Indiana Tribüne, Volume 22, Number 165, Indianapolis, Marion County, 5 March 1899 — Page 6
Frauen?, z. Ton Z.W. Wcler. .So mancher, der vor Sehnsucht stirbt .Um Huld und rothe Nosen wirbt, Erlangt doch nichts mit Ach und Oh Als einen Kranz von Haberstroh. '' Gin And'rer. ein gesetzter Mann. Sagt, was er will und was er kann Er bietet redlich Brot und Wein Und holt dafür ein frostig Nein. Äer Dritte kommt, den Strauß a;r. Hut, Er pfeift und winlt nur wohlgemutb; Die ernsten Freier lacht er aus Und führt die schöne Braut nach Haus. Du wunderliches Frauenherz, So kühl, so hart wie klirrend Erz. So warm und weich, wie Abends spät Die Sommerluft durch Rosen geht. -O Frauenherzl voll Wonn' und Weh, Du räthselhafte, dunkle See! Wer forscht dich aus, wer wägt und mißt, Wie treulos und wie treu du bist. Der gefoppte Bauer.
Der Schnellzug stand zur Abfahrt in 'der Bahnhofshalle bereit. Passagiere mit und ohne Gepäck rannten eilfertig hin und her, um noch ein passendes Plätzchen zu finden. Schon schickte sich der Zugführer an, das letzte Zeichen zu geben da keuchten noch zwei jung? Herren daher, welche mitsammen einen offenbar ziemlich schweren Handkoffer trugen. Rasch, rasch!" mahnte der Lugführer und öffnete selbst die Thür zu einem Coup6. Die Herren stiegen in, wobei sie offenbar nicht ohne Ansirengung ihr Gepäck in den Wagen beförderten. Der Schaffner warf die Waggonthür zu, und dann setzte stch der Zug in Bewegung. Die zwei Nachzügler hatten es trotz ihrer Verspätung nicht schlecht gctroffen; ein einziger Passagier befand stch außer ihnen im Coup6 der Michelbauer, der mit ausgespreizten Beinen in der einen Ecke saß und die höhere '.Fahrtaze nach Kräften ausnützte. Er hatte den Gruß der beiden Ankömm.kinge nicht erwidert, sondern nur ihre 'Unbeholfenheit beim Einbringen des -Gepäcks mit einem geringschätzenden 'Blick gekennzeichnet. Als aber die bei'den Ankömmlinge ihre Kraft vereinten, :um den kleinen, scheinbar leichten Kos.fer in das Gepäcknetz zu befördern, be'gleitete der biedere Landmann diese Bemühung mit einem verächtlichen Lachen und ließ die halblaute Bemerkung hören: Da stecht ma's, d' Stadt.buab'n koa' Salz und koa' Schmalz Pfui Deifi!" . Der Jüngere der damit Gemeinten nachte Miene, dem unberufenen KritiUz zu erwidern; sein Freund zog ihn jedoch zu sich in die Ecke und flüsterte ihm einige Bemerkungen zu, die ein längeres, halblautes Gespräch zur Folge hatten, um das stch der Landvirth nicht kümmerte. Plötzlich erhebt stch einer der Herren und bemerkt: Schlechte Luft da herinnen was? Da ist gewiß die Ventilation geschlossen!" Prüfend steht er gegen die Decke, an welcher der Handgriff tut Nothbremse angebracht ist. .Das werden wir gleich haben," sagt .er und erfaßt den Griff mit voller .Kraft. Er zieht nach rechts und links ohne Erfolg! Der Michelbauer betrachtet mit spöttischen Blicken die vergeblieben Bemühungen und murmelt vor stch hin: Wki i' halt sag', nix is gar nix!" Nun springt der andere .Herr auf und ruft: Laß mich machen ich bring' die Geschichte schon herrunter!" Rasch langt er nach dem Griff .und zerrt daran, daß sein Arm zittert und das zu Kopf steigende Blut sein Gesicht dunk:lroth färbt. Endlich läßt er los und sinkt' den Kopf schüttelnd, resultatlos auf seinen Sitz zurück. Nun kann der Michelbauer stch nvH mehr zurückhalten; wie ein Circusathlet schüttelt er zuerst seine Arme, dann stellt er stch in Positur und erfaßt den Griff mit seiner knochigen Hand. Müaßt scho' g'spaßi' zuageh'n. wenn rna' dös net außabracht'!" meint er und -reißt den Griff mit einem Ruck nach abwärts. Leicht is's 'ganga!" sagt er lachend. Im nächsten Augenblick erhält er jedoch einen Stoß, der ihn auf seinen Sitz zurückwirft der Zug .steht still mitten auf der Strecke! Alle Coup'fenster öffneten stch. ein allgemeines Rufen und Fragen ward laut, und eilig rannten die Schaffner von Abtheilung zu Abtheilung, um -nach dem Veranlasse! der Fahrunterbrechung zu forschen. Der Zugführer erschien auch an dem betreffenden Coupö, bemerkte sofort, daß hier die Ittothleine gezogen worden, und fragte, 'we: ste gezogen habe. Die beiden Her--ren deuteten auf den Bauer, der mir offenem Munde den Vorgang verfolgt hatte. Michel mußte seinen Platz verlassen und bis zur nächsten Station mit dem Gepäckwagen vorlieb nehmen. Als er dort zur weiteren Behandlung in die Diensträume abgeführt wurde, ballte er die Faust qegen seine bisherigenMitreisenden und schrie: I' bol Enk dawisch, hernach woaß i'. was i' Enk abareiß! Runter'bracht h'ätt'r dös G'lump do' net ohne mi, ös Fretta!" AufdemKasernenhofe. Unterofficier: Piefke, wo stnd Sie eijentlich jeboren, daß Sie so ein Rhinoros sind?" Piefke: ' In BadenBaden." Unterofficier: Na, nu jewöhnen Sie sich ooch noch das Stottern an!" I m C o n c e r t. A.: Wie fanden Sie die Wiedergabe dieses SonaAnsatzes?" V.: Durchaus im Sinne des Componisten; in den Noten steht nämlich als Vortragsbezeichnung: Sehr mäßig", und der Pianist hat's such wirklich .sehr mäßig" gespielt."
Aie neue Karz-Hucrvayn. Seit Jahrzehnten trug man stch mit dem Wunsche, eine directe Schienenderbindung des Nord- und Südharzrandes und damit Norddeutschlands und Thüringens hergestellt zu sehen. Im 5Zahre 1869 war unter den betheiligten Regierungen, Gemeinden und Städten endlich die nöthige Einigung erzielt, und mit einem Kapital von 5 Millionen Mark begann der Bau der sogen. Harz - Querbahn Wernigerode-Nord-hausen, in deren Zweiglinie, der Gebirgsbahn nach dem Brocken, eine einzig in ihrer Art durch ganz Deutschland dastehende Bahnstrecke geschaffen worden ist. Die Harz - Querbahn durchschneidet den Gebirgsstock der Harzberge von Norden nach Süden in einer Länge von 60.53 Kilometer, während die Brockenbahn (18,95 Kilometer) bei Station Drei-Annen-Hohne nach Westen abzweigt und nach vielfachen Windüngen und Kehren in einer änderthalbfachen Serpentine die fagenumwobene Vrockenkuppe erklimmt. Der Bau beider Harzbahnlinien hatte naturgemäß mit ungemeinen Terrainschwierigkeiten zu kämpfen, da auf weiten Strecken (bei der Brockenbahn durchgängig) jeder Fußbreit Bahnkörpers aus den Felsmassen der Berge herausgesprengt werden mußte; hierzu kommen noch etwa 400 Brücken, kolossale Damm- und Sicherheitsbauten. ein Tunnel u. dergl. Im Gegensatz zu der bekannten Harz - Zahnradbahn VlankenburgRübeland - Tanne (System Abt) hat man bei der Harz - Quer- und Bro
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Steinerne Renne. ckenbahn das, reine Adhästonssystem (1 Meter Spurweite) beibehalten, wobei allerdings oft die höchst zulässigen Steigungen von 1:30 d. h. auf 30 Meter Schienenlänge steigt das Gleis um 1 Meter) angewendet werden mußten. Durch die so verursachte größere Länge der Schienenstrecken und erzwungene Benutzung zahlreicher Thäler und Hänge zu ansteigenden Kehren und freiliegenden Curven war nur allein die Erschließung aller jener herrlichen Fernstchten, Rundblicke und meilenweiten Panoramen möglich, die dem Reisenden eine Fahrt aus den neuen Linien, besonders auf der Brockenbahn, darbietet. In nachstehenden Zeilen soll versucht werden, eine Fahrt auf den Altvater Brocken zu schildern, wie ste zur Eröffnung der interessanten Strecke Tausende mit Entzücken erfüllte. Wernigerode mit seinem stolzragenden Fürstenschloß bleibt links liegen und durch das tiefgeschnittene Breite Thal mit dem freundlichen Hasserode geht's den dunkeln, grünenden Harzbergen entgegen. Es fährt sich wundervoll in den sehr geräumigen, auf Drehgestellen laufenden Wagen, deren Fenster und geschützte Plattformen vollauf Gelegenheit bieten, die stetig wechselnden Streckenbilder und kaleidoskopartig stch verschiebenden Ausstchten zu genießen. Drei Annen - Höhne. Jetzt nimmt uns der harzduftende Hochwald auf, der Zug krümmt stch wie eine Schlange zusammen, und in einer Vollkehre von nur 60 Meter Radius erreichen wir am Eingang des romantischen Rennethals die idyllisch gelegene Station Steinerne Renne. Immer höher klettert die Bahn am Hang des Beerbergs empor, im Rück blick eine köstliche Fernsicht über das Hasseroder Thal und Wenigerode in Fülle bietet das nun folgende Thumkuhlenthal, dann umfängt uns das Dunkel des 70 Meter langen Tunnels, worauf die Locomotid keuchend durch zahlreiche kleine Seitenthäler zum Bahnhof Drei-Annen-Hohne (540 Meter hoch) empordringt. Hier theilt stch der Schienenstrang. Links führt die im nächsten Frühjahr zu eröffnende Strecke über Elend, Sorge, Benneckenstein. Tiefenbachmühle. Eisfelder Thalmühle, Netzkater. Thalbraue Ylfeld, Niedersächswerfen, Crimorröe sch NordHausen; rechts beginnt die eigentliche Bergfahrt nach Brocken, der noch ein mal so griesgrämig ausschaut, seitdem ihm das Dampfroß so gewaltsam unb schnöde auf's Haupt gestiegen ist. Prachtvolle Gebirgspanoramen erschließen stch dem überraschten Auge: am Horizont der Kyffhäuser, im Vordergrund die Bergwelt des Südharzes, aus der der Wurmberg (968 Meter hoch) emporsteigt. Auf mächtigem, 23 Meter hohem Damm setzt nun der Zug über die Wormkelchschlucht, während stch das obige Panorama wiederholt und schöne Momentblicke auf Brocken, Hohegeiß, die Schnarcherfelsen u. s. w. das Auge fesseln.
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Bahnhof Schierke, der etwaL oberhalb des neuerdings immer mehr in Aufnahme kommenden Bergdorfes liegt, hält uns nicht ' lange auf, und hi?in geht's in die Kelswildniß und Waldespracht des engstenBrockenbann-kreises.
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Im Gel er loch. Die Schönheit der- Gebirgsnatur wächst von Minute zu Minute; jede Lücke der Waldcoulissen läßt neue Reize entdecken. Langsamer durchfährt jetzt der Zug die große Curve im romantischen Eckerloch, und weit schweift der Blick über die Berge, Thäler und Dörfer; im Vordergrund, im tiefen, grünen Elendsthal, liegt Schierke mit dem weißleuchtenden, freundlichen Kirchlein. Der Rückblick gibt den Brockenkegel mit seinen Hängen und Klippen frei; wundervoll tritt das Brockenhaus mit dem hohen Ausstchtsthurm in die Erscheinung. Ungemein steil klimmt nun die Bahn zu den grauen. drohendenGranitschroffen des Schluftkopfes empor, der in scharfer, kurzer Curve umfahren wird. Dann gürtet das Eisenband in weitem Bogen den Hang des Königsberges, während neue, überraschende Scenerien bei jeder Wendung auftauchen. Bald folgt die Durchquerung des großen Brockenmoors, dessen tiefbraune Torfschichten bis zu 5 Meter Tiefe ausgehoben werden mußten, um dem Bahnkörper auf dem Felsgrund des Berges sichern Halt zu schaffen. (90.000 Kubikmeter des bis zu 7 Meter mächtigen Moorbodens, in dem vor seiner rationellen Entwässerung manches Menschenleben unterging, wurden ausgehoben.) Sobald der Zug den Durchstich des Vrockenmoors verläßt, beginnt in gewaltiger, weit ausholender Serpentine die anderthalbfache Umfahrung der Brockenkuppe mit ihren unbeschreiblich schönen landschaftlichen Reizen. Alles, was die nahe und weitere Umgebung des Brockens an vielfältigem Zauber der Gebirgsnatur darbietet, gleitet gleich einem Riesen - Wandelgemälde langsam vorüber, und ruhiger, beque Brockenblick vom Eckerloch. mer als von der Galerie des weitschauenden Brockenthurmes entrollt sich dem entzückten Auge die Schönheit der Landschaft, die durch die neue Gebirgsbahn erst im vollcn Maße erschlossen worden ist. Weiter bewegt sich der Zug; näher und näher rückt der wuchtige Complex des großen Brockenhotels, davor der graue, 20 Meter hohe Thurm, rechts das Meteorologische Observatorium. Jetzt erkennt man die bizarren Felstrümmer der Teufelskanzel und des Hexenaltars. Ein langanhaltender Pfiff, und: Bahnhof Brocken, alles aussteigen!" rufen die Schaffner. Wenige hundert Schritte vom Bahnhof (1129.32 Meter Höhe) befinden stch die gastlichen Räume des Brockenhotels, 1142 Meter über dem Meeresspiegel. Unverantwortlich. Ach, Frau Gräfin, geben Sie mir eine kleine Unterstützung die Krankheit von meiner Alten die kost't mich mehrmals ich erschwingen kann!" Aber guter Mann wie kann Ihre Frau auch so ganz über Ihre Verhältnisse krank werden?" Hieb. Frau: Schrecklich ist das Kind; wenn es nicht Alles bekommt, was es haben will, dann schreit es." Mann: Gerade so wie Du!" I m G l ü ck. Sie: Denk' nur, die Barsnin Hochnas ist ihrem einfältigen, dummen Gatten mit dem Lieutenant von Trittelwitz durchgebrannt." Er: Ja, ja, dieDummen haben das meiste Glück!" Schätzung. Haustier (der stch beim Arzte eine kleine Wunde nähen ließ): Was bin ich schuldig?" Arzt: Drei Mark!" Haustrer: Was, drei Mark for de paar Stich?! Ja. was kost' denn dann bei Jhne t ganzer Ueberzieher?" , Opferwillig Geschäftsreisender (seinem Chef Bericht erstattend): Bei Rosenmillers war es diesmal besonders schwer, ein Geschäft abzuschließen. Mir blieb zuletzt nichts Anderes übrig, als um die Hand der ältesten Tochter anzuhalten!"
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Zwei Frastdcnten. Unerwartet ist Felix Faure, der Präsident der französischen Republik, aus dem Leben geschieden. Unter normalen -'Zeitverhältnissen hätte sein Tod keine besondere Bedeutung gehabt, aber im Hinblick auf die durch politische Leidenschaften und Intriguen hervorgerufene Situation im Lande wird derselbe zu einem folgenschweren Ereigniß. Franois Felix Faure, der am 30. Januar 1841 in Paris als Sohn eines Tapezierers geboren, war ursprünglich Gerber und gründete als jungerMann ein Handelsgeschäft in Havre. Dort erwarb er sich in kurzer Zeit eine hervorragende Stellung und war bald eines der eifrigsten Mitglieder der Handelskammer in Havre sowie'Richter an dem dortige Handelsgerichte. Als Importeur undRheder erwarb er imLaufe der Jahre große Reichthümer, die es ihm ermöglichten, seinemSelbstbewußtsein und seiner Eitelkeit den nöthigen goldenen Glanz zu verleihen. Durch den Krieg 187071 mit Deutschland wurde auch Felix Faure, wie so viele andere junge Männer, welche seither große Stellungen im Staate eingenommen haben, seiner friedlichen Beschäftigung entrissen; er vertauschte das
Felix Faure. Comptoir mit dem Feldlager, um auch seinerseits zur Vertheidigung des Vaterlandes beizutragen. Er würde zum Commandanten des 6. MobilgardeBataillons des Departements derSeine Jnsörieure ernannt und später als Eskadronschef in den Generalstab der Auxiliar - Armee berufen. Während des Commune - Aufstandes in Paris eilte Felix Faure mir seinen Freunden aus Havre nach der Hauptstadt, um gegen die Brendstifter Hülfe zu bringen. Hierfür wie für feine Antheilnähme am Kriege gegen Deutschland wurde Faure am 31. Mai 1871 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Nach dem Kriege kehrte Faure nach Havre zurück, wo er bald darauf zum Adjunkten des Maire gewählt wurde. Seine eigentliche politische Laufbahn begann Faure ttsi im Jahre 1881, als er in Havre zum Deputirten gewählt wurde. Noch in demselben Jahre wurde er als Unter - Staatssecretär für Handel und Kolonien neben Rouvier, der dieses Portefeuille inne hatte, in das Grand Ministere" Gambetta's berufen. Nach dem Sturze des Cabinets Gambetta kehrte Faure in die Reihen der gambettistischen Union Republicaine" zurück, zu deren hervorragendsten Führern er nach dem Tode Gambetta's gehörte. Als mit Jules Ferry's Berufung zur Uebernahme des Conseil - Präsidiums die Gambettisten am 21. Februar 1883 neuerdings zur Macht gelangten, fand Faure nicht allsogleich eine Stelle im Ministerium, doch schon drei Monate später, im Mai, Emile Loubet. hatte Faure neuerdings das Unter -Staatssecretariat im Marine- und Colonial - Ministerium inne. In dieser Stellung verblieb Faure bis zum 6. April 1885, an welchem Tage das Ministerium Jules Ferry durch ein Kabinet Brisson abgelöst wurde. Vom December 1887 bis zum April 1888 gehörte Faure abermals der Regierung an und zwar wieder als Unter-Staats-secretär für Marine und Colonien im Ministerium Tirard. Während der Legislatur von 1889 bis 1893 war Faure Vize - Präsident der Deputirten Kammer und als im Jare 1894 das Ministerium Dupuy gebildet wurde, trat er als Marinem!nister in dasselbe ein. ! Mit dem gesummten Cabinet Dupuy trat er am 14. Januar 1895 zurück, worauf am. folgenden Tage auch der Präsident Casimir Perier sein Amt niederlegte. Bei der Präsidentenwahl, die am 17. Januar in Versailles stattfand, wurde er im zweiten Wahlgang zum Präsidenten gewählt, nachdem Waldeck - Rousseau zu seinen Gunsten Verzicht geleistet hatte. Faure's plötzlicher Tod war durch ein Herzleiden, mit dem er seit längerer Zeit behaftet war, verursacht. Alö Faure's Nachfolger ist' der bisherige Senatspräsident Emile Loubet zum Präsidenten der französischen Republik gewählt worden. Der neu? Präsident,' welcher als- gemäßigter Mann gilt, ist am 31. December 1833 in Marianne geboren, und von Beru?
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Advocat. Ms solcher ließ er sich in Montelimar nieder, wo er zum Bürgermeiste? ernannt und im Jahre 1876 zum Abgeordneten gewählt wurde. Seine Wahl zum Senator erfolgte im Jahre 1885, - und drei Jahre später wurde er im Ministerium Airard Minister der öffentlichen Arbeiten. Vom Februar bis November 1892 war cr Ministerpräsident, doch hat er sich aN solcher gerade nicht mit Ruhm bedeckt. Diese Zeit war die Aera des Dynamitschreckens und das Cabinet Loubet wurde wegen seiner unentschlossenen Haltung das Ministerium der Schwächlinge" genannt. Die Sturmfluth der Panamaskandale fegte -das Cabinet Loubet weg. Als Senatsprästdent waltete Loubet seines Amtes mit Umsicht und Unparteilichkeit; in der Dreyfus - Affaire nimmt er keine ausgesprochene Stellung ein.
Rußland in Wieu. In der reichen architektonischen Musterkarte Wiens fehlte bis jetzt ein Bauwerk im altbyzantinischen Kirchenstil ; diese Lücke ist nunmehr in glänzender Weise ausgefüllt durch die neue Kirche der russischen Botschaft. Der Neubau, für detf der Kaiser von Rußland und oer Heilige Synod den Betrag von einer Viertel Million Dollars gespendet haben, erhebt sich im Garten der russischen Botschaft und ist mit der die Eingänge enthaltenden Langseite der Richardgasse zugekehrt. Er bildet vermöge seiner prachtvollen Ausgestaltung das bauliche Prunkstück des auf dem parcellirten Areal des Metternich'schen Parks entstandenen Wiener diplomatischen Viertels. Die Skizze des Bauplans, im russischen Kirchenbaustil, lieferte der Heilige Synod; die Ausarbeitung der Detailpläne und die Leitung des Baus wurde dem Wiener Architecten Ritter v. Giacomelli übertragen. Der Grundriß der Kirche bildet ein längliches Rechteck; über der Krypta, die die ganze Grundfläche einnimmt, Die griechische Kirche. gliedert stch die eigentliche Kirche in der Form eines lateinischen Kreuzes, über dessen mächtiger Vierung .sich die thurmartig auslausende Hauptkugel aufschwingt. Die vier Ecken sind mit von schlanken Thürmchen getragenen Kuppeln in der typischen Zwiebelform bekrönt, denen sich, den Haupteingang und die über ihm liegende Glockenstube betonend, eine fünfte anreiht. Der Kuppelthurm geht aus dem viereckigen Tambour in eine Polygone Rundform über, die stch im langgestreckten, konisch zugespitzten ThurmHelm bis zum Knauf fortsetzt, der die auf einem thürmchenartigen Unterbau ruhende Hauptkuppel mit dem weithin leuchtenden, mit Brillant-Reflexglä-fern geschmückten Kreuz trägt. Der vordern Schmalfront ist eine zum Haupteingang der eigentlichen Kirche emporführende gedeckte Treppenanlage mit einer Vorhalle vorgelegt, deren Frontgiebel mit einem in venetianischem Glasmosaik ausgeführten Heiligenbild geschmückt ist. Die Vierung und der auf ihr sich aufbauende Thurm von 27 Meter Höhe ruht auf 4 machtigen Monolithen aus rothbraunem schwedischen Granit mit reichverzierten Monolith - Capi'älen aus Karstmarmor. Auf der Heimreise. - Alte Dame: Nein, liebes Fraule! das muß ich Ihnen schon sagen, ich finde es schrecklich, daß Sie stch immer mit Ihrem Mann zanken ich litte Sie, auf der Hochzeitsreise!" Junge Frau: Ach, daran ist doch nichts so Furchtbares, wir stnd ja schon auf der Heimreise!" ! Edle Naturen handeln großmüthig, gemeine handeln mit der Großmuth. Die Passion. Richter: Fünfzehn Mal stnd Sie schon wegen Diebstahls abgestraft, worden; können Sie denn das Stehlen nicht lassen?" Dieb: Entschuldigen Sie, Herr Richter, es ist halt meine einzige Passion!" Schlechtes Gewissen. Warum lassen Sie denn Ihre Alpenmilch - Annonce nicht mehr in's Tageblatt" einrücken?" Weil Sie s' mir das letzte Mal unter Vermischtes" gedruckt haben!" Grob. Besucher: WaS soll denn das Bild eigentlich vorstellen? Ich werde nicht klug daraus." Maler: Im Hintergrunde ist eine Wiese und " Besucher: Und davor?" Maler (ärgerlich): Davor steht ein Esel!-
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Fastnacht an' tx Havcl. Die alten Volksfeste- sind aus best öffentlichen Leben Berlins völlig verfchwunden und man muß schon weiter in die Mark Brandenburg hineinstreifen, um noch auf echte und rechteVolksfeste, wie ste sich seit Jahrhunderten erhalten haben, zu treffen, so auf den Fastnachtsumzug der Schiffer und Fischer in den Haveldörfern, der als ein Rest der früheren öffentlicher? Fastnachtsspiele angesehen werden kann. An diesem Tage herrscht ein erregtes Leben in den sonst zu: Winterszeit so ruhigen Dörfern und Dörfchen an der Oberhavel bei Jehdenick, Liebenwalde, Oranienburg usw.; in den Häusern duftet es nach frischgebackenem Kuchen, weißer Sand ist auf die Dielen gestreut, und oft genug offnen stch die Fenster und es wird Ausschau gehalten die Dorfstraße hinunter. Nun dringt von fernher fröhliches Gejubel heran, von schallender Musik begleitet, und es naht der von der gesammten Dorfju-
Umzug der Schiffer. gend umschwärmte Zug der Schifferknechte, wetterfester, stämmiger Gestalten. von denen zwei an einer langen Stange ein vollgetakeltes Schiff tragen, während der Sprecher" voranschreitet. Vor vßrschiedenen der Häuser, die von den Schiffermeistern bewohnt werden, - hält der Zug. Die Musik 'schweigt, der Sprecher richtet seine Ansprache, in der es an mancherlei humoristischen Anzüglichkeiten, an zeitgemäßen Wünschen und Beschwerden nicht fehlt, an den herausgetretenen Meister, und dieser wirft nach dem Hoch auf ihn und nach dem Tusch der Musik ein Geldgeschenk in das Schiff. Ist der Umzug beendigt, so geht's mit lustigem Gesang nach dem WirthsHause, vor welchem bekränzte und buntbewimpclte Mastbäume errichtet sind. Hier findet ein gemeinsames Schifferessen statt, worauf sich Jung und Alt zu frohem Tanz vereint. Barbarische Strafen. Durch das Reglement sind grausame Strafen in unserer Armee zwar abgeschafft, allein die Aufrechterhaltung der Disciplin erfordert nicht selten die Anwendung heroischer Mittel. Dies ist namentlich im Felde der Fall, wo keine Arrestlocale zur Verfügung stehen. Eine der gewöhnlichsten Strafen imFelde bildet der sogenannte spread eagle". Der Delinquent wird auf den Erdboden gelegt und seine ausgestreckten Arme sowie Beine an Pfosten Spread Eagle. gebunden. Einig? Stunden in dieser Position genügen, um auch den widerfvenstigsten Burschen mürbe zu machen. Eine andere Strafe besteht darin, daß dem Uebelthäter ein Stück Holz quer in denMund gesteckt und mit einer Schnur um den Hals festgebunden wird. Das Aufhängen an den Daumen kommt auch noch vor, doch seltener als die anderen Strafen. Lakonisch. Frau (erzürnt zum Dienstmädchen Nanni, als sie dasselbe beim Lesen des Buches Nana" überrascht): Nanu, Nanni Nana?!" Kneipmeteorologisches. Unsere schönsten Tage enden häufig mit Nebel! Eben deshalb. Theaterdiener: Heda, Sie, da geht's nicht hinaus, da ist ja ein Nothausgang.Herr: Weiß ich wohl, abtt da vorne sitzen gerade drei Gläubiger von mir." UnsereKinder. Sag' mal, Marie, gehst Du eigentlich- noch zur Schule ?" Cousine: Nein, mein Kind. Wieso meinst Du denn das, Elschen?" Weil Papa gestern zu? Mama sagte, Du würdest wohl sitzen bleiben."
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Falsch verstanden.
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Dame (zum Bergführer): SindSienicht auch immer wieder wie berauscht bei diesem herrlichen Anbfoü" Führer: Manchmal scho'. aber heunt han i no nir trunka."' , Guter Rath. Herr Doctor nr meinem Haufe wird Alles von Grund aus. neu gemacht und verschönert da will ich indeß verreisen!" Aber, mein Fräulein, da sollt: Sie gerade zu Hause bleiben!" Gelehrten - Kummer. Ehemieprofessor (bekümmerten Tones): Da entgegen meiner Berechnung bei diesem Experimente daLaboratorium nicht in die Luft geflogen ist, muß ich leider meinen Irrthum, eingestehen." Ein braves Weib. Dem Sepp sei' Alte is a' gute Frau! Weil der Arme kein Bier mehr trinken darf, gibt sie ihm ja' Medicin immer im Maßkrug!" Am liebsten. Schwatzhafte Dame (zu ihrem Tisch nachbar): . . Und wie essen Herr Geheimrath den Salm am liebsten?" Geheimrath: Stillschweigend, gnädiges Fräuleinll m m D i e Tournüre. Bar".in (aus dem Salon tretend): Geben Sie Obacht, Jean, machen Si: die Thür nicht eher zu, 'bis ich ganz draußen bin!" Mißtrauen läßt die Ehrlichkeit Hungers sterben. Vertrauensseligkeit füttert ste zu Tod. Das erklärt's. A.: Sie glauben also, daß der Baron Nothnagel seine Frau nur des Geldes wegen geheirathet hat? Wie kommen Sie auf diese Vermuthung?" B.: Ich habe sie neulich gesehen!" W orauf es ankommt. Freund: Scheint eine prächtige.,Frau zu sein. Deine neue Hauswirthin. Student: Weiß noch nicht, must erst einmal den .Ersten" abwartenl"
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