Stunde um war klinge klang." Die kleinen Chinesen aber nick ten dazu den ganzen Tag mit den. Köpfen, der eine: Ja, ja," der andere: Nein. nein."" Das war hübsch anzusehen. Eines Tages kam der vornehmeHerr,'. dem die Brüder gehörten, mit einem. Brief in der Hand in das Prunkzimmer und blieb gedankenvoll vor dem. Schranke stehen. Die Gräfin hat ein--gewilligt, mir die Hand zu reichen; wirwerden glücklich sein, glücklich," spracht er und blickte dabei empor, gerade auf' den kleinen Chinesen, welcher immer.' nein" sagen mußte. Das verdroß den. vornehmen Herrn; er nahm seinenStock' mit dem goldenen Knopfe und schlugt damit auf das Figürchen so heftig los daß es in tausend Stücke zerbrachSein Brüderlein aber weinte wie eiir Porzellan - Chinese eben weinen kanrc und nickte: Ja. ja, so geht es. wenn man die Wahrheit liebt, ja, ja, ja, ja. Ein Jahr war vergangen, ein kurzes Jahr, und wiederum kam der Herr in das Prunkgemach. Er hatte die stolze Gräfin gefreit, aber glücklich war tr darum' nicht geworden. So stand ernun wiederum just vor dem kostbaren. Schranke, schlug sich mit der Faust vor den Kopf und sprach: Ich bin doch ein. rechter Dummkopf gewesen, daß ich dieböse Frau ins Haus genommen habe. jawohl, ein rechter Dummkopf." Dcr blickte er empor auf den Schrank und sah wie der kleine Chinese nickte: Ja, ja, ja, ja." Und der Herr nahm aber mals seinen Stock und schlug auf den. Chinesen zornig los, daß er zerschellte. So geht es, wenn man auf der Welt? nichts als ja ja" oder nichts als nein nein" sagen kann. Drollige Grabschriften. Auf dem Leichenstein eines Ehemanns im Duxerthal ist zu lesen: Der Weg nach Golgatha, so muß ich klagen. Konnt' nicht so schrecklich als mein ben sein. Ich mußt' nicht nur mein Hauskreuz tragen. Nein, putzen, füttern obendrein. Auf dem Grabe einer Frau axz Brenner heißt es: Thränen können Dich nicht mehr zum Leben zurückrufen, darum weine ich." Der brave Ehemann dürfte das gcm anders gemeint haben, es kam ihm aber so heraus. Sehr räthselhaft ist di Inschrift eines Grabsteins in Percha im Pusterthal. Da heißt es: Hier ruht Herr Tobias Mair, bürgerlicher Metzgermeister und seine noch lebende Gattin." Auf einem Grabstein zu Feldkirch ist zu lesen: Hier ruhet Franz Josef Matt, Der sich zu Tod gesoffen hat. Herr, gieb ihm die ewige Ruh' Und ein Gläslc Schnaps dazu. Eine neue Art von lebendigen Wesen entdeckt der Verfasser einer Marterl' Inschrift am Kalsertauern. Sie lautet: Im kalten Jahre 1L53 sind hin zwei Menschen und zwei Böhmen er trunken." Sehr gut meint es auch ein braver, aber offenbar unvorsichtiger Schwager auf einem Marterl im Lavanthal. Dcr beißt es: Hier ruht der, ehrsame Johann Missegger, auf de? Hirschjagd durch einen unvorsichtigen Schuß erschossen aus aufrichtiger Freundschaft von sei nem Schwager Anton Steger." Von der Arbeit leben ist bot, äußere Nöthigung; für die Arb leben, Verdienst, innerer Drang.