Indiana Tribüne, Volume 22, Number 137, Indianapolis, Marion County, 5 February 1899 — Page 7
Mnestsche Kaiserinnen. ! Es gUXit wohl auf dem wetten ErUmrund zur Kit keine Frau, die fortdas öffentliche Interesse in gleichem Maße beschäftigt wie die Kaiserin - Wittwe von China, die chinesisch: Semiramis." So seltsam auch das Bild dieser merkwürdigen Frau. beruhttn mag, die eigentlich nur durch sich und ihre Willenskraft seit mehr als dreißig Jahre die Herrschaft im Riesenreiche behauptet, neu ist eine derartige Erscheinung nicht in der Geschichte Chinas. In keinem' Volke, auch nicht bei den Franzosen, hat die Frau eine so große und man muß das zugestehen eine so verhängnißvolle Rolle gespielt wie bei den Chinesen. Mögen einige Beispiele bekunden, wer die Kaiserinnen waren, von denen die Geschichte erzählt. Die Messalina unter diesen war Wei-Hi, welche im 18. Jahrhundert vor Christi Geburt ihr Wesen trieb. Sie war die ob ihrer Schönheit berühmte Tochter des Fürsten von Schich. Als diesem der chinesische Kaiser Kieh (18181766 v. Chr.) den Krieg erklarte, unterwarf er sich und sandte Wei-Hi als Geisel in den Harem des Kaisers. Dieser wieder unterwarf sich dem Liebreiz des schönen Mädchens, machte sie zu seiner Gemahlin und plünderte sein Reich, um ihren Launen zu genügen. In den Gärten des Kaiserpalastes wurde ein Teich angelegt, den man zu Festen mit Wein füllte. Dort badeten und tranken die Gäste des Kaiserpaares, bis das Fest in allgemeiner sinnloser Trunkenheit endete. Als sich der Aerger über solches Treiden bedrohlich meldete, wurde für Wei-hi ein Schloß unter der Erde gebaut, und die Geschichtsschreiber melden nur, daß sie sich schämen, niederzuschreiben, was do?t geschah. Das Ende war ein Aufstand, die Entthronung und der Tod des Kaisers Kieh. Weitaus harmloser und nur durch thörichten thörichten Uebermuth richtete eine andere Kaiserin ihren Kaisn-Ge-mahl nnd sich selbst zu Grunde. Pautze war erst Slavin und dank ihre? Schönheit dann Gemahlin des KaiftrS Yin (781770 v. Chr.) Sie war nicht ebenlaftcrhaft, aber launisch in ihren Wünschen, sie verstand es zu schmollen und das Verrückteste zur That werden zu lassen, wenu sie sich Spaß davon versprach. Einmal derlangte sie, man solle die Leuchtfeuer anzünden. Das war der Alaimtelegraph in China, der den Vasallen ankündigte, es drohe Krieg, und der sie aufforderte zur Heerfolge. Sie Zamen alle mit ihren Reitern und ihrem Troß. Pau-tz? aber lachte und hatte ihren Spaß daran, als die Treuen grollend wegen des ZLeiber-Hohnes wieder ab-
zogen. Bald darauf gab es ernsthafitn Krieg. Die Leuchtfeuer wurden wieder ngezündet, aber Niemand kam. Der Feind eroberte die Residenz, iödtete den Kaiser, und die schöne Pau-tze kam als Sklavin in den Harem eines kleinen Fürsten. Vielfach an die jetzt regierende Kaiserin - Wittwe erinnert das, was die Chronik von der Kaiserin Lu-schih (206189 v. Chr.) erzählt, der regiesenden Wittwe nach dem Kaiser Kautsin. Dieser Kaiser hatte für eine Horems-Sklavin Namens Tsi eine starke Zuneigung gefaßt, und wenig hätte gefehlt, so wäre Tsi Kaiserin und rhr Sohn Thronfolger geworden. In dessen starb der Kaiser, und für den Knaben, ihren Sohn, Hecnidi, wurde die Wittwe Lu-schih Regentin. Ihre erste That war, daß sie die Rivalin bei lebendigem Leibe in Stücke schneiden und den Sohn der Unglücklichen er würgen ließ. Ihr eigener Sohn, den sie zur Hinrichtung der Nebenbuhlerin kommen ließ, siel vor- Entsetzen m Wahnsinn. Nach seinem Tode wurde ein anderes Haremskind zum Kaiser ausgerufen, und Lu-schch regierte wei ter. Da dieser Knabe heranwuchs und bald großjährig werden sollte, ließ sie ihn todten und ein anderes Kind zum Kaiser machen. Im achten Jahre ihrer Regierung ging sie das forderte die Sitte des Hofes von ihr in einen Fluß baden. Dort wurde sie von einer Giftschlange gebissen, und als sie starb, zuoelten die Chinesen. Wir haben hier aus dem Zeitraum von zwei Jahrtausenden vor Christi Geburt nur drei Typen der lasterhaften der leichtsinnigen und der herrschsuch tig - grausamen Kaiserinnen herausgewählt, doch wiederholen sich einzelne solcher Erscheinungen bis in die Gegenwart, wie ja auch die Cultur des Reiches undVolkes beharrlich die gleiche n w . m m t geoncoen in. toie oileo io i.eyr me gleiche, daß selbst die grausame Todes strafe des Zerschneidens bei lebendigem Leibe noch heute vollzogen wird. Aber dieselbe Chronik verzeichnet auch das Andenken liebenswürdiger und relchbe gabt-tugendhafter Kaiserinnen, und auch von diesen mögen einige Beispiele die Vorstellung geben, wie im Reich der Mitte das edle Menschenthum er blühte. Ku-an war die Gemahlin des tapse ren Kaisers Suan (837781) vor yr.) Äls der Kaiser des KriegsIeoens müde wurde, liebte er seine Be . quemlichkeit so tx, daß er sich wei aerte. im Frühjahre den Vflua zu füh ren. Es war und ist geheiligte Sitte in China, daß der Kaiser im Frühjahr einmal im Bauernkleide selbst pflügt, r ctit- . m.;r. v UM 1 einem Äviie cm eiiplei zu geoen. Da Ku-an von der Weigeruna ihres Kaiserlichen Gemahls erfuhr, legte sie Bettkrkleider an, lieft sich m's Gesang niß führen und sagte, sie sei eine Unwürdige, wenn i N-mahl in der Ehe mit ihr so entartet sei. Der Kaiser vernahm, was sie gesagt hatte, und suhrte den Pflug. Ku-ans Andenken aber wurde gesegnet. Die merkwürdigste und geistig be deutendste unter den chinesischen Kaise rinnen war Tschang-sun, die ob ihrer
Tugend. Güte und Weisheit noch heute
verehrte Gattm des großen Kaisers Tai-tsnng (627 biS 650 n. Chr.). Als sie. im Jahre 632 schwer erkrankte, brachte ihr Sohn den Göttern Opfer und betete zu tönen. Die tzsteroenoe ließ hin rufen und sagte zu ihm: Un ser Leben liegt in der Hand Gottes; wenn er uns bestimmt hat, zu sterben, so kanrk kein Opfer uns retten. Die Opfer, die Du gebracht hast, sie wären besser unterblieben. Dem Bater glaubt nicht an ihre Macht, und aus Ächtung für ihn hättest Du ihre Hilfe nicht erst anrufen sollen. Schmücke mich Nicht für das Grab; spare Juwelen und Seide; gieb mir hölzerne Haarnadeln und ein leichtes Kopfkissen in den Sarg. Das genügt. Das aber . r : .. jt n C C! veripncg mir, vie cgnicgiien uno oic klügsten Männer Dir zu Rathgebern zu wählen, dann will ich ruhig sterben."Und so starb sie. die mit ihrem Gatten und ihrem Sohne in der Geschichte Chinas dauernd die mor genannt wird. Aas chlück in der ßße. Von R. Franceschini. In den vermischten Schriften erzählt Börne von einem ihm befreundeten Ehepaare, welches zur bequemeren Schlichtung ehelicher Zwistigkeiten übereingekommen war, den Ofen im Zimmer als eine Art Janustempel zu betrachten, der ja bekanntlich im alten Rom während des Krieges geöffnet und Wahrend des Friedens geschlossen blieb. Wenn nun unter den beiden Gatten ein häuslicher Krieg ausbrach, öffnete der Mann das Ofenthllrchen. Schloß dann die Frau dasselbe, so war dies das Signal, daß sie Frieden schließen wolle, worauf sich Beide aussöhnten. So anziehend aber eine solche Art, Strettigkeiten.zu schlichten, sein mag, probat könnte sie doch nur bei einer großen Nachgiebigkeit des einen von Beiden werden. Denn gesetzt den Fall, der Mann macht die Osenthur auf, die Frau macht sie aber Licht zu was dann? Da hilft keio Ofen, kein Janus und nichts. Jüngst behauptete ein erfahren Ehemann, die Hauptschuld an einer ANglücklicheu Ehe liege an der gänzlich ungleichen Stellung vonMann und Frau bei uns. Würde, meinte er, die Frau ein selbstständigeres Leben führen, nach irgend einer Richtung sachlich ausgebildet sein, so daß sie jederzeit im Stande to'äxt, den Forderungen des Lebens auch selbst die Stirne zu bieten, so stünde sie dadurch dem Manne viel naher, wurde dessen Arbeiten, dessen Sorgen und Bedürfnisse Diel besser verstchen, als eine Frau, die hiervon nichts weiß. Daher seien euch die Ehen, in welchen die Frau ein eigenes Geschäft betreibe, wie der Mann,' die am toenigften im Glelchgrwicht gestörten. Für linder lose Ehen mag jene nüchterne Auffas sung durchwegs entsprechend sein. In allen Fanen ober, in denen eine Frau nicht nur Gattin, sondern auch Mutter. Amme und Erzieherin ihrer Kinder wird, ist dies eine so erschöpfende Aufgäbe, daß sie fast mit allen anderen Aufgaben und Berufen als unverein bar betrachtet werden muß. Allerdings wird vorausgesetzt, daß dieser natürZiche Beruf des Weibes seitens des letzleren auch in vollem Maße seine Erfüllung finde. Ueberall, wo dies der Fall, liegt es eher am Manne, darob besorgt zu sein, wie er einer so verehrungswurdigen Frau gegenüber mit semem Be rufe und feinen Pflichten ein Aequiva lent biete. Wenn nun auch fo die Bedingungen einer guten Eintracht gegeben, die Pflichtenkreise schön abgegrenzt und Mit reichem Inhalt versehen sind, so bietet dies Alles dennoch keine sichere txi t r.1' . ! t . rr , . lifcioaqr jm eine giuaua? vzyz. Zivi sehen Beiden schwebt irgend ein Miß Verständniß, ein stets wieder auftau chendes Streitmotiv, und das früher erwähnte Ofenthürchen bleibt immer offen, wie der Janustempel zur Zeit des punischen Krieges. Dann hört man wohl sagen: Der Mann hat seine Frau schlecht erzogen!" Dies ist nun freilich das billigste Auskunstsmittel, um von einer Frau alle Berantwor tung abzuwälzen. Warum erzieht sie sich nicht selbst, warum folgt sie nicht selbst aufmerksam den Richtungen, die der Gent und das Gemüth des Man nes einschlagen? Ein Schalk hat den Vorschlag gemacht, man solle den Brautleuten vor btx Heirath eine Art Fragebogen vorlegen, wie es die Versicherungsgesellschaften bei ihren Eom mittenten zu üben Pflegen; in diese Fragebogen sollen Bräutigam und Braut Tice versa die verlangte Aus kunft über geistige und seelischt, Anla gen, über Gesundheit u. s. w. eintra i v i r r m gen. reui na? mneryalv emer zu fixirenden Zeit ein Fall ein, der die Unwahrheit der Angaben beweist, so kann die Ehe als ungiltig erklärt werden. Dieser Vorschlag wär nun qar nicht so dumm, als er aussieht, wenn ihm mcht das Hinderniß der Schwie rigkeit der Selbsterkenntniß gegenüber stände. Wie diele würden die Courage zum Heirathen verlieren, wenn sie sich selbst genau erforschen und dem anderen Theile mit ehrlicher Ueberzeugung sa gen könnten: So bin ich. so werde ich im Wesentlichen sein; also wenn Du willst, bin ich bereit!- Erst vor Kurzem hatte ich das Vergnügen, einem meiner Freunde beizustehen, in dessen Herz eine heftige Liebe eingezogen. Er kämpfte mit sich den harten Kampf emes Men schen, dessen innere Stimme immer zu gleich ja und nein saat: In den Aus drücken der höchsten Verehrung von dem Gegenstände seiner Neigung sprechend, überzeugt von einem großen Glücke, welches ihm winken würde, falls er seine Liebe erwidert fühlte, brachte er VJk I i m. - ;i rm 5 r wuj jcuci zivenen juwti oie nrc ftl ...Vs er V - r ' ! r i c rr jucc uu .upel, vag er Nicyi ot Mi genschaften besitze, um eine Frau glück
lich zu machen, weil ihm alleö Talent
zum Ehemann abgehe. Aber warum soll die Frau nicht auch den Mann erziehen? Mit den wirklichen Charaktereigenschasten kann d:e Erziehung wen:g anfangen. Das sind feste Zuge, angeboren und unveränderlich. Wessen sie sich mit Erfolg bemächtigen kann, da? sind die während des Jugendlebens erworbenen, angezogenen, im mütterli chen Keime noch nicht vorgebildeten Eigenschasten. Schlagen wir doch nur das Capitel Selbstbeherrschung" auf. Das ist namentlich eine der schwachen Selten der Frauen, dem Assecte die Zügel schießen zu lassen und damit zugleich der Vernunft den Lauspatz zu geden. Hier liegt für den erziehenden Mann ein dankbares Feld vor; denn, Selbstbeherrschung ist ein Resultat der Uebung und kann daher einer jungen Frau, der sie mangelt, anerzogen werden. Es ist dasselbe wie mit dem Widerspruchsgeiste, dieser gefährlichen Klippe des Ehelebens; auch dieser kann nur als eine zufällige Untugend, als eine üble Dnkgewohnheit betrachtet werden und für einen Mann, der die Mühe, seine Frau zu erziehen, . nicht r i c 4. y. i . c a)züi, uno oer von iyr geneor roiro, kann es keine besonderen Schwierigkeiten haben, sie von der Unsitte des gewohnheitsmäßigen Widerspruches zu befreien. Ein Erzieher, der die Liebe zur Gehilfiu hat. kann Alles. Er wird seine Frau auch der Bildung nach immer mehr herausziehen, sosern eben die Vorbedingungen gegeben sind. So Einen der Himmel bewahren möge vor einer sogenannten gelehrten Frau, so erfrischend ist eine Frau, welche über nicht' viele, aber solide Kenntnisse verfügt, welche mit einem durch Bildung erworbenen ernsten Sinn für Vedeutendes den Sinn für Kleinlichkeit auslöscht, welche mit lebendigem Interesse an, den den Mann interessirenden Culturbewegungen der Zeit einen, wenn auch begrenzten Antheil nimmt und niemals die den Frauen so gut anstehende Tugend der Menschenfreundlichkeit vermissen läßt. Alles das gehört zum Begriffe der Bildung und nur ein Gedankenloser kann da von Blaustrümpfen" reden. Warum sollen unsere Mädchen nicht in solcher Art erzogen werden? Das Naturell der Frauen ist so nah mitKunst verwandt sagen die Gärtnerinnen im Faust" ; warum also ihnen nicht eine wenigstens ähnliche geistige Vorbildung geben, wie unseren Knaben? Freilich sind das im Vergleiche mit dem späteren Berufe des Weibes und der Mutter Nebensachen; aber sie durchtränken das weibliche Wesen mit dem unversieglichen Born des Bildungs - Bedürfnisses, und das ist die Handhabe, an welche auch der noch so hochstehende Mann seine ihm in Liebe ergebene Frau zu sich heraufheben kann als seine ihm ebenbürtige Gefährtin. Das klingt sehr pathetisch, aber es ist wahr, und wenn auch auf diesem Wege die unglücklichen Ehen, welche ja mit oft unberechenbaren Gemüthscoefficienten zu rechnen haben, nicht aus der Welt geschafft werden, so ist doch kein Zweifel, daß entsprechend vorgebildete Mädchin. eben weil sie im allgemeinen dem Denken und Empfinden des Mannes - näher stehen, ohne selbst an ihrer schönen Weiblichkeit etwas einzubüßen, eine weit größere Gewähr für eine zum mindesten erträgliche Ehe mitbringen, als ihr, Gegentheil. Das scheint nun eben der Vortheil des Junggesellen aus Princip zu'sein, daß solche Erwägungen für ihn gänzlich überflüssig sind; denn wozu braucht er Argumente für etwas, was er nicht behauptet?. Was geht ihn eine glückliche oder unglückliche Ehe an und für sich an? Bittere Täuschung! Sie kommt, die Liebe, wie der Dieb in der Nacht, heimlich, plötzlich, ein Blitz, ein Schauer es ist geschehen. Der arme Junggeselle, der noch eben in übermüthiger Laune erklärte: Ledig währt am längsten." träumt eine' Nacht später: Dies Bildniß ist bezaubernd schön- und heirathet. Zigeunermahl. AuS dem Ungarischen des E. Saö. Am Ende der Stadt hat sich eine bunte Gesellschaft zusammengesunden. Nebeneinander wohnen da der Herrgeh, der Bischof und die Zigeuner. Da steht der Dom. - die mächtige bischöfliche Residenz und dahinter, auf freiem Felde, die Zigeunerzelte. Am prächtigsten ist die Residenz, dann kommt das Gotteshaus und zuletzt die Zloeunerbuden. Der Bischof hat sich hier angebaut, siedeln dürfen. Der liebe Gott lächelt gleicherweise auf beide herab, freundlich und warm, sogar recht warm. Die Sonne iebt im Mittag, .ihr Angesicht leuchtet wie das der schönsten Zigeu ncrin. Die Bevölkerung der. wind schiefen Hütten hat 'sich draußen rn: dergelassen, in dem goldenen Regen zu baden. Sie genießt mit ganzer Seele dies Vergnügen, zu dem der Cultur mensch über seinen vielen Arbeiten und Zerstreuungen so selten kommt, daß er gar , nicht weiß, wie wonnig es ist. wenn die Sommersonne . warm und goldig scheint. Die Angehörigen Franz Konoers, des berühmten Leiters der ersten Bande der Stadt, geben sich mit besonderem Hochgenuß dieser Lieblings beschäftigung der Zigeuner hin. Eine äußerst nützlicheSippe dies; eine ganze Bande kann man daraus bilden. Frei lich, wenn sie zusammen spielen. Irrscht wenig verwandtschaftlicheEin tracht in ihrer Musik. Sie haben die Geräthe nach dem Unterschiede des Alters und des Geschlechtes unter sich vertheilt. Der Großvater flickt eben wnen Brummbaß, an dem kaum noq I eine unaeflickte Stelle ist: nocb eirtt
2 ihm bier draußen gefiel; er sollte d:e freie Luft genießen. Die '.iaeuner deshalb, weil sie nur hier
Wahl, "Vte gewöhnlich in einer Rau-
ferei endet, wird er schwerlich uverilehcn. Wie Konders Frau weiß" Niemand die Zimbel zu bearbeiten, so wenig man ihr auch die Künstlerin ansieht, wie sie eben in der Küchenthür (der Thür der Küche, des Vorzimmers, des Empfangsraumes, der Wohnstube und der Schlafkammer) hockt, den von radenschwarzem Haar umwogten Kopf in den Sckook ihrer ' beirathsfähigen Tochter gebettet. Der Haarschwall ist unglarolich wirr, eine ewige ausruoretische Verwahrung gegen leoweoen Ordnungsversuch. Auch die Geiger und Bläser gehören sämmtlich zu Konders zahlreichen Sprößlingen, und waL etwa nocb feblt. wird auch bald da sein: der jüngste versucht, auf einem 1 LLl . mm ftVl 9 umgesturztenNesjel reiteno, i.eme rwtt von der Schülergeige mit einer Saite hcrunterzukratzen. Die Weise, aus welcher die ganze Seele, das ganze x.t ben'der Zigeuner herausklingt, ist ein seltsames Gemisch ibrer einfachen Lebcnsauffassung und ihrer ausschweisenden Einbildungskraft: Röslein, wollin kaufen Brot und dünnen Speck, Gold'nes Schloß, das auf dem Rittersporn sich dreht, Rothes Seidentuch für deine weiße Schulter: Also zieh'n wir, Röslein, hin nach Thur zu Markte. Das Lied klingt so weich, so leise wie Grillengezirp. Dennoch gefällt es einem Stieglitz im Garten .der Residenz so, daß er es nachzupfeifen beginnt. Im Rosengarten des Bischofs nisten viele Singvögel; es ist eine Lust, ihren Liedern zu lauschen. Das Leben ist wie Seide, liedervoll, hei! Da in das Gezirp und den Vogelgesang hinein dröhnt auf einmal der tiefe volle Ton der Domuhralocke. Zwölf Tonwogen zittern durch die strahlende Lust. Der Zigeunersproßling läßt sich dadurch so wenig stören wie die Vögel; dann aber verschlingt das nach dem Glockenschlage anhebende dumpse, mächtige Geläut ihr Lied völlig. Ihm scheint die heitere Musik nicht zu gefallen. Warum geben die Menschen ihren Glocke auch eine so zürnende Stimme? In den Kirchlein und Kapellen lassen sie den Herrgott so freundlich reden warum in den Domen finster, wie zürnend? Glauben sie. daß der Herrgott, wie so manches Menschenkind, um so unwirscher wird. . " 5 l ' r f- 'nn je praaziiger n Haus lsl k Die Zigeuner haben inzwischen mit indischer Seelenruhe die Zeit todtgeschlagen, theils tabakkauend, theils kalt rauchend, das untere, saftigere Ende des Pfeifenrohres im Munde. Nur die Großmutter hat noch eine brennende, qualmende Pfeife im Munde, was vom guten Herzen der ganzen Gesellschaft zeugt. Solange einer Tabak hat, versieht er zuerst die Großmutter damit. Das Haupt der Bande regt sich jetzt langsam und blickt nach dem Dom. Die Zahlen kann er. zwar nicht lesen, aber er weiß', daß man nach der Uhr sieht, um zu wissen, was es an der Zeit ist. Mittag!" murmelt er. Auch der Großvater läßt .seine Baßschustere! sein und bestätigt, nach der in der Küchenthür lagernden Hausfrau schielend: Ja, es ist Mittag.Die Hausfrau aber regt sich nicht. Sie streichelt noch eifriger das Rabenhaar, wovon es noch wirrer wird, wie das unartige Kind nur noch ärger schreit, wenn man es beruhigen will. Daß die Hausfrau das Mittagsgeläut nicht beachtet, besagt - viel, das heißt nicht viel, sogar nichts zu essen. Das hatten sie übrigens schon beim Frühstück, wollte sagen zur Frühpückszeit, erfahre:), da alles Herumgestöber auf dem Grunde der Ranzen sich als vergeblich erwies. Wozu also sollte die Frau t ihren hungrigen Hausgenossen nochmals bestätigen? Die Zigeunerin ist nicht geschwätzig, nur dann, wenn es ihr bezahlt wird, wie beim Kartenschlagen. Im übrigen gönnt sie ihrer Zunge Ruhe. -Trotzdem erhebt sich die ganze Sippe und lagert sich rings um die Hausmutter, als ob diese die volle Schüssel vor sich hätte. Die meisten liegen auf dem Bauche, das Kinn auf die schwarzen Fäuste gestützt, und starren in den schönen gelben Sand, woraus ihre Einbildungskraft alsbald ein Tisch-l?in-deck-dich hervorzaubert, mit. allerlei Leckerbissen beladen: saftigem Braten, Weißbrötchen und dergleichen. Der Contrabassist, der jekt nur noch mit eineck .Auge schielt früher schielte er auf beiden, aber eines . ist ihm ausgeschlagen worden , wirft funkelnde Blicke auf die rauchenden Schornsteine der Residenz und fragt,den Häutpling mit dem Ellbogen anstoßend: Du, Franz. was ißt der Bischof eigentlich zu Mittag?Franz blickt ebenfalls hin. als ob er aus der Farbe oder dem Dufte des Rauches die Antwort ergründen könne, und erwidert schließlich: Gewiß .ißt er alle Tage Rind-fleisch.-Mach' keine Dummheiten!" fährt der Andere auf. Sie werden doch nicht alle Tage ein Rind oder ein Kalb schlachten?Gewiss, zwei für eines,- bekräftigt der Häuptling und streift mit einem Blick unsäglicher Verachtung den Bassisten, der in den herrschaftlichen Küchen so wenig Bescheid weiß, als hätte er nie dort musizirt. Vielleicht würden sie sich noch über die sie so nahe angehende Frage in die Haare gerathen, wenn der Clarinettenbläser nicht einwürfe: ' Ich habe gehört, der Bischof ißt alle Tage Spanferkel, knusperig und braun gebraten.Das königlich Spanferkel zieht die Aufmerksamkeit der Zigeuner mit einem Male von dem gemeinen Rindfleisch ab und aus sich. Ihre Nasen-
lochn ' erweitern sich, ' als ob sie den
Wut des Spanferkels, süßer als Rosenduft, einfögen, als ob sie die , hartgehratene Schwarte nutschten, nagten rnd zwischen den Zähnen knirschen ließen, und ihre Augen glänzten, als ob ihnen zu beiden Seiten des Mundes das Fett des ersten Gerichtes der Welt hcrabtriefe. Und was ißt er nach dem Span-ferkel?-fragt der lötenbläser. sein. selbst bei einem Zigeuner ungewöhnlich iqwarzes Gesicht naher schiebend. Dann ißt er Flammeri mit Fruchtsaft," versetzt der Clarinettist mit strahlendem Gesicht, als fetze er zugleich' diesen Leckerbissen den Tafelnden vor. Eine Weile schweigen alle, äugenscheinlich mit derVertilgung des Flammeris mit Fruchtsast beschäftigt. Sie schlucken förmlich auf, nach Luft schnappend, wenn sie einen zu großen Bissen genommen gut nur, daß der Häuptling den künstigen Paganini nicht in den Rücken knufft . mit den Worten: Laß Andern auch was, oder der Teufel holt Dich!Und jetzt erhebt sich auf einmal das heirathsfähige Mädchen, das bis dahin gelegen. Ihre Augen funkeln, wie wenn der Stahl auf den Stein schlägt, ihre weißen Zähne glänzen zwischen den geöffneten Lippen hervor, indem sie das vierte Gericht aufträgt: Und dann ißt er Strudel mit Quark!Bis zu der schwindelnden Höhe des Strudels mit Quark vermag sich selbst der kühne Flug der Zigeunerphantasie kaum noch zu erheben. Die bisherigen Genüsse .haben ihre Schwingen so belastet, daß sie kaum bis zu diesem siebenten Himmel empordringen kann. Aber das Mahl ist zu Ende. Es folgen noch die beredten Trauben, die lächelnden Birnen, die lockenden Pfirsiche. Und dann die Weine, einer feiner als der andere! Einer alt wie der Urgroßvater und schwarz wie Ochsenblut, der andere blond wie Gold, aber süß, feurig, berauschend sind sie alle. Sie nehmen solche Schlücke kein Wunder, daß ihnen in dem einschläfernden warmen Glänze die Lider sinken. Die Domuhr schlägt eins. Jede wohlgesittete Familie erhebt sich jetzt vom Tische. Auch die Zigeuner trollen sich. Der Häuptling in die Stadt, nachzuforschen, ob nickt eine Taufe oder Hochzeit in Aussicht steht. Großvater flickt seine Baßgeige weiter, und auch die andern suchen sich Arbeit: im Nothfalle streichen sie Ziegel. Ja, nach dem Essen muß man wieder an die Arbeit gehen! Nur der Kleinste sitzt wieder auf dem Kessel und kratzt: Röslein, wollen kaufenBrot und dünnen Speck, Gold'nes Schloß, das auf dem Rittersporn sich dreht . . ." Stttch ine fische Taxameter. Wenn man alauöt. dak die Tara-meter-Drolckken eine Errungenschaft der Neuzeit sind, so irrt man. Nach einem original-chinestschen Gejchichtswerk erbaute unter der Herrschaft des Kaisers Jönn Dsung (zu Anfang des elften Jahrhunderts) einer der hohen ilast-,amten amenö 1!U 5UavLuna einen Reaistrir-Meilen-Trom mcl-Waaen teUliucIrn). Dieser Wagen hatte nur eine Deichsel und zwei Rader. In zeder semer zwei Etaaen war eine Person aus Holz. die einen hölzernen Klöppel aufrecht hielt. Sobald der Wagen eine Meile durchlaRfen hatte, that die Holzfigur im unterenStockwerk einen Scklaa auf eine Trommel, und ein in halber Hohe anaebracktes Rad drehte sich emmal. Nachdem der Wagen zehn Meilen durchlausen hatte, vollführte die Holzsicu? in der oberen Etage einen Schlag gegen ein Glöckchen. Aber nicht genug, daß dieser chinesische Taxameterwagen die Anzahl der zurückgelegten Meilen selbstthätig registrirte, war er blsweilen auch noch mit einer Art Neuerung verbunden. Zwischen den Deichseln befand sich nämlich, wie m der kostba ren Bildersammlung tsan tssai thu hao heute noch an. verschiedenen Zeich nungen zu sehen ist. ein Kästchen mit einem Magnet, mit dem ein Pflock in senkrechter Richtung in Verbindung stand.. ' Darauf saß eine sogenannte Gcisterfigur aus geschnitztemHolz oder Jad.estein mit wagerecht ausgestrecktem Arm derart, daß. selbst wenn der Wagen umwendete, doch die .Hand stänfrg zeigte Süden- (sclioeu tschang dchi nan). Heimliche Liebe. Der Frieder stand alleine: O daß ich armer Wicht Erführe nur das Eine, Liebt sie mich oder, nicht?" ' Sternblümchen will ich fragen," -Bei sich die Grete spricht Soll mir das Eine sagen, Libt er mit oder nicht?Jndessen hielt im Städtchen Man heimlich schon Gericht: Was ist's denn mit dem Grztchen, N i m m t er sie oder nicht?Protest. Docior: Lieber Freund, hier stelle ich Dir Frau Eommercienrath Veilchendnst vor sie ist eine alte Bekannte von mir.- Eommercienräthin: Lieber Doctor. ich bitte künftig wegzulassen das alr!-EinMufter-Thee. Dame: Ist dieser Thee wirklich so gut?Apotheker: Ausgezeichnet! Wer von dem nicht gesund wird, der ist überHaupt nicht krank!" Kasernhofblüthe. Unterofficier: Was, Privatdocent sind Sie in Ihrem Berufe, Einjähriger?!" Na, da haben Sie sich aber früh in's Privatleben zurückgezogen!"
Stubenmädchens Heirath. Von Rudolph v. Rosen. Seit zwölf Jahren war Emma beim
Herrn Sectionschef X. alsStubenmädchen bedienstet; sie hatet von ihrer frü-. reren Herrin, einer Banquiersgattln, die damals ihren Haushalt in Wien auflöste und nach Paris übersiedelte, gute Empfehlung gehabt. Der Sectionschef, seine Gemahlin und eine einzige Tochter, die schon über die Dreißig war und keinen Mann finden konnte. weil ihr jegliche weiblichen Reize abgingen . diesen drei Persönlichkeiten hatte Emma zu gehorchen. Dies nel ihr nicht schwer, denn der Herr Sectionschef sprach niemals direct mit den Dienstboten, seme Gemahlin, eme stets kränkelnde Dame, war die Geduld und Güte selbst. dasFräulein schriftstellerte und bekümmerte sich weder um Emma, noch um die alte Köchin Resi. Im Hause des Sectronschefs herrschte eine Musterwirthschaft bis zu dem Zeitpunkte, als das Stubenmädchen von der fixen Idee befallen wurde, herrathen und durchaus Frau" werden zu müssen. Fünfunddreißig Jahre war Emma alt geworden und ein treuer, braver Dienstbote ohne Männerbekanntschaften gewesen jetzt hielt sie's im Dienste nicht mehr aus. Alles wurde ihr zuwider. Der Sectionschef bedankte sich nicht bei Emma, wenn sie ihm den Ueberrock anziehen half und Hut und Stock reichte. Der Brummbär! . . . War sie nur erst Frau, fo dachte das beleidigte Stubenmädchen, dann würde sich Keiner erlauben, ihr Sklavendienste zuzumuthen, ohne ein Wort des Dankes dafür zu sprechen. Die kranke Gnädige! Nichts war ihr mehr recht! Wie scharf sagte sie stets: Emma, poltern Sie nicht so arg. denn es schmerzt mich im Kopse. Ach, machen Sie das leiser. Ich b i t t e Sie darum!" - Wie befehlend und hämisch dieses bitte" klang und wie verächtlich der Blick Emma streifte. Während der ganzen früheren Jahre hatte Emma dies nicht bemerkt, nun, da sie Ersparnisse besaß und dem ewigen Dienen" ein Ende bereiten wollte, nun empfand sie alle die Demüthigungen, die man nur einem Dienstboten zuzufügen wagt. Das dichtende Fräulein erst! Das w.ir eine hoheitsvolle Prinzessin. Wenn sie klingelte, so klang's so gebieterisch; und trat Emma ein. dann deutete das Fräulein nur stumm auf die Lampe, die anaellndet werden, oder auf den Gegenstand, der hinausgetragen wer den sollte. Worte verschwendet man nicht an d:s Stubenmädchen. Aber die empörte Emma blieb in der letzten Äeit nicht schweigsam, sie fragte, was das Fräulein wollte, und plapperte so lange weiter, bis die Schriftstellerin ernst entaeanete: Sie stören , meinen Gedankengang !" Solche Ueberhe buna! Das Fräulein wollte dem Dienstboten damit wohl sagen, daß em die nendes Wesen keinen Gedankengang babe. der gestört werden könnte. Emma redete doch, klapperte im Zim mer der kranken Gnädigen barbarisch und half dem Sectionschef nicht mehr beim Rockanziehen. Auch brach sie icden Tag einen Streit vom Zaun mit der Köchin, diesem impertinenten Frauenzimmer, das durchaus nicht Emmas Lieblingsmehlspeise . kochen wollte, sondern nur für den Gaumen des Herrn Sectionschefs sorgte. Kurz und gut: Emma konnte es in diesem entseklicken 5ause. wo man dem Dienstboten zu Weihnachten blos den Stoff für ein Kleid und zum Namenstage eine lumpige Fünfgulden - Note schenkte, nicht länger aushalten. Nur heirathen Frau werden! Der Bräutigam fand sich: ein vaci render öerrschaftsdiener. ein Mann mit den feinsten Manieren", hübsch und um fünf Jahre jünger, als Emma. Dafür hatte Emma einige hundert Gulden in der Sparkasse. Die genug ten, um irgend ein kleines Geschäft anzufangen o, der Bräutigam wußte Emma von seinem Geschäftssinn zu überzeugen. Er selbst wollte die Bertretunq einer Liqueurflrma uberneh men. Alle die Grafen und Barone, mit denen er bekannt war", mußten ja seine Kameraden werden. Also heirathen! Fort aus dem Dienste! Emma litt es nicht länger in solch' demüthigender Stellung. Auch drängte der Bräutigam zu einem raschen Entschlusse. , Emma!- lispelte die Gnädige, als es. das Stubenmädchen mit dem lap vern und Voltern aar m axa trieb. Der Herr äußerte seine Unzufrieden heit über Ihr sonderbares Vernehmen und auch ich .Wenn Alle mit mir unzufrieden sind, dann kann ich ja gehen!" platzte das Stubenmädchen heraus. Ich werde mich in den nächsten Wochen verheirathen! So! Nun wußte sie's, die Gnä dige ... - Die Dame des Hauses war auch erstaunt und fragte in gütigem Tone: Haben Sie die nöthige Vorsicht bei der Wahl Ihres künftigen Mannes walten lassen und diesen Schritt gut bedacht?- Emma empörte diese Bevormundung. Ich weiß, was ich zu thun habe!" antwortete sie schnippisch. Die Gnädiqe sprach keine Silbe mehr. Das Fräulein zündete sich in den letzten Tagen d:e Lampe selbst an und betrachtete Emma manchesmal fi recht mittelvsvou. )ie Gnaolge oeschenkte das austretende Stubenmädchen mit einigen alten, aber noch gut er haltenen Möbelstücken und mit einem ganz neuen. Hunderter. Sie waren ja so lange fleißig - und redlich. Emma!"... Sogar der Sectionschef geruhte, das Stubenmädchen anzusprechen: Wünsche, daß es Ihnen gut geht. . . . ' Vcaeben Sie mit der öeiratb nur keine Dummheit!" Emma drehte sich entrüstet um. Zürnend vezließ sie das
Haus, wo ein Dienstbote so rücksichts--
los behandelt wurde. Geheirathet war bald und auch tin Eonditorladen mit von einem großen. Zuckerbäcker bezogenen Süßigkeiten angefüllt. Emma schwelgte in dem. Glücke, Frau zu fein; sie hielt sich eine, Magd, um doch mit Jemandem herumschafsen- zu können. Daß nur wenige Kunden in den Laden kamen, bekümmerte Emma nicht. Wenn Anton das war der junge, fesche Herr Ge. mahl, der so zärtlich Mit seinem Weibchen umging erst seinen Liqueur verkaufte. Das Geld, welches ihm Emma zur Herstellung von Druasorten gegeben hatte, mußte sich reichlich verzinsen. Anton hatte viele Ge-" schäftsgänge zu machen und kam oft. spat bei Nacht heim. Einmal war er von einer Nachbarin mit einer auffallend gekleideten Frauensperson gesehen. woroen. mma oesragie ryn varuoer. Ah! Das war das Stubenmadel. eines meiner besten Liqueurconsumenten! So ein Stubenmädel bei einer reichen Herrschaft ist eine gar wichtige Person, mit der man sich gut verhalten. mutz." Diese Antwort machte Emma. nicht heiter, ebensowenig der Umstand daß Anton schon wieder eme Summe zur Anschaffung eigenthümlich geformt ter Flaschen für seinen Liqueur be-" nöthigte. Nach emigenMonaten mußte Emma ihrem Manne sagen, daß sie kein Geld mehr besitze. Es erfolgte die Demaskiruna dieses Gentleman mit den feinen Manieren. Er trieb sich mit1 leichtfertigen Madchen herum, kam be--trunken in das Geschäft, nahm dicr paar Kreuzer aus der Lade, beschimpfte. seine Gattm, trotzdem sie guter Hofs. nung war, und prügelte sie, wenn sie.nicht willig .sich in ihr Loos ergab. Ab--warts ama es mit dem Geschäft, verpfändet warenMöbel und Geräthschaf'ten Emma hungerte! Ihr Mann. ließ sich gar nicht mehr sehen. In einer Kellerstube gebar Eroms ein Töchterchen. Die Noth stieg biSzu dem Punkte, wo keine Kraft des Erlragens ausreicht. Kaum genelen, raffte sich die Verzweifelnde auf und ihr wimmerndes Kind in durchlöcherte Lappen gehüllt mit sich nehmend. wankte sie zu dem Hause des Sectlons--chefs. Dort erfuhr sie, daß der Sec--tionschef gestorben war und dessen Ge- . mahlin und Tochter nach Deutschlandübersiedelt waren, wo das Fräulein mit literarischen Größen in Verbin--dung treten wollte. Also auch derletzte Rettungsanker existirte für: Emma nicht mehr . . . Und das Ende' dieser Geschichte der- Heirath eineä Stubenmädchens? Es ist so grausig., daß die Schilderung besser unterbleibt Gurgelnde Wellen des Flusses, der. eine todte Mutter und ihr todtes Kind' fortträgt gurgelnde Wellen. Jhri nahmt in Euere nasse, fchaurige Um-, armung schon so manche Unglückliche, die ein ähnliches Schicksal fand, wie das Stubenmädchen Emma. Der Anarchist. Eine überaus bezeichnende Anekdote macht in Wien gegenwärtig die Runde. Auf einem jener Gesellschaftsabende wo die Eingeladenen einander ebenso fremd sind wie der Hausherr den meisten seiner Gäste, machte sich ein älterer Herr mit ergrautem Vollbart und l'ü sterem Gesichtsausdruck unliebsam bemerklich. Er hatte nämlich ein ganz finsteres Knopfloch. Kein Kettchen. kein Bändchen, kein Kreuzchcn, kein Medaillecben nichts war an dem. .unheimlich schwarzen Knopfloch zu sehen, das inmitten der Milchstraße von funkelnden Ordenssternen inr Saale anzusehen war wie ein Kohlensack. Seit dem 2. December gibt eä nämlich wohlgezählte drei Millioaerc Dekorirte mehr in Oesterreich. Kein. Wunder, daß der Mann ohne Orderr. Aufsehen erregte und daß man sich den. Kopf zerbrach, was er wohl sein könnte. Beim Militär kann er nicht gedient haben, sonst hatte er die Militär - Me daille." . . . f, ,Z . Beamter kann er auch nicht'gewcsen. sein, sonst hätte er die Eivildienst-Me daille." Bei Hof kann er auch nicht gewesen sein, sonst hätte er die Hof-Medaille.-Bürgerm:ister oder dergleichen war er ebenfalls nicht, sonst hätte er den Franz Josefsorden." Künstler, Gelehrter u. f. w. ist ersuch nicht, sonst müßte er in seinenr Alter mindestens das Verdienstkreuz, mit der Krone haben." Nicht einmal als Kanzellist bn einem Advokaten kann er 40 Jahre ge dient haben, sonst hätte er die Jubilä ums - Medaille." Was kann denn ein Mensch sein, der heutzutage keine Auszeichnung hat?" resumirte ei Herr mit fünf Or den. In Ehren kann er nicht ergraut sein," versicherte ein Herr mit sieben Orden. Ich halte ihn für einen Anarchisten; ja, ja, es gibt keine andere Erklärung sprach ein Herr mit zehn Orden. Wie kommt so Einer in diese Gesellschaft? Und sie stürzten allesammt über den Hausherrn her, den sie an seiner sauren Miene erkannten, und wiesen auf den Finsterling mit dem anarchistischen rack. i Der derSchreckliche dort ohne Orden kennen Sie ihn?" Den? O ja; es ist der Präsiden! der k. k. Akademie der Wissenschaften, der berühmte Geologe Eduard Suen! Moderner Anstandsbegriff. Weltdame (zur verlobten Tochter): Eine gewisse Zeit wirst Du natürlich anstandshalber bei Deinem Gatten aushalten müssen." Gleichgeholfen. Direktor: Das Stück ist ja ganz gut! Aber die Helden heirathen zu früh, 'S füllt mcht'n Abend." Verfasser: Machen, wir noch 'n Akt, in dem sie sich wieder süeiden lassen!" .
