Indiana Tribüne, Volume 22, Number 158, Indianapolis, Marion County, 26 February 1899 — Page 2
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Traum. Von Anna fllte. Verzliebster Schatz, ich lieb' dich so, Wie nichts auf Erden weiter. Mir träumte jüngst, es führte too Zum Himmel eine Leiter. Ich stieg hinauf zum Sonnenlicht. Und stand am Himmelseingang dlchl. Da schaut' ich Stern an frä drehn, Und d'rauf der Engel Neigen, Die einen hab' ich tanzen sehn, Die andern Hort' ich geigen. Sie hielten ein und winkten mir. Da fragt' ich: Ist mein chafc nicht
yrz Sie hemmten Yraus 'den Rinzelreihn Mit lächelnden Geberden: Wir wissen mchts trorn Schatze dnn. Der ist wohl noch traf Erden! Da macht' ich kehrt und trollte mich Was wär' der Hinnnel ohn dich? GonVetttioncss. Eine richtige, -erf chöpstmde Deßnition von Conventionen", akso derConvenienz gemäß", zu geben, ist. nicht ganz leicht. Im -AZlgemeiren ist es richtig, ConvmienZ" eine smausgesprochenc Uebereinkunft zu. nennen, die , für bestimmte anerkannte ?älle und Lebenslagen durch fortgesetzte Uebung allmälig feststehender Gebrauch geworden ist und gewissermaßen auf gegenseitigem, aber stillschweigendem Vertrage beruht. Jnsbesond:re findet solcherklärung auf gesellschaftlichem Gebiete ihre Be rechtiguna .und .specielle .Anwendung. Alles. wJß stch.ün gesellige Äerhältnifj der Menschen untereinander auf Sitte, Gebrauch und Gewohnheit bezieht And vielleicht zuerst. von Persönlichkeäten ausgeübt wurde, ' deren Einfluß, Geschmacksrichtung und. individuelle Bedeutung allgemein 'anerkannk und gebilligt ist dann 'aber nachgeahmt und gleichsam durchUeberlieferung als schüklich und panend.Qnzesehen "wird, istcoNventionell". Wohl ckann.es dein Fortschritt, vrc änderte? ode? vermehrter Erkenntniß und Zle'sserem 'Zeitgeschrnack gelingen. Aeußerlichkeitey, Formen. und Lebensanschauungen. aus, sich 'selbst 'heraus, langsam zu ändern oder durch fremde. von auswärts verpflanzte. Sitten allrnälky eine andere Gestalt gewinnen zn lassen; 'im Allgemeinen erweisen sich aber die ungeschriebenen, traditionellen. Gesetze der.Conoenienz" als wunderbar und unverrückbar, oft wir in Stein gegraben! Selbst .unserem modernen, nivellirenden Zeitalter gelingt :s keineswegs, sie zu beugen; diejenigen.' denen sie 'im Wege stehen, müssen sie breche.'! .Zu einem gewaltsamen Vorgehen 'vermag sich aber das feingebildete, edlere Weib nur, schwer-zu cntschließen. Und serude im'Leben'solcherrauen gewinnt '.das Wort conventionell" gewöhnlich große Bedeutung. .Boll zarter Empfindung, .vermögen sie .nur schwer, mit überlieferten Formen zu brechen, selbst wenn sie solche als. hohl und nichtssagend erkannt. haben. Sie chaben allerlei .Ansichten .aus dem Elternhause .mit .an den. eigenen Herd hinübergenommcn, die .ihnen .in veränderter Bedeutung nun selbst lästig und unbequem rfcheinen. Sie fragen sich: Ists zweckmäßig, daß Du Dein Haus, Deine Familie, .welche meiner vorgeschrittenen Zeit lebt, einen neuen Geist cühmet. .mit .Anschauungen .und Formen belastest, die fürviele Leute ein überwunden Standpunkt sind?"Das junge Mädchen hatte daheim noch.gelernt, zu .schweigen,. wenn ältere Leute, wenn .RefpeLtspersonen" reden; warten, bis sie .mitzuthun" aufgefordert ward; sich .niemals vorzudrängen; einen Glückwunsch zu.sprechen, voiudem ihr Herz Qichtiel .wissen .konnte; .höflich zu sein,Wz)Ls szuckühler Abweisung odei Grobheit drängte; :mit Menschen freundluh Lu verkehren, .für" welche sie lein Interesse .empfand, Jini) dergleichen mehr. Sullie Frau ihr Haus in ähnlicher Wejfe .leiten, ir Töchter in ähnlichen Äyschauungen .erziehen und dadurch in fesseln schlagen, die oftmals unbequem, .einschnürend, . erdrückend sind? S.Zr?aucht ja nur um sich zu sehen, ivk nrnn. heute Formen und Rücksichtnahme .als Ballast über Bord wirft, wie sie verlacht werden und wie man M 'dabei idoch wohl befindet, ja wie Mißachtung der Form, Unterlassung der Rücksichtnahme als Anzeichen höherer, Befähigung gelten und sogar zur Genralität gestempelt weiden! Wie ffÄll'dieLebildete Frau, die gewisserchafte Mutter, die Dame zu solcher Erscheirmng Stellung nehmen? Die Frag? ist schwer zmd :Hi$t zugleich zu beantworten. Sie .mag ihr Hauswesen Wmerhm ans gut?, '.feste, conventionelle" Formen gründen und weiterführen, sobald sich fcurch die Form hindurch ein tieferer Sinn. s.ine gehaltvolle Bedeutung erkenn lagt in Forderung der Pietät und Worrü! Dann ist die festzefügte Form ur 1ai bestimmte, nothwendige Ausdruck ein edler, geistigen Erkenntniß. Die zunZe Frau wird sich bald LberzeugmFNner;, welch? dauerhafte Stützen und Pfeiler feste, !?ohlgeregelte Gebräuche darstllen. im. häuslichen, wie im gesellschaftlichen Leben. Die unablässige Uebung bestimmter Formen d Wohlanständigkeit, welche zur Gewohnheit werden, bilden umoillkürlich eine Schutzmaue? gegen Ausschreitungen jeder Art un) vermögen selbst die Leidenschaften zi zügeln. Sie erleichtern darum wesentlich die Erziehung der Kinder. Die gebildete, charaktervolle Frau vermag an der Hand der .Convenienz" viel Gutes zu leisten, besonders wenn das eigene Benehmen dabei Güte, Feinheit und Anmuth zeigt und sich die vielleicht strengere Form dadurch auch lieber Würdig zur Erscheinung bringt.
Ake VaMönigin. (Aus dem Wiener Leben). Vi:lleZcht gibt ei noch einen ölten Leopoldstadtler. der sich an die Lind Agnes erinnert, an das herrliche Geschöpf, das anfangs der SechzigerJahre neidloö vlS die Schönste im Infelreiche jenfeii des Canals anerkannt war. War das ein zierliches Püppchen voll Anmuth und Liebttiz. mit einem Paar herrlicher Augen von unaussprechlich zauberischer Farbenmischung, mit einem fußen Mund, der 'geschaffen schien, um zu lachen und die zw Grübchen zu zeigen, die 'sich in die Wangen tieften, einem hellbraunen, reichen Haar, auf dem der Glanz de? Sonne ruhte, und einer Stimme, in der Engelsmusik zÄsammentönte. Man hat rntr einBild von der schönen AaneS aus diesen Tagen gezeigt, ein biöchen verblaßt und grau im Ton, altmodisch und zseltsam erscheinend durch die 2oileite, aber man kann's schon fassen, daß man für diese göttliche Geschöpf schwärmen konnte. Und es schwärmte .die ganze Leopoldstadt für sie in jenem alten Patriziertheile, der sich an die 'Jägerzeile lehnt und wo sich ein gar .stolzes Patriziergeschlecht eingenistet -hatte. Der Vater 'Lind war ein Kauf.mann, .nicbt reick. nickt arm ein
Mensch, der sein Auskommen hatte und sich beim ..Srerlick" seinen Tap.'per.beim Jäger" sein Glas Wein verI AM! W Wa ? A UJU-lil lüiliilC UUU VCl UlSClClill UiU ' die Agnes viel.beneidet wurde. Um ds.Madl brauchen ete keine Sorge zuijragen!" sagten ihm die Leute. Die Agnes wird Ihnen mit Nächstem wegg'schnappt werden! Und sie wurde weggeschnappt. Ein reicher -junger .Mann verliebte sich in die Agnes und mehr dem Drängen der Eltern. 'als ihres Herzens nachgebend, wurde die Schönste der Leopoldstadt Iran Osiermann. Sie war nie derliebt gewesen und sie bildete sich ein, daß . die persönliche Zuneigung, die sie zu dem hübscben jungen Menschen empfand, die Liebe sei oder doch genüze. die Liebe zu ersetzen. ..Ist Liebe nur das Feuer, das verzehrend.brennt und in hohen Flammen aufschlägt? .Gibt es nicht ein stillflackerndes Feuer.- das anheimelnd knistert und wohlig wärmt? Zo sagte sich die Agnes, wenn sie über ihre Zukunft an der Seite des jungen. Theodor nachdachte und sich die Sache, zurechtlegte, wie es ihr eben paßte. Die 'junge Frau war noch schöner als die Jungfrau. Was in nebelhafter Verschleierung bisher an ihr reizvoll .gewesen war,. trat jetzt in vollerSchönheit.blendend hervor, die Blicke senkten sich nicht mehr , scheu, das Lachen war nicht mehr verschämt und urückbaltend,.ihre Bewegungen nicht mehr zagyasl.uno schüchtern und die Frau Ostermann verdrehte den Leuten noch mehr die Köpfe, als es seinerzeit die 'Lind. Agnes gethan hatte. Die vornehme, reiche Frau erschien bei allen 'Festen und Bällen, welche in der eopoldstadt stattfanden, und ihr Gatte sah es gern, wenn ein Schwärm von Verehrern 'sie umdrängte, wenn man sich um eine Tour mit ihr riß, wenn man sie mit'Complimenten und Aufmerksamkeitenüberhäufte. Er hatte feine Frau gerne, aber er war von solcher Eitelkeit, daß diese Liebe zu seiner Frau ihren Grund nur darin hatte, daß er sich saate: .Die Leute reden von 7Dir, weil. Du eine so schöne Frau yast!" Nicht dicFniu machte ihn stolz, sondern das Vewuntsein ibres Bessitzes. Deshalb war. er auch in .den stunden, da sie -nur seine Frau war, 'inden glücklichen Stunden, da sich zwei für vas even zusammengeketteteMenschen seelisch durchleuchten. Meinunaen iirnd Ansichten. Sorgen und Freuden, 'Befürchtungen '.und Hoffnungen ausujcyen. von großer. Kalte und Initteneiostgieii. Da sah ihn ja Niemand, da konnte ihn 'Niemand bewundern. Miemand beneidettl'Ershatte außer dem .auje Zerstreuung -genug, um sich über vke eere m 1 einem Herzen hinwegzu.täuschen. Wer sie! Die 'Agnes! In ihrer 'Seele steckte ein 'Eisberg. ' der sie mit Zaltem Schauer 'durchfrästelte. In ihr .Zing die Erkenntniß aufdaß Zuneigung. Sympathie. (Gefallen, Wohl'wullen und wie nU'die Surrogate heiPen.micht im Stande Wd, die Liebe zu seen, in ihrem Herzen stieg'. langsam, Kn mächtig ein Sihnen uuf,:ein Sehmenmach Wärme. mach Diebe.-nachSee-Zener,fchluß. Sie ffcrnd. cüber sie hatte micht gesucht, solche -unglückliche Vrauen brauchen micht -zu 'suchen. Der Herrgott will kein .Men rechne Hiebe, es daef kein LebQl istmt "Liebe geben, tm ses Sein Leben achtre Wärme gibt. KÄUe. Diebesleere, fctf iist der?Tod. Wiedu war ein Droßn Ball im Dlanascral. wieder tora lieLie BallkLnigrn, witder lächelte Meodor Dstermann doll Stolz, da seine Frau umschwärmt sah, umhuldigt Uon Jung und Wt. trat eiu ernster Mensch herein mit i'mtm mürrischen (Gesicht und crnn Aussehen, wie ein Pnsfessor. Er war auch Lehrer an der Schule zu St. LttPold mnd man sah tl ihm an, daß ihn nicht der Drang nach UnterHaltung in den Dianasaale getrieben Habe. Er war i Frack und weißer Cravatte, aber 'der Frack erinnerte c bis seligen Zeiten des Vormärz nd die Cravatte saß schief und war ungeschickt gebunden. Und tro'tzdem.sah der Mann nicht lächerlich au5. ZÜ dem Gesichte mit dein blonden, ziemlich ungepflegten Vollbarte paßt? das Alles besser, wie geschniegeltes Geckenthum. Darf ich Dir Herr Professor Theuer vorstel len, liebe Zlgnes! Ein Gelehrter, den wir zwingen mußten, den Äall zu besuchen!" sagte der Ostermann. Nun, boffentlich entsaädigt Sie der heutige Abend und läßt ?ie den Widerwillen bereuen, mit dem Sie hittherzelom-
men sind! sagte AgneZ mi verbind!! chem Lächeln. Der Professor machte ein mürrisches Gesicht und eine lwlische Verbeugung und fragte: Haben Sie Familie, gnädige Fru?" Ein reizendes Mädchen!" antwortete Frau Oster mann. Alle Kinder sind in den Auqen der Eltern reizend!" brummte der Prvfeffor. .Das ist auch erklärlich!" meinte Agnes. Wieso?- .Weil die Rinder zumeist den Eltern ähnlich sehen und Papa und Mama sich nur selbst Complimente machen, wenn sie ih Kinder loben!- Daran mag Äwas Wahres sein!' ' Die Musik ertönte, die Äallkönigin flog im nächsten Mmnente an Profes lor Theuer vorüber, 'der die Hand vor
'den gähnenden Mund hielt und schläf rig darüber nachdachte, 'wie Menschen m r. i .,11 oaranergnugen slnoen rönnen, gepugr und aufgedonnert herumzuhüpfen. Frau Ostermann Hatte eine Menge von Tänzern zu odsolviren, sie flog von einem Arme in tan anderen, ihr Gatte schaute voll Stolz aufffeine Agnes, die endlich erschöpft nuf den Fautenil sank und sich frische Luft zufächelte. Die gnädige ,Frau wird sich eine Lungenentzündung holen!" meinte der Professor, fürchten Sie Nichts! Sie verwahrt sich gut, wenn sie den Saal verläßt!" sagte Herr Ostermann. Mir kann's echt sein," brummte Theuer. So? Es wäre Ihnen gleichgiltig, wenn ich krank werden würde?" lachte Agnes. 3e? Professor schaute auf und schaute in ein Augenpaar, das ihm wre'chelle Sterne entgegenleuchtete. Er war verwirrt. Er konnte den. Blick nicht lassen von 'diesen Augen, aus denen der Glanz der Freude herausstrahlte. Schläft Ihr 'Kind 'jetzt?" fragte er herausbrechend. , Ich hoffe es! Aber warum fragen 'Sie immer nach dem Kinde" Weil ich:ein Lehrer bin! Ich denke immer an Kinder!" Sind Sie nur ein guter Lehrer oder auch ein Erzieher?" .Lehrer muß ich sein, der Erzieher möchte ich sein. Der Lohn und die innere Befriedigung des Erziehers ist größer! Wenn die Eltern fort 'sind, dann muß der Erzieher dem Kinde sie ersetzen Zum Beispiel, wenn die Mutter nuf denBall geht und ihr Lind zu Hause läßt? Nicht wahr, Herr Professor?" Der Professor war glücklich, .nicht antworten zu müssen.denn die Musik begann wieder und die, schöne Frau mußte tanzen. Er aber dachte an das Kind, an das reizende Mädchen zu Haufe. Professor Theuer wurde der Erzieherbes Mädchens. Die Frau hatte es gewünscht und .er 'war der Lehrer der Frau Ostermann. Das kam von selbst. Dieser merkwürdige Mensch machte einen mächtigen Eindruck auf die Frau. Sie fühlte sich gesättigt, wenn sie ein halbes Stündchen mit ihm geplaudert hatte. Er hatte tausend Bücher im Kopf, er erzählte ihr in wenigen Worienein Buch. Er war eigentlich ein unschöner Mensch, und da er auf sein Aeußeres Nichts .hielt, erschien er unvortheilhaft. Und doch freute sich Frau Ostermann auf die Stunde, da Profcssor theuer .kommen sollte, und wc.r betiüöt, wenn .er ging. Ein Stückchen vou der Leere in ihrem Herzen war ausgefüllt,, nicht durchLiebe, aber durch Freundschaft, .wieder durch ein unzulängliches .Surrogat, aber ein besseres, als die .lügenhaften Mittel, mit denen sie sich disher geholfen hatte. Der Professar belehrte ,sie, daß es nicht Aufgäbe 'Joer ,Frau .sein kann, eine Ballkönigm zu sein, sondern daß die Erfüllunz der .Mutterpflichten viel heiliger sei, dab'eine Frauverflichtet sei, ihrem Mann .den .Gehorsam zu verweigern, wenn er aus ihr Nichts machen wolle, alseine vielbewuttderte Frau. Dadurch zwinge :bic ,Frau ihren Mann, ihr die Achtung zu schenlen, wenn er ihr schon die Liebe versagt. Man kann sich eine Ehe öhne Liebe, cdoch nie eine Ehe ohne Achwng denken. Der Professor führte die Frau hochchinauf in reine Sphären höherer Denlungsart und neue geistig: Auichtskreise. eröffneten sich ihr. Agnes fühlte Märme in ihre Seele strahlen, sie sah '.ein .Glück vor sich, das jede Frau erreichen kann, ohne sich preiszugeben das Glück der Häuslichkert. das Glück, das das Bewußtsein verleib, von einem.Nebenmenschen verstanden zu werden. Eines Tages stürmteTheodor Ostermann zur 'Thür herein, bleich. ausVeregt, zitternd." Er hatte sein Vermögen verloren, er war ruinirt. Die Freunde flohen ihn, die lustigen Brüder, nät denen bis nun Mzecht, zuckten die Achsel, tx vergaß, baß cer ein W:iö, daß er ein Kind habe., .und erschoß sich. FrauOsiermann staub nllein da. Nichts war ihr Keblieben, aB der Freund, ver gute, häSiche, seltsame, aber edle, hingebungsvolleFreund. Er .wich nicht von ihrer Sritr er richkte sie &uf, er stützte sie. Die Anna war 17 Iah nlt geworden, sie war so schön, ro die Mutter einst gewesen, sie schaute nollBerehrung zu dem Prozessor auf. - Gnädige Jrau! Soll ÄH'die Anna cheirathen? Es ist ein Unsinn, der mir da durch den Llopf fährt, aber ich glaube, die Rechnung wäre doch klug, de.nn der Haushalt wäre gerettet!" Nein! Sie wachen sich und verzeihen Sie vielleicht das Mädchen unglücklich!" Gut! Gut! Sie haben Recht! Sie sagen Nichts davyn. Es war ein Un-sinn!-brummt der Professor und ging in seine Schule in du: Stadt, denn war an ein Gymnasium gekommen. Der Verkauf der Möbel, deö Schmuckes, der Toiletim setzten Frau Ostermann in die Lage, ein kleines Ge schäft ZU gründen, das sich raschenAufblllhens erfreute. Der Professor var der guteFreund geblieben, er führte die Bücher, er leitete die Correspondenz, er überwachte mit Ernst und Strenge die Gesch'äftsgebaruna und er verwaltete
die Gelder. Die Anna wurde täglich schöner, sie entfaltete sich zu einer duftigen Blume voll Zauber, doch die schweren Tage des Kummers, der stete Umgang mit den Kunden hatte ihr frühzeitig den geheimnißvollen Reiz mädchenhafter Scheu genommen. Ihr Blick senkte sich nicht, wenn ein Mann begehrend, flehend in ihr Auge sah. sie bewegte sich ohne mädchenhafte Zaghaftigkeit und entschlossen trat sie an die Mutter heran, um ihr zu sagen. daß sie liebe. Der junge Mann war weit über das Meer nach Wien, gekommen, um hier zu lernen. Der Zufall hatte ihn in das Geschäft geführt, zu dessen Stammkünden er zählte. Die Mutter machte lhre Entscheidung von dem Professor abhängig, der Professor von den Erkundigungen, die er einziehen wollte. Dieselben fielen befriedigend aus und Anna Ostermann heirathete den Amerikaner. Sie folgte dem Manne ihrer Wahl und ging mit ihm nach der neuen Welt. Frau Ostermann und der alte Professor waren allein. ' Und was soll aus mir werden?" meinte sie seufzend. Die Anna sehnt sehnt sich nach mir und verlangt nach mir!" Sie müssen hinübergehen zu ihr. Sie sind die Mutter!" Und Sie. lieber Freund!" Ich bleibe hier. Wir bleiben gute Freunde. Die Freundschaft kann man auch bewahren, wenn Meere die Menschen trennen!" Wenn das wahr wäre! Wie glücklich wäre ich!" Auf mich können Sie sich verlassen. Und dann Amerika ist nicht gar so weit ! Frau Ostermann. die einstige Ballkönigin von der Leopoldstadt, packte ihre Sachen, verkaufte ihr Geschäft und zog zu ihrer Tochter. Bor ewigen Wochen hat sich der Professor Theuer pensioniren lassen. Er hatte sich seinen Globus genommen und war mit dem Finger rasch über das Meer gefahren, über den großen Atlantischen Ocean, und war in einer Secunde in New Jork gewesen. Das that er ost nnd oft und fühlte sich wohl dabei. Aber endlich packte ihn Etwas wie Sehnsucht, wie Bangigkeit, und er dachte, es sei besser, wenn er einmal die Tour in Wirklichkeit und nicht nur symbolisch machte, und so hat er's auch gethan. Heute ist der alte Professor schon drüben und weilt glücklich bei seiner Anna nnd bei seiner Freundin, die nnr seine Freundin, seine gute, liebe Freundin war, was auch die Menschen darüber gesprochen haben und weiter reden werden. Jas ßsclchcn. Eine Geschichte aus Slavonien, von M. Noda.Roda. ,Jmbro Romich heißt im Munde aller Welt das Eselchen", weil er ein gar so guter Kerl ist. Eselchen aber heißt auf ungarisch Csacsi". Also bedeutet Esacst auf Puszta Jlenci so viel aber so wenig, wie Jmbro Romich. Csacsi!" schreit das kleine Fräulein Soka von Romich durch die Thür ihres Cousins, steh' auf, es ist dreiviertel Neun." Zur Verstärkung des Alarms stampft sie einige Male fest auf. Gleich gleich!" töut es verschlafen zurück. Soka läuft hinunter in den- Salcn, wo ihr Papa mit allen Zeichen der Ungeduld, in mächtiges Gebetbuch in den Händen, seinen Neffen erwartet, um im Kreise der Familie den sonntägli chen Kirchengang anzutreten. Wo ist Jmbro?" fragt er mit grollender Stimme. .Gleich ist er da, Papa antwortet die Kleine und lächelt halb verschmitzt, halb boshaft. Wir haben ja noch Zelt." Oben in seinem Zimmer ist Jmbro aus den Federn gesprungen und an den Waschtisch gestürzt.' Er thut ewen flüchtigen Blick auf die Uhr. Wenn er sich .rasend" eilt,. kann er dem Donnerwetter seines Vormundes und Onkels entgehen.' So nun die Stiefel sagt er zu sich selbst. Er fährt in den Linken nnd zieht ihn im nächsten Moment erschrocken wieder aus. Von seinem Fuße träufelt eine goldige, dickflüssige Masse. Dec Teufel wie kommt Honig in meine Schuhe?Jmbro schie-ßt zum Kasten. Der Schlüssel fehlt. Er versucht den Kasten mit den Fingernägeln zu offnen naturlich vergebens. Verzweifelt zieht ex die süßen Schuhe an und tritt resolut nf Angenehm ist es nicht, aber es geht.' Jmbro!" ruft sein Onkel und Vormund zornig aus dem Parke. Jmbro reißt das Fenster auf: Ich komme, nur noch den Rock . . . !" Mit beiden Armen fahrt er zugleich hinein und bleibt stecken. Er suchtelt wie ein Tobsüchtiger herum, aber durchkommen kann er nicht. Unten rollt ein Wagen. Da fahrt nun Soka an Papas Seite der Kirche zu fröhlich und unbefangen, als hätte sie nicht ihrem unglücklichen Cousin und Verehrer Honig in die Schuhe gegossen und die Rockärmel zugenäht. Und Csacsi sitzt da und weint beinahe. Der Pfarrer spricht gerade das Vaterunser als Csacsi in die Herrschaftliche Kirchenbank eintritt. Roth, erhitzt und verlegen. Er hört auf demNUckwege die Pauke Onkel Nomich'S ohne Widerspruch an. Was soll er auch sagen? Er kann seine Cousine doch nicht verpetzen" ? Im Hause angelangt, suchte er sofort sein Zimmer auf. Soka eilte ihm nach. 'Geht sich's gut in Deinen Schuhen?" fragt sie mit heillosem Lachen. Er schaut sie nur still an. Da legt ihm Fräulein Soka beide Arme um den Hals, schmeichelt und küßt ihn:
.Nicht wahr. Csacsi. Du bist nicht i
böse? Es war solch' ein schöner Spaß!" Und Csacsi ist richtig nicht böse! Auch dann nicht, wenn ihm der Wildfang Mehl auf's Kopfkissen stäubt und ihm demzufolge Morgens statt eines hübschen, brünetten Jungen ein Müllerbursche aus dem Spiegel verdutzt entgegenschaut. Auch dann nicht, als sie ihn beim Schwarzen Peter" statt mit der ge brannten Mandel mit blauer Anilinfärbe tatowirt. Csacsi ist nicht nur nicht böse, er betet seine grausame Cousine sogar an. Er ist eben ein richtiger, echter Csacsi", gutmüthig, geduldig bis zur Unvernunft. Als er von Hohenheim, der landwirthschaftlichenHochschule, nach Hause kommthält ihm der alte Romich folgende Rede: Mein liebes Kind, Du weißt, wenn ich sterbe, wirst Du Majoratsherr. Soka bekäme einen sehr geringen Antheil meines Erbes. Du bist ein guter Junge und siehst ein, daß mir das nicht recht sein kann. Schau, wenn Du die Soka heirathen würdest, so wäre die Sache ausgeglichen, nicht wahr?" Csacsi wird sehr roth und sagt zitternd vor Glück und Jubel: Ja!" Soka wird gar nicht roth und sagt such Ja!" Den Csacsi heirathen? Ei, warum denn nicht? Die Sache ist gar nicht aufregend. , Am selben Tag noch versteckte sie ihm den Zwicker und freut sich unbändig, ls der arme, kurzsichtige Csacsi das Stubenmädchen statt ihrer umarmt. Höre. Jmbro," sagt Herr von Romich, da schreibt mir mein Freund Kondorossy, daß Du sehr gern auf ein halbes Jahr zu ihm als Volontär kommen kannst. Er schickt dafür seinen Geza zu uns. Dort bei ihnen in rerSomoqy kannst Du Etwas lernen!" Onkel bittet Csacsi flehend, muß es denn gerade jetzt sein?" Jetzt, geht," äfft ihm Romich nach. Zum Donnerwetter, Junge, Du willst doch nicht etwa bei der Soka sitzen und Süßholz raspeln? Werdet Euch noch satt genug bekommen!" Der Neffe wagt keinen. Widerspruch und packt betrübt seiüen Koffer. Du schreibst mir aber, liebe, süße Soka?" sagt er in der Abschiedsstunde. Du schreibst mir alle Tage, nicht wahr?" Soka zieht ein Mäutchen. Alle Tage? Das glaub' ich nicht. Jede Woche aber bekommst Du sicher einen Brief von mir!" Mit stiller Wuth im Herzen stellt er in Jstvanhaza seine Betrachtungen an über die Somogyer Landwirthschaft: Ach, Du lieber Gott diese Simmenthaler Rinderrace meine süße Soka hat auch nur vier Füße wie bange ist mir nach ihr und zwei Hörner. Was lerne ich Besonderes hier, wenn Alles ganz so ist, wie bei uns zu Hause? Onkel Romich dieses Pferd da ist hübsch, verlohnt sich aber nicht, zu züchten ist ein grausamer Tyrann! Das JorkshireSchwein ahnt Nichts von der Liebe Sehnsucht ist doch das einträglichste meine herzige Braut frißt gut und wird leicht fett Gott wenn schon ein Brief da wäre!" Das ersehnte Schreiben trifft ein. Es lautet: Mein lieber Csacsi!
Was soll ich Dir schreiben? Mir ist bang nach Dir! Deine Soka." Die folgenden Briefe sind dem ersten ganz ähnlich. Onkel Nomich schreibt ihm öfter. Seiner Rückkehr jedoch ist er für's Erste abgeneigt. Endlich schlägt die Erl'ösungsstirnde. Csacsi reist mit klopfendem Herzen nach Hause. Er will Soka überraschen. Allein geht er durch die Stoppelfelder vom Bahnhof dem Castell zu. Der Septembersonnenschein liegt breit nnd warm auf den Fluren. In schimmernden Silberfäden zieht der AltWeibersommer durch die Luft. Am Parkthore biegt Csacsi als hätte ihm''s sein Feind gerathen ab, und schreitet der dunklen Jasminlaube zu. Ein glückliches Lächeln spielt um seinen Mund. Gott im Himmel, jetzt wird er seine tleine Soka wiedersehen! Er tritt ln die Laube und steht wie vom Donner gerührt. Da sitzt ein fremder Mann bei Soka und hält den Arm um ihre Schulter geschlungen. Csacsi!" schreit sie auf, als sie Jmbros ansichtig wird. Im nächsten Augenblick hat sie seinen Nacken umsaßt. Csacsi. liebster Csacsi. nicht wahr. Du bist nicht böse? Ich habe den Geza Kondorossy gar so lieb." Und als er schweigt und sie nicht umarmt, nur so vor ihr steht mit schlaff hängenden Armen, bettelt sie von Neuem, wie sie schon als Kind gebettelt: Nicht wahr, Csacsi, Du bist nicht böse?" Da schüttelt Jmbro stumm den Kopf. , . Ach. Du bist noch der alte, herzige Csacsi!" jubelt sie. Geh' jetzt geschwind zu Papa, er wird sich sehr freuen, Dich zu sehen." Und er ging geborfam. Zwar nicht zu Papa, aber er ging, da er fühlte, wie überflüssig er war. Im allerverstecktesten Winkel des Parkes kauerte er sich nieder auf einen Baumstamm und weinte . bittere Thränen, der arme Csacst! F e r m. Fräulein (aus der französischen Schweiz zurückgekehrt): Ich spreche jetzt französisch wie Wasser." Studio: Und ich, Fräulein, lateinisch wie Bier!" Ein gutes Weib. Du fährst ins Bad und läßt DeinenMann allein zu Hause?" Nun. ich werde ihm die theure Badereise doch nicht theurer machen!"
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Avesstnische Araucn. So traurig 'auch in der Schlacht b:i Adua das stolze eryträische Abenteuer der Italiener geendet hat. es wird ein für alle Zeiten geltender Gewinn für die Culturwelt bleiben, daß mit diesem unternehmen der Schleier gelüstet wurde, der bis dahin die Alpenwelt Aethiopiens unserer Kenntniß verhüllte. In dem Wunderlande, das sich vom Meere und aus der Tropenwelt der tieferen Regionen bis in die ewig vereisten Einöden der Gletscher und Firnen erhebt, lebt auch ein wunderbares dunkles Volk eigner Art. das in seinem Wesen, seiner Kraft, seinem Heldenthum und seinen Gewohnheiten vielfach an die alten Germanen erinnert. Der Abessinier lebt im Gebirgslande und ist ein Anderer als der Araber, der in den ebenen Landstrichen angesiedelt ist, die auch dem Scepter des Negus Menelik und seiner Lehnsleute gehorchen. Der Abessinier ist vor allem Krieger, die ganze Landes- und Gemeindeverfassung ist auf der Kriegsordnung aufgebaut und wie bei den alten Germanen ziehen Weiber und Kinder mit in's Feld, und die Frauen decken mit ihren tapferen Leibern die Wagenburg des Lagers. Gleich den alten Germanen trinkt der Abessinier den Meth, gegorenen Honigsaft, und trinkt ihn us dem Horn und trinkt immer noch Eins. Gleich den alten Germanen hat der Abessinier seineBarden, welche ihm die Heldengesänge singen, ehrt und liebt er sein Weib und genießt in Ruhe ihre Dienste und ihre Treue. Und doch haben auch derOrien! und die Gluth der Tropensonne nicht blos die Haut dieses mächtigen AlpenVolkes dunkel gefärbt, sondern auch ihren Sitten wieder besondere Eigenart gegeben, namentlich jenen Sitten, die das Wesen des Weibes bestimmen. Die Abessinierin ist nicht die verhüllte, mißtrauisch bewachte Sklavin "des Mannes, wie bei den Muselmanen, sie ist seine verehrte und heiß begehrte Gefährtin. Aber sie ist es anders als es der Sittenbegriff , der Europäer meint. Der Abessinier kennt zwei Formen der Ehe, die feierliche Eheschließung und die freie Bereinigung. An der feierlichen Eheschließung Kalkidan" nehmen die Familien derBrautleute Theil, Verträge über das Vermögen werden abgeschlossen, die Hochzeitsgeschenke sind durch Gebraich vorbestimmt, die Priester walten ihres Amtes, und die Hochzeitsgelage vereinigen durch eine Woche und drüber die Gäste zu trunkenen Schmausereien, zu Liedern und Tänzen. Auch diese Ehe kann aber mit den nöthigen Förmlichleiten, welche hauptsächlich das Vermögen betreffen, wieder gelöst werden. Die andere Ehe bedingt keinerleiFörmlichkeit: Die Frau zieht zum Manne, und die Ehe ist geschlossen und gilt darin unterscheidet sie sich von der wilden Ehe" Europas als Ehe. I Die Frau m solcher Ehe ist ebenso geachtet, hat dieselben Rechte und Pflichten, wie die förmlich gcheirathete. und in allen Fällen hat der Mann für seine Kinder zu sorgen; sie gehören ihm und sie fallen ihm allein zur Last, wenn er auch von der Frau sich scheidet. Mit dieser einfachen Ehegesetzgebung ist der Abessinier der zärtlichste, pflichttreues Gatte, ist die Abyssinierin das hingebendste. treueste Weib. Freilich braucht keiner die Treue zu brechen, da für keinen ein Zwang besteht, die unwillkommeue Ehe fortzuführen. Nur ein sittlicher Zwang besteht durch die Kinder, welche die Frau verliert, der Mann behält. Männer und Frauen lieben d:nTanz und tanzen mit Leidenschaft und Grazie nach den rhythmischen Klängen des Tambourin. Ihr Liebestanz wird fast zum Drama. Die Frau stellt sich in die Mitte des Kreises, den die Zuschauer bilden. Ein Jüngling nähert sich ihr und erklärt ihr in wohlgesetzter Rede, mit Vergleichen und Bildern seine Liebe. Ein Zweiter meldet sich und sucht in seinen Betheuerungen den Ersten zu übertrumpfen. Die Frau aber, sich auf den Beinen und in den Hüften wiegend, deutet durch Mienen und Bewegung den Eindruck an, den die Werbungen auf sie machen, erst furchtsam, dann erstaunt, dann wohl auch mit würdevollerEntrüstung. dann schalkhaft, bis endlich das Spiel mit dem Siege eines der. Tänzer endet. Die Tänzer aber gehen in der Rede von der Liebe zur gegenseitigen Beschimpfung, Bedrohung bis zum Ringkampfe über, in dem wohl auch Blut fließt. Aber nach dem Tanze sind die Rivalen wieder die besten Freunde. Der Tanz ist ein Spiel zu Ehren der Frau. DieAbessinierin ist von ihrem zwölften Jahre an vollkommen entwickelt und in ihren häuslichen Pflichten, die ernste Arbeit fordern, wohl bewandert; sie kann kochen, waschen, weiß auf d.em Felde und im Stalle Bescheid, kann den Meth ansetzen und kennt die großen und kleinen Künste des Putzes, den Werth des Scamuckes. und wie er zu tragen ist. Die Abessinierinnen haben regelmäßige Gesichtszüge und wunder--sam ' schöne Gestalten, die in ihrem Ebenmaße an die Wunderbilder eines Phydias und Praxiteles erinnern. Im Alter von 30 Jahren sind ste freilich schon meistens verblüht. Die italienischen Officiere. welche während der zwölf Jahre vor der Schlacht von Adua in Erythrae garnisonirtcn. sind vielfach mit Abessinierinnen die Ehe in der weniger strengen Form eingegangen und ihre Gemahlinnen wurden von den feierlich verheiratheten Eingeborenen als Ehefrauen vollständig respectirt. Wenn sie in ihren bunten Kleidern mit den Spangen aus Silber um Arme und Füße und mit den grellrothen Schirmen auf den Maulthieren saßen und, begleitet von bewaffneten Ordonnanz - Soldaten, ihre Besuche bei Freundinnen machten, so galten sie als Edelfrauen und ' verloren c-S
nichts an Achtung, wenn die Ehe ge schieden war, weil der Eheherr nach Europa zurückkehrte. Wäre es nach den abessinischen Frauen gegangen, die Italiener hätten nie Anlaß gehabt, ihre afrikanischen Wünsche zu beklagen. Eine rübmende Vrobe weiblicher
Gesinnungstrene erlebte der Lieutenant Maressotti nach der Schlacht von Adua. Er war in der Schlacht mit einer kleinen Gruppe vom Gros abgeschnitten und von einem Ras. der ihn mit hundertfacher Uebermacht umzingelte, gefangen genommen und weggeführt worden. Abends kamen sie in einen Ort, wo ihm der Ras eine Hütte und den gefangenen Soldaten LagerPlätze anwies. Als sich Lieutenant Maressotti eben niederlegen wollte, trat ein schönes adessinisches Weib in die Hütte und sagte zu ihm in gutem Italienisch: Ich habe längere Zeit in Asmara gelebt und den Italienern ein freundliches Andenken bewahrt. Ich will Dir meinen Namen nicht nennen, aber ich will Dir sagen, daß mich das traurige Schicksal schmerzt, das Euch betroffen hat. Nimm das als Andenken an mich." Sie gab ihm ein Gebetbuch und verschwand. Der Ras geleitete am nächsten Tage seine Gesängenen weiter und entließ sie frei auf der Straße nach Adikaleh. Dort erzählte der vom Glücke so begünstigte Officier sein Abenteuer und die Kameraden erinnerten sich. Das war die schöne Amerasch, die vordem Gattin eines italienischen Officiers gewesen und dann auf einmal verschwunden war. Sie aatte nachmals den Ras geheirathet und diesen nun zur Milde gegen die Italiener gestimmt, in deren Mitte sie früher gelebt. Sichere Ucverführung. Wenn bei Straßenkrawallen die Polizei vorgeht, um sich der Thäter zu bemächtigen, kommt es meist erst zu noch größeren Ausschreitungen, und schließlich werden doch nur Unschuldige und Mitläufer festgenommen, weil die Haupthetzer und Krakehler sich noch zur rechten Zeit aus dem Staube machen. Das ist eine alte Erfahrung, welche auch Färbermeister Bläule in seiner Vaterstadt mehr als einmal miterlebt hatte. .Ich," sagte er, wenn ich Bürgermeister wäre, mir käme keiner von den Schuldigen ungestraft davon!" Plötzlich wurde er Bürgermeister. Und bald darauf gab's auch einenKrawall einer Kleinigkeit wegen, weil nämlich die Straßenbeleuchtung infolge schlechten Brennöls seit sechs Wochen nicht funktionirte. Unzufriedene und Uebelwollende rückten in hellen Schaaren gegen das Rathhaus an. Sie stürmen das Haus, jammerten die Stadtväter und wir erwischen noch dazu Keinen von ihnen!" Nur Bläule lächelte. Er hatte in aller Stille hinter dem Rathhausthor die Feuerspritze auffahren lassen. Plötzlich flog das Thor auf und. ehe noch ein einziger von den Aufrührern entfliehen konnte zischte ein kräftiger Strahl mitten unter sie hinein. Und am anderen Tage saßen sie alle bis auf den Letzten hinter Schloß und Riegel. Die Polizei hatte ja ein leichtes Spiel; denn das, womit der Bürgermeister die Spritze hatte füllen lassen, war ein solides, dauerhaftes Pariserblau gewesen, das Jeden unleugbar kennzeichnete. Seitdem hielt es Bläule immer so, und stets mit dem gleichen Erfog. Ja," lächelte er oft. findig ist gut -aber Pariserblau ist noch besser!" Gedankensplitter. Glücklich ist eigentlich nur der. wel cher mit Geschick zu entbehren versteht. Mancher tröstet dich so, daß dir dem Unglück dann noch größer erscheint. Wer erst anfängt im Alter zu fparen. gleicht demjenigen, der erst beim Brande seines Hauses an die Acrsicherung denkt. Die Extreme berühren sich, drum weint der eine vor Lachen und dcr an dere lacht vor Wuth. Die Lüge wird gedeihen allezeit, Sie braucht nichts weiter als ein schönes Kleid, Doch will die Wahrheit sich des Lebens freu'n. Muß sie gezanpert und gewappnet sein. Wer Mangel gewohnt ist, hat bald Ueberfluß, wer Ueber.'luß gewohnt ist, hat bald Mangel. Viele schreiben, weil sie in der Tinte sitzen; viele kommen in die Tinte, weil sie schreiben. Jmmerderselbe. Der berühmte Chemieprofessor Kalimeyer hat :... offfr:fi s.?nf . die schließlich in Thränen ausbricht. -4'uhc4 lutyi'CIl lUiLj iliiat," sagt er nach kurzem Nachdenken, denn was enthalten sie? Eine unendlich geringe Menge von phosphorsaurem Salz und eine Spur von chlorsaurem Natron! Alles andere ist Wasser!" In der Kunstaus st tU lung. Frau Kuhlicke: Du.' Alter, was ist denn das da für'n blutiges Bild?- Schlächtermeister Kuhlicke: Die Ermordung Cäsar's!" Frau Kuhlicke: Gott! Von Cäsar's Ermor dung höre ich ja das erste Wort. Davon hat ja noch gar nichts im LokalAnzeiger gestanden.Unbewußte Selbstk r i t i k. Student (vollständig beduselt, im Restaurant vi tiuvx Spiegel stehend): Zum Donnerwetter! Wa5 ist denn d5.s da wieder für ein Esel, der mich so anglot? "
