Indiana Tribüne, Volume 22, Number 172, Indianapolis, Marion County, 12 March 1899 — Page 6

portorico als ZuÄcrl'and. Nächst dem Kaffeebau ist die ZuckerFabrikation die bedeutendste Industrie unserer neuen Besitzung Portorico. 'Unttt der spanischen Mißwirthschaft ist diese Industrie freilich nie auf die 'Volke Höhe ihrer Entwickelungsfähigkeit gebracht worden, sie hat in den letzten fahren sogar einen Rückgang erfahren, aber derselbe ist zum Theil aus die .langsam aber stetig abnehmende Ertragsfähigkcit des Landes zurückzuführen. Während vor 50 Jahren noch .3500 Pfund Zucker den Ertrag des schlechtesten Bodens ausmachten und bis zu 9000 Pfund von dem besten .Lande geerntet wurden, ohne daß dasselbe längerer Ruhe bedürfte, gibt es heute auf der Insel wenige Plantagen, deren Ertrag sich auf mehr als 4000 Pfund stellt; durchschnittlich beläuft sich derselbe nur auf etwa eine Tonne pro Acre. Das größte Quantum Zucker, 180.974.080 Pfund für den Export, 16.000.000 Pfund für den htt--mischen Consum und 53.210.850 Pfd. Melasse im Gesammtwerthe von $6, 919,607, producirte Portorico im Jahre 1887, aber eine Dekade spater belief sich die Production nur noch auf 122,946.335 Pfund für den Export. 16,000,000 Pfund für den heimischen Consum sowie 32.221.669 Pfund Melasse im Gesammtwerthe von $5,057, 490. In der Cultur des Zuckerrohrs sind zwar einige Fortschritte unverkennbar, allein tieselbe läßt immer noch viel zu wünschen übrig. Statt der alten prirnitiven Pflüge kommen verbesserte Ge--rathe zur Anwendung und an Stelle der schwerfäuigen Ochsenkarren, auf denen das geerntete Rohr nach den Fabriken transportirt wurde, sind auf den großen Plantagen Dampfbahn - Anla-

AlterPflug. zen getreten und dadurch die Kosten für Arbeit bedeutend reducirt. Vom .Düngen der Felder ist freilich nirgend:too die Rede, denn das bezahlt sich nach Ansicht der Spanier nicht. Das Schneiden des Rohrs geschieht immer noch mit der Hand da für diese Arbeit inoch keine Maschine erfunden ist. In hohem Grade wird die Zuckerfabrik--tion durch den großen Mangel an 'Brennmaterialien vertbeuert. ??ast alle Maldungen von Portorico sind längst 1 verschwunden und Holz ist so theuer, daß in den meisten Gegenden eine Ochsenkarrenladung. die kaum ein halbes ord enthält. $1.50 kostet. Kohlen gibt es auf der Insel nicht und ihre Einfuhr stellt sich zu theuer. Man verwendet deshalb Bagasse (ausgepreßtes 'Rohr) als Brennmaterial, aber dieses kann nur in Etablissements mit modernen Kessel- und Feuerungsanlagen .vortheilhaft ausgenutzt werden. Auf einer Wanderung durch das Inmit der Insel kann man ein interessantes Bild von der allmäligen Ent- : Wickelung der Zuckerfabrikation gewinuen. In abgelegenen Thälern wird dieselbe noch heute in der primitivsten Weise betrieben. Zwischen aufrechtstesenden hölzernen Walzen, die von .schwerfälligen Ochsen langsam getrieAbfahren von Begasse. 'ben werden, wird das Rohr gequetscht und der Saft in einem offenen Kessel, der in einer mit Palmblättern gedeckten Hütte aufgestellt ist, gekocht. Dunkelhäutige, nackte Pickaninnies" sind im kreise um den Kessel gelagert, während sie gierig das süße Rohr kauen und mit Entzücken den eintönigenMelodien lauschen. welche der das Kochen beaussichtilgende Reger einer primitivenGuitarre entlockt. Der Ochse in dem Göpelwerk unterbricht nach Belieben seinen Gang. rum sich ein Maul voll des süßen Rohres ZU Gemüthe zu führen. Alles athmet die Indolenz der Tropenbewohner und von froher, frischer Arbeitslust ist nir'.c.ends eine Spur zu finden. In diesen überaus primitiven Siedcreien wird der Zucker für den heimischen Bedarf gemacht und es ist mehr als fraglich, ob 'der Werth des in solcher Weise gewonnenen 'Zuckers ein volles Aequivalent für alle Mühe und Arbeit bietet. Den nächsten Schritt in der Entwicke'lung der Zuckerindustrie illustriren Dutzende kleiner Fabriken, die vor 50, 60 oder 70 Jahren in den Thälern der Luckerrohrzone errichtet wurden. Viele sind verlassen und die Mehrzahl ver'fällt vollständig, da die verarmten Eigenthümer den Betrieb fortzuführen .außer Stande sind. Die Felder sind entweder mit üppig wucherndem Unkraut bedeckt oder die Eigenthümer bauen nur noch Zuckerrohr, ohne dasselbe selbst zu verarbeiten; für ihre Ernten finden sie Abnehmer in den mit .besseren Maschinen versehenen Fabriken, die für das Rohr einen bestimmten 'Procentsatz Rohzucker bezahlen. Einige dieser kleinen Fabriken sind ziva? noch im Betrieb, aber sie produciren nur die geringsten Qualitäten von sogenanntem Muscawado - Zucker. In 'diesen Fabriken werden die Walzen entloeder von veralteten Condenianons Maschinen oder von Wasserrädern geixuUn und der Zucker wird m Batte ?!en eingemauerter Kessel bereitet. Der Saft wird in dem ersten Kessel langffam erhitzt und das Krystallisiren geschieht in dem letzten Kessel, der der größten Hie ausgesetzt ist. Die Melasse wird in hölzerne Bottiche abgelts

sen und der Zucker, welcher von höchst minderwerthiger Qualität ist, in Fässer oder Säcke verpackt. In anderen Fabriken finden sich zwar schon verbesserte Maschinen, aber die Gesammteinrichtungen bilden ein so heterogenes Gemisch von Altem und Neuem, daß ein Departement oft seine

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Holzfuhre. Thätigkeit einstellen muß, weil in tu nem anderen die Arbeiten im Rückstand sind. Da nun die Zuckerpreise in den letzten Jahren stetig, heruntergegangen sind und die Zuckerfäbrikation sich nur bei Anwendung der ökonomischsten Arbeitsmethoden bezahlt.so gehen auch die Fabriken dieser Art allmälig ein. Bon wirklich auf der Höhe der Zeit stehenden Fabriken, welche in allen Departements moderne Maschinen haben, sinden sich nur zwei in ganz Portorico. Die einzige Erklärung hierfür liegt in dem Umstände, daß die amerikanischen Maschinen seitens der Spanier mit so hohen Zöllen belegt waren, daß Niemand an ihren Erwerb denken konnte. Eine der besten Fabriken producirte im Jahre 1897 ca. 6,500,000 Vfund Zucker, trotzdem ihre Capacität 13,000,000 Pfund beträgt. Aber da dieses Etablissement das Rohr nur von 2000 Acres zum Verarbeiten erhält, mußte es nothgedrungen zeitweise müt ir SZZ54&ik Zuckerfabrik. ßig liegen und das Betriebscapital verzinste sich noch nicht einmal mit drei Procent. Wenn diese Fabrik das ganze Jahr hindurch in voller Thätigkeit gehalten werden könnte, dann würden die Betriebskosten ftck so weit reduciren lassen, daß sie einen Reingewinn von ca. sieben Procent abwerfen könnte. Nach dem Dafürhalten von Sachverständigen können die Vlantaaen bei rationeller Bearbeitung, Düngung, und ewajjerung enragreicher als bisher gemacyl werden und unter diesen Voraussetzungen ist Portorico ein viel versprechendes Zuckerland. Maschine zum Buchführcn. Bei einer der aröneren Svarbanken der Stadt New Nork befinden sick seit Kurzem Maschinen in Gebrauch.welche mit absoluter Genauigkeit nicht blos rne ages - Einnahmen und -Ausga-ben reaistriren. sondern in weniaen Minuten auch die Gesammteinnahmen CH T! V V r t ich vimnuung ozz zani loivie oie Guthaben ihrer 67.000 Depositoren nachzuweisen ermöglichen. Nimmt der euer ein Depositum entgegen, so leat er das Devosstenbuck unter einen mit beweglichen Ziffern gefüllten Cyiinoer und druckt aus emer Klaviatur AnsichtderMaschine. die Tasten mit den entsprechenden Ziffern nieder, worauf er durch einen Hebeldruck die mit Elektricität arbeitende Maschine in Bewegung setzt. Der Betrag des Depositums wird dann von der Maschine in das Buch und auf einen Papierstreifen in der letzteren gedruckt, also eine' doppelte Eintragung gemacht. Nachdem der Depositor sein Buch zurückerhalten hat, setzt der Teller" einen zweiten Cylinder in Bewezung und nun addirt die Maschine automatisch den eingegangenen Betrag zu den früheren Einnahmen. Jrrthümer sind absolut ausgeschlossen. Merkwürdige Auffas sung. Buchhalter: Hm Chef, möchte fragen, ob ich nicht eine kleine Zulage kriegen könnte, ich habe gestern geyeiralyet. .yes : ie meinen wohl, daß mein Geschäft ein Unfallversicherungsoureau ist. das geht nicht. Falsche Vorstellung. Piefke: Sieh' da, ein Brief von melnem Freund Schnipser aus Italien. Er schreibt, daß er zu seiner Erholunq vier Wochen Urlaub erhalten hat und sich in dem sonnigen Süden toi im Himmel befindet." Frau Piefke: Was Du sagst! Hat er denn seine Frau mit?" Piefke: Seine Frau? Na, Du scheinst ja einen netten Vegrisf vom Himmel zu haben !

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Die Atte Sink. Mit Bedauern werden die , vielen tausend Freunde der alten Msenstadt Göttingen die Kunde vernehmen, daß abermals ein trauter Gesell aus alter, guter Zeit dem modernen Geiste zum Opfer fallen wird. Die Alte Fink ist dem Untergange geweiht, jene urgemüthliche, stimmungsvolle Kneipe der aliiia.mater, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ein beliebtes Ziel flotter Bursche bildete. Die Alte Fink wird einem modernen Neubau Platz machen. Es dürfte deshalb an der Zeit sein, einige Daten aus der Vergangenheit des ehrwürdigen Kneiplocals anzu-

fuhren. Das Haus selbst entstammt offenbar dem Geschmack des 16. Jahrhunderts, wenn auch trn Zeltenlauf gar mancherSchmuck gefallen, manch neues eingefügt fern mag. Die Außenbalken und Schwellen des dreistöckigen FachWerkbaus zeigen besonders an drei Fenstern des mittlern Geschosses geschmackvolle Holzschnitzereien: in den Füllbrettern der Fenster stehen in arcadenartiger Umrahmung Kreise. Sterne u. dergl. Die Schwelle des Oberstocks durchziehen Parallellinien, an jeden Balkenkopf spitzwinkelig ausgebogen; me Baltenlopse selbst sind fast schmucklos. Die beiden Geschosse sprmaen etwas vor: zwischen den Tragbändern machen sich Reste farbiger Muster bemerkbar, auch Spruche (Bier, kühler Wem Machl gut Latein": Hopfen und Malz, Gott erhalt's" u. s. w.) Aff- 303r;r -: MM-M-MV Die Alte Fink. Seit Anfang dieses Jahrhunderts ist der Wirthschaftsbetrieb der Alten Fink eingerichtet; zunächst von dem Großonkel, dann vom Großvater der Frau des heutigen Finkenwirths; von dem Großvater, Eduard Finke, erhielt das Local seinen Namen. Die Alte Fink verfügt über drei Wirthschaftszimmer sowie ein Eztra-Kneipzimmer für besondere Gelegenheiten, den sogen. Rittersaal". Das Haupt-Kneipzim-mer (unten rechts vom Eingang) zeigt unsere Abbildung. Die gebräunte Decke des niedrigen Liaumes stutzt eine eckige Säule; rechts und links an den Wänden stehen die colossalen eichenen Kneiptafeln, vor ihnen ebensolche massive Bänke. Auf den Tafeln prangen zahlreiche, meist umfangreiche Stammschoppen aus verschiedenem Material, wahrend die dicke Elchenplatte bedeckt ist mit den eingeschnittenen Namen derjenigen, die seit Jahrzehnten hier im fröhlichen ,Zecherkreis versammelt saßen. Da kneipten seit ihrem Beste-Haupt-Kneipzimmer. hen die Mitglieder der Göttinger Brunsviga, Bremensia, Hannover, Saxonia und Hildeso-Guelphalia-Hercynia. Manch' urkräftiger Cantus stieg hier aus fröhlichen Kehlen; wer zählt die Salamander", die hier gerieben, und wer die Sünder, die horrible dictu frevelnderweise nachgeklappt haben! Wie bieraemüthlich mutz es sich hier gesessen haben, wenn blaugrauer Hecht" in immer dichter Schwaden den Raum durchwogte und jubelnder Frohsinn seine reise zog! O alte BurschenHerrlichkeit, wohin bist du entschwunden" Doch die Alte Fink bot auch andern durstigen Seelen eine gastliche Stätte. Im Mittelzimmer des Erdgeschosses hausten die Philister"; seit 1879 hatte auch die katholische Winfridia" dort ihren Stammtisch. In dem kleinern Zimmer links vom Eingang verkehrten nicht incorporirte Studirende, Philister u. dergl. Der Rittersaal diente bis vor etwa zehn Jahren dem Ossiciercorps der GLttinger Garnison als Casinoraum. und auch er weiß manches zu erzählen. Vorbei! Nicht lange mehr, und geschäftige Hände werden kommen, die altehrwürdige Stätte Uebermuth sprudelnden Kneiplebens dem Erdboden gleichzumachen. Ein gut Stück GLttinger Geschichte geht mit ihr zu Grunde. Sonderbare Zumut h u n g. Beamter: Wovon leben Sie eigentlich?" Herr: Was? Seh ich vielleicht aus wieEiner, der es nothwendig hat, von etwas zu leben?" Sein Standpunkt. Doctor: Ja, können Sie denn nicht lesen? Hier steht doch deutlich genug angeschrieben: Sprechstunde nur von 34 Uhr!" Bettler: Ja, ich will Sie ja garnicht sprechen ich möchte Sie nur UM eine milde Gabe bitten." Die Hauv tsache. Graphologe (eincn Brief prüfend): Die Dame ist sehr launisch und herrschsüchtig ; dabei aber gefühlvoll und von edlem Character; sie ist außerordentlich musikalisch. klug, belesen . . ." Herr: Ja, können Sie mir denn nicht sagen, wiediel sie hat?"

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ßin VlesengkoLus.

Der berühmte französische Geograph Elisöe Reclus hat vor einer außerordentlichen Versammlung der Londoner Geographischen Gesellschaft einen längeren Vortrag gehalten, in dem er den Gedanken vertrat und begründete, die Erdbeschreibung müsse, um eine rieh tigere Auffassung der Erdoberfläche in weiten Kreisen zu verbreiten, mehr die Sphärographie. das ist die Darstellung der Erdoberfläche in Kugelform, als die Kartographie Pflegen. Nach seiner Meinung ist die Sphärographie weit hinter der kartographischen Darstellung zurückgeblieben, und die Erdbeschreibung würde eine mächtige Umwälzung und große Fortschritte erleben, wenn man in der Darstellung wie im gcographischen Unterricht sich mehr an das Vorbild hielte und mit dem Globus arbeitete. Bei kleinerenGloben müsse man sich allerdings mit einer glatten Oberfläche begnügen, wenn man aber auf größerem Fuße vorgehe und beispielsAußenansicht. weise einen Musterglobus im Verhältniß von 1:100.000 herstelle, so könne man ein durchaus zutreffendes Reliefbild unserer Erdkugel zur Anschauung bringen und bereits Unebenheiten des Geländes von 50 Meter Höhe verzeichnen. Durch einen solchen Globus würde man ein unendlich viel besseres Bild nicht nur von der physikalischen, sondern auch von der politischen Geographie gewinnen, allenthalben die natürlichen Grenzen leicht übersehen und einen richtigeren Begriff von der Ausdehnung der Länder erhalten. Um nun für diesen Gedanken Propaganda zu machen, will Reclus den Besuchern der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 einen Riesenglobus vorführen. der einen sogenannten Clou" jener Ausstellung bilden soll. Falls ihm die städtische Verwaltung den Platz hinter dem Trocad6ropalaste bewilligt, so wird sich dort auf der Stelle, die gegenwärtig noch ein großes Bassin einnimmt, jene kolossale Darstellung unseres Erdballes erheben, von der wir eine Außenansicht sowie einen Durchschnitt den Lesern vorführen. Der Globus selbst wird einen Durchschnitt von 26 Meter erhalten und rings von einer mit dem Trocadöro durch eine Brücke verbundenen Eisenconstruktion umgeben sein. Im Innern der letzteren ziehen sich spiralförmig geführte Treppen rings um die Riesenkugcl, auf denen die Besucher durch sämmtliche Längen-'und Breitengrade vom Südbis zum Nordpol hindurchspazieren können. Unten befinden sich Dioramen und andere Darstellungen, welche Durchschnitt. die Entstehungsgeschichte des Erdkörpers und die Entwickelung des Menschengeschlechts veranschaulichen, sowie Restaurationsräume; unterirdisch wird die Maschinerie für einen Aufzug angebracht werden, der längs der einen Seite der Eisenhülle vom Boden bis zur höchsten Galerie emporführt. Die Kosten sind auf eine 'Million Fransn veranschlagt, und es hat sich bereits eine Gesellschaft zur Aufbringung dieses Kapitals gebildet. Aller Luxus soll vermieden werden, da das Ganze ausschließlich einen wissenschaftlichzn Charakter tragen und einem bildenden, erzieherischen Zwecke dienen soll. Unerwartete Kritik. Also, welches meiner Gedichte gefällt Ihnen am besten?" Das. worin Sie Abschied vom Leben nehmen!" Geschmacksachen. Den Hut findeich reizend kauf' ihn mir!" Ein Jammer, was Du für einen Geschmack hast." Das meinten meine Freundinnen auch, als ich Dich heirathete." Maßstab. Mutter: Ich hoffe, Sie werden meine Kinder lieb haben." Kindermädchen: Nein, Madame, das thut mir leid, ich kann für den Lohn, den Sie zahlen, höchstens eine gewisse Zuneigung empfinden." Auf der Sternwarte. Professor: Die ungeheure Entfernung dieses Sterns können Sie ermessen, wenn Sie bedenken, daß das Licht mehrere tausend Jahre gebraucht, um bis zur Erde zu gelangen! Dame: Ja, die Sterne scheinen auch nur in der Nacht, sonst würde eä doch schneller gehen."

Fahrrad und Feuerwehr. Seit Kurzem ist die Vreslauer Feuerwehr mit einem Vierrad ausge-

ruuet, wllcyes iowoyl im Losch- wie im Samariterdienst Verwendung sindet. Ausgerüstet ist es mit einer 'Löschkanne. einer Schlauchwelle mit 60 Meter (ca. 200 Fuk) Scklauck und Schlauchrohr, einer Art und einer Laternc; dazu tritt in der Nacht noch eine Petroleumsackel. Der die Colonne befehligende Oberfeucrmann fährt auf einem Zweirad voraus. Soll das Vierrad zur Hülfeleistung bei Unfällen dienen, so werden die Kanne und me Schlauchwelle abgenommen und dafür ein Verbandskasten aufgesetzt. Die Krankentragestangen aus polirtem Mannesmannrohr sind am Gestell fest angebracht, die übrigen Thnle der Trage sitzen am Verbandskasten. Ist das Nad an dem Hause, m dem Feuer ausgebrochen ist, angelangt, so nimmt der erste Mann die Löschkanne, der zweite die Axt und der dritte die Schlauchwelle: alle drei laufen dem schon vorher eingetroffenen Oberfeuermann nach bis zur eigentlichen Brandstelle, wenn diese im Keller oder im Erdgeschoß liegt, andernfalls bis an die zu ihr führende Treppe. Können die Flammen mit Eimern nicht ausgegossen werden, ist also eine Spritze Auf der Fahrt. erforderlich, so wickelt der erste Mann den Schlauch von der durch die beiden anderen an der Achse gehaltenen Welle im Trabe nach der Straße zu ab. Sobald die Gasspritze angelangt ist, wird der Schlauch an die Ausflußoffnung derselben gekuppelt und die mit flüssiger Kohlensäure gefüllte Flasche geöffnet; jene drückt nun auf das Wasser, das mit großer Geschwindigkeit :n den Schlauch tritt und binnen wenigen Sccunden aus dem Schlauchroh? fließt. Das Auslegen der von dem Vierrad mitgeführten 60 Meter Schlauch erfordert etwa 20 bis 25 Secunden und das Füllen des Schlauches bis zum Rohr 16 Secunden, sodaß bereits eine Viertelminute nach der Ankunft der Spritze das Wasser in die Gluth geworfen zu werden vermag. Aucy wenn Menschenleben in Gefahr sind, leisten die zuerst eintreffenden Fahrradmannschaften sehr gute Dienste. Der Glücksklee. mojrnw Ahhh, ein vierblätt'riger Klee! . Das wird mir ja. M5W Glück bringen. Vortheil. Herr (als ihm das Bild seiner häßlichen Frau gebracht wird): Das Bild nehm' ich nicht an das sieht ja meiner Frau gar nicht ähnlich!" Diener: Sid S' doch froh, gnä' Herr!" Kindermund. Frau SL: .Ich habe mir gestern einen Zahn z hen lassen.- Frau B.: Ach. Sie Aermste! Da kann ich von Glück sagen; ich habe noch alle meine Zähne!Die kleine Ella: Ja. das Vft wahr : ich habe sie gesehen, sie liegen w ewer kleinen Schachtel.

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Herr (der soeben in einen Waaaon der Berliner Stadtbahn eingestiegen ist): Warum weinen Sie denn, meine Gnädige?" Dame: Ach, lieber Herr, sehen Sie. durch diese Station bin ich nun schon dreimal gefahren ich soll hier aus steigen, und ich kann nicht!" Herr: Warum denn mcht?" Dame: Ja sehen Sie, ich bin etwa? korpulent und muß deßhalb rückwärts ausstelgen. Wenn nun der Zug hält. mach' ich die Thüre auf und setze den einen Fuß auf das Trittbrett. Jedes Mal kommt dann der Schaffner, denkt. ich will emstelgen, gibt mir emen klelnen Schubs und schlägt mit den Worten: Madamken, wenn Sie noch mitwollen, dann müssen Sie sich beeilen die Waggonthüre zu!" Unglaublich. Somriagsjäger: ... Ich will ja Alles gerne glauben, meine Herren aber daß es Völker gegeben haben soll, die nur von der Jagd lebten,, das ist doch. undenkbar!" Moderne Ku.it. st Maler (zum Diener): Ja was ist denn das? Mein Bild hängt ja verkehrt!" Diener: Thut mir leid! Die Hängecommission hat g'meint, so wär's richtig!" Maler (nachdem er eS länger betrachtet): Nun ja, lassen Sie es es gefällt mir selbst so bessert Unerwartete N e p l i k. Hausfrau (beim Abschied des Dienstmädchens): Wie Sie weinen?! . . . Wenn Ihnen der Abschied so schwer fällt, weßhalb haben Sie denn da gekündigt?" , Dienstmädchen: Ach. mir thut nur meine Nachfolgerin so WM" I n der Eile. Polizeibeamter: Ihr Verdacht gegen Ihren Kassirer ist vollständig unberechtigt; er treibt keinerlei Auswand, lebt aller dingö anständig " - Kaufmann: .Das ist's eben. Von dem Gehalt, daS ich ihm gebe, kann er durchaus nicht anständig leben!'' .

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Storch und GanS.

Eine ffabel von H. ft. Stritt. Einst hat ein Storch sich unbedacht 1 In eine Gans vergafft, Mas ihm zur Strafe bis zur Stund' c Viel Leid und Aerger sch2fft. Noch eh' der Sommer ging vorbei. Bereute er den Schritt; Denn als die Zeit zum Wandern kam, Da ging die Gans nicht mit. Zugleich war aber auch verscherzt Sein Ruf und seine Ruh'; Die besser'n Storchfräulein all' , Kehr'n ihm den Rücken zu. So lebt er nun als Jungzesell' ' Verlassen und allein; Das muß im dunkeln Afrika ! Besonders traurig sein! ' Daraus giebt mit Leichtigkeit ' Die weise Lehre sich: Laß' jede auch die schönste Gans Nur einem Gänserich! Haarmoden. Sieht man zu, wie die Haarfrisur immer höhere Dimensionen anmnuu:, wie Rollen auf Rollen, Puffen auf Puffen gedreht werden, und wie daZ Grundprinzip einer vornehmen Haar frlsur, die nichts vom Gekünstelten, an sich tragen darf, immer mehr verletzt wird so wird man unwillkürlich an die Modethorheiten einer Marie Ai.toinette erinnert. Vor dem Ausbruch der französischeir Revolution bestand die Schönheit, der Haartracht in ihrer Höhe. Man wollte der durch den Reifrock breit wirkenden. Erscheinung, ein Gegengewicht geben. Mit seinem Ausputz war die Frisur drei-, vier-, sogar achtmal höher als das Gesicht einer Dame. Fuhr diese: in einer. Karosse, so mußte sie eine knieende Stellung einnehmen, weil die. Decke des Wagens für das aufgethürmte Haar zu niedrig war. Selbst: den Besuch des Theaters mußten die: derartig frisirten Französinnen meiden. Die nimmer rastende Industrie' erfand einen Mechanismus, mit dessen Hilfe man den Kopfputz beliebig sen-. ken und aufrichten konnte. Das eigene' Haar genügte zum Aufbau solcher Fri-' suren nicht. Die Frauen wußten Rath. Sie griffen, zur Perrüäe.. Mitten auf den Schädel wurde ein hohes, mit Draht oder Roßhaargeschwelltes 5Ussen .elegt und das Haar mit einer Unmenge von Nadeln darauf befestigt. Mit Puderteigen und Pomaden wurde die Frisur verklebt, mit Essenzen, die einen betäubenden Wohlgeruch ausströmten, wurde sie eingeölt. Das Haargebäude war so kunstvoll errichtet daß es in der Nacht nicht zerstört wurde. Zur Schonung umwickelte es die Trägerin mit einer dreifachen Binde. Kisscn, falsches Haar, Nadeln und aromatische Ingredienzien, verursachten ein schreckliches Jucken auf der Haut. Um es zu lindern, nahmen die Frauen zu einem besonders dazu, erfundinen Instrumente ihre Zuflucht. Es war ein Kratzeisen, ein Stiel mit Hacken, zicrlich gearbeitet. Man trieb sogar Lurus mit diesem Kratzer. Aus, Elfenbein. 'Silber, ja selbst aus Go'.d.. mit Diamanten ausgelegt, wurde sein. Stiel hergestellt, und das Instrument wurde ungemrt in Gesellschaft und aus der Straße benutzt. Mit der Höhe allein waren die eitlen Damen noch nicht zufrieden. Sie verirrten sich in eine Maßlongleit und Willkür, die ihresgleichen sucht. Die: Frisur soye gewisse Jdeecn zum Ausdruck bringen, und der Ausputz diese. Jdeeen verdeutlichen. Die Jdeeen suchte man aus. allen Gebieten des., menschlichen Wissens zusammen. G schichte, Mythologie, Sternkunde,. Kriegswesen, Gartenbau mußten dazu: herhalten. Marie Antoinette ersann die thö--. richtsten Vorwürfe. Die eine Damr. setzte einen mit natürlichen Blumen-ge füllten Korbe oder gleich einen ganzen. Blumengarten auf den hochgethürmten. Haarbau und nannte diesen Putz. Frisur h la Flora, die andere legte Obst in. derr Korb, um die Frisur.- la 1'0W0M zu Wege zu bringen. Die dritte breitete sich h. la Ceres, ritt Achrcnfeld auf dem Haupte aus, die vierte setzte & la Minerve einen Heim mit hochstrebendem Federbusch darauf? die fünfte ä la Victoire einen Wald von Lorbeer und Eichenzweigen Da sah mau Damen mit einem Teurpel. mit einem Zelte oder rar mit einem Schiffe, auf dem Kanonen sa wenig fehlten, wie Mäste, Takelwerk und aij gezogene Segel. Selbst die Psych?lo. gie, berühmte Persönlichkeiten, und Tagesereignisse mußten herhakten, den Kopf der Frauen eigenartig-, zu gestalten. Die Frisur ä la tscntiniont stellte Kinderspielzeuge, Pappen und ausgestopfte Vögel zur Schu. Es gab Frisuren ä la Hamlet, 5 la Fi garo, caprices de Voltaire, (Voltaire Launen) ferner solche a la mside'ratioa (Hochachtung), incli nation (Neigung), ä la Philantropie (Menschenfreundlichkeit). Die Königin selbst erfand für ihre eigene Person die seltsamste Haar tracht. A la montagne (Gebirgt) war sie benannt. Das zur Schau getragene Bild Mte eine Lands.ift dar. Die Hügel und Thäler bestan. den aus farbigem Schmelze. Schaum , bedeckte Ströme und Bäche wurden auS 4 siilberfarbigen Stoffen hergestellt. ' Selbst Garten- und Partanlagen' s? rpn Nsntasie an verwirk IVUQIb rT 1 V kicken. Das Entzücken über diese Etrava, ganzen theilte sich der ganzen gebilde. ten Welt mit, und die Damen in Leip. . zig, Wien und Berlin wetteiferten mit -'oen Französinnen in der Erfindung 1 ußergewöhnlicher und inhaltvolle ' I Haarmoden.

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