Indiana Tribüne, Volume 22, Number 144, Indianapolis, Marion County, 12 February 1899 — Page 7

Moderne Krauentyp en. In Paris ist dieser Tage Madame Paulmier freigesprochen worden, die bekanntlich eines ihre Ehre angreifen de? Artikels wegen den dermeintlichen Schreiber halb todt geschossen hatte. Sie hatte sich .vergriffen". Es war gar nicht er, es lvar ein Anderer gewesen. Aber vom Standpunkt der Gemüthsmenschen war das kein Unglück, da es ihrer Ansicht nach immer noch zu Viel Journalisten gibt. Madame Paulmier ist also freigesprochen worden unter all' dem frenetischen Jubel und all' der lärmenden Begeisterung, Mit der man in Frankreich derlei Heldinnen" zu feiern pflegt. Die Geschworenen konnten sich wohl dem Zaubei des jetbestreuten Hutes nicht entziehen, den die Märtyrerin mit dem Aufgebote zartesten und durchgeistigtesten Geschmacks bei einer der ersten Modistinnen bestellt hatte. Wenn man den Versicherungen von Augenzeuginnen Glauben schenken darf, so löste diese Eapote in geradezu vollendeter Weise das schwierige Problem, Reue über das Geschehene, Wehmuth über die erlittene Ehrenkränkung, Achtung vor dem Gesetz und das Gefühl des Sieges zu gleicher Zeit in Tüll, Jet und Perlen zum Ausdruck zu bringen. Und für eine Capote ist das alles Mögliche. So viel Avsdrucksfähigkeit derlangt man heute in Frankreich nicht einmal von einem CassationsgerichtsPräsidenten. Diese Frau mit ihrer schrankenlosen Energie, ihrem Selbstständigkeitsdrang und ihrem sonderbaren Rechtsgefühl, die selbst vor den Geschworen? die berechnende Koketterie des Weihes bewahrt und vielleicht auch darum ein freisprechendes Erkenntniß erzielt, diefe Frau ist so recht eine der charakteristlschen Typen des modernen Weibes. Ueber 2000 Jahre hat die Geschichte Zeit gehabt, das Thema Frau" hundertfältig zu variiren. Wir fehen die Frauen der Antike, Sklavinnen halb und halb Herrinnen, wir sehen sie im Mittelalter, wild, geheimnißvoll, voll seltsamer Grausamkeit und grausamer Schmeichelei und jenes grenzenlosen Heroismus, der die Welt erfüllte, wenn sie Königinnen, Märtyrerinnen oder Heilige waren. Dann nahen sie uns in der steifen Grandezza ihrer bänderreichen, weiten Röcke des 17. Jahrhunderts, parfumirt, geschminkt und geziert wie die Worte aus ihrem rothen Munde; dann etwas kühner in ihren Ansichten, decolletirter in Wort und That, das moquante Schönpflästerchen im lachenden Mundwinkel und auf der tiefentblößten Brust und in dem capriciösen. gepuderten Köpfchen rine Schraube zu wenig und in dem underechenbaren Herzen eine Fiber zu viel. Dann kamen die Frauen des Revolutionszeitalters, denen der Kriegslärm in die Ohren gellte, deren Männer, Brüder und Freunde für-das Vaterland kämpften, während sie selbst voll patriotischen Feuers, voll zarter und doch manchmal theatralischer Begeisterunq der Fernen gedachten. Als geschichtliches Ergebniß reiht sich cti diese Kette verschiedener weiblicher Typen die moderne Frau an, ein interessantes Gemisch der kleinen Fehler und kleinen Tugenden, Neigungen und Animositäte:: dreier Jahrtausende, siltrirt durch einen neuen Stoff, den man den Feminismus nennt und der einer Jeden von ihnen, je nach dem Stoff ihrer eigenen Persönlichkeit, einen bcsonderen Stemvel aufdrückt. Das modernste Weib ist Zweifelsohne das am wenigsten weibliche, .die Feministin- selbst, das Weib der Gegenwart, vielleicht auch das der Zukunft. Sie vertheidigt und klagt an. tagt im 5rsaal und nächtigt im Club, fordert und erwartet, debattirt und ergründet, bekämpft den Mann und zer, pflückt ihn, zeigt seine Schwächen und ihre Stärken, seine Erbärmlichkeit und ihre Größe. Sie ist praktisch, positiv, correkt und langweilig, mit Ausnahme jener, die durch ein bedeutendes Wissen und ein zielbewußtes, ernstes Streben ihr Ideal erreicht, als Mann betrachtet zu werden, dessen Art.Gang, Stimme und Kleidung sie angenommen hat und dessen Ideen es sind, die sie doch schließlich verficht. Ihr ausgesprochenster Gegensatz ist die moderne kleine Frau", die aus Tüll, Sammet, Band und Spitze besteht, die sich den Teufel um Frauenfragen und Männercongresse fcheert, die nur eine Politik kennt, die, zu gcfallen, und nur einen Lebensinhalt Hai, den, angebetet zu werden. Aber dies alles auch nur ohne Geräusch, ohne Skandal, ohne Aufregung und Unannehmlichkeit und ohne sich deshalb die Löckchen von der Siirn und das bequeme Programm ihres Lebens zu verschieben. Sie liebt Bonbons und Sect und hat weder große Gedanken noch große Leidenschaften, denn das Erstere lieben die Männer nicht, und das Zweite verdirbt den Teint. In ihrem kleinen Herzen ist nur Platz für sie selbst und ihr Glück, und deshalb bleibt sie vielleicht mit ihrem Vogelgehirn die Allerglücklichste unter Allen. Die unverstandene Frau" geht durch's Leben wie die Tragödin, in der Hoffnung auf einen guten fünften Akt. Ihre Augen sind düster, ihr Blick derfchleiert. und ihre Toilette ist schmerzlich bewegt". Sie liebt das Complicirte. Räthselhafte, Unnennbare, Unausgesprochene und hat ein Ideal, über das sie sich eigentlich nicht recht im Kla:tn ist. Sie hat keine anderen Wün'sche und keine anderen Interessen, als einmal eine große That zu vollbringen, eine große, furchtbare That oder eine große, erhabene, und endigt meistens mit einer großen Dummheit. Die schriftstellernde Frau" gehört in den Augen vieler zu den kleinen Unqlück.z fällen. Sie hat manchmal nicht jjrtaii, weiblich zu sein, obwohl ihr ervf sie zu Zeiten veranlaßt, die

Scheiben an den Fenstern jener ein.zuschlagen, die gern im Dunkeln sitzen und vor den Fenstern ihrer Nächsten das bengalische Feuer der Medisance entzünden. Sie vertheilt Peitschenhiebe und Nasenstüber, Steinwürfe' und Nadelstiche, schreibt Modeberichte, wenn sie harmlos, Feuilletons, wenn sie maliciös, männerfeindliche Artikel, wenn sie Feministin, und statistische, wenn sie übe? neunundzwanzig Jahre ist. Man nennt sie immer unweiblich, selbst wenn sich an ihren Toiletten alle Knöpfe und an ihren Fingern keine Tintenflecke befinden. Und die Frau ohne Epitheton? Sie lebt häuslich und zurückgezogen, liebt ihren Mann, obgleich er es manchmal nicht verdient, und versteht zu Zeiten beredt zu schweigen. Sie verbreitet Wärme um sich, und man findet sie stets hilfsbereit, nachsichtig, tröstend und opferfreudig. Sie gehört zu den Frauen, von denen Napoleon gesagt hat, daß sie die besten sind, da man von ihnen nicht spricht, die man verehrt, betrügt, manchmal vergißt und doch nicht aufhört zu lieben. Zur Schönheitspflege. Ein englischer Arzt spricht in einem interessanten Artikel über Frauenschönheit und ihre Pflege die Behauptung aus, daß die bisher so viel gerühmte Gesichtsmassage allein nicht genüat. um das Schreckgespenst für die alternde Frau die Runzeln recht lange fernzuhalten. Das Erscheinen kleine? Falten in den Augenwinkeln, zu beiden Seiten des Mundes und auf der Stirn, sowie der oft nur zu frühsich zeigende Ansatz zum Doppelkinn sind die ersten Vorboten des nahenden Alters und gleichbedeutend mit dem Schwinden der Schönheit, mag sie in reichem oder geringem Maße vorhan den sein. Jede kluge Frau weiß dies nur zu gut und sieht daher in denRunzeln ihren größten Feind, den sie mehr fürchtet, als sie eingestehen mag. Um nun gegen diesen Zerstörer eines glatten. schönen Gesichts so lange wie möglich anzukämpfen, darf keine Mühe gescheut werden. Viele Frauen nehmen ihre Zuflucht zu allerlei kosmetischen Mitteln, die größtentheils das entstehen der Falten und Fältchen noch beschleunigen, wenn sie diese auch für den Augenblick vielleicht verdecken mögen. Einfache gute Cremes sollten zwar auf keinem Toilettentisch fehlen, und das Einreiben der Haut mit diesen Pasten kann auf keinen Fall schävlich sein, doch ist es auf die Dauer nicht hinreichend, um das Erscheinen der Runzeln lange hinzuhalten. Die regelmäßige Gesichtsmassage ist schon mehr von Nutzen; am wirksamsten aber soll nach der Meinung des neuen Experten das Grimassenschneiden sein. Allerdings bezeichnet Doktor 9). seine Methode" nicht mit diesem Namen, sondern er nennt sie einfach Facial Exercise" :nd begründet sie folgendermaßen: Wenn bei dem Kunstwert einer Modistin, z. B. bei einer perfekt sitzenden Taille, nach kurzem oder längeren: Tragen das Futter aus irgend einem Grunde einschrumpft, muß das Oberzeua naturgemäß Falten werfen. Ebenso ist es mit der oberen Gesichtshaut, die nur glatt bleiben kann, so lange das Gewebe, das sich unmittelbar darunter befindet, beständig durch geeignete Bewegung gedehnt und gekräftigt wird. Ein zusammengezogencs Futter bedeutet stets eine runzelige Außenseite, sei es nun auf ein Kleid oder ein Gesicht angewendet. Einer Frau, die lange ein faltenloses Antlitz behalten will, ist es also dringend cmzurathen, acht bis zehn bestimmte Gefichtsübungen ungefähr 25 Mal vcs Morgens und Abends vorzunehmen. Natürlich lobt jeder Kaufmann seine Waare und jeder Gelehrte hält seine Ansicht für die allein richtige und maßgebende, da aber die vörschriftsmäßigen Uebungen des Doktors I. kaum nachtheilige Folgen haben dürften es sei denn, die holden Frauen und Mägdelein gewöhnen sich das Gesichter schneiden so an. daß sie es' überhaupt nicht mehr lassen können , so mögen die sechs Hauptregeln des SchönheitsProfessors zum Nutzen aller Vertreterinnen des schwachen Geschlechts hier angeführt werden. 1) Gebrauche die vier Fingerspitzen beider Hände, drücke damit auf die Haut der Stirn und Wangen und ziehe sie nach allen Richtungen. 2) Strecke das Kinn so hoch als möglich und streiche die strammgezogene Haut sanft bis zum Halse hinab. 3) Presse die geöffneten Lippen um die Zähne nach innen und bewege den Mund in dieser Lage kräftig nach beiden Seiten. 4) Ziehe die Mund winke! bei geschlossenen Lippen so weit wie möglich abwechselnd ach rechts und nach links. 5) Lege den Zeigefinger jeder Hand an die äußeren Augen Winkel und schiebe die Haut leicht hin und zurück. 6) Schließe den Mund fest und l lase die Wangen auf. Diese und ähnliche Uebungen sind anfangs zwölf und später zwanzig bis vierzig Mal zu wiederholen. Der Vorsicht halber seien jedoch Frauen, die nicht vollkommene Gewalt über ihre Gesichtsmuskeln besitzen, vor dieser Art Schönheitspflege gewarnt: denn schließlich sind ein paar Fältchen und ein kleines Doppelkinn immer noch kleidsamer, als vorschriftsmäßige" Grimüssend Ein Häkchen. Elschen: Mama, haben unsere Nerven außerdem, daß sie uns zu einer Badereise '. verhelfen sonst noch einen

Zweck 2 7. In der Kneipe. Trinke ich nwi helles oder dunkles Bier?Wen i Du hell bist, trink' dunkles." .Erklärt. Ihr Mann ist recht niederschlage." .Ja. er ist schon so von i er ttirchweih' heimkommen."

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per gcheimnißvolle ?all. AuS dem Enqlischcn von Karl Erland. Hutchinsons hatten einen Ball ge geben, einen Costümball. Monatelang hatte man vorher davon gesprochen, und wochenlang nachher bildete der ereignißreiche Ball ein unerschöpfliches Tyema. Costümschneider hatten ihre vtechnungen geschickt und einige waren sogar bezahlt worden. Herr Hutchinjon tyüz sich etwa die Hälfte seiner Eh?äs aus dem Checkbuch herausgerissen. Er stimmte mit seiner Frau darin überein, daß ein solches Fest sie aus der Leiter der Gesellschaft um einige Stufen höher brachte. Frau Hutchinson war über Nacht aus einer unbekannten Größe zur Berühmtheit 2?worden; sie war als Königin Elijabeth" erschienen, und die Tageszeitungen hatten der. staunenden Menge genau verkündet,' wieviel das Costüm gekostet habe. Alles war auf's Herrlichste arrangirt; anfangs hatten nur Paare aus demselben Zeitalter in den einzelnen Ballsälen getanzt, was dem Ganzen den Anschein einer großen Pantomime gab. Später aber, als man lustiger und ausgelassener wurde, kümmerte man sich nicht mehr' um diese Anordnungen, und fröhlich tanzte Heinrich VIII. mit einer Indianerin, während ein türkischer Sultan mit einer Nonne walzte. Kurz und gut, der Ball war ein großes Ereigniß und es ist klar, daß an:it Leute, die ebenfalls nicht wußten, was sie mit ihrem Gelde machen sollten. darüber nachdachten, wie sie es den Hutchinsons nachthun konnten. ' Ganz besonders lag es Herrn Oliver Graham, einem reichen Junggesellen, daran, irgend etwas Derartiges zu veranstalten. Etwas, das kein Nachahmung des Hutchinson'schen Festes war, es aber auf alle Fälle in den Schatten stellen sollte. Die menschliche Natur hat eben d?e Schwäche, immer etwas Besseres her:uszufinden, als der liebe Nächste. Ich hab's," rief Herr Graham aus, als er in das Zimmer trat, in dem drei andere Herren saßen und rauchten. Was denn?" fragten sie. Eine Idee!" sagte Graham. Na, das ist was Rechtes," murmelte Hill, ich dachte, Dein Jdeenvorcath wäre schon lange aufgebraucht. Was ist's denn, alter Junge?" Es handelt sich um unsern Ball," war die Antwort. Nun wurden Alle aufmerksam. Sie hatten schon oft darüber gesprochen, wie sie die Hutchinsons in den Schatten stellen könnten, bis jetzt aber war Keinem etwas Passendes eingefallen. Sie steckten die Köpfe zusammen und ließen ihre Cigarren ausgehen, während sie andächtig dem Plane zuhörten, den Graham ihnen erzählte. Alle erkannten seine Originalität an, verhehlten aber nicht, daß er viele Schwierigkeiten böte. Die Geschichte' klingt gar nicht übel." meinte Sachs, aber werden wir so viele Leute auftreiben können, die sich nicht ausstehen können?" Ganz gewiß." sagte Graham. Natürlich wird nicht Jeder gerade die Person treffen, die er am liebsten vermeiden möchte. Dann würde die Sache ja auch zu tragisch werden. Manche müssen doch über Die lachen, die wüthend sind!" Aber die Leute werden darüber reden," sagte Foster; sie werden ersahren, wer Alles eingeladen ist und werden dann absagen." Dagegen können wir uns sichern. Wir müssen bei den Einladungen zu verstehen geben, daß Niemand sagen darf, daß er eingeladen ist. Die meisten werden in dem Geheimnißvollen einen besonderen Reiz finden. Ferner können wir ausmachen, daß, wenn es dem Comite zu Ohren kommt, daß irgend Jemand das Verbot übertritt, die an ihn ergangene Einladung ihre Giltigkeit verliert." Ja, das wird die gewünschte Wirtung haben," gab Foster zu. Ich verstehe die ganze Geschichte, offen gesagt, noch nicht so recht," sagte Sachs, indem er seine Cigarre wieder anzündete. Wie wollen Sie es zum Beispiel Frau Hutchinson selbst ungemüthlich" machen?" Ich wünschte. Alles wäre so leicht wie das! Wissen Sie denn nicht, daß sie früher'mit dem alten Somerset verheirathet war und von ihm geschieden ist? Somerset wird natürlich eingeladen!" Ueberall erzählt man sich ja tausend Einzelheiten über solche Sachen," sagte Hill. Und wir sind unser vier, um sie zu sammeln," erwiderte Graham. Während der folgenden Tage besprachen die vier Männer die ..Einzel heiten", und nach jeder Unterhaltung nahm der Plan ine greifbarere Gestalt an. Selbst Hill begeisterte sich dafür, und Sachs freute sich des Scherzes. So kam es. daß die Welt" plötzlich durch Einladungen zu einem Maskenballe überrascht wurde. Die Namen des Comites waren nicht unterzeichnet. Diese Vorsichtsmaßregel war getroffen worden, hieß es. um das Ganze erfolgreich zu machen. Auch sollten folgende Regeln innegehalten werden: Jede Dame sollte einen schwarzen Domino mit einer Capuze über dem Haar tragen. Damen und Herren hatten Masken vor dem Gesicht zu tragen. Die Herren hatten in schwarzen Kutten oder Mänteln zu erscheinen. Unter diesen Hüllen hatte jeder ein Phantasiecostüm zu tragen. Wer sich früher demaskirte, als eö erlaubt war, sollte den Ballsaal augenblicklich verlassen müssen. Keiner der Eingeladenen durfte in Wort über die an ihn ergangene Einladung verlieren, wenn er ihrer nicht sofort verlustig gemacht werden wollte. Alle waren neustkna. Die Zeitun

gen bemächtigten sich der Nachricht und besprachen sie. Aber das Geheimnißvolle veranlaßte Jeden, sich den Regeln zu fügen. Nur ganz wenige sagten ab. Ein theilweiser Erfolg war schon lange vor dem festgesetzten Abend zu bemerken: Hutchinson's Ball war vollständig vergessen. - Alles sprach nur von dem bevorstehenden Feste, und an dem betreffenden Abend standen die Leute die ganze Straße entlang, um die ankommendsn Gäste zu sehen. Jeder der vier Verschwörer, denn so kann man sie ja nennen, hatte seine bestimmte Arbeit. Sachs stand maskirt im Vestibül und schrieb aus jede der Einladungskarten ine Nummer. Jedem der Gäste sagte er dann mit leiser Stimme: Am Abend wird in Contr getanzt werden. Wenn Ihre Nummer ausgerufen wird, werden Sie freundlichst gebeten, dazu anzutreten." Diese Worte klangen so feierlich wie ein Eid vor Gericht. Graham und Hill machten sich im Vallsaal zu schaffen, während Fosters Pflichten später begannen. Der Ballsaal bot in seltsames Bild. Die Musik war ausgezeichnet, das Parket spiegelblank, die Beleuchtung dagegen sehr spärlich, was im Verein mit den schwarzen Anzügen einen sehr traurigen Eindruck machte. Es war unmöglich, wahrhaft fröhlich zu sein; obgleich der Tanz begonnen hatte, wurde wenig gesprochen und noch weniger gelacht. Plötzlich kam Sachs in den Saal und suchte Graham. Sie sind Alle da," sagte er. Haben Sie die Nummern ausgetheilt, wie wir es verabredet haben?" Ja; übrigens, hier ist Ihre Nummer, 113; wir Verschwörer kommen nach der Reihe. 110, 111, 112, 113." Das wird in lustiges Quartett geben!" meinte Graham. Wer ist denn eigentlich meine Partnerin? Ich habe es ganz vergessen." Wahrhaftig, ich auch," lachteSachs. Ich weiß nur, daß wir Alles zur Jufriedenheit anordneten. Auf alle Fälle ist sie Nummor 113." Graham nickte lächelnd und bahnte sich seinen Weg durch die schwarzen, tanzenden Gestalten, bis r zu Foster kam, der darauf wartete, seine Pslichten zu erfüllen. Als die letzten Klänge des Walzers verrauscht waren, trat Foster auf ine kleine Estrade und sprach mit Stentorstimme: Meine Damen und Herren!" Ein tiefes Stillschweigen folgte. Die Paare standen still und horchten auf. Das Geheimniß sollte enthüllt werden. Meine Damen und Herren! Der nächste Tanz wird ein Contre sein. Er ist nicht auf der Tanzkarte aufgeführt. Als Sie eintraten, erhielten Sie alle ine Nummer. Es wurden immer nur zwei gleiche Nummern ausgetheilt, an inen Herrn und an eine Dame. Die entsprechendenNummern werden Partner sein. Sobald alle angetreten jrnd, werden drei Trommelschläge rtonen, und sobald die Musik einsetzt, muß jeder die Hülle abwerfen und sich demaskiren. Ich kann Ihnen in glänzendesSchauspiel versprechen statt der ernsten und feierlichen Versammlung. die Sie jetzt vor sich sehen. Wollen Sie freundlichst so schnell wie möglich nach den aufgerufenen Nummern antreten. Eins!" Zwei Tänzer traten vor; der Herr bot der Dame den Arm und sie traten beiseite. Das ist ja eine ganz romantische Idee," sagte ein Herr zu seinem Nachbar. Ich weiß blos noch nicht, worauf das hinaus will." Ich auch nicht. Es scheint ziemlich einfältig zu sein. Ich hatte mir ganz was anderes versprochen." Das Ausrufen der Nummern ging flott von statten; jeder wartete auf die endliche Enthüllung des Geheimnisses. .113 !" Oliver Graham trat vor und reichte seiner Dame den Arm. Er bemühte sich gar nicht, hinter dem schwarzen Domino und der Larve seiner Tänzerin zu lesen. Er kannte ja die ganze Sache. Nun bitte." sagte Foster, wollen Sie gefälligst in Reihen antreten. Acht Paare in jeder Reihe, nach den Nummern," Einige Minuten lang herrschte eine große Bewegung im Ballsaal, dann folgte wieder eine tiefe Stille. Fertig?" fragte Foster. .Fertig!" Die drei Trommelschläge!" Ein.e kleine Pause dann setzte die Musik mit einem Tusch ein. Der Ballsaal erglänzte feenhaft im Lichte von Hunderten von elektrischen Lampen. Schwarze Mäntel und Dominos wur den abgeworfen, strahlende Gesichter lächelten unvrhüllt. Der ganze Raum strahlte hon blitzenden Diamanten, kostbaren Costümen und prächtigem Schmuck und zauberhaftem Glänze. Beifall ertönte bei dem herrlichen Schauspiel, verstummte aber in demselben Augenblicke. Gesichter, die zu lächeln begonnen hatten, wurden ernst und bleich, einige aus Furcht, einige aus Leidenschaft. Ein paar konnten sich noch freuen, oder lachen, oder staunen. Für die meisten der Anwesenden war der Augenblick eine Tragödie, oder wenigstens der Anfang einer solchen. Die Musik setzte von Neuem in, aber Niemand begann zu tanzen. Jeder stand neben Jemandem, den er am wenigsten gern getroffen hätte, und alle sich gegenüberstehenden Paare fühlten sich so unbehaglich, wie in einem Hornissennest. Frau Hutchinson stand neben ihrem ersten Gatten, von dem sie geschieden war. Ihr Gegenüber war einer ihrer früheren Ge liebten. Die Scham färbt die Gesichter iniger Männer, als sie sich gerade den Gläubigern gegenüber befanden, die

sich schon monatelang mit leeren Ausflüchten hinhielten. Aergerliches Murmeln erhob sich ringsum. Niemand versuchte zu tanzen; die Musik hörte auf. Alles eilte nach der Thür, Alles rief nach den Wagen. Wer war der Urheber dieses Scherzes"? Der Einzige, den man dafür halten konnte, der Mann auf der Estrade, war in dem allgemeinen Gedränge verschwunden. Als der allgemeine Aufbruch begann, schaute Oliver Graham seiner Partnerin in's Gesicht. Er war selbst betrogen worden! Die Frau war noch immer schön, aber Kummer und Sorge hatten Furchen in ihr Gesicht gegraben. Ihre Stirn zeigt eine Narbe. Vor Jahren hatte ihr treuloser Geliebter, da er ihrer überdrüssig war, sie rauh fortgestoßen, als sie vor ihm kniete und ihn um Mitleid flehte. Nun sah sie ihm fest in's Auge und r senkte den Blick. Du hast mich dem Hunger und der Kälte preisgegeben,, Deinetwegen hätte ich in der Gosse sterben können. Nun aber kenne ich Dich, Oliver Graham, und nun ist mein Haß so groß, wie einst meine Liebe war ahnst Du, was das heißt. Oliver Graham?" Ein Fluch kam von seinen Lippen, als er sich nach Sachs umwandte. Verflucht! Das habe ich Ihnen zu verdanken!" Langsam nickte Sachs. Erst vor zwei Tagen kam ich dahinter, daß Sie der Mann waren." Verflucht!" Oliver Graham, iH kannte sie in den alten Tagen, ehe Sie ihren Weg kreuzten. Ich kannte sie als unschuldiges Kind. Sie wäre verhungert, wenn ich nicht gewesen wäre. Seit in paar Tagen weiß ich, was Sie sind, Oliver Graham, in Schurke, ein erbärmlicher, nichtswürdigcr Schurke." Der Getroffene antwortete nicht. Auch r ging aus dem Saale, in feinen schwarzen Mantel eingehüllt. Noch monatelang fprach man von diesem Balle Oliver Graham aber blieb für seine Freunde verschollen. Afrikanische Piraten. Es muthet wie ein Märchen an, wenn man heute von den Raubzügen liest, die einst die maurischen Seeräuber an den Küsten Spaniens und Jtaliens unternahmen. Die Raublust dieser braunen Teufel ward nur übertroffen durch ihren unerhörten Uebermuth und die Verwegenheit, mit der sie bei ihren Räubereien zu Werke gingen. Jahrhunderte lang waren sie der Schrecken des Mittelmeeres, die Geißel der ganzenC hristenheit. Man staunt nicht weniger über die vergeblichen Anstrengungen, die bis in die neuere Zeit hinein zu ihrer Unterdrückung und Vernichtung gemacht wurden, als über die Zähigkeit, mit der sie unter allen Nachstellungen sich zu behaupten wußten. Die Geschichte dieses PiratenWesens entbehrt zum Theil nicht der Nomantik, aber viel mehr weiß sie von Grausamkeiten und Blutvergießen, von gewaltsamen Entführungen, von der Gefangenschaft und der Sklaverei zu berichten, der viele Tausende: Männer. Weiber und Kinder zum Opfer fielen. Als die Mauren 1491 aus Spanien vertrieben waren, suchten sie an der Nordküste Afrikas Zuflucht. Sie fanden dort was sie suchten, feste SchlupfWinkel und sichere Häfen für ihre Galeeren. Von hier aus unternahmen sie ihre Raubzüge an die Küsten Spaniens, um an ihren Besiegern sich zu rächen. Unter Führung der Gebrüder Barbarossa und anderer berühmter Korsaren wurden die maurischen Seeräuber zu einer Plage des Meeres und der umliegenden Küsten. Aus dem Hinterhalte hervorbrechend, überfielen sie die Wehrlosen und schleppten sie in die Gefangenschaft oder auf den Sklavenmarkt. Ganz Europa hatte unter ihrer Tyrannei zu leiden, kein Handelsschiff durfte nugestraft das Mittelmeer durchsegeln, es sei 'denn, daß das Land, dessen Flagge es führe, durch Zahlung eines jährlichen Tributes sich frei gekauft hatte. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts drangen die afrikanischen Seeräuber bis in den englischen Kanal und die Nordsee vor, ergriffen sorglose Kauffahrer und entführten sie als gute Prise mit sich nach Algier oder Tunis. Ganze Flotten und Kriegsheere zogen im Laufe der Jahrhunderte gegen die Korsaren zu Felde; ihre Häfen und Festungen wurden beschossen und niedergelegt, ihre Fahrzeuge zerstört; aber ihre Macht ward nicht gebrochen. So oft ein Feind sich ihren Küsten nahte, zogen sich die Piraten in's Innere zurück, war die Gefahr vorüber, So erschienen sie schnell wieder auf dem Zlatze. Ihre leichten Fahrzeuge waren bald wieder hergestellt und bereit, zu neuen Raubzügen in See zu stechen. Mit erneuter Wuth stürzten sie sich auf die Küsten Spaniens und Siziliens. Bevor noch Mannschaften gesammelt waren, um ihnen zu widerstehen, waren sie mit ihrem Raube entflohen. Allein in Algier befanden sich nicht selten bis zu zehntausend christliche Sklaven, die in der Gefangenschaft schmachteten und die unwürdigste und grausamste BeHandlung seitens ihrer Peiniger erduldeten. Der erfolgreiche Zug Karls V. gegen die Seeräuber nach Tunis ist bekannt; aber auch die Franzosen. Engländer, Spanier, Holländer und selbst die Amerikaner versuchten mehr als einmal die Schlupfwinkel der Piraten zu zerstören und ihre Macht zu vernichten. Im Jahre 1655 beschoß Aoiuiral Blake die Feste von Algier; eine andere englische Flotte zerstörte sie 1670. Gleichwohl ward der Uebermuth und die Raublust der Mauren nicht erschüttert. Die Kühnheit des Deis gegen die Christen, feine Mißach-

tung jeglicher Autorität und des Völkerrechts kannte keine Grenzen. Als der französische Admiral Du Quesny im Jahre 1682 vor der Stadt erschien und sie beschoß, befahl der regierende Dei. alle Franzosen zu tödten, deren er habhaft werden konnte; den französischen Consul ließ er vor die Mündung einer Kanone bringen und in die Richtung auf die französische Flotte zu schießen. Der dänische Consul Ulrich ward 1807 von dem Dei von Algier gefangen gesetzt und unter demVorwande, daß seine Regierung den jährlichen Tribut nicht bezahlt habe, m Ketten auf's Bagno geschickt. Dasselbe Schicksal ereilte ein Jahr später den spanischen und den holländischen Consul. Im Jahre 1816 traf eine englische und holländischeFlotte unter dem Oberbefehl des Lord Exmouth vor Algier ein. Die Niederlage, die sie den Mauren bereitete, war eine vollst'ändige. Algier ward bombardirt, die Stadt und die Raubflotte der Piraten zerstört. Der Dei selbst mußte sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Eine große Anzahl der von ihm gefangen gehaltenen christlichen Sklaven ward ausgeliefert. Auf solche Weise gelang es wenigstens zeitweilig gegen die Ueberfälle der afrikanischen Piraten sich Ruhe zu verschaffen. Ein Ende jedoch ward ihrem räuberischen Treiben erst bereitet, als die Franzosen 1830 von Algier und Tunis Besitz ergriffen. Es bedürfte eben der dauernden Herrschaft, jb eisernen Hand einer civilisirten mächtigen Nation, um das seit Jahrhunderten bestehende Raubsystem mit der Wurzel auszurotten. Durch die Unterwerfung jener Staaten ist dem eigentlichen Piratcnwesen sein Ende bereitet worden, die Lust am Seeraub aber lebt noch heute unter den Volksstämmen Nordafrikas fort. Das beweisen die Rifpiraten an der Küste Marokkos, die innerhalb ihres leinen unzugänglichen Gebietes die zügellose Ungebundenheit bis auf den heutigen Tag sich zu bewahren verstanden haben und keine Gelegenheit unbenutzt lassen, um ihrem unbezwinglichen Gelüste nach Raub und Mord Genüge zu thun. Es ist kaum ein Jahr vergangen, in dem die Piraten nicht zum Hohn aller europäischen Mächte das eine oder das andere Fahrzeug, das so unglücklich war, in den Bereich ihrer Küste zu gerathen, angriffen und ausplünderten. Ihre letzte That war der im Jahre 1895 gegen die holländische Schunerbrigz Anna" in der Nähe der Bucht von Alhucemas verübte Ueberfall. Der Capitän, der sich gegen die Piraten zur Wehr setzte, ward erschossen, der Steuermann schwer verwundet. Das völlig ausgeplünderte Schiff entkam nur durch einen Zufall nach Gibraltar. Ein anderer Fall, der weniger blutig verlief und zugleich der Komik nicht entbehrt, ereignete sich einige Jahre früher ungefähr an derselben Stelle, wo der Ueberfall der Anna" stattfand. Die englische Brigg Cuthbert Joung" war unweit der marokkanischen Küste von Windstille befallen. Die Meeresströmung trieb das Fahrzeug dem User zu. In der Nähe des Cuthbert Joung", aber weiter in die See hinaus. befand sich ein zweites Schiff, die englische Brigg Mary", ebenfalls in Windstille treibend. Die Gelegenheit war für die Rifpiraten ganz besonders günstig; denn in Fahrt befindliche Schisse, Dampfer und andere große Fahrzeuge wagen sie wegen ihrer heillosen Angst vor der Gefangennahme nicht anzugreifen; aber kleinere, durch Windstille in eine hilflose Lage gerathene Schiffe sind ihnen eine willkommene Beute. Kaum war der Cuthbert Aoung" von den Piraten bemerkt, so fuhren alsbald zwei stark bemannte Boote vom Lande ab. Die Besatzung des Schiffes aber wartete ihre Ankunft nicht ab, sondern hielt es, da ihr jegliche Feuerwaffen fehlten, für gerathener. sich rechtzeitig der Gefahr zu entziehen. Man ließ deshalb die Boote zu Wasser und ruderte auf die weiter seewärts treibendeMary" zu. um dort Hilfe zu suchen. Aber die Mannschaft der Mary" war ebenfalls in Furcht vor einem Ueberfall. Als sie daher das irrthümlich für ein Piratenboot gehaltene Boot der Cuthbert Young" auf sich zukommen sah. wußte sie nichts Besseres zu thun, als ihre Zuflucht zu den Booten zu nehmen und den nachsten Weg auf Gibraltar einzuschlagen. Inzwischen langten die Leute vom CuthbertFoung" auf der Mary" an, und da sie Niemanden an Bord fanden, auch alle Zeichen, durch welche sie das davoneilende Boot der Mary" zurückzurufen suchten, vergeblich wte ren, so nahmen sie vorläufig von dem Schiffe Besitz. Gleich darauf kam eine frische Brise durch. Diesen günstigen Umstand benutzte die Besatzung des Cuthbert Young". während die Piraten noch ihr Plünderungswerk betrieben. mit der Mary" nach Gibraltar zu segeln. Die Leute von der Mary" ruderten inzwischen Tag und Nacht und waren, als sie einen Tag später als ihr Schiff in Gibraltar ankamen, natürlich sehr erstaunt, die Mary" im Hafen anzutreffen und zwar im Besitze einer fremden Besatzung. Seitens der britischen Behörden ward sofort ein Kanonenboot nach der afrikanischen Küste abgesandt; aber es kam zu spät. Man fand den Cuthbert Voung" mit mehreren Löchern im Rumpf am Lande liegend, völlig ausgeplündert und halb mit Wasser gefüllt. Außer an der Nordküste hat auch im Westen Afrikas die Seeräuberei zeitweilig ihre Blüthen getrieben. Sklavenhandel und Seeräuberei haben zu allen Zeiten mit einander zu thun gehabt. So scheint auch in diesen Gegenden vornehmlich der Sklavenhandel dem Piratenwesen Vorschub geleistet zu haben; denn gerade zu jener Zeit, als die britischen und holländischen Kauffahrer mit den eingefangenen

Schwarzen einen schwunghaften Han--del zwischen Tuinea und Westindierr unterhielten, erreichte die Seeräuberei im Westen Afrikas ihren Höhepunkt. Einer der berüchtigtsten Seeräuber dieser Gegend war Capitän Roberts Er hatte um das Jahr 1720 an der Küste von Guinea sich festgesetzt und unternahm von dort aus seine Raubzüge. Eine alte englische Chronik erzählt von ihm. daß er ein Mann von. ungewöhnlichem Muth und ausgezeich--neter seemännischer Tüchtigkeit gewesen sei. Unter seinem Oberbefehl standen drei vorzüglich ausgerüstete, schwer bewaffnete Schiffe. Zwei derselben führten je 42 Kanonen und 150 Manne Besatzung, das dritte 24 Kanonen und 90 Mann Besatzung. Als aber desSeeräuber Roberts Thaten zum Himmel schrieen, erhielt die von Capitärr Ogle befehligte englische FregatteSwallow" den Befehl, das Raubnesti zu zerstören. Roberts lag zu der Zcir mit seiner sflotte in einer Bucht unweir des Kap Lopez. Capitän Ogle warein Mann von Muth und großer Kaltblütigkeit. Er muß diese Eigenschaften in hohem Grade besessen habenx denn er trug kein Bedenken, nachdem er die Stärke des Feindes erspäht hatte, die drei Schiffe, von denen zwei denr seinen an Zahl der Kanonen undStärke der Besatzung fast gleich kamenr . ohne Verzug anzugreifen. Bevor er ' sich dem Feinde näherte, ließ er die Kanonenpforten seines Schiffes mir. Farbe überstreichen, die das Kriegsschiff kennzeichnenden tadellosen Segel mit Flicken versehen und die Takelung recht nachlässig Herrichten, um seinem Fahrzeuge das Aussehen eines Kauffahrteischiffes zu geben. Als er bann die Küste entlang laufend, dem Feinde.in Sicht kam, stellte er sich sehr er--schreckt. Er änderte seinen Kurs, lag in die See hinaus und ergriff, indem, er alle verfügbaren Segel beisetzte, die Flucht. Der Seeräuber ging begierig in die ihm gestellte Falle hinein. Da. er die Swallow" für ein Handelst fahrzeug von geringer Stärke hielt, o ließ er nur das schnellste seiner Schiffe unter Segel gehen und befahl dem. Capitän desselben, die Verfolgung desFlüchtlings aufzunehmen. Damit hatte Capitän Ogle seinen Zweck erreicht. Er setzte seine erheuchelte Flucht fort, bis er den Piraten so weit vonu Lande weggelockt hatte, daß der Schalk der Geschütze von den in der Bucht zu-, rückgebliebenen Schiffen nicht mehr ge--hört werden konnte. Dann wandte er sich plötzlich um und brachte das Piratenschiff vor seine Kanonen. DaZ letztere focht mit Verzweiflung. EK bedürfte eines anderthalbstündigen' Kampfes, um es zur Uebergabe zu. zwingen, und zwar erfolgte dieselbe nicht eher, als bis die halbe Mannschaft des Piraten getödtet war. Nachdem Capitän Ogle Besitz von seiner Priseergriffen hatte, kehrte er mit der Swallow", die schwarze Flagge des. Seeräubers über den englischen Farben gehißt, zur Piratenbucht zurück. Capitän Roberts sah sein Zeichen vonr Top des heransegelndenSchiffes weherr und, hocherfreut über die gute Botschaft, gab er Befehl, dem glücklichen Sieger entgegenzusegeln und ihn zu beglückwünschen. Aber er wurde übel, empfangen. Sobald die Schiffe irr Schußweite gekommen waren, verschwand die schwarze Flagge vom Mast der Swallow", und Capitän Ogle eröffnete ein wüthendes Feuer auf die beiden feindlichen Fahrzeuge. Nach zweistündigem erbittertem Kampfe, in. welchem der Seeräuber Roberts und, viele seiner Leute ihren Tod fanden war auch das Schicksal dieser beiden Schiffe entschieden. Capitän Ogle führte seine Prisen nach Cape Coast. Castle, wo den Piraten der Prozeß ge--macht ward. 72 Seeräuber wurden zum Tode verurtheilt und 52 derselben zur Warnung für Andere in Zwischen--räumen längs der Küste an Ketten, aufgehängt. Den braven Mannschaft ten der Swallow" füllte mcn die Ta schen reichlich mit Prisengeldern; Ca-. pitän Ogle empfing als Anerkennung für seine Tapferkeit die Ritterwllrde. Die Wahrheit. Der Scheikh Abdull - Jfasa langweilte sich. Da ließ er seine drei Weisen kom--men und fragte sie: Warum langweile ich mich?" Darauf antwortete der erste: O Herr, Deine Frage kann Niemand beantworten denn Nie mand vermag Deinen Geist zu erken nen!" Der Scheikh winkte und der Weise wurde gehenkt. Da sprach der zweite der Weisen: O Herr! Du langweilst Dich, weil es nichts gibt, was Deinem weisen Verstände zur Be friedigung gereichen kann!" Auch der. zweite Weise wurde gehenkt. Der dritte aber sprach: O Herr, Du langweilst Dich, weil Du viel zu dumm bist. Deinen Geist zu beschäftigen! Da rief der Scheikh: Du Hundesohn Du hast recht! Doch weil Du Vit Wahrheit gesprochen, wirst Du mcht aehenkt. sondern geköpft werden. Führt ihn weg!" Und der Scheikh langweilte sich weiter. Andeutung. Köchin (auf dem Balle zum Unterofficier): B!:l ich Nicht hübsch in der Balltoiletle ö" .Gewiß, aber am heimischen Herd ge. fällst Du mir doch noch besser !" Kinder von heute. Mo ritz: Weshalb weinst Du denn.Mar?" Max: Der Lehrer hat mich gehauen." Moritz: Wer wird da weinen, geb doch zum Staatsanwalt!" Ausgleich. Herr: Sie wor len meine Tochter heirathen? Sie ist ja zweimal so alt wie Sie?" Bewerber: Nun. da geben Sie ihr einfach , zweifache Mitgift." - D i e B l u m e des Glücks wird gewöhnlich gepflückt, noch bevor sie aufgeblüht ist. Glücklich sein heißt: die Welt so sehen, wie man sie sich wünscht.