Indiana Tribüne, Volume 22, Number 151, Indianapolis, Marion County, 19 February 1899 — Page 2

Kochzeitsreisende. Von V. Rittweger. Schlafwagen gab's noch nicht cmf der Strecke, als ich die Reise zu meiner Hochzeit antrat, aber mir war deshalb

der Gedanke an die Nachtsayrt vom Norden Deutschlands nach dem Süden doch nicht unangenehm. Ich war jung, gesund und glücklich, und ich hatte ein Ziel vor Augen das schönste Ziel, welches mcrn sich senken kann: nach ein, jährigem BaMand sollte ich in dru Tagen das Mödchen heimführen, toä ches mein ganzes Herz 'an sich'genomen. ein Mädchen. ju?z wie der Frühling. fröhlich inie die Äerche, schön wie die'Rose! W hätte mich da die 3teä)U fahrt störe sollen! Nicht einmal. dc& ich, nufSihatten durch eine Lanze R,ihe unvorhegesehem Zufälle, erst im letzten Augenblick zur Bahn kam. biß ich mir 5elbst ein Coupee aufreißen muhte, und daß ich nicht allem war.Zoie ich mirls wohl gewünscht hatte, nicht einmal das störte mein Wagen. -Und der G:dcmke. daß mein plötzliches Eindrwpen vielleicht ander? Leute Poren könnte, Ut Um mix H5? nicht. Da alte iax, welches Ich vorsah liafc intern Älteres man pcher uicht'-mehr driauf versoffen, allem miteinari'der zu .' bleiben. So dacht' ich, meine Reisa.enossen zaufternd. Gin Hn. vielleicht fünfe'te, etwas juer, twfcs ält. das war nicht zu bestim ?n, breitultriz, mit grauweiß 3ixr lirtem Vollart und' lebhaften dunklen Augen. S:ine Fiax, eine zartem blqsft -Erscheinung, mit troas müden Zügen, J)ie Spun großer Schönheit zeigten, cr Teisi! welk. riber die Augen, &ie igroßen ttauen A'gen, noch strahlend aind hell. Die JSseidunaund das Gepock 33 ?paares, zeugten Won bestem Geschmack ich befand mich offenbar in nobler lGesellschaft. Wir störten uns nicht nch hatte beim Eintreten gegrüßt itrn ! höflicher Gegenzruß war mir genrlden. .und nachdem ich meine ÄeisezeTvossenzzenügnis betrachtet, drückte ich :mlch.,n die Ecke und versuchte zu ischlafen. iil&et es ging nicht. Die ßm- ' gung ter Abreise und der Gedanke .an mein Ziel ließen mich nicht zur 'Nuhe. kominrn. Und dann &as '5lZaai dort in' der entgegengesetzten Ecke .flüskrte jetzt fortwährend zusammen. S!esaßen. ng aneinandergeschmiegt, :unb'idi Dame hatte ihre Linke unter denLlrm des Herrn geschoben, und .ihre .Hände hielten sich fest umkkanmt. Bisweilen lachten die Beiden, nd daBeinschienen sie sich zu verjüngen, mnd .jetzt ich hatte es immer unsäglich komisch gesunden, wenn alte 2uittM zärtlich miteinander waren, sber als jetzt man glaubte mich wohl .schlasend der Herr die Hand sewerGefährtin an seine Lippen zog und .schier indächtig küßte, da konnt' ich nicht la chen : es sah so rührend aus, .wie er daöek auf den schmalen blonden .Kopf .an semer Seite mederschaute! '.DieJSiunbcn gingen hin ich .fand eine.,Ruhe. Die beiden Menschen in--.teressirten mich zu sehr. Ich hatte J6i3 '.dahin, niemals und habe in meinem .späteren.Leben nicht wieder so die Liebe 'uf.'zwei.Gesichtern leuchten sehen, .als ! damals bei den zwei.Menschen. And idiese Sorgfalt, mit der der Mann .seiner Frau den Aufenthalt in dem mengen Eoupe angenehm zu machen suchte, w .er. immer nieder ihr Decken und wissen -zurechtlegte, und wie dankbar sie hin Wann anschaute! Und wenn sie wieder be:emander faßen, dann schob sich so--fort .ihr.Ärm in den seinigen, und ihr .Kopf.schmiegte sich dicht an seineSchulieni. Wahrhaftig, die Beiden geberde:ten sichal? wären sie auf derHochzeitSueise! Emmal-aUf einer Station, ros miser Ämz , fünf. Minuten Aufenthalt hatte. stieg der, Herr aus, um . eine Flasche Welters -zu. besorgen; die Dame wollte mit, 'abeiktt duldete es nicht, eS sei so lühlidranen geworden, rief er ihr zioch zu. Oa-aeneth sie nach semer EruferZiung . in i fieberhafte Unruhe, und sls niied in Sicht kam, stieß sie linen StuTztr'Jbtr Erleichterung aus. Die Äachtr rückte vorwärts, und als der .Kopf dderDsme ein paarmal abwärts gesunken war, als die Läder wieder .und.Meder über die jcfci so müde blickenden Augen gefallen, da ti heb sicherMann und bereitete auf bei Qnberen .Bänke ein .bequemeres Lager. Nach einigem Lögern und Sträuben und mm entschuldigenden Blick cns mich, streckte sich seme Gattm enölich Qus.zmdt,estd.2r.te nicht lange, so derriechen .ihre regelmäßigen Athemzüae. daß Se .fest .schljes. Nie werd' ich den Hl SnmwlStn Blick tiefster, innig ster ZäÄlichkeit.::mit dem mein Reisegesahite Die schlafende anschaute. Wieder wureine Zeit veraenaen. als ' der Zug Mtzlich.mltten im freien Feld hielt, .vlaubtm wir m der Nähe einer Statis'n M.sei und nahmen an, vir könnten z?ur?nicht. sofort einfahren. Ner oalv wAiden.wtr,elnes anderen be Itfä. Der Lugführcr meldete den Pcssagieren, daß ein, Schader an der Lomotive en5 standen, fä, undaß wir uns mindestenZ zwer.Swnden aedul de müßten. Zwei Stunden! Ich war auße? mir. Win Acisegefährte. mit dem jch be! dem plötzlichen Aufenthalt in's Gespräch gekoWn'en war, slN7ie seine Göttin behielien chre vslle Ruhe, aber ich räsonnirte dsL Blaue v,m Himmel Zerunter. Zwei Wunden Aufenthalt - dans. würde ich ttn Anschluß ist B. nicht mehr erreichen, und dann würde ich einen ganzen Äag 12 Ewnden später an mtn3 gelangen! Es war unerhört. Ich voürde mir das nicht gefallen lassen ich würde die Bahn, Verwaltung vertlaaen ich müsse den Anschluß' erreichen man müsse mir einen Extxszug stellen in dm Ton schimpfte iq weiter, gan) außer !:;ir vsr Zorn,

Da schien'S mir, alS ob über d'aS Antlitz deS Fremden ein ewas spottisches Lächeln glitte, und ich. gekränkt, wie ich mich ohnedies s'chon füylte, rief ihm zu: Lachen Sie nur, lachen S nur, mein Herr. Sie können's vielleicht tu hig nbwarten, aber ich ich bin aös d?c Reise zu meiner Hochzeit, und ich ra'öchte den Mann sehen, der es ruhig ertrüge, wenn ihm ein Aufschub von zwölf Stunden zugemuthet wird. mchdem er sei? Braut ein ganzes Jahr lang nicht gesehen hat. Ein 'ganzes Jahr lanzl-

Mit diesem Knallestett itte ,tfD mein Zrrn wohl schöpft; dch fchwieg und sak den runden auffordernd an er wußte mir doch sicher nunmehr sein öefstes Milgesuhl u erkennen geben. Aber ich wartete vergeben; darauf. Er vechselle' vielmehr mit semer Frl einen langen Blick sie lkchelten jetzt Beide Anklagte:. Liebt's Herz, Du bist ruD. lomm',. -verschlaf' die 3ert des WrrtenL,; ich. gehe zwischen tarnfan AM und. her. Mich verlangrs ?Ulch frisch Luft, .und vielleicht" 'jetzt wandte ' sich s?u. mir .leistet mir der ingeHerr dabei Gesellschaft." Ich Derbeute mich zustlmmenv, unr ?die Dme gab ihr Einverständnis Z m . cm lt. eriennrn. acyvn lann u) wieder bensv .soxalich,-wie vorher, da Lager kkreitet Hatte, drückte er ihr zart lich die. Hand, und dann verließen &ir das Qoupe. Eine helle, kalte Nacht umfing .unZ -zahllose Sterne glänzten om . reinen Himmel und wohlig ha von berührt,! fühlte ich, wie mein Aerger'zschwand; ich' wandte mich an en Httrn..i.hm.fürdie. freundliche Au.f.forderuzrg dankend. Ein Wort gab 4ras and'ere.mndnach einerWeile begann er: .Sie meinten vorhin, junger Herr, Sie .möchten einen Mann fehen. ders ruhig t ertrüge,. wenn sich nach einer Trennung von . einem Jahr das Wiedersebenmit.der Braut um einen 2ag verzögerte. Nun, sehen Sie mich an, ach und .meine. 5?rau. wir sind dreiundZwanzig Lahre. lang verlobt gewesen , - . '-i mno.naoen unsan oer öcu nicyi ein einziges . Malgesehen! Und jetzt .sirl :wir.Quf'der.,Hochzeitsreise!" .Ah- . so entfuhr mir's .also' '.darum dann, hielt ich stockend inne. ; .Mein Gefährte lächelte. ' .Fahren . S:e nur rühm fort, ?un?er' .Herr . ich kann mir denken, was sie! ,fqgm : wollten: Also darum geberden ; Lbic zwei alten.Leute sich so verliebt, wie -junges LZolk.i. welches das Recht !dazu hat von jeher.- Glaub's gern, daß Su sich gewundert haben über unsere Zärt-' lichkeit; ich. sah's ja und lächelte .im Stillen, darüber. Nicht wahr, ich Habe Äecht?" ...Gemißt erwiderte ich. Schen Sie,. ich dachte überhaupt nicht, erzeihenie meine Offenheit, daß man .in .älteren Tagen noch so miteinander verkehren lonnte ich meinte, diese .Gefühle und die Art, sie zu äußern, seien nur.der. Jugend eigen. Es ist nür Zanz .neu,. mir, da ich selbst noch jung äin. uiid:der. ich ein holdes junges Wesen lliebe. eben um seiner frischen Jugend i willen, daß dse nicht unbedingt er forderlich ist zu einem Gluck, wie Sie und Ihre Frau Gemahlin es zu fühlen scheinen. Aber fo schön finde ich'L. 'so .tröstlich," daß dieses Glück nicht zu?cr.rauschen. braucht mit den Jahren, .daß .man noch jung sein kann in grauen .Haaren! .Aber nun, nachdem Sie .mir so .viel, gesagt, bitte ich Sie noch aim eins: erzählen Sie mir, wie es gekom.men.daß Sie einen so langen Braut.stand hatten, wie Sie das ertrugen. .Ich darf, nicht daran denken, daß wir, .mein Bräutchen und ich. noch wolf Swnden. länger auf das Wiedersehen .warten müssen, daß wir unsere Sehn.sucht.nochso lange bezähmen sollen und ie. haben eine Trennung non .vielen Jahren ertragen! Wie war das mur .möglich?" L)er.Herr. lächelte wieder, aber ic3 war, nls wenn daö Lächeln von einem Brautschleier, bedeckt sei, es war ein wehmüthiges .Lächeln. Er warf einen Blick .nach dem Coupe, an welchem wir eben .tiorüberkamen, einen Blick M itht ittti) Sehnsucht, dann hob u .ar: .Warum.soll ich's Ihnen nicht erzählen? Es ist ja kein Geheimniß und meine.Frau.nzird nichts dagegen haben ist. eben ein Stück Menschenschick,sal. .wasSie hören werden. Also: Ich war .ein ..armer. Teufel in meiner Jugendund betrachtete es als ein besonderes Glück, daß es mir, nachdem ich meine Lehrzeit bei einem Kaufmann in meiner.kleinen Heimathsstadt absolvirt chatte aind auch noch niehrere Jahre lZ Commis bei. ihm geblieben war, geIlang, ine .Stelle im Geschäft eines Hamburger. Großkaufmannes zu erhaltey, j&ictch Vermittlung meines seithe ilLen Chefs, der mir sehr gut gesinnt Nar. Ich hoffte, in Hamburg recht niel lernen und eö auf diese Art zu etwas bringen zu können. Der Kaufmann ohne Mittel muß doppelt strebsam sein. Ich. war pünktlich im Geschuft .urcd . benutzte, meine Freistunden zu mein weiteren Ausbildung in fremden Sprachen , und zurLection gu in Bücher. Mein Principal zog uns Mge Leute .aus ;dn Geschäft ab und zu in sein .Haus, .nur bei gewissen ossiciellen Festlichkeiten nicht zu intime xtm Verkehr natürlich. Aber doch genügten diese seltenen Gelegenheiten, daß ich die jüngste Tochter des Dauses leimen und " li.eben lernte. Und sie sie erwiderte -meine Liebe! Einzelheiten will ich Ihnen nicht berichte Liebesgeschichten sid ja doch immer dieselben; ich zneine hxt Art. wie zwei jnnge unverdorbene Menschenkinder sich finden. Die ist immer gleich. Ich war so jung damals mit meinen vierukdzwanzig Jahrm, und so hamlos! Ich fühlte, daß ich Tüchtiges leisten konnte, und ich ging, nachdem mir Emmi gesagt, sie sei mir gut. schlankweg zu ibrem Vater die Mutter war schon seit Jahren todt und ba! u ihre Hand. -Ich Thor!

Erlassen Sie mir ! Schilderung deö Auftritts, den duse Werbung hervorrief. Wahrlich, wäre eö nicht Emmis Vater gewesen, ich hätte den Mann zu Boden geschlagen. Aber so konnt' ich's nicht. Ein Linnp war ich, ein Nichtsnutz, in Bettler ich solle mich zum Teufel scheenn ach Gott, was mußt' ich ören. Und dann, zum Schluß, als d erste maßlose Wuth des Jähzorn; gen sich gelegt, die hohnenden Worte: Ivenn ich ein Milliona? sei. wmn ich seiner Tochter eine Ezistenz bieten könne, die ihrer jetzigen Lage entsprechend sei, dann solle ich wiednkommen, und dann wolle er 'mir Em:nis Hand nicht länger Verwesern. .Ich sah Eiarni inach diesem , Austritt noch einmal, nttd wir gelobten uns Trrue. und dann ging ich nachAmertta. Ich hoffte, e 'dirt eher -zu etwas zu bringen. Einen Briefwechsel hatte der Qter verovten. aber trstzdem schrieben irir unö jedes Jahr einmal, um die Weihnachtszert. .nur um uns zu sage, daß wir Uebrsn, daß kvir uns liebten, nd da lvirmns treu bleiben wollte.

'Eine alt Kinderfrau, die meiner Braut ffehr ergeben war, vermittelte diesen Briefwechsel. Ich Ichiffte und sschaffte drüben ich hätte ..geglaubt, zu wissen, was arbetten Heißt, caber ich hatte eS nicht ,gewubit. Mnl) daß .es so schwer sei. ein reicher Mann zu werden, ich hätt'L nicht geglaubt. .Nach zwölf Jahicn st war .ich isoweit, daß ich einer Fraueine befchewmesgesicherte nach Menschlichem Ermessen gesichttte Existenz hatte uzieten ! können, aber daö ZenüLte nicht. IJch hatte nicht nur meine Liebe, ich hrtttemuch meinen Stolz, nnd ich wollte nurials reicher Manu zuruckleh-reniundTmir-meine Emmi holen. Bor sechs. Jahren starb ihr Vater, nnd sie .ivutde'die Erbin eines großen Vermögens. Zhre Geschwister hatten .längst iuUzie.eigkne Häuslichkeit sie schrieb nnir. sieisei bereit, ich solle sie holen. Was .mich das für ernen Kamps '.kostete, .'Zu antworten: Nein, ich $i. .nvchmicht'so weit." Ich Zonnte ihr laber noch'keine völlig gesicherte ausrei'chenbe 'Existenz bieten, so wie ie eine gewohnt :war, und das hatte ich nur doch -geschworen, und das Geld ihres Äaters!war für mich nicht zorhanden. Nennen Sie es thörichten, falschen Stolz ich konnte nicht anderö. Und 'sie verstand mich! Welches Glück, -daß -sie-mich verstand! Ich hätte .sie ja nun .wenigstens einmal besuchen tonnen, mber, ich fühlte, dann würde ich fchwach lwerden einen zweiten Abschied '.würde? ich nicht überwinden. Noch sechs Jahre vergingen, im end lich konnte ich sagen: ich bin ein reicher Mann, und selbst Emmis Vater hätte keinen Grund mehr, mir die Hand der Tochter zu verweigern. Und 1)a lich ich mich wieder über den Ocean iragen 'ZU ihr! , War das em Wiedersehenl Zwei alte 'Leute, alt. wenn man die Jahre des Wartens bedenkt, nur jung tjebsic ben'im Herzen! Und so gMcklich. so überglücklich! 'Die Verwandten machten nlle gute Miene dazu. Emmi war ihnen so imbequem gewesen all die Jahre her, nnd nun war ihnen der Abschluß lieb 'Es -war 'über die Sache so viel gesprochen 'worden, und das ist nicht guter Ton. Eine so abenteuerliche, überspannte 'Liebe! Sie machten auch keinen Ver'such uns in Deutschland zu halten. Eö 'hätt' ihnen auch nichts genutzt. Ich liebe meine Heimath, Herr, nnd die acht 'Tage, die ich jetzt nach der Hochzeit -mit -meiner ffrau" die Stimme des Mannes bebte in OstfrieZland an 'den Stätten meiner Jugend verbracht, "haben mir das so recht gezeigt, aber dem Land dort drüben im Westen 'dank' ich -mein Glück ihm will ich ireu bleiben. Und Emmi denkt wie ich. Sie hat -zu viel gelitten in der .Heimath. Denn ein Grund ist's doch, "deutscher 'Kastmgeist, deutsche Engherzialcit JeWesen, die uns um so viele Jahre des gemeinsamen Lebens brachten. Sa, ich bin 'fertig, und wünsche Ihnen, junger .Herr, .noch alles Vlück auf d Lebensreffe -es wird nicht geringer werden nurch einen Aufschub von zwölf Stnn'den! 'Ich denke auch, es wird Zelt zum Einsteigen, es ist plötzlich empfindlich takt "geworden. Äls wir die Waggonthür öffneten, bewegte 'sich die Schlafende, ruckte ein Mai' Mal unruhig hin und her, nnd 'dann 'führ sie jäh in die Höhe. Unbelümmett um mich, schlang sie ihreArme um den Gatten und lehnte sich mit ihm an 'das Fenster, durch welches derMond seine Strahlen warf; hastig sprach sie Ziabei: Du Ibist da. Georg. Gott sei Darrt, ich "träumte, Du wärst weit von mir das Meer war dazwischen, Gott 'seiDanles war nur ein Traum. Von der nächsten Station aus telegrnpkhirte ich meiner Braut die Verspa, tung meiner Ankunft, aber mein Zorn über dieselbe chatte sich vollständig gelegt. Noch nie hatte ich mich so bani bar meines Glückes gefreut, als in den Stunden, die nun folgten, von denen mich t doch jede näher zu ihr trug. Am Mvrgen nahm ich Abschied von meinen Reisegenossen, die ihr Ziel erreicht hatten, und .als ich dem Paar nachsah, wie es. Arm in Arm, dem Ausgange des Bahnhofes zuschritt, da dacht' ich: die Liebe, die echte, wahre, bleibt sich Zimmer gleich, aber wie verschieden sirt die Wege, auf denen wir ihre .Erfüllung erreichen, wir Menschenkinder! Und ich dankte dem Geschick, daß eS ir nicht eine Wartezeit von dreiundzwanzig Jahren auferlegt hatte. Denn ein Mensch 'ist nicht wie der andere. Z u H a u s e. Dame: Sagen Sie mal, Herr B., man sieht Sie nirgends, weder im Theater noch im Con cert. Gehen Sie denn nirgends hm?" Herr: Nein, ich brauche zu Hause blos mal meine Alte zu ärgern, dann habe ich daö schönste Theater und cert und dazu noch alles gratis."

ZmIlmkel. tro.i tto TaMlH. Ein feuchtfrostiger Jonnarabend. Auf dem Asphaltpflaster em schmutziggrauer, fettiger, leimzäher Brei, in dem die trottenden Hufe mit vorsichtigem Tasten mühsam vorwärts schlittern. An dem Kreuzungspuntte zweier Hauptverkehrsade cn drängen sich die hastenden Menschen. AuS dem Cigar renladen an der Straßenecke fluthet eine mächtige, grellgelbe Lichtgarbe hersor und beleuchtet einen von der Zeit und der Witterung hart mitgenommenen Fahrstuhl, in dem ein blinMann von kaum mehr als dreißig Jahren kauert. Er .ist in einen abgetragenen Ueberziehe? von unbestimmbarer Farbe gehüllt 'und trägt cke, wollene Handschuhe. Seine Gesichtszüge sind scharf und eckig, d Aizen beständig hinter großen, stark bes-imperten Lidern verborgen. Die Gesichtsfarbe ist blei.grau, die Nase groß und mit scharfer

Krümmung an ))er Wurzel. Sein liniez Arm hängt gelähmt herab, die Fin.ger der rechten Hand trommeln mervös nuf der schwarzen Lederdecke des WaZens. Um dm Hals häng: an einem ledernen Riemen ein Kasten mit Streichhölzern. Auf der inneren Seite des geöffneten Decktls lieft man in großen, nvgelenken Buchstabens Blind und lahrnJ Man bittet, lein Almosen zu geben, jsu?ndern Waaren zn entnehmen." An der rechten Seite des Fahrstuhles ist eine blecherne, mit einem Hängeschloß versehene Sparbüchse angebracht, in welche die Käufer ihre Nickelstücke hineinwerfen. Eln schmal bäckiges, .ärmlich gekleidetes, aus gleichgiltigen Augen" uucherschauendeL Mädckcn von zwölf Jahren lehnt dicht neben dem Blindcu gegen das schwitzende Ladenfensier. Es ist die Tochter seines Stubenwirthes, die ihn alltäglich dorthin xiiio wieder nach Hause zurückfahrt. Die Lüge des blinden Mannes ver rathen erwartungsvolle Aufmerksam keit. Er horcht. Auf 'dem Straßen dämm rasseln die elektrischen Wagen heran. Er kennt sie, er nieiß ganz genau, ab sie nach dem Alexanderplatz o!xer nach dem Schlesischen Thor sahren. Droschken ratlern norüber, er uuterscheidet. ob sie erster. oder zweiter Klasse sind. Fußgänger hasten in sei ner Nähe hin und her. Er kennt sie an chrem Gange, an ihrer Sprache, nn dem Rauschen der Kleider, an dem Klirren der Sporen nnd dem Rasseln oes Säbels. Uno seme Kunden erst: Er wittert sie rnit der Sicherheit eines Spnrhundes, an dem Geräusch ihres Athems, an dem Duft ihres Parfüms, nn dem Gerüche chrer Cigarre. Donnerstag ist sein Feiertag, da hat ix stets etwas Besonderes. Im Som nur frische Blumen, im Winter etwas 'Tannengrün .oder Jmmortellenranken. Heute gibt s etwas ganz Seltenes für seuu Kunden, Weidenzweige, Mit run den, sammetweichen, schwellenden Sil -berkätzchcn, vorzeitiges Sproßwerk eines launischen, martlosen Winters. .Heute muß sie rommen, die 'zarte, vornehme Dame mit dem leichtfedern"den Schritt, mit der nngemein melodischen Altstimme, Mit. dem leise knistern den Seidenkleide, in der dünnen, duftigen Wolke von Fleur de Lys. Sie ist allzeit sehr punktlich. Sie ist kurz nach Sechs an seiner Straßenecke, wenn sie aus der Gesangstunde kommt. In 1en zwei Jahren ihrer geschäftlichen" Beziehungen hat sie noch nicht ein Cwziges Mal gefehlt, ist selten zu spät gekommen. Ew Muster von Ordnung nnd Zuverlässigleü. An diesem Abend ist es schon acht Uhr, und sie ist noch nicht dagewesen. Siehst Du sie immer noch nicht. Anna?" fragt der Blinde das fröüelnde Madchen an seiner Seite. JJlthx, Herr Nenterl" ontwortet dns Kind glelchgiltig. Vielleicht ist sie krank," fährt er fort, wie zu sich selbst sprechend. Krank kann sie schon sein," ergänzt oas Maochen gedankenlos. Oder der Professor ist krank und kann keine Stunde geben. Meinst Du nicht auchi .Das rann anch sein " erwidert Anna mit unvernnderter Gleichgiltig leit. Vielleicht kommt sie auch noch." Vielleicht kann sie noch kommen." Der Kranke lehnt sich mit einem tiefen, schweren Seufzer in seinen Stuhl - r! A cw i r- V i i zniull. vselne Pyanlane aroeiiel geschattig und zaubert eme lanae Reih von lebenswahren, scharf umrissenen Bildern.vor sein Seelenauge. Er sieht in die Straße einer kleinen Landstadt, m ein niedriges, schmales, engraumigiS Hauschen Mit okeraelbem Kalkanstrich Darin schaltet eine kleine, schmächtige, kränkliche Frau, mit matten. leb:nssatten, gramdurchwühlten Zügen seme Mutter. An dem einzigen Fen fin des ärmlichen aber sauberen Zim mers hockt in lang aufgeschossener. zartknochiger Knabe, die Ellbogen auf das Fensterbrett gestützt, den Kopf in die schmalen, durchsichtigen Finger vergraben, mit leuchtenden Auaen und fiebernden Wangen, bei unsicherem Dämmerlicht in einem dickleibigen Buche studnend er selbst. Dann er scheint ein einfacher, schwarzer Sarg, in dem engen, seuchtdumpfen Hausflur. cty " .1. p t p Banner, in ciwas savenjcyeiNigen, schwarzen Nocken, in altmodischen ho hen lüten, tragen sie hinaus, sie r . , .. , ' . . ' . . lerne einzige völlige, jtinc einzige Freundin, den einzigen Menschen, der ihn Versteht, sich um ihn kümmert. Ein anderes' Bild! Er lebt in der Hauptstadt, hoch oben, in der Man sarde eines fünfstöckigen MiethshauseS, der Nachbar vnd Freund zänkischer Tauben und schimpfender Sperlinge. Der kärgliche Erlös für das elterliche Erbe ist fast aufgezehrt, trotz der Privatstunden, die ihm die besten Stunden zum Studiren rauben und doch nur eine spärlich sickernde Quelle seines be-

schridenen Haushalt? ausmachen. Er sieht den Zeitpunkt herannahen, laus

sam. aber unausweichbar, wo er vor dem Nichts steht. Was dann? Da kommt die Hilfe! Er wird Hauslehrer in einer vornehmen Familie des Thiergartenviertels. Jeden Nachmittag muß er seinem Zöglinge widmen, einem verwohnten, aber im Grunde gutmüthigen und sehr begabten Schuler, der seinen ruhlzen, klaren. Zielbewußten Erzieher bald lieb gewinnt. Die Nacht gehört ihm, dem Studium. Und dann kommt der Tag, wo er sie" zum ersten Male sieht, die Schwe kt seines Pfleglings, die eben aus der Genfer Pension zurückkehrt. Der Augenblick steht so lebhaft vor der Seele des blinden Mannes, als ob es gestern gewesen wäre, und doch sind schon mehr als zehn Jahre seitdem verflossen. Er wird sie niemals vergessen, die schlanke, anmuthige Gestalt, mit dem goldig schimmernden Haar, den munteren, schalkhast blitzenden Augen, den vollen, wohlgeformten, feuchtrothen Lippen, den schmalen, weißen Händen und den kleinen, überaus lebhaften Füßen. Wenn auch alle Bilder im Laufe der Zeit vor seinem Jnnenblick verblassen, dieses wird bis - an sein Lebensende nichts ca Schärfe und Farbenglanz verlieren. Das weiß er. Da begann für ihn eine neue Zeit, voll stiller Freuden, heimlichen Glücks. Sem Leben bekam Bedeutung und Inhalt. 5r verdoppelte seine Anstrengungen, um so bald wie möglich das Staatsnamen zu machen. Dann wollte er ihr sagen, was er für sie fühlte, was sie ihm war. O, er war schüchtern, gewiß; aber dazu würde er den Muth schon finden. Freilich, ob sie ihn liebte? Daran hatte er damals nicht gedacht, das war selbstverständlich. Er las es ja am Blicke ihrer Augen, er hörte es am Tone ihrer wundervollen Stimme. Und endlich kam der Tag, an dem das Werk gelungen war. Der Weg zu Ehre und Ruhm stand ihm offen. Er wollte ihn betreten, auf ihm vorwärtsstürmen an ihre: Seite. Morgen wollte er das Wort sprechen, von dem sein Glück, sein Leben, sein Alles abhmg. Am nächsten Tage gegen Mittag, als er die Worte wieder und wieder überlegte, die er ihr heute sagen wollte, hörte er hastende Schritte die ausgetretenen. knirschenden Treppenstufen heraufkam men. Ein kurzes, flüchtiges Klopfen an der Thur, sein kleiner Zoglmg stürzt in's Zimmer, mit geratheten Backen, athemlos vor Hast und Freude. Papa laßt bitten, heute den Unterricht ausfallen zu lassen. Na. was ist den los?" Wir feiern ein Familienfest." Soso!" Meine Schwester Martha hat sich verlobt." Verlobt! Ein Schleier senkte sich langsam über seine Augen, die Erde löste sich unmerklich unter seinen Füßen und sank hinab, tief, immer tiefer, bis in die Unendlichkeit. ' Dann kam das Nichts, die Bewußtlosigkeit. So mochte er wohl Stunden lang gelegen haben, es kam ihm vor, als ob es Jahre wären. . Am Nachmittag kam ein Freund und rüttelte ihn aus der Be täubung auf. Du bist überarbeitet. Komm, wir machen eine Schlittschuhpartie nach Spandau, das wird Dir gut thun. Willenlos, gedankenlos, kraftlos ging er mit, durch die Straßen, hinaus zu dem Flusse, dessen schwarzes Wasser unter der Eisdecke unheimlich brodelte. Sie glitten im Fluge dahin. Er spürte Nicht den Frost, der ihm bis in's Mark fraß, er fühlte nicht den Sturm, der seme Schläfe umbrauste, er fah nicht die glitzernden Schneekrystalle unter seinen Füßen, sein Auge folgte unverrückt, wie von einer magischen Gewalt geleitet, der schmalen, tintenschwarzen Wasserrinne, die sich am Flußufer entlang zog, wenige Schritte neben ihm. Auf einmal war es der Sturm, war es etric unwiderstehliche innere Ge walt? Wer konnte es sagen? Er fliegt gegen den gurgelnden Wasserstreifen heran ein Krachen ein Rauschen eiskalte Wogen schlagen klatschend über ihm zusammen. Als er wieder zu sich kommt, sieht er sich im Krankenhause, unter den sor enden Händen der stillen, milden. warmherzigen Krankenschwester. Seine Schmerzenszeit beginnt, me bis an's Ende seines Lebens dauern wird. Als er das Haus des Leidens verläßt, ist er ein blinder, gelähmter Greis von zwei undzwanzig Jahren. Und so wird er t -r."j3 r.: m . olkioen, sreuoios, giuuiu, ui ciu vc schick erfüllt ist. ' Doch nein! Noch einmal lächelt auch ihm. dem Elenden, dem Bettler ein Stern des Glücks, ein ferner, winziger, kaum sichtbarer Stern, aber doch ein Stern, glitzernd, flimmernd, dessen milder Schem bis in sein innerstes Herzdunkel dringt und dort einen schwachen Glücksjchvnmer hervorzauL . . . v, dert. ijs war vor zroel zayren,- als sie" zum ersten Mal an den Krankenstubl des blinden. lahmen Mannes her antrat und ihn anredete. Er erkannte sie sofort, und' eine unsagbare Seligkeit flog über seine harten, unbeweglichen Züge. Sie Zahnte nicht, wer der Unglückliche war, der ihr mit zitternder Hand die Streichhölzchen reichte. So war es geblieben. Jeden Donnerstag kam sie. Die ganze Woche freute er sich auf den Augenblick, wo er ihren r 1 r. . . t t v warmen Alyem ipurie, wo oas aufchen ihres Kleides an sein Ohr schlug, wo er ihre liebliche Stimme horte, wo ihre kleine, zarte Hand seine knochigen, unruhig tastenden Finger streifte. Des halb war der Donnerstag sein Sonn taa. sein zsesttäa. Ein einziges Mal war sie mit ihrem Manne kommen. Da hatte der Bl'mde aufaeborcbt. auf den Schritt, auf den Stimmfall. Beides hatte ihm Nlcht gefallen. Der Mann war seld'.tsüchtig, eigenwillig, hart bi zur Herz.

losigkeit und Rohheit. Die Arme!"

sagte der Kranke nachdenklich zu sich. T . . f nr.-i iann yorie er, nne in einiger nifernung der Mann fagte: Also, das ist Dein Blinder? Ich weiß nicht, was Du an ihm findest." Ich smde an ihm. daß er unalucklich ist." antwortete sie. Außerdem erinnert er mich an einen iunaen Mann. der bei uns Hauslehrer war." Vielleicht ist er es selbst. Du kannst ihn ja fragen." Nein," sagte sie, der ist im Eanal ertrunken. Gerade am Tage als wir uns verlobten. Ich habe es in der Zeituna gelesen. Es ging uns sehr nahe." Der Blinde erwachte aus seiner Träumerei. Er horcht aufmerksam. Trippelnde Schritte kommen über den Fahrdamm. Das sind ihre" Schritte. Nein, sie sind zu klein, zu hastig. Sie" geht langsamer, ruhiger. Ein:n Augenblick später hört er unmittelbar neben sich eine feine und doch höchst ausdrucksvolle Kinderstimme. Sind Sie der blinde Mann, den Mama immer Donnerstags besuch! hat?" Der bin ich, mein Kind." Da!" sagte die Kleine, indem sie ein Geldstück seine geschlossene Hand zu stecken verbuchte. Danke. Warum kommt 'Mama heute nicht selbst, mein liebes Kind?" Mama ist todt," antwortete eine ausschluchzende Stimme. Todt!" stammelte der, Blinde, indem er wie vom Schlage gerührt hintenllbersank. Die gnädige Frau ist vorgestern begraben," sagte die Begleiterin des Kin des. Sie hat noch kurz vor ihrem Tode den Auftrag gegeben, daß Martha alle Donnerstag hierhergeführt wird." Todt!" wiederholte der Kranke mit leiser, müder Stimme. Dann richtete er sich mühsam auf, griff mit zittern den Fingern n-ach den Weidenzweigen und preßte sie in die Hand des Kindes. Bitte! Auf Mamas Grab! Bitte!" Zwei große. schillerndeThränen rollten unter seinen geschlossenen -Lidern hervor. Daö Verschwinden der Untcrröcke. Wie aus Paris geschrieben wird, hat Madame la Mode jetzt endlich die Abschaffung der Jupons, zu deutsch Unterröcke, dekretirt. Es ist absolut kein Platz mehr für diese bisher so wichtigen Bestandtheile der weiblichen Toilette vorhanden, denn der emem Futteral ähnlich sich um die Hüften schmiegende leiverrock konnte am Ende ein überflüssiges Fältchen werfen und das darf auf keinen Fall ge duldet werden. Also fort mit dem Un pardon, Jupons! So heiß von jetzt ab die Parole für jede elegante Modeschone. Noch vor wenigen Wochen bildeten die rauschenden Pariser Röcke aus spitzenbesetzter. starrer Seide eine Quelle des Entzückens für zedes empfangliche Frauenherz. Eine wirklich -tonangebende Modedame mußte zu jeder Robe einen besonderen Seidenjupon haben, und manches dieser Kleidungsstücke war so umfangreich und mit fo vielen Falten und Krausen besetzt, wie zur Glanzperiode unserer Großmütter. Die Eostümröcke konnten eine Zeit lang gar nicht hoch genug gehoben werden, um die prächtigen Kunstwerke, die sich darunter befanden, zur Genüge bewundern zu lassen. Mit einem einzigen Nicken ihres kapriziösen Köpfchens hat DameMode alle diese Herrlichkeiten für die nächste Zukunft aus dem Garderobeschrank der eleganten Pariesienne verbannt. Es gab keine Alternative der Exodus der Jupons mußte beginnen. Warme, wollene Trikotpluderhosen, die faltenlos um die Hüften anliegen, haben bereits die Stelle der Unterkleider eingenommen und erweisen sich als sehr praktisch. Verschiedene fashionable Modistinnen weigern sich entschieden, eine Robe auf Unterröcken anzupassen und da die holde Weiblichkeit hübsch und smart gekleidet sein will, bleibt ihr 'nichts Anderes übrig, als zu kapituliren. Wav unsere Großmütter seligen Andenkens wohl sagen würden, wenn sie eine solche unterrocklose Brigade in einen Salon spazieren sehen könnten, wollen wir hier nicht näher erörtern. Jedenfalls dürfte manche der guten Damen bei einem derartigen Anblick in Ohnmacht fallen. Wer hätte nicht davon gehört, dafZ es vor vierzig oder fünfzig Jahren als ein Postulat des guten Tons betrachtet wurde, mindestens ein halbes Dutzend gesteifter und getollter Unterröcke zu den fabelhaft weiten Mousseline- und Seidenkleidern zu tragen? , m Unverhofftes Glück. ' Herr Schmidt: Na nu, Meister .Viefke. Sie sehen ja so traurig aus? Was macht die Familie, wieder 'was zu erwarten? Schuster Pieke: Ach Jott. Herr Schmidt, 'n Dutzend hab'n wir ja schon, unn uff eens mehr kommt et nich an... Wenn's man blos nich det dreizehnte war'! Det is doch' ne beesc Zahl! Passen Se uff, et jeht schief mit det dreizehnte! (Vierzehn Tage später.) Herr Schmidt: Na, Sie strahlen ja uber's ganze Gesicht. Meister Piefke? Schuster Piefke: Na, bei dem Jtetf soll ick ooch nich strahlen? Denken Se. um die dreizehn hab'n wir uns jlücklich rumjemogelt, et sinn Zwillinge! m -m w . . Jor der.Eh Warum willst Du die Tänzerin Qrna heirathen?" Weil ich si: l::!" Co! Dies i! eine ntschuldir.z aber , k:'... lrund!Nobel. Craf (zu c;r.::: : yt' "-f n rfi'".TV V . t , .-.. I jN satt. t:xt 5:tt:t Ccch c'.laslenl- . f-" i

Die Stickerei der Ooriell.

Weit, weit in'! graue Alterthum hinein muß man den Blick rückw"ts wenden, um lt Geschichte der fix oll chen Handarbeiten und speziell der Stickereien übersehen und würdigen zu können. Von den Malereien, welche die Vasen de? alten Egypter und Assyrer schmückten, kann man aus die Stickereien schließen, welche die Kleider in diesemZeltabschmtte zierten. Homer erzählt, daß die klassische Schönheit Helena eine sehr geübte Stickerin war. und Andromache, die Gemahlin Hektors. Stickarbeiten im Geschmacke ihrer Zeit anfertigte. Auch die Juden haben, wie es im Buche Eodus heißt, welches bekanntlich den Auszug der Juden aus Egypten schildert, bei den EgYPtern die Kunst gelernt, ihre Kleider mit Stickereien zu verzieren, und an einer anderen Stelle der Bibel wird der prächtigen Stickereien Erwähnung gethan, welche jüdische Frauen anfertigten. Da. den Griechinnen und Römerinnen oiese Handarbeiten nicht unbekannt waren, beweisen viele Stellen bei Ovid. Plinius und anderenSchriftstellern, welche genaue Beschreibungen von den Kunstwerken .der Stickerei aeben. Die Stickerei des Mittelalterä kam etwa um das Jahr 700 auf. Sie diente faß ausschließlich zu kirchlichen und religiösen Zwecken, zum Schmuck der Priestergewänder und Altardecken. Vielfach waren eö daher auch Mönche, welche diese Schmuck stücke fabricirten. Vornehme Frauen begaben sich in die Klöster, um von den Mönchen die Stickereien zu erlernen. Man setzte einen gewissen Stolz darin, immer neue Muster und Applicationen zu ersinnen. . So galt die Gemahlin Karls des Großen für eine sehr geübte Stickerin, und in späterer Zeit erlangte Margarete von Navarra, die Großmutter Heinrichs IV. eine große Berühmtheit in der Zusammenstellung neuer und reizvoller Dessins. Die Troubadore feierten in ihren cliansons" den Glanz und die Pracht der Stickereien, welche die Frauen bei Tournieren und Festlichkeiten zur Schau trugen. Um diesen Arbeiten das Gepräge derOriginalität zu geben, fertigte man die Stickereien nicht nur in Seide, Gold und Silber an, sondern bediente sich dazu der eigenen Haare. In dem Liede eines Troubadours wird eines Königs Erwähnung gethan, welcher seiner Auserwählten einen Mantel überreichte, der mit Stickereien verbrämt war, die sich aus den Barthaaren von neun Prinzen zusammensetzten. welche der König in der Schlacht besiegt und getödtet hatte. Im 13. Jahrhundert, der farbenprächtigen Periode des romantischen Ritterthums, gab es kaum ein Schloß oder Schlößchen, auf dem nicht die Schloßherrin mit ihren Töchtern kunstvolle Gebilde webten und stickten. Der Harnisch der Ritter, das Zaum- und Sattelzeug und die Waffen zierten diese sinnigen Zeichen von Frauenhuld und Frauengunst. Allmählich aber gerieth die Kunst in Verfall, und der dreißigjährige Krieg zerriß mit eiserner Faust die Proben weiblicher Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit. Aber die Kunst selbst war in den Stürmen und Schlachten des unseligen Krieges nicht untergegangen, treue Jüngerinnen hatten sie bewahrt und gepflegt und vererbten sie weiter an ihre Nachkommen. Jetzt hat die Stickerei in Hand- und Maschinenarbeit einen neuen Aufschwung genommen. Merkwürdig. Der Großbauer Stefens hatte in seinem Garten einen wunderschönen Hollerstrauch. Zu seinem Aerger sah er aber, daß jede Nacht die allerschönsten Blüthen gestohlen wurden. Aber noch mehr Aerger verursachte das Verschwinden der Hollerblüthen seinem Buben, dem feschen Franzl. Wann i' den Rauber. damisch, i' schlag' ihn nieder!" Diesen Ausspruch wiederholte Franzl wohl. Tag für Tag ein Dutzendmal. Eines schönen Abends, als bereits alles schlief, schlich Franzl in den Garten. Wart' Kerl' heut pass' i' auf!" Er stand noch lange auf der Lauer, da vernahm er plötzlich im angrenzenden Nachbarsgarten ein Geräusch und sah auch schon eine Gestalt über den Zaun herübersteigen. Franzl machte stch sprungbereit; die Gestalt huschte vorbei. Herrgott, das ist ja Nachbars Marie!" Franzl fühlte sofort alle Wuth gegen den Hollerdieb weichen, denn Marie war ja sein heimlich geliebtes Herzblättchen. Aber plötzlich leuchteten, seine Augen aus.' Im Nu stand er neben Marie, die nicht wenig erschrak, umfaßte sie.drückte einen herzhaften Kuß auf das rothe Mündchen und sprach: So, da hast's, Hollerdiebin; merk' Dir's, so oft wie i Dich dawisch, geht's Dir so wie heut'!" Wie die Sache weiter abgelaufen ist, weiß ich nicht; als aber nach acht Tagen der Großbauer vor seinem Hollerstrauch stand, schüttelte er gedankenvoll sein Haupt und murmelte: Die Blüthen Habens alle g'stohl'n. jetzt stehl'n's auch noch i die Blätter; das ist doch merkwürdkg." Erkannt. Frau A.:- Ihre Jugendfreundin, die Frau Direktorin. scheint eine warmherzige Natur zu sein, wenigstens sagt sie nur Gutes über die Damen ihres Verkehrskreises!- Frau I.: Ja, ja! Das scheint. so! Die nämliH. U7.!:r uns gesagt, von jeher ein: .:i::rin in der VerstellungSl"-.'!!" ' l r-rr; rrif v.rs?r- -. . W ... fcfc 7 .... .... 17 n dv im.. . r cn n r'L.." r,n , ' t$" , ' ., v v? r"--y. , . . . l.VI e .. - . . . - c-i -