Indiana Tribüne, Volume 22, Number 144, Indianapolis, Marion County, 12 February 1899 — Page 6

Acr junge Mmann. Von Georg Hiller. Es hat irgendwo einmal ein geistrei'ches Stubenmädchen den Satz ausgesprechen, daß man die Junggesellen und die Ehemänner am Handtuch erkennen könne. Nehme jemand das Handtuch bei der Mitte und trockne sich nun frisch drauf los, so sei zehn gegen ins zu wetten, daß dies ein Junggeseile sei, der noch niemals Borträge über Waschfrauen, Seife und Abnuhung der Wäsche angehört habe, sei ber der Andere sparsamer mit dem Handtuch, benutze er erst das eine Ende und schreite von Tag zu Tag langsam bis zum anderen Ende fort, so sei der Mann verheirathet, und zwar gut verheirathet, denn seine Frau habe ihn erzogen. Wenn man diese tiefe Stubenmädchenweisheit weiter entwickelt, so iann man auch ohne Handtuch den junen Ehemann erkennen. Leute, die da glauben, daß das Kokettiren mit dem Ehering ihn als jungen Ehemann sofort kennzeichne, haben nicht ganz Un?ccht, obgleich es viele ältere Männer giebt, die, nachdem sie eine Zeit lang den Ring zur Schonung in der Westentasche getragen haben, ihn wieder aufstecken und besonders in Anweseilheit der Schwiegermutter funkeln lassen. Es giebt aber sicherere Merkmal? als die eben erwähnten. Beobachter, die da behaupten, daß junge Ehemänner öfter als andere die rechte Hand ohne Handschuh tragen und umgekehrt Verlobte die rechte behandschuht und die linke nackt, können Recht haben. Lhre Behauptung wird aber beinahe zur Gewißheit, wenn die rechte Hand -recht wohlgepflegt erscheint. Aber nicht nur die Hände sind fcin gepflegt, auch das Gesicht ist stark veredelt. Rasirt ist der junge Ehemann stets, trägt er einen Bart, so ist dieser sorgfältig gekämmt und womöglich eingefettet. 'Z)as Haar ist stets in vollendeter Weise -frisirt, und dabei ist nichts Geckenhaftes an der Erscheinung, man merkt .nur den zarten weiblichen Einfluß. Besonderer Werthschätzung erfreut sich aber die Kleidung des jungen Ehemannes. Der Ehemann wirft seinen alten ,Junggesellen-Adam ganz weg. Funkelnagelneue Oberhemden oder Chsimisettes" ohne gestopfte Knopflöcher glänzen in blendender Weiße, der Shlips ist nach der neuesten Mode, die Kleider sind noch so neu wie die Ehe. Alles athmet eine gewisse einfache Ele?ganz, es geht ein Hauch weiblicher 'Sorgfalt von ihm aus. Und nun die .Haltung! Welche Ruhe, welche Würde liegt in dem ganzen Wesen des jungen Ehemannes! Die Art. wie er den Regenschirm hält, wie er den Stock trägt, läßt eine Ahnung von seinem Selbstbewußtsein aufdämmern, von dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit für sich und noch ein anderes Wesen. Die Sprache ist Fremden gegenüber zurückhaltender, ernster, als stünde die junge Frau hinter ihm und controlire alle seine Worte. Der H'ändedruck ist weniger warm und kräftig als früher, man merkt, daß die ganze Wärme, die ganze .'Innigkeit, die ganze Kraft der Frau gehört, und die Wendung beim Lebewohlsagen ist immer so, als ob sich.nun sofort in seinen Arm die junge Frau hängen müßte. Sie ist aber doch nicht 'immer dabei. In der Restauration -nimmt der junge Ehemann eine eigenthümliche Pose ein. Um ihn herum die 'freunde stemmen die Arme auf den '.Tisch, legen sich bequem in den .Stuhl, -schwenken unbedachtsam die Cigarre in 'der Luft und thun einen guten Zug aus dem Glase. Er aber vorausgesetzt, daß er ohne Frau in die Kneipe .gehen darf spricht nicht mehr so laut 'wie früher, nimmt aus dem Etui keine Cigarre, ohne das Etui auf alle 'Fälle ein Brautgeschenk mit einem sehr andächtigen Blicke zu streifen, brennt das Streichholz sorgfältig an und legt es noch sorgfältiger ausge'löscht in den Aschenbecher, bläst den 'Rauch auf die Seite nicht seinen Bekannten ins Gesicht untrügliches Leichen! kurz, zeigt in jeder Art den gesetzten Mann. E? sieht auch öfterö nach der Uhr und geht bei Zeiten ab. was ich übrigens für sehr richtig chalte. Wie lange dieser geschilderte Zustand dauert, das ist nicht gut zu sagen. Gewöhnlich kauert es nicht lange. Wie seine Kleidung sich allmählich abnutzt, so nutzt sich auch seine Haltung ab. Die Sorgen treten an ihn heran, und die schönen Wochen, die FlitterWochen, vergehen das Alltagsleben fordert sein Recht. Wenn die Handschuhe zerrissen sind, dann werden nicht -gleich wieder neue angeschafft, die Klei'dung wird ausgebessert, die Stiefel glänzen nicht mehr so wie früher, man lieht sogar manchmal einige Rister darauf, hier und da wird ein Friseur-

Loschen gespart. Der erste kleine hausiche Krieg hat stattgehabt und der unge Ehemann seine Sprache wiedergefunden. Er spricht wieder laut, läßt sich im Kreise seiner Genossen in der Kneipe sehen, während die Frau zu Hause Kinder wartet, bleibt auch einmal ein bischen länger kurz, er wird -wie jeder andere Ehephilister. Mehr der weniger hält dann dieser Zustand an, so lange die Sorge ums Leben anhält, so lange die Kinder Geld kosten. Äommt aber allmählich durch denFleiß ies Mannes und die Sparsamkeit der Hausfrau eine gewisse Wohlhabenheit oder gar ein wenig Reichthum in die Familie, sind die Kindes groß und verborgt, dann wird auch die Ehe wieder Zung. man steuert auf die silberne Hochzeit zu. und einige Jahre vorher ist wieder ein Brautstand. Mann und ssrau leben wieder auf, die Herzen finden sich wieder in ebenso inniger, aber anderer Zärtlichkeit als früher. Vater wird von Muttern herausgeputzt, und nun kann man in veränderter Form, aber im selbenWesen wieder den Bräuiigam im Silberschmuck erkennen.

Die lcHlen Karmonttcn. Eine Hand voll alter, gebrechlicher Leute, die bereits mit einem Fuß im Grabe stehen, und ein Patriarch", der sich noch im Zenith des Lebens befindet, sind die letzten Repräsentanten des auf religiös-communistischer Basis gegründeten Gemeinwesens der Harmoniten in Pennsylvania. Dieses Gemeinwesen wurde von dem schwäbi schen Bauern Georg Rapp gegründet, einem Schwärmer, der die Mission zu haben glaubte, Staat und Kirche in der ursprünglichen Reinheit wiederherzustellen und die Harmonie", d. i. völlige Gleichheit und Einheit, herbeizuführen. Im Jahre 1757 in dem württembergischen Dorf Jptingen geboren, versuchte Rapp zuerst in Deutschland seinen Ideen Geltung zu verschaffen, aber aus naheliegenden Gründen hatte er damit keinen Erfolg und im Jahre 1803 wanderte er mit seinenAnhängern nach der Neuen Welt aus. Seine erste Niederlassung gründete er am Comequenessing Creek in Butler County, Pennsylvania; 1815 siedelten die Harmoniten nach Jndiana über, wo sie am Wabash 27.000 Acres Land erwarben. Dort erbauten sie die Stadt Harmony. Aber auch dort war ihr Bleiben nicht von langer Dauer, denn schon im Jahre 1824 verkauften sie ihre Besitzungen, um nach Pennsylvania zurückzukehren. Diesmal schlugen sie ihren Wohnsitz in Beaver County auf und gründeten die Stadt Economy. Schon im Jahre 1807 war die Ehelosigkeit in der Colonie eingeführt worden und da es der letztern somit an natürlichem Zuwachs gebrach, wurde die Mitgliederzahl durch Zuzug aus der alten Heimath sowie

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I o h n S. D u ß. Kinderadoption vermehrt. Einer für Alle, und Alle für Einen" lautete das Motto der Harmoniten; trotzdem aber, oder vielleicht gerade deshalb, regierte Rapp als Patriarch, Prophet, Richter und Hohepriester. Alles Eigenthum lag in seiner Hand und jedes neue Mitglied mußte bei seiner Aufnähme alle seine irdischen Güter dem Gemeinwesen übermachen. Außer ihren Subsistenzmitteln erhielten die Harmoniten keine Entlohnung für ihre Arbeit und damit waren sie zufrieden, denn sie lebten in der Hoffnung auf den ihnen vom Vater" Rapp verheißenen Lohn in der nächsten Welt. Der Patriarch war einsichtig genug, um die Thätigkeit seiner AnHänger nicht auf den Ackerbau allein zu beschränken. Es wurden industrielle Etablissements errichtet, deren Erzeugnisse einen weiten Absatzkreis hatten. Trotzdem die Harmoniten kein Gewicht auf weltliche Güter legten, konnie es nicht fehlen, daß sie bei ihrem Fleiß und ihrer Frugalität bedeutend mehr producirten, als sie verbrauchten. Aber der Ueberschuß wurde vo,. dem Patriarchen Rapp durchaus nicht zur Besserung der Welt außerhalb seiner Colonie verwendet; seine Fürsorge galt ausschließlich der letztern und diese brachte er denn auch zu einer sehr hohen Blüthe. Als er im Jahre 1847 aus dem Leben schied, stand die Colonie im Zenith ihrer Prosperität. Als sein Nachfolger D e r T e m p e l. wurde Jacob Henrici zum Präsidenten erwählt und wenn auch unter dessen Verwaltung die Colonie Reichthümer gewann, so trug sie doch den Todeskeim in sich und ihr Ende ist nur mehr eine Frage der Zeit. Bei dem Tode Rapp's waren diejenigen seiner ersten Mitarbeiter, die sich noch am 2t ben befanden, ohne Ausnahme alte Leute, die nicht mehr viel arbeiten konnten und sich der Früchte ihres frü heren Fleißes mit Muße zu erfreuen wünschten. Um das Einkommen nicht zu schmälern, wurden immer seltener neue Mitglieder aufgenommen und schließlich fanden gar keineAufnahmen mehr statt. Das Land wurde verpachtet und die alten Brüder und Schwestern verbrachten ihren Lebensabend in Beschaulichkeit. ' Vater Hi rici, Rapp's Nachfolger, predigte wie sein Vorgänger in dem Tempel zu Economy die Doctrin der Harmonit-n. aber er ließ den Geldwerth nicht c::ßer Acht; er verstand die Mittel der Harmoniten sehr gut anzulegen und vornehmlich richtete er seinAugenmerk an Eisenbahnwerthe. Einen so beträch!lichen Theil der Actien der ittsburg & Lake Erie Eisenbahn brachte er in seinen Besitz, daß er zum Präsidenten dieser ..Gesellschaft gewählt wurde. Später war er mit K. K. Vand'7öilt beim Bau der McKeesport & Vughogheny Eisenbahn associ.rt, auch gchörte er dem Directorium der Lake Shore & Michigan Eisenbahn an, in welcher die Harmoniten ebensalls stark

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interessirt waren. Nach Vater Henrici's Tode wurde das jüngste Mi!glied, gewissermaßen ein Adoptivsohn der Harmoniten. zum Patriarchen gewählt und dieser John Duß ist um Name wird voraussichtlich alleini ger Eigenthümer der von ihnen zusammengscharrten Reichthümer werden. John Duß hat als Protög des Die alte Mühle. verstorbenen Henrici Aufnahme in das Gemeinwesen erlangt. Er ist der Sohn eines Bundessoldaten, de? an den Folgen einer bei Gettysburg erhaltenenWunde starb, und im Jahre 18G0 geboren. Im Jahre 1862 trat lerne Mutter als Krankenpflegerin bei den Harmoniten in Economy in Dienst und dorthin nahm sie ihren kleben Knaben mit. Im Jahre 1873 wurde der. Knabe m dre SoldatenwaisenSchule nach Phillipsburg gesandt, und dort blieb er drei Jahre, um dann zu seiner Mutter zurückzukehren und ebenfalls in den Dienst der Harmoniten zu treten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland erhielt der junge Duß im Jahre 1878 eine Anstellung als deutscher Lehrer m Eco nomy. Diese Stellung gav er nacy etwa einem Jahre auf, um das Mount Union College zu besuchen, allem dort war seiner beschränkten Mitt:l wegen seines Bleibens nicht lange und er ging als Lehrer nach Topeka, zcansas. Später erwarb er eine Farm in Web ster County, Nebraska, und im Jahre 1888 kehrte er nach Economy zurück, nachdem er sich inzwischen verheirathet hatte. Der damals am Ruder befindllche Patriarch Hennc? übertrug die Leitung der öffentlichen Schule von Economy dem jungenManne und setzte es auch durch, daß derselbe :m Jahre 1890 als vollberechtigtes Mitglied der Harmonitengemeinde aufgenommen wurde. Bald daraus erfolgte Duß's Wahl zum Mitglied des Verwaltungsrathes der Gemeinde und die Aufnähme seiner Frau als Mitglied. Auf Henrici's Wunsch nahm das Paar in dem Großen Hause der Gemeinde Wohnung, doch mußten sie, in Gemäßheit mit der Harmonitendoctrin, getrennte Zimmer bewohnen. Die Aufnahme des Duß'schen Ehepaares war aber von verschiedenen MitgUeDas Laboratorium". dern mit scheelen Augen angesehen worden und als der junge Duß sogar in den Rath der Gemeinde gewählt wurde, erklärten die Unzufriedenen ihren Austritt, da Duß angeblich ungehörigen Einfluß aus den hochdejahrten Patriarchen Henrici ausgeübt hätte. Der Same der Zwietracht schoß üppig in's Kraut und bald nach Duß's Erwählung zum Patriarchen nahm die Krisis acute Gestalt an. Duß wird beschuldigt, daß er die Grundprincipien des Gemeinwesens verletzt habe und daß unter seinem Regime ein großer Theil des Harmoniteneigenthums in fremde Hände übergegangen sei. Die früheren Harmoniten Christian Schwark, Arthur Koterba, David Strohaker, Allen Shale und G. L. Shale haben im Bundesgericht zu Pittsburg eine Klage angestrengt, doch Duß stellt alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen als grundlos in Abrede. Er behauptet, daß er während seiner Amtsführung als Patriarch to $1,500,000 Schulden des Gemeinwesens abgezahlt habe und daß die Kläger durch ihren freiwilligen Austritt sich aller Rechte begeben hätten. Welchen Ausgang der Proceß, in welchem es sich um Besitzungen im Werthe von Millionen handelt, nehmen wird, läßt sich schwer sagen. Wenn die Kläger obsiegen, so wird das behuss Herbeiführung von Harmonie" gegründete Gemeinwesen ein Ende in Unfrieden nehmen. De facto gehören, von den Klägern abgesehen, nur noch sechs Weiblein sowie ein Greis der Gemeinde als wirkliche Mitglieder an und diese sind viel zu alt und abgestumpft, als daß sie ein actives Interesse an dem Zwiespalt nehmen sollten. Sie träumen ihrem Ende entgegen in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit Vater" Rapp im Jenseits, während ihre Gedeine im Garten", d. h. dem Friedhof der Harmoniten, dem Schoß der Erde übergeben werden. Nach ihrem Hinscheiden bleibt, außer seiner Frau, der Patriarch Duß als einziges Mitglied übrig, und auf ihn geht der Gesammtbesitz der Harmoniten über, falls nicht die vorgenannten Kläger in dem vor dem Bundesgericht schwebenden Proceß einen tüchtigen Brocken davon an sich bringen sollten. D e r M a n n. den alle Welt tun seine Frau beneidet, ist am wenigsten zu beneiden.

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In Deutsch-Ml- Sumea. Neu Guinea, die große Insel, deren Colonisation jetzt von Engländern, Deutschen und Holländern in Angriff genommen wird, ist bekanntlich von einer Urbevölkerung bewohnt, den Papuas, über denn Abstammung, und Stellung in der Ethnologie sich die Gelehrten -noch nicht vollkommen einig sind, wie auch ihr ganzes Geistesleben infolge der Schwierigkeit ihrer Sprachen noch wenig erklärt ist. Aber man würde fehlgehen, wenn ma:: die Culturstufe, auf der sie stehen, gering schätzen oder ausschließlich mit den Augen des Europäers betrachten würde, denn die Papua haben sowohl in den Beschäftigungen, die sie nothgedrungen vornehmen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, wie auch in tu ner gewissen künstlerischen Hinsicht es zu einer für ein Naturvolk hervorragenden Entwicklung gebracht. So sind die Töpferwerkstätten von Bili - Bili berühmt und versorgen einen großen Theil der Küste von Kaiser - Wil-

Helms Land mit ihrer Waare, die auf lisegelcanoes verschifft wird. Diese besitzen einen hohen Grad der Vollenduna. wenn man bedenkt, dak die Vapua noch vollkommen oder dock mm größten Theil noch im Alter der Steinzeit leben. Das erste unserer Bilder führt uns an die Aftrolabe - Bai. das augenblickliche wirthschaftlicheCentrum von ttaiser - Wilhelms - Land. KokosPalmen mit theilwetse schrägstehenden Stämmen deuten auf die Nähe des eror TKHf, .jta fiin StrandvonVogadjim. Dorfes. Im Vordergrund liegt ein Eingeborenencanoe. Der untere Theil eines solchen wird aus einem ausgehöhlten Stamm gebildet, auf den mittels Stricke Planken, die mühsam aus einem Stamm herausgearbeitet sind, ausgelascht und durch einen Kitt aus der geschabten Rinde des wilden Brotfruchtbaumes gedichtet werden. Das Vordertheil ist durch Schnitzereien, bunte Blätter, Nautilusschalen und dergleichen geschmückt, ebenso die Mastspitze, während die Planken mit rothen und schwarzen Malereien geziert sind Die Ca..oes führen einen Ausleger und ein oder zwei Masten mit Mattensegeln aus Pandanusblättern. Auf den denAusleger tragendenStangen ist eine Plattform errichtet, über der sich noch ein zweites gedecktes Stockwerk befindet. Hier pflegen die Eingeborenen sich während der Fahrt an einem kleinen Feuer, wie sie es stets mitführen, aufzuhalten. Ein gebogener, mit Steinen beschwerter Baumast am Rotangseil als Anker, noch mehrere lanzettenförmige Ruder, ferner halbe Kokosschalen zum Wasseraussch'öpfen vervollständigen die Einrichtung. Mit diesen Canoes unternehmen die Eingeborenen ziemlich ausgedehnteFahrten, um Handel zu treiben. Wenn auch die Eingeborenen den Boden bebauen, so schöpfen sie doch auch einen großen Theil des Lebensunterhalts aus dem Meere, und mannigfach sind die Mittel und Methoden, durch die sie den Fischfang einträglich zu machen verstehen. Das zähe Rotangrohr liefert ihnen das beste Material zu ihren Fischkörben und Reusen, die oft ganz gewaltige Dimensionen annehmen und mit äußerster Zierlichkeit und Geschicklichkeit angefertigt sind. Auch im Hausbau erheben sich die Papua auf eine gewisse Höhe, indem sie ein großes Geschick im Bauen der Hütten zeigen und bei ihrer Anlage auch einen geOchsenkarren. wissen künstlerischen Sinn zur Geltung bringen, der manchen anderen, anscheinend auf höherer Culturstufe stehenden Völkerschaften mangelt. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die Eingeborenen mit ihren steinernen Werkzeugen nicht nur die Stämme behauen, sondern auch viele phantastische, aber mit großer Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführte Schnitzereien herstellen, und daß diese beträchtlichen Gebäude, zum Theil auf schwankenden Psählen im Wasser errichtet, in allen ihren Theilen nur mit Lianen, Rotang oder Stricken zusammengebunden sind. Ein jedes Dorf in Neu Guinea besitzt außer einer Zauberhütte ein Junggesellen- oder VersammlungsHaus, das von der Dorfgemeinde bei besonderen Anlässen benutzt wird. In diesen Junggesellenhäusern nächtigen die jungen Burschen und unverheiratheten Männer wie die fremden Gäste, hier werden Berathungen und Feste abgehalten und besonders wichtige Geräthe verwahrt. Aber sie sind auch der Lieblingsplatz für gemüthliche Plaudereien mit süßem Nichtsthun, wie andererseits auch mancherlei nützliche Arbeiten hier ihre Werkstätte haben. Die Benutzung des Hauses ist also sehr mannigfaltig, doch ausschließlich der Männerwelt vorbehalten. Die Papua sind ein mittelgroßer Menschenschlag von meistens schlanker Figur, mit leidlich entwickelten Mus-

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keln. Das wollige, verfilzte Kraushaar wird häufig an der Peripherie abgeschoren, so daß nur ein mützenförmiger Theil am Wirbel stehen bleibt. Brustschmuck aus Eberhauern, Ohrringe aus Schildpatt ergänzen die übrigen auf das äußerste Maß ' beschränkte Kleidung.

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FlechtenvonFischkörben. Der Plantagenbau hat in dem gesegneten, fruchtbaren Landstrich, der sich zwischen den Bergketten des Innern und der Küste erhebt, bereits angefangen, und besonders sind die Tabaksanlagen zu ansehnlicher Bedeutung gediehen. Taö Zifferblatt des Jahres 1899. ' Um feststellen zu können, auf welchen Tag der Woche ein bestimmtes Datum des neuen Jahres 1899 fällt, kann man sich eines sehr einfachen Mittels bedienen. Auf einem Uhrzifferblatt denke man sich in der von uns wiedergegebenen Weise die Grundzahlen 7, 3, 3, 6, 8, 4 u. s. w. unter die römischen Zahlen, die die Stunden angeben, gesetzt. Die römischen Zahlen beziehen sich auf den Monat, und die unter ihnen stehenden arabischen Zahlen sind zu dem Monatsdatum hinzu zu addiren. Diese Summe ist durch 7 zu dividiren, und der Rest giebt an, auf welchen Tag, der Woche das Datum fällt, wenn unter dem Rest 1 der Sonntag, unter dem Rest 2 Montag u. s. w., unter dem Rest 0 der Sonnabend zu verstehen ist. Um z. B. zu bestimmen, auf welchen Tag in diesem Jahre der glorreiche vierte Juli" fällt, hat man zu 7 die Zahl 6 zu addiren, da die römische Zahl VII. sich auf den siebenten Monat, Juli, bezieht. 6 und 4 gibt 10 und diese Summe, durch 7 dividirt, läßt den Rest 3, d. h. der Geburtstag" der Republik fällt in diesem Jahr auf Dienstag. Ein Opfer der Emancipat i o n. Ich kann Dir leider keinen Wechsel mehr schicken, lieber Neffe ich brauche das Geld!" Ei verflucht!. . . Hast Du Verluste gehabt, Tante?" Das nicht aber ich studire jetzt selbst!" JnderFremde. Seit drei Tagen hab' ich nichts mehr gegessen; heute werde ich noch Knödel probiren, wenn die auch nicht schmecken, dann habe ich halt. . . Heimweh!" Verwechslung. Gattin: (Sieh mal, Arthur, die Amme dort mit dem kleinen Jungen an der Hand. Das Kind ist zum Küssen hübsch nicht wahr?" Gatte: Ach ja, ein hübsches Kind es scheint eine echte Spreewälderin zu sein." Der kleine Dieb. Lehrer (streng): Du bist wieder in Herrn Huber's Schoten gewesen, Hans! Gegen welchesGebot hast Du gesündigt?" Hans schluchzend): Gegen das siebente!" Lehrer: Was bist Du nun?" Hans: Ein Dieb!- Lehrer: Und wie nennt man Deine Handlungsweise?" Hans: Die die Erbssiinoe!

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Das Vismarck-Musolcum. Jahrelang vor seinem Tode hatte Fürst Bismarck bereits die genauesten Bestimmungen darüber getroffen, wo und wie seine sterblichen Ueberreste dem

Qbchooße der Erde übergeben werden sollten. Für ihn. dem das Schicksal in einem langen Leben harte Kämpfe und glorreiche Erfolge, Ruhm und Ehre, Glück und auch bitteres Leid in reicherem Maße als anderen Erdenwanderern beschieden, hatte der Tod keine Schrecken. Er pflegte gern der Zeit zu gedenken, in der er einst nach mühevoller Lebensfahrt, umrauscht von dem Flüstern der gewaltigen Eichen und Buchen seines Sachsenwaldes, zu ewiger Ruhe aus dem klemm Hügel gegenüber dem alten Schlosse gebettet sein würde, von wo aus er, wie er scherzend hinzufügte, wenigstens immer die Eisenbahn vorbeifahren hören könne. Getreu den Wünschen des Berstorbenen, haben seine Kinder dem AltReichskanzler in Friedrichsruh ein Mausoleum errichten lassen. Dasselbe steht auf dem sogenannten SchneckenDas Mausoleum. berg" und ist eine Art Doppelgebäude. Es besteht aus dem eigentlichen Mausoleum, einem etwas über 12 Meter hohen Bau mit kupfergedeckter Kuppel, und einer für die Beisetzungsfeierlichkeiten bestimmte Grabkapelle; letztere ist wesentlich niedriger als das Mausoleum und mit schrägem Schieferdach versehen. Das Portal befindet sich in der Kapelle. Das ganze Bauwerk hat die Breite vn fast 21 Meter. Unter dem großen Kuppelbau werden nur die Särge des Fürsten und der Fürstin beigesetzt; die Familiengruft befindet sich unter der Kapelle. Die Grundmauern, außen Granit, innen Backstein, haben eine Stärke von lj Meter; der im romanischen Stil gehältene Oberbau ist aus Tuffsteinquadern gefügt. Die Beleuchtung des Mausoleums erfolgt durch Oberlicht von der Kuppel aus. Der innere Ausbau wird entsprechend dem ernsten, fast strengen Charakter des Außenbaus in schöner, geschmackvoller Einfachheit durchgeführt. Betritt man die Kapelle, so führt gleich vom Eingang aus eine Treppe rechts nach den Beisetzungsräumen, während eine andere Treppe links aufwärts in die Kapelle und den über der eigentlichen Gruft befindlichen Hauptraum des Mausoleums führt. Am 1. April, dem Geburtstag des Verstorbenen, soll es seiner Bcstimmung übergeben werden. FideleJagd. in. 5 Wl: '(m, .i,A . vm$ AmmmA 4iMXM lJrv '. . u i il: . I. ! 1 1 ! i .Xrir. nit'nii,! Jäger: Donnerwetter, nach jedem Schuß überschlagm sich die Hasen und laufen davon!" Treiber: O, die machen nur aus Freude einen Purzelbaum, weil s' nich: 'troffen sind!" Gemüthlich. S i e: Du. Franzl, wozu steckst Du den:, den Schlagring ein?" E r: Ich hab' mit dem Nachbar etwas zu besprechen!" Frauenlogik. Mann: Der Juwelier Schön ist ja bankerott geworden!" Frau: Siehst Du, das kommt davon, daß ihr Männer immer so geizig seid!" . Eine sparsame Familie. Die Familie Hippelmaier ist sehr geizig. Nur in Nothfällen gestattet sie sich eine Droschke '2. Klasse sonst fährt Alles Pferdebahn. Eines Tages herrscht, als man gerade mit den beiden Töchtern auf einen Ball fahren will, ein furchtbarer Schneestürm. Minna", holen Sie eine Droschke 2. Klasse." ruft Herr Hippelmaier in die Küche. Minna stürzt fort. Es vergeht längere Zeit. Endlich kommt sie erhitzt und außer Athem wieder. Jnädige Frau." ruft sie, .bei det Wetter konnte ik partout keene zweeter nich finden. Ik mußte eene erster nehmen, aber ik habe och de allerschlechteste ausjesucht!-

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Ein Notar wird aus's Land gerufen, um ein Testament aufzunehmen. Der im Bett liegende Bauer dictirt. und als Alles fertig, erhebt sich der Notar, um zu gehen. In demselben Augenblicke richtet sich auch der robuste Landmann auf seinem Lag'.r in die Höh: und fragt: Kann ich nun auch aufsteh'n?" Notar: Ja, sind Sie denn nicht krank?" ' Bauer: Mir fehlt nix! I' hob' nur 'glaubt, beim Testament machen muß ma' im Bett liegen!" Zu lang. Wie kommt es denn, daß die Verlobung von Fräulein Lina mit dem Herrn Assistenten zurückgegangen ist?" Ja wissen S', das Fräulein hat schon zehn Jahr' auf den Assistenten gewartet; jetzt hat er geschrieben, er käm' zur Hochzeit mit der Sekundärbahn, und schauen S', so lang hat s' halt auch nimmer warten wollen!" Erkannt. Ach Fräulein Emilie, ich liebe Sie so heiß, so innig, so unermeßlich, so . ." Aber, mein Herr, so viel Mitgift hab' ich ja gar nicht!" Auf dem Kasernenhof. Feldwebel: Müller, sind Sie ung?schickt!... Was war eigentlich Ihr Vater?" Rekrut: Feldwebel!" Feldwebel: Na ja. da sieht man wieder 'mal recht deutlich, wie rasch die heutige Menschheit entartet!" Immer derselbe. Dame: Oh. ich bin meistens heiter nur manchmal habe ich so trübe, nachdenkliche Stunden.' Studiosus: Nicht wahr, so gegen den Letzten herum?!' Kasernenhofblüthe. Sergeant (zum .Einjährigen): Will der Mensch erster Liebhaber sein und bringt keine Kniebeuge fertig!" Gedankensprache. Auch das geschwätzigste Frauenzimmer hält auf der Stelle den Mund, wenn der rechte .Kuß kommt. O diese Kinder. Hanschen: Ist das wahr, Onkel, daß auS den Raupen Schmetterlinge werden?" Onkel: Gewiß, mein Kind." HänZ chen: Na, dann sage mir doch 'mal, Ontel, was für Schmetterlinge werden aus den Raupen, die Du, wie Pa pa sagt, im Kops hast?"