Indiana Tribüne, Volume 22, Number 172, Indianapolis, Marion County, 12 March 1899 — Page 2
Ein gutes Witter. - Humoreske von E. M. W. Dr. Heino kommt in den arten salon, wo das Frühstück genommen wird. Er setzt sich zu Tisch, zündet eine Cigarre an, legt sie aber nach einigen Zügen wieder fort. Er greift nach der Zeitung, will lesen, dies geht aber auch nicht. Der kräftige Mann will die Last, unter der tt seufzt, abschütteln. Der Wille des Menschen vermag ja so viel! Aber gegen d:ngrimmen Feind, dem der Doctor heute verfallen, dermag auch ein eiserner Wille nichts! Verrathen wir cs nur. Ein Katzenjammer, grimmer Qualität, schafft dem armen Heino heute Höllenqualen. Es ist ihm just kein unbekanntes Leiden; aber früher brauchte er nicht dagegen anzukämpfen. Er blieb im Bette, so lange ihm der Kopf brummte, schickte seinen Diener um delicate Haringe, und seine Quartierfrau, die gute Seele, brachte ihm einen Thee, der ihren Alten, wie sie sagte, auch immer schnell wieder auf die Beine gebracht hatte. Seit einem halben Jahre ist er aber verheirathet! Die ganzen sechs Monate war er unglaublich solid;-aber der Abschiedsfeier gestern Abend war nicht auszuweichen und da übersah er es! Er übersah auch seinen Sessel, als er sich nach dem ausgebrachten Hoch!" wieder setzen wollte, und plumpste neben demselben zu Boden. Wenn das seine Frau gesehen hätte!! Obwohl von rechts und links sofort Hilfe kam, wollte das Aufstehen doch kaum gelingen. Mitleidige Seelen brachten ihn heim. Eine schwache Erinnerung blieb dem umnebelten Geiste. Heimzukom rnen, wäre ganz recht! Aber heimzukommen zu einem geliebten Weibchen in solchem Zustande! Das kann einen Stein mürbe machen! Der erste Rausch (sich selbst gegenüber nennt man das Kind bei dem rechten Namen, Anderen gegenüber drückt man sich gelinder aus!) der erste Rausch in der Ehe ist ein schauderhaftes Ereigniß! Und leicht geschieht es da, daß man seine Freunde, denen man vor wenigen Stunden in inniger Verbrüderung zugetrunken hat, verwünscht mitsammt dem edlen Rebensaft. Heino blickt schon immer nach der Thür. Ihm bangt ein wenig vor dem Augenblick, da seine Frau eintreten wird. Ausrichtig gesagt, schämt er sich auch und will Alles aufbieten, sie zu versöhnen. Sie kommt endlich; aber nicht wie sonst, sanft, mild, herzlich, nein! Heute naht sie wie eine erzürnte Gottheit. Guten Morgen, Schatz!" Keine Antwort. Die Hand, die sich ihr entgegenstreckt, sieht sie auch nicht. Pause. Heino ist verlegen um eine geschickte Einleitung zur Friedensverhandlung. Wenn sie ihn nur wenigstens angesehen hätte! Sie schellt, der Kafsee wird gebracht. Er wartet vergebens darauf, daß sie ihm einschenken werde. Endlich fragt er: Bekomme ich heute zur Strafe keinen Kaffee, Elsa?" Keine Antwort. Das war arqer, als er sich gedacht hatte! Die Harteste Selbstanklage, die süßesten Worte haben k:inen Erfolg. Sie bleibt stumm! Schon ist Heino erregt. Ein Verbreche hat er ja nicht begangen! Dem So!'desten tarn so ein Hieb" einmal pissiren! Sie geht zu weit! Er hat auch schcn e'ne recht scharfe Bemerkung auf der Zunge, da sieht er, daß aus ihren Augen Tropfen um Tropfen fällt. Das erschüttert ihn, er stürzt auf si: zu: Elsa, meine süße Elsa, weine nicht!" Sie aber flieht entsetzt vor ihm. Verühre mich nicht! Ich, ich verabsck'eve Dich!" Der Bann ist gelöst! Die Schleusen der Beredtsamkeit sind geöffnet! Heino bekommt nun genug zu hören. Er hat ja natürlich auch von einem Trunkenen keine hohe Meinung. Ihre Behauptung aber, daß jemand, der sich betrinke, aufgehört habe, ein Mensch zu sein, will ihm doch nicht einleuchten. Ebensowenig, daß nun für immer sein häusliches Glück dahin sein soll. O, wie sie klagt und weint, daß ihr Glück nur von so kurzer Dauer geWesen! Alle Versöhnungsversuche scheitern. Die heiligsten Versicherungen, selbst Schwüre, prallten wirkungslos ab. Ein Mensch, der sich betrinke, sei ihr wie ein Aussätziger, dessen Anblick Ekel errege und dessen Nähe man fliehe." sagt sie. Aber. Elsa, sei vernünftig. Lasse es genug sein. Machen wir lieber einen Spaziergang. Die Luft wird meinem armen Kopf gut thun, und Du kannst bei dieser Gelegenheit das gewünschte Kleid bestellen Verfing das auch nicht? Nein! Nochmals will er sich ihr nähern, sie scheucht ihn aber durch einen Blick voll Verachtung zurück und will durch die in den Garten führende Thür das Gemach verlassen. Da hüpft ein Mäuslein über die Schwelle, gerade ihr entgegen. Ein furchtbarer Schrei! Und ehe Heino denken kann, umklammert ihn seine Frau krampfhaft und schreit und zappelt ganz entsetzlich! Die Aussöhnung kommt nun rasch zu Stande. Die alte Herzlichkeit ist wieder da. Und Alles wäre wieder gut bis auf Hemo's argen Hintergedanken sich für alle Fälle einen Käfig mit Mäusen anzuschaffen." Brauchbar. Baron: Sie kommen wegen der vacanten Dienerstelle?" Diener: Jawohl, Herr Baton!" Baron: Sind außer Ihnen noch Bewerber draußen im Vorzimmer?" Diener: Sechs waren draußen, ich hab' sie aber alle hinausgeworsen!" Baron: Gut, Sie können eintreten!" Protest eines Kenners.
Tochter: Ich mag gar keinen Roman mehr lesen! Jedesmal hört ts auf, wenn sie sich kriegen, und wo es dann am schönsten wird." Vater: Wer ?at Dir denn aesaat. dak es dann am schönsten w:rd? Das ist ein ganz mes Gerede."
Zleöerraschungen. Kriminalnovellette von Friedrich Thieme. I. Ort der Handlung: New Jork. Zeit: Die Gegenwart. Die Scene stellt einen Restaurationsgarten im Centralpark vor. Es war ein schöner Herbsttag. Das Laub derEichcn, Walnuß und Ahonlbäume schimmerte in allen Farben des Regcnbogens. Zahlreiche Damen, Herren und Kinder in eleganten Toi-
leiten saßen an den Tafeln oder wogten durch die Gänge und Alleen. Dutzende von Aufwärtern hasteten auf und ab. Seitwärts an einem hinter einem Boskett verborgenen Tisch hatten drei Herren Platz genommen. Echt: )av kees in allen Abjufung? des Männeralters, der jüngste etwa fünfunkzwanzig, der mittlere vierzig, der a!te-.:e über sechzig Iihre zählend. Alle drei nach der neuesten Mode gekleidet, clegant frisirt, mit schwer goldenen Uhrketten, goldenen Klemmern, tadelloser. weißer Wäsche. Der Senior des Kleeblatts, Mr. Smith, ergriff zuerst das Wort. Ein Greis von ehrwürdigem Aeußeren, mit langem, weißem Bart, klugen, milden, vertrauenerweckenden Auqen. Meine Herren, wir sind in den lekten Tagen glücklich gewesen. Sehr qlllcklich! Der Himmel hat unsern Fleiß gesegnet." Ja. ja, em geschicktes Spielchen nährt seinen Mann," bemerkte Mr. Turner, der Vierzigjährige, mit schlauem Lächeln. Wieviel haben wir netto verdient. Mr. Goldon?" Mr. Goldon, der jüngste Spieler, dachte einen Augenblick nach und flüsterte dann mit halblauter Stimme die Zahl dreißigtausend" in die Ohren seiner Genossen. Dreißigtausend Dollars auf den Penny?" fragte der würdige Senior. Yes!" Verj well kommen auf jeden von uns zehntausend Dollars. Was machen wir mit dem Gelde, Gentlemen?" Ich denke, wir setzen das Geschäft fort," erklärte Mr. Turner. Ist das auch Ihre Meinung, Goldon?" Ich denke." Mr. Allan Smith schüttelte lächelnd sein ehrwürdiges Haupt. Ich für meinen Part stimme dagegen, Gentlemen." Sie wollen aus der Societät ausscheiden?" fragte Mr. Turner bestürzt. Nein nur einen andern Vorschlag machen. Faro ist ein gutes Ding, ich gebe es zu, aber wir kommen zu langsam dabei vorwärts. Weshalb aber so lange warten, wenn es ein Mittel gibt, mit einem Schlage Millionar zu werden? Turner und Goldon blickten voll neugieriger Spannung zu ihrem Meister auf. Welches Mittel?" zitterte es gleichzeitig von beider Lippen. Mr. Smith winkte bedeutungsvoll, und alle drei steckten die Köpfe so dicht zusammen, daß die Rasen fast carambolirten. Der Senior strich sich erst bedächtig den weißen Bart, dann begann er mitist auf seine Cumpane geheftetem Blick: Hören Sie, Gentlemen. Mein Vorschlag ist folgender: Vertauschen wir dieFarobank mit einer andern. Legen wir unser Geld zusammen, um eine wirkliche Bank zu grunden. Wir haben in dem neuen Eldorado Alaska eine ungeheure Goldmine entdeckt, deren Ausbeutung im Großen betrieben werden muß. Zur Beschaffung von Maschinen, Arbeitslöhnen. Betriebscapital brauchen wirGeld, viel Geld. Um das zu gewinnen, geben wir Antheilscheine aus. Minimaleinläge tausend Dollars. Fabelhafter Gewinn in Aussicht, Verzinsung nach Hunderten von Procenten. Wir nehmen angeblich nur eine beschränkte Summe auf, so daß sich jeder glücklich fühlt, sein Capital an uns loszuwerden." Aber wird man uns auch glauben?" fragte Turner sceptisch. Smith maß seinen Compagnon mit verächtlichem Blick. Sie sind doch kein Grüner, Mr. Turner. Auf einm Schwindel, und sei er noch so plump, fallen die Menschen stets herein. Außerdem sind die Amerikaner geborene Spekulanten. Lieber verlieren sie zehntausend Dollars, als daß sie sich die Gelegenheit eines so verlockenden Prosits entgehen lassen. Ich versichere Ihnen, wenn wir die Sache geschickt arrangiren, wird es Dollars regnen." Wäre es nicht besser, eine Actiengesellschaft statt einer Bank zu gründen?" rieth Goldon. Rein. Im ersteren Falle sind die Schwierigkeiten weit größer, außerdem bekommen wir, wenn wir mein Project realisiren, das Geld baar und persönlich in die Hand." Sehr richtig!" pflichtete Turner wohlgefällig bei. Die Hauptsache ist, die Goldmine glaubhaft zu machen. Und dafür will ich schon sorgen. Die Zeitungen sollen mit Berichten über unsere Mine und die wunderbare Geschichte ihrer EntDeckung überschüttet werden. Uebrigens flößt schon mein Aeußeres Vertrauen ein. Ich fungire als erster, Turner als zweiter Director, Mr. Goldon als Cassirer. Unsern Fonds verwenden wir zur Bestreitung der Installationskosten. Wir miethen ein großes Local in bester Geschäftslage, statten es luxuriös aus, lassen unsere Antheilscheine künstlerisch ausstatten und auf Pergamentpapier drucken und dergleichen mehr." Und wenn der Schwindel an den Tag kommt?" warf Goldon ein. Dann sind wir längst über alle Berge versteht sich, nach vorhergegangener Theilung. Natürlich darf vasGelchast sich nicht zu lanae hinaus ziehen, in spätestens dreiMonaten muß alles beendet sein. So lange haben wir bestimmt Zeit, ehe man uns in die
Karten sieht. Einverstanden, Gentlemen?" Mit leuchtenden Augen hatten diese gelauscht, nun ließ jeder schallend seine Hand in Mr. Smith's ausgestreckte Rechte fallen. Die Bank war constituirt, das Präsidium ernannt nun an die Arbeit! H. In einer in der Nähe des Hafens befindlichen Verbrecherkneipe kehrte seit einigen Tagen jeden Abend ein alter Mann ein, angethan mit einer zerlumpten blauen-Bluse, den Kops mit einem abgetragenen Calabreser bedeckt, die Füße in defecten, schmutzigen, groben Stiefeln. Ein breites Pflaster von der linken Wange bis zur Stirn hinauf entstellte sein hageres Gesicht, das man sonst ehrwürdig hätte finden können, da n langer, silberner Bart zu beiden Seiten herabwallte. Der Mann grüßte Niemand, redete mit Niemand. Mit heiserer Stimme bestellte er sich ein Glas Brandy, setzte sich an einen Tisch in einer dunkeln Ecke und starrte trübselig vor sich hin. So
schien es wenigstens, ein scharfer Beobachter hätte aber bald Wahrgenommen, daß er mit aufmerksamer Miene alles beobachtete, was im Local vorging. Die Stammgäste betrachteten ihn mit Mißtrauen. Einmal wurden sogar Drohungen gegen ihn laut. Ein Spion! Ein Detectiv!" murrten sie. Doch der Wirth beruhigte sie, schlau mit den Augen zwinkernd. So sieht kein Detectiv aus, meine Herren daö ist einer, der Arbeit zu vergeben hat." Von diesem Augenblick an ließen ihn die Besucher der Penne unbehelligt. Eines Abends, als der Mann mit dem Pflaster wieder auf seinem Posten sich befand, trat ein Mensch im Alter von etwa dreißig Jahren ein, eine stattliche Erscheinung, wohlgebaut, mit regelmäßigen Zügen, kurz geschnittenem Haar, schwarzen Schnurrbart, in anständiger Kleidung. Lauter Jubel begrüßte seinen Eintritt. Der Sheriff ist wieder da, hurra, hip, hip!" Alle Hände streckten sich ihm entgegen. Wo hast du so lange gesteckt, Sheriff?" Komme recta von der Insel, Gentlemen wieder einmal vier Monate abgebrummt, hahaha! Ein Glas Brandy, Vater Jsaak," wandte er sich an den Wirth, dann musterte er sorgfältig das überfüllte Local, schließlich blieb sein Blick auf dem Mann mit dem Pflaster haften. Wer ist das?" Kennen ihn nicht. Hat vermuthlich Arbeit." Arbeit? Oho, das paßt mir, ich bin total abgebrannt. Wollen mal sehen." Grüßend nahm er am Tisch des Unbekannten Platz. Einige Zeit saßen die beiden einander schweigend gegenüber. Warum ruft man Euch Sheriff?" fragte der mit dem Pflaster endlich. Seid Ihr vom Handwerk?" lautete die Gegenfrage. Halb und halb," antwortete der Andre lakonisch. Nun, Eure Frage kann ich schon beantworten," fuhr der neue Ankömmling nach einer Pause fort. Ich habe meine Strafe abgebüßt und brauche kein Geheimniß daraus zu machen. Mein Spitzname ist Sheriff, weil ich einige Male als Pseudopolizeibeamter gearbeitet, habe, versteht Ihr? Das ist die beste Maske, die man sich denken kann, die Leute fallen jedesmal daraus herein." Der mit dem Pflaster hob die Augen, sein Gegenüber scharf ansehend. Glaub's wohl, versetzte er. Ihr müßt aber doch eine Legitimation aufweisen?" Der Sheriff lachte. Dafür ist gesorgt sogar für Hilfsconstabler. wenn es sein muß. Mein neuester Streich " Fahrt fort," rief der Fremde mit lebhaftem Interesse. Ein andermal," entgegnete der Sheriff ausweichend Ich kenne Euch nicht Ihr versteht mich " Well, Sheriff. Ihr gefallt mir, wir müssen bekannter werden. Wollt Ihr mit mir trinken?" Dafür bin ich immer zu haben." Die Männer leisteten einander während des ganzen Abends Gesellschaft. Immer vertrauter wurde der Sherisf, erzählte ein Abenteuer nach dem andern. Mit steigendem Wohlgefallen horchte der Fremde. Ihr seid mein Mann," sagte er zu letzt. Es bleibt dabei, wir müssen bekannte? werden." Habt Ihr Arbeit für mich?" Vielleicht davon ein andermal mehr. Die Männer trafen einander am nächsten Taae wieder, am dritten abermals. Da drängte der Sherisf den Fremden, er möge sich endlich erklären. Ich muß etwas unternehmen, ich brauche nothwendig Geld. Wenn Ihr e:n Geschäft für mich wißt, heraus da mit, oder ich muß mich anderweit um sehen." Mein Plan heischt einen ehrlichen, vertrauenswürdigen Mann," flüsterte der mit dem Pflaster. Und den sucht Ihr hier?" lachte der Verbrecher. Versteht mich recht ehrlich im Geschäft gegen fernen Partner. Aha " Wie kann ich wissen, ob ich Euch vertrauen darf? Fragt Vater Jsaak, er wird für Mick bürgen. Der Fremde nahm den Wirth auf die Seite und besprach sich heimlich mit ihm. Befriedigt kehrte er auf seinen Platz zurück. Es ist alles in Ord nung, Ihr seid mein Mann. Mein Geschüft pressirt, ich muß heute zu einem Resultat kommen. Hort mir zu. Wißt Ihr, was eine Bank ist?" ' Der Sheriss mctte. Denke, Frem der." .Stellt Euch vor, mehrere $UiMtti
Gründen eine Bank. Die Capitalien fließen reichlich zu. Wenn eine gewisse Summe erreicht ist, gehen sie mit dem Gelde .durch."
Hübscher Plan, murmelte Irnlau lächelnd der Verbrecher. . n . n.a , 0 ij: es Ivenigilens ocruoreixi. Unter den Theilhabern ist aber einer, der bei sich denkt: Warum soll ich mit den Dummköpfen theilen? Könnte ich nicht das Ganze ebensogut für mich allein haben? Das Project ging von mir aus " Brav, verstehe. Warum geht er nicht davon mit dem Gelde?" Weil er nicht kann. Das Geld ist in w pi c 4 y p .r einem leuene nen uno oieoes ucveren eisernen Kassenschrank deponirt, zu dem jeder der drei Associes einen Schlüssel besitzt. Nur vermittelst aller i r ' rr i 1 n . X. '' ZZ vrel tocgiuiici i oer scqraiu zu vssnen. Zudem wird er in der Nacht von einem zuverlässigen Wächter gehütet, und während des Tages sind alle drei Theilhaber zugegen und bewachen einer mißtrauisch den andern." Ich begreife Sie sind einer von den Dreien?" Vielleicht " Warum haben Sie das Geschäft nicht von vornherein allein ausgeführt?" Weil mein Capital allein nicht ausreichte, außerdem bedürfte ich nothwendig einiger Complicen." Und was soll ich Ihnen helfen? Soll ich den Schrank aufbrechen das ist nicht meine Sache." Nein, nein, das wäre ganz unm'ög lich. Passen Sie auf. Setzen wir den Fall, die beiden Compagnons hätten den nächsten- Montag als den Tag ihrer Abreise festgesetzt.' Die Kassentheilung sollte um sechs Uhr.nach stattgehabtem Bureauschluß vor sich gehen. Letztere könnte nun aber nicht stattfinden, wenn ein Hinderniß einträte " Was für ein Hinderniß?" fragte gespannt der Sheriff. Wenn zum Beispiel in dem Augenblick, wo der Act losgehen soll, ein Polizeibeamter mit ein.paar Constablern erscheine, die Kasse mit Beschlag belegte, die Bankinhaber im Namen des Gesetzes verhaftete..." Hurra, vortrefflich... und dieser Polizeibeamte soll ich sein?" Sie sind der geeignete Mann. Ihre Erscheinung hat etwas Soldatisches. Ihr Aussehen ist ernst und .anständig. Wenn dieMaske sonst täuschend ist " Ich bürge dafür." Und die Legitimation Besitze ich auch." Sie müssen allerdings auch für zwei zuverlässige Helfer sorgen, sür den Fall meine College gewaltsamen Widerstand versuchen sollten. Ich glaub? es zwar nicht, man kann aber alles nicht wissen." Sie stehen zur Verfügung." Versprechen Sie jedem eine kleine Summe, vielleicht fünfzig Dollars. Die Leute brauchen gar nicht zu wissen, worum es sich handelt." Lassen Sie das nur meine Sorge sein. Mir sind schon verteufelte Streiche geglückt. Doch die Hauptsache: was fällt für mich ab?" Sie erhalten, wenn das Unternehmen gelingt, fünfzigtausend Dollars." Der Sheriff jauchzte vor Freude. Famos, famos und wann und wo soll es losgehen?" Postiren Sie sich Montag Nachmittag fünf Uhr mit Ihren Leuten an der Stelle, wo der Broadway sich mit der Fünften Avenue begegnet, am Madison Square, dort-werden Sie von mir Botschaft erhalten." Ich werde pünktlich zur Stelle sein." Die beiden Ehrenmänner drückten einander die Hände, und der Mann mit demPflaster verließ, vorsichtig hinter sich spähend, ob Niemand ihm folge, die Penne. m. Im Parterre eines der bestgelegenen Geschäftshäuser des Broadway befand sich die Bank der Herren Smith und Turner. Das Local kostete eine Unsumme und die Ausstattung noch mehr, denn alle Model waren von kostbarer Beschaffenheit. Die Thüren mit Por tieren versehen, die Wände mit Prachtvollen Uhren, überall standen elegante Sophas mit Marmortischen. Im letzten Zimmer der ganzen Reihe, dem Privatcomptoir der Bankinhaber, sa ßen Mr. Smith. Mr. Turner und Mr. Goldon aufSchaukelstühlen und rauch ten theure Cigarren. Wieviel beträgt unser Kassenbe stand. Mr. Goldon?" erkundigte sich der ehrwürdige Senior. Mr. Goldon nahm sein Taschenbuch heraus, rechnete die Zahlen zusammen und erwiderte: Mit den heute eingezahlten sunsundzwanzigtausend sind s genau drei Millionen einhundertacht zigtausend Dollars." Wovon abgehen für Auslagen?" Rund neunzigtausend Dollars." So ist die Rechnung ziemlich ein sach. izs rommen aus den Mann t eine Million dreißigtausend Dollars. Ein glänzender Erfolg meiner genialen Idee, Gentlemen. Der Plan ist über alles Erwarten gelungen. Noch heute lancirte ich durch einen mir bekannten Berichterstatter, der an uns glaubt wie das Evangelium, einen enthusiastischen Bericht über die Ausdehnung unserer Mme in die World". Ganz New Nork spricht von unserm Unterneh men und ich stehe dafür, man wird in den nächsten Tagen noch mehr davon sprechen. Sie haben doch alles für die Theilung bereit, Mr. Goldon?" Alles, Mr. Smith. Das Geld liegt in leicht umzusetzenden und zu transvortuenden Werthpapieren und Noten tm Kassaschrank." Haben Sie beide Ihre Reisevor bereitungen getroffen? Die Compagnons bejahten. Ich werde um sieben schon imBahnwaqen sitzen, erklärte Mr. Turner. Ich ein Viertel acht Uhr," sagte Goldon. Und ich hoffe, diese Nacht schon zu rjc. u i. onr ?- Iii 11 icqivimmen, erganzie mi. Vinüy um würdiger Miene.
Die Uhr im Nebenzimmer schlug. Was schlug das eben?" fraate
Smith. Halb fünf Uhr." O, dann wird es die höchste Zeit. noch einen Gang zu besorgen." Smith stand auf. nahm seinen Hut und schritt pfeifend den Broadway hinab. Nach einer Viertelstunde kehrte er zurück. Mit dem schlaae sechs Uhr verließen die Angestellten der Bank das Local. Mr. Goldon sah ihnen lächelnd nach. im Geiste ein fröhliches Auf Wiedersehen! hinter ihnen drem rufend, als plötzlich ein Mann wie ein Schatt vor ihm auftauchte. Mr. Smith zu sprechen?" Thut mir leid, das Bureau ist aeschlössen; kommt morgen wieder." Morgen kann ich nicht ich wollte eine Einlage machen." " Die Einlage, dachte der Kasslrcr. ist schon noch mitzunehmen. Kommt herein. Der Fremde folgte ihm rn den Parlor. Bitte, rufen Sie Mr. Smith." Der Gewünschte und Mr. Turner erschienen gleichzeitig, letzterer ärg:rlich i!C T-L'S Ai jf r t uuct mt lorung. cy muy Mil oem Zuge fort," raunte er Goldon zu. l$s dauert nur zwei Minuten," beschwichtigte ihn dieser. Womit kann ich dienen?" fragte Smith in geschäftsmäßigem Tone. Sind Sie der Director 'dieser Bank?" Ja." .Und diese Herren?" MeinMitdirector Mr. Turner, unser Kassirer Mr. Goldon." Dann, meine Herren, erkläre ich Sie alle drei, für verhaftet." Der Eindringling that einen lauten Pfiff, worauf augenblicklich zwei Constablcr in das Zimmer traten. Ich bin Polizeibeamter hier meine Legitimation" er reichte dieselbe Mr. Smith, der einen Blick hineinwarf und die Karte dann stumm zurückgab. Ich belege alles mit Beschlag, die Geschäftsbücher wie die Kasse, und ersuche Sie. mir auf der Stelle sämmtliche Schlüssel auszuliefern." Gleichzeitig zog der Beamte einen Revolver aus der Tasche. Seine Begleiter thaten desgleichen. Versuchen Sie keinen Widerstand, es geht um's Leben." Bleich und zitternd standen die Verbreche? da. Goldon förmlich in sich zusammengeknickt, Turner mit trotzig aufeinandergepreßten Lippen, Smith mit scheinbar bestürzter Miene. Wessen beschuldigt man uns?" fragte er halblaut. Des Betrugs und der Untreue vorwärts, Hilken, Steffens, nehmt sie fest." Die feigen Gauner wagten keinen Widerstand. Zur Flucht war es zu spät, denn die Constabler hätten sie ohne Gnade zusammengeschossen. Im Nu waren Turner und Goldon zu Boden geworfen und gefesselt. Hilke, Ihr bleibt als Wache hier Sie. Mr.Smith, begleiten mich nach derKasse und öffnen mir den Schrank." Der Beamte und Smith begaben sicy, gefolgt von Stoffens, in das Kassenzimmer. Der würdige alte Herr schritt anfangs in gebückter Haltung hinter dem Sheriff drein, sobald sie jedoch außer Sicht der Compagnons waren, richtete er sich hoch auf, triumphirend blitzten seine Augen. Das haben Sie brav gemacht, Sheriff. es war ein Meisterstreich. Sogleich zahle ich Ihnen Ihre fünfzigtausend Dollars." Gut aber was fangen wir mit den Beiden an?" Stecken Sie jedem einen derben Knebel in den Mund und lassen Sie sie im Packzimmer hinten liegen. Dann schließen wir die Läden fest zu und überlassen das Local sich selbst. Morgen früh wird man die verehrten Herren ia finden. Inzwischen hatte Mr. Smith den Schrank geöffnet, er begann, ein Paket Werthpapiere und Banknoten nach dem andern rn einen bereitgehaltenen Kos fer zu. packen. Hier sind fünfzigtausend Dollars." saate er dann, dem Sheriff ein paar Banknoten darbie tend. Dieser streckte gierig die Hand aus. aber nicht nach dem Gelde, son dern nach dem Arm des Herrn Directors. den er mit eisernem Griff gepackt kielt. Schurke." donnerte er, du hast dich in deinem eignenNetz gefangen. Wisse, ich bin wirklicher Polizeibeamter, und dieses Geld hier reklamire ich für die rechtmäßigen Besitzer. Meine Begleiter sind echte Constabler. Von Zeit zu Zeit erscheine ich verkleidet in den Verbrecherkneipen, wo ich unter dem Namen des Sheriffs bekannt bin. Man wähnt, ich komme aus dem Gefängniß, wenn ich einmal monatelang nicht dagewesen bin. Zum Schein habe ich mich auch schon zweimal dort verhaften lassen. Nur der Wkth ist in das Geheimniß eingeweiht, und schon mancher Coup ist mir so gelungen. Mancher schlimmen That kam ich auf die Spur. So auch der eurigen, ihr erbärmlichen Betrüger, und Hunderte armer Teufel werden mir dafür danken. Steffens, vorwärts. Mr. Smith war während der Rede des vermeintlichen Verbrechers bleicher und bleicher geworden, nun sank er wie gebrochen aus einen Sessel und ließ sich widerstandslos die Handschellen anlegen. Eine Viertelstunde später befand er sich mit seinen Compagnons auf dem Wege nach dem Polizeigefängniß. Turner und Goldon starrten wie geistesabwesend vor sich hin. Der Bankdirector und Senior Mr. Smith daaeaen knirschte mit den Zahnen, denn er dachte an den Hund, der em Stück Fleisch im Maule hielt und bei ' ' cr.r - r . i r-.!. - vem yaoicrigen neriucy, j einem gelbild im Wasser das vermeintliche andere Stück zu entreißen, auch das eigene verlor ... .Das werden Sie nicht glauben!" sagt man. wenn der andere :twas sicher glauben wird.
Zm Schnee.
Ein kleines Herzenserlebniß, von M. Toepler. Es war an einem herrlichen WinterN achmittaae mit klarem ??rostwetter. da schritt ein junges Mädchen, mit von der Winterkälte frisch angehauchten Mangei?. elastisch, aber fest auftretend, die Landstraße dahin. Die Augen des hübschen Mädchens blickten so hell und zuversichtlich, und über dem ganzen jugendfrischen Gesichtchen lag ein solwer aucy von Anmuth, gepaart mit ievenswurdigkeit und Herzensgute, daß ein Jeder, der diese schlanke Mädchenaestalt aenauer betracktete. n?nehm berührt werden mußte. An ver nächsten Strakenb eauna kam ein Wegweiser in Sickt. Sckon von Weitem las sie die Aufschrift, und ein befriedigtes Lächeln glitt über ihre Züge. Endlich auf der ricktiaen ftäbrte murmelte sie. Gott sei Dank!" ?le blieb eine Weile iteben und blickte hinter sich die stille Landstraße nuang. Da stand mit einem Male eine arant Wolkenwand, wie hingezaubert, die den Horizont ganz umdusterte und der Straße etwas Oedes. Melanckoliscbes verlieh. Der Himmel wurde dichter uno vicyter unv ymg schwer hernieder. Schnee, sagte das Mädchen leise ür sich mit besorgtem Blick und ,oa die Stirne kraus. Ein leiser Luftzua Katte fic& erboben. und feucht schlug es ihr in's Gesicht. Die ersten Flocken. Sie wurden immer größer und wirbelten in tollem Reiaen um sie herum, die ganze Landschaft elnyuuenv, Alles verdichtend und verengend. Vorhin noch so taasbell. war es jetzt mit einem Mal fast dunkel geworoen. Sie näberte fick dem Vorwerk. ds ihr Ziel war, doch zu sehen war kaum meyr etwas davon. Ein Hund schlug an. Nun konnte sie aucb das Haus wieder erkennen. An einem der Fenster des Hochparterres stand ein Mann. Er mochte sie wohl erblickt haven, denn er öffnete das Fenster und rief, sich hinauslegend: C , . " r ' - 5, Zu wem wunicyen Ist der Verwalter Karsten hier?Das bin ich," kam es zurück. Ich bin die Tochter des Försters Hinrichsen. Der Vater schickt mich yieryer, er laßt Sie fragen, ob Sie die Stämme noch haben wollten, er kann sie jetzt noch zu dem alten Preise verraufen. Aber lcd babe mick schon verlaufen und bin schon beinahe zwei Stunden unterwegs." Wollen Sie Nicht hereinkommen, Fräulein? Es weht so sehr." Ach ja," kam es aufrichtig und ungezwungen von des Mädchens Lippen, es ist nicht gerade schon hier draußen im nassen Schnee." Der Mann wies nack einer kleinen Seitenpforte im Gemäuer, schloß das Fenster und erschien dann sogleich an der Hausthür, die Fremde in's Innere des Hauses geleitend. Mtt nervöser Hast riß er die Zimmerthür auf, denn es mochte ihm wohl nicht häufig passiren, seit er als. Verwalter des Hofes angestellt war, Damenbesuch zu empfangen. Bitte, Fräulein," sagte er schüchtern, fast unbeholfen, seinen Gast in's Zimmer nöthigend. Setzen Sie sich an's Feuer, Fräulein Hinrichsen," sagte er dann und schob dienstbeflissen einen Stuhl an den Ofen, das wird bald wieder trocken sein. Und eine Tasse Kaffee müssen Sie zur Erwärmung trinken." Bald saßen die Beiden mit vergnügten Gesichtern sich gegenüber an dem gedeckten Tische, um so recht mit Behagen den warmen Trank zu schlürfen. Alle Scheu des Ungewohnten, des gegenseitigen Fremdseins war von ihnen gewichen, sie kamen sich vor wie zwei gute Kameraden, die einander schon lange gekannt haben. Merkwürdig," dachte der Mann. Vor einer Stunde noch hatte er von der Existenz dieses Mädchens, das da vor ihm saß, keine Ahnung gehabt. . Ein ungemein wohliges Gefühl, ein rechtes Behagen, wie er es bis jetzt nur selten gekannt, beschlich ihn. Unwillkürlich glitt sein anfänglich nur schüchterner Blick über das von der gehabten Bewegung und dem warmen Getränk wie in helle Gluth getauchte Antlitz seines Gegenübers und blieb dann auf dem kleinen, rosig angehauchten Ohre haften. Jnstinctiv fühlte das junge Mädchen, daß das Auge ihres Wirthes mit Wohlwollen auf ihr ruhte, ihre Wangen wurden nur noch um einen Schein röther, rasch strich sie die widerspenstigen, kleinen Löckchen aus der Stirn und blickte ihm voll in's Gesicht. Ihre Augen begegneten sich, des Mädchens helle, leuchtende und die seinen, tief, ernst, von einer unbestimmten, dunklen Bläue und doch so voller Zärtlichkeit auf sie gerichtet. Ja," unterbrach des Försters Tochter die Pause, den Kaffee habe ich getrunken, schönen Dank dafür. Und meinen Auftrag habe ich ausgerichtet, was soll ich Vater für Bescheid bringen, Herr Karsten? Ich muß jetzt geYen, eö ist die höchste Zeit." Höchste Zeit? Aber mein Fräulein, Sie können doch jetzt allein nicht fortgehcn bei dem Schneesturm! Außerdem ist es finstere Nacht!" Indem er sich aufrichtete und reckte, kam seine hohe, männliche Gestalt so recht zur Geltung, und das dunkel gebräunte, von einem kastanienbraunen Tollbart umrahmte Antlitz erschien beinahe schön. danke Ihnen," sagte das Mädchen, ,assen Sie mich nur gehen, ich werde jchon heim finden." Wenn Sie denn durchaus nicht bleiben wollen, so müssen Sie sich aber mewe Führung schon gefallen lassen, denn ?:iein dürfen Sie nicht gehen." Sta: 2llr Antwort nahm er seinen Man tl vom Tbürbaken. fcünate ' M25:N den iUizin um r7.d c:::U
sie, die Hausthür fest in's Schloß wersend, hinaus in's Freie. Draußen - wirbelte es noch lustig durcbeinander, und ein frischer Hauch schlug ihnen entgegen und trieb ihnen die Flocken in's Gesicht. Eine Weile schritten die Beiden schweigend neben einander her. Was war das?" Das junge Mädchen knickte plötzlich zusammen, rasch hatte er sie erfaßt unv zog sie zu sich empor. Holla, bald wären wir in den Straßengraben gefallen, wir sind zu sehr nach der Seite gekommen; sehen
bi?, t: r ist die Straße gänzlich verschneit." Sänft schob er sie vorwärts. Etwas mehr rechts, bitte. Sie haben sicb doch nicht weh gethan?" Nein, nein, ich bin nur unter der Schneedecke an den Meilenstein gerathen, das ist nicht schlimm." Sie müssen mir schon Ihren Arm geben, ich werde Sie so sicherer führen." Ein Gefühl unbeschreiblicher Wonne durchströmte den Mann plötzlich, als er ihren Arm in dem seinen und den Körper des frischen, jungen Wesens so dicht neben sich fühlte, daß er ihren Athem fast zu verspüren glaubte. Seltsam, noch vor Kurzem waren sie sich so gänzlich fremd, und heute allein, die einzigen Menschen auf verschneiter Landstraße, bei einbrechender Nacht, und um sie herum, bis in unabsehbare Fernen hinaus, einsame Strecken weißen Landes. Fürchten Sie sich?" fragte er leise, und ein Blick traf das junge Mädchen, so innig und besorgt, der sie bis in's Innerste erbeben machte. Unter Ihrem Schutz?" kam es von des Mädchens Lippen. Statt aller Antwort drückte er leise ihren Arm an sich. Sie schauerte in sich zusammen. Dem Mädchen stieg es heiß auf; sie erwiderte nichts, sondern blickte zu ihm auf, ängstlich, fragend. t Da, er wußte selbst nicht, wie es zu ging, hatte er seinen Arm um ihren schlanken Leib geschlungen und zog sie fest an sich. Sie wehrte es ihm nicht. Und schnell drückte er einen heißen, innigen Kuß auf die Lippen der nur leicht Widerstrebenden. Es hatte zu schneien aufgehört, und in der Ferne tauchten die Lichter des Ortes auf. Bald sind wir angelangt", flüsterte seine Begleiterin. Schade", kam eö von des ManneS Lippen. Hastig machte sie sich von ihm los. So, nun lassen Sie mich gehen, ich sehe schon unser Haus. Schönen Dank für die Begleitung. Gute Nacht, auf Wiedersehen." Gute Nacht! Und sagen Sie Ihrem Vater, ich' werde die Stämme nehmen, er soll sie mir nur schicken." Der Mann schritt rasch in die Dunkelheit zurück, das Mädchen näherte sich dem Lichtkreis. Immer Heller schimmerte der Lichtschein, er kam aus ihres Vaters Fenster. In ihrem Erkerstübchen angelangt, warf sich das Mädchen auf das aufgedeckte Bett, vergrub ihr Gesicht in den Kissen und weinte, weinte erlösende Freudenthränen. ' Zum Schlafen wollte es. heute gar nicht kommen, die Nacht schien ihr so endlos lang. Endlich graute der Morgen. Rasch entschlüpfte sie dem Lager. Unten konnte sie nicht fertig werden mit Aufräumen und Zurechtputzen, es war ihr alles noch nicht blank genug. Dem Vater fiel ihr hastiges Wesen auf, die heißen Wangen, die glänzenden Augen. Was ist dem Kinde?" dachte er bei sich, später vergaß er es wieder. Als die große Wanduhr zum Zwölf-Uhr-Schlag aushob, fuhr es wie ein elektrischer Strom durch den Körper des jungen Mädchens, das Herz klopfte zum Zerspringen, und heiße Röthe deckte ihre Züge. Jetzt würde er bald da sein, sie fühlte seine Nähe. Allein er kam nicht. Die Arme ging wie wie im Traume hin und her, sie wußte sich das Fernbleiben des geliebten Mannes nicht zu erklären. Sollte er abgehalten worden sein und erst morgen seinen Besuch machen? Aber dann hätte er doch eine Zeile schreiben können?" Am andern Morgen, nach einer ruhelosen Nacht, wartete das Mädchen wieder vergebens, und Tage, lange Tage des Harrens und Wochen vergingen, die Stämme waren längst nach dem Vorwerk abgegangen, bezahlt und quittirt worden, doch von Karsten sah und hörte man nichts mehr. Die sonst so helle Röthe von des' Mädchens Wangen war einer zarten Blässe gewichen, die so glänzenden, 'strahlenden Augen blickten matt und umflort. Das Herz des armen, enttäuschten Mädchens brach nicht. Ihre Wangen rötheten stch wieder. Aber sie empfand es tief schmerzlick, daß das. was einem Manne nur ein Scherz, eine Aufwal lung des Moments bedeutet, das Herz eines unerfahrenen Mädchens beseeligen und unglücklich machen kann. Erschwertes Fortkomm e n. Bettler (an das Mitleid einer Dame appeUirend): O gute Madam, könnte' Sie am' arme' Mann net helfe, der net blind isch un' net daubstumm isch un' kei' Krippel oder vergleiche' isch, um sich ehrlich durchzubringe'!" O weh ! Sagen Sie mal aufrichtig, sehe ich aus, als wenn ich fünfundzwanzig Jahre alt wäre?" Nein, gewiß nicht, Fräulein!" Für wie alt hätten Sie mich denn gehalten?" .Für dreißig!" Vorläufig. Eliza: Nun. Sarah, wirst Du Dich mit dem jungen Echn verloben?" Sarah: Vielleicht! 0- rläusiz kann ich ihn noch nicht Ifc ,M ' 1
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