Indiana Tribüne, Volume 22, Number 165, Indianapolis, Marion County, 5 March 1899 — Page 7

ßine Dulderin. t . ' Im Jahre 1837 starb zu Brighton eine Frau, die viel geliebt worden, die sogar die Gattin eines Prinzen von Wales gewesen war und doch nicht den Glücklichen gehört hatte. Dift. wegen ihrerSchönheit viel umschw', te Frau, war die bereits zum zkxeiten Male verwittwete, einer hoo;n uriflotischen Familie angehören Familie angehörende Mrs. Mar'.g Fitzherbert. Als ganz junges, streng im katholischen Glauben erzogenes Mädchen war sie zuerst die Gattin d', Edward Esauire von Halworth geworden, den sie jedoch schon nach wenigen Monaten durch den Tod verlor. Csinige Jahre später heirathete sie da;nn zum zweiten Male und hatte auch diesmal das Unglück, sehr bald Wittwe zu werden. Als Wittwe Fitzhererts lebte sie zu Ende der siebzig Jahre des vorigen Jahrhunderts in Richmond Hill. Sie besaß eine diente von 2000 Pfund (sehr viel für die damalige Zeit), bewegte sich in der besten Gesellschaft Londons und sah wohl auch in ihrem reizenden LandHause dann und wann Gäste, welche der hohen und höchsten Aristokratie Englands angehörten. Eines Abends hatte der damalige Prinz von Wales, der Sohn Georgs des Dritten. Gelegenheit, die schöne, jungeFrau zu sehen; er wurde sofort von heißester Leidenschast für sie entflammt und machte die kühnsten Versuche, mit ihr in nähere Beziehungen zu treten. Aber Maria Fitzherbert, die nicht nur jung, schön und reich sondern auch ehrbar und vor allen Dingen sehr klug war. zeigte sich durchaus nicht geschmeichelt durch die Bemühungen ihres hohen Verehrers: und selbst als er ihr seine Hand antrug, lehnte sie diese mit kühler Sprodigkeit ab. In seiner Eitelkeit schwer verletzt; faßte nun der Prinz einen Plan, durch den tx dennoch zu dem ersehnten Ziele zu kommen hoffte. Er schickte vier Herren auS seiner nächsten Umgebung, Lord Onslov. Lord Southampton, Mr. Edward Boverie und den Wundarzt Keit zu Maria, und ließ ihr melden, daß er in Lebensgefahr schwebe und nur noch durch ihr Erscheinen vielleicht gerettet werden könnte. Obwohl Vxt Abgesandten die Komödie sehr geschickt spulten und die größte Aufgung zur Schau trugen, so glaubte Maria doch nicht gleich an den SelbstMordversuch ; erst als die Herren fast in Verzweiflung geriethen, lenkte sie cm und erklärte sich bereit, nach Carl ion-House an das Krankenlager des Prinzen zu kommen, jedoch nur unter der Bedingung, daß eine Herzogin sie dahin begleitete, da sie keinesfalls ihren guten Ruf aufs Spiel setzen wollte. Die Herzogin von Devonshrre wurde nun ersucht, die Begleitung Marias zu übernehmen; sie willigte ein; rmd von Devonshire-House begaben sich dann Maria Fitzherbert und die Herzogin nach Carlton-House. Der Prinz schien wirtlich dem Tode nahe zu sein. Todtenbleich und mit Blut bedeckt fanden die Frauen, ihn in seinem Bette. Maria wurde so ergriffen von dem Anblick, daß sie emenOhnmachtsanfall erlitt. Der Wundarzt Keit leistete ihr jedoch schnell Beistand, so daß sie sich nach wenigen Augenbliden erholte. Jetzt drang der Prinz mit brechender Stimme in sie ein er betheuerte, daß .nur ihre Einwilligung, sein Weib zu werden, ihn veranlassen könnte, den Rettungsbemühungen des Arztes keinen Widerstand entgegenzusetzen. Maria war gerührt. Dann zog der Prinz der Herzogin einen ihrer Ringe von der Hand und steckte ihn Maria, zum Zeichen, daß sie nun seine Braut geworden sei, an den Finger. Sobald Maria mit der Herzogin und den am Krankenlager anwesend Gewesenen nach Devonshire-House zurückgekehrt war, wurde ein Document, welches den Hergang genau schilderte, verfaßt und von sämmtlichen Augenzeugen unterzeichnet. 9Is dann jedoch die junge Braut die Ergriffenheit etwas überwunden hatte und Alles mit richt gem Blut überdachte, da kamen ihr Bedenken; sie vermuthete ganz richtig,daß der Prinz eine Komödie mit ihr gespielt hatte, um sie zu erweichen; und nun ließ sie dem Lord Southampton sofort einen Protest zugehen, in welchem sie erklärte, nur unter dem Einfluß von Vorgängen gehandelt haben, die ihr nicht fair zu sein schienen. Sie reiste, um allen Kabalen zu entgehen, unverweilt ab, ging zunächst nach Holland, rann nach Frankreich und schließlich nach der Schweiz. Der Prinz verfolgte sie auch dorthin mit seinen Briefen, aber Marie blieb fest. Erst als ein siebenunddreißig Seiten langer Brief des Prinzen eintraf, in welchem er erklärte, daß sein Vater der nicht eigentlich standesgemäßen Heirath seine Zustimmung .ertheilt hätte, willigte sie ein, seine Gattin zu werden, obwohl sie wußte, daß ihrer Ehe die gesetzliche Anerkennung versagt bleiben müßte. Sie kehrte nach England zurück und wurde im Empfangszimmer ihres Landhauses in aller Stille mit dem Prinzen unter Beistand eines Protestentischen Pfarrers getraut. Ihr Oheim und ihr Bruder waren die Trauzeugen. Das Eh:document hatte der Prinz eigenhändig verfaßt ; seine und Marias Namensunterschrift machten es rechtskräftig. Maria war nun die- Gattin des Prinzen von Wales, den man zwar The first gentleman of Europe" ZU nennen pflegte, der aber vielleicht gerade deshalb am wenigsten geeignet war, eine Frau von der Art Marias glücklich zu machen. Seine Ausschweifungen, seineVerschwendungssucht gingen ins Große. Er befand sich . stets in drückender Geldverlegenheit, und als sein Vater sich endlich weigerte, ihm mit Zuschüssen beizustehen, ließ jbuxch seine parlamentarischen Fre:

im Parlament eine Erhöhung seiner Apan beantragen. Diese Gelegenhelt side nun aber von einigen Parlantariern, denen die katholische Gattin des Prinzen unbequem war, zur Frage an den Minister Fox benutzt. Man wollte von ihm wissen, ob es wahr wäre, daß der Prinz mit der katholischen Dame wirklich vermählt sei, da unter diesen Umständen dem Prinzen die Thronfolge entzogen werden müsse; und For erklärte, daß diese Ehe nicht bestände.' Als Maria von diesem Vorfall erfuhr, gerieth si; außer sich. Sie fühlte sich beschimpft, vermuthete, daß der Prinz Fox zu der Erklärung ermächtigt, hatte, und wollte sofort wieder ins Ausland reisen. Erst als der Prinz ihr die feierliche Versicherung gab, daß Fox ohne Ermächtigung gehandelt hatte, beruhigte sie sich, um so leichter, als die vornehmsten Herrschaften ihr ostentativ nach den Vorgängen im Parlament Besuche abstatteten. Einige Zeit führte sie dann die Ehe mit dem Prinzen in gewohnter Weise fort. Dann kam der Bruch. Durch das Drängen einer Geliebten, der Lady Jersay veranlaßt, verheirathete er sich mit einer Prinzessin von Braunschweig. Als diese Verbindung noch in aller Heimlichkeit betrieben wurde, erhielt Maria Kenntniß davon gerade in dem Augenblick, als sie sich mit dem Herzog von Clarence, einem jüngeren' Bruder des Prinzen, zu Tische setzen wollte. . Sie mußte auch diese Verletzung ihrer Frauenwürde hinnehmen und hielt sich nun grundsätzlich von dem Prinzen fern, der übrigens nicht aufgehört hatte.sie in seiner Weise zu lieben. Er vernachlässigte seine ihm ebenbürtige Gemahlin und setzte dafür alles daran, um wieder mit Maria, der nicht nur das königliche Ehepaar, sondern auch andere Mitglieder des Königshauses ihre Gunst unvermindert erhalten hatten, der sie sogar zu ihrem Rechte verhelfen wollten, vereinigt zu werden. In ihrer Bedrängniß wandte sich Maria an den Papst, und dieser rieth ihr, sich wieder an des Prinzen Seite zu begeben. Sie handelte nach dem Wunsche des heiligen Vaters, stellte jedoch ihrem Gatten die Bedingung, daß die Wiedervereinigung nicht in der Stille, wie ihre Vermählung, sondern vor den Augen der Gesellschaft stattfinden müßte. Als der Prinz sich, wenn auch schweren Herzens, dazu bereit erklärte, lud sie zu dem Tage, an welchem der Prinz ihr Haus wieder betreten sollte, alle ihre vornehmsten Freunde zu sich; und so erreichte sie es, daß ihre Lage vor jeder Verdächtigung bewahrt blieb. . Acht Jahre lang lebte nun das Ehepaar in leidlichem Glück, aber oft in so großer, materieller Bedrängniß, daß gelegentlich ein Verlassen der Hauptftadt in Aussicht genommen wurde. Aber Maria, welche dem Prinz-Ge-mahl schon so manches Opfer gebracht hatte, trug auch dies vielleicht in der Hoffnung, am Ende doch Königin zu werden. Aber auch diese Hoffnung mußte sie begraben. Die rnibeständige Neigung des Gatten wandte sich nämlich einer Lady Hertford zu, und als diese Frau sie von der Seite des Prinzen verdrängte, da mußte sie noch um ihre Gunst buhlen, damit ihr, der Katholikin, nicht die Vormundschaft über ihre Adoptivtochter Mrs. Seymour entzogen würde. In der ersten Zeit wurde noch der Schein aufrecht erhalten. Als aber bei einem Diner, das der Prinz zu Ehren Ludwig XVIII. veranstaltete, die Etiquettenfrage in einem für Maria beleidigenden Sinne gelöst werden sollte, )a wandte sie dem Gatten den Rücken und ließ der königlichen Familie mittheilen, daß sie sich von jetzt ab nicht mehr als die Gemahlin des Prinzen betrachte. Als Georg der Vierte nicht lange danach den Thron bestieg, kehrten seine Gedanken noch oft zu Maria zurück, die wohl die einzige Frau gewesen war, welche er. soweit sein flatterhaftes Herz dies zuließ, wahrhaft geliebt hatte. Aber Maria blieb unnahbar. Erst in den Tagen schwerster Krankheit des Königs schrieb sie an ihn und bot ihm ihre Pflege an. Er war tief gerührt aber nicht mehr im Stande, ihr zu schreiben leise nur soll er vor sich hin geflüstert haben: Wär ich diesem Engel doch treu geblieben! Der Nachfolger Georgs. Wilhelm der Vierte, der schon als Herzog von Clarence mit Maria befreundet gewesen war, ließ sie des öfteren bitten, ihn zu besuchen. Sie antwortete, daß Se. Majestät ihr zuerst die Ehre erweisen möchte, damit sie seine Befehle entgegennehmen könnte. Wilhelm that wie sie gewünscht hatte. Sie legte ihm dann alle in ihren Händen sich befindende Documente vor, auch den tn den zärtlichsten Formen abgefaßten großen Liebesbrief Georgs, worin er sie ausdrück lich als seine rechtmäßige Gattin ansprach. Wilhelm mußte weinen, als er diese Documente geprüft hatte; er fragte, was er thun könnte, um sie für all das erlittene Unrecht für alle Demüthigung zu entschädigen und bot ihr

sogar den Herzogin-Titel an. Aber j Maria lehnte ab und sagte stolz : Bis auf den heutigen Tage habe ich den Namen Fitzherbert geführt und in Ehren geführt da will ich ihn auch jetzt nicht gegen einen andern vertäusehen." Es erging dem Könige wie vor Jahren dem allmächtigen Fox : Auch dieser hatte der schönen Frau, um sie wegen des Parlaments Vorfalls zu versöhnen, den Herzogin-Titel angeboten, aber eine Abweisung erhalten. Hochbetagt starb Mrs. Fitzherbert 1837. Ihre t Adoptivtochter, Mrs. Lioml Dawson Damer (geb. Miß Seymour) ließ auf ihrem Grabe ein Monument errichten, auf welchem die Verstorbene mit drei Traurinaen auf dem vierten Finger der linken Hand ab, ebildet war zum Zeichen, daß sie

dreimal rechtmäßig verheirathet und nicht etwa, wie Viele glaubten, nur die Geliebte des Prinzen von Wales gewesen war. Lering, S ayne und Zimmt Zur Psychologie der Ehefrau, von A.' Flachs. Der dunkelbraune Fritz und die hellblonde Marie hatten sich vor zwei Iahren aus Liebe geheirathet. Die Ehe war im Großen und Ganzen eine recht glückliche und friedliche im Durchschnitt lagen sie sich täglich blos drei bis vier Stunden in den Haaren, was selbstverständlich nur figürlich zu nehmen ist. Der Streit wurde nie Handgreiflich, man bekämpfte sich, indem man einander mit spitzen, verletzenden Worten bewarf. Fritz wünschte es sehnsüchtig, daß die Ehe eine noch glücklichere werde, als sie schon war, und dachte über Mittel nach, wie die Streitlust seiner süßen blonden Marie zu dämpfen wäre. Er fand nichts und Marie fuhr fort, stets das Gegentheil von dem zu behaupten, was er sagte. Z. B. Sie gingen spazieren und ein blau angestrichener Wagen fuhr vorbei. Sieh nur, Mariechen, welch' schönes Blau!" sagte Fritz. I wo, bist wohl farbenblind, das ist ja grün!" replizirte da Marie. Wie sollte er ihr nun beweisen, sie überzeugen, daß der Wagen blau angestrichen war? Höchstens so, daß er unbekannte Passanten oder einen Schutzmann gebeten hätte, die Wahrheit festzustellen. Bis diesen aber die Sache erklärt würde, n?äre der Wagen längst verschwunden. Wenn Fritz des Morgens in's Amt ging, schlief sein Weibchen noch. Er kam erst Abends heim. Während der Mahlzeit herrschte absolute Ruhe. Man hörte blos das Kauen der beiden Eheleute. Nach dem Speisen ging es los. Marie lauerte wie ein PantherWeibchen auf das erste Wort ihres Gatten, um sofort steif und fest das Gegentheil zu behaupten und mit aller Energie zu verfechten. Das dauerte bis zum Schlafengehen, nicht länger, dann war's eben aus. Im großen und ganzen war's aber doch eine recht glückliche und friedliche Ehe; denn sie liebten sich trotz alledem wirklich innig und treu. Eines Tages erkrankte Mariens Mutter, die in derProvinzstadt wohnte, recht bedenklich; ein Telegramm rief die Tochter in's Elternhaus. Fritz erhielt von seiner Frau täglich die zärtlichsten Briefe. Auch er schrieb warme, ja heiße Briefe. Und merkwürdig, was er auch darin behauptete, fand in den Antworten der Frau keine Widerrede. Vier Wochen waren die Gatten getrennt, achtundzwanzig Briefe hatte er geschrieben, mitunter die unsinnigsten Behauptungen aufaestellt, und Marie schrieb stets: .Du hast recht, liebster Fritz" nie ein Widerspruch. Die Krankengeschichte nahm schließlich ein glückliches Ende, indem die alte Dame starb. Das Wiedersehen der Ehrgatten war rührend. Du armes Manchen, bist von der Reise ganz erschöpft," sagte Fritz auf dem Bahnhofe nach der herzlichsten Begrüßung, Warte, ich nehme eine Droschke erster Güte." Ich und müde? Ha, ha, ha!" 'versetzte Marie, keine Spur! Aber Du bist müde ... oh, nur nicht leugnen, ich sehe es Dir an. Droschke wird nicht gefahren.' Schade um's liebe Geld!" Fritz war verzweifelt. Die alte Manie ist also wieder da! Freilich, das Mittel, den Widerspruchsgeist seiner Frau zu bannen, hatte er ja gelegentlich der Abwesenheit seiner Frau entdeckt. Nämlich: Marie fortschicken und mit ihr blos brieflich vkehren. Allein, heißt daS auch ein eheliches Leben führen? Wie gesagt, Fritz war verzweifelt. Eines Tages während des Abendbrots meinte Fritz: Marie, Du hast keine Ahnung, wie herrlich Dein blondes Haar ist." Blondes Haar ist nie schön," sagte sie und eröffnete damit die Schlacht, obgleich die Mahlzeit noch nicht beendet war. ' Drei Tage später erschien sie bei Tisch mit dunkelbraunem Haar. Fritz dachte, er werde sie von ihrem Eigensinn kuriren, ging zum Friseur und kam eines Tages zum Abendbrot mit blondem Har heim. Marie sagte . kein Wort; einige Zeit darauf zeigte sie sich ihrem Gemahl in grasgrünem Haarfchmuck. Fritz schniänzte am Tage darauf das Bureau, begab sich in den städtischen Park, setzte sich auf. eine Bank und grübelte, grübelte. Marie ist wahrhaftig eine herrliche Frau, sie hat ein goldenes, gutes Herz, allein, Gott sei es geklagt, einen eigensinnigen, verschrodenen Kopf. Wenn er ihr diesen nur zurecht setzen könnte, dann gäbe es in Europa und Umgebung wahrlich kein glücklicheres Ehepaar! Er grübelte,

grübelte, das Resultat glich ganz genau I dem Inhalt der spanischen Kriegsrae nichts. Neben ihm saß auf der Bank ein altes Ehepaar, das forrw'ährend von Hering sprach. Das störte auf die Dauer unseren Fritz; er erhob sich, nahm auf der nächsten Bank Platz, neben einem jungen Liebespaar. Jedes zehnte Wort war mit Sahne." Erdost verließ er die Bank und wählte eine andere. Da saßen zwei Kinder und flüsterten miteinander. Alle fünf Minuten schlug das Wort Zimmt" an Fritzens Ohr. Und da soll - einer nachdenken, wie er seine Frau von ihrem Fehler heilen könnte! Zornig sprang Fritz auf, begab sich in's Wirthshaus, speiste, trank, las Zeitungen. Gegen Abend begab er sich nach Hause, er lächelte, als er sich er-

tnnerte, welche Brocken er auS dem Ge spräche Fremder gesammelt hatte. Fritz trat in's Zimmer. Guten Abend, Mariechen. Heute komme ich um eine habe Stunde früher" Nein, um eine Stunde zeitiger," erwiderte Marie. Fritz verstummte. Wie ich es sage: eine Stunde," wiederholte Marie gereizt. Fast unbewußt kam es da Fritz aus dem Munde: Hering mit Sahne und Aimmt." Marie sah ihn erstaunt an: Eine volle Stunde." Der Fritz wiederholte tonlos: .Hering mit Sahne und Zimmt." Was hast Du, Fritz?" fragte nun mit besorgter Miene Marie. Hering mit Sahne und Zimmt," flüsterte Fritz traurig. Herr des Himmels, er ist wahnsinnig geworden!" schrie verzweifelt die arme Frau. Fritz, komm zu Dir, Fritz, mein füßer Fritz!" Fritz that es um seine liebe Frau leid; er spielte aber die Rolle unentwegt weiter, indem er in den Fauteuil sank und unter herzzerreißendem Schluchzen hervorstieß: Hering mit. Sahne und Zimmt." Der Hausarzt wird geholt, ein zweiter. dann der Polizeiarzt. Die drei Männer der Wissenschaft waren eines Sinnes: Fritz hate plötzlich den Verstand verloren. .Er wurde in eine Jrernanstalt gebracht. Das war ihm ganz recht, da hatt er keinen Bureau - Dienst zu verrichten, wurde gut gepflegt, konnte lesen, Musiziren; es war eine Art Ferienzeit für ihn, Marie kam täglich ihn zu besuchen und weinte jämmerlich. Nach Verlauf von zwei Wochen wurde Fritz die Sache doch endlich langweilig, auch dauerte ihn seine Frau sehr, so zog er denn den Primarius der Irrenanstalt in's Vertrauen und bekannte, daß er den Irrsinnigen blos spiele, um seine Frau zu bestrafen. Der Chef - Arzt ließ die junge Frau zu sich kommen und sagte ihr, indem er die Stirne in Falten zog: Meine Gnädige, Ihr Herr Gemahl befindet sich auf dem Wege der Besserung und wir können ihn hevte schon entlassen. Aber hüten Sie sich, ihn durch Widerspruch zu reizen. Wenn er noch einmal solch einen Anfall be kommt, ist er unrettbar verloren. Wenn Ihr Mann selbst am helllichten Tage saqen sollte: Jetzt ist es stockfinstere Nacht!" Sagen Sie nur immer. du hast recht. Liebster!" Mit Thränen in den schönen Augen gelobte Marie, die sich ihr Haar wieder hatte blond färben . lassen, zu thun, was ihr gerathen wurde. Und seither lebt das Paar in der denkbar glücklichsten Ehe. Fritz kann wollen und behaupten, was ihm gerade einfällt; Marie erhebt keinen Widerspruch. Einmal blos machte sie Anstalten zu einem Widerspruch; da verdüsterte sich da5 Antlitz des inzwischen durch die Haarmalkunst wieder braun gewordenen Fritz und aus seiner Kehle kam es dumpf: Hering mit . . ." Erschrocken sprang Marie auf ihn zu, verschloß ihm den Mund mit einem Kuß und rief dann: Nein, nein, mein goldener Fritz, Du hast recht. Du hast immer recht!" Der gute Fritz lächelte befriedigt und verschmitzt. Mein Töchterlein. Oon Anna Rtiter. Sie stickt im letzten Abendlicht, Ich streich' ihr übers Haar Da hebt sie von der Handarbeit . Die Augen, groß und klar. Wie in ein lieblich Wunder schau' Ich tief in sie hinein: Es grüßt mich auS dem Linixrblick Schon hold das Jungfraulein. , Die Angströyre als Nengstiger. In einer Londoner Zeitung vom 16. Januar 1697 findet sich die folgende ergötzliche Notiz: Der EllenWaarenhändler John Hetheringion, vvm Strand, wurde gestern auf die Anklage des Friedensbruchs hin vor den Lordmayor gebracht und mußte Bürgschaft im Betrage von 300 Pfd. Sterl. für sein künftiges Wohlverhalten erlegen. Mr. Hetheringion, der einer geachteten Familie angehört, war auf offener Straße erschienen mit einem sog. seidenen Hut (der auch vor Gericht producirt wurde), ein hohes Bauwerk von strahlendem Glänze, das furchtsamen Leuten Schrecken einjagen konnte. Die Kronbeamten sagten' in der That au, daß mehrere Frauenzimmer beim Anblick des Hutes in Ohnmacht fielen, während Kinder schrieen, Hunde bellten und ein kleiner Knabe des Seilers Thomas, der von einem Lichtgießer - Laden heimkehrte, von der Menge, die sich angesammelt hatte, umgestoßen wurde und einen Arm brach. Aus diesen Gründen wurde der Angeklagte von den Wachen verhaftet und vor den Lordmayor gebracht. Zur Milderung seines Bergehens führte Hetheringion an, daß er kein Gesetz des Vereinigten Königreiches übertreten habe, sondern nur 'in einem Hute eigener Erfindung erschienen sei. Das sei ein Recht, welches jeder Engländer habe." r SeinersterGedanke. Gattin: Denke Dir nur, Mann, unser Sohn Karl .ist mit der Köchin durchgegangen!" Gatte: Allmächtiger Gott! Dann bekommen wir ja heute Mittag nichts zu essen!" I a s o ! A.: Du, der Assessor hat sich nun wirklich mit Fräulein Laura verlobt hat also nun doch sein Herz entdeckt?!" B.: Nee, aber ihren Erbonkel!"

Meine Zleistgefayrttn. Ein Nachtstück. Es war in einer bitterlich kalten Januarnacht, einer Nacht, wo der obdachlose Wanderer in Gefahr schwebte, zur Erde niederzusinken, nie wieder aufzustehen, als ich den amerikanischen Eisenöshnzug bestieg. $:ne großen Vorzug hat' der Dampf." brummte ein dicker, alter Herr. Wind und Wetter können ihm nichts anhaben. Kein Pferd von Fleisch und Blut vermöchte eine solche Kälte, wie wir heute Nacht haben, auszuhalten; das eiserne Roß aber rennt immer vorwärts, mag das Thermometer auf Null oder auf dem Siedepunkte stehen." So fuhren wir in die Winternacht hinein. In Hardwick, einer nicht unansehnlichen Stadt, machten wir zuerst Halt. Unser Wagen war ziemlich de, letzte des langen Zuges, und es stieg em einziger Passagier bei uns ein. Dieser Passagier war ein schlankes, junges - Mädchen, in einen großen, grauen Shawl gehüllt und mit einem netten Reisehütchen auf dem Kopfe. Sie schien etwas schüchtern zu sein, wie Jemand, der ans Reisen nicht gewohnt ist, und setzte sich, nachdem sie sich unschlüssig im Coupe umgesehen, rn der Nähe der Thür nieder. Entschuldigen Sie, mein FräuWn," sagte ich; wird es nicht besser sein, wenn Sie mehr in der Nähe des Ofens Platz nehmen?" Die junge Dame stand wieder auf, schien einen Augenblick lang unschlüssig zu sein, folgte aber endlich meinem Rath. Geht dieser Zug bis Bayswater?" fragte sie dann mit einer Stimme, deren liebljcherTon mich höchst angenehm berührte. Ja wohl. Kann ich Ihnen vielleicht in irgend welcher Weise nützlich sein?" Ich danke; nein wenigstens nicht eher, als bis wir nach Bayswater kommen." Bis dahin werden wir noch drei Stunden brauchen." Hält der Zug unterwegs noch einmal?" Blos in Exmouth." Die junge Dame seufzte aus anscheinend erleichtertem Herzen auf und lehnte sich in khre Ecke zurück. Bei dem Schein der Lampe, die in ihrem Messinggehäuse gegenüber hing, konnte ich nun das Gesicht meiner Reisegefährtin sehen. Es war das eines lieblichen Kindes; denn sie zählte, wie es schien, höchstens sechzehn Jahre, hatte große blaue Augen, goldblondes, glatt aus dem Gesicht zurückgestrichenes Haar und einen klnen Mund, der einer halb verschlossenen Rosenknospe glich. Sie warten wohl, in Bayswater von Freunden empfangen zu werden, mein Fräulein?" fragte ich nach einer Weile. Nein, Sir, icht will eine dortige Pensionsschule besuchen." Dann werden Sie aber zu einer etwas unpassenden Stunde ankommen ein Uhr Morgens." O das hat nichts zu sagen," entgegnete die junge Dame lächelnd. Ich gehe sofort nach dem Schulgebäude." Der Eilzug donnerte weiter mit dem stetigen unaufhörlichen Pulsschlag seines eisernen Herzes und dem schnaubenden Athemzug seiner Riesenlunge. Plötzlich gellten die Signalpfeifen, und der Zug begann, langsam zu gehen. In Exmouth können wir noch nicht sein," dachte ich, ich müßte denn geschlafen und auf den Lauf der Zeit nicht geachtet haben." l Ich warf einen Blick auf meineUhr. Es war erst halb zwölf Uhr, und ich wußte, daß wir nicht eher als einige Minuten nach Mitternacht in Exmouth ankommen konnten. Ich rieb den Frost' vom Fenster und schaute hin-, durch. Wir hatten an einer einsamen kleinen Station mitten in einer dichten Fichtenwaltung Halt gemacht. Ist dies Exmouth?" fragte die sanfte, wohllautende Stimme meiner mir gegenübersitzenden, schönen Reisegefährtin. Nein; wie der Ort heißt, weiß ich nicht. Es ist eine ganz kleine, unbedeutende Haltestelle." Hält der Zug an allen solchen Stationen?" O nein, in der Regel durchaus nicht; es muß ein ganz besonderes Signal gegeben worden sein. Sie frieren wohl, Fräulein? Ihre Stimme zittert." Es ist allerdings, sehr kalt," sagte die junge Dame in kaum hörbarem Tone, indem sie ihren Shawl fester um sich wickelte. Ich wollte, es ginge bald weiter." . Eben setzt der Zug sich wieder in Bewegung," antwortete ich. Hören Sie," sagte ich zu dem Conducteur,- der eben durch den Wagen ging, warum haben wir an jener kleinen Station Halt gemacht?" Die Maschine hatte kein Wasser mehr," entgegnete der Conducteur, indem er vorübereilte. Ich errieth sofort, daß diese Antwort keine wahrheitsgemäße war. Unser Aufenthalt hatte kaum eine halbe Minute gedauert, und in dieser kurzen Zeit wäre es nicht möglich gewesen, den Dampfkessel zu füllen. Wo sollte übrigens an jenem einsamen Orte mitten in einem kahlen Fichtenwalde das Wasser herkommen? Fünf Minuten später trat der Conducteur wieder in den Wagen. Warum wollen Sie mir nickt die Wahrheit sagen ? fragte ich ihn in gedämpften Tone. Die Wahrheit? In Bezug worauf?" entgegnete er in demselben Tone. In Bezug' auf den Grund, warum Sie vorhin Halt machten." Der Conducteur lächelte und entgegnete dann: .Na. ich will Ihnen nur die Wahr-

heit sagend 'Wir machten Halt,' um einen einzigen Passagier aufzunehmen einen Mann, der uns von Bayswater bis an jene Station entgegengekommen war." Um des Vergnügens willen, denselben Weg wieder zurückzumachen?" Ja wohl, um des Vergnügens willen in gewisser Gesellschaft zu reisen. Sie für Ihre Person brauchen sich nicht zu fürchten es ist ein geheimer Polizeiofficiant." Wie? Ein - Ich stand im Begriff, die. letzten Worte des Conducteurs im Tone des Erstaunens zu wiederholen, meinNachbar aber gab mir durch einen Wink zu verstehen, daß ich schweigen solle. Was für ein Verbrechen ist denn verübt worden?" flüsterte ich. Ein blutiges und furchtbares. Eine verruchte Hand hat einem Mann nebst seiner Frau und zwei kleinen Kindern die Kehle abgeschnitten und dann das Haus in Brand gesteckt." Mein Himmel, welch eine Unthat!" Der Conducteur und ich hatten dies alles natürlich nur ganz leise geflüsterte Der Conducteur verließ mich, so daß ich Zeit behielt, die Gesichter meiner Reisegefährten mit einem seltsamen Gemisch von Scheu und Neugier zu mustern. , : Unwillkürlich blieben . meine Blicke auf einem Manne haften, der mir gegenüber saß. Seine Züge trugen das Gepräge der Rohheit und Gemeinheit. Sein Bart war struppig und verworren und der Kragen seines zottigen schmutzigen Rockes bis über die Ohren heraus emporgeschlagen. Ich fühlte mich immer mehr überzeugt, daß dieser Mann mit dem verthierten Blick und der breiten, tiefherabhängenden Kinnlade der Mörder sei, und als ich verstöhlen von ihm hinweg seitwärts blickte, begegnete ich den großen, blauen Augen der schönen jungen Dame. Dem Impuls meines Herzens folgend, erhob ich mich und nahm neben ihr Platz. Sie hörten wohl, wovon wir sprachen, mein Fräulein?" fragte ich. Ja, von einer Mordthat o wie entsetzlich!" Fürchten Sie sich nicht uns wird Niemand etwas anhaben wollen." Sie blickte mir mit dem Ausdruck der vertrauenden Unschuld ins Gesicht. Unser Aufenthalt war ein nur kurzer; doch bemerkte ich, daß während desselben der wachsame Polizeiofficiant den Platz gewechselt hatte und jetzt in unmittelbarer Nähe des Mannes mit dem verthierten Blicke und dem zottigen Rocke saß. Sehen Sie," stammelte die junge Dame, in Exmouth wurden die Thüren des Wagens verschlossen; jetzt schließt man sie wieder auf. Sie hatte Recht. .

Wahrscheinlich fürchtet man, daß der Verbrecher während des Stillhaltens des Zuges entspringen könnte," bemerkte ich in gedämpften Tone. Darf ich Sie bitten, mir ein Glas Wasser zu holen?" fragte meine schöne Nachbarin. Ich erhob mich und ging nach dem Wasserbehälter in der Nähe der Thür, obschon mit unsicherem Schritt; denn der Zug war wieder in rascher Bewegung. Als ich den zinnernen Becher in die Hand nahm, entdeckte ich leider, daß derselbe mittels einer dünnen Kette an dem Brett, worauf er. stand, befestigt war. Es hat nichts zu sagen," bemerkte die junge Dame, welche dies ebenfalls sah, mit freundlichem Lächeln. Ich werde selbst hinkommen." Ich füllte den Becher und hielt ihn ihr entgegen; anstatt ihn mir aber abzunehmen, rannte sie plötzlich an mir vorbei, öffnete die Thür und stürzte hinaus auf die schmale Brücke, mittels deren die, einzelnen Wagen miteinander in Verbindung stehen. Haltet sie auf! Haltet sie aus! schrie der Polizeiofficiant, indem er aufsprang. Conducteur, haltet sie auf!" Das ganze Innere des Wagens verwandelte sich sofort in einen Schauplatz der Verwirrung und Bestürzung. Ich war der Erste draußen an der Verbindungsbrücke, sah aber auf derselben Niemand weiter als einen halberfrorenen Schaffner, der vor Schrecken und Kälte an allen Gliedern zitterte. Wo ist die junge Dame hin?" .'ief ich ihn an. . Sie sprang hier zwischen den Wagen hinunter, he ich eine Hand nach ihr ausstrecken konnte," stammelte der Gefragte. Sie muß augenblicklich zu Tode gerädert worden sein," sagte der Conducteur, die Achsel zuckend. Ein sol cher Sprung von einem Eilzuge ist allemal der sichere Tod." Und dieser Sprung kostet mir fünfhundert Dollars, denn so viel Beloh nung war auf die Ergreifung dies Verbrecherin gesetzt," sagte der Polizei officiant mit ärgnlicher Miene. Ich wollte hier unterwegs kein Aufsehen erreaen. sondern warten, bis wir nach SayZwater kämen; aber eö war das sehr dumm von mir. Ich hätte sie gleich hier festnehmen sollen." Mein Himmel," rief ich, Sie wollen doch nicht sagen, daß dieses Kind m Dieses Kind, wie Sie diese Person nennen," entgegnete der Officiant in gelassenem Tone, heißt Alice Burton, ist eine verheirathete Frau von sechsundzwanzig Jahren, hat in der vergangenen Nacht mit kaltem Blut: vier Personen ermordet und suchte nun nach Canada zu entkommen. So stehj die Sache." Der Zug machte infolge des . vom Conducteur gegebenen Signals Halt. und der Cond.ucteur und der Polizei

officiant, welchen sich außer mir noct einige Passagiere anschlössen, gingen auf. dem Geleise zurück, um das schöne, junge Wesen zu suchen, dessen Liebens. Würdigkeit und anscheinende Unschuld eine so anziehende Wirkung auf mich geäußert. Wir mußten infolge der rasenden Schnelligkeit, womit der Zug sich U wegt hatte, eine bedeutende Strecke zu rücklegen,' ehe wir die Mörderin fan den. Sie lag dicht neben dem Geleise; bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Als ich am nächstfolgenden Tage den Bericht über den Mord und das tragt, sehe Ende der Mörderin las, dachte 1$ an die blauen Augen und den Rosen knospenmund der feinen, schlankes Gestalt und fühlte mein Herz von den seltsamsten, widerstreitendsten Gefühlen bewegt. Kinder find Kinder!

Kinder sind Kinder!" eine beliebte Redensart, mit der die Mütter, stauch die Väter, Ungezogenheiten ihrer lieben Sprößlinge entschuldigen. Gewiß, Kinder sind Kinder, und, kein vernünftiger Mensch wird ihne das Paradies derKindheit trüben wollen. Sie sind Kinder; aber bleiben siees? Nein. Nur zu bald wachsen die Zöpfe, verlängern sich die Kleider, uni aus den Kindern werden Leute." Wiees rechte Lebensweisheit ist, seineMädchen zu lehren, daß sie viel länger altr als jung bleiben, so ist es ein echter Er-" ziehungssatz, zu bedenken, daß Kinder mit jedem Tage älter werden, also nicht für die Kindheit, sondern für das Leben erzogen werden müssen. Es giebt unzählige Eltern, die ihreiu Mädchen und Knaben das Dasein zur Spielerei machen. Was die Kinderwünschen, erfüllen sie, erfüllen es oft. mit Opfern und Entbehrungen. Dasist edel, das ist gut, wenn es einem guten Ziele dient; ist es aber nur Verwöhnung, Verhätschelung, dann ist. es nicht Tugend, sondern Schwäche. Wenn sich doch mehr und mehr die Erkenntniß in allen Kreisen befestigtem Erziehung ist ein schweres, verant-, wortliches Amt! Erziehen heißt nichtKindergeschrei stillen, sondern solches, nicht erst aufkommen lassen. Oder woes aufkommt, es einzudämmen, es wie.einen wilden Auswuchs am Baume zu.' betrachten, und es demgemäß zu be--kämpfen. Was sind denn Kinder?" Das ist: doch keine Rasse, die da ist, die da: bleibt; Kinder sind werdende Men--schen. Man' kann im Kinde sehr gut' das Kind lieben, aber die Erziehung muß immer einen Schritt vorwärts ge--hen, muß in die Zukunft gerichtet sein Was Du dem Kinde an Ungezogenhei--ten erlaubst, das erziehst Du ihm an Und für die Erziehung ist ein Kindniemals zu klein. So ein liebes, zartliches Mütterlein, das da meint, seinen: Liebling ganz besonders gut und glücklich zu erziehen, prüfe sich doch einmal. ernstlich, ob wirklich stets die Rücksicht' auf das zu klein" entscheidend ist,, wenn sie dem Trotz des Kindes nach-" giebt? Des Kindes Lachen, des Kindes BeHagen sind Dinge, die ein Mutterherz anstreben soll, aber, immer auf rechtem, Wege. Ein Kind muß zeitig erfahren,, daß die Welt von Stärkeren regiert, wird, und demgemäß gehorchen lernen es muß auch schon zeitig diese und jenekleine Pflicht kennen lernen, ja, mehr als das, es muß entsagen lernen schon, zu einer Zeit, wo es die Tragweite die-, ses Wortes noch gar nicht versteht.. Lehre Kinder Lasten tragen, pflichtbewußt ins Leben fchauen, damit sieschon in früher Jugend Tagen sich ein. freundlich Alter bauen." Alles, waswir erreichen, erreichen wir durch Ue-' bung; durch Gewohnheit kann unS selbst Schweres leicht werden. Also gewöhnt die' Kinder zeitig an eine Be--schränkung ihres Willens. Daß Ihr ich nen das Schlechte, die Ungezogenheiten nicht erst abzugewöhnen braucht mit. Qual und Strenge, gewöhnt ihnen dasGute, die Artigkeit, die Folgsamkeit die Tugend an. Gewöhnt sie ihnen an,, es geht wirklich, es geht besser, alsIhr jetzt meint, wenn Ihr nur immer selbst Muster und Vorbild seid und a den kleinen Ungehörigkeiten, die nur zu bald in große Unarten ausarten. nicht mit der schmeichelnden Entschuld digung begegnet: Kinder sind Kinder! sondern mit dem ernsten Gedankens Aus Kindern werden Leute. Daö Fahrrad in der Geschichte In der Geschichte des römischen Soldatenkaisers Pertinex (193 nach. Chr.) findet sich eine sonderbare Stelle Pertinex. , ein sparsamer und einfacher, Mann, folgte dem berüchtigten Commodus in der Regierung, wurde aber von den ob seiner strengenManneszuchr erbosten Pratorianern umgebracht. Seine erste Regierungshandlung war daß er der unter Commodus geübten, sinnlosen Verschwendung Einhalt ge--bot. Der römische Geschichtschreiber bemerkt dabei Folgendes: Bei dieser Gelegenheit lie der Kaiser das ganze bewegliche Besitzthum seines Vorgängers Commodus verkaufen. Darunter befanden sich mehrere seltsame Wagen, deren Räder sich mit Hilfe eines sinnreichen Getriebes und eines verwickelten Stangen- und Räderwerks von selbst um ihre Achse drehten. Die Sitze waren so angebracht, daß sie den Wagenführern' Schutz vor den Sonnen--strahlen boten. Einige andere Wczeir waren mit einer die zurückgelegte Wegstrecke und Zeit selbstthätig angebenden Einrichtung ausgestattet." Wie sagt doch Ben Akiba? rrzkalauer. A.: Wer sagt mir einen Satz, der das Wort Konflikt" enthält?" B.: Der Gefreite Kohn flickt seine zerrisser. sen," .